V/0659/2023
Vertragsverlängerung Ateliergemeinschaft Schulstraße und Zukunftswerkstatt Kreuzviertel e.V.
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Beschlussvorlage
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V/0659/2023 V/0659/2023 Öffentliche Beschlussvorlage Betrifft Vertragsverlängerung Ateliergemeinschaft Schulstraße und Zukunftswerkstatt Kreuzviertel e.V. Beratungsfolge 23.11.2023 Kulturausschuss Entscheidung 06.12.2023 Ausschuss für Wohnen, Liegenschaften, Finanzen und Wirtschaft Vorberatung 12.12.2023 Bezirksvertretung Münster-Mitte Anhörung 13.12.2023 Hauptausschuss Vorberatung 13.12.2023 Rat Entscheidung Beschlussvorschlag: I. Sachentscheidung 1. Die positive Entwicklung der Ateliergemeinschaft Schulstraße sowie des Zukunftswerkstatt Kreuzviertel e.V. am Standort Schulstraße 43/45 wird zur Kenntnis genommen. 2. Die Verlängerung der Mietverträge um jeweils 5 Jahre wird befürwortet. Es wird zur Kenntnis genommen, dass - die Mietzahlungen der Ateliergemeinschaft und der Zukunftswerkstatt Kreuzviertel nicht kosten- deckend sind. II. Finanzierung/Mittelbereitstellung Es wird zur Kenntnis genommen, dass - die Eckpunkte der Mietverträge sowie die finanziellen Auswirkungen der Mietverträge auf den Haushalt in der parallel zu beratenden nichtöffentlichen Vorlage V/0658/2023 beschrieben sind. Kulturamt 13.11.2023 Ihr/e Ansprechpartner/in: Frau Schnell Telefon: 492-4100 Schnell@stadt-muenster.de - 2 - V/0659/2023 Begründung: 1. Ausgangs- und Beschlusslage Für das Image und das Profil der Stadt Münster spielt die zeitgenössische bildende Kunst eine her- ausragende Rolle. Durch die alle zehn Jahre stattfindenden Skulptur Projekte, das kontinuierliche Angebot an Ausstellungen mit internationalem Anspruch in der Kunsthalle Münster, dem LWL - Landesmuseum, dem Westfälischen Kunstverein sowie der starken Präsenz der Kunstakademie hat sich Münster zu einem überregional beachteten Kunststandort entwickelt. Zu seiner D ynamik und Lebendigkeit trägt auch eine Vielzahl experimenteller Aktivitäten und Ausstellungsprojekte bei, die von privaten Kunstvereinen und Künstler:innengemeinschaften, wie z. B. am Hawerkamp, in der Schulstraße, im F.A.K. initiiert und realisiert werde n. Diese spürbare Energie einer insbesondere in den vergangenen drei Jahrzehnten gewachsenen professionellen Kunstszene in Münster wird maß- geblich nicht nur durch die Präsentationsbedingungen, sondern auch durch die Qualität der Produkti- onsbedingungen vor Ort bestimmt. Bezahlbare Ateliers waren und bleiben eine zentrale Grundvo- raussetzung dafür, dass Münster als Arbeits - und Lebensstandort für junge, aber auch für etablierte, professionell arbeitende Künstler:innen an Attraktivität gewonnen hat – und weiter gewinnt. Eine wichtige Weichenstellung erfolgte dafür Ende der 1990er Jahre mit der Erstellung eines Förder- konzepts zur infrastrukturellen Verbesserung der Situation für bildende Künstler:innen. Der Mangel an preiswerten Arbeitsmöglichkeiten wurde in diesem Kontext als evident fehlender Baustein in der stimmigen Gesamtkonzeption „Bildende Kunst“ identifiziert. Dabei ging es sowohl um preiswerten Atelierraum für Abgänger der Kunstakademie als auch um fehlende Arbeitsräumlichkeiten, die den hohen Anforderungen