V/0487/2021
MünsterZukünfte 20|30|50: Zentrale Ergebnisse und weiteres Vorgehen
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Anlage_3_A_V_0487_2021_ISEK_Baustein A_Einfuehrung_Uebersicht
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Dezernat für Planung, Bau und Wirtschaft Integriertes Stadtentwicklungskonzept Münster 2030 ISEK MÜNSTER 2030 Baustein A: Das ISEK in den MünsterZukünften – Einführung und Übersicht Anlage 3 A zur Vorlage V/0487/2021 Impressum AUFTRAGGEBERIN Stadt Münster vertreten durch Dezernat für Planung, Bau und Wirtschaft Stadtbaurat Robin Denstorff Stadtplanungsamt Stabsstelle »Strategische Stadtentwicklung, Wissenschaftsstadt« Albersloher Weg 33 48155 Münster Ansprechpartner: Prof. Dr. Thomas Hauff, Marc Gottwald-Kobras Münster Marketing Wissenschaftsbüro, Projektbüro MünsterZukünfte 20 | 30 | 50 Klemensstraße 10 48143 Münster Ansprechpartner: Dr. Matthias Schmidt, Dominik Czeppel Weiterführende Informationen: www.stadt-muenster.de/zukuenfte und www.zukunft-muenster.de EXTERNES PLANUNGSTEAM scheuvens + wachten plus Friedenstraße 18 44139 Dortmund NetzwerkStadt GmbH Auf dem Hilf 50 58239 Schwerte M.Sc. Ronja Decker M.Sc. Susann Hollbach B.A. Christoph Schökel Prof. Dr.-Ing. Klaus Selle Prof. Kunibert Wachten Münster/Dortmund/Schwerte, Dezember 2020 Inhalt BAUSTEIN A – DAS ISEK IN DEN MÜNSTER ZUKÜNFTEN - EINFÜHRUNG UND ÜBERSICHT Vorspann 4 Der Zusammenhang: Die »MünsterZukünfte 20 | 30 | 50« 5 Prozessschema 14 Ein ISEK für Münster: Was? Warum? Wozu? 16 Die Arbeitsphasen im Schnelldurchlauf 19 Die Erarbeitung des ISEK als kommunikativer Prozess 21 Die Ergebnisse im Schnelldurchlauf 28 Quellen / Anmerkungen 52 4 ISEK Münster 2030 | Baustein A: Das ISEK in den MünsterZukünften Vorspann Das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) Münster 2030 ist T eil eines laufen- den Prozesses, in dem sich die Stadt mit aktuellen und zukünftigen Aufgaben ausein- andersetzt: Diese »MünsterZukünfte 20 | 30 | 50« umfassen mehrere, untereinander verbundene Arbeitsstränge (Abb. S. 14/15) – mit langfristigen Szenarien, Bürgerum - fragen, intensiven Dialogen in und mit der Stadtgesellschaft sowie der Erarbeitung eines Integrierten StadtentwicklungskonzeptesA. Mit diesem ISEK Münster 2030 soll ein Orientierungsrahmen für die Entwicklung der wachsenden Stadt Münster im nächsten Jahrzehnt geschaffen werden. Zugleich entsteht so eine wichtige Vorausset- zung für die zukünftige Inanspruchnahme von Städtebauförderungsmitteln. Die Erarbeitung dieses Konzeptes wird in einer fünfteiligen Berichterstattung doku - mentiert. Sie umfasst: • Baustein A: Das ISEK in den MünsterZukünften – Einführung und Übersicht • Baustein B: Schlüsselpersonengespräche • Baustein C: Zehn Leitthemen für Münster • Baustein D: Die Stadtforenprozesse • Baustein E: Bilanz 2020: Räumliches Leitbild In dem hier vorliegenden Baustein A geht es insbesondere darum, den Zusammen - hang zu verdeutlichen, in den die Erarbeitung des Stadtentwicklungskonzeptes einge- bettet ist sowie die Ergebnisse des umfassenden Prozesses in Kurzform darzustellen. Die Stadt Münster verfolgt eine besonders anspruchsvolle Vorgehensweise. Sie zeich- net sich durch einen langen Atem und eine Vielfalt von Zugängen aus (Kap. 1: Der Zu- sammenhang: Die »MünsterZukünfte 20 | 30 | 50«). Zugleich wird erläutert, welche Rolle ein Integriertes Stadtentwicklungskonzept in diesem Zusammenhang hat (Kap. 2: Ein ISEK für Münster: Was? Warum? Wozu?), wie es erarbeitet wurde (Kap. 3: Die Arbeitsphasen im Schnelldurchlauf) und welche Bedeutung dabei der Kommunikati- on zwischen allen T eilen der Stadtgesellschaft zukommt (Kap. 4: Die Erarbeitung des Stadtentwicklungskonzeptes als kommunikativer Prozess). Zudem wird in diesem Baustein eine Kurzübersicht über die wesentlichen Ergebnisse der einzelnen Arbeits- phasen gegeben (Kap. 5: Die Ergebnisse im Schnelldurchlauf). Auch nach dem Abschluss des eigentlichen ISEK-Prozesses wird die Arbeit an der Stadtentwicklung Münsters als Gemeinschaftsaufgabe weiter gehen. Es wurden schon einige »Baustellen« in Angriff genommen. Andere kommen dazu. Wir hoffen, dass mit dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept ein Orientierungs - rahmen für die vielen Einzelaufgaben vorliegt, vor allem aber auch, dass der begonne- ne – und etwa mit den Stadtforen erprobte – ressortübergreifende und vielstimmige Dialog Fortsetzung findet. Ergänzungen und ausführlichere Nach - weise zu den Angaben in den Randspal - ten finden sich am Schluss dieses Be - richtsteiles A Über die MünsterZukünfte 20 | 30 | 50 wird laufend im Internet berichtet: www.zukunft-muenster.de 5Der Zusammenhang: Die »MünsterZukünfte 20 | 30 | 50« Der Zusammenhang: Die »MünsterZukünfte 20 | 30 | 50« Das Integrierte Stadtentwicklungskonzept Münster 2030, kurz: ISEK, von dem hier zu berichten ist, steht nicht allein. Es ist vielmehr T eil eines umfassenden Zukunfts- prozesses, der den Titel »MünsterZukünfte 20 | 30 | 50« trägt. Schon dieser Titel si - gnalisiert Besonderes: Nicht von der einen Zukunft ist die Rede, sondern von vielen. Denn in der T at eröffnet sich mit Blick nach vorn stets ein Spektrum an Optionen. Und sie stellen sich aus unterschiedlichen Perspektiven auch durchaus unterschied - lich dar. Und: Nicht ein Zeithorizont wird in den Blick genommen, sondern mehrere. Die übliche zehn- bis fünfzehnjährige Spanne für strategische Überlegungen der Stadt - planung wird hier ergänzt durch die Erkenntnis, dass man auch darüber hinaus den- ken muss – in Zukünfte, die noch vage erscheinen, aber dennoch von Bedeutung sein können. Zudem sind manche Aufgaben drängend und dulden keinen Aufschub. Daher ist auch der kurzfristige Horizont, das Handeln in der unmittelbaren Zukunft von Bedeutung. Wer sich auf solche Weise mit Zukünften auseinandersetzt, wird auch auf differen - zierte Weise vorgehen müssen. Genau das geschieht in Münster und macht diesen Prozess zu einem Besonderen.A Der Prozess der »MünsterZukünfte 20 | 30 | 50« setzt sich aus drei konkreten »Strän- gen« zusammen (Abbildung oben). Diese vernetzten Parallelprozesse ermöglichen durch die Einbeziehung unterschiedlicher Zielgruppen und Herangehensweisen ei - nen differenzierten Blick auf die Zukunft Münsters, um sie gemeinsam und aktiv gestalten zu können. Im Folgenden wird ein kurzer Überblick über die jeweiligen Handlungsansätze und die inhaltlichen Schwerpunkte der »Stränge« gegeben. SZENARIOANALYSE, BÜRGERUMFRAGE INTEGRIERTES STADTENTWICKLUNGS- KONZEPT 2030 STADTSTRATEGIE MÜNSTER 20 | 30 | 50 VORARBEITEN FACHPLANUNGEN WEITERFÜHRENDE SCHRITTE ZUKUNFTSMACHER, GUTES MORGEN MÜNSTER A der inzwischen schon Eingang in ein Schulbuch gefunden hat: T erra, Erdkun- de 3 für Gymnasien (Klett Verlag) Abbildung 1: Die drei Stränge der MünsterZukünfte SZENARIEN FÜR MÜNSTERS ZUKUNFT Welche Faktoren beeinflussen die Zukunftsentwicklung unserer Stadt mittel- und auch langfristig? Welches sind die wichtigsten Stellschrauben dafür, dass sich Müns- ter auch weiterhin positiv entwickelt? Diese Fragen standen im Mittelpunkt zweier Umfragen und umfassender Analysen, welche vom betriebswirtschaftlichen Institut für System- und Anlagentechnologien der Westfälischen Wilhelms-Universität Müns- ter in Kooperation mit der Stadt Münster durchgeführt wurden. Wichtigste Ergebnisse der Szenarioanalyse, bei welcher sich fast 17.000 Bürgerinnen und Bürger über ihre T eilnahme an Umfragen und an Workshops eingebracht haben sind: Eine weiterhin positive Entwicklung Münsters hängt ganz wesentlich von drei Faktoren ab von einer starken Wissenschaftsstadt, einem dynamischen Wirtschafts - standort sowie von den Münster-Werten die geprägt sind von starkem bürgerschaft - lichen Engagement. Letzteres trägt ganz wesentlich zum starken Zusammenhalt der Gesellschaft bei. Zudem zeigt die Analyse sehr deutlich, dass die für eine auch wei - terhin positive Zukunftsentwicklung erforderlichen Weichenstellungen nicht alleine von der Stadt vorgenommen werden können: eine enge Zusammenarbeit mit Wis - senschaft, Wirtschaft und Stadtgesellschaft ist zwingend erforderlich. Insgesamt be - stätigt die Untersuchung die im Stadtentwicklungskonzept herausgearbeiteten Leit - themen als die zentralen Bausteine für die Zukunftsentwicklung Münsters. Mit der Szenarioanalyse liegt ein wichtiger Baustein für Münsters Zukunftsstrate - gie vor, der bei der Erarbeitung des Stadtentwicklungskonzeptes als Maßstab genutzt wird und die Münster-Strategie »zukunftsrobust« macht, da auch auf unerwartete Entwicklungen rasch reagiert werden kann.B B Der vollständige Bericht und weitere Erläuterungen sind unter www.zukunft- muenster.de/szenarios abrufbar. Abbildung 3: Das „Wert-volle Münster“ als Zielszenario BÜRGERUMFRAGE 2018 Um die Informationsgrundlagen für die Erarbeitung des Integrierten Stadtentwick - lungskonzeptes Münster 2030 (ISEK 2030) als T eil der MünsterZukünfte 20|30|50 zu verbreitern und die Bevölkerung in die Standortbestimmung für das ISEK mit einer Zufallsstichprobe einzubeziehen, wurde die Bürgerumfrage 2018 zu diesem Schwer- punktthema durchgeführt. Die Ergebnisse sind im Hinblick auf die Frage nach den größten Chancen für Müns- ters Zukunft 2018 eindeutig: Die Hochschulen in der Stadt und das gesamte Thema »Wissenschaft« stehen mit 16,8 Prozent der Nennungen unangefochten an der Spit- ze. Es folgen die Bereiche »Wirtschaftsstruktur/Arbeitsplätze« (9,9 Prozent), »Mehr Sozialwohnungen/bezahlbare Wohnungen« (9,5 Prozent), »Attraktivität für Besu - cher/T ouristen« und eine Reihe von Verkehrsthemen (autofreie Zonen, Radwege/ Velorouten, öffentlicher Nahverkehr, Fahrradfreundlichkeit). Die wichtige Rolle, die die Befragten den Hochschulen zumessen, wird auch bei der Frage nach den bedeutendsten Angeboten und Einrichtungen in Münster deutlich: 76 Prozent halten die Westfälische Wilhelms-Universität, die FH Münster und weitere Hochschulen in der Stadt für »sehr bedeutend«. Die herausragende Stellung der Spit- zenreiter wird dadurch unterstrichen, dass an zweiter Position das »Universitätsklini- kum« folgt (68 Prozent »sehr bedeutend«). Hochschulen und Universitätsklinikum können im Vergleich zu 2007 ihre Werte mit plus zehn bzw. plus neun Punkte weiter ausbauen. Es schließen sich dann die »Leuchttürme« der Altstadt (Prinzipalmarkt: 66 Prozent »sehr bedeutend«, Promenade: 64 Prozent, Domplatz/Markt: 59 Prozent) und der Aasee (59 Prozent) an. Zukünftige Risiken für Münster sehen die Befragten besonders in den Bereichen »Wohnen« (43,5 Prozent) und »Verkehr« (23,4 Prozent). Es folgt der Bereich »Gentri- fizierung/Segregation/Ghettobildung« (16,4 Prozent). Darüber hinaus bleibt aus Sicht der MünsterZukünfte festzuhalten, dass sich Hinwei- se zur Digitalisierung vorwiegend im Bereich der Risiken finden. T rotz der benannten Risiken artikulieren die Bürgerinnen und Bürger eine hohe Zufriedenheit mit ihrer Stadt. Im Allgemeinen »sehr zufrieden« sind 36 Prozent, weitere 51 Prozent sind »zufrieden«.C C Weitere Informationen auch zur Me - thodik finden sich unter: www.stadt-mu - enster.de/stadtentwicklung/kommunale- umfragen.html (Bürgerumfrage 2018) GUTES MORGEN MÜNSTER Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und Institutionen aus Münster wurden be - reits 2015 unter dem Titel »Gutes Morgen Münster« aufgerufen, ihre Projekte einzu- reichen, die Münsters Sicht auf heute verändern und morgen besser machen sollen. Das Engagement war mit 311 eingereichten zukunftsweisenden Projekten überwälti - gend. Diese Strategie von »Gutes Morgen Münster«, den Blick auf all die Macherinnen und Macher zu richten, die bereits auf ihre Weise die Zukunft der Stadt gestalten, ist nicht nur der frühe Wegbereiter der MünsterZukünfte, sondern die Grundlage für die Ent- wicklung eines Experimentierlabors für innovative Beteiligungsformate, die das En - gagement der Bürgerinnen und Bürger für ihre Stadt sichtbar machen, um sie in den Zukunftsprozess zu integrieren. Und mit diesem Kreis der Zukunftsmacherinnen und -macher geht es kontinuierlich weiter, denn nach dem Motto »etwas zeigen, etwas fragen, etwas planen« wurden die- se 2017 aufgerufen, in Zukunftsspaziergängen ihr Quartier oder Stadtteil vorzustellen. Dazu kamen die Spitzen aus Verwaltung und Politik an sechs verschiedenen Orten zu- sammen und konzentrierten sich zunächst nur auf Eines: Den Zukunftsmacherinnen und -macher zu folgen und ihren Herausforderungen und Chancen für die Zukunft ih- res Stadtteils zuzuhören. Daraus entwickelten sich teilweise umfangreiche Folgeprozes- se, wie das Beispiel des Zukunftsspaziergangs im Wissenschaftspark beweist, denn im Jahr darauf wurde bereits der Letter of Intent (LoI) zur „ Wissenschaftsstadt der Zukunft“ von den Spitzen von WWU Münster, FH Münster, UKM, Studierendenwerk, Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW sowie der Stadt Münster unterzeichnet. Durch den Wettbewerb »Vielfalt machen« im Jahr 2018 wurde der Kreis der Gutes Morgen-Projekte auf über 400 Personen und Institutionen erweitert, die den Begriff der Vielfalt zukunftsorientiert in Münster prägen. Durch diesen großen Erfahrungs - pool konnte auch die vielfältige Expertise der Stadtgesellschaft in alle Stadtforen ein- gebunden werden, denn die Zukunftsmacherinnen und -macher haben stets an den »Bänken« (s. S. 25 zu den Prinzipien eines Stadtforums) diskutiert und mitgestaltet. In den jüngsten Projekten standen erstmals Kinder und Jugendliche im Fokus. Mit di- gitaler Unterstützung durch die App #stadtsache haben sie die Vielfalt in ihrem Schul- umfeld untersucht unter der Fragestellung: Was ist schon gut und was kann noch ver- bessert werden? Feedback zu den Ideen gab es dann – ganz analog – im persönlichen Gespräch mit den Fachplanerinnen und Fachplanern in der Verwaltung und Oberbür- germeister Lewe. Im zweiten Modellprojekt, in welchem Schülerinnen und Schüler Ideen zur Stadt - planung entwickelt haben, wurde ein neues Format der Partizipation erprobt, das digitale und analoge Elemente verbindet. Mit Gutes Morgen Münster ist es gelungen, den Prozess der MünsterZukünfte in der Gesellschaft zu verankern und sehr schnell konkrete Ergebnisse sichtbar zu machen.D D Alle aktuellen Entwicklungen sind auf www.gutes-morgen.ms abrufbar. 12 ISEK Münster 2030 | Baustein A: Das ISEK in den MünsterZukünften INTEGRIERTES STADTENTWICKLUNGSKONZEPT MÜNSTER 2030 Die Arbeit am Integrierten Stadtentwicklungskonzept startete nach den ersten Etap - pen des Zukunftsprozesses. Im Jahr 2018 begann die Aufarbeitung aller bislang be - reits vorliegenden programmatischen und planerischen Vorarbeiten. Denn ein sol - ches Stadtentwicklungskonzept beginnt nicht mit einem leeren Blatt, sondern baut auf, knüpft an, entwickelt weiter. Parallel dazu wurden eigene Bestandsaufnahmen durchgeführt und vor allem in einer großen Interviewserie die Perspektiven der Stadt- gesellschaft auf die Stadtentwicklung erfasst (s. Baustein B). Die gleichen Fragen, mit denen die Schlüsselpersonen in den Interviews konfrontiert wurden, wurden im Übrigen auch in einer Bürgerumfrage einer repräsentativen Auswahl von Einwohne- rinnen und Einwohnern gestellt (s.u.). Auf dieser komplexen Grundlage konnten dann zehn Themen identifiziert werden, die in besonderer Weise integrierter Bearbeitung bedürfen. Die Bearbeitung dieser Themen wurde direkt in Angriff genommen – unter anderem mit Verwaltungswerk- stätten und Stadtforen. Darüber wird hier (Kap. 3, Kap. 5) und in den weiteren Bau - steinen der ISEK-Berichterstattung ausführlicher informiert (s. Baustein C und D). Zudem wurden bereits erste konkrete Aufgaben vorangetrieben, deren Dringlichkeit sich aus der bis dahin geleisteten Arbeit am ISEK ergab: Das gilt etwa für die sich dynamisch entwickelnde Hochschullandschaft und die darauf gerichtete Einleitung eines Planungsprozesses mit allen Beteiligten, der die Voraussetzung für die Schaf - fung neuer »Urbaner Wissensquartiere« schaffen soll.E Auch verschiedene konkrete Standorte für wichtige Entwicklungsmaßnahmen in der Stadt wurden und werden bereits in den Blick genommen, so insbesondere auch die Innenstadt, deren Zukunft im Lichte der COVID-19-Folgen noch einmal in etwas anderer Perspektive zu sehen ist. Damit sind die drei Stränge des MünsterZukünfte-Prozesses beschrieben – ohne dass das Bild des Engagements für integrierte Stadtentwicklung damit schon vollständig wäre. WESENTLICHE VORARBEITEN UND ERGÄNZENDE AKTIVITÄTEN Ausdrücklich als Grundlage und wesentliche Vorarbeiten des ISEK zu benennen sind etwa die in der Nachhaltigkeitsstrategie Münster 2030 und dem Masterplan 100% Klimaschutz hergeleiteten und zusammengefassten programmatischen Aussagen, mit denen sich Münster als Stadt erweist, die in besonderer Weise um nachhaltige Stadtentwicklung bemüht ist (vgl. hierzu die Abbildung »Vorarbeiten« und die tabel- larische Übersicht in Baustein C). Eine wesentliche Ergänzung der Aussagen des ISEK zur Problem- und Aufgabenwahrnehmung auf Seiten der Stadtgesellschaft stellt zudem die 2018er Ausgabe der Bürgerumfrage dar.F Mit den Antworten auf die Fragenkomplexe »Leben in Münster« und »Stadtentwicklung - heute und morgen« wird die empirische Basis für die Ausgangspunkte der MünsterZukünfte 20 | 30 | 50 wesentlich gestärkt. Münster ist nicht nur um Nachhaltigkeit bemüht, sondern – eng damit verbunden – E Hier ist inzwischen mit Abschluss der Internationalen Ideenwerkstatt Münster „Zukunft der Wissenschaftsstadt“ eine entscheidende Grundlage gelegt, https://www.zukunft-muenster.de/ideen- werkstatt/ F Die Ergebnisse der Bürgerumfrage können online eingesehen werden unter www.stadt-muenster.de/stadtentwick - lung/kommunale-umfragen.html auch um die T eilhabe der Stadtgesellschaft. Das gilt in besonderer Weise für die Wert- schätzung des Engagements in allen Lebensbereichen, die unter anderem auch mit den zivilgesellschaftlichen Zukunftsakteuren im Prozess der MünsterZukünfte zum Ausdruck gebracht wird (s.o.). Das gilt aber auch für die bürgerschaftliche T eilhabe an Planungs- und Entscheidungsprozessen. So wurde die Auseinandersetzung mit der Frage, wie diese Bürgerbeteiligung gestärkt und im laufenden Handeln von Politik und Verwaltung nachdrücklicher verankert werden kann, auch im ISEK-Prozess auf- geworfen und unter anderem in einem Hearing ausführlicher behandelt (Kurzbericht dazu in Baustein C). 