1098/2026
Evaluation des ersten Kölner Bürgerrats „Mobil im lebenswerten Quartier“
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Anlage 1: Wissenschaftliche Evaluation Zusammenfassung
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Bürgerrat Köln „Mobil im lebenswerten Quartier“ Wissenschaftliche Evaluation ZUSAMMENFASSUNG Dezember 2025 Detlef Sack, Franziska Werzner Regalado, Steffen Kroll, Jannos Karabotsos-Galonski Kontakt: Prof. Dr. Detlef Sack, evaluationbr@uni-wuppertal.de 1 Wissenschaftlichen Begleitung des Bürgerrats „Mobil im lebenswerten Quartier” – Ergebnisse in Kürze Der Bürgerrat „Mobil im lebenswerten Quartier” ist am 28. Januar 2025 vom Verkehrs-ausschuss des Rates der Stadt Köln beschlossen und die Verwaltung mit seiner Durchführung beauftragt worden. Zwischen dem 28. März 2025 und dem 11. Mai 2025 tagte eine Gruppe von 55 Kölner:innen und entwickelte Empfehlungen zur Gestaltung von Straßenräumen in den Wohnvierteln Kölns („Veedel“). Auftrag der hier vorliegenden wissenschaftlichen Begleitung war es – entlang der Kri-terien für gute Bürgerräte, wie sie auch das Positionspapier der Stadt Köln zu Bürger-räten festgelegt hat – den Bürgerrat der Stadt Köln „Mobil im lebenswerten Quartier” zu evaluieren, Erkenntnisse zu dessen Wirksamkeit, Prozessqualität und Übertrag-barkeit darzustellen und Empfehlungen für zukünftige Bürgerräte der Stadt Köln zu formulieren. Beauftragt wurde das Institut für Demokratie- und Partizipationsforschung (IDPF) der Bergischen Universität Wuppertal unter Leitung von Prof. Dr. Detlef Sack. Es sind drei Befragungen der Teilnehmenden des Bürgerrates durchgeführt worden. Die erste Teilnehmendenbefragung (Vorbefragung) fand vor dem Start des Bürgerra-tes statt. Die zweite Teilnehmendenbefragung (Zwischenbefragung) wurde während der Durchführung nach ersten Sitzungserfahrungen durchgeführt. Die dritte Teilneh-mendenbefragung (Nachbefragung) fand nach dem Ende des Bürgerrates und der Übergabeveranstaltung statt. Die Sitzungen wurden vom IDPF teilnehmend beobach-tet. Zudem wurden vier qualitative Interviews mit dem Organisations- und Moderati-onsteam durchgeführt. Hohe Teilnahmebereitschaft in der Stadtgesellschaft Insgesamt gab es über die verschiedenen Wege rund 1.400 Anmeldungen für die Teil-nahme am Bürgerrat. Die Rückmeldequote war mit rund 20 Prozent im Vergleich zu sonstigen Erfahrungen mit Bürgerräten recht hoch. Gemeinsam mit der direkten An-sprache von Multiplikator:innen, die durchgeführt wurde, um auch „stille“ Gruppen zu aktivieren, ist es insgesamt sehr gut gelungen, eine hinreichende soziodemografische Repräsentativität im Bürgerrat abzusichern. Kooperative Entwicklung und Durchführung des Evaluationsdesigns Das Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung und das Amt für nachhaltige Mobilitätsentwick-lung haben gemeinsam mit der ifok GmbH und dem Zukunftsrat Köln e.V. und auf Grundlage der Leistungsbeschreibung ihre jeweiligen Vorstellungen zu der Zusam-mensetzung der Teilnehmendengruppe und den Zielen des Bürgerrates mit der 2 Durchführungs- und Moderationskompetenz kombiniert. In einem kooperativen und vertrauensvollen Prozess wurde ein überzeugendes Design des Bürgerrats entwickelt und sehr gut umgesetzt. Den beteiligten Akteuren ist es gelungen, Expertise zu städ-tischer Bürgerbeteiligung, zu deliberativen Formaten und zu nachhaltiger Mobilitäts-entwicklung in Stadtvierteln mit den Kenntnissen von Prozessen in der Kölner Stadt-gesellschaft wie von Politik und Verwaltung klug zusammen zu bringen. Hohe Zufriedenheit bei den Teilnehmenden mit dem Bürgerrat Die Zufriedenheit der Teilnehmenden mit dem Ablauf des Bürgerrats war insgesamt sehr hoch und hat sich im Verlauf gesteigert (Abbildung 1): In der zweiten Befragung waren 84 Prozent der Befragten zufrieden mit dem Ablauf des Bürgerratsprozesses (eher zufrieden / voll und ganz zufrieden). Dieser Wert steigerte sich in der dritten Befragung auf 89 Prozent. Abbildung 1: Angaben in Prozent. Zufriedenheit mit dem Ablauf des Bürgerratsprozesses. Basis: Zweite Teilnehmendenbefragung (n=43); Dritte Teilnehmendenbefragung (n=28) 3,6% 7,1% 28,6% 60,7% 2,3% 14,0% 46,5% 37,2% 0%10%20%30%40%50%60%70% Gar nicht zufrieden Eher nicht zufrieden Teils/Teils Eher zufrieden Voll und ganz zufrieden Keine Antwort Wie zufrieden sind Sie mit dem Ablauf des Bürgerratsprozesses? Zweite BefragungDritte Befragung 3 Hohe Zufriedenheit mit der Organisation des Bürgerrats durch die Verwaltung Die Teilnehmenden zeigten sich sowohl während der Einladungsphase und Rekrutie-rung als auch bei der Organisation und Durchführung des Bürgerrats sehr zufrieden mit dem Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung. In der ersten Befragung waren 93 Prozent der Befragten zufrieden mit dem Einladungsschreiben (eher zufrieden / voll und ganz zufrieden) und 57 Prozent mit der Kommunikation mit der Stadt Köln (eher zufrieden / voll und ganz zufrieden), wobei 31 Prozent vor dem Bürgerrat nicht im direkten Aus-tausch mit der Stadt waren („nicht benötigt“) beziehungsweise keine Angabe machten. In der zweiten Befragung waren 91 Prozent der Befragten zufrieden mit der Organi-sation des Bürgerrats (eher zufrieden / voll und ganz zufrieden). Dieser Wert steigerte sich in der dritten Befragung auf 96 Prozent. Hohe Zufriedenheit mit der Moderation des Bürgerrats Die Strukturierung der Sitzungen und deren Moderation hat ebenfalls eine ausgespro-chen positive Bewertung seitens der Teilnehmenden erhalten. Dies gilt auch für die Informationsqualität während des Bürgerrats. In der zweiten Befragung waren 91 Prozent der Befragten zufrieden mit der Modera-tion der Subplenen (eher zufrieden / voll und ganz zufrieden). In der dritten Befragung waren 89 Prozent der Befragten zufrieden mit der Moderation der Plenen (eher zufrie-den / voll und ganz zufrieden). Thema und Ergebnisse des Bürgerrats Das Thema (Mobilität im Stadtviertel) wurde als sehr angemessen für die Beratung in einem Bürgerrat wahrgenommen. In der ersten Befragung fanden 87 Prozent der Befragten das Thema „Mobilität im Quartier“ geeignet, um wirksame Empfehlungen für die Stadtpolitik zu erarbeiten (stimme voll und ganz zu / stimme eher zu). Dieser Wert verringerte sich aber in der dritten Befragung, also nach den konkreten Beratungen, auf 79 Prozent. Die Teilnehmenden waren insgesamt nicht nur mit dem Durchführungsprozess, son-dern auch mit seinen Ergebnissen sehr zufrieden. So waren in der zweiten Befragung 75 Prozent der Befragten zufrieden mit den Emp-fehlungen (eher zufrieden / voll und ganz zufrieden). Dieser Wert steigerte sich in der dritten Befragung auf 86 Prozent. Die Teilnehmenden nahmen außerdem zu 64 Prozent an, dass „der Rat und die zu-ständigen Ausschüsse die Empfehlungen ernsthaft diskutieren werden“. Die Erwar-tung an die konkrete Umsetzung „wesentlicher Teile der Empfehlungen“ war erkenn-bar geringer (36 Prozent). 4 Gesamtbewertung durch die wissenschaftliche Begleitung Die wissenschaftliche Begleitung des IDPF hat – wie bereits erwähnt – auch teilneh-mende Beobachtungen der Sitzungen des Bürgerrates und ergänzende Interviews durchgeführt. In der Zusammenschau der Befunde zeigt sich, dass der Bürgerrat „Mo-bil im lebenswerten Quartier” die in ihn gesetzten Erwartungen der Teilnehmenden wie auch aus Politik, Verwaltung und Stadtgesellschaft und die Kriterien der Evaluation insgesamt voll erfüllen konnte. Dementsprechend empfiehlt das Evaluationsteam des IDPF die weitgehende Beibe-haltung der hier erprobten Prozesse für zukünftige losbasierte Projekte der Bürgerbe-teiligung in Köln. Die Übertragbarkeit und Skalierbarkeit der Prozesse sind weitgehend gegeben. Optimierungspotentiale gibt es in folgenden Bereichen: Beim Teilnahmemanagement und dessen administrativen Aufwand, bei der Moderation in Kleingruppen, bei den Räumen und deren Akustik (wiederum vor allem für die Kleingruppen) wie auch bei der Information und den Expert:innen-Inputs.
Mitteilung Ausschuss
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Dezernat, Dienststelle OB/01/43 Vorlagen-Nummer 23.04.2026 1098/2026 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Ausschuss für Bürgerbeteiligung, Anregungen und Beschwerden 04.05.2026 Ausschuss für Stadtentwicklung und regionale Zusammenarbeit 07.05.2026 Mobilitätsausschuss 16.06.2026 Evaluation des ersten Kölner Bürgerrats „Mobil im lebenswerten Quartier„ Vorlage der wissenschaftlichen Evaluation und Schlussfolgerungen der Verwaltung Die Verwaltung hat den ersten Kölner Bürgerrat „Mobil im lebenswerten Quartier“, wie vom Ausschuss für Bürgerbeteiligung, Anregungen und Beschwerden beauftragt, extern evaluieren lassen. Eine Zusammenfassung des Evaluationsberichts des Instituts für Demokratie- und Partizipationsforschung der bergischen Universität Wuppertal ist in Anlage 1 zu finden. Anlage 2 beinhaltet den Gesamt-Evaluationsbericht. In der nächsten Sitzung des Ausschusses für Bürgerbeteiligung, Anregungen und Beschwer- den am 22.06.2026 wird der Evaluationsbericht durch den Leiter des Instituts für Demokratie- und Partizipationsforschung (IDPF) der bergischen Universität Wuppertal gemeinsam mit Ver- treter*innen des Büros für Öffentlichkeitsbeteiligung vorgestellt. Im Anschluss besteht die Möglichkeit zur Beantwortung von Fragen. Die Evaluation erfolgte durch quantitative Befragungen der Teilnehmenden, teilnehmende Be- obachtungen an den Sitzungen des Bürgerrates, vier qualitative Leitfadeninterviews mit den Durchführenden sowie eine Dokumentenanalyse. Die Ergebnisse zeigen, dass der erste Kölner Bürgerrat insgesamt als erfolgreich zu bewerten ist, für künftige Verfahren aber auch punktuelle Anpassungsbedarfe identifiziert wurden. Die Gesamtbewertung durch die wissenschaftliche Begleitung lautet (siehe Anlage 2, Seite 5): In der Zusammenschau der Befunde zeigt sich, dass der Bürgerrat „Mobil im lebenswerten Quartier” die in ihn gesetzten Erwartungen der Teilnehmenden wie auch aus Politik, Verwal- tung und Stadtgesellschaft und die Kriterien der Evaluation insgesamt voll erfüllen konnte. Dementsprechend empfiehlt das Evaluationsteam des IDPF die weitgehende Beibehaltung der hier erprobten Prozesse für zukünftige losbasierte Projekte der Bürgerbeteiligung in Köln. Die Übertragbarkeit und Skalierbarkeit der Prozesse sind weitgehend gegeben. Optimierungspotentiale gibt es in folgenden Bereichen: Beim Teilnahmemanagement und des- sen administrativen Aufwand, bei der Moderation in Kleingruppen, bei den Räumen und deren Akustik (wiederum vor allem für die Kleingruppen) wie auch bei der Information und den Ex- pert:innen-Inputs. 2 Stellungnahme der Verwaltung Die Verantwortung für die Konzeption, Vorbereitung, Durchführung und Dokumentierung des Bürgerrates lag bei der Stadt Köln. Federführend waren hierbei das städtische Büro für Öffent- lichkeitsbeteiligung für organisatorische und methodische Fragen und das Amt für nachhaltige Mobilitätsentwicklung für fachliche Fragen. 1. Methodische Bewertung und Folgerungen Die Evaluation kommt zu dem Ergebnis, dass die erprobten Prozesse des ersten Kölner Bür- gerrates für künftige Prozesse losbasierter Projekte der Bürger*innen- und Öffentlichkeitsbe- teiligung in Köln beibehalten werden sollten, da die Übertragbarkeit und Skalierbarkeit der Prozesse weitgehend gegeben sind. Das bedeutet, dass zukünftige Bürgerräte grundsätzlich auf den Erfahrungen des Pilot-Bürgerrates aufbauen sollten. Die Evaluation weist zudem auf punktuelle Anpassungsbedarfe hin. Diese betreffen vor allem einzelne organisatorische und prozessuale Aspekte, ohne die grundlegende Konzeption in Frage zu stellen. Für die Durchführung eines weiteren Bürgerrates wird daher empfohlen, das bestehende Konzept fortzuführen und gezielt weiterzuentwickeln. Die konkreten Empfehlun- gen sind in Kapitel 9.2 des Evaluationsberichts (Anlage 1, Seiten 46-49) zu finden. Zu diesen nimmt die Verwaltung wie folgt Stellung: Themenfindung und Entscheidung Die Evaluation bewertet die Rahmenbedingungen des ersten Kölner Bürgerrats als bewah- renswert. Die Entscheidung, einen Bürgerrat mit einem fachlich dringenden Thema zu ver- knüpfen, wurde durch den Rat (beziehungsweise seine Fachausschüsse) getroffen und ist fachlich legitimiert. Die Evaluation empfiehlt daher, Bürgerrats-Formate weiterhin „themengetrieben“ auszurich- ten. Auch zukünftige Themen sollten in der Stadtgesellschaft präsent, alltagsnah und auch kontrovers sein. Zudem sollten sie unterschiedliche Perspektiven und Einstellungen ermögli- chen und insbesondere über einen ausreichenden Gestaltungsspielraum verfügen. Diese Einschätzung wird aus Sicht der Verwaltung ausdrücklich geteilt und entspricht dem grundlegenden Verständnis sowie der bisherigen Praxis, die die Leitlinien für Öffentlichkeits- beteiligung vorgeben. Dort heißt es: Es gibt folgende Voraussetzungen, um eine freiwillige Öffentlichkeitsbeteiligung erfolgreich durchführen zu können: - Es gibt eine Beschlussvorlage der Verwaltung zu einem städtischen Vorhaben. - Die politischen Entscheidungsträger*innen stimmen dem Beteiligungsverfahren zu und sind bereit, die Ergebnisse der Beteiligung im Rahmen ihrer Abwägungs- und Ent- scheidungsvorbereitungsprozesse zu berücksichtigen. - Kölner*innen sind von dem Vorhaben betroffen oder daran interessiert. - Es gibt Gestaltungsspielraum und die inhaltlichen Entscheidungen sind noch nicht ge- troffen. - Die notwendigen zeitlichen, finanziellen und personellen Ressourcen zur Durchführung der Öffentlichkeitsbeteiligung stehen zur Verfügung. Maßgeblich ist vor allem, dass die Wahl des Beteiligungsformats (wie etwa ein Bürgerrat) kon- sequent von den verfolgten Zielen und den jeweiligen Zielgruppen ausgeht und nicht umge- kehrt. 3 Entwicklung des Designs Die Evaluation empfiehlt, die gewählte Form der Ausschreibung sowie die kooperative Desig- nentwicklung und Durchführung mit externen (in dem Fall: ifok GmbH) und auch lokal veran- kerten Dienstleistern (in dem Fall: Zukunftsrat Köln e. V.) beizubehalten. Diese tragen einer- seits zur Qualifizierung der verwaltungsinternen Mitarbeitenden bei und ermöglichen anderer- seits, Bürgerräte sowie vergleichbare (teilweise) losbasierte Beteiligungsformate unterschiedli- cher Größenordnung ressourcenschonend und perspektivisch in Eigenregie umzusetzen. Dadurch können sowohl der Aufwand reduziert als auch die Vielfalt entsprechender Formate erhöht werden. Die Verwaltung folgt dieser Empfehlung der wissenschaftlichen Evaluation. Die für den ersten Bürgerrat gewählte Vorgehensweise hat maßgeblich dazu beigetragen, die verwaltungsinter- nen Kompetenzen in der Konzeption und Durchführung dieses Beteiligungsformates deutlich zu erweitern. Für zukünftige Verfahren hält es die Verwaltung dennoch für sinnvoll, weiterhin externe Dienstleister*innen – gegebenenfalls auch nur punktuell, etwa für die Moderation – einzubin- den. Dies ist neben Ressourcenaspekten insbesondere auch vor dem Hintergrund der Sicher- stellung von Neutralität und Verfahrensqualität angezeigt. Zudem ermöglicht die Zusammenarbeit mit externen Akteur*innen – wie die Evaluation eben- falls betont – einen kontinuierlichen fachlichen Austausch sowie die Weiterentwicklung und Etablierung der Qualitätsstandards für gute Öffentlichkeitsbeteiligung der Stadt Köln. Teilnahmebereitschaft und -management Die Evaluation beschreibt den Prozess der Rekrutierung über das Los und zusätzlich über Multiplikator*innen als sehr gelungen und sieht darin unter anderem den Grund für die hohe Teilnahmebereitschaft und weitgehende Repräsentativität der Mitglieder. Die Ansprache der Bürger*innen und die Kommunikation mit der Stadt wurde sehr positiv bewertet und die Teil- nehmenden fühlten sich über den Ablauf des Bürgerrates sehr gut informiert. Um diese Qualität weiter sicherstellen zu können, empfiehlt die Evaluation, den Aufwand für das Teilnahmemanagement im Vorfeld zukünftiger Verfahren höher zu veranschlagen und die hierfür erforderlichen personellen Ressourcen entsprechend einzuplanen. Diese Einschätzung deckt sich mit den Erfahrungen der Verwaltung, insbesondere vor dem Hintergrund der praktischen Umsetzung des Teilnahmemanagements im Rahmen des ersten Bürgerrates. Der hierfür erforderliche organisatorische und kommunikative Aufwand sollte nicht unterschätzt werden. Zugleich zeigen sowohl das durchgeführte Verfahren als auch die Evaluation und das direkte Feedback der Teilnehmenden, dass sich der hierfür eingesetzte Aufwand in der Zielerreichung widerspiegelt. Vor diesem Hintergrund sind Reduzierungen im Bereich des Teilnahmemanagements nur eingeschränkt möglich, ohne qualitative Einbußen in Kauf zu nehmen. Darüber hinaus empfiehlt die Evaluation für Personen, die ihr Interesse an einer Teilnahme bekundet haben, jedoch im Losverfahren nicht berücksichtigt werden konnten, geeignete An- schlussmöglichkeiten zu schaffen. Als sinnvoller Ansatz wird in diesem Zusammenhang ins- besondere der Aufbau eines Pools interessierter Bürger*innen gesehen, auf den bei zukünfti- gen losbasierten Beteiligungsverfahren zurückgegriffen werden kann. Die Verwaltung bewertet diesen Vorschlag als zielführend und prüft eine entsprechende Um- setzung im Rahmen der Weiterentwicklung der Beteiligungsstrukturen. Moderation Die Evaluation stellt insgesamt eine hohe Moderationsqualität sowohl im Plenum als auch in den Kleingruppen fest. Die Zufriedenheit mit den Moderationen ist überwiegend hoch. Gleich- zeitig wird darauf hingewiesen, dass die Qualität der Durchführung in den Kleingruppen teil- weise unterschiedlich von den Teilnehmenden wahrgenommen wurde. Vor diesem Hintergrund empfiehlt die Evaluation insbesondere, die Transparenz im Umgang mit Rückmeldungen der Teilnehmenden zur Durchführung zu erhöhen. Zudem wird angeregt – neben der gemeinsamen Vorbereitung und den (De-)Briefings – bei der Moderation der Kleingruppen ein sogenanntes Peer-Monitoring einzuführen. Das bedeutet, dass sich die Mo- derator*innen gegenseitig beobachten, Rückmeldungen geben und so die Qualität sichern. 