bereits etablierter, professioneller Künstler:innen entsprechen. Mit den über die Jahre sukzessive entwickelten bzw. geförderten verschiedenen Atelierhauskomplexen (Schulstraße, Atelierhaus Fresnostraße (FAK) seit dem Jahr 1999, Ateliers am Hawerkam p seit 2006, Ateliers am Speicher II seit 2004) kann den unterschiedlichen Bedürfnissen der Künstler:innen zunehmend bes- ser entsprochen und einer Abwanderung entgegengewirkt werden. Die – nach heutiger Bezeichnung – Ateliergemeinschaft Schulstraße markiert den Beginn dieser Ent- wicklungslinie und hat diese durch ihre aktive Mitwirkung und Interessenvertretung maßgeblich mit- gestaltet. Bereits im Jahr 1983 gegründet und zunächst mit Sitz in der ehemaligen Reiterkaserne an der Steinfurter Straße wurden ihr seitens der Stadt seit 1996 in der ehemaligen Eichendorff-Schule an der Schulstraße 22 Flächen von insgesamt 600 qm per Mietvertrag zu günstigen Konditionen (3,32 € Gesamtmiete inkl. Betriebs- und Heizkosten) überlassen. Zudem wurden dort dem ehrenamtlich betriebenen Zukunftswerkstatt Kreuzviertel e. V. rund 80 qm zu einer Betriebskostenpauschale (keine Miete) von 150,00 €/Monat zur Verfügung gestellt. Der Ver- ein versteht sich seit seiner Gründung im Jahr 1998 als Anlaufstelle und offener Tref fpunkt für die Bürger:innen im Kreuzviertel und angrenzenden Stadtteilen. Er setzt sich für die Belange der Be- wohner:innen ein, organisiert in Kooperation mit Initiativen, Vereinen, Künstler:innen, Kaufleuten und Bürgergruppen öffentliche Veranstaltungen und bietet den Rahmen für quartierbezogenes Engage- ment. Kulturelle Veranstaltungen wie Konzerte und Ausstellungen sind ebenso möglich wie nachbar- schaftliche Feiern, Gesprächsabende und offene Kommunikations- und Begegnungsangebote. 1.1 Neuordnung Baublock Schulstraße ab 2001 Im Kontext der „Neuordnung Baublock Schulstraße“ haben sich die politischen Gremien seit 2001 mit dem langfristigen Erhalt der Ateliergemeinschaft sowie des Zukunftswerkstatt Kreuzviertel e. V. an diesem Standort befasst. Mit der Vor lage 1215/2001 beschloss der Haupt - und Finanzausschuss u. a. ein Inves- tor:innenauswahlverfahren und sicherte dabei die vorhandenen kulturellen und bürgerschaftlichen Nutzer:innengruppen am Standort. Dabei war es den Verhandlungen zwischen den Nut- zer:innengruppen sowie dem /der noch festzulegenden Investor:in überlassen, ob den Nutzer :innen Flächen in der ehemaligen Eichendorff -Schule oder in einem Neubau zur Nutzung angeboten wer- den. Zwischen Investor:in und Nutzer:innen wurde einvernehmlich eine Lösung ent wickelt, wonach - 3 - V/0659/2023 ein zweiteiliger Neubau errichtet und die ehemalige Eichendorff-Schule kernsaniert und einer anderen Nutzung zugeführt wurde. Sowohl die Rohbauplanungen als auch die Detailplanungen (z. B. Fassadengestaltung und Anord- nung der Fenster) sin d während des Planungsprozesses mit den Künstler :innen sowie dem Zu- kunftswerkstatt e.V. abgestimmt worden, sodass diese – auch nach heutigem Stand – passgenau den jeweiligen Arbeitsbedingungen der Nutzer:innengruppen entsprechen. In seiner Sitzung vom 11.02.2009 hat der Rat die vorgesehenen Raumnutzungen, das zwischen Ate- liergemeinschaft und Kulturamt entw ickelte Verfahren zur Vergabe der Ateliers, die