13Der Zusammenhang: Die »MünsterZukünfte 20 | 30 | 50« MÜNSTERSCHE STADT-LANDSCHAFT STADTVERTRÄGLICHE MOBILITÄT VIELFAL T UND SOZIALER ZUSAMMENHAL T MÜNSTER UND SEINE NACHBARN FACETTEN ÖKONOMISCHER STÄRKE DIGITALISIERUNG FINDET STADT VIELFAL T DER STADTTEILE URBANE WISSENSQUARTIERE LEISTBARES WOHNEN INNENSTADT IST MEHR ... ZIELE FÜR NACHHAL TIGE ENTWICKLUNG Abbildung 10: Zusammenhang zwischen den Sustainable Development Goals, dem Masterplan Klimaschutz 2030 und den Leitthemen des ISEK 14 ISEK Münster 2030 | Baustein A: Das ISEK in den MünsterZukünften INTEGRIERTES STADTENTWICKLUNGS- KONZEPT BÜRGERUMFRAGE (2018) ISEK- Dokumentation BAUSTEIN B: »Schlüssel- personengespräche« BAUSTEIN C: »Zehn Leitthemen für Münster« BAUSTEIN D: »Die Stadtforen- prozesse« BAUSTEIN A: »Einführung und Übersicht« BAUSTEIN E: »Bilanz 2020: Räumliches Leitbild« WEITERFÜHRENDE SCHRITTE ... GRUND- LAGEN- ERMITTLUNG SCHLÜSSEL- PERSONEN- GESPRÄCHE ENTWICKLUNG DER LEITTHEMEN ERÖRTERUNG DER LEITTHEMEN WETTBEWERB: VIELFAL T MACHEN EINE SZENARIOANALYSE FÜR DIE ZUKUNFTSHORIZONTE 2030 / 2050 ZUKUNFTS- SPAZIERGÄNGE #STADTSACHEZUKUNFT . ZUHAUSE. MÜNSTER SZENARIO- ANALYSE / BÜRGER- UMFRAGE GUTES MORGEN MÜNSTER Urbane Wissensquartiere Innenstadt ist mehr ... Münstersche Stadt-Landschaft Vielfalt der Stadtteile Münster und seine Nachbarn Digitalisierung findet Stadt Facetten ökono- mischer Stärke Vielfalt und sozialer Zusammenhalt Stadtverträgliche Mobilität Leistbares Wohnen Masterplan Mobilität 2035+, S-Bahn Münsterland, Velo- routen, Radverkehrskonzept 2.0 ... Smart City Allianz, Smarte Quartiere Oxford und York, Smart Parking, WDR-Neubau ... Umsetzung MONT , Partnerschaft Enschede, Münster- land-Strategie, Umsetzung stadtregionaler Kontrakt ... zahlreiche Stadtteilentwicklungskonzepte, Ausbau Quar- tiersmanagement, Stärkung Ortsteilmitten u. Dritte Orte ... Integriertes Handlungskonzept Innenstadt, Entwicklungen: Martiniviertel / Hörster Parkplatz, Hafen, Schlossareal ... Integrierte Freiflächen- und Siedlungsstrategie, Landwirtschaftsbeauftragte(r) ... Baulandprogramm, SoBoMü, Stärkung Vergabe Erbbau- recht, Konzeptvergabe, Neue urbane Stadtquartiere ... Wissenschaftsstadt der Zukunft: Internat. Ideenwerkstatt, Masterplanung, Konkretisierung von Bauvorhaben ... FÜR BAUSTEIN A,B,C,D Integrierte Handlungskonzepte (u.a. Soziale Stadt) für Kinderhaus-Brüningheide, Coerde, Berg Fidel ... Gewerbeflächenentwicklungskonzept, Standortentwicklungs- strategie, Zukunftsquartiere für Wohnen und Arbeiten ... Abbildung 11: Prozessschema zu den drei Strängen der MünsterZukünfte 15 INTEGRIERTES STADTENTWICKLUNGS- KONZEPT BÜRGERUMFRAGE (2018) ISEK- Dokumentation BAUSTEIN B: »Schlüssel- personengespräche« BAUSTEIN C: »Zehn Leitthemen für Münster« BAUSTEIN D: »Die Stadtforen- prozesse« BAUSTEIN A: »Einführung und Übersicht« BAUSTEIN E: »Bilanz 2020: Räumliches Leitbild« WEITERFÜHRENDE SCHRITTE ... GRUND- LAGEN- ERMITTLUNG SCHLÜSSEL- PERSONEN- GESPRÄCHE ENTWICKLUNG DER LEITTHEMEN ERÖRTERUNG DER LEITTHEMEN WETTBEWERB: VIELFAL T MACHEN EINE SZENARIOANALYSE FÜR DIE ZUKUNFTSHORIZONTE 2030 / 2050 ZUKUNFTS- SPAZIERGÄNGE #STADTSACHEZUKUNFT . ZUHAUSE. MÜNSTER SZENARIO- ANALYSE / BÜRGER- UMFRAGE GUTES MORGEN MÜNSTER Urbane Wissensquartiere Innenstadt ist mehr ... Münstersche Stadt-Landschaft Vielfalt der Stadtteile Münster und seine Nachbarn Digitalisierung findet Stadt Facetten ökono- mischer Stärke Vielfalt und sozialer Zusammenhalt Stadtverträgliche Mobilität Leistbares Wohnen Masterplan Mobilität 2035+, S-Bahn Münsterland, Velo- routen, Radverkehrskonzept 2.0 ... Smart City Allianz, Smarte Quartiere Oxford und York, Smart Parking, WDR-Neubau ... Umsetzung MONT , Partnerschaft Enschede, Münster- land-Strategie, Umsetzung stadtregionaler Kontrakt ... zahlreiche Stadtteilentwicklungskonzepte, Ausbau Quar- tiersmanagement, Stärkung Ortsteilmitten u. Dritte Orte ... Integriertes Handlungskonzept Innenstadt, Entwicklungen: Martiniviertel / Hörster Parkplatz, Hafen, Schlossareal ... Integrierte Freiflächen- und Siedlungsstrategie, Landwirtschaftsbeauftragte(r) ... Baulandprogramm, SoBoMü, Stärkung Vergabe Erbbau- recht, Konzeptvergabe, Neue urbane Stadtquartiere ... Wissenschaftsstadt der Zukunft: Internat. Ideenwerkstatt, Masterplanung, Konkretisierung von Bauvorhaben ... FÜR BAUSTEIN A,B,C,D Integrierte Handlungskonzepte (u.a. Soziale Stadt) für Kinderhaus-Brüningheide, Coerde, Berg Fidel ... Gewerbeflächenentwicklungskonzept, Standortentwicklungs- strategie, Zukunftsquartiere für Wohnen und Arbeiten ... Prozessschema Mit der Identifizierung und Erörterung der zehn zentralen Leitthemen für die zukünftige Stadtentwicklung Münsters ist der Prozess der Integrierten Stadtentwick- lung keineswegs abgeschlossen. Und – das zeigt sich während der Erarbeitung des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts – in vielen Themenbereichen werden bereits weitere Prozesse angeschoben, konkrete Aufgaben parallel angegangen, Sofortmaßnahmen in die Wege geleitet und umgesetzt. Das gilt etwa für die sich dynamisch entwickelnde Hochschullandschaft und die darauf gerichtete Einleitung eines Planungsprozesses mit allen Beteiligten, der die Voraussetzung für die Gestaltung neuer »Urbaner Wissensquartiere« schaffen soll. Aber auch verschiedene konkrete Standorte für wichtige Entwicklungsmaßnah- men in der Stadt wurden und werden bereits in den Blick genommen, insbesondere die Innenstadt und verschiedene Entwicklungsschwerpunkte in den Stadtteilen. 16 ISEK Münster 2030 | Baustein A: Das ISEK in den MünsterZukünften Ein ISEK für Münster: Was? Warum? Wozu? Münster gehört zu den am stärksten wachsenden Städten in Nordrhein-Westfalen. Nach Angaben des Landesbetriebs IT .NRW zur Bevölkerungsentwicklung der NRW- Städte bis zum Jahr 2040 wird dieses Wachstum auch weiterhin anhalten: »Für 22 der 53 kreisfreien Städte und Kreise des Landes erwarten die Statistiker bis zum Jahr 2040 einen Zuwachs der Bevölkerung. Die höchsten Anstiege werden für Köln (+15,8 Pro- zent), Düsseldorf (+14,0 Prozent) und Münster (+13,9 Prozent) erwartet«.1 Die detailliertere Kleinräumige Bevölkerungsprognose 2015-2025A der Stadt Münster weist in die selbe Richtung. Sie wird zurzeit auf Basis relevanter lokaler Einflussfakto- ren wie der geplanten Erschließung neuer Baugebiete fortgeschrieben. Ein derartiges Stadtwachstum betraf und betrifft alle Bereiche des städtischen Lebens und bedeutet eine große Herausforderung – aber auch eine große Chance. Schon seit längerem ist diese Dynamik Münsters Ausgangspunkt und Gegenstand vieler aktueller Entwicklungsplanungen – wie etwa des Baulandprogramms, der Kita- und Schulausbauplanung, der Gewerbeflächenplanung oder auch in der Mobilitäts - planung. Aber es gibt viele Aufgaben, die sich nicht im Rahmen klassischer Ressortpläne und -programme allein bearbeiten lassen, sondern »quer« zu ihnen liegen und in besonderer Weise integrierter Herangehensweisen bedürfen. Das gilt zum Beispiel für den produktiven Umgang mit dem Entwicklungsdruck im Hochschul- und Wis - senschaftsbereich, das gilt für die Entwicklung der Stadtteile und ihrer Zentren und das gilt zweifellos auch für eine ausgewogene Siedlungs- und Freiraumentwicklung, denn trotz Wachstum sollen die landschaftlichen Qualitäten der Stadt nicht gefähr - det werden. Das sind nur Beispiele. Sie zeigen, dass die Gestaltung der zukünftigen Stadtentwicklung aus verschiedenen Perspektiven bedacht und ressortübergreifend angegangen werden muss. Sie zeigen zugleich, dass eine Integration besonders auf der räumlichen Ebene gelingen muss, denn dort sind die vielen Flächenansprüche, die sich aus dem Wachstum ergeben, sinnvoll und »münsterverträglich« miteinander in Beziehung zu bringen. Dazu soll das Integrierte Stadtentwicklungskonzept als Orientierungsrahmen für die mittelfristige Stadtentwicklungsplanung und -politik beitragen. Die Zahlenkette der MünsterZukünfte 20 | 30 | 50 signalisiert dabei bewusst drei Zeithorizonte: Zehn Jahre – also ein Zeitraum bis etwa zum Jahr 2030 – sind für ISEKs üblich. Insbe - sondere bei hoher Stadtentwicklungsdynamik sind spätestens dann Neujustierungen erforderlich. Aber manche Aufgaben dulden keinen Aufschub. Das wird durch den Hinweis auf 2020 signalisiert. In der T at ist die Stadt Münster ja schon an vielen Stel- len aktiv und wird diese Aktivitäten entlang der Erkenntnisse aus dem ISEK-Prozess laufend schärfen. 1 Landesbetrieb Information und T echnik Nordrhein-Westfalen (Hg.) (2019) A Weitere Informationen zur Bevölke - rungsprognose online unter https://www.stadt-muenster.de/stadtent- wicklung/bevoelkerungsprognosen.html 17 Aber das Denken in die Zukunft hinein kann sich nicht auf akuten Handlungsbedarf und das bis 2030 zu Leistende beschränken. Auch wenn die Perspektiven darüber hinaus vager werden mögen: Sie wollen bedacht sein, um sich für verschiedene Ent - wicklungen wappnen zu können. Im Prozess der MünsterZukünfte wurde wie oben beschrieben eine Szenarioanalyse durchgeführt, deren Ergebnisse ebenfalls in die Ar- beit am Integrierten Stadtentwicklungskonzept einflossen (vgl. S. 6-7). Stadtentwicklungskonzepte früherer Zeiten umfassten komplexe Zielsysteme für praktisch das gesamte Spektrum kommunaler Handlungsfelder. Und man verband damit die Vorstellung, dass sich sozusagen »von oben herab« jedes Detail der Stadt - entwicklung steuern ließe. Das hat sich als unrealistisch und wenig sinnvoll erwie - sen.2 Stadtentwicklungskonzepte heutiger T age konzentrieren sich daher auf Aufgaben, die in besonderer Weise integrierten Planens und Handelns bedürfen. Sie sind also vor - rangig auf Themen ausgerichtet, die sozusagen »zwischen« verschiedenen Ressorts angesiedelt sind. Ziel ist es, hierauf bezogen zu gemeinsamen Planungen und Maß - nahmen zu kommen (ohne dass das „Kerngeschäft“ der jeweiligen Ressorts unbe - dingt davon betroffen wäre). Selbstverständlich werden darüber hinaus bereits vorlie- gende integrierte Planungsansätze und Selbstverpflichtungen – in Münster sind dies z.B. Klimaschutz- und Nachhaltigkeitskonzepte – aufgegriffen. Und ebenso selbstver- ständlich bilden die normativen Ausgangspunkte solcher Ansätze und weiterer aktu- eller politischer Programmatik auch eine Wertebasis für die Arbeit am integrierten Stadtentwicklungskonzept. Zu dieser Wertebasis gehört auch die Einbeziehung der Stadtgesellschaft in die Suche nach Themen, die bei einer solchen Neujustierung von Bedeutung sind (s. Kap. 4). Integration bezieht sich aber nicht nur auf die Ressorts städtischer Verwaltungen. Da ganz viele Aufgaben der Stadtentwicklung des Zusammenwirkens Vieler bedürfen – man denke nur an die Handlungsfelder Wirtschaft oder Wohnen, Kultur oder So - ziales etc. – richtet sich das Bemühen um Integration auch auf die Einbeziehung der entsprechenden Akteure in den jeweiligen Handlungsfeldern. 20 30 50 Was bereits in Angriff genommen wurde, bzw. kurzfristig in Gang gesetzt wird. > Zukunftsmacher > Sofortprogramm aus dem ISEK Was auf mittlere Sicht mit integrierten Pro- jekten und Konzepten zu bearbeiten ist. > Integriertes Stadt- entwicklungskonzept 2030 > Szenarioanalyse Was auf lange Sicht zu bedenken ist. > Szenarioanalyse Abbildung 1: Die Zeithorizonte des ISEK 2 Ausführlicher dazu: Klaus Selle (2018): Vom großen Plan zum vielgestaltigen Prozess. Ein ISEK für Münster: Was? Warum? Wozu? 18 ISEK Münster 2030 | Baustein A: Das ISEK in den MünsterZukünften Zwei weitere Dimensionen sind gemeint, wenn von »integrierten« Konzepten der Stadtentwicklung gesprochen wird (s. auch die Abb. 2). Sie hängen eng mit den be - reits genannten zusammen: Wer Ressorts und Akteure zusammenbringt, wird nicht nur auf eine Maßnahme schauen, sondern Zusammenhänge, Abhängigkeiten und Wechselwirkungen in den Blick nehmen, also »maßnahmenübergreifend« denken und handeln. Um ein Beispiel zu nennen: Wer Mobilitätskonzepte erarbeitet, wird auch die Siedlungsentwicklung beachten, z.B. neuer Wohnstandorte. Dieses Beispiel verweist bereits auf die letzte Dimension, die zu berücksichtigen ist: Um die Veror - tung von Verkehrsflüssen und Wohnstandorten sinnvoll gestalten zu können, ist man gut beraten, nicht nur einen Stadtteil in den Blick zu nehmen, sondern auch in die Nachbarschaft zu schauen, auf das gesamte Stadtgebiet und – gerade beim Verkehr – auch darüber hinaus. Dies alles sind nur Beispiele, die sich auf ganz viele Aufga - ben der Stadtentwicklung übertragen lassen und die alle zeigen: Es muss integriert gedacht und gehandelt werden – ressort-, akteurs-, maßnahmen-, und raumübergrei- fend. Das ist ein hoher Anspruch. Er ist in der Vielfalt aller Handlungsfelder nicht dauer - haft durchzuhalten. Aber projektbezogen lässt er sich einlösen. Gerade darin liegt der besondere Wert eines Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes, genauer: des Prozes- ses seiner Erarbeitung. Denn in den zwei Jahren, die so eine Konzepterstellung in der Regel erfordert, geht es darum, Ressorts und Akteure zusammenzuführen, miteinan- der ins Gespräch zu kommen und nach Lösungswegen für Aufgaben zu suchen, die gemeinsamen Handelns bedürfen. Zusammenfassend lässt sich also sagen: Aufgabe des ISEK 2030 ist es, »Leitthemen« zu identifizieren, die in den nächsten Jahren besonderer Bemühungen um integrier- tes Planen und Handeln bedürfen und Schlüsselprojekte vorzubereiten. Abbildung 2: Dimensionen integrierten Handelns 19 Diese Leitthemen • greifen vorhandene Pläne und Programme auf, • bauen auf der vorhandenen, beschlossenen Ziel- und Wertebasis auf (v.a. Nach- haltigkeitsstrategie 2030 / Global Nachhaltige Kommune, Masterplan 100 % Klimaschutz, Gender Mainstreaming / Diversity, UN-Behindertenrechtskon - vention etc.), • bieten einen Orientierungsrahmen für die nächsten 5-10 Jahre, • laden zum gemeinsamen Handeln ein – denn viele Aufgaben bedürfen nicht nur des Zusammenwirkens von Ressorts, sondern auch der Mitwirkung von Akteuren aus Wirtschaft, Wissenschaft und Stadtgesellschaft. Die Arbeitsphasen im Schnelldurchlauf Der Arbeitsprozess am ISEK Münster 2030 lässt sich in vier Phasen gliedern: 1. Die erste Arbeitsphase war der Ermittlung von Ausgangspunkten verschiedener Art gewidmet. Es galt, Einschätzungen zur Situation Münsters und zum zukünftigen Handlungsbedarf seitens Politik, Verwaltung und Stadtgesellschaft in Erfahrung zu bringen, alle relevanten Vorarbeiten auszuwerten, um darauf aufbauen zu können, dies mit Zwischenergebnissen aus anderen Aktivitäten im Prozess der MünsterZu- künfte abzugleichen und durch gezielte eigene Bestandsaufnahmen zu ergänzen.A 2. Auf dieser Grundlage konnten dann in Phase 2 zehn Leitthemen, die integrierter Bearbeitung bedürfen, entwickelt und – als Entwurf – der Öffentlichkeit und den Begleitgremien des Zukunftsprozesses vorgestellt werden. B PHASE 1PHASE 2 Ortserkundungen mit unterschiedlichen Verkehrsmitteln Entwurf von zehn Leitthemen, die einer integrierten Betrachtung bedürfen + + + +Schlüsselpersonen- und Gruppengespräche Auswertung von Vor- arbeiten und aktuellen Programmen Vorstellung der Leitthemenentwürfe gegenüber der Öffentlichkeit und begleitenden Gremien Interner Abgleich MünsterZukünfte und Bürgerumfrage PHASE 1PHASE 2 Ortserkundungen mit unterschiedlichen Verkehrsmitteln Entwurf von zehn Leitthemen, die einer integrierten Betrachtung bedürfen + + + +Schlüsselpersonen- und Gruppengespräche Auswertung von Vor- arbeiten und aktuellen Programmen Vorstellung der Leitthemenentwürfe gegenüber der Öffentlichkeit und begleitenden Gremien Interner Abgleich MünsterZukünfte und Bürgerumfrage Ein ISEK für Münster: Was? Warum? Wozu? A Ausführliche Dokumentation der 1. Phase: Baustein B Abbildung 1: Übersicht zur Phase 1 des ISEK B Ausführliche Dokumentation der 2. Phase: Baustein C Abbildung 2: Übersicht zur Phase 2 des ISEK 20 ISEK Münster 2030 | Baustein A: Das ISEK in den MünsterZukünften 3. Von den abgestimmten Leitthemen ausgehend, begann der Prozess der weiteren Bearbeitung (Phase 3). In Verwaltungswerkstätten wurden die Themen ressort - übergreifend erörtert, fokussiert und in Stadtforumssitzungen unter Beteiligung eines breiten Akteurskreises diskutiert. Dieser Prozess dauert noch an, zumal auf- grund der politisch gefassten Maßnahmen zur Eindämmung der weltweiten Co - rona-Pandemie geplante Stadtforen ins Jahr 2021 verschoben werden mussten.C 4. In der vierten Phase wurden die Leitthemen mit starken räumlichen Bezügen erörtert. Diese vierte Phase war zudem durch erste teilräumliche Vertiefungen geprägt, deren Dringlichkeit sich aus der bis dahin geleisteten Arbeit am ISEK er- gab: Das gilt etwa für die sich dynamisch entwickelnde Hochschullandschaft und die darauf gerichtete Einleitung eines Planungsprozesses mit allen Beteiligten, der die Voraussetzung für die Entwicklung neuer »Urbaner Wissensquartiere« schaffen soll. Aber auch verschiedene konkrete Standorte für wichtige Entwick - lungsmaßnahmen in der Stadt wurden und werden bereits in den Blick genom - men, so z.B. die Innenstadt mit dem Martiniviertel oder die Stadthäfen. D Standortanalyse Musikcampus PHASE 3PHASE 4 Vertiefung „Urbane Wissensquar- tiere“ mit Internationaler Ideen- werkstatt ressortübergreifende Erörterung der Themen in vorbereitenden Verwaltungswerkstätten + öffentliche Diskussion der Themen mit einem breiten Akteurskreis in Stadtforen + + + . . . Rahmenplan Martiniviertel Neues Stadtquartier an der Steinfurter Straße PHASE 3PHASE 4 Vertiefung „Urbane Wissensquar- tiere“ mit Internationaler Ideen- werkstatt ressortübergreifende Erörterung der Themen in vorbereitenden Verwaltungswerkstätten + öffentliche Diskussion der Themen mit einem breiten Akteurskreis in Stadtforen + + Rahmenplan Martiniviertel 15 15 Anlage 3 zur Vorlage Nr. V/0781/2019 Maßstab 1:5000Lage und Abgrenzung stat. Bezirk 15 - Martini Innenstadt weiterdenken: Perspektiven für das Martiniviertel und den Hörster Parkplatz © Stadt MünsterPfad: K:\Personal\Ruesenberg\Dateien\Sonstiges\61_1\Martiniviertel.dwg C Ausführliche Dokumentation der 3. Phase: Baustein D Abbildung 3: Übersicht zur Phase 3 des ISEK D Ausführliche Dokumentation der 4. Phase: Baustein E Abbildung 4: Übersicht zur Phase 4 des ISEK 21Die Erabeitung des Stadtentwicklungskonzeptes als kommunikativer Prozess A Der Beirat setzt sich zu wesentlichen T eilen aus dem Beirat Münster Marke- ting und dem Beirat »Modellprojekt Glo- bal Nachhaltige Kommune« zusammen. Hinzu kommen Akteure aus dem Beirat Bürgerhaushalt, aus dem Stadtsport- bund und dem Landwirtschaftlichen Kreisverband. Die Erarbeitung des Stadtentwicklungskonzeptes als kommunikativer Prozess Der Prozess der MünsterZukünfte 20|30|50 wurde von Anfang an kommunikativ und transparent angelegt. Das wird unter anderem dadurch deutlich, dass • zahlreiche gesellschaftliche Gruppen im Beirat »MünsterZukünfte 20|30|50« mitwirkenA; • die strategische Steuerung durch eine Lenkungsgruppe erfolgt, der Vertreterin - nen und Vertreter der Ratsfraktionen bzw. zahlreicher Fachausschüsse und Gre - mien sowie der Verwaltungsvorstand angehören; • von Anfang an alle Ressorts der Stadtverwaltung, die zu einem Integrierten Stadt- entwicklungskonzept beitragen, im Rahmen eines erweiterten Kernteams sowie durch Leitungskonferenzen bzw. Werkstätten aktiv eingebunden sind; • alle wichtigen Aktivitäten transparent und anschaulich im „Online-Schaufenster“ www.zukunft-muenster.de kommuniziert werden. Wer wissen will, welche Probleme und Herausforderungen von der Stadtgesellschaft gesehen und welche davon als besonders wichtig betrachtet werden – kurz: wo die Menschen in der Stadt »der Schuh drückt« – wird um ein möglichst breites Mei - nungsbild bemüht sein. Daher wurden die Münsteranerinnen und Münsteraner auf vielfältige Weise in den Zukunftsprozess eingebunden: • Das breite Spektrum der über 300 Initiativen, die beim Aufruf »Gutes Morgen Münster« sichtbar wurden, machte bereits deutlich, an wie vielen Stellen in der Stadtgesellschaft schon an Münsters Zukunft gearbeitet wird. • Die Stadtteilerkundungen (»Zukunftsspaziergänge«), die im Frühjahr und Som - mer 2018 durchgeführt wurden, halfen zu verstehen, welche Aktivitäten und An- liegen vor Ort bedeutsam sind. • Auch die eher langfristig angelegte und zunächst abstrakt erscheinende Arbeit an Zukunftsszenarien stieß auf großes Interesse, wie die mehr als 16.000 Beiträge zur Nennung von »Einflussfaktoren« zeigen. Auch die Schlüsselpersoneninterviews – mit dem Verwaltungsvorstand, Vertrete - rinnen und Vertretern der Ratsfraktionen sowie mit Bürgerinnen und Bürgern aus verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen – trugen dazu bei, dass im Zusammen- wirken mit den anderen Beteiligungsformen alle für die zukünftige Entwicklung der Stadt bedeutsamen Gesichtspunkte frühzeitig erfasst und im weiteren Prozess be - rücksichtigt werden konnten. Und nicht zuletzt: die Angebote, die sich an die interes- sierte Öffentlichkeit richteten und über Formate wie die Zukunftsarena und Stadtfo - ren immer wieder Einblicke in den Prozess gewährten. Eindrücke aus Gremiensitzungen, Beiräten, Verwaltungs - werkstätten und der Zukunftsarena 2018 24 ISEK Münster 2030 | Baustein A: Das ISEK in den MünsterZukünften Durch diese Vielfalt kommunikativer Aktivitäten blieb es zudem nicht nur beim Benennen von Problemen und Handlungserfordernissen. Vielmehr gelang es – insbesondere durch die Interviews und die Diskussionen in den Begleitgremien – auch Problemlagen besser zu verstehen und Wechselwirkungen sichtbar zu machen. Dazu nur ein Beispiel: So wurde etwa deutlich, dass der offensichtliche Wohnungsmangel auch Folgen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in der Stadt hat (sozialräumliche Segregation), Menschen, die nur noch vor der Stadt ein Zuhause finden, zu Pendlerinnen und Pendlern macht und auch dem Arbeitsmarkt Schwierigkeiten bereitet (denn es wird immer schwieriger Arbeitskräfte zu gewinnen, wenn sie in Münster keine bezahlbaren Wohnungen finden). Diese, sich aus den unterschiedlichen Perspektiven der Gesprächsgäste ergebende komplexe Sicht auf Zusammenhänge und Herausforderungen war ungemein wich - tig, um im nächsten Schritt thematische Schwerpunkte zu bilden. Insofern lag eine gute Grundlage für die Leitthemenentwicklung vor. Auch hierzu fanden im Entwurfs- stadium vielfältige Erörterungen statt – im größten Kreis während der Zukunftsarena im Oktober 2018, die mit 500 T eilnehmenden komplett ausgebucht war und in der über 600 schriftliche Hinweise zur weiteren Bearbeitung der Leitthemen aufgenom- men werden konnten. Ein Stadtentwicklungskonzept soll nicht beim Benennen und Gewichten von Proble- men und Handlungserfordernissen stehen bleiben. Vielmehr gilt es, die Grundlage für gemeinsames, also ressort- und akteursübergreifendes Handeln zu legen. Dies geschah bereits für acht der zehn Leitthemen auf zweierlei Weise: Ressorts zusammenführen - die Verwaltungswerkstätten: Es gehört zu den zentralen Merkmalen integrierter Entwicklungskonzepte, dass zu - nächst und vor allem alle Ressorts der kommunalen Verwaltung (sowie ggf. Eigen - betriebe), die zum jeweiligen Thema etwas beitragen können, in gemeinsamen Er - örterungen zusammengeführt werden. Dies geschah in diesem Prozess vor allem in Form von Verwaltungswerkstätten: Ausgehend von ersten grundlegenden Fragestel - lungen wurde der Stand der jeweiligen ressortspezifischen Arbeiten vorgestellt (»Was liegt auf meinem Schreibtisch?