V/0769/2024
Standortentwicklungsstrategie 2030+ für den Wirtschaftsstandort Münster
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V_0769_2024_Anlage_1_Endbericht_Standortentwicklungsstrategie_2030
317268 Zeichen
Abschlussbericht
Standortentwicklungsstrategie
Münster 2030+
Finale Version, Stand 01.11.2024
Quelle: Presseamt Münster / Markus Bensch
Anlage 1 zur Vorlage V/0769/2024
Seite II
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis IV
Abkürzungsverzeichnis VI
Management Summary VII
1 Münster 2030+ | Anlass und Entstehungsprozess 1
2 Münster 2030+ | Ausgangslage am Wirtschaftsstandort 6
2.1 Kompakte Beschreibung der Ausgangslage 6
2.2 Transformationsdynamiken 14
2.3 Stärkefelder der Münsteraner Wirtschaft 17
2.3.1 Handwerk 20
2.3.2 Industrie 22
2.3.3 Land- und Ernährungswirtschaft 25
2.3.4 FuE-Dienstleistungen 28
2.3.5 Finanzen und Versicherungen 30
2.3.6 Gesundheitswirtschaft 32
2.3.7 Kultur- und Kreativwirtschaft 35
2.3.8 Innenstadt, Handel, Tourismus 38
2.3.9 Wissenschaft 40
2.4 Zusammenfassung der Ausgangslage 43
3 Münster 2030+ | Vision und strategische Leitlinien 44
4 Münster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung 48
4.1 Münster.Nachhaltige Infrastrukturen 50
4.2 Münster.Innovation 62
4.3 Münster.Zukunftsorte 72
4.4 Münster.Miteinander 81
Seite III
4.5 Münster.Talente und Bildung 89
4.6 Münster.Dynamische Unternehmen 100
4.7 Münster.Lebensqualität 109
5 Münster 2030+ | Stadträumliche Perspektive 118
5.1 Grundsätze der stadträumlichen Entwicklung im Hinblick auf die
wirtschaftliche Entwicklung 121
5.2 Sicherung und Entwicklung strategischer Wirtschaftsstandorte 123
6 Münster 2030+ | Wege der Umsetzung 127
Literaturverzeichnis XIII
Anhang XV
Impressum XVII
Seite IV
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Strategische Leitlinien für die Entwicklung des Wirtschaftsstandorts
Münster 2030+ X
Abbildung 2: Handlungsfelder, strategische Leitlinien und sektorale Stärkefelder im
Überblick XI
Abbildung 3: Maßnahmentableau der Standortentwicklungsstrategie Münster 2030+ XI
Abbildung 4: Ablauf des Strategieprozesses 4
Abbildung 5: Entwicklung der Bevölkerung 2012 bis 2021 8
Abbildung 6: Altersstruktur und Erwerbsfähigenanteil 9
Abbildung 7: Qualifikationsstruktur der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten
(SvB) 2021 10
Abbildung 8: Entwicklung Beschäftigung und BIP / BWS in Münster 11
Abbildung 9: CO2-Emissionen in Tonnen je 1.000 Euro BWS 12
Abbildung 10: Anteil digitaler Impulsgeber 2021 13
Abbildung 11: Globale Megatrends und Transformationsdynamiken 14
Abbildung 12: Branchen am Wirtschaftsstandort Münster (Branchenportfolio 2022) 17
Abbildung 13: Münsteraner Handwerk in Münster in Zahlen 20
Abbildung 14: Branchenportfolio der Industrie in Münster 22
Abbildung 15: Branchenportfolio der Land- und Ernährungswirtschaft in Münster* 26
Abbildung 16: Branchenportfolio der FuE-Dienstleistungen in Münster 28
Abbildung 17: Branchenportfolio der Finanz- und Versicherungswirtschaft in Münster 30
Abbildung 18: Branchenportfolio der Gesundheitswirtschaft in Münster 32
Abbildung 19: Die Münsteraner Kultur- und Kreativwirtschaft in Zahlen 36
Abbildung 20: Branchenportfolio Innenstadt, Handel und Tourismus in Münster 38
Abbildung 21: Branchenportfolio Wissenschaft in Münster* 40
Seite V
Abbildung 22: Strategische Leitlinien für den Wirtschaftsstandort Münster 2030+ 45
Abbildung 23: Strategische Leitlinien, Handlungsfelder und Stärkefelder im Überblick 48
Abbildung 24: Handlungsfeld Münster.Nachhaltige Infrastrukturen 51
Abbildung 25: Handlungsfeld Münster.Innovation 63
Abbildung 26: Handlungsfeld Münster.Zukunftsorte 73
Abbildung 27: Handlungsfeld Münster.Miteinander 81
Abbildung 28: Handlungsfeld Münster.Talente und Bildung 90
Abbildung 29: Handlungsfeld Münster.Dynamische Unternehmen 101
Abbildung 30: Handlungsfeld Münster.Lebensqualität 110
Abbildung 31: IFM – Integriertes Flächenkonzept Münster 119
Abbildung 32: Sicherung und Entwicklung strategischer Wirtschaftsstandorte 124
Abbildung 33: Sicherung und Entwicklung strategischer Wirtschaftsstandorte:
Stärkefeld Handel 126
Abbildung 34: Maßnahmentableau von Münster 2030+ (32 Maßnahmen) 127
Abbildung 35: Sechs Pfeiler in der Umsetzungsphase 128
Seite VI
Abkürzungsverzeichnis
AG Arbeitsgruppe
BIP Bruttoinlandsprodukt
BWS Bruttowertschöpfung
EU Europäische Union
FuE Forschung und Entwicklung
HWK Handwerkskammer
IFM Integrierte Flächenkonzept Münster
IKT Informations- und Kommunikationstechnologie
IHK Industrie- und Handelskammer
IPCC Intergovernmental Panel on Climate Change (Zwischenstaatlicher
Ausschuss für Klimaänderungen)
IT Informationstechnik
ISEK Integriertes Stadtentwicklungskonzept
KKW Kultur- und Kreativwirtschaft
KMU Kleine und mittlere Unternehmen
LQ Lokationsquotient
MONT Münster, Osnabrück, Netwerkstad Twente
NRW Nordrhein-Westfalen
SvB Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte
SWOT Strengths, Weaknesses, Opportunities, Threats (Stärken, Schwächen,
Chancen, Risiken)
UKM Universitätsklinikum Münster
Seite VII
Management Summary
Die Stadt Münster ist einer der führenden und wirtschaftlich aufstrebenden Standorte in
Nordrhein-Westfalen und Deutschland. Das zeigt sich immer wieder in verschiedenen
Untersuchungen: Im Zukunftsatlas 2022 nahm Münster den 19. Platz aller 400 deutschen Kreise
und kreisfreien Städte ein und verbesserte sich damit im Vergleich zu 2019 um sechs Plätze. Die
Studie identifiziert Münster als einen der fünf dynamischsten Wirtschaftsstandorte Deutschlands.
Mit einer starken wissenschaftlichen Prägung, einer insbesondere dienstleistungsorientierten
Wirtschaft sowie namhaften technologieintensiven Industriebetrieben verfügt Münster
bundesweit über Alleinstellungsmerkmale. Hinzu kommen ein starkes Handwerk und ein
ausgeprägter Groß- und Einzelhandel. Gleichzeitig ist die Stadt das Oberzentrum des
prosperierenden und mittelständisch geprägten Münsterlandes, mit dem enge Verflechtungen
bestehen. Diese Verflechtungen zeigen sich auf individueller Ebene: Münster und das
Münsterland sind beliebte Wohn- und Arbeitsstandorte und viele Menschen pendeln aus den
Münsterlandkreisen in die Stadt.
Mit dem Wachstum nehmen jedoch auch Herausforderungen zu: Steigende Bevölkerungs-,
Beschäftigungs- und Studierendenzahlen führen zu einem angespannten Wohnungsmarkt. Der
demografische Wandel, der Klimawandel, die digitale Transformation und eine sich ständig
wandelnde geo- und sicherheitspolitische Lage stellen die Stadt und die ansässigen
Unternehmen vor Herausforderungen.
Um sich im Wettbewerb der Standorte positionieren und die Kräfte bündeln zu können, braucht
der Wirtschaftsstandort Münster eine klare Entwicklungsstrategie. Hier setzt die Stadt Münster
mit der vorliegenden Standortentwicklungsstrategie 2030+ an. Sie identifiziert die maßgeblichen
Leitlinien und Handlungsfelder für die zukünftige Entwicklung des Wirtschafts- und
Wissenschaftsstandorts Münster. Mit ihrer Hilfe soll der gestartete dynamische Entwicklungspfad
auch im Angesicht der multiplen Transformationen weiter erfolgreich beschritten, die Vorteile der
digitalen Transformation genutzt und ein positiver Beitrag zur Klimaneutralität und zur
nachhaltigen Entwicklung geleistet werden.
Im Rahmen des dialogorientierten Strategieprozesses wurde eine Vielzahl von Stakeholdern aus
Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung, Politik und Stadtgesellschaft in 26
Schlüsselpersonengesprächen, vier Workshops, einer Vielzahl von Gremiensitzungen und einer
Standortkonferenz aktiv eingebunden. Diese qualitative Perspektive wurde durch eine
ausführliche quantitative Analyse der demografischen und ökonomischen Situation des Standorts
Münster ergänzt. Entstanden ist ein pointiertes Bild der Ausgangslage und der sektoralen
Stärkefelder des Wirtschaftsstandorts Münster. Auf dieser Grundlage wurde im Dialogprozess
eine Vision mit strategischen Leitlinien für den Wirtschaftsstandort Münster 2030+ abgeleitet.
Um die Entwicklung des Standorts entsprechend der Vision zu orientieren, wurden sieben
Handlungsfelder identifiziert, die mit insgesamt 32 Maßnahmen unterlegt wurden.
Seite VIII
Ausgangslage
Die Stadt Münster ist ein dynamischer und erfolgreicher Wirtschaftsstandort im Herzen Europas.
Demografisch profitiert die Stadt stark vom Status als Universitätsstadt. Dies zeigt sich in der
wachsenden Bevölkerung, die überdurchschnittlich hoch qualifiziert ist. Wirtschaftsstrukturell ist
Münster divers aufgestellt mit Schwerpunkten in den Bereichen Gesundheitswirtschaft,
Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT), Verwaltung, Handel, freiberufliche
Dienstleistungen sowie Finanzen und Versicherungen. Aus der Analyse der Ausgangslage
(Kapitel 2) wurden zentrale Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken für die zukünftige
Entwicklung des Wirtschaftsstandorts Münster abgeleitet:
■ Stärken: Münster zeichnet sich durch ein starkes Bevölkerungs- und
Beschäftigungswachstum, eine hohe Lebensqualität, eine starke Hochschullandschaft
und einen dynamischen Mittelstand aus.
■ Schwächen: Die Stadt hat einen negativen Wanderungssaldo bei 30- bis 50-Jährigen,
hohe Lebenshaltungskosten, einen Mangel an bezahlbarem Wohnraum, eine
abgeschmolzene Manövriermasse an Gewerbeflächen und eine belastete
Mobilitätsinfrastruktur.
■ Chancen: Münster hat das Potenzial, sich als "Klimastadt" zu entwickeln, die
Batterieforschung europaweit zu profilieren, die Vernetzung von Hochschulen und
Wirtschaft weiter zu intensivieren, das Gründungsökosystem weiterzuentwickeln, das
Potenzial der Gesundheitswirtschaft zu nutzen, die Allianzen mit der Wirtschaft zu stärken
und die Potenziale der regionalen/überregionalen Zusammenarbeit stärker zu nutzen.
■ Risiken: Der angespannte Wohnungsmarkt, fehlende gewerbliche Standortalternativen,
Fachkräftemangel und der Strukturwandel in der Finanz- und Versicherungsbranche
sowie im Einzelhandel könnten die wirtschaftliche Entwicklung beeinträchtigen.
Sektorale Stärkefelder
Für die weitere Entwicklung des Standorts ist die Identifikation von Stärkefeldern der Wirtschaft
elementar, da in diesen Bereichen die größten Potenziale zum Aufbau von Arbeitsplätzen und
einer Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit bestehen. Auch für die Sichtbarkeit der Münsteraner
Wirtschaft ergeben sich hieraus Vorteile. Durch die Bildung von Clustern sind Netzwerkeffekte
möglich. Sektorale Stärkefelder ergeben sich aus den Branchenschwerpunkten der Münsteraner
Wirtschaft. Die Wirtschaftsstruktur der Stadt Münster wird anhand eines Branchenportfolios
aufgezeigt, der die Lokalisation der Branchen unterteilt nach vier Sektoren beinhaltet.
Insgesamt können neun sektorale Stärkefelder identifiziert werden:
■ Handwerk
■ Industrie
■ Land- und Ernährungswirtschaft
■ FuE-Dienstleistungen
■ Finanzen und Versicherungen
■ Gesundheitswirtschaft
■ Kultur- und Kreativwirtschaft
■ Innenstadt, Handel und Tourismus
■ Wissenschaft
Die sektoralen Stärkefelder beinhalten dabei in der Regel weitere Wirtschaftsbereiche bzw.
Untergruppen. So werden beispielsweise Teile der Sozialwirtschaft bei der Gesundheitswirtschaft
Seite IX
berücksichtigt. Die Stärkefelder, ihre Bedeutung für Münster und die durch die
Transformationsdynamiken bestehenden Herausforderungen werden in Kapitel 2.3 ausführlich
beschrieben.
Vision und strategische Leitlinien
Die Transformationsherausforderungen in den Stärkefeldern erfordern Lösungen. Die Stadt
Münster hat die Notwendigkeit erkannt und ist bestrebt, die Stärken der Münsteraner Wirtschaft
zu nutzen und gleichzeitig auf die sich wandelnden Dynamiken der Zeit zu reagieren.
Die Vision Münster 2030+ für den Wirtschaftsstandort Münster stellt eine Zielorientierung für die
künftige Entwicklung dar. Sie soll die Akteurinnen und Akteure aus Stadtverwaltung, Wirtschaft,
Wirtschaftsvertretungen und Wissenschaft anregen und motivieren, gemeinsam den
Wirtschaftsstandort zu gestalten.
Vision Wirtschaftsstandort Münster 2030+
Münster nimmt eine führende Rolle als Innovationszentrum für nachhaltige
Wirtschaftsentwicklung und Lebensqualität ein legt dabei die Prinzipien der
Nachhaltigkeit (ökonomisch, ökologisch und sozial), des sozialen Ausgleichs und
Fortschritts sowie der der Klimaneutralität zugrunde.
Münster ist Vorreiter für eine nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit auf regionaler,
nationaler und internationaler Ebene.
Münster ist eine produktive Stadt und ein Wirtschaftsstandort des dynamischen
Mittelstandes. Ein Fokus liegt dabei auf Bereichen, die eine besondere Profilierung und
Kompetenzfeldentwicklung erlauben und die Transformationsprozesse unterstützen. Als
Instrument wird Kreislaufwirtschaft bzw. Circular Economy konsequent mitgedacht.
Münster fördert ein innovations- und mittelstandsfreundliches Wirtschaftsumfeld
unterstützt durch eine hervorragende Erreichbarkeit und ein nachfrageorientiertes
Flächenangebot sowie ein Ökosystem, das Innovation, Kreativität und
unternehmerisches Denken unterstützt.
Münster stärkt die Austauschprozesse von Wissenschaft und Wirtschaft zur
Entwicklung von zukunftsweisenden Technologien und Geschäftsmodellen.
Münster verstärkt die Zusammenarbeit mit dem Münsterland und ist gemeinsam mit
dem Münsterland ein Motor der deutsch-niederländischen Zusammenarbeit.
Münster steht für Lebensart und Lebensqualität. Alle notwendigen Einrichtungen des
täglichen Bedarfs sind in 15 Minuten bequem erreichbar (15 Minuten Stadt). Münster
ist geprägt von einer lebendigen Gemeinschaft, einer vielfältigen Kultur, einem
respektvollen Miteinander, einer Offenheit und Toleranz gegenüber allen Lebensstilen
und bietet ausreichenden Wohnraum für alle Beschäftigte aller Qualifikationsstufen.
Seite X
Die Vision wird durch die strategischen Leitlinien ergänzt, die übergeordnete Werte und
Prinzipien darstellen, die das wirtschaftliche Handeln der Akteurinnen und Akteure in der Stadt
Münster im Sinne einer gemeinwohlorientierten, innovativen und nachhaltigen Wirtschafts- und
Stadtentwicklung leiten sollen. Abbildung 1 fasst die strategischen Leitlinien zusammen, in
Kapitel 3 werden sie ausführlich vorgestellt.
Abbildung 1: Strategische Leitlinien für die Entwicklung des Wirtschaftsstandorts Münster 2030+
Abbildung Prognos AG, 2024
Handlungsfelder und Maßnahmen
Die strategischen Leitlinien werden anhand von sieben Handlungsfeldern mit einer
umsetzungsorientierten Ebene unterlegt. Die Handlungsfelder verbinden die sektoralen Stärken
der Münsteraner Wirtschaft und Wissenschaft mit den in der Analyse der Ausgangslage
identifizierten Wachstumspotenzialen. So können branchen- und akteursübergreifend neue
Entwicklungsimpulse gesetzt und die bestehenden Stärkefelder weiter ausgebaut werden.
Jedes Handlungsfeld adressiert einen Aspekt der wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt Münster
und setzt Ziele für die zukünftige Entwicklung. So finden sich Handlungsfelder für Infrastruktur,
Innovationen und Wissenstransfer, räumliche Entwicklung, Zusammenleben und Verwaltung,
Fachkräfte, Mittelstand und Gründungen sowie weiche Standortfaktoren. Abbildung 2 zeigt die
strategischen Handlungsfelder in Kombination mit den strategischen Leitlinien und sektoralen
Stärkefeldern.
Seite XI
Abbildung 2: Handlungsfelder, strategische Leitlinien und sektorale Stärkefelder im Überblick
Abbildung Prognos AG, 2024
Die Handlungsfelder enthalten insgesamt 32 Maßnahmen, mit denen der
Standortentwicklungsstrategie Münster 2030+ eine operationale Ebene hinzugefügt wird. Die
Maßnahmen dienen dazu, die strategischen Bemühungen der Stadt Münster in die Praxis zu
übersetzen und sollen den Wirtschaftsstandort, z. B. durch die Entwicklung zur Battery City, ins
nächste Jahrzehnt führen. Abbildung 3 zeigt das Maßnahmentableau der Strategie.
Abbildung 3: Maßnahmentableau der Standortentwicklungsstrategie Münster 2030+
Abbildung Prognos AG, 2024
Seite XII
In Kapitel 4 werden die die Handlungsfelder und Maßnahmen ausführlich vorgestellt.
Stadträumliche Perspektive
Wirtschaftliche Prozesse finden auf Flächen statt. Gerade in Städten bedeutet dies starke
Wechselwirkungen zwischen wirtschaftlicher Aktivität und anderen Aspekten des Lebens der
Bewohnerinnen und Bewohner sowie dem Ziel der ökologischen Tragfähigkeit. Hinzu kommt,
dass gerade in so beliebten Städten wie Münster eine zunehmende Konkurrenz um Flächen für
Landwirtschaft, Industrie, Gewerbe, Wohnen, Verkehr, erneuerbare Energien und weitere
Nutzungsformen existiert. Die Transformationsdynamiken wie Klimawandel, digitale
Transformation und demografischer Wandel stellen neue Anforderungen an Unternehmen, denen
diese nur mit Anpassungen ihrer Prozesse und Produkte gerecht werden können. Solche
Prozesse erfordern neben Investitionen auch Fläche. Um diesen Flächenbedarf zu moderieren,
die Transformation und das Wachstum der Unternehmen in Münster zu unterstützen und
gleichzeitig mit den anderen stadtentwicklungspolitischen Zielen in Einklang zu bringen, definiert
das Standortentwicklungskonzept unter Berücksichtigung des Integrierten
Flächenentwicklungskonzepts (IFM) der Stadt Münster Grundsätze für die stadträumliche
Entwicklung:
■ Nachverdichtung und Revitalisierung (Ökologische Transformation der Bestände)
■ Nachfrageorientierte und gezielte Flächenentwicklung
■ Unterstützung der sozial-ökologischen Transformation der Wirtschaft
■ Urbane Quartiere mit Nutzungsdurchmischung
■ Ko-produktive und partizipative stadträumliche Entwicklung
■ Mobilität als verbindendes Element der Stadträume
Die Sicherung und weitere Entwicklung strategisch wichtiger Flächen erfolgt entlang der bereits
bestehenden räumlichen Schwerpunkte der Stärkefelder der Münsteraner Wirtschaft (vgl.
Kapitel 5.2).
Wege der Umsetzung
Um die Standortentwicklungsstrategie Münster 2030+ erfolgreich umzusetzen werden sechs
Erfolgskriterien definiert:
1. Hervorhebung besonders strahlkräftiger Projekte
2. Governance-Struktur
3. Gleichstellung
4. Standortentwicklung als Gemeinschaftsaufgabe
5. Kommunikationsstrategie und Standortmarketing
6. Strategiereview und prozessbegleitendes Controlling
Münster 2030+ | Anlass und Entstehungsprozess
Seite 1
1 Münster 2030+ | Anlass und Entstehungsprozess
Die Stadt Münster ist einer der führenden und wirtschaftlich aufstrebenden Standorte in
Nordrhein-Westfalen und Deutschland. Das zeigt sich immer wieder in verschiedenen
Untersuchungen: Im Zukunftsatlas 2022 nahm Münster den 19. Platz aller 400 deutschen Kreise
und kreisfreien Städte ein und verbesserte sich damit im Vergleich zu 2019 um sechs Plätze. Die
Studie identifiziert Münster als einen der fünf dynamischsten Wirtschaftsstandorte
Deutschlands.
1 Mit einer starken wissenschaftlichen Prägung, einer insbesondere
dienstleistungsorientierten Wirtschaft sowie namhaften technologieintensiven Industriebetrieben
verfügt Münster bundesweit über Alleinstellungsmerkmale. Hinzukommen ein starkes Handwerk
und ein ausgeprägter Groß- und Einzelhandel. Gleichzeitig ist die Stadt das Oberzentrum des
prosperierenden und mittelständisch geprägten Münsterlandes, mit dem enge Verflechtungen
bestehen. Diese Verflechtungen zeigen sich auf individueller Ebene: Münster und das
Münsterland sind beliebte Wohn- und Arbeitsstandorte und viele Menschen pendeln aus den
Münsterlandkreisen in die Stadt. Die Positionierung im Zukunftsatlas 2022 bestätigt die
Attraktivität des Münsterlandes. Nicht nur die Stadt Münster stieg auf, auch Borken und
Warendorf haben sich um mehr als 50 Plätze auf Rang 132 bzw. 139 verbessert. Steinfurt um
knapp 30 Plätze auf Rang 116 und auch Coesfeld um 13 Plätze auf Rang 152. Auf institutioneller
Ebene wird Zusammenarbeit gelebt. Mit Münsterland e.V. besteht eine der stärksten
Regionalmanagement-Organisationen in Deutschland, die Wirtschaft, Arbeit, Tourismus und
Kultur fördert. Durch die grenznahe Lage kann Münster zudem auf historisch gewachsene
Beziehungen in der EUREGIO mit den niederländischen Nachbarregionen aufbauen, die ihrerseits
ebenfalls wichtige Industrie- und Wissenschaftszentren der Niederlande darstellen. Seit 25
Jahren arbeiten zudem Münster, Osnabrück und die Netwerkstad Twente (Enschede, Hengelo,
Almelo, Borne) im oberzentralen Städtenetzwerk MONT in der EUREGIO eng zusammen.
Mit dem Wachstum nehmen jedoch auch Herausforderungen zu: Steigende Bevölkerungs-,
Beschäftigungs- und Studierendenzahlen führen zu einem angespannten Wohnungsmarkt, der in
Kombination mit dem demografischen Wandel zu großen Herausforderungen für die nachhaltige
Gewinnung von Arbeitskräften werden kann. Die digitale Transformation führt zu tiefgreifenden
Veränderungen von Geschäftsmodellen und massiven Veränderungen in ganzen
Wirtschaftszweigen, so auch in der für Münster bedeutenden Finanz- und
Versicherungswirtschaft. Der Klimawandel erfordert größte Anstrengungen in allen Bereichen des
Wirtschaftslebens, um Emissionen zu reduzieren und neue grüne Technologien zu entwickeln. Mit
dem Ziel „Klimaneutralität 2030“ hat sich Münster hier einen besonders ambitionierten Zeitplan
gesteckt. Neben dem Klimawandel machen auch geopolitische Entwicklungen Veränderungen
in Wirtschaftsregionen unabdingbar. Unabhängige und erneuerbare Energieversorgung, die
Reduktion der Abhängigkeit von großen Exportkunden und die Sicherung der Entwicklung und
Herstellung zentraler Zukunftstechnologien in Deutschland: Die geo- und sicherheitspolitischen
Veränderungen sind auch in Münster zu spüren.
In der Situation der multiplen Krisen und Transformationen gilt es nicht nur das kurzfristig
Notwendige zu tun, sondern auch die Weichen für den Erfolg der Zukunft zu stellen. Die
zukünftige Entwicklung wird durch einen zunehmenden Wettbewerb zwischen
Wirtschaftsstandorten und einer abnehmenden Bedeutung von Distanz geprägt. Für Regionen
1 Prognos AG, 2022
Münster 2030+ | Anlass und Entstehungsprozess
Seite 2
und Städte besteht die Notwendigkeit, sich auf dem nationalen sowie globalen Markt der
Standorte mit einer klaren Positionierung und einem unverwechselbaren Profil zu präsentieren.
Das zwingt Standorte und Unternehmen zu einer Konzentration auf die wirklichen Stärken.
Wettbewerbsvorteile in der Wissensgesellschaft erreichen künftig die Standorte, die es schaffen,
die richtigen Köpfe für die richtigen Aufgaben und damit auch Kompetenzen zu binden,
anzusprechen und deren Arbeitsumfeld möglichst optimal zu gestalten. An diesem Punkt
kommen wesentlich die Lebensqualität und das Image einer Stadt ins Spiel. Diese sind keine
Randgrößen mehr, sondern entscheiden im Wettbewerb um Kompetenzen und Köpfe; im
Umkehrschluss somit auch im regionalen Standortwettbewerb. In der global vernetzten
Gesellschaft entwickeln sich immer wieder neue Spielregeln, die Wettbewerbsdynamik verschiebt
Investitionen und Talente an die jeweils attraktivsten Standorte. Es sind Antworten auf folgende
Fragen gesucht: Wie und wo arbeiten wir morgen? Wie verändert sich der Arbeits- und
Wirtschaftsstandort Münster unter den Bedingungen der multiplen Krisen und der doppelten
Transformation aus Digitalisierung und Klimawandel und wie kann der nachhaltige Erfolg im
Umgang mit den Transformationsprozessen sichergestellt werden? Was brauchen die
Unternehmen und wie können sie gezielt unterstützt werden? Wo entstehen Kreativität und
Innovation – und welche stadträumlichen Bedingungen müssen dafür geschaffen werden?
Um sich im Wettbewerb der Standorte positionieren und die Kräfte bündeln zu können, braucht
der Wirtschaftsstandort Münster eine klare Entwicklungsstrategie. Hier setzt die Stadt Münster
mit der vorliegenden Standortentwicklungsstrategie 2030+ an. Sie identifiziert die maßgeblichen
Leitlinien und Handlungsfelder für die zukünftige Entwicklung des Wirtschafts- und
Wissenschaftsstandorts Münster. Mit ihrer Hilfe soll der beschrittene dynamische
Entwicklungspfad auch im Angesicht der multiplen Transformationen weiter erfolgreich
beschritten, die Vorteile der digitalen Transformation genutzt und ein positiver Beitrag zur
Klimaneutralität und zur nachhaltigen Entwicklung geleistet werden.
Die Stadt Münster, unter der Federführung des Stadtplanungsamtes, hat die
Standortentwicklungsstrategie 2030+ in enger Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsförderung
Münster GmbH, Münster Marketing und im Dialog mit Partnerinnen und Partnern aus der
Wirtschaft, Arbeitnehmervertretern, der Wissenschaft und Politik und mit Hilfe des
Wirtschaftsforschungs- und Beratungsunternehmens Prognos AG entwickelt. Am Austausch
waren unter anderem die IHK Nord Westfalen, die HWK Münster, die Kreishandwerkerschaft
Münster, der DGB Region Münsterland, die Universität Münster, die FH Münster, die
Industriegemeinschaft Münster, die Initiative Starke Innenstadt, die Ratsfraktionen sowie eine
Vielzahl weiterer Akteurinnen und Akteure und Netzwerke beteiligt. Die Studie setzt auf die
erfolgreichen Vorerfahrungen aus den Projekten MünsterZukünfte 20|30|502,
Nachhaltigkeitsstrategie Münster 20303 uvm. auf. Insbesondere wird mit der kooperativen und
dialogorientierten Erarbeitung der Standortentwicklungsstrategie 2030+ ein wichtiges Ergebnis
der MünsterZukünfte aus dem Leitthema „Facetten ökonomischer Stärke“ umgesetzt.
2 Stadt Münster (2021a)
3 Stadt Münster (2018a)
Münster 2030+ | Anlass und Entstehungsprozess
Seite 3
Vorstudien
Die Standortentwicklungsstrategie 2030+ ist mit einer Reihe von Vorstudien verknüpft und
ergänzt diese um einen fokussierten Blick auf die Münsteraner Wirtschaft. Auf Basis der
Ergebnisse des Modellprojektes „Global Nachhaltige Kommune“ bzw. der
Nachhaltigkeitsstrategie 2030 und den Ratsbeschlüssen zur klimagerechten Entwicklung
(Klimaneutralität 2030)4 wurde mit dem Beschluss der „MünsterZukünfte 20|30|50 –
strategisch Zukunft gestalten, kurzfristig handeln“ eine Verständigung über zentrale
Zukunftsfaktoren, über Entwicklungsziele, über strategische Leitthemen und einen gemeinsam
getragenen inhaltlich-räumlichen Rahmen erreicht.
Auf der Grundlage einer Szenarioanalyse Münster 2030/20505 und von umfangreichen
Beteiligungsprozessen liegt mit „MünsterZukünfte 20|30|50“ ein Kompass für die
Zukunftsgestaltung vor, der auf den Ergebnissen des Modellprojektes „Global Nachhaltige
Kommune“ aufbaut und die „Nachhaltigkeitsstrategie 2030“ insbesondere in räumlicher Sicht
unterstützt. Das Integrierte Stadtentwicklungskonzept Münster 2030 (ISEK 2030) als Teil der
„MünsterZukünfte 20|30|50“ liefert einen räumlichen Orientierungsrahmen, benennt zehn
Leitthemen für gemeinschaftliches, integriertes Handeln und bietet die Grundlagen zur
Einwerbung von Fördermitteln6.
Bereits die Szenarioanalyse Münster 2030/2050 gibt grundsätzliche Hinweise zur
Standortentwicklung. Hier wurde herausgearbeitet, dass drei Faktorenkomplexe denkbare
Entwicklungspfade für Münster bestimmen. Hierbei handelt es sich um die Werte der
Stadtgesellschaft, die Hochschulen bzw. Wissenschaft und die Wirtschaft. Das Szenario „Wert-
volles Münster“ (im Sinne von wertebasiertes Münster) wird dabei durch die besonderen
Münster-Werte (starker Zusammenhalt, hohes zivilgesellschaftliches Engagement), eine
dynamische Wirtschaft und von großen, exzellenten Hochschulen mit gutem Ruf charakterisiert.
Im Rahmen der Erarbeitung des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes Münster 2030 (ISEK
2030) wurde aus den Schlüsselpersonengesprächen, einer Aufarbeitung der vorliegenden
Konzepte und Programme, der Bürgerinnen- und Bürgerumfrage 2018
7 und unter Rückgriff auf
die Ergebnisse der Szenarioanalyse das ISEK-Leitthema8 „Facetten ökonomischer Stärke –
Impulse für die wirtschaftliche Entwicklung“ abgeleitet. Die Befunde zu diesem Thema haben
einen klaren konzeptionell-strategischen sowie auch kommunikativen Handlungsbedarf
verdeutlicht, auf den die nun vorliegende Standortentwicklungsstrategie 2030+ Antworten findet.
Mit der Standortentwicklungsstrategie 2030+ soll die Sichtbarkeit der Wirtschaft erhöht
werden, da der Bereich Wirtschaft in bisherigen Strategieprozessen nicht in angemessenem
Maße als stadtstrategisches Ziel behandelt worden ist.
4 Stadt Münster (2024)
5 Stadt Münster (2021b)
6 Stadt Münster (2021c)
7 Stadt Münster (2018b)
8 Stadt Münster (2021b)
Münster 2030+ | Anlass und Entstehungsprozess
Seite 4
Strategieprozess und Dialogformate
Der dialogorientierte Strategieprozess erstreckte sich über das Jahr 2023. In einer ersten
Analysephase sind Bestandsstrategien analysiert sowie regionalstatistische sozio-ökonomische
Indikatoren ausgewertet und zu einer themenübergreifenden Regionalanalyse zusammengefügt
worden. Dieser quantitative Blick auf den Wirtschaftsstandort Münster ist um qualitative
Erkenntnisse aus insgesamt 26 Schlüsselpersonengesprächen mit Vertreterinnen und
Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaft, Verwaltung und Politik ergänzt worden. So
konnte bereits in der Anfangsphase der Strategieentwicklung die Einbindung der Münsteraner
Akteurs- und Akteurinnenlandschaft gewährleistet werden. Die Ergebnisse der beiden
Arbeitsschritte sind in einer SWOT-Analyse zusammengeführt, die einen umfassenden Blick auf
den Status-Quo und zukünftige Potenziale und Herausforderungen des Wirtschaftsstandort
Münster ermöglicht.
Abbildung 4: Ablauf des Strategieprozesses
Abbildung Prognos AG, 2024
Die Erkenntnisse der Analysephase bildeten die Grundlage für die weitergehende Bearbeitung der
ausgewählten Themenfelder Handwerk, Gesundheitswirtschaft, Industrie sowie Finanzen und
Versicherungen in der Vertiefungsphase. In vier themenspezifischen Workshops sind die
Erkenntnisse der Analysephase mit Vertreterinnen und -vertretern dieser Branchen sowie
Verwaltung, Wirtschaftsförderung und Wissenschaft diskutiert und gemeinsame Zielbilder und
Handlungsansätze entwickelt worden. Aufbauend auf den vorherigen Schritten sind Vision und
strategische Leitlinien entwickelt worden. In Zusammenarbeit relevanter Akteurinnen und
Akteure sind die Ergebnisse zusammengefasst, diskutiert und reflektiert worden. Die
Zwischenergebnisse der einzelnen Arbeitsschritte sind darüber hinaus fortlaufend mit einem
interfraktionellen Arbeitskreis "Standortentwicklungsstrategie für den Wirtschaftsstandort
Münster 2030+" und der Arbeitsgruppe (AG) Wirtschaft des Beirat Münster Marketing
abgestimmt worden.
Münster 2030+ | Anlass und Entstehungsprozess
Seite 5
Für andere relevante Themenfelder wie Innenstadt, Tourismuswirtschaft und Land- und
Ernährungswirtschaft lagen bereits weitergehende Informationen vor. Ebenso für den Wissens-
und Technologietransfer und das vorhandene „Gründungsökosystem“. Das Thema Kultur- und
Kreativwirtschaft verlangt eine grundsätzliche Aufarbeitung, die nicht einem Vertiefungsworkshop
zu leisten ist.
Gliederung der Strategie
Die Standortentwicklungsstrategie 2030+ gliedert sich wie folgt. Auf Grundlage der Erkenntnisse
der Analysephase werden in Kapitel 2 die Ausgangslage des Wirtschaftsstandorts Münster im
Jahr 2023 beschrieben, wesentliche sektoralen Stärkefelder identifiziert und die auf den Standort
einwirkenden Transformationsdynamiken skizziert. In Kapitel 3 werden aufbauend auf der
Ausgangslage und den übergeordneten Zielstellungen aus Vorstudien eine Vision und
grundsätzliche strategische Leitorientierungen für die Entwicklung des Wirtschaftsstandorts
Münster bis 2030 formuliert. In Kapitel 4 werden sechs zentrale strategische Handlungsfelder
zur zukunftsorientierten Entwicklung des Wirtschaftsstandorts identifiziert sowie mit konkreten
Zielen und Projekten/Maßnahmen unterlegt. Darauf aufbauend nimmt Kapitel 5 die räumliche
Perspektive ein und beschreibt die räumlichen Auswirkungen und Anforderungen, die mit der
Entwicklung des Wirtschaftsstandorts Münster 2030+ einhergehen. Kapitel 6 greift die
Maßnahmenvorschläge und räumlichen Anforderungen auf und beschreibt wichtige Pfeiler zur
Umsetzung der Strategie.
2BMünster 2030+ | Ausgangslage am Wirtschaftsstandort
Seite 6
2 Münster 2030+ | Ausgangslage am Wirtschaftsstandort
Die Beschreibung der Ausgangslage am Wirtschaftsstandort Münster erfolgt in drei Schritten.
Zunächst werden die Standortbedingungen kompakt dargestellt. In dieser prägnanten
Standortanalyse werden zentrale Kennzahlen der letzten Jahre behandelt und im Vergleich zu
bundes- und landesweiten Entwicklungen eingeordnet (Kapitel 2.1).
In einem zweiten Schritt wird ein Bezug zu den großen Transformationsprozessen und
Herausforderungen, vor denen Städte und Regionen stehen, hergestellt. Übergeordnete
Megatrends und Entwicklungen werden identifiziert und in Bezug zu aktuellen Debatten und
Diskussionen aus Münster gesetzt (Kapitel 2.2). Damit wird ein Überblick zu den vielfältigen
Transformationsdynamiken gegeben, vor denen der Wirtschaftsstandort Münster bereits aktuell
steht und die in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen werden.
Ein dritter und letzter Schritt umfasst die Beschreibung zentraler Stärkefelder der Münsteraner
Wirtschaft. Es werden die aktuelle Lage im jeweiligen Stärkefeld sowie die direkten Auswirkungen
der übergreifenden Transformationen auf das jeweilige Stärkefeld beleuchtet (Kapitel 2.3). Die
Analyse bezieht sich auf folgende Bereiche: Handwerk, Industrie, Finanzen und Versicherungen,
Gesundheitswirtschaft, Kultur- und Kreativwirtschaft, Land- und Ernährungswirtschaft,
Forschungs- und Entwicklungsdienstleistungen (FuE-Dienstleistungen), Innenstadt, Handel und
Tourismus sowie Wissenschaft.
Durch die Analyse der Ausgangslage werden die Alleinstellungsmerkmale des
Wirtschaftsstandorts Münster herausgearbeitet und übersichtlich dargestellt.
2.1 Kompakte Beschreibung der Ausgangslage
Im Laufe des Prozesses sind im Rahmen einer umfassenden sozioökonomischen
Standortbestimmung mehr als 20 Indikatoren aus den Themenbereichen Demografie,
Arbeitsmarkt und Bildung sowie Wirtschaft und Innovation ausgewertet worden. Die Indikatoren
werden für die Stadt Münster, Nordrhein-Westfalen und Deutschland dargestellt. Soweit
verfügbar erfolgt zudem eine Darstellung der aggregierten Werte des Münsterlandes (Kreise
Borken, Steinfurt, Warendorf und Coesfeld). Um die Entwicklung der Stadt Münster in das
Verhältnis zu anderen, ähnlich strukturierten, deutschen Städten zu setzen, werden zudem die
Städte Karlsruhe, Jena und Heidelberg als Benchmarks gewählt.9 Im Folgenden werden nur die
wichtigsten Erkenntnisse der sozioökonomischen Standortbestimmung beschrieben.
Weitergehende Informationen zu analysierten Daten, geführten Interviews und ausgewerteten
Studien10 dokumentiert ein chartbasierter Zwischenbericht, der zum Ende der Analysephase
vorgelegt wurde.
9 Die Vergleichsstandorte wurden mittels einer Clusteranalyse auf Basis der Ergebnisse des Prognos Zukunftsatlas 2022 identifiziert.
Dabei handelt es sich um ein statistisches Verfahren, bei welchem die Regionen des Zukunftsatlas in verschiedene Gruppen unterteilt
werden. Aus der entstandenen Gruppierung sind Städte mit der gleichen Klassifizierung wie Münster (sehr hohe Chancen) ausgewählt
worden.
10 Ausgewertet wurden u.a. münsterspezifische Studien (bspw. Gewerbeflächenkonzept, Handlungsprogramm Demographischer
Wandel oder Masterplan Klimaschutz - Stadt Münster 2016, 2008 und 2020), themenbezogene Studien (bspw. BBSR 2020, i-vector
Innovationsmanagement GmbH 2023) sowie strategische Konzepte anderer Städte (bspw. Stadt Ulm 2021 oder Stadt Köln 2020).
2BMünster 2030+ | Ausgangslage am Wirtschaftsstandort
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Demografische Ausgangssituation
Die Stadt Münster ist in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich stark gewachsen. Im Jahr
2021 lebten in Münster knapp 318 Tsd. Menschen. Das sind 7,1 Prozent mehr als noch im Jahr
2012. Damit ist Münster eine der am stärksten wachsenden Städte in Deutschland. Im
Betrachtungszeitraum erreicht keine der Vergleichsstädte ein ähnliches Wachstum (vgl.
Abbildung 5). Dabei ist die Zahl der Männer stärker gestiegen als die der Frauen. Diese
Entwicklung entspricht der in anderen Vergleichsräumen. Das starke Wachstum der Stadt strahlt
auch auf das Münsterland aus. Die vier Kreise Coesfeld, Warendorf, Borken und Steinfurt
wuchsen im gleichen Zeitraum zusammen um 2,9 Prozent.
Das Wachstum hängt unter anderem damit zusammen, dass die Stadt ein attraktiver Studienort
ist. So besteht ein regelmäßiger Zuzug junger Menschen, der auch während der Coronapandemie
11 Datengrundlage: DESTATIS Regionaldatenbank (2023): Fortschreibung des Bevölkerungsstandes. Zwar wurde mit dem Zensus
2022 eine amtliche Bevölkerungszahl (Hauptwohnsitzbevölkerung) von 303.772 Ew. ermittelt und damit die bisher fortgeschriebene
amtliche Bevölkerungszahl um 15.118 EW. reduziert. Auch unter Berücksichtigung der neuen Zensuszahlen ist die Bevölkerung in
Münster zwischen dem Zensus 2011 und dem Zensus 2022 um ca. 1.300 Personen per Jahr gewachsen (+ 4,9 %). Aktuelle
Bevölkerungsprognosen gehen von einem ähnlichen Bevölkerungswachstum bis 2033 aus.
Ausgangslage am Wirtschaftsstandort Münster auf einen Blick:
■ Das Bevölkerungswachstum ist bis heute sehr dynamisch: Zwischen 2012 und
2021 wuchs die Stadt um über 21.000 Menschen auf 318.000
Einwohnerinnen und Einwohner (+7,1 Prozent).11
■ Starke Bevölkerungsbewegungen: Seit 2012 haben fast 199 Tsd. Bürgerinnen
und Bürger die Stadt verlassen, mehr als 217 Tsd. Personen sind seitdem
zugezogen.
■ Die jüngeren Bevölkerungsgruppen (bis 25 Jahre) wiesen in den letzten 10
Jahren einen positiven Gesamtwanderungssaldo auf, während alle anderen
Bevölkerungsgruppen einen negativen Wanderungssaldo aufwiesen.
■ Zwischen 2012 und 2021 hat sich die Zahl der Erwerbstätigen in Münster auf
knapp 240 Tsd. Menschen erhöht (+32 Tsd.). Der Zuwachs (+16 Prozent) verlief
deutlich stärker als in Nordrhein-Westfalen (NRW) und Deutschland (jeweils +8
Prozent).
■ Die Pendlerbewegungen belegen die Bedeutung Münsters als regionales
Arbeitsmarktzentrum. Knapp 90 Tsd. Menschen pendeln täglich in die Stadt ein.
Nur 33 Tsd. Menschen pendeln aus.
■ Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zu Marktpreisen lag in Münster im Jahr 2021
bei 78.600 € je Erwerbstätigen. Es liegt damit unter dem Durchschnitt von
Deutschland (80.100 €) und über dem Durchschnitt in NRW (77.400 €).
■ Bei vielen Innovationskennzahlen (Gründungen, FuE-Personal und Patente) liegt
Münster zwar über dem Bundes- und Landesschnitt, allerdings unter dem Wert
in den Vergleichsstädten (Karlsruhe, Jena, Heidelberg).
■ In Münster arbeiteten im Jahr 2021 knapp 10 Prozent aller SV-Beschäftigten in
Berufen, die die Digitalisierung vorantreiben oder umsetzen (Deutschland: 8,4
Prozent und NRW: 7,6 Prozent).
2BMünster 2030+ | Ausgangslage am Wirtschaftsstandort
Seite 8
nur leicht zurückging. Gleichzeitig besteht ein negativer Wanderungssaldo bei den über 30-
Jährigen. Es besteht folglich noch Potenzial, die nach Münster ziehenden jungen Menschen auch
langfristig an die Stadt zu binden. Darüber hinaus ist das Wanderungssaldo in den vergangenen
fünf Jahren deutlich weniger positiv als noch vor dem Jahr 2015. Ein Erklärungsansatz kann in
der zunehmend angespannten Lage auf dem Wohnungsmarkt liegen, was sich in fehlendem
Wohnraum für junge Familien (insb. Gruppe ab 30 Jahren) zeigt.
Abbildung 5: Entwicklung der Bevölkerung 2012 bis 2021
Entwicklung der Bevölkerung am Hauptwohnsitz (zwischen 2012 und 2021)
Quelle Eigene Berechnung und Darstellung Prognos auf Basis der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder 2023
Mit Blick auf die Altersstruktur wird deutlich, dass Münster durch den vergleichsweise hohen
Anteil an 18 bis 30-Jährigen ein überdurchschnittlich hohes Erwerbspersonenpotenzial hat
(Abbildung 6). Der Anteil der 15 bis 65-Jährigen lag 2022 bei 70 Prozent und ging seit 2013 nur
um einen Prozentpunkt zurück. Gleichzeitig verdeutlicht die Abbildung auch die
Herausforderungen für die kommenden Jahre: 19 Prozent der Bevölkerung sind zwischen 50 und
65 Jahren und stehen damit dem Arbeitsmarkt kurz bis mittelfristig nicht mehr zur Verfügung.
Diese Tendenz zeigt sich bei Betrachtung des Jugend- und Altenquotient schon jetzt. Der
Altenquotient steigt seit 2015 kontinuierlich, während der Jugendquotient zurückgeht. Dadurch
steigt einerseits die Belastung der „mittleren Generation“, andererseits ergeben sich neue
Anforderungen an die städtische Infrastruktur und Versorgung, die auch mit Blick auf eine stark
alternde Bevölkerung gestaltet werden muss. Der Aspekt des demografischen Wandels ist damit
nicht auf ländliche Regionen beschränkt, sondern gilt genauso für die Stadt Münster.
12
12 Die Analyse fand vor Veröffentlichung der Ergebnisse des Zensus 2022 im Spätsommer 2024 statt. Dementsprechend weichen die
hier gezeigten Zahlen von den Zensusergebnissen ab. Ein Vergleich mit den Zensusergebnissen zeigt jedoch, dass die Relationen
zwischen den Altersgruppen sich nicht signifikant verändert haben, die Befunde also weiterhin Bestand haben.
2BMünster 2030+ | Ausgangslage am Wirtschaftsstandort
Seite 9
Abbildung 6: Altersstruktur und Erwerbsfähigenanteil
Bevölkerungsanteil der 15 bis 65-Jährigen
Quelle Eigene Berechnung und Darstellung Prognos auf Basis der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder 2023
Ausgangssituation im Bereich Arbeitsmarkt und Bildung
Die Zahl der Erwerbstätigen ist in den letzten Jahren konsequent gestiegen. Auch die Corona-
Pandemie sorgte nicht für einen merklichen Einbruch. In den letzten zehn Jahren stieg am
Standort Münster die Zahl der Erwerbstätigen um 16 Prozent auf knapp 240 Tsd. In Deutschland
und NRW war das Wachstum im Betrachtungszeitraum gerade halb so stark. Auch
Vergleichsstädte wie Heidelberg, Jena oder Karlsruhe erreichten in den letzten zehn Jahren kein
höheres Beschäftigungswachstum als Münster.
Gleichzeitig ist die Arbeitslosenquote rückläufig. Sie hat allerdings auch im Jahr 2022 noch nicht
das Vor-Pandemie Niveau aus dem Jahr 2019 erreicht. Frauen sind mit 4,0 Prozent in Münster
deutlich weniger von Arbeitslosigkeit betroffen als Männer (4,8 Prozent). Im bundes- und
landesweiten Durchschnitt sind diese Unterschiede geringer. Dennoch weist Münster sowohl bei
den Männern als auch den Frauen unterdurchschnittliche Arbeitslosenquoten auf.
Mit Blick auf die Art der Beschäftigungsverhältnisse zeigt sich, dass Münster einen relativ hohen
Anteil an geringfügig Beschäftigten hat, der insbesondere im Vergleich mit anderen
Universitätsstandorten wie Jena, Heidelberg oder Karlsruhe deutlich wird.
13 Insgesamt sind mehr
Frauen als Männer geringfügig beschäftigt, diese Tendenz ist in Münster allerdings geringer
ausgeprägt als im Bundesdurchschnitt.
