0335/2026
Machbarkeitsstudie für ein Expressbusnetz in Köln
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Anlage 1_MBS-Expressbus-Koeln_Schlussbericht
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WVI 1 von 101 Machbarkeitsstudie zur Einrichtung eines Expressbus-Netzes in Köln Abschlussbericht WVI 2 von 101 Machbarkeitsstudie zur Einrichtung eines Expressbus-Netzes in Köln Abschlussbericht (Stand: 16.04.2025) Auftraggeber: Stadt Köln Amt für nachhaltige Mobilitätsentwicklung Willy-Brandt-Platz 2 50679 Köln Auftragnehmer: WVI Prof. Dr. Wermuth Verkehrsforschung und Infrastrukturplanung GmbH Nordstraße 11 38106 Braunschweig plan:mobil Verkehrskonzepte und Mobilitätsplanung Dipl.-Geogr. Frank Büsch Ludwig-Erhard-Straße 14 34131 Kassel Bearbeiter: WVI: Florian Amme, Lars Brinkmann, Jutta Henninger, Sophie Laufer, Jochen Sauer plan:mobil: Frank Büsch, Johannes Jahn, Felix Kühnel WVI 3 von 101 April 25 Gliederung 1 Ausgangssituation und Zielstellung ............................................................................... 7 2 Projektablauf und -beteiligung ....................................................................................... 8 3 Bestands- und Potenzialanalyse (AP 1) ........................................................................ 10 3.1 Datengrundlagen ......................................................................................................... 10 3.1.1 Zusammenstellung und Bewertung von Merkmalen hochwertiger Bussysteme ............................................................................... 10 3.1.2 Verkehrsmodell Köln........................................................................................ 10 3.1.3 Beschlüsse der Stadt Köln ............................................................................... 12 3.2 Nachfrageanalyse ........................................................................................................ 13 4 Umlegung der Korridore und verkehrliche Bewertung (AP 2) ................................... 18 4.1 Festlegung der Linienkorridore ................................................................................. 18 4.2 Bewertung der verkehrlichen Wirkung ..................................................................... 20 5 Zusammenfassung, Empfehlung, weiteres Vorgehen ................................................ 26 6 Vertiefte Untersuchung der Vorzugsvarianten (AP 3) ................................................ 28 6.1 Planungsprämissen ..................................................................................................... 28 6.2 Infrastrukturelle und betriebliche Maßnahmen ...................................................... 30 6.2.1 Übersicht über die Maßnahmenbausteine ................................................... 30 6.2.2 Übersicht über Maßnahmen in den einzelnen Linienabschnitten ............ 45 6.3 Betriebskonzept ........................................................................................................... 72 6.3.1 Fahrplanung ...................................................................................................... 72 6.3.2 Mögliche Anpassungen am Bestandsnetz .................................................... 74 6.4 Wirtschaftliche Bewertung und Kostenschätzung .................................................. 74 6.5 Empfehlungen für Produktmerkmale ....................................................................... 80 6.6 Abschließende Beurteilung und Umsetzungsvorschlag ......................................... 82 7 Anhang ............................................................................................................................. 84 7.1 Fahrplanentwürfe Linie X1 ....................................................................................... 84 7.2 Fahrplanentwürfe Linie X5 ....................................................................................... 85 7.3 Steckbriefe höherwertige ÖPNV-Systeme ............................................................. 87 7.3.1 Bus-Rapid-Transit-System ............................................................................... 88 7.3.2 Trolleybus ......................................................................................................... 94 WVI 4 von 101 7.3.3 Expressbus ........................................................................................................ 96 7.3.4 Metrobus........................................................................................................... 99 WVI 5 von 101 Abbildungsverzeichnis Abbildung 1: Modal Split der Wege nach Entfernungsklasse für Metropolen in NRW, Montag-Freitag (Mobilität in Deutschland, 2017). ...................... 14 Abbildung 2: Schematische Darstellung der in AP 1 ermittelten Potenzialkorridore auf Basis der Nachfrageanalyse aus dem Prognose-Nullfall P0 des Verkehrsmodells. ............................................... 17 Abbildung 3: Untersuchte Linienkorridore für die zuvor in AP 1 ermittelten Potenzialkorridore. ........................................................................................ 19 Abbildung 4: Belastungsveränderungen im werktäglichen ÖV [Personenfahrten/Tag]. ÖV-Belastung Planfall P1 gegenüber ÖV-Belastung im Prognose-Nullfall P0. ...................................................... 22 Abbildung 5: Übersichtskarte der Linienverläufe der beiden Expressbuslinien (vergrößerte Darstellung siehe Anlage). ...................... 28 Abbildung 6: Beispielvisualisierung - Innere Kanalstraße ............................................... 32 Abbildung 7: Beispielvisualisierung - Haltestelle Heinrich-Lübke-Ufer. ........................ 36 Abbildung 8: Beispielvisualisierung - Haltestelle Möhlstraße (Bergisch Gladbacher Straße). ...................................................................................... 38 Abbildung 9: Beispielvisualisierung - Haltestelle Universität. ......................................... 40 Abbildung 10: Beispielvisualisierung – Olpener Straße. .................................................... 43 Abbildung 11: Übersichtskarten der Einteilung der beiden Expressbuslinien in einzelne Linienabschnitte (größere Darstellung siehe Anlage). .............. 47 WVI 6 von 101 Tabellenverzeichnis Tabelle 1: Projektablauf der Machbarkeitsstudie nach Arbeitspaketen. ................... 9 Tabelle 2: Abstufung des Reisezeitverhältnisses ÖV/MIV gemäß Richtlinien für integrierte Netzgestaltung (RIN), Anlage A2. .................... 15 Tabelle 3: Angewandte Bewertungskriterien für die Auswahl geeigneter aggregierter Quelle-Ziel-Relationen für die Bildung von Potenzialkorridoren. ..................................................................................... 16 Tabelle 4: Untersuchte Linienkorridore für die zuvor in AP 1 ermittelten Potenzialkorridore. ........................................................................................ 20 Tabelle 5: Betriebsleistungseckdaten Montag-Freitag zum Expressbus- Angebot........................................................................................................... 20 Tabelle 6: Einsteigende je Tag und untersuchtem Linienkorridor. ........................... 23 Tabelle 7: Einsteigende je Tag und Verkehrsmittel im ÖV. ........................................ 24 Tabelle 8: Verkehrsverlagerungen zwischen den Verkehrsmitteln im Binnen-, Quell- und Zielverkehr. .................................................................. 25 Tabelle 9: Empfehlung: Linienkorridore für die weitergehende Untersuchung. ............................................................................................... 27 Tabelle 10: Fahrzeiten und Fahrzeitersparnisse auf den beiden Expressbuslinien. ........................................................................................... 73 Tabelle 11: Umlaufzeiten, Fahrzeuganzahl und Fahrplankilometer auf den beiden Expressbuslinien. .............................................................................. 75 Tabelle 12: Abschätzung der jährlichen Betriebskosten inkl. der Kosten für die Anschaffung der Fahrzeuge auf den beiden Expressbuslinien. ........................................................................................... 75 Tabelle 13: Abschätzung Kosten für die Umsetzung betrieblicher und infrastruktureller Maßnahmen auf den beiden Expressbuslinien. ........................................................................................... 77 WVI 7 von 101 1 Ausgangssituation und Zielstellung Ein Ziel der Stadt Köln ist die weitere Attraktivierung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) und die Stärkung des Umweltverbundes. Für Bevölkerungsgruppen mit keinem oder nur eingeschränktem Zugang zu individuellen Mobilitätsformen erfüllt der ÖPNV eine Schlüsselfunktion zur sozialen Teilhabe. Mit der Einrichtung eines Expressbus-Netzes im Stadtgebiet kann ein weiterer Baustein für die Erreichung dieser Zielstellung erfüllt werden. Die Grundlage dafür ist der im Jahr 2016 durch den Rat der Stadt Köln gefasste Beschluss „KölnMobil – Express-Bus-Netz für Köln“ (10.05.2016, Vorlage-Nr. AN/0806/2016). Dieser Baustein reiht sich ein in eine Palette von Maßnahmen, die die Stadt Köln bereits bearbeitet und umsetzen will . So wird eine ehrgeizige Ausbauplanung des Stadtbahnsystems sowie eine umfangreiche Erweiterung des S- und Regionalbahn-Angebots, für das sich der SPNV-Aufgabenträger go.Rheinland verantwortlich zeichnet, verfolgt. Gleichzeitig wird der öffentliche Straßenraum neugestaltet, um auch die Bedürfnisse des Fuß - und Radverkehrs angemessen zu berücksichtigen. Hierbei sollen auch die Vernetzung der Verkehrsmittel vorangetrieben und damit weitere Möglichkeiten zur Attraktivierung des öffentlichen Nahverkehrs genutzt werden. Diese Maßnahmen sind im Kontext der im Jahr 2023 beschlossenen Strategie Klimaneutrales Köln zu sehen , welches das Ziel hat, bis zum Jahr 2035 Klimaneutralität für die Stadt zu erreichen. Im Rahmen dieser Machbarkeitsstudie wurden in der ersten Stufe nach der Bewertung von Merkmalen hochwertiger Bussysteme potenzielle Linienführungen und Haltestellen für ein stadtweites Expressbus -Netz erarbeite t und f ür verschiedene Relationen eine Abschätzung hinsichtlich ihrer Machbarkeit und verkehrlichen Wirkung getroffen sowie eine Bewertung der Verbindungen untereinander durch geführt. Diese Ergebnisse der Arbeitspakete 1 und 2 wurden im Verkehrsausschuss der Stadt Köln im Juni 2024 vorgestellt (Zwischenbericht; Vorlagenummer 1462/2024). Auf der Grundlage dieser Abstimmung erfolgte die Bearbeitung der weiteren Arbeitspakete mit einer vertieften Untersuchung für zwei präferierte Linienführungen, in der die erforderlichen Maßnahmen, Kosten und die zu erwartenden Auswirkungen für eine Realisierung herausgearbeitet werden. WVI 8 von 101 2 Projektablauf und -beteiligung Zur Durchführung der Machbarkeitsstudie wurden die WVI GmbH aus Braunschweig gemeinsam mit plan:mobil , Verkehrskonzepte & Mobilitätsplanung, aus Kassel beauftragt. In die Bearbeitung einbezogen waren neben den Auftragnehmern durch einen gemeinsamen Arbeitskreis auch Vertreter*innen aus Verwaltung und KVB. In allen Projektphasen wurden regelmäßige Arbeitstreffen abgehalten. Ziel dieser Treffen war es, die jeweils erarbeiteten Teilergebnisse vorzustellen sowie das weitere Vorgehen bezüglich der anstehenden Ar beitsschritte abzustimmen. Auf diese Weise wurde im Projektverlauf sichergestellt, dass die Machbarkeitsstudie im Einklang mit aktuellen Vorhaben und Beschlüsse n der Stadt steht und in die aktuellen Planungsprozesse eingebunden ist. Der Bearbeitungszeitraum erstreckte sich dabei von Juni 2023 bis Anfang 2025. Die nachfolgende Tabelle 1 zeigt die beauftragten Arbeitspakete (AP) der Machbarkeitsstudie im Überblick. Die Steckbriefe für höherwertige Bussysteme (AP 2) werden zusammen mit AP 3 im Schlussbericht dargestellt. Aufgaben AP 1 Bestandsaufnahme & Analyse Berücksichtigung vorliegender Daten und Beschlüsse Nutzung des Verkehrsmodells Köln (Entwicklung Prognosezustand 2025) Analyse der Verkehrsverflechtungen im Stadt - und Stadt-Umland Verkehr von Köln Ermittlung von potenziellen Linienkorridoren zur weiteren Bearbeitung AP 2 Umlegung der Korridore, verkehrliche Wirkung und Bewertung Erarbeitung von Steckbriefen für höherwertige Bussysteme (Expressbus, Metrobus, Bus Rapid Transit System, etc.) Ableitung von Linienkorridoren im Straßennetz aus den Potenzialkorridoren von AP 1 Untersuchung der verkehrlichen Wirkung der ausgearbeiteten Linienkorridore in einer Planfallberechnung (P1) des Verkehrsmodells Bewertung der Linien korridore anhand quantitativer und qualitativer Kriterien Empfehlung von zwei bevorzugten Linienkorridoren für Beschlussvorlage WVI 9 von 101 AP 3 Vertiefte Untersuchung der bevorzugten Linienkorridore Betriebstechnische und bauliche Untersuchung Kostenschätzung Abschließende Bewertung und Umsetzungsvorschlag AP 4 Berichtswesen Kurzer Zwischenbericht nach Abschluss von AP 2 Endbericht mit Kurzfassung nach Abschluss von AP 3 Tabelle 1: Projektablauf der Machbarkeitsstudie nach Arbeitspaketen. WVI 10 von 101 3 Bestands- und Potenzialanalyse (AP 1) 3.1 Datengrundlagen Am Beginn der Untersuchung stand die Analyse der derzeitigen ÖPNV -Nachfrage im Kölner Stadtgebiet, um für Expressbuslinien geeignete Quelle -Ziel-Relationen zu identifizieren. Hierzu wurden zunächst mehrere Datengrundlagen vorbereitet. 