4 Das ist zwar mit zusätzlichen Ressourcen verbunden, bietet jedoch die Möglichkeit, die Durch- führungsqualität insgesamt zu verbessern und stärker anzugleichen. Die Verwaltung nimmt diese Hinweise ernst und sieht darin entsprechendes Entwicklungspo- tential. Sie teilt die Auffassung, dass eine verbesserte Transparenz im Umgang mit Rückmel- dungen der Teilnehmenden sowie ergänzenden Maßnahmen wie ein Peer-Monitoring sinnvoll zur Qualitätssicherung beitragen können. Information Die Evaluation zeigt, dass die Informationsphasen sowie die eingebrachten Expert*innenin- puts überwiegend als lehrreich wahrgenommen wurden. Verwaltung und Durchführungsteam haben dabei bewusst darauf geachtet, unterschiedliche Mobilitätsperspektiven einzubeziehen, die Beiträge ausgewogen zu gestalten, praxisnahe Beispiele einzubringen und die Inhalte ziel- gruppengerecht aufzuarbeiten. Diese grundsätzliche Herangehensweise wird von der Evaluation bestätigt und sollte beibe- halten werden. Gleichzeitig zeigen die Umfragen, die teilnehmenden Beobachtungen und die Interviews einzelne Kritikpunkte, die sich jedoch nicht zu einem einheitlichen Gesamtbild ver- dichten. So wurden die Expert*innenbeiträge von einer Minderheit der Teilnehmenden nicht durchgängig als ausgewogen wahrgenommen; die didaktische Qualität unterschiedlich hoch bewertet und die vermittelten Beispiele zu wenig für die Arbeit in den Kleingruppen genutzt. Vor diesem Hintergrund empfiehlt die Evaluation, Informations- und Arbeitsphasen künftig stärker miteinander zu verzahnen und insbesondere eine engere Abfolge von Inputs und Kleingruppenarbeit vorzusehen. Darüber hinaus wird angeregt, ergänzende Selbstlernange- bote auf digitaler Basis bereitzustellen, die gesichert faktentreu, zielgruppenspezifisch, barrie- refrei und multiperspektivisch sind. Positiv hervorgehoben wird die Praxis, städtische Mitarbeitende als Tischexpert*innen in den Kleingruppen einzusetzen. Diese haben sich nach Einschätzung der Evaluation angemessen zurückgehalten und damit zu einem konstruktiven Austausch beigetragen. Dieses Vorgehen sollte fortgeführt werden. Die Verwaltung nimmt die Hinweise der Evaluation zur Kenntnis. Die vereinzelt geäußerten Rückmeldungen zur Wahrnehmung der Ausgewogenheit einzelner Expert*inneninputs betref- fen eine Minderheit der Teilnehmenden und ergeben kein einheitliches Gesamtbild. Die Evalu- ation bestätigt zugleich insgesamt die Qualität und Ausgewogenheit der Informationsphasen. Aus Sicht der Verwaltung ergeben sich hieraus keine Auswirkungen auf die Aussagekraft oder die Ergebnisse des ersten Bürgerrats. Gleichwohl wird weiterhin darauf geachtet, bei der Aus- wahl und Gestaltung von Expert*inneninputs unterschiedliche Perspektiven angemessen zu berücksichtigen. Dies kann künftig unter anderem dadurch unterstützt werden, dass gezielt auch solche Akteur*innen eingebunden werden, die sich erfahrungsgemäß bei entsprechen- den Themen mit unterschiedlichen Positionen zu Wort melden. Räume Die Evaluation bewertet die gewählten Räumlichkeiten (in dem Fall: Piazzetta und Atrium des Historischen Rathauses, FORUM Volkshochschule im Museum am Neumarkt und Gartenzim- mer des Museums Schnütgen, Bürgerhaus Stollwerck) als angemessen im Hinblick auf die repräsentative Wirkung sowie die Durchführung der Plenumsphasen. Für die Arbeit in den Kleingruppen wurden die räumlichen Gegebenheiten jedoch teilweise als weniger geeignet eingeschätzt, insbesondere aufgrund akustischer Beeinträchtigungen. In diesem Zusammen- hang wird darauf hingewiesen, dass mobile Raumteiler und Stellwände in der Regel nicht aus- reichen, um eine konzentrierte Arbeitsatmosphäre zu gewährleisten. Die Evaluation empfiehlt daher, nach Möglichkeit stärker auf räumlich getrennte Bereiche für die Kleingruppenarbeit zurückzugreifen. Die Verwaltung weist darauf hin, dass die Auswahl der Räumlichkeiten für den ersten Bürger- rat auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten erfolgt ist. Dabei wurde bewusst auf städti- sche Räume zurückgegriffen, um zusätzliche Kosten zu vermeiden. Zugleich zeigt die Praxis, 5 dass die gleichzeitige Verfügbarkeit großer Plenumsräume sowie ausreichend dimensionier- ter, separater Räumlichkeiten für Kleingruppen eine grundsätzliche Herausforderung darstellt. Unabhängig davon wird die Rückmeldung der Evaluation aufgegriffen. Für zukünftige Verfah- ren wird geprüft, inwieweit alternative räumliche Lösungen oder ergänzende technische Maß- nahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Kleingruppen beitragen können. Hierzu zählen beispielsweise der Einsatz von Audio-Systemen mit Headsets und Mikrofonen, um auch in größeren Räumen parallele Arbeitsphasen akustisch besser zu strukturieren. Darüber hinaus wird weiterhin sichergestellt, dass bei der Auswahl und Gestaltung von Räum- lichkeiten die Anforderungen der Barrierefreiheit angemessen berücksichtigt werden. 2. Einordnung im Kontext von Ressourcen und Weiterentwicklung der Beteiligungskul- tur Die Durchführung eines Bürgerrates ist unbestritten mit einem erhöhten finanziellen und per- sonellen Aufwand verbunden. Vor diesem Hintergrund ist eine sorgfältige Abwägung von Kos- ten und Nutzen bei einer möglichen zukünftigen Entscheidung für dieses Beteiligungsformat unerlässlich. Die vorliegende Evaluation zeigt jedoch deutlich, dass der Bürgerrat insbesondere bei kom- plexen und gesellschaftlich relevanten Fragestellungen einen erheblichen Mehrwert bietet. Er ermöglicht eine differenzierte, informierte und ausgewogene Auseinandersetzung und kann dazu beitragen, die Qualität politischer Entscheidungsprozesse zu verbessern. Als Beteili- gungsformat entfaltet der Bürgerrat damit zugleich die positiven Wirkungen, die Bürger*innen- beteiligung im Allgemeinen zugeschrieben werden, wie etwa die Förderung von Transparenz, Akzeptanz und Stärkung des Vertrauens in Verwaltung und Politik und damit auch in die De- mokratie. Vor diesem Hintergrund sollte der erste durchgeführte Bürgerrat nicht als einmaliges Instru- ment verstanden werden, sondern auch künftig als ein wertvoller Bestandteil kommunaler Be- teiligungsprozesse in Betracht gezogen werden. Gleichzeitig erscheint es angesichts der aktuellen finanziellen und personellen Rahmenbedin- gungen sinnvoll, neben der Fortführung der erprobten Prozesse des ersten Kölner Bürgerra- tes, auch alternative beziehungsweise ergänzende Ansätze in den Blick zu nehmen. Dazu zählen insbesondere: - die Entwicklung reduzierter beziehungsweise angepasster Varianten des Bürgerrates (zum Beispiel geringere Teilnehmendenzahl, verkürzte Dauer oder weniger Sitzungs- formate). Hier gibt es im deutschsprachigen Raum bereits einige Beispiele anderer Bürgerräte wie das Handbuch „Kommunale Bürgerräte organisieren“ zeigt - die Übertragung zentraler Qualitätsmerkmale des Bürgerrats – insbesondere die reprä- sentative Auswahl der Teilnehmenden sowie die direkte Ansprache statt Selbstrekru- tierung aufgrund von beispielsweise persönlicher Betroffenheit – auf andere Beteili- gungsformate Ziel ist es, die mit dem Bürgerrat verbundenen positiven Effekte – insbesondere hinsichtlich Repräsentativität und Qualität der Beteiligung – langfristig zu sichern und zugleich eine fle- xible und ressourcensensible Ausgestaltung zukünftiger Verfahren zu ermöglichen. Fazit Die Verwaltung hat im Rahmen des ersten Bürgerrates insgesamt wertvolle Erfahrungen in der Konzeption und Durchführung dieses Beteiligungsformates gesammelt. Dabei konnten so- wohl methodische als auch organisatorische Kompetenzen innerhalb der Verwaltung weiter ausgebaut werden. 6 Das Format Bürgerrat sowie einzelne seiner Elemente (siehe oben) sollten auch künftig ge- zielt dort eingesetzt werden, wo sie inhaltlich sinnvoll und zielführend sind. Maßgeblich bleibt dabei, dass die Wahl des jeweiligen Beteiligungsformates konsequent von den konkreten The- men, Zielen und Zielgruppen ausgeht und nicht umgekehrt (vergleiche hierzu auch das Positi- onspapier des Beirats Öffentlichkeitsbeteiligung zu Bürgerräten). Vor dem Hintergrund der mit dem Format verbundenen finanziellen und personellen Auf- wände ist dabei eine bewusste und begründete Auswahl besonders wichtig. Bürgerräte sollten daher aus Verwaltungssicht nicht pauschal oder in festen Intervallen, etwa im Sinne regelmä- ßig stattfindender Verfahren, vorgesehen werden. Vielmehr ist – wie bisher – im Einzelfall zu prüfen, welches Beteiligungsformat sich für die jeweiligen Fragestellungen am besten eignet. Sofern die Entscheidung für die Durchführung eines Bürgerrates getroffen wird, bestehen zu- gleich Möglichkeiten, das Format hinsichtlich seines Ressourceneinsatzes anzupassen und weiterzuentwickeln, etwa durch eine modifizierte Ausgestaltung oder die gezielte Reduktion einzelner Elemente, ohne die zentralen Wirkungen des Verfahrens grundsätzlich zu beein- trächtigen. Für zahlreiche Themen und Rahmenbedingungen bleiben die bereits etablierten Formate der Öffentlichkeitsbeteiligung weiterhin gut geeignet und sollten entsprechend weiterhin eingesetzt werden. Gleichzeitig gilt es, die positiven Wirkungen des Bürgerrates – auch unter Berück- sichtigung der Ressourcenfrage – künftig weiterhin gezielt nutzbar zu machen. Zum Hintergrund Am 31. Januar 2022 beauftragte der Ausschuss für Bürgerbeteiligung, Anregungen und Be- schwerden die Verwaltung, ein Konzept zur Erprobung von Bürgerräten in Köln zu erarbeiten und einen ersten Bürgerrat für ein klar umrissenes Thema oder Projekt im Bereich Mobilität einzusetzen (Vorlage AN/0258/2022). Der Beschluss des Ausschusses für Bürgerbeteiligung, Anregungen und Beschwerden benannte explizit auch die Evaluation des ersten Bürgerrates, um methodische Erkenntnisse zu gewinnen. Die Verwaltung hat dem Ausschuss für Bürgerbeteiligung, Anregungen und Beschwerden so- wie dem Verkehrsausschuss im Herbst 2022 dargelegt, welche Projekte hinsichtlich einer Eig- nung für die Erprobung eines Bürgerrates geprüft wurden und das Thema Superblocks („Vee- delsblöcke“) als dafür geeignet benannt (Vorlage 2907/2022). Die Verwaltung informierte den Ausschuss für Bürgerbeteiligung, Anregungen und Beschwer- den sowie den Verkehrsausschuss im September 2024 darüber, dass das Thema noch ein- mal angepasst werden musste. Das ursprünglich benannte Thema „Superblocks für Köln“ war bereits sehr richtungsweisend, da es sehr stark mit dem aus Barcelona bekannten Konzept von Superblocks verknüpft ist und dadurch wenig Offenheit für andere Lösungen zulässt. Da- her wurde empfohlen, eher die Formulierung „Verkehrswende im Quartier“ als konkretes Thema für den Bürgerrat zu nutzen (Vorlage 1989/2024). Am 28. Januar 2025 beschloss der Verkehrsausschuss die partizipative Entwicklung einer stadtweiten Konzeption „Mobil im lebenswerten Quartier“ unter Erprobung des Formats „Bür- gerrat“ (Vorlage 3979/2024). Die Durchführung des Bürgerrates erfolgte von März bis Mai 2025. Die Ergebnisse wurden dem Verkehrsausschuss, dem Ausschuss für Bürgerbeteiligung, Anre- gungen und Beschwerden und dem Stadtentwicklungsausschuss im Juni 2025 als Mitteilung vorgelegt. Dies erfolgte in Form eines Abschlussberichts (Vorlage 1779/2025). Gez. Burmester Anlage 1: Wissenschaftliche Evaluation Zusammenfassung Anlage 2: Wissenschaftliche Evaluation Bericht 7
Anlage 2: Wissenschaftliche Evaluation Bericht
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Bürgerrat Köln „Mobil im lebenswerten Quartier“ Wissenschaftliche Evaluation Bericht November 2025 Detlef Sack, Franziska Werzner Regalado, Steffen Kroll, Jannos Karabotsos-Galonski Kontakt: Prof. Dr. Detlef Sack, evaluationbr@uni-wuppertal.de 1 EINLEITUNG .................................................................................................................................. 1 1.1 ZIELSETZUNG UND AUFBAU DES BERICHTS ................................................................................. 1 2 BEWERTUNGSKRITERIEN UND METHODISCHES VORGEHEN .............................................. 5 2.1 BEWERTUNGSKRITERIEN ........................................................................................................... 5 2.2 METHODISCHES VORGEHEN ...................................................................................................... 6 3 GESAMTBEWERTUNG DURCH DIE TEILNEHMENDEN UND DURCHFÜHRENDEN .............. 8 4 VORGESCHICHTE: AUSSCHREIBUNG UND ENTWICKLUNG DES DESIGNS ...................... 13 5 REKRUTIERUNG, TEILNAHMEBEREITSCHAFT UND ZUSAMMENSETZUNG ...................... 14 5.1 REKRUTIERUNG UND TEILNAHMEBEREITSCHAFT ........................................................................ 14 5.2 SOZIODEMOGRAFISCHE REPRÄSENTATIVITÄT DER ZUFÄLLIG AUSGEWÄHLTEN PERSONEN ........... 15 5.3 GRÜNDE FÜR DIE TEILNAHME ................................................................................................... 19 5.4 KONTAKTAUFNAHME UND UNTERSTÜTZUNG DER TEILNAHME ..................................................... 20 5.5 INFORMATIONEN UND VERMITTLUNG DER ZIELE DES VERFAHRENS: ............................................ 21 6 BERATUNGSERFAHRUNG DER TEILNEHMENDEN ............................................................... 23 6.1 SELBSTWIRKSAMKEIT UND KOMPETENZERWERB ....................................................................... 23 7 DURCHFÜHRUNGSQUALITÄT DES BÜRGERRATES ............................................................. 27 7.1 GENERELLE ZUFRIEDENHEIT BEI DEN TEILNEHMENDEN ............................................................. 27 7.2 HAUPTMODERATION IM PLENUM UND SUBPLENUM .................................................................... 29 7.3 MODERATION IN KLEINGRUPPEN .............................................................................................. 32 7.4 EXPERTISE ............................................................................................................................. 36 7.5 WEITERE INFORMATIONSQUELLEN FÜR DIE BERATUNG .............................................................. 39 7.6 THEMENWAHL ......................................................................................................................... 40 7.7 ZEIT, ORT UND RÄUMLICHKEITEN ............................................................................................. 41 8 ANBINDUNG AN DEN STADTRAT UND DIE VERWALTUNG .................................................. 42 8.1 ERWARTUNGEN DER TEILNEHMENDEN AN DIE POLITIK ............................................................... 42 8.2 ÜBERGABE DER ERGEBNISSE AN KOMMUNALE AUSSCHÜSSE AM 24.06.2025 ............................. 43 9 QUALITÄT UND NUTZEN DES BÜRGERRATES UND EMPFEHLUNGEN .............................. 45 9.1 ZUSAMMENFASSENDE BEWERTUNG DES BÜRGERRATES ........................................................... 45 9.2 EMPFEHLUNGEN ..................................................................................................................... 46 10 LITERATURVERZEICHNIS ..................................................................................................... 50 11 ABBILDUNGS- UND TABELLENVERZEICHNIS ................................................................... 53 11.1 ABBILDUNGEN ......................................................................................................................... 53 11.2 TABELLEN ............................................................................................................................... 53 1 1 Einleitung 1.1 Zielsetzung und Aufbau des Berichts „Das [die positive Erfahrung im Bürgerrat] lag wirklich daran, dass ich die Atmosphäre als sehr positiv wahrgenommen habe. Ich habe den Eindruck, dass wir auch durch die Art der Rekru-tierung doch eine recht diverse Gruppe hatten. Irgendwie kam mir die Gruppe recht bunt vor. Gleichzeitig war da so eine Herzlichkeit.“ Dieses Zitat einer Person aus dem Moderationsteam setzt den allgemeinen Ton für die Wahr-nehmung des Bürgerrates „Mobil im lebenswerten Quartier”. Dieser ist am 28. Januar 2025 vom Verkehrsausschuss des Rates der Stadt Köln beschlossen und die Verwaltung mit seiner Durchführung beauftragt worden. Zwischen dem 28. März und dem 11. Mai 2025 tagte eine Gruppe von 55 Kölner*innen und entwickelte Empfehlungen zur Gestaltung von Straßenräu-men in den Wohnvierteln Kölns („Veedel“). Auftrag des Bürgerrates war es, Empfehlungen zu folgenden Punkten zu erarbeiten: „1. Ziele für die Gestaltung von Straßenräumen 2. konkrete Maßnahmen zur Umsetzung dieser Ziele 3. Kriterien zur Priorisierung von geeigneten Räumen 4. Ideen zur Öffentlichkeitsbeteiligung bei der Umsetzung“1 Mit dem Bürgerrat war eine zweite Zielsetzung verbunden, nämlich ein zufallsbasiertes Pilot-projekt für die Beteiligung von Bürger*innen durchzuführen, um daraus Lehren für die künftige Kölner Beteiligungspolitik und -praktik ziehen zu können. Es ging um „die Erprobung eines Bürgerrates und Generierung methodischer Erkenntnisse für eine mögliche weitere Anwen-dung dieses Beteiligungsformats in Köln.“2 Auftrag der hier vorliegenden wissenschaftlichen Begleitung und Evaluation war es, entlang der üblichen Kriterien von Evaluationen im Allgemeinen3 und der Standards für Bürgerräte im Besonderen4, sowie des Positionspapiers des Beirates Öffentlichkeitsbeteiligung der Stadt Köln zu Bürgerräten5 den Bürgerrat der Stadt Köln „Mobil im lebenswerten Quartier” zu eva-luieren, Erkenntnisse zu dessen Wirksamkeit, Prozessqualität und Übertragbarkeit darzustel-len und Empfehlungen für zukünftige Bürgerräte der Stadt Köln zu formulieren. Vorausschicken möchten wir an dieser Stelle, dass der Bürgerrat in dem Eigenbericht der Verwaltung in den wesentlichen Grundzügen außergewöhnlich gut dokumentiert ist. Der Bericht ist wie folgt gegliedert: Nach einem ein Blick auf das Format „Bürgerrat“ und des-sen Entwicklung in Deutschland gehen wir auf die Maßstäbe ein, die in einem Positionspapier der Stadt Köln festgehalten worden waren. Nachfolgend stellen wir die Methoden unserer Evaluation vor. Nach einer allgemeinen Bilanz zum Bürgerrat, widmet sich dieser Bericht den 1 Stadt Köln 2025, Abschlussbericht, S. 8 2 Stadt Köln 2025, Abschlussbericht, S. 8 3 DeGeval 2016 4 OECD 2021b, Sack 2024; Dienel & Lietzmann 2014 5 Beirat Öffentlichkeitsbeteiligung der Stadt Köln, 15.12.2021. 