Das Bildungsniveau in der Stadt Münster ist im Bundesvergleich hoch, ein Viertel der
Beschäftigten hat einen akademischen Abschluss (vgl. Abbildung 7). Im Vergleich zu anderen
Universitätsstädten ist dieser Wert allerdings noch eher niedrig. Gleichzeitig zeigt sich auch, dass
der Anteil der Beschäftigten mit Berufsabschluss geringer ist als im Bundesschnitt. Bei der
13 In Münster machte 2021 die geringfügige Beschäftigung knapp 23 % der SVB aus (Jena: 14 %; Heidelberg: 20 %, Karlsruhe: 17 %).
2BMünster 2030+ | Ausgangslage am Wirtschaftsstandort
Seite 10
Differenzierung nach Geschlecht wird erkennbar, dass Frauen in Münster tendenziell etwas
besser ausgebildet sind. Der Anteil der Frauen mit Berufs- oder akademischem Abschluss ist
höher als derjenige der Männer. Bei Betrachtung der ausländischen Beschäftigten fällt auf, dass
ein vergleichsweise hoher Anteil mit akademischem Abschluss in der Stadt beschäftigt ist. Fast
ein Drittel der ausländischen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (SvB) hat allerdings
keinen Berufsabschluss.
Münster ist eine Einpendlerinnen- und Einpendlerstadt: Knapp 90.000
sozialversicherungspflichtig Beschäftigte pendeln in die Stadt, 33.000 hinaus. Die engsten
Verflechtungen bestehen dabei mit dem Münsterland und den Städten des nördlichen
Ruhrgebiets.
Abbildung 7: Qualifikationsstruktur der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (SvB) 2021
Unterteilt nach Art des Abschlusses (Stand: Juni 2021)
Quelle Eigene Berechnung und Darstellung Prognos auf Basis der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder 2023
2BMünster 2030+ | Ausgangslage am Wirtschaftsstandort
Seite 11
Ausgangssituation im Bereich Wirtschaft und Innovation
Münster hat klare Beschäftigungsschwerpunkte in den Bereichen Gesundheitswirtschaft,
Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT), Verwaltung, Handel, freiberufliche
Dienstleistungen sowie Finanzen und Versicherungen. In letzterem Bereich und in der
Chemiebranche zeigen sich auch starke Spezialisierungen im deutschlandweiten Vergleich.
Gleichzeitig wachsen diese beiden Branchen zwar, jedoch nicht in dem Ausmaß wie die
vorgenannten. Rückgängig zeigt sich die Beschäftigung u.a. im Maschinenbau und der
Landwirtschaft. Mehr Informationen dazu folgen in Kapitel 2.3.
Die starke Fokussierung auf Dienstleistungen zeigt sich auch mit Blick auf die
Bruttowertschöpfung (BWS). In der Industrie findet sich häufig ein höheres BIP je Erwerbstätigen,
da es sich um eine besonders kapital- und technologieintensive Branche handelt. Über 80
Prozent der BWS entstand in Münster im Jahr 2020 im Dienstleistungssektor. Das
Bruttoinlandsprodukt (BIP) je Erwerbstätigen lag in Münster 2021 mit 78.600 Euro etwas unter
dem deutschen Durchschnitt von 80.100 Euro. Die Wachstumsrate des BIP je Erwerbstätigen
zeigte von 2012 bis 2021 eine deutlich geringere Wachstumsrate im Vergleich zu Bund und Land
sowie anderen Städten. Münster weist somit eine gute wirtschaftliche Ausgangssituation vor, die
Entwicklung gestaltet sich allerdings weit weniger dynamisch als in anderen Städten (Abbildung
8).
Abbildung 8: Entwicklung Beschäftigung und BIP / BWS in Münster
Entwicklung zwischen 2012 und 2021. Vertikale Achse links: Millionen Euro, vertikale Achse rechts: Tausende.
Eigene Berechnung und Darstellung Prognos auf Basis der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder 2023
Bei weiteren innovationsbezogenen Kennzahlen steht Münster im Vergleich zu Bund und Land
ebenfalls gut da. Allerdings zeigt sich ein gewisser Abstand zu den Vergleichsstädten Heidelberg,
Jena und Karlsruhe. Dies wird bspw. bei den sogenannten Digitalen Impulsgebern deutlich, die
durch ihre Qualifikation Digitalisierung vorantreiben bzw. umsetzen (Definition und Verteilung in
Abbildung 10). Die Patentintensität ist in Münster ebenfalls geringer als in den Vergleichsstädten.
2BMünster 2030+ | Ausgangslage am Wirtschaftsstandort
Seite 12
Gründe dafür können vor allem im Dienstleistungsschwerpunkt der Münsteraner Wirtschaft sowie
der eher untergeordneten Rolle der Ingenieurswissenschaften an den Hochschulen liegen. Der
Anteil an FuE-Personal liegt in Münster (0,5 Prozent) ebenfalls unter dem Durchschnitt in
Deutschland (1,4 Prozent) sowie den drei Vergleichsstädten. Bei den Unternehmensgründungen
zeigt sich ein differenzierteres Bild. Während die Gründungsintensität über alle Branchen
gesehen eher im Bundesschnitt liegt, ist sie in den Bereichen High-Tech und Informationstechnik
(IT) überdurchschnittlich hoch. Allerdings bestehen auch hier Aufschlusspotenziale zu anderen
Universitätsstädten wie Karlsruhe oder Heidelberg.
Bei den Emissionen der Wirtschaft zeigt sich zunächst, dass die CO2-Emissionen pro Kopf in
Münster bereits deutlich unter dem Bundes- und Landesschnitt liegen, aber in den letzten Jahren
nicht in vergleichbarem Maß reduziert werden konnten. Mit Blick auf die CO2-Emissionen im
Verhältnis zur BWS zeigt sich: Die Wertschöpfung in Münster hat aufgrund des starken
Dienstleistungssektors bereits eine deutlich niedrigere Emissionsintensität als die
Vergleichsräume (vgl. Abbildung 9).
Abbildung 9: CO2-Emissionen in Tonnen je 1.000 Euro BWS
Abbildung: Prognos AG, 2023. Datengrundlage: DESTATIS 2023, Stadt Münster 2023.
2BMünster 2030+ | Ausgangslage am Wirtschaftsstandort
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Abbildung 10: Anteil digitaler Impulsgeber 2021
Anteil an den SvB (Stand: Juni 2021)
Eigene Berechnung und Darstellung Prognos auf Basis von Bundesagentur für Arbeit 2023. Definition: Digitale Impulsgeber treiben
durch ihre Qualifikation Digitalisierung voran bzw. setzen sie um (Definition der Prognos AG anhand von 89 branchenunabhängigen
Berufsgruppen aus der Klassifikation der Berufe (KldB) 2010 der Bundesagentur für Arbeit)
2BMünster 2030+ | Ausgangslage am Wirtschaftsstandort
Seite 14
2.2 Transformationsdynamiken
Gesellschaft und Wirtschaft und damit auch Standorte sind in der heutigen Zeit einer Vielzahl
gravierender Herausforderungen ausgesetzt, die gemein haben, dass sie tiefgreifende
Veränderungen bisheriger Lebensweisen, Wirtschaftsprozesse und Infrastrukturen erforderlich
machen und bewirken. Diese Transformationsdynamiken ergeben sich insbesondere aus dem
Klimawandel und dem daraus entstehenden Bestreben nach nachhaltigem und klimaneutralem
Wirtschaften, der Digitalisierung, dem demografischen Wandel und spätestens seit Beginn des
russischen Angriffskriegs auf die Ukraine auch aus geo- und sicherheitspolitischen
Veränderungen.
Im Folgenden werden diese Transformationsthemen übergreifend erläutert. Anschließend werden
die Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort Münster dargestellt. Dazu erfolgt eine Einordnung
der Auswirkungen der Transformationsdynamiken auf die sektoralen Stärkefelder des Standorts
(Kapitel 2.3).
Abbildung 11: Globale Megatrends und Transformationsdynamiken
Bei der Darstellung handelt es sich um eine Auswahl wesentlicher Aspekte
Eigene Darstellung Prognos
Klimawandel
Der globale Klimawandel wirkt sich schon heute spürbar auf das Leben auf der Erde aus. Im
aktuellen Report des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC, Zwischenstaatlicher
Ausschuss für Klimaänderungen) identifizieren die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
eine Erderwärmung von bereits 1,1 Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Niveau.
14
Gleichzeitig konstatieren sie, dass die bis dato angekündigten Maßnahmen nicht ausreichen, um
die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, wie dies im Pariser Klimaschutzabkommen
14 IPCC (2023)
2BMünster 2030+ | Ausgangslage am Wirtschaftsstandort
Seite 15
vereinbart wurde,. Dieser Wert wird nach aktueller Projektion bereits in den 2030er Jahren
erreicht sein. Diese Erkenntnisse verdeutlichen die Brisanz des Klimawandels und den damit
einhergehenden Bedarf an Emissionsreduktion auf der einen und der Anpassung an veränderte
klimatische Bedingungen auf der anderen Seite. Damit bewirkt der Klimawandel
Transformationen in allen Bereichen des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens.
Zentrale Stellschrauben für die Reduktion von Emissionen sind die Energieproduktion, die von
fossilen auf erneuerbare Energieträger umgestellt wird. In diesem Zusammenhang bekommen
die Steigerung von Energieeffizienz und Fragen rund um Energiespeicherung und -umwandlung
eine neue Bedeutung, die für die Wirtschaft einerseits gravierende Umstellungen bisheriger
Geschäftsmodelle bedeuten, andererseits aber auch völlig neue Geschäftsfelder eröffnen. Der
nach Energiewirtschaft und Industrie drittgrößte Emittent von Treibhausgasen ist der
Verkehrssektor. Der Klimawandel ist daher ein zentraler Treiber der Verkehrswende, die sich
insbesondere in einer Reduktion des auf fossilen Brennstoffen basierenden motorisierten
Individualverkehrs niederschlägt. Neue Mobilitätskonzepte, Verhaltensweisen und Anpassungen
der Mobilitätsinfrastruktur sind damit Teil der Verkehrswende. Eine weitere Stellschraube stellt
der Gebäudesektor dar. Nachhaltiges und flächenschonendes Bauen mit erneuerbaren
Materialen sowie erhöhte Energieeffizienz bzw. Energiepositivität von Gebäuden stellen sich als
beispielhafte Entwicklungen dar. Ebenso gewinnt zirkuläres Bauen an Bedeutung.
Gleichzeitig erfordert der Klimawandel Anpassungen in der Stadt- und Regionalplanung: Sich
häufende Extremwettereignisse wie Hitze oder Starkregen führen zu schweren gesundheitlichen
und finanziellen Schäden und machen eine auf sie angepasste Infrastruktur unabdingbar.
Münster hat sich mit Klimaneutralität bis 2030 ein ehrgeiziges Ziel gesetzt, um Emissionen in
allen Sektoren zu reduzieren. Mit dem Klimastadtvertrag einigte sich die Stadtgesellschaft
darauf, eine von 100 „Climate-Neutral and Smart Cities“ bis 2030 zu werden und erhält dafür
Unterstützung von der EU. Als klarer Fahrplan in Richtung Klimaneutralität soll der
Klimastadtvertrag
15 die Beiträge aller wichtigen Akteursgruppen bündeln und so nicht nur zu
einer reinen CO2-Reduktion sondern zu einer Transformation führen.
Digitale Transformation
Neben dem Klimawandel stellt die Digitalisierung einen weiteren Veränderungsprozess mit hoher
Dynamik dar, dier Gesellschaften und (regionale) Volkwirtschaften tiefgreifend verändert.
Insbesondere in der Wirtschaft hat die Coronapandemie zu einem deutlichen Schub bei der
Digitalisierung von Prozessen geführt, der das Arbeitsleben nachhaltig und tiefgreifend verändert
hat: Mobiles Arbeiten und Home Office sind in vielen Branchen inzwischen gelebte Praxis, Daten
werden über Cloud-Dienste ausgetauscht. Daneben rücken KI-Anwendungen, die vorher
insbesondere einem Fachpublikum bekannt waren, immer stärker auch ins Licht der
Öffentlichkeit und werden in rasantem Tempo weiterentwickelt. So ergeben sich neue
Möglichkeiten für Geschäftsmodelle und bestehende Unternehmensprozesse und -modelle
werden durch diese Disruption entweder modernisiert oder verlieren an Bedeutung und
Wettbewerbsfähigkeit.
Gleichzeitig hat die Digitalisierung auch multiple Folgen für Städte und Regionen als
Wirtschaftsstandorte. Einerseits müssen die notwendigen Infrastrukturen geschaffen werden:
Glasfaserleitungen und Mobilfunknetze sind die Lebensadern der Digitalisierung und müssen
ubiquitär verfügbar sein. Andererseits erfährt auch die bauliche Infrastruktur einen
Bedeutungswandel. Große Büroflächen werden nicht mehr im gleichen Ausmaß wie vor 20 Jahren
15 Stadt Münster (2024)
2BMünster 2030+ | Ausgangslage am Wirtschaftsstandort
Seite 16
gebraucht, neue Aspekte wie Vernetzung und Kollaboration erfordern neue
Raumnutzungskonzepte. In Münster sind alle Branchen von der digitalen Transformation
betroffen. Besonders stark vertretene Branchen wie Handel, Finanzen und Versicherungen,
Handwerk oder Industrie, aber auch die Gesundheitswirtschaft stehen dabei vor besonderen
Herausforderungen.
Demografischer Wandel
Der demografische Wandel begleitet deutsche Wirtschaftsstandorte schon seit Jahren und wird
sich in den nächsten Jahren weiter verschärfen und zu noch größeren Herausforderungen bei der
Fachkräftesituation und Daseinsvorsorge führen. Viele Erwerbstätige scheiden in den
kommenden Jahren aus dem Erwerbsleben aus. Nach dem Renteneintritt der Babyboomer-
Generation kann mit einem noch intensivierteren Fachkräftemangel gerechnet werden. Junge
und gut ausgebildete Menschen werden zunehmend zu einer knappen „Ressource“ und für die
Zukunftsfähigkeit eines Wirtschaftsstandorts immer wichtiger. Aufgrund des Rückgangs des
Erwerbspersonenpotenzials sowie der geringen Attraktivität bestimmter Berufe (bspw.
Gesundheitsberufe wie in der Pflege) wird die Fachkräftesicherung verstärkt zu einer zentralen
Aufgabe der kommenden Jahre, der den Wettbewerb der Wirtschaftsstandorte weiter forcieren
wird. So gewinnen auch die Zuwanderung und Integration von qualifizierten Arbeitskräften weiter
an Bedeutung.
Neben einer Verschärfung des Fachkräftemangels wird der demografische Wandel aber auch zur
Herausforderung für Daseinsvorsorge und Sozialsysteme – auch in Münster. Eine wachsende
Zahl versorgungsbedürftiger Menschen steht einer tendenziell schrumpfenden Zahl von
Versorgerinnen und Versorgern gegenüber. Aufgrund der fortschreitenden Alterung der
Bevölkerung ist mit einer Zunahme chronisch-degenerativer Erkrankungen und somit einer
steigenden Nachfrage nach Gesundheitsleistungen sowie einem erhöhten Pflegebedarf zu
rechnen. Um die Belastung des Gesundheitssystems zu reduzieren, nimmt das Thema Prävention
eine zentrale Rolle ein, wofür der Standort Münster mit seinen Schwerpunkten in der
Gesundheitswirtschaft und im Gesundheitswesen wichtige Potenziale bietet. Dabei rücken durch
den demografischen Wandel auch verstärkte gesellschaftliche Phänomene wie Einsamkeit in den
Blick, die gesamtgesellschaftliche Anstrengungen erfordern.
Geopolitische Herausforderungen
Spätestens mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine hat in Deutschland ein verstärktes
Bewusstsein für die Abhängigkeit von globalisierten Lieferketten und Absatzmärkten begonnen.
Unabhängigkeit, nicht zuletzt bei der Energieversorgung, ist ein zentrales Anliegen, das
Unternehmen den bisherigen reinen Fokus auf Lieferketteneffizienz zunehmend hinterfragen
lässt. Die Rahmenbedingungen, etwa externe Schocks durch Pandemien oder geopolitische
Konflikte, werden sich auch in absehbarer Zeit nicht ändern und erfordern daher nachhaltige
Anpassungen. In der Folge müssen sich auch Wirtschaftsstandorte zunehmend mit
Resilienzfragen beschäftigen. So wird die Verfügbarkeit erneuerbarer Energie und insgesamt eine
sichere unabhängige Energieversorgung zum Standortfaktor der Zukunft.
2BMünster 2030+ | Ausgangslage am Wirtschaftsstandort
Seite 17
2.3 Stärkefelder der Münsteraner Wirtschaft
In der Stadt Münster sind mit Stand 2022 knapp 180 Tsd. sozialversicherungspflichtig
Beschäftigte angestellt. Als „Schreibtisch Westfalens“ ist Münster auch ein wichtiger
Verwaltungsstandort, sodass auch Beamte, Richter, Soldaten etc. einen signifikanten Anteil an
den Erwerbstätigen in Münster haben. So waren 2022 insgesamt 12.785 Beamte in Voll- oder
Teilzeit am Dienstort Münster tätig. 6.515 von ihnen waren Männer, 6.252 Frauen. In Summe
zeigt die Erwerbstätigenrechnung der Stadt Münster für das Jahr 2022 244.600 Erwerbstätige.
Neben den SvB und Beamtinnen und Beamten zählen dazu auch Selbständige.16 Im Vergleich zu
anderen Regionen in Deutschland zeigen sich in Münster bei Betrachtung der
Beschäftigtenstruktur (gemessen an den SvB) klare Schwerpunktbereiche. Für die vorliegende
Studie ist die Betrachtung von diesen Schwerpunktbereichen bzw. Stärkefeldern der Wirtschaft
elementar, da in diesen Bereichen die größten Potenziale zum Aufbau von Arbeitsplätzen und
einer Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit bestehen. Eine Fokussierung auf sektorale
Stärkefelder wirkt sich zudem positiv auf die Profilierung als Wirtschaftsstandort aus, da eine
höhere Sichtbarkeit und Sensibilisierung sowohl nach innen als auch nach außen erreicht werden
kann sowie Netzwerkeffekte durch Clusterbildungen möglich sind. Sektorale Stärkefelder ergeben
sich aus den Branchenschwerpunkten der Münsteraner Wirtschaft. Die Wirtschaftsstruktur der
Stadt Münster wird anhand eines Branchenportfolios aufgezeigt, der die Lokalisation der
Branchen unterteilt nach vier Sektoren beinhaltet (Abbildung 12).
Abbildung 12: Branchen am Wirtschaftsstandort Münster (Branchenportfolio 2022)
Dargestellt sind sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (Stand: Juni 2022)
Eigene Berechnung und Darstellung Prognos auf Basis von Bundesagentur für Arbeit 2023
Lesehilfe: Die Größe der Kreise entspricht der absoluten Anzahl der SvB in der jeweiligen Branche. Auf der vertikalen Achse
wird der Spezialisierungsgrad abgebildet. Dieser gibt an, wie stark die regionale Spezialisierung einer Branche im Vergleich
zum Durchschnitt in Deutschland ist. Ein Spezialisierungsgrad von 1,0 entspricht dem bundesweiten Branchenanteil
Das Baugewerbe bzw. handwerkliche Tätigkeiten sind in Münster im Vergleich zum
deutschlandweiten Durchschnitt weniger stark lokalisiert. Dennoch kommt den knapp 6.000
16 Stadt Münster (2023c)
2BMünster 2030+ | Ausgangslage am Wirtschaftsstandort
Seite 18
Beschäftigten im Baugewerbe eine wichtige Rolle in der Stadt zu. Nicht zuletzt ist die Branche für
den Wohnungsausbau, die Installation grüner Infrastruktur und weitere verkehrliche
Baumaßnahmen verantwortlich. In Summe arbeiten nach Zahlen der Handwerkskammer (HWK)
Münster über 23.000 Menschen in über 2.900 Münsteraner Betrieben im Handwerk. Dies belegt
die Relevanz des Handwerks in und für Münster. Im Verarbeitenden Gewerbe bzw. der Industrie
arbeiten in Münster mehr als 12.000 Menschen, was die Bedeutung für die Stadt unterstreicht.
Wenig überraschend weist Münster bei der Industrie im Vergleich zum deutschlandweiten
Durchschnitt eine unterdurchschnittliche Lokalisation auf. Hier zeigt sich einerseits die klare
Prägung als Dienstleistungsstandort, andererseits die starke industrielle Spezialisierung anderer
Städte und ländlicher Räume in Deutschland. Innerhalb der Industrie können dennoch
insbesondere die Branchen Chemie, Maschinenbau und Nahrungsmittel hervorgehoben werden,
in denen jeweils über 1.000 Menschen beschäftigt sind. Die Industrie trägt in Münster somit,
wenn auch in geringem Umfang, zu einer Diversifizierung der Wirtschaftsstruktur bei.
Zwar zeigen Teile der Land- und Ernährungswirtschaft einen Beschäftigungsrückgang. Dennoch
ist dieser Wirtschaftszweig für Münster traditionell von hoher Bedeutung und Unternehmen und
Organisationen in der Stadt bieten überregional wichtige Produktions- und
Dienstleistungsaufgaben für die Landwirtschaft an. In den Kernbereichen der Land- und
Ernährungswirtschaft arbeiten so 1.975 Beschäftigte (siehe auch Kapitel 2.3.3).
Das Branchenportfolio verdeutlicht, dass der Wirtschaftsstandort Münster insgesamt von einem
starken Dienstleistungssektor geprägt wird. Eine besonders starke Spezialisierung weist Münster
in der Finanz- und Versicherungsbrache auf. Münster hat eine lange Tradition als bedeutender
Finanz- und Versicherungsstandort, was sich in einer Beschäftigungszahl von knapp 12 Tsd.
Menschen widerspiegelt. Eine besondere Stärke der Unternehmen liegt in der Kombination der
Kompetenzen aus dem Finanz- und Versicherungswesen mit denen aus der Informatik und Data-
Science. Münster hat damit gute Chancen, den Herausforderungen der Digitalisierung in einer
seiner Kernbranchen entgegenzutreten, die Potenziale der Digitalisierung zu nutzen und die
Transformation erfolgreich zu gestalten. Ebenfalls stark sind Dienstleistungen, die eng mit
anderen Branchen und dem Bereich Forschung und Entwicklung verknüpft sind (FuE-
Dienstleistungen bzw. unternehmensnahe Dienstleistungen). Verknüpfungen können bspw. mit
der Industrie bestehen (u.a. im Bereich Batterieforschung). Auch der Bereich Informations- und
Kommunikationswirtschaft (IKT) kann dazu gezählt werden. Diese Dienstleistungsunternehmen
sind wichtige Impulsgeber für die großen Transformationen in den Bereichen Nachhaltigkeit und
Digitalisierung und damit ausschlaggebend für eine zukunftsorientierte Entwicklung des
Wirtschaftsstandorts. Zudem sind sie stark verknüpft mit anderen etablierten Branchen wie dem
Handel, der Industrie oder der Wissenschaft.
Die Gesundheitswirtschaft ist eng mit dem Gesundheitswesen verknüpft, welches in Münster
knapp 25.000 Menschen Beschäftigung bietet. Die Branche ist Teil der Daseinsvorsorge und hat
einen besonders wichtigen Wert für die Gesellschaft. So bildet die Gesundheitswirtschaft auch
einen Teil der vielseitigen Münsteraner Sozialwirtschaft mit ihren wohlfahrtsorientierten Aufgaben
ab. Gleichzeitig entwickelt sich der Gesundheitsbereich dynamisch und beschäftigt sich mit
wichtigen Zukunftsfeldern (u.a. Telemedizin). Für Münster sind die herausragenden Behandlungs-
und Forschungskompetenzen mit dem Universitätsklinikum Münster (UKM) und den weiteren
Krankenhäusern am Standort ausschlaggebend für die Stärke der Branche. Doch auch der zweite
Gesundheitsmarkt (alle privat finanzierten Produkte und Dienstleistungen rund um die
Gesundheit) haben eine große Bedeutung für die Stadt Münster (u.a. Prävention, Sport,
Ernährung).
2BMünster 2030+ | Ausgangslage am Wirtschaftsstandort
Seite 19
Besonders wichtig für die Lebensqualität in der Stadt und ein nicht zu unterschätzender
Wirtschaftsfaktor ist die Kultur- und Kreativwirtschaft. Mehr als 2.500 Menschen arbeiten im
Bereich Kultur. Zudem können Teile der über 12.000 Menschen aus dem Bereich IKT dieser
Branche zugeordnet werden. Die Jahre der Corona-Pandemie waren für viele Bereiche der
Branche nicht einfach, sodass die Beschäftigungszahlen zuletzt rückläufig waren. Die Kultur- und
Kreativwirtschaft ist eine Branche, die die Wahrnehmung Münster überregional bedeutend prägt.
Die Stadt dient als Kulisse in Fernsehserien (z.B. Tatort), die Skulptur Projekte entfalten
internationale Anziehungskraft und prägen das Stadtbild und sind damit auch eine wichtige
Grundlage für den Tourismus.
Die Bereiche Handel (25.400 SVB) und Gastgewerbe bzw. Tourismus (5.400 SVB) prägen das
Oberzentrum Münster ebenfalls stark. Entsprechend wichtig sind diese Bereiche für die
Entwicklung der Stadt Münster. Zum einen übernimmt der Handel die Aufgabe der Versorgung
der Bevölkerung in den Ortsteilzentren und in der Innenstadt. Zum anderen hat insbesondere der
Innenstadthandel darüber hinaus große Bedeutung für die Region. Die Münsteraner Innenstadt
ist der wichtigste Anziehungspunkt für regionale Besucherinnen und Besucher und zieht
Touristinnen und Touristen aus der gesamten Bundesrepublik, aus den Niederlande und darüber
hinaus in die Stadt. Die lebendige Innenstadt gibt Münster ein „Gesicht“ und ist wichtig für das
Profil von Münster.
Die starke Wissenschaft ist ein klares Stärkefeld und Alleinstellungsmerkmal der Stadt Münster.
Im Bereich Erziehung und Unterricht arbeiten mehr als 10.000 Menschen und in der Stadt gibt es
insgesamt zehn Universitäten und Hochschulen. Über wissenschaftliche Aktivitäten werden viele
wirtschaftliche Prozesse in Gang gesetzt oder unterstützt. Dazu tragen nicht zuletzt
Gründungsaktivitäten an den Hochschulen bei.
Im Folgenden werden die sektorale Stärkefelder des Wirtschaftsstandorts Münster tiefergehend
dargestellt. Dazu erfolgt eine weitere Aufschlüsselung der Beschäftigungsstruktur der jeweiligen
Branche und die Darstellung wichtiger Unternehmen. Zudem werden wichtige Entwicklungen in
den jeweiligen Branchen unter Bezugnahme auf die Transformationsprozesse dargestellt.
2BMünster 2030+ | Ausgangslage am Wirtschaftsstandort
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2.3.1 Handwerk
Das Handwerk stellt einen wichtigen Teil der Münsteraner Wirtschaft dar. Die 2.936 Münsteraner
Mitgliedsbetriebe der HWK erwirtschafteten im Jahr 2021 einen Umsatz von knapp 4,3 Mrd. €
und beschäftigten 2022 über 23.000 Menschen.17 Seit 2011 ist der Umsatz damit immer weiter
gestiegen (2,9 Mrd. €). Die Steigerung von 42 Prozent (2011-2020) ist deutlich stärker als in
Deutschland oder NRW (+27 bzw. +26 Prozent). In Bezug auf den Umsatz je Erwerbstätigen lag
Münster 2020 (165 Tsd. €) deutlich über dem Bundesschnitt (120 Tsd. €).
Die Zahl der Handwerksbetriebe stieg nach Zahlen der Handwerkskammer Münster in den
vergangenen Jahren kontinuierlich von gut 2.600 auf über 2.930 (Abbildung 13). Damit zeigte
sich in der Stadt zwischen 2013 und 2022 ein Wachstum von 12 Prozent, was deutlich über dem
Landes- und Bundesschnitt (+5 bzw. +2 Prozent) lag. Der Großteil der Handwerksbetriebe ist im
Ausbaugewerbe tätig. Andere Gewerbegruppen umfassen Handwerke für den gewerblichen
Bedarf, Handwerke für den privaten Bedarf, Bauhauptgewerbe, Gesundheitsgewerbe,
Lebensmittelgewerbe und Kraftfahrzeuggewerbe.
Abbildung 13: Münsteraner Handwerk in Münster in Zahlen
Eigene Berechnung und Darstellung Prognos auf Basis HWK Münster, 2024 und Destatis Handwerkszählung, 2023
In Bezug auf die Beschäftigungsstruktur ist ein positiver Trend hin zu
sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung zu erkennen. Die Zahl der SvB nimmt seit Jahren zu,
während die geringfügig Beschäftigten abnehmen. Im Handwerk ist die regionale und
betriebsinterne Ausbildung ein zentraler Aspekt der Gewinnung von Nachwuchsfachkräften. Nach
einem positiven Trend von 2015 bis 2020 kann seit der Corona-Pandemie jedoch eine Abnahme
der Lehrverträge am Standort Münster beobachtet werden. Im Handwerk sind zudem deutlich
17 Handwerkskammer Münster (2022): Basiszahlen nach Kreisen (https://www.hwk-muenster.de/adbimage/13263/asset-
original//final_basiszahlen-31122022-nach-kreisen_umsatz_beschaeftigte-2021_hwz20.pdf)
2BMünster 2030+ | Ausgangslage am Wirtschaftsstandort
Seite 21
mehr Männer als Frauen beschäftigt, was bedeutet, dass die Branche an dieser Stelle
Beschäftigungspotenziale heben kann.
Die Handwerksbetriebe in Münster und im Münsterland sind häufig seit Generationen in
Familienbesitz und prägen damit nicht nur das wirtschaftliche, sondern auch das kulturelle Leben
in der Region. Viele Handwerksunternehmen haben einen direkten Bezug zur Münsteraner
Lebensart – sei es durch die Ausübung z. B. des Bäckerhandwerks oder weiterer Branchen des
Nahrungsmittel- und Genussmittelgewerbes. Die Vielfalt an Dienstleistungen und Produkten, die
von den Handwerksbetrieben angeboten werden, hat einen positiven Einfluss auf die
Lebensqualität in der Stadt.
Daneben sind die Handwerksunternehmen ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und „Enabler“ für die
Umsetzung anstehender Transformationen. Vor dem Hintergrund der Herausforderungen, vor
denen die Stadt Münster mit den Engpässen auf dem Wohnungsmarkt, den ambitionierten
Klimaschutzzielen und dem demografischen Wandel steht, nimmt das Handwerk eine zentrale
Rolle ein. Neue Wohngebäude müssen errichtet werden, im Bestand müssen großflächig und
schnell Sanierungen realisiert werden. Zudem müssen Quartiere altersgerecht weiterentwickelt
werden. Bei der Flächen- und Quartiersentwicklung bietet sich das Handwerk als Nutzer und
Anlieger für nutzungsgemischte Quartiere an.
Transformationsherausforderungen
Das Münsteraner Handwerk ist durch die großen Transformationsdynamiken direkt betroffen. Vor
dem Hintergrund des Klimawandels und dem städtischen Ziel, Klimaneutralität bis 2030 zu
erreichen, kommt dem Handwerk eine zentrale Rolle bei der Umsetzung der Energie- und
Wärmewende zu. Ein signifikanter Teil der Gebäude in Münster wird in den nächsten Jahren
modernisierungsbedürftig, um die Energieeffizienz zu erhöhen und Energieträger zu wechseln.
Ebenso bedeutet die in Münster weiterhin präsente Wohnraumknappheit einen auch zukünftig
starken Bedarf an Neu- und Umbauten. Die hohen Anforderungen, die dabei an die Ressourcen-
und Energieeffizienz von Häusern gestellt werden, erfordern auch von Handwerksbetrieben eine
hohe Innovationskapazität, um eine zielgerichtete Beratung zu und die Verwendung von neuen
Werkstoffen und Produkten gewährleisten zu können. Auch das Thema „Zirkuläres Bauen“ ist in
diesem Zusammenhang zu nennen.
Gleichzeitig ist die Leistungsfähigkeit des Münsteraner Handwerks durch den demografischen
Wandel und den damit verbundenen Fachkräftemangel bedroht. Schon heute zeigt sich ein
Rückgang der Erwerbstätigenzahlen, der auch durch die Ausbildung von Nachwuchs nicht
aufgefangen werden kann: Die Abschlüsse neuer Lehrverträge gehen seit einigen Jahren zurück.
Neben der Bedeutung der Anwerbung neuer Arbeitskräfte verdeutlicht der Fachkräftemangel die
Bedeutung, interne Prozesse so effizient wie möglich zu gestalten, um das vorhandene Personal
möglichst zielorientiert einzusetzen. Gerade durch die Digitalisierung ergeben sich hier noch
nicht ausgeschöpfte Potenziale. Die Schlüsselpersonengespräche ergaben Hinweisen, dass viele
Münsteraner Handwerksbetriebe ihre Betriebsabläufe durch die Nutzung digitaler Technologien
noch weiter verbessern können.
Auch räumlich ergeben sich Transformationsbedarfe. Vor dem Hintergrund der geopolitischen
Veränderungen und immer häufiger unterbrochenen globalen Lieferketten steigt auch für die
Münsteraner Handwerksbetriebe die Bedeutung einer ausgeweiteten Lagerhaltung. Nur so kann
die Handlungsfähigkeit auch in Zeiten von Rohstoffknappheit und Lieferproblemen
aufrechterhalten werden. Hieraus ergeben sich wiederum auch neue Anforderungen an Standorte
von Handwerksbetrieben: Entsprechender Platz muss vorhanden sein.
2BMünster 2030+ | Ausgangslage am Wirtschaftsstandort
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2.3.2 Industrie
Die Industrie bzw. das verarbeitende Gewerbe hat in der Stadt eine lange Tradition und prägt den
Wirtschaftsstandort Münster bis heute. Im Münsteraner verarbeitenden Gewerbe arbeiteten im
Jahr 2022 insgesamt 12.307 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (SvB), was einen Anteil
von etwa 6,7 Prozent an allen Beschäftigten bedeutet (vgl. Abbildung 14). Im Vergleich zu
anderen – insbesondere ländlicher geprägten – Standorten ist dieser Anteil zwar geringer, doch
gerade für die Wirtschaftskraft der Stadt ist die Industrie von großer Bedeutung. Im Jahr 2021
war der Industriebereich für knapp sechs Prozent der Münsteraner Bruttowertschöpfung
verantwortlich. Vor dem Hintergrund der starken Dienstleistungsorientierung der Münsteraner
Wirtschaft kommt der Industrie eine wichtige Rolle in der Diversifizierung der
Unternehmenslandschaft zu. Sie schafft Arbeitsplätze in technischen und kaufmännischen
Berufen und vernetzt den Wirtschaftsstandort Münster über ihre jeweiligen
Wertschöpfungsketten international.
Nicht alle Industriebranchen prägen den Standort Münster in gleichem Ausmaß. Den markanten
Schwerpunkt bildet mit einem Lokalisationsquotient (LQ) von 2,6 die Chemie-Industrie, die mit
etwa 4.700 Beschäftigten und den Schlüsselunternehmen BASF und Brillux einen klaren Fokus
auf Farben und Lacke hat. Darüber hinaus sind der Maschinenbau mit knapp 2.000 SvB und der
Bereich Nahrungsmittel mit 1.300 SvB wichtige Teilbereiche des verarbeitenden Gewerbes.
Abbildung 14: Branchenportfolio der Industrie in Münster
Eigene Berechnung und Darstellung Prognos auf Basis von Bundesagentur für Arbeit 2023
Lesehilfe: Die Größe der Kreise entspricht der absoluten Anzahl der SvB in der jeweiligen Branche. Auf der vertikalen Achse
wird der Spezialisierungsgrad abgebildet. Dieser gibt an, wie stark die regionale Spezialisierung einer Branche im Vergleich
zum Durchschnitt in Deutschland ist. Ein Spezialisierungsgrad von 1,0 entspricht dem bundesweiten Branchenanteil.
Wird der Blick über die Stadt Münster hinaus auf das gesamte Münsterland ausgeweitet, wird ein
noch stärkerer industrieller Fokus erkennbar. Im Münsterland bestehen neben den benannten
Schwerpunkten weitere Stärken im Bereich Textilien (LQ 2,9) und Möbelbau (LQ 2,8). Neben der
2BMünster 2030+ | Ausgangslage am Wirtschaftsstandort
Seite 23
direkten Produktion bündeln sich in Münster Unternehmenssitze samt Steuerungs- und
Verwaltungsfunktionen einiger mittlerer und großer Industriebetriebe. Es zeigt sich, dass
zunehmend unternehmensinterne Forschung- und Entwicklungsfunktionen in Münster aufgebaut
werden.
Die Vernetzung der Industrieunternehmen in Münster selbst, aber auch ins Münsterland hinein
ist für den Industriestandort Münster wichtig, denn die Münsteraner Industrieunternehmen sind
wichtige Akteure im regionalen Innovationsökosystem: In Münster entwickeln sie neue
Technologien und Produkte, die weltweit produziert, verkauft und genutzt werden. Zur Vernetzung
in der Stadt und darüber hinaus kommen der Industriegemeinschaft Münster und IHK Nord
Westfalen eine wichtige Rolle zu. Die Industriegemeinschaft Münster vereint die wichtigsten
Unternehmen in der Stadt und macht deren Produkte und Leistungen nach innen und außen
bekannter. Der IHK Nord Westfalen kommt als Interessensvertretung, Beratungs- und
Netzwerkstelle ebenfalls eine wichtige Bedeutung zu. Sie fördert die Industrie am Standort und
engagiert sich für die Belange der Wirtschaft. Die Industrie hat mit den Hochschulen gute
Verbindungen. Gerade im Industriebereich besteht traditionell eine starke Verknüpfung mit der
FH Münster, vor allem zum Standort Steinfurt. Diese, auch regionalorientierte Zusammenarbeit
ist von großer Bedeutung, denn in Münster wurde – im Zuge der in der Studie geführten
Schlüsselpersoneninterviews – das Angebot an akademisch qualifiziertem Personal als
befriedigend eingeschätzt. Aus der Batterieforschung der Universität Münster haben sich
herausragende Impulse für die Fraunhofer Batterieforschungsfertigung ergeben, die wiederum für
viele Industrieunternehmen wichtige Kooperationsmöglichkeiten bietet.
Transformationsherausforderungen
Die Stadt Münster möchte bis 2030 Klimaneutralität erreichen. Es besteht die Herausforderung,
die industrielle Produktion möglichst klimaneutral zu organisieren. Viele Unternehmen haben sich
daher im Zusammenhang mit dem Klimastadtvertrag zu Maßnahmenplänen verpflichtet, um ihre
Emissionen zu reduzieren und Klimaneutralität zu erreichen. Bereits jetzt erreichen einige
Unternehmen, unter Zuhilfenahme von Emissionsausgleichen, eine Netto-Klimaneutralität. Die
Sicherstellung einer Wasserstoffinfrastruktur ist ein wichtiger Baustein auf dem Weg zur
klimaneutralen Produktion und ist zugleich eine Voraussetzung für die Energiewende. Durch die
Rolle als Innovator kommt der Industrie eine wichtige Rolle zur Erreichung der ambitionierten
Klimaschutzziele zu. Münsteraner Unternehmen, wie z. B. Hengst Filter, entwickeln und
produzieren grüne Schlüsseltechnologien, die auch weit über Münster hinaus für positive
Umwelteffekte sorgen können und die Zukunft des Wirtschaftsstandorts sichern. Dazu gehören
z. B. auch Filtersysteme für die Batterieforschung.
Der Klimawandel ist allerdings nicht die einzige Herausforderung, vor der die Münsteraner
Industrie-Unternehmen stehen. Viele von ihnen sind von einem akuten Arbeitskräftemangel
betroffen, der allerdings nicht alle Anforderungsniveaus im gleichen Ausmaß betrifft. Während
Hochqualifizierte für viele Unternehmen noch relativ gut zu rekrutieren sind, zeigt sich
insbesondere bei Arbeitskräften für einfachere Tätigkeiten ein großer Bedarf, den der lokale und
regionale Arbeitsmarkt aktuell häufig nicht decken kann. In diesem Zusammenhang sehen einige
Unternehmen auch ein Problem beim regionalen Fachkräfte-Nachwuchs: Durch den starken
wissenschaftlichen Schwerpunkt in Münster kommt der Option einer Berufsausbildung häufig
geringere Aufmerksamkeit und Akzeptanz zu. Damit wird die Förderung des Bewusstseins für
den Wert und die Bedeutung der beruflichen Bildung zu einem wichtigen Handlungsfeld. Für
Münster wird es zudem auch wichtig, für internationale Fachkräfte attraktiver zu werden, sodass
sich diese in der Stadt langfristig wohl fühlen.
2BMünster 2030+ | Ausgangslage am Wirtschaftsstandort
Seite 24
Mit Blick auf Transformation und weiteres Wachstum zeigt sich zudem für einige Unternehmen
ein weiteres Problem: In Münster fehlt es an geeigneten Expansionsflächen. Die geringen
Flächenreserven haben zur Folge, dass Industrieunternehmen neue Geschäftsmodelle nur relativ
schwer am Standort Münster umsetzen können, ohne dafür die bestehende Produktion
einzuschränken. Zudem ist der Breitbandausbau eine zwingende Infrastrukturvoraussetzung in
allen Gewerbegebieten. Im Bereich der Digitalisierung müssen also die richtigen Voraussetzungen
geschaffen werden, um die Digitalisierung von Produktion und Prozessen weiter voranzutreiben.
Neben der Infrastruktur zählt dazu der Kompetenzaufbau von Mitarbeitenden.
2BMünster 2030+ | Ausgangslage am Wirtschaftsstandort
Seite 25
2.3.3 Land- und Ernährungswirtschaft
Die Land- und Ernährungswirtschaft in Münster spielt in der Entwicklung der Stadt eine
gewichtige Rolle und ist auch heute noch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Insgesamt 316
landwirtschaftliche Betriebe bewirtschaften die 12.715 ha landwirtschaftliche Fläche in der Stadt
und beschäftigen 694 Menschen. Saisonal erhöht sich die Zahl der Erwerbstätigen deutlich, da
gerade in den Sonderkulturbetrieben eine Vielzahl internationaler Saisonkräfte die Erntearbeiten
unterstützen. Etwas mehr als die Hälfte der Betriebe werden im Nebenerwerb geführt. Die
Schwerpunkte liegen dabei insgesamt auf der Viehhaltung sowie Ackerbau. Im Ackerbau steht
zwar der Anbau von Futtermitteln im Vordergrund, Gemüse wie Spargel oder Sonderkulturen wie
Erdbeeren spielen für die Münsteraner Landwirtschaft jedoch ebenfalls eine wichtige Rolle.
Ein Alleinstellungsmerkmal für die Münsteraner Landwirtschaft ist die Nähe zum urbanen Raum,
die eine wachsende Anzahl von Betrieben gezielt zur Direktvermarktung der eigenen Produkte
nutzt. Gleichzeitig ergibt sich durch die Lage der Stadt im landwirtschaftlich starken Münsterland
eine oberzentrale Funktion, die mit der Ansiedlung verschiedenster Unternehmen und
Institutionen der land- und ernährungswirtschaftlichen Wertschöpfungskette verbunden ist. Dazu
gehören bspw. der Landwirtschaftsverlag Münster, die Landwirtschaftskammer NRW, die Rinder-
Union West eG, die Westfleisch eG, die AGRAVIS Raiffeisen AG, das DMK Deutsche Milchkontor
GmbH und das Westfälische Pferdestammbuch oder die L. Stroetmann Unternehmensgruppe. Ein
Großteil der landwirtschaftlichen Betriebe ist über den Westfälisch-Lippischen
Landwirtschaftsverband e.V. und die Landwirtschaftskammer gut mit Unternehmen und Politik
vernetzt.
Auch die Ausbildung von Nachwuchskräften findet in Münster statt. So werden am Ketteler
Berufskolleg Land- und Pferdewirtinnen und -wirte sowie Gärtnerinnen und Gärtner ausgebildet,
eine Weiterqualifikation ist an der Fachschule Münster Wolbeck möglich.
Aus der direkten Nähe zum stark wachsenden urbanen Münster ergeben sich jedoch auch
Konflikte für die Landwirtschaft. Insbesondere herrscht eine ausgeprägte Flächenkonkurrenz: Die
landwirtschaftlich genutzte Fläche geht kontinuierlich zurück.
Die Stadt ist zudem im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie 2030 engagiert in der
Transformation des Ernährungssystems. So ist Münster Biostadt und Teil der Ökomodellregion
Münsterland. Die Initiative hat das Ziel der Stärkung der regionalen Bio-Wertschöpfungskette.
Durch die Schaffung von Netzwerkstrukturen, Förderung nachhaltiger Außer-Haus Gastronomie,
regionalen Marktstrukturen und der Aktivierung zivilgesellschaftlicher Potenziale soll die regionale
Land- und Ernährungswirtschaft gestärkt werden.
2BMünster 2030+ | Ausgangslage am Wirtschaftsstandort
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Abbildung 15: Branchenportfolio der Land- und Ernährungswirtschaft in Münster*
Eigene Berechnung und Darstellung Prognos auf Basis von Bundesagentur für Arbeit 2023
* Bei den Abteilungen Großhandel, Einzelhandel, Lagerei sowie Transport und Logistik ist davon auszugehen, dass jeweils nur An-
teile der hier Beschäftigten tatsächlich auch in der Land- und Ernährungswirtschaft arbeiten.
Lesehilfe: Die Größe der Kreise entspricht der absoluten Anzahl der SvB in der jeweiligen Branche. Auf der vertikalen Achse
wird der Spezialisierungsgrad abgebildet. Dieser gibt an, wie stark die regionale Spezialisierung einer Branche im Vergleich zum
Durchschnitt in Deutschland ist. Ein Spezialisierungsgrad von 1,0 entspricht dem bundesweiten Branchenanteil.
Transformationsherausforderungen
Mit Blick auf die Transformationsdynamiken ergeben sich für die Land- und Ernährungswirtschaft
in Münster besondere Herausforderungen und Chancen. Zentral ist hier der Klimawandel. Die
Münsteraner Stadtgesellschaft hat sich das Ziel gesetzt, bis 2030 klimaneutral zu werden. Um
dieses ambitionierte Ziel zu erreichen, sind auch die landwirtschaftlichen Betriebe zentrale
Akteure, die einerseits vor großen Herausforderungen stehen, für die sich andererseits jedoch
auch neue wirtschaftliche Chancen ergeben. Die Reduktion des Treibhausgasausstoßes erfordert
Anpassungen in den Betriebsabläufen und wird absehbar zu veränderten Geschäftsmodellen
führen. Diese Dynamik wird einerseits durch veränderte Konsumgewohnheiten, die sich bspw. in
einem seit Jahren zurückgehenden Fleischkonsum ausdrücken, andererseits durch die
geopolitischen Veränderungen, die zu einem Wegbruch von internationalen Absatzmärkten
führt, verschärft.
Gleichzeitig ist die Landwirtschaft durch Extremwetterereignisse, wie sie durch den Klimawandel
immer häufiger vorkommen werden, besonders betroffen, da die Witterung unmittelbar die
Bewirtschaftung der Flächen beeinflusst. Daher gilt es für die Betriebe, die Auswirkungen des
extremen Wetters möglichst abzumildern.
Ebenso werden die Anforderungen zur Schonung der natürlichen Funktionen landwirtschaftlicher
Flächen, die die Politik den landwirtschaftlichen Betrieben stellt, weiterwachsen. Auf der anderen
Seite bedeuten die landwirtschaftlichen Flächen auch eine gewichtige Chance, zur Energiewende
beizutragen. Schon jetzt produzieren einige Betriebe neben der Nutzung der Dächer für PV-
Anlagen über Biogasanlagen Wärme und Strom. Ansätze wie Agri-Photovoltaik ermöglichen
2BMünster 2030+ | Ausgangslage am Wirtschaftsstandort
Seite 27
darüber hinaus die doppelte Nutzung landwirtschaftlicher Flächen zur Erzeugung erneuerbarer
Energie bei gleichzeitigem Fruchtanbau oder Weidenutzung. Dabei kommt der Landwirtschaft
auch ihre Innovationsfreudigkeit zugute: Neue, digitalisierte Maschinen und Technologien finden
in der Landwirtschaft schnell Anwendung und erhöhen die Effizienz. Drohnenbefliegungen vor der
Ernte schützen Wildtiere und bereits vereinzelt eingesetzte Smart Farming Technologien
reduzieren den Dünger- und Pflanzenschutzmitteleinsatz. Die Digitalisierung und Fortschritte bei
der Künstlichen Intelligenz werden so für die Land- und Ernährungswirtschaft auch in Zukunft für
neue ökonomische Chancen sorgen. Um diese Chancen noch besser nutzen zu können, fehlt es
jedoch an vielen Stellen an der notwendigen Infrastruktur: Mobiles Internet und leistungsfähige
Stromleitungen zur Einspeisung der produzierten Energie sind unabdingbar.
Ein weiteres Instrument zur Ressourcenschonung ist die zunehmende Adaption von Ansätzen der
Kreislaufwirtschaft. Eine erfolgreiche Umsetzung erfordert harmonisierte und gut abgestimmte
Prozesse zwischen Landwirtschaft, Verarbeitungsbetrieben, Handel, Konsumenten und Politik.