3.1.1 Zusammenstellung und Bewertung von Merkmalen hochwertiger Bussysteme Zu Beginn der Bearbeitung erfolgte eine Zusammenstellung von Merkmalen hochwertiger Bussysteme, wie sie in anderen Großstädten zum Einsatz kommen. Steckbriefe hierzu sind in Kap. 7.3 dargestellt. Für die weitere Bearbeitung der Machbarkeitsstudie wurde auf der Grundlage der Zusammenstellung der verschiedenen charakteristischen Merkmale der Bussysteme festgelegt, dass das Produkt Expressbus weiterhin am besten geeignet erscheint . Maßgeblich hierfür erscheinen die, im Vergleich zu Bus -Rapid-Transit-Systemen oder Trolleybussen, geringeren Aufwände für infrastrukturellen Maßnahmen. Gleichzeitig stellt das Produkt Expressbus mit den Merkmalen einer möglichst hohen Reisegeschwindigkeit sowie der Einrichtu ng neuer Direktverbindungen eine sinnvolle und attraktive Ergänzung zum bestehenden Stadtbahn - und Busangebot im Kölner Stadtgebiet dar, das geeignet erscheint, weitere Fahrgastpotenziale zu heben. Die im Vergleich zu regulären Buslinien kürzeren Fahrtzeit en bieten den Fahrgästen einen Mehrwert, ohne dabei zu große Einbußen bei der Flexibilität der Linienführung, wie bei trassengebundenen Verkehrsmitteln, hinnehmen zu müssen. In Summe bietet die Wahl des Expressbusses als Bussystem aus gutachterlicher Sicht große Vorteile für eine weitere Attraktivierung des ÖPNV-Angebots auf starken Achsen in Köln. 3.1.2 Verkehrsmodell Köln In einem gesonderten Projekt hat die WVI GmbH das Verkehrsmodell der Stadt Köln neu aufgebaut. Die Machbarkeitsstudie stellt demnach einen ersten Anwendungsfall für das neue Modell dar. Der Analysezustand des Verkehrsmodells basiert auf dem Bezugsjahr 2018. In die se Modellierung sind die Ergebnisse der Untersuchung „Mobilität in Deutschland 2017“ (MiD 2017) als zentrale Datengrundlage eingeflossen. Um die verkehrlichen Wirkungen eines zukünftig umzusetzenden Expressbusnetzes realistisch abbilden und bewerten zu können, wurde das Verkehrsmodell für die vorliegende Machbarkeitsstudie um einen Prognosezustand mit Bezugsjahr 2025 WVI 11 von 101 erweitert. Die WVI GmbH arbeitete dazu eng mit den zuständigen Verkehrsmodellierer*innen der Stadt Köln und der KVB zusammen. Es wurden folgende Entwicklungen für die Vorausschau bis 2025 angenommen: Einwohnerentwicklung in Köln und im Umland (inkl. Wohnbauentwicklungen in Köln) Arbeitsplatzentwicklung (unter Berücksichtigung von Gewerbeflächenentwicklungen) Schulentwicklung Siedlungsentwicklungen (Neubaugebiete / Gewerbegebiete / Einkaufs - und Freizeitgelegenheiten) Veränderungen des Verkehrsangebots der unterschiedlichen Verkehrssysteme: Änderungen im Straßennetz (z.B. Aufhebung von Baustellen, Geschwindigkeitsanpassungen, Reduktion von Fahrstreifen zur Begünstigung des Radverkehrs) Änderungen im Radverkehrsnetz Änderungen im ÖV -Angebot mit Übernahme des ÖV -Fahrplans 2023 (Regelfahrplan ohne Einschränkungen) Angenommene Änderungen im Mobilitätsverhalten der Bevölkerungsgruppen (Zunahme des Home-Office-Anteils, Freizeitverkehre, etc.) in Anlehnung an die Annahmen des B undesverkehrsministeriums (BMDV) zum Bundesverkehrswegeplan. Dieser erweiterte Prognosezustand diente in der folgenden Projektbearbeitung als Basis-Vergleichsfall (bzw. „Prognose-Nullfall“ P0) für die Bewertung der Effekte, die sich durch das Expressbusnetz ergeben werden. Über das Verkehrsmodell hinaus sind eine Reihe an zusätzlichen Datenquellen in die Bearbeitung eingeflossen. So konnte die WVI GmbH auf eine eigene Untersuchung aus dem Jahr 2018 zurückgreifen, in der die Auswirkungen starker ÖV - Nachfragesteigerungen auf d as ÖV -Netz des Verkehrsverbundes Rhein -Sieg (VRS) untersucht worden waren. In dieser Studie wurde u. a. festgestellt, dass die Schienenstrecken im Zulauf auf Köln und die Kölner Innenstadt hochbelastet und z. T. überlastet sind. Es wurde u. a. empfohlen, d urch tangentiale Busverkehre die hochbelasteten Schienenabschnitte zu entlasten. Die Einrichtung von Busverkehren wurde u. a. deshalb empfohlen, weil der Ausbau von Schienenverkehren nicht kurzfristig umsetzbar ist. Demgegenüber können Busverkehre deutlich schneller geplant und eingeführt werden. WVI 12 von 101 3.1.3 Beschlüsse der Stadt Köln Folgende Beschlüsse der Ratsgremien der Stadt Köln, die diese Machbarkeitsstudie direkt betreffen, wurden in die Untersuchung einbezogen: „KölnMobil“ – Express-Bus-Netz für Köln vom 10.05.2016 (Vorlage-Nr. AN/0806/2016) Dritter Nahverkehrsplan der Stadt Köln vom 11.07.2017 Einrichtung einer Buslinie auf der Inneren Kanalstraße (Vorlagen-Nr. 1946/2022) Strategiepapier Klimaneutrales Köln (2547/2022) Weiterhin wurden folgende Beschlüsse bei der Studienerstellung mitberücksichtigt: BV Ehrenfeld: Schnellbusverbindung linksrheinisch vom 14.02.2011 (Vorlage -Nr. AN/0247/2011) Verkehrsausschuss: Busbeschleunigung Dürener Straße vom 17.04.2018 (Vorlage - Nr. 3236/2017) Rat: Expressbuslinie Ost-West-Achse vom 18.12.2018 (Vorlage-Nr. 3211/2018) Ausschuss für Anregungen und Beschwerden: Einrichtung einer Buslinie zwischen Westhoven – Kölner Straße der Linie 7 und linksrheinisch Heinrich -Lübke-Ufer vom 05.02.2019 (Vorlage-Nr. 3477/2018) BV Lindenthal: Busverbindung Klettenberg – Sülz – Lindenthal – Müngersdorf vom 01.07.2019 (Vorlage-Nr. AN/0871/2019) BV Lindenthal: Nord-Süd-Buslinie vom 13.09.2021 (Vorlage-Nr. AN/1803/2021) BV Rodenkirchen: Errichtung einer Schnellbuslinie zwischen Bahnhof Hürth - Kalscheuren – Köln-Rondorf – Köln Rodenkirchen – Heumarkt vom 07.03.2022 (Vorlage-Nr. AN/0360/2022) BV Kalk: Für eine mobile Schäl Sick – Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs im rrh. Köln voranbringen! vom 27.11.2024 (Vorlage-Nr. AN/1575/2014) BV Porz: ÖPNV Porz vom 04.07.2019 (Vorlage-Nr. AN/0922/2019) BV Porz: Einrichtung einer Busspur zur Entlastung Schmittgasse von der Ranzeler Str. bis zur Wahner Str. vom 10.12.2019 (Vorlage-Nr. AN/1646/2019) Ausschuss für Anregungen und Beschwerden: Anlegen einer Busspur auf der Frankfurter Straße vom 21.01.2020 (Vorlage-Nr. 0533/2019) Beschlüsse der Bezirksvertretungen Rodenkirchen , Porz und Lindenthal zur Untersuchung einer Stadtbahnlinie auf der Inneren Kanalstraße BV Porz: Schnellbusliniennetz für Porz vom 11.05.2023 (Vorlagen -Nr. AN/0739/2023) diverse Bürger*inneneingaben WVI 13 von 101 3.2 Nachfrageanalyse Ausgehend vom Prognose-Nullfall im Verkehrsmodell wurden über die Nachfrageanalyse Potenzialkorridore entwickelt. Diese dienten als Grundlage, um im AP 2 konkrete Linienführungen auszuarbeiten. Um geeignete potenzielle Expressbus -Korridore zu ermitteln, war es notwendig, die Verkehrsnachfrage der Bevölkerung räumlich zu analysieren. Für die Machbarkeitsstudie wurde dazu der sogenannte „ Prognose-Nullfall“ (P0) des Verkehrsmodells (modelliertes Verkehrsgeschehen 2025 ohne Expressbusse) ausgewertet, wobei mehrere Perspektiven betrachtet und zusammengeführt wurden: Die Nachfrage muss hoch genug sein, um die Einrichtung einer Expressbus -Linie zu rechtfertigen. Merkmal einer Expressbus-Linie ist die rasche Beförderung der Fahrgäste, wobei i. d. R. größere Reiseentfernungen zurückgelegt werden als über Stadtbusse. Im Sinne der Mobilitätswende sind vor allem solche Quelle -Ziel-Relationen interessant, die ein nennenswertes Verlagerungspotenzial vom MIV auf den ÖV darstellen. Gleichzeitig kann es sinnvoll sein, bestehende ÖV -Verbindungen zu entlasten oder Direktverbindungen zu schaffen und so die Attraktivität des ÖV gegenüber dem MIV zu steigern. Im Verkehrsmodell der Stadt Köln liegen feinteilige Verkehrsbeziehungen zwischen den rund 2.700 einzelnen Verkehrszellen vor (davon im Stadtgebiet Köln 1.454 Verkehrszellen), die in Summe ca. 3,5 Mio. Wege am Tag allein innerhalb des Stadtgebiets Köln abbilden. So umfasst eine Verkehrszelle im Kölner Stadtgebiet meist nur wenige Straßenzüge und ggf. eine Haltestelle zur Anbindung an das ÖV -Netz. Um geeignete Linienkorridore zu finden, wurden deshalb die Verkehrsströme aus dem Verkehrsmodell innerhalb des St adtgebiets auf Stadtteilebene gebündelt. Beispielsweise wurden alle Verkehre (Rad, ÖV, MIV) , die in einer Verkehrszelle des Stadtteils Lindenthal beginnen und in einer Verkehrszelle des Stadtteils Nippes enden, zusammengefasst und als ein gemeinsamer Verkehrsstrom aufgefasst. Die Hin- und Rückrichtungen wurden an dieser Stelle ebenfalls zusammengefasst. Verkehrszellen aus dem direkten Umland der Stadt Köln wurden auf Gemeindeebene zusammengefasst, so dass sich auch hier im Ergebnis Verkehrsströme zwischen d en 86 Stadtteilen und direkt angrenzenden Städten und Gemeinden ergeben. Für diese gebündelten Ströme wurden mehrere Kennzahlen ausgewiesen, anhand derer eine Auswahl an potenziell geeigneten Relationen getroffen werden konnte: WVI 14 von 101 Mindeststärke der Tages-Gesamt-Nachfrage von Rad, ÖV, MIV auf der gebündelten Relation mittlere Reiseweite auf der gebündelten Relation : Um dem Expressbus -Charakter gerecht zu werden und eine möglichst geringe Überlagerung zur Nutzung des Umweltverbunds (Fußverkehr, Radverkehr, Stadtbusse) zu erreichen, wurden vorrangig Relationen mit einer höheren Reiseweite berücksichtigt (Nachfrageanteile der Verkehrsmittel nach Entfernungsklasse, siehe Abbildung 1). Als Indikator für Verlagerungspotenziale aus dem MIV: Unterdurchschnittlicher Anteil des ÖV an der Tages-Gesamt-Nachfrage Ungünstiges Verhältnis der Reisezeit im ÖV verglichen mit der Reisezeit im MIV (Hierzu wurden die Stufen gemäß Richtlinien für Integrierte Netz gestaltung (RIN) angewandt, siehe Tabelle 2). Mittlere Umsteigehäufigkeit auf der gebündelten Relation als Indikator für fehlende Direktverbindungen im ÖV Abbildung 1: Modal Split der Wege nach Entfernungsklasse für Metropolen in NRW, Montag-Freitag (Mobilität in Deutschland, 2017). WVI 15 von 101 Stufe gemäß RIN Intervall des Reisezeitverhältnisses (ÖV- Reisezeit/MIV-Reisezeit) A – sehr gut <= 1,0 B – gut <= 1,6 C- befriedigend <= 2,2 D – ausreichend <= 2,8 E – mangelhaft <= 3,4 F – unzureichend > 3,4 Tabelle 2: Abstufung des Reisezeitverhältnisses ÖV/MIV gemäß Richtlinien für integrierte Netzgestaltung (RIN), Anlage A2. Da – wie oben beschrieben – mit der Einrichtung einer Expressbus -Linie mehrere Zielstellungen verfolgt werden können, wurden bei der Auswahl der Potenzialkorridore drei Betrachtungsfälle unterschieden, wobei unterschiedliche Grenzwerte für die genannten Kennzahlen angesetzt wurden (s. Tabelle 3) Fall Nr. Untersuchungsraum Angewandte Bewertungskriterien Fall 1 Verringerung der ÖV- Reisezeit im Binnenverkehr Köln Gesamtnachfrage > 1.500 Wege Nachteiliges Reisezeitverhältnis (Stufe D und schlechter) Fall 2 Verringerung der Umstiegsvorgänge im Binnenverkehr Köln Gesamtnachfrage > 2.500 Wege Nachfrageanteil ÖV < 40% Gutes Reisezeitverhältnis (Stufe B und besser) Relationen mit mindestens einem Umstieg Fall 3 Wichtige Anschlussrelationen im Stadt-Umland-Verkehr zwischen Köln und angrenzenden Städten und Gemeinden Variante 3.1 Gesamtnachfrage > 5.000 Wege Nachfrageanteil ÖV < 40% Variante 3.2 Gesamtnachfrage > 4.000 Wege WVI 16 von 101 Fall Nr. Untersuchungsraum Angewandte Bewertungskriterien Schlechtes Reisezeitverhältnis (Stufe C und schlechter) Nachfrageanteil ÖV < 5% Tabelle 3: Angewandte Bewertungskriterien für die Auswahl geeigneter aggregierter Quelle-Ziel-Relationen für die Bildung von Potenzialkorridoren. Nach Durchführung einer Sensitivitätsanalyse, um auch Relationen mit knapp unzutreffenden Kriterien zu betrachten, lagen im Ergebnis für die unterschiedlichen Betrachtungsfälle mehrere geeignete Relationen vor. Im Fall 1 ergaben sich 24 Relationen mit nachteiligem Reisezeitverhältnis, im Fall 2 ergaben sich 5 Relationen mit Potenzial zur Verringerung der Umstiegsvorgänge und im Fall 3 wurden 15 mögliche Anschlussrelationen aus dem direkten Umland ermittelt. Die ermittelten Relationen verteilten sich dabei vorwiegend über das linksrheinische Stadtgebiet und ergänzten sich zum Teil bereits zu längeren Korridoren. Die Auftragnehmer ergänzten – unter Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten und der o. g. Beschlüsse – in einem Folgeschritt die identifizierten Relationen zu insgesamt acht Korridorvorschlägen, die in Abbildung 2 gezeigt sind. Bei der Kartendarstellung ist zu beachten, dass die Start - und Endpunkte der Korridore stellvertretend aus den geometrischen Schwerpunkten der Stadtteil e abgeleitet sind, um den gebündelten Verkehrsstrom schematisch darzustellen. Die tatsächlichen Start - und Endpunkte der Verkehrsströme streuen räumlich über das Netz und verlaufen nicht zwangsläufig in annähernder Luftlinienverbindung zwischen den Start- und Endpunkten. WVI 17 von 101 Abbildung 2: Schematische Darstellung der in AP 1 ermittelten Potenzialkorridore