Eckpunkte der Mietverträge sowie die Veranschlagung der Mietaufwendungen im Haushalt abschließend beschlos- sen (V/1062/2008 und nichtöffentliche Vorlage V/1050/2008 mit vertraglichen und liegenschaftlichen Beschlüssen sowie Details der Mietgeschäfte). In Analogie zu den Ateliers im Speicher II wurde eine kulturfreundliche Miete festgesetzt. Dieselben Konditionen wurden für die Räumlichkeiten des Zukunftswerkstatt e.V. und für den von beiden Vereinen nutzbaren Veranstaltungsraum festgelegt. Die Stadt hat die Flächen im Paket von der Wohn + Stadtbau GmbH (Eigentümer) angemietet und an die beiden Nutzer:innen, den Ateliergemeinschaft e. V. und den Zukunftswerkstatt e. V., untervermie- tet. Aufgrund der guten Erfahrungen der bereits in den Vorjahren in der Eichendorff -Schule praktizierten Selbstverwaltung der Ateliergemeinschaft wurde deren Fortsetzung auf der Basis einer zuvor mit dem Kulturamt abgestimmten Vereinssatzung (nach erforderlicher Vereinsgründung der Ateliergemein- schaft) sowie Vergabeordnung nebst definierter Vergabekriterien beschlossen. Damit wurde und wird sichergestellt, dass die Ateliers nicht nur Vereinsmitgliedern, sondern für die Öffentlichkeit zugänglich sind und objektive Kriterien bei der Entscheidung über Ateliervergaben beachtet werden. Mit Ab- schluss des Mietvertrages hat sich die Ateliergemeinschaft zudem verpflichtet, dem Kulturamt Ende jeden Jahres einen Rechenschaftsbericht einzureichen, mit dem die Ateliergemeinschaft einen Über- blick über die Mieter :innen und Mitglieder, ihre jeweiligen künstlerischen Werdegänge und Referen- zen, die Arbeit der Gemeinschaft, die Vergabeverfahren und Untervermietungen gibt. Auch der Zu- kunftswerkstatt Kreuzviertel e. V. reicht dem Kulturamt jährlich einen Sachbericht und seit dem Jahr 2021 einen Verwendungsnachweis ein. Die Mietverträge mit der Wohn + Stadtbau GmbH haben eine Festlaufzeit bis zum 31.12.2024, wobei der Stadt Münster ein zweimaliges Optionsrecht von jeweils 5 Jahren eingeräumt wurde. Die Untermietverträge mit der Ateliergemeinschaft Schulstraße e.V. sowie mit der Zukunftswerkstatt Kreuzviertel e.V. enden zum gleichen Zeitpunkt. Beiden Vereinen wurde grundsätzlich eine Vertrags- verlängerung in Aussicht gestellt. Beide Nutzer:innen haben aktuell ihr ausdrückliches Interesse an einer Verlängerung ihres jeweiligen Mietvertrages bekundet. 2. Entwicklung am Standort Schulstraße 43/45 seit 2010 2.1 Ateliergemeinschaft Schulstraße Gegründet bereits im Jahr 1983 ist die Ateliergemeinschaft Schulstraße die älteste Ateliergemein- schaft von Absolventen der Kunstakademie Münster. Zentrale Zielsetzung war es von Beginn an, freien Künstler:innen in Münster Arbeitsraum zu gewähren und junge Absolvent:innen der Kunstaka- demie bei ihren ersten Schritten in die Selbständigkeit zu unterstützen und zu begleiten. Die Atelier- gemeinschaft beteiligt sich zudem seit i hrer Gründung mit verschiedenen Formaten akti v an dem künstlerischen und kulturellen Leben der Stadt. Mit dem Umzug der Ateliergemeinschaft in das neu errichtete Atelierhaus Schulstraße 43 im Jahr 2010 konnte die Qualität der Produktionsbedingungen für die Künstler:innen weiter gesteigert und das Vergabeverfahren weiterqualifiziert werden. - 4 - V/0659/2023 Insgesamt