Hier kann Münster von der besonderen Stadt-Umland-Beziehung profitieren: Die Wege zwischen
landwirtschaftlicher Produktion, Weiterverarbeitung und Absatzmärkten über den Groß- und
Einzelhandel sind kurz und Unternehmen aller beteiligten Wirtschaftszweige sind im Münsterland
ansässig. Innerhalb der landwirtschaftlichen Betriebe und im regionalen Kontext soll die
Anwendung einer Kreislaufwirtschaft weiter gestärkt werden. Ein weiterer Ansatzpunkt findet sich
in Abfallprodukten aus der Ernährungsindustrie, die als Tierfutter oder über die energetische
Fermentation (Biogas) in die regionalen landwirtschaftlichen Kreisläufe zurückgeführt werden
können.
2BMünster 2030+ | Ausgangslage am Wirtschaftsstandort
Seite 28
2.3.4 FuE-Dienstleistungen
Dienstleistungen für Forschung und Entwicklung (FuE-Dienstleistungen) sind eng verknüpft mit
anderen Stärkefeldern in Münster – insbesondere der Industrie. Unternehmen in diesem Bereich
sind in der Regel Dienstleistungsunternehmen oder öffentliche Einrichtungen, die für externe
Auftraggeber Forschung und Entwicklung betreiben – also neues Wissen generieren. In Münster
arbeiteten im Jahr 2022 insgesamt über 15 Tsd. Menschen im engeren Feld der FuE-
Dienstleistungen18.
Einen wichtigen Bestandteil der FuE-Dienstleitungen stellen Wirtschaftszweige aus dem Bereich
Information und Kommunikation (IKT) dar. In Münster sind Dienstleistungen der
Informationstechnologie im Vergleich zum deutschlandweiten Durchschnitt mehr als doppelt so
stark lokalisiert. Auffällig ist, dass alle Teilbereiche der FuE-Dienstleistungen einen positiven
Beschäftigungszuwachs zwischen 2013 und 2022 vorweisen konnten.
Abbildung 16: Branchenportfolio der FuE-Dienstleistungen in Münster
Eigene Berechnung und Darstellung Prognos auf Basis von Bundesagentur für Arbeit 2023
Lesehilfe: Die Größe der Kreise entspricht der absoluten Anzahl der SvB in der jeweiligen Branche. Auf der vertikalen Achse
wird der Spezialisierungsgrad abgebildet. Dieser gibt an, wie stark die regionale Spezialisierung einer Branche im Vergleich
zum Durchschnitt in Deutschland ist. Ein Spezialisierungsgrad von 1,0 entspricht dem bundesweiten Branchenanteil.
FuE-Dienstleistungen bringen den Innovationsstandort Münster insgesamt voran, denn nicht alle
Unternehmen am Standort können Forschung und Entwicklung selbst betreiben bzw. haben eine
eigene FuE-Abteilung. Viele Unternehmen – auch aus dem Münsterland – profitieren so von den
FuE-Dienstleistern in Münster. Die hohe Lokalisation von FuE-Dienstleistungen spiegelt daher
auch die Funktion Münsters als regionales Oberzentrum wider.
18 Definition der wissensintensiven WZ-Abteilungen nach Neuhäusler et al. (2022)
2BMünster 2030+ | Ausgangslage am Wirtschaftsstandort
Seite 29
Transformationsherausforderungen
FuE-Dienstleister sind – wie keine andere Branche – darauf angewiesen, auf dem neuesten
Stand der Technik und Forschung zu agieren. Das bedeutet, sie müssen technologische
Veränderungen schnell vorantreiben – bei sich selbst genauso wie bei ihren Kunden. Die
Geschwindigkeit erfordert die Fähigkeit, sich kontinuierlich anzupassen und auf dem neuesten
Stand zu bleiben sowie die Bereitschaft, neue Fähigkeiten und Expertisen zu erwerben.
Entscheidend ist zudem eine moderne FuE-Infrastruktur, die Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftlern notwendige Ressourcen und Einrichtungen bietet, um innovative Ideen zu
entwickeln und neue Technologien voranzutreiben. Münster kann dabei auf vielversprechenden
Grundlagen aufbauen – u.a. auf starke Forschungsschwerpunkte in der Hochschullandschaft,
Digitalisierung und Informationstechnologie, Medizin und Biotechnologie oder Batterieforschung.
Die Branche steht in starker überregionaler und internationaler Konkurrenz. Unternehmen und
Forschungseinrichtungen werben um wenige Talente, Ressourcen und Kunden. Vor dem
Hintergrund des Fachkräftemangels stellt das die Unternehmen vor Herausforderungen. Gerade
in Konkurrenz mit den großen Städten wie Köln, Berlin, Hamburg und München kann es immer
schwerer werden, talentierte Mitarbeitende zu finden und für den Standort Münster zu
begeistern. Nicht zu unterschätzen ist zudem das Risiko einer Verlagerung von Arbeitsplätzen.
Nach Angaben im Rahmen der Schlüsselpersonengespräche wird es zudem für Unternehmen am
Standort Münster zunehmend denkbar, neben der Produktion auch FuE-Einrichtungen in Märkte
mit günstigeren Standortbedingungen (bspw. im osteuropäischen Raum) zu verlagern.
Im Bereich der FuE-Dienstleistungen wird eine starke interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen
verschiedenen Fachgebieten und Disziplinen erforderlich. FuE-Dienstleister müssen daher in der
Lage sein, Teams mit vielfältigen Fähigkeiten und Hintergründen zusammenzustellen und effektiv
zu koordinieren. Gleichzeitig birgt diese enge Verknüpfung mit anderen Unternehmen das
Risiko, dass sich Krisen auf die FuE-Branche übertragen. So sind FuE-Dienstleister stark mit den
sektoralen Stärkefeldern Industrie sowie Finanz und Versicherungen verbunden. Geraten diese
Branchen am Standort in Probleme, wird sich das auch auf die FuE-Dienstleistungen übertragen.
2BMünster 2030+ | Ausgangslage am Wirtschaftsstandort
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2.3.5 Finanzen und Versicherungen
Münster hat eine lange Tradition als bedeutender Finanz- und Versicherungsstandort. In der
gesamten Branche waren im Jahr 2022 12.047 Menschen beschäftigt, was 6,5 Prozent aller
Beschäftigten in Münster ausmachte. Mit einem Lokationsquotient von 2,3 ist Münster einer der
zehn am stärksten auf die Finanz- und Versicherungswirtschaft spezialisierten Standorte
Deutschlands. Versicherungen, Rückversicherungen und Pensionskassen machen dabei mit
knapp 6.800 Beschäftigten den Schwerpunkt der Branche in Münster aus. Zentrale Unternehmen
sind hierbei die LVM und Provinzial NordWest. Insgesamt knapp 3.700 Beschäftigte arbeiten im
Bereich der Finanzdienstleistungen. Hier sind insbesondere die Sparkasse Münsterland Ost und
die NRW.Bank als Ankerunternehmen zu nennen. Neben den Unternehmen in den Kernbranchen
der Finanz- und Versicherungswirtschaft haben sich auch zahlreiche Unternehmensdienstleister
in Münster angesiedelt.
Abbildung 17: Branchenportfolio der Finanz- und Versicherungswirtschaft in Münster
Eigene Berechnung und Darstellung Prognos auf Basis von Bundesagentur für Arbeit 2023
Lesehilfe: Die Größe der Kreise entspricht der absoluten Anzahl der SvB in der jeweiligen Branche. Auf der vertikalen Achse
wird der Spezialisierungsgrad abgebildet. Dieser gibt an, wie stark die regionale Spezialisierung einer Branche im Vergleich zum
Durchschnitt in Deutschland ist. Ein Spezialisierungsgrad von 1,0 entspricht dem bundesweiten Branchenanteil.
Eine besondere Stärke dieses sektoralen Schwerpunkts in Münster liegt in der Kombination der
Kompetenzen aus dem Finanz- und Versicherungswesen mit denen aus der Informatik und Data-
Science. Die aus der 1968 in Münster gegründeten Buchungszentrale der westfälisch-lippischen
Sparkassen hervorgegangene finanz informatik GmbH betreibt weiterhin wichtige
Unternehmensteile in Münster.19 Mit der Atruvia AG hat ein weiterer wichtiger IT-Dienstleister für
die Finanzwirtschaft einen Standort in Münster.
19 finanz informatik GmbH (2023)
2BMünster 2030+ | Ausgangslage am Wirtschaftsstandort
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Münster ist damit gut aufgestellt, um den Herausforderungen der Digitalisierung in einer seiner
Kernbranchen entgegenzutreten und die Transformation erfolgreich zu gestalten.
Transformationsherausforderungen
Die zentrale Transformationsherausforderung für die Finanz- und Versicherungsbranche ergibt
sich aus der Digitalisierung von Geschäftsmodellen. Die Digitalisierung hat schon in den
vergangenen Jahren für Umbrüche gesorgt und wird auch in Zukunft die weitere Entwicklung der
Branche prägen. Insbesondere die zunehmenden Einsatzmöglichkeiten von Künstlicher
Intelligenz bergen dabei auch wirtschaftliche Chancen. Um diese zu nutzen, bedarf es jedoch
umfangreicher Anpassungen, die sich insbesondere in stark veränderten Anforderungen an die
Kompetenzen des Personals ausdrücken.
Münster hat eine hoch attraktive Hochschullandschaft mit einigen für die Finanz- und
Versicherungswirtschaft interessanten Studiengängen (bspw. Wirtschaftsinformatik, BWL,
Rechtswissenschaften, Mathematik), allerdings ist die Wahrnehmung der Finanz- und
Versicherungswirtschaft als potenzieller Arbeitgeber bei den Studierenden relativ gering.
Geeignete Fachkräfte werden somit in Münster zwar ausgebildet, jedoch deckt die Zahl der
Absolventinnen und Absolventen nur einen Teil des Bedarfs der Branche. Neben der Attraktion
von Fachkräften durch möglichst attraktive Standortbedingungen gewinnt daher die frühzeitige
Vernetzung mit Absolvierenden an Bedeutung für die Unternehmen der Finanz- und
Versicherungsbranche.
Die Anforderungen an den Arbeitsplatz der Zukunft bzw. Anforderungen der Bewerberinnen und
Bewerber an einen Arbeitsplatz stellen eine weitere Herausforderung dar: Remote bzw. Mobiles
Arbeiten im Sinne von New Work funktioniert in vielen Berufsbildern, allerdings ist dies für z. B.
Bankkaufleute nicht immer möglich.
Gleichzeitig hat in Münster die Erneuerung der Branche von außen noch Potenziale und
Spielräume. Obwohl die Finanz- und Versicherungswirtschaft einen bedeutenden Stellenwert in
der Münsteraner Wirtschaft innehat, spielen neue Unternehmensgründungen in dem Feld bislang
eine untergeordnete Rolle. Entre- und Intrapreneurship sind jedoch wichtige Stellschrauben, die
stärker genutzt werden können, um neue Technologien und Geschäftsmodelle in Münster zu
etablieren und die Branche zukunftsfester aufzustellen. Daraus leitet sich auch die Chance ab,
die vorhanden exzellenten Kompetenzen im Bereich der Finanzinformatik, Versicherungen,
Forschung und Lehre besser zu vernetzen und so auch Impulse für das Gründungsgeschehen in
Münster zu setzen.
2BMünster 2030+ | Ausgangslage am Wirtschaftsstandort
Seite 32
2.3.6 Gesundheitswirtschaft
Die knapp 25.000 Beschäftigten der Gesundheitswirtschaft stellen mit einem Anteil von fast 14
Prozent an allen SvB einen substanziellen Teil der Münsteraner Wirtschaft dar. Neben großen
Unternehmen wie der Alexianer GmbH sind insbesondere die herausragenden Behandlungs- und
Forschungskompetenzen mit dem Universitätsklinikum Münster (UKM) und den weiteren
Krankenhäusern am Standort ausschlaggebend für die Stärke der Branche. Münster zählt nach
absoluten Beschäftigungszahlen zu den zehn größten Standorten im Gesundheitswesen in
Deutschland. Die Gesundheitswirtschaft ist damit ein eindeutiges Stärkefeld der Münsteraner
Wirtschaft.
Im Zentrum der Gesundheitswirtschaft stehen, gemessen an der Beschäftigung, das
Gesundheitswesen (fast 25.000 SvB) und (Pflege-)Heime. Auf Seiten der Vorbereitung und
Entwicklung weisen vor allem die Ernährungswirtschaft sowie Forschung und Entwicklung Bezüge
zur Gesundheitswirtschaft auf. Direkt und indirekt spielen zudem unternehmensnahe
Dienstleistungen eine Rolle (bspw. Handel mit pharmazeutischen Produkten). Die
Gesundheitswirtschaft bildet so auch einen Teil der vielseitigen Münsteraner Sozialwirtschaft ab,
die mit ihren wohlfahrtsorientierten Aufgaben wesentlich zur Lebensqualität in Münster beiträgt.
Die Sozial- und Gesundheitswirtschaft tragen nicht nur selbst direkt zur Wertschöpfung bei,
sondern haben durch ihre Dienstleistungen auch einen wichtigen indirekten Effekt: Sie
ermöglichen Eltern, pflegenden Angehörigen u.v.m. die Teilnahme am Erwerbsleben.
Abbildung 18: Branchenportfolio der Gesundheitswirtschaft in Münster
Eigene Berechnung und Darstellung Prognos auf Basis von Bundesagentur für Arbeit 2023
Lesehilfe: Die Größe der Kreise entspricht der absoluten Anzahl der SvB in der jeweiligen Branche. Auf der vertikalen Achse
wird der Spezialisierungsgrad abgebildet. Dieser gibt an, wie stark die regionale Spezialisierung einer Branche im Vergleich
zum Durchschnitt in Deutschland ist. Ein Spezialisierungsgrad von 1,0 entspricht dem bundesweiten Branchenanteil.
Zum Bereich Erziehung und Unterricht zählen wissenschaftliche Mitarbeitende an Hochschulen.
Forschungsschwerpunkte bestehen in Münster auf den Feldern Entzündung und Infektion,
2BMünster 2030+ | Ausgangslage am Wirtschaftsstandort
Seite 33
Vaskuläres System, Neurale Systeme sowie Zelldifferenzierung, Regeneration und Neoplasie.20
Daneben stellt das Thema Public Health einen weiteren wichtigen Schwerpunkt der
gesundheitswirtschaftlichen Akteurinnen und Akteure in Münster und dem Münsterland dar. Der
sogenannte zweite Gesundheitsmarkt (alle privat finanzierten Produkte und Dienstleistungen
rund um die Gesundheit) ist für Münster ebenfalls von großer Bedeutung (u.a. Prävention, Sport,
Ernährung). Netzwerke mit Bezug zur Gesundheitswirtschaft bestehen vor allem durch das
Netzwerk Gesundheitswirtschaft Münsterland e.V. und die Netzwerke im euregionalen Raum.
Transformationsherausforderungen und -chancen
Der demografische Wandel stellt für die Gesundheitswirtschaft in Münster die zentrale
Herausforderung der kommenden Jahre dar. Mit einer alternden Bevölkerung steigt die Anzahl
der Menschen mit chronischen Erkrankungen signifikant an. Ebenso führt der demografische
Wandel zu einem Anstieg von Multimorbidität und einer verstärkten Nachfrage nach repetitiver,
planbarer Akutversorgung. Zugleich ermöglichen medizinische Innovationen und Interventionen
ein längeres Leben.
Zusätzliche Gefahren können sich aus dem Klimawandel ergeben: Starke, lang andauernde
Hitzeperioden, deren Wirkung in Städten meist extremer ist, bergen insbesondere für ältere
Menschen erhebliche Risiken und münden nicht selten in behandlungspflichtigen Zuständen.
Gleichzeitig haben viele Münsteraner Krankenhäuser schon heute Probleme, Stellen in der Pflege
zu besetzen. Ein besonders herausforderndes Element ist der Rückgang des
Arbeitskräfteangebots sowohl insgesamt als auch speziell in Gesundheitsberufen. Diese
Schrumpfung des Arbeitskräftepotenzials könnte Engpässe in der Versorgung und eine
Überlastung des Gesundheitssystems zur Folge haben. Diese Situation wird sich in absehbarer
Zeit durch das altersbedingte Ausscheiden vieler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem
Berufsleben weiter verschärfen. Vor diesem Hintergrund gewinnen das Anwerben und die
Integration internationaler Arbeitskräfte im Gesundheits- und Pflegesektor an zusätzlicher
Bedeutung.
Auf der anderen Seite ergeben sich durch den demografischen Wandel auch neue wirtschaftliche
Chancen für Unternehmen der Gesundheitswirtschaft. Eine alternde Bevölkerung ist nicht nur mit
einem erhöhten Versorgungsaufwand verbunden. Vielmehr entstehen auch Absatzmärkte für
neue, altersgerechte Medizinprodukte und Dienstleistungen und damit ein Marktpotenzial für
Innovationen. Gerade im Bereich der Diagnostik ergeben sich in Münster besondere Chancen
durch die Kombination der Analytik-Kompetenzen mit den schnell voranschreitenden
Erkenntnissen in der Künstlichen Intelligenz. Die Digitalisierung wird somit auch hier zum
wesentlichen Treiber des wirtschaftlichen und technischen Fortschritts.
Ein Alleinstellungsmerkmal und damit eine erhebliche Chance ergibt sich für Münster aus der
Kombination einer herausragenden medizinischen Forschungs- und Behandlungslandschaft mit
einer vielfältigen regionalen Siedlungs- und Bevölkerungsstruktur und einer Vielzahl
unternehmerischer Kompetenzen auf unterschiedlichen gesundheitswirtschaftlichen
Fachgebieten in Münster und der erweiterten Region bis hinein in die Niederlande. Dies
ermöglicht einerseits die kooperative, akteursübergreifende Entwicklung neuer Lösungen,
gleichzeitig aber auch die frühe Erprobung und Demonstration unter realen Bedingungen. In
einem solchen Reallabor können wertvolle Erfahrungen gesammelt werden, die in die weitere
20 Medizinische Fakultät der Universität Münster (2023): Forschungsschwerpunkte (https://www.medizin.uni-
muenster.de/fakultaet/forschung/forschungsschwerpunkte.html)
2BMünster 2030+ | Ausgangslage am Wirtschaftsstandort
Seite 34
Entwicklung einfließen. Insbesondere eröffnet ein grenzüberschreitendes (euregionales) Agieren
große Potenziale, wie in Schlüsselpersonengesprächen erläutert wurde.
Vor dem Hintergrund der beschriebenen Herausforderungen geht es in Zukunft vor allem auch
darum, einen Präventionsmarkt zu schaffen. Die Entwicklungen gehen von der Akutmedizin hin
zu einer präventiven personalisierten Medizin und Ambulantisierung. Von großer Bedeutung wird
dabei sein, die Kollaborationsfähigkeit der relevanten Akteurinnen und Akteure aus den
Bereichen Wissenschaft, Gesundheit und Wirtschaft zu schärfen. Treibende Kraft wird der
Austausch und die Ko-Kreation von Wissen und Technologie mit Anwendungspartnerinnen und -
partnern aus der Praxis sein. Aufgrund der Grenzlage zu den Niederlanden spielt dabei die
grenzüberschreitende Zusammenarbeit eine große Rolle.
2BMünster 2030+ | Ausgangslage am Wirtschaftsstandort
Seite 35
2.3.7 Kultur- und Kreativwirtschaft
Münster ist ein starker Dienstleistungsstandort. Neben Handel und Gesundheitswesen sind
freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen ein wichtiger
Beschäftigungsschwerpunkt, der dynamisch wächst. Designer, Malerinnen und Galeristen,
Filmemacher, Werberinnen, Radio- und Fernsehproduzentinnen, Grafiker, Software- und
Spieleentwicklerinnen, Artisten, Tänzer und Choreografen, Architektinnen, Musiker und
Komponisten, Redakteurinnen, Schriftsteller, Verlegerinnen und Buchhändler haben alle etwas
gemeinsam. Sie vertreten elf Teilbranchen, die wie bunte Puzzleteile ein vielfältiges Ganzes
ergeben – die Branche der Kultur- und Kreativwirtschaft (KKW) in Münster. Die KKW prägt damit
die überregionale Wahrnehmung Münsters bedeutend. Die Stadt dient als Kulisse in
Fernsehserien (z. B. Tatort), die Skulptur Projekte entfalten internationale Anziehungskraft und
prägen das Stadtbild.
Insgesamt arbeiteten 2019 in Münster fast 8.000 Beschäftigte in dieser diversen Branche. Dies
entspricht einem Anteil von 4,5 Prozent an allen Beschäftigten und liegt damit deutlich über dem
Bundesschnitt von 3,2 Prozent. Die Branche zeigt zudem ein sehr dynamisches Wachstum:
Zwischen 2010 und 2019 stieg die Zahl der Beschäftigten in allen Teilmärkten um 33 Prozent
(NRW: +29 Prozent).
Dieses Wachstum zeigt sich in der Stadt: Münster hat eine lebendige Kultur- und Kreativszene
mit vielen Besonderheiten. Die Stadt ist bekannt für ihre lebendige Kunstszene, von der Skulptur
Projekte Ausstellung, die alle 10 Jahre stattfindet und Künstlerinnen und Künstler aus der ganzen
Welt anzieht, bis hin zu einer Vielzahl von Galerien und Ateliers, die das ganze Jahr über geöffnet
sind. Auch in der Musikszene hat Münster viel zu bieten, mit Veranstaltungsorten wie der Halle
Münsterland und dem Jovel Music Club. Besonders beliebt ist das Internationale Jazzfestival
Münster, das zahlreiche Besucher anzieht. Darüber hinaus hat Münster eine starke Designszene
mit vielen talentierten Design- und Kreativagenturen. Der jährliche Design Gipfel zieht
Ausstellende und Besucherinnen und Besucher aus der ganzen Region an. Auch das Filmfestival
Münster lockt jedes Jahr mit nationalen und internationalen Filmen. Für Theaterfans bietet
Münster eine breite Palette von Aufführungen und Shows in verschiedenen Theatern wie dem
Theater Münster, dem Wolfgang-Borchert-Theater und dem Theater im Pumpenhaus. Die
Literaturszene in Münster entfaltet sich ebenfalls, mit vielen Autoren und traditionsreichen
Verlagshäusern wie dem Coppenrath Verlag. Die Stadt ist außerdem Stifterin des „Preis der Stadt
Münster für Internationale Poesie“.
Insgesamt bietet Münster ein inspirierendes und unterstützendes Umfeld für Künstler und
Kreative aller Disziplinen. Die Stadt beherbergt die renommierte Kunstakademie Münster, eine
der führenden Hochschulen für Bildende Kunst in Deutschland. Mit dem Kreativkai am Hafen und
den in Planung befindlichen Münster Modellquartieren 3, 4 und 5 hat die Kultur- und
Kreativwirtschaft zudem ihren festen Platz in der Stadt. Wichtiger Bestandteil der Kultur- und
Kreativszene ist die sogenannte „Freie Szene“ außerhalb öffentlich-rechtlicher Trägerschaften.
Mit dem Quartier „Am Hawerkamp“ existiert ein Kulminationspunkt der künstlerischen und
musikalischen Szene, der seit vielen Jahren in Eigenregie verwaltet wird.
2BMünster 2030+ | Ausgangslage am Wirtschaftsstandort
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Abbildung 19: Die Münsteraner Kultur- und Kreativwirtschaft in Zahlen
Eigene Berechnung und Darstellung Prognos auf Basis von Bundesagentur für Arbeit 2023
Transformationsherausforderungen
Die Münsteraner Kultur- und Kreativwirtschaft ist bei der Bewältigung der
Transformationsherausforderungen ein wichtiger Impulsgeber. Künstlerinnen und Künstler und
Kreative liefern ein wichtiges Gut: Ideen. Damit tragen sie zum wirtschaftlichen Wachstum bei.
Sie schaffen aber auch Werte jenseits ökonomischer Verwertbarkeit. Sie helfen, die Gesellschaft
zu verändern und sind wichtige Impulsgeber für Nachhaltigkeitsthemen und die digitale
Transformation und damit auch für die Entwicklung des Wirtschaftsstandorts. Durch eine weitere
Verknüpfung mit anderen etablierten Branchen, z. B. Handel, Industrie, Handwerk oder
Wissenschaft können sich darüber hinaus weitere Potenziale ergeben. Bei der Zukunftssicherung
des (Wirtschafts-)Standorts Münster darf daher auf die starke Kreativwirtschaft nicht verzichtet
werden. In Anbetracht der Transformationsherausforderungen gilt es, das vorhandene Potenzial
zu nutzen – und gleichzeitig das kultur- und kreativwirtschaftliche Ökosystem zu stabilisieren.
Die Bewältigung der Transformationsherausforderungen aus demografischem Wandel,
Klimawandel und Digitalisierung erfordert kreative Herangehens- und innovative Denkweisen.
Genau darin liegen die Potenziale der Kultur- und Kreativwirtschaft. Die Entwicklung und
Erprobung neuer Produkte, Narrative, Erlebnisse und Erfahrungen gehört zu den Kerndisziplinen
der Kultur- und Kreativwirtschaft. Um notwendige Veränderungsimpulse zu setzen, Komplexität
zu reduzieren und Probleme auf den Punkt zu bringen, bieten sich neue Formen der
kollaborativen Praxis und des kreativen Transfers an: Modelle und Prototypen bauen, Szenarien
denken, Labore öffnen und Verständnis schaffen. Kreativschaffende werden so zum Treiber des
gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandels.
Aber die Branche selbst kämpft auch mit vielen Transformationsanforderungen. Sie steht vor der
Herausforderung, sich an die digitale Transformation anzupassen. Dazu gehört die Integration
neuer Technologien, um Wettbewerbsvorteile zu erlangen und die Produktivität zu steigern. Eine
besondere Herausforderung stellt die Implementierung künstlicher Intelligenz (KI) dar, da sie die
Geschäftsmodelle und Arbeitsprozesse dramatisch verändern kann. Die Kreativwirtschaft muss
2BMünster 2030+ | Ausgangslage am Wirtschaftsstandort
Seite 37
sich ständig neuen Markttrends anpassen, was kontinuierliche Adaption und Innovation erfordert.
Dabei wird es zunehmend schwierig, qualifizierte Fachkräfte mit Kenntnissen in Bereichen wie
Technologie, Design und Kunst zu finden und zu halten. Zudem haben viele Kreativunternehmen
Schwierigkeiten, Finanzierungen zu erhalten, da ihre Geschäftsmodelle oft als riskant angesehen
werden. Die Anpassung der Geschäftspraktiken an umweltfreundliche Standards kann angesichts
des Klimawandels und dem damit wachsenden Fokus auf Nachhaltigkeit eine weitere
Herausforderung sein.
Zudem bestimmt wie in vielen anderen Städten eine hohe Nachfrage die Raumsituation in
Münster. Flächen und Räume sind eine zentrale Einflussgröße auf die Leistungsfähigkeit der
Kultur- und Kreativwirtschaft. Als physische Einheit sind Räume sowohl Orte von Begegnung und
Austausch als auch von Produktion und Kooperation. Sie integrieren soziale und räumliche Nähe
und erlauben damit ein kreatives und produktives Schaffensfeld, in dem innovative Ideen erprobt
und umgesetzt werden können. Die zunehmende Konkurrenz auf dem Immobilienmarkt sorgt für
einen Raummangel und steigende Mietpreisniveaus bei Wohn- und Arbeitsräumen, mit denen
viele Kultur- und Kreativschaffende überfordert sind.
2BMünster 2030+ | Ausgangslage am Wirtschaftsstandort
Seite 38
2.3.8 Innenstadt, Handel, Tourismus
Die Münsteraner Innenstadt ist der wichtigste Anziehungspunkt für regionale Besucherinnen und
Besucher der Stadt und zieht Touristinnen und Touristen aus der gesamten Bundesrepublik und
darüber hinaus in die Stadt. Münster entwickelt neben dem wachsenden Freizeittourismus auch
als Bildungsstandort Sogkraft. Viele Übernachtungsgäste kommen zu Weiterbildungen,
Schulungen und Seminaren in die Stadt. Hinzu kommen der Kongresstourismus, für den die
Hochschulen eine wichtige Grundlage bilden, sowie der Kulturtourismus, insbesondere in den
Jahren der Skulptur Projekte.
Dem Handel kommt in der Stadt Münster eine besondere Bedeutung zu. Mit Stand Dezember
2020 gab es in Münster 1.870 Einzelhandelsunternehmen, die insgesamt gut 24.000 Menschen
beschäftigten. Insgesamt befinden sich 407 Einzelhandelsgeschäfte in der Innenstadt, von denen
56 Prozent als Filialisten eingestuft werden.21 Auch der Großhandel ist in Münster stark vertreten.
Mit dem Standort verbundene Familienunternehmen wie die Westfalen AG, Unternehmensgruppe
L. Stroetmann, H. Gautzsch Firmengruppe, Mosecker und Standorte der Pietsch-Gruppe wachsen
stetig. Insgesamt sind im Münsteraner Großhandel über 12.000 Menschen beschäftigt.
Abbildung 20: Branchenportfolio Innenstadt, Handel und Tourismus in Münster
Eigene Berechnung und Darstellung Prognos auf Basis von Bundesagentur für Arbeit 2023
Lesehilfe: Die Größe der Kreise entspricht der absoluten Anzahl der SvB in der jeweiligen Branche. Auf der vertikalen Achse
wird der Spezialisierungsgrad abgebildet. Dieser gibt an, wie stark die regionale Spezialisierung einer Branche im Vergleich
zum Durchschnitt in Deutschland ist. Ein Spezialisierungsgrad von 1,0 entspricht dem bundesweiten Branchenanteil.
Aufgrund der hohen Attraktivität der Münsteraner Altstadt ist die Innenstadt ein bedeutender
Anziehungspunkt für regionale Besucherinnen und Besucher wie auch für nationale und
internationale Touristinnen und Touristen. Münster erfreut sich stetig wachsender Beliebtheit bei
Touristen. Die Übernachtungszahlen steigen stetig: So konnten im Jahr 2023 1,93 Millionen
21 Wirtschaftsförderung Münster (2022)
2BMünster 2030+ | Ausgangslage am Wirtschaftsstandort
Seite 39
Übernachtungen22 gezählt werden (+26 Prozent zu 2022). Über 175.000 dieser Übernachtungen
gehen auf ausländische Gäste der Stadt zurück (+11,3 Prozent zu 2022). Besonders beliebt ist
Münster dabei bei Gästen aus den Niederlanden, der Schweiz, Großbritannien und den USA. Auch
die Zahl der Beherbergungsbetriebe und mit ihnen die Zahl der angebotenen Betten steigt.
Transformationsherausforderungen
Der Einzelhandel in Münster war in den vergangenen Jahren im Wesentlichen von zwei
Transformationsdynamiken betroffen. Auf der einen Seite ist Münster von einer zunehmenden
Filialisierung geprägt worden: alt-eingesessene Einzelhändlerinnen und -händler gaben ihre
Geschäfte auf, während filialisierte Einzelhandelsketten zunehmend das Bild der Innenstadt
bestimmten. Auf der anderen Seite stellt die Digitalisierung mit der Konkurrenz durch große
Online-Händler den gesamten stationären Einzelhandel auf die Probe. Tradierte
Geschäftsmodelle, wie das klassische Kaufhaus geraten zunehmend unter wirtschaftlichen
Druck. Die Umsatz-Einbußen wurden in der Corona-Pandemie weiter verschärft. Auch in Münster
zeigen sich diese Transformationen, wenn auch in geringerem Ausmaß als in vielen anderen
deutschen Städten. Insbesondere der Online-Handel wird auch in Zukunft eine zentrale
Konkurrenz bleiben und innovative Anpassungsformen bestehender lokaler Handelsformen
erfordern.
Diese Entwicklungen verdeutlichen, dass gerade der Innenstadt-Handel innovative und
zukunftsbeständige Konzepte entwickeln muss. Kreative Konzepte können Nuklei für die
Entstehung neuer Handelsmodelle und Unternehmen werden und so eine stabile neue
wirtschaftliche Wertschöpfung anstoßen.
Gleichzeitig ist die kontinuierliche Verbesserung der Aufenthaltsqualität in der Innenstadt sowie
den Stadtteilzentren ein bedeutendes Element für deren Erfolg. Dabei gilt es, neben der Stärkung
des gastronomischen Angebots auch konsumfreie Räume in das Stadtbild zu integrieren.
Die Transformation der Innenstadt als multifunktionaler Zukunftsort wurde in den letzten Jahren
in einem intensiven Dialogprozess mit allen Akteursgruppen (v.a. der Initiative Starke Innenstadt
e.V./ISI) vorangetrieben. Die Ergebnisse sind im INSEK Innenstadt-Münster (2023) festgehalten
und vom Rat beschlossen worden.23 Die im INSEK beschriebenen Maßnahmen werden
kontinuierlich in Kooperation aller Partnerinnen und Partner umgesetzt.
22 IT.NRW (2023): Betriebe, geöffnete Beherbergungsbetriebe, Betten, angebotene Betten, Ankünfte und Übernachtungen
23 Stadt Münster (2023a)
2BMünster 2030+ | Ausgangslage am Wirtschaftsstandort
Seite 40
2.3.9 Wissenschaft
In der Stadt Münster gibt es insgesamt elf Universitäten und Hochschulen. Die Universität
Münster und die FH Münster sind hierbei gemessen an der Zahl der Studierenden die größten
Einrichtungen. Im Wintersemester 2022/23 studierten in Münster insgesamt 62.967 Menschen.
An den Hochschulen waren insgesamt gut 6.500 Menschen als wissenschaftliches oder
künstlerisches Personal beschäftigt.24 Forschungsschwerpunkte der Universität Münster liegen in
den Themen Zelldynamik und Bildgebung, Religion und Politik, Mathematik, Batterieforschung
sowie Nanowissenschaften. Darüber hinaus werden Evolutionsforschung und neuronale Systeme
als Potenzialbereiche definiert.25
Abbildung 21: Branchenportfolio Wissenschaft in Münster*
Eigene Berechnung und Darstellung Prognos auf Basis von Bundesagentur für Arbeit 2023
*Teile des wissenschaftlichen Personals werden nicht vollständig erfasst. So sind die insgesamt 872 in der Stadt beschäftigten
Professorinnen und Professoren nicht in den Zahlen enthalten.
Lesehilfe: Die Größe der Kreise entspricht der absoluten Anzahl der SvB in der jeweiligen Branche. Auf der vertikalen Achse
wird der Spezialisierungsgrad abgebildet. Dieser gibt an, wie stark die regionale Spezialisierung einer Branche im Vergleich
zum Durchschnitt in Deutschland ist. Ein Spezialisierungsgrad von 1,0 entspricht dem bundesweiten Branchenanteil.
Größter Arbeitgeber in Münster ist das Universitätsklinikum (UKM). Dieses bildet zusammen mit
der Medizinischen Fakultät der Universität Münster eine funktionale Einheit: Es unterstützt die
Fakultät in Forschung und Lehre und verantwortet die Krankenversorgung. Gemeinsame
praktische Forschungszentren werden zu den Themen Reproductive Health, Inflammation und
Neuroinflammation unterhalten.26 Besondere Forschungsschwerpunkte der FH liegen u.a. in den
Bereichen Energie- und Prozesstechnik, Gesellschaft und Digitales, Infrastruktur, Materialien,
Ernährung, Optik, Digitale Transformation und Interdisziplinarität in Gesundheit, Technik und
Arbeitsfähigkeit.
27 Wichtige außeruniversitäre Forschungseinrichtungen bestehen z. B. mit dem
24 Stadt Münster (2023b)
25 WWU Münster (2023a)
26 WWU Münster (2023b)
27 FH Münster (2023)
2BMünster 2030+ | Ausgangslage am Wirtschaftsstandort
Seite 41
Max Planck-Institut für Molekulare Biomedizin. Der Forschungsschwerpunkt Batterieforschung
wurde außerdem mit der Ansiedlung der Fraunhofer Einrichtung Forschungsfertigung
Batteriezelle (FFB) weiter gestärkt. Das Batterieforschungscluster wird aktuell durch den Ausbau
des 2014 gegründeten Helmholtz-Institutes Münster weiter gestärkt. Darüber hinaus bestehen im
Wissenschaftspark mit dem Center for Nanotechnology Münster (CenTech) und dem Nano-
Bioanalytik-Zentrum Münster (NBZ) außeruniversitäre Innovationsinfrastrukturen. Ebenso verfügt
Münster über Außenstellen von Fraunhofer Instituten.
Vor dem Hintergrund der Notwendigkeit zu interdisziplinärem Arbeiten angesichts wichtiger
Transformationsthemen ist auch auf das Zentrum für Interdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung
(ZIN) der Universität Münster hinzuweisen. Dies stellt einen wichtigen Netzwerkknoten zur
Bündelung der Nachhaltigkeitsforschung an der Universität Münster dar.
Transformationsherausforderungen
Seit jeher beschäftigt sich die Münsteraner Wissenschaft mit den drängenden Fragen der
Menschheit. In dieser Tradition wird sie in den kommenden Jahren mehr denn je gefragt sein,
Antworten auf den Umgang mit den großen gesellschaftlichen Herausforderungen zu finden. Die
Bekämpfung des Klimawandels erfordert neue Technologien und eine Anpassung der
Lebensweise in Städten. Der demografische Wandel wirft volkswirtschaftliche Fragestellungen
genauso auf wie Aspekte der Gesundheit und medizinischen Versorgung. Die Digitalisierung und
rasante Fortschritte in der Künstlichen Intelligenz bedingen neue Umgangsformen mit ihnen und
werfen vollkommen neue rechtliche Fragestellungen auf. Die geopolitische Situation gefährdet
die Sicherheit und den Wohlstand Europas und macht neue Wege des Zusammenlebens auf dem
Planeten unabdingbar. Diese Herausforderungen sind für die Wissenschaft jedoch nicht nur
Betrachtungsobjekte, sondern werden auch sie selbst zu Veränderungen veranlassen.
Dabei ist zunächst der demografische Wandel zu nennen: Auch in Forschung und Lehre macht
sich eine Alterung bemerkbar, in Zukunft wird es schwieriger, wissenschaftliches Personal zu
finden und vor dem Hintergrund weltweiter Konkurrenz an Münster zu binden. Umso notwendiger
wird die internationale Attraktion wissenschaftlicher Nachwuchskräfte und ihre langfristige
Bindung. Es gilt, Fachkräfte für Münster und das Münsterland zu begeistern. Das Fehlen einer
internationalen Schule kann zum Standortnachteil werden, wenn es darum geht, internationale
Fach- und Führungskräfte anzuwerben.
Die komplexe Natur der gesellschaftlichen Herausforderungen, die in unterschiedlichen, sich
gegenseitig beeinflussenden Verhältnissen stehen, macht zudem die Stärkung transdisziplinärer
Forschung unabdingbar. Die Münsteraner Wissenschaftslandschaft ist hier gut vorbereitet: Die
eher technisch orientierte FH Münster (v.a. mit dem Standort Steinfurt) ergänzt das v.a.
gesellschafts- und gesundheitswissenschaftliche Portfolio der Universität. Eine Herausforderung
wird es sein, die Stärken der Wissenschaft international noch sichtbarer zu machen.
Gleichzeitig verdeutlicht die Komplexität der Herausforderungen auch, dass neue Formen der
Erkenntnisgewinnung zielführend sind: Viele Fragen lassen sich nur in Koproduktion zwischen
Gesellschaft, Wirtschaft, Politik und Wissenschaft lösen. Dazu bedarf es neuer Formate und
Herangehensweisen, für die Münster als Stadt der Wissenschaft mit einer weltoffenen
Bevölkerung und hohem Bildungsniveau prädestiniert ist. Ein Nebeneffekt der Koproduktion ist
der vereinfachte Wissenstransfer in die Praxis. Technische Innovationen können schneller in Wert
gesetzt werden und soziale Innovationen können sich schneller Sichtbarkeit verschaffen. In
diesem Zusammenhang spielt die Allianz für Wissenschaft eine wichtige Rolle, in der
Stadtverwaltung, Universität Münster und FH Münster unter Einbezug wirtschaftlicher
2BMünster 2030+ | Ausgangslage am Wirtschaftsstandort
Seite 42
Akteurinnen und Akteure ihre Kompetenzen für den Ausbau des Wissenschafts- und
Wirtschaftsstandort in verschiedenen themenorientierten Arbeitskreisen bündeln. Schwerpunkte
in dieser Kooperation sind aktuell: Westfälischer Frieden "Dialoge zum Frieden – 1648“, Medizin
„Public Health“, Nachhaltige Stadtentwicklung und Bildung.
Auch für wissenschaftliche Institute sowie den Wissens- und Forschungstransfer werden neue
Standorte und Flächen benötigt. Die Ansiedlung der Fraunhofer-Einrichtung Forschungsfertigung
Batteriezelle FFB wäre ohne die Flächenreserven im Hansa Business-Park nicht möglich gewesen.
Demgegenüber verfügen der Wissenschaftspark und der Technologiepark über keine
nennenswerten Standortreserven mehr. Daher sollen in den nächsten Jahren in direkter
Nachbarschaft an der Busso-Peus-Straße und an der Steinfurter Straße entsprechende Flächen
entwickelt werden. Die Umnutzung von überdimensionierten Verkehrsanlagen im Bestand
eröffnet zusätzliche Flächenpotenziale für Forschung, Wissens- und Technologietransfer, was
eine flächensparsame Entwicklung unterstützt.
2BMünster 2030+ | Ausgangslage am Wirtschaftsstandort
Seite 43
2.4 Zusammenfassung der Ausgangslage
Mit der vorangegangenen Betrachtung sind wesentliche Aspekte der Ausgangslage in Münster
formuliert. Zur besseren Übersichtlichkeit werden diese nochmals in Stärken und Schwächen
sowie in zukünftigen Chancen und Herausforderungen als Ansatzpunkte für eine zielgerichtete
Entwicklung der Wirtschaft in Münster zusammengefasst. Das Kapitel gibt damit einen Überblick
zu Stärken und Schwächen, Chancen und Herausforderungen (SWOT) am Standort Münster.
Eine klare Stärke Münsters ist das Bevölkerungs- und Beschäftigungswachstum, welches
deutlich über dem Bundesschnitt liegt. Die Überschaubarkeit der Stadt, die kurzen Wege und der
Status als Fahrradstadt tragen dazu bei, dass Menschen sich hier wohl und sicher fühlen.
Gelebte "Münsterwerte" wie Solidarität und Vielfalt, eine starke Verzahnung innerhalb der Stadt
und mit dem Münsterland, sowie gute Beziehungen mit niederländischen Partnerregionen
innerhalb der Euregio, stärken das soziale Gefüge. Münster ist attraktiv für junge Erwachsene und
ein bekannter, vielfältiger und starker Wissenschaftsstandort. Das hohe Qualifikationsniveau der
Bevölkerung, ein überdurchschnittlicher Anteil an digitalen Impulsgebenden und die Position als
starker Gründungsstandort, insbesondere in den Bereichen High-Tech und IKT, kennzeichnen die
Stadt. Ein breiter Branchenmix und ein starker Mittelstand mit hoher Standortidentifikation
minimieren die Abhängigkeit von dominierenden Konzernen.
Allerdings gibt es auch einige Schwächen: Es besteht ein negatives Wanderungssaldo bei 30- bis
50-Jährigen, relativ hohe Lebenshaltungskosten, ein Mangel an bezahlbarem Wohnraum und
eine abgeschmolzene Manövriermasse an Gewerbeflächen. Die Mobilitätsinfrastruktur ist
belastet, was sich insbesondere bei den knapp 90.000 Einpendelnden zeigt. Die Wirtschaft
nimmt in der Wahrnehmung der Bevölkerung eine untergeordnete Rolle ein. Es gibt einen hohen
Anteil an geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen und eine geringere messbare
Innovationstätigkeit im Vergleich zu Benchmark-Städten wie Jena oder Karlsruhe.
Gleichwohl bieten sich Chancen für die Zukunft: Bis 2035 wird für Münster ein weiteres
Bevölkerungswachstum prognostiziert. Die Stadt hat das Potenzial, sich als "Klimastadt" zu
entwickeln und ihre vielen Stärken, z. B. im Bereich Batterieforschung oder Gesundheit weiter
auszubauen. Es besteht die Möglichkeit, Modellquartiere für zukunftsweisende
Flächenentwicklung als „Zukunftsorte“ zu schaffen, die Vernetzung von Hochschulen und
Wirtschaft weiter zu intensivieren, das Gründungsökosystem weiterzuentwickeln und die Allianzen
mit der Wirtschaft (u.a. Handwerk) zu stärken. Der Ausbau lokaler Wertschöpfung in
Zusammenarbeit mit dem Münsterland und EUREGIO verspricht zusätzliches Potenzial.
Es gibt jedoch auch Risiken: Die Grenzen des Bevölkerungs- und Beschäftigungswachstums
könnten durch den angespannten Wohnungsmarkt, fehlende gewerbliche Standortalternativen
und die Mobilitätsinfrastruktur erreicht werden. Es besteht die Gefahr einer Verschiebung des
demografischen Gleichgewichts und einer Zunahme sozialer Diskrepanzen. Ein Fachkräftemangel
zeichnet sich in vielen Bereichen ab, und die Bedingungen zur Attraktion internationaler
Fachkräfte sind schwierig. Der Strukturwandel in der Finanz- und Versicherungsbranche und im
Einzelhandel könnte Arbeitsplätze kosten und die Bedeutung der Innenstadt schmälern. Zudem
besteht ein Interessenkonflikt zwischen der geringen Verfügbarkeit von Gewerbeflächen und der
Vermeidung von weiterer Flächenversiegelung.
Aufbauend auf dieser SWOT-Analyse werden im Folgenden eine Vision und strategische Leitlinien
formuliert und strategische Handlungsfelder mit einem konkreten Maßnahmenplan entwickelt. Es
gilt, die formulierten Chancen zu nutzen, die Risiken abzuwenden und der Wirtschaftsstandort
Münster erfolgreich in die Zukunft zu führen.
3BMünster 2030+ | Vision und strategische Leitlinien
Seite 44
3 Münster 2030+ | Vision und strategische Leitlinien
Münster weist eine gute wirtschaftliche Ausgangssituation vor, die Entwicklung gestaltet sich
allerdings weniger dynamisch als in anderen Städten. In Zukunft müssen die ausgezeichneten
Ausgansbedingungen noch stärker genutzt, bislang nicht realisierte Potenziale gehoben und der
vorhandene Entwicklungsspielraum ausgefüllt werden (vgl. Kapitel Münster 2030+ |
Ausgangslage am Wirtschaftsstandort). Die großen Transformationsherausforderungen in den
Stärkefeldern erfordern Lösungen. Münster erkennt die Notwendigkeit, die Stärken der
Münsteraner Wirtschaft zu nutzen und gleichzeitig auf die sich wandelnden Dynamiken der Zeit
zu reagieren. Mit der Standortentwicklungsstrategie 2030+ hat Münster in einem partizipativen
Prozess ein Zukunftskonzept entwickelt.
Vision Wirtschaftsstandort Münster 2030+
Münster nimmt eine führende Rolle als Innovationszentrum für nachhaltige
Wirtschaftsentwicklung und Lebensqualität ein legt dabei die Prinzipien der
Nachhaltigkeit (ökonomisch, ökologisch und sozial), des sozialen Ausgleichs und
Fortschritts sowie der der Klimaneutralität zugrunde.
Münster ist Vorreiter für eine nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit auf regionaler,
nationaler und internationaler Ebene.
Münster ist eine produktive Stadt und ein Wirtschaftsstandort des dynamischen
Mittelstandes. Ein Fokus liegt dabei auf Bereichen, die eine besondere Profilierung und
Kompetenzfeldentwicklung erlauben und die Transformationsprozesse unterstützen. Als
Instrument wird Kreislaufwirtschaft bzw. Circular Economy konsequent mitgedacht.
Münster fördert ein innovations- und mittelstandsfreundliches Wirtschaftsumfeld
unterstützt durch eine hervorragende Erreichbarkeit und ein nachfrageorientiertes
Flächenangebot sowie ein Ökosystem, das Innovation, Kreativität und
unternehmerisches Denken unterstützt.
Münster stärkt die Austauschprozesse von Wissenschaft und Wirtschaft zur
Entwicklung von zukunftsweisenden Technologien und Geschäftsmodellen.
Münster verstärkt die Zusammenarbeit mit dem Münsterland und ist gemeinsam mit
dem Münsterland ein Motor der deutsch-niederländischen Zusammenarbeit.
Münster steht für Lebensart und Lebensqualität. Alle notwendigen Einrichtungen des
täglichen Bedarfs sind in 15 Minuten bequem erreichbar (15 Minuten Stadt). Münster
ist geprägt von einer lebendigen Gemeinschaft, einer vielfältigen Kultur, einem
respektvollen Miteinander, einer Offenheit und Toleranz gegenüber allen Lebensstilen
und bietet ausreichenden Wohnraum für alle Beschäftigte aller Qualifikationsstufen.
3BMünster 2030+ | Vision und strategische Leitlinien
Seite 45
Die Vision Münster 2030+ für den Wirtschaftsstandort Münster stellt eine Zielorientierung für die
künftige Entwicklung von Wirtschaft, Gesellschaft und Stadt bis 2030 dar. Sie soll die Akteurin-
nen und Akteure aus Stadtverwaltung, Wirtschaft, Wirtschaftsvertretungen und Wissenschaft an-
regen und motivieren, gemeinsam den Wirtschaftsstandort zu gestalten. Standortentwicklung ist
Gemeinschaftsaufgabe.