auf Basis der Nachfrageanalyse aus dem Prognose -Nullfall P0 des Verkehrsmodells. WVI 18 von 101 4 Umlegung der Korridore und verkehrliche Bewertung (AP 2) 4.1 Festlegung der Linienkorridore Die zuvor ermittelten acht Potenzialkorridore (siehe Abbildung 2) stellen nach wie vor gebündelte Verkehrsströme auf Stadtteil - bzw. Gemeindeebene dar. Die se Korridorvorschläge wurden im nächsten Schritt ausgehend von den realen Verkehrsinfrastrukturen von plan:mobil überarbeitet und konkretisiert. Mithilfe von umfangreichen Vor-Ort-Begehungen und unter Berücksichtigung der infrastrukturellen Begebenheiten wurden mögliche Linienführungen konzipiert. In diesem Prozess wurden die vormals acht Korridore zu fünf Linien korridoren zusammengefasst, um den Expressbuscharakter entlang der einzelnen Linienverläufe zu gewährleisten. So wurden Korridore beispielsweise na ch ihrer Funktion unterschieden (Anbindung äußerer Stadtteile und des Umlands, tangentiale Verbindung oder ggf. Erschließungsfunktion an den Außenästen). Gleichzeitig wurden Engstellen und Besonderheiten im örtlichen Verkehrsnetz berücksichtigt. Nicht zule tzt spielen für die erfolgreiche Einführung von Expressbuslinien auch Merkmale wie die Linienlänge, Haltestellenabstände und die mittlere Fahrtgeschwindigkeit eine zentrale Rolle. Planungsprämissen bei der Bearbeitung waren unter anderem: Möglichst schnelle und direkte Linienführungen für eine hohe Durchschnittsgeschwindigkeit mit kurzen Fahrtzeiten, insbesondere im mittleren Linienabschnitt Nutzung von z. B. vierstreifigen Straßen mit zügiger Befahrbarkeit Nutzung von Bussonderstreifen Vermeidung von Straßen mit schmalem Querschnitt oder von Straßen mit Nutzungskonflikten zwischen den Verkehrsmitteln (z. B. schmale Rad - Schutzstreifen, Fahrradstraßen, viel ruhender Verkehr oder Fußverkehr) Berücksichtigung örtlicher Besonderheiten Eingeschränkte Möglichkeiten zum Linksabbiegen, z. B. auf Innerer Kanalstraße Bestehende Linienendpunkte und Wartemöglichkeiten und ggf. Ladepunkte beim Einsatz von E-Bussen Konstante Fahrtzeiten im Tagesverlauf In dieser Phase fanden intensive Abstimmungen mit der Stadt Köln sowie der KVB statt, um die Expertise vor Ort einzubeziehen und um Wechselwirkungen zu anderen Planungsvorhaben berücksichtigen zu können. Teilweise wurden die Linienführungen WVI 19 von 101 über die ursprünglichen Korridore hinaus verlängert, um zusätzliches Fahrgastpotenzial zu heben. Tabelle 4 zeigt die im Ergebnis entwickelten Linienkorridore. Für den Korridor X1 wurde zudem ein alternativer Streckenverlauf geprüft. Dieser erschließt den Stadtteil Köln Nippes anstelle der Rheinquerung Richtung Köln Kalk (s. hierzu Kapitel 4.2). Abbildung 3: Untersuchte Linien korridore für die zuvor in AP 1 ermittelten Potenzialkorridore. Strecke Beschreibung Linienverlauf X1 Rodenkirchen – Lindenthal – Nippes – Kalk X2 Niehl – Longerich – Ossendorf – Junkersdorf – Frechen X3 Merkenich – Mülheim – Merheim X4 Gleuel – Hürth – Sülz – Lindenthal – Mediapark – Köln Hbf X5 Zollstock – Kalk – Holweide – Dellbrück – Bergisch Gladbach WVI 20 von 101 Tabelle 4: Untersuchte Linienkorridore für die zuvor in AP 1 ermittelten Potenzialkorridore. Fahrplanangebot für die Expressbuslinien Für die gezeigten Linien korridore wurden in einem nächsten Schritt Fahrpläne erstellt, die sich am Taktangebot der Stadtbahn orientieren: Für Montag bis Freitag wurde ein 10-Minuten-Takt von 6:30 Uhr bis 20:00 Uhr angesetzt. Tabelle 5: Betriebsleistungseckdaten Montag-Freitag zum Expressbus-Angebot. Verkehrsmodellrechnung Planfall P1 Die Fahrpläne und zugehörigen Haltestellenketten wurden anschließend in das Verkehrsmodell Köln eingespielt, wobei sie das bereits bestehende ÖPNV -Angebot ergänzten. Dieser angepasste Modellstand bildet den Planfall P1 des Verkehrsmodells. Hierüber wurden die verkehrlichen Wirkungen der Expressbus -Linien gemeinsam berechnet und in einer Differenzbetrachtung mit dem Prognose-Nullfall P0 verglichen. 4.2 Bewertung der verkehrlichen Wirkung Der Vergleich der Berechnungsergebnisse von Prognose-Nullfall P0 und Planfall P1 gibt wichtige Hinweise auf die zu erwartende Nachfrageverlagerung nach Einführung der jeweiligen Expressbusangebote. Die Ergebnisse sind in den nachfolgenden Abbildungen und Tabellen dargestellt. X1 Rodenkirchen - Kalk 21,3 47,0 27,2 164 3.500 X2 Niehl - Frechen 25,7 57,0 27,1 164 4.200 X3 Merkenich - Merheim 17,9 40,0 26,9 164 2.900 X4 Gleuel/Hürth - Köln Hbf 16,6 42,5 23,4 164 2.700 X5 Zollstock - Bergisch Gladbach 20,7 51,5 24,1 164 3.400 Gesamt +820 +16.700 [min/Fahrt] [km/h] [Fahrten/Tag] [ServiceKm/Tag]Planfall 2025 [km/Fahrt] WVI 21 von 101 Änderung der Verkehrsmittelnutzung („Modal-Split“) Bei Betrachtung des Modal Splits, also der Verteilung der Verkehrsmittelnutzung über alle Wege der Bewohner*innen in Köln, zeigt sich zunächst, dass die Änderungen in Summe mit wenigen Ze hntel-Prozentpunkten gering sind . Hierbei ist jedoch zu berücksichtigen, dass die Einführung von fünf Expressbuslinien im Vergleich zum gesamten Liniennetzangebot in Köln ein e vergleichsweise geringe Angebotsveränderung darstellt. Veränderung der Verkehrsbelastung im ÖPNV-Netz Die vorgeschlagenen Expressbuslinien beeinflussen die ÖPNV-Belastung im Verkehrsnetz der Stadt Köln erheblich (Abbildung 4). Deutlich erkennbar ist die Zunahme der Belastung entlang de s Korridors X1 auf der Inneren Kanalstraße. Im Gegenzug entsteht eine zum Teil deutliche Entlastung von hochbelasteten Stadtbahnabschnitten in der Innenstadt. Ebenfalls erkennbar sind die Zunahmen entlang der übrigen Korridore. D ie höchste Nachfrage hierzu liegt auf dem rechtsrheinischen Ast des Korridors X 5 nach Bergisch -Gladbach. Auch an dieser Stelle werden Schienenverbindungen entlastet. Insgesamt ist eine hohe Nachfrage auf den Korridoren zu erwarten. WVI 22 von 101 Abbildung 4: Belastungsveränderungen im werktäglichen ÖV [Personenfahrten/Tag]. ÖV-Belastung Planfall P1 gegenüber ÖV -Belastung im Prognose -Nullfall P0. Auslastung der Linienkorridore Tabelle 6 stellt die Einsteigenden pro Tag und Linienkorridor im Planfall P1 dar. Für den Korridor X1 werden 19.100 Einsteigende pro Tag ausgewiesen. Damit weist der Korridor X1 von allen untersuchten Linienkorridoren mit Abstand die höchste Zahl an Einsteigenden auf. Die Planfallberechnung enthielt noch zusätzlich einen Linienast in das Stadtteilzentrum von Nippes. Diese Linienführung wurde als potenzielle Alternative zur Streckenführung nach Kalk überprüft. Inklusive dieser Linienvariante nach Nippes wurden als Nachfrage im Korridor X1 sogar 24.300 Einsteigende pro Tag ausgewiesen. Auf Grund der hohen Nachfrage auf der Streckenführung von Rodenkirchen nach Kalk sollte im Korridor X1 diese rheinquerende Variante umgesetzt werden. WVI 23 von 101 Daneben sind die Korridore X 5 nach Bergisch-Gladbach mit 14.500 Einsteigenden und X3 zwischen Merkenich und Merheim mit 10.100 Einsteigenden stark nachgefragt. Diese Nachfragewerte liegen bereits in einem hohen Bereich für Expressbuslinien. Tabelle 6: Einsteigende je Tag und untersuchtem Linienkorridor. Weitere Veränderungen der modellierten Verkehrsnachfrage Werden im Verkehrsmodell die Einsteigenden nach ÖV -Verkehrssystem differenziert (Tabelle 7), so zeigt sich, dass in der Planfallbetrachtung 64.700 Expressbus -Fahrgäste ermittelt wurden, wobei ein gutes Drittel dieser Fahrgäste zuvor andere Verkehrsmittel des ÖV nutzte. Diese Personen wechseln überwiegend von den Stadtbahnen zum Expressbus, ledi glich ein kleiner Teil wechselt vom Stadtbus oder der S -Bahn. Die Nutzung der Regionalbusse steigt geringfügig an. [Einsteigende/Tag] Planfall 2025 X1 Rodenkirchen - Kalk 19.100 X2 Niehl - Frechen 6.800 X3 Merkenich - Merheim 10.100 X4 Gleuel/Hürth - Köln Hbf 9.100 X5 Zollstock - Bergisch Gladbach 14.500 Gesamt +59.600 WVI 24 von 101 Tabelle 7: Einsteigende je Tag und Verkehrsmittel im ÖV. Eine weitere zentrale Auswertung ist die Untersuchung der Verkehre nach Verkehrsmittel. In Tabelle 8 sind für den Binnenverkehr im Stadtgebiet Köln und die ausbrechenden Verkehre („Quellverkehr Köln“) bzw. einbrechenden Verkehre („Zielverkehr Köln“) die Veränderungen der Verkehrsmittelnutzung im Planfall P1 gegenüber dem Prognose -Nullfall P0 dargestellt. Deutlich erkennbar ist, dass insbesondere die starke ÖV-Mehrnutzung innerhalb Kölns in der Modellierung zulasten des Radverkehrs geht. Allerdings werden auch die Wege der Pkw -Fahrer*innen und - Mitfahrer*innen reduziert. Im Quell - und Zielverkehr aus dem Stadt -Umland werden insgesamt weniger Fahrten im ÖV hinzugewonnen, allerdings zu einem größeren Anteil aus dem MIV. In den Arbeitstreffen wurden die Ursachen für diese Ergebnisse diskutiert. Dass bei Einführung einer ÖV-Maßnahme im urbanen Raum Rückwirkungen auf den Radverkehr eintreten, wird regelmäßig beobachtet und ist kaum vermeidbar. In Verbindung mit der Verlagerung vom Fußverkehr auf den Expressbus kann jedoch angenommen werden, dass die Haltestellenabstände in den Linienkorridoren derzeit zu gering sind. Bei Reduktion der Haltestellen entlang der Linie und demnach längeren Fahrtabschnitten dazwischen wären geringere Wechselanteile vom Fuß- und Radverkehr zu erwarten. Dies soll bei der weiteren Detailkonzeption des Linienangebotes berücksichtigt werden. Prognose 2025 Planfall 2025 Stadtbus 566.600 564.200 -2.400 -0,4% Regiobus 206.500 207.800 +1.300 +0,6% TaxiBus 5.000 5.000 0 0,0% SPFV 50.900 50.700 -200 -0,4% Tram 1.009.800 988.500 -21.300 -2,1% AST 300 300 0 0,0% SPNV 405.500 405.600 +100 +0,0% S-Bahn 285.500 284.200 -1.300 -0,5% XBus 0 64.700 +64.700 Gesamt +2.530.100 +2.571.000 +40.900 +1,6% Veränderung [Einsteigende/Tag] WVI 25 von 101 Tabelle 8: Verkehrsverlagerungen zwischen den Verkehrsmitteln im Binnen-, Quell- und Zielverkehr. Binnenverkehr Quellverkehr Zielverkehr Gesamt -2.300 0 0 -2.300 -10.200 -700 -700 -11.600 +16.800 +2.000 +2.300 +21.100 -2.500 -800 -900 -4.200 -800 +200 -100 -700 Verkehr im Kölner-Stadtgebiet in [Personenfahrten/Tag] ÖV Pkw Gesamtverkehr Köln Fuss Rad Mitf. WVI 26 von 101 5 Zusammenfassung, Empfehlung, weiteres Vorgehen Mit dem Verkehrsmodell der Stadt Köln liegt eine sehr differenzierte Modell- und Datenbasis zur Verkehrssituation der Stadt Köln vor, in der die vielfältigen Wechselwirkungen zwischen Infrastruktur, Verkehrsangebot und Mobilitätsbedarf der Bevölkerung abgebildet werden. Mit diesem Modellansatz können nun Prognoserechnungen durchgeführt werden, um geplante Maßnahmen hinsichtlich ihrer Wirkung auf die Mobilität zu überprüfen. Für potenzielle Expressbuslinien kann das Modell wie in der vorliegenden Untersuchung genutzt werden, um die Verkehrsnachfrage zu ermitteln, die auf einer solchen Linie zu erwarten ist. Der Analysezustand der Verkehrsmodells Köln wurde für das Bezugsjahr 2018 aufgebaut. Darauf aufbauend wurde mit der Prognoserechnung der Zustand der Verkehrssituation in Köln mit dem Bezugsjahr 2025 im Verkehrsmodell abgebildet (Kapitel 3.1.2). Mit Hilfe einer Nachfrageanalyse wurden umfangreiche Ergebnisse zur Bewertung von Stärken und Schwächen des ÖPNV-Angebotes im Kölner Stadtgebiet im Vergleich zum Radverkehr und MIV vorgelegt. Im Kontext der vorliegenden Studie wurden die Ergebnisse in Kapitel 3.2 erläutert. In einem schrittweisen Prozess wurden fünf Linienkorridore für Expressbuslinien entwickelt (Kapitel 4.1). Das Nachfragepoten zial dieser Expressbuslinien wurde anschließend mit dem Verkehrsmodell der Stadt Köln in einer Planfallberechnung ermittelt und umfassend bewertet (Kapitel 4.2). Alle fünf Linienkorridore weisen ein hohes bis sehr hohes Nachfragepotenzial auf. Die Ergebnisse der Planfallberechnung zeigen, dass die beiden Expressbuskorridore X1 und X5 mit Abstand die höchsten Nachfragepotenziale im Vergleich der fünf Linienvarianten aufweisen. Der Expressbuskorridor X1 führt von Rodenkirchen im Süden über Bayenthal/Lindenthal nach Nippes und Kalk. Die Linienführung verläuft tangential über die Innere Kanalstraße und verknüpft zahlreiche radial verlaufende Stadtbahnlinien. Dadurch werden diese Stadtbahnangebote auf hochbelasteten innerstädtischen Abschnitten entlastet. Viele einbrechende Fahrgäste können nun bereits an der Inneren Kanalstraße umsteigen und mit dem Expressbus direkt zu ihrem Ziel fahren. Durch die tangentiale Linienführung des Korridors X1 über die Innere Kanalstraße entsteht ein zusätzlicher Ring um die Innenstadt, der zwischen den beiden Stadtbahnringen liegt. Zusätzlich erfolgt eine neue Anbindung von Nippes nach Kalk auf der rechtsrheinischen Seite über die Zoobrücke. Der Expressbuskorridor X5 führt von Zollstock über Kalk und Holweide nach Bergisch Gladbach. Somit wird aus dem linksrheinischen Süden kommend eine direkte Verbindung in die rechtsrheinischen Stadtteile Holweide und Delbrück sowie nach WVI 27 von 101 Bergisch Gladbach aufgebaut, wobei der Expressbus in Holweide und Delbrück zwischen der S -Bahn und der Stadtbahn verläuft. Der Expressbuskorridor nach Bergisch Gladbach eröffnet neue Direktanbindungen zwischen Köln und dieser direkt angrenzenden Großstadt mit hohem Pendleraufkommen. Tabelle 9: Empfehlung: Linienkorridore für die weitergehende Untersuchung. Die zwei potenzialstärksten Korridore X1 und X5 werden im folgenden Kapitel 6 weiter im Detail hinsichtlich betrieblicher und infrastruktureller Maßnahmen und des Betriebskonzeptes untersucht und bewertet. D ie vorliegenden Erkenntnisse aus der Nachfrageanalyse (Kapitel 3.2) sowie aus der Ausarbeitung potenzieller Linienkorridore (Kapitel 4.1) bilden darüber hinaus eine wichtige Grundlage für weitergehende Untersuchungen zur Verbesserung des ÖV -Angebotes und zur Stärkung des Umweltverbundes in Köln auch auf den übrigen betrachteten Korridoren. [Einsteigende/Tag] Planfall 2025 X1 Rodenkirchen - Kalk 19.100 X2 Niehl - Frechen 6.800 X3 Merkenich - Merheim 10.100 X4 Gleuel/Hürth - Köln Hbf 9.100 X5 Zollstock - Bergisch Gladbach 14.500 Gesamt +59.600 Empfehlung für die weitergehende Untersuchung WVI 28 von 101 6 Vertiefte Untersuchung der Vorzugsvarianten (AP 3) Der Verkehrsausschuss der Stadt Köln hat in seiner Sitzung am 11.06.2024 unter Vorlagennummer 1462/2024 beschlossen, der Gutachterempfehlung zu folgen und die beiden Linienführungen der Linien X1 und X5 näher zu betrachten. In diesem Kapitel werden die für den Expressbusbetrieb erforderlichen Infrastrukturmaßnahmen aufgezeigt, das Betriebskonzept ausgearbeitet und Empfehlungen für Produktmerkmale zur Wiedererkennbarkeit entwickelt. Da rauf aufbauend wird eine wirtschaftliche Bewertung vorgenommen und ein Umsetzungsvorschlag erstellt. Abbildung 5: Übersichtskarte der Linienverläufe der beiden Expressbuslinien (vergrößerte Darstellung siehe Anlage). 