«), Schnittbereiche und Bezüge zu anderen Ressorts und Handlungsfeldern identifiziert und dann die Fragen herausgearbeitet, die für die weitere Behandlung des Themas von besonderer Bedeutung sind. Dies bildete dann den Ausgangspunkt für die nächste Phase der Erörterungen. Akteure zusammenführen – die Stadtforen: Von besonderer Bedeutung für den Erfolg eines Integrierten Stadtentwicklungskonzep- tes ist die frühzeitige und umfassende Einbindung aller Akteure, die zur Lösung der sich stellenden Aufgaben beitragen können. Das geschah und geschieht im münsterschen Zukunftsprozess in Form von Stadtforen. Dabei konnte an Erfahrungen aus früheren Jahren mit ähnlichen Formen in Heidelberg, Berlin, Zürich etc. anknüpft werden. 25 In diesem Fall wurden »Bänke« gebildet, auf denen Vertreterinnen und Vertreter aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen Platz nahmen und in gemeinsamen Er - örterungen nach nächsten Schritten für die Auseinandersetzung mit den Themen suchten. Und so gab es – zum Beispiel – beim Thema »Innenstadt ist mehr« Bänke der »Zukunftsmacherinnen und Zukunftsmacher« (aus dem »Gutes Morgen Müns - ter« Prozess), der »stadtgesellschaftlichen Vielfalt«, der »Institutionen und Akteure der lokalen Wirtschaft«, der »T räger sozialer und kultureller Einrichtungen« und der »Stadtverwaltung und Politik«. Um die Erörterungen mit andernorts gewonnenen Erfahrungen anzureichern, wur - den externe Fachleute eingeladen. Sie brachten unterschiedliche Perspektiven – z.B. die Sichtweisen der Wissenschaft, der kommunalen Praxis, renommierter Planungs- büros etc. – in die Erörterungen ein. Ihre Impulse aus verschiedenen Erfahrungsbe - reichen und die nachfolgenden Befragungen durch die Mitglieder des Forums gaben vielfachen Anlass, Anregungen aufzugreifen und die Übertragbarkeit interessanter Lösungsansätze auf die Münsteraner Situation zu prüfen. Wenn intensiv miteinander gesprochen werden soll, setzt dies eine begrenzte Zahl von T eilnehmenden voraus. Daher bildeten die Bänke – jeweils Gruppen zwischen vier und acht Personen – einzeln und im Gespräch miteinander den eigentlichen Kern der Erörterung. Dennoch waren die Stadtforen für die allgemeine Öffentlichkeit zugänglich. Es sollte Interessierten, die z.B. schon in den ersten Phasen mitgewirkt hatten, verdeutlicht werden, dass und wie weiter gearbeitet wird. Zugleich sollte mit dem Einblick in die fachliche Arbeit auch in dieser Prozessphase T ransparenz herge- stellt und Verständnis für die Komplexität der Aufgabe und die damit verbundenen oft notwendigen langwierigen Bearbeitungszeiträume geweckt werden. Allerdings musste das Publikum (das zumeist mehr als hundert Personen umfasste) sich nicht nur in der – für Verständigungsprozesse wesentlichen – »Kunst des Zuhörens« üben, sondern konnte in der Arbeitsphase auch am »Publikumstisch« Positionen erarbei - ten. Hier, wie an allen anderen Tischen bzw. Bänken, lautete die Frage stets: »Was können wir – allein und mit anderen – unternehmen? Worin könnten unsere Beiträge beste- hen? Was kann seitens der Stadt dazu beigetragen werden?« Schon diese Fragestellungen, aber letztlich der gesamte kommunikative Prozess der MünsterZukünfte macht deutlich, dass hier Stadtentwicklung als Gemeinschaftsauf- gabe verstanden wird. Wichtig wird sein, ob und wie dieser »Spirit« in den nächsten Phasen der Bearbeitung wirksam bleibt. Die Erabeitung des Stadtentwicklungskonzeptes als kommunikativer Prozess Eindrücke aus den Stadtforen 2019/2020 28 ISEK Münster 2030 | Baustein A: Das ISEK in den MünsterZukünften Die Ergebnisse im Schnelldurchlauf Die Ergebnisse der einzelnen Phasen werden, wie bereits beschrieben, in vier T eilbe- richten (Bausteine B bis E) ausführlicher dargestellt. An dieser Stelle soll daher nur ein erster, kurzer Überblick vermittelt werden. Im Folgenden also: die Ergebnisse im »Schnelldurchlauf«: DIE AUSWERTUNG DER VORARBEITEN Über 90 Konzepte, Pläne und Programme der Stadt – aus den Handlungsfeldern Umwelt, Klima, Nachhaltigkeit, Räumliches Gefüge der Stadt, Bevölkerung/Soziales, Wohnen, Wirtschaft, Bildung/Wissenschaft, Kultur, Freizeit und Sport Mobilität, Region … wurden erfasst und ausgewertet (eine ausführliche T abelle befindet sich in Baustein C). Ziel war es, Ausgangspunkte für die eigene Arbeit zu gewinnen, Ergänzungs- und Integrationsbedarf zu identifizieren und bereits bestehende und beschlossene Handlungsansätze aufgreifen zu können. Diese Auswertung ergab vor allem: • Es gibt zahlreiche wesentliche Anknüpfungspunkte (in allen Handlungsfeldern der Stadtentwicklung), auf die die weitere Arbeit am Integrierten Stadtentwick - lungskonzept aufbauen kann. • In einigen Bereichen sind Ergänzungen und Aktualisierungen wünschenswert. • Bezüge zwischen Ressort- und Fachplanungen und ihre Zuordnung zu Überle - gungen einer übergeordneten Querschnittsprogrammatik können gestärkt wer - den. Anders ausgedrückt: Es besteht noch deutliches Integrationspotenzial. • Besondere Bedeutung kommt auch der »Verräumlichung«, also einer raumbe - zogenen Zusammenschau von übergreifender Programmatik, Leitbildern und Fachplänen zu, weil erst so Synergien, aber auch Zielkonflikte sichtbar und bear- beitbar werden. Letztlich bestätigte sich, was schon im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie Münster 2030 zum Ausdruck gebracht wurde. Dort heißt es: »Es [gibt] zwar zahlreiche sektora- le, themenbezogene Strategien, Projekte und Maßnahmenprogramme, was jedoch fehlt, ist eine aktuelle Zusammenschau bezogen auf die gesamtstädtische Nachhaltige Ent- wicklung und Münsters Verantwortung in der Einen Welt. Dieser übergreifende Ansatz kann nur über eine integrierte Vorgehensweise […] und im Zusammenspiel mit weiteren aktuellen Zukunftsprozessen der Stadt, insbesondere den Prozessen MünsterZukünfte 20|30|50 und Münster Klimaschutz 2050 erfolgen«1. 1 Nachhaltigkeitsstrategie Münster 2030 (2018) 29 Die Ergebnisse im Schnelldurchlauf DIE SCHLÜSSELPERSONENGESPRÄCHE Die Arbeit am Integrierten Stadtentwicklungskonzept stützte sich in ihrer ersten Pha- se vor allem auf intensive Gespräche mit 15 Vertreterinnen und Vertretern der Stadt - politik und Stadtverwaltung, 20 Personen aus allen Bereichen der Stadtgesellschaft sowie Kartenabfragen und kurzen Erörterungen in zehn Gremien, Beiräten etc. In ihnen wurden • Stärken, Qualitäten und Potenziale aber auch Schwächen, Probleme und Risiken identifiziert • Rahmenbedingungen zukünftiger Stadtentwicklung erörtert • die Stellung Münsters in der Region und die Bedeutung interkommunaler Koope- ration besprochen • und nicht zuletzt die Frage aufgeworfen, wie weiter über Fragen der Stadtentwick- lung öffentlich zu reden sei. Diese Schlüsselpersoneninterviews sollen sicherstellen, dass alle für die zukünftige Entwicklung der Stadt bedeutsamen Gesichtspunkte möglichst frühzeitig erfasst und im weiteren Prozess berücksichtigt werden. Die Ergebnisse stellen wir in einem eige- nen Bericht (Baustein B) dar. Hier nur ein kurzer Auszug, in dem schon wesentliche Bezüge zu den folgenden Ar- beitsschritten deutlich werden. Gefragt, was denn Schwerpunkte zukünftiger Stadt - entwicklungsplanung und -politik in Münster sein sollten, erhielten wir u.a. folgende Antworten: Es gehe, so hieß es, vor allem um die Frage, wie die zukünftigen Entwicklungen »münsterverträglich« gestaltet werden können. Dabei erwiesen sich die Themen Wohnen (Kontext: Überhitzter Immobilienmarkt) und Verkehr (Pendlerinnen und Pendler, Innenstadt, Radverkehr…) als besonders dringlich. Von grundsätzlicher Bedeutung für die zukünftige Stadtentwicklung seien aber auch: • die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung (auch mit Blick auf Risiken und Chan- cen – etwa der Digitalisierung etc.) • die Erarbeitung von Perspektiven für den Wissenschaftsstandort Münster (»Mas- terplan Wissenschaft«) • eine zukunftsfähige Weiterentwicklung der Innenstadt • die Auseinandersetzung mit sozialen Polarisierungstendenzen in der Stadt sowie • weitere Aspekte nachhaltiger Stadtentwicklung (Klimaschutz, Klimaanpassung, Freiraumentwicklung). Es gelte, so hieß es weiter, bei alledem die Entwicklungen in den Stadtteilen im Auge zu behalten. Ortsnahe Versorgung und Vielfalt der Nutzungen und ihrer Nutzerinnen und Nutzer seien zu erhalten und Gentrifizierung zu vermeiden. Parallel zu den Interviews wurden im Rahmen einer städtischen Befragung zufällig ausgewählter Einwohnerinnen und Einwohner ebenfalls Aspekte der Stadtentwick - lung angesprochen. Dabei zeigte sich ein hohes Maß an Übereinstimmung in allen wesentlichen Punkten. Abbildung 1: Cover des Baustein B »Schlüsselpersonengespräche« 30 ISEK Münster 2030 | Baustein A: Das ISEK in den MünsterZukünften Mit dieser Kombination von breit angelegter Befragung und thematisch vertiefenden Interviews entsteht ein zugleich fundiertes und tiefenscharfes Bild der in der Stadt - gesellschaft vertretenen Gesichtspunkte. Das ist – neben der parallelen Aufarbeitung der vielen Pläne, Programme und Beschlüsse, die bereits Situationsanalysen, Aufgabenbe- stimmungen und Aussagen über die zukünftige Entwicklung beinhalten – eine solide und aussagekräftige Grundlage der weiteren Arbeit. DIE ENTWICKLUNG DER LEITTHEMEN Ausgehend von den Resultaten der Phase 1 (mit der Auswertung der Vorarbeiten, den Interviews, den Querbezügen zu Stadtteilspaziergängen, Impulsen der Szenarioanaly- se und der Bürgerumfrage) konnten zehn Leitthemen identifiziert werden. Sie bauen auf einer gemeinsamen Wertebasis auf, die in übergeordneten Programmen (z.B. den Zielen nachhaltiger Entwicklung) definiert wurden (vgl. dazu die Abbildung). Zugleich bedürfen sie in besonderer Weise ressortübergreifender Bearbeitung. Diese Leitthemen werden in einem eigenständigen Bericht ausführlich beschrieben. Hier sollen nur einige Fragen beispielhaft benannt werden, die mit den jeweiligen Themen verknüpft wurden: • Vielfalt der Stadtteile: Weisen die Stadtteile ausreichende (soziale) Infrastruktu - ren auf? Sind sie auf die unterschiedlichen demographischen Entwicklungen im sozialen, kulturellen und seelsorgerischen Angebot eingestellt? Funktioniert das Vereinsleben, gibt es dafür ausreichende Angebote an Gemeinschaftsräumen und Infrastruktur für den Sport? Gibt es leistungsfähige Mobilitätsangebote? Etc. • Urbane Wissensquartiere: Welches Umfeld ist erforderlich, damit Forschung und Lehre in Münster die besten Rahmenbedingungen für die zukünftige Entwick - Münster und seine Nachbarn Digitalisierung findet Stadt Facetten ökonomischer Stärke Vielfalt und sozialer Zusammenhalt Stadtverträgliche Mobilität Leistbares Wohnen Urbane Wissensquartiere Innenstadt ist mehr ... Vielfalt der Stadtteile Münstersche Stadt-Landschaft Wertebasis laufende ressortspezifische Aufgaben, Aktivitäten Global nachhaltige Kommune (17 Goals / 5 Goals), Masterplan 100% Klimaschutz, Mitmachstadt / T eilhabe, Gender Mainstreaming, Migrationsleitbild, Inklusion ... Abbildung 2 (oben): Cover des Baustein C »Zehn Leitthemen für Münster« Abbildung 3 (links): Wertebasis der Leitthemen 31 lung vorfinden? Wie lassen sich neue Nutzungen, wie Wohnen, Gastronomie, Nahversorgung und Kultur so integrieren, dass dadurch mehr Vielfalt und Urba- nität entstehen? Etc. • Innenstadt ist mehr…: Wie ist die Zukunft der Innenstadt räumlich und funktio- nal zu denken? Muss zukünftig großräumiger gedacht werden – etwa vom Hafen über die Altstadt bis zum Coesfelder Kreuz? Wie kann die Funktionsvielfalt der Innenstadt gestärkt werden? Welche Funktionen leisten einen besonderen Bei - trag für die Münsteraner Innenstadt der Zukunft? Etc. • Münstersche Stadt-Landschaft: Was bedeutet es, wenn die Entwicklung der wach- senden Stadt vom Freiraum her gedacht wird? Wie können Freiraum- und Sied - lungsentwicklung in der Balance gehalten werden? Welche Perspektiven hat die Landwirtschaft in einer wachsenden Stadt? Etc. • Leistbares Wohnen: Welche Möglichkeiten der Bestandssicherung und Be - standsentwicklung sind im Hinblick auf leistbares Wohnen besonders bedeut - sam? Welchen Beitrag können neue Modelle für genossenschaftliches und ge - meinschaftliches Wohnen leisten? Etc. • Facetten ökonomischer Stärke: Ist die Wirtschaft der Stadt, die gelegentlich als »T ausendfüßler« bezeichnet wird, ausreichend widerstandsfähig, um zukünftige Herausforderungen zu bewältigen? Müssen neue Akzente gesetzt werden? Wie lassen sich weitere Synergien zwischen Wissenschaft und Wirtschaft schaffen? Etc. • Stadtverträgliche Mobilität: Was bedeutet es, »Mobilität neu zu denken«? Welche Konsequenzen ergeben sich aus den Anforderungen des Klimaschutzes? Wie las- sen sich die verschiedenen Verkehrsarten innerhalb gegebener Räume neu or - ganisieren? Wie kann insbesondere die Pendlerproblematik Münsters bewältigt werden? Etc. • Digitalisierung findet Stadt: Ist Münster für die digitale Zukunft gewappnet? Wel- che gesellschaftlichen Bereiche und welche Wirtschaftssektoren sind betroffen? Was bedeutet Digitalisierung für die Wissenschaft und für Verwaltungen? Welche Gefährdungen, welche Chancen bestehen? Etc. • Vielfalt und sozialer Zusammenhalt: Wie lässt sich insbesondere die durch Ar - mut bedingte Ungleichheit der T eilhabechancen nachhaltig mindern? Was kann gegen Diskrimierung an Arbeits- und Wohnungsmärkten unternommen wer - den? Wie lassen sich die Potentiale bürgerschaftlichen Engagements für mehr Zusammenhalt weiter stärken? Etc. Die Ergebnisse im Schnelldurchlauf 32 • Münster und seine Nachbarn: Wie lassen sich noch bestehende Hemmnisse der Zusammenarbeit innerhalb der Region überwinden? Wie kann die interkommu- nale Kooperation generell, insbesondere aber in den Handlungsfeldern Wohnen und Verkehr gestärkt werden? Etc. Die zehn Leitthemenvorschläge wurden im Rahmen der Zukunftsarena am 11. Ok - tober 2018 in der Musikhalle Jovel der Öffentlichkeit vorgestellt (untenstehende Im - pressionen sowie auf S. 23). Sie konnten während der Veranstaltung auf Stellwänden und im Nachgang online kommentiert werden. Die Auswertung dieser Kommentare fand in die nun vorliegende Fassung der Leitthemenvorschläge Eingang. Die im Rahmen der Veranstaltung durchgeführten Diskussionsrunden zu drei der Leitthemen – »Zukunft der Wissenschaftsstadt«, »Zukunft der Innenstadt« und »Zu- kunft der Stadtteile« – mit Akteuren aus allen gesellschaftlichen Bereichen machten deutlich, dass diese Themen nicht nur wichtig bzw. von großer Dringlichkeit sind, sondern dass sie auch in besonderer Weise integriert bearbeitet werden sollten. ISEK Münster 2030 | Baustein A: Das ISEK in den MünsterZukünften Abbildungen 4-9: Impressionen der Zukunftsarena 2018 Münstersche Stadt-Landschaft Stadtverträgliche Mobilität Vielfalt und sozialer Zusammenhalt Münster und seine Nachbarn Facetten ökonomischer Stärke Digitalisierung findet Stadt Vielfalt der Stadtteile Urbane Wissensquartiere Leistbares Wohnen Innenstadt ist mehr... 34 ISEK Münster 2030 | Baustein A: Das ISEK in den MünsterZukünften DIE ERÖRTERUNG DER LEITTHEMEN Der Prozess der Leitthemenvertiefung konnte direkt im Anschluss angestoßen wer - den. Da Integrationsbedarf besonders ausgeprägt in räumlicher Hinsicht besteht – denn im Raum überschneiden sich die verschiedenen Nutzungsanforderungen und fachlichen Sichtweisen – und zudem für die Städtebauförderung integrierte Hand - lungskonzepte verlangt werden, wurde direkt ein erstes »Themenbündel« gebildet und inhaltlich bearbeitet. Es umfasst im Wesentlichen die vier Leitthemen »Münster- sche Stadt-Landschaft«, »Innenstadt ist mehr«, »Vielfalt der Stadtteile« und »Urbane Wissensquartiere«. Sie eint vor allem ihr Raumbezug. Damit haben sie zugleich eine besondere integrierende Funktion, denn im Raum müssen letztlich alle Flächen- und Nutzungsanforderungen zusammengebracht wer- den. Zudem decken diese Themen bereits das gesamte Stadtgebiet ab. Und nicht zuletzt sind sie auch durch einen gewissen Handlungsdruck gekennzeichnet – sei es, dass ihre Bedeutung in den Befragungen etc. besonders unterstrichen wurde, sei es, dass konkrete Entwicklungsvorhaben und Standortentscheidungen anstehen, die in den konzeptionellen Rahmen des ISEK eingebunden werden sollen. Zudem wurden auf vielfachen Wunsch die Leitthemen „Leistbares Wohnen“ und „Stadtverträgliche Mobilität“ hervorgehoben, die auf den ersten Blick eher sektoral als integriert erscheinen. Sie haben dennoch in Münster als wachsender Stadt nicht nur eine besondere Dringlichkeit, sondern auch eine Schlüsselstellung im Spannungsver- hältnis zu benachbarten Feldern. Darüber hinaus adressieren sie in besonderer Weise den hohen Anspruch, den man in Münster an das eigene Handeln hat in punkto Nachhaltigkeit und Klimagerechtigkeit, der wie ein roter Faden Münsters Zukunfts - prozess zugrunde liegt. In diesen Feldern werden Zielkonflikte hinsichtlich sozialer, ökologischer und ökonomischer Ziele sehr deutlich und das hat wiederum auch, aber nicht nur, mit ihrem Raumbezug zu tun, also vor allem dem Umgang mit der be - grenzten Ressource Fläche. Der Prozess der MünsterZukünfte bzw. des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes geht also wie oben bereits beschrieben in der Umset - zung von Nachhaltigkeitsstrategie sowie Klimaschutz- und Klimaanpassungszielen einen entscheidenden Schritt weiter, indem er ganz konkrete Zielkonflikte offenlegt und verhandelt. So wurden letztlich „4+2“ Leitthemen mit starkem Raumbezug und integrativem Charakter priorisiert. Die Erörterung weiterer Leitthemen wurde unmittelbar im Anschluss fortgesetzt: Auch die münsteraner Leitthemen »Digitalisierung findet statt« sowie »Facetten öko- nomischer Stärke« wurden in Form vom Stadtforen weiter bearbeitet. Leider musste die Stadtforen-Staffel durch die COVID-19-Pandemie unterbrochen werden. Davon betroffen ist unter anderem das bereits geplante Stadtforum zum Leitthema »Vielfalt und sozialer Zusammenhalt«. Es ist beabsichtigt dies, sobald die Verhältnisse es wieder zulassen, nachzuholen. Der Bearbeitungsprozess zu den einzelnen Themen umfasste, neben der weiteren intern-fachlichen Arbeit vor allem zwei Erörterungsschritte: Abbildung 20: Cover des Baustein D »Die Stadtforenprozesse« 35 • Zunächst erörterten Vertreterinnen und Vertreter aller für das jeweilige Leitthe - ma relevanten Ressorts der kommunalen Verwaltung in gemeinsamen Sitzungen zentrale Aspekte und Ausgangspunkte für die weitere Arbeit. • Auf dieser Grundlage fanden Stadtforen-Sitzungen statt, in denen alle Akteure, die zur Auseinandersetzung mit dem Thema durch eigenes Handeln beitragen können, gemeinsam Lösungsperspektiven erörterten (s. dazu auch Kap. 4). Über Verlauf und Ergebnisse der Foren wird gesondert im Baustein D unserer Be - richterstattung informiert. Hier eine zusammenfassende Ergebnisdarstellung zu den durchgeführten Stadtforen: Vielfalt der Stadtteile – Fit für den Alltag, fit für die Zukunft (Kurzergebnisse des Stadtforums am 15. Mai 2019) Stadtteil-Identitäten weiter entwickeln Die Stadtteile Münsters haben jeweils ganz eigene Charakteristiken. Den T eilneh - menden war es besonders wichtig, diese Stadtteil-Identitäten zu erhalten und weiter zu entwickeln. Städtebauliche Ergänzungen oder Umgestaltungen (etwa in den Orts- mitten) sollten daher bedarfsorientiert und stadtteilspezifisch erfolgen. Begegnungsräume erhalten und schaffen Plätze in den Ortsmitten und multifunktional nutzbare Räumlichkeiten haben für das Stadtteilleben eine große Bedeutung. Sie sind T reffpunkte, bieten dem Vereinswesen und vielfältigen weiteren Nutzungen Raum und prägen auch auf diese Weise die je - weilige Stadtteilidentität. Aber nicht überall sind diese Voraussetzungen gegeben. Es wurden daher zahlreiche Ideen entwickelt, wie etwa durch multifunktional nutzbare Räume in Schulen und anderen Gebäuden und durch die Rückgewinnung öffentlich nutzbarer Freiräume solche Ortsmittelpunkte wieder geschaffen werden könnten. Zusammenarbeit verbessern Die Zusammenarbeit zwischen den Stadtteilen und der Gesamtstadt (bzw. den ver - schiedenen Ressorts der Stadtverwaltung) lässt sich verbessern – darüber herrschte Einigkeit. Generell wurde auch der Einsatz von »Stadtteil-Kümmerern« befürwortet. Betont wurde auch die besondere Bedeutung bürgerschaftlichen Engagements, das vor Ort (auch) durch mehr Zusammenarbeit gestärkt werden könne. Urbane Wissensquartiere – Durchmischt und funktionsgerecht (Kurzergebnisse des Stadtforums am 21. Mai 2019) »Mehr Kaffeemaschinen!