Strategische Leitlinien
Die strategischen Leitlinien sind übergeordnete Werte und Prinzipien, die das wirtschaftliche
Handeln der Akteurinnen und Akteure in der Stadt Münster im Sinne einer
gemeinwohlorientierten, innovativen und nachhaltigen Wirtschafts- und Stadtentwicklung leiten
(Abbildung 22). Sie bilden die Grundlage für die Ziele, die mit Maßnahmen und
Schlüsselprojekten operationalisiert sind (vgl. Kapitel 4).
Abbildung 22: Strategische Leitlinien für den Wirtschaftsstandort Münster 2030+
Abbildung Prognos AG, 2024
Münster ist
klimaneutral
und
nachhaltig
Münster ist
weltoffen
und
international
Münster ist
digital
Münster
lebt von
neuem Wissen
und ist
innovativ
Münster kann auf einem stabilen
wirtschaftlichen Fundament aufbauen
zwischen Tradition und Innovation
Münster schafft Raum für die
Transformation der Wirtschaft
Good Governance
Münster ist regional und
überregional erreichbar
3BMünster 2030+ | Vision und strategische Leitlinien
Seite 46
MÜNSTER LEBT VON NEUEM WISSEN UND IST INNOVATIV
Die Stadt Münster setzt auf innovative Herangehensweisen in allen Wirtschaftsbereichen und den
Transfer der wissenschaftlichen Exzellenz am Standort in alle sektoralen Stärkefelder. Münster
baut auf vorhandenen wissenschaftlichen Kompetenzen und einem dynamischen Mittelstand auf
und steht für nachhaltige Wirtschaftsentwicklung auf Basis von Wissen. Münster positioniert sich
als einer der führenden Bildungs-, Wissenschafts-, Forschungs- und Entwicklungsstandorte in
Europa. Dabei schafft die Stadt Münster ein Umfeld, das kluge und kreative Köpfe anzieht und in
dem Menschen ihre Potenziale unabhängig von ihrer sexuellen Identität, sexuellen Orientierung,
Migrationsgeschichte, Alter oder Behinderung voll entfalten können. Dazu bietet es eine
lebendige Kulturszene, attraktive Arbeitsbedingungen und eine hohe Lebensqualität
einschließlich ausreichenden Wohnraums für Beschäftigte aller Qualifikationsstufen.
MÜNSTER IST KLIMANEUTRAL UND NACHHALTIG
Die Stadt Münster nimmt eine Vorreiterrolle beim Thema Klimaneutralität und Nachhaltigkeit ein.
Die Standortentwicklungsstrategie orientiert sich an den drei Dimensionen der Nachhaltigkeit:
ökologisch, ökonomisch und sozial gerecht. In der Wirtschaft wird zukünftig Wertschöpfung
verstärkt in nachhaltigen Themen und Zukunftsmärkten gehoben. In Münster werden Produkte
und Dienstleistungen zur Anpassung an den Klimawandel und zur Erreichung der Klimaneutralität
entwickelt, umgesetzt und exportiert. Neue Gewerbegebiete sollen den neusten ökologischen und
ökonomischen Standards entsprechen und somit klimaneutral entwickelt werden. Wachstum soll
in Münster auch sozial nachhaltig gestaltet werden. Neben guten Arbeitsbedingungen gehört
dazu, dass Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht ihre Begabungen einbringen können
und Klimaschutzmaßnahmen geschlechtergerecht gestaltet werden. Hürden, die dem im Weg
stehen, werden abgebaut.
MÜNSTER IST DIGITAL
Der Konzern Stadt Münster nutzt digitale Technologien, um eine nachhaltige Wirtschafts- und
Stadtentwicklung zu fördern. Forschung und Unternehmen finden optimale Voraussetzungen für
die Nutzung der Potenziale der Digitalisierung sowie die Umsetzung digitaler Geschäftsmodelle.
Die Chancen der digitalen Transformation werden genutzt, um die Lebensqualität zu fördern und
Münster als attraktiven Wohn- und Wirtschaftsstandort zu stärken.
MÜNSTER IST WELTOFFEN UND INTERNATIONAL
Die Stadt Münster positioniert sich als weltoffene Stadt, die für friedenssicherndes und
humanitäres Handeln steht. Gemeinsam mit dem Münsterland sorgt die Stadt Münster für eine
höhere Sichtbarkeit und Wahrnehmbarkeit als Wirtschaftsstandort – nach innen und nach außen.
Sie verstetigt und erweitert die grenzüberschreitende Zusammenarbeit (insb. mit den
niederländischen Nachbarn in der Euregio und im deutsch-niederländischen Städtenetzwerk
MONT). Münster wird international als Stadt des Dialogs mit einer hervorragenden
Willkommenskultur für nationale und internationale Arbeitskräfte wahrgenommen.
MÜNSTER KANN AUF EINEM STABILEN WIRTSCHAFTLICHEN FUNDAMENT AUFBAUEN
ZWISCHEN TRADITION UND MODERNE
Münster hat eine sehr gute Ausgangslage für eine zukunftsorientierte Entwicklung. Münster hat
eine krisenresistente Wirtschaftsstruktur mit einem dynamischen Mittelstand und zahlreichen
inhabergeführten Unternehmen, die sich für Stadt und Standort engagieren. Die Stadt zeichnet
3BMünster 2030+ | Vision und strategische Leitlinien
Seite 47
sich durch ihre reiche Geschichte, zahlreiche historische Gebäude, eine attraktive Innenstadt und
eine vielfältige Natur- und Kulturlandschaft aus. Diese Traditionen dienen nicht nur als
identitätsstiftende Elemente, sondern bilden auch das Fundament für eine nachhaltige
wirtschaftliche Entwicklung. Der Erhalt und die Pflege dieser Münsterwerte, wie z. B.
bürgerschaftliches Engagement, Solidarität und das Prinzip des Dialogs sind somit integraler
Bestandteil der strategischen Ausrichtung. Gleichzeitig steht Münster als Hochschul- und
Wissenschaftsstandort für Innovation, Technologie und innovative Geschäftspraktiken. Die
Förderung von Forschung und Entwicklung sowie die Schaffung eines unterstützenden Umfelds
für Start-ups und Unternehmen der Zukunft sind Schlüsselaspekte dieser Ausrichtung. Durch die
Verknüpfung von Tradition und Moderne entsteht ein einzigartiges Profil, das die Attraktivität
Münsters als Wirtschaftsstandort steigert.
GOOD GOVERNANCE
Münster steht für Transparenz. Wichtige Informationen sind für Unternehmen ebenso wie für
Bürgerinnen und Bürger in Münster leicht zugänglich und öffentlich verfügbar.
Geschlechtersensible und inklusive Beteiligungsprozesse garantieren Teilhabe und
Nichtdiskriminierung. Bürgerinnen und Bürger, Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft
gestalten gemeinsam den Lebens- und Wirtschaftsraum. Good Governance ist somit ein wichtiger
Aspekt für die Akzeptanz und Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen in Bezug auf die
wirtschaftliche und allgemeine städtische Entwicklung in Münster. Sie muss durch die Verwaltung
vorgelebt werden, verlangt aber auch Verantwortung und Mitwirkung aller anderen Akteurinnen
und Akteure sowie Bürgerinnen und Bürger der Stadt. Im Vordergrund steht verstärkte
Kooperation von Stadt, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft. Ziel sind kooperative
institutionelle Arrangements und das „Agieren auf Augenhöhe“.
MÜNSTER IST REGIONAL UND ÜBERREGIONAL ERREICHBAR
Münster setzt auf intelligente, vernetzte, ressourcenschonende und grenzüberschreitende
Mobilität. Die regionale und überregionale Erreichbarkeit beeinflusst maßgeblich die
wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und Attraktivität des Wirtschaftsstandortes. Eine gut
ausgebaute Verkehrsinfrastruktur, einschließlich Straße, Schiene und Flughafen, ermöglichen
einen reibungslosen Waren- und Personenverkehr. Unternehmen in Münster können ihre
Rohstoffe, Produkte und Dienstleistungen effizient transportieren. Die gute Erreichbarkeit macht
den Standort für Arbeits- und Fachkräfte höchst attraktiv, da die Unternehmen über das
Verkehrsnetz gut angebunden sind.
MÜNSTER SCHAFFT RAUM FÜR DIE TRANSFORMATION DER WIRTSCHAFT
Münster geht mit der knappen und sehr wertvollen Ressource Fläche sorgfältig um. Als wichtige
Voraussetzung zur Bewältigung der Transformationsdynamiken sichert und entwickelt Münster
Wirtschaftsflächen nachhaltig. In urbanen und integrierten Lagen sind neue Formen gewerblicher
Nutzung, speziell im Bereich der "urbanen Produktion", vermehrt auf kleineren Flächen
anzutreffen. Im Gegensatz dazu benötigen viele traditionelle Industriebetriebe nach wie vor
räumliche Entwicklungsmöglichkeiten und ein differenziertes Flächenangebot. Die strategische
Sicherung und Entwicklung von Wirtschaftsflächen hat für die zukunftsorientierte Entwicklung von
Wirtschaft und Stadt hohe Bedeutung. Die Flächen werden ressourcenschonend, klimaneutral
und mit effizienter Nutzung entwickelt.
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
Seite 48
4 Münster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur
Umsetzung
Die übergeordneten strategischen Leitlinien verstehen sich als Werte und Prinzipien für die
zukunftsorientierte Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Münster. Die strategischen Leitlinien
werden mit sieben Handlungsfeldern mit einer handlungsorientierten Ebene unterlegt. Die
Handlungsfelder verbinden die sektoralen Stärken der Münsteraner Wirtschaft und Wissenschaft
mit den in der Analyse der Ausgangslage identifizierten Wachstumspotenzialen, um so branchen-
und akteursübergreifend neue Entwicklungsimpulse zu setzen und die bestehenden Stärkefelder
weiter auszubauen. Die strategischen Leitlinien haben einen Querschnittscharakter und wirken in
alle sieben Handlungsfelder.
Jedes Handlungsfeld adressiert einen Aspekt der wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt Münster
und setzt Ziele für die zukünftige Entwicklung. So finden sich Handlungsfelder für Infrastruktur,
Innovationen und Wissenstransfer, räumliche Entwicklung, Zusammenleben und Verwaltung,
Fachkräfte, Mittelstand und Gründungen sowie weiche Standortfaktoren. Bei der Umsetzung
dieser Ziele müssen die Stadt und die beteiligten Akteurinnen und Akteure möglicherweise
abwägen, welche der Ziele sie höher priorisieren, da sie nicht zwangsläufig miteinander vereinbar
sind.
Die Ziele werden anschließend in jedem Handlungsfeld durch Maßnahmen operationalisiert. Die
Maßnahmen sind akteurs- und stärkefeldübergreifend gestaltet und fokussieren eine Erreichung
der Zielsetzungen durch interdisziplinäre Entwicklungsansätze.
Abbildung 23: Strategische Leitlinien, Handlungsfelder und Stärkefelder im Überblick
Abbildung Prognos AG, 2024
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
Seite 49
Die in den Handlungsfeldern dargestellten Maßnahmen unterscheiden sich hinsichtlich des
Entwicklungsstandes. Zur Einordnung des Projektstatus werden vier Phasen unterschieden:
Ideenphase: erste lose Überlegungen und Absprachen
Konzeptionsphase: vertiefende Überlegungen und erste Planungen
Projektskizze: detaillierte Planungen
In Umsetzung: Maßnahme ist umsetzungsbereit bzw. bereits in Umsetzung
Neben dem Projektstatus werden die einzelnen Maßnahmen durch eine Zielformulierung bzw.
eine kurze Projektbeschreibung dargestellt. Weitere Kriterien der Steckbriefe sind die
Zuständigkeit und die Benennung der Ziele, auf die die Maßnahme einwirkt. Eine Übersicht aller
Maßnahmen und ihren jeweiligen Projektstatus findet sich in Anhang A1.28
28 Die im Bericht enthaltenen Projektsteckbriefe wurden zum Stichtag 01.11.2024 aufgenommen. Der aktuelle Konzeptions- oder
Umsetzungsstand kann daher von dem hier erfassten Status abweichen.
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
Seite 50
4.1 Münster.Nachhaltige Infrastrukturen
Eine gut ausgebaute Infrastruktur ist von entscheidender Bedeutung für die
Wettbewerbsfähigkeit und das Wachstum von Unternehmen, da sie die Grundlage für effiziente
Produktions- und Geschäftsprozesse schafft und den Zugang zu wichtigen Ressourcen und
Märkten ermöglicht. Infrastrukturen und das Verkehrssystem müssen angesichts des bereits
erfolgten und des prognostizierten Bevölkerungs- und Beschäftigtenwachstum unter
Berücksichtigung der Nachhaltigkeitsprämissen weiter ausgebaut werden. Für die erfolgreiche
Entwicklung gilt es, ganzheitliche Konzepte und innovative Verkehrslösungen zu entwickeln, die
die zukünftigen Anforderungen der verschiedenen Akteurinnen und Akteure kombinieren und die
Funktion Münsters als Oberzentrum für das Münsterland berücksichtigen. Der Masterplan
Mobilität 2035+ benennt Ziele und konkrete Handlungsempfehlungen für die Mobilität von
morgen in Münster
Neben der Mobilität sind Wirtschaftsflächen ein zentraler Standortfaktor für einen
wettbewerbsfähigen Wirtschaftsstandort. Der digitale Wandel und die Umstellung auf
Klimaneutralität setzen wichtige Entwicklungsanreize und bringen betriebliche
Anpassungsnotwendigkeiten mit sich. Die Erreichung des Ziels der Klimaneutralität erfordert
nicht nur die Weiterentwicklung von Produktionsprozessen und nachhaltigem Wirtschaften,
sondern eröffnet auch neue Geschäftsfelder und erfordert räumliche Expansionsmöglichkeiten.
Gleichzeitig treibt die Digitalisierung wichtige Impulse für verschiedene Branchen voran, was in
Münster beispielsweise zur dynamischen Entwicklung der Banken- und Versicherungsinformatik
sowie zum Bau mehrerer Rechenzentren geführt hat. Diese Entwicklung erfordert ebenfalls den
Ausbau der notwendigen Infrastruktur. Der Wissens- und Forschungstransfer spielt eine
entscheidende Rolle bei der Entwicklung und Stärkung zukunftsfähiger Wachstumsbranchen, die
eine entsprechende technische Infrastruktur erfordern. Ein herausragendes Beispiel dafür ist die
Ansiedlung der Fraunhofer Forschungsfertigung Batteriezelle im Hansa BusinessPark in Münster,
die bereits zu weiteren Anfragen und Standortentscheidungen im Bereich der Batterieforschung
oder -technik geführt hat. Es bedarf einer verstärkten strategischen Absicherung der Bedeutung
von Wirtschaftsflächen, um diese als integralen Bestandteil einer integrierten Stadtentwicklung
zu verankern und somit einen Beitrag zu einer zukunftsorientierten und nachhaltigen Wirtschafts-
und Stadtentwicklung zu leisten.
In einer zunehmend digitalisierten und nachhaltigen Wirtschaft spielen Breitbandnetze,
Wasserstoffinfrastrukturen, grüne Energiequellen und eine zuverlässige Energieversorgung
eine entscheidende Rolle. Aus Sicht der Münsteraner Unternehmen sind diese Infrastrukturen
grundlegend für die Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit am Standort Münster. So ist
beispielsweise die Konkretisierung von Plänen für eine grüne Transformation nur möglich, wenn
Unternehmen sicherstellen können, dass der Wasserstoff zuverlässig bei ihnen ankommt.
Die wichtigsten Themen im Handlungsfeld „Münster.Nachhaltige Infrastrukturen“ sind in der
folgenden Abbildung zusammengefasst (vgl. Abbildung 24) und werden durch Ziele und
Maßnahmen untersetzt.
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
Seite 51
Abbildung 24: Handlungsfeld Münster.Nachhaltige Infrastrukturen
Abbildung Prognos AG, 2024
4.1.1 Ziele
Ziel 1.1 Integriertes Mobilitätssystem für Stadt und Region
■ Entwicklung eines integrierten Mobilitätskonzepts, das eine reibungslose und effiziente
Verbindung zwischen öffentlichen Verkehrsmitteln, Individualverkehr, Radwegen und
Fußgängerrouten gewährleistet
■ Schaffung von Anreizen und Infrastruktur für nachhaltige Verkehrsmittel wie den
öffentlichen Nahverkehr, Fahrradfahren und Fußgängerwege, um die Umweltbelastung zu
reduzieren und die Lebensqualität in der Stadt zu verbessern
■ Intensivierung der Kooperationen zwischen der Stadtverwaltung und den Verwaltungen
der Umlandgemeinden sowie der Verkehrsunternehmen zur Umsetzung eines
ganzheitlichen Mobilitätskonzepts
Ziel 1.2 Innovative, nachhaltige Entwicklungskonzepte für klimaneutrale bzw. klimapositive
Gewerbegebiete
■ Entwicklung von Wirtschaftsflächen unter Berücksichtigung von klima- und
umweltfreundlichen Technologien, um Ressourcenverbrauch und Umweltbelastungen zu
minimieren.
■ Ermöglichung von innovativen Bauprojekten und Betriebsmodellen, die auf nachhaltigen
Prinzipien basieren, wie beispielsweise energieeffiziente Gebäude,
Kreislaufwirtschaftskonzepte und Sharing-Infrastrukturen, um Ressourcen zu schonen
und die Umweltbelastung zu reduzieren
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
Seite 52
■ Entwicklung von Gewerbegebieten als lebendige und vielfältige Stadtteile, die nicht nur
Arbeitsstätten bieten, sondern auch Raum für Erholung, soziale Interaktion und kulturelle
Aktivitäten, um eine hohe Lebensqualität für Beschäftigte und Anwohner zu gewährleisten
Ziel 1.3 Schaffung notwendiger Infrastrukturen (Breitband, Energie; auch unter Einbezug der
Landwirtschaft)
■ Förderung der Entwicklung und des Ausbaus von Glaserfaseranschlüssen, Mobilfunknetz
und Energieinfrastrukturen (Strom, Wasserstoff), um eine flächendeckende Verfügbarkeit
von schnellem Internet und einer zuverlässigen Energieversorgung sicherzustellen
■ Umsetzung von Infrastrukturprojekten unter Berücksichtigung ökologischer und
ökonomischer Nachhaltigkeitskriterien, um Umweltbelastungen zu minimieren und
langfristige Entwicklungsperspektiven zu gewährleisten
■ Ausbau der Erneuerbaren Energien im Einklang mit landwirtschaftlicher Nutzung
Ziel 1.4 Sicherung der Erreichbarkeit der Unternehmen und Kunden
■ Ansiedlung und Erhaltung von Handwerksbetrieben in verschiedenen Stadtteilen, um eine
flächendeckende Erreichbarkeit für Kunden sicherzustellen
■ Bereitstellung und Erhalt von Infrastrukturen wie Straßen, öffentlichem Nahverkehr und
Breitbandverbindungen, um die Erreichbarkeit von mittelständischen Unternehmen für
Kunden zu gewährleisten
■ Flexible Mobilitätsstrukturen etablieren und einen uneingeschränkten Zugang zu eigenen
Standorten, Baustellen, Zulieferern und Kunden für mittelständische Unternehmen
gewährleisten
Ziel 1.5 Verstärkte Entwicklung von Wohnbauflächen
■ Identifizierung und Ausweisung von Wohnbauflächen entsprechend der aktuellen und
zukünftigen Nachfrage
■ Entwicklung von Wohnbauflächen unter Berücksichtigung ökologischer, sozialer und
wirtschaftlicher Aspekte, um eine nachhaltige Stadtentwicklung zu gewährleisten, die die
Lebensqualität der Bewohner verbessert und Ressourcen schonend nutzt
■ Bereitstellung der notwendigen Infrastruktur und Versorgungseinrichtungen wie Straßen,
öffentlicher Nahverkehr, Schulen, Kindergärten und Einkaufsmöglichkeiten, um die
Wohnbauflächen attraktiv zu gestalten und eine hohe Lebensqualität zu gewährleisten
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
Seite 53
4.1.2 Maßnahmen
Für das Handlungsfeld „Münster.Nachhaltige Infrastrukturen“ sind folgende Maßnahmen
vorgesehen:
Sicherung und strategische Entwicklung von Wirtschaftsstandorten (v.a. Flächenangebot)
Beschreibung und Zielsetzung
Die nachhaltige und zukunftsfähige Weiterentwicklung der bestehenden Wirtschaftsflächen
unter Berücksichtigung möglicher Nachverdichtungspotenziale und die Aktivierung weiterer,
planerisch bereits identifizierter Potenzialflächen (gemäß Regionalplan-Entwurf und IFM-
Konzept) sowie deren liegenschaftliche Sicherung, technische Erschließung, bauleitplanerische
Entwicklung und strategische Vermarktung sind von grundlegender Bedeutung für die
Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Münster. Ziel ist die Sicherung und
Bereitstellung einer quantitativ und qualitativ angemessenen sowie nachfragegerechten
Manövriermasse an Flächen für die Wirtschaftsförderung.
Wichtige Grundlagen hierfür sind:
Die Stellungnahme der Stadt Münster zur Fortschreibung des Regionalplans
Münsterland zur Anpassung an den Landesentwicklungsplan (LEP) (NRW)
(V/0339/2023)
Die Ergebnisse der Arbeitsstättenbedarfsprognose und
Arbeitsstättenbedarfsdeckungsprognose (CIMA GmbH, Hannover) (V/0606/2023)
Das Integrierte Flächenkonzept Münster/IFM (Flächen für Siedlung, Freiraum und
erneuerbare Energien) (V/0192/2024)
Die laufende Fortschreibung des Gewerbeflächenentwicklungskonzeptes
Zentrale Umsetzungsschritte dabei sind:
Analyse und Ermittlung möglicher Handlungspotenziale zur Verbesserung der
Nachhaltigkeit (z.B. Einsatz erneuerbarer Energien) und zur effizienten
Flächennutzung (Nachverdichtung) in bestehenden Gewerbegebieten
Konsequente Umsetzung und Fortschreibung des Gewerbeflächenkonzeptes unter
Anpassung an die veränderten ökonomischen und ökologischen
Rahmenbedingungen
Liegenschaftliche Sicherung und bauleitplanerische Entwicklung identifizierter
Gewerbeflächenpotenziale
Regelmäßiges Flächenmonitoring und Aktivierung neuer Industrie-/
Gewerbeflächen mit hoher Priorität zur Sicherung einer quantitativ und qualitativ
angemessenen Manövriermasse
Zuständigkeit
Stadtverwaltung Münster (Dezernat für Planung, Bau und Wirtschaft mit weiteren Fachämtern)
in enger Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsförderung Münster GmbH
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
Seite 54
Status
Je nach Fläche / Standort: Von der Konzeptionsphase über die Projektskizze bis zur
Umsetzung.
Zielbezug
Ziel 1.4: Sicherung der Erreichbarkeit der Unternehmen und Kunden für mittelständi-
sche Leistungen
Ziel 3.2: Nachhaltige Entwicklung von Wirtschaftsflächen (Flächenpotenziale für Erwei-
terung und Nachverdichtung, Verlagerung und Neuansiedlung von Industrie und Hand-
werk/Gewerbe)
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
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Wohnbaulandentwicklung und Wohnungsbauoffensive
Beschreibung und Zielsetzung
Mit der Wohnbaulandentwicklung und der Wohnungsbauoffensive begegnet die Stadt Münster
dem Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Dies dient der langfristig absehbaren quantitativen
Bedarfsdeckung29 sowie insbesondere der Schaffung von leistbarem Wohnraum und setzt
gleichzeitig Anreize für die Fachkräftegewinnung. Vor diesem Hintergrund hat der Rat der Stadt
Münster im September 2024 sowohl das „Integrierte Flächenkonzept Münster“ (IFM)30 als
auch die Fortschreibung des Baulandprogramms 2024 – 203231 beschlossen.
Das IFM dient als informelles Planungsinstrument für die nachhaltige räumliche
Stadtentwicklung Münsters bis zum Jahr 2045, mit welchem die zentralen Handlungsfelder
„Siedlungsentwicklung“, „Freiraumsicherung“ und „Ausbau erneuerbarer Energien“ in ihren
jeweiligen Flächenanforderungen in einem grundlegenden, räumlich ausbalancierten,
integrierten Entwicklungskonzept zusammengeführt wurden. Das IFM beinhaltet
Potenzialflächen für die Realisierung von bis zu ca. 21.000 neuen Wohnungen in Münster, und
darüber hinaus noch gewerbliche Potenzialflächen in einer Größenordnung von ca. 285 ha.
Dies stellt die Basis dafür dar, um auch langfristig in Münster den Dreiklang aus „Leben“,
„Wohnen“ und „Arbeiten“ auf einem quantitativ auskömmlichen und qualitativ hohen Niveau
gewährleisten zu können.
Mit der Fortschreibung des Baulandprogramms 2024 – 2032 hat der Rat ebenfalls ein
informelles Planungs- und Steuerungsinstrument beschlossen, um insbesondere die
erforderlichen liegenschaftlichen, planerischen und erschließungstechnischen Schritte
anzugehen, um neue Wohngebiete in Münster in einer Größenordnung für ca. 12.000 - 13.000
neue Wohnungen bis zum Jahr 2032 zur Baureife zu bringen.
Dieses Potenzial bietet durchaus auch Möglichkeiten das Thema „Werkswohnungsbau“ künftig
stärker in den Fokus zu nehmen, um neue Wohnungen entweder von Unternehmen selbst
bauen zu lassen oder in Zusammenarbeit mit dem „Konzern Stadt Münster“, insb. der KonvOY
GmbH und der Wohn+Stadtbau GmbH, oder privaten Entwicklern Wohnungsneubau zu
betreiben.
Zentrale Umsetzungsschritte zur Realisierung des Werkswohnungsbaus können sein:
Dialogformat für die konkrete Abstimmung zum Thema Werkswohnungsbau:
Partnerschaften zwischen der lokalen Wirtschaft und dem „Konzern Stadt Münster“,
(insbes. KonvOY GmbH und Wohn+Stadtbau GmbH) organisieren
Evaluation und Umsetzung verschiedener Modelle des Werkswohnungsbaus
Neuschaffung von Wohnraum für Auszubildende über eine neu einzurichtende Stiftung
Weiterentwicklung des Baulandprogramms u.a. auch zu diesem Themenfeld in den
nächsten Jahren
Zuständigkeit
29 Vgl. Vorlage V/0606/2023 – hier: Wohnungsbedarfsprognose und Wohnungsbedarfsdeckungsprognose, InWIS Forschung &
Beratung GmbH, Bochum, 06.07.2023
30 Vgl. Vorlage V/0192/2024
31 Vgl. Vorlage V/0260/2024
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
Seite 56
Koordination: Stadtverwaltung Münster; Umsetzungspartner: KonvOY GmbH, Wohn+Stadtbau
GmbH, Wirtschaftsförderung Münster GmbH, IHK Nord Westfalen, Handwerkskammer,
Kreishandwerkerschaft, Wirtschaftsunternehmen, Wirtschaftsinitiative Münster, DGB
Münsterland
Status
Projektskizze (z.T. bereits in Umsetzung); Werkswohnungsbau: Konzeptionsphase
Zielbezug
Ziel 1.5: Verstärkte Entwicklung von Wohnbauflächen
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Seite 57
Entwicklung klimaneutraler Gewerbegebiete in Bestand und Neubau
Beschreibung und Zielsetzung
Die Stadt Münster will eine Vorreiterrolle beim Thema Klimaneutralität und Nachhaltigkeit
einnehmen. Klimaneutrale Gewerbegebiete spielen eine entscheidende Rolle zur Förderung
einer nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung. Die Wirtschaftsförderung Münster beschäftigt sich
bereits mit den Möglichkeiten der ökologischen Transformation bestehender Gewerbegebiete.
Die potenziellen Maßnahmen reichen von der Integration grüner Technologien (Nutzung
erneuerbarer Energien, Solaranlagen etc.) bis zur Förderung nachhaltiger Mobilität. Der Fokus
liegt dabei auf der Umsetzung von Maßnahmen, die zugleich die Wettbewerbsfähigkeit der
Unternehmen fördern.
Zentrale Umsetzungsschritte sind:
Analyse von Bestandsgewerbegebieten und Auswahl eines „Pilotgebietes“
Beteiligung der Akteur/innen: Einbindung von Unternehmen, der Stadt Münster, der
Stadtwerke und Stadtnetze durch den Aufbau von gewerbegebietsweiten Netzwerken
Bearbeitung von Schwerpunktthemen zur ökologischen Transformation: Erneuerbare
Energien, Klimaanpassung, nachhaltige Mobilität, Kreislaufwirtschaft,
Fördermittelzugang
Roll-out: Übertragung von Erfahrungen und Erkenntnissen aus dem „Pilotgebiet“ auf
weitere Gewerbebiete.
Am Beispiel des in Planung befindlichen Gewerbegebietes „Nördlich Heitmannsweg“ soll auf
einer Fläche von rund 3,1 ha ein innovatives und klimaneutrales Gewerbegebiet mit
Vorbildfunktion entwickelt werden. Bei der Planung und Umsetzung soll eine strukturierte
Einbindung der Handwerkskammer und der Kreishandwerkerschaft als Innovations- und
Transformationspartner erfolgen. Ziel ist die nachfragegerechte Entwicklung von
Gewerbeflächen für Handwerk und Gewerbe bei gleichzeitiger Berücksichtigung des
Klimaschutzes als wesentlicher Standortfaktor.
Zentrale Umsetzungsschritte dabei sind:
Etablierung eines regelmäßigen Dialogs Stadt Münster und Handwerk zur
gemeinsamen Hebung der Innovationspotenziale
Bauleitplanerische Berücksichtigung von klimaschonenden Maßnahmen, wie z.B.
Implementierung erneuerbarer Energien, Regenwassermanagement, energieeffizientes
Bauen, Gebäudebegrünung und Grünflächenausstattung
Zuständigkeit
Koordination: Stadtverwaltung Münster/ Wirtschaftsförderung Münster GmbH;
Umsetzungspartner: Handwerkskammer Münster, Kreishandwerkerschaft Münster, Industrie-
und Handelskammer Münster, Stadtwerke, Stadtnetze
Status
In Umsetzung (ökologische Transformation im Bestand); Projektskizze (Nördlich
Heitmannsweg).
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
Seite 58
Zielbezug
Ziel 1.2: Innovative, nachhaltige Entwicklungskonzepte für klimaneutrale bzw. klimapo-
sitive Gewerbegebiete
Ziel 1.3: Schaffung notwendiger Infrastrukturen (Breitband, Energie; auch unter
Einbezug der Landwirtschaft)
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
Seite 59
Ausbau der Infrastrukturen für klimaneutrales Wirtschaften (H2-Netze und grüne Energie)
Beschreibung und Zielsetzung
Eine nachhaltige und sichere Energieversorgung ist für die Unternehmen in Münster und im
Münsterland essenziell. Neben den erforderlichen Umstellungsprozessen in den Unternehmen
braucht ein klimaneutrales Wirtschaften auch den Aus- und Umbau von relevanter Infrastruktur
(u.a. Anlagen und Netze für grünen Wasserstoff). Dadurch wird eine nachhaltige, THG-
emissionsfreie Energieversorgung angestrebt, um die Klimaziele der Stadt Münster zu
erreichen und gleichzeitig die Wirtschaftsentwicklung vor Ort zu fördern. Dazu gehört auch die
im August 2023 geschlossene Absichtserklärung zwischen der Stadtnetze Münster GmbH und
der Thyssengas GmbH aus Dortmund, mit dem Ziel Münster an das deutschlandweite
Wasserstoff-Kernnetz anzuschließen. Um das Wasserstoff-Kernnetz auch anteilig mit regional
erzeugtem Wasserstoff zu versorgen (zusätzlich zu Erzeugungskapazitäten außerhalb des
Münsterlandes), beabsichtigt die Stadtwerke Münster GmbH im Projekt „GreenLink
Münsterland“ mit weiteren Partnern, einen Elektrolyseur (50 MW) im Raum Coesfeld zu
errichten. Dieser soll vorwiegend regional erzeugten Grünstrom zur Wasserstofferzeugung
nutzen. Darüber hinaus kooperiert der Stadtkonzern eng mit weiteren Verteilnetzbetreibern
(z.B. Westnetz GmbH) sowie Fernleitungsnetzbetreibern (z.B. Nowega GmbH, Open Grid Europe
GmbH) aus der erweiterten Region. Dies bestätigt u.a. die assoziierte Partnerschaft der
Technologieförderung Münster GmbH in der überregionalen GET H2 Initiative. Diese Initiativen,
(Pilot-)Projekte und die gezielte Netzwerkarbeit stärken die Grundlagen und den
Entwicklungsprozess in Münster, damit der Wirtschaftsstandort Münster passend aufgestellt
ist, wenn die nationalen und internationalen Entwicklungen eine anwendungsspezifische
Versorgung mit Wasserstoff möglich machen.
Zentrale Umsetzungsschritte können sein:
Ermitteln und clustern von realistischen Wasserstoffbedarfen in Industrie- und
Gewerbegebieten
Angemessene, perspektivische Berücksichtigung von Wasserstoff in der kommunalen
Wärmeplanung für spezialisierte industrielle Anwendungen
Prüfung einer möglichen Versorgung über das Verteilnetz sowie Schaffung von
Netzkopplungspunkten zum Fernleitungsnetz (Wasserstoff-Kernnetz)
Weitere Entwicklung der politischen Rahmenbedingungen und des Marktes genau
beobachten, um ggf. entsprechend reagieren zu können.
Zuständigkeit
Koordination: Technologieförderung Münster GmbH; Umsetzungspartner: Stadtwerke Münster
GmbH, Stadtnetze Münster GmbH, Stadtverwaltung Münster (u.a. Stabsstelle Klima)
Bezirksregierung Münster, IHK Nord Westfalen, Handwerkskammer Münster,
Wirtschaftsförderung Münster GmbH
Status
Konzeptionsphase
Zielbezug
Ziel 1.3: Schaffung notwendiger Infrastrukturen (Breitband, Energie; auch unter Einbe-
zug der Landwirtschaft)
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
Seite 60
Optimierung der überregionalen Erreichbarkeit
Beschreibung und Zielsetzung
Die überregionale Erreichbarkeit ist ein zentraler Standortfaktor für die Unternehmen in der
Stadt Münster. Dabei geht es um eine überregionale Erreichbarkeit über Straße, Schiene und
Luftweg. Münster verfolgt in Bezug auf den Verkehrsträger Schiene neben der Verbesserung
der regionalen Erreichbarkeit (S-Bahn Münsterland) eine bestmögliche Integration in das ICE-
Liniennetz der Deutschen Bahn, um die Wettbewerbsfähigkeit der Stadt zu stärken und die
Lebensqualität für die Stadtgesellschaft und Besucherinnen und Besucher zu erhöhen. Die
überregionale Erreichbarkeit auf dem Luftweg ist über den Flughafen Münster/Osnabrück
gegeben.
Zentrale Umsetzungsschritte im Hinblick auf bestmögliche Integration in das ICE-Liniennetz der
Deutschen Bahn können sein:
Bündelung der regionalen Kräfte, Akteurinnen und Akteure zur verbesserten Anbindung
des Münsterlandes und der Stadt Münster
Gemeinsame regionale Initiativen auf den unterschiedlichen Entscheidungsebenen
Zuständigkeit
Koordination: Gemeinsame Aufgabe der regionalen Gebietskörperschaften/Institutionen;
Koordination für die Stadt Münster durch die Stadtverwaltung
Status
In Abhängigkeit von der konkreten Planung/Maßnahme: Ideenphase über Konzeptionsphase
bis zu Projektskizze
Zielbezug
Ziel 1.1: Integriertes Mobilitätssystem für Stadt und Region
Ziel 1.4: Sicherung der Erreichbarkeit der Unternehmen und Kunden
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
Seite 61
Weiterentwicklung eines integrierten, verkehrsübergreifenden Stadt-/Umland-
Mobilitätssystems (z.B. Münsterland S-Bahn, P&R Stationen)
Beschreibung und Zielsetzung
Ziel ist es, ein integriertes, verkehrsträgerübergreifendes Mobilitätssystem zwischen der Stadt
Münster und dem Münsterland aufzubauen. Durch die Schaffung eines nahtlosen Netzwerks
aus öffentlichem Nahverkehr, Radwegen und Park-and-Ride (P&R) Stationen soll die Mobilität
für Einwohnerinnen und Einwohner, Pendlerinnen und Pendler sowie Besucherinnen und
Besucher verbessert und gleichzeitig die Verkehrsbelastung reduziert werden. Hierzu bedarf es
der Planung, Koordination und Umsetzung eines integrierten Mobilitätssystems, das
verschiedene Verkehrsträger miteinander verknüpft. Das S-Bahn-Netz im Münsterland soll auf
bisherigen Regionalbahn- und Regionalexpresslinien basieren. Zudem soll das Bahnnetz
verdichtet werden. Die S-Bahn Münsterland ist Bestandteil der SPNV-Zielnetzplanung NRW
2032/2040.
Parallel zu den bestehenden Planungen im SPNV wird seit April 2024 ein Masterplan Mobilität
Münsterland unter Federführung des ZVM (Zweckverband Mobilität Münsterland) erarbeitet. In
diesem werden die Themen der regionalen und stadtregionalen Mobilität integriert bearbeitet.
Ziel ist die Entwicklung einer verkehrsträgerübergreifenden Gesamtstrategie und damit einer
integrierten Mobilitätsplanung.
Zentrale Umsetzungsschritte können sein:
Reaktivierung der WLE-Bahnstrecke Münster – Sendenhorst bis 2027
Ab 2032/2033: Erhöhung der Taktfrequenz, Inbetriebnahme der Stammstrecke,
Vermarktung als S-Bahn, Einführung S-Bahn Fahrzeug
Ab 2040/41: Erhöhung der Taktfrequenz Inbetriebnahme der Knotenbahnhöfe,
Errichtung zusätzlicher Halte, integraler Bestandteil der ÖPNV-Hochleistungsachsen
Ausbau und Einrichtung von P+R-Stationen
Qualifizierung vorhandener und Bau neuer Mobilstationen, u.a. an den Haltepunkten
der WLE-Strecke und der S-Bahn Münsterland
Erarbeitung des Masterplans Mobilität Münsterland
Zuständigkeit
Koordination: Stadtverwaltung Münster (für Planungen und Maßnahmen im
Zuständigkeitsbereich der Stadt Münster); Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL)
und Zweckverband Mobilität Münsterland (ZVM) für Planungen und Maßnahmen in ihrem
Zuständigkeitsbereich, Stadtwerke Münster GmbH (für Planungen und Maßnahmen in ihrem
Zuständigkeitsbereich)
Status
In Abhängigkeit von den einzelnen Planungen und Projekten: Projektskizze - In Umsetzung
Zielbezug
Ziel 1.1: Integriertes Mobilitätssystem für Stadt und Region
Ziel 1.4: Sicherung der Erreichbarkeit der Unternehmen und Kunden
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
Seite 62
4.2 Münster.Innovation
Münster ist mit seinen Menschen, Unternehmen, Hochschulen und außeruniversitären
Forschungseinrichtungen bereits heute eine Stadt der Innovation. Der
Standortentwicklungsstrategie liegt dabei ein breites Verständnis des Innovationsbegriffs
zugrunde. Neben technischen Innovationen, wie neuen Produkten oder Prozessverbesserungen
gehören dazu auch nicht-technische Innovationen. Dazu zählen z.B. neue Formen
innerbetrieblicher Abläufe und Managementmethoden (Organisationsinnovationen), die
Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und Marktzugänge (Geschäftsmodellinnovationen),
innovative Methoden im Vertrieb von Produkten und Dienstleistungen (Marketinginnovationen)
sowie die effizientere Gestaltung komplexer Systeme (Systeminnovationen). Auch soziale
Innovationen werden explizit berücksichtigt. Auch wenn eine Kommerzialisierung nicht
ausgeschlossen ist, streben soziale Innovationen vor allem nach einer Verbesserung des
gesellschaftlichen Wohls. Soziale Innovationen können dabei Antworten auf Erfordernisse in allen
gesellschaftlichen Teilbereichen wie Arbeit, Konsum oder politische Teilhabe liefern. Gerade auf
regionaler Ebene kann sozialen Innovationen eine zunehmend zentrale Rolle im Innovations- und
Entwicklungsprozess zukommen. Dem breiten Innovationsbegriff entsprechend, werden auch die
Akteurinnen und Akteure im Innovationsökosystem breit aufgefasst. Neben Universität und
Hochschulen, den Start-up und Digitalhubs, Industrie- und Dienstleistungsunternehmen, Start-
ups, der Kultur- und Kreativwirtschaft sind bspw. auch Handwerksbetriebe und Einrichtungen der
Gesundheitswirtschaft wichtige Knoten im Innovationsökosystem der Stadt Münster.
Die Analyse der Ausgangslage in Münster zeigt jedoch, dass es deutliche Potenziale zur
Verbesserung der Übertragung von Erkenntnissen der Wissenschaft in die Wirtschaft und damit
zur Erhöhung der Innovationsfähigkeit gibt. Dies zeigt sich in Münster an einer vergleichsweise
geringen Patentintensität, die weit hinter dem Niveau der industriell geprägten Vergleichsstädte
bleibt. Auch auf Unternehmensseite sind die Forschungskapazitäten in Münster
unterdurchschnittlich ausgeprägt: Nur 0,5 Prozent der Beschäftigten in Münster sind mit
Forschung und Entwicklung betraut. Zum Vergleich: In ganz Deutschland sind es im Mittel 1,9
Prozent. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass in der mittelständischen Wirtschaft die
Innovationskraft durch Indikatoren nur unzureichend erfasst werden kann.
Für die Zukunft gilt es daher, die exzellenten bestehenden Kompetenzen weiter auszubauen und
neue, nachhaltige Schlüsseltechnologien zu stärken. Die Verbesserung des regionalen Wissens-
und Technologietransfers steht somit im Mittelpunkt des Handlungsfelds. So sollen Unternehmen
und Forschungseinrichtungen in Münster in die Lage versetzt werden, die „grüne“ und „digitale“
Transformation als Chance zu sehen, sie aktiv zu gestalten und von ihren wirtschaftlichen
Potenzialen zu profitieren.
Um Vorreiter für nachhaltiges Wirtschaften zu werden, braucht es neben einer Fokussierung auf
nachhaltigkeitsorientierte Schlüsseltechnologien auch strategische Partnerschaften, die über die
Region hinaus auch die europäischen Nachbarn einschließt, denn die Bestandsaufnahme hat
gezeigt, dass gerade in der Zusammenarbeit zwischen dem Münsterland und den Niederlanden
noch Potenziale zu heben sind. Welche Potenziale vorhanden sind, zeigt das
grenzüberschreitende Innovations- und Technologienetzwerk TECH.LAND. Gleichzeitig müssen die
notwendigen Rahmenbedingungen in Münster geschaffen werden: Formate und Räume zur
Vernetzung zwischen den Branchen und gemeinsamer Innovation fehlen in Münster bislang.
Erfindungen müssen in Anwendung gebracht und Innovationspartnerschaften zwischen
verschiedenen Wirtschaftszweigen geschmiedet werden. Denn nur kooperativ kann Münster die
grüne und digitale Transformation gestalten.
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
Seite 63
Die wichtigsten Themen im Handlungsfeld Münster.Innovation sind in der folgenden Abbildung
zusammengefasst (vgl. Abbildung 25) und werden durch Ziele und Maßnahmen untersetzt.
Abbildung 25: Handlungsfeld Münster.Innovation
Abbildung Prognos AG, 2024
4.2.1 Ziele
Ziel 2.1: Schaffung von Innovationsräumen (Reallabore) sowie Stärkung von
Transferstrukturen
■ Reallabore als eine experimentelle Umgebung, in der neue Technologien,
Geschäftsmodelle oder soziale Innovationen erprobt werden können
■ Strukturen schaffen, die den Transfer von Wissen, Technologien und Innovationen
zwischen verschiedenen Akteuren erleichtern. Dies umfasst den Austausch zwischen
Wissenschaft und Wirtschaft, aber auch zwischen verschiedenen Branchen.
■ Noch stärkere Einbringung der Kompetenzen der exzellenten Münsteraner Wissenschafts-
und Hochschullandschaft in den Markt
Ziel 2.2: Schwerpunktsetzung auf wachstums- und nachhaltigkeitsorientierte
Schlüsseltechnologien
■ Entwicklung und Anwendung von Schlüsseltechnologien fördern, die ein hohes Potenzial
für wirtschaftliches Wachstum aufweisen. Durch die Schwerpunktsetzung auf diese
Technologien sollen innovative Lösungen und Produkte entstehen, die zu einer Stärkung
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
Seite 64
der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und des gesamten Wirtschaftsstandorts
beitragen
■ Weiterer Ausbau von Münsters Kompetenzen in der Batterieforschung und -fertigung
■ Förderung einer zukunftsfähigen und ressourcenschonenden Wirtschaftsentwicklung:
Münster zum Leuchtturm für nachhaltigkeitsorientierte Schlüsseltechnologien machen
Ziel 2.3: Hebung von Cross-Innovationspotenzialen sowie Weiterentwicklung von
Digitalisierungsansätzen in und zwischen sektoralen Stärkefeldern
■ Stärkere Verknüpfung von Wissen und Fähigkeiten aus Wissenschaft und Unternehmen
■ Schaffung neuer Innovations-Impulse durch branchenübergreifende Vernetzung:
Potenziale für Innovationen erkennen und nutzen, die sich aus der Zusammenarbeit
zwischen verschiedenen Branchen ergeben
■ Digitalisierung durch Kooperation in allen Stärkefeldern fördern: Nutzung von digitalen
Tools und Plattformen, um Prozesse zu optimieren, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln
und die Effizienz zu steigern
■ Förderung sozialer und kultureller Innovationen durch stärkere Vernetzung und Einbezug
eines erweiterten Akteurskreises
Ziel 2.4: Förderung klimaneutraler Produktion, einer regionalen Kreislaufwirtschaft sowie der
regionalen Land- und Ernährungswirtschaft
■ Klimaneutralität bis 2030 (vgl. Münster – Unser Klima 2030; Stabsstelle Klima der Stadt
Münster)
■ Schonung der natürlichen Ressourcen, Minimierung von Abfällen: Förderung von
Recycling, Wiederverwendung und Reparaturmaßnahmen
■ Die Münsteraner Land- und Ernährungswirtschaft als zentraler Akteur der regionalen
Kreislaufwirtschaft mit Vorbildcharakter
■ Münster und das Münsterland als Vorbild zirkuläres Wirtschaften etablieren.
Ziel 2.5: Stärkung strategischer Zusammenarbeit und Vernetzung (insbesondere Münsterland,
Euregio sowie Nutzung internationaler Beziehungen der Wissenschaft)
■ Verstärkung der Vernetzung von Münster mit dem Münsterland, der EUREGIO und dem
deutsch-niederländischen Städtenetzwerk MONT: Synergien nutzen und gemeinsame
Projekte initiieren
■ Durch Austausch von Wissen, Erfahrungen und Ressourcen mit internationalen Partnern
können innovative Lösungen entwickelt werden
■ Förderung der Zusammenarbeit mit Unternehmen und Wissenschaft in der EUREGIO
durch grenzüberschreitende Forschungsprojekte
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
Seite 65
4.2.2 Maßnahmen
Für Münster.Innovation sind folgende Maßnahmen vorgesehen:
Weiterentwicklung zur Battery City Münster
Beschreibung und Zielsetzung
Münster setzt auf bestehende Forschungseinrichtungen, Unternehmen und Unternehmens -
gründungen im Bereich der Batterieforschung und entwickelt eine europaweit einzigartige
Forschungsinfrastruktur für Batteriezellen , deren serienmäßige P roduktion, 2nd -Life
Anwendungen und das Batterierecycling . Als Forschungseinrichtungen sind v. a. zu nennen:
MEET Batterieforschungszentrum (Münster Electrochemical Energy Technology) der Universität
Münster, Fraunhofer-Einrichtung Forschungsfertigung Batteriezelle (FFB), Helmholtz -Institut
Münster „Ionics in Energy Storage“ (HI MS) des Forschungszentrum Jülich sowie das IWARU
Institut für Infrastruktur ∙ Wasser ∙ Ressourcen ∙ Umwelt der FH Münster. Im Vordergrund steht die
Forschung zu r Verbesserung der ökologischen und ökonomischen Nachhaltigkeit, zur
Effizienzsteigerung der Batteriezellen sowie die Forschung an und Weiterentwicklung von
Innovationspotentialen. Dabei wird der gesamte Wertschöpfungskreislauf der Batteriezellen in
den Fokus gerückt – von der Grundlagenforschung bis zur Marktreife, über die Serienfertigung,
hin zur Wiederverwendung und zum Recycling von Batteriezellen.
Ziel ist es, Münster unter Einbezug des Münsterlandes und des deutsch -niederländischen
TECH.LAND als einen der führenden Standorte für Batterietechnologien auf europäischer Ebene
zu weiter zu etablieren. In Münster soll ein eng vernetztes Innovationsökosystem aus
Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen entstehen, das die Entwicklung,
Produktion und Nutzung innovativer Energiespeichertechnologien aktiv vorantreibt. Damit
leisten Wissenschaft, Wirtschaft, Wirtschafts-/Technologieförderung und Stadtverwaltung einen
wichtigen Beitrag zur Energiewende, der weit über die Grenzen der Stadt hinauswirkt. Batterien
sind die Schlüsseltechnologie für das Gelingen der Energiewende und ein lebendiges Forschung-
und Innovationsökosystem garantiert eine technologische Souveränität Deutschlands
gegenüber den globalen Wettbewerbern. So sollen Stadt und Münsterland auch international als
„Battery City Münster“ profiliert werden.
Zentrale Umsetzungsschritte auf dem Weg zur „Battery City Münster sind“:
Inbetriebnahme der „Prefab“ und Bau der „FAB“ der Fraunhofer-Einrichtung
Forschungsfertigung Batteriezelle (FFB in Münster-Amelsbüren)
Bau und Inbetriebnahme des neuen Forschungsgebäudes des HI MS, direkt
benachbart zum MEET
Geplanter Bau des BattL3 (Kooperationsgebäude für industrielle, batterieaffine
Forschungspartner der Technologieförderung Münster)
Realisierung des „Zentrums für zirkuläre Wertschöpfung Batteriezelle“ (ZZWB) in
Ibbenbüren (Einrichtung für Kooperationsforschung zwischen Recyclingindustrie,
Hochschulen und Forschungseinrichtungen)
Fortführung des Netzwerktreffens der „Battery Interest Group“ (BIG) zur weiteren
Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft und Stärkung des Wissenstransfers
Verstärkung des Standortmarketings: Bewerbung für internationale
Großveranstaltungen wie z.B. „Battery Innovation Days 2026“, Erarbeitung des
Markenauftritts „Battery City Münster“
Fortsetzung der nationalen und internationalen Unternehmensakquise im Bereich der
batterieaffinen Forschung und Fortsetzung der Förderung von batterieaffinen Start-ups
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
Seite 66
Zuständigkeit
Koordination: Technologieförderung Münster GmbH (TFM Clustermanagement) mit Fraunhofer
FFB, MEET, Helmholtz-Institut Münster, Universität Münster, FH Münster, IWARU,
Stadtverwaltung Münster, IHK Nordwestfalen
Status
In Umsetzung
Zielbezug
Ziel 2.1: Schaffung von Innovationsräumen sowie Stärkung von Transferstrukturen
Ziel 2.2: Schwerpunktsetzung auf wachstums- und nachhaltigkeitsorientierte
Schlüsseltechnologien
Ziel 2.5: Stärkung strategischer Zusammenarbeit und Vernetzung (insb. Euregio / MSL
sowie Nutzung internationaler Beziehungen der Wissenschaft)
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
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Public Health Transformation Hub (Stärkung Präventionswirtschaft)
Beschreibung und Zielsetzung
Das Ziel des Public Health Transformation Hub besteht darin, die Zusammenarbeit von
Wissenschaft, Gesundheitssektor, Wirtschaft und Gesellschaft aufzubauen und zu stärken, um
Innovationen jeglicher Art effizienter und schneller in die Anwendung im Gesundheitsbereich zu
bringen. Diese sollen gemeinsam entwickelt werden, um Herausforderungen einer
ganzheitlichen Gesundheitsversorgung inklusive Prävention und Personalisierung begegnen zu
können. Dabei liegt der Fokus auf der Zusammenarbeit zwischen der Health- und Life Sciences
Technology Community (inkl. Medizintechnik), der Health Care Community (Medizinische
Versorgung und Pflege) und weiteren Public Health affinen wissenschaftlichen Disziplinen mit
Bürgerinnen/Bürgern und zivilgesellschaftlichen Initiativen/Organisationen, um medizinische,
technische und soziale Innovationen gemeinsam zu entwickeln und die Anwendung zu bringen.
Geplant ist ein neues Transferkonzept, in dem Innovationen und neue Aus- und
Weiterbildungskonzepte kollaborativ unter einem Dach entwickelt und umgesetzt werden
können. Diese sollen anschließend in Reallaboren in realitätsnahen Erprobungsumgebungen
angewendet werden. Ein Vorteil der Erprobung in Reallaboren besteht darin, dass
infrastrukturelle Anforderungen und solche, die sich aus der Gestaltung des
Gesundheitssystems ergeben, direkt in die Weiterentwicklung von Produkten und Prozessen
einfließen können und somit eine bedarfsorientierte Entwicklung gesichert wird.
Das Projekt wird intensiv begleitet durch das „Network 360
o – health + innovation region
(UKM)“, durch die von Münsterland e.V. betriebene strategische Ausrichtung der Region und
das deutsch-niederländische Innovationsnetzwerk TECH.LAND.
Zentrale Umsetzungsschritte sind:
Entwicklung einer Roadmap zur Umsetzung der Projektidee
Innovationen brauchen Zukunftsorte: Mitwirkung im Prozess zur inhaltlichen
Programmierung des urbanen Modellquartiers „Busso-Peus-Straße“
Innovationen brauchen Räume: Sichtung und Analyse europäischer Referenzprojekte
Zuständigkeit
Koordination: Gesellschaft für Bioanalytik Münster e.V./ Netzwerk Gesundheitswirtschaft
Münsterland; Umsetzungspartner: UKM, Universität Münster, FH Münster, REACH,
Stadtverwaltung Münster, Münsterland e.V., CeNTech Münster
Status
Konzeptionsphase
Zielbezug
Ziel 2.1: Schaffung von Innovationsräumen (Reallabore) sowie Stärkung von
Transferstrukturen
Ziel 2.3: Hebung von Cross-Innovationspotenzialen sowie Weiterentwicklung von
Digitalisierungsansätzen in und zwischen sektoralen Stärkefeldern
Ziel 2.5: Stärkung strategischer Zusammenarbeit und Vernetzung (insb. Euregio / MSL
sowie Nutzung internationaler Beziehungen der Wissenschaft)
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
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Data Production Network (Potenzialprüfung Campus FinanzenVersicherungen)
Beschreibung und Zielsetzung
Die Innovationsstrategie Münster und Münsterland (IMM) benennt als eines von drei
strategischen Themenfeldern das Thema „Advanced Manufacturing and Data Production
Network“. Im Hinblick auf datengetriebene Dienstleistungsprozesse bestehen enge
Anknüpfungspunkte zur Standortentwicklungsstrategie 2030+, da hier die Finanz- und
Versicherungswirtschaft als ein wichtiges sektorales Stärkefeld identifiziert wurde und
entsprechende Unternehmen, Rechenzentren und externe Datendienstleister in Münster und
im Münsterland ansässig sind.
Viele Unternehmen der Finanz- und Versicherung stehen vor wichtigen gemeinsamen
Zukunftsfragen wie Nachwuchskräfte-/Fachkräftegewinnung, Einführung/Umsetzung New
Work und Entwicklung/Einführung innovativer technischer Lösungen. Daher hat sich die Frage
gestellt, ob ein virtueller oder analoger „Campus Finanzen und Versicherungen“ als
Netzwerkknoten für ein Data Production Network einen Mehrwert im Hinblick auf einen
zukunftsorientierte Stadt-/Regionalentwicklung schaffen würde.
Mögliche Schwerpunkte eines „Campus Finanzen und Versicherungen“ könnten sein:
Vernetzung: Branchenvertreterinnen und -vertreter und Ausbildung/Studium/Start-ups
Innovation und KI: Kollaborative Entwicklung von Lösungen bzw. technischen
Innovationen für die Finanz- und Versicherungswirtschaft
New Work: Austauschplattform für Branchenvertreterinnen und -vertreter zu den
Herausforderungen rund um New Work (Peer-to-Peer-Learning): Prozesse und
Arbeitsmethoden, Weiterbildungsmöglichkeiten
Die konkrete Ausgestaltung ist im Weiteren zu prüfen und zu schärfen. Ein
branchenübergreifender Ansatz wäre ebenfalls denkbar.
Zuständigkeit
Koordination: Stadtverwaltung Münster/Wirtschaftsförderung Münster GmbH mit IHK Nord
Westfalen und den Verbänden/Unternehmen der Finanz- und Versicherungswirtschaft. Im
Hinblick auf einen virtuellen Campus zusätzlich münsterLAND digital e.V. und REACH –
EUREGIO Start-up-Center.
Status
Ideenphase
Zielbezug
Ziel 2.1: Schaffung von Innovationsräumen (Reallabore) sowie Stärkung von
Transferstrukturen
Ziel 2.3: Hebung von Cross-Innovationspotenzialen sowie Weiterentwicklung von
Digitalisierungsansätzen in und zwischen sektoralen Stärkefeldern
Ziel 2.5: Stärkung strategischer Zusammenarbeit und Vernetzung (insb. Euregio / MSL
sowie Nutzung internationaler Beziehungen der Wissenschaft)
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
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Entwicklung GreenTech-Region Münsterland
Beschreibung und Zielsetzung
Das Münsterland entwickelt sich zu einer wichtigen deutschen GreenTech_Region. Die
Maßnahme zielt auf eine Stärkung der GreenTech Aktivitäten im gesamten Münsterland durch
die Fokussierung auf Wasserstoff, Batterietechnologie, Kreislaufwirtschaft und smarte
Produktionsprozesse ab und fördert somit die Kompetenzen in diesen nachhaltigen
Schlüsseltechnologien. Diese Stärke der Region wird bereits auch für das Standortmarketing
genutzt (z.B. beim Sommerfest der Landesregierung NRW bei der EU in Brüssel 2023). Die
Entwicklung der GreenTech-Region Münsterland ist eng verbunden mit dem deutsch-
niederländischen Innovationsnetzwerk TECH.LAND.
Zentrale Umsetzungsschritte sind:
Wesentlicher Bestandteil der Maßnahme ist der Organisations- und Netzwerkaufbau.
Dazu gehört die Definition von Organisationen, die die Zusammenarbeit beim Thema
Green Tech im Münsterland anführen, Netzwerkaktivitäten durchführen und
gemeinsame Themenfelder identifizieren.
In der Folge ist das mittelfristige Ziel, dass Partnerunternehmen und
Forschungseinrichtungen gemeinsame Förderaufrufe bedienen und
Entwicklungsprojekte durchführen.
Zuständigkeit
Koordination: IHK Nordwestfalen, Umsetzungspartner: Münsterland e.V.,
Kreiswirtschaftsförderungen der Münsterlandkreise, Wirtschaftsförderung Münster, HWK
Münster, Stadtverwaltung Münster, Euregio, Twente Board, TECH.LAND, Unternehmen und
Forschungseinrichtungen
Status
Konzeptionsphase
Zielbezug
Ziel 2.1: Schaffung von Innovationsräumen (Reallabore) sowie Stärkung von
Transferstrukturen
Ziel 2.2: Schwerpunktsetzung auf wachstums- und nachhaltigkeitsorientierte
Schlüsseltechnologien
Ziel 2.4: Förderung klimaneutraler Produktion, einer regionalen Kreislaufwirtschaft
sowie der regionalen Land- und Ernährungswirtschaft
Ziel 2.5: Stärkung strategischer Zusammenarbeit und Vernetzung (insb. Euregio / MSL
sowie Nutzung internationaler Beziehungen der Wissenschaft)
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
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Entwicklung Demonstrationszentrum „Zirkuläres Bauen“
Beschreibung und Zielsetzung
Die Ressourcen, die wir in unseren Gebäuden verbauen, sind zu wertvoll, zu rar und zu energie-
und CO2-intensiv produziert, als dass wir sie sorglos verschwenden oder gar entsorgen
könnten. Mit dem Ansatz des „Zirkulären Bauens" wird ein Beitrag zur Lösung von heutigen und
zukünftigen materialbezogenen Versorgungs-, Klima-, Umwelt- und Gesundheitsproblemen
erbracht. Bauen wird als Kreislauf neu gedacht und logistisch neu aufgebaut. Beim „Zirkulären
Bauen und Sanieren“ übernimmt das Handwerk viele wichtige Funktionen: Sensibilisierung,
Beratung, Projektierung, Umsetzung, Wartung und Reparatur, Begutachtung sowie
Rückführung.
Durch die Weiterentwicklung des bestehenden Demonstrationszentrums Bau und Energie
(Paul Schnitker-Haus) zu einem Demonstrationszentrum „Zirkuläres Bauen“ soll ein neues
Innovations-, Informations- und Kommunikationsforum für Stadt und Region geschaffen
werden, in dem erfahrbar wird, wie zirkuläres Bauen aussehen und vonstattengehen kann. Die
Darstellung zirkulärer Bauobjekte, Bildungs-, Beratungs-, Vernetzungs- und
Veranstaltungsangebote für verschiedene Zielgruppen wie Handwerk, Kommunen, private
Bauherren oder Architekten, Fördermittelberatung, eine Gründungschmiede zur Entwicklung
neuer zirkulärer Geschäftsmodelle fürs Handwerk sowie ein(e) Materialkataster/-börse für die
Wiederverwendung von Materialstoffen sind denkbare Bestandteile des
Demonstrationszentrums.
Die Entwicklung des Demonstrationszentrums „Zirkuläres Bauen“ ist eng vernetzt mit dem
Projekt „Kreislaufwirtschaftsregion Münsterland“, mit dem Interreg-Projekt „Two4C –
grenzenlos zirkulär wirtschaften“ und dem deutsch-niederländischen Innovationsnetzwerk
TECH.LAND (Handlungsfeld „Circular Economy“).
Zentrale Umsetzungsschritte sind:
Einholen des Konsenses zur Weiterverfolgung der Idee sowie Vernetzung mit weiteren
Partner/-innen und Unterstützer/-innen sowie weiteren Prozessen (z.B. Kreislaufstadt
Münster)
Ausarbeitung eines Ausgestaltung-, Nutzungs- und Betriebskonzeptes sowie Akquise
von Fördermitteln
Inhaltliche und bauliche Weiterentwicklung des vorhandenen Demonstrationszentrums
Bau & Energie des HBZ Münster um das Thema Zirkularität (zunächst Pilotphase)
Kontinuierliche Weiterentwicklung des Themenfeldes „Zirkuläres Bauen und Sanieren“
Zuständigkeit
Koordination: Handwerkskammer Münster. Umsetzungspartner: Kreishandwerkerschaft,
Fachhochschule Münster, Universität Münster, Stadt Münster, Wirtschaftsförderung Münster,
weitere Partnerinnen und Partner
Status
Ideenskizze
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
Seite 71
Zielbezug
Ziel 2.1: Schaffung von Innovationsräumen (Reallabore) sowie Stärkung von
Transferstrukturen
Ziel 2.4.: Förderung einer regionalen Kreislaufwirtschaft
Ziel 2.5.: Stärkung strategischer Zusammenarbeit und Vernetzung (insb. Euregio)
Ziel 4.3.: Entwicklung zur Klimastadt fördern
Ziel 4.5.: Stärkung der regionalen Kooperationen
Ziel 5.3: Anpassung von Aus- und Weiterbildungen an veränderte Arbeitswelten,
Berufsbilder und Schlüsseltechnologien
Ziel 5.6: Entwicklung und Ausbau von modernen Bildungsstätten
Ziel 6.4.: Schaffung der Rahmenbedingungen für Gründungshotspots
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
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4.3 Münster.Zukunftsorte
In einer Zeit, die von vielfältigen Herausforderungen geprägt ist, gewinnt die Entwicklung von
Zukunftsorten in Münster zunehmend an Bedeutung. Der Wirtschaftsstandort der Zukunft
erfordert die Entwicklung entsprechender Zukunftsorte, die den sich verändernden Arbeitsweisen
gerecht werden. Die Stärkefelder in Münster haben unterschiedliche Anforderungen an Flächen.
Die Bereitstellung geeigneter Flächen wird somit zu einem wesentlichen Schritt, um Münsters
Transformation aktiv voranzutreiben. Abbildung 32 und Abbildung 33 in Kapitel 5 machen
deutlichen, dass für alle sektoralen Stärke auch eine entsprechende Standortaktivierung und
Standortvorsorge betrieben wird.
Die gezielte Entwicklung urbaner Quartiere mit herausragenden städtebaulichen Qualitäten
gewinnt in Münster insbesondere vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Dynamiken und
Herausforderungen zunehmend an Bedeutung. In einer globalisierten Welt, in der Städte als
Wirtschaftszentren agieren, ist es von entscheidender Relevanz, städtebauliche Konzepte zu
schaffen, die nicht nur den sozialen und ästhetischen Anforderungen gerecht werden, sondern
auch eine positive wirtschaftliche Dynamik fördern. Solche Quartiere sollen nicht nur attraktive
Lebensräume bieten, sondern auch ideale Rahmenbedingungen für Unternehmen schaffen. Die
Integration von multifunktionalen Räumen, gemeinschaftlichen Arbeitsbereichen und
nachhaltigen Wirtschaftskonzepten sind Schlüsselfaktoren, um die Wirtschaftsdynamik in
urbanen Quartieren zu stärken und somit die Lebensqualität für Bewohnerinnen und Bewohner
sowie die Attraktivität für Unternehmen gleichermaßen zu steigern Das Integrierte
Flächenkonzept (IFM) dient als Wegweiser für die nachhaltige räumliche Stadtentwicklung
Münsters bis zum Jahr 2045. Es schafft Voraussetzungen dafür, dass die Stadt ihre hohe
Lebens-, Freiraum- und Umweltqualität beibehalten und klimaneutral werden kann. Zugleich
begegnet das Konzept dem hohen Wohn- und Gewerbeflächenbedarf mit konkreten
Potenzialflächen für bis zu 21.000 Wohnungen (ca. 390 ha) und ca. 285 ha gewerblichen
Bauflächen für Industrie, Gewerbe, Handwerk, Büro und Dienstleistungen sowie gemischt
nutzbare Flächen mit einem Potenzial für über 20.000 Arbeitsplätze. Eine zentrale Rolle spielen
dabei die bereits existierenden Potenzial- und Transformationsräume, die sich von Nordwesten
nach Südosten durch die innere Stadt erstrecken. Die Münster Modell Quartiere sind
Zukunftsorte in der Münsterschen Stadt-Landschaft. Die Fläche in Münster ist knapp. Der Mangel
an bezahlbarem Wohnraum wird von allen Akteuren und Akteurinnen als großes Risiko für die
weitere Entwicklung des Wirtschaftsstandorts Münster gesehen. Gleichzeitig fehlen auch
geeignete Flächen für emissionsarmes Gewerbe, Büro- und Praxisräume – Branchen in denen
Münster besonders stark ist. Gleichzeitig ermöglicht die Digitalisierung neue Formen der Arbeit,
die auch neue Anforderungen an Arbeitsflächen stellen.
Die Schaffung eines bedarfsgerechten Angebots an innovativen Wirtschaftsflächen ist
entscheidend, um als attraktiver Wirtschaftsstandort erfolgreich zu sein. Aus sozialpolitischen
und fiskalischen Gründen ist es für Münster von großer Bedeutung, weiterhin das Ziel zu
verfolgen, die bestehende Nachfrage nach Flächen angemessen zu bedienen. Die Sicherung
bestehender Arbeitsplätze und die Förderung von Unternehmenswachstum, -diversifizierung und
Neuansiedlungen erfordern die Schaffung von qualifizierten und marktfähigen Flächen sowie
Orten für Produktion. Nachverdichtung und Erschließung neuer Flächen werden dabei parallel
und gleichrangig verfolgt. Um zukünftige Planungen zu unterstützen, müssen darüber hinaus
mögliche Standortanforderungen der Münsteraner Branchenschwerpunkte antizipiert und Raum
für die Transformation der Wirtschaft zur Verfügung gestellt werden. Entsprechende Projekte mit
Flächenbezug werden in dem Handlungsfeld „Münster. Nachhaltige Infrastrukturen“ gebündelt.
Zu nennen sind: Sicherung und strategische Entwicklung von Wirtschaftsstandorten (v.a.
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
Seite 73
Flächenangebot), Wohnbaulandentwicklung und Wohnungsbauoffensive, Entwicklung
klimaneutraler Gewerbegebiete im Bestand und beim Neubau).
Und nicht zuletzt gilt es, auch die Innenstadt als historisches und lebendiges Zentrum Münsters
entsprechend aktueller und zukünftiger gesellschaftlicher und wirtschaftlicher
Herausforderungen und Veränderungen zu einem dauerhaft vielfältigen und attraktiven Zukunfts-
und Wirtschaftsort weiterzuentwickeln.
Die wichtigsten Themen im Handlungsfeld Münster.Zukunftsorte sind in der folgenden Abbildung
zusammengefasst (vgl. Abbildung 26) und werden durch Ziele und Maßnahmen untersetzt.
Abbildung 26: Handlungsfeld Münster.Zukunftsorte
Abbildung Prognos AG, 2024
4.3.1 Ziele
Ziel 3.1 Schaffung innovativer Raumnutzungskonzepte (Wohnen und Arbeit näher
zusammenbringen)
■ Urbane Quartiere mit Integration von multifunktionalen Räumen, gemeinschaftlichen
Arbeitsbereichen, nachhaltigen Wirtschaftskonzepten, Flächen für Forschung und
Wissens- und Technologietransfer
■ Räume für neue Formen des Arbeitens: urbane Produktion, Flächen für
stadtteilbezogenes Gewerbe, Kleinstunternehmen des produzierenden Gewerbes und des
Handwerks
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
Seite 74
■ Gestaltung von Wirtschaftsstandorten, die neben wirtschaftlicher Nutzung auch soziale,
kulturelle und ökologische Funktionen erfüllen, um ein nachhaltige Stadtquartier zu
realisieren
Ziel 3.2 Nachhaltige Entwicklung von Wirtschaftsflächen
■ Räumliche Entwicklungsmöglichkeiten und ein differenziertes Flächenangebot:
ausreichende und schnelle Entwicklung von Wirtschaftsflächen entsprechend den
unterschiedlichen Bedürfnissen der Unternehmen und mit dem Ziel Flächensparsamkeit
und Ressourcenschonung
■ Standortsicherung und Schutz bestehender Wirtschaftsflächen
■ Entwicklung von Gewerbegebieten als lebendige und vielfältige Stadtteile, die nicht nur
Arbeitsstätten bieten, sondern auch Raum für Erholung, soziale Interaktion und kulturelle
Aktivitäten, um eine hohe Lebensqualität für Beschäftigte und Anwohner zu gewährleisten
Ziel 3.3 Schaffung von Orten bzw. Räumen für Kultur- und Kreativwirtschaft
■ Verknüpfung von Wissenschaft und Praxis stärken
■ Cross-Innovation Potenziale mit anderen etablierten Branchen in der Stadt heben
■ Kreativkai am Hafen und Modellquartiere 3, 4 und 5 für die Kultur- und Kreativwirtschaft
weiterentwickeln
Ziel 3.4 Zukunftsgerechte Transformation der Innenstadt
■ Unterstützung und Qualitätssicherung von Handel, Gastronomie, Tourismus und Kultur
bei gleichzeitiger Intensivierung der Nutzungsmischung und Etablierung eines
zukunftsstarken vielfältigen und erlebnisreichen Angebotes
■ Intensivierung der Innenstadtentwicklung als Gemeinschaftsaufgabe
■ Erhöhung der Klimagerechtigkeit und der Durchgrünung u.a. als weicher Standortfaktor
■ stärkere Vernetzung der innerstädtischen Quartiere unterschiedlicher Identitäten,
Aufwertung der Verbindungsachsen, insbesondere zu den großstadtrelevanten Quartieren
wie dem Hafen oder den Hochschulstandorten
■ Stabilisierung und Stärkung der Innenstadt als inklusiver Wohn- und Alltagsort für „alle
Menschen“
■ Sicherung einer hohen Erreichbarkeit der Innenstadt bei Verminderung des Autoverkehrs
und Parkens im öffentlichen Raum für eine bessere Aufenthaltsqualität, Umwelt- und
Klimabedingungen bei gleichzeitiger Förderung des multimodalen sowie Fuß- und
Radverkehrs
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
Seite 75
4.3.2 Maßnahmen
Für Münster.Zukunftsorte sind folgende Maßnahmen vorgesehen:
Konsequente Weiterentwicklung der urbanen Modellquartiere im Wissenschaftssektor:
MMQ1 Steinfurter Straße / MMQ2 Busso-Peus-Straße)
Beschreibung und Zielsetzung
Die Wissenschaft ist einer der wesentlichen Treiber für eine zukunftsorientierte
Stadtentwicklung von Münster. Insbesondere der Transfer von Wissen und Technologie aus
den Hochschulen in Forschungseinrichtungen hat wichtige wirtschaftliche Impulse gesetzt.
Diese Impulse haben maßgeblich zur Entwicklung des Wissenschaftsparks und des
Technologiehofs südlich der Mendelstraße sowie des Technologieparks südlich der
Austermannstraße beigetragen. Mittlerweile sind in diesen Bereichen keine bedeutenden
Erweiterungspotenziale mehr verfügbar. Um die Entwicklungsimpulse weiter nutzen und die
Transformationen zu einer klimaneutralen und nachhaltigen Entwicklung unterstützen zu
können, sollen die urbanen Modellquartiere 1 (südwestlich Steinfurter Straße) und 2 (westlich
Busso-Peus-Straße) entwickelt werden.
Das Modellquartier 1 in direkter Nachbarschaft zum Technologiepark bietet als Erweiterung
dessen eine optimale Voraussetzung für die Neuansiedlung und Erweiterung von
technologieorientierten gewerblichen Nutzungen. Auch das Handwerk spielt eine wesentliche
Rolle in dem geplanten produktiven und durchmischten Stadtquartier, das verschiedene
Funktionen wie Wohnen und Gewerbe eng miteinander verknüpfen wird. Das Quartier soll
sowohl mit ca. 2.100 Wohnungen, die ergänzt werden durch 600 Wohnheimplätze für
Studierende und 400 Apartments für Auszubildende, einen attraktiven Wohnstandort für rund
6.400 Menschen als auch einen innovativen Ansiedlungsstandort für rund 4.700 Arbeitsplätze
bieten. Mit der Quartiersentwicklung wird ein bedeutender Beitrag zur Entlastung des
Münsteraner Wohnungsmarktes geschaffen und gleichzeitig der Wirtschaftsstandort Münster
bedeutend gestärkt.
Das Modellquartier 2 adressiert zwei bedeutende Herausforderungen in der Stadt. Erstens
steht die Wissenschaftsstadt Münster vor dem Bedarf an Erweiterungsflächen für ihren
bestehenden Wissenschaftspark. Zweitens reagiert das Projekt auf den wachsenden Bedarf an
Wohnraum in Münster, hier insbesondere für Studierende und Hochschulmitarbeiterinnen und
-mitarbeiter. Das Modellquartier 2 plant die Schaffung von rund 600 neuen Wohnungen, die
Platz für etwa 1.750 Menschen bieten. Zudem sind 300 Wohnheimplätze für Studierende und
400 Apartments für Auszubildende geplant. Darüber hinaus wird der Fokus auf die Ansiedlung
von rund 2.000 Arbeitsplätzen gelegt, die sich auf Forschung, Wissenschaft und
Dienstleistungen konzentrieren.
Zuständigkeit
Koordination: Stadtverwaltung Münster;
Umsetzungspartner: NRW.URBAN, NRW.Grund, Wirtschaftsförderung Münster GmbH,
Technologieförderung Münster, Stadtwerke Münster GmbH, LoI-Partner Zukunft der
Wissenschaftsstadt, Handwerkskammer Münster, Kreishandwerkerschaft Münster
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
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Status
MMQ1: Konzeptionsphase (Durchführung städtebaulich-landschaftsplanerischer Wettbewerb)
MMQ2: Projektskizze (Vorbereitung des Bauleitplanverfahrens)
Zielbezug
Ziel 1.1: Integriertes Mobilitätssystem für Stadt und Region
Ziel 3.1: Schaffung innovativer Raumnutzungskonzepte (Wohnen und Arbeit näher zu-
sammenbringen)
Ziel 3.2: Nachhaltige Entwicklung von Wirtschaftsflächen
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
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Konsequente Weiterentwicklung der urbanen Modellquartiere am Dortmund-Ems-Kanal
(MMQ3 Theodor-Scheiwe-Straße, MMQ4 Nieberdingstraße, MMQ5 Am Hawerkamp /
Stadthafen 2)
Beschreibung und Zielsetzung
Am Dortmund-Ems-Kanal liegen die geplanten Modellquartiere 3 (Theodor-Scheiwe-Straße), 4
(Nieberdingstraße) und 5 (Am Hawerkamp / Stadthafen 2). Sie stärken das Ziel der „15
Minuten-Stadt“, bieten herausragende Lagequalitäten und unterstützen eine
flächenschonende Stadtentwicklung. Sie bieten besondere Potenziale für die Entwicklung
urbaner Quartiere des 21. Jahrhunderts. Die drei Modellquartiere MMQ 3|4|5 haben jeweils
unterschiedliche Schwerpunkte:
Auf dem etwa 10 Hektar großen Bereich an der Theodor-Scheiwe-Straße sollen Wohnraum für
ca. 3.200 Bewohnende sowie ca. 1.600 Arbeitsplätze geschaffen werden. Der städtebaulich-
freiraumplanerische Entwurf für dieses Areal – im Rahmen eines Wettbewerbs hat sich im Juni
2024 das Planungsteam bestehend aus Studio Wessendorf, Loidl Landschaftsarchitekten
GmbH sowie Plan und Recht GmbH durchgesetzt – sieht ein gemischt genutztes Quartier mit
„lebendigen Erdgeschossen“ vor: Gastronomie, kulturelle Einrichtungen, Kitas,
Gemeinschaftsräume, Läden, Praxen, urbane Produktionsstätten und mit den geplanten
Wohnnutzungen verträgliche Handwerksbetriebe sollen hier angesiedelt werden.
In der Nieberdingstraße (ca. 11 ha) liegt der Schwerpunkt auf der Weiterentwicklung und
Ansiedlung gewerblicher und dienstleistungsorientierter Strukturen, z. B. in Form eines neuen
Innovations-Campus, kleinteiliger Gewerbe- und Handelshöfe, urbaner Produktionsstätten,
aber auch Flächen für soziale Infrastrukturen, Gastronomiebetriebe und
Veranstaltungsnutzungen sowie Freizeitsport-Angebote. Darüber hinaus soll die vorhandene
Wohnnutzung gesichert werden.
Im Bereich Am Hawerkamp / Stadthafen 2 hingegen stehen Kunst, Kultur und Freizeit im
Vordergrund (ca. 25 ha). Vorgesehen ist die Sicherung und Weiterentwicklung bestehender
Nutzungen, z. B. des Messe und Congress Centrums Halle Münsterland sowie der Kulturszene
„Am Hawerkamp“ und die Schaffung neuer gewerblicher und dienstleistungsorientierter
Strukturen.
Die aktuellen städtebaulichen Ziele für die drei Quartiere sind in einem sogenannten
Perspektivplan festgehalten, der im Zuge eines Werkstattverfahrens im September 2022 unter
breiter Öffentlichkeitsbeteiligung erarbeitet worden ist.
Zuständigkeit
Koordination: Stadtverwaltung Münster
Umsetzungspartner: NRW.Urban, BImA, Stadtwerke Münster GmbH, MCC Halle Münsterland,
Grundstückseigentümer, Gewerbetreibende, Stadtgesellschaft
Status
MMQ3: Projektskizze (Vorbereitung des Bauleitplanverfahrens)
MMQ4: Konzeptionsphase
MMQ5: Konzeptionsphase
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
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Zielbezug
Ziel 1.1: Integriertes Mobilitätssystem für Stadt und Region
Ziel 3.1: Schaffung innovativer Raumnutzungskonzepte (Wohnen und Arbeit näher zu-
sammenbringen)
Ziel 3.2: Nachhaltige Entwicklung von Wirtschaftsflächen
Ziel 3.3: Schaffung von Orten bzw. Räumen für Kultur- und Kreativwirtschaft
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
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Entwicklung von Creative Spaces
Beschreibung und Zielsetzung
Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist ein wichtiger Impulsgeber für Nachhaltigkeitsthemen und
die digitale Transformation und damit ausschlaggebend für die Entwicklung des
Wirtschaftsstandorts. Münster ist reich an kultur- und kreativwirtschaftlichem Know How. Bei
der Entwicklung von Creative Spaces soll die Kultur- und Kreativwirtschaft entsprechenden
Raum in Münster erhalten, um Kreativität, Innovation und Zusammenarbeit in der
Gemeinschaft zu fördern. Diese Räume können physischer oder digitaler Natur sein und dienen
dazu, Menschen aller Hintergründe und Disziplinen zusammenzubringen, um Ideen zu
generieren, zu teilen und zu verwirklichen. Creative Spaces sind speziell gestaltete
Umgebungen, die darauf abzielen, Kreativität zu fördern, indem sie inspirierende,
unterstützende und anregende Räume bereitstellen, wie z.B. das geplante MMQ 5 Am
Hawerkamp / Stadthafen 2.
Zentrale Umsetzungsschritte bzw. Merkmale dabei sind:
Potenzialanalyse zur Identifizierung geeigneter Standorte auf Basis der
bestehenden Bedürfnisse
Prüfung von Synergiepotentialen / positiven Wirkungen von Zusammenschlüssen
Veranstaltungen und Programme: Organisation von Workshops, Seminaren,
Ausstellungen, Networking-Veranstaltungen und anderen Aktivitäten, um die
Zusammenarbeit und den Wissensaustausch innerhalb der Gemeinschaft zu
fördern.
Nachhaltigkeit und Zugänglichkeit: Sicherstellung, dass die Creative Spaces
nachhaltig betrieben werden und für alle Mitglieder der Gemeinschaft zugänglich
sind, unabhängig von finanziellen oder anderen Barrieren.
Zuständigkeit
Koordination: Stadtverwaltung Münster
Umsetzungspartner: Münster Marketing, Kulturamt, Wirtschaftsförderung Münster GmbH,
Einbindung von Akteurinnen und Akteure vor Ort,
Status
Ideenphase
Zielbezug
Ziel 1.4: Sicherung der Erreichbarkeit der Unternehmen und Kunden für mittelständi-
sche Leistungen
Ziel 3.2: Nachhaltige Entwicklung von Wirtschaftsflächen (Flächenpotenziale für Erwei-
terung, Verlagerung und Neuansiedlung von Industrie und Gewerbe)
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
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Transformation der Innenstadt
Beschreibung und Zielsetzung
Mit dem Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept Münster-Innenstadt (2023) (INSEK
Münster Innenstadt (2023) liegt in Münster ein aktuelles integriertes Zukunftskonzept für die
Innenstadtentwicklung vor. Mit dem Konzept wird eine zukunftsgerechte Entwicklung der
Innenstadt als bedeutender Lebens- und Wirtschaftsort Münsters in den zentralen
Handlungsfeldern „Grün und klimagerecht“, „Vernetzt und facettenreich“, „Vielfältig und
erlebnisreich“, „Alltagstauglich und inklusiv“, „Autoarm und erreichbar“ und „Aktiv und ko-
produktiv“ verfolgt.
Der im INSEK Münster-Innenstadt enthaltene Maßnahmenplan umfasst insgesamt 96
Maßnahmen, die verschiedene Fachressorts bzw. Lebensbereiche betreffen. Mit Blick auf die
Entwicklung der Innenstadt als Zukunftsort und Wirtschaftsstandort sind folgende
Maßnahmenbereiche beispielhaft zu hervorzuheben:
Maßnahmen des Zentrenmanagements, insbesondere zur Förderung und Stärkung des
Handels und der Gastronomie
Weiterentwicklung und Stärkung von privaten Quartiersgemeinschaften
Temporäre Formate zur Belebung der Innenstadt
zukunftsgerechte Umgestaltung von Stadtplätzen und Straßenräumen u. a. zur
Erhöhung der Aufenthaltsqualität, Klimagerechtigkeit, Barrierefreiheit und zur
stadtgestalterischen Verbesserung
Auch die weiteren Maßnahmen des Konzeptes betreffen immer auch die Verbesserung von
weichen Standortfaktoren in der Innenstadt, so dass auch diese mittelbar zur positiven
Entwicklung der Innenstadt als lebendiger Zukunftsort und attraktiver Wirtschaftsstandort
beitragen.
Zuständigkeit
Koordination: Stadtplanungsamt der Stadt Münster; Umsetzungspartner: Münster Marketing,
weitere Fachämter der Stadt Münster, Zentrenmanagement mit Wirtschafsförderung Münster
GmbH und Initiative starke Innenstadt e.V. (ISI), zahlreiche weitere Innenstadtakteure
Status
In Umsetzung
Zielbezug
Ziel 3.1: Schaffung innovativer Raumnutzungskonzepte (Wohnen und Arbeit näher zu-
sammenbringen)
Ziel 4.2: Einbeziehung wirtschaftlicher Akteurinnen und Akteure, der Stadtgesellschaft
sowie weiterer Stakeholder (Berücksichtigung aller Belange und Fachwissen)
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
Seite 81
4.4 Münster.Miteinander
Mit dem Handlungsfeld Münster.Miteinander nimmt die Stadt Münster die Themen Good, Local
und Regional Governance in den Blick. Gemäß der strategischen Leitlinie „Good Governance“
steht Münster für Transparenz (vgl. Kapitel 3). Die Stadtverwaltung bekennt sich zu den
Prinzipien einer effektiven, transparenten, rechenschaftspflichtigen und partizipativen
Verwaltung. Die Schnittstelle Wirtschaft und Verwaltung steht für eine effiziente Gestaltung von
Verwaltungsprozessen, um die Zusammenarbeit weiter zu verbessern. Die Stadtverwaltung gibt
damit ein Serviceversprechen und optimiert bestehende Prozesse.
Münster ist gemeinsam mit dem Münsterland Motor der deutsch-niederländischen
Zusammenarbeit. Die erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Münsterland und der
EUREGIO/MONT soll weiter intensiviert werden, um gemeinsame Herausforderungen anzugehen
und gemeinsame Ziele zu erreichen. Hierzu dient auch das deutsch-niederländische Wirtschafts-
und Innovationsnetzwerk TECH.LAND.
Co-Produktion bezieht sich auf die Zusammenarbeit zwischen der öffentlichen Verwaltung, der
Privatwirtschaft, der Zivilgesellschaft und anderen Interessengruppen bei der Erbringung von
öffentlichen Dienstleistungen und der Lösung von gesellschaftlichen Herausforderungen.
Partizipations- und Beteiligungsprozesse garantieren Chancengleichheit (z. B. im Zugang zu
Informationen und der Möglichkeit der Beteiligung) und Nichtdiskriminierung. Bürgerinnen und
Bürger, Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft gestalten gemeinsam den Lebens- und
Wirtschaftsraum.
Die wichtigsten Themen im Handlungsfeld Münster.Miteinander sind in der folgenden Abbildung
zusammengefasst (vgl. Abbildung 27) und werden durch Ziele und Maßnahmen untersetzt.
Abbildung 27: Handlungsfeld Münster.Miteinander
Abbildung Prognos AG, 2024
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4.4.1 Ziele
Ziel 4.1 Transparente und effiziente Gestaltung der Verwaltungsprozesse sowie frühzeitige
Kommunikation zur Erhöhung der Transparenz
■ Überprüfung und Optimierung der Verwaltungsprozesse, um sicherzustellen, dass sie
transparent, effizient bürgernah und wirtschaftsnah sind
■ Bereitstellung von Informationen über geplante Verwaltungsmaßnahmen und
Entscheidungen bereits in einem frühen Stadium, um Bürgerinnen und Bürger frühzeitig
zu informieren und ihnen die Möglichkeit zur Partizipation zu geben
■ Schaffung von Mechanismen, die eine offene Kommunikation und den Dialog zwischen
Verwaltung und Bürgerschaft fördern, um das Vertrauen in die Verwaltung zu stärken und
eine größere Akzeptanz für getroffene Entscheidungen zu erreichen
Ziel 4.2 Einbeziehung wirtschaftlicher Akteurinnen und Akteure, der Stadtgesellschaft sowie
weiterer Stakeholder (Berücksichtigung aller Belange und Fachwissen)
■ Einbindung von Wirtschaftsakteurinnen und -akteuren, Stadtgesellschaft und weiteren
Stakeholdern in Entscheidungsprozesse (partizipative Entscheidungsvorbereitung und -
findung)
■ Schaffung von Plattformen und Formaten für kontinuierlichen Austausch und
gemeinsame Lösungsfindung zur Förderung des Dialogs
■ Integrative Expertise: Berücksichtigung verschiedener Fachkenntnisse und Perspektiven
für umfassende Entscheidungen
Ziel 4.3 Beiträge aller Akteurinnen und Akteure in der Stadt an der Entwicklung zur
„Klimastadt“ fördern: Ideen zur Klimafolgenanpassung (insbesondere Münsterland / EUREGIO
/MONT)
■ Förderung eines breiten Bewusstseins für die Bedeutung der Klimafolgenanpassung
innerhalb der Stadtgemeinschaft, indem Bürgerinnen und Bürger dazu ermutigt werden,
Ideen und Vorschläge zur Bewältigung von Klimaherausforderungen einzubringen
■ Etablierung von Kooperationsmechanismen zwischen Stadtverwaltung, Unternehmen,
Bildungseinrichtungen, zivilgesellschaftlichen Organisationen und anderen relevanten
Stakeholdern, um gemeinsam innovative Lösungen zur Anpassung an die Klimafolgen zu
entwickeln und umzusetzen
■ Berücksichtigung der spezifischen klimatischen Bedingungen und Herausforderungen im
Münsterland und in der EUREGIO unter Berücksichtigung der Ansätze im Städtenetzwerk
MONT sowie Förderung von Maßnahmen, die grenzüberschreitende Auswirkungen
berücksichtigen und Synergien zwischen verschiedenen Gebieten fördern, um gemeinsam
gegen den Klimawandel vorzugehen
Ziel 4.4 Proaktive und gestaltende Rolle der Verwaltung bei der Auseinandersetzung mit
Zukunftsthemen
■ Identifizierung potenzieller Entwicklungen und Trends, die sich auf die Gesellschaft,
Wirtschaft und Umwelt auswirken könnten
■ Schaffen eines Rahmens für proaktive Maßnahmen zur Bewältigung dieser
Herausforderungen durch die Stadtverwaltung
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■ Einbindung verschiedener Interessengruppen in den Prozess der Zukunftsgestaltung, um
breite Unterstützung für transformative Veränderungen zu gewinnen und eine nachhaltige
Entwicklung zu fördern
Ziel 4.5 Stärkung der regionalen Kooperationen (insbesondere Münsterland, Euregio)
■ Förderung gemeinsamer Entwicklungsprojekte: Initiierung und Unterstützung von
Kooperationsprojekten mit Partnerinnen und Partnern aus dem Münsterland, in der
EUREGIO, im Städtenetzwerk MONT und im Wirtschafts- und Innovationsnetzwerk
TECH.LAND
■ Austausch bewährter Praktiken und Ressourcen: Schaffung von Mechanismen zur
gemeinsamen Nutzung von Ressourcen, Fachwissen und Erfahrungen zwischen der Stadt
Münster, dem Münsterland und der EUREGIO/Städtenetzwerk MONT, um Synergien zu
schaffen und Effizienzsteigerungen zu erzielen
■ Stärkung regionaler Identität und Zusammengehörigkeit: Förderung von Veranstaltungen,
Netzwerken und Initiativen, die dazu beitragen, das Bewusstsein für die gemeinsame
sozioökonomische Verbundenheit innerhalb des Münsterlandes und der EUREGIO/dem
Städtenetzwerk MONT sowie im TECH.LAND zu stärken und die regionale
Zusammenarbeit langfristig zu festigen
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4.4.2 Maßnahmen
Für Münster.Miteinander sind folgende Maßnahmen vorgesehen:
Good Governance: Effizienz, Transparenz und Servicequalität in der Stadtverwaltung
Beschreibung und Zielsetzung
Die Stadt Münster befindet sich im Wandel, um sich den dynamischen Herausforderungen der
Stadt- und Wirtschaftsentwicklung anzupassen. Im Mittelpunkt des bereits angelaufenen,
verwaltungsweiten Transformationsprozesses stehen vier zentrale Themenfelder: Agilität in
Führung und Zusammenarbeit, Modernisierung und Digitalisierung, Zukunftsorientierung sowie
eine verbesserte, wirtschaftliche Steuerung der kommunalen Prozesse. Diese Schwerpunkte
bilden auch die Basis, um die Stadtverwaltung effizienter, bürger- und unternehmensnäher
sowie leistungsstärker aufzustellen.
Während der angelaufene Transformationsprozess die gesamte Stadtverwaltung betrifft, wurde
im Rahmen der Analysen zur Standortentwicklungsstrategie insbesondere die Bedeutung
digitaler Prozesse in der Bauordnung angesprochen. Hier ist die Digitalisierung bereits
angelaufen.
Folgende konkrete Umsetzungsschritte sind zu nennen:
Digitalisierung des Bauantragsverfahrens seit 1/2024
Einführung der eAkte im Dokumentenmanagementsystem seit 6/2024
Digitalisierung der vorhandenen Bau- und Statikakten (< 180.000 Akten) seit 10/2024
(geplant bis Ende 2027)
Digitale Anträge in BIM-Verfahren (Building Information Modeling): laufendes
Forschungsprojekt
In Vorbereitung: Entwicklung digitaler Auskunftsverfahren
In Planung nach Aktendigitalisierung: Digitale Baugenehmigung
Darüber hinaus wird die Unternehmensnähe und Servicequalität durch konkrete
Ansprechpartnerinnen und -partner für Handwerk, Gewerbe und Industrie in den drei
räumlichen Bezirken der Bauordnung gesteigert.
Zuständigkeit
Koordination: Stadtverwaltung Münster – Bauordnungsamt für die Digitalisierung der
Bauordnung und Transformationsteam (Dezernentin Oberbürgermeister/ Personal- und
Organisationsamt) für den Transformationsprozess der Verwaltung
Status
Transformationsprozess: In Umsetzung; Digitalisierung der Prozesse in der Bauordnung: in
Abhängigkeit von der konkreten Maßnahme: Projektskizze bis Umsetzung
Zielbezug
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Ziel 4.1: Transparente und effiziente Gestaltung der Verwaltungsprozesse sowie früh-
zeitige Kommunikation zur Erhöhung der Transparenz
Ziel 4.4: Proaktive und gestaltende Rolle der Verwaltung bei der Auseinandersetzung
mit Zukunftsthemen
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Stärkung regionale/grenzüberschreitende Zusammenarbeit: Münsterland, MONT 2030,
EUREGIO 2030, Innovationsallianz Münster und Münsterland, TECH.LAND
Beschreibung und Zielsetzung
Bereits im Prozess der MünsterZukünfte ist nachdrücklich herausgearbeitet worden, dass eine
zukunftsorientierte Stadt- und Wirtschaftsentwicklung nur in regionaler Zusammenarbeit
erfolgen kann (V/0487/2021). Hierzu laufen bereits eine Vielzahl von Aktivitäten auf
verschiedenen Kooperationsebenen:
Stadtregion Münster (Münster und 11 Nachbarkommunen)
Münsterland (Stadt Münster mit den Münsterlandkreisen Borken, Coesfeld, Steinfurt,
Warendorf und gemeinsame Mitgliedschaft in Münsterland e.V.)
Zusammenarbeit im Städtenetzwerk MONT (Münster – Osnabrück – Netwerkstad
Twente mit Enschede, Hengelo, Almelo, Oldenzaal und Borne)
Zusammenarbeit in der Städtepartnerschaft Münster – Enschede
Mitglied und Mitwirkung im grenzüberschreitenden deutsch-niederländischen
Kommunalverband EUREGIO
Zusammenarbeit Oost Nederland – Münsterland: grenzüberschreitende
Zusammenarbeit zwischen den vier Münsterland-Kreisen, der Stadt Münster, der
Bezirksregierung Münster und den niederländischen Partnern der Provinzen Overijssel
und Gelderland sowie der Regios Twente und Achterhoek
Die Analysen und Schlüsselpersonengespräche zur Erarbeitung der
Standortentwicklungsstrategie 2030+ haben dies mit dem Fokus auf eine zukunftsorientierte
Wirtschaftsstandortentwicklung noch einmal unterstrichen. Als strategische Leitlinie wurde
formuliert: „Münster verstärkt die Zusammenarbeit mit dem Münsterland und ist gemeinsam
mit dem Münsterland Motor der deutsch-niederländischen Zusammenarbeit“.
Mit den folgenden Schritten soll diese Leitorientierung weiter umgesetzt werden:
Münsterland: Fortsetzung des Prozesses der informellen Regionalentwicklung im
Münsterland, abgestimmte Bewerbung an Strukturförderprogrammen des Landes und
der EU, gemeinsame Arbeit an Wirtschafts-, Tourismus- und Innovationsthemen bei
Münsterland e.V., Vorbereitung auf eine REGIONALE-Ausschreibung.
MONT: Umsetzung der MONT-Strategie 2030 mit den Themenschwerpunkten
„Nachhaltige Mobilität und Erreichbarkeit“, „Regionale Innovation“, „Branding MONT-
Region und Lobby“ sowie „Klimaschutz und Umgang mit Klimafolgen“.
EUREGIO: Unterstützung der EUREGIO-Strategie 2030 für den Bereich „Nachhaltige
Raumentwicklung“, „Wirtschaft und Arbeitsmarkt“ sowie „Gesellschaftliche
Entwicklung“
Mitwirkung bei der Umsetzung der Innovationsstrategie Münster und Münsterland
(IMM): Die Innovationsstrategie ergänzt die vorliegenden Strategiepapiere als
gemeinsamer Handlungsrahmen von Wissenschaft, Wirtschaft und
städtischen/regionalen Akteuren für die Weiterentwicklung einer starken europäischen
Innovationsregion. Die Handlungsfelder „Smart & Resilient Energy“, „Smart & Resilient
Care“ und „Smart & Resilient Production“ unterstützen die diesbezüglichen Projekte im
Handlungsfeld „Münster.Innovation“ und sind zugleich im deutsch-niederländischen
Innovations- und Technologienetzwerk TECH.LAND verankert.
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Mitwirkung bei der Umsetzung des deutsch-niederländischen Netzwerks zur
Innovations-, Technologie- und Wirtschaftsentwicklung TECH.LAND: TECH.LAND steht
für die Entwicklung einer gemeinsamen Wirtschaftsregion im „Herzen Europas“ und
fokussiert dabei auf abgestimmte grenzüberschreitende Technologiethemen. Diese
decken sich mit den Themen der Standortentwicklungsstrategie 2030+ wie GreenTech
(Batteries, Hydrogen), „Health & Medtech“, „Circular Economy“ sowie
Gründungsförderung.
Die Stärkung der deutsch-niederländischen Zusammenarbeit wird auch auf Stakeholder-Ebene
vorangetrieben. Bei den sogenannten Double-Triple-Helix-Gesprächen stimmen die Spitzen von
Stadt Münster, Universität Münster und IHK Nord Westfalen mit den entsprechenden Partnern
der Stadt Enschede, der Universität Twente und dem Twente Board wichtige Schritte für die
Stärkung der Zusammenarbeit, z. B. für ein gemeinsames internationales Standortmarketing,
ab.
Die Eckpunkte für die Stärkung der Zusammenarbeit zwischen den Partnerstädten Münster
und Enschede legt das „Memorandum of Understanding“ (MoU) fest, das am 19.11.2024
unterzeichnet wurde. Beide Städte bekräftigen darin, die deutsch-niederländische Region zu
einer starken Wirtschaftsregion mit Stärkung der Marke TECH.LAND zu entwickeln, die
kulturelle Zusammenarbeit zu intensivieren, sich in internationalen Städtenetzwerken zu
engagieren und ein grenzübergreifendes Miteinander der Bürgerinnen und Bürger zu fördern.
Die konkreten Maßnahmen enthält ein jährlicher Aktionsplan.
Zuständigkeit
Die Koordination und Umsetzung ist abhängig von der Umsetzungsebene: Universität Münster;
FH Münster, Westfälische Hochschule, Universität Twente, Stadt Münster, Münsterlandkreise,
Münsterland e.V., Wirtschaftsförderung Münster, Wirtschaftsförderungen der Münsterland-
Kreise, IHK Nord Westfalen, Handwerkskammer Münster, Twente-Board,
Forschungseinrichtungen, weitere Umsetzungspartnerinnen und -partner aus jeweiligen
Wirtschaftsclustern
Status
In Abhängigkeit von der Umsetzungsebene: Projektskizze – In Umsetzung
Zielbezug
Ziel 4.5: Stärkung der regionalen und grenzüberschreitenden Kooperationen (insbeson-
dere Münsterland, Euregio, MONT, TECH.LAND)
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Stärkung der regionalen Bio-Wertschöpfungsketten
Beschreibung und Zielsetzung
Die Ernährungswende in der Region gemeinsam zu gestalten ist das Ziel und die
Herausforderung des Projekts Food for Münster 2030 (FfMS2030). Anknüpfend an die GNK-
Nachhaltigkeitsstrategie, die Aktivitäten zur Biostadt Münster und zur Öko-Modellregion
Münsterland sollen agile und innovative Strukturen für die Vernetzung, Kooperation und
Zusammenarbeit der in Münster und im Münsterland Aktiven aus Wirtschaft, Wissenschaft und
Verwaltungen für ein nachhaltiges Ernährungssystem aufgebaut werden. Dabei sollen
einerseits gute Ernährungsumgebungen in der Gemeinschaftsverpflegung, z.B. durch die
Steigerung der Anteile an bio-, gesunder, pflanzenbasierter, regionaler Lebensmittel in den
Speiseplänen und durch konsequente Vermeidung von Lebensmittelabfällen befördert werden.
Gleichzeitig gilt es, mit den regionalen Marktakteuren aus der Land- und Ernährungswirtschaft
sowie der Wissenschaft entlang der gesamten Wertschöpfungsketten Kooperationen und
projektbezogene Experimentierräume zum Auf- und Ausbau bio-regionaler
Wertschöpfungsketten zu erproben. Bedarfsentsprechend werden Angebote für
Wissenstransfer, Coaching, gemeinsame Kommunikation, Bildungs- und Beratungsangebote
für unterschiedliche Zielgruppen entwickelt und gemeinsam umgesetzt.
Wesentliche Schwerpunkte oder Transformationslabs (TL):
TL 1: Schaffung dauerhafter, agiler Netzwerkstrukturen
TL 2: Nachhaltige und ökologische Außer-Haus Gastronomie
TL 3: Aufbau von (bio-) regionalen Marktstrukturen
TL 4: Aktivierung zivilgesellschaftlicher Potentiale
Zuständigkeit
Stadt Münster – Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit, in Kooperation mit
Marktakteuren der Land- und Ernährungswirtschaft, der FH-Münster, dem GNK-Beirat sowie
der Öko-Modellregion Münsterland
Status
Ideenskizze
Anmerkung: Die Projektskizze wurde in 2023 für den Wettbewerb „Ernährungswende in der
Region“ des BMEL eingereicht. Insgesamt haben über regionale 30 Akteure aus Wirtschaft,
Wissenschaft und weiteren Institutionen mit einem Letter of Intend ihr Interesse an einer
Zusammenarbeit bekundet.
Zielbezug
Ziel 2.4: Förderung klimaneutraler Produktion, einer regionalen Kreiskaufwirtschaft
sowie der regionalen Land- und Ernährungswirtschaft
Ziel 4.5: Stärkung der regionalen Kooperationen (insb. Münsterland, Euregio)
Ziel 6.2: Stärkung und Förderung der inhabergeführten Unternehmen
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
Seite 89
4.5 Münster.Talente und Bildung
Der demografische Wandel und globale Veränderungsprozesse verdeutlichen immer mehr: Gut
qualifizierte Arbeitskräfte sind unerlässlich für den Fortbestand erfolgreicher
Wirtschaftsstandorte. In Münster zeigt sich dies bereits jetzt: Die Arbeitslosenquote ist in Folge
der guten konjunkturellen Entwicklung der vergangenen Jahre bereits niedrig und sinkt seit
einigen Jahren kontinuierlich. Der gleichzeitig steigende Anteil älterer Menschen an der
Bevölkerung deutet jedoch darauf hin, dass die Zahl der Erwerbsfähigen weiter sinkt. Sollten
Maßnahmen zur Fachkräftewerbung oder auch die Förderung des Verbleibs in Münster
ausbleiben, stellt der Mangel an Fachkräften in den kommenden Jahren eine ernstzunehmende
Bedrohung für den erfolgreichen Fortbestand des Wirtschaftsstandorts Münster dar. Die Analysen
zur Standortentwicklungsstrategie haben verdeutlicht, dass die Aufgabe der Arbeitskräfte- und
Fachkräftegewinnung bereits heute eine große Herausforderung für Unternehmen aus allen
sektoralen Stärkefeldern darstellt.
Mit dem Handlungsfeld „Münster.Talente und Bildung“ nimmt Münster daher die Sicherung der
Fachkräfteversorgung in den Fokus. Es ist wichtig sicherzustellen, dass den Menschen, die
bereits in Münster arbeiten, ein attraktiver Wohn- und Arbeitsstandort geboten wird. Dazu
gehören nicht nur die Umsetzung der Prinzipien guter Arbeit, sondern auch attraktive
Freizeitgestaltungsmöglichkeiten und passender Wohnraum. Entsprechende Projekte enthalten
die Handlungsfelder „Münster.Nachhaltige Infrastrukturen“ und „Münster.Lebensqualität“.
Gleichzeitig muss die Ausbildung neuer Fachkräfte in den Blick genommen werden. Münster ist
ein bedeutender Studien- und Ausbildungsort: Die Fachhochschule und die Universität Münster
gewährleisten die Ausbildung von hochqualifizierten Absolventinnen und Absolventen,
Institutionen wie das Ausbildungszentrum der Handwerkskammer sichern den
Fachkräftenachwuchs für das Handwerk. Diese Position gilt es zu nutzen und weiter auszubauen.
Denn nur mit kontinuierlicher Qualifikation und Weiterbildung, können auch ältere Fachkräfte den
neuen Anforderungen an ihre Tätigkeiten gerecht werden. Zu guter Letzt macht der
demografische Wandel immer deutlicher: Der Wirtschaftsstandort Münster ist auf Fachkräfte aller
Qualifikationsniveaus aus dem Ausland angewiesen. Dass in Münster schon heute eine
Willkommenskultur gelebt wird, kommt der Stadt dabei zugute.
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
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Abbildung 28: Handlungsfeld Münster.Talente und Bildung
Abbildung Prognos AG, 2024
4.5.1 Ziele
Ziel 5.1 Steigerung der Attraktivität von Berufsausbildungen und der dualen Ausbildung (insb.
in Handwerk und Industrie)
■ Stärkung des handwerklichen und industriellen Fachkräftenachwuchses durch qualitativ
hochwertige und zeitgemäße Ausgestaltung der Berufsausbildungen
■ Erhöhung der Akzeptanz einer Berufsausbildung als Alternative zum Studium:
Wahrnehmung von Berufsausbildungen und dualen Ausbildungen in Handwerk und
Industrie in der Gesellschaft verbessern
■ Wertschätzung von Berufsausbildungen
Ziel 5.2 Ausbau von MINT-Fächern in Bildungseinrichtungen, um mehr junge Menschen für
diese Fächer zu begeistern (Begleitung der Transformation von Industrie/Gewerbe in
Münster)
■ Schaffung von langfristigen Perspektiven für junge Menschen durch die Vermittlung von
MINT-Kenntnissen und -Fähigkeiten, um ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu
verbessern und zur wirtschaftlichen Entwicklung der Region beizutragen
■ Qualifikation von qualifizierten Fachkräften im Bereich Mathematik, Informatik,
Naturwissenschaften und Technik für die Transformation der Industrie
■ Aufbau von Kompetenzen für nachhaltige Schlüsseltechnologien
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
Seite 91
Ziel 5.3 Anpassung von Aus- und Weiterbildungen an veränderte Arbeitswelten, Berufsbilder
und Schlüsseltechnologien
■ Gewährleistung passgenauer Aus- und Weiterbildungsformate für die Münsteraner
Wirtschaft
■ Sicherung der wirtschaftlichen Transformationskapazität
■ Qualifikation des bestehenden Fachkräftepotenzials für zukünftige Herausforderungen
Ziel 5.4 Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf (familienfreundliche
Arbeitsbedingungen und Etablierung wichtiger Aspekte von guter Arbeit in Münster)
■ Positionierung als attraktiver und moderner Arbeitsstandort
■ Verbesserung der Möglichkeiten, individuelle Arbeits- und Lebensgewohnheiten zu
vereinbaren
■ Etablierung von Guter Arbeit als Leitmotiv in Münster
Ziel 5.5 Positionierung von Münster als attraktiven Standort für internationale Fach- und
Arbeitskräfte (Betreuung durch die Stadt, weltoffene Gesellschaft und Wirtschaft)
■ Leben einer Willkommenskultur für Menschen aus dem Ausland: Geflüchtete schneller
und mit langfristiger Perspektive in den Arbeitsmarkt bringen
■ Rücksichtnahme auf die Bedürfnisse und Anforderungen internationaler Fachkräfte
■ Verbesserung der Services für Unternehmen und internationale Fachkräfte
Ziel 5.6 Entwicklung und Ausbau von modernen Bildungsstätten
■ Bereitstellung moderner Infrastruktur, technologischer Ausstattung und flexibler
Räumlichkeiten, um den Lernprozess zu optimieren
■ Umgebungen schaffen, die Innovation und Kreativität fördert (Maker Spaces32,
Laboratorien oder kollaborative Arbeitsbereiche)
■ Integration von digitalen Kompetenzen, die Förderung von Teamarbeit und
Kommunikation sowie die Vermittlung von fachlichen Fähigkeiten, die für zukünftige
Berufe relevant sind
32 Maker Spaces können als offene Lernräume definiert werden, die einen einfachen Zugang zu Werkzeugen, Technologien,
Materialien und Know-how bieten und interessierten Einwohnerinnen und Einwohnern zur Verfügung gestellt werden.
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
Seite 92
4.5.2 Maßnahmen
Neubau/Umbau Handwerkskammer Bildungszentrum (HBZ) Münster
Beschreibung und Zielsetzung
Das Handwerkskammer Bildungszentrum Münster (HBZ) ist der zentrale Ort für die berufliche
Aus- und Weiterbildung im Handwerk mit mehr als fünfzig Lehrwerkstätten und 30
Schulungsräumen auf rund 55.000qm. Jährlich absolvieren rund 10.000 Auszubildende und
Fachkräfte Lehrgänge in fast 30 unterschiedlichen Gewerken. Die Teilnehmenden kommen
nicht nur aus dem Kammerbezirk Münster, der dem Regierungsbezirk entspricht, sondern in
einigen Gewerken aus ganz Deutschland. Das HBZ gehört damit zu den größten
handwerklichen Bildungseinrichtungen in NRW.
Um auch zukünftig Schulungen auf hohem Niveau und nach zeitgemäßen didaktischen
Standards durchzuführen und Synergien der einzelnen Fachbereiche besser zu nutzen,
beabsichtigt die Handwerkskammer eine umfassende Modernisierung des HBZ. Diese besteht
aus einem Neubau sowie der Modernisierung eines Bestandsgebäudes. Dabei sollen
Lehrwerkstätten und Schulungsräume geschaffen werden, die den aktuellen technischen und
energetischen Standards entsprechen. Das neue Bildungszentrum soll ein Schaufenster für die
Lebendigkeit und Vielfalt des Handwerks in Münster werden und zukünftige Fach- und
Führungskräfte für das Handwerk begeistern. Auch das Thema „Nachhaltigkeit“ soll eine
wichtige Rolle spielen. Zudem sollen die Infrastruktur und die Ausstattung des
Bildungszentrums verbessert werden, um die Aufenthaltsqualität für die Teilnehmenden zu
erhöhen und Räume für Austausch und Begegnung zu schaffen.
Die Maßnahmen werden aus Landes- und Bundesmitteln gefördert. In einem nächsten Schritt
wird in enger Abstimmung mit den Zuwendungsgebern sowie unter Einbeziehung der Stadt
Münster die Ausschreibung für die Objekt- und Freiraumplanung vorgenommen.
Zuständigkeit
Koordination: Handwerkskammer Münster
Status
Projektskizze
Zielbezug
Ziel 5.1 Steigerung der Attraktivität von Berufsausbildungen und dualen Ausbildung
(insb. in Handwerk und Industrie)
Ziel 5.3 Anpassung von Aus- und Weiterbildungen an veränderte Arbeitswelten, Berufs-
bilder und Schlüsseltechnologien
Ziel 5.6 Entwicklung und Ausbau von modernen Bildungsstätten
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
Seite 93
Kampagne Wirtschaft und berufliche Bildung
Beschreibung und Zielsetzung
Ziel der Maßnahme ist die koordinierte Entwicklung und Umsetzung von Kampagnen der
Akteure zur Stärkung der Berufsausbildungen. Dabei sollen abgestimmte
öffentlichkeitswirksame Aktionen und Veranstaltungen von Münsteraner Ausbildungsbetrieben
und Institutionen der beruflichen Bildung (IHK Nord Westfalen, Handwerkskammer Münster,
Kreishandwerkerschaft Münster sowie der Agentur für Arbeit Ahlen Münster) sowie der Stadt
Münster durchgeführt werden. Zielgruppe sind insbesondere vor dem Abschluss stehende
Schülerinnen und Schüler aller Schulformen und deren Eltern sowie allgemein
Berufseinsteigende. Interessierte Berufskollegs können die Aktivitäten mit ihren Fachklassen
des dualen Systems unterstützen.
Inhaltlich sollen die Aktivitäten die Vorteile einer Berufsausbildung anhand von
Praxisbeispielen aus Münster hervorheben und den Zielgruppen so einerseits einen Eindruck
von den vielfältigen Berufsbildern und den damit verbundenen persönlichen
Entwicklungsmöglichkeiten geben, andererseits aber auch den großen gesellschaftlichen Wert
der ausgeübten Tätigkeiten vermitteln. Als Zielgruppe nimmt sie bewusst auch angehende
Abiturientinnen und Abiturienten in den Fokus, um dort die Berufsausbildung als wertvolle
Alternative zum Studium zu positionieren.
Zuständigkeit
Koordination: IHK Nord Westfalen, Handwerkskammer Münster, Stadt Münster und weitere
Partner: Kreishandwerkerschaft Münster, Agentur für Arbeit Ahlen-Münster, Münsteraner
Ausbildungsbetriebe und Berufsbildende Schulen mit ihren berufsschulischen Bildungsgängen
Status
Ideenphase
Zielbezug
Ziel 5.1 Steigerung der Attraktivität von Berufsausbildungen und dualen Ausbildung
(insb. in Handwerk und Industrie)
Ziel 5.3 Anpassung von Aus- und Weiterbildungen an veränderte Arbeitswelten, Berufs-
bilder und Schlüsseltechnologien
Ziel 5.5 Positionierung von Münster als attraktiven Standort für internationale Fach-
und Arbeitskräfte (Betreuung durch die Stadt, weltoffene Gesellschaft und Wirtschaft)
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
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Förderung Verbleib in Münster
Beschreibung und Zielsetzung
„Förderung Verbleib in Münster" hat das Ziel, die Bindung von Studierenden, Auszubildenden,
wissenschaftlichem Personal an den Standort Münster stärken und somit die Abwanderung
von Fachkräften zu reduzieren. Im Hinblick auf Studierende bieten die
Absolvierendenbefragungen der Universität Münster und der FH Münster entsprechende
Datengrundlagen.
Umsetzungsschritte können dabei sein:
Analyse der Herausforderungen und Potenziale der Standortbindung von Studierenden,
Auszubildenden, wissenschaftlichem Personal
Entwicklung von konkreten Maßnahmen zur Standortbindung
Umsetzung der entwickelten Maßnahmen in enger Zusammenarbeit mit relevanten
Akteurinnen und Akteuren
Zuständigkeit
Koordination: Stadtverwaltung Münster; Umsetzungspartner: Universität Münster,
Fachhochschule Münster, Handwerkskammer Münster, Industrie- und Handelskammer
Münster, regionale Wirtschaft
Status
Ideenphase
Zielbezug
Ziel 5.4: Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf (familienfreundliche Ar-
beitsbedingungen und Etablierung wichtiger Aspekte von guter Arbeit in Münster)
Ziel 5.5: Positionierung von Münster als attraktiven Standort für internationale Fach-
und Arbeitskräfte (Betreuung durch die Stadt, weltoffene Gesellschaft und Wirtschaft)
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
Seite 95
Homecoming Münster als Teil von Homecoming@Münsterland
Beschreibung und Zielsetzung
Mit Homecoming@Münsterland existiert eine Initiative für das gesamte Münsterland, die
Rückkehrinteressierten wichtige Hilfestellungen im Hinblick auf Karriere und Leben bietet. Mit
der Maßnahme Homecoming Münster sollen die für Münster spezifischen Aspekte stärker
herausgearbeitet werden.
Dies umfasst:
Informationskampagne: Durch gezielte Werbung und Öffentlichkeitsarbeit werden
ehemalige Bewohnerinnen und Bewohner über die Vorteile einer Rückkehr nach
Münster informiert. Hierbei werden insbesondere die hohe Lebensqualität, attraktive
Arbeitsmöglichkeiten, Kinderbetreuungsangebote und die Vielfalt der Schullandschaft
und der Freizeitangebote hervorgehoben.
Netzwerk- und Kontaktvermittlung: In enger Kooperation mit dem Service
Onboarding@Münsterland gilt es, das Netzwerk von Unternehmen, Institutionen und
Organisationen für Münster auszubauen.
Unterstützung beim Start in der „alten Heimat“: Um den Rückkehrerinnen und
Rückkehrern den Start in Münster zu erleichtern, werden verschiedene Maßnahmen
zum Ankommen und Einleben in Münster angeboten
Die gesamte Maßnahme wird in enger Abstimmung mit dem Münsterland e.V. und dem Service
Onboarding@Münsterland entwickelt, um Doppelstrukturen zu vermeiden und Synergien zu
nutzen.
Zuständigkeit
Koordination: Wirtschaftsförderung Münster GmbH; Umsetzungspartner: Münsterland e.V.,
regionale Wirtschaft
Status
Ideenphase
Zielbezug
Ziel 5.4: Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf (familienfreundliche Ar-
beitsbedingungen und Etablierung wichtiger Aspekte von guter Arbeit in Münster)
Ziel 5.5: Positionierung von Münster als attraktiven Standort für internationale Fach-
und Arbeitskräfte (Betreuung durch die Stadt, weltoffene Gesellschaft und Wirtschaft)
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
Seite 96
Onboarding Münster (International Office für Arbeits-/ Fachkräfte)
Beschreibung und Zielsetzung
Der Vorschlag für ein International Office für Arbeits-/ Fachkräfte ist eine Maßnahme zur
Stärkung der internationalen Arbeitsmigration und zur Förderung der Integration von
Fachkräften aus dem Ausland. Das Office sollte in enger Zusammenarbeit mit Unternehmen,
Bildungseinrichtungen, Behörden und anderen relevanten Akteurinnen und Akteuren
aufgebaut werden. Es sollte eine zentrale Anlaufstelle für alle Fragen rund um die
internationale Rekrutierung und Integration von Fachkräften sein.
Das International Office könnte umfassende Informationen zu Arbeitsmöglichkeiten,
Anerkennungsverfahren, Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigungen sowie zu Sprach- und
Integrationskursen umfassen. Es würde Unternehmen bei der Suche nach geeigneten
Fachkräften aus dem Ausland unterstützen und Kontakte zu relevanten Institutionen und
Netzwerken vermitteln. Zudem könnte das Office Beratung und Unterstützung für
Arbeitsuchende und Fachkräfte, die eine Beschäftigung in Deutschland anstreben.
Das International Office sollte eng mit den zuständigen Behörden zusammenarbeiten, um
einen reibungslosen Ablauf der Verfahren sicherzustellen. Es sollte bei der Beantragung von
Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigungen unterstützen und Informationen zu den rechtlichen
Rahmenbedingungen der internationalen Arbeitsmigration bieten.
Das International Office für Arbeits-/ Fachkräfte sollte als langfristiges Projekt konzipiert und
kontinuierlich weiterentwickelt werden, um den Bedürfnissen von Unternehmen und
Fachkräften gerecht zu werden. Eine enge Kooperation mit relevanten Akteuren aus Wirtschaft,
Bildung und Verwaltung ist dabei essenziell.
Die gesamte Maßnahme sollte in enger Abstimmung mit dem Münsterland e.V. und dem
Service Onboarding@Münsterland entwickelt werden, um Doppelstrukturen zu vermeiden.
Zur Einrichtung einer Beratungs- bzw. Anlaufstelle, die sowohl digitale als auch Angebote in
Präsenz vorhält und mit allen für das Boarding relevanten Bereichen vernetzt ist, liegen zwei
Ratsanträge vor: A-R/0034/2022 der FDP-Ratsfraktion „International Welcome Desk“ und A-
R/0052/2022 als gemeinsamer Antrag der Ratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen/GAL, der
SPD-Ratsfraktion und der Ratsgruppe Volt „Fachkräfte für Münster – ein International
Professionals Office einrichten“. Die Anliegen dieser Ratsanträge werden in der Vorlage
V/0710/2023 „Gewinnung und Arbeitsmarktintegration von Fachkräften / Aufbau von
Beratungs- und Informationsstrukturen“ behandelt.
Zuständigkeit
Koordination: Wirtschaftsförderung Münster GmbH/Stadtverwaltung Münster;
Umsetzungspartner: IHK Nord Westfalen, Handwerkskammer, Unternehmen,
Bildungseinrichtungen
Status
Ideenphase
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
Seite 97
Zielbezug
Ziel 5.5: Positionierung von Münster als attraktiven Standort für internationale Fach-
und Arbeitskräfte (Betreuung durch die Stadt, weltoffene Gesellschaft und Wirtschaft)
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
Seite 98
Zielgruppenorientierte Weiterentwicklung Internationales Standortmarketing
Beschreibung und Zielsetzung
Um das Ziel, vermehrt auch internationale Arbeitskräfte für den Münsteraner Arbeitsmarkt zu
gewinnen zu erreichen, muss die internationale Sichtbarkeit der Stadt erhöht werden. Die
Maßnahme zielt daher darauf ab, eine international ausgerichtete Standortkampagne zu
entwickeln. Inhaltlich soll diese Kampagne sich dem vielfältigen Wirtschafts- und
Wissenschaftsstandort Münster widmen, die dynamische Wirtschaft, die Chancen auf dem
Arbeitsmarkt und die hohe Lebensqualität der Stadt herausstellen.
Dabei können sowohl die wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Schwerpunkte mit Beispielen
aus der Praxis vermittelt werden als auch die Münster-Werte und Lebensart mit Hilfe von
Testimonials beworben werden.
Zuständigkeit
Koordination: Wirtschaftsförderung Münster GmbH in Kooperation mit Münster Marketing;
Umsetzungspartner: IHK Nord Westfalen, Handwerkskammer Münster, Industriegemeinschaft
Münster, Wirtschaftsinitiative Münster, Universität, Fachhochschule, Forschungsinstitutionen,
weitere Ämter Stadtverwaltung
Status
Ideenphase
Zielbezug
Ziel 5.5: Positionierung von Münster als attraktiven Standort für internationale Fach-
und Arbeitskräfte (Betreuung durch die Stadt, weltoffene Gesellschaft und Wirtschaft)
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
Seite 99
Förderung der migrantischen Potenziale
Beschreibung und Zielsetzung
Die Maßnahme hat zum Ziel, die Potenziale von Menschen mit Migrationshintergrund in
Münster zu erkennen, zu fördern und zu nutzen. Durch gezielte Teilmaßnahmen sollen nicht
nur die Teilhabe und Integration dieser Zielgruppe in verschiedenen Bereichen der
Stadtgesellschaft verbessert werden, sondern insbesondere auch die Potenziale für den
Arbeitsmarkt und das Unternehmertum gehoben werden.
Dazu gehören unter anderem:
Verstetigung des Netzwerkes der migrantischen Ökonomie: regelmäßige
Unternehmerinnen- und Unternehmertreffen
Unterstützung von Gründerinnen und Gründern mit Migrationshintergrund
Stärkere Öffnung der migrantischen Unternehmen für das duale Bildungssystem
Das Projekt soll in enger Zusammenarbeit mit migrantischen Organisationen,
Bildungseinrichtungen, Unternehmen und der Stadtverwaltung durchgeführt.
Zuständigkeit
Koordination: Stadtverwaltung Münster; Umsetzungspartner: Integrationsrat, migrantische
Organisationen, IHK Nord Westfalen, Handwerkskammer Münster, Kreishandwerkerschaft,
DGB Münsterland, Bildungseinrichtungen, Unternehmen
Status
Ideenphase
Zielbezug
Ziel 5.5: Positionierung von Münster als attraktiven Standort für internationale Fach-
und Arbeitskräfte (Betreuung durch die Stadt, weltoffene Gesellschaft und Wirtschaft)
Ziel 7.2: Förderung der Toleranz und Offenheit gegenüber allen Menschen in der Stadt
Ziel 7.3: Stärkung des sozialen Gefüges in der Stadt (u.a. Angebote für alle Altersgrup-
pen, Kinder, Familien, soziale Inklusion und Vielfalt)
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
Seite 100
4.6 Münster.Dynamische Unternehmen
Eine dynamische Entwicklung am Wirtschaftsstandort wird durch die Unternehmen vor Ort
bestimmt. Mit deutschlandweit bekannten Unternehmen besitzt Münster eine starke
wirtschaftliche Basis, die sich in der Industriegemeinschaft Münster zusammengeschlossen
haben. Daneben macht auch die Wirtschaftsinitiative Münster (WIN e.V.) als Netzwerk von
Unternehmen aller Branchen und Größen deutlich, wie breit und stark die wirtschaftliche Basis
ist. Insgesamt wird der Wirtschaftsstandort neben einigen bekannten Großunternehmen somit
stark durch Mittelstandsunternehmen aus fast allen Stärkefeldern geprägt. Große Bedeutung
haben mittelständische Unternehmen beispielsweise im Handwerk, im Handel oder im Bereich
von kreativen und FuE-orientierten Dienstleistungen. Von besonderer Bedeutung sind dabei
insbesondere auch die inhabergeführten Unternehmen.
Wenn es um die großen Transformationen geht, sind mittelständische Unternehmen in der Regel
stärker auf Unterstützung von außen angewiesen. Aus diesem Grund wird im Handlungsfeld
Münster.Dynamische Unternehmen ein Fokus auf den Münsteraner Mittelstand gelegt. In
Kapitel 2.3 wurde herausgearbeitet, dass die Unternehmen in allen sektoralen Stärkefeldern vor
spezifischen Herausforderungen stehen. Im Bereich der Industrie sind beispielsweise
Klimaschutzmaßnahmen und Energiesicherheit große Themen. In anderen Bereichen wie
Gesundheitswirtschaft spielt der demografische Wandel und die damit einhergehende Alterung
der Gesellschaft eine gewichtige Rolle. Branchen bzw. sektorale Stärkefelder sollen bei diesen
branchenspezifischen Herausforderungen unterstützt werden. Das stellt sicher, dass die
sektoralen Stärkefelder wichtige Säulen des Wirtschaftsstandorts Münster bleiben. Zugleich
werden branchenübergreifende Angebote geschaffen. Das gilt insbesondere für Themen, die für
alle sektoralen Stärkefelder von großer Bedeutung sind – insb. Fachkräfte (Kapitel 4.5),
Gründungsaktivitäten und Digitalisierung. Diese Initiativen sind notwendig, denn wie die Analyse
der Ausgangslage (Kapitel 2.1) zeigt, hat Münster eine gute wirtschaftliche Ausgangssituation, die
Entwicklung gestaltet sich allerdings weniger dynamisch als in vergleichbaren Städten in
Deutschland.
Besonders wichtig für die zukünftige Entwicklung des Wirtschaftsstandorts ist der Bereich
Gründungen. Ein entscheidendes Alleinstellungsmerkmal von Münster ist die starke
Hochschullandschaft. Ausgründungen aus dem wissenschaftlichen Bereich sollen gezielt gestärkt
werden. Daneben gilt es, Synergien im Gründungsbereich zwischen KMU, Wissenschaft und Start-
ups zu heben. Die Ausgangslage im Bereich Gründungen (Kapitel 2.1) zeigt: Münster weist gute
Gründungszahlen auf, doch es bestehen Aufschlusspotenziale zu anderen Universitätsstädten
wie Karlsruhe oder Heidelberg. Besonders treten neben der Stärkung der bestehenden
Gründungsstrukturen, -netzwerke und -infrastrukturen vor allem Zukunftsaussichten für
Gründende am Standort Münster ins Blickfeld. Dazu gehören eine Erhöhung des Gründergeistes
und eine Mentalitätswende, die Dynamik und Modernisierung in den Fokus rückt.
Die wichtigsten Themen im Handlungsfeld sind in der folgenden Abbildung zusammengefasst
(vgl. Abbildung 29) und werden durch Ziele und Maßnahmen untersetzt.
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
Seite 101
Abbildung 29: Handlungsfeld Münster.Dynamische Unternehmen
Abbildung Prognos AG, 2024
4.6.1 Ziele
Ziel 6.1 Sicherung der Rahmenbedingungen für Unternehmen und deren Weiterentwicklung
■ Berücksichtigung spezifischer sektoraler Besonderheiten (bspw. Handwerk, Industrie,
Kultur- und Kreativwirtschaft oder Handel)
■ Wertschätzung für die jeweiligen wirtschaftlichen Akteurinnen und Akteure
■ Schaffung einer Willkommenskultur für Fachkräfte und neue Unternehmen
Ziel 6.2 Stärkung und Förderung inhabergeführter Unternehmen (u.a. Kaufmannschaft)
■ Vielfalt und Pluralität in der Wirtschaftslandschaft erhalten und fördern: Inhabergeführte
Unternehmen tragen zu einer differenzierten Angebotspalette bei und sind wichtige
Akteurinnen und Akteure in Münsteraner Wirtschaftsstruktur
■ Inhabergeführte Unternehmen sind eng mit der Stadt verbunden und tragen zur
Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen bei
■ Verbesserung der Rahmenbedingungen für Migrantische Ökonomie (z.B. durch
verbesserte Aus- und Weiterbildungsangebote (siehe auch Abschnitt 4.5)
Ziel 6.3 Stärkung und Förderung von Unternehmertum (Entre- und Intrapreneurship)
■ Förderung wichtiger Aspekte von Unternehmertum, insb. Kreativität, Eigenverantwortung
oder Teamorientierung.
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
Seite 102
■ Umfeld schaffen, das Gründern und innovativen Mitarbeitern die nötigen Ressourcen,
Informationen und Netzwerke bietet, um ihre unternehmerischen Ideen erfolgreich
umzusetzen
■ Fokus auf die Weiterentwicklung der Unternehmen am Standort (Scale-up)
Ziel 6.4 Schaffung der Rahmenbedingungen für Gründungshotspots (u.a. Fokusthemen, neue
räumliche Infrastrukturen und Mentalitätswende)
■ Stärkung der bestehenden Gründungsstrukturen und -infrastrukturen
■ Etablierung eines ausgeprägten Gründergeistes in der Stadt
■ Mentalitätswende hin zu Themen wie Erneuerung, Dynamik und Fehlerkultur
Ziel 6.5 Ausbau der Kooperationsaktivitäten sowie Realisierung von Synergien im
Gründungsbereich (KMU, Wissenschaft und Start-ups)
■ Koordiniertes und kooperatives Netzwerk für Existenzgründungen, Start-ups und junge
Unternehmen
■ Zusammenkunft verschiedener Kompetenzen und Ressourcen in der Stadt – Austausch
von Erfahrungen sowie Förderung der Zusammenarbeit zwischen den
Gründungsakteurinnen und -akteuren
■ Ausbau von Kooperationsaktivitäten und die Realisierung von Synergien
Ziel 6.6 Stärkung und Ausbau „Digital Hubs“
■ Unterstützung der Weiterentwicklung des Digital Hub von münsterLAND.digital e.V.
■ Unterstützung Münsteraner Unternehmen bei digitalen Herausforderungen
■ Schaffung eines Ökosystems, das den Austausch von Wissen, Erfahrungen und
Ressourcen zwischen Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Start-ups fördert und
somit die digitale Wirtschaft vorantreibt
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
Seite 103
4.6.2 Maßnahmen
Für Münster.Dynamische Unternehmen sind folgende Maßnahmen vorgesehen:
Mittelstandsoffensive: Planungen beschleunigen – Wirtschaft entlasten
Beschreibung und Zielsetzung
Die Mittelstandsoffensive ist eine strategische Maßnahme zur Stärkung und Förderung des
Münsteraner Mittelstands. Das Ziel besteht darin, die Wettbewerbsfähigkeit und
Innovationskraft kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) zu steigern und ihnen somit
langfristiges Wachstum zu ermöglichen. Dabei geht es um eine branchenübergreifende
Weiterentwicklung und Förderung des Mittelstands in Münster. Es wird ein Instrument
geschaffen, welches KMU bei der Bewältigung der großen Transformationen unterstützt. Im
Vordergrund stehen die Themen Digitalisierung und nachhaltiges Wirtschaften. Die
Zusammenarbeit der verschiedenen Akteurinnen und Akteure – Stadt, Wirtschaftsförderung
und örtlichen Unternehmen – soll damit ein entscheidender Baustein für eine
zukunftsorientierte Standortentwicklung werden.
Zur Erreichung dieser Ziele werden verschiedene Schwerpunkte gesetzt:
Willkommenskultur und Wertschätzung gegenüber mittelständischen Unternehmen:
Einführung einer jährlichen Zukunftskonferenz Wirtschaft. Dies kann die Akzeptanz und
das Bekenntnis zum digitalen und nachhaltigen Wirtschaftsstandort Münster erhöhen.
Vereinfachung von Bürokratie und Genehmigungsverfahren: schnelle und zügige
Entscheidungsprozesse (hier bestehen enge Verbindungen zum Projekt
„Transformation der Stadtverwaltung und Digitalisierung der Prozesse im
Handlungsfeld „Münster.Miteinander)
Ausbau von Transferstrukturen sowie Stärkung des regionalen Netzwerkes
Neue Formen der Informationsvermittlung: Austausch zu spezifischen Bedürfnissen
und Herausforderungen der KMU
Fokus Nachhaltigkeit: Gap-Analyse und Synergien bestehender Initiativen
Sichtbarkeit von Hidden Champions erhöhen: Erfolgsstorys
Die Mittelstandsoffensive soll in enger Zusammenarbeit mit relevanten Akteurinnen und
Akteuren wie Verbänden, Kammern und wirtschaftsbezogenen Organisationen umgesetzt
werden.
Zuständigkeit
Koordination: Stadtverwaltung Münster; Umsetzungspartner: Wirtschaftsförderung Münster
GmbH, IHK Nord Westfalen, Handwerkskammer Münster, Kreishandwerkerschaft,
Wirtschaftsinitiative Münster e.V., Unternehmen
Status
Ideenphase
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
Seite 104
Zielbezug
Ziel 6.1: Sicherung der Rahmenbedingungen für Unternehmen und deren Weiterent-
wicklung
Ziel 6.2: Stärkung und Förderung inhabergeführter Unternehmen (u.a. Kaufmann-
schaft)
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
Seite 105
Allianz mit dem Handwerk (Masterplan Handwerk)
Beschreibung und Zielsetzung
Das Handwerk hat eine große Bedeutung bei der Gestaltung der anstehenden
Zukunftsaufgaben: Klimaschutz und Energiewende, demografischer Wandel,
Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Stadtentwicklung. Das Handwerk kann seine
Schlüsselfunktionen nur bei entsprechend gestalteten Rahmenbedingungen übernehmen.
Daher haben Handwerkskammer, Kreishandwerkerschaft und Stadt Münster mit der
Erarbeitung einer gemeinsamen Vereinbarung und eines gemeinsamen Arbeitsprogramms für
eine „Allianz mit dem Handwerk“ („Masterplan Handwerk“) begonnen.
Im Sinne eines „Sofortprogramms“ wurden zunächst folgende wichtige Handlungsfelder
identifiziert, die aktuell in gemeinsamen Workshops mit Maßnahmenansätzen unterlegt
werden.
Standortsicherung (in Gemengelagen) und Entwicklung neuer Standorte
Vertiefung der laufenden Zusammenarbeit im Bereich „Klimaneutralität“ und „Klimaan-
passung“
Strukturelle Unterstützung von Handwerksbetrieben bei „alltäglichen Problemen“ und
„bürokratischen Hürden“ (z.B. Schulungen Ausschreibungen und Vergaben)
Verbesserung der Wertschätzung für das Handwerk
Wichtige weitere relevante Themen werden bereits in gesonderten Projekten bearbeitet:
Neubau/Umbau Handwerkskammer Bildungszentrum Münster (HBZ) (Handlungsfeld
„Münster.Talente und Bildung“
Kampagne „Wirtschaft und berufliche Bildung“ (Handlungsfeld „Münster.Talente und
Bildung)
Weiterentwicklung des Demonstrationszentrums „Bauen und Energie“ zu einem De-
monstrationszentrum „Zirkuläres Bauen“ (Handlungsfeld „Münster.Innovationen“)
Zuständigkeit
Koordination/Umsetzung: Stadtverwaltung Münster, Handwerkskammer Münster,
Kreishandwerkerschaft Münster, Wirtschaftsförderung Münster GmbH
Status
Projektskizze – in Umsetzung (in Abhängigkeit von den Maßnahmen)
Zielbezug
Ziel 5.1: Steigerung der Attraktivität von Berufsausbildungen und dualen Ausbildung
(insb. in Handwerk und Industrie)
Ziel 5.3: Anpassung von Aus- und Weiterbildungen an veränderte Arbeitswelten, Berufs-
bilder und Schlüsseltechnologien
Ziel 6.1: Sicherung der Rahmenbedingungen für Unternehmen und deren Weiterent-
wicklung
Ziel 6.2: Stärkung und Förderung inhabergeführter Unternehmen (u.a. Kaufmann-
schaft)
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
Seite 106
Kuratiertes Gründungsökosystem
Beschreibung und Zielsetzung
Mit der Maßnahme soll die gemeinsame Zusammenarbeit der verschiedenen
Gründungsakteurinnen und -akteure in der Stadt Münster gestärkt werden. Damit kann eine
schnellere Umsetzung von Ideen erreicht werden. Darüber hinaus werden mit der Maßnahme
Gründungen stärker in den Fokus gerückt (Gründungsmarketing) und damit der
Gründungsgeist in der Stadt gestärkt. Münster hat in den letzten Jahren bereits nachweisbare
Fortschritte in der Stärkung des Gründungsökosystems gemacht, die wesentlich mit REACH
EUREIO Start-up Center und dem Digital HUB münsterLAND e.V. zusammenhängen.
Eine wichtige aktuelle Weiterentwicklung besteht in dem Ansatz der Hochschulen (Universität
Münster/FH Münster), das Gründungsökosystem breiter aufzustellen und über eine „Startup-
Factory“ (SUPF) in Münster mit den regionalen Partnern zu positionieren. Erste Schritte sind
durch die Auswahl des REACH-Euregio Start-up Centers für die Konzeptphase der Start-up
Factories auf Bundesebene erfolgt, weitergehende Anträge sind für das erste Quartal 2025
geplant. In Q4-2024 erfolgt zudem die Neuausschreibung der Digital Hubs NRW für die
Förderperiode 2025-2028. Auch hier hat der Digital HUB münsterLAND e.V. mit seinen
regionalen Partnern eine starke Bewerbung abgeben und hat gute Chancen, sich im
Wettbewerb mit den anderen Digital Hubs durchsetzen.
Einzelne Umsetzungsschritte umfassen:
Koordiniertes und kooperatives, Netzwerk für Existenzgründungen, Start-ups und junge
Unternehmen (effektives Zusammenwirken)
Stärkung und Erweiterung der bestehenden Gründungsstrukturen und -infrastrukturen
(u.a. SUPF und „Digital Hub 2.0“)
Weitere Bündelung der Aktivitäten von Digital Hub, REACH, Gründerberatung und
Wirtschaftsförderung/Technologieförderung (ggf. „Gründungshaus für Münster“)
Systematische Vernetzung von Start-ups mit dem regionalen Mittelstand, z. B. mit
Akzelerator-Programmen
Überregionale Einbettung des Gründungsökosystems: Münsterland, Euregio,
TECH.LAND
Münsteraner Gründungserfolge sichtbar machen
Die Gründungspotenziale von innovativen Frauen und innovativen Menschen mit
Migrationsvorgeschichte besonders in den Fokus nehmen und dafür eigene Workshops
zum Empowerment anzubieten
Social Entrepreneurship und Social Impact-Start-ups entsprechend berücksichtigen
Zuständigkeit
Koordination: Wirtschaftsförderung Münster GmbH (Konsortialführer münster.gründet) sowie
REACH/TAFH (für SUPF) und Digital Hub münsterLAND e.V. (für Digital Hub 2.0);
Umsetzungspartner: Gründungsnetzwerk Münster (münster.gründet), Technologieförderung
Münster GmbH, Stadtverwaltung Münster, Banken, Hochschulen, REACH - EUREGIO Start-up
Center, Digital Hub münsterLAND e.V.
Status
Projektskizze - Fortführung/ Optimierung vorhandener Strukturen (In Umsetzung)
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
Seite 107
Zielbezug
Ziel 6.1: Stärkung und Förderung von Unternehmertum (Entre- und Intrapreneurship)
Ziel 6.4: Schaffung der Rahmenbedingungen für Gründungshotspots (u.a. Fokusthe-
men, neue räumliche Infrastrukturen und Mentalitätswende)
Ziel 6.5: Ausbau der Kooperationsaktivitäten sowie Realisierung von Synergien im
Gründungsbereich (KMU, Wissenschaft und Start-ups)
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
Seite 108
Weiterentwicklung Digital Hub münsterLAND & münsterLAND.digital e.V.
Beschreibung und Zielsetzung
Die Maßnahme "Weiterentwicklung Digital Hub münsterLAND & münsterLAND.digital e.V." zielt
darauf ab, den bereits bestehenden Digital Hub münsterLAND, der vom Verein
münsterLAND.digital e.V. betrieben wird, weiterzuentwickeln und zu stärken.
Im Rahmen der Weiterentwicklung des Digital Hubs sollen verschiedene Teilmaßnahmen
umgesetzt werden. Dazu gehört beispielsweise die Erweiterung der Infrastruktur und
Ausstattung, um den Bedürfnissen der Nutzenden gerecht zu werden. Insbesondere der
Zugang zu digitalen Zukunftstechnologien wie Robotik, KI, IoT (Internet of Things) sowie
VR/AR/XR (Extented Reality) soll gestärkt werden. Darüber hinaus sollen neue Kooperationen
und Partnerschaften mit Unternehmen, Hochschulen und anderen Institutionen geschaffen
werden, um das Netzwerk zu erweitern, neue Themenfelder zu erschließen und Synergien zu
schaffen.
Ein weiterer Schwerpunkt der Maßnahme liegt weiterhin auf der Förderung von Start-ups und
der Unterstützung bei der Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle. Hierzu sollen gezielte
Beratungs-, Vernetzungs- und Coachingangebote bereitgestellt werden, um den Start-ups bei
der Skalierung und Markterschließung zu helfen. Darüber hinaus soll das Co-Working Angebot
für Start-ups aufrechterhalten werden.
Zuständigkeit
Koordination: Digital Hub münsterLAND e.V.; Umsetzungspartner: Wirtschaftsförderung
Münster GmbH, IHK Nord Westfalen, Gründungsnetzwerk Münster, Hochschulen, REACH -
EUREGIO Start-up Center, Stadtverwaltung, zahlreiche Unternehmen,
Status
Projektskizze (Neuantrag) – In Umsetzung (laufender Betrieb)
Zielbezug
Ziel 6.1: Stärkung und Förderung von Unternehmertum (Entre- und Intrapreneurship)
Ziel 6.4: Schaffung der Rahmenbedingungen für Gründungshotspots (u.a. Fokusthe-
men, neue räumliche Infrastrukturen und Mentalitätswende)
Ziel 6.5: Ausbau der Kooperationsaktivitäten sowie Realisierung von Synergien im
Gründungsbereich (KMU, Wissenschaft und Start-ups)
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
Seite 109
4.7 Münster.Lebensqualität
Gespräche mit Akteurinnen und Akteuren im Rahmen der Strategieerstellung machen deutlich:
Die Stadt Münster besticht durch eine hohe Lebensqualität und das Lebensgefühl vor Ort. Die
Menschen leben gerne in der Stadt und schätzen die überschaubare Größe mit kurzen Wegen,
guter Radverkehrsinfrastruktur, grünen Inseln sowie einer offenen und toleranten
Stadtgesellschaft. Diese eher „weichen“ Faktoren sind auch für den Wirtschaftsstandort Münster
entscheidend, so führen sie zu einer stärkeren Identifikation mit der Stadt und überzeugen
Menschen nach Münster zu ziehen. Es gilt, die Faktoren des Erfolgs – die Münsteraner Lebensart
und die Vielfalt in der Stadt – zu bewahren. Gleichzeitig müssen die Herausforderungen, die mit
diesem Erfolg einhergehen, angegangen werden: Wohnraum wird knapp und teuer.
Infrastrukturen geraten an ihre Grenzen.
Im Handlungsfeld Münster.Lebensqualität wird daher die Münsteraner Lebensart gestärkt. Als
wesentlicher Bestandteil gilt dabei die Stärkung guter Lebensbedingungen in allen Stadtteilen,
Dazu gehören wohnortnahe Bildungsangebote und Kinderbetreuungsmöglichkeiten sowie Kultur-,
Freizeit- und Sportangebote. Ebenso zentral ist die Sicherung der städtischen Grünzüge und
Grünringe, die das Stadtbild Münsters entscheidend prägen. Die Münsteraner Lebensart ist
zudem stark durch die wissenschaftliche Tradition geprägt. Junge Menschen ziehen zur
Ausbildung – insbesondere Studium– in die Stadt. Nicht nur an den Hochschulen, sondern in
allen weiteren Bereichen der Stadt wird die Internationalisierung der Bildungsangebote
zunehmend wichtiger. Für internationale Fachkräfte sind internationale Bildungsangebote ein
entscheidendes Standortkriterium. Die Stärkung der Internationalität hilft nicht nur Münster.
Unternehmen aus dem gesamten Münsterland können durch eine internationalere Ausrichtung
der Stadt Münster an Attraktivität für internationale Fachkräfte gewinnen. An dieser Stelle kommt
ein zweiter starker Faktor in Münster zum Tragen – die gelebte Toleranz und Vielfalt in der Stadt.
Einen wichtigen Beitrag leistet dabei die Charta der Vielfalt und die Europäische Charta der
Gleichstellung. Toleranz und Vielfalt sind wichtige Säulen der Münsteraner Lebensart und tragen
entscheidend zum Zusammenhalt und Gemeinschaftsgefühl in der Stadt bei.
Die wichtigsten Themen im Handlungsfeld sind in Abbildung 30 zusammengefasst.