stehen in dem Neubaublock auf einer Gesamtnutzfläche von 723 qm 17 Ateliers von 21 qm bis 55 qm Größe zuzüglich Nebenräume (WCs, Du schen, Gemeinschaftsraum etc.) zur Verfü- gung. Zudem kann der größere G ruppenraum der im angrenzenden Gebäudeteil entstandenen Räumlichkeiten des Zukunftswerkstatt e. V. als Veranstaltungs - bzw. Ausstellungsraum mitgenutzt werden. Neben den 15 Ateliers mit aktuell 18 Künstler:innen mit längerfristigen Mietverträgen werden 2 Gas- tateliers der Kunstakademie Münster vorgehalten, die mittels jährlicher Stipendien an Studierende der Akademie vergeben werden. Nicht zuletzt dadurch sind immer wieder neue Impulse, eine kontinuierli- che Bewegung sowie weiterhin ein enger Kontakt zur Ku nstakademie Münster gegeben. Deutlich darüber hinaus konnte in den letzten Jahren eine Zunahme der akademischen Kontakte sowie der internationalen Austauschprogramme aus den Reihen der einzelnen Künstler:innen realisiert werden. So bestehen über sporadische sowie regelmäßige Projekte Verbindungen zu den Universitäten Pots- dam, Dortmund und Osnabrück auch internationale Austauschbezüge und Kooperationen aktuell u. a. mit Studierenden der University of Zadar Josip Zanki (Kroatien) und der University of Texas at Arling- ton. Nach dem Deventer-Austausch 2013/14 beherbergt die Ateliergemeinschaft zudem in den Jah- ren 2016 und 2019 erstmals Stipendiat:innen aus Mexico, die jeweils über einen Zeitraum von sechs Wochen in dem Atelierhaus Schulstraße arbeiten. Die Künstler:innen verstehen ihre individuelle Arbeit im Atelier dabei stets im Kontext der Gesellschaft einer Stadt, für die sie sich als Lebens - und Arbeitsort (auf Zeit) entschieden haben. Sie verbinden damit den Anspruch, auch einen allgemeinen gesellschaftlichen Nutzen zu leisten, indem sie u. a. der Förderung und Anregung von Nachwuchskünstler:innen dienen sowie der lebendigen und internatio- nal vernetzten Kunstszene einen Arbeitsort bieten. Bis heute, im Jahr ihres 40 -jährigen Bestehens, haben über 450 Künstler:innen in den Atelierräumen der Gemeinschaft längerfristig oder zeitweilig gearbeitet und ausgestellt. Der engagierte Auftritt der Gemeinschaft vermittelt dabei seit Jahren zwischen und quer zu allen Ebenen der Stadt- und Universitätsgesellschaft – von der Spezialist:in bis zum Laien – und verbindet aktuelle Forschungen mit künstlerischen und ästhetischen Fragestellungen: - Einmal jährlich bilden die Künstler :innen die Ergebnisse ihrer Arbeit in einer gemeinsamen Jahresausstellung – teilweise auch mit ge ladenen Künstler:innen aus dem Ausland – ab, die mit bemerkenswerter Resonanz in den Räumen der Ateliergemeinschaft stattfindet. - Mit einer Kabinettsausstellung in einem LKW beteiligt sich die Ateliergemeinschaft Schulstra- ße zudem seit 20 Jahren am „Schauraum“ der Stadt Münster. - Als Dauerprogramm finden neben den Jahresausstellungen offene Ateliergespräche sowie die Veranstaltungsreihe KUNST UND SUPPE statt. In diesem Format stellen sich Künstler:innen, Schriftsteller:innen oder Musiker:innen in einer kleinen intensiven Diskussionsrunde vor, die das Gehörte und Gesehene nach einer Suppentafel diskutiert. Gäste aus den letzten vier Jah- ren waren unter anderem Per Leo (Berlin), Serenella Dodi (Rom), Till Ansgar Baumhauer (Dresden), Julia Draganovic (Leiterin d er Villa Massimo, Rom) , Prof. Dr. Andreas Brenne (Potsdam), Jan Klare (Münster) u. v. a. - Aktuell wird das Programm von einem eigenen studentischen Ausstellungsprogramm #ASS15 erweitert – ein Programm des Künstlers Goncalves, der seinen Stipendiatenraum künstlerisch neu vermisst und verortet, und der damit den Diskurs von Jung und Alt bereichert. - Hervorzuheben ist auch der B eitrag im Bereich der k ulturellen Bildung: Die Ateliergemein- schaft beteiligt sich seit gut elf Jahren regelmäßig mit wechselnden Künstler:innen an dem Landesprogramm „Kultur und Schule“. Die Realisierung der vielfältigen Projekte erfolgt durch Kooperationen und Förderungen von und mit u. a. dem NRW KULTURs ekretariat Wuppertal, dem Transfer Programm, den STADTBESETZUN- GEN, der Regionalen Kulturförderung (RKP) des Landes NRW, dem Kulturbüro Müns terland e.V, dem städtischen Kulturamt, Münster Marketing sowie im Rahmen von Vermittlungs- und Ausstel- lungsprogrammen des Westfälischen Kunstvereins, des Satellit-Kunstvereins, dem Kunstverein Ahlen u. v. a. - 5 - V/0659/2023 2.2 Zukunftswerkstatt Kreuzviertel e. V. Das Kreuzviertel und die angrenzenden Stadtteile haben sich durch die erhebliche Nachverdichtung im Lauf der Jahre und in sbesondere auch durch die Neuordnung Baublock Schulstraße deutlich ver- ändert. Neben alteingesessenen Bürger:innen und dem für das Viertel charakteristischen hohen An- teil an Akademiker:innen und Besserverdienenden sind zunehmend auch Familien mit Kindern sowie neue Bewohner:innen aus anderen Ländern zu verzeichnen. Der Zukunftswerkstatt Kreuzviertel e. V. hat den Anspruch auf diesen Wandel zu reagieren, den bürgerschaftlichen Zusammenhalt zu stärken und die Begegnungsmöglichkeiten im Quartier zu erweitern und zu vertiefen. Dem Verein stehen mit dem Umzug im Jahr 2010 in das Gebäude Schulstraße 45 insgesamt rd. 165 qm Nutz- und Verkehrsflächen (2 Gruppenräume und 1 Büro, WC, Teeküche) zur Unterstützung des bürgerschaftlichen Engagements und der Vernetzung vor Ort zur Verfügung. Mitten im Stadtteil bietet der Zukunftswerkstatt Kreuzviertel e. V. in attraktiven Räumlichkeiten damit ein Angebot für einen offenen Treffpunkt mit dem Ziel, den Austausch und die Kommunikation aller Gruppen untereinander zu fördern und zu erleichtern. Trotz der mietvergünstigten Bereitstellung der Räume haben sich die Mietkosten für den Verein im Vergleich zur vorherigen Unterbringung in der ehemaligen Eichendorff -Schule deutlich erhöht. Dem erhöhten Mietaufwand wollte der Verein mit einem Nutzungs- und Finanzierungskonzept begegnen, welches jedoch mehrfach überarbeitet werden musste, da dem Verein im Laufe der vergangenen Jahre wiederholt Mietschulden entstanden sind. Deutlich wurde, dass die Einnahmen aus den Ver- mietungen der Räumli chkeiten an Kulturschaffende, Kulturinteressierte, soziale Initiativen und Dritt- veranstalter:innen aus dem Stadtteil sowie die Erträge aus den eigenen kulturellen Aktivitäten des Vereins, der Mitgliedsbeiträge und Spenden nicht ausreichten, um die monatlic he Miete inkl. Mietnebenkosten abdecken zu können. Interimsmäßig konnten durch die Vermittlung der Verwaltung aufgrund aktuell bestehender Bedarfs- lagen längerfristige Vermietungen erfolgen. Eine dauerhafte und tragfähige Lösung durch sinnvolle, zweckdienliche und auslastende Ankermieter oder umfängliche Vermietungen auch für die Vormittage konnte der Verein aus eigenen Kräften lange nicht umsetzen. Mit einer durch die Stadt geförderten Neuaufstellung des Vereins im Jahr 2019 konnten für die ehrenamtliche Vorstands- und Vereinstätig- keit neue Akteur:innen gewonnen werden und ein zunehmend wachsendes, auch eigenes Programm aus Vorträgen, Konzerten, Ausstellungen und Seminaren umgesetzt werden. Deutlich wurde jedoch auch, dass die Gewährleistung eines wirtschaftlichen Betriebes durch wech- selnde kurzfristige Vermietungen eine hohe Anforderung darstellt, die die Ehrenamtlichkeit an ihre Grenzen stoßen lässt. Der Verein stellte vor diesem Hintergrund zu den Etatberatungen im Jahr 2020 einen Antrag auf einen jährlichen Sach- und Personalkostenzuschuss, der mit der Gewährung eines jährlichen Betriebskostenzuschusses i. H. v. 12.000 Euro teilweise aufgegriffen wurde. Der Verein wurde damit in die Lage v ersetzt, den ehrenamtlichen Vereinsvorstand durch die Einstellung einer niedrig teilzeitbeschäftigten Person u. a. für das Vermietungsgeschäft sowie für Reinigungsdienste zu entlasten und sich verstärkt für die Verwirklichung der Satzungszwecke und die eigentliche Vereins- arbeit mit dem Schwerpunkt kultureller Arbeit und Bildungsarbeit einsetzen zu können. Das aktuell jeweils für ein Trimester aufgelegte Programm differenzierte dabei zwischen zwei Pro- grammlinien. Erstens: „Kunst und Kultur“ mit u. a. Ausste llungen von münsterschen Künstler:innen, kleineren „Wohnzimmer-Konzerten“ oder größeren Musikveranstaltungen („volles Haus“) oder der „Open-Stage“ für junge Nachwuchsmusiker:innen sowie Theater - und Filmabende.Zweitens: das Format „Miteinander“ mit gemeinsamen Aktionen im Bereich Sport und Fitness, generationsübergrei- fende Aktivitäten von Singen, Tanz, Lesungen bis Technik und drittens dem Format „Kreuzviertelfo- rum“ mit Angeboten zu umwelt- und gesellschaftspolitischen Themen mit schwerpunktmäßig lokalem Bezug. Die Räumlichkeiten stehen weiterhin auch Drittanbieter:innen sowie den Bürger:innen vor Ort im Sin- ne eines kulturellen und lebendigen Bürgertreffs für alle zur Verfügung. Gegenstand sind hier Nach- barschaftsgespräche, Chorproben, Kinderspielgruppen und Elterntreffs sowie verschiedene Fortbil- dungs- und Workshop-Angebote im Bereich Tanz, Sprachen, Musik. - 6 - V/0659/2023 2.3 Fazit Die Relevanz der Zurverfügungstellung bezahlbarer Ateliers für jüngere und etablierte Kunstschaffen- de hat speziell mit dem aktuell schon hohen und prognostiziert steigenden Raumdruck für die Kunst und Kultur deutlich zugenommen. Aktuell braucht es in der wachsenden Stadt mehr denn je die Si- cherung und Stärkung etablierter kultureller räumlicher Infrastruktur sowie Strategien für kluge und gegenseitig bereichernde Verzahnung von Kunst und Kultur z.B. mit den Wissenschafts - und For- schungsquartieren der Stadt Münster. Auf alle zuletzt genannten Aspekte zahlt das aktuelle Produkti- ons-, Diskurs -, Vernetzungs- und Präsentationskonzept des „Kunst u nd Kultur-Ortes“ Schulstraße bereits auf mehreren Ebenen ein. In Bezug auf die Ateliergemeinschaft Schulstraße kann festgehalten werden, dass sie sich in den vergangenen 40 Jahren regional, überregional und international immer weiter positioniert und ein en Namen gemacht hat . Für Besucher :innen, Kunstinteressierte, Kunsthandel und nicht zuletzt für die Münsteraner:innen haben sich die Künstler: innen und ihre Ateliers zu einer festen Adresse für freie bildende Kunst in Münster entwickelt. In der münsterschen Kunstszene stellt die Ateliergemeinschaft insbesondere im Hinblick auf ihre his- torisch gewachsene Struktur und ihre Anbindung an das Kreuzviertel eine Besonderheit dar. Mit dem Umzug aus der Eichendorff -Schule in die neuen Atelierräumlichkeiten konnte auch der Fortbestand des vor Ort von der Künstlergemeinschaft aufgebauten – z.T. auch ökonomischen – Netzwerkes ge- sichert werden. Auch das (inter -)nationale akademische Netzwerk der Künstlergemeinschaft konnte gerade in den letzten Jahren gefestigt und weit er ausgebaut werden. Die Ateliergemeinschaft leistet mit ihrem künstlerischen, pädagogischen sowie interdisziplinären Potenzial und diesem wachsenden Netzwerk auch zunehmend einen Beitrag zur „Wissenschaftsstadt Münster“. Begünstigt wird auch dies durch den Standort mitten im Wohnviertel und fußläufig zur Universität Münster wie zur Kunstakademie Münster und der Fachhochschule für Design und der MSA. Mit Blick auf den hohen Stellenwert der zeitgenössischen bildenden Kunst in Münster träg t die Ate- liergemeinschaft zu der bedeutsamen kulturpolitischen Zielsetzung bei, attraktive Produktions - und Standortbedingungen für Künstler:innen zu erhalten und dem weiter bestehenden hohen und drän- genden Bedarf an Atelierräumlichkeiten zu entsprechen. Die hohe Anzahl an Künstler:innen, die über die Jahre kurz- oder längerfristig vor Ort arbeiten konnten und können, macht den bestehenden Be- darf anschaulich deutlich. Auch der ehrenamtlich geführte Zukunftswerkstatt Kreuzviertel e.V. konnte insbesondere in den letz- ten drei Jahren sein Profil schärfen und etablieren. Dabei ist es ihm gelungen, das Veranstaltungs- programm und spezielle Formate der Community Building deutlich und für den Stadtteil gewinnbrin- gend auszubauen. Er bietet damit im Herzen des Viertels einen gut wahrg enommenen Raum der Begegnung sowie einen „Frei - und Möglichkeitsraum“ für die Bürger:innen. Nicht zuletzt durch die gemeinsame Nutzungsoption des Veranstaltungsraumes für die Ateliergemeinschaft Schulstraße können zudem im Stadtteil attraktive Ausstellunge n mit überregionaler Strahlkraft vorgehalten wer- den. D urch das systemische Nachbarschaftsmanagement werden zudem wertvolle Verbindungen zwischen den professionell Agierenden und den freiwillig Engagierten geknüpft und so auch vielfältige Zugänge für die Stadtteilbewohnerschaften. I. V. gez. Cornelia Wilkens Stadträtin Anlagen: Anlage A
Anlage A
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Anlage A zur V/0659/2023 Kurzüberblick Mit der Vorlage wird eine Einordung und Bewertung der Entwicklungen der Ateliergemeinschaft Schulstraße sowie des Zukunftswerkstatt Kreuzviertel e. V. nach der Neuordnung des Baublocks Schulstraße am Standort Schulstraße 43 / 45 geleistet. Insbesondere vor dem hohen und stei- genden Raumdruck in Münster, stellt die Ateliergemeinschaft Schulstraße grundsätzlich einen wichtigen Baustein im Rahmen des strategischen infrastrukturellen Förderkonzepts der für die Stadt Münster äußerst bedeutsamen zeitgenössischen bildenden Kunst dar. Am neuen Standort konnte die Ateliergemeinschaft Schulstraße ihren Beitrag zur Nachwuchsförderung, zur (inter- )nationalen – insbesondere auch akademischen – Vernetzung sowie kulturellen Bildung weiter ausbauen. Mit der in Teilen gemeinsamen Nutzung der Veranstaltungsräumlichkeiten des Zu- kunftswerkstatt e.V. können zudem wertvolle Verbindungen zwischen professionell Agierenden und den freiwillig Engagierten geknüpft und so vielfältige Zugänge für die Stadt(teil)bewohnerschaft umgesetzt werden. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen wird die Verlängerung der Mietverträge empfohlen. Die Konditionen und Regelungen zu den Mietver- trägen mit den beiden Vereinen werden in der parallel zu beratenden nichtöffentlichen Vorlage V/0658/2023 beschrieben. Ziele/Teilziele/Zielerreichung Es werden folgende Ziele aus den Leitorientierungen des ISM-Prozesses verfolgt: Wir werden einer der führenden Bildungs-, Wissenschafts-, Forschungs- und Entwick- lungsstandorte in Europa Wir werden als ein kulturelles Zentrum unseres Landes Projekte mit internationaler Ausstrahlung entwickeln Wir werden das unverwechselbare Stadtbild bewahren und die City als Ort der Begeg- nung, als Marktplatz und als Motor der Stadtentwicklung stärken Wir werden Münster zu einer Stadt mit höchster Lebens- und Erlebnisqualität weiterentwi- ckeln: mit hoher Umwelt- und Naturqualität mit breitem Freizeit- und Sportangebot mit hohem Wohnwert, Familienfreundlichkeit und sozialer Balance in der Stadtgesell- schaft Wir werden Münster auf der Basis unserer Geschichte und des Prinzips von „Toleranz durch Dialog“ zu einer weltoffenen Stadt weiterentwickeln Finanzierung: siehe parallel zu beratende Vorlage V/0658/2023 Pflichtigkeitsgrad Die Maßnahme/Leistung ist vollständig pflichtig überwiegend pflichtig überwiegend freiwillig x vollständig freiwillig Unmittelbare, grundsätzliche Relevanz für Querschnittsthemen (Demographie, Gleichstellung, Inklusion, Klimaschutz, Migration) Die Integration und Berücksichtigung von Querschnittsthemen ist ein zentraler Faktor sowohl der künstlerischen Auseinandersetzung und lokalen bis internationalen akademischen Vernetzung (Ateliergemeinschaft Schulstraße) als auch einer gemeinwohlorientierten Stadtteilkultur von, für und mit allen (Zukunftswerkstatt e.V.). In der Zusammensetzung der Künstler:innen der Atelier- gemeinschaft, insbesondere auch bedingt durch das Zusammenspiel mit dem vor Ort integrierten Stipendienprogramm der Kunstakademie Münster, wird explizit ein generationsübergreifender und diverser Ansatz verfolgt.
Beratungsverlauf (5)
Beschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungBeschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungBeschluss: mehrheitlich beschlossen
Zur SitzungBeschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungOrte (4)
- Schulstraße 22
- Steinfurter Straße
- Fresnostraße
- Am Hawerkamp
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Aktenzeichen
- V/0659/2023
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 06.11.2023
- Erstellt
- 30.10.2023 08:43