« Begegnung und soziales Leben fördern Schon in den kurzen Impulsvorträgen der eingeladenen externen Fachleute wurde auf die große Bedeutung von Begegnungsräumen und T reffpunkten in wissenschaftsge- prägten Quartieren hingewiesen. Am Beispiel der ETH Zürich wurde das in einem Bild ausgedrückt: Wo träfen sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler? An Kaffeemaschinen. Also sei es wichtig, Orte zu schaffen, die diese T reffpunktfunktio- Die Ergebnisse im Schnelldurchlauf 36 ISEK Münster 2030 | Baustein A: Das ISEK in den MünsterZukünften nen übernehmen könnten. Auch öffentliche Freiräume könnten solche Funktionen übernehmen, sofern sie als Aufenthaltsorte attraktiv genug seien. In Neubau wie Be- stand sollten verschiedene Möglichkeiten der Begegnung geschaffen werden (z.B. Co- Learning, Co-Working, Gastronomieräume, …). Man könne hier manches sofort auf den Weg bringen – und sei es zunächst nur durch temporäre Maßnahmen. Bezüge herstellen, Nachbarschaften bilden In heterogenen und von untereinander unverbundenen Gebäuden bzw. Einrichtun - gen geprägten Wissenschaftsarealen sollten, so wurde angeregt, räumliche Nachbar - schaften gebildet werden. Unterschiedliche Bildungseinrichtungen könnten räum - lich, funktional und organisatorisch stärker miteinander vernetzt werden. Vernetzung sei auch für die Bezüge nach »außen« wichtig, indem z.B. Kooperationsplattformen zwischen den Akteuren vor Ort aufgebaut werden, um gemeinsame Angebote für die gesamte Stadtgesellschaft zu entwickeln (z.B. institutsübergreifender T erminkalen - der mit gemeinsamen Veranstaltungen, …). Nutzungen mischen und überlagern Die bestehende recht homogene Nutzungsstruktur in den Wissensquartieren sollte mit ergänzenden und belebenden Funktionen angereichert werden. Dabei gilt es, die- se neuen Nutzungen (z.B. Wohnen, Gastronomie, Begegnungsräume, Pop-up-Stores, FabLabs, …) sowohl räumlich als auch zeitlich zu überlagern. Auch dazu können die vorhandenen Ressourcen, wie überdimensionierte Straßenzüge (z.B. Corrensstraße) oder (temporär) leerstehende Räumlichkeiten, genutzt werden. Innenstadt ist mehr... – Eine weitergefasste Perspektive (Kurzergebnisse des Stadtforums am 14. Juni 2019) Eine vielfältige Innenstadt benötigt eine übergreifende Strategie Dass Innenstädte funktional vielfältiger werden (müssen), um ihre Attraktivität zu er- halten, war aus allen Beiträgen und den Statements der Gruppen herauszuhören. Ne- ben der funktionalen Anreicherung des Zentrumsbereichs können auch räumliche Ergänzungen und funktionale Differenzierungen hilfreich sein (»die Altstadt kann nicht alles leisten – und das ist auch in Ordnung«). Es ist jedoch wichtig, dass eine in diesem Sinne vielfältige Innenstadt innere Bezüge wahrt – durch Wegebeziehungen, übergeordnete Gestaltungselemente etc. Wichtig sei zudem, auch das wurde betont, dass die Entwicklung der Innenstadt im Zusammenhang mit der Gesamtstadt – und insbesondere auch den Ortsteilzentren – gesehen werde. Innenstadt soll Alltagsort bleiben und werden Eine Besonderheit Münsters sei es, das wurde bereits zu Beginn der Veranstaltung festgestellt, dass sich hier in der Innenstadt noch viele Alltagsnutzungen (Schulen, Wohnungen) finden. Das wurde allseits als besondere und weiter zu entwickelnde Qualität angesehen. Dazu könne beitragen, dass Erdgeschosse auch mit anderen Nut- 37 zungen abseits des klassischen Einzelhandels besetzt werden. Als Beispiele wurden Manufakturen, produzierendes Gewerbe, Kindertagesstätten oder temporäre Nutzun- gen (wie z.B. Ausstellungen, Pop-up-Stores, …) genannt. »T esträume« oder »Experi - mentierfelder« (z.B. auf großzügigen Parkplätzen, Straßenzügen, Plätzen, …) können zur frühzeitigen (temporären) Erprobung dieser neuen Entwicklungen dienen. Innenstadtentwicklung: eine Gemeinschaftsaufgabe Um eine vielfältige Mischung von Akteuren und Nutzungen in der Innenstadt zu erreichen, ist es den T eilnehmenden wichtig, dass auch Chancen zur Ansiedlung von kleineren inhabergeführten Läden und Start-ups, beispielsweise durch Modelle des Mietausgleichs, geschaffen werden. Die Kooperation zwischen den Innenstadtakteu - ren – über die Vernetzungen der Akteure des Einzelhandels hinaus – wurde als wich- tig benannt, um gemeinsame Ziele zu verfolgen und gemeinsame Entwicklungen (z.B. Aufwertung öffentlicher Räume) für die gesamte Stadtgesellschaft voranzubrin- gen. Münstersche Stadt-Landschaft – Siedlung und Freiraum in der Balance (Kurzergebnisse des Stadtforums am 21. Mai 2019) Siedlungs- und Landschaftsentwicklung als Zusammenhang betrachten und gestalten Die Verflechtung von Siedlungs- und Landschaftsräumen ist charakteristisch für die Stadtstruktur Münsters und – da waren sich alle einig – zu erhalten und weiterzu - entwickeln. Einer möglichen »Entkopplung von Stadt und Landschaft« müsse ent - gegengewirkt und der Zusammenhang von offenen und bebauten Räumen auf allen Maßstabsebenen beachtet und gestärkt werden. Dabei könnten auch höhere bauliche Dichten, wo immer dies mit der Charakteristik der Ortslagen vereinbar sei, zu ei - ner Reduktion der Flächeninanspruchnahme beitragen. Zugleich aber gelte es, auch im Innenbereich Freiräume möglichst zu erhalten. Eine in diesem Sinne behutsame Weiterentwicklung der Stadtstruktur sei auch, darauf wurde vielfach verwiesen, unter den Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit und des Klimaschutzes – dessen besondere Bedeutung zuletzt durch das Ausrufen des Klimanotstandes für Münster noch ein - mal deutlich wurde – von großer Bedeutung. In diesem Zusammenhang wurde auch der Wunsch nach deutlichen Aussagen zur Grünordnung und der Nutzung geeigne- ter planerischer Werkzeuge unterstrichen. Freiräume erhalten, zurückgewinnen, qualifizieren und vernetzen Bezüglich der Freiräume waren die T eilnehmenden einhelliger Meinung: Es gilt mög- lichst zu erhalten, was vorhanden ist, den Freiraumbestand weiter zu qualifizieren und zu profilieren sowie die einzelnen Flächen untereinander zu vernetzen und zu - gänglicher zu gestalten. Dieser Grundsatz bezog sich dabei sowohl auf großflächige Landschaftsräume wie auf kleinteilige Grün- und Freiflächen. Darüber hinaus soll - ten auch im Innenbereich noch Potenzialflächen erschlossen werden – etwa durch Rückbau von bzw. Heranbauen an Verkehrsflächen. Selbst Fassaden- und Dachbe - Die Ergebnisse im Schnelldurchlauf 38 ISEK Münster 2030 | Baustein A: Das ISEK in den MünsterZukünften grünungen seien in diesem Zusammenhang von Bedeutung. Bei alledem solle die Grünflächenentwicklung bedarfsorientiert und unter Beteiligung der lokalen Bewoh- nerschaft umgesetzt werden. Der besonderen Bedeutung der Landwirtschaft gerecht werden Landwirtschaftlich genutzte Flächen bilden einen wesentlichen Bestandteil der Münsteraner Stadt-Landschaft. Sie sind nicht nur als Raum der Lebensmittelproduk- tion von Bedeutung, sondern können auch dem Landschafts- und Klimaschutz sowie der Erholung dienen. Deshalb solle der landwirtschaftliche Raum zum einen besser erfahrbar gemacht, zum anderen die Landwirtschaft stärker in die Kernstadt geholt werden. Diese Kopplung könne über die lokal hergestellten Produkte erfolgen, indem die Verflechtung von lokaler Produktion und lokalem Konsum gestärkt werde. In die- sem Zusammenhang wurde eine Intensivierung naturnaher und biodiverser Land - wirtschaft gefordert. Generell sollte die Bedeutung der Landwirtschaft als Partnerin für die Landschafts- und Stadtentwicklung beispielsweise durch konkrete Projekte, Initiativen und multilaterale Dialoge mit allen involvierten Akteuren gestärkt werden. Leistbares Wohnen – Strategien für Neubau und Bestand (Kurzergebnisse des Stadtforums am 04. Juli 2019) Die ganze Bandbreite an (bestandssichernden) Instrumenten nutzen In der Stadtforumsdiskussion zum Thema Wohnen wurde deutlich: Den einen Kö - nigsweg zur Lösung des Wohnraumproblems gibt es nicht – es gilt das ganze Spek - trum der Instrumente zu nutzen: Diese umfassen sowohl informelle Instrumente (Integriertes Stadtentwicklungskonzept, Wohnbaulandmonitoring, Umzugsmanage- ment, Stärkung kommunaler Wohnungsbaugesellschaften etc.) als auch gesetzlich definierte (formelle) Instrumente (Vorkaufsrechte, Erhaltungssatzungen, Moderni - Abbildung 21: Impression des Stadtforums »Vielfalt der Stadtteile« Abbildung 22: Impression des Stadtforums »Urbane Wissensquartiere« Abbildung 23: Impression des Stadtforums »Innenstadt ist mehr ...« Abbildung 24: Impression des Stadtforums »Münster - sche Stadt-Landschaft« 39 sierungsgebote etc.). Kurzum, so hieß es auch im Resümee zur Veranstaltung: »Man muss alles abklopfen, was zur Sicherung preiswerten Wohnraums beitragen kann«. Da sich die Sicherung noch preiswerter Bestände und vorhandener Belegungsrechte nicht über den Markt herstelle, seien Aktivitäten der öffentlichen Hand unverzicht - bar. Dabei ist, das wurde mehrfach betont, Kontinuität entscheidend, da sich positive Effekte nur über längere Frist in ausreichendem Umfang einstellen. Alternative Wohnformen stärken Alternativen Wohnformen und neuen T rägerformen (wie Genossenschaften, Bau - gruppen etc.) wird große Bedeutung beigemessen, insbesondere mit Blick auf die sich ausdifferenzierenden Lebensstile. Gemeinschaftsorientiertes und selbstverwal - tetes Wohnen könne sowohl im Bestand wie im Neubau wichtige Beiträge leisten, wie an Beispielen deutlich wurde. Aus eigener Kraft gelingt ihnen jedoch oft nicht der Zugang zu Grundstücken. Daher sei auch hier die Konzeptvergabe kommunaler Flächen von Bedeutung, bei der ggf. auch besondere Leistungen der Projekte für ihr Umfeld Berücksichtigung finden. Eine große Herausforderung stellt zudem die Inte- gration von Haushalten mit geringer Zahlungsfähigkeit dar. Sie kann zum T eil durch interne Solidaritätsmodelle ermöglicht werden. Denkbar wäre auch, so wurde in der Diskussion angeregt, zum Beispiel das Aufbringen von genossenschaftlichen Eigen - anteilen projektübergreifend und unter kommunaler Beteiligung zu organisieren. Langfristige Belegungsbindungen anstreben, Grundstücke im Erbbaurecht vergeben Sowohl im Zusammenhang mit der Stärkung alternativer Wohnformen als auch be - sonders mit Blick auf langfristige Zweck- und Belegungsbindungen wurde die Verga- be kommunaler Grundstücke auf Erbpachtbasis als sehr wesentlich angesehen. Da - mit würden sich kommunale Steuerungsmöglichkeiten erhöhen und vor allem lange bzw. dauerhafte Belegungsbindungen bewirken lassen. Die Vergabe im Erbbaurecht solle daher Vorrang vor dem Verkauf städtischer Flächen haben. In diesem Zusammenhang kommt auch der Konzeptvergabe kommunaler Grund - stücke eine besondere Bedeutung zu, indem z.B. T rägerinnen und T räger präferiert werden, die eine dauerhafte soziale Widmung der Bestände gewährleisten. Was die Grundlagen öffentlichen Handelns im Wohnbereich betrifft, wurde durch - weg betont, dass Boden und Wohnungen keine gewöhnlichen Marktgüter sind, son - dern als eine Art Grundversorgung verstanden werden sollten, die insbesondere un - ter sozialpolitischen Gesichtspunkten der Regulierung bedarf. Zugleich seien aber die Handlungsmöglichkeiten der Kommunen begrenzt und stark von landes- und bundespolitischen Rahmensetzungen abhängig. Mit dem Grundsatz der Sozialen Bodennutzung verfüge Münster bereits über eine gute Grundlage, die dennoch im Bereich der langfristigen Sicherung leistbaren Wohnens noch »Luft nach oben« habe. Die Ergebnisse im Schnelldurchlauf 40 ISEK Münster 2030 | Baustein A: Das ISEK in den MünsterZukünften Facetten ökonomischer Stärke – Wirtschaftsstandort Münster 2030 (Kurzergebnisse des Stadtforums am 29. August 2019) Kooperation und Subsidiarität zugleich Münster geht es wirtschaftlich gut, umso wichtiger ist es, bei teils ungewissen Än - derungen der globalen und lokalen Rahmenbedingungen proaktiv den Wirtschafts - standort für die Zukunft zu planen. Um möglichst viele Ressourcen zur Reduzierung dieser Unsicherheit zur Verfügung zu haben und auch neue Wege gehen zu können, ist die transparente Zusammenarbeit unerlässlich. Stadtverwaltung, Unternehmen, Institutionen, die Hochschulen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Bürgerinnen und Bürger: Sie alle können durch eine enge Kooperation voneinander profitieren und ein erster Schritt könnte die Initiierung von Netzwerken und regelmäßigen Aus- tauschtreffen sein. Dieser Austausch fördert auch das gegenseitige Verständnis für die jeweiligen Probleme der Anderen aber auch deren Möglichkeiten. Dabei geht es nicht darum, einseitig Forderungskataloge zu verfassen und sich bei der Umsetzung auf nicht näher bestimmte »Andere« zu verlassen, sondern ganz im Sinne einer sinn- vollen Aufgabenteilung, konkrete Maßnahmen und Angebote zu erstellen und diese dann in enger Abstimmung mit allen relevanten Partnern Wirklichkeit werden zu lassen. Etablierung des Wirtschafts-Mix Start-ups sind nur eine wichtige Form von vielen für innovative und zukunftsori - entierte Unternehmensformen, die Förderung und Anerkennung verdienen. Junge Gründer und etablierte Unternehmer begreifen sich als nachhaltige Wirtschaftsakteu- re und Arbeitgeber, die im Münsterland verwurzelt sind und unterschiedlichste Bran- chen abdecken. Dieser Mix befördert einerseits die Resilienz bei neu auftretenden Herausforderungen, anderseits können Profilthemen ein wichtiges Alleinstellungs - merkmal des Wirtschaftsstandortes darstellen. Ein aktuelles Beispiel ist das MEET Batterieforschungszentrum, das für ein herausragendes Kompetenz-Cluster steht. Es besteht weiterhin Konsens darin, dass der Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft weiter intensiviert werden sollte und dieses Potenzial als eigener Wirt - schaftsfaktor zu verstehen ist. Schließlich ist diese Wirtschaftsorientierung bei der bereits begonnenen Förderung des Gründungspotenzials an den Hochschulen bis hin zu kontinuierlichen Forschungskooperationen mit Unternehmen zu sehen. Mit dem Wissenschaftsbezug wird nicht nur ein Zusammenhang zu dem bereits bearbeiteten ISEK-Leitthema der Urbanen Wissensquartiere deutlich, daneben gibt es auch Bezüge zu den Themen Leistbares Wohnen oder Stadtverträgliche Mobili - tät. Schließlich benötigt dieser Wirtschafts-Mix zur Sicherung der Fachkräfte nicht nur die Attraktivität der Stadt, sondern auch bezahlbare Wohnraumversorgung und intelligente Mobilitätskonzepte. Dabei hängen beide Aspekte eng zusammen: Um Fachkräfte „anzulocken“ und zu binden, müssen Pendelwege von der bezahlbaren Wohnung möglichst kurz und schnell sein. Als Lösungsansätze wurden u.a. genos - 41 senschaftliches Wohnen, betriebliches Wohnen und zeitgemäße Formen der Nut - zungsmischung genannt. Diese Nutzungsmischung wird in der vertiefenden Bear - beitung der urbanen Wissensquartiere bereits berücksichtigt, wurde aber auch bei den Themen Innenstadt ist mehr… und Vielfalt der Stadtteile als relevant eingestuft. Und schließlich ist die Ausrichtung der Wirtschaft an Nachhaltigkeitsaspekten kein Selbstzweck, sondern Chance oder sogar Notwendigkeit für das unternehmerische Überleben, so wie es auch bereits beim Stadtforum zum Thema Münstersche Stadt - Landschaft herausgearbeitet wurde. Prozessmanagement & Strategie Damit diese Ansätze der Kooperation auch mittel- und langfristig Früchte tragen, bie- tet es sich an, diese in Strukturen zu überführen. Dabei sind verschiedene Modelle denkbar, angefangen von festen Ansprechpartnerinnen und -partnern für einzelne Kooperationspartnerinnen und -partner (key account management), niedrigschwelli - ge Unterstützungsangebote für kleine Unternehmen vor Ort bzw. prozessuale Unter- stützungsleistungen durch die Wirtschaft für die Stadtverwaltung aber auch die Öff - nung von Unternehmen für die Stadtverwaltung. Die Stadtverwaltung ihrerseits wird geeignete Dialogformate und -strukturen anbieten, um den Dialog zwischen Stadt und Wirtschaft zu verstetigen. Gegenstand dieses Dialogs wird u.a. die Entwicklung einer Zukunftsstrategie für den Wirtschaftsstandort sein. Digitalisierung findet Stadt – Kick-off Smart City Münster (Kurzergebnisse des Stadtforums am 04. November 2019) Strategie entwickeln: für Inhalte und Kommunikation Münster macht sich auf den Weg, eine »Smart City« zu werden. Ziel ist die Steige - rung der Lebensqualität und die Stärkung Münsters als attraktiver Wirtschaftsstand - ort. Von verschiedenen lokalen Akteuren wurde eine Reihe von beeindruckenden konkreten Ideen und Ansätzen für neue digitale Dienste präsentiert. Um Digitalisie - rung und Stadtentwicklung systematisch zusammenzudenken, sollen die Projekte in einer Strategie zusammengeführt werden. Konkrete Maßnahmen sollen entlang von Gemeinwohlinteresse und Bedürfnissen der Bürgerinnen und Bürger entwickelt werden. Zu betonen ist, dass eine »Smart City« nicht nur technische Maßnahmen braucht, sondern auch geeignete Kommuni- kationswege und -formate, um Menschen zum Anwenden digitaler »tools« zu befähi- gen und deren Akzeptanz zu steigern. Start by starting: Anfangen und Ausprobieren Damit Digitalisierung tatsächlich »Stadt findet«, braucht es erste Projekte zum An - fassen und zur Veranschaulichung digitaler Denkweisen und Lösungsansätze. Der schnelle Start von ersten Projekten sowie das Ausprobieren neuer Projektwege und Arbeitsformen sind dabei zentral. Formate wie den MÜNSTERHACK-Hackathon Die Ergebnisse im Schnelldurchlauf 42 ISEK Münster 2030 | Baustein A: Das ISEK in den MünsterZukünften und weitere Ideenwettbewerbe gilt es zu nutzen und weiterzuentwickeln, um neue Lösungen zum Beispiel für Mobilität, Infrastruktur oder Ressourceneffizienz zu ge - nerieren. Smart City: Eine Gemeinschaftsaufgabe Die enge Zusammenarbeit von Verwaltung, Unternehmen und Wissenschaft ist eine wichtige Voraussetzung für Digitalisierung im Sinne einer nachhaltigen Stadtent - wicklung. Zu betonen ist auch die besondere Bedeutung bürgerschaftlichen Engage - ments (zum Beispiel im Rahmen von »Code for Münster«) und das Ideenpotenzial lokaler Initiativen (zum Beispiel von »T echLabs«). Wichtig ist es, diese stadtgesell - schaftlichen Akteure einzubeziehen und einen Wissens- und Innovationstransfer in Praxis und Öffentlichkeit zu fördern. Stadtverträgliche Mobilität – Enkeltauglich und leistungsfähig (Kurzergebnisse des Stadtforums am 13. Februar 2020) Ganzheitliches Verkehrskonzept bis in die Region Die Stadt Münster verfügt bereits über eine große Anzahl von Konzepten und Projekten, um die »Mobilitätswende« zukunftsorientiert anzugehen. Die T eilnehmerinnen und T eilnehmer des Forums wissen um diesen Sachverhalt, schlagen aber vor, dass diese Maßnahmen deutlicher ineinandergreifen und in ein ganzheitliches Mobilitätskonzept eingeordnet werden müssen, wie es mit dem Masterplan Münster Mobilität 2035+ nun auf dem Weg ist. Dabei sollten auch die unterschiedlichen Maßstabsebenen – von der Region über die Gesamtstadt bis zum Quartier – konzeptionell berücksichtigt werden. Die Rolle der Region und die Verbindung zwischen Stadt und Umland wurde inner - halb des Stadtforums intensiv diskutiert. Alle T eilnehmenden waren sich einig, dass die Mobilitätswende – auch und besonders – »von außen nach innen gedacht« wer - den muss. Einerseits müsse gefragt werden, ob die (PKW-)Pendlerströme durch mehr Wohnraumangebote im Stadtgebiet sowie eine bessere Verzahnung von Siedlungs - entwicklung und Mobilitätsangeboten reduziert werden können. Und andererseits müssen die Verkehrsströme neu gelenkt werden, indem attraktive Angebote zum Umstieg auf den weiterzuentwickelnden ÖPNV geschaffen werden. Insgesamt sei eine deutlich verbesserte Vernetzung der Verkehrsmittel notwendig – sowohl durch Mobilstationen (»MobilityHubs«) wie durch digitale Plattformen/Apps – die leicht zu handhaben und angepasst auf individuelle Bedürfnisse und Verkehrswege einen flüssigen Wechsel zwischen den Verkehrsmitteln und -arten ermöglichen. Mehr Raum für die Mobilitätswende Als wichtige Voraussetzung zum Gelingen der Mobilitätswende nannten fast alle T eil- nehmenden des Forums die Neuaufteilung der Straßenräume. Dabei sollen der mo - torisierte Individualverkehr sowie dessen Infrastrukturen reduziert werden, um mehr Raum für den ÖPNV sowie den Fuß- und Radverkehr zu schaffen. 