2 einzelnen Aspekten, die mit dieser einhergehen. Dies sind die Rekrutierung, Teilnahmebereit-schaft und soziodemografische Repräsentativität der Teilnehmende und deren Unterstützung durch Verwaltung und Dienstleistungskonsortium. Wir thematisieren dann die Erfahrung mit Selbstwirksamkeit und Kompetenzerwerb der Teilnehmenden, um dann anschließend die un-terschiedlichen Stufen und Bereiche der Durchführung zu analysieren. Der Bericht widmet sich den Erwartungen der Teilnehmenden an die Politik und schließt mit einem Kapitel zur Bewertung des Bürgerrates. In diesem führen wir die Empfehlungen des IDPF aus. Zum Format von Bürgerräten Der Forschungszweig der empirischen Beteiligungs- und Partizipationsforschung zeigt, dass die Durchführung deliberativer Beteiligungsverfahren (wie etwa Bürgerräte, Planungszellen oder Deliberative Polls) in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen hat. Parallel dazu intensivierte sich auch die Forschungstätigkeit in diesem Bereich.6 Die Diskurse zu delibera-tiver und partizipativer Demokratie sowie das Forschungsfeld demokratischer Innovationen7 veränderten sich seit der Mitte des 20. Jahrhunderts mehrfach.8 Zuletzt stellte der „Delibera-tive Turn“9 die zentrale Wendung dar: Auf dieser theoretisch-konzeptionellen Grundlage ba-sieren die heutigen deliberativen Beteiligungsverfahren, wie etwa der Bürgerrat „Mobil im le-benswerten Quartier”. Bürgerräte wie dieser sind derzeit eines der bekanntesten Formate, um partizipative und de-liberative Praktiken im politischen Diskurs zu gestalten. Sie gelten als demokratische Innova-tion, die darauf abzielt, die inhaltliche Mitgestaltung politischer Debatten durch die Einbindung von Ideen, Perspektiven und kreativen Potenzials der Bürgerschaft zu ermöglichen, zu erwei-tern und zu revitalisieren. In Europa kamen nationale Bürgerräte in den vergangenen Jahren vor allem bei Fragen zur Klimapolitik zum Einsatz (beispielsweise in Frankreich, Großbritan-nien, Schottland; 2021 auch in Deutschland)10. Ein besonders prominentes Beispiel ist die irische „citizens‘ assembly“, aus der unter anderem die Referenden zum Abtreibungsrecht und zur gleichgeschlechtlichen Ehe hervorgingen.11 Auf der Ebene von Bund, Land oder Kom-mune spielen Bürgerräte in aller Regel eine konsultative Rolle: Sie gelten nicht als Ersatz für die repräsentative Demokratie und ihre politischen Prozesse, sondern vielmehr als eine pro-zesshaft-praktische Ergänzung.12 Im Sinne einer demokratischen Innovation13 etablieren sie einen neuen Kommunikationsraum im politischen Willensbildungsprozess, in den die Bürge-rinnen und Bürger ihre Perspektiven aktiv einbringen. Durch die Anwendung von (mehrstufi-gen) Losverfahren wird das vorhandene Repräsentationsdefizit in Parlamenten und Exekuti-ven verringert. Losbasierte Beteiligungsformate werden bereits seit den 1970er Jahren vielfach auf der kom-munalen Ebene mit unterschiedlichen Verfahren (wie etwa Planungszellen oder Deliberative 6 Vgl. Smith (2009); Geißel und Newton (2012); Grönlund et al. (2014); Elstub und McLaverty (2014); Elstub und Escobar (2019); Freier et. al (2023) 7 Curato et al. (2017); Dryzek et al. (2019) 8 Vgl. Arnstein (1969); Pateman (1970 und 2012) 9 Dryzek (2000); Chambers (2006) 10 Die Klima-Bürgerräte wurden dabei von den verschiedensten politischen Institutionen beauftragt: Dem Präsi-denten (Frankreich), der Regierung (Schottland), dem Parlament (Großbritannien) oder zivilgesellschaftlichen Or-ganisationen (Deutschland). Auch zielten die Klima-Bürgerräte auf unterschiedliche politische Prozesse ab: Beein-flussung nationaler Klimastrategien (Frankreich, Schottland), die Unterstützung parlamentarischer Untersuchungs-kommissionen (Großbritannien) oder die Beeinflussung der Koalitionsverhandlungen (Deutschland). 11 Vgl. Farrell, Suiter und Harris (2019) 12 Vgl. Carson (2007); Setälä (2011) 13 Bua (2019) 3 Polls) und in verschiedensten politischen Handlungsfeldern umgesetzt. Gerade im vergange-nen Jahrzehnt hat auch die Durchführung von deliberativer Bürgerbeteiligung auf Landes- und Bundesebene einen erheblichen Aufschwung erfahren. Das Format Bürgerrat zählt dabei in-zwischen national wie international zu den bekanntesten Beteiligungsverfahren, um eine the-menfokussierte, punktuelle Teilhabe sowie eine moderne Beteiligungskultur insgesamt wirk-sam zu gestalten.14 Zentrale Merkmale eines Bürgerrates sind: - Soziodemografische Zusammensetzung quer durch alle Bildungs-, Einkommens- und Altersgruppen sowie thematischen und politischen Präferenzen: Anerkannte Voraus-setzungen dafür sind erstens die Rekrutierung der Teilnehmenden nach dem Zufalls-prinzip mit optionaler Stratifikation sowie zweitens die Stärkung von Beteiligungswille und -fähigkeit durch zielgruppenspezifische Teilnahmeanreize. - Themenfokussierter Auftrag: Gutachtenerstellung mit konkreten Empfehlungen zu ausgewählter Fragestellung beziehungsweise Problemlage bildet den Rahmen für die ergebnisorientierte Sacharbeit. - Deliberative Beteiligung: Durchführung eines Dialogprozesses, der argumentativen wechselseitigen Austausch, Beratschlagung und Entscheidungsfindung nach den de-liberativen Gütekriterien Inklusion, Diversität und Fairness sicherstellt. - Neutrale, faire, inklusive und effiziente Moderation des Verfahrens und Einbindung von Fachexpertise zur Wissensvermittlung. - Politische und gesellschaftliche Anbindung: Zweck des Bürgergutachtens ist die kon-sultative, komplementäre Beratung regulärer Planungs- und Entscheidungsprozesse und der Einzug in gesellschaftspolitische Debatten. Nutzen von Bürgerräten In der wissenschaftlichen Debatte wie auch in der Anwendungspraxis werden mit dem Einsatz von Bürgerräten auf allen politischen Ebenen vielfältige Potenziale für erstens repräsentativ-demokratische Prozesse, zweitens gewählte Abgeordnete, drittens Fachverwaltungen, vier-tens die direkt Beteiligten und fünftens für die gesellschaftspolitische Debattenkultur verbun-den. Besonders wichtig für parlamentarische Bürgerräte sind die folgenden Funktionen und Potenziale: Wegweiserfunktion für parlamentarische Prozesse, Fraktionen, Abgeordnete und Fachver-waltungen: Bürgerräte produzieren ein valides und reliables Meinungsbild über Konsens, Kompromiss- und Konfliktlinien in der Bevölkerung zur ausgewählten Fragestellung. Dies bil-det eine verlässliche und qualitativ hochwertige Beratungsgrundlage für reguläre Planungs- und Entscheidungsprozesse. Stärkung der gesellschaftlichen Akzeptanz und Legitimität: Sowohl für die Input-Seite des in-klusiven Beteiligungsprozesses als auch für den inhaltlichen Output (gemeinwohlorientierte Lösungen) liegt eine hohe gesellschaftliche Akzeptanz vor.15 Die Befassung und Beratung der Bürgerratsempfehlungen erhöhen die Legitimität von politischen Entscheidungen. Stärkung des politischen Vertrauens: Mit geeigneter gesellschaftlicher und medialer Anbin-dung lässt sich nicht nur bei den direkt beteiligten Bürgerinnen und Bürgern, sondern auch bei 14 Datenbank Bürgerräte (2025) 15 Siehe Kapitel 8. 4 der breiteren Öffentlichkeit das Vertrauen in die Demokratie, die politischen Institutionen und Prozesse sowie in ihre politischen Repräsentantinnen und Repräsentanten stärken. Stärkung der (gesellschafts-)politischen Debattenkultur: Verringerung von sozialer Selektivität und politisch-gesellschaftlichen Repräsentationsdefiziten in Debatten durch die Abbildung der Meinungsvielfalt im Diskurs ebenso wie von Prozesswissen und Gütekriterien über faire, fak-tenbasierte Dialogprozesse. Abbildung 1: Anzahl losbasierter Bürgerräte in Deutschland 2000-2024 (Datenbank Bürger-räte) Wie der Abbildung 1 zu entnehmen ist, erfreuen sich losbasierte Bürgerräte seit einigen Jah-ren wachsender Beliebtheit in Deutschland. Mit diesem Anstieg der deliberativen, losbasierten Beteiligungsformate verbinden sich auch kritische Fragen: Erfüllen diese Formate die üblichen Erwartungen an die Steigerung der politischen Selbstwirksamkeit von Bürgerinnen und Bür-gern? Wie ist die Durchführungsqualität einzuschätzen? Entfalten die Ergebnisse der Bera-tungen der Bürgerinnen und Bürger einen politischen Effekt und wenn ja, welchen? Stehen Aufwand und Nutzen der Demokratieinnovation „Bürgerrat“ im angemessenen Verhältnis? 5 2 Bewertungskriterien und methodisches Vorge-hen 2.1 Bewertungskriterien Auftrag der hier vorliegenden wissenschaftlichen Begleitung und Evaluation war es, entlang der üblichen Kriterien von Evaluationen im Allgemeinen16, der Standards für Bürgerräte im Allgemeinen (Tabelle 1) und derjenigen für Bürgerräte in Köln den Bürgerrat der Stadt Köln „Mobil im lebenswerten Quartier” zu evaluieren, Erkenntnisse zu dessen Wirksamkeit, Pro-zessqualität und Übertragbarkeit dazustellen und Empfehlungen für zukünftige Bürgerräte der Stadt Köln zu formulieren. Im Allgemeinen werden folgende Kriterien an die Durchführung und Wirksamkeit von Bürger-räten angelegt (Tabelle 1). Tabelle 1: Übersicht Kriterien der Evaluation von Bürgerräten (nach OECD 2021b, Dienel & Lietzmann 2014) Evaluationskriterien - Zufallsauswahl - Teilnahmeanreize und Hürden - Durchführungsqualität, Gestaltung des Deliberationsprozesses und Qualität der Mo-deration - Fachliche Begleitung zum Erreichen einer informierten Debatte - Beratungs- und Veranstaltungsorte - Länge des Prozesses - Wirkung des Prozesses auf Teilnehmende - Erarbeitung und Anschlussfähigkeit des Bürgergutachtens Prozedurale Anbindung an die politische Ebene Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie mediale Begleitung und Berichterstattung Die Stadt Köln hat – in diesem Sinne durchaus mit einer bundesweiten Vorreiterfunktion – bereits seit Längerem den in Richtung einer umfassenderen und intensiveren Beteiligung ihrer Bürger*innen beschritten. In diesem Zusammenhang ist 2021 auch das Positionspapier des Beirates Öffentlichkeitsbeteiligung zu Bürgerräten entstanden. In diesen sind die Kriterien für einen guten Bürgerrat formuliert, die sowohl handlungsleitend für die Verwaltung und das Durchführungskonsortium gewesen sind, als auch Maßstäbe für die hier vorliegenden Evalu-ation speziell für Köln formulieren. Dazu gehören - ein klares Erwartungsmanagement bei Durchführenden und Teilnehmenden - die thematische Eignung und Klarheit der Fragestellung 16 Degeval 2016. 6 - die Transparenz des themen- und zielgruppenspezifisch konzeptionierten Losverfah-rens, in das zudem thematische und / oder regionale Zielgruppen und Betroffene ein-zubeziehen sind - der Abbau von Teilhabebarrieren und die konkrete Zugänglichkeit des Bürgerrat, etwa ein Fahrservice, eine Aufwandsentschädigung, eine Kinderbetreuung, Dolmet-scher*innen, geeignete (barrierefreie) Orte und passenden Zeitfenster für das Bür-gerratsverfahren. - angemessene Orte und Zeiten für die Bürgerratssitzungen - hinreichenden zeitliche, personelle und finanzielle Ressourcen - eine hohe Moderations- und Methodenkompetenz in Verwaltung und Durchführungs-konsortium - eine angenehme, wertschätzende Atmosphäre und Kommunikation - Befähigung aller teilnehmenden Bürger*innen zu Beratung und Entwicklung von Maßnahmen und Empfehlungen - zielgruppengerechte und niedrigschwellige Informationen zu Thema und Fragestel-lung - Aufbau von Vertrauen zwischen den drei Beteiligten Politik, Verwaltung und Stadtge-sellschaft und zum Bürgerrat - Transparenz und Nachvollziehbarkeit des gesamten Bürgerratsprozesses Zusätzlich sollte der Bürgerrat an die Beschlussgremien in zweierlei Weise angebunden sein: Erstens sollte für das Beschlussgremium transparent und nachvollziehbar sein, welche Krite-rien und Argumente die Empfehlungen oder Vorschläge des Bürgerrates begründen und wel-che Empfehlungen prioritär waren. Zweitens sollte das Beschlussgremium transparent ma-chen, wie es sich mit dem Ergebnis des Bürgerrates auseinandersetzt und die Empfehlungen die Beschlussfassung des Gremiums prägen.17 2.2 Methodisches Vorgehen Folgende zentrale Untersuchungsschritte wurden in dieser Evaluation genutzt, um zu klären ob und inwieweit, die in Tabelle 1 aufgeführten Kriterien beim Bürgerrat „Mobil im lebenswer-ten Quartier” der Stadt Köln erfüllt werden konnten: 1. Quantitative Befragungen der Teilnehmenden 2. Teilnehmende Beobachtungen an Sitzungen des Bürgerrates 3. Vier qualitative Leitfadeninterviews mit den Durchführenden 4. Dokumentenanalysen Die quantitativen Befragungen der Teilnehmenden in Verbindung mit qualitativen Interviews dienten dazu, mögliche Anreize und Barrieren für eine Teilnahme zu identifizieren und erste Erkenntnisse über die Eignung des Themas erzielen. Die quantitativen Befragungen der Teil-nehmenden wurden vom Institut für Demokratie- und Partizipationsforschung (IDPF) auf 17 Beirat Öffentlichkeitsbeteiligung der Stadt Köln, 15.12.2021 7 Grundlage vorheriger Fragebögen18, internationaler Standards19, der Leistungsbeschreibung und in Kommunikation mit dem Büro für Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Köln entwickelt. Die Befragungen der Teilnehmenden wurden als quantitative Online-Befragungen konzipiert. Die Grundgesamtheit der Befragung waren die n=60 am Bürgerrat teilnehmenden Bürger*in-nen. Da die erste Umfrage zum Auftakt der Veranstaltung vor Ort und mit Papierbögen durch-geführt wurde, konnten mit ihr nur die 54 anwesenden Teilnehmenden erreicht werden. Die weiteren Umfragen wurde via E-Mailverteiler durch das Büro für Öffentlichkeitsarbeit an alle Teilnehmenden digital versendet. Die abgefragten soziodemographischen Merkmale Alter, Geschlecht, Migrationshintergrund, Haushaltsform, Stadtteilwohnsitz und Bildungsabschluss lassen einen Vergleich der Umfrageteilnehmer*innen zu den durch die Veranstalter stratifiziert gelosten Bürgerratsteilnehmer*innen zu. Die Befragungen erfolgten zu drei unterschiedlichen Zeitpunkten: die erste Befragung erfolgte als erster Tagesordnungspunkt der ersten Sitzung am 28.03.2025, die zweite Befragung erfolgte im Anschluss an die dritte von fünf Bürgerrats-sitzungen, die dritte Umfrage erfolgte nach Übergabe des Abschlussberichts. Die Feldarbeit wurde zwischen dem 28.03.2025 und dem 22.09.2025 durchgeführt; sie führte zu 54 Antwor-ten (Erste Teilnehmendenbefragung, 90 Prozent Rücklauf), 45 (Zweite Teilnehmendenbefra-gung, 75 Prozent Rücklauf) und 36 Antworten (Dritte Teilnehmendenbefragung, 60 Prozent Rücklauf). Aus methodischen Gründen – es soll vermieden werden, dass Teilnehmende „au-tomatisch“ durchgängig positiv antworten – wurden manche Fragen in negativer Form gestellt. Die systematischen teilnehmenden Beobachtungen der Beratungsphase erfolgten während des gesamten Bürgerratsprozesses, beginnend mit der Auftaktveranstaltung am 28. März. Begleitet, beobachtet und protokolliert wurden alle drei Sitzungen des Bürgerrates sowie die Vorstellung der Ergebnisse durch Bürgerratsmitglieder im Kölner Verkehrsausschuss. Die Datenerhebung erfolgte anhand einer systematischen Protokollierung, die sich an festge-legten Kriterien und Indikatoren sowie Strukturmerkmalen (Sitzungseinheiten im Plenum / Kleingruppen) orientiert. Die Beobachtungen wurden von mindestens drei Personen des IDPF durchgeführt. Zur Datenanalyse wurden qualitative, inhaltsanalytische und quantitative de-skriptive Verfahren eingesetzt. Ziel ist, komplementär zu den anderen Methoden die Durch-führungsqualität der Dialog-, Beratungs- und Abstimmungsprozesse im Bürgerrat detailliert in ihrem Verlauf und ihrem Ergebnis zu beurteilen. Somit liegen Verlaufsprotokolle wie auch quantitative Ergebnisse aus der teilnehmenden Beobachtung aller Sitzungstage vor, die sys-tematisch ausgewertet wurden. Die qualitativen Interviews wurden digital mit Personen durchgeführt, die mit der Durchführung des Bürgerrates befasst waren und fanden zwischen dem 17.09.2025 und 01.10.2025 statt. Sie wurden inhaltanalytisch hinsichtlich der expliziten Aussagen ausgewertet. Gefragt wurde nach der Vorgeschichte und -phase des Bürgerrates, nach den Erfahrungen mit der Rekrutie-rung der Teilnehmenden, nach der Durchführungsqualität (Moderation, Expertise, Räume etc.) und nach dem Aufwand für den Bürgerrat. Für verschiedene Untersuchungsaspekte wurden zusätzlich zu den quantitativen Befragun-gen, den teilnehmenden Beobachtungen und den qualitativen Interviews, weitere Dokumente herangezogen. Dazu gehörten etwa die Ablaufpläne, die Experteninputs oder das Positions-papier zu Bürgerräten des Beirates Öffentlichkeitsbeteiligung der Stadt Köln (15.12.2021). 18 Kirby et al. (2021) 19 OECD (2021a) 8 3 Gesamtbewertung durch die Teilnehmenden und Durchführenden Bevor wir auf die einzelnen Teilaspekte des Bürgerrates „Mobil im lebenswerten Quartier“ näher eingehen, starten wir mit einer Globalbetrachtung. Uns interessiert, wie der Bürgerrat grundsätzlich von den Teilnehmenden und den Durchführenden wahrgenommen wurde. Dementsprechend haben wir bei der ersten, zweiten und dritten Befragung der Teilnehmen-den, resümierende Bewertungsfragen gestellt. Diese Gesamtbewertung des Bürgerrates („Al-les in allem…“) durch die online befragten Teilnehmenden fiel insgesamt sehr positiv aus: In der ersten Befragung erhofften sich knapp 52 Prozent der Befragten von ihrer Teilnahme am Bürgerrat eine „voll und ganz” zufriedenstellende, positive persönliche Erfahrung, weitere 37 Prozent stimmten der Aussage „eher“ zu (Abbildung 2). Diese Erwartung erfüllte sich bei ins-gesamt abnehmender Beteiligung über den Verlauf der drei Befragungen. 87 Prozent der Befragten hielten das Thema „Mobilität im Quartier” für einen Bürgerrat geeig-net und 76 Prozent erwarteten, dass der Bürgerrat gute Empfehlungen entwickeln würde. Ers-tere Überzeugung sank im Anteil leicht in der zweiten und dritten Befragung, blieb aber ins-gesamt deutlich positiv (75 Prozent beziehungsweise 79 Prozent). Letztere stieg hingegen deutlich bis auf 100 Prozent Zustimmung („eher“ oder „voll und ganz“) zur Aussage „Ich bin zufrieden mit den Empfehlungen“. Demgegenüber zeigten sich die Befragten mit Blick auf die politische Wirkung ihrer Tätigkeit skeptischer. Etwa die Hälfte waren der Auffassung, dass die Empfehlungen die politischen Diskussionen und Entscheidungen in der Verkehrspolitik wirk-sam beeinflussen werden (Abbildung 5). In der zweiten Befragung verstärkte sich die Skepsis. Etwa 37 Prozent waren noch („eher“ oder „voll und ganz“) der Überzeugung, einflussreiche Empfehlungen zu entwickeln, während die größte Gruppe an Befragten, etwa 40 Prozent zwiegespalten mit „teil/teils“ antwortete. Ein klarer Trend lässt sich insgesamt für die Einschätzung des Bürgerrates als persönlich positive Erfahrung und in Teilen für die Zufriedenheit mit den Empfehlungen feststellen. Ge-nerell nahmen die zunächst sehr positiven Erwartungen an das Format nach den ersten Ar-beitssitzungen ab, um im Rückblick auf das Endergebnis in der dritten Befragung wieder et-was anzusteigen. Diese Schwankungen sind vor dem Hintergrund der abnehmenden Antwort-zahlen nur vorsichtig zu interpretieren. Aber es zeigt sich eine – auch aus anderen Bürgerräten bekannte – Dynamik, dass Teilnehmende vor dem Beginn eher hohe Erwartungen, dann mit den ersten Sitzungen feststellen, wie arbeitsreich die Formulierung von Zielen und Maßnah-men eigentlich sein kann, um sich dann nach gemeinsamer Beratung und Arbeit mit den Er-gebnissen zu identifizieren. Entsprechend der dritten Teilnehmendenbefragung wurde der Bürgerrat „Mobil im lebenswer-ten Quartier“ sehr positiv bewertet, vor allem die Teilnahme am Format und die gemeinsam erarbeiteten Ergebnisse. Etwa 86 Prozent stimmten „voll und ganz“ der Aussage „Alles in allem: Die Teilnahme am Bürgerrat „Mobil im lebenswerten Quartier“ war für mich eine positive persönliche Erfahrung“ zu. Mit dem letzten Stand der Empfehlungen zeigten sich von den 28 Teilnehmenden, die die entsprechende Aussage in der dritten Befragung beantworteten, 85 Prozent („eher“ oder „voll und ganz“) zufrieden. 