6.1 Planungsprämissen Zur Einrichtung eines Expressbus -Netzes in Köln wurden daraufhin verschiedene Planungsprämissen festgelegt, die für die weitere Detailplanung der Korridore nach Möglichkeit berücksichtigt werden sollten: WVI 29 von 101 Voraussetzung für die Einrichtung von Expressbuslinien sind möglichst schnelle und direkte Linienführungen mit dem Ziel einer hohen Durchschnittsgeschwindigkeit, kurzen Fahrtzeiten sowie weitere betriebliche Rahmenbedingungen Berücksichtigung von Straßen, die eine möglichst zügige Befahrbarkeit gewährleisten (Beispiel: Nutzung vierstreifiger Straßenzüge, Nutzung von Bussonderstreifen, ausreichend breite parallel geführte Radverkehrsanlagen) Vermeidung von Straßen mit schmalem Querschnitt sowie von Bereichen, die besonders von Nutzungskonflikten zwischen den unterschiedlichen Verkehrsmitteln betroffen sind (Beispiel: schmale Schutzstreifen /Fahrradstraße, viel ruhender Verkehr, Stadtteilzentren mit großem die Straße querendem Fußverkehrsaufkommen) Bedienung nur ausgewählter bestehender bzw. neu einzurichtender Haltestellen (v. a. auch Verknüpfungspunkte zum Stadtbahn- / S-Bahn-Netz sowie weiterer Haltestellen mit höherem Fahrgastpotenzial) Maßnahmen zum Linksabbiegen, insb. auf vierstreifigen Straßen, wo dies bisher nicht gestattet ist, werden aufgezeigt Berücksichtigung von bestehenden Endpunkten , Wartemöglichkeiten und ggf. Ladepunkten beim Einsatz von E-Bussen Die Folge der Umsetzung dieser Planungsprämissen kann sein, dass die Bedienung zentraler Bereiche einzelner Stadtteile insbesondere unter dem Aspekt einer zügigen Befahrbarkeit und einer kurzen Reisezeit für die Fahrgäste nicht zu empfehlen ist - insbesondere in den Fällen, in denen dieser Bedienungsabschnitt am Anfang oder am Ende eines Planungskorridors liegt (und damit durchfahrende Fahrgäste von einer erhöhten Verspätungsanfälligkeit betroffen wären) . Am Beginn bzw. Ende der Linien kann von der o. g. Maßgabe (schnell & direkt) abgewichen werden, um eine bessere Erschließungswirkung und damit höhere Fahrgastpotenziale zu erreichen und die Linien sinnvoll enden lassen zu können . Grundsätzlicher Hinweis zu Verkehrsbelastung/ -aufkommen und daraus resultierenden Fahrzeiten : Auf vielen Straßen in Köln ist e ine je nach Tageszeit unterschiedlich starke Verkehrsbelastung vorhanden. Ziel dieser Untersuchung ist es, im Tagesverlauf einheitliche Fahrzeitprofile für die Expressbuslinien vorzusehen. WVI 30 von 101 6.2 Infrastrukturelle und betriebliche Maßnahmen 6.2.1 Übersicht über die Maßnahmenbausteine Der Busverkehr steht auch in der Stadt Köln jeden Tag vor großen betrieblichen Herausforderungen. Mit der Einrichtung von Expressbuslinien sollten hohe Anforderungen an die Reisezeit und Direktheit der Fahrt (kurze Fahrzeiten für die Fahrgäste auf möglichst direkten Linienwegen zwischen den Aufkommensschwerpunkten) verbunden sein. Hierzu bedarf es zwingend der Umsetzung von infrastrukturellen und betrieblichen Maßnahmen auf den Linienwegen. Eigene Busspuren oder Trassen , auf denen Busse ungestört vom Individualverkehr verkehren können, gibt es im Kölner Stadtgebiet nur an einigen, wenigen Stellen (Beispiel: Deutzer Ring in Ri. Severinsbrücke). Knotenpunkte, an denen die Stadtbahn an Lichtsignalanlagen bevorrechtigt ist, sind im Kölner Stadtgebiet insgesamt bereits zahlreich vorhanden. Eine Bevorrechtigungen des Busverkehrs besteht allerdings nur an wenigen Knotenpunkten. Auf den beiden vorgeschlagenen Linienwegen gibt es einige wenige bereits ausgestattete Lichtsignalanlage n ohne Handlungsbedarf, etwa am Knoten Gustav-Heinemann-Ufer/Schönhauser Straße. Weitere infrastrukturelle und betriebliche Maßnahmen, die für die Attraktivität des ÖPNV-Systems insgesamt und insbesondere für die Einrichtung von Expressbuslinien relevant sind, betreffen Maßnahmen, um den Bus im fließenden Verkehr als Pulkführer verkehren zu lassen, Maßnahmen zum barrierefreien Umbau von Haltestellen und zur Einrichtung von Buskaps, Maßnahmen zur Erhöhung der Halte - und Warte kapazitäten an Haltestellen sowie an Endhaltestellen und Maßnahmen zur Einrichtung von Mobilstationen zur Vergrößerung des Einzugsbereichs der Expressbuslinien und damit zur Verbesserung der Erreichbarkeit. Im Zuge der Konzeption der betrieblichen und infrastrukturellen Maßnahmen in den beiden Untersuchungskorridoren werden bestehende Planungen der Stadt Köln berücksichtigt, z. B. zur weiteren Umgestaltung von Straßenzügen sowie zur Radverkehrsplanung. Dies betrifft konkret die Einrichtung eines Schutzstreifens für Radfahrende auf der Vorgebirgsstraße; auf diesem Abschnitt wäre ohne diese Planung die Einrichtung einer Busspur vorgesehen. Diese sind im Detail in Kap. 1.1.1 dargestellt. Im Folgenden werden einzelne infrastrukturelle Maßnahmen, die im Rahmen d ieses Projektes vorgeschlagen werden, näher erläutert. WVI 31 von 101 Einrichtung von Busfahrstreifen („Busspuren“) Führung des Busses auf einem (neu eingerichteten) Busfahrstreifen („Busspur“) , räumlich getrennte Führung des Busses vom motorisierten Individualverkehr (MIV) Einrichtung einer Busspur erfordert eine mindestens zweistreifige Fahrbahn in der betreffenden Fahrtrichtung Vorteil: Verminderung der Zeitverluste durch störungsfreie Fahrt auf der Busspur WVI 32 von 101 Abbildung 6: Beispielvisualisierung - Innere Kanalstraße Einrichtung einer Busspur in beiden Fahrtrichtungen (Umwidmung einer vorhandenen MIV-Spur) zur Verminderung von Zeitverlusten/Verzögerungen durch eine störungsfreie Fahrt. WVI 33 von 101 Knotenpunkte: Ausstattung Lichtsignalanlagen (LSA) mit Vorrangschaltung („ LSA- Bevorrechtigung“) Vorrangschaltungen (auch „Buspriorisierung“ genannt) erm öglicht nach Anmeldung des Busses bzw. mehrerer Busse im Ablauf eine schnellere Schaltung der Gr ünphase f ür die ÖPNV-Fahrtrichtung, als dies im Regelbetrieb der LSA - Schaltung erfolgen würde Vorteile: wesentliche Verminderung der Verlustzeiten an Knotenpunkten mit LSA im Idealfall kann der Bus ohne Verlustzeit den Knotenpunkt befahren bei vorhandener Vorrangschaltung Überprüfung der (bereits) vorhandenen Vorrangschaltung an einer LSA Verbesserung der Funktionsfähigkeit / Wirksamkeit durch Anpassungen in der Schaltung Vorteile: wesentliche Verminderung der Verlustzeiten an Knotenpunkten mit LSA und damit Erhöhung der Effektivität der ÖPNV-Priorisierung im Idealfall kann der Bus ohne Verlustzeit den Knotenpunkt befahren WVI 34 von 101 Prinzip „Bus als Pulkführer“ Einführung des Prinzips „Dynamische Straßenraumfreigabe“ (Maßnahmenpakete zur Sicherung der Pulkführerschaft des Busses) Bus wird im Streckenverlauf durch verschiedene Maßnahmen konsequent als Pulkführer vor dem MIV geführt Wirkung: der MIV-Verkehr (und eventuelle Staus) bleiben hinter dem Bus (bei der Lage hinter einem Knotenpunkt zu prüfen, inwieweit Rückstaus den Knoten behindern können) Hinweis: Streckenlängen für das Prinzip „Dynamische Straßenraumfreigabe“ sind je nach örtlicher Situation limitiert Vorteil: Störungen durch MIV können vermindert werden, da der Bus im jeweiligen Streckenabschnitt vor dem MIV geführt wird WVI 35 von 101 Signalgesicherter Fahrstreifenwechsel (Busschleuse) im Vorfeld des ampelgeregelten Knotenpunktes Bus wird von der im Vorfeld des Knotenpunktes liegenden Haltestelle mittels Abfangsignalisierung / Busschleuse (Rot für Autoverkehr) auf die Linksabbiegespur zum Knotenpunkt geführt Maßnahme insbesondere dort erforderlich, wo der Bus auf einer eigenen Busspur am rechten Fahrbahnrand verkehrt und / oder vor dem Knotenpunkt eine Haltestelle bedient, am Knotenpunkt dann aber nach links abbiegt Vorteil: störungsfreie F ührung des Busses von der Haltestelle auf die Linksabbiegespur, zeitlich getrennt vom MIV WVI 36 von 101 Abbildung 7: Beispielvisualisierung - Haltestelle Heinrich-Lübke-Ufer. Einrichtung einer Busschleuse an ampelgeregeltem Knotenpunkt. Haltestelle ist unmittelbar am Knotenpunkt liegend, Bus wird als erstes Fahrzeug über den Knoten geführt (eigene LSA-Phase) → störungs- und verlustzeitfreie Führung des Busses. WVI 37 von 101 Begleitende Maßnahme: Einrichtung von Buskaps Einrichtung Buskap: Haltestellenkante befindet sich entlang der Fahrspur, die der Bus befährt (Umsetzung entweder als neue Haltestelle oder als Umbau einer vorhandenen Haltestelle, wie z. B. Busbuchten oder durch Vorziehen und damit Vergrößerung des Gehweges bis zum Fahrspurrand) Vorteile: sichert störungsfreie, schnellere An- und Abfahrt an der Haltestelle Bus kann an der Haltestelle nicht überholt werden weniger Zeitverlust im Streckenabschnitt, da MIV -Stau hinter der Haltestelle verbleibt (Bus als Pulkführer) spaltfreies Anfahren im Hinblick auf die Erreichung einer vollständigen Barrierefreiheit mehr Sicherheit f ür Fahrg äste beim Überqueren der Stra ße (Platzersparnis gegenüber Busbuchten) und Vergr ößerung der Wartefl äche an der Haltestelle (Reduktion von Gefahrensituationen) WVI 38 von 101 Abbildung 8: Beispielvisualisierung - Haltestelle Möhlstraße (Bergisch Gladbacher Straße). Einrichtung Buskap sowie einer zum Verhindern von Überholvorgängen zur Sicherung der Pulkführerschaft des (Express -) Busses; Bus wird im Streckenverlauf durch verschiedene Maßnahmen als Pulkführer vor dem MIV geführt, sodass dieser hinter dem Bus bleibt. WVI 39 von 101 Begleitende Maßnahme: Einrichtung einer Doppelhaltestelle an Haltestelle mit dichter Bedienung Einrichtung einer Doppelhaltestelle an Haltestelle mit dichter Bedienung , so dass zwei Busse gleichzeitig hintereinander an der Haltestelle halten können Vorteile: Reduzierung der Fahrgastwechselzeiten bei gleichzeitiger Bedienung durch mehrere Busse Hinweis: Doppelhaltestellen können problematisch sein im Hinblick auf Barrierefreiheit (insbesondere Orientierbarkeit für Blinde und Sehbehinderte) WVI 40 von 101 Abbildung 9: Beispielvisualisierung - Haltestelle Universität. Einrichtung einer Doppelhaltestelle bei dichtem Bedienungsangebot zur Reduzierung der Fahrgastwechselzeiten bei einer gleichzeitigen Bedienung durch mehrere Busse. WVI 41 von 101 Begleitende Maßnahme: Verlegung der Haltestelle zum Knotenpunkt/ zur Einmündung Verlegung der Haltestelle zum Knotenpunkt/ zur Einmündung planerischer Ansatz: räumliche Zusammenführung der Haltestelle mit Halt am Knotenpunkt sowie kürzere Fußwege und damit verbesserte Erreichbarkeit der Ziele im Umfeld der Haltestelle ggf. in Kombination mit Maßnahme zur Einrichtung einer Busschleuse Begleitende Maßnahme: Barrierefreie Umgestaltung von Haltestellen sowie Verbesserung der Haltestellenausstattung Während auf vielen Stadtbahnlinien bereits eine Vielzahl der Haltestellen barrierefrei ausgebaut ist, besteht insbesondere an verschiedenen Bushaltestellen entlang der vorgesehenen Expressbuslinien noch Handlungsbedarf. Als Anforderung wird vorgesehen, dass a lle von Expressbuslinien bedienten Haltestellen barrierefrei zu gestalten sind. Auch weitere Aspekte einer verbesserten Ausstattung der Haltestellen, wie die Ausr üstung mit Witterungsschutz und Sitzmöglichkeiten, der Verbesserung der Fahrgastinformation (ggf. auch mit gesonderter Kennzeichnung der Haltestellen als Zugangspunkte zu Expressbuslinien), der Wegweisung bei Umsteigesituationen (insbesondere, wenn Umsteigehaltestellen nicht einsehbar sind) sowie im Erscheinun gsbild und der Attraktivität als Aufenthaltsort sind dabei zu berücksichtigen. WVI 42 von 101 Begleitende Maßnahme: Einrichtung von Mobilstationen Im Kölner Stadtgebiet gibt es bereits einige gut ausgebaute Mobilstationen. Viele