43Die Ergebnisse im Schnelldurchlauf Als eine wichtige Maßnahme in diesem Zusammenhang wurde eine konsequente Bewirtschaftung des Parkraumes, vor allem im öffentlichen Raum, vorgeschlagen. Hierbei sollen das Parken generell verteuert und Stellplätze im öffentlichen Raum zugunsten von neuen Aufenthaltsqualitäten, wie z.B. am Domplatz oder in der Kö - nigsstraße, reduziert werden. Zugleich wurde auf zeitliche Spitzen hingewiesen, wie die Einkaufs- und Lieferver - kehre insbesondere an Samstagen, die wiederum Rückstaus erzeugen und so die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt beeinträchtigen. Das verweise auch auf die Not- wendigkeit einer intelligenten Verkehrslenkung. Um eine autoarme Innenstadt zu erzielen, so lautete ein Resümee, muss also an vielen Punkten angesetzt werden. Projekte umsetzen – die Mobilitätswende jetzt starten Die T eilnehmenden des Stadtforums bekräftigten wiederholt, dass zahlreiche Projek- te und Konzepte zur Mobilitätswende in Münster vorliegen und bereits im Rat dis - kutiert wurden – aber noch der Umsetzung bedürfen. Zwar sei die Mobilitätswende »nicht von heute auf morgen« zu bewerkstelligen, dennoch müsse aber das T empo der Umsetzung zunehmen. Um dies zu erreichen, sei mehr »Mut zum Ausprobie - ren« notwendig, zu Experimenten und probeweise eingeführten Maßnahmen (wie dies etwa mit »Reallaboren« der Fall sei). So ließe sich zeigen, was nachhaltige Mobili- tätsformen sind oder doch sein könnten und wie sie in den Alltag zu integrieren sind. Gleichzeitig müsse aber auch allen Akteuren bewusst sein, dass nicht überall stets Konsens vorausgesetzt werden könne und zumindest temporär wohl auch »Mut zur Verärgerung« wichtig sei, um Anstöße zur Veränderung zu geben. Letztlich müsse der Einsicht in die Notwendigkeit des Wandels, die in Münster auf vielfache Weise be- reits programmatisch bekundet wurde, nun auch die prinzipielle Bereitschaft folgen, konstruktiv an die nächsten Schritte heranzugehen. Abbildung 25: Impression des Stadtforums »Leistbares Wohnen« Abbildung 26: Impression des Stadtforums »Facetten ökonomischer Stärke« Abbildung 27: Impression des Stadtforums »Digitali- sierung findet Stadt« Abbildung 28: Impression des Stadtforums »Stadtver- trägliche Mobilität« 44 ISEK Münster 2030 | Baustein A: Das ISEK in den MünsterZukünften DIE DURCHARBEITUNG DER LEITTHEMEN Im Anschluss an die »Erörterung der Leitthemen« (s.o.) wurden alle Leitthemen hin- sichtlich integrierter räumlicher Aussagen untersucht. Im Baustein E werden dazu in der »Bilanz 2020« vor allem raumbezogene Aussagen des Integrierten Stadtentwick- lungskonzeptes dargestellt. Dabei stehen vier Leitthemen, die in besonderer Weise Raumbezüge aufweisen – »Urbane Wissensquartiere«, »Innenstadt ist mehr«, »Viel- falt der Stadtteile« und »Münstersche Stadt-Landschaft« – zunächst im Vordergrund. Für sie werden jeweils zentrale Eckpunkte abgeleitet (die für die zukünftige Ausein - andersetzung mit dem Thema Orientierung geben), Raumbezüge sichtbar gemacht, Schnittstellen zu weiterführenden Prozessen aufgeführt sowie wesentliche Aspekte mit Blick auf die weitere Arbeit in diesem Handlungsfeld knapp zusammengefasst. Aber auch die anderen Leitthemen weisen zahlreiche Raumbezüge auf, die ebenfalls in der Bilanz 2020 aufgezeigt werden (Baustein E). Auf gesamtstädtischer Ebene werden schließlich alle vorliegenden raumbezogenen Aussagen des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes zu einem Leitbildentwurf verdichtet. Diese Darstellung wird ergänzt durch eine Übersicht der – derzeit bereits in naher Zukunft absehbaren – »Räumlichen Schwerpunkte der Stadtentwicklung«. Da die ganzheitliche Darstellung dieser Komplexität hier den Rahmen sprengen wür- de, soll die Kurzdarstellung des Bausteins E sich auf folgende Aspekte konzentrieren: Es werden Resümees zu den o.g. vier räumlichen Leitthemen gegeben, der Leitbild - entwurf gezeigt und in Kürze erläutert, die »Räumlichen Schwerpunkte der Stadt - entwicklung« visualisiert sowie ein kleiner Ausblick auf die weitere integrierte Arbeit gegeben. Urbane Wissenquartiere • Die einzelnen Wissensquartiere mit urbanen Qualitäten versehen, Wohnnutzun- gen und Versorgungseinrichtungen integrieren und zwischen ihnen attraktive Verbindungen herstellen, insbesondere die Gelenkfunktion des Schlossareals stärken. • Neue Zukunftsquartiere an der Steinfurter Straße und Busso-Peus-Straße mit ei- ner Mischung neuen Wohnraums, Wissenschafts- und T echnologieeinrichtungen und Angeboten täglicher Versorgung, Freizeit und Erholung entwickeln. • Zukunftsfähiges Mobilitätskonzept, insbesondere flexibles Parkraumkonzept entwickeln, überdimensionierte Straßen neu organisieren und als Stadtraum zu- rückgewinnen. • Inhaltliche Eckpunkte und stadträumliches Konzept als Grundlage weiterer Pla - nungen und Projektentwicklungen verfestigen. • Kooperation der Stadt mit den „Letter of Intent“-Partnern stärken und verstetigen. • Gemeinsame Qualitätsvereinbarungen treffen, Sofortmaßnahmen identifizieren und umsetzen. Abbildung 29: Cover des Baustein E »Bilanz 2020: Räumliches Leitbild« 45Die Ergebnisse im Schnelldurchlauf Innenstadt ist mehr ... • Die Innenstadt räumlich und funktional weiterdenken und angrenzende Lagen zur Erhöhung der Vielfalt, zur Bereicherung und zur Entlastung der Altstadt ein- beziehen. • Die Münsteraner Altstadt in ihrer Bedeutung und Funktion durch neue Verknüp- fungen zu stadträumlich und funktional wichtigen Lagen (z.B. Wissensquartiere, Hafen, …) stärken. • Die unterschiedlichen Innenstadtquartiere profilieren und in Wirkungszusam - menhänge bringen. • Die öffentlichen Räume neu strukturieren und insbesondere die Straßenräume neu dimensionieren und die Verkehrsführungen ändern, die autoreduzierte Alt - stadt vordenken. • Die innenstadtrelevanten Akteure untereinander vernetzen und geeignete For - mate initiieren. Vielfalt der Stadtteile • Ortsteil-Identitäten erhalten und weiterentwickeln durch Erarbeitung spezifi - scher Stadtteilkonzepte • Attraktive, multifunktionale, generations- und kulturübergreifende Ortsmitten und weitere Begegnungsorte schaffen, stärken und schützen • Langfristige Stadtteilkoordination auf drei Ebenen einführen: innerhalb des Stadt- teils, unter den Stadtteilen, Schnittstelle zur Stadt • Stadtteilorientierte Formate zur Verstetigung eines langfristigen Austausches fortführen Münstersche Stadt-Landschaft • Integrierte, zusammenhängende Betrachtung der Siedlungs- und Landschafts - entwicklung vorantreiben und auch in Planwerken manifestieren • Potenziale einer stadtnahen Landwirtschaft im Dialog identifizieren, ausbauen und nutzen • Freiräume als Bausteine der Stadtentwicklung: erhalten, qualifizieren, vernetzen • Siedlungsflächenerweiterungen frühzeitig in Freiflächenentwicklung integrieren • Auf drei Maßstabsebenen planen/handeln: regional, gesamtstädtisch, teilräum - lich 46 ISEK Münster 2030 | Baustein A: Das ISEK in den MünsterZukünften DAS RÄUMLICHE LEITBILD Münster besitzt heute in vielerlei Hinsicht eine hohe Attraktivität und weist für seine zukünftige Entwicklung zahlreiche Potenziale auf. So gilt es, zum einen die Lebens- und Wohnqualität in all ihren Facetten zu stabilisieren, zu verbessern und mit neuen Impulsen zu versehen. Und zum anderen ist die Standortqualität Münsters als at - traktiver und renommierter Wissenschafts-, Bildungs- und Wirtschaftsstandort her - vorzuheben und zu akzentuieren. Die räumlich-funktionalen Aspekte dieser beiden Stoßrichtungen finden im »Räumlichen Leitbild« ihren Ausdruck. Die wesentlichen Zukunftspotenziale Münsters liegen in einem Bedeutungszuwachs der Innenstadt. Durch eine verbesserte Verknüpfung der Altstadt einerseits mit dem Hafenareal und andererseits mit den von Wissenschaft und T echnologie geprägten Quartieren können urbane Entwicklungsmöglichkeiten im großstädtischen Maß - stab ausgeschöpft werden, die die Ausstrahlung und die Angebote der Innenstadt vielfältiger machen. Künftig wird sich die Innenstadt stärker auch als sozialer und kultureller Ort beweisen müssen. Dafür ein breites Spektrum unterschiedlicher urba- ner Atmosphären für vielfältige Nachfragen der Stadtgesellschaft anzubieten, ist ein wesentliches Ziel, Innenstadt weiter zu denken und zu fassen. Zudem wird dieser Schwerpunkt urbaner Entwicklungen beidseits von neuen urbanen Stadtquartieren am Dortmund-Ems-Kanal sowie angrenzend an den Wissenschafts- und T echnolo - giepark flankiert, die großstädtische Wohn- und Arbeitsqualitäten bieten sollen und dafür mit hohen Ansprüchen entwickelt werden. Im räumlichen Leitbild kommt dies durch einen Schwerpunktraum zum Ausdruck, der sich von der Steinfurter Straße im Nordwesten bis zum Albersloher Weg jenseits des Kanals im Südosten erstreckt. Eine besondere Akzentsetzung in dem Anspruch, mehr urbane Qualitäten in der Stadtentwicklung Münsters zu verfolgen, erfährt der von wissenschaftlichen Ein - richtungen geprägte Raum im Westen der Innenstadt. In diesem Raum zwischen Steinfurter Straße und Aasee, der sich ausgehend vom Schlossareal keilförmig nach Westen entwickelt, soll die Idee der „ Wissenschaftsstadt der Zukunft“ Realität werden: Durch mehr Nutzungsmischung, mehr lebendige Stadträume, mehr Versorgungs - qualität, mehr Wohnen für Studierende, mehr Aufenthaltsqualität und mehr Mobili- tätsangebote werden modellhaft urbane Wissensquartiere entwickelt. Gleichbedeutend mit den Entwicklungen im Kern der Stadt, ist das Ziel der Stärkung der Stadtteile und Ortslagen. Denn eine Besonderheit Münsters liegt in der Vielfalt seiner Stadtteile und damit in dem breiten Angebot unterschiedlicher Lebensstilmög- lichkeiten innerhalb der Stadtgrenzen – vom urbanen bis zum dörflichen Leben. Die- se Vielfalt bedarf der Stabilisierung, der Sicherung der Nahversorgung, der Verbes - serung sozialer und kultureller Angebote und der Einrichtungen für Bildung, Sport und Freizeit sowie der Aufwertung von Orten, die das Leben im Stadt- oder Ortsteil kristallisieren. Auch wenn es vorrangige Aufgabe der Stadtteilrahmenpläne ist, dies Die Ergebnisse im Schnelldurchlauf 47 differenziert und maßgeschneidert für jeden Ort als Programm zu entwickeln, zeigt das »Räumliche Leitbild« die entsprechenden gesamtstädtisch relevanten Facetten: Die Ortsmittelpunkte, die neuen, integrierten Wohngebiete, die Freiraumbezüge und die nachhaltigen Mobilitätsangebote über Velorouten und neue Bahn-Haltepunkte im Rahmen der reaktivierten WLE-Strecke und des S-Bahn-Konzeptes. Auch den vorhandenen und in der Entwicklung befindlichen Gewerbestandorten gilt es, eine erhöhte konzeptionelle Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, sie funktio - nal anzureichern, Versorgungs- und Freizeitmöglichkeiten zu integrieren und stadt - räumlich besser zu gestalten. Für einige Standorte bietet es sich an, Zukunftskon - zepte zu entwickeln. Künftig werden die Gewerbe- und Industriestandorte aufgrund der technologischen Entwicklungen weniger als in der Vergangenheit emittieren und damit für gezielte Mischnutzungskonzepte offener sein. Zudem werden sie sich auch orientiert an Nachhaltigkeitsgesichtspunkten qualifizieren und eine bessere Gestalt - qualität zeigen müssen: Mehr Nutzungsmischung, effizientere Bodennutzung, bes - sere Gestalt- und Aufenthaltsqualität. Vorrangig gilt dies für die neuen und vorhan - denen Standorte in weitgehend isolierter Lage am Rand der Stadt, die an wichtigen Einfallstraßen gelegen auch ein Stück Visitenkarte für die Qualitätsansprüche der Stadt sind: Hessenweg, südlich Nienberge/B54, Hansa Businesspark und im Osten der Stadt nördlich der B51. Nachholbedarf besteht zudem auch bei den beiden großen innenstadtnahen Gewerbearealen, die den Dortmund-Ems-Kanal begleiten. Eine weitere Besonderheit Münsters liegt in der Dimension und Vielfalt der Stadt- Landschaft. Die Münsterländische Kulturlandschaft ragt bis weit in die Stadt hinein. Für das Leben in der Stadt ist die unmittelbare Nähe zu den Frei- und Landschaftsräu- men eine ausgesprochen große Qualität. Diese Qualität unter den Bedingungen des Wachstums zu erhalten und auszubauen, bedarf einer integrierten Betrachtung der Siedlungs- und Freiflächenentwicklung, für die das »Räumliche Leitbild« wichtige Aufmerksamkeitsräume darstellt. Und schließlich sichern die über Jahrhunderte die Siedlungsstruktur Münsters prä - genden Radialstraßen die Orientierung in der Stadt. Sie sind darüber hinaus ebenfalls Visitenkarten der Stadt. Die Radialstraßen zeigen Gestaltungsbedarf und Entwick - lungspotenzial zugleich, wenn man sich die Anzahl der aufgelassenen und minder genutzten Flächen vergegenwärtigt. Jede Stadtzufahrt hat ihr eigenes Profil. Dies zu stärken, räumlich und funktional zum Ausdruck zu bringen und die Entwicklungs - möglichkeiten zu nutzen, ist ein weiteres Anliegen der räumlichen Entwicklung Münsters. 48 ISEK Münster 2030 | Baustein A: Das ISEK in den MünsterZukünften Stand: Dezember 2020 1 2 H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H Kinderhaus Mauritz Mondstraße Handorf Südmühle Geist/ Preußenstadion Speicherstadt SPRAKEL ROXEL AASEE & PLUGGENDORF RUMPHORST & SCHLACHTHOF HILTRUP (-WEST) MECKLENBECK MAURITZ-OST WOLBECK Senden Ottmarsbocholt Bösensell Hohenholte Altenberge Gimbte Vadrup Telgte Albersloh Westbevern Nordwalde Stand: Dezember 2020 Abbildung 30: Gesamtstädtisches räumliches Leitbild Die Ergebnisse im Schnelldurchlauf 49 1 2 H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H Kinderhaus Mauritz Mondstraße Handorf Südmühle Geist/ Preußenstadion Speicherstadt SPRAKEL ROXEL AASEE & PLUGGENDORF RUMPHORST & SCHLACHTHOF HILTRUP (-WEST) MECKLENBECK MAURITZ-OST WOLBECK Senden Ottmarsbocholt Bösensell Hohenholte Altenberge Gimbte Vadrup Telgte Albersloh Westbevern Nordwalde Senden Ottmarsbocholt Bösensell Hohenholte Altenberge Gimbte Vadrup T elgte Albersloh Westbevern H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H Kinderhaus Mauritz H H Mondstraße H Handorf Südmühle H H Geist/ Preußenstadion Speicherstadt ROXEL HILTRUP (-OST) WOLBECK ANGELMODDE HANDORF GELMER MARIENDORF SÜDMÜHLE BERG-FIDEL KINDERHAUS COERDE URBANE WISSENSQUARTIERE STEINFURTER STRAßE BUSSO-PEUS-STRAßE OXFORD-QUARTIER YORK-QUARTIER KANAL-KANTE SÜDOST INNERE STADT + HAFEN ALTSTADT / INNENSTADT AMELSBÜREN ALBACHTEN NIENBERGE / HÄGER Stand: Dezember 2020 Abbildung 31: Räumliche Schwerpunkte der Stadtentwicklung 50 ISEK Münster 2030 | Baustein A: Das ISEK in den MünsterZukünften RÄUMLICHE SCHWERPUNKTE DER STADTENTWICKLUNG ... Die Karte »Räumliche Schwerpunkte der Stadtentwicklung« zeigt, wie die ISEK-Leit- themen bereits aktuell und in den nächsten Jahren umgesetzt werden. Das Thema »Innenstadt ist mehr …« umfasst einerseits den T ransformationsprozess der Altstadt/ Innenstadt hin zu einer höheren Multifunktionalität, zu noch attraktiveren öffentli - chen Räumen und zu einer erhöhten Alltagstauglichkeit. Andererseits geht es um die intensivere Verknüpfung mit dem südöstlich angrenzenden Hafenbereich und dem westlich ausgehenden Hochschul-/Wissenschaftsbereich, um die dortigen Po - tenziale für die Stärkung der Innenstadt zu nutzen. Damit erweitert sich der Betrach- tungs- und Handlungsraum von der Innenstadt zur »Inneren Stadt«. Dies bedeutet ausdrücklich nicht die räumliche Erweiterung der originären Innenstadtfunktionen, sondern vielmehr die Inwertsetzung der spezifischen Stärken der innenstadtnahen Bereiche einschließlich des Aasees für eine attraktive Innenstadt. Als zweiter großflächiger Schwerpunktraum wird der westliche T eil der Kernstadt deutlich, der sich mit dem Altstadt-/Innenstadtbereich überlagert. Dabei erstrecken sich die Hochschul- und Wissenschaftseinrichtungen (einschließlich der Universi - tätsmedizin) vom Domplatz über den Schlossbereich und das Coesfelder Kreuz bis zum T echnologiepark an der Steinfurter Straße, weiter über das Universitätsklini - kum mit seinen markanten T ürmen an der Albert-Schweitzer-Straße und bis zu den Einrichtungen des Studierendenwerkes und der Universität Münster am Aasee (Bis - marckallee und Scharnhorststraße). Dieser, für die Zukunft von Münster ebenfalls außerordentlich bedeutsame Raum, in dem die Partner des Letter of Intent »Zukunft der Wissenschaftsstadt« das Leitbild der »Urbanen Wissensquartiere« verfolgen, ist durch eine sehr hohe Entwicklungsdynamik mit zahlreichen Vorhaben und großen Investitionen gekennzeichnet. Ein wichtiges Potenzial sowohl für die Attraktivitätssteigerung der Innenstadt als auch für die Weiterentwicklung der »Urbanen Wissensquartiere« stellt das Schlossa- real dar. Dieser Raum übernimmt eine wichtige Scharnierfunktion zwischen Altstadt und Universität sowie den westlich angrenzenden Hochschul- und Wissenschaftsbe- reichen. Ebenfalls zu berücksichtigen ist die Funktion des eigentlichen Schlossplatzes als Festplatz für Münster und die Region. In einem engen räumlichen und inhaltlichen Zusammenhang mit den »Urbanen Wissensquartieren« steht die Entwicklung der »Neuen urbanen Stadtquartiere« an der Steinfurter Straße und an der Busso-Peus-Straße. Auf diesen Flächen sollen in Erweiterung der inneren Stadt neue Stadtquartiere entstehen, die hohe funktionale, soziale, ökologische, verkehrliche und ökonomische Qualitäten vereinen und damit ein hohes Maß an Urbanität aufweisen. So soll südwestlich der Steinfurter Straße und vis-á-vis des T echnologieparks auf ca. 50 ha ein neuer Stadtraum für Münsters Zukunft als Modellquartier für urbanes Wohnen, Arbeiten und T echnologie entste - Die Ergebnisse im Schnelldurchlauf 51 hen. Die Entwicklung der Fläche westlich der Busso-Peus-Straße - vis-á-vis des Wis - senschaftsparks – verfolgt auf über 15 ha das übergeordnete Leitziel der Entwicklung eines neuen urbanen Stadtquartiers für Wissenschaft und Wohnen. Zu diesem Typus der »Neuen urbanen Stadtquartiere« gehört auch die Kanal-Kante Südost, südlich des Dortmund-Ems-Kanals. Die Strecke am Wasser von der Eulerstra- ße bis zum Lütkenbecker Weg soll sich in eine grüne Zone für Freizeit und Erholung verwandeln, die auch für die Mobilität zwischen den T eilquartieren eine große Be - deutung erhalten soll. Auf dem insgesamt rund 38 ha großen Areal und nur wenige Fahrradminuten vom Stadtzentrum entfernt soll neuer, auch öffentlich geförderter Wohnraum in urbaner Mischung mit sozialen Einrichtungen, Möglichkeiten für die Kultur- und Kreativwirtschaft sowie für dienstleistungs- und gewerbeorientierte Be - triebe und urbane Produktionsstätten geschaffen werden. Deutlich wird beim Betrachten der Karte auch, dass das ISEK-Leitthema »Vielfalt der Stadtteile« bereits in zahlreichen Stadtteilen umgesetzt wird. So sind aktuell für Al - bachten, Amelsbüren und Nienberge/Häger aufgrund der Wachstumsprozesse Stadt- teilentwicklungskonzepte erstellt worden, deren Umsetzung – mit Unterstützung der Stadtteilkümmerinnen – bereits begonnen hat. Für Häger soll ein vertiefender Stadtteilrahmenplan auf den Weg gebracht werden. In Hiltrup-Ost, Handorf/Gelmer/ Mariendorf/Sudmühle und Angelmodde sind weitere Stadtteilentwicklungskonzepte in Bearbeitung. Für Roxel und Wolbeck ist die Notwendigkeit von Stadtteilentwick - lungsprozessen zu prüfen, wenn wichtige Weichenstellungen für die jeweilige Stadt- teilentwicklung geklärt sind. Im Rahmen der Stadtteilentwicklung spielt selbstverständlich auch das Mitwachsen der Infrastruktur eine wichtige Rolle. Dies zeigt sich insbesondere an dem umfas - senden Ausbaubauprogramm für die Kindertageseinrichtungen, das umfangreiche Schulausbauprogramm und die Erweiterung der Sportstätten. Exemplarisch für den Ausbau der wohnungsnahen Infrastruktur stellt die Karte die Entwicklung neuer Stadtteilzentren bzw. Nahversorgungszentren dar. Im Zusammenhang mit der Stadtteilentwicklung ist auch auf die Integrierten Stadt - teilentwicklungskonzepte »Sozialer Zusammenhalt« (früher »Soziale Stadt«) hinzu - weisen. So unterstützt das damit verbundene und so titulierte ISEK-Leitthema die Umsetzung des »Integrierten Stadtteilentwicklungskonzeptes Coerde« und den ent - sprechenden Erarbeitungsprozess in Berg Fidel. Ziel ist es, Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf in städtebaulicher, sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht zu sta- bilisieren und aufzuwerten. Hierzu werden die Akteure vor Ort zusammengebracht, wie in dem umfangreichen Beteiligungsprozess in Coerde, und ein gemeinsam ge - tragener Maßnahmenplan erstellt. Dies verbessert die Chancen auf T eilhabe und In- tegration, soll lebendige Nachbarschaften und den sozialen Zusammenhalt fördern. 52 ISEK Münster 2030 | Baustein A: Das ISEK in den MünsterZukünften Bei den Beteiligungsprozessen und der Koordination der Umsetzung der Maßnah - men spielen die Stadtteilkümmerinnen und -kümmerer ebenfalls eine wichtige Rolle. Insgesamt kann auf die langjährigen Erfahrungen und die erzielten Erfolge im Pro - grammgebiet »Soziale Stadt« in Kinderhaus-Brüningheide zurückgegriffen werden, das sich bereits in der Verstetigungsphase befindet. Neben den teilräumlichen Darstellungen für die Altstadt/Innenstadt bzw. Innere Stadt/Hafen, dem keilförmigen Wissenschaftssektor im Westen und den Stadtteil - entwicklungskonzepten bietet die Karte auch einen Überblick über aktuelle Schwer - punkte der Siedlungsentwicklung. Für die Entwicklung von Bauland wurden die Schwerpunkte aus dem Baulandprogramm 2020-2030 herangezogen. Neben der Entwicklung des Oxford- und York-Quartiers sind dabei noch weitere prioritäre Pro - jekte wie beispielsweise in Nienberge, Albachten, Hiltrup-Ost, Angelmodde, Wol - beck, Mauritz-Ost und Handorf dargestellt. Größere Siedlungsentwicklungen gehen in der Regel mit der Erarbeitung von Stadtteilentwicklungskonzepten einher und erfordern auch die Erweiterung der wohnungsnahen Infrastruktur. Alle Wohnbau - landentwicklungen, für die Planungsrecht geschaffen werden muss, unterliegen der »Sozialgerechten Bodenordnung Münster«. Damit wird ein wichtiger Beitrag zum ISEK-Leitthema »Leistbares Wohnen« geschaffen. Anhand des Gewerbeflächenentwicklungskonzepts ist auch die Entwicklung neuer Gewerbeflächen dargestellt. Dies betrifft in kurz- bis mittelfristiger Perspektive Flä - chen im Hansa Businesspark, in Gremmendorf sowie am Schiffahrter Damm und am Hessenweg. Auch die Standorte für die längerfristige Perspektive sind dargestellt, wie am Hansa Businesspark, in Roxel und Nienberge. Zusammen mit dem Standort für die »Forschungsfertigung Batteriezelle« im Hansa Businesspark werden damit wichtige Beiträge für das ISEK-Leitthema »Facetten ökonomischer Stärke« geleistet. Dass Siedlungs- und Freiraumentwicklung im Zusammenhang betrachtet werden müssen, machen die dargestellten Aufmerksamkeitsbereiche deutlich. Diese gehen mit größeren Entwicklungen einher, wie mit den »Neuen urbanen Stadtquartieren« im Nordwesten und mit der Kanalkante Südost und mit der Stadtteilentwicklung in Hiltrup-Ost. Hiermit wird das ISEK-Leitthema »Münstersche Stadt-Landschaft« un - terstützt. Im Sinne einer integrierten Siedlungs- und Mobilitätsentwicklung stellt die Karte die entsprechenden räumlich-funktional relevanten Maßnahmenbündel für das ISEK- Leitthema »Stadtverträgliche Mobilität« dar. Dabei sind die Velorouten der Stadtregion Münster, die sternförmig von Münster in das Umland laufen, ein klares Bekenntnis zur Förderung des Radverkehrs und sollen noch mehr Menschen zum Umstieg auf das Fahrrad motivieren. Die zwölf Städte und Gemeinden in der Stadtregion wollen 14 solcher Velorouten im Sinne von Radfahrvorrangrouten über Kommunalgrenzen hinweg realisieren, um die Umlandgemeinden mit den Außenstadtteilen und dem Zentrum Münsters zu verbinden. 