9 Neben der reinen Abstimmung bekamen die Teilnehmenden zusätzlich die Möglichkeit, in Freitextantworten ihre Gedanken zum Bürgerrat als Ganzen mitzuteilen. In den 13 Beiträgen der zweiten Teilnehmendenbefragung erfuhr der Bürgerrat erneut viel Wertschätzung, aber es wurde auch deutliche Skepsis ausdrückt. Misstrauen bezüglich der Umsetzung der Maß-nahmen durch Politik und Verwaltung wurde mehrfach geäußert. Ebenso wurde das Verfah-ren in seiner Zielsetzung als „zu allgemein“ bewertet, entweder, weil die Zeit zu kurz bemes-sen sei, Köln als Metropole zu groß und komplex sei oder die entwickelten Maßnahmen nicht konkret genug ausgearbeitet werden konnten. In der dritten Teilnehmendenbefragung machten an dieser Stelle noch fünf Personen Ge-brauch von der Freitextantwort. Auch hier findet sich Dankbarkeit für die Möglichkeit zur Teil-nahme und Freude über die gute Gesprächskultur wieder. Daneben war die Skepsis gegen-über der Umsetzung aber nicht verflogen. Auch wurde die Akustik in den Räumlichkeiten des Bürgerrates kritisiert. Abbildung 2: Gesamtbewertung durch die Teilnehmenden: Der Bürgerrat als positive per-sönliche Erfahrung Anmerkungen: Angaben in Prozent. Basis: Erste Teilnehmendenbefragung (n=54); Zweite Teilnehmendenbefragung (n=43); Dritte Teilnehmendenbefragung (n=28). Auf einer Skala von „1 – enttäuschen meine Erwartungen“ bis „5 – übertreffen meine Erwar-tungen“ bewerteten die Befragten die vorläufigen Ergebnisse im Vergleich zu ihren Erwartun-gen vor allem mit der mittleren Antwortoption 3 von 5 (etwa 42 Prozent). 36 Prozent wählten Option 4 von 5 und zwei Personen wählten die Höchstbewertung 5 von 5. Demgegenüber zeigten sich die restlichen 17 Prozent eher enttäuscht (Option 2 von 5). Zuletzt konnten die 5,6%5,6% 2,3% 37,0% 20,9%14,3% 51,9% 76,7%85,7% 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% Erste BefragungZweite BefragungDritte BefragungErwartung derTeilnehmendenErfahrung der Teilnehmenden Gesamtbewertung: Der Bürgerrat als persönlich bereichernde Erfahrung Keine AngabeStimme voll und ganz zuStimme eher zuTeils/teilsStimme eher nicht zuStimme überhaupt nicht zu 10 vorläufigen Ergebnisse des Bürgerrates allgemein bewertet werden. Die dazugehörige fünf-stufige Skala reichte von „1 – insgesamt schlecht“ bis „5 – insgesamt gut“. Dabei wählten etwa 18 Prozent die höchste Antwortoption 5 von 5, der deutlich größte Anteil mit 68 Prozent ent-schied sich für Option 4 von 5 und die verbleibenden etwa 18 Prozent wählten die Skalenmitte (Option 3 von 5). Abbildung 3: Gesamtbewertung durch die Teilnehmenden: Zufriedenheit mit den Empfehlun-gen des Bürgerrates Anmerkungen: Angaben in Prozent. Basis: Erste Teilnehmendenbefragung (n=54); Zweite Teilnehmendenbefragung (n=43); Dritte Teilnehmendenbefragung (n=28). In der dritten Teilnehmendenbefragung wurden die Befragten gebeten, ihre erneute Einschät-zung zu den beiden Dimensionen der Realisierbarkeit und des Vergleichs mit den eigenen Erwartungen zu geben. Hier zeigt sich (bei abnehmender Anzahl an Antworten) in beiden Fällen eine Verschiebung zur insgesamt positiveren Bewertung der Ergebnisse. Mit etwa 42 Prozent schätzen nun die meisten Befragten die Ergebnisse als eher realistisch beziehungs-weise machbar ein (Option 4 von 5). 21 Prozent entschieden sich für die Höchstbewertung (5 von 5), etwa jeder vierte sieht sich bei Option 3 von 5 und etwa jeder zehnte hält die Ergeb-nisse für eher utopisch beziehungsweise unrealistisch (2 von 5). Im Vergleich mit den eigenen Erwartungen vom Verfahren zeigten sich 57 Prozent der befrag-ten Teilnehmenden mit Antwortoption 4 von 5 durchaus positiv beeindruckt. Etwa zehn Pro-zent wählten die Höchstbewertung, 19 Prozent der Befragten positionierten sich mittig auf der Skala (3 von 5). Weitere zehn Prozent waren mit Option 2 von 5 eher enttäuscht und eine Person wählte die niedrigste mögliche Bewertung 1 von 5. 1,9% 2,3% 18,5%23,3%14,3% 55,6%41,9% 39,3% 20,4%32,6%46,4% 3,7% 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% Erste BefragungZweite BefragungDritte BefragungErwartung derTeilnehmendenErfahrung der Teilnehmenden Gesamtbewertung: Zufriedenheit mit den Empfehlungen Keine AngabeStimme voll und ganz zuStimme eher zuTeils/teilsStimme eher nicht zuStimme überhaupt nicht zu 11 In der zweiten und dritten Teilnehmendenbefragung konnte jeweils eingeschätzt werden, wie die (vorläufigen) Ergebnisse jeweils zu charakterisieren sind: So fanden in der dritten Befra-gung 62 Prozent der Teilnehmenden, dass sie die Ergebnisse für eher realistisch und gut machbar halten. 67 Prozent halten fest, dass die Ergebnisse ihre Erwartungen übertreffen (Abbildung 4). Mit ihrem Engagement (und der Dauer der Beratungen) verbinden die Teilneh-menden auch die Erwartung, dass die Empfehlungen wirksamen Einfluss auf die Politik haben werden. Das ist für 68 Prozent der Befragten der Fall). Abbildung 4: Vergleich der (vorläufigen) Ergebnisse mit den eigenen Erwartungen durch die Teilnehmenden im Vergleich zwischen zweiter und dritter Teilnehmendenbefragung Anmerkungen: Angaben in Prozent: Basis: Zweite Teilnehmendenbefragung (n=36); Dritte Teilnehmendenbefragung (n=21). In den Interviews mit den Durchführenden wurden die Rücklaufquote nach der Auslosung,die Gesprächsbereitschaft und das Engagement der Teilnehmenden, wie die Moderation des Ple-nums, der Subplenen und der Kleingruppen sehr positiv gewürdigt. Auch die Inputs der Ex-pert*innen zwecks Erreichens einer informierten Beratung wurden weit überwiegend positiv eingeschätzt. Unisono wurde der Bürgerrat „Mobil lebenswert im Quartier“ als ein gelungener Bürgerrat gewertet. Als kritische Punkte wurden benannt: der Aufwand beim Teilnehmenden-rekrutierung und -management, die Räumlichkeiten und ihre Akustik, die geringe Kontrover-sität der inhaltlichen Debatte und einzelne Inputs von Expert*innen. In der Summe erfuhr der Bürgerrat durch Teilnehmende und Durchführende eine ausgespro-chen positive Wertung. Das schließt verschiedenen Kritikpunkte und Möglichkeiten der An-passung des Designs für die Zukunft jedoch nicht aus. Auf diese gehen wir im Sinne der Wei-terentwicklung des Formats nachfolgend ein. 4,8% 9,5% 19,0% 57,1% 9,5% 16,7% 41,7% 36,1% 5,6% 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 1 - enttäuschen meine Erwartungen 2 3 4 5 - übertreffen meine Erwartungen Die (vorläufigen) Ergebnisse... enttäuschen meine Erwartungen| übertreffen meine Erwartungen Zweite TeilnehmendenbefragungDritte Teilnehmendenbefragung 12 Abbildung 5: Gesamtbewertung durch die Teilnehmenden: Einschätzungen des Einflusses der Empfehlungen Anmerkungen: Angaben in Prozent. Basis: Erste Teilnehmendenbefragung (n=53); Zweite Teilnehmendenbefragung (n=43); Dritte Teilnehmendenbefragung (n=28). 3,8% 4,7%13,2%14,0%21,4% 30,2%39,5%32,1% 35,8%27,9%39,3% 15,1%9,3% 7,1%1,9% 4,7% 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% Erste BefragungZweite BefragungDritte BefragungErwartung derTeilnehmendenErfahrung der Teilnehmenden Gesamtbewertung: Die Empfehlungen werden wirksamen Einfluss auf die Politik haben Keine AngabeStimme voll und ganz zuStimme eher zuTeils/teilsStimme eher nicht zuStimme überhaupt nicht zu 13 4 Vorgeschichte: Ausschreibung und Entwicklung des Designs Ausweislich der Interviews mit den Expert*innen ist der Bürgerrat „Mobil lebenswert im Quar-tier“ das Ergebnis von zwei eigenständigen Entwicklungen in der Kölner Politik gewesen: Ers-tens gab es einen Pfad ambitionierter Politik der Beteiligung von Bürger*innen. Dieser ist nicht nur zuvor bereits ausgezeichnet worden, sondern in das bereits zitierte Positionspapier zu Bürgerräten gemündet. In diesem Zusammenhang der Beteiligung von Bürger*innen ist auch die zivilgesellschaftliche Initiative des Zukunftsrates e.V. zu sehen. Zweitens gab es seit 2014 mit der Strategie für den nachhaltigen Mobilitätsplan „Besser durch Köln“ bereits eine enga-gierte Kölner Mobilitätspolitik. Der Entscheidung im Januar 2025, den Bürgerrat „Mobil im le-benswerten Quartier” einzurichten, folgte die entsprechenden Ausschreibung. Diese sah Folgendes vor: „Der Pilot-Bürgerrat wird zum Thema „Verkehrswende im Quartier“ eingerichtet.“20 Er soll Erkenntnisse zur Erstellung eines Gesamtkonzepts für die Verkehrs-wende im Quartier liefern. Die Leistungsbeschreibung stellte einen direkten Bezug zum Kon-zept der sogenannte Superblocks her. „Der Bürgerrat soll folgende Fragen behandeln und dazu Empfehlungen oder Lösungen erar-beiten: Meine Wohnstraße: Wie wollen wir in unseren Veedeln leben? Wie sieht eine zukunfts-fähige Straßenraumgestaltung in unseren Veedeln aus? Was sind konkrete Ziele? Mit wel-chen Maßnahmen können wir diese Ziele erreichen? Wo sollen wir anfangen? Anhand wel-cher Indikatoren priorisieren wir Räume? Wenn wir die Maßnahmen umsetzen: Wie beteiligen wir die Öffentlichkeit?“21 Den Zuschlag für die Durchführung des Bürgerrates erhielt ein Konsortium von ifok GmbH und dem Zukunftsrat Köln, e.V. das sich extra für diese Durchführung konstituierte. Es kom-binierte bundesweit anerkannte Kompetenzen bei Design, Organisation, Moderation und Er-stellung von Bürgergutachten mit den konkreten Kenntnissen der Kölner Gegebenheiten und der lokalen Anbindung. Die Entwicklung des Designs des Bürgerrates durch das Büro für Öffentlichkeitsbeteiligung, das Amt für nachhaltige Mobilitätsentwicklung und das benannte Durchführungskonsortium wurde in den Interviews durchgehend als offen, lösungsorientiert, vertrauensbasiert, koope-rativ und produktiv beschrieben. Im Zentrum der städtischen Perspektive stand die Beteiligung „stiller“ Personen (und damit die Ergänzung einer kriterienbasierten Zufallsauswahl), wohin-gegen die Sitzungsabläufe, -termine und-gestaltung als besondere Kompetenz („Konzeptions- und Moderationsexpertise“) des Dienstleistungskonsortiums gesehen wurde. 20 Leistungsbeschreibung der Stadt Köln, S. 1, 26.07.2024 21 Leistungsbeschreibung der Stadt Köln, S. 3, 26.07.2024 14 5 Rekrutierung, Teilnahmebereitschaft und Zu-sammensetzung 5.1 Rekrutierung und Teilnahmebereitschaft Die Rekrutierung der 55-60 Teilnehmenden erfolgte auf zwei Wegen: Einerseits wurden die Teilnehmenden durch eine kriterienbasierte Zufallsauswahl zusammengestellt. Deren Krite-rien (Tabelle 2) entsprechen dem aktuellen Stand der losbasierten Beteiligung. Die themen-spezifische Ergänzung um das Verkehrsverhalten ermöglichte, unterschiedliche Nutzerper-spektiven in die Beratungen einzubeziehen. Aus dem Melderegister wurde eine Stichprobe von 7.000 Kölner*innen gezogen. Tabelle 2: Kriterien für die Zusammensetzung des Bürgerrates Stadtbezirk Altersgruppe Höchster Abschluss: Haushaltsform: 16 bis unter 18 Jahre 18 bis unter 30 Jahre 30 bis unter 45 Jahre 45 bis unter 60 Jahre 60 und älter Kein Abschluss abgeschlossene Berufsaus-bildung Hochschulabschluss Einpersonenhaushalt Mehrpersonenhaushalt Haushalt mit Kindern Seniorenhaushalt Geschlecht Migrationshintergrund Verkehrsverhalten Mann Frau Divers Ja / Nein Auto ÖPNV zu Fuß mit dem Fahrrad Quelle: Stadt Köln 2025: Abschlussbericht, S. 12. Zusätzlich wurden mögliche Teilnehmende über Multiplikator*innen angesprochen. Dies ge-schah, um abzusichern, dass auch Betroffene mit eher hohen Eintrittshürden für bürgerschaft-liche Beteiligung (etwa Menschen mit Armutserfahrungen, niedrigem Einkommen, einge-schränktem Bildungszugang, Migrationshintergrund oder Behinderung) eine Chance hatten, berücksichtigt zu werden. In einem zweiten Schritt konnten sich die eingeladenen Personen online auf dem Beteiligung-sportal der Stadt für eine Teilnahme am Bürgerrat registrieren. Es gab auch die Möglichkeit, sich über einen Rückmeldebogen per Post zu registrieren. Auf diese Weise gingen über 33 Anmeldungen ein. Insgesamt gab es über die verschiedenen Wege circa 1.400 Anmeldungen für die Teilnahme am Bürgerrat. Die Rückmeldequote lag mit knapp 20 Prozent im Vergleich zu sonstigen Er-fahrungen mit Bürgerräten recht hoch. Die erwartete Rückmeldequote war fünf bis zehn Pro-zent. Die Auswahl der sechzig Teilnehmenden erfolgte anhand der oben genannten Kriterien, wobei die Personen, die über Multiplikator*innen eingeladen worden waren, zuerst berücksichtigt wurden (zehn Personen, neun tatsächlich Teilnehmende). 15 Die 60 Teilnehmenden erhielten per Mail oder Brief eine Zusage für ihre Teilnahme am Bür-gerrat. Alle weiteren Personen erhielten den Hinweis, dass sie zunächst nicht würden teilneh-men können, aber weiterhin im Pool möglicher Nachrückender waren. Hieraus wurden acht Personen nachrekrutiert.22 Auswahl und Briefing der Multiplikator*innen (wie auch deren An-sprache von Einzelpersonen) sind vom Evaluationsteam ebenso wenig begleitet worden, wie die Stichprobenziehung, die Ansprache der Ausgewählten und deren Rekrutierung. Rückblickend können wir auf Grundlage der Dokumente und Interviews jedoch Folgendes festhalten: - Der gesamte Prozess ist außergewöhnlich gut durch den Abschlussbericht dokumen-tiert. - Die Mischung aus kriterienbasierter Zufallsauswahl und Ansprache durch Multiplika-tor*innen wurde durchgängig als sehr positiv eingeschätzt. - Offenkundig war es technisch vereinzelt möglich, sich im Beteiligungsportal zu regist-rieren, ohne Teil der Stichprobe zu sein. - Ein wichtiger Punkt im Rückblick war der erheblich administrative Aufwand bei der Rekrutierung, der in der hohen Rücklaufquote und starken Teilnahmebereitschaft be-gründet lag. Die hohe Teilnahmebereitschaft und die (stratifizierte) Besetzung des Bürgerrates gehen er-fahrungsgemäß mit der Enttäuschung derjenigen einher, die beteiligungsbereit sind, aber schlussendlich nicht rekrutiert werden. Die hohe Teilnahmebereitschaft ging gemäß der Inter-views aber auch mit einem erheblichen Aufwand in der Kommunikation und Teilnahmema-nagement einher, der zuvor nicht kalkuliert worden war. 5.2 Soziodemografische Repräsentativität der zufällig ausge-wählten Personen In dem Auswahlverfahren ist es der Verwaltung und dem Durchführungsteam weitgehend ge-lungen, den Bürgerrat entsprechend der soziodemografischen Repräsentativität der Stadt Köln zu besetzen. In der gemeinsamen Betrachtung der Daten zur Zusammensetzung im Ab-schlussbericht und der Selbstangaben bei den Befragungen der Teilnehmenden zeigt sich, dass Personen mit Hochschulreife leicht überrepräsentiert waren. Die Zusammensetzung der Mitglieder des Bürgerrates ist im Abschlussbericht dokumentiert. Es zeigt sich, dass es gelungen. Ist, die angestrebte soziodemografische Repräsentativität zu erreichen.23 Die Sozialstruktur der Bürgerratsteilnehmenden, die auch auf die Befragungen geantwortet haben, ist grundsätzlich sehr ähnlich zur im Abschlussbericht veröffentlichten Sozialstruktur aller Teilnehmenden und damit in den präsentierten Merkmalen grundsätzlich ebenfalls nah an der Stadtbevölkerung von Köln (siehe Tabelle 3).24 Die Aussagen der quantitativen Befra-gung können damit beanspruchen, dass Meinungsbild der Teilnehmenden wiederzugeben. 22 Stadt Köln 2025: Abschlussbericht, S. 14-15 23 Stadt Köln 2025: Abschlussbericht, S. 50-51 24 Auffällig ist zunächst, dass von den 54 Teilnehmenden der ersten Befragung 31 Personen angaben, männlich zu sein, weitere 21 weiblich und eine Person wählte divers als Antwortoption. Hier ist neben einer Differenz in der 16 Tabelle 3: Soziodemographische Merkmale der Teilnehmenden aus der Teilnehmendenbe-fragung (n=56) Geschlecht Anzahl Prozentwert Männlich 31 55% Weiblich 23 41% Divers 1 2% Keine Angabe 1 2% Total 56 100% Migrationshintergrund Anzahl Prozentwert Nein 31 55% Ja, ich selbst 12 21% Ja, beide Eltern 9 16% Ja, ein Elternteil 4 7% Total 56 100% Altersgruppen Anzahl Prozentwert 18-29 Jahre 10 18% 30-44 Jahre 12 21% 45-59 Jahre 17 30% 60 Jahre und älter 17 30% Total 56 100% Haushaltsform Anzahl Prozentwert Einpersonenhaushalt 29 52% Haushalt mit Kind(ern) 9 16% Mehrpersonenhaushalt 15 27% Seniorenhaushalte 3 5% Total 56 100% Sind Sie alleinerziehend? [Filterfrage für Haushalte mit Kind/Kindern] Anzahl Prozentwert Ja 1 11% Nein 8 89% Total 9 100% Fortsetzung Tabelle 3 Höchster allgemeinbildender Abschluss Anzahl Prozentwert Abitur, Fachhochschulreife (Gymnasium oder erweiterte Oberschule EOS) 39 72% Mittlere Reife oder Abschluss der polytechnischen Ober-schule 8 15% Verteilung zur offiziellen Teilnehmendenstatistik im Abschlussbericht (29 männliche und 30 weibliche Teilneh-mende, S. 50), sondern augenscheinlich zwei männliche Personen mehr als in der Grundgesamtheit der Teilneh-menden vorhanden. Wir vermuten Datenübertragungsfehler bei dieser Ungenauigkeit. 17 Haupt- oder Volksschulabschluss 7 13% Total 54 100% Höchster berufsqualifizierender Abschluss Anzahl Prozentwert Abschluss an einer Universität oder Hochschule 16 30% Lehre/Berufsausbildung im dualen System 13 25% (Noch) Keinen beruflichen Abschluss 12 23% Abschluss einer Berufsfachschule/Kollegschule 6 11% Abschluss an einer Schule für Gesundheits- und Sozialbe-rufe 3 6% Meister-/Techniker- oder gleichwertiger Fachschulabschluss 2 4% Abschluss an einer Ausbildungsstätte für Erzieher 1 2% Total 53 100% Erwerbstätigkeit Anzahl Prozentwert Angestellte/Angestellter 16 29% Rentner/in oder Pensionär/in 13 23% Student/in 6 11% Voll-/Teilzeiterwerbstätig (auch "Mini-Jobs") 5 9% Hausfrau/Hausmann 3 5% Selbstständige/Selbstständiger ohne Beschäftigte (auch Ho-norarkraft, Person mit Werkvertrag) Tätigkeit 3 5% Arbeiterin/Arbeiter 2 4% Auszubildende/r 2 4% Selbstständige/Selbstständiger mit Beschäftigten 2 4% Arbeitslos (ohne "Ein-Euro-Job") 1 2% Beamtin/Beamter 1 2% Keine Angabe 1 2% Sonstiges 1 2% Total 56 100% Haushaltsnettoeinkommen Anzahl Prozentwert Bis unter 2.500 € 22 39% 2.500 bis unter 4.000 € 17 30% 4.000 € und mehr 13 23% Keine Angabe 4 7% Total 56 100% 18 Neben den im Abschlussbericht aufgeführten Eigenschaften wurden in der Befragung außer-dem nach Schulabschluss (höchster allgemeinbildender Abschluss), Art der Erwerbstätigkeit und Haushaltsnettoeinkommen gefragt. Zudem wurde die Frage nach der Haushaltsform er-gänzt um die Frage, ob Personen, die angegeben haben in einem Haushalt mit Kind/ern zu wohnen, alleinerziehend sind. Die Frage nach dem höchsten allgemeinbildenden Abschluss zeigt, dass ein Großteil der Teil-nehmenden (72 Prozent) das Abitur oder die Fachhochschulreife erworben hat. Des Weiteren gaben 13 Prozent an einen Haupt- oder Volksschulabschluss und 15 Prozent die mittlere Reife bzw. einen Abschluss an einer polytechnischen Oberschule erzielt zu haben. Im Vergleich zu Daten des Statistischen Landesamtes NRW für die kreisfreie Stadt Köln sind damit Personen mit Hochschulreife überrepräsentiert (51 Prozent in der Stadtbevölkerung über 15 Jahren) und Personen mit Hauptschulabschluss unterrepräsentiert (21 Prozent der Stadtbevölkerung über 15 Jahren).25 Im Hinblick auf die Erwerbstätigkeit (Abbildung 6) sind die größten vertretenen Gruppen An-gestellte (29 Prozent) und Rentner*innen bzw. Pensionär*innen (23 Prozent), gefolgt von Stu-dent*innen (11 Prozent) und Selbstständigen (mit und ohne Beschäftigte zusammengefasst, neun Prozent). Abbildung 6: Die Teilnehmenden der Befragungen nach Erwerbstätigkeit Anmerkungen: Angaben in Prozent. Basis: Zweite und Dritte Teilnehmendenbefragungen kombiniert (n=54). 