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
Seite 110
Abbildung 30: Handlungsfeld Münster.Lebensqualität
Abbildung Prognos AG, 2024
4.7.1 Ziele
Ziel 7.1 Förderung von Wohlbefinden und einer gesunden Lebensweise (im Bereich Sport,
Grün- und Freiflächen und Gesundheit)
■ Sensibilisierung für Themen im Bereich Gesundheit
■ Schaffung von Angeboten in gesundheitsrelevanten Bereichen wie Sport
■ Attraktivierung von Ausgleichsmöglichkeiten, insb. in Grün- und Freiflächen
Ziel 7.2 Förderung der Toleranz und Offenheit gegenüber allen Menschen in der Stadt
■ Akzeptanz und Aufgeschlossenheit gegenüber allen Menschen (Willkommenskultur,
Integration, Inklusion)
■ Charta der Vielfalt und Europäische Charta der Gleichstellung
Ziel 7.3 Stärkung des sozialen Gefüges in der Stadt (u.a. Angebote für alle Altersgruppen,
Kinder, Familien, soziale Inklusion und Vielfalt)
■ Berücksichtigung der Bedarfe spezifischer Gruppen in der Stadt (Kinder, Familien,
Seniorinnen und Senioren, Menschen aus dem Ausland)
■ Zusammenbringen verschiedener Gruppen (Austauschformate und -orte)
■ Schaffung gemeinsamer Aktivitäten und Veranstaltungen
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
Seite 111
Ziel 7.4 Sicherheit und Lebensqualität gemeinsam denken (z.B. Fahrradinfrastruktur,
Vorkehrungen gegen Extremhitze oder Überschwemmungen, …)
■ Auseinandersetzung mit zukünftigen Herausforderungen
■ Krisenbewältigung über resiliente Infrastrukturen
■ Verknüpfung von Sicherheitsmaßnahmen mit dem Streben nach besserer Lebensqualität
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
Seite 112
4.7.2 Maßnahmen
Für Münster.Lebensqualität sind folgende Maßnahmen vorgesehen:
Internationalisierung der Bildungsangebote
Beschreibung und Zielsetzung
Eine Internationalisierung der Bildungsangebote steigert die Attraktivität von Münster als
Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort und ist ein wichtiger Standortfaktor für die Gewinnung
internationaler Fachkräfte. Im Rahmen der Analysen zur Standortentwicklungsstrategie 2030
ist deutlich geworden, dass seitens der Akteurinnen und Akteure aus Wirtschaft und Forschung
der Bedarf an einer weiteren Internationalisierung der Bildungsangebote gesehen wird. Auch
wurde als eine wichtige strategische Leitlinie für die Standortentwicklung formuliert: „Münster
ist weltoffen und international“. Damit soll Münster als internationaler Standort sichtbarer
gemacht werden. Münster soll für Menschen aus verschiedenen Ländern attraktiver werden,
seien es Studierende, Fachkräfte oder Familien. Dies trägt zur kulturellen Vielfalt der Stadt bei.
Mit den Vorlagen V/0340/2019 und V/0200/2024 hat die Verwaltung eine umfassende
Bestandsanalyse zur Internationalisierung der Schullandschaft in Münster vorgelegt. Die
Berichte machen deutlich, welchen Möglichkeiten Schülerinnen und Schüler unabhängig von
ihrer Herkunft haben, sich an Schulen auf die Globalisierung und Internationalisierung der
Gesellschaft vorzubereiten.
Die Berufs- und Lebenswege vieler Menschen werden immer internationaler. Die wachsende
Mobilität in Europa und die starke Migrationsbewegung der letzten Jahre repräsentieren
darunter nur zwei Aspekte, die die Bedeutung der Weiterentwicklung interkultureller
Kompetenzen in unserer Gesellschaft unterstreichen. Internationale Angebote in Schulen
bieten bereits im jungen Alter den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, über den
eigenen kulturellen Horizont hinauszublicken, interkulturelle Kommunikationsfähigkeit zu
entwickeln und Zuwanderungsgeschichte als Potenzial zu stärken. In diesem Zusammenhang
sind Sprachkenntnisse, anerkannte internationale Abschlüsse und interkulturelle
Kompetenzen wichtige Voraussetzungen. Mit dem Ansatz der potenzialorientierten Beschulung
vertritt Münster in Zusammenarbeit zwischen Kommune und staatlicher Schulaufsicht seit
2015 eine wirksame Konzeption von neu zugewanderten Kindern und Jugendlichen. Hierbei
fungiert die städtische Bildungsberatung als zentrale Ansprechpartnerin mit dem Ziel der
Gestaltung einer erfolgreichen Schullaufbahn und einer passgenauen frühestmöglichen
Bildungspartizipation für neu zugewanderte Schülerinnen und Schüler. Darüber hinaus fördert
die Internationalisierung der Schullandschaft den kulturellen Austausch und die
Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Ländern. Die Vernetzung und das Engagement
verschiedener Akteure in der Stadt Münster führt zu innovativen Vorhaben. Gelebte Beispiele
dafür sind grenzüberschreitende Projekte, wie das Projekt „Euregionale Durchlaufende
Bildungskette“ (EDL). Des Weiteren Vernetzung von Schulen in einem Konsortium, das im Zuge
des Programms „Erasmus +Schule“, Mobiltäten von Schülerinnen und Schülern und
Lehrkräften innerhalb Europas unterstützt. Solche Vorhaben, tragen aktiv zur
Internationalisierung der Schullandschaft bei.
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
Seite 113
Vor dem Hintergrund der Vielzahl an Angeboten mit internationaler Ausrichtung an den Schulen
in Münster wäre angesichts der in der Standortentwicklungsstrategie 2030+ artikulierten
Bedarfe ein erster Schritt, über die vorhandenen Angebote bedarfsgerecht zu informieren.
Darüber hinaus müsste in einem zweiten Schritt analysiert werden, ob sich noch Bedarfslücken
identifizieren lassen. Auf dieser Basis wäre über nächste Schritte zu entscheiden.
Zuständigkeit
Koordination: Stadtverwaltung Münster mit Schulträgern, Anbietenden von Bildungsangeboten,
Hochschulen, Unternehmen
Status
In Umsetzung: Internationalisierung der Schullandschaft; Ideenphase (Prüfung möglicher
weiterer Bedarfe aus Sicht der Standortentwicklungsstrategie 2030+)
Zielbezug
Ziel 5.5: Positionierung von Münster als attraktiven Standort für internationale Fach-
und Arbeitskräfte (Betreuung durch die Stadt, weltoffene Gesellschaft und Wirtschaft)
Ziel 7.2: Förderung der Toleranz und Offenheit gegenüber allen Menschen in der Stadt
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
Seite 114
Weitere Implementierung „Europäische Charta der Gleichstellung“ und „Charta der Vielfalt“
Beschreibung und Zielsetzung
Im Rahmen der Analysen zur Standortentwicklungsstrategie 2030* wurden die „Charta der
Gleichstellung und die „Charta der Vielfalt“ als wichtige strategische Instrumente identifiziert,
um Diversity und Gleichstellung zu stärken und damit ein zukunftsorientiertes Arbeitsumfeld
fördern können.
Europäische Charta der Gleichstellung
Die Stadt Münster ist 2009 der Europäischen Charta zur Gleichstellung von Mann und Frau auf
lokaler Ebene“ beigetreten und hat seit dem 5 Aktionspläne erarbeitet, und in die Umsetzung
gebracht, die jeweils vom Rat beschlossen wurden. In der Charta der Gleichstellung wird
bereits ein enger Bezug zu einer zukunftsorientierten Standortentwicklung hergestellt. In der
Charta heißt es: „In der Welt von heute und morgen ist eine echte Gleichstellung von Frauen
und Männern auch der Schlüssel zu unserem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erfolg –
nicht nur auf europäischer oder nationaler Ebene, sondern auch in unseren Regionen, Städten
und Gemeinden. Mit dem Handlungsfeld „nachhaltige Wirtschafts-, Planungs- und
Umweltentwicklung“ bieten Charta und lokale Pläne wichtige Ansatzpunkte für eine nachhaltige
Wirtschaftsentwicklung unter besonderer Berücksichtigung der Gleichstellung der
Geschlechter. So war das Empowerment von Frauen in Politik und Beruf – gerade in
technischen Bereichen und auf der Führungsebene –bereits ein wichtiges Thema der
Aktionspläne. Auch die Sensibilisierung aller Beschäftigten für das Thema Genderkompetenz
und ein grenzachtender Umgang sind als Bestandteile der Charta-Aktionspläne wichtige
Aspekte für eine moderne und offene Arbeitgeberin. Das Schwerpunktthema des 5.
Aktionsplans – Klima- und Gendergerechtigkeit – sensibilisiert dafür, dass Maßnahmen zum
Klimaschutz nicht nur technische Lösungen erfordern, sondern auch soziale Aspekte
berücksichtigen müssen. Die Erarbeitung der nächsten Aktionspläne bietet gut Chancen, das
Thema Gleichstellung weiter voranzutreiben.
Aktionspläne zu den Schwerpunktthemen Istanbul-Konvention (Gewalt gegen Frauen) und
LSBTIQ*
Neben den genannten Aktivitäten zur Europäischen Charta für die Gleichstellung der
Geschlechter werden derzeit im Amt für Gleichstellung auf politischen Antrag zwei weitere
Aktionspläne zu den Schwerpunktthemen Istanbul-Konvention (Gewalt gegen Frauen) und
LSBTIQ* erarbeitet. Ziel des Aktionsplans Istanbul-Konvention ist entsprechend dem
gesetzlichen Auftrag die Prävention und der Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt, hier mit
Fokus auf die kommunale Ebene. Neben der Prävention steht der bedarfsgerechte Ausbau der
Schutz- und Unterstützungsinfrastruktur im Mittelpunkt. Der Aktionsplan LSBTIQ* ist ein
kommunales Handlungskonzept mit dem Ziel eines selbstbestimmten und
diskriminierungsfreien Lebens von LSBTIQ*. Er wird entlang von fünf verschiedenen
Handlungsfeldern erarbeitet, die sich an den biografischen Stationen eines Menschen
orientieren. Darüber hinaus wird mit den drei Querschnittsthemen Inklusion, Gesundheit und
Gewaltschutz/Antidiskriminierung eine intersektionale Perspektive fokussiert.
Beide Aktionspläne tragen zur Standort- und Arbeitgeberinnenattraktivität bei, da ein sicheres,
selbstbestimmtes, diskriminierungsfreies und unterstützendes Lebensumfeld ohne
geschlechtsspezifische Gewalt die Lebensqualität fördert und das Innovationspotenzial der
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
Seite 115
Zielgruppen deutlich erhöht. Damit unterstützen die Aktionspläne zugleich auch die Umsetzung
der Handlungsfelder „Münster.Talente und Bildung“ sowie „Münster.Lebensqualität“.
Charta der Vielfalt:
Ziel der Initiative ist ein vorurteilsfreies Arbeitsumfeld. Alle Beschäftigten – unabhängig von
Alter, ethnischer Herkunft und Nationalität, Geschlecht und geschlechtlicher Identität,
körperlichen und geistigen Fähigkeiten, Religion und Weltanschauung, sexueller Orientierung
und sozialer Herkunft – sollen dadurch größere Wertschätzung erfahren. Mehr als 5.000
Organisationen haben die Charta der Vielfalt bis heute unterzeichnet. Die Charta haben die
Stadt Münster (seit 03/2009), Bezirksregierung Münster, FH Münster, LWL und Provinzial
bereits unterzeichnet. Darauf wird aufgesetzt und eine weitere Implementierung soll in der
Stadt Münster vorangetrieben getrieben werden.
Zuständigkeit
Koordination: Stadtverwaltung Münster
Status
In Umsetzung (5. Aktionsplan der Europäischen Charta für die Gleichstellung von Frauen und
Männern auf lokaler Ebene für Münster), Projektskizze (für die Aktionspläne zu den
Schwerpunktthemen Istanbul-Konvention und LSBTIQ*) und Ideenskizze (für Maßnahmen
„Charta der Vielfalt“)
Zielbezug
Ziel 7.2: Förderung der Toleranz und Offenheit gegenüber allen Menschen in der Stadt
Ziel 7.3: Stärkung des sozialen Gefüges in der Stadt (u.a. Angebote für alle Altersgrup-
pen, Kinder, Familien, soziale Inklusion und Vielfalt)
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
Seite 116
Stärkung guter Lebensbedingungen in allen Stadtteilen
Beschreibung und Zielsetzung
Die Analysen zur Standortentwicklungsstrategie haben gezeigt, dass Münster insgesamt eine
hohe Lebensqualität bescheinigt wird (Ausnahme: angespannter Wohnungsmarkt). Da die
weichen Standortfaktoren im Standortwettbewerb zunehmend an Bedeutung gewinnen,
bestehen hier wichtige Stellschrauben für eine zukunftsorientierte Entwicklung des
Wirtschaftsstandortes Münster jenseits der „harten“ infrastrukturellen Rahmenbedingungen.
Dem Mangel an bezahlbarem Wohnraum begegnet Münster bereits mit der Wohnbauland-
entwicklung und der Wohnungsbauoffensive. Diese dienen insbesondere der Schaffung von
leistbarem Wohnraum und erleichtert gleichzeitig die Gewinnung von Arbeits- und Fachkräften
(siehe entsprechendes Projekt im Handlungsfeld „Münster.Nachhaltige Infrastrukturen“).
Im Hinblick auf weitere personenbezogene weiche Standortfaktoren erhält Münster im
Standortvergleich grundsätzlich gute Noten. Zu nennen sind vor allem:
Medizinische Versorgung
Kita- und Bildungsangebot
Kultur- und Freizeitangebot (inkl. Sportmöglichkeiten)
Umweltqualität, Nähe zu Grün- und Freiräumen
Münster als Fahrradstadt
Stadtbild, lebendige Innenstadt und vielfältige Stadtteile
Soziales Klima und zivilgesellschaftliche Engagement
Die MünsterZukünfte haben deutlich gemacht, dass die Vielfalt der Stadtteile ein hohes Gut ist.
In Münster lässt sich städtisch wie auch eher ländlich leben. Diese Unterschiedlichkeit verlangt
maßgeschneiderte Entwicklungskonzepte, die bereits für viele Stadtteile vorliegen oder in
Kürze abgeschlossen werden. Neben den integrierten Entwicklungskonzepten wird auch in
Fachkonzepten an der Stärkung wichtiger weicher Standortfaktoren gearbeitet wie v.a.:
Ausbau Kindertagesbetreuung
Schulausbauprogramm
Fortschreibung Einzelhandels- und Zentrenkonzept
Umsetzung Masterplan Mobilität 2035+, Fahrradnetz 2.0 und Fortschreibung
Nahverkehrsplan
Sportentwicklungsplanung und Neubau Sportanlagen
Trotz aller bisheriger Anstrengungen bedarf die Stadtteilentwicklung weiterhin besonderer
Aufmerksamkeit. Es gilt, den Unterschieden zwischen den Stadtteilen (z.B. im Hinblick auf die
Altersstruktur, die verkehrliche Anbindung und infrastrukturelle Angebote) Rechnung zu tragen
und dafür zu sorgen, dass sich alle Stadtteile auf ihre Weise stabil weiterentwickeln können
und die Lebensbindungen in allen Stadtteilen gestärkt werden. Dies verlangt nach einer
sorgsamen Stadtteilentwicklungsplanung unter engem Einbezug der Stadtteilakteurinnen und
-akteure sowie der Bewohnerschaft.
Zuständigkeit
Koordination: Stadtverwaltung Münster
4BMünster 2030+ | Handlungsfelder und Maßnahmen zur Umsetzung
Seite 117
Status
Konzeptionsphase – In Umsetzung
Zielbezug
Ziel 7.1: Förderung von Wohlbefinden und einer gesunden Lebensweise (im Bereich
Sport, Grün- und Freiflächen und Gesundheit)
Ziel 7.4: Sicherheit und Lebensqualität gemeinsam denken (z.B. Fahrradinfrastruktur,
Vorkehrungen gegen Extremhitze oder Überschwemmungen, …)
5BMünster 2030+ | Stadträumliche Perspektive
Seite 118
5 Münster 2030+ | Stadträumliche Perspektive
Wirtschaftliche Prozesse finden auf Flächen statt. Gerade in Städten bedeutet dies starke
Wechselwirkungen zwischen wirtschaftlicher Aktivität und anderen Aspekten des Lebens der
Bewohnerinnen und Bewohner sowie dem Ziel der ökologischen Tragfähigkeit. Hinzu kommt,
dass gerade in so beliebten Städten wie Münster eine zunehmende Konkurrenz um Flächen für
Landwirtschaft, Industrie, Gewerbe, Wohnen, Verkehr, erneuerbare Energien und weitere
Nutzungsformen existiert. Die oben beschriebenen Transformationsdynamiken wie Klimawandel,
digitale Transformation und demografischer Wandel stellen einerseits neue Anforderungen an
Unternehmen, denen diese nur mit Anpassungen ihrer Prozesse und Produkte gerecht werden
können. Solche Prozesse erfordern neben Investitionen auch Fläche. Andererseits erfordern die
Transformationen auch Veränderungen in der Art wie Städte gebaut und in ihnen gelebt wird. So
verstärken diese Transformationen die Nutzungskonkurrenzen und verdeutlichen die Relevanz
einer Auseinandersetzung mit der stadträumlichen Perspektive der wirtschaftlichen Entwicklung
Münsters.
Im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie 2030 wurde in Hinblick auf nachhaltiges Wirtschaften
beschlossen: „Die Stadt Münster verfolgt das Ziel einer zukunftsorientierten
Wirtschaftsentwicklung, in der ökonomische Wettbewerbsfähigkeit im Einklang steht mit
ökologischer Tragfähigkeit und sozialer Verantwortung.“ Dieses strategische Ziel verdeutlicht,
dass nachhaltiges Wirtschaften immer auch die Beachtung der Wechselwirkungen mit dem
städtischen Raum und einen effizienten und schonenden Umgang mit den natürlichen
Ressourcen wie Flächen beinhaltet. Das Integrierte Flächenkonzept (IFM) dient als Wegweiser für
die nachhaltige räumliche Stadtentwicklung Münsters bis zum Jahr 2045. Dabei bildet die
sogenannte IFM-Charta „Münstersche Stadt-Landschaft“ den strategischen Überbau des
Integrierten Flächenkonzepts. Die IFM-Charta formuliert als inhaltlicher Kompass übergeordnete
Botschaften, die die Ziele und Werte verdeutlichen, die die Stadt mit der Erstellung des IFM für
eine integrierte räumliche Stadtentwicklung erreichen möchte. Wichtige Botschaften sind:
33
■ Münster steuert seine Zukunftsentwicklung integrativ!
■ Münster als wachsende Stadt mit hohen Flächenbedarfen für neue Wohn- und
Arbeitsstätten!
■ Münster sichert, entwickelt und nutzt die Besonderheiten der Landschaft!
■ Münster übernimmt vor Ort Verantwortung für das Klima und handelt ambitioniert im
Bereich erneuerbarer Energien!
Um den steigenden Bedarf an Wohnraum und Gewerbeflächen zu decken, müssen neue
Siedlungsflächen planerisch gesichert werden. Gleichzeitig müssen durch höhere bauliche
Dichten in neuen Baugebieten auch die Inanspruchnahme von Flächen verringert und
bestehende wertvolle Freiräume geschützt werden. Zudem müssen für die Energiewende
notwendige Flächen für erneuerbare Energien identifiziert werden. Das IFM greift diese
Herausforderungen auf, bringt die Handlungsfelder Siedlung, Freiraum und erneuerbare Energien
in Balance und schafft somit einen fachlich abgestimmten Rahmen für die räumliche
Stadtentwicklung von Münster für die nächsten Jahrzehnte.
33 Stadt Münster (2024b)
5BMünster 2030+ | Stadträumliche Perspektive
Seite 119
Abbildung 31: IFM – Integriertes Flächenkonzept Münster
Stadt Münster (2024): Plandarstellung auf Basis des Ratsbeschlusses vom 11.09.2024 zur Vorlage V/0192/2024
5BMünster 2030+ | Stadträumliche Perspektive
Seite 120
Abbildung 31 fasst die Ergebnisse des IFM-Konzeptes zusammen. Erklärtes Ziel ist es,
ausreichend leistbares Wohnen in Münster zu ermöglichen und Wohnraum vorrangig durch eine
Innentwicklung (z. B. Nachverdichtung, Baulückenschließung, Konversion etc.) zu schaffen. Da
dieses Potenzial jedoch zunehmend begrenzt ist, bietet das Integrierte Flächenkonzept mögliche
Flächen für bis zu 21.000 Wohnungen und darüber hinaus 285 Hektar gewerbliche Bauflächen.
Damit stellt das IFM die weitere Handlungsfähigkeit der Stadt sicher und schafft die
Voraussetzungen dafür, neue Wohnräume insbesondere nahe der Innenstadt und der
Bahnhaltepunkte zu entwickeln.
Der Schutz wichtiger Naturräume und die Qualifizierung von Freiräumen sind dabei essenziell. Ein
wichtiger Beitrag zur Klimaneutralität soll unter anderem durch den Bau weiterer Windenergie-
und Freiflächen-Solaranlagen geleistet werden – dafür notwendige Potenzialflächen sind Teil des
Ergebnisses des IFM-Konzepts. Wenn möglich, sollen neue Standorte für Windenergieanlagen mit
Freiflächen-Solaranlagen kombiniert werden. Erstmalig soll dies im Bereich des Autobahnkreuzes
Münster-Süd in den nächsten Jahren umgesetzt werden.
Das im IFM-Konzept als Leitmotiv benannte „Huckepack-Prinzip“, bei dem Siedlungsflächen und
umgebende Freiräume zeitlich parallel entwickelt und qualifiziert werden sollen, soll erstmals im
Bereich des Kinderbachtals und der beiden Modellquartiere Steinfurter Straße und Busso-Peus-
Straße Anwendung finden.
5BMünster 2030+ | Stadträumliche Perspektive
Seite 121
5.1 Grundsätze der stadträumlichen Entwicklung im Hinblick auf die
wirtschaftliche Entwicklung
Aufbauend auf den Leitlinien der Standortentwicklungsstrategie 2030+ werden mit den
folgenden Grundsätzen ein Orientierungsrahmen für die Nutzung des Stadtraums und seiner
Flächen im Hinblick auf die wirtschaftliche Entwicklung in Münster aufgespannt und räumlich-
planerische Konsequenzen beleuchtet:
# Nachverdichtung und Revitalisierung
Die große Nachfrage nach Wohnraum und Gewerbeflächen in Münster macht deutlich: Der
vorhandene Platz muss so effizient wie möglich genutzt werden. Daher nutzt Münster die
Möglichkeiten sowohl der Neuentwicklung als auch der Nachverdichtung und Revitalisierung
(ökologischen Transformation) bestehender Flächen. Nicht zuletzt, um Neuversiegelung zu
vermeiden.
Bei der Nachverdichtung kommen in den städtischen Randbereichen und Gewerbegebieten
beispielsweise Aufstockungsmaßnahmen in Betracht, die die Produktion und Lagerhaltung auf
mehrere Ebenen verteilen. Dabei gilt es jedoch, die Voraussetzungen für die Wertschöpfung zu
berücksichtigen.
Zudem setzt Münster auf die Revitalisierung von Bestandsgebäuden und -flächen. Dem Erhalt
des vorhandenen Bestandes kommt eine besondere Bedeutung zu, um dem Verlust von
Gewerbe- und Industrie entgegenzuwirken und brachliegende Flächen wieder nutzbar zu machen.
Beispiele dafür sind die Konversionen im York- und im Oxford-Quartier.
Durch gezielte Umnutzung kann Münster lebendige und nachhaltige Umgebungen schaffen, die
den Bedürfnissen der Stadtgesellschaft und der Münsteraner Unternehmen entsprechen. Dabei
ist es ebenso wichtig, alle verfügbaren Maßnahmen zur Entsiegelung nicht mehr benötigter
Gewerbeflächen umfassend zu nutzen und somit einen Beitrag zur ökologischen Nachhaltigkeit
zu leisten. Gleichzeitig werden Flächensparpotenziale bei der Gewerbeflächenentwicklung
gehoben.
# Nachfrageorientierte und gezielte Flächenentwicklung
Münster bleibt auch zukünftig ein guter Standort für Gewerbe und Industrie. Viele
Industriebetriebe benötigen nach wie vor räumliche Entwicklungsmöglichkeiten, nicht zuletzt, um
die eigenen Geschäftsmodelle (z.B. im Hinblick auf die angestrebte Dekarbonisierung)
transformieren und neue Geschäftsfelder erschließen zu können. Die strategische Sicherung und
Entwicklung von Wirtschaftsflächen, die zur wirtschaftlichen Stabilität der ansässigen
Unternehmen, Start-ups und Forschungseinrichtungen notwendig sind, hat für die
zukunftsorientierte Entwicklung von Wirtschaft und Stadt hohe Bedeutung. Die
Flächenentwicklung erfolgt nachfrageorientiert. Dementsprechend kann über die im IFM
dargestellte Flächenreserve hinaus keine pauschale Flächenvorhaltung stattfinden. Die Stadt
Münster stellt Unternehmen jedoch qualitativ geeignete Flächen zur Verfügung, wenn dies mit
den Zielstellungen der Standortentwicklungsstrategie für den Wirtschaftsstandort und dem IFM
vereinbar ist.
5BMünster 2030+ | Stadträumliche Perspektive
Seite 122
# Unterstützung der sozial-ökologischen Transformation der Wirtschaft
Die Transformation von Geschäftsmodellen, Anpassung an neue Anforderungen und Erschließung
neuer Schlüsseltechnologien braucht bei vielen Münsteraner Unternehmen Raum. Sollten
bestehende Flächen dafür nicht ausreichen, muss auch eine Neuentwicklung in Betracht gezogen
werden.
Die Neuentwicklung von Gewerbeflächen erfolgt unter der Voraussetzung, dass diese mit den
Leitzielen der klimaneutralen Stadt konform sind. Klimaneutralität oder sogar Klimapositivität
sind daher zentrale Bedingungen. Der Ausstattung überbauter oder versiegelter Flächen mit
Einrichtungen zur erneuerbaren Energieerzeugung (insb. über Photovoltaik), der Begrünung und
Beschattung und der hydrologischen Gestaltung kommt daher eine hohe Bedeutung zu. Ebenso
hat die Versorgung mit grüner Wärme und wo notwendig, die Versorgung mit Wasserstoff einen
hohen Stellenwert.
# Urbane Quartiere mit Nutzungsdurchmischung
Der Platz in Münster ist knapp und sollte so effizient wie möglich genutzt werden. In Zukunft soll
daher die gemischte Nutzung von Quartieren einen höheren Stellenwert einnehmen. Unter dem
Motto Urbane Produktion sollen grundsätzlich auch die Ansiedlung von Handwerksunternehmen,
emissionsarmem Gewerbe und urbaner Landwirtschaft in Wohngebieten ermöglicht werden.
Dabei gilt es jedoch zwischen den Bedarfen und Anforderungen aller Anspruchsgruppen
abzuwägen. Insbesondere im Hinblick auf die Förderung der Innovationstätigkeit ist diese
Nutzungsdurchmischung sinnvoll. Offene Innovationslandschaften und kreative Räume, die neue
Formen des Arbeitens und Wohnens verbinden sollen, stellen eine sinnvolle Ergänzung urbaner
Quartiere dar und sollen in den Münster Modell Quartieren erprobt werden.
# Ko-produktive und partizipative stadträumliche Entwicklung
Münster hebt sich von vielen Städten durch eine engagierte und anspruchsvolle Stadtgesellschaft
ab, die sich für die positive Entwicklung der Stadt einsetzt. Diese Stärke gilt es im Sinne einer
partizipativen stadträumlichen Entwicklung weiter zu nutzen. Die Einbindung aller
Anspruchsgruppen wie Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen oder wissenschaftlichen
Einrichtungen zur Abwägung von Bedarfen und Anforderungen bleibt damit auch in Zukunft eine
Voraussetzung für die erfolgreiche Entwicklung der Stadt. Diese Ko-Produktion gewährleistet,
dass zukunftsweisende Stadt- und Wirtschaftsentwicklung in Münster in Einklang mit den
Bedürfnissen von Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft stattfindet.
# Mobilität als verbindendes Element der Stadträume
Wirtschaft ist untrennbar mit Mobilität verbunden: Material, Arbeitskräfte und Produkte müssen
durch die Stadt bewegt und in andere Städte gebracht werden. Für die Zukunft setzt Münster
einerseits auf die gute Anbindung der Stadt über alle Verkehrsmittel. Innerstädtische Mobilität
und Logistik soll mit möglichst nachhaltigen Verkehrsmitteln gestaltet werden, insbesondere da
hier ein großer Hebel zur Erreichung der Klimaziele liegt. Dazu unterstützt die Stadt explizit auch
innovative Mobilitäts- und Logistikansätze, die das Ziel einer Reduktion des
Verkehrsaufkommens und der Emissionsintensität verfolgen. Die zentrale Maßgabe, auch für die
Gestaltung induzierter Verkehre durch mögliche neu erschlossene Gebiete, ist der Masterplan
Mobilität 2035+.
5BMünster 2030+ | Stadträumliche Perspektive
Seite 123
5.2 Sicherung und Entwicklung strategischer Wirtschaftsstandorte
Die in der Standortentwicklungsstrategie identifizierten sektoralen Stärkefelder der Münsteraner
Wirtschaft sind räumlich in unterschiedlichen Mustern über die Stadt verteilt. So lassen sich
strategische Wirtschaftsstandorte identifizieren, die einerseits bestimmte Stärkefelder im Raum
verorten und deren weitere Qualifikation andererseits für die Entwicklung im Sinne der
vorliegenden Strategie zentral ist. Die Karte (vgl. Abbildung 32) zu den strategischen
Wirtschaftsstandorten visualisiert somit die Lage und die wirtschaftsstrukturelle Bedeutsamkeit
der Standorte. Um auch dem sektoralen Stärkefeld Handel gerecht zu werden, werden die
Standorte außerhalb der Innenstadt gemäß Einzelhandels- und Zentrenkonzept 2018 und
aktuellen Planungen für Stadtteilzentren in einer gesonderten Karte dargestellt. Beide Karten
sind als Ergänzung zum IFM gedacht und präzisieren dessen räumliche Perspektive auf den
Wirtschaftsstandort Münster.
Abbildung 32 zeigt: In Münster wird flächendeckend gewirtschaftet. Die Gebiete im nördlich und
östlich von Coerde (insb. Hessenweg und Schifffahrter Damm) sind seit vielen Jahren Heimat für
viele Industrie- und Handwerksbetriebe. Etwas weiter westlich finden sich im Stadtteil Kinderhaus
viele Unternehmen aus der Finanz- und Versicherungswirtschaft. Das Gewerbegebiet an der
Wienburgstraße ist zudem ein wichtiger Industriestandort.
Im Kernbereich der Stadt findet sich eine besonders hohe Dichte des Dienstleistungssektors.
Zentral und seit jeher von großer Bedeutung für die Entwicklung ist hier der Handel, dessen
räumliche Verteilung in Abbildung 33 präzisiert wird. Darüber hinaus spielen das Stadtzentrum
und einige umgebende Stadtteile (z. B. Sentrup mit dem Allwetterzoo) eine herausragende Rolle
für die Tourismuswirtschaft in Münster.
Westlich der Innenstadt schließt sich ausgehend vom Schloss der Wissenschaftssektor an, der im
Süden durch den Aasee und im Norden durch den Technologiepark an der Steinfurter Straße
begrenz wird. Hier findet sich der Großteil der Institute der Universität und der FH. Mit dem MEET
ist hier auch ein wichtiger Schwerpunkt der Münsteraner Batterieforschung ansässig. Das Gebiet
ist zudem auch Heimat der Gesundheitswirtschaft. Zu nennen ist hier insbesondere das UKM. Die
Münster Modellquartiere 1 und 2 an der Steinfurter Straße und Busso-Peus-Straße sollen dazu
beitragen, wichtige Entwicklungsmöglichkeiten zu schaffen und damit den Wissenschafts- und
Technologie-Fokus des Gebiets weiter zu verstärken. Im Südosten schließt sich der Hafen an das
Stadtzentrum an. Mit dem Digitalhub und wichtigen Unternehmen der Münsteraner Kultur- und
Kreativwirtschaft ist er ein weiterer Nukleus der Dienstleistungswirtschaft und
Innovationshotspot. Die geplanten Münster Modellquartiere 3, 4 und 5 sollen Unternehmen aus
diesen Bereichen neue Perspektiven bieten und die Lücke zu den weiter südlich angrenzenden
Gewerbegebieten zwischen Albersloher Weg und Siemensstraße schließen.
Die entlang des Dortmund-Ems-Kanals bis nach Hiltrup liegenden Gebiete beheimaten eine
Vielzahl größerer Industrie- und Handwerksbetriebe. Westlich von Hiltrup, ebenfalls am
Dortmund-Ems-Kanal gelegen schließt sich mit dem Hansa-Businesspark ein weiterer
Industriestandort an, der mit der Fraunhofer FFB auch einen elementaren Bestandteil der
BatteryCity Münster enthält. Viele Potenzialflächen bieten hier Platz für Transformation und neue
Unternehmen. Abbildung 28 zeigt gleichzeitig: Der flächenmäßig größte Wirtschaftszweig in
Münster ist die Landwirtschaft. Große Teil der weiß und grün markierten Flächen werden
überwiegend durch Münsteraner Landwirtinnen und Landwirte bewirtschaftet. Diesen kommt
damit neben ihren Beiträgen zur Lebensmittelversorgung und Wertschöpfung eine elementare
Rolle bei der Landschaftsgestaltung, dem Umweltschutz und der Energiewende zu.
5BMünster 2030+ | Stadträumliche Perspektive
Seite 124
Abbildung 32: Sicherung und Entwicklung strategischer Wirtschaftsstandorte
Stadt Münster, Stadtplanungsamt 2024
5BMünster 2030+ | Stadträumliche Perspektive
Seite 125
Die Karten machen deutlich, dass für die sektoralen Stärkefelder der Standortentwicklungsstrate-
gie 2030+ bereits planerische Standortvorsorge getroffen worden ist: v.a. durch die derzeit unter
Beteiligung der Stadt Münster laufende Änderung des Regionalplan 2045, das IFM-Konzept und
die laufende Fortschreibung des Gewerbeflächenentwicklungskonzepts. Wichtig ist, dass nun an
der liegenschaftlichen Sicherung und bauleitplanerischen Entwicklung der strategischen Wirt-
schaftsstandorte mit verschiedenen Instrumenten mit Nachdruck gearbeitet wird. Die bereits an-
gelaufene Fortschreibung des Einzelhandels- und Zentrenkonzeptes schafft zudem die Grundla-
gen für die Weiterentwicklung des sektoralen Stärkefeldes „Handel“ (Abbildung 33).
5BMünster 2030+ | Stadträumliche Perspektive
Seite 126
Abbildung 33: Sicherung und Entwicklung strategischer Wirtschaftsstandorte - Stärkefeld Handel
Stadt Münster, Stadtplanungsamt 2024
6BMünster 2030+ | Wege der Umsetzung
Seite 127
6 Münster 2030+ | Wege der Umsetzung
Die Strategie beinhaltet ambitionierte Ziele zur Entwicklung des Wirtschaftsstandortes. In sieben
Handlungsfeldern sind 32 Maßnahmen angesetzt, um Münster an den entscheidenden Stellen
voranzubringen (Abbildung 34). Die jetzt beginnende Umsetzungsphase ist entscheidend, denn
es gilt, die ersten Schritte auf den Weg zu bringen und in die Umsetzung zu kommen. Nur so kann
auf die Vision hingearbeitet werden, nach der sich Münster als führendes Innovationszentrum für
nachhaltige Wirtschaftsentwicklung und Lebensqualität in Deutschland etabliert.
Abbildung 34: Maßnahmentableau von Münster 2030+ (32 Maßnahmen)
Eigene Darstellung Prognos 2024
Um dieser Vision gerecht zu werden, ist eine kontinuierliche und systematische Arbeit zur Umset-
zung dieser sowie ggfs. weiterer Maßnahmen notwendig. Mit den Handlungsfeldern nachhaltige
Infrastruktur, Innovation, Zukunftsorte, Miteinander, Talente und Bildung, dynamische Unterneh-
men und Lebensqualität werden in der Strategie die zentralen Aufgaben formuliert.
6BMünster 2030+ | Wege der Umsetzung
Seite 128
Abbildung 35: Sechs Pfeiler in der Umsetzungsphase
Eigene Darstellung Prognos 2024
Entscheidend für den Erfolg der Strategie sind sechs Aspekte (Abbildung 35). Neben der inhaltli-
chen Arbeit zählt dazu die Hervorhebung besonders strahlkräftiger Projekte (Leitprojekte), um
direkt sichtbar zu machen, an welchen entscheidenden Stellen die Stadt Münster vorangebracht
wird. Zudem können die Maßnahmen nur mit einer funktionierenden Governance-Struktur umge-
setzt werden. Drittens müssen Projekte und Governance-Struktur dafür Sorge tragen, dass die
Umsetzung der Strategie dazu beiträgt, dass alle Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht
partizipieren können. Ein vierter Aspekt ist, dass die Stadt Münster zwar häufig Initiatorin von Pro-
jektideen ist, eine erfolgreiche Umsetzung jedoch eine lokale, regionale und überregionale Zu-
sammenarbeit und Kooperation aller relevanten Akteurinnen und Akteure erfordert. Standortent-
wicklung ist Gemeinschaftsaufgabe. Diese sollte durch eine Kommunikationsstrategie bzw. ein
standortspezifisches Marketing begleitet werden. Die Strategie- und Maßnahmenentwicklung er-
folgte in einem breitangelegten Prozess. Damit sind wichtige Eckpunkte gesetzt worden, gleichzei-
tig ist eine kontinuierliche Überprüfung der Inhalte zwingend notwendig. Die letzten Jahre haben
gezeigt, wie schnell sich die Rahmenbedingungen ändern können. Daher ist eine Prüfung der Ak-
tualität der Inhalte und ein Strategiereview genauso wichtig. Die Standortentwicklungsstrategie
wird als „lebendiges Dokument“ interpretiert, welches Rahmenkennzahlen aktualisiert und an
neue Anforderungen angepasst wird.
6BMünster 2030+ | Wege der Umsetzung
Seite 129
Über die Maßnahmen werden entscheidende Impulse gesetzt (Leitprojekte sind bedeutend)
Die Maßnahmen der Strategie zeichnen sich dadurch aus, dass sie zusätzlich zum Tagesgeschäft
und den Daueraufgaben durchgeführt werden. Die Bearbeitung der Daueraufgaben wird im All-
tagsprozess in gewohnter Weise weitergehen. Neben vielen Daueraufgaben sind mit der Strategie
wichtige Weichen gestellt und relevante Maßnahmen entwickelt worden. Leitprojekte, die eine
besondere Strahlkraft für die Stadt Münster besitzen und für die Kommunikation nach innen und
außen besonders wichtig sind, müssen im Folgenden identifiziert werden. Sie verbessern die
Identifikation bzw. das Image und den Ruf der Stadt. Leitprojekte kennzeichnen sich dadurch,
dass sie einen besonders positiven Einfluss auf die lokale Wirtschaft haben, Arbeitsplätze schaf-
fen und damit den Wirtschaftsstandort voranbringen.
Eine Reihe von Maßnahmen befinden sich bereits in der Umsetzung oder sind umsetzungsreif.
Weitere Maßnahmen müssen gemeinsam mit den relevanten Akteurinnen und Akteuren weiter
qualifiziert werden. Die Projekte aus der Ideenphase sind zunächst im Hinblick auf ihre grundsätz-
liche Tragfähigkeit und Realisierbarkeit zu prüfen. Dies ist eine Aufgabe aller beteiligten Akteurin-
nen und Akteure. Es gilt daher, die Projektstruktur weiter zu verfeinern, eine Umsetzungsstruktur
aufzubauen, weiterhin wichtige Akteurinnen und Akteure einzubeziehen und die Finanzierung zu
klären. Im Rahmen einer alle ein bis zwei Jahre auszurichtenden Umsetzungskonferenz mit
zentralen Stakeholdern sollen Stand der Maßnahmen besprochen und nächste Umsetzungs-
schritte gemeinsam besprochen werden.
Eine moderne Governance-Struktur koordiniert die Umsetzung
Ohne eine überzeugende Governance-Struktur können die Strategie und Maßnahmen nicht zum
Leben erweckt werden. Für die Stadt Münster bedeutet das, leistungsfähige Umsetzungsstruktu-
ren zu schaffen. In Münster sind für die Umsetzung der Ziele und Maßnahmen notwendige Struk-
turen bei der Stadt zu stellen. Aus Sicht der Prognos AG ist die Benennung und Sicherstellung ei-
ner koordinierenden Stelle im Dezernat für Planung, Bau und Wirtschaft von herausragender Be-
deutung. Diese Stelle sollte für die Umsetzung und kontinuierliche Begleitung der Standortent-
wicklungsstrategie Münster 2030+ verantwortlich sein. Hierzu bedarf es einer engen Zusammen-
arbeit mit der Wirtschaftsförderung Münster GmbH (WFM) und Technologieförderung Münster
GmbH (TFM) sowie mit Münster Marketing.
Als ein Ergebnis der MünsterZukünfte ist zur Verstetigung der Kommunikation von Stadt und Wirt-
schaft die bisher nicht öffentliche Wirtschaftskonferenz eingerichtet worden, die bislang zweimal
getagt hat. In der Wirtschaftskonferenz sind neben der Stadt Münster (Oberbürgermeister, Stadt-
baurat, Stadtkämmerin, Münster Marketing, Stadtplanungsamt) und der Wirtschaftsförderung
Münster GmbH die IHK Nord Westfalen mit zugehörigen Unternehmen sowie die HWK Münster
mit zugehörigen Unternehmen vertreten (sowie weitere Akteurinnen und Akteure). Zur Begleitung
der Umsetzung der Standortentwicklungsstrategie sollte die Wirtschaftskonferenz um Vertreterin-
nen und Vertreter der Fraktionen im Rat der Stadt Münster erweitert werden. Die Wirtschaftskon-
ferenz soll mit strategischen Meilensteinen befasst werden (z.B. regelmäßige Standortbestim-
mungen, Diskussion inhaltlicher Vertiefungen, Ableitung strategischer Projekte bzw. strategischer
Handlungsfelder). Nach der erfolgreichen Standortkonferenz am 01.10.2024 ist zu prüfen, inwie-
weit eine regelmäßige öffentliche Standortkonferenz eine wichtige Rolle in der Governance-Struk-
tur übernehmen würde.
6BMünster 2030+ | Wege der Umsetzung
Seite 130
Erweiterungen findet die Governance-Struktur in Form von Sachstandsberichten bzw. Gesprä-
chen im Arbeitskreis Wirtschaft des Beirates Münster Marketing, im Strategieausschuss Wissen-
schaft, Aufsichtsrat der WFM, dem Forum Industrie, im Arbeitskreis „Handwerk“ mit der HWK und
Kreishandwerkerschaft sowie bei Bedarf in weiteren Runden.
Kurzum: Eine tragfähige Governance-Struktur muss die Kultur des Dialoges, die die Erarbeitung
der Standortentwicklungsstrategie 2030+ ausgezeichnet hat, weiterführen und verstetigen.
Mit Gleichstellung zu wirtschaftlichem und gesellschaftlichem Erfolg
Nur eine echte Gleichstellung der Geschlechter kann langfristig und nachhaltig zu wirtschaftli-
chem und gesellschaftlichem Erfolg führen. Der seit 2024 in Umsetzung befindliche fünfte Akti-
onsplan der Europäischen Charta für die Gleichstellung zeigt, dass diese Erkenntnis in Münster
schon lange ernst genommen wird. Nur wenn die unterschiedlichen Anforderungen und Bedürf-
nisse aller Geschlechter in der Konzeptionierung, Planung und Umsetzung der Maßnahmen der
Standortentwicklungsstrategie berücksichtigt werden, können diese ihr Potenzial voll entfalten
und den Wirtschaftsstandort Münster ins nächste Jahrzehnt tragen.
Schon in der Strategiephase wurde die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Münster einbezo-
gen. Dieses Vorgehen soll auch für die anschließende Umsetzungsphase beibehalten werden. So
können einerseits ungewollte Wirkungen der Maßnahmen frühzeitig erkannt und verhindert wer-
den, die Umsetzung der Maßnahmen noch spezifischer auf den Abbau von bestehenden ge-
schlechterspezifischen Hürden ausgerichtet und gleichzeitig besser mit den Aktionsplänen des
Amtes für Gleichstellung synchronisiert werden.
Regionale und überregionale Partnerinnen und Partner werden aktiv eingebunden
Daneben ist eine aktive Beteiligung von Akteurinnen und Akteuren aus der Stadt von großer
Bedeutung. Im Rahmen der Strategieerstellung sind bereits verschiedene Partnerinnen und Part-
ner aus Münster eingebunden worden. Gerade bei der Umsetzung von Maßnahmen werden wei-
tere Kooperationen und Allianzen benötigt, die neben der Lead-Organisation die Maßnahmenent-
wicklung unterstützen. Eine engagierte Zusammenarbeit vieler verschiedener Akteurinnen und
Akteure soll das Erfolgsrezept von Münster 2030+ bilden. Über Partnerschaften können gemein-
same Ziele identifiziert und Ressourcen effizienter genutzt werden.
Die Stadt Münster ist Teil des Münsterlandes. Mit den umliegenden Landkreisen bestehen enge
Verflechtungen, sei es durch Pendlerbewegungen, Kooperation zwischen Unternehmen oder
durch Standorte von Hochschulen. Wichtige Partnerinnen und Partner sind hier die Münsterkreise
mit den Kreiswirtschaftsförderungen und Münsterland e.V. als Regionalmanagementorganisation
für das gesamte Münsterland. Darüber hinaus ist Münster Teil der EUREGIO und das deutsch-
niederländischen Städtenetzwerkes MONT (Münster, Osnabrück, Netwerkstad Twente mit En-
schede, Hengelo, Almelo, Borne). In der Umsetzung der Strategie sollen daher alle Ebenen der
regionalen und internationalen Zusammenarbeit berücksichtigt werden. Diese Zusammenarbeit
soll weiter verstärkt werden. Eine wichtige Rolle kann auch das deutsch-niederländische Wirt-
schafts- und Innovationsnetzwerk TECH.LAND übernehmen. Im Laufe des Prozesses sollen daher
weitere Allianzen geschlossen werden, um neue Partnerinnen und Partner zu gewinnen und aktiv
miteinzubinden.
6BMünster 2030+ | Wege der Umsetzung
Seite 131
Erfolge werden kommuniziert – sowohl nach innen als auch nach außen
Kommunikation und Standortmarketing sind wichtige Säulen einer erfolgreichen Umsetzung der
Strategie. In der öffentlichen Wahrnehmung ist Münster primär für seine städtebaulichen Qualitä-
ten, seine Historie und Lebensart bekannt. Dass Münster und das Münsterland auch ein starker
Wirtschaftsstandort sind, ist überregional weniger präsent. Auch international gelingt es bislang
nicht, Strahlkraft aufzubauen. Eine Ausnahme und guten Ausgangspunkt für die weitere Arbeit
stellt dabei die Batterieforschungsfertigung dar. Durch dieses Vorhaben konnte die Stadt Münster
überregionale Aufmerksamkeit erzeugen.
Die Themen Kommunikation und Standortmarketing sind eng verknüpft mit der regionalen Zu-
sammenarbeit. Mit dem Münsterland e.V. besteht bereits eine wichtige Institution für Standort-
marketing mit Fokus auf Tourismus, Kultur und Wirtschaft. Es gilt, die im Rahmen des Strategie-
prozesses erarbeiteten und noch zu erarbeitenden Inhalte gemeinsam nach außen und innen zu
tragen. Im Verbund mit dem Münsterland und einer abgestimmten Kommunikationsstrategie
kann Münster auch international als starker Wirtschaftsstandort wahrgenommen werden und
so einerseits die Ansiedlung internationaler Unternehmen fördern, andererseits Münsteraner Un-
ternehmen und Forschungseinrichtungen bei der Erschließung neuer Märkte und Kooperations-
möglichkeiten unterstützen und nicht zuletzt auch Fachkräfte für den Standort werben.
Kontinuierliches Strategiereview und Überprüfung der Inhalte der Strategie
Gerade in der Umsetzungsphase ist wichtig, dass die Strategie lebendig bleibt und aufkommende
Entwicklungen aufgreift. Eine zeitnahe Umsetzung erster Maßnahmen – insb. Leitprojekte – ist
wichtig, dennoch sollte mittel- bis langfristig eine Flexibilität beibehalten werden, um auf
Veränderungen und regionale wie überregionale Entwicklungen reagieren zu können. Dies erhöht
die Wirksamkeit der Standortentwicklungsstrategie in der Stadt Münster und sichert eine
zielgenaue Weiterentwicklung des Wirtschaftsstandorts. Zudem soll eine stetige Überprüfung des
Umsetzungsstands der Maßnahmen zeigen, welche Fortschritte erreicht wurden. Dies ermöglicht
eine präzise Nachsteuerung und Anpassung zu späteren Zeitpunkten.
Damit die Standortentwicklungsstrategie Münster 2030+ ihre Orientierungsfunktion für
zukunftsgerichtetes Handeln erfüllen und Antworten auf die sich ändernden Herausforderungen
entwickeln kann, ist ein Strategiereview und Aktualisierung regionalwirtschaftlicher Kennzahlen
spätestens nach fünf Jahren erforderlich. So bleibt es möglich, sich auf neue
Rahmenbedingungen einzustellen und sofern dies erforderlich erscheint, eine Feinjustierung
vorzunehmen. Die Standortentwicklungsstrategie muss durch ein Controlling durch die
Verwaltung begleitet werden. In den entsprechenden Gremien sollte dazu berichtet werden. Bei
Bedarf müssen zur Weiterentwicklung bzw. Weiterqualifizierung der Projekte entsprechende
Beschlüsse eigenholt werden.
6BMünster 2030+ | Wege der Umsetzung
Seite XIII
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WWU Münster (2023b): Universitäre Forschungs- und Behandlungszentren (UFBZ). Online unter:
https://www.medizin.uni-muenster.de/fakultaet/forschung/forschungs-und-
behandlungszentren.html.