davon befinden sich an den S-Bahnhöfen, weitere z. B. an der Haltestelle Zollstock Südfriedhof aber auch an den vorgesehenen Expressbuslinien. Mit dem „Raumbuch Mobilstationen“ liegt ein umfassendes Konzept zur flächendeckenden Einrichtung multimodaler Verknüpfungspunkte in Köln vor. Neben Vorschlägen zur Verortung werden darin auch die als Standard definierten Angebote bzw. Module benannt und verschiedenen Mobilstationstypen zugeordnet. Die Einrichtung von Mobilstationen wird für zahlreiche weitere Haltestellen entlang der beiden Expressbuslinien vorgeschlagen. Sie dienen der multimodalen Verknüpfung des ÖPNV -Angebotes mit ergänzenden Mobilitätsangeboten wie dem WVI 43 von 101 Fahrrad, Sharingangeboten , Tax en oder E -Scootern und verbessern damit die Erreichbarkeit der Expressbuslinien an den ausgewählten Haltestellen. Begleitende Maßnahme: Umgestaltung von Bereichen mit Schrägparkplätzen Als weitere begleitende Maßnahme ist zu prüfen, ob entlang der Linienführungen der Expressbuslinien Bereiche mit Schrägparkplätzen reduziert oder umgestaltet werden können, da diese im Vergleich zu parallel zur Fahrtrichtung angeordneten Parkplätzen vermehrt zu betrieblichen Störungen und Verzögerungen, insb. durch ausparkende Fahrzeuge, führen können. Dies dient auch der Erhöhung der Verkehrssicherheit für die Verkehrsteilnehmenden in diesen Bereichen. Abbildung 10: Beispielvisualisierung – Olpener Straße. Umwandlung von Schräg - zu Längsparkplätzen zur Reduzierung von Störungen / Verzögerungen, insb. durch Ausparkvorgänge. WVI 44 von 101 Begleitende Maßnahme: Erweiterung der Halte - und Wartekapazitäten an Verknüpfungspunkten und Endhaltestellen Zu prüfen ist außerdem, ob durch die Einrichtung der Expressbuslinien die Halte- und Wartekapazitäten an bereits hochbelasteten Haltestellen (insbesondere an Verknüpfungspunkten) sowie an den vorgesehenen Endhaltestellen ausreichen oder eine Erweiterung der Kapazitäten erforderlich ist , um diese zusätzlichen Halte bzw. Fahrzeuge aufnehmen zu können. In den nachfolgenden Karten und Maßnahmenübersichten sind für die beiden Expressbuslinien in Abschnitten die vorgeschlagenen Maßnahmen im Überblick dargestellt. WVI 45 von 101 6.2.2 Übersicht über Maßnahmen in den einzelnen Linienabschnitten Bei der Darstellung der Maßnahmen werden bereits bestehende Bevorrechtigungs - und Beschleunigungsmaßnahmen berücksichtigt. Auf den beiden vorgesehenen Streckenführungen ist derzeit nur ein signalgesteuerter Knotenpunkt mit einer Busbevorrechtigung vorhanden. An den weiteren Knotenpunkten ist im Bestand in den vorgesehenen Fahrtrichtungen der Expressbuslinien bislang keine Bevorrechtigung für Busse vorhanden. Jedoch sind an verschiedenen Knotenpunkten, an denen Stadtbahnachsen die Streckenführungen der vorgesehenen Expressbuslinien queren, LSA -Bevorrechtigungen für den Stadtbahnverkehr vorhanden. WVI 46 von 101 WVI 47 von 101 Abbildung 11: Übersichtskarten der Einteilung der beiden Expressbuslinien in einzelne Linienabschnitte (größere Darstellung siehe Anlage). WVI 48 von 101 Expressbuslinie X1 (Sürth – Kalk) Abschnitt 1: Sürth Offene Schule/Sürther Straße bis Bayenthalgürtel Maßnahmen Anzahl Knoten mit LSA LSA mit vorhandener Bevorrechtigung im Abschnitt Gesamtlänge vorgesehene Busspuren (je Richtung Begleitende Maßnahmen (Beispiele) Einrichtung von LSA- Bevorrechtigungen Einrichtung neuer Haltestellen Umsetzung Prinzip „Bus als Pulkführer“ Signalgesicherter Fahrstreifenwechsel (Busschleuse) 9 (Hin) bzw. 8 (Rück), davon 2 Fußgänger- Lichtsignalanlagen* *Reduzierung um 2 LSA-Knoten bei Umsetzung von geplanten Kreisverkehren in Sürth Nein Keine Busspur in diesem Abschnitt vorgesehen Einrichtung/Ausbau Mobilstationen: Rodenkirchen Bf Bayenthalgürtel Barrierefreie Umgestaltung der Haltestellen: Heinrich-Lübke- Ufer WVI 49 von 101 Abstimmungsbedarf für vertiefende Untersuchung: Abstimmungsbedarf zur konkreten Verortung möglicher neuer Haltestellen auf der Sürther Straße (Rodenkirchen Sürther Straße sowie Sürth Offene Schule) WVI 50 von 101 Abschnitt 2: Bayenthalgürtel bis Weißhausstr./Uni-Center Maßnahmen Anzahl Knoten mit LSA LSA mit vorhandener Bevorrechtigung im Abschnitt Gesamtlänge vorgesehene Busspuren (je Richtung Begleitende Maßnahmen (Beispiele) Umsetzung Prinzip „Bus als Pulkführer“ Einrichtung von LSA- Bevorrechtigungen Einrichtung Busschleuse Einrichtung von Busspuren Einrichtung neuer Haltestellen 11, davon 1 Fußgänger- Lichtsignalanlage nein Ca. 1,2 km Mobilstationen: Pohligstraße Weißhausstraße Barrierefreie Umgestaltung der Haltestellen: Parkstadt Süd Weißhausstraße Umgestaltung von Bereichen mit Schrägparkplätzen WVI 51 von 101 Abstimmungsbedarf für vertiefende Untersuchung: Abstimmungsbedarf zur Umgestaltung des Knotens Schönhauser Str. / Gustav-Heinemann-Ufer (Gestaltung, Vorrangschaltung, Verortung der Bushaltestellen) Umgestaltung der Haltestelle Pohligstraße (in Fahrtrichtung Rodenkirchen) zur Reduzierung von Konflikten mit dem Radverkehr WVI 52 von 101 Linienführung im Bereich der Parkstadt Süd in Bezug auf die Gebietsentwicklung (ausreichende Querschnitte, Verortung der Bushaltestellen) Stadtbahnhaltestelle Weißhausstr.: Aufgrund der komplexen Situation an diesem Knoten ist eine Überplanung und Umgestaltung für die Neuanlage der Haltestellen in beiden Richtungen erforderlich WVI 53 von 101 Abschnitt 3: Weißhausstr./Uni-Center – Innere Kanalstraße/Neusser Straße (Haltestelle Lohsestr.) Maßnahmen Anzahl Knoten mit LSA LSA mit vorhandener Bevorrechtigung im Abschnitt Gesamtlänge vorgesehene Busspuren (je Richtung Begleitende Maßnahmen (Beispiele) Einrichtung von LSA- Bevorrechtigungen Einrichtung von Busspuren Einrichtung neuer Haltestellen 23 1 (Innere Kanalstraße / Vogelsanger Straße) Ca. 4,2 km (Hin) bzw. 3,9 km (Rück) Mobilstationen: Universitätsstr. Innere Kanalstraße / Venloer Str. Lohsestr. Barrierefreie Umgestaltung der Haltestellen: Bachemer Str. Universitätsstr. Innere Kanalstraße / Venloer Str. WVI 54 von 101 Abstimmungsbedarf für vertiefende Untersuchung: Haltestelle Innere Kanalstr. / Venloer Str.: Ggf. sind Anpassungen an Grünstreifen sowie an Radverkehrsanlagen erforderlich Haltestelle Innere Kanalstr. / Subbelrather Str.: Ggf. sind Anpassungen an Radverkehrsanlagen erforderlich Haltestelle Lohsestr.: Ggf. sind Anpassungen an Grünstreifen sowie an Radverkehrsanlagen erforderlich WVI 55 von 101 Umplanung des Knotens Innere Kanalstraße/Neusser Straße im Zusammenhang mit der Umplanung der Neusser Straße vorgesehen WVI 56 von 101 Abschnitt 4: Innere Kanalstraße/Neusser Straße (Haltestelle Lohsestr.) – Zoobrücke – Haltestelle Corintostr. Maßnahmen Anzahl Knoten mit LSA LSA mit vorhandener Bevorrechtigung im Abschnitt Gesamtlänge vorgesehene Busspuren (je Richtung Begleitende Maßnahmen (Beispiele) Einrichtung von LSA- Bevorrechtigungen Einrichtung von Busspuren Einrichtung neue Haltestelle 1 nein Ca. 3,8 km Mobilstationen: Corintostr. Barrierefreie Umgestaltung der Haltestellen/Einrichtung von neuen Haltestellen: Corintostr. WVI 57 von 101 Abstimmungsbedarf für vertiefende Untersuchung: Haltestelle Corintostr.: Berücksichtigung der Planung im Bereich MIV zum Östlicher Ringschluss WVI 58 von 101 Umbau des „Odysseums“ zum Standort einer Gesamtschule und eines Gymnasiums mit entsprechend zu erwartendem Schülerverkehr vorgesehen Abstimmung mit privaten Eigentümern bei barrierefreier Umgestaltung, da Haltestellenbereich auf privaten Grundstück Busspuren auf den Straßen „Straße des 17. Juni“, „Walter -Pauli-Ring“, „Kalker Hauptsstraße“: ggf. Berücksichtigung der Maßnahme östlicher Ringschluss (leistungsfähige MIV-Strecke); siehe auch Sensitivitätsbetrachtung in Kapitel 6.4 Die hier aufgeführten Busbeschleunigungsmaßnahmen stehen im Konflikt zu den Zielsetzungen des Planungsvorhabens „Östlicher Ringsch luss“, vgl. Beschlüsse 3245/2018 und 1896/2020. Eine genauere Aussage hierzu ist aber erst nach einer detaillierteren Betrachtung der verkehrstechnischen Gegebenheiten beider Planungsmaßnahmen möglich. Eine solche Betrachtung müsste in einer vertiefenden Untersuchung vorgenommen werden. WVI 59 von 101 Abschnitt 5: Haltestelle Corintostr. – Heinrich-Bützler -Str. Maßnahmen Anzahl Knoten mit LSA LSA mit vorhandener Bevorrechtigung im Abschnitt Gesamtlänge vorgesehene Busspuren (je Richtung Begleitende Maßnahmen (Beispiele) Einrichtung von LSA- Bevorrechtigungen Einrichtung von Busspuren 6 nein Ca. 0,3 km Mobilstationen: Walter-Pauli-Ring Barrierefreie Umgestaltung der Haltestellen: Kalk-Karree WVI 60 von 101 Abstimmungsbedarf für vertiefende Untersuchung: Haltestelle Heinrich-Bützler-Str.: bereits als Endhaltestelle genutzt, Einrichtung von sanitären Anlagen für das Fahrpersonal erforderlich Kalker Hauptstraße: Umgestaltung der Verkehrsraumaufteilung ggf. auch mit Änderung der Kfz-Führung in Diskussion. WVI 61 von 101 Expressbuslinie X 5 (Zollstock – Bergisch Gladbach) Abschnitt 1: Zollstock Südfriedhof - Am Vorgebirgstor Maßnahmen Anzahl Knoten mit LSA LSA mit vorhandener Bevorrechtigung im Abschnitt Gesamtlänge vorgesehene Busspuren (je Richtung Begleitende Maßnahmen (Beispiele) Einrichtung von LSA- Bevorrechtigungen Umsetzung Prinzip „Bus als Pulkführer“ auf dem gesamten Abschnitt 6 nein / Mobilstationen: Zollstock Südfriedhof (Ausbau) Umgestaltung von Bereichen mit Schrägparkplätzen WVI 62 von 101 Abstimmungsbedarf für vertiefende Untersuchung: Durch die Anlage von Radschutzstreifen zwischen Am Vorgebirgstor und Raderthalgürtel ist die Einrichtung von Busspuren in diesem Bereich nicht mehr möglich. Für diesen Abschnitt wird die Umsetzung des Prinzips „Bus als Pulkführer“ vorgesehen. WVI 63 von 101 Abschnitt 2: Am Vorgebirgstor – Walter-Pauli-Ring Maßnahmen Anzahl Knoten mit LSA LSA mit vorhandener Bevorrechtigung im Abschnitt Gesamtlänge vorgesehene Busspuren (je Richtung Begleitende Maßnahmen (Beispiele) Einrichtung von LSA- Bevorrechtigungen Einrichtung von Busspuren Einrichtung neuer Haltestellen 12 nein 3,2 bzw. 3,8 km Mobilstationen: Prüfauftrag bei Einrichtung von drei neuen Haltestellen (Ulrepforte, Severinstr., Technische Hochschule (Betzdorfer Str.)) Barrierefreie Umgestaltung der Haltestellen: / WVI 64 von 101 Abstimmungsbedarf für vertiefende Untersuchung: Verortung neuer Haltestellen Ulrepforte aufgrund des Flächenbedarfs im Bereich Ulrichgasse Verortung der neuen Haltestelle Deutz Technische Hochschule (Betzdorfer Str .) im Rahmen der Baumaßnahme Äußere Erschließung TH Deutz WVI 65 von 101 Busspuren auf der B55, Deutzer Ring sowie Severinsbrücke: ggf. Berücksichtigung der Maßnahme östlicher Ringschluss (leistungsfähige MIV-Strecke) (siehe Linie X1, Abschnitt 4) Deutzer Ring: zwischen den Knotenpunkten Gießener Straße und Kannebäckerstraße Teil der Maßnahme Äußere Erschließung TH Deutz zwischen der Östlichen Zubringerstraße und Im Hasental ist die Maßnahme Äußere Erschließung Deutzer Hafen tangiert WVI 66 von 101 Abschnitt 3: Walter-Pauli-Ring – Höhenberger Ring Maßnahmen Anzahl Knoten mit LSA LSA mit vorhandener Bevorrechtigung im Abschnitt Gesamtlänge vorgesehene Busspuren (je Richtung Begleitende Maßnahmen (Beispiele) Einrichtung von LSA- Bevorrechtigungen Einrichtung neuer Haltestellen 12, davon 2 Fußgänger- Lichtsignalanlagen nein / Mobilstationen: Walter-Pauli-Ring Höhenberger Ring (Prüfauftrag bei Neueinrichtung) Barrierefreie Umgestaltung der Haltestellen: Kalk Kapelle Umgestaltung von Bereichen mit Schrägparkplätzen WVI 67 von 101 Abstimmungsbedarf für vertiefende Untersuchung: Verortung der neuen Haltestellen südlich des Knotens auf dem Höhenberger Ring aufgrund der dort bereits vorhandenen Gehwege zu bevorzugen Kalker Hauptstraße: Umgestaltung der Verkehrsraumaufteilung ggf. auch mit Änderung der Kfz -Führung in Diskussion WVI 68 von 101 Abschnitt 4: Höhenberger Ring – Holweider Marktplatz Maßnahmen Anzahl Knoten mit LSA LSA mit vorhandener Bevorrechtigung im Abschnitt Gesamtlänge vorgesehene Busspuren (je Richtung Begleitende Maßnahmen (Beispiele) Einrichtung von LSA- Bevorrechtigungen Einrichtung von Busspuren Einrichtung neuer Haltestellen 8, davon 1 Fußgänger- Lichtsignalanlage nein 0,7 km Mobilstationen: Buchheim Herler Str. Barrierefreie Umgestaltung der Haltestellen: / WVI 69 von 101 Abstimmungsbedarf für vertiefende Untersuchung: Knoten Bergisch Gladbacher Str./Steyler Straße: Umbau mit Einrichtung durchgehender Radverkehrseinrichtungen auf der Fahrbahn vorgesehen Knoten Olpener Str./Burgstr./Höhenberger Str.: Ausbau bzw. Umbau des Knotens zum Kreisverkehr vorgesehen (LSA-Bevorrechtigung dann obsolet) WVI 70 von 101 Abschnitt 5: Holweider Marktplatz – Bergisch Gladbach ZOB Maßnahmen Anzahl Knoten mit LSA LSA mit vorhandener Bevorrechtigung im Abschnitt Gesamtlänge vorgesehene Busspuren (je Richtung Begleitende Maßnahmen (Beispiele) Einrichtung von LSA- Bevorrechtigungen Einrichtung neuer Haltestellen Umsetzung Prinzip „Bus als Pulkführer“ 14, davon 2 Fußgänger- Lichtsignalanlagen nein / Mobilstationen: Holweider Marktplatz Wasserwerkstr. Barrierefreie Umgestaltung der Haltestellen: Möhlstr. WVI 71 von 101 Abstimmungsbedarf für vertiefende Untersuchung: Im Rahmen der Umsetzung des 33 -Punkte-Programms (vgl. https://ratsinformation.stadt- koeln.de/vo0050.asp?__kvonr=68286) kann es zu konkurrierenden Maßnahmen auf Teilabschnitten der Bergisch - Galdbacher-Straße kommen. (33-Punkte-Programm); Vollausbau der Bergisch-Gladbacher-Straße auf Teilabschnitten geplant WVI 72 von 101 6.3 Betriebskonzept Für das Betriebskonzept der beiden Expressbuslinien X1 und X5 werden folgende Anforderungen vorgesehen: Mindesttaktfolge: 10 -Minuten-Takt (Montag – Freitag), 20 -Minuten-Takt (Samstag) (entsprechen dem Mindesttaktangebot auf den Stadtbahnlinien in der Kernstadt) Betriebszeiten: 06:00 – 20:00 Uhr (Montag – Freitag), 09:00 – 20:00 Uhr (Samstag) (entsprechen den Verkehrszeiten HVZ I+II und NVZ des Nahverkehrsplanes der Stadt Köln) Da es sich bei dem Expressbusangebot um ein im Vergleich zum Busgrundangebot zusätzliches Angebot handelt, das vor allem auf die nachfragestarken Verkehrszeiten zielt, wird zunächst kein Sonntagsangebot unterstellt. Einsatz von Gelenkbussen für eine ausreichende Platzkapazität direkte Linienführung mit kurzer Reisezeit (ggf. auch abschnittsweise zu betrachten, insbesondere auf den potenzialstarken Relationen zwischen einzelnen Stadtbereichen) Linienweg mit einheitlicher Streckenführung (nach Möglichkeit nur ein Linienweg mit einheitlichem Fahrzeitprofil, allenfalls geringe Abweichungen vorsehen) Bedienung von ausgewählten Haltestellen , insb. Verknüpfungspunkte und an für Fahrgäste besonders relevanten Zielen Anschlussbildung wird aufgrund des dichten Taktangebotes auf den vorgesehenen Expressbuslinien und der Vielzahl an Verknüpfungspunkten und möglicher Umsteigebeziehungen als nachrangig betrachtet Bei der konkreten Umsetzungsplanung sind für die Einrichtung eines Betriebs mit Elektrobussen ggf. mögliche Ladevorgänge in der Fahrplanung in Abhängigkeit der Ladestandorte zu berücksichtigen. 6.3.1 Fahrplanung Für die Fahrplanung der beiden Expressbuslinien wurden in einem iterativen Abstimmungsprozess mit der Stadt Köln sowie der KVB die Fahrzeiten für die einzelnen Abschnitte festgelegt. In einem ersten Schritt erfolgte hier die Festlegung der Fahrzeiten (auf der Grundlage bestehender Fahrzeitprofile auf Abschnitten, die bereits durch Buslinien befahren werden) unter der Annahme, dass keine Beschleunigungs - und Bevorrechtigungsmaßnahmen umgesetzt sind. In einem weiteren Schritt wurde eine Abschätzung der Beschl eunigungspotentiale (Fahrzeitersparnisse) vorgenommen, die WVI 73 von 101 bei Umsetzung aller in Kap itel 6.2 benannten betrieblichen und infrastrukturellen Maßnahmen eintreten. Dabei wurden für die einzelnen Maßnahmen pauschale Annahmen für die Erreichung der Fahrzeitersparnisse vorgesehen. Basis hierfür sind Erkenntnisse aus anderen Umsetzungsprojekten von Beschleunigungs - und Bevorrechtigungsmaßnahmen in Großstädten, die auf die Situation in Köln übertragen werden. Einsparung Busspur: Annahme -30 Sek. je 500 m eines neuen Busspur-Abschnittes Einsparung LSA-Bevorrechtigung: -5 Sek. je neu eingerichteter LSA-Bevorrechtigung Unter Zugrundelegung dieser Annahmen und, dass sämtliche vorgeschlagenen Maßnahmen auch umgesetzt werden, könnten auf den beiden Expressbuslinien folgende maximalen Fahrzeitersparnisse erzielt werden: Linie Fahrtrichtung Fahrzeiten ohne Beschleunigung Fahrzeiten mit Beschleunigung Fahrzeitersparnis Linie X1 Fahrtrichtung Sürth-Kalk 57 Min. 45 Min. 12 Min. Fahrtrichtung Kalk-Sürth 65 Min. 52 Min. 13 Min. Linie X5 Fahrtrichtung Zollstock – Bergisch Gladbach 59 Min. 50 Min. 9 Min. Fahrtrichtung Bergisch Gladbach - Zollstock 63 Min. 54 Min. 9Min. Tabelle 10: Fahrzeiten und Fahrzeitersparnisse auf den beiden Expressbuslinien. Auf dieser Basis werden Fahrplanentwürfe für beide Expressbuslinien jeweils mit und ohne Berücksichtigung von Beschleunigungspotenzialen erarbeitet. Diese sind im Detail im Anhang (vgl. Kapitel 7.1 und 7.2) dargestellt. WVI 74 von 101 6.3.2 Mögliche Anpassungen am Bestandsnetz Geprüft wurden mögliche Anpassungen im Bestandsnetz in den beiden Korridoren insbesondere bei folgenden Linien, die ganz oder teilweise parallel zu den vorgesehenen Expressbuslinien verkehren: Linie X1: Linie 134: Paralleles Angebot zwischen Rodenkirchen Bf. und Bonner Str. / Gürtel, jedoch hat die Linie 134 weitere Verkehrsfunktionen, die nicht von der neuen Expressbuslinie aufgenommen werden können Linie 142 : (kurzer) Abschnitt mit parallelem Linienverlauf auf der Inneren Kanalstraße zwischen Universitätsstr. und Weißhausstraße, jedoch erfolgt durch die Linie 142 die Anbindung von Nippes und Ehrenfeld an die Universität, daher ist eine Anpassung nicht sinnvoll Linie 193: Linie verkehrt nahezu komplett parallel zur vorgesehenen Expressbuslinie Linie X5: Linie 171: teilweise erfolgt hier die Bedienung ähnlicher Fahrbeziehungen zwischen Kalk (Post/Kapelle) und linksrheinischen Zielen , insgesamt ergibt hier die Prüfung aber kein Potenzial für eine Anpassung der Linie 171 Ergebnis der Prüfungen ist, dass die Linie 193 (Kalk Corintostr. – Kalk Heinrich - Bützler-Str.) nach Einführung der Linie X1 entfallen kann. Diese bedient im Bestand die gleichen Haltestellen und verkehrt auf dem gleichen Linienweg wie die zukünftige Linie X1. Eine Anpassung weiterer Linien im Netz in den beiden Korridoren wird als nicht sinnvoll erachtet. 6.4 Wirtschaftliche Bewertung und Kostenschätzung Für die Ermittlung der Umlaufzeiten (inklusive der Pausen - und Wartezeiten an den Endhaltestellen) und der Fahrzeugzahlen wird der linienreine Einsatz von Fahrzeugen (Gelenkbusse) auf den beiden Linien in der beschleunigten Fahrplanvariante vorgesehen. Ein - und Ausrückfahrten sowie etwaige Leerfahrten sind bei dieser Ermittlung nicht berücksichtigt. WVI 75 von 101 Linie Dauer eines Umlaufes (Hin- und Rückrichtung) Anzahl Fahrzeuge Umlaufstunden pro Jahr Fahrplan-Km pro Jahr Linie X1 120 Minuten (inkl. Stand -/ Pausenzeiten) Annahme Stand -/ Pausenzeiten: Endhaltestelle Sürth 10 Min., Endhaltestelle Kalk 13 Min. 12 Gelenkbusse ca. 45.303 Std. ca. 952.000 km Linie X5 130 Minuten (inkl. Stand -/ Pausenzeiten) Annahme Stand-/ Pausenzeiten: Endhaltestelle Zollstock 13 Min., Endhaltestelle Bergisch Gladbach 13 Min. 13 Gelenkbusse ca. 48.690 Std. ca. 917.000 km Tabelle 11: Umlaufzeiten, Fahrzeuganzahl und Fahrplankilometer auf den beiden Expressbuslinien. Die Umsetzung der beiden Expressbuslinien führt somit zu einer Abschätzung folgender zeit- und laufleistungsabhängigen Betriebskosten sowie Fahrzeugbeschaffungskosten . Berücksichtigt werden hier Kostenkennwerte, die die KVB im laufenden Betrieb ansetzt (42,40 EUR je Fahr erstunde für Personalkosten, 1,14 EUR je Fahrplankilometer für laufleistungsabhängige Kosten, etwa 78.340 EUR die jährlichen Fixkosten je Fahrzeug). Linie Zeitabhängige Betriebskosten Laufleistungsabhängige Betriebskosten Fixkosten Fahrzeuge/Jahr Jährliche Kosten gesamt Linie X1 ca. 1,92 Mio. EUR ca. 1,09 Mio. EUR ca. 940.000 EUR Ca. 3,95 Mio. EUR Linie X5 ca. 1,90 Mio. EUR ca. 1,05 Mio. EUR ca. 1,02 Mio. EUR Ca. 3,97 Mio. EUR Tabelle 12: Abschätzung der jährlichen Betriebskosten inkl. der Kosten für die Anschaffung der Fahrzeuge auf den beiden Expressbuslinien. WVI 76 von 101 Für die Umsetzung der betrieblichen und infrastrukturellen Maßnahmen werden Pauschalwerte für die Kostenschätzung angenommen. Abschätzung Kostensätze Einrichtung von Busspuren: 50.000 EUR/km (Markierung und Beschilderung), 6.000 EUR (je Fahrbahntrenner/ Verkehrsinsel), darüber hinaus ggf. notwendig und mit weiteren Kosten verbunden : Erneuerung oder Verstärkung der Fahrbahn, Anpassung de r Straßenrandstreifen, von Haltestellen oder Radwegen, Einrichtung zusätzlicher LSA / Pförtnerampel Abschätzung Kostensätze Umrüstung von LSA Da im Rahmen dieser ersten Machbarkeitsstudie keine Detailplanung für die Umrüstung der einzelnen LSA-Standorte erfolgt, können für die entstehenden Kosten nur pauschale Durchschnittswerte angesetzt werden für die Bau - bzw. Umrüstungskosten , die auf folgenden Aufwands - und Kostenschätzungen der Stadt Köln beruhen. Für die Aufwands- und Kostenschätzung wird berücksichtigt, dass diverse LSA auf den beiden Linienwegen für die Möglichkeit der ÖPNV-Bevorrechtigung um- bzw. nachgerüstet werden müssen . Darüber hinaus unterscheidet sich der Aufwand danach, ob eine Erneuerung der LSA erforderlich ist. LSA, die bereits im Rahmen anderer Projekte oder im Rahmen des Erneuerungsprogramms der Stadt Köln für eine Erneuerung vorgesehen sind, werden in dieser Kostenschätzung ausgeklammert. Dabei wird zugrunde gelegt, dass im Rahmen dieser Erneuerung auch die ÖPNV-Bevorrechtigung entsprechend umgesetzt wird. Hinweis: Vergleichswerte für den Austausch einer LSA aus anderen Kommunen liegen häufig unter den genannten Werten, da diese meist Tiefbauarbeiten nicht berücksichtigen. Insgesamt ist es zielführend , beim Bau oder der Erneuerung von LSA bereits eine Ausrüstung zur ÖPNV -Bevorrechtigung vorzusehen, um nachträgliche Kosten für die Umrüstung zu vermeiden. Dies gilt insbesondere bei Knoten, die von Bus - oder Stadtbahnlinien befahren werden. Je nach Größe des Knotens ergeben sich für die Erneuerung einer LSA Kosten zwischen etwa 170.000 und 430.000 Euro. Die reine Umrüstung für die ÖPNV -Bevorrechtigung wird mit ca. 15.000 Euro beziffert. Insgesamt ergeben sich damit folgende Kostenschätzungen für die Umsetzung der betrieblichen und infrastrukturellen Maßnahmen auf den beiden Expressbuslinien. WVI 77 von 101 Linie Kosten Einrichtung Busspuren Kosten Umrüstung + Erneuerung LSA Kosten gesamt Linie X1 1,96 Mio. EUR* ca. 2,5 Mio. EUR 4,46 Mio. EUR Linie X5 1,13 Mio. EUR* ca. 3,0 Mio. EUR 4,13 Mio. EUR Tabelle 13: Abschätzung Kosten für die Umsetzung betrieblicher und infrastruktureller Maßnahmen auf den beiden Expressbuslinien. *Annahme: ein Fahrbahntrenner je km Busspur WVI 78 von 101 Fördermöglichkeiten Der zuständige Zweckverband Go.Rheinland fördert Busverkehrsleistungen auf regionalen Schnellbuslinien zur Ergänzung des SPNV -Netzes. Die vorgeschlagenen Expressbuslinien in Köln erfüllen aller Voraussicht nach jedoch nicht die Förderkriterien, da sie nicht als Ergänzung des SPNV -Netzes angesehen werden können, sondern vorrangig innerstädtischen bzw. lokalen in Köln sowie im Nachbarschaftsverkehr nach Bergisch Gladbach verkehren. Zudem würde auf der interkommunalen Linie X 5 die in der Förderrichtlinie definierte Durchsch nittsgeschwindigkeit (vgl. Tabelle 5 auf S. 16) voraussichtlich nicht erreicht. Ferner wird nach dem Gesetz über den öffentlichen Personennahverkehr in Nordrhein- Westfalen (§13 Absatz 1 Nr. 6 ÖPNVG NRW) der Einsatz von Elektrobussen gefördert. Auf Bundesebene sind aktuell keine Förderprogramme für die Einrichtung und Umsetzung von Expressbussen bekannt. Die Umsetzung von Beschleunigungsmaßnahmen kann durch Förderprogramme des Bundes unterstützt werden, zuletzt durch das Förderprogramm „Digitalisierung kommunaler Verkehrssysteme“ des BMDV (hier werden im Rahmen der Förderlinie II Vorhaben in städtischen Räumen gefördert, in denen Maßnahmen zur Digitalisierung der Verkehrssysteme umgesetzt werden). So wurde in der Landeshauptstadt Düsseldorf seit 2014 bzw. 2019 ein Programm zur Beschleunigung und Bevorrechtigung des ÖPNV umgesetzt. Bis Mitte 2024 wurden sämtliche LSA, an denen Busse oder Bahnen verkehren, mit einer Bevorrechtigung versehen. Insgesamt drei Förderprojekte erhielten dabei 13,1 Millionen Euro Fördermittel des Bundes, mit die die Auf- oder Umrüstung bzw. Programmierung von 380 LSA gefördert wurde (siehe https://www.duesseldorf.de/verkehrsmanagement/neu-oepnv-beschleunigung). Die Frist für dieses Förderprogramm lief bis Juni 2024. Ob ein weiterer Förderaufruf vorgesehen ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt unklar. WVI 79 von 101 Sensitivitätsbetrachtung Zur Verdeutlichung der Auswirkungen einer nicht ganzheitlichen Umsetzung der Maßnahmen wurden die Abschnitte der Linien X1 und X5 einer beispielhaften Sensitivitätsbetrachtung unterzogen, die im Bereich des Projekts „Östlicher Ringschluss“ verlaufen würden. Bei beiden Linien hätte der „Östliche Ringschluss“ zur Folge, dass jeweils auf der Länge von knapp einem Kilometer je Richtung keine Busspur eingerichtet werden kann. Darüber hinaus würde die LSA -Bevorrechtigung an 3 (X1) bzw. 4 (X5) Knoten entfallen. Dies hat negative Folgen für die Fahrzeiten der Expressbuslinien. Ausgehend von den oben darstellten Annahmen zu den Fahrtzeitgewinnen durch Beschleunigungsmaßnahmen würde sich aus einer isolierten Betrachtung heraus eine Fahrzeitverlängerung von mindestens 1:15 Minuten (X1) bzw. 1:20 Minuten (X5) ergeben. Kostenseitig ist durch den Wegfall der genannten Maßnahmen in diesem Bereich von einer Reduzierung um knapp 500.000 Euro (X1) bzw. knapp 700.000 Euro (X5) für die Umrüstung der LSA auszugehen. Die Kosten fü r die Einrichtung der Busspuren reduzieren sich um knapp 140.000 Euro (X1) und ca. 50.000 Euro (X5). Bei einem Verzicht auf einzelne zentrale Maßnahmen, beispielsweise die Einrichtung von Busspuren auf der Straße des 17. Juni, ist insgesamt mit stark nachteiligen Auswirkungen auf die Fahrtzeit zu rechnen. Dies steht somit auch dem Bestreben einer echten Expressbuslinie entgegen (siehe Linie X1, Abschnitt 4 in Kapitel 1.1.1). Die Sensitivitätsbetrachtung des Bereichs „Östlicher Ringschluss“ steht beispielhaft für die Herausforderung, die notwendigen Beschleunigungsmaßnahmen auf den beiden untersuchten Linien umzusetzen. Konkurrierende Planungen bestehen etwa auch auf der Zoo- und der Severinsbrücke oder auf der Bergisch-Gladbacher-Str. WVI 80 von 101 6.5 Empfehlungen für Produktmerkmale Die Einrichtung von Expressbusverkehren wie auch die Einrichtung und Profilierung weiterer Angebotsprodukten (z. B. Metrobusse oder On -Demand-Verkehre) wurde vielerorts mit einer umfangreichen Kommunikations - und Marketingkampagne begleitet. Die Produkte und deren wichtige Qualitätsmerkmale werden in der Fahrgastinformation gegenüber den Fahrgästen besonders herausgestellt , u m eine hohen Wiedererkennungswert für dieses attraktive ÖPNV-Angebot zu erreichen. Wichtige Produktmerkmale sind dabei: Angebotsmerkmale Direkte Linienführung, möglichst ohne Umwege, zwischen den aufkommensstarken Bereichen und relevanten Verknüpfungspunkten zum übrigen ÖPNV -Netz, insbesondere an SPNV -Haltepunkten und Umsteigehaltestellen zum Stadtbahn - /Straßenbahnnetz sowie weiteren hochwertigen Busverkehren Bedienung von ausgewählten Haltestellen , um über einen schnelleren Fahrtverlauf Einsparungen gegenüber dem weiteren Stadtbusverkehr zu erzielen Dichtes Bedienungsangebot (z.B. 10 Min. -Takt in den Haupt - und Normalverkehrszeiten montags bis freitags, 20 Min. -Takt an Samstagen) und damit vergleichbares Angebot zu den weiteren hochwertigen ÖPNV -Angeboten Kommunikations- und Marketingmerkmale Vermarktung als eigenständiges Produkt in der Fahrgastkommunikation einheitliches Erscheinungsbild (Corporate Design) Entwicklung einer plausiblen und transparenten Systematik zur Nummerierung der Linien, z. B. mit e igener Linienbezeichnung („X“ wird einer Liniennummer vorangestellt) Eindeutige Kennzeichnung / Hervorhebung der Bedienung durch Expressbusse an den entsprechenden Haltestellen Merkmale Fahrzeugausstattung Einsatz einer hochwertigen Fahrzeugausstattung, die sich ggf. gegenüber den sonst eingesetzten Fahrzeugen auf den Stadtbuslinien absetzt (z. B. größerer Abstand zwischen den Sitzplätzen, Bestuhlung, Ausbildung der Sondernutzungsflächen); Abwägung der Vorteile angepasster Fahrzeugstandards mit der Möglichkeit der Gestaltung von übergreifenden Fahrzeugumläufen mit anderen Linien im Korridor oder expressbusspezifische Fahrzeugstandards im Sinne eines Premiumproduktes mit der Konsequenz autarker Umläufe (den Fahrzeugstandards ist im Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit der Umlaufgestaltung, der Betriebsreserve und dem Störfallmanagement eine hohe Bedeutung zuzumessen) WVI 81 von 101 WLAN Vorhaltung ausreichender Platzkapazitäten und damit Einsatz von Großraumbussen (i.d.R. Gelenkbussen ( zu prüfen ist der Einsatz von Fahrzeugen mit vier Türen, um einen schnellen Ein- und Ausstieg der Fahrgäste gewährleisten zu können) WVI 82 von 101 6.6 Abschließende Beurteilung und Umsetzungsvorschlag Im Rahmen dieser Machbarkeitsstudie wurden zunächst die potenziellen Linienführungen für ein stadtweites Expressbus-Netz untersucht und anschließend eine Bewertung der Machbarkeit sowie der verkehrlichen Wirkung verschiedener Relationen vorgenommen. Davon ausgehend erfolgte eine vertiefte Untersuchung von zwei möglichen Expressbuslinien. In dieser wurde ein Betriebskonzept entwickelt sowie die erforderlichen Maßnahmen für eine Umsetzung sowie die Kosten für den Betrieb und den Ausbau der Infrastruktur erarbeitet. Unter der Prämisse, dass beide untersuchten Expressbuslinien X1 und X5 umgesetzt werden können, ist eine positive Nachfragewirkung zu erwarten. Die Nachfrageabschätzung beträgt für beide Linien ca. 34.000 Fahrgäste/Tag. Dabei ist aber zu beachten, dass ein Großteil dieser zu erwartenden Fahrgäste aktuell das bestehende ÖPNV-Angebot oder das Fahrrad als Verkehrsmittel nutzt. Die beiden vorgeschlagenen Linien können durch ihre Eigenschaften als neues schnelles und direktes ÖPNV -Produkt zwischen verschiedenen aufkommensstarken Kölner Stadtteilen (sowie zur benachbarten Kreisstadt Bergisch Gladbach) zu einer weiteren Attraktivierung des ÖPNV -Angebots im Stadtgebiet und über die Stadtgrenze hinaus beitragen. Zudem entlasten sie auf Teilabschnitten stark belastete Stadtbahn - Hauptachsen. Darüber hinaus schaffen sie neue ÖPNV -Verbindungen über den Rhein und bieten auf verschiedenen, t angential zu den Stadtbahnhauptachsen gelegenen Relationen attraktive Alternativen zum MIV. Die vorgeschlagenen betrieblichen und infrastrukturellen Maßnahmen leisten einen wichtigen Beitrag zur Gewährleistung einer hohen Betriebsstabilität. Gleichwohl geh t mit der Einführung der beiden Expressbuslinien auch ein hoher finanzieller Aufwand einher. Nach einer ersten, groben Kostenschätzung entstehen jährliche Betriebskosten in Höhe von rund 7, 92 Mio. EUR. Zudem kommen weitere einmalige Kosten für infrastruktu relle und betriebliche Maßnahmen in Höhe von rund 8,6 Mio. EUR hinzu. Eine Abwägung zwischen dem notwendigen Mitteleinsatz und den zu erwartenden Fahrgastzuwächsen ist ohne vergleichende Maßnahmenbewertung (z.B. durch Ermittlung der Auswirkungen des gleichen Mitteleinsatzes bei anderen Maßnahmen) nur schwer möglich. Allerdings wären große personelle und finanzielle Aufwendungen sowie verkehrliche Änderungen notwendig, um die erwarteten Fahrgastzuwächse zu erzielen. Um dem angestrebten Produkt Expressbus und den damit verbundenen Qualitätsmerkmalen, wie einer möglichst geringen Reisezeit sowie einer hohen Fahrplanstabilität, gerecht zu werden, ist die gesamtheitliche Umsetzung der vorgeschlagenen infrastrukturellen un d betrieblichen Maßnahmen von großer Bedeutung. Nur im Zusammenspiel entfalten die Maßnahmen zur Beschleunigung und WVI 83 von 101 Bevorrechtigung des ÖPNV ihre volle Wirkung. Könnten zentrale Maßnahmen, beispielsweise die Einrichtung von Busspuren im Bereich des „östlichen Ringschlusses“ (vgl. Kap. 6.4.), nicht umgesetzt werden, hätte dies starke nachteilige Auswirkungen auf die Fahr tzeit und würde somit dem Bestreben einer echten Expressbuslinie entgegenstehen; die entsprechenden Effekte auf die Fahrgastnachfrage (und die damit einhergehende Entlastung stark belasteter Abschnitte im Stadtbahnnetz) würden dann nicht eintreten. Als weitere Schritte sind konkrete Detailuntersuchungen und Vorplanungen für die Umsetzung der dargestellten infrastrukturellen und betrieblichen Maßnahmen erforderlich. Ferner sollte eine konkrete Prüfung der Umsetzung dieser Maßnahmen auf die zur Verfügu ng stehenden Verkehrsflächen sowie den Verkehrsfluss der übrigen Verkehrsträger erfolgen, insbesondere an den belasteten Knotenpunkten und auf den stark befahrenen Straßenachsen. Ein realistischer Zeithorizont von der Planung bis zur Umsetzung beträgt auf Grundlage der Erfahrungen bei der Einrichtung von Expressbusverkehren in anderen Städten etwa 18 bis 36 Monate. Dabei stellt die Bereitstellung der entsprechenden finanziellen und personellen Mittel für die weitere Planung und anschließende Umsetzung der L inien, aber insbesondere auch der begleitenden infrastrukturellen und betrieblichen Maßnahmen eine grundlegende Voraussetzung dar. Eine Spezifizierung dieser Mittel müsste in einer vertiefenden Untersuchung erfolgen. Die vorliegenden Erkenntnisse bilden eine wichtige Grundlage für weitergehende Untersuchungen zur Verbesserung des ÖV -Angebotes und zur Stärkung des Umweltverbundes in Köln, wobei die hier untersuchten Maßnahmen in ein verkehrsplanerisches Gesamtkonzept ei ngebettet werden sollten. Im Zuge der Betrachtung der einzelnen Linienkorridore wurden Verbesserungspotenziale mit den Projektbeteiligten diskutiert, die eine Optimierung des Kölner Stadtbusnetzes sinnvoll erscheinen lassen mit dem Ziel, nachfragerelevante Achsen im Busverkehr im Fahrplanangebot, aber auch in der Fahrgastkommunikation deutlicher herauszustellen, um zu einer verständlichen und transparenten Produktprofilierung (wie z. B. mit der Einrichtung von Expressbus- und Metrobuslinien in anderen Großstädten) zu kommen. Wesentliche Aspekte dieser Studie können auch im aktuellen Bestandsnetz des Buslinienverkehrs angewendet werden und so zu einer Attraktivitätssteigerung des ÖPNV-Systems insgesamt beitragen, denn die Studie macht deutlich, welch großen Mehrwert Busbeschleu nigungsmaßnahmen für den städtischen Linienbusverkehr haben können. Eine systematische Umsetzung solcher Maßnahmen ist daher in jedem Fall zu empfehlen. WVI 84 von 101 7 Anhang 7.1 Fahrplanentwürfe Linie X1 Expressbuslinie X1 Fahrplan ohne Beschleunigungsmaßnahmen (Montag – Freitag (Auszug)): Sürth – Kalk Kalk - Sürth Expressbuslinie X1 Fahrplan mit Beschleunigungsmaßnahmen (Montag – Freitag (Auszug)): Sürth – Kalk WVI 85 von 101 Kalk - Sürth 7.2 Fahrplanentwürfe Linie X5 Expressbuslinie X5 Fahrplan ohne Beschleunigungsmaßnahmen (Montag – Freitag (Auszug)): Bergisch Gladbach – Köln Zollstock WVI 86 von 101 Köln Zollstock - Bergisch Gladbach Expressbuslinie X5 Fahrplan mit Beschleunigungsmaßnahmen (Montag – Freitag (Auszug)): Bergisch Gladbach – Köln Zollstock Köln Zollstock - Bergisch Gladbach WVI 87 von 101 7.3 Steckbriefe höherwertige ÖPNV-Systeme Planungsbeispiele höherwertiger Bussysteme und Produkte In zahlreichen Großstädten und Metropolregionen weltweit bedienen schienengebundene Verkehrssysteme mit hohen Fahrzeugkapazitäten die Hauptnachfrageachsen. Ergänzt werden diese Bahnsysteme (S -, U -, Stadt - und Straßenbahnen) i. d. R. durch Bussysteme, die als Zubringerverkehre zu den Schienenverkehren kleinräumige Erschließungsaufgaben übernehmen. In verschiedenen Städten und Stadt -Umland-Regionen Europas verkehren höherwertige Bussysteme bereits seit Jahren bzw. sind weiter im Ausbau. Zunehmend werden eigenständige Busnetze mit spezifischen Funktionen auch in deutschen Metropolen bei der Angebotsplanung konzipiert und umgesetzt, um z. B. auch in schienenfernen Korridoren hohe Angebotsqualitäten und kurze Beförderungsgeschwindigkeiten zu erzielen oder neue tangentiale Busverbindungen zu den häufig radial ausgerichteten Schienenverkehrsachsen zu entwickeln. In Deutschland wurden dabei Produkte wie Metrobusse oder Expressbusse in verschiedenen Städten und Regionen umgesetzt, ein mit anderen Regionen Europas vergleichbares, konsequent ausgebautes höherwertiges Bussystem ist aber bislang in Deutschland nicht vorhanden. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV, 2019) sieht Potenziale bei Buslösungen insbesondere in der Umsetzung von Schnellbussystemen, deren Vorlaufzeit von der Konzeption bis zur Inbetriebnahme im Idealfall zwei Jahre benötigen und daher, im Gegensa tz zu Straßenbahn - oder Stadtbahnsystemen, kein zeitaufwändiges Planfeststellungsverfahren benötigen. In diesem Kapitel werden höherwertige Bussysteme und ausgewählte Anwendungsfälle von Busprodukten als Planungsbeispiele mit ihren charakteristischen Merkmalen in Steckbriefform beschrieben. WVI 88 von 101 7.3.1 Bus-Rapid-Transit-System Bus-Rapid-Transit-System (BRT) Unter dem Sammelbegriff BRT (auch unter dem Begriff “Busses with a high Level of Service“ sowie in französischen Systemen auch „Bus à Haut Niveau de Service“ bekannt) werden Anwendungsfälle zusammengefasst, bei denen Busse als Massenverkehrssystem verkehren und damit möglichst viele der bei Schienenverkehrssystemen als positiv bewertete Kriterien aufweisen, insbesondere ▪ hohe Beförderungskapazitäten (jedoch nicht so hohe Kapazitäten wie bei einem schienengebundenen Verkehrssystem, bei dem auch Fahrzeuge gekoppelt werden können), ▪ hohe Angebots-(Takt-)dichte, ▪ hohe Reisegeschwindigkeiten (jedoch nicht so hohe Durchschnittsgeschwindigkeiten wie bei einem schienengebundenen Verkehrssystem), ▪ häufig hochwertig gestaltete, barrierefrei gestaltete Haltestellen mit dynamischer Fahrgastinformation, ▪ geringe Störanfälligkeit aufgrund (weitgehender) Führung auf eigenen Trassen, ▪ weitere Bevorrechtigungs- und Beschleunigungsmaßnahmen sowie ▪ weitere betriebliche und infrastrukturelle Maßnahmen. Eingesetzt werden Busse in unterschiedlicher Fahrzeuggröße (häufig mit höheren Platzkapazitäten wie Gelenk - oder Doppelgelenkbusse), oft in einem einheitlichen Corporate Design gestaltet; in verschiedenen Anwendungsfällen werden tramähnliche Busfahrzeuge mit besonderer, an Straßenbahnen orientierten Design eingesetzt. Wesentliche Vorteile der Einrichtung von BRT-Systemen gegenüber der Umsetzung als schienengebundene Verkehrssysteme sind meist die geringeren Baukosten der Trasse, die ggf. geringeren Betriebskosten sowie die Flexibilität, die Trasse mit einem Bus auch verlassen zu können (z. B. bei Störungen oder an Engstellen bzw. Endpunkten, wo eine eigene Trasse nicht möglich bzw. nicht mehr erforderlich ist). Bussysteme werden häufig mit eigenen Bezeichnungen (Eigennamen wie z. B. Busway oder METTIS) bzw. als Produkte (z. B. Metrobusse oder Expressbusse) vermarktet, die komplett oder teilweise auf BRT -Achsen verkehren können, aber nicht müssen (vgl. weitere Steckbriefe). Einsatzgebiete Nachfragestarke Achsen zwischen dem Stadtumland und dem Zentrum bzw. aufkommensstarken Zielen, aber auch tangential zu den Radialen zu bedienende Relationen zwischen WVI 89 von 101 Bus-Rapid-Transit-System (BRT) aufkommensstarken Zielen, die (noch) nicht mit einem Schienenverkehrsmittel bedient werden Beförderungs- kapazität je nach eingesetztem Fahrzeugtyp zwischen 60 und 180 Fahrgastplätzen (gesamt) bis zu rund 1.600 Fahrgästen pro Stunde bei 5 Min.