25 https://www.landesdatenbank.nrw.de/ldbnrw//online?operation=table&code=12211-9109i&bypass=true&le-velindex=0&levelid=1763330411625 28,6%23,2%10,7%8,9%5,4%5,4%3,6%3,6%3,6%1,8%1,8%1,8%1,8% 0%5%10%15%20%25%30% Angestellte*rRentner*in oder Pensionär*inStudent*inVoll-/Teilzeiterwerbstätig (auch "Mini-Jobs")Hausfrau/HausmannSelbstständige*r ohne BeschäftigteArbeiter*inAuszubildende*rSelbstständige*r mit BeschäftigtenArbeitslos (ohne "Ein-Euro-Job")Beamtin/BeamterKeine AngabeSonstiges Erwerbstätigkeit 19 Für das Haushaltsnettoeinkommen gaben die Befragten mit 39 Prozent an, unter 2500 € im Monat zur Verfügung zu haben, 30 Prozent wählten die Antwort 2500 € - 4000 € und 23 Pro-zent gaben über 4000 € als monatliches Haushaltsnettoeinkommen an. Sieben Prozent mach-ten von der Möglichkeit „keine Angabe“ gebrauch.26 Von den Personen, die „Haushalt mit Kind/ern“ als Haushaltsform auswählten, gab eine weiter an, alleinerziehend zu sein. Die Teilnahme an den Befragungen sank erwartbar über die drei Umfragewellen (n1=54, n2=45, n3=36). Durch die anonymisierten, freiwilligen „Zugangscodes“ zur Umfrage kann das Antwortverhalten vieler Teilnehmender über mehrere Befragungswellen ausgewertet werden. Hierbei zeigt sich für die erfassten soziostrukturellen Merkmale über die drei Wellen ein relativ ausgeglichener Rückgang im Antwortverhalten. Unter den Personen, die zu bestimmten Sit-zungen (teilweise) fehlten, aber trotzdem an der Umfrage teilnahmen, gaben drei Personen gesundheitliche und zwei Personen familiäre Gründe an. 5.3 Gründe für die Teilnahme Warum nahmen Bürger*innen am Bürgerrat teil? Was hinderte sie? Die Teilnehmenden wur-den in der ersten Umfrage zu ihren Bewegründen zur Teilnahme befragt und konnten jeweils bis zu drei Antwortmöglichkeiten auswählen (Abbildung 7). Auch eine Freitextantwort war möglich, davon machte jedoch niemand Gebrauch. Als die drei häufigsten Motive zur Teilnahme wählten die Befragten der ersten Teilnehmen-denbefragung (n=54) „Ich möchte meine Stadt aktiv mitgestalten“ (26 Nennungen), „Bürger-schaftliches Engagement ist für mich wichtig für eine lebendige Demokratie“ (26 Nennungen) und „Ich interessiere mich für das Thema“ (25 Nennungen). Die Mitgestaltungsmöglichkeit des Quartiers (19 Nennungen) und die Neugierde auf das Format (18 Nennungen) folgen danach. Die Option „Wer sich nicht beteiligt, darf sich später nicht über "schlechte" politische Entschei-dungen beschweren“ wurde 13-mal genannt und die wahrgenommene „Bürgerpflicht“ zur Teil-nahme schaffte es zu neun Nennungen. Zehn Teilnehmende nannten die Aufwandsentschä-digung als zusätzlichen Anreiz ausschlaggebend und sieben Personen wählten die Antwort-möglichkeit „Ohne Bürgerbeteiligung wird wenig in der Politik verändert“. Zuletzt war auch die Möglichkeit zum Austausch mit anderen Menschen ein Beweggrund (sechs Nennungen). 26 n=56 über Befragung eins und Befragung zwei kombiniert. Differenz bis 100 Prozent durch Rundungsfehler. 20 Abbildung 7: Angaben zu persönlichen Beweggründen für die Teilnahme am Bürgerrat Anmerkungen: Angaben als Nennungen von bis zu drei der aufgeführten Antwortmöglichkei-ten pro teilnehmende Person. Basis: Erste Teilnehmendenbefragung (n=54). 5.4 Kontaktaufnahme und Unterstützung der Teilnahme Im Rahmen der ersten quantitativen Befragung wurden die Teilnehmenden auch zu den Un-terstützungsangeboten und dem Teilnahmemanagement befragt. Dabei zeigt sich Folgendes: Das Einladungsschreiben zum Bürgerrat (als ein wesentlicher Zugang und Anreiz) wurde sehr positiv bewertet (Abbildung 8). Gleiches gilt für die Kommunikation mit der Stadt im Vorfeld des Bürgerrates, die zu 57 Pro-zent positiv bewertet wurde. Die niedrigere Rate (explizite Kritik im Sinne von „eher schlecht“) kam von einer Person) erklärt sich daraus, dass die Kommunikation (noch) nicht benötigt wurde. Dies gilt auch für weitere Unterstützungsangebote. Aufgrund der Zeit (Sitzungen am Wochen-ende) und des Ortes (innenstadtnahe Räume) wurde das Angebot zur Kinderbetreuung vor Ort von 84 Prozent der Antwortenden nicht benötigt.27 Ähnliches gilt für die Unterstützung 27 Hier werden die Kategorien „noch nicht benötigt“, „nicht benötigt“ und „keine Angabe“ summiert. 6 7 9 10 13 18 19 25 26 26 051015202530 Ich möchte mich mit anderen Menschen aus Kölnaustauschen. Ohne Bürgerbeteiligung wird wenig in der Politikverändert. Ich sehe es als meine Bürgerpflicht, mich amBürgerrat zu beteiligen. Die Aufwandsentschädigung war für mich einzusätzlicher Anreiz zur Teilnahme. Wer sich nicht beteiligt, darf sich später nicht über"schlechte" politische Entscheidungen… Ich war neugierig, wie ein Bürgerrat funktioniert. Ich interessiere mich für die Gestaltung meinesQuartiers. Ich interessiere mich für das Thema Mobilität. Ich möchte meine Stadt aktiv mitgestalten. Bürgerschaftliches Engagement ist für mich wichtigfür eine lebendige Demokratie. Was waren Ihre persönlichen Beweggründe für die Teilnahme am Bürgerrat? 21 durch den Arbeitgeber oder die Schulbehörde für die Freistellung für die Teilnahme (80 Pro-zent), die Unterstützung bei An- und Abreise (68 Prozent) und die Barrierefreiheit am Veran-staltungsort (72%). Wenn Unterstützung genutzt wurde, wurde sie positiv bewertet. Eine Aus-nahme ist die Barrierefreiheit vor Ort, die in der Befragung von 13 Prozent als mindestens verbesserungswürdig angesehen wurde. Insgesamt zeigt sich, dass das Einladungsschreiben bei dem Befragten sehr gut ankam. Auch die Kommunikation mit der Stadt Köln wurde weit überwiegend sehr positiv bewertet. Hinsicht-lich der sonstigen Teilnahmebedingungen ist anzumerken, dass aufgrund der Wochenendter-mine und der guten örtlichen Erreichbarkeit einige Unterstützungsangebote, die sonst bei Bür-gerräten wichtig sein können, mehrheitlich nicht benötigt wurden. Auffällig ist aber, dass die Barrierefreiheit am (ersten) Veranstaltungsort kritischer im Vergleich zu den sonstigen Teil-nahmebedingungen bewertet worden ist. Abbildung 8: Bewertung des Einladungsschreibens Anmerkungen: Angaben in Prozent. Basis: Erste Teilnehmendenbefragung (n=54). 5.5 Informationen und Vermittlung der Ziele des Verfahrens: Die Zugänglichkeit zum Bürgerrat wird auch durch die Informationen zur Veranstaltung und die Rollenklarheit vor Beginn der Beratung erhöht. 87 Prozent der Befragten stimmten in der ersten Umfrage (Vorbefragung) der Aussage (eher) zu, dass ihnen der Ablauf der Veranstal-tung gut vermittelt worden sei (Abbildung 9). Aber zumindest anfänglich (also vor der ersten Beratung) blieben die eigene Rolle und Aufgaben augenscheinlich für einen Gutteil der Teil-nehmenden noch vage: 60 Prozent fanden die Transparenz hinsichtlich der eigenen Rolle und Aufgaben im Bürgerrate (eher) gegeben. 1,9% 1,9% 3,7% 38,9% 53,7% 0%10%20%30%40%50%60% Keine Angabe Nicht benötigt Noch nicht benötigt Sehr schlecht eher schlecht Teils/teils Eher gut Sehr gut Das Einladungsschreiben zum Bürgerrat 22 Abbildung 9: Bewertung der Informationen zum Ablauf der Veranstaltung Anmerkungen: Angaben in Prozent. Bewertung der Informationen zum Ablauf der Veranstal-tung. Basis: Erste Teilnehmendenbefragung (n=52). 5,6% 1,9% 5,6% 37,0% 50,0% 0%10%20%30%40%50%60% Keine Angabe Nicht benötigt Noch nicht benötigt Sehr schlecht eher schlecht Teils/teils Eher gut Sehr gut Die Informationen zum Ablauf der Veranstaltung 23 6 Beratungserfahrung der Teilnehmenden 6.1 Selbstwirksamkeit und Kompetenzerwerb Ein besonderes Augenmerk der Evaluation lag auf der Wirkung des Bürgerratsprozesses auf die Teilnehmenden. Hierbei ging es vor allem darum, mit den quantitativen Online-Befragun-gen der Teilnehmenden, den qualitativen Interviews und den teilnehmenden Beobachtungen ihre Selbstwirksamkeitserfahrungen im Verfahren und den Kompetenzerwerb der Teilneh-menden zu untersuchen. Wie in Kapitel 3 beschrieben, war der Bürgerrat „Mobil im lebens-werten Quartier” für die Teilnehmenden insgesamt und weit überwiegend eine positive Erfah-rung. In der zweiten und dritten Teilnehmendenbefragung fiel die Wahrnehmung der eigenen Rolle in den Diskussionen des Bürgerrates sehr positiv aus. Die Aussagen hierzu wurden stets von einer eindeutigen Mehrheit positiv bewertet, während es nur vereinzelt negative Rückmel-dungen gab. Zur Bewertung der persönlichen Mitwirkung an den Ergebnissen des Bürgerrates konnten die Teilnehmenden angeben, ob es für alle die gleiche Möglichkeit zur Diskussionsbeteiligung gab. Die Aussage ist im Fragebogen als Negativaussage formuliert: „Die Möglichkeiten, die eigene Meinung in die Gespräche einzubringen, waren für alle Teilnehmenden nicht gleich groß“ (Abbildung 10). In 57 Prozent der Antworten, lehnten die befragten Teilnehmenden in der ersten Umfrage diese Aussage ab und beschrieben somit viele Möglichkeiten, sich persönlich einzubringen. Jede fünfte Person konnten dem nur teilweise zustimmen. In den zwei folgenden Befragungen stimmten 17 bzw. 23 Prozent dieser Aussage (eher) vollständig zu. Das zeigt, dass im Verlauf des Prozesses weniger Personen die Wahrnehmung hatten, sich nicht gleichmäßig einbrin-gen zu können. Die Wahrnehmung der eigenen Rolle in den Diskussionen des Bürgerrates fiel in der zweiten und dritten Teilnehmendenbefragung28 sehr positiv aus. Die Aussagen hierzu wurden stets von einer eindeutigen Mehrheit positiv bewertet. Eine eindeutige Mehrheit von über 70 Prozent in der zweiten Teilnehmendenbefragung hatte das Gefühl, in den Kleingruppen alles sagen zu können, was sie wollten. Jeder fünfte konnte dieser Aussage eher zustimmen und fünf Prozent der Befragten hatten nur teilweise dieses Gefühl. Die Aussage ablehnende Antworten wurden nicht verzeichnet. In der dritten Umfrage gab es unter reduzierter Befragtenanzahl (n2 = 42, n3 = 30) nur noch positive Äußerungen, wobei vier von fünf Personen die volle Zustimmung als Antwortkategorie wählten. 28 In der zweiten Teilnehmendenbefragung werden während der laufenden Bürgerrats die Beratungserfahrungen erhoben. Bei der dritten Befragung handelt es sich um eine Nachbefragung (nach Abschluss der Beratung und der Übergabe der Empfehlungen). 24 Abbildung 10: Beurteilung der Diskussionsqualität durch die Teilnehmenden Anmerkungen: Angaben in Prozent: Beurteilung der Diskussionsqualität durch die Teilneh-menden. Basis: Zweite Teilnehmendenbefragung (n=42); Dritte Teilnehmendenbefragung (n=30). Die Einschätzung, an der Entwicklung der Maßnahmen beteiligt gewesen zu sein, wurde wie-der als Negativaussage zur Bewertung gestellt. Das Gefühl, keinen eigenen Beitrag für die Ergebnisse geleistet zu haben wurde in der zweiten Teilnehmendenbefragung in circa jedem zweiten Fragebogen „voll“ und etwa einem von vier „eher“ abgelehnt. Etwa einer von fünf Befragten lehnte die Aussage nur teilweise ab, eher zugestimmt hat nur insgesamt eine Per-son. Sieben Prozent enthielten sich durch die Option „Keine Antwort“. In der dritten Befragung gab es eine leichte Verschiebung in Richtung Zustimmung zur Aussage mit nun zehn Prozent der Beteiligten, die eher zustimmen und nun jeweils etwa 37 Prozent, die die Aussage eher oder voll ablehnen. Der Aussage, dass ihre Argumente in der Diskussionsrunde beachtet wur-den, haben in der zweiten wie auch der dritten Befragung etwa 90 Prozent der Befragten zugestimmt. Jeweils zwei Personen waren jedoch unentschieden und eine Person lehnte die Aussage eher ab (Abbildung 11). Das heißt insgesamt, dass nach Abschluss des Verfahrens 73 Prozent der Befragten (eher) den Eindruck hatten, einen wichtigen Beitrag die Ergebnisse geleistet zu haben. In der zweiten Teilnehmendenbefragung wurde der respektvolle Umgangston von allen Aus-sagen am positivsten gewertet. Nur drei Personen widersprachen der Aussage, dass die Teil- 35,7% 26,7% 21,4% 30,0% 21,4% 20,0% 7,1% 16,7%9,5% 6,7%4,8% 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% Zweite BefragungDritte Befragung Die Möglichkeiten, die eigene Meinung in die Gespräche einzubringen, waren für alle Teilnehmenden nicht gleich groß. Keine AntwortStimme voll und ganz zuStimme eher zuTeils/TeilsStimme eher nicht zuStimme überhaupt nicht zu 25 nehmenden immer einen sehr respektvollen Umgangston miteinander hatten, unabhängig da-von ob man unterschiedlicher Meinung war oder nicht. Drei Personen stimmten hier nur teil-weise zu. Über 90 Prozent der Befragten bestätigten einen respektvollen Umgangston. Abbildung 11: Bewertung der Akzeptanz der eigenen Argumente in den Kleingruppen Anmerkungen: Angaben in Prozent. Basis: Zweite Teilnehmendenbefragung (n=42), Dritte Teilnehmendenbefragung (n=30). Mit Blick auf den Kompetenzzuwachs ergab die dritte Teilnehmendenbefragung ein positives, wenn auch ein gemischtes Bild. Lerneffekte zeigten sich vor allem beim Wissen zum Thema des Bürgerrates und der Fähigkeit zur Diskussion mit anderen Menschen. 60 Prozent der Befragten gaben an, sich durch die Teilnahme am Bürgerrat besser mit Men-schen mit anderer Meinung austauschen können. 13 Prozent waren unentschieden, während 27 Prozent dies verneinten. 83 Prozent der Befragten stimmten in der dritten Teilnehmendenbefragung zu, nach der Teil-nahme mehr Argumente und Perspektiven zu kennen, um die eigene Meinung zu dem Thema zu untermauern, während sieben Prozent unschlüssig waren und jede zehnte Person wider-sprach. Ein klareres Verständnis für die Meinung anderer zum Thema des Bürgerrates bekommen zu haben, bestätigten 60 Prozent der Befragten, 27 Prozent wählten die Antwortoption „Teils/Teils“. Die übrigen 13 Prozent verneinten an dieser Stelle. Dass sie ihre eigene Meinung zumindest teilweise geändert haben, wurde von dem größten Teil der Teilnehmenden mit „Teils/Teils“ bewertet (40 Prozent). Eine Minderheit von circa 23 Prozent bejahte, während 37 Prozent dieser Aussage nicht zustimmten. 2,4% 3,3%4,8% 6,7% 38,1% 43,3% 52,4% 46,7% 2,4% 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% Zweite BefragungDritte Befragung Meine Argumente wurden in den Kleingruppen beachtet. Keine AntwortStimme voll und ganz zuStimme eher zuTeils/TeilsStimme eher nicht zuStimme überhaupt nicht zu 26 Eine eindeutige Mehrheit von 93 Prozent sah in dem Bürgerrat keine Zeitverschwendung. Nur zwei Personen sahen das anders. Die teilnehmenden Beobachtungen zeigen in ihrer Gesamtschau auf die Debattenkultur und die Deliberation einerseits sowie auf die Rolle der Moderation und der Expertinnen und Ex-perten andererseits, ein sehr differenziertes Bild zum thematischen und diskursiven Kompe-tenzerwerb der Teilnehmenden auf. Erstens verdeutlichen sie, dass der Bürgerrat sowohl im Plenum als auch in den Kleingruppen fast ausschließlich durch eine äußerst wertschätzende Gesprächs- und Interaktionsat-mosphäre mit fairer Debattenkultur geprägt war. Mit voranschreitender Zeit zum Abend hin, wurden einige der Teilnehmenden eher sehr passiv und zurückhaltend in den Diskussionen, auch wenn die Moderation auf gleiche Beteiligung achtete. Mit Blick auf die Argumentationshaushalte insgesamt lässt sich zweitens darstellen, dass sich die Bürgerinnen und Bürger im Modus der Deliberation mit ihren vorgetragenen (Gegen-)Ar-gumenten untereinander austauschten. Dies erfolgte sehr häufig mit explizitem Bezug auf die Informationen der Expertinnen und Experten – die auch in der Abwägung in Relation mit ihrem eigenen Erfahrungs-, Fach oder Praxiswissen gesetzt wurden. Drittens verdeutlicht dies, dass der inhaltliche Einbezug der städtischen Verwaltung zur För-derung eines informierten deliberativen Austausches zwischen den Teilnehmenden sowie zur reflektierten Meinungsbildung, Meinungsvertretung und Meinungsänderung insgesamt gelun-gen ist. Auch in den qualitativen Interviews wurde die grundsätzlich positive und respektvolle Debat-tenkultur in Bürgerrat wiederholt hervorgehoben. 27 7 Durchführungsqualität des Bürgerrates Im Folgenden ist durch die Evaluation zu klären, ob diese insgesamt sehr positiven Delibera-tionserfahrungen auf dessen Design und Durchführung zurückzuführen sind. Der Bürgerratsprozess bestand aus präsenten Sitzungen in Plenen, Subplenen und Klein-gruppen. Im Folgenden werden die in den Teilnehmendenbefragungen geäußerten Bewer-tungen der Teilnehmenden zu diesen Formaten dargestellt und diskutiert. Diese werden durch Erkenntnisse aus den teilnehmenden Beobachtungen an den Bürgerratssitzungen und den qualitativen Interviews ergänzt und in Verhältnis gesetzt. 7.1 Generelle Zufriedenheit bei den Teilnehmenden Neben der Gesamtbewertung des Bürgerrates durch die Teilnehmenden (siehe Kapitel 4), wird deren Zufriedenheit mit dem Verfahren auch unter Berücksichtigung einzelner Aspekte während des Verfahrens und im Nachhinein untersucht. Dabei zeigte sich eine generelle Zu-friedenheit bei den Teilnehmenden über alle Untersuchungsformen der Evaluation hinweg. In der zweiten Teilnehmendenbefragung gab es beispielsweise insgesamt eine große Zufrie-denheit mit dem Ablauf des Bürgerratsprozesses. Annähernd 84 Prozent der Befragten gaben an, zufrieden zu sein, wobei „eher zufrieden“ mit etwa 47 Prozent die meistgewählte Antwort ist. 14 Prozent der Befragten wählten „teils/teils“ und zwei Prozent „eher nicht zufrieden“. Diese grundsätzliche Zufriedenheit wird auch mit Blick auf die Abläufe der Kleingruppen und der Subplenen widergespiegelt mit jeweils 91 Prozent Zufriedenheit. Jeweils sieben Prozent gaben an, hier teilweise zufrieden und teilweise nicht zufrieden gewesen zu sein. Unzufrieden zeigte sich in der zweiten Befragung in Bezug auf die Beratungsprozesse in Subplenen und Kleingruppen niemand.29 Neun von zehn Teilnehmenden gaben ihre Zufriedenheit mit der Organisation des Bürgerrates insgesamt an, während sieben Prozent „teils/teils“ und zwei Prozent „eher unzufrieden“ als Antwortoptionen wählten (Abbildung 12). Mit der Betreuung vor Ort durch die Veranstalter waren zwei von drei Befragten „sehr“ und weitere 28 Prozent „eher“ zufrieden und jeweils eine Person (2,3 Prozent) wählte „teils/teils“ oder enthielt sich durch die Wahl „keine Angabe“. Nach der Übergabe des Abschlussberichtes des Bürgerrates wurden die Teilnehmenden er-neut nach einer Bewertung des Verfahrens gefragt. Wieder zeigte sich eine große Zufrieden-heit mit den Sitzungsformaten, im Gegensatz zur zweiten Teilnehmendenbefragung war nun über die Hälfte der Antworten „Voll und ganz zufrieden“. Der Beratungsprozess in den Kleingruppen erfuhr sowohl mehr vollständigen Zuspruch als auch mehr Skepsis mit nun 46 Prozent „Voll und ganz“ Zufriedenen, aber auch 14 Prozent Teilnehmenden, die „teils/teils“ wählten und einer „eher nicht“ zufriedenen Person. 