53 Eine wichtige Rolle – auch im Sinne einer integrierten Siedlungs- und Mobilitätsent- wicklung – nimmt die Stärkung des schienengebundenen Verkehrs gemäß dem Kon- zept der S- Bahn Münsterland ein. Neben den vorhandenen Haltepunkten werden die Reaktivierung bzw. der Neubau weiterer Haltepunkte geprüft. Für den südöstlichen Stadtbereich konnte die Reaktivierung der WLE-Strecke Münster-Sendenhorst mit entsprechenden Haltepunkten planerisch bereits weit vorangetrieben werden. Der Personenverkehr soll Mitte dieses Jahrzehnts aufgenommen werden. Diese Aktivitäten und Planungen zeigen, dass nicht erst die Arbeiten am und die Er- örterungen zum Integrierten Stadtentwicklungskonzept verdeutlichen, dass an vielen Stellen und auf vielerlei Weise an der Entwicklung Münsters gearbeitet wird ¬– und weiter geplant und gehandelt werden muss. Nicht alles wird zu gleicher Zeit, mit glei- cher Priorität und Intensität bearbeitet werden können. Zudem sind die Entwicklungsdynamiken in den Aufgabenfeldern bzw. T eilräumen verschieden ausgeprägt und die Handlungserfordernisse von unterschiedlicher Dringlichkeit. Zudem gilt es stets eine Balance zu finden: zwischen den „Großbau - stellen“ und den vielen kleinen Alltagsaufgaben, zwischen stetiger Veränderung und dem Bewahren der Münsterschen Charakteristika, zwischen den Projekten, die Münster zukunftsfähig machen und der Lebensqualität vor Ort ... Umso wichtiger ist es – auch gerade in räumlicher Hinsicht – Zusammenhänge zwischen einzelnen Planungen und Projekten zu wahren. Dazu soll das in diesem Baustein vorgestellte räumliche Leitbild beitragen. … INTEGRIERT WEITER BEARBEITEN Es wurde eingangs schon erwähnt: Stadtentwicklung ist eine Daueraufgabe. Daher werden in zeitgemäßen Entwicklungskonzepten auch keine »fertigen« Endzustände dargestellt, sondern zentrale Aufgaben und nach vorne offene Wege ihrer Bearbei - tung. Eben dieses Verständnis kommt auch im Prozess der »Münster Zukünfte 20 | 30 | 50« zum Ausdruck, der den Rahmen für das Integrierte Stadtentwicklungskon - zept bildet. Nun ist der erste der Zeithorizonte (2020) erreicht, und es wird sichtbar, dass in den bisherigen Arbeitsschritten bereits viele wichtige Aufgaben benannt (die Leitthemen), Wege ihrer Bearbeitung erörtert (u.a. die Stadtforen) und weiterführende Planungen und Maßnahmen eingeleitet werden konnten. Mit dem Entwurf eines Räumlichen Leitbildes liegt zudem ein Orientierungsrahmen für die Entwicklung der wachsenden Stadt Münster vor, der seinerseits die Grundlage für abgestimmte weitere Schritte legt. Zugleich aber wird auch deutlich, dass es sich hier nur um eine erste Bilanz aus räumlicher Sicht – Stand 2020 – handelt, die ihrerseits fortgeschrieben und durch Bilanzen andere Art (z.B. zur sozialen oder wirtschaftlichen Entwicklung, zur Nach - haltigkeit etc.) ergänzt werden kann und muss. Von wesentlicher Bedeutung für diesen Prozess der Weiterentwicklung ist jedoch, Die Ergebnisse im Schnelldurchlauf 54 ISEK Münster 2030 | Baustein A: Das ISEK in den MünsterZukünften dass der »Spirit«, der die letzen Jahre prägte, weiterhin prägen wird. Man könnte auch von einer Art DNA der bisherigen Arbeit sprechen, die auch in den nächsten Prozess- abschnitten wirksam sein sollte. Zwei Aspekte sind hier von besonderer Bedeutung: Da ist zum einen das Bemühen um integriertes Bearbeiten von Aufgaben, die quer zu Ressorts und Zuständigkeiten liegen und nur so – gemeinsam – bewältigt werden können. Ebenso wichtig aber ist die T atsache, dass der gesamte Prozess der MünsterZukünfte 20 | 30 | 50 in hohem Maße kommunikativ A gestaltet wurde. Bürgerschaftliche In - itiativen, Stadtteilspaziergänge, Werkstätten, Stadtforen und viele Aktivitäten mehr unterstrichen: In Münster ist Stadtentwicklung Gemeinschaftsaufgabe. An diesem Anspruch sollte festgehalten werden. A Die Einschränkungen der Kommuni- kationsmöglichkeiten in Zeiten einer Pandemie bedeuten hier allerdings zusätzliche Herausforderungen. Im November 2020 wurde daher bereits ein erstes Webforum »Beteiligung digitaler denken« durchgeführt. 56 ISEK Münster 2030 | Baustein A: Das ISEK in den MünsterZukünften Quellen / Anmerkungen DER ZUSAMMENHANG: DIE »MÜNSTERZUKÜNFTE 20 | 30 | 50« Abbildung 1: eigene Darstellung, siehe Abb. »Leitthemen« (S. 33) Szenarien für Münsters Zukunft (S. 7) Abbildung 2: Michael C. Moeller Abbildung 3: Institut für Anlagen- und Systemtechnologien WWU Bürgerumfrage 2018 (S. 9) Abbildung 4: www.zukunft-muenster.de Abbildung 5: www.zukunft-muenster.de Zukunftsmacher, Gutes Morgen Münster (S. 11) Abbildung 6: Ralf Emmerich Abbildung 7: Jörg Kersten - medlay Abbildung 8: MünsterView - Heiner Witte Abbildung 9: https://flowpage.de/publication/Vielfalt_Wilhelm_Hittorf_Gymnasium Abbildung 10: eigene Darstellung, Sustainable Development Goals: https://www.aw- cberlin.org/awc-berlin-and-un-sustainable-development-goals/; Münster - Unser Kli - ma 2030: https://www.stadt-muenster.de/klima/unser-klima-2030/auszeichnungen (letzter Zugriff: 08.10.2019) Abbildung 11: eigene Darstellung EIN ISEK FÜR MÜNSTER: WAS? WARUM? WOZU? 1. Landesbetrieb Information und T echnik Nordrhein-Westfalen (Hg.) (2019): IT .NRW legt für alle Städte und Gemeinden des Landes neue Ergebnisse zur zukünftigen Entwicklung der Bevölkerung vor, online unter: https://www.it.nrw/ itnrw-legt-fuer-alle-staedte-und-gemeinden-des-landes-neue-ergebnisse-zur-zu- kuenftigen-entwicklung (letzter Zugriff: 08.10.2019) Weitere Informationen unter: • Westfälische Nachrichten (2019): Münster wächst weiter, online unter: htt - ps://www.wn.de/Muenster/3662402-Bevoelkerungszahl-gestiegen-Muenster- waechst-weiter (letzter Zugriff: 08.10.2019) • Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) (2017): Wachsen und Schrumpfen von Städten und Gemeinden, Interaktive Karte, online unter: https://gis. uba.de/maps/resources/apps/bbsr/index.html?lang=de (letzter Zugriff: 08.10.2019) 2. Klaus Selle (2018): Vom großen Plan zum vielgestaltigen Prozess. Stadtentwick - lungskonzepte im Wandel. In: Ders.: Stadt entwickeln. Arbeit an einer Gemein - schaftsaufgabe. Lemgo [Rohn] S. 177 ff. 5757Quellen / Anmerkungen Abbildung 1: eigene Darstellung Abbildung 2: eigene Darstellung in Anlehnung an Plan und Praxis Berlin DIE ARBEITSPHASEN IM SCHNELLDURCHLAUF Abbildung 1: Ortserkundung: eigene Fotografie; Schlüsselpersonengespräche: eigene Darstellung; Auswertung von Vorarbeiten: eigene Darstellungen; Interner Abgleich Münster Zukünfte und Bürgerumfrage: Vorne: B-Side (2018): Banner zu Umfrage - ergebnissen im Rahmen des Zukunftsspaziergangs, Mitte: Stadt Münster: https:// www.stadt-muenster.de/fileadmin/user_upload/stadt-muenster/13_zukuenfte/pics/ plakatmotiv-viertel01-k.jpg (letzter Zugriff: 08.10.2019), Hinten: Institut für Anla - gen und Systemtechnologien (IAS) der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (2018) in Anlehnung an Gausemeier / Fink/ Schalke (1996) Abbildung 2: Zehn Leitthemen: siehe Abb. »Leitthemen« (S. 33); Vorstellung der Leit- themenentwürfe: Jörg Kersten - medlay Abbildung 3: Ressortübergreifende Erörterung: eigene Fotografien; öffentliche Dis - kussion der Themen: eigene Fotografien, Jörg Kersten - medlay Abbildung 4: Vertiefung »Urbane Wissensquartiere«: eigene Darstellungen, Karten - grundlage Stadt Münster; Standortanalyse Musikcampus: eigene Darstellung, Karten- grundlage Stadt Münster; Rahmenplan Martiniviertel: Stadt Münster (2019): Vorlage V /0781/2019 Innenstadt weiterdenken: Perspektiven für das Martiniviertel und den Hörster Parkplatz, online unter:https://www.stadt-muenster.de/sessionnet/session - netbi/getfile.php?id=447036&type=do (letzter Zugriff: 08.10.2019) DIE ERARBEITUNG DES STADTENTWICKLUNGSKONZEPTES ALS KOMMUNIKATIVER PROZESS Eindrücke aus Gremiensitzungen, Beiräten, Verwaltungswerkstätten und der Zu - kunftsarena (S.22 - 23) Abbildungen 1-11: eigene Fotografien Eindrücke aus den Stadtforen (S.26) Abbildung 12: eigene Fotografie Abbildung 13: eigene Fotografie Abbildung 14: eigene Fotografie Abbildung 15: eigene Fotografie Abbildung 16: Jörg Kersten - medlay Eindrücke aus den Stadtforen (S.27) Abbildung 17: eigene Fotografie Abbildung 18: eigene Fotografie Abbildung 19: eigene Fotografie Abbildung 20: Jörg Kersten - medlay Abbildung 21: Jörg Kersten - medlay 58 ISEK Münster 2030 | Baustein A: Das ISEK in den MünsterZukünften Abbildung 22: eigene Fotografie DIE ERGEBNISSE IM SCHNELLDURCHLAUF 1. Nachhaltigkeitsstrategie Münster 2030 (2018): online unter: https://www.stadt- muenster.de/fileadmin/user_upload/stadt-muenster/67_umwelt/pdf/gnk_nach- haltigkeitsstrategie-muenster2030_entwurf.pdf (letzter Zugriff: 08.10.2019) Abbildung 1: eigene Darstellung Abbildung 2: eigene Darstellung Abbildung 3: eigene Darstellung Abbildung 4: Jörg Kersten - medlay Abbildung 5: Jörg Kersten - medlay Abbildung 6: Jörg Kersten - medlay Abbildung 7: Jörg Kersten - medlay Abbildung 8: Jörg Kersten - medlay Abbildung 9: Jörg Kersten - medlay Leitthemen (S. 33) Abbildung 10: »Vielfalt der Stadtteile«: Presseamt Münster, Rüdiger Wölk Abbildung 11: »Urbane Wissensquartiere«: Presseamt Münster, Angelika Klauser Abbildung 12: »Innenstadt ist mehr ...«: Presseamt Münster, Tilman Roßmöller Abbildung 13: »Münstersche Stadt-Landschaft«: Presseamt Münster, Bernhard Fischer Abbildung 14: »Leistbares Wohnen«: Jean-Paul Comparin, stock.adobe.com Abbildung 15: »Facetten ökonomischer Stärke«: Presseamt Münster, Angelika Klauser Abbildung 16: »Stadtverträgliche Mobilität«: connel_design, stock.adobe.com Abbildung 17: »Digitalisierung findet Stadt«: bluedesign, stock.adobe.com Abbildung 18: »Vielfalt und sozialer Zusammenhalt«: hedgehog94, stock.adobe.com Abbildung 19: »Münster und seine Nachbarn«: Presseamt Münster, Bernhard Fischer Abbildung 20: eigene Darstellung Abbildung 21: eigene Fotografie Abbildung 22: eigene Fotografie Abbildung 23: eigene Fotografie Abbildung 24: eigene Fotografie Abbildung 25: eigene Fotografie Abbildung 26: Jörg Kersten - medlay Abbildung 27: eigene Fotografie Abbildung 28: Jörg Kersten - medlay Abbildung 29: eigene Darstellung Abbildung 30: eigene Darstellung, Kartengrundlage Stadt Münster Abbildung 31: eigene Darstellung, Kartengrundlage Stadt Münster Abbildung 32 (S. 55): Jörg Kersten - medlay 5959 Baustein A: Das ISEK in den MünsterZukünften – Einführung und Übersicht Dezember 2020 Baustein B: Schlüsselpersonengespräche Juli 2018 Baustein C: Zehn Leitthemen für Münster Februar 2019 Baustein D: Die Stadtforenprozesse März 2020 Baustein E: Bilanz 2020: Räumliches Leitbild Dezember 2020 ISEK Münster 2030 | Die Bausteine in der Übersicht
Beschlussvorlage
70311 Zeichen
V/0487/2021
V/0487/2021
Öffentliche Beschlussvorlage
Betrifft
MünsterZukünfte 20|30|50: Zentrale Ergebnisse und weiteres Vorgehen
Beratungsfolge
23.06.2021 Rat Einbringung
19.08.2021 Ausschuss für Soziales, Gesundheit, Verbraucherschutz und Ar-
beitsförderung
Vorberatung
19.08.2021 Bezirksvertretung Münster-Ost Anhörung
19.08.2021 Sportausschuss Vorberatung
19.08.2021 Bezirksvertretung Münster-West Anhörung
19.08.2021 Bezirksvertretung Münster-Hiltrup Anhörung
24.08.2021 Bezirksvertretung Münster-Südost Anhörung
24.08.2021 Ausschuss für Gleichstellung Vorberatung
24.08.2021 Bezirksvertretung Münster-Mitte Anhörung
24.08.2021 Kommission zur Förderung der Inklusion von Menschen mit Be-
hinderungen
Vorberatung
24.08.2021 Bezirksvertretung Münster-Nord Anhörung
24.08.2021 Ausschuss für Umweltschutz, Klimaschutz und Bauwesen Vorberatung
25.08.2021 Ausschuss für Verkehr und Mobilität Vorberatung
25.08.2021 Kulturausschuss Vorberatung
25.08.2021 Ausschuss für Personal, Digitalisierung, Organisation, Sicherheit
und Ordnung
Vorberatung
Stadtplanungsamt
17.06.2021
Ihr/e Ansprechpartner/in:
Herr Prof. Dr. Hauff
Telefon: 492-6135
HauffTho@stadt-
muenster.de
Frau Spinnen
Telefon: 492-2700
Spinnen@stadt-muenster.de
Herr Dr. Schmidt
Telefon: 492-2755
SchmidtMatthias@stadt-
muenster.de
Herr Gottwald-Kobras
Telefon: 492-6137
Gottwald-Kobras@stadt-
muenster.de
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V/0487/2021
26.08.2021 Ausschuss für Kinder, Jugendliche und Familien Vorberatung
26.08.2021 Ausschuss für Stadtplanung und Stadtentwicklung Vorberatung
26.08.2021 Integrationsrat Vorberatung
30.08.2021 Kommunale Seniorenvertretung Vorberatung
31.08.2021 Ausschuss für Wohnen, Liegenschaften, Finanzen und Wirtschaft Vorberatung
31.08.2021 Ausschuss für Schule und Weiterbildung Vorberatung
08.09.2021 Betriebsausschuss Münster Marketing Vorberatung
09.09.2021 Jugendrat Vorberatung
29.09.2021 Hauptausschuss Vorberatung
29.09.2021 Rat Entscheidung
Beschlussvorschlag:
I. Sachentscheidung:
1. Der Rat würdigt ausdrücklich die in einem außerordentlich breit angelegten und sehr intensiven
Dialogprozess gemeinsam von Stadtgesellschaft, Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Verwal-
tung erarbeiteten Eckpunkte für die Zukunftsentwicklung von Münster und begrüßt, dass gemein-
sam mit den beteiligten Akteurinnen und Akteuren erste Umsetzungsschritte initiiert wurden (Anl.
1, Anl. 2, Anl. 3).
2. Der Rat beschließt, dass die im Zukunftsp rozess erarbeiteten Ergebnisse als Grundlage für die
weitere Zukunftsgestaltung der Stadt Münster und als Grundlage für die Beantragung von (Städ-
tebau-)Fördermitteln genutzt werden sollen (Anl. 1, Anl. 2, Anl. 3).
3. Der Rat unterstreicht, dass die im Zukunft sprozess erarbeiteten Ergebnisse die Ziele der „Nach-
haltigkeitsstrategie 2030“ und des „Masterplans 100 % Klimaschutz/Unser Klima 2030“ aufgrei-
fen, diese durch einen räumlichen Ansatz konkretisieren und deren Umsetzung im Rahmen der
integrierten Stadtentwicklung vorantreiben. Der Rat beschließt, dass die Umsetzung der Ergeb-
nisse der MünsterZukünfte ausdrücklich auch zur Unterstützung des Ziels der Klimaneutralität
2030 genutzt werden soll.
4. Der Rat nimmt die Ergebnisse der MünsterZukünfte zur Kenntnis:
- Ergebnisse im Überblick („Magazin MünsterZukünfte“) (Anl. 1)
- Szenarioanalyse: Ergebnisbericht für die Zukunftshorizonte 2030/2050 (Anl. 2)
- Integriertes Stadtentwicklungskonzept 2030 (ISEK 2030): Bausteine A – E (Anl. 3 A – 3 E)
- Gutes Morgen Münster mit den daraus entwickelten Projekten „Zukunftsspaziergänge“ und
Wettbewerb „Vielfalt machen“ sowie „#stadtsache“ (vgl. www.gutes-morgen.ms,
https://stadtsache.de/projekt/muenster_vielfalt/start.php)
5. Der Rat nimmt zur Kenntnis, dass die Szenarioanalyse als erstr ebenswertes Szenario (Ziel -
Szenario) das „Wert-volle Münster“ identifiziert hat, für das insbesondere die Werte der Stadtge-
sellschaft (v.a. auch zivilgesellschaftliches Engagement), die Wissenschaft und die Wirtschaft re-
levant sind. Der Rat begrüßt, dass d iese Themen bereits im Integrierten Stadtentwicklungskon-
zept 2030 aufgegriffen wurden und beschließt, dass diese Themen bei zukunftsorientierten Pla-
nungen entsprechend zu berücksichtigen sind.
6. Der Rat begrüßt, dass im Integrierten Stadtentwicklungskonzept Münster 2030 (ISEK 2030) be-
reits parallel zur Erarbeitung eines gesamtstädtischen, räumlich -funktionalen Leitbilds die teil-
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räumlich integrierenden ISEK -Leitthemen, „Innenstadt ist mehr …“, „Vielfalt der Stadtteile“ und
„Urbane Wissensquartiere“ umsetzungso rientiert mit den Akteurinnen und Akteuren bearbeitet
werden (vgl. Anl. 3 E).
7. Der Rat begrüßt, dass auch die weiteren Leitthemen des Integrierten Stadtentwicklungskonzep-
tes Münster 2030 mit einem integrierten Ansatz umsetzungsorientiert gemeinsam mit der S tadt-
gesellschaft weiterverfolgt werden, wobei die Umsetzung programmatisch, prozessual und/oder
projektorientiert erfolgt und bisher unterschiedliche fachliche Tiefe erreicht hat (vgl. Anl. 3 E).
8. Der Rat begrüßt, dass auch weitere relevante Stadtentwickl ungsthemen wie v. a. Bildung, Sport,
Kultur integriert in den ISEK -Leitthemen mit bearbeitet wurden, wie z.B. bei „Vielfalt der Stadttei-
le“, bei „Innenstadt ist mehr …“ und bei „Urbane Wissensquartiere“. Der integrierte Einbezug gilt
ausdrücklich auch für die sehr wichtigen Themen „Klimaschutz/Klimaanpassung“ und „Umset-
zung Nachhaltigkeitsstrategie 2030“, deren fachliche Bearbeitung in umfänglichen separaten
Prozessen erfolgt ist bzw. erfolgt.
9. Der Rat nimmt zur Kenntnis, dass coronabedingt nicht mehr alle ISEK-Stadtforen in Präsenz
durchgeführt werden konnten und insbesondere zum Leitthema „Vielfalt und sozialer Zusam-
menhalt/Stadt in der sozialen Balance“ noch eine öffentliche Erörterung und abschließende Be-
arbeitung aussteht. Der Rat beschließt, den dialog orientierten Beteiligungsansatz auch für weite-
re Stadtentwicklungsthemen in inte grierender Perspektive fortzuführen wie z.B. Bedeutung der
Kultur für die Stadtentwicklung, Gesundheit in der Stadtentwicklung, Post-Corona-Stadt.
10. Der Rat nimmt zur Kenntnis, dass in den MünsterZukünften noch einmal nachdrücklich unterstri-
chen worden ist, dass zukunftsorientierte Stadtentwicklung nur gemeinsam mit den regionalen
Partnerinnen und Partnern erfolgen kann, wozu insbesondere die Stadtregion Münster, das
Münsterland, die EUREGIO und das Städtenetzwerk MONT gehören. Der Rat beschließt, dass
diese Kooperationsprozesse weiter umsetzungsorientiert vorangetrieben werden sollen.
11. Der Rat begrüßt, dass im Rahmen von Gutes Morgen Münster, den daraus entwickelten Projek-
ten „Zu kunftsspaziergänge“ und Wettbewerb „Vielfalt machen“ sowie „#stadtsache“ innovative
Werkzeuge für Beteiligung und ko-kreative Zukunftsgestaltung entwickelt und erfolgreich mit Kin-
dern/Jugendlichen sowie weiteren Gruppen erprobt werden konnten.
12. Der Rat bes chließt, dass die Erfahrungen mit analoger und digitaler Beteiligung aus den Müns-
terZukünften in die systematische Weiterentwicklung der Öffentlichkeitsbeteiligung einfließen sol-
len, und beauftragt die Verwaltung, zielführende Instrumente bereits bei aktue llen Prozessen an-
zuwenden. Der Rat bekräftigt die Bedeutung einer ko-kreativen Zukunftsgestaltung.
II. Finanzielle Auswirkungen:
Mit den vorgenannten Beschlusspunkten werden keine konkreten Programme oder Projekte zum
Beschluss gestellt. Diese sind in separaten Vorlagen fachlich aufzubereiten und zum Beschluss vor-
zuschlagen. Daher hat diese Vorlage keine finanziellen Auswirkungen.
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Begründung:
Was zeichnet die MünsterZukünfte aus?
Die MünsterZukünfte sind mit über 20.000 beteiligten Menschen der bislang umfangreichste Beteili-
gungs- und Dialogprozess über die Zukunftsgestaltung von Münster.
Die MünsterZukünfte sind ein Vorhaben,
- in welchem sich Menschen aus Münster und der Region von Jung bis Alt in vielfältigen und ganz
unterschiedlichen Beteiligungsformaten engagiert haben und zu ganz konkreten, auch räumlichen
Zukunftsfragen und zur zukunftsorientierten Quartiersentwicklung gemeinschaftliche Perspektiven
erarbeitet haben,
- das nicht nur erarbeitet hat, was die Stadt für eine gute Zukunft tun muss, sondern die Aufgaben
für alle Stadtgestaltenden beschreibt: Stadtentwicklung ist Gemeinschaftsaufgabe – alle sind dazu
aufgefordert, sich für eine gemeinschaftliche Zukunftsgestaltung zu engagieren,
- das nicht nur beschreibt, was wir in Zukunft tun müssen. Die MünsterZukünfte sind ein Prozess,
der schon viele, ganz konkrete Projekte initiiert und gefördert hat und das auch weiter tut,
- das nicht nur einen Kompass für die strategische Zukunftsgestaltung und wichtige Orientierungs-
punkte liefert, sondern auch den gemeinsamen Weg dorthin aufzeigt,
- das gemeinsam mit vielfältigen Akteurinnen und Akteuren aus der Stadtgesellschaft eine Entwick-
lungsperspektive und Leitideen für den gesamten Stadtraum und für wichtige Teilräume wie die
Innenstadt, die Stadtteile oder die Wissensquartiere entwickelt hat.