6BMünster 2030+ | Wege der Umsetzung
Seite XV
Anhang
A1: Projektübersicht Standortentwicklungsstrategie Münster 2030+
6BMünster 2030+ | Wege der Umsetzung
Seite XIII
A1: Projektübersicht Standortentwicklungsstrategie Münster 2030+ (Stand 01.11.2024)
Handlungsfeld Projektname
Projektstatus
Ideenphase Konzeptions-
phase Projektskizze In
Umsetzung
Handlungsfeld 1:
Münster.Nachhaltige
Infrastrukturen
1.1. Sicherung und strategische Ent-
wicklung von Wirtschaftsstandor-
ten (v.a. Flächenangebot)
X X X
1.2. Wohnbaulandentwicklung und
Wohnungsbauoffensive
X X
1.3. Entwicklung klimaneutraler Ge-
werbegebiete in Bestand und
Neubau
X X
1.4. Ausbau der Infrastrukturen für kli-
maneutrales Wirtschaften (H2-
Netze und grüne Energie)
X
1.5. Optimierung der überregionalen
Erreichbarkeit
X X X X
1.6. Weiterentwicklung eines integrier-
ten, verkehrsträgerübergreifenden
Stadt-/Umland-Mobilitätssystems
(z.B. Münsterland-S-Bahn, P&R-
Stationen)
X X
Handlungsfeld 2:
Münster.Innovation
2.1 Weiterentwicklung zur Battery-City
Münster
X
2.2 Public Health Transformation Hub
(Stärkung Präventionswirtschaft)
X
6BMünster 2030+ | Wege der Umsetzung
Seite XIV
2.3 Data Production Network (Potenzi-
alprüfung Campus Finanz- / Versi-
cherungswirtschaft)
X
2.4 Entwicklung GreenTech-Region
Münsterland
X
2.5 Entwicklung Demonstrationszent-
rum „Zirkuläres Bauen“
X
Handlungsfeld 3:
Münster.Zukunfts-
orte
3.1 Konsequente Weiterentwicklung
der urbanen Modellquartiere im
Wissenschaftssektor: MMQ 1
Steinfurter Straße, MMQ 2 Busso-
Peus-Straße
X X
3.2 Konsequente Weiterentwicklung
der urbanen Modellquartiere am
Dortmund-Ems-Kanals: MMQ 3
Theodor-Scheiwe-Straße, MMQ 4
Nieberdingstraße, MMQ 5 Am Ha-
werkamp /Stadthafen 2
X X
3.3 Entwicklung von Creativ Spaces X
3.4 Entwicklung der Innenstadt als
Zukunftsort (Transformation der
Innenstadt)
X
Handlungsfeld 4:
Münster.Miteinander
4.1 Good Governance: Effizienz,
Transparenz und Servicequalität
in der Stadtverwaltung
X X
4.2 Stärkung regionalen/ grenzüber-
schreitende Zusammenarbeit:
X X
6BMünster 2030+ | Wege der Umsetzung
Seite XV
Münsterland, MONT 2030, EURE-
GIO 2030, Innovationsallianz
Münster und Münsterland,
TECH.LAND
4.3 Stärkung der regionalen Bio-Wert-
schöpfungsketten
X
Handlungsfeld 5:
Münster.Talente und
Bildung
5.1 Neubau/Umbau Handwerkskam-
mer Bildungszentrum (HBZ)
Münster
X
5.2 Kampagne Wirtschaft und berufli-
che Bildung
X
5.3 Förderung Verbleib in Münster X
5.4 Homecoming Münster/Münster-
land
X X
5.5 Onboarding Münster(International
Office für Arbeits- und Fachkräfte)
X
5.6 Zielgruppenorientierte Weiterent-
wicklung internationales Standort-
marketing
X
5.7 Förderung der migrantischen Po-
tenziale
Handlungsfeld 6:
Münster.Dynami-
sche Unternehmen
6.1 Mittelstandsoffensive: Planungen
beschleunigen – Wirtschaft ent-
lasten
X
6.2 Allianz mit dem Handwerk (Mas-
terplan Handwerk)
X
6BMünster 2030+ | Wege der Umsetzung
Seite XVI
Stand: 01.11.2024
Definition Projektstatus:
■ • Ideenphase: erste lose Überlegungen und Absprachen
■ • Konzeptionsphase: vertiefende Überlegungen und erste Planungen
■ • Projektskizze: detaillierte Planungen
■ • In Umsetzung: Maßnahme ist umsetzungsbereit bzw. bereits in Umsetzung
6.3 Kuratiertes Gründungsökosystem X X
6.4 Weiterentwicklung Digital Hub
münsterLAND & münsterLAND di-
gital e.V.
X X
Handlungsfeld 7:
Münster.Lebens-
qualität
7.1 Internationalisierung der Bildungs-
angebote
X X
7.2 Weitere Implementierung „Euro-
päische Charta der Gleichstel-
lung“, Aktionspläne zu den
Schwerpunktthemen „Instanbul-
Konvention“ und LSBTIQ* sowie
„Charta der Vielfalt“
X X X
7.3 Stärkung guter Lebensbedingun-
gen in allen Stadtteilen (Stärkung
weiche Standortfaktoren)
X X
Seite XVII
Impressum
Standortentwicklungsstrategie Münster 2030+
Auftraggeberin
Stadt Münster
Vertreten durch
Dezernat für Planung, Bau und Wirtschaft
Stadtbaurat Robin Denstorff
Stadtplanungsamt
Albersloher Weg 33
48155 Münster
Ansprechpersonen: Prof. Dr. Thomas Hauff, Simone Thiesing
Münster Marketing
Klemensstraße 10
48143 Münster
Ansprechpersonen: Bernadette Spinnen, Dr. Matthias Schmidt
In Kooperation mit
Wirtschaftsförderung Münster GmbH/Technologieförderung Münster GmbH
Steinfurter Straße 60a / Mendelstraße 11
48149 Münster
Ansprechperson: Enno Fuchs / Volker Ruff
Auftragnehmer:
Prognos AG
Goethestraße 85
10623 Berlin
Telefon: +49 30 52 00 59-210
Fax: +49 30 52 00 59-201s
E-Mail: info@prognos.com
www.prognos.com
twitter.com/prognos_aG
Autorinnen und Autoren
Dr. Olaf Arndt
Lukas Röbke
Julia Schwienbacher
Bernhard Wankmüller
Kontakt
Dr. Olaf Arndt (Projektleitung)
Telefon: +49 421 845 16-423
E-Mail: olaf.arndt@prognos.com
Seite XVIII
Satz und Layout: Prognos AG
Bildnachweis: Titelbild von Presseamt Münster / Markus Bensch
Stand: 01. November 2024
Copyright: 2024, Prognos AG
Alle Inhalte dieses Werkes, insbesondere Texte, Abbildungen und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Das
Urheberrecht liegt, soweit nicht ausdrücklich anders gekennzeichnet, bei der Prognos AG/Stadtplanungsamt Münster.
Jede Art der Vervielfältigung, Verbreitung, öffentlichen Zugänglichmachung oder andere Nutzung bedarf der
ausdrücklichen, schriftlichen Zustimmung der Prognos AG/des Stadtplanungsamt Münster.
Zitate im Sinne von § 51 UrhG sollen mit folgender Quellenangabe versehen sein: Prognos AG/Stadtplanungsamt
Münster (2024): Standortentwicklungsstrategie Münster 2030+
V_0769_2024_Anlage_2a_Karte_Strategische_Wirtschaftsstandorte
1005 Zeichen
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V_0769_2024_Anlage_2b_Karte_Strategische_Wirtschaftsstandorte_Handel
831 Zeichen
" " " " " " " " " " " " " " " " " " " " " " " " " " " " " " " " ðp ðp COERDE GELMER HÄGER BERG FIDEL HILTRUP GREMMENDORF ANGELMODDE WOLBECK AMELSBÜREN MECKLENBECK ALBACHTEN ROXEL GIEVENBECK NIENBERGE SPRAKEL HANDORF KINDERHAUS Legende Sektorales Stärkefeld: "Handel" Einzelhandels- u. Zentrenkonzept 2018 Handel (Stadtteilzentrum) Handel (Stadtbereichszentrum) Handel (Nahversorgungszentrum) Handel (City/Innenstadt) Handel (Nahversorgungslage) Neuplanung Handelsstandort (Stadtteilzentrum) (2024) Zentrale Versorgungsbereiche / Einkaufsstraßen City (gem. Einzelhandels- u. Zentrenkonzept 2018) " " " ðp " Stand: 26.11.2024 Anlage 2b zu V/0769/2024 Standortentwicklungsstrategie 2030+ Sicherung und Entwicklung strategischer Wirtschaftsstandorte - Einzelhandels- und Zentrenkonzept (2018) mit Planungen für neue Stadtteilzentren
Beschlussvorlage
31160 Zeichen
V/0769/2024
V/0769/2024
Öffentliche Beschlussvorlage
Betrifft
Standortentwicklungsstrategie 2030+ für den Wirtschaftsstandort Münster
Beratungsfolge
11.12.2024 Rat Einbringung
06.02.2025 Betriebsausschuss Münster Marketing Vorberatung
06.02.2025 Ausschuss für Gleichstellung Vorberatung
20.02.2025 Ausschuss für Stadtplanung und Stadtentwicklung Vorberatung
25.02.2025 Ausschuss für Wohnen, Liegenschaften, Finanzen und Wirtschaft Vorberatung
26.02.2025 Hauptausschuss Vorberatung
26.02.2025 Rat Entscheidung
Beschlussvorschlag:
I. Sachentscheidung:
1. Der Rat beschließt die Standortentwicklungsstrategie 2030+ als handlungsleitenden Orientierungs-
rahmen für die weitere Zukunftsentwicklung des Wirtschaftsstandortes Münster (vgl. Anlage 1).
2. Der Rat nimmt zur Kenntnis, dass für die sektoralen Stärkefelder der Standortentwicklungsstrate-
gie 2030+ bereits planerische Standortvorsorge getroffen worden ist und nunmehr an der liegen-
schaftlichen Sicherung und bauleitplanerischen Entwicklung strategischer Wirtschaftsstandorte mit
verschiedenen Instrumenten gearbeitet wird (vgl. Anlage 2a/b).
3. Der Rat beauftragt die Verwaltung, den Dialogprozess mit den Interessenvertretungen der Wirt-
schaft und der Arbeitnehmenden sowie Wirtschaftsakteurinnen und –akteuren zu verstetigen und
begrüßt, dass die „Standortentwicklungsstrategie 2030+“ in einem intens iven Dialogprozess mit
der Wirtschaft unter Einbezug der Wissenschaft erarbeitet wurde.
4. Der Rat beschließt, das Handlungsfeld „zukunftsorientiertes, nachhaltiges Wirtschaften“ in den
Kanon der stadtstrategischen Ziele gemäß Vorlage V/0609/2022 („Ziele zur kommunalen Steue-
rung“) aufzunehmen.
5. Der Rat bekräftigt die besondere Bedeutung der Zusammenarbeit mit dem Münsterland und der
Zusammenarbeit mit den niederländischen Partnerinnen und Partnern im Städtenetzwerk MONT,
Stadtplanungsamt
05.12.2024
Ihr/e Ansprechpartner/in:
Herr Prof. Dr. Hauff
Telefon: 492-6135
HauffTho@stadt-
muenster.de
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V/0769/2024
in der EUREGIO und im deutsch -niederländischen Innovations - und Wirtschaftsnetzwerk
TECH.LAND.
II. Finanzielle Auswirkungen:
Mit den vorgenannten Beschlusspunkten werden keine einzelnen Projekte zum Beschluss gestellt.
Diese sind bei Bedarf in separaten Vorlagen fachlich aufzubereiten und zum Beschluss vorzuschla-
gen. Daher hat diese Vorlage keine finanziellen Auswirkungen.
Begründung:
Zu Beschlusspunkt 1: Standortentwicklungsstrategie 2030+ als handlungsleitender Orientie-
rungsrahmen für die Zukunftsentwicklung des Wirtschaftsstandortes“
Viele Standortvergleiche zeigen, dass Münster grundsätzlich zu den Zukunftsstandorten in Deutsch-
land gehört, wo die Chancen die Risiken überwiegen. Aber auch der Wirtschaftsstandort Münster
muss sich grundlegenden politischen, wirtschaftlichen, technologis chen und gesellschaftlichen Ver-
änderungen stellen (v.a. Digitalisierung, Dekarbonisierung/Nachhaltigkeit, Demographischer Wandel,
De-Globalisierung).
Um den Wirtschaftsstandort Münster zukunftsorientiert weiterzuentwickeln und die Chancen der lau-
fenden Transformationsprozesse nutzen zu können, hat die Stadt Münster in einem dialogorientierten
Prozess mit den Interessensvertretungen der Wirtschaft und der Arbeitnehmerinnen/-nehmer, zahlrei-
chen Akteurinnen und Akteuren der Wirtschaft und der Wissenschaft, wirtschaftsorientierten Netzwer-
ken sowie mit Unterstützung der Prognos AG die Standortentwicklungsstrategie 2030+ erarbeitet.
Auf Basis einer umfänglichen indikatorengestützten Standortanalyse, Schlüsselpersonengesprächen,
fachlichen Vertiefungsworkshops und begleitenden Arbeitskreisen (Wirtschaft, Politik) wurden in ei-
nem dialogorientierten Prozess zunächst sektorale Stärkefelder identifiziert und dann eine Vision
„Wirtschaftsstandort Münster 2030+“ sowie strategische Leitlinien erarbeitet. Die Umsetzung soll in
sieben strategischen Handlungsfeldern erfolgen. Dazu wurden mit über 40 Partnerinnen und Partnern
32 Projekte abgeleitet (Anlage 1). Ebenso wurd en die identifizierten sektoralen Stärkefelder in den
beiden Karten „Strategische Wirtschaftsstandorte“ dargestellt (Anlage 2a, 2b).
Mit der Standortentwicklungsstrategie 2030+ wird ein zentrales Ergebnis der MünsterZukünfte einge-
löst, wo die Forderung nach der gemeinsamen Erarbeitung einer Entwicklungsstrategie für den Wirt-
schaftsstandort und einer verstetigten Kommunikation ausdrücklich thematisiert wurde (V/0487/2021).
Im Rahmen einer öffentlichen Standortkonferenz am 01.10.2024 wurden zentrale Ergebn isse der
Standortentwicklungsstrategie 2030+ von den beteiligten Akteurinnen und Akteuren gemeinsam vor-
gestellt. Die Standortkonferenz hat gezeigt, dass die Ergebnisse der Standortentwicklungsstrategie
auf eine ausgesprochen breite Zustimmung stoßen und alle Partnerinnen und Partner bereit sind, für
die Entwicklung des Wirtschaftsstandortes gemeinsame Verantwortung zu übernehmen. Dies bezieht
sich ausdrücklich auch auf die Umsetzung der Projekte unter dem Dach der Standortentwicklungs-
strategie 2030+ in eige ner Verantwortung und Zuständigkeit der Partnerinnen und Partner. In vielen
Fällen liegt die Projektleitung für die einzelnen Projekte daher nicht bei der Stadtverwaltung oder der
Wirtschaftsförderung Münster GmbH.
- 3 -
V/0769/2024
Das erarbeitete Strategiegerüst mit Hand lungsfeldern und Maßnahmen soll als handlungsleitender
Orientierungsrahmen für die weitere Zukunftsentwicklung des Wirtschaftsstandortes Münster dienen.
Mit den Beschlusspunkten der Vorlage werden daher keine konkreten Projekte zum Beschluss ge-
stellt. Insofern es sich um Projektvorschläge in Zuständigkeit der Stadt Münster handelt, sind diese
zunächst noch fachlich aufzubereiten und dann zum Beschluss vorzuschlagen.
Der Abschlussbericht der Prognos AG enthält zu Beginn eine Management Summary (vgl. Anlage 1).
Im Folgenden werden nach einer kurzen Darstellung der Ausgangslage die Ergebnisse im Hinblick
auf sektorale Stärkefelder, Vision und strategische Leitlinien sowie Handlungsfelder und Maßnahmen
kompakt zusammengefasst, da sie die Eckpunkte des handlungs orientierten Orientierungsrahmens
bilden.
Ausgangslage
Die Stadt Münster ist ein dynamischer und erfolgreicher Wirtschaftsstandort mit engen Beziehungen
zum Münsterland und zu den niederländischen Partnerinnen und Partnern in der EUREGIO und im
Städtenetzwerk MONT. Demografisch profitiert die Stadt stark vom Status als Hochschul - und Wis-
senschaftsstadt. Dies zeigt sich in der wachsenden Bevölkerung, die überdurchschnittlich hoch quali-
fiziert ist. Wirtschaftsstrukturell ist Münster divers aufgestellt mit Sc hwerpunkten in den Bereichen
Gesundheitswirtschaft, Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT), Verwaltung, Handel,
freiberufliche Dienstleistungen sowie Finanzen und Versicherungen.
Aus der Analyse der Ausgangslage wurden zentrale Stärken, Schwäc hen, Chancen und Risiken für
die zukünftige Entwicklung des Wirtschaftsstandorts Münster abgeleitet:
Stärken: Münster zeichnet sich durch ein starkes Bevölkerungs- und Beschäftigungswachstum,
eine hohe Lebensqualität, eine starke Hochschullandschaft und einen dynamischen Mittelstand
aus.
Schwächen: Die Stadt hat einen negativen Wanderungssaldo bei 30- bis 50-Jährigen, hohe Le-
benshaltungskosten, einen Mangel an bezahlbarem Wohnraum, eine abgeschmolzene Manöv-
riermasse an Gewerbeflächen und eine belastete Mobilitätsinfrastruktur.
Chancen: Münster hat das Potenzial, sich als "Klimastadt" zu entwickeln, sich als Standort der
Batterieforschung europaweit zu profilieren, die Vernetzung von Hochschulen und Wirtschaft wei-
ter zu intensivieren, das Gründungsökosystem weiterzuentwickeln, das Potenzial der Gesund-
heitswirtschaft zu nutzen, die Allianzen mit der Wirtschaft (u.a. Handwerk) zu stärken und Potenzi-
ale der regionalen/überregionalen Zusammenarbeit stärker zu nutzen.
Risiken: Der angespannte Wohnungsmarkt, fehlende gewerbliche Standortpotenziale, Fachkräfte-
mangel und der Strukturwandel in der Finanz- und Versicherungsbranche sowie im Einzelhandel
könnten die wirtschaftliche Entwicklung beeinträchtigen.
Sektorale Stärkefelder
Für die weitere Entwicklung des Standorts ist die Identifikation von Stärkefeldern der Wirtschaft ele-
mentar, da in diesen Bereichen die größten Potenziale zum Aufbau von Arbeitsplätzen und einer
Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit bestehen. Auch für die Sichtbarkeit der Münsteraner Wirtschaft
ergeben sich hieraus Vorteile. Durch die Bildung von Clustern sind Netzwerkeffekte möglich. Sektora-
le Stärkefelder ergeben sich aus den Branchenschwerpunkten der Münsteraner Wirtschaft. Die Wirt-
schaftsstruktur der Stadt Münster wird anhand eines Branchenportfolios aufgezeigt, das die Lokalisa-
tion der Branchen unterteilt nach vier Sektoren beinhaltet.
Insgesamt können neun sektorale Stärkefelder identifiziert werden:
Handwerk
- 4 -
V/0769/2024
Industrie
Land- und Ernährungswirtschaft
FuE-Dienstleistungen (Forschungs- und Entwicklungsdienstleistungen)
Finanzen und Versicherungen
Gesundheitswirtschaft
Kultur- und Kreativwirtschaft
Innenstadt, Handel und Tourismus
Wissenschaft
Die Stärkefelder, ihre Bedeutung für Münster und die durch die Transformationsdynamiken bestehen-
den Herausforderungen werden in Kapitel 2.3 des Abschlussberichtes ausführlich beschrieben (vgl.
Anlage 1).
Vision und strategische Leitlinien
Die Transformationsherausforderungen in den Stärkefeldern erfordern Lösungen. Die Stadt Münster
hat die Notwendigkeit erkannt und ist bestrebt, die Stärken der Münsteraner Wirtschaft zu unterstüt-
zen und gleichzeitig auf die sich wandelnden Dynamiken zu reagieren.
Die Vision Münster 2030+ für den Wirtschaftsstandort Münster stellt eine Zielorientierung für die
künftige Entwicklung dar. Sie soll die Akteurinnen und Akteure aus Stadtverwaltung, Wirtschaft, Wirt-
schaftsvertretungen und Wissenschaft anregen und motivieren, gemeinsam den Wirtschaftsstandort
zu gestalten.
Vision Wirtschaftsstandort Münster 2030+
Münster nimmt eine führende Rolle als Innovationszentrum für nachhaltige
Wirtschaftsentwicklung und Lebensqualität ein legt dabei die Prinzipien der
Nachhaltigkeit (ökonomisch, ökologisch und sozial), des sozialen Ausgleichs und Fortschritts
sowie der der Klimaneutralität zugrunde.
Münster ist Vorreiter für eine nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit auf regionaler, nationaler
und internationaler Ebene.
Münster ist eine produktive Stadt und ein Wirtschaftsstandort des dynamischen
Mittelstandes. Ein Fokus liegt dabei auf Bereichen, die eine besondere Profilierung und
Kompetenzfeldentwicklung erlauben und die Transformationsprozesse unterstützen. Als
Instrument wird Kreislaufwirtschaft bzw. Circular Economy konsequent mitgedacht.
Münster fördert ein innovations- und mittelstandsfreundliches Wirtschaftsumfeld
unterstützt durch eine hervorragende Erreichbarkeit und ein nachfrageorientiertes
Flächenangebot sowie ein Ökosystem, das Innovation, Kreativität und
unternehmerisches Denken unterstützt.
Münster stärkt die Austauschprozesse von Wissenschaft und Wirtschaft zur Entwicklung
von zukunftsweisenden Technologien und Geschäftsmodellen.
Münster verstärkt die Zusammenarbeit mit dem Münsterland und ist gemeinsam mit dem
Münsterland ein Motor der deutsch-niederländischen Zusammenarbeit.
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V/0769/2024
Münster steht für Lebensart und Lebensqualität. Alle notwendigen Einrichtungen des
täglichen Bedarfs sind in 15 Minuten bequem erreichbar (15 Minuten Stadt). Münster ist
geprägt von einer lebendigen Gemeinschaft, einer vielfältigen Kultur, einem respektvollen
Miteinander, einer Offenheit und Toleranz gegenüber allen Lebensstilen und bietet
ausreichenden Wohnraum für alle Beschäftigte aller Qualifikationsstufen.
Die Vision wird durch die strategischen Leitlinien ergänzt, die übergeordnete Werte und Prinzipien
darstellen, die das wirtschaftliche Handeln der Akteurinnen und Akteure in der Stadt Münster im Sin-
ne einer gemeinwohlorientierten, innovativen und nachhaltigen Wirtschafts - und Stadtentwicklung
leiten sollen. Weitergehende Erläuterungen enthält Kapitel 3 des Abschlussberichtes (vgl. Anlage 1).
Abbildung 1: Strategische Leitlinien für die Entwicklung des Wirtschaftsstandorts Münster
2030+
Abbildung Prognos AG, 2024
Handlungsfelder und Maßnahmen
Die strategischen Leitlinien werden anhand von sieben Handlungsfeldern mit einer umsetzungsori-
entierten Ebene unterlegt. Die Handlungsfelder verbinden die sektoralen Stärken der Münsteraner
Wirtschaft und Wissenschaft mit den in der Analyse der Ausgangslage identifizierten Wachstumspo-
tenzialen. So können branchen- und akteursübergreifend neue Entwicklungsimpulse gesetzt und die
bestehenden Stärkefelder weiter ausgebaut werden.
Jedes Handlungsfeld adressiert einen Aspekt der wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt Münster und
setzt Ziele für die zukünftige Entwicklung . Abbildung 2 zeigt die strategischen Handlungsfelder in
Kombination mit den strategischen Leitlinien und sektoralen Stärkefeldern.
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V/0769/2024
Abbildung 2: Handlungsfelder, strategische Leitlinien und sektorale Stärkefelder im Überblick
Abbildung Prognos AG, 2024
Die Handlungsfelder enthalten insgesamt 32 Maßnahmen, mit denen der Standortentwicklungsstra-
tegie Münster 2030+ eine operationale Ebene hinzugefügt wird. Die Maßnahmen dienen dazu, die
strategischen Leitlinien der Standortentwicklungsstrategie in die Praxis zu übersetzen. Abbildung 3
zeigt das Maßnahmentableau der Strategie. In Kapitel 4 des Abschlussberichtes werden die Hand-
lungsfelder und Maßnahmen ausführlich dargestellt (vgl. Anlage 1).
Abbildung 3: Maßnahmentableau der Standortentwicklungsstrategie Münster 2030+
Abbildung Prognos AG, 2024
Stadträumliche Perspektive
Die Standortentwicklungsstrategie 2030+ hat sich nicht nur mit der Strategieebene, sektoralen Stär-
kefeldern, strategischen Handlungsfeldern und strategischen Projekten beschäftigt, sondern von Be-
ginn auch die stadträumliche Perspektive einbezogen. In diesem Zusammenhang sind die beid en
- 7 -
V/0769/2024
Karten „Sicherung und Entwicklung strategischer Wirtschaftsstandorte“ entstanden (vgl. Anlage
2a/2b), die in der Begründung zu Beschlusspunkt 2 erläutert werden.
Wege der Umsetzung
Um die Standortentwicklungsstrategie Münster 2030+ erfolgreich umzusetzen, werden sechs Erfolgs-
kriterien definiert:
Besonders strahlkräftige Projekte hervorheben
Governance-Struktur etablieren
Mit Gleichstellung zu gesellschaftlichem und wirtschaftlichem Erfolg gelangen
Partnerinnen und Partner einbinden (Standortentwicklung als Gemeinschaftsaufgabe)
Kommunikationsstrategie und Standortmarketing weiterentwickeln
Kontinuierliche Strategiereview und prozessbegleitendes Controlling durchführen
Zur Einbindung von Partnerinnen und Partnern, zur Weiterentwicklung der Kommunikationsstrategie
und des Standortmarketings sowie zum kontinuierlichen Strategiereview finden sich vertiefende Aus-
führungen in den Erläuterungen zu Beschlusspunkt 3.
Zu Beschlusspunkt 2: „Sicherung und Entwicklung strategischer Wirtschaftsstandorte“
Die Karte „Sicherung und Entwicklung strategischer Wirtschaftsstandorte“ (vgl. Anlage 2a) macht
deutlich, dass für die sektoralen Stärkefelder der Standortentwicklungsstrategie planerische Standort-
vorsorge getroffen worden ist. Zu verweisen ist hier:
auf die derzeit laufende Änderung des Regionalplans Münsterland und die dazu seitens der Stadt
Münster abgegebene Stellungnahme (V/0339/2023, V/0644/2024),
auf das Integrierte Flächenkonzept Münster (V/0192/2024)
und die vorhandenen, für Gewerbenutzungen geeigneten Flächennutzungsplanreserven, die auch
bereits im Gewerbeflächenentwicklungskonzept (V/0723/2016) teilweise für eine Entwicklung vor-
geschlagen werden.
An der liegenschaftlichen Sicherung und bauleitplanerischen Entwicklung einiger dieser Sta ndorte
wird bereits mit verschiedenen Instrumenten gearbeitet. Mit dem diesbezüglichen Projektblatt „“Siche-
rung und strategische Entwicklung von Wirtschaftsstandorten“ im Handlungsfeld „Müns-
ter.Nachhaltige Infrastrukturen“ werden die nächsten Schritte benannt.
Die Karte „Sicherung und Entwicklung strategischer Wirtschaftsstandorte“ gibt auch einen Überblick
über größere bestehende Industriestandorte, deren Sicherung bzw. Weiterentwicklung eine wichtige
Bedeutung besitzt. Zu nennen sind in diesem Zusammenha ng beispielsweise die Sicherung des
BASF-Werksgeländes in Hiltrup (V/0640/2024), die Verlagerung des Betriebsstandortes der Westfa-
len AG aus Gremmendorf in das Industriegebiet am Hessenweg (V/0299/2019), die Modernisierung
des Compo-Standortes in Handorf, die Erweiterung des Hauptsitzes von Weicon im Gewerbegebiet
an der Kleimannbrücke oder die funktionale Transformation des Standortes von Hengst SE am Nien-
kamp. Diese Beispiele zeigen auch deutlich, dass die laufenden Transformationsprozesse wie Dekar-
bonisierung und Digitalisierung sowie die Umsetzung ressourcenschonender Produktionsprozesse
neben Investitionen auch standörtliche Entwicklungen erfordern.
Um dem differenzierten Einzelhandels- und Zentrensystem gerecht werden zu können, wurde dieses
auf einer separaten Karte gemäß beschlossenem Einzelhandels- und Zentrenkonzept (2018) mit den
bereits bekannten Neuplanungen für Stadtteilzentren zusätzlich dargestellt (vgl. Anlage 2b). Die An-
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V/0769/2024
lage 2 b wird aktualisiert, sobald die laufende Fortschreibung des Einz elhandels- und Zentrenkon-
zepts abgeschlossen ist (vgl. V/0622/2024).
Abschließend ist darauf zu verweisen, dass der Wirtschaftsstandort der Zukunft auch „Zukunftsorte“
braucht (vgl. Anlage 1). Die im Handlungsfeld „Münster.Zukunftsorte“ aufgeführten urban en Modell-
quartiere im Wissenschaftssektor und am Dortmund-Ems-Kanal sowie die Innenstadt als Zukunftsort
spielen ebenfalls eine wichtige Rolle für die Sicherung und Entwicklung der strategischen Wirt-
schaftsstandorte.
Zu Beschlusspunkt 3: „Verstetigung de s Dialogprozesses mit der Wirtschaft und der Arbeit-
nehmendenvertretung“
Standortentwicklung ist Gemeinschaftsaufgabe. Daher ist die Standortentwicklungsstrategie 2030+
ausdrücklich nicht als Gutachten, sondern in einem dialogorientierten Prozess erarbeitet worden. Die-
ser Prozess basiert auf:
26 Schlüsselpersonengesprächen: Hier haben Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft,
Wissenschaft, Politik und Verwaltung die quantitativen Analyseergebnisse um wichtige qualita-
tive Erkenntnisse erweitert.
4 Vertiefungsworkshops zu den Themen „Handwerk“, „Gesundheitswirtschaft“, „Industrie“ so-
wie „Finanz- und Versicherungswirtschaft“, in denen wichtige sektorale Stärkefelder mit ent-
sprechenden Akteurinnen und Akteuren ausgearbeitet worden sind.
Im Hinblick auf die Themen „Innenstadt/Handel“ und „Tourismuswirtschaft“ wurde aufgrund
vorlaufender Prozesse auf einen Vertiefungsworkshop verzichtet. Zugleich läuft für das Thema
„Handel“ mit der Fortschreibung des Einzelhandels- und Zentrenkonzept zurzeit ein eigener
Prozess. Im Hinblick auf die „Kultur- und Kreativwirtschaft“ ist eine grundsätzliche Aufarbei-
tung erforderlich, die nicht in dem Format eines Vertiefungsworkshops möglich gewesen wäre.
5 Sitzungen des begleitenden Arbeitskreises „Wirtschaft“, an dem Akteurinnen und Akteure
aus dem Beirat Münster Marketing mitgewirkt haben. Dieser Arbeitskreis hatte den Blick auf
den gesamten Prozess und alle Themen, so dass im konstruktiven Austausch mögliche Kon-
fliktlinien frühzeitig angesprochen werden konnten und zugleich chancenorientiert Gemein-
samkeiten herausgearbeitet wurden.
3 Sitzungen des interfraktionellen Arbeitsgesprächs, die jeweils am Ende wichtiger Prozess-
schritte (Analysephase, Leitbild-/Strategiephase, Vorstellung Handlungsfel-
der/Maßnahmenübersicht) die vorliegenden Ergebnisse reflektiert haben.
Neben diesen Prozesssäulen wurden vorhandene Gremien verschiedener Institutionen, Vereine und
Verbände genutzt, um Zwischenergebnisse der Standortentwicklungsstrategie 2030+ vorzustellen
und zu reflektieren , wie z.B. Wor kshops mit dem Aufsichtsrat der Wirtschaftsförderung Münster
GmbH, IHK-Regionalausschuss für Münster, Strategieausschuss Wissenschaftsstadt der Allianz für
Wissenschaft, Forum „Industrie“.
Darüber hinaus erfolgte ein kontinuierlicher bilateraler Austausch mit der Wirtschaftsförderung Müns-
ter GmbH/Technologieförderung Münster GmbH, der IHK Nord Westfalen, der Handwerkskammer
Münster, der Kreishandwerkschaft Münster, dem Deutschen Gewerkschaftsbund – Region Münster,
Vertretungen der Landwirtschaft (Kreislandwirt, Landwirtschaftskammer NRW, Westfälisch-Lippischer
Landwirtschaftsverband). Dieser Austausch bezog bereits Fragen der Umsetzung mit ein, da zahlrei-
che Projekte von den Partnerinnen und Partner verantwortet und in eigener Zuständigkeit umgesetzt
werden.
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V/0769/2024
Wie die gemeinsame öffentliche Standortkonferenz am 01.10.2024 gezeigt hat, hat der dialogorien-
tierte Ansatz dazu geführt, dass die Ergebnisse der Standortentwicklungsstrategie 2030+ von einem
breiten Kreis von Akteurinnen und Akteuren konsensual getragen werden, die gemeinsam Verantwor-
tung für die Standortwicklung übernehmen wollen. Durch den Prozess wurde ausdrücklich Vertrauen
aufgebaut, das eine wichtige Grundlage für die nächsten Umsetzungsschritte ist. Zugleich wurde am
01.10.2024 verdeutlicht, dass nun angesichts der großen Herausforderungen die Erwartung einer
raschen Umsetzung der Ergebnisse unter Beibehaltung des bisherigen dialogorientierten Einbezugs
der Kernakteurinnen und -akteure besteht.
Im Hinblick auf die gebündelte Fortsetzung des Dialogs bietet es sich, den bisherigen Arbeitskreis
„Wirtschaft“ mit Akteurinnen und Akteuren aus Beirat Münster Marketing (themenorientiert ergänzt um
weitere Mitwirkende) fortzuführen. Am 25.11.2024 ist im Beirat Münster Marketing die bisherige Arbeit
des AK „Wirtschaft“ reflektiert und sehr positiv bewertet worden. Die bisher Mitwirkenden und die eh-
renamtliche Leiterin des Arbeitskreises, Frau Prof. Dr. Petra Teitscheid (FH Münster), haben sich
ausdrücklich bereit erklärt, die Umsetzung der Standortentwicklungsstrategie 2030+ auch weiterhin
zu begleiten.
Mit der Verstetigung der bisherigen Dialogstrukturen würden zugleich wichtige Voraussetzungen für
eine erfolgreiche Umsetzungsphase geschaffen. So empfiehlt die Prognos AG in dem Abschlussbe-
richt im Kapitel „Wege der Umsetzung“ die weitere aktive Einbindung der Partnerinnen und Partner
und deren Beteiligung an der Umsetzung. Dies bezieht regionale und überregionale Akteurinnen und
Akteure ausdrücklich mit ein (Münsterland e.V., MONT, EUREGIO, TECH.LAND). Hiermit sind neben
der Projektumsetzung auch eng die Aspekte der Kommunikation, eines abgestimmten Standortmar-
ketings und einer kontinuierlichen Überprüfung der Inhalte der Strategie (Strategiereview) verbunden
(vgl. Anlage 1, Kapitel 6).
Zu Beschlusspunkt 4: „Zukunftsorientiertes, nachhaltiges Wirtschaften“ als stadtstrategi-
sches Ziel
Mit den Beschlüssen zur Vorlage V/0609/2022 hat der Rat die nachstehenden Handlungsfelder als
strategische Ziele für die kommunale Steuerung benannt:
Klimaneutralität
Leistbares, nachhaltiges Wohnen
Stadtverträgliche, nachhaltige Mobilität
Vielfalt und Zusammenhalt
Diese Handlungsfelder sind als dezernats- und ämterübergreifende Arbeitsprioritäten für die Verwal-
tung zu verstehe n, die auch im städtischen Haushalt berücksichtigt werden müssen, um den Weg
zum „Münster der Zukunft“ aufzuzeigen.
Im Prozess der Erarbeitung der Standortentwicklungsstrategie 2030+ ist sehr deutlich herausgearbei-
tet worden, dass die Stadt der Zukunft auch eine produktive Stadt ist und daher „Zukunftsorientiertes,
nachhaltiges Wirtschaften“ zu den stadtstrategischen Zielen gehören sollte. Dies steht in Überein-
stimmung mit den Ergebnissen der MünsterZukünfte (V/0487/2021) und der Nachhaltigkeitsstrategie
2030 (V/0648/2017, V0515/2018).
Eine leistungsfähige und dynamische Wirtschaft ist zentral für das Gemeinwohl in Münster und im
Münsterland. Sie bietet Arbeitsplätze und schafft Einkommen, was eine Schlüsselressource für die
soziale Teilhabe ist. Hierzu zählt vor allem auch der Zugang zum Wohnungsmarkt. In den letzten Jah-
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V/0769/2024
ren ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Münster deutlich gestiegen und
nimmt auch im NRW-Vergleich einen Spitzenwert ein.
Zugleich speist eine stabile und zukunftsorientierte Wirtschaftsstruktur über die Gewerbesteuer, den
Gemeindeanteil an der Einkommenssteuer und den Gemeindeanteil an der Umsatzsteuer den städti-
schen Haushalt. Hiermit werden die kommunale Handlungsfähigkeit sichergestellt und wichtige Hand-
lungsmöglichkeiten für alle Politikfelder geschaffen
Abschließend ist auf die Leipzig Charta 2020 als aktuelles Leitdokument für gemeinwohlorientierte
und integrierte Stadtentwicklung in Europa zu verweisen. Die Leipzig Charta 2020 benennt drei Hand-
lungsdimensionen für eine zukunftsfähige Stadtentwicklungspolitik:
die gerechte Stadt (v. a. Chancen- und Umweltgerechtigkeit einschließlich des Zugangs zu
bezahlbarer Wohnraum - und Energieversorgung)
die grüne Stadt (einschließlich klimaneutrale Stadt)
die produktive Stadt (attraktive, innovative und wettbewerbsfähige Wirtschaftsstandorte; breit
aufgestellte Wirtschaft, die Arbeitsplätze und eine solide finanzielle Grundlage für die nachhal-
tige Stadtentwicklung schafft)
Mit der Aufnahme „zukunftsorientiertes, nachhaltiges Wirtschaften“ in den Kanon der stadtstrategi-
schen Ziele, die gemäß § 41 Abs. 1 GO NRW ausschließlich vom Rat beschlossen werden müssen,
setzt die Stadt Münster die Grundsätze der Leipzig Charta für eine zukunftsorientierte Stadtentwic k-
lung um, die auf der Integration der sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Dimension nachhalti-
ger Entwicklung basieren.
Zu Beschlusspunkt 5: „Weitere Stärkung der Zusammenarbeit mit dem Münsterland und mit
den niederländischen Partnerinnen und Partnern (MONT, EUREGIO, TECH.LAND)
Bereits im Prozess der MünsterZukünfte 20|30|50 ist nachdrücklich herausgearbeitet worden, dass
eine zukunftsorientierte Stadt- und Wirtschaftsentwicklung nur in regionaler Zusammenarbeit erfolgen
und gelingen kann (V/0487/2021). Die Analysen und Schlüsselpersonengespräche zur Erarbeitung
der Standortentwicklungsstrategie 2030+ haben die großen Potenziale und die besondere Bedeutung
der Zusammenarbeit mit dem Fokus auf eine zukunftsorientierte Wirtschaftsstandortentwicklung noch
einmal unterstrichen. Als strategische Leitlinie wurde daher formuliert: „Münster verstärkt die Zusam-
menarbeit mit dem Münsterland und ist gemeinsam mit dem Münsterland Motor der deutsch -
niederländischen Zusammenarbeit“.
Die Umsetzung dieser strateg ischen Leitorientierung soll auf folgenden Ebenen erfolgen, wie auch
das diesbezügliche Projektblatt im Handlungsfeld „Münster.Miteinander“ verdeutlicht:
Münsterland: Fortsetzung des Prozesses der informellen Regionalentwicklung im Münster-
land, abgestimmte Bewerbung an Strukturförderprogrammen des Landes und der EU, ge-
meinsames Tourismusmarketing, gemeinsame Arbeit an Wirtschafts- und Innovationsthemen
(v.a. Projekte Wirtschaft bei Münsterland e. V, Arbeitsgemeinschaft Wirtschaftsförderung
Münsterland, Wirtschaftsförderungskonferenz Münsterland).
Städtenetzwerk MONT: Umsetzung der MONT-Strategie 2030 mit den Themenschwerpunkten
„Nachhaltige Mobilität und Erreichbarkeit“, „Regionale Innovation“, „Branding MONT-Region
und Lobby“ sowie „Klimaschutz und Umgang mit Klimafolgen“.
EUREGIO: Unterstützung der EUREGIO-Strategie 2030 für den Bereich „Nachhaltige Raum-
entwicklung“, „Wirtschaft und Arbeitsmarkt“ sowie „Gesellschaftliche Entwicklung“.
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V/0769/2024
Unterstützung der Umsetzung der Innovationsstrategie Münster und Münsterland (IMM): Die
Innovationsstrategie ergänzt die vorliegenden Strategiepapiere als gemeinsamer Handlungs-
rahmen von Wissenschaft, Wirtschaft und städtischen/regionalen Akteuren für die Weiterent-
wicklung einer starken europäischen Innovationsregion. Die Handlungsfelder „Smart & Resili-
ent Energy“, „Smart & Resilient Care“ und „Smart & Resilient Production“ unterstützen die
diesbezüglichen Projekte im Handlungsfeld „Münster.Innovation“ der Standortentwicklungs-
strategie 2030+ und sind zugleich wichtige Schwerpunktthemen im deutsch-niederländischen
Innovations- und Technologienetzwerk TECH.LAND.
Unterstützung der Umsetzung der Projekte und Markenbildung des deutsch-niederländischen
Netzwerks zur Innovations-, Technologie- und Wirtschaftsentwicklung TECH.LAND:
TECH.LAND steht für die Entwicklung einer gemeinsamen Wirtschaftsregion im „Herzen Eu-
ropas“ und fokussiert dabei auf abgestimmte grenzüberschreitende Technologiethemen. Diese
decken sich mit den Themen der Standortentwicklungsstrategie 2030+ wie GreenTech (Batte-
ries, Hydrogen), „Health & Medtech“, „Circular Economy“ sowie Gründungsförderung.
Die Stärkung der deutsch-niederländischen Zusammenarbeit wird auch auf Ebene der Organisations-
spitzen vorangetrieben. Bei den sogenannten Double-Triple-Helix-Gesprächen stimmen die Spitzen
von Stadt Münster, Universität Münster und IHK Nord Westfalen mit den entsprechenden Partnern
der Stadt Enschede, der Universität Twente und dem Twente Board wichtige Schritte für die Stärkung
der Zusammenarbeit, z. B. für ein gemeinsames internationales Standortmarketing, ab.
Die Eckpunkte für die Stärkung der Zusammenarbeit zwischen den Partnerstädten Münster und En-
schede legt das „Memorandum of Understanding“ (MoU) fest, das am 19.11.2024 unterzeichnet wur-
de. Beide Städte bekräftigen darin, die deutsch-niederländische Region zu einer starken Wirtschafts-
region zu entwickeln, die kulturelle Zusammenarbeit zu intensivieren, sich in internationalen Städte-
netzwerken zu engagieren und ein grenzübergreifendes Miteinander der Bürgerinnen und Bürger zu
fördern. Die konkreten Maßnahmen enthält ein jährlicher Aktionsplan. Aus Sicht der Standortentwick-
lungsstrategie 2030+ ist hervorzuheben, dass mit der vereinbarten engen Zusammenarbeit der bei-
den Verwaltungen insbesondere auch Marke TECH.LAND, die Zusammenarbeit im Gesundheitswe-
sen („Förderung einer 360-Grad-Gesundheits- und Innovationsregion“) und eine bessere Erreichbar-
keit und Anbindung der Region unterstützt werden soll.
In Vertretung
gez.
gez.
Markus Lewe Robin Denstorff
Oberbürgermeister Stadtbaurat
Anlagen:
Anlage 1: Abschlussbericht „Standortentwicklungsstrategie Münster 2030+“
Anlage 2a: Karte „Standortentwicklungsstrategie 2030+ - Sicherung und Entwicklung strategischer
Wirtschaftsstandorte“
Anlage 2b: Karte „Standortentwicklungsstrategie 2030+ - Sicherung und Entwicklung strategischer
Wirtschaftsstandorte: Einzelhandels- und Zentrenkonzept (2018) mit Planungen für neue
Stadtteilzentren“
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V/0769/2024
Anlage A
3646 Zeichen
Anlage A zur V/0769/2024 Kurzüberblick Um den Wirtschaftsstandort Münster zukunftsorientiert weiterzuentwickeln und die Chancen der laufenden Transformationsprozesse nutzen zu können, hat die Stadt Münster in einem dialogori- entierten Prozess mit den Interessensvertretungen der Wirtschaft und der Arbeitnehmerinnen/- nehmer, zahlreichen Akteurinnen und Akteuren der Wirtschaft und der Wissenschaft, wirtschafts- orientierten Netzwerken sowie mit Unterstützung der Prognos AG die Standortentwicklungsstra- tegie 2030+ erarbeitet. Ziele/Teilziele/Zielerreichung Folgende Leitorientierungen aus dem ISM-Prozess werden unterstützt: Wir werden einer der führenden Bildungs-, Wissenschafts-, Forschungs- und Entwicklungs- standorte in Europa Wir werden als Wirtschaftsstandort die Stadt des dynamischen Mittelstandes in Nordrhein- Westfalen Wir werden das unverwechselbare Stadtbild bewahren und die City als Ort der Begegnung, als Marktplatz und als Motor der Stadtentwicklung stärken Wir werden Münster auf der Basis unserer Geschichte und des Prinzips von „Toleranz durch Dialog“ zu einer weltoffenen Stadt weiterentwickeln Finanzierung Produktgruppe: 09.01 der PG Bezeichnung der PG Stadt- und Regionalentwicklung, Stadtplanung Auswirkungen auf den Ergebnisplan Ja X Nein Auswirkungen auf den Finanzplan Ja X Nein Im beschlossenen (Nachtrags-)Haushaltsplan JJJJ enthalten? Ja Nein teilw. Im Entwurf des (Nachtrags-)Haushaltsplan JJJJ enthalten? Ja Nein teilw. Belastungen in zukünftigen HH-Jahren? Ja Nein Bereits veranschlagt? Ja Nein Pflichtigkeitsgrad Die Maßnahme/Leistung ist vollständig pflichtig überwiegend pflichtig X überwiegend freiwillig vollständig freiwillig Eine leistungsfähige und dynamische Wirtschaft ist zentral für das Gemeinwohl in Münster und im Münsterland. Sie bietet Arbeitsplätze und schafft Einkommen, was eine Schlüsselressource für die soziale Teilhabe ist. Hierzu zählt vor allem auch der Zugang zum Wohnungsmarkt. In den letz- ten Jahren ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Münster deutlich gestie- gen und nimmt auch im NRW-Vergleich einen Spitzenwert ein. Zugleich speist eine stabile und zukunftsorientierte Wirtschaftsstruktur über die Gewerbesteuer, den Gemeindeanteil an der Einkommenssteuer und den Gemeindeanteil an der Umsatzsteuer den städtischen Haushalt. Hiermit werden die kommunale Handlungsfähigkeit sichergestellt und wichtige Handlungsmöglichkeiten für alle Politikfelder geschaffen. Die Erarbeitung der Standortentwicklungsstrategie 2030+ wurde mit einem Haushaltsbegleitan- trag beschlossen. Unmittelbare, grundsätzliche Relevanz für Querschnittsthemen (Demographie, Gleichstellung, Inklusion, Klimaschutz, Migration) Die Standortentwicklungsstrategie berücksichtigt die v.g. Querschnittsthemen ausdrücklich: Gleichstellung: Das Ziel der Gleichstellung wurde konsequent in der Analysephase, der Stra- tegiephase, der Projektphase und der Umsetzungsphase berücksichtigt. Inklusion: Die Strategiephase berücksichtigt das Thema der Inklusion. Umsetzungsorientiert werden inklusionspolitische Anliegen in der Projektphase einfließen. Migration: Die Bedeutung der Migration wurde auf Strategie- und Projektphase berücksich- tigt. Demographie: Die Standortentwicklungsstrategie berücksichtigt das Thema „Demo graphie“ über das sektorale Stärkefeld „Gesundheits-/Präventivwirtschaft“, auf Strategieebene sowie auf Projektebene sowie über das Thema „Arbeits-/Fachkräfte“. Klimaschutz/Dekarbonisierung wird ausdrücklich auf Strategie - und Projektebene berück- sichtigt.
Beratungsverlauf (7)
Orte (17)
- Busso-Peus-Straße
- Steinfurter Straße 60a
- Mendelstraße 11
- Austermannstraße
- Theodor-Scheiwe-Straße
- Nieberdingstraße
- Wienburgstraße
- Klemensstraße 10
- Goethestraße 85
- Heitmannsweg
- Albersloher Weg 33
- Hessenweg
- Am Hawerkamp
- Schifffahrter Damm
- An der Kleimannbrücke
- Siemensstraße
- Kinderhaus
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Aktenzeichen
- V/0769/2024
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 29.11.2024
- Erstellt
- 26.11.2024 17:35