29 Für alle drei Fragen liegen n=43 Antworten vor. 28 Abbildung 12: Zufriedenheit mit dem Ablauf des Bürgerratsprozesses Anmerkungen: Angaben in Prozent. Basis: Zweite Teilnehmendenbefragung (n=43); Dritte Teilnehmendenbefragung (n=28). Zu den Beratungsprozessen im Subplenum zeigten sich etwa die Hälfte der Teilnehmenden in der zweiten Befragung „eher zufrieden“, während 39,5 Prozent „voll und ganz zufrieden“ damit waren. Lediglich sieben Prozent gaben an, „teils/teils“ zufrieden gewesen zu sein. Bei der Bewertung der Subplenen zeigt sich in der Nachbefragung kein nennenswerter Unter-schied zur zweiten Befragung. In der dritten Teilnehmendenbefragung konnten die Teilnehmenden auch die Beratung im Plenum dediziert bewerten. Auch hier zeigt sich ein Großteil der Befragten „voll und ganz“ (54 Prozent) oder „eher“ zufrieden (36 Prozent). Etwa eine von zehn Personen wählten „teils/teils“, tendenzielle oder deutliche Negativbewertungen wurden nicht abgegeben. Mit der Betreuung vor Ort und der Organisation des Bürgerrates zeigten sich die Teilnehmen-den weit überwiegend zufrieden. Von den 28 Teilnehmenden, die diese Fragen in der dritten Umfrage beantworteten, vergaben die Befragten noch einmal höhere Zufriedenheitswerte als in der zweiten Befragung. Auch mit der Betreuung vor Ort zeigten sich 95 Prozent (eher) zu-frieden. Der Wert steigerte sich leicht auf 97 Prozent. Aussagekräftig ist, dass si77 Prozent bei der dritten Befragung voll und ganz zufrieden zeigten. Das eine Steigerung um 18 Pro-zentpunkte gegenüber der zweiten Befragung. 3,6% 7,1% 28,6% 60,7% 2,3% 14,0% 46,5% 37,2% 0%10%20%30%40%50%60%70% Gar nicht zufrieden Eher nicht zufrieden Teils/Teils Eher zufrieden Voll und ganz zufrieden Keine Antwort Wie zufrieden sind Sie mit dem Ablauf des Bürgerratsprozesses? Zweite BefragungDritte Befragung 29 Abbildung 13: Zufriedenheit mit der Organisation des Bürgerrates insgesamt Anmerkungen: Angaben in Prozent. Basis: Zweite Teilnehmendenbefragung (n=43); Dritte Teilnehmendenbefragung (n=28). Auch die Durchführenden berichteten von hoher Zufriedenheit bei den Teilnehmenden (wie auch ihnen selbst). Die Rede war etwa von „positiven Rückmeldungen“, einer „grundsätzlich positiven Stimmung“ und von grundsätzlicher „Herzlichkeit“ bei den Teilnehmenden. 7.2 Hauptmoderation im Plenum und Subplenum Eine wesentliche Aufgabe der Moderation im Plenum lag zu Beginn darin, den Teilnehmenden das Thema, den Auftrag, und die Methode des Bürgerrats klar und verständlich zu vermitteln. Darüber hinaus galt es die Bürger*innen bei der Wissensakquise durch die Referierenden zu unterstützen. Die Befragungen der Teilnehmenden, die qualitativen Beobachtungen des Eva-luationsteams und die Interviews mit den Durchführenden zeigen einheitlich, dass die Mode-ration diese Aufgaben insgesamt sehr gut erfüllt hat. Der offene, lockere und nahbare Mode-rationsstil kam bei den Teilnehmenden gut an und hat eine vertrauensvolle Zusammenarbeit ermöglicht. In den Befragungen bewerteten die Teilnehmenden verschiedene Aspekte, darunter, ob und inwiefern es der Moderation im Plenum und den Subplenen jeweils gelungen ist, das Thema und den Auftrag klar und verständlich zu kommunizieren sowie unparteiisch und ergebnisoffen für einen effizienten Sitzungsablauf zu sorgen. Die Antworten sind zu Übersichts- und Ver-gleichszwecken in Abbildung 14 dokumentiert. 3,6% 25,0% 71,4% 2,3% 7,0% 27,9% 62,8% 0%10%20%30%40%50%60%70%80% Gar nicht zufrieden Eher nicht zufrieden Teils/Teils Eher zufrieden Voll und ganz zufrieden Keine Antwort Wie zufrieden sind sie mit der Organisation des Bürgerrates? Zweite BefragungDritte Befragung 30 Abbildung 14: Zufriedenheit mit der Moderation auf den verschiedenen Gruppenebenen Anmerkungen: Angaben in Prozent. Basis: Zweite Teilnehmendenbefragung (n=43); Dritte Teilnehmendenbefragung (n=28). Die Moderation im Plenum und den Subplenen erfährt überwiegend positive Bewertungen. In der zweiten Befragung stimmten zwei von drei Teilnehmenden „voll und ganz“ zu, dass die Moderation unparteiisch und ergebnisoffen aufgetreten ist. Die restlichen Antworten wählten die Option „Stimme eher zu“ (31 Prozent) oder enthielten sich mit der Wahl „Keine Angabe“ (fünf Prozent). In diesem Zusammenhang hatten 79 Prozent der Befragten nicht den Eindruck, dass die Moderation die Diskussion zu stark mitbestimmt hätte. Zwölf Prozent waren wählten hier allerdings „Teils/Teils“, weitere fünf Prozent stimmen eher, eine weitere Person stimme voll und ganz zu. Auch die Aussage „Die Moderation strukturierte die Sitzungen gut“ wird von neun aus zehn Personen (eher bzw. voll und ganz) zustimmend bewertet. Hier sind sieben Prozent unentschieden (Option „Teils/Teils“). Die Negativaussage „Die Moderation hat es mir nicht gut ermöglicht, die Ziele der Sitzungen zu verstehen“ lehnen annähernd zwei Drittel der Befragten voll und ganz, 24 Prozent eher ab. Etwa eine von zehn Personen war unentschlos-sen und eine Person stimmte der Aussage eher zu. In der dritten Teilnehmendenbefragung wurden die Teilnehmenden wieder nach einer Ein-schätzung der Moderation gebeten. Die abgefragten Aussagen blieben dabei identisch zur zweiten Befragung. Es zeigte sich erneut eine große Mehrheit zufrieden mit der Moderation. Die abgefragten Aussagen fanden durchgängig bei über 80 Prozent der Befragten im Hinblick auf die Verfahrensbewertung positive Rückmeldung. Die Bewertung der Strukturierung und der Zielvermittlung erfuhr gleichzeitig auch einen Anstieg der Nichtzufriedenen. Aufgrund der verringerten Anzahl an Personen, die diese Fragen beantworteten, handelt es sich dabei um 31 jeweils eine Person, die Strukturierung eher beziehungsweise voll ganz negativ bewertete und jeweils zwei Personen, die eher oder voll und ganz der Aussage zustimmten, die Moderation hätte es ihnen nicht gut ermöglicht, die Ziele der Sitzungen zu verstehen. Das heißt, das - trotz des negativen Impulses – 84% in der Nachbefragung (dritte Befragung) fanden, dass die Moderation es ihnen gut ermöglichte, die Ziele der Sitzung zu verstehen. Die Nutzung von verschiedenen Hilfsmitteln in Plenum und Subplenum wurde durch die Teil-nehmenden überwiegend als hilfreich bewertet. Fast die Hälfte (jeweils 48 Prozent) der Ant-worten in der zweiten und dritten Umfrage stimmten dem voll und ganz zu. 36 und 29 Prozent stimmten eher zu. Während in der zweiten Umfrage noch zwölf Prozent unentschieden waren (Option „Teils/Teils“), waren es in der dritten Umfrage 19 Prozent. Eine Person lehnte die Aussage, die Nutzung der Hilfsmittel sei hilfreich, nun voll und ganz ab. Im Freitext-Feld wurde die Moderation mit 15 Beiträgen in der zweiten Befragung und acht Beiträgen in der dritten Befragung vielfach diskutiert. Für die Moderation im Plenum gab es explizit nur positive Erwähnungen. Einige Anmerkungen, etwa manchmal fehlende Übersicht-lichkeit oder vereinzelt als lenkend gewertete Eingriffe in die Diskussion sind nicht klar an eine Ebene des Verfahrens gerichtet. Die Variation der Moderationsqualität in den Kleingruppen war der Kern der meisten Antworten. Mehr dazu findet sich im entsprechenden Unterkapitel (siehe Kapitel 8.3). Die teilnehmende Beobachtung in Kombination mit der inhaltsanaIytischen Auswertung der Moderationskommunikation und der Reaktion der Teilnehmenden kommt zu dem Schluss, dass diese Moderationstechniken sehr gut für das Verfahren geeignet waren. Die Teilneh-menden konnten alle wichtigen inhaltlichen Punkte erfassen und Missverständnisse wurden sehr weitgehend vermieden. Des Weiteren belegen die Beobachtungsbefunde, dass die Hauptmoderation – auch unter den Bedingungen eines agilen und teilweise situationsangepassten Prozessmanagements – insgesamt ein souveränes und transparentes Zeitmanagement betrieb. Sie gewährleistete fast durchweg einen effizienten Ablauf der Sitzungen. Ziele und Strukturen kommunizierte die Moderation den Teilnehmenden deutlich, präzise und nachvollziehbar. Eine Ausnahme war eine Arbeitsphase der zweiten Sitzung. Dies dokumentieren zahlreiche Unmutsäußerungen von Teilnehmenden, eine besonders laute Hintergrundgeräuschkulisse („Störatmosphäre“) sowie die qualitativen Beobachtungen des Evaluationsteams. Für die Mo-deration lag hier eine besondere Herausforderung, die unstrukturierte Diskussion wieder zu ordnen, was ihr nach einiger Zeit auch erfolgreich gelang. Darüber hinaus hatte die Moderation die Aufgabe, einen zielgerichteten, strukturierten Sit-zungsablauf einerseits und die Schaffung einer konstruktiven, vertrauens- und respektvollen Atmosphäre andererseits zu gewährleisten. Dieser grundlegende Balanceakt für Bürgerräte wurde nicht zuletzt durch die zahlreiche personelle Unterstützung der Durchführenden profes-sionell und erfolgreich bewältigt. Ausdruck fand dies vor allem in 32 • einer freundlichen, zugewandten Sprache, Mimik und Gestik der Moderation etwa im Kontext des „Aktiven Zuhörens“ 30 (nonverbal beispielsweise durch entsprechenden Augenkontakt und bestätigendes Nicken), • empathischem Motivieren zur Teilnahme am Dialog (etwa dem Ermutigen von bisher zurückhaltenden, eher „stillen“ Personen aber auch anderer Meinungen und Ideen), dem respektvollen und würdigenden Spiegeln von Aussagen (beispielsweise dem Pa-raphrasieren von Fragen und Aussagen). Dabei agierte die Moderation inhaltlich neutral, unparteiisch und ergebnisoffen wie die empi-rischen Befunde der teilnehmenden Beobachtung zu den einzelnen Sitzungen dokumentie-ren. Die Moderation kommunizierte kontroverse Themen und Fragestellungen neutral, also ohne versteckte Wertungen oder Präferenzen. Gleiches ließ sich auch für die Interaktionspha-sen feststellen. Sowohl in der Ansprache als auch im Modus des „Aktiven Zuhörens“ signali-sierte die Moderation deutlich, dass abweichende Meinungen und andere Standpunkte ernst genommen, respektiert und gehört werden. Die Teilnehmenden hatten die Möglichkeit unter-schiedliche Standpunkte und Meinungen gleichermaßen einzubringen und ergebnisoffen zu diskutieren. Die Moderation förderte eine inklusive Atmosphäre und eine gender-paritätische Beteiligung. Gleichermaßen ging aus den qualitativen Interviews hervor, dass die Moderation durchgängig als sehr positiv, sehr gelungen und förderlich für eine gute Beratungsatmosphäre wahrgenom-men wurde. Auch die benannte Unruhe zu Beginn der Arbeitsphase der zweiten Sitzung war erinnerlich. Sie wurde auf nachvollziehbare Kritik von Teilnehmenden zurückgeführt. Der Kritik konnte in der konkreten Situation aus Zeitgründen nicht mehr Raum gegeben werden. Diese wurde jedoch protokolliert und im Redaktionsteam (in das die kritisierenden Teilnehmende eingeladen worden war) im Nachgang besprochen. 7.3 Moderation in Kleingruppen Die Moderation in den Kleingruppen31 erfolgte im Rahmen eines agilen Prozessmanagement des Bürgerrates. Die Moderation hatte die Aufgabe, den deliberativen Prozess in den Klein-gruppen zu strukturieren, die Debatten inklusiv zu gestalten und zugleich eine effektive und effiziente Arbeitsweise zu organisieren. Zielerreichung war die Formulierung von konkreten Empfehlungen durch die Teilnehmenden. Voraussetzung dafür sind eine wertschätzende, produktive Diskussionskultur und eine professionelle Moderation. Beides kann in nahezu allen Kleingruppen des Bürgerrates als erfüllt betrachtet werden. Insgesamt zeigen sich auch für die Moderation in Kleingruppen hohe Zufriedenheitswerte bei den Teilnehmenden (70 Prozent bei der dritten Befragung). Die teilnehmende Beobachtung wie Interviews bestätigen diesen insgesamt positiven Eindruck. Die Aufgabenbeschreibungen und das Zeitmanagement waren also ebenso wie die Maßgabe, nur moderationserfahrenes Personal in den Kleingruppen einzusetzen, förderlich für positive Moderationserfahrungen der Teilnehmenden in den Kleingruppen. Dazu gehören auch die entsprechende gemeinsame Vorbereitung wie auch die (De-)Briefings vor Ort. Gleichwohl bleibt die mehrfach bestätigte 30 Vgl. etwa Krenzer und Socher (2024) 31 Es gab sechs Kleingruppen mit eigenen Moderationstandems, das heißt sechs Moderator*innen sowie sechs Moderationsassistenzen. 33 Beobachtung, dass die Durchführungsqualität in den Kleingruppen als unterschiedlicher wahr-genommen wurde als im Plenum. Neben der Moderation im Plenum und in den Subplenen wurden die Teilnehmenden in der zweiten und dritten Teilnehmendenbefragung nach ihren Eindrücken zur Moderation in den Kleingruppen befragt. Als Aussagen zur Bewertung dienten dabei dieselben, die schon auf Plenumsebene abgefragt wurden. Ähnlich wie bei der Bewertung der Hauptmoderation im Plenum fiel die Bewertung der Klein-gruppenmoderation grundsätzlich deutlich positiv aus. Allerdings sind die Antwortverteilungen nicht so eindeutig, wie auf Plenumsebene und unter Hinzunahme der Freitextantworten zeigt sich eine große Varianz in der Wahrnehmung der Kleingruppenmoderationen. Zunächst lässt sich also festhalten, dass der Grundtenor zur Kleingruppenmoderation in der zweiten Umfrage ebenfalls überwiegend positiv ist. Etwa 87 Prozent empfanden die Klein-gruppenmoderation als unparteiisch und ergebnisoffen, wobei etwa 54 Prozent die volle Zu-stimmung wählten. Neun Prozent drückten hier Unentschiedenheit aus und eine Person lehnte die Aussage eher ab. Etwa 72 Prozent der Befragten gab an, dass die Kleingruppen-moderation die Sitzungen gut strukturierte, wobei 35 Prozent „voll und ganz“ und 37 Prozent „eher“ zustimmten. 23 Prozent der Teilnehmenden zeigte sich hier aber unentschieden und eine Person lehnte die Aussage vollständig ab (Abbildung 15). Die Diskussion zu stark mitbestimmt hat die Kleingruppenmoderation laut etwa sechs Prozent der Befragten der zweiten Befragung. 14 Prozent wählten die Option „Teils/Teils“ und 69 Pro-zent lehnten die Aussage ab. Etwa jeder zweite lehnte die Negativaussage „Die Moderation hat es mir nicht gut ermöglicht, die Ziele der Sitzungen zu verstehen“ voll und ganz zurück. 28 Prozent der Befragten lehnte sie eher ab, etwa jeder zehnte wählte „Teils/Teils“ und fünf Prozent stimmten eher zu. Für das letzte Beratungswochenende zeigen sich in der dritten Teilnehmendenbefragung Ent-wicklungen in verschiedene Richtungen, allerdings nur im insgesamt kleinen Rahmen. Die Aussage zur Unparteilichkeit und Ergebnisoffenheit erhält nun 97 Prozent Zustimmung durch die beiden möglichen positiven Antwortoptionen. Nur noch eine Person wählte „Teils/Teils“. Zum Thema Strukturierung der Sitzungen durch die Kleingruppenmoderationen finden sich nun mehr Befragte (42 Prozent) in der positivsten Antwortkategorie, während der Anteil an Personen, die „Stimme eher zu“ gewählt haben sank. Weiterhin blieb etwa jeder Vierte unent-schieden und wählte „Teils/Teils.“ Die in den Kleingruppen eingesetzten Hilfsmittel zur Veranschaulichung (Quartierspläne, Holzautos, Pinnwände etc.) kamen bei den Befragten überwiegen positiv an. In der zweiten Teilnehmendenbefragung stimmten etwa 47 Prozent der Befragten der Aussage „Die Nutzung der Hilfsmittel (Pinnwände, Quartierspläne zum Einzeichnen, Requisiten wie Holzautos etc.) fand ich hilfreich“ voll zu. Etwa ein Drittel stimmte eher zu und 16 Prozent waren unentschlos-sen. Eine Person war überhaupt nicht von der Nützlichkeit überzeugt, eine weiter enthielt sich. In der dritten Teilnehmendenbefragung stimmte jeder zweite der Aussage voll zu, 29 Prozent waren eher überzeugt und knapp jede*r Fünfte war unentschlossen. In den Freitextantwortfeldern zum Eindruck der Moderation in den Umfragen zwei (15 Bei-träge) und drei (acht Beiträge) äußerten die befragten Teilnehmenden neben einigem Lob auch Kritik an aus ihrer Sicht stark variierender Moderationsqualität auf Kleingruppenebene. Dabei nennen zwei Beiträge etwa die Strukturiertheit und die Fähigkeit, die Diskussion ziel-führend zu leiten. Weitere Teilnehmende äußerten, dass die Zielsetzung für die einzelnen 34 Arbeitsgruppenphasen in den Kleingruppen nicht immer verständlich war. Dies ist möglich-weise mit der generell oft als schwierig angesehenen Unterscheidung von Maßnahmen und Zielen, wie sie auch im Kapitel der teilnehmenden Beobachtung erwähnt werden, in Verbin-dung zu setzen. Die qualitativen Interviews bestätigten den Eindruck aus der teilnehmenden Beobachtung, dass die Moderationsqualität in den Kleingruppen unterschiedlich war. Auch in den (De-)Briefings seien verschiedene Anforderungen an die Moderation in Kleingruppen deutlich geworden, die auf die jeweilige Moderationserfahrung (in Bürgerräten) und die jewei-lige Gruppenzusammensetzung zurückzuführen seien. Abbildung 15: Bewertung der Strukturierung der Sitzungen der Kleingruppenmoderation Anmerkungen: Angaben in Prozent. Basis: Zweite Teilnehmendenbefragung (n=43); Dritte Teilnehmendenbefragung (n=31). Kennzeichnend für die Debatten in den Kleingruppen war aus Sicht der teilnehmenden Be-obachtung des Evaluationsteams ein strukturierter Austauschprozess, ein wechselseitig ori-entierter Austausch der Meinungen, Aktivierung und Anreize zur Sicherung aktiver Diskussi-onen und annähernd gleicher Teilnahme, die Protokollierung der Beiträge, die Formulierung beziehungsweise die Assistenz bei der Formulierung der Empfehlungen, die Ergebnissiche-rung und -dokumentation. 3,2% 25,8% 29,0% 41,9% 2,3% 23,3% 37,2% 34,9% 2,3% 0%5%10%15%20%25%30%35%40%45% Stimme überhaupt nicht zu Stimme eher nicht zu Teils/Teils Stimme eher zu Stimme voll und ganz zu Keine Antwort Die Moderation in den Kleingruppen strukturierte die Sitzungen gut. Zweite BefragungDritte Befragung 35 Abbildung 16: Beurteilung der Nützlichkeit der Hilfsmittel in den Kleingruppen Anmerkungen: Angaben in Prozent. Basis: Zweite Teilnehmendenbefragung (n=43); Dritte Teilnehmendenbefragung (n=31). Die Moderation war zuständig für die Leitung, Strukturierung und Sicherung der Deliberation sowie die Ergebnissicherung. Die teilnehmenden Beobachtungen zeigen, dass folgende Techniken in den Kleingruppen eingesetzt wurden: - Transparentes Erwartungsmanagement: Kommunizieren der Diskussionsregeln (Respekt und Gleichberechtigung), der Zielsetzung (Output der Diskussion) und der Vorgehensweise (etwa Austausch und Sammlung der Argumente) - Ein zugewandter, aktivierender Moderationsstil, der für alle Personen gleichermaßen Anreize schaffte, ihre eigenen Meinungen, ihr Alltagswissen und ihre Positionen in die Diskussion einzubringen und eine Ausgewogenheit nach Geschlecht und Alter reali-sierte. Deutlich wurden auch verschiedenen Vorgehensweisen, Stile und Techniken in der Modera-tion der Kleingruppen: Sie reichten von direktiver Kommunikation, die eine führende Rolle einnimmt, umstrukturiert und effizient einem straffen Zeitmanagement zu folgen, über den ko-operativen zugewandten Stil, der Austausch und Zusammenarbeit bis hin zum Laissez-faire-Stil, der den Teilnehmenden viel Raum für Austausch und Meinungsfindung, teilweise auch zu Lasten der klaren Zielformulierung ließ. 19,4% 29,0% 51,6% 2,3% 16,3% 32,6% 46,5% 2,3% 0%10%20%30%40%50%60% Stimme überhaupt nicht zu Stimme eher nicht zu Teils/Teils Stimme eher zu Stimme voll und ganz zu Keine Antwort Die Nutzung der Hilfsmittel (Pinnwände, Quartierspläne zum Einzeichnen, Requisiten wie Holzautos etc.) in den Kleingruppen fand ich hilfreich. Zweite BefragungDritte Befragung 36 Die teilnehmende Beobachtung bestätigt, dass die Moderation die Diskussionen in den Klein-gruppen insgesamt neutral, unparteiisch und ergebnisoffen leitete. Hinweise auf eine inhaltli-che Beeinflussung ergeben die Beobachtungen nicht. Bemerkenswert zeigte sich vielmehr die faire und ausgewogene Berücksichtigung aller benannten Standpunkte der Teilnehmenden in den Debatten. Die Beobachtungen zeigen zudem, dass es kaum grundlegende inhaltliche Kontroversen in den Debatten gab. Die Moderation eröffnete den Raum, dass die Teilnehmenden auf Kom-promisslösungen einigen. Unterschiedliche und abweichende Meinungen zu Maßnahmen wurden aktiv erfragt. In einer Kleingruppe wurde Klimaneutralität im Verkehrssektor als Ziel-marke in Frage gestellt, ohne dabei grundsätzlich Klimaschutz abzulehnen. Die Moderation blieb in diesem Fall ruhig und sachlich, hörte aktiv zu und leitete an, dass alle Meinungen Eingang in die Diskussion fanden, respektvoll gehört und ergebnisoffen diskutiert werden. Zum Zeitmanagement belegen die Beobachtungsbefunde, dass auch die Moderation in den Kleingruppen oftmals souverän und effizient agierte. Grundlegend gewährleistete sie den ef-fizienten Ablauf der Sitzungen, der den deliberativen Austausch in festen Zeitlimits in Ein-gangs-, Arbeits- und Ergebnisphase gliederte. Ziele und Strukturen kommunizierte die Mode-ration den Teilnehmenden überwiegend deutlich, präzise und nachvollziehbar. Befragungen und Beobachtung zeigen aber auch: Es wurde ein Zeitdruck bei den Teilneh-menden wahrgenommen. Dazu wurde sich in zwölf abgegebenen Freitextantwortender dritten Befragung kritisch geäußert. Eine Unzufriedenheit mit dem Zeitbudget war gegen Ende der jeweiligen Kleingruppenarbeit wiederholt zu beobachten. Insgesamt zeigen sich auch für die Moderation in Kleingruppen hohe Zufriedenheitswerte bei den Teilnehmenden (70 Prozent bei der dritten Befragung). Die Kleingruppen arbeiteten wert-schätzend und ergebnisorientiert. Die teilnehmende Beobachtung wie Interviews bestätigen diesen insgesamt positiven Eindruck. Die Aufgabenbeschreibungen und das Zeitmanagement waren also ebenso wie die Maßgabe, nur moderationserfahrenes Personal in den Kleingrup-pen einzusetzen, förderlich für positive Moderationserfahrungen der Teilnehmenden in den Kleingruppen. Dazu gehören auch die entsprechende gemeinsame Vorbereitung wie auch die (De-)Briefings vor Ort. Bemerkenswert ist aus unserer Sicht aber auch das die geringe Kont-roversität von Zielen und Maßnahmen in den Kleingruppen. Gleichwohl bleibt die mehrfach bestätigte Beobachtung, dass die Durchführungsqualität in den Kleingruppen als unterschied-licher wahrgenommen wurde als im Plenum und in den Subplenen. 7.4 Expertise Das Konzept von Bürgerräten beinhaltetet die fachspezifische Information von Laien. Die Teil-nehmenden werden durch zusätzliche Informationen, Wissensangebote und Expertise bei ih-rer Problemdefinition und Willensbildung unterstützt. Wichtige Informationen reichen hier bei-spielsweise von den aktuellen Herausforderungen im öffentlichen (Straßen-)Raum in Köln und rechtliche Rahmenbedingungen im Kontext kommunaler Verwaltung über die Perspektiven von Kindern und Jugendlichen in der Verkehrs- und Stadtplanung bis hin zu internationalen Best-Practice-Beispielen. 37 Die Expert*inneninputs wurden im Hinblick auf ihren Zweck im Bürgerratsprozess von dem überragenden Großteil der Befragten als wirkungsvoll bewertet. Etwa 75 Prozent der Befrag-ten in der zweiten Teilnehmendenbefragung gaben an, dass die Inputs der Expertinnen und Experten hilfreich dafür waren, konkrete Maßnahmen zu entwickeln (Abbildung 17). Weitere circa 23 Prozent waren hier unentschieden. 93 Prozent gaben an, den Vorträgen (eher) gut folgen zu können, sieben Prozent wählten die Option „Teils/Teils“. Gleiches zeigt sich bei der Antwortverteilung zur Aussage „Ich fand die Inputs für mich lehrreich“. Mit 84 Prozent positiver Bewertung bescheinigen die Befragten den Inputs „hilfreich für den Austausch in unseren Kleingruppen“ gewesen zu sein. Hier waren 14 Prozent unentschieden und zwei Prozent wähl-ten „keine Antwort“. Die Aussage „Ich habe die Inputs als ausgewogen und politisch neutral empfunden“ wurde von 42 Prozent der Befragten mit „Stimme voll zu“, circa einem Drittel „Stimme eher zu“ und jeweils etwa 12 Prozent mit „Teils/Teils“ oder „Stimme eher nicht zu“ bewertet. Eine Person stimmte „überhaupt nicht zu“. Abbildung 17: Beurteilung der Inputs der Expertinnen und Experten durch die Teilnehmenden Anmerkungen: Angaben in Prozent. Basis: Zweite Teilnehmendenbefragung (n=43); Zweite Teilnehmendenbefragung (n=29). Die dritte Teilnehmendenbefragung hatte in der Fragegruppe zum Expert*inneninput lediglich den letzten Vortrag vom Samstag, dem 10.05.2025 zum Gegenstand. Die Bewertung weicht 6,9% 55,2% 37,9% 23,3% 39,5% 37,2% 0%10%20%30%40%50%60% Stimme überhaupt nicht zu Stimme eher nicht zu Teils/Teils Stimme eher zu Stimme voll und ganz zu Keine Antwort Ich fand die Inputs hilfreich für die Entwicklung konkreter Maßnahmen. Zweite BefragungDritte Befragung 38 am stärksten in der abgebildeten Aussage „Ich fand die Inputs hilfreich für die Entwicklung konkreter Maßnahmen“ von den Antwortverteilungen der zweiten Befragung ab, da die Zu-stimmung hier stieg (Abbildung 17). Grundsätzlich schließen die Ergebnisse aber nahtlos an die bisherigen Ergebnisse an. Den Befragten wurden wieder die Möglichkeit für Freitextant-worten angeboten. Davon machten elf Personen gebrauch. Kritisch wurde hier angemerkt, dass die Vorträge nicht umfangreich genug waren, sich auf „idealisierte Bilder“ stützten oder bestimmte Themen überbetonten. Die teilnehmende Beobachtung zeigt, dass der Austausch zwischen den Teilnehmenden und den Expertinnen und Experten insgesamt gut funktioniert hat. Die fachlichen Inputs konnten stets die Aufmerksamkeit der Teilnehmenden konzentrieren und waren meist gefolgt von Rückfragen, welche durch die vortragenden Expert*innen größtenteils zufriedenstellend be-antwortet werden konnten. Technisch verliefen die Inputs einwandfrei, so waren Präsentatio-nen gut zu erkennen und die Akustik angemessen. In der Folge fanden die Informationen der Expert*innen regelmäßig Eingang in die Kleingruppenberatungen und Diskussionen der Teil-nehmenden. Darüber hinaus blieben einige Expert*innen über ihren Vortrag hinaus in der Sitzung anwesend und unterstützten die Teilnehmenden mit Faktenchecks. Insbesondere der Austausch mit der Kölner Stadtverwaltung war rege und intensiv, wurde im Nachgang durch die Teilnehmenden jedoch als positiv und hilfreich bewertet. Gleichwohl zeichnet sich in der Gesamtschau eine geringe Kontroversität der Expertise ab. Viele der Expert*innen referierten über erfolgreichen Wandel von Mobilität im Nahbereich, insbesondere aus Perspektive kommunaler Verwaltung. So wurden die dargebotenen Infor-mationen zwar durchaus in den Deliberationsphasen angewendet und ausgetauscht. Jedoch boten die Inputs wenig Gelegenheit, Frage- und Problemstellungen aus sich selbst heraus zu generieren. Eine Auswahl der Expertise mit stärkerem Fokus auf Kontroversität kann Teilneh-mende dazu anregen selbstständig Problemstellungen zu erkennen und dabei auch die Schwierigkeit in politischen Entscheidungsprozessen nachzuvollziehen. In den Interviews sind die Inputs der Expert*innen auf unterschiedliche Weise positiv bewertet worden. So wurde deren weit überwiegende „Ausgewogenheit“ (des einzelnen Vortrags) ebenso als erfreulich wahrgenommen wie das Einführen unterschiedlicher Perspektiven auf den Verkehr in Stadtvierteln. Im Vergleich wurde der Vortrag zu notwendigem Wirtschaftsver-kehr in Stadtviertel didaktisch etwas schlechter bewertet. In den Interviews wurde auch die Enttäuschung darüber formuliert, dass konkrete Beispiele aus den Vorträgen von den Teil-nehmenden zu wenig in der Beratung und beim Gespräch über eigene Maßnahmen aufge-griffen worden seien. Auch wurden die Phasen des Inputs als (vielleicht) zu lang bezeichnet. Die Informationsphasen und Experteninputs sind weit überwiegend als lehrreich wahrgenom-men worden. Es waren auch keine Situationen oder Erfahrungen zu identifizieren, in denen Expertise sich als sachlich falsch rausgestellt hat. Verwaltung und Durchführungsteam haben großen Wert darauf gelegt, dass die Expertise a.) unterschiedliche Mobilitätsperspektiven in Stadtvierteln beleuchtet, dass b.) die Vortrage möglichst ausgewogen sind, dass c.) sie kon-krete Beispiele und Erfahrungen darstellen und dass d.) sie entsprechend der Zielgruppe di-daktisch angemessen sind. Allerdings gab es in den Umfragen, teilnehmender Beobachtung und Interviews auch einige (kleinere) Kritikpunkte, die sich jedoch nicht zu einem einheitlichen Bild fügen. Die Vorträge wurden von einer Minderheit der Teilnehmenden nicht als ausgewogen wahrgenommen. Die Vorträge hatten nicht durchgängig eine hohe didaktische Qualität. Die Beispiele wurden für die Entwicklung der Maßnahmen in den Kleingruppen zu wenig genutzt. 39 7.5 Weitere Informationsquellen für die Beratung Neben die Vorträge und Diskussionen in den Plenen und die Requisiten in der Kleingruppen-beratung treten die Mitarbeiter*innen der öffentlichen Verwaltung. Diese können über die tech-nische wie rechtliche Machbarkeit von Maßnahmen informieren. Im Bürgerrat „Mobil im le-benswerten Quartier“ waren in den Kleingruppen und darüber hinaus auch in den Plena Mit-arbeiter*innen des Amtes für nachhaltige Mobilitätsentwicklung anwesend, um (auf Nach-frage) die Teilnehmenden fachlich zu informieren („Faktenchecks“). Abbildung 18: Bewertung der Beteiligung städtischer Mitarbeiter*innen als Tischexpert*innen Anmerkungen: Angaben in Prozent. Basis: Zweite Teilnehmendenbefragung (n=42); Dritte Teilnehmendenbefragung (n=30). Während der teilnehmenden Beobachtung ist die Beteiligung der städtischen Mitarbeiter*in-nen vom Evaluationsteam (IDPF) kritisch thematisiert worden. Hintergrund ist die Auffassung in der Deliberationsforschung, dass eine von staatlicher Autorität und technisch-finanziellen Machbarkeitserwägungen möglichst freie Beratung zu den von Bürger*innen gewünschten Maßnahmen stattfinden sollen. Die von Verwaltung und Durchführungsteam vorgebrachte Er-wägung, Mitarbeiter*innen einzubeziehen lautet wie folgt: Es stärkt die Selbstwirksamkeit der Teilnehmenden, wenn sie sich frühzeitig mit Maßnahmen befassen, die realisierbar sind. Um gekehrt mündet es in Enttäuschung, wenn sich erst nach einer aufwendigen Beratung her-ausstellt, dass priorisierte Maßnahmen nicht umgesetzt werden können. 4,8% 11,9% 16,7% 35,7% 30,0% 42,9% 53,3% 4,8% 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% Zweite BefragungDritte Befragung Ich fand die Beteiligung der städtischen Mitarbeiter*innen als Tisch-Expert*innen in den Kleingruppen hilfreich. Keine AntwortStimme voll und ganz zuStimme eher zuTeils/TeilsStimme eher nicht zuStimme überhaupt nicht zu 40 Die Teilnehmenden haben in der dritten Befragung die Beteiligung der städtischen Mitarbei-ter*innen als Tisch-Expert*innen in den Kleingruppen weit überwiegend als hilfreich wahrge-nommen (83 Prozent). Während der teilnehmenden Beobachtung und den Interviews hat es keine Hinweise gegeben, dass die Fachautorität der Verwaltung genutzt wurde, Diskussionen um Maßnahmen zu dominieren oder normativ zu bewerten. Somit hat sich die Praxis, städti-sche Mitarbeiter*innen als Tisch-Expert*innen in den Kleingruppen einzusetzen, wegen der ausgeübten Zurückhaltung. 7.6 Themenwahl Ein Thema ist für einen Bürgerrat geeignet, wenn es eine gewisse Alltagsnähe, inhaltliche Breite und ein moderates Konfliktniveau aufweist. Aus den Teilnehmendenbefragungen geht eine grundsätzlich positive Einstellung zur The-menwahl der Verkehrsplanung und Stadtteilgestaltung hervor. Die weit überwiegende Mehr-heit der Teilnehmenden sieht das Thema zur Entwicklung von wirksamen Empfehlungen und damit für das Format Bürgerrat als geeignet an. Wie in Kapitel 5.3 beschrieben, landete die thematische Ausrichtung des Bürgerrates auch unter den Top drei Nennungen für die Motive zur Teilnahme unter den Befragten. Auch die Abfrage der verschiedenen Unterthemen, etwa Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs, Radwege, Barrierefreie Mobilität, Umwelt- und Klima-schutz et cetera zeigt durchgängig die besondere Bedeutung des Themenfeldes für die Teil-nehmenden. Abbildung 19: Gesamtbewertung durch die Teilnehmenden: Bewertung des Themas „Mobilität im Quartier“ für den Bürgerrat Anmerkungen: Angaben in Prozent. Basis: Erste Teilnehmendenbefragung (n=54); Zweite Teilnehmendenbefragung (n=43); Dritte Teilnehmendenbefragung (n=28). 2,3%1,9% 7,1%9,3% 23,3%14,3% 35,2% 32,6%35,7% 51,9%41,9%42,9% 1,9% 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% Erste BefragungZweite BefragungDritte Befragung Gesamtbewertung: Das Thema „Mobilität im Quartier“ ist geeignet, um wirksame Empfehlungen für die Stadtpolitik und -verwaltung zu erarbeiten. Keine AngabeStimme voll und ganz zuStimme eher zuTeils/teilsStimme eher nicht zuStimme überhaupt nicht zu 41 Auch in teilnehmender Beobachtung und den Interviews, dass sich das Thema Quartiermobi-lität sehr gut für einen Bürgerrat geeignet hat, da es eine lebensweltliche Alltagsnähe aufweist und an (Mobilitäts-)Bedarfe wie auch alltägliches Wissen und Erfahrungen anschließt. Die mit beiden Methoden in den Blick geratene Schwierigkeit, zwischen Zielen und Maßnahmen gut unterscheiden zu können, ist zu konstatieren. Wir führen diese Schwierigkeit nicht auf die Themenstruktur zurück, sondern betrachten sie als eine übliche Phase im Moderations- und Beratungsprozess. Das Thema Mobilität im Viertel weist generell auch ein hinreichendes Kon-fliktniveau auf, wodurch es sich generell als ein geeignetes Bürgerratsthema qualifiziert. Im Falle des Kölner Bürgerrates wurde jedoch eine ausgesprochen geringe Kontroversität des Themas in der Durchführung angemerkt. 7.7 Zeit, Ort und Räumlichkeiten Die Räumlichkeiten für den Bürgerrat haben zwei Anforderungen zu genügen, nämlich erstens repräsentativen Zwecken, mit denen Teilnahmebereitschaft und Engagement der Teilneh-menden öffentlich gewürdigt werden. Zweitens sollten sie konzentriertes und produktives Ar-beiten in Plenen und Kleingruppen ermöglichen. Beim Bürgerrat Köln „Mobil im lebenswerten Quartier“ waren die Räume für die Repräsentation angemessen und gut gewählt. Auch die Arbeit in den Plenen (Vorstellungen des Ablaufes, Inputs, Diskussion) konnten gut bewältigt werden. Für die Kleingruppenarbeit waren sie aufgrund der anstrengenden und störenden Akustik weniger gut geeignet. (Nicht nur) beim Bürgerrat Köln „Mobil im lebenswerten Quar-tier“ hat sich gezeigt, dass mobile Raumteiler und Stellwände nicht hinreichend sind, um eine konzentrierte Arbeitsatmosphäre zu schaffen. Auch die teilnehmende Beobachtung hat festgestellt, dass der Austausch, Diskussion und Lösungsfindung in den Gruppen maßgeblich durch zwei Faktoren limitiert wurde; durch den Zeitrahmen und die Raumakustik in den ersten beiden Sitzungen. Konkret führte die man-gelnde räumliche Trennung der Kleingruppen zu nennenswerten Hintergrundgeräuschen. Während der sanfte Einstieg zu Beginn des Verfahrens eine Geräuschkulisse verzeihen konnte, war spätestens ab dem zweiten Tag der ersten Sitzung die Arbeitsatmosphäre erheb-lich eingeschränkt. Die Raumakustik des Veranstaltungsraums führte dazu, dass Teilneh-mende schwer zu verstehen waren oder sich vereinzelt zurücknahmen. Während der zweiten Sitzung konnte bei den Teilnehmenden dahingehend eine Unzufriedenheit beobachtet wer-den, die am Ende des Tages auch explizit geäußert wurde. Im Rahmen des agilen Prozess-managements konnte noch im Verlauf der zweiten Sitzung eine Abhilfe durch räumliche Tren-nung der Gruppen geschaffen werden. Bei der Planung der dritten Sitzung im Bürgerhaus Stollwerk wurde dieser Umstand ausreichend berücksichtigt, sodass hier keine nennenswer-ten Störfaktoren beobachtet wurden. Hinsichtlich des Zeitrahmens zeigen die Beobachtungen, dass der Balanceakt zwischen einem inklusiven und fairen deliberativen Austausch und effek-tiver zielorientierter Strukturierung nicht immer gelang. Zur Lösungsfindung stand oftmals kaum Zeit zur Verfügung. Daraus ergibt sich eine Tendenz, Empfehlungen zumeist konsens-orientiert zu formulieren, aber weniger innovativ oder originell. Auch in den Interviews wurde die Angemessenheit der Räumlichkeiten wiederholt themati-siert: Gemeinsam geschätzt und positiv bewertet, wurde der Raum bei der ersten Sitzung wegen seiner repräsentativen Geltung. Gemeinsam mit der Begrüßungsrede der Oberbürger-meisterin Henriette Reker wurde den Teilnehmenden so die Wichtigkeit ihrer Aufgaben und die Wertschätzung der Stadt signalisiert. 42 Die Räume waren für die Plenen gut geeignet, nicht jedoch für die Kleingruppenarbeit. Die Raumteiler, mit denen der Raum für die Kleingruppenarbeit abgetrennt waren, stellten kaum einen Sicht- vor allem aber keinen ausreichenden Schallschutz dar. Auch wenn die Teilneh-menden sich mit ihrer Lautstärke disziplinierten kam es so zu fortwährenden akustischen Be-einträchtigungen, die die Konzentrationsfähigkeit der Teilnehmenden herausforderten und dem Maßstab der Barrierefreiheit für Hörbeeinträchtigte nicht genügten. 8 Anbindung an den Stadtrat und die Verwaltung 8.1 Erwartungen der Teilnehmenden an die Politik Mit dem Format parlamentarischer Bürgerrat sind bei den Teilnehmenden konkrete Erwartun-gen verbunden. Das Konzept der Political Efficacy - das heißt dem subjektiven Gefühl, poli-tisch etwas bewirken zu können – bezieht sich auf die Selbstwirksamkeitserfahrungen der Teilnehmenden auf drei Ebenen, nämlich 1.) sich am Prozess mit relevanten Beiträgen betei-ligen zu können, 2.) mit dem Ergebnis der Deliberation zufrieden zu sein und 3.) dem Gefühl, dass die Ergebnisse einen politischen Unterschied machen.32 Auf der letztgenannten dritten Ebene heißt das, dass die Empfehlungen des Bürgerrates vom Rat ernstgenommen werden und (zumindest teilweise) in konkrete politische Maßnahmen übersetzt werden sollen. In der dritten Teilnehmendenbefragung antworteten nur relativ wenige Person auf die Fragen zu ihren Erwartungen an die Kölner Stadtpolitik. Diese eher wenige Antworten fielen – auf-grund des Anteils der teils/teils-Antworten – insgesamt verhalten positiv aus: Die Teilnehmen-den nahmen zu 64 Prozent an, dass „der Rat und die zuständigen Ausschüsse die Empfeh-lungen ernsthaft diskutieren werden“. Die Erwartung an die konkrete Umsetzung „wesentlicher Teile der Empfehlungen“ war er erkennbar geringer (36 Prozent). In der Gesamtbewertung des Verfahrens blicken die Teilnehmenden über die drei Befragun-gen hinweg skeptisch unentschieden bis tendenziell zuversichtlich auf die Anschlussfähigkeit der Empfehlungen an die konkrete Stadt- und Verkehrsplanung. Die Übergabeveranstaltung des Abschlussberichts an die Ausschüsse erhielt durch die Teilnehmenden nur bedingt Auf-merksamkeit. Von den Teilnehmenden der dritten Teilnehmendenbefragung gaben sechs Personen an, bei der Veranstaltung dabei gewesen zu sein. Weitere vier Personen gaben an, einen Beitrag in den Medien dazu gesehen zu haben. Fünf Personen haben sich mit Familie, Freunden oder anderen Teilnehmenden zur Übergabe ausgetauscht. Die elf Personen, die nachfolgend Fragen zu ihrem Eindruck der Übergabeveranstaltung be-antworteten, waren sich zunächst größtenteils darin einig, dass die Ausschussmitglieder die Ergebnisse des Bürgerrates ernst genommen haben. Dass Rat und Ausschüsse die Empfeh-lungen ernsthaft diskutieren werden, wurde durch die Teilnehmenden ähnlich eher positiv ein-geschätzt. Eher abwartend skeptisch ist das Bild hinsichtlich der konkreten Umsetzung we-sentlicher Teile der Empfehlungen. Wiederum mit einem negativen Impuls versehen, war die Frage, ob der Bürgerrat „Mobil im lebenswerten Quartier“ eine „Alibi-Veranstaltung“ gewesen sei: Das wurde in der Nachbefragung deutlich überwiegend abgelehnt 32 Vgl. Beierlein et al. (2012); Geißel et al. (2019); Kirby et al. (2021) 43 8.2 Übergabe der Ergebnisse an kommunale Ausschüsse am 24.06.2025 Aufgrund des Evaluationsauftrages und der Kommunalwahlen 2025 hält der vorliegende Be-richt keine belastbaren Aussagen bereit, ob die beiden genannten Erwartungen an den Rat und die Ausschüsse (ernsthafte Beratungen und Entscheidungen) zumindest teilweise erfüllt wurden. Die Vorstellung der Ergebnisse – mit der der Beobachtungszeitraum der Evaluation endet – fand am 24.06.2025 im Spanischen Bau des Rathauses Köln statt. Aufgrund der anstehenden Sommerpause und insbesondere der Kommunalwahl kurz nach der Sommerpause, waren die regulären Ausschusssitzungen entsprechend ausgelastet. Der Bürgerrat und seine Ergeb-nisse wurde daher an einem zusätzlichen Termin, in einer gemeinsamen Sitzung vom Mobili-tätsauschuss und Ausschuss für Bürgerbeteiligung, Anregungen und Beschwerden vorge-stellt. Neben den Durchführenden waren auch Mitglieder des Bürgerrates anwesend, sodass diese ihre Ergebnisse selbst vorstellen konnten. Darüber hinaus waren interessierte Zuschauerin-nen und Zuschauer anwesend, sodass der Sitzungssaal an seine Kapazitätsgrenze gelangte. Die Leitung der außerordentlichen Sitzung erfolgte durch den Vorsitzenden des Mobilitätsau-schusses Lino Hammer und Max Derichsweiler, Vorsitzender im Ausschuss für Bürgerbeteili-gung, Anregungen und Beschwerden. Nach der Vorstellung der Anwesenden skizzierte Carolin Henn vom Büro für Öffentlichkeits-beteiligung den Ablauf des Bürgerrates, sowie den initiierenden Beschluss des Rates sowie die Aufgaben und Zielsetzung des Bürgerrates. Thomas Leske vom Verein Zukunftsrat e.V. fuhr fort mit Erläuterung der Methodik des Formates Bürgerrat und spezifischen Details des Kölner Bürgerrates. Im Anschluss daran stellten drei Teilnehmende des Bürgerrates ihre kon-kreten, erarbeiteten Ergebnisse vor. Zuletzt erfolgte ein Ausblick auf die nächsten Schritte und Verwendung der Ergebnisse durch Phillip Babiasz vom Amt für nachhaltige Mobilitätsentwick-lung. Anschließend an die Vorstellung des Ablaufs und der Ergebnisse hatten die Ausschussmit-glieder noch die Möglichkeit Rückfragen zu stellen. Diese Möglichkeit wurde ausgiebig ge-nutzt, sowohl seitens der Rats- und Fraktionsmitglieder als auch der sachkundigen Bürgerin-nen und Bürger. Auch in den Interviews wurde die Übergabeveranstaltung positiv bewertet. Kritisiert wurde jedoch, dass diese von einzelnen Ausschussmitgliedern auch genutzt wurde, um die Stadt-verwaltung in ihrem Zuschnitt (Amt für nachhaltige Mobilitätsentwicklung) zu bemängeln. Die teilnehmende Beobachtung kann eine insgesamt gelungene Übergabeveranstaltung at-testieren. Obwohl die Kapazitäten des Sitzungssaals voll genutzt wurden, verlief die Veran-staltung technisch einwandfrei, Probleme mit Akustik oder Sichtbarkeit der präsentierten In-halte gab es keine. Die Sitzungsleitung wurde als voll verständlich und fair wahrgenommen. Die Vorstellung der Rahmensetzung, Inhalte und Ergebnisse des Bürgerrates fiel mit insge-samt gut 40 Minuten großzügig aus, kann im Hinblick auf die anschließende Beratung als eindrucksvoll und fruchtbar beschrieben werden. Die Ausschussmitglieder verfolgten die Prä-sentationen aufmerksam und hatten entsprechend viele Rückfragen zu Inhalt und Format. Vom Thema abschweifende Beiträge gab es kaum, der Bezug zum Auftrag und den Kompe- 44 tenzen des Bürgerrates war durchgehend gegeben. Intensiv diskutiert wurde auch die An-schlussmöglichkeiten der Ergebnisse an bestehende Konzepte der Stadt Köln, wie beispiels-weise dem Sustainable Urban Mobility Plan (SUMP). Die teilnehmende Beobachtung konnte ein ausgewogenes Verhältnis von Lob und Kritik am Kölner Bürgerrat festhalten, sowohl in-haltlich als auch auf das Format bezogen. Explizit herausgestellt wurde die erhöhte politische Legitimität auf Quartiersebene. Kritisiert wurden die verhältnismäßig hohen Kosten sowie die Frage nach der Anbindung und Umsetzung seitens der Politik aufgrund der angespannten finanziellen und personellen Lage. Mit Blick auf den weiteren Beratungsgang zu den Empfehlungen des Bürgerrates „Mobil im lebenswerten Quartier wird zu beobachten sein, wie die Empfehlungen in die Kölner Mobili-tätsgestaltung eingehen. Die Stadt hat sich hier – wie eingangs beschrieben – einen Maßstab gesetzt, nämlich dass das Beschlussgremium transparent macht, wie es sich mit dem Ergeb-nis des Bürgerrates befasst. In der Summe hat sich der Bürgerrat „Mobil im lebenswerten Quartier“ sehr bewährt und kann – im Sinne eines Pilotprojektes – als beispielhaft für weitere losbasierte Formate gelten. Dies verdeutlichen die Empfehlungen im nachfolgenden Kapitel. 45 9 Qualität und Nutzen des Bürgerrates und Emp-fehlungen 9.1 Zusammenfassende Bewertung des Bürgerrates In der Zusammenschau der Befunde zeigt sich, dass der Bürgerrat „Mobil im lebenswerten Quartier” die in ihn gesetzten Erwartungen der Teilnehmenden wie auch aus Politik, Verwal-tung und Stadtgesellschaft und die Kriterien der Evaluation insgesamt voll erfüllen konnte. Tabelle 4 listet die Kriterien, die die Stadt Köln selber an den Bürgerrat angelegt hat, und fasst die Einschätzungen des IDPF zusammen, die sich aus den vorherigen Berichtsteilen ergeben haben (Kapitel 3) Tabelle 4: Zusammenfassende Bewertung des Bürgerrates Kriterium erfüllt Teils/teils Kriterium nicht er-füllt Klares Erwartungsmanagement bei Durchführenden und Teilnehmenden x Thematische Eignung und Klarheit der Fragestellung x Transparenz des themen- und zielgruppenspezifisch konzeptionierten Losverfahrens x Abbau von Teilhabebarrieren und die konkrete Zu-gänglichkeit des Bürgerrates x Angemessene Orte und Zeiten für die Bürgerratssit-zungen x Hinreichenden zeitliche, personelle und finanzielle Ressourcen x Hohe Moderations- und Methodenkompetenz in Ver-waltung und Durchführungskonsortium x Angenehme, wertschätzende Atmosphäre und Kom-munikation x Befähigung aller teilnehmenden Bürger*innen zu Be-ratung und Entwicklung von Maßnahmen und Emp-fehlungen x Zielgruppengerechte und niedrigschwellige Informa-tionen zu Thema und Fragestellung x Aufbau von Vertrauen zwischen den drei Beteiligten Politik, Verwaltung und Stadtgesellschaft und zum Bürgerrat x Transparenz und Nachvollziehbarkeit des gesamten Bürgerratsprozesses x Für das Beschlussgremium ist transparent und nach-vollziehbar, wie und warum die Empfehlungen oder Vorschläge des Bürgerrates entwickelt worden sind. x Das Beschlussgremium macht transparent, wie es sich mit dem Ergebnis des Bürgerrates befasst. x 46 9.2 Empfehlungen Entsprechend der umfassenden Erfüllung der Maßstäbe für gute Bürgerräte empfiehlt das Evaluationsteam des IDPF die weitgehende Beibehaltung der hier erprobten Prozesse für zu-künftige losbasierte Projekte der Bürgerbeteiligung in Köln. Die Übertragbarkeit und Skalier-barkeit der Prozesse sind durchaus gegeben. Optimierungspotentiale gibt es in folgenden Be-reichen: Beim Teilnahmemanagement und dessen administrativen Aufwand, bei der Modera-tion in Kleingruppen, bei der Information und den Expert:innen-Inputs wie auch bei den Räu-men und deren Akustik (wiederum vor allem für die Kleingruppen). Im Sinne des Erhalts der hohen Qualität des Durchführungsprozesses und seiner Optimierung geben wir mit Blick auf zukünftige losbasierte Beteiligungsformate somit folgende Empfehlungen. Diese ordnen wir entlang der Phasen des Bürgerrates. Themenfindung und Entscheidung Am Beginn des Bürgerrates „Mobil im lebenswerten Quartier” steht eine transparente und durch den Rat legitimierte Entscheidung, eine deliberatives Format (Bürgerrat) mit einem fach-lich drängenden Thema (Mobilitätsentwicklung in Stadtvierteln) zu kombinieren. Dieser Weg sollte grundsätzlich beibehalten werden. Als „Regel“ für weitere Formate sehen wir, dass diese „themengetrieben“ sein sollten. Das heißt, dass zukünftige Themen auf der öffentlichen Tagesordnung der Stadtgesellschaft ste-hen, dass es in diesem Thema kommunale Kompetenzen und Entscheidungsspielräume gibt, dass eine Alltagsnähe und konkrete Problembetroffenheit wie auch unterschiedliche Perspek-tiven, Sichtweisen und gegebenenfalls Kontroversen gibt. Entwicklung des Designs Die Leistungsbeschreibung mit ihren klar benannten Anforderungen und der gleichzeitigen Offenheit führte nicht nur zur kooperativen Entwicklung des Bürgerratsdesigns, sondern hat auch qualifizierende Effekte für die Stadtverwaltung. Diese Art der Ausschreibung, die kooperative Designentwicklung und Durchführung mit exter-nen, aber auch lokal verankerten Dienstleistern sollten beibehalten werden. Sie stützen eine städtische In-House-Strategie der Öffentlichkeits- und Bürgerbeteiligung da sie für die Quali-fizierung eigener Mitarbeiter*innen zweckmäßig sind. Die Vorgehensweise trägt dazu bei, Bürgerräte oder ähnliche (teilweise) losbasierte Beteili-gungsformate unterschiedlicher Größenordnung ressourcenschonend und in Eigenregie durchführen zu können. Damit könnte ein niedriger Aufwand für und eine größere Vielfalt bei losbasierten Beteiligungsformate realisiert werden. Es empfiehlt sich aber auch – um an der aktuellen Entwicklung von Instrumenten der Beteiligung im Sinne eines permanenten Lern-prozesses teilhaben zu können – immer wieder auf private und zivilgesellschaftliche Durch-führungsorganisationen zuzugehen. 47 Teilnahmebereitschaft und -management Insgesamt ist die erste Phase des Bürgerrates „Mobil im lebenswerten Quartier“ als ausge-sprochen gelungen zu bewerten. Es hat eine hohe Teilnahmebereitschaft gegeben. Die Re-präsentativität der Teilnehmenden wurde gewährleistet. Die Ansprache der Bürger*innen und die Kommunikation mit der Stadt wurde sehr positiv bewertet. Die Teilnehmenden fühlten sich über den Ablauf des Bürgerrates sehr gut informiert. Kritisch waren in dieser Phase drei Punkte, nämlich erstens der erhebliche Verwaltungsauf-wand des Teilnahmemanagements. Zweitens ist über die Barrierefreiheit des ersten Verant-staltungsortes sicher ein weiteres Mal nachzudenken. Drittens hatte die hohe Teilnahmebe-reitschaft den Effekt, den Anteil derjenigen zu erhöhen, die teilnahmebereit waren, aber nicht zum Zuge kamen und somit enttäuscht waren. Der Prozess der Rekrutierung über das Los und Multiplikator*innen (zusätzlich) kann sehr gut beibehalten werden, weil er sich im Sinne hoher Teilnahmebereitschaft und weitgehender Re-präsentativität der Grundgesamtheit bewährt hat. Ebenso waren das Einladungsschreiben und die Kommunikation zwischen Teilnehmenden und Verwaltung im Vorfeld der Beratungen gelungen, sind positiv zu würdigen und beizube-halten. Die Verwaltung sollte zukünftig im Vornherein den Aufwand für das Teilnahmemanagement höher einkalkulieren, die Personalressourcen entsprechend vorhalten und die Arbeitspro-zesse an die hohe zyklische Belastung (besonders in der Losungs-, Rekrutierungs- und Ein-ladungsphase) anpassen. Für die Bürger*innen, die teilnahmebereit waren, aber nicht zum Zuge gekommen sind, sollte es, um Enttäuschung zu verringern, eine Lösung beziehungsweise eine Alternative geben. Wir denken hier an einen Pool von Bürger*innen für zukünftige losbasierte Formate. Auch bei anderen Bürgerräten ist derzeit eine höhere Rücklaufquote zu konstatieren. Vor die-sem Hintergrund und den Erfahrungen in Köln ist zu überlegen, in der ersten Runde weniger mögliche Teilnehmende auszulosen. Ein Risiko, das mit der Reduktion der ersten Ziehung aus den Meldedaten verbunden sein könnte, besteht darin, die Repräsentativität unter Um-ständen (etwa bei einem weniger „attraktiven“ Thema) nicht gewährleisten zu können. Da Köln den Weg gegangen ist, auch über Multiplikator*innen zu rekrutieren, schätzen wir dieses Ri-siko als kalkulierbar ein. Moderation Die transparente, schlüssigen, aktivierende und effektive Gestaltung und die hohe Moderati-onsqualität der Sitzungen der Plenen und Subplenen mit dem Raum für Beiträge der Teilneh-menden ist beizubehalten. Insgesamt zeigen sich auch für die Moderation in Kleingruppen hohe Zufriedenheitswerte bei den Teilnehmenden (70 Prozent bei der dritten Befragung). Die teilnehmende Beobachtung wie Interviews bestätigen diesen insgesamt positiven Eindruck. Die Aufgabenbeschreibungen und das Zeitmanagement waren also ebenso wie die Maßgabe, nur moderationserfahrenes Personal in den Kleingruppen einzusetzen, förderlich für positive Moderationserfahrungen der Teilnehmenden in den Kleingruppen. Dazugehören auch die entsprechende gemeinsame Vorbereitung wie auch die (De-)Briefings vor Ort. Gleichwohl bleibt die mehrfach bestätigte 48 Beobachtung, dass die Durchführungsqualität in den Kleingruppen als unterschiedlicher wahr-genommen wurde als im Plenum. Die Arbeitsplanung, das Zeitmanagement, der Instrumenteneinsatz und die Aufgabenbe-schreibung haben sich als grundsätzlich angemessen und unterstützend für die Moderation erwiesen und sollten in ihrer Struktur beibehalten werden. Es sollte auch beibehalten bleiben, nur moderationserfahrenes Personal einzusetzen. Die Transparenz, dass und wie Kritik von Teilnehmenden an der Durchführung aufgenommen wird, ist zu erhöhen. Zusätzlich zur gemeinsamen Vorbereitung und den (De-)Briefings schlagen wir zudem vor, mit einem Peer-Monitoring bei der Kleingruppenmoderation zu arbeiten. Dieses ist zwar mit zusätzlichen Ressourcen verbinden, würde aber eine zusätzliche Möglichkeit darstellen, die Durchführungsqualität insgesamt zu verbessern und anzugleichen. Information Die Informationsphasen und Experteninputs sind weit überwiegend als lehrreich wahrgenom-men worden. Es waren auch keine Situationen oder Erfahrungen zu identifizieren, in denen Expertise sich als sachlich falsch rausgestellt hat. Verwaltung und Durchführungsteam haben großen Wert darauf gelegt, dass die Expertise a.) unterschiedliche Mobilitätsperspektiven in Stadtvierteln beleuchtet, dass b.) die Vortrage möglichst ausgewogen sind, dass c.) sie kon-krete Beispiele und Erfahrungen darstellen und dass d.) sie entsprechend der Zielgruppe di-daktisch angemessen sind. Dieser Ansatz sollte grundsätzlich beibehalten werden. Allerdings gab es in Umfrage, teilnehmender Beobachtung und Interviews auch einige (klei-nere) Kritikpunkte, die sich jedoch nicht zu einem einheitlichen Bild fügen. Die Vorträge wur-den von einer Minderheit der Teilnehmenden nicht als ausgewogen wahrgenommen. Die Vor-träge hatten nicht durchgängig eine hohe didaktische Qualität. Die Beispiele wurden zu wenig für die Entwicklung der Maßnahmen in den Kleingruppen genutzt. Vor diesem Hintergrund schlagen wir vor, die Zeiten der Vorträge und Inputs „von vorne“ stär-ker mit Kleingruppenphasen abzuwechseln und mehr Selbstlernphasen auf Grundlage digita-ler Lernangebote einzuführen, die gesichert faktentreu, zielgruppenspezifisch, barrierefrei und multiperspektivisch sind. Die Praxis, städtischen Mitarbeiter*innen als Tisch-Expert*innen in den Kleingruppen einzu-setzen, hat sich – wegen der ausgeübten Zurückhaltung – bewährt und sollte beibehalten werden. Räume Die Räumlichkeiten für Bürgerräte haben zwei Anforderungen zu genügen, nämlich erstens repräsentativen Zwecken, mit denen Teilnahmebereitschaft und Engagement der Teilneh-menden öffentlich gewürdigt werden. Zweitens sollten sie konzentriertes und produktives Ar-beiten in Plenen und Kleingruppen ermöglichen. Beim Bürgerrat Köln „Mobil im lebenswerten Quartier“ waren die Räume für die Repräsentation angemessen und gut gewählt. Auch die Arbeit in den Plenen (Vorstellungen des Ablaufes, Inputs, Diskussion) konnten gut bewältigt werden. Für die Kleingruppenarbeit waren sie aufgrund der anstrengenden und störenden Akustik weniger gut geeignet. (Nicht nur) beim Bürgerrat Köln „Mobil im lebenswerten Quar-tier“ hat sich gezeigt, dass mobile Raumteiler und Stellwände nicht hinreichend sind, um eine konzentrierte Arbeitsatmosphäre zu schaffen. 49 Insofern wir auch von keinen anderen funktionierenden Raumteilungen (etwa In-Door-Zelten) berichten können, raten wir dazu, sich diese genannte Restriktion (auch im Sinne der Barrie-refreiheit) im vornherein stärker bewusst zu machen und stets abgetrennte Räume anzubie-ten. Gegebenenfalls wäre auch die Vergrößerung der Kleingruppen in Kauf zu nehmen. Wit-terungs- und umfeldbedingt ist es auch möglich, außerhalb von geschlossenen Räumen zu beraten. Dies kann aber wiederum andere Probleme der Barrierefreiheit mit sich bringen. 50 10 Literaturverzeichnis Arnstein, S. R. (1969). A Ladder Of Citizen Participation. Journal of the American Institute of Plan-ners, 35(4), 216–224. https://doi.org/10.1080/01944366908977225. Beierlein, C., Kovaleva, A., Kemper, C. J., und Rammstedt, B. (2012). Ein Messinstrument zur Erfassung subjektiver Kompetenzerwartungen: Allgemeine Selbstwirksamkeit Kurzskala (AKSU). (GESIS-Working Papers, 2012/17). Mannheim: GESIS - Leibniz-Institut für Sozi-alwissenschaften. https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:0168-ssoar-292351. Brown, M. (2018) ‘Deliberation and Representation’, in A. Bächtiger et al. (Hrsg..) The Oxford Handbook of Deliberative Democracy. Oxford; New York: Oxford University Press, S. 171–186. Bua, A. (2019). Handbook of democratic innovation and governance. Caluwaerts, D., und Reuchamps, M. (2018). The Legitimacy of Citizen-led Deliberative Democracy: The G1000 in Belgium (1. Aufl.). 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Beratungsverlauf (4)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 1098/2026
- Typ
- Mitteilung Ausschuss
- Datum
- 23.04.2026
- Erstellt
- 16.04.2026 16:37