Die MünsterZukünfte im Überblick
Warum MünsterZukünfte?
Als „wachsende Stadt“ stand Münster in den letzten Jahren und auch aktuell vor großen Herausforde-
rungen, die zugleich vielfältige Chancen einer nachhaltigen Zukunftsgestaltung bieten. Die positive
Entwicklung der Hochschulen/Wissenschaft, wachsende Beschäftigtenzahlen und auch steigende
Geburtenzahlen führten zu positiven Bevölkerungsprogno sen. Unter Einbezug zusätzlicher Flücht-
lingszuwanderungen lagen die Schätzungen noch deutlich höher. Die Variante „Dynamischer Wis-
senschafts- und Wirtschaftsstandort“ der „Kleinräumigen Bevölkerungsprognose 2015 – 2025“ hat für
die letzten Jahre den realen Bevölkerungszuwachs relativ genau getroffen. Bevölkerungs-, Beschäfti-
gungs- und Studierendenwachstum erzeugen in Verbindung mit einem angespannten Wohnungs-
markt einen starken Druck aller Nachfragebereiche auf die Fläche und erfordern damit eine ressour-
censchonende Entwicklung. Nach der aktuellen Kleinräumigen Bevölkerungsprognose der Stadt
Münster ist weiterhin von einer Wachstumserwartung auszugehen.
Auch unabhängig von der „wachsenden Stadt“ stand und steht Münster vor weiteren grundsätzlichen
Herausforderungen, die in den letzten Jahren noch weiter zugenommen haben. Zu nennen sind in
diesem Kontext insbesondere: Klimawandel/Energiewende, soziale Ausdifferenzierungen und demo-
grafischer Wandel, Digitalisierung, Geschlechtergerechtigkeit, Inklusion, Wandel zur Wissensgesell-
schaft und knappe Finanzspielräume (vgl. V/0494/2016, Anl. 5). Die Corona -Pandemie hat hier viele
Herausforderungen noch weiter verstärkt.
Vielfach wurde und wird schon integriert und ressortübergreifend gearbeitet wie z.B. auf Basis der
Kleinräumigen Bevölkerungsprognose (vgl. V/0979/2016). Dennoch hat sich zunehmend gezeigt,
dass angesichts der differierenden Prognosen, der vielfältigen Nachfrage nach Flächen für Wohnen,
Wohnfolgeinfrastruktur, Gewerbe, Wissenschaft u.v.m. und der hohen Bedeutung einer ressourcen-
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V/0487/2021
schonenden und klimagerechten Entwicklung eine Verständigung über zentrale Zukunftsfaktoren,
über Entwicklungsziele und einen gemeinsam getragenen inhaltlich -räumlichen Rahmen erfolgen
muss. Dafür werden die Ziele der nachhaltigen Entwicklung zugrunde gelegt, die grundsätzlich für die
Steuerung der Flächennutzung im Baugesetzbuch definiert sind und für die Entwicklung von Münster
umfassend im parallel laufenden Projekt „Global nachhaltige Kommune“ mit der Nachhaltigkeitsstra-
tegie 2030 erarbeitet wurden (V/0070/2016, V/0669/2019/1).
Vor diesem Hintergrund wurde mit den Vorlagen V/0494/2016 und V/1063/2016 die Durchführung der
„MünsterZukünfte 20|30|50 – strategisch Zukunft gestalten, kurzfristig handeln“ in einem breiten politi-
schen Konsens beschlossen.
Warum 20|30|50?
Die MünsterZukünfte verfolgen das Ziel, sowohl die kurzfristige Handlungsfähigkeit zu stärken als
auch strategische Leitplanken für die mittel- und längerfristige Zukunftsgestaltung zu liefern:
- 2020: Aufgrund der vorhandenen fachspezifischen und ressortübergreifenden Programme und der
an der Kleinräumigen Bevölkerungsprognose orientierten Wohnfolgeinfrastrukturentwicklung wur-
de kein eigenständiges, integriertes gesamtstädtisches Sofortprogramm „Wachsende Stadt 2020“
mehr erarbeitet. Stattdessen wurden die Arbeitsergebnisse der MünsterZukünfte genutzt, um auf
teilräumiger Ebene die Entwicklung der Urbanen Wissensquartiere, der Innenstadt und der Stadt-
teile zu qualifizieren. Damit wurden die Ergebnisse direkt in die laufenden Prozesse eingespeist.
- 2030: Im Rahmen der MünsterZukünfte sollte ein Integriertes Stadtentwicklungskonzept Münster
2030 (ISEK 2030) für die Gesamtstadt erarbeitet werden, das nun vorliegt (vgl. Anl. 3 A - E). Die-
ses liefert einen mittelfristigen Orientierungsrahmen für die räumliche Stadtentwicklung und schafft
damit gleichzeitig die Fördervoraussetzungen für die Beantragung von (Städtebau-)Fördermitteln.
Das ISEK 2030 greift die aktuellen Herausforderungen auf, verfolgt einen integrierten ressort- und
akteursübergreifenden Ansatz und ist unter intensivem Einbezug von Öffentlichkeit, von Zivilge-
sellschaft, von Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Verwaltung entstanden. Diesen Zeithorizont
verfolgte auch das Projekt Global Nachhaltige Kommune (GNK) mit der Nachhaltigkeitsstrategie
2030, so dass sich hier die Zeithorizonte decken. Dies trifft ebenfalls auf die aktuellen Beschlüsse
zur Klimaneutralität 2030 und die Kampagne „Unser Klima 2030“ zu.
- 2050: Mit den MünsterZukünften werden auch längerfristige strategische Orientierungen erarbeitet.
Damit orientiert sich der Zukunftsprozess auch am Zeithorizont 2050, was dem Masterplan 100 %
Klimaschutz 2050 entspricht (V/0689/2017).
Welche Prinzipien lagen den MünsterZukünften zugrunde?
Für den Zukunftsprozess sind vier Prinzipien grundlegend:
- Vorhandene Ziel- und Wertebasis als Grundlage: v.a. Nachhaltigkeitsstrategie 2030, Masterplan
100 % Klimaschutz (nun „Unser Klima 2030/Klimaneutralität 2030“), Europäische Charta zur
Gleichstellung, UN-Behindertenrechtskonvention, Leitbild Migration und Integration; stadtstrategi-
sche Ziele (Integriertes Stadtentwicklungs- und Stadtmarketingkonzept/ISM); wohnungs-, sozial-,
umwelt-, wirtschaftspolitische Ziele
- Integrierte (ressortübergreifende) Bearbeitung der Themen
- Dialog- und akteursorientierte Bearbeitung mit intensivem Einbezug von Stadtgesellschaft, Wis-
senschaft, Wirtschaft, Politik und Verwaltung
- Umsetzung des Prinzips „Stadtentwicklung als Gemeinschaftsaufgabe“
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V/0487/2021
Welche Verfahren wurden verwendet und wie erfolgte die Prozessgestaltung?
Für eine systematische - und zugleich beteiligungsorientierte Prozessgestaltung - wurden drei mitei-
nander vernetzte methodische Ansätze gewählt:
- Durchführung einer Szenarioanalyse 2030/2050, um zentrale Schlüsselfaktoren der Zukunftsge-
staltung zu ermitteln und denkbaren alternativen Entwicklungspfaden Rechnung zu tragen (vgl.
Anl. 2).
- Erarbeitung eines Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes Münster 2030 (ISEK 2030) als räumli-
cher Orientierungsrahmen für die Stadtentwicklung, zur Ableitung von räumlichen Schwerpunkten
und Schlüsselprojekten sowie als Grundlage für die Städtebauförderung (vgl. Anl. 3 A – E).
- Fortführung von „Gutes Morgen Münster“ mit innovativen Beteiligungsformaten, um der Bedeutung
der stadtgesellschaftlichen Zukunftsakteurinnen und -akteure ausdrücklich Rechnung zu tragen
und entsprechende Mitgestaltungsmöglichkeiten zu schaffen (www.gutes-morgen.ms).
Wie sehen die Beteiligungsbasis und der Dialogprozess aus?
Insgesamt kann sich der Prozess auf eine ausgesproche n breite Beteiligungsbasis und einen intensi-
ven Dialogprozess stützen. Dies lässt sich an folgenden Eckpunkte exemplarisch verdeutlichen:
- Szenarioanalyse: ca. 17.000 Mitwirkende an den Onlineumfragen und Workshops
- Integriertes Stadtentwicklungskonzept 2030 (ISEK): ca. 300 aktiv Mitwirkende aus allen Teilen der
Stadtgesellschaft bei den ISEK-Stadtforen und ca. 1.000 Teilnehmende
- Gutes Morgen Münster: Mittlerweile mehr als 400 Projekte mit noch deutlich mehr Zukunftsmache-
rinnen und Zukunftsmachern
Eine ausführliche Erläuterung zur Beteiligungsbasis und zum Dialogprozess enthält die Begründung
zu Beschlusspunkt 1.
Was hat sich verändert?
Mit den Ergebnissen der MünsterZukünfte liegt nun auf der Grundlage der Szenarioanalyse und der
umfassenden Beteiligungsprozesse ein Kompass für die Zukunftsgestaltung vor, der auf den Ergeb-
nissen der Global Nachhaltigen Kommune aufbaut und die Nachhaltigkeitsstrategie 2030 insbesonde-
re in räumlicher Sicht unterstützt. Das Integrierte Stadtentwicklungskonzept 20 30 (ISEK 2030) liefert
einen räumlichen Orientierungsrahmen, benennt wichtige Leitthemen für gemeinschaftliches, inte-
griertes Handeln und schafft die Grundlage zur Einwerbung von Fördermitteln.
Dabei hat die Umsetzung gemeinsam mit den relevanten Akteure n insbesondere bei den teilräumli-
chen Leitthemen wie „Urbane Wissensquartiere“, „Vielfalt der Stadtteile“ und „Innenstadt ist mehr …“
bereits als Teil des Prozesses begonnen und die Umsetzungserfahrungen konnten wiederum zur
Qualifizierung der MünsterZukün fte genutzt werden. Auch weitere Leitthemen befinden sich in der
Vertiefung wie „Münstersche Stadt -Landschaft“, „Digitalisierung findet Stadt…“ und „Facetten ökono-
mischer Stärke“. Bereits in vielfältigen Umsetzungsschritten befindliche Handlungsfelder wie „Leistba-
res Wohnen“, „stadtverträgliche Mobilität“ und „Münster und seine Nachbarn“ konnten weiter gefördert
werden.
Durch die umfänglichen Dialogprozesse und innovativen Beteiligungsprozesse ist noch einmal nach-
drücklich unterstrichen worden, dass Zukunf tsgestaltung Gemeinschaftaufgabe ist und dass in der
Stadtgesellschaft eine große Bereitschaft zur Mitgestaltung besteht. Dies schließt die Erwartung ein,
dass entsprechende Mitgestaltungsmöglichkeiten seitens der Stadt geschaffen werden.
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V/0487/2021
Warum nun diese Vorlage?
Nach Abschluss der Szenarioanalyse, vorläufigem Abschluss des ISEK 2030 und den umfänglichen
Erfahrungen aus den Projekten von Gutes Morgen Münster sollen die Ergebnisse Politik, Stadtgesell-
schaft, Verwaltung und Prozessbeteiligten gebündelt zur K enntnis gegeben werden, damit diese als
Leitorientierungen und Kompass für eine gemeinschaftlich getragene, integrierte Zukunftsgestaltung
genutzt werden können. Dies ist auch geboten, da insbesondere bereits bei teilräumlich integrieren-
den Leitthemen die konkrete Umsetzung als Teil der Philosophie des Zukunftsprozesses angelaufen
ist. Ebenso werden erfolgreich erprobte innovative Beteiligungsformate (wie z.B. #stadtsache zur Be-
teiligung von Kindern und Jugendlichen) für schon aktuelle Beteiligungsprozesse genutzt.
Liefern die MünsterZukünfte auch Orientierungen für eine Post-Corona-Stadt?
Angesichts der aktuellen Herausforderungen durch die Corona -Pandemie muss die Frage gestellt
werden, ob die Ergebnisse der MünsterZukünfte auch Orientierungen zur Gestal tung einer Post -
Corona-Stadt liefern können. Diese Frage ist klar mit Ja zu beantworten.
Durch die Corona-Pandemie ist noch einmal nachdrücklich die Bedeutung des Nah raums für das Le-
ben der Menschen hervorgehoben worden. Insbesondere die ISEK -Leitthemen „Münstersche Stadt-
Landschaft“ und „Vielfalt der Stadtteile“ stärken die nahräumliche Orientierung. Auch das ISEK -
Leitthema „Innenstadt ist mehr …“ bietet mit Themen wie „Stärkung der Alltagstauglichkeit“ und „Stär-
kung der Multifunktionalität“ der Innenst adt bereits entsprechende Ansatzpunkte. Auch das ISEK -
Leitthema „Stadtverträgliche Mobilität“ unterstützt mit den Aspekten „Förderung des Fuß - und Rad-
verkehrs“ die nahräumliche Orientierung.
Im Rahmen der Corona-Pandemie hat sich wiederum die große Relevanz des ISEK-Leitthemas „Viel-
falt und Sozialer Zusammenhalt“ gezeigt. Hier ist insbesondere auch auf den Aspekt der strukturellen
Gesundheitsförderung hinzuweisen, der nachhaltige Entwicklung und Gesunde Stadt verbindet. Hier-
zu konnte aktuell erfreulicherwe ise in Kooperation mit der WWU Münster/Institut für Geographie ein
Modellprojekt initiiert und erfolgreich akquiriert werden.
Ebenso ist auf die Bedeutung des ISEK -Leitthemas „Digitalisierung findet Stadt“ zu verweisen. Des-
sen Bedeutung hat im Rahmen de r Corona-Pandemie weiter zugenommen und hat enge Bezüge zu
weiteren ISEK -Leitthemen wie „Facetten ökonomischer Stärke“, „Leistbares Wohnen“ und „Urbane
Wissensquartiere“. Hier stellen sich die Fragen nach der wachsenden Bedeutung von Home -Office,
Homeschooling sowie digitalem Lehren und Lernen an den Hochschulen. Welche Anforderungen
stellen sich für die Wahl des Wohnstandortes und die Gestaltung der Wohnung bzw. des Wohnumfel-
des? Was bedeutet dies für die Entwicklung lebendiger Wissensquartiere? Letztlich muss diese Frage
auch im regionalen Kontext diskutiert werden, wofür das ISEK -Leitthema „Münster und seine Nach-
barn“ eine gute Basis bietet.
Somit bleibt festzuhalten, dass die Ergebnisse der MünsterZukünfte wichtige programmatische und
räumliche Leitplanken zur Gestaltung der Post-Corona-Stadt liefern.
Zukunftsgestaltung ist Daueraufgabe
Mit der vorliegenden Vorlage ist der Zukunftsprozess nicht beendet. Die aufgrund der Corona -
Pandemie verschobenen Stadtforen müssen noch nachgeholt werden wie „Vielfalt und Zusammen-
halt/Stadt in der sozialen Balance“ oder „Beteiligung weiter denken“. Weite re Themen deuten sich an
wie „Gesundheit und nachhaltige Stadtentwicklung“ und „Konturen der Post -Corona-Stadt“. Ebenso
spielt die verstärkte und rasche Umsetzung der Prozessergebnisse in den teilräumlichen Leitthemen
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eine wichtige Rolle wie „Urbane Wissen squartiere“, „Vielfalt der Stadtteile“ und „Innenstadt ist mehr
…“. Weitere Themen sind angesichts der Corona-Pandemie und der Ergebnisse der Szenarioanalyse
mit Nachdruck weiterzubewegen wie „Facetten ökonomischer Stärke“, „Digitalisierung findet Stadt“
und „Münstersche Stadt-Landschaft“.
Die Frage einer nachhaltigen und sozialorientierten Gestaltung der Wachstumsprozesse stellt sich
weiterhin insbesondere für die Themen „Leistbares Wohnen“ und „stadtverträgliche Mobilität“. Letzt-
lich können auch diese T hemen nur im regionalen Zusammenspiel der Akteure bearbeitet werden.
Abschließend ist die hohe Bedeutung der Klimaneutralität 2030 zu benennen, für die eine integrierte
Stadtentwicklung wichtige Anknüpfungspunkte liefert.
Zu Beschlusspunkt 1: Grundlagen für eine strategische und umsetzungsorientierte Zukunfts-
gestaltung
Mit den Grundsatzvorlagen für die MünsterZukünfte wurde deutlich gemacht, dass Münster als
„wachsende Stadt“ vor großen Herausforderungen steht, die zugleich vielfältige Chancen für eine
nachhaltige Zukunftsgestaltung bieten (vgl. V/0494/2016, V/1063/2016). Die vielfältigen Herausforde-
rungen und bereits zahlreichen vorhandenen fachspezifischen Konzepte erfordern einen integrierten
Ansatz, der Akteurinnen und Akteure aus den Fachressorts der Verwaltung, Wissenschaft, Wirtschaft
und unterschiedlichen Bereichen der Zivilgesellschaft breit einbindet, um Grundlagen für eine strate-
gische und umsetzungsorientierte Zukunftsgestaltung zu schaffen. Hiermit verbunden ist die Ablei-
tung eines gesamtstädtischen raumstrukturellen Konzepts als Grundlage für die Städtebauförderung.
In der Bevölkerung und bei den Akteuren aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft bestand
eine hohe Bereitschaft, bei den MünsterZukünften mitzuwirken. Damit kann sich der Zukunftsprozess
auf eine ausgesprochen breite Beteiligungsbasis und einen intensiven Dialogprozess stützen. Dies
wird an folgenden Eckpunkten deutlich:
- Szenarioanalyse: ca. 16.500 Mitwirkende bei der Einflussfaktorensammlung und ca. 4.680 Mitwir-
kende bei der Schlüsselfaktorenauswahl
- ISEK 2030: Schlüsselpersonenbefragung (34 Personen); 10 Stadtforen mit insg. über 300 aktiv
Mitwirkenden und insg. ca. 1.000 Teilnehmenden; 1 Webforum mit ca. 150 Teilnehmenden
- Gutes Morgen Münster: rd. 400 Projekte; 5 Zukunftsspaziergänge mit je ca. 30 – 40 Beteiligten; 99
Bewerbungen Projekt „Vielfalt machen“ mit bürgerschaftlicher Jury; # Stadtsache mit mehreren be-
teiligten Schulen und Schulklassen.
- Bürgerumfrage 2018 „Stadtentwicklung – heute und morgen“ (Standortbestimmung MünsterZu-
künfte 20|30|50) (V/0831/2018) mit 2.226 Beteiligten.
- Sieben ressortübergreifende Verwaltungswerkstätten zu den ISEK-Leitthemen (ca. 70 Teilneh-
mende aus den jeweils fachlich relevanten Ämtern)
Im Zukunftsprozess wurden mit der Szenarioanalyse (Z ielszenario „Wert-volles Münster“ und Ablei-
tung zentraler Schlüsselfaktoren) wichtige Grundlagen für die strategische Zukunftsgestaltung ge-
schaffen (vgl. Anl. 2). Aus mittelfristiger Sicht liefert das Integrierte Stadtentwicklungskonzept Münster
2030 (ISEK) einen räumlich-funktionalen Orientierungsrahmen (Leitbild 1.0) und entsprechende (teil-
räumliche) Leitthemen (vgl. Anl. 3 A – E). Diese ISEK -Leitthemen schaffen inhaltliche Orientierung
und laden zum gemeinsamen Handeln ein. Zugleich wird mit dem ISEK 203 0 eine Grundlage für die
Städtebauförderung geschaffen, die für die einzelnen Förderschienen eine Ableitung aus einem ge-
samtstädtischen Konzept fordert.
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Zur Philosophie des Zukunftsprozesses gehört, eine hohe Umsetzungsorientierung in die Dialog - und
Diskursphasen zu integrieren. Dies betrifft insbesondere die teilräumlich integrierenden Leitthemen
wie „Urbane Wissensquartiere“, „Innenstadt ist mehr …“ und „Vielfalt der Stadtteile“. Hier ist der
Handlungsdruck so groß, dass bereits im Prozess gemeinsam mit den Akteuren konkrete projektori-
entierte Umsetzungsschritte initiiert wurden, die auf den gemeinsam getragenen Prozessergebnissen
fußen.
Festzuhalten bleibt insbesondere,
- dass sich bezüglich der Szenarioanalyse und des ISEK 2030 eine hohe Übereinstimmung über
relevante Faktoren der Stadtentwicklung ergeben hat,
- dass wichtige Ergebnisse der Bürgerumfrage 2018, die als Standortbestimmung für die Münster-
Zukünfte diente, mit den ISEK-Leitthemen aufgegriffen wurden,
- dass Stadtentwicklung „Gemeinschaftsaufgabe“ ist, die nur im Zusammenspiel von Kommune,
Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft gemeinsam erfolgreich gestaltet werden kann,
- dass in Münster eine hohe Bereitschaft besteht, in Prozessen der Stadtentwicklung aktiv mitzuwir-
ken, wie insbesondere die Bearbeitung der räumlich integrierenden Leitthemen und die hohe Be-
teiligung an den Projekten von Gutes Morgen Münster gezeigt haben,
- dass die Einbindung der Öffentlichkeit sowie von Akteurinnen und Akteuren aus der Stadtgesell-
schaft in Stadtentwicklungsprozesse der kontinuierlichen Kommunikation bedarf. Hier hat sich das
„Zukunftsschaufenster“ (www.zukunft-muenster.de) sehr bewährt, das zurzeit zu einem Zukunft-
sportal weiterentwickelt wird,
- dass die MünsterZukünfte sehr agil durchgeführt wurden, da bereits in den Dialog- und Diskurs-
prozess eine hohe Umsetzungsorientierung integriert wurde.
Zu Beschlusspunkt 2: Nutzung der Ergebnisse der MünsterZukünfte 20|30|50
Wie in der Begründung zu den Beschlusspunkten 1 und 4 ausgeführt, sind i n einem systematischen
Prozess, der sich auf eine außerordentlich breite und intensive Öffentlichkeits- und Akteursbeteiligung
stützen kann, wichtige Grundlagen für die Zukunftsgestaltung von Münster erarbeitet worden. Auf-
grund der hohen Agilität des Proze sses und der Herausforderungen der Stadtentwicklungsfragen
wurde bereits in den Dialog - und Diskursprozess eine hohe Umsetzungsorientierung integriert, die
wiederum zur Schärfung und Bestätigung der Prozessergebnisse beigetragen hat.
Das Ziel-Szenario „Wert-volles Münster“ mit seinen Kernfaktoren „Werte der Stadtgesellschaft, dyna-
mische Wirtschaft und starke Hochschulen“ sowie die weiteren Schlüsselfaktoren laut Szenarioanaly-
se (Digitalisierung, Bildungsniveau, Verfügbarkeit von Wohnraum, Einwohnerzahl) werden durch Leit-
themen des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes 2030 aufgriffen und bereits in unterschiedliche
Tiefe umsetzungsorientiert angegangen (vgl. Anl. 1, vgl. Anlage 3 C, D, E). Hier sind vor allem zu
nennen: „Urbane Wissensquartiere“, „Facette n ökonomischer Stärke“, „Vielfalt und sozialer Zusam-
menhalt/Soziale Balance“, „Leistbares Wohnen“, „Digitalisierung findet Stadt“, „Münster und seine
Nachbarn“, aber auch „Vielfalt der Stadtteile“, „Innenstadt ist mehr …“ und „Münstersche Stadt -
Landschaft“ (vgl. Anl. 3 C).
Durch die wissenschaftlich -analytische und zugleich umfänglich partizipativ -akteursorientierte Absi-
cherung liegen damit wichtige Grundlagen zur Zukunftsgestaltung vor. Zugleich fußt der gesamte
Zukunftsprozess auf der vorhandenen Ziel - und Wertebasis wie Nachhaltigkeitsstrategie 2030, Mas-
terplan 100 % Klimaschutz/Unser Klima 2030, Integriertes Stadtentwicklungs - und Stadtmarketing-
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konzept mit dem Stadtprofil „Wissenschaft & Lebensart“, Gender Mainstreaming / Inklusion / Diversi-
ty, Leitbild Migration und Integration.