-Takt (Einsatz Doppelgelenkbus) Geschwindigk eit Durch eigene Trassen höhere Durchschnittsgeschwindigkeit als der herkömmliche Busverkehr; erreicht werden können Geschwindigkeiten zwischen 22 und 30 km/h Flexibilität Linienführung vorrangig auf eigenen Trassen, die aber z. B. bei Unfällen auch verlassen werden können: in weniger dicht besiedelten bzw. befahrenen Bereichen kann der Bus auch auf dem herkömmlichen Straßennetz ohne eigene Trasse verkehren (leichtere Umsetzung, geringere Infrastrukturkosten) Städteräumlich e Eingliederung und Platzbedarf Eine eigene Trasse (häufig in Mittellage) führt zu einer Trennwirkung, Bustrasse ist i. d. R. aber leichter z. B. für Fußgänger zu queren als die Trasse eines Stadtbahnsystems; geringere städtebauliche Attraktivität durch betonierte Bustrasse als durch ein Rasengleis Verkehrliche Integration Ein BRT -System kann, muss aber keine Insellösung darstellen, da entlang der Trasse oder am jeweiligen Ende der Bus leicht auf das herkömmliche Straßennetz wechseln kann Investitionskos ten Kostenangaben aus Planungskonzepten bzw. umgesetzten Anwendungsfällen: 14,0 Mio. € / km [Studie zur Einführung eines „höherwertigen ÖPNV-Systems“ in Regensburg, 2017] 5-20 Mio. € / km (durchschnittliche Kosten in Europa) [https://procitybahn.de/brt-infrastruktur/] 800.000 - 6 Mio. € / km [Bus Rapid Transport Planning Guide, 2007; WVI 90 von 101 Bus-Rapid-Transit-System (BRT) https://nacto.org/docs/usdg/brt_guide_itdp.pdf] 8,8 Mio. € / km [Mobilitätskonzept für einen nachhaltigen Öffentlichen Nah - und Regionalverkehr in Kiel, Grundlagenstudie; o.J.] [Mobilitätsleitbild Wiesbaden, Kostenkalkulation der qualifizierten Verkehrsträger Straßenbahn BRT; 2020; https://piwi.wiesbaden.de/dokument/2/2425714] Betriebskosten "Betriebskosten: in Relation zur Platzkapazität höher als bei der Tram" [Mobilitätskonzept für einen nachhaltigen Öffentlichen Nah - und Regionalverkehr in Kiel, Grundlagenstudie; o.J.]; WVI 91 von 101 Bus-Rapid-Transit-System (BRT) "Unterhaltungskosten: Hohe Unterhaltungskosten aufgrund großer Beanspruchung durch Doppelgelenkbusse" [Mobilitätskonzept für einen nachhaltigen Öffentlichen Nah - und Regionalverkehr in Kiel, Grundlagenstudie; o.J.] Umsetzungs- zeitraum In Abhängigkeit des infrastrukturellen Aufwands: 2 – 5 Jahre, bei aufwändigen baulichen Maßnahmen auch länger Beispiele BRT: Istanbul, Bogota BHNS: Metz, Straßburg, Nantes, Paris Beispiel Fahrtzeit Gesamtstrecke Ø Reisegeschwindigkeit Lyon (FR) – C3 33 Minuten 13,71 km/h Metz (FR) – Mettis Linie A 39 Minuten 18,83 km/h Nantes (FR) – Busway 4 20 Minuten 19,71 km/h Bogota – Linie 1 28 Minuten 23,23 km/h WVI 92 von 101 Bus-Rapid-Transit-System (BRT) WVI 93 von 101 Bus-Rapid-Transit-System (BRT) Bildquelle: https://futuremoves.com/wp-content/uploads/e6b55777-bus_istanbul.jpg Weitere Quellen: https://www.vrn.de/verbund/presse/pm/dokumente/2016/rethmann-daimler- buses_vortrag_tu_kl_18-2-2016.pdf WVI 94 von 101 7.3.2 Trolleybus Als Trolleybusse werden Busse bezeichnet, die mit Hilfe eines Stromabnehmers die zur Bewegung benötigt elektrische Energie aus einer Oberleitung beziehen. Trolleybusse sind somit spurgebunden, aber nicht spurgeführt, und können auch auf BRT-Systemen umgesetzt werden. Meis t bedienen Trolleybusse nachfragestarke, zentrumsbezogene oder tangentiale Relationen in Städten mit einer dichten Taktfolge. In modernen Trolleybus -Systemen werden neben Fahrzeugen in der Größe von Standardlinienbussen auch größere Fahrzeuge bis hin zu Doppelgelenkbussen eingesetzt. Mitunter orientiert sich das Design der Trolleybusse auch an der Gestaltung von Straßenbahnen. Auch der Einsatz von Hybrid -Oberleitungsbussen ist möglich, damit auch Abschnitte ohne Oberleitung befahren werden können (damit wird eine höhere Flexibilität erreicht, ferner müssen in städtebaulich anspruchsvollen Bereichen keine Oberleitung verbaut werden). Einsatzgebiete Nachfragestarke Achsen zwischen dem Stadtumland und dem Zentrum bzw. aufkommensstarken Zielen, aber auch tangential zu den Radialen zu bedienende Relationen zwischen aufkommensstarken Zielen, die (noch) nicht mit einem Schienenverkehrsmittel bedient werden Beförderungs- kapazität je nach eingesetztem Fahrzeugtyp zwischen 60 und 180 Fahrgastplätzen bis zu rund 1.600 Fahrgästen pro Stunde bei 5 Min.-Takt (Einsatz Doppelgelenkbus) Geschwindigkeit Vergleichbar mit herkömmlichen Buslinien, wenn keine eigenen Trassen genutzt werden können Eigene Trassenführung: siehe BRT Flexibilität Spurgebundene Linienführung, daher keine Flexibilität, sofern keine Hybridfahrzeuge eingesetzt werden Städteräumliche Eingliederung und Platzbedarf Anlage der Oberleitung bedeutet einen städtebaulichen Eingriff; auf sensiblen Abschnitten kann auf die Oberleitung verzichtet werden, sofern Hybridfahrzeuge eingesetzt werden Trolleybus (Oberleitungsbus) WVI 95 von 101 Verkehrliche Integration Ein Trolleybus -System stellt eine Insellösung dar, jedoch können Busse mit anderen Antriebsformen die Strecke/Trasse ebenfalls nutzen, da die Oberleitung hier keine Einschränkung darstellt Investitionskosten 750.000 – 1,2 Mio. € / Doppel-km Oberleitung Neupreis eines Oberleitungsbusses etwa doppelt so hoch wie der eines vergleichbaren Standardlinienbusses Betriebskosten Kosten für Batterietausch während der Nutzungszeit: ca. 100.000 € Umsetzungs- zeitraum In Abhängigkeit des infrastrukturellen Aufwands: 2 – 5 Jahre, bei aufwändigen baulichen Maßnahmen auch länger Beispiele Esslingen, Solingen, Genf, Linz Bildquelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/bd/Geneva_Van_Hool_trolleybus _1605_on_route_2_%282017%29.jpg Weitere Quellen: https://www.ebustool.de/antriebsformen/oberleitungsbusse/ https://www.ebustool.de/infrastruktur/oberleitungen/ WVI 96 von 101 https://nachhaltige-mobilitaet.region-stuttgart.de/den-wandel-gestalten/vier-neue- elektrobusse-fuer-esslingen/ https://bmdv.bund.de/SharedDocs/DE/Anlage/G/MKS-Wissenschaftliche- Untersuchungen/mks-fachworkshop-hybrid-oberleitungsbusse- diskussionsgrundlage.pdf?__blob=publicationFile 7.3.3 Expressbus Expressbus ist eine Produktbezeichnung für einen (gegenüber übrigen Buslinien) beschleunigten Busverkehr mit dem Ziel, auf den bedienten Relationen eine zum herkömmlichen ÖPNV vergleichbar hohe Reisegeschwindigkeit zu erreichen. Die Beschleunigung wird vorrangig durch die Nutzung von direkten Wegen, Schnellstraßen oder Autobahnen erreicht. Entlang der Streckenführung werden mitunter nur ausgewählte Haltestellen bedient (häufig Verknüpfungspunkte zu anderen Verkehrsmitteln) und damit größere Haltestellenabstände erreic ht. Betriebliche oder bauliche Maßnahmen (z. B. eigene Trassen und Bevorrechtigungsmaßnahmen) können ergänzend hinzukommen, sind aber nicht zwingend erforderlich. Expressbusse stellen häufig schnelle Punkt -zu-Punkt-Verbindungen zwischen aufkommensstarken Bereichen und Verknüpfungspunkten zum Schienenverkehr dar. Sie verkehren teilweise auf Relationen, auf denen auch weitere Buslinien fahren, die die Feinerschließung mit Halt an allen entlang der Strecke liegenden Haltestellen übernehmen. Expressbusse werden häufig als eigenständige Produkte in der Fahrgastkommunikation vermarktet (z. B. mit einer eigenen Linienbezeichnung mit einem „X“ vor der Liniennummer) und verkehren in verschiedenen Anwendungsfällen mit Fahrzeugen mit einheitlichen Erscheinungsbild (Branding). Expressbus WVI 97 von 101 Einsatzgebiete Achsen zwischen dem Stadtumland und dem Zentrum bzw. aufkommensstarken Zielen, aber auch tangential zu den Radialen zu bedienende Relationen zwischen aufkommensstarken Zielen, die (noch) nicht mit einem Schienenverkehrsmittel bedient werden Beförderungskapazität je nach eingesetztem Fahrzeugtyp zwischen 60 und 180 Fahrgastplätzen bis zu rund 1.600 Fahrgästen pro Stunde bei 5 Min.-Takt (Einsatz Doppelgelenkbus) Geschwindigkeit Kürzere Reisezeiten und damit höhere Durchschnittsgeschwindigkeit als auf herkömmlichen Buslinien, da Haltestellen ausgelassen werden bzw. Straßenabschnitte mit höherer Geschwindigkeit befahren werden können oder weniger störanfällig sind (Effekt kann erhöht werden, wenn eigene Trassen genutzt werden können) Eigene Trassenführung: siehe auch BRT Flexibilität Hohe Flexibilität in der Streckenführung (bei Nutzung eigener Trassen nur bedingt flexibel) Städteräumliche Eingliederung und Platzbedarf Vergleichsweise wie herkömmlicher Stadtbus WVI 98 von 101 Verkehrliche Integration Gute Integration in das übrige ÖPNV -System, Expressbusse können an gleichen Haltestellen halten wie der übrige Stadtbus oder ggf. auch an Stadt-/Straßenbahnhaltestellen Fahrzeugeinsatz nur bedingt flexibel, wenn eigenes Fahrzeugbranding der Expressbusse genutzt wird Investitionskosten Keine gesonderten Infrastrukturkosten, wenn keine eigene Trasse befahren wird Kosten für Expressbus-Branding und Produktkommunikation Betriebskosten Vergleichbar mit herkömmlichen Stadtbuslinien Umsetzungs-zeitraum In Abhängigkeit des infrastrukturellen Aufwands: 6 Monate – 2 Jahre, bei aufwändigen baulichen Maßnahmen auch länger Beispiele Hamburg, Berlin, Frankfurt, München Beispiel Fahrtzeit Gesamtstrecke Ø Reisegeschwindigkeit Hamburg – X22 50 Minuten 19,06 km/h Hamburg – X40 33 Minuten 27,56 km/h Frankfurt am Main – X17 67 Minuten 25,58 km/h Frankfurt am Main – X97 40 Minuten 27,56 km/h Berlin – X10 55 Minuten 18,85 km/h Berlin – X33 51 Minuten 19,02 km/h München – X30 37 Minuten 18,13 km/h WVI 99 von 101 7.3.4 Metrobus Als Metrobus werden in verschiedenen Städten Stadtbuslinien als Produkt profiliert, die mit einem dichten Taktangebot auf (zumindest weitgehend) einheitlichem Linienweg verkehren und lange Bedienungszeiten (mitunter auch während der Nachtstunden) aufweisen. Teilweise werden auch direktere Linienwege als im herkömmlichen Stadtbusnetz befahren oder Haltestellen entlang des Linienweges ausgelassen, um kürzere Reisezeiten zu erzielen. Das Metrobusnetz wird als eigenständiges Netz in der Fahrgastkommunikation vermarktet, die Linien haben meist eine eigene Linienbezeichnung mit einem „M“ vor der Liniennummer und teilweise auf ein eigenes Fahrzeugbranding. Eingesetzt werden meist Gelenkbusse. Bildquelle: https://www.journal-frankfurt.de/image/news/alle/35775.jpgx Einsatzgebiete Nachfragestärkere Achsen zwischen Aufkommensschwerpunkten und Verknüpfungspunkten, die nicht bereits mit einem Schienenverkehrsmittel bedient werden Metrobus WVI 100 von 101 Beförderungs- kapazität je nach eingesetztem Fahrzeugtyp zwischen 60 und 180 Fahrgastplätzen bis zu rund 1.600 Fahrgästen pro Stunde bei 5 Min.-Takt (Einsatz Doppelgelenkbus) Geschwindigkeit Je nach Gestaltung des Metrobusnetzes werden kürzere Linienwege als im herkömmlichen Liniennetz befahren oder auch nicht alle Haltestellen auf dem Linienweg durch den Metrobus bedient, so dass auf diesen Abschnitten Reisezeitvorteile für die Fahrgäste entstehen (Effekt kann erhöht werden, wenn eigene Trassen genutzt werden können) Eigene Trassenführung: siehe auch BRT Flexibilität Hohe Flexibilität in der Streckenführung (bei Nutzung eigener Trassen nur bedingt flexibel) Städteräumliche Eingliederung und Platzbedarf Vergleichsweise wie herkömmlicher Stadtbus Verkehrliche Integration Gute Integration in das übrige ÖPNV -System, Metrobusse können an gleichen Haltestellen halten wie der übrige Stadtbus oder ggf. auch an Stadt-/Straßenbahnhaltestellen Fahrzeugeinsatz nur bedingt flexibel, wenn eigenes Fahrzeugbranding der Metrobusse genutzt wird Investitionskosten Keine gesonderten Infrastrukturkosten, wenn keine eigene Trasse befahren wird Kosten für Metrobus-Branding und Produktkommunikation Betriebskosten Vergleichbar mit herkömmlichen Stadtbuslinien Umsetzungs- zeitraum In Abhängigkeit des infrastrukturellen Aufwands: 6 Monate – 2 Jahre, bei aufwändigen baulichen Maßnahmen auch länger Beispiele Berlin, Hamburg, Frankfurt, München, Düsseldorf, Osnabrück, Braunschweig Beispiel Fahrtzeit Gesamtstrecke Ø Reisegeschwindigkeit WVI 101 von 101 Berlin – M11 77 Minuten 17,08 km/h Berlin - M49 46 Minuten 19,93 km/h Lyon (FR) – C8 51 Minuten 14,29 km/h Lyon (FR) – C16 47 Minuten 11,58 km/h München – M54 70 Minuten 16,83 km/h München – M59 47 Minuten 16,91 km/h Saint-Etienne (FR) – M6 21 Minuten 14,31 km/h
Beratungsverlauf (10)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
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Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 0335/2026
- Typ
- Mitteilung Ausschuss
- Datum
- 22.04.2026
- Erstellt
- 02.02.2026 12:33