Die Prozessergebnisse sollen auch für die Einwerbung von Fördermitteln genutzt werden. Insbeson-
dere ist hier auf die Städtebauförderung zu verweisen. Die Städtebauförderung setzt integrierte städ-
tebauliche Entwicklungskonzepte als Grundlage voraus, wobei die teilräumlichen Konzepte aus ei-
nem gesamtstädtischen Konzept abgeleitet werden müssen. Das Integrierte Stadtentwicklungskon-
zept Münster 2030 (ISEK 2030) schafft eine diesbezügliche Grundlage, auf der teilräumliche und
fachthematische Konzepte aufsetzen können.
Mit der Vorlage V/0672/2020 „Innenstadt stärken – Städtebauförderprogramme nutzen“ wurde schon
ein entsprechender Beschluss für die Förderschiene „Lebendige Zentren“ herbeigeführt. Auch für die
weiteren Förderschienen wie „Sozialer Zusammenhalt“ und „Wachstum und nachhaltige Erneuerung“
bietet das ISEK 2030 entsprechende Grundlagen. Dies schließt nach den aktuellen Städtebauförder-
bestimmungen ausdrücklich als Fördertatbestände die Aspekte „Klimaschutz/Klimaanpassung“ u nd
„Freiflächenentwicklung“ mit ein.
Letztlich ist auch auf den Bereich der „Urbanen Wissensquartiere“, des „Leistbaren Wohnens“ und
der „Stadtverträglichen Mobilität“ zu verweisen, wo für die Fachkonzepte entsprechende Fördergrund-
lagen benötigt werden.
Zu Beschlusspunkt 3: Nachhaltigkeit als Basis – Unterstützung Klimaneutralität
Der Prozess der MünsterZukünfte verlief von Beginn an eng verknüpft mit dem Modellprojekt „Global
nachhaltige Kommune“ (GNK) (V/0070/2016), V/0494/2016) und mit der in diesem Kontext entwickel-
ten Nachhaltigkeitsstrategie 2030. Das Ziel einer nachhaltigen Entwicklung und die schrittweise erar-
beiteten Bestandteile der Nachhaltigkeitsstrategie diente als Ziel - und Wertebasis des Zukunftspro-
zesses (V/1063/2016, (V0648/2017, V0515/ 2018). Dabei erfolgte eine partizipative Verknüpfung, in-
dem der Zukunftsprozess sich aktiv in das GNK -Kernteam eingebracht hat und die Mitglieder des
Beirats Global Nachhaltige Kommune in den Beirat MünsterZukünfte eingeladen wurden. Auch war
ein grundsätzlich gemeinsames inhaltliches Fundament dadurch abgesichert, dass nachhaltige Ent-
wicklung gemäß § 1, Abs. 5 Baugesetzbuch genuiner Bestandteil von Integrierten Stadtentwicklungs-
konzeptes sein muss, um eine spätere Förderfähigkeit sicherzustellen.
Der Zukunftsprozess hat auf den jeweils vorliegenden Arbeitsergebnissen zur Nachhaltigkeitsstrate-
gie aufgebaut. Dies gilt ebenso für das Thema Klimaschutz und Klimaanpassung. Bereits beschlos-
sene oder intensiv öffentlich erörterte Prozesse wie der Masterplan 100 % Klimaschutz wurden ent-
sprechend einbezogen und aufgriffen. Dies gilt selbstverständlich für „Unser Klima 2030“ mit dem Ziel
der Klimaneutralität 2030, das nun in der Umsetzungsphase eine wichtige Rolle spielt. Hier bestehen
bei den ISEK-Leitthemen entsprechende Anknüpfungspunkte, da grundsätzlich alle ISEK -Leitthemen
Klimaaspekte von Beginn an integriert berücksichtigt haben.
Charakteristisch für das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK 2030), das im Rahmen der
MünsterZukünfte einen räumlichen Orientierungsrahmen erarbeitet hat, ist der besonders integrieren-
de Charakter durch den Raumbezug. Dies gilt insbesondere für folgende ISEK -Leitthemen, die zu-
dem die besonderen Charakteristika von Münster abbilden und für die nach der Standortbestimmung
Aktualisierungs- bzw. Ergänzungsbedarf bestand:
- Münstersche Stadt-Landschaft
- Vielfalt der Stadtteile
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- Innenstadt ist mehr …
- Urbane Wissensquartiere
Auf diesen räumlichen Integrations - und Bündelungsebenen lassen sich die Ziele der nachhaltigen
Entwicklung gemäß der Nachhaltigkeitsstrategie 2030 und gemäß Baugesetzbuch in der Zusammen-
schau behandeln, Zielkonflikte aufzeigen und Lösungsvorschläge erarbeiten. Wie dies in der Umset-
zung funktionieren kann, verdeutlichen idealtypisch die Planungen zu den neuen urbanen Z ukunfts-
quartieren in Münster. Hierzu hat der Rat mit den Beschlüssen zu den Vorlagen V/0180/2020,
V/0417/2020, V/0435/2020 entsprechende programmatische Vorgaben gemacht, die auf den konkre-
ten Flächen westlich der Steinfurter Straße, westlich der Busso -Peus-Straße und südlich des Dort-
mund-Ems-Kanals (Kanal-Kante Südost) auf der Basis intensiver Partizipationsprozesse in Einklang
gebracht werden sollen. Die Entwicklung dieser urbanen Modellquartiere stellt daher zugleich auch
ein Schlüsselprojekt der Nachhaltigkeitsstrategie dar.
Insgesamt bieten auch die weiteren ISEK -Leitthemen mit ihrem Integrations - und Bündelungsan-
spruch die Chance, die handlungsfeldorientierten Ziele der Nachhaltigkeitsstrategie 2030 im Zusam-
menhang zu betrachten und zu abgewogenen Lös ungen zu kommen. So kann beispielsweise das
ISEK-Leitthema „Leistbares Wohnen“ folgende Handlungsfelder der Nachhaltigkeitsstrategie 2030 mit
den diesbezüglichen strategischen und operativen Zielen bündeln: „nachhaltiges Wohnen“, „Natürli-
che Ressourcen und Umwelt“, „Nachhaltige Wirtschafts -, Pendler - und Freizeitverkehre“, „Klima-
schutz und Energie“. Für das ISEK -Leitthema „Stadt in der sozialen Balance“ lässt sich dies folgen-
dermaßen verdeutlichen: mit dem Projekt „Gesundheit in der nachhaltigen Stadt“ werd en unter dem
Fokus „Gesundheit für alle“ Stadtentwicklungskonzept und Nachhaltigkeitsstrategie miteinander ver-
bunden.
Ausdrücklich ist hervorzuheben, dass über die Global nachhaltige Kommune bzw. die Nachhaltig-
keitsstrategie 2030 das lokale Handeln in ein en globalen Kontext gestellt wird und somit in den Zu-
kunftsprozess die globale Perspektive umfänglich eingebracht wird. Themenorientiert hat sich auch
der Zukunftsprozess mit globalen Fragen beschäftigt wie z.B. auf dem Stadtforum „Stadtverträgliche
Mobilität“ und bei Gutes Morgen Münster mit mehreren Projekten. Durch das strategische Nachhaltig-
keitsziel „Globale Verantwortung im Handeln verankern“ aus der Nachhaltigkeitsstrategie 2030 wird
somit ein wichtiger Teil der Münster -Werte operationalisiert, der b ereits im Integrierten Stadtentwick-
lungs- und Stadtmarketingprozess (ISM) (2002-2004) hervorgehoben wurde (V/0118/2004).
Die Ergebnisse der MünsterZukünfte bieten darüber hinaus ein großes Potenzial, die Umsetzung des
Ziels der Klimaneutralität zu unters tützen. Hier ist vorrangig auf die Leitthemen des Integrierten
Stadtentwicklungskonzeptes Münster 2030 (ISEK 2030) zu verweisen, die in ihrer konkreten Umset-
zung viele Ansatzpunkte bieten. Insbesondere ist dabei wieder auf die räumlich bündelnden Leitthe-
men einschließlich der regionalen Ebene („Münster und seine Partner“) zu verweisen, aber auch die
Leitthemen „Leistbares Wohnen“, „Stadtverträgliche Mobilität“, „Facetten ökonomischer Stärke“ und
„Digitalisierung findet Stadt“ bieten hier erhebliches Potenzial. Dieses soll in den Umsetzungsschritten
der MünsterZukünfte verstärkt genutzt werden, um den Prozess zur Klimaneutralität 2030 zu fördern.
Zu Beschlusspunkt 4: Ergebnisse der MünsterZukünfte 20|30|50
Die Ergebnisse der Szenarioanalyse, des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes Münster 2030 und
von Gutes Morgen Münster mit den daraus entwickelten Projekten „Zukunftsspaziergänge“, Wettbe-
werb „Vielfalt machen“ und „#stadtsache“ sind in folgenden Berichten und Internetdarstellungen auf-
bereitet:
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- Das Magazin „MünsterZukünfte“ enthält einen Überblick über Beteiligungsprozesse, methodische
Ansätze und Ergebnisse (vgl. Anl. 1).
- Die Ergebnisse der Szenarioanalyse Münster 2030/2050 sind im Ergebnisbericht des Instituts für
Anlagen und Systemtechnologien der WWU (Prof. Dr. Dr. h.c. Klaus Backhaus) aufbereitet (vgl.
Anl. 2). Die Begründung zu Beschlusspunkt 5 stellt auf dieser Basis die Kernaussagen dar.
- Die Ergebnisse des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes Münster 2030 (ISEK 2030) sind in 5
Bausteinen – entsprechend dem Erarbeitungsprozess – zusammengefasst (vgl. Anl. 3 A – 3 E):
- Baustein A: Das ISEK in den MünsterZukünften – Einführung und Übersicht (Vgl. Anl. 3 A)
- Baustein B: Schlüsselpersonengespräche (vgl. Anl. 3 B)
- Baustein C: Zehn Leitthemen für Münster (vgl. Anl. 3 C)
- Baustein D: Die Stadtforenprozesse (vgl. Anl. 3 D)
- Baustein E: Bilanz 2020 – Räumliches Leitbild (vgl. Anl. 3 E)
Eine Übersicht zu den Ergebnissen bietet der Baustein A (vgl. Anl. 3 A). Die Begründungen zu den
Beschlusspunkten 6 – 9 bieten noch weitergehende Erläuterungen.
Die Ergebnisse von Gutes Morgen Münster mit den daraus entwickelten Projekten „Zukunftsspazier-
gänge“, Wettbewerb „Vielfalt machen“ und „#stadtsache“ sind in folgenden Internetdarstellungen auf-
bereitet:
- Gutes Morgen Münster mit den Projekten „Zukunftsmacherinnen/Zukunftsmacher“, Zukunftsspa-
ziergänge, „Vielfalt machen“ (Wettbewerb mit Zufallsjury): www.gutes-morgen.ms
- #stadtsache (Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an der Zukunftsgestaltung):
https://stadtsache.de/projekt/muenster_vielfalt/start.php
Die Begründungen zu den Beschlusspunkten 1 1 und 12 stellen Kernaussagen zu diesen innovati-
ven Beteiligungswerkzeugen dar.
Zu Beschlusspunkt 5: Ergebnisse Szenarioanalyse – Zielszenario „Wert-volles Münster“
Szenarioanalysen sind ein erprobtes Instrument für eine strategische Zukunftsgestaltung. Sie zielen
angesichts der Unsicherheiten über die zukünftige Entwicklung darauf ab, alternative Entwicklungs-
pfade zu identifizieren. Damit soll ein schnelles, flexibles Reagieren auf aktuelle Entwicklungen in
unsicheren, dynamischen Umfeldern ermöglicht we rden. Ziel ist ausdrücklich nicht, die wahrschein-
lichste Zukunft zu prognostizieren. Durch die Ergebnisse der Szenarioanalyse ist es möglich, strategi-
sche Schlüsselfaktoren für die Stadtentwicklung zu identifizieren und die Aussagen des Integrierten
Stadtentwicklungskonzept Münster (ISEK 2030) hiermit im Hinblick auf die Zukunftsentwicklung stra-
tegisch einzuordnen.
Aufgrund des Ratsbeschlusses V/0494/2016 „MünsterZukünfte 20|30|50 – strategisch Zukunft gestal-
ten, kurzfristig handeln“ hat die Stadt Münster eine Vereinbarung mit der WWU Münster (Hr. Profes-
sor Dr. Dr. h.c. Klaus Backhaus/ Institut für Anlagen und Systemtechnologien) zur Durchführung einer
Szenarioanalyse abgeschlossen. Diese wurde zwischen März 2017 und Juli 2019 mit intensiver Ein-
bindung der Öffentlichkeit (ca. 17.000 Teilnehmende) und intensiver Einbindung der Akteure aus
Stadtgesellschaft, Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung und Politik in zwei großen Umfragen und in
mehreren Workshops durchgeführt.
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Der Ergebnisbericht „MünsterZukünfte – Eine Szenarioanalyse für die Zukunftshorizonte 2030/2050“
(vgl. Anl. 2) beschreibt den Projekthintergrund, das methodische Vorgehen und die Ergebnisse.
Ebenso wird eine Funktionsmatrix dargestellt, die Vorschläge für das Management der zentralen
Schlüsselfaktoren enthält. Im Hinblick auf die Ergebnisse bleibt festzuhalten, dass für Münster keine
Alternativszenarien abgeleitet werden konnten, sondern die Szenarien durch die Abstufung der je-
weils gleichen Kriterien variieren. Bestimmend für die Szenarien sind die Werte der Stadtgesellschaft,
die Hochschulen und die Wirtschaft. Durch Variation dieser Faktoren ergeben sich vier Szenarien:
- Das Wert-volle Münster
- Das selbstzufriedene Münster
- Das erstarrte Münster
- Das verwelkte Münster
Als „Ziel-Szenario“ für Müns ter ergibt sich damit das „Wert -volle Münster“ (Anl. 2, S. 14ff.), das von
besonderen Münster -Werten (starker Zusammenhalt, hohes zivilgesellschaftliches Engagement“),
einer dynamischen Wirtschaft sowie von großen, exzellenten Hochschulen mit gutem Ruf cha rakteri-
siert wird. Die drei anderen Szenarien weisen eine entsprechend schlechtere Ausprägung dieser Fak-
toren aus.
Im Hinblick auf die Szenarioverwendung wurden Analysen zur weiteren Konkretisierung der Schlüs-
selfaktoren vorgenommen (vgl. Anl. 2, S. 30ff .). Dabei konnten sieben zentrale Schlüsselfaktoren
identifiziert werden:
- Hochschulen und Studierendenzahlen
- Entwicklung der Wirtschaftssektoren
- Werte der Stadtgesellschaft
- Digitalisierung
- Bildungsniveau
- Verfügbarkeit von Wohnraum
- Einwohnerzahl
Für diese Faktoren wurden Treiber zum „Wert -vollen Münster“, entsprechende Handlungskorridore
und Adressaten bestimmt (Anl. 2, S.33ff.). Das „Wert -volle Münster“ kann nur durch eine breite Mit-
wirkung erreicht werden, was unterstreicht, dass Stadtentwicklung „Gemein schaftsaufgabe“ ist. Die
Funktionszuordnungsmatrix stellt dar, wie die sieben Schlüsselfaktoren gemanagt werden können, so
dass eine Erreichung des „Wert-vollen Münsters“ möglich ist (vgl. Anl. 2, S. 26/Tab. 6).
Im Hinblick auf eine „Eichung“ der Ergebni sse des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes Münster
2030 (ISEK 2030) ist hervorzuheben, dass das ISEK 2030 mit seinen Leitthemen wesentlich Schlüs-
selfaktoren aufgreift. Hier sind zu nennen:
- Urbane Wissensquartiere
- Facetten ökonomischer Stärke
- Vielfalt und sozialer Zusammenhalt/Soziale Balance
- Leistbares Wohnen
- Digitalisierung findet Stadt
- Münster und seine Nachbarn
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Zu Beschlusspunkt 6: Umsetzungsorientierte Bearbeitung teilräumlicher Leitthemen im ISEK
2030
Die MünsterZukünfte 20|30|50 zeichnen sich durch eine hohe Agilität aus. Parallel zu den Dialog- und
Diskursphasen findet in mehreren Themenfeldern bereits eine Umsetzung statt. So wurden aufgrund
des hohen Handlungsdrucks der „wachsenden Stadt“ parallel zur Erarbeitung des gesamtstädtischen,
räumlich-funktionalen Leitbilds bereits teilräumliche Umsetzungsschritte mit den relevanten Akteuren
entwickelt.
Dies betrifft vor allem die Themen:
- Urbane Wissensquartiere:
Aufgrund des hohen Investitionsdrucks und den damit verbundenen herausragenden Chancen für
Münster im Wissenschaftssektor wurde gemeinsam mit WWU Münster, FH Münster, Universitäts-
klinikum Münster/UKM, Bau - und Liegenschaftsbetrieb NRW/Niederlassung Münster und Studie-
rendenwerk Münster unter Einbin dung der ASten von WWU und FH Münster ein gemeinsamer
Letter of Intent (LoI) „Wissenschaftsstadt der Zukunft“ abgeschlossen. Dieser mündete unter Ein-
beziehung der Ergebnisse der Internationalen Ideenwerkstatt „Zukunft der Wissenschaftsstadt“ ei-
nerseits in einem gemeinsam getragenen stadträumlichen Konzept „Urbane Wissensquartiere“,
andererseits wurden die gemeinsamen programmatischen Qualitätskriterien bereits für die Ent-
wicklung konkreter Projekte genutzt (vgl. Anl. 3 E, S. 16ff., https://www.zukunft-
muenster.de/ideenwerkstatt/, https://www.zukunft-muenster.de/science-boulevard/ ).
Beispielhaft wird dies deutlich an den Planungen des UKM am Coesfelder Kreuz (Servicecentrum
und Studierendenlabor), an der Entwicklung des Mathe-Campus der WWU, an den Eckpunkten für
die Planungen „Strukturkonzept des Naturwissenschaftlichen Zentrums (NWZplus)“ (BLB gemein-
sam mit WWU und FH in enger Abstimmung mit Stadt Münster). Ebenso ist im Rahmen der Um-
setzung auf die Entwicklung der urbanen Stadtquartiere „Wohnen, Arbeiten und Technologie“
(westlich der Steinfurter Straße, V/0180/2020) und „Wissenschaft und Wohnen“ (westlich Busso -
Peus-Straße, V/0417/2020) hinzuweisen, die zudem auch Schlüsselprojekte der Nachhaltigkeits-
strategie 2030 sind.
Auch die Entwicklung eines Scien ce Boulevard vom Leonardo -Campus / Horstmarer Landweg
über Corrensstraße und Domagkstraße bis zum Jungeblodtplatz zur Stärkung des Fuß - und Rad-
verkehrs wird gemeinsam von den LoI -Partnern getragen. In diesem Kontext ist auch auf das Stu-
dierendenprojekt „Co rrensstraße“ zu verweisen, das im Zuge der Allianz für die Wissen-
schaft/Arbeitskreis Nachhaltige Stadtentwicklung von WWU Münster und FH Münster mit Unter-
stützung der Stadt vorbereitet wird. Studierende erarbeiten im Sommersemester 2021 Ideen, wie
der über dimensionierte Straßenraum in der Corrensstraße zu einem Lebensraum umgewandelt
werden kann.
- „Innenstadt ist mehr …“
Hier wurde bereits mit Vorlage V/0672/2020 „Innenstadt stärken - Städtebauförderprogramme nut-
zen“ eine Beschlussfassung herbeigeführt, die die Ergebnisse des ISEK 2030 zur Erarbeitung ei-
ner neuen Grundlage für die Städtebauförderung für die Innenstadt nutzt („Lebendiges Zentrum
Münster-Innenstadt“). Zugleich wurde ein erfolgreicher Antrag im Rahmen des Sofortprogramms
Innenstadt NRW 2020 zum Aufbau eines Zentrenmanagements gestellt, der mittlerweile bewilligt
und weiter ausgebaut wurde (V/0202/2021).
- „Vielfalt der Stadtteile“
Die Ergebnisse des diesbezüglichen Stadtforums (vgl. Anl. 3 D, S. 12ff.) und die erarbeiteten pro-
grammatischen Eckpunkte (vgl. Anl. 3 E, S. 36ff.) sind bereits in die laufenden Stadtteilentwick-
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lungsprozesse eingeflossen. Hierbei ist auf die Einrichtung von sog. Stadtteilkümmerinnen (Quar-
tiersmanagerinnen) hinzuweisen, die die Umsetzungsprozesse in den Stadtteilen vorantreiben und
vernetzen. Auch das Thema der Begegnungsorte/-räume („Dritte Orte“) findet besondere Aufmerk-
samkeit (z.B. bei Nutzbarkeit neuer Schulgebäude). Ebenso ist Bedeutung der Stadtteilmitten noch
einmal durch das ISEK 2030 bekräftigt worden und wird akt uell z.B. in Amelsbüren angegangen
(vgl. https://www.zukunft-muenster.de/zukunft-amelsbueren/). Insbesondere macht auch die Karte
„Räumliche Schwerpunkte der Stadtentwicklung“ deutlich, welche Rolle die Stadtteilentwicklungs-
prozesse und deren Umsetzung gegenwärtig spielen (vgl. Anl. 3 E, S. 61).
Zu Beschlusspunkt 7: Hohe Bedeutung der weiteren ISEK-Leitthemen
Auch die weiteren ISEK -Leitthemen, die sich nicht vorrangig auf klare Teilräume beziehen, haben
hohe Bedeutung. Auch hier erfolgt die Umsetzung ber eits programmatisch, prozessual und / oder
projektorientiert und hat bisher unterschiedliche fachliche Tiefe erreicht.
- „Münstersche Stadt-Landschaft“
Hier hat das diesbezügliche Stadtforum noch einmal die Relevanz des Themas unterstrichen und
dieses weiter inhaltlich entfaltet (vgl. Anl. 3 D, S. 35ff.). Ebenso liegen Handlungsempfehlungen
aus dem ISEK 2030 zur weiteren Operationalisierung der Thematik v or wie z.B. einer Integrierten
Siedlungs- und Freiflächenplanung (vgl. Anl. 3 E, S. 44ff.). Hier müssen die grundsätzlichen Schrit-
te der Weiterarbeit noch abgestimmt werden. Auf projektorientierter Ebene werden die Ergebnisse
jedoch bereits umsetzt, wie z. B. bei der frühzeitigen Erstellung eines Freiflächenkonzeptes für die
Urbanen Quartiere „Westlich Steinfurter Straße“ und „Westlich Busso -Peus-Straße“. Ebenso wird
bei Siedlungsplanungen im Übergang zum Freiraum die Freiflächenfrage von Beginn an einbezo-
gen. Auch die Erarbeitung des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzeptes Innenstadt
(INSEK) berücksichtigt Freiflächenaspekte und Grünplanungen als integrierten Bestandteil.
Darüber hinaus unterstreicht dieses Leitthema noch einmal die Bedeutung de r Landwirtschaft für
Münster und der regionalen Produkte („Potenziale einer stadtnahen Landwirtschaft nutzen“). Diese
Thematik wird zurzeit noch weiter entfaltet werden (z.B. als Chance für die Innenstadtentwicklung
und im Zusammenhang mit der Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie).
- „Leistbares Wohnen“ und „Stadtverträgliche Mobilität“
Die Ergebnisse der diesbezüglichen Stadtforen (vgl. Anl. 3 D, S. 43ff./60ff.) sind bereits in die ent-
sprechenden Fachplanungen eingeflossen wie in die Umsetzung des Handlu ngskonzepts Woh-
nen, in laufende Stadtteilentwicklungsprozesse und in Masterplan Mobilität 2035+. Zudem wurden
diese beiden Themen integriert bei den teilräumlichen Themen wie „Urbane Wissensquartiere“,
„Innenstadt ist mehr… „ und „Vielfalt der Stadt“ berücksichtigt.
- „Digitalisierung findet Stadt“
Hier haben die Ergebnisse des Stadtforums die Formierung der Smart City Allianz Münster geför-
dert (vgl. Anlage 3 D, S. 57ff.) und sind in die Smart City Strategie eingeflossen. Für die Bewer-
bung der Stadt Münster beim Smart City Call des Bundesministeriums des Innern (BMI) bildeten
die MünsterZukünfte eine wichtige Grundlage (vgl. V/0454/2021).
- Facetten ökonomischer Stärke
Das diesbezügliche Stadtforum wurde in enger Kooperation mit den Wirtschaftsakteuren durchg e-
führt (vgl. Anl. 3 D, S. 54ff.). Die Ergebnisse des Forums haben zur Entwicklung eines kontinuierli-
chen Kommunikationsformates zwischen Stadt Münster und Wirtschaftsakteuren geführt („Wirt-
schaftskonferenz“). Ebenso wurden zwischen Stadt Münster und IHK No rdwestfalen, Handwerks-
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kammer Münster und DGB -Region Münsterland die Grundlagen für einen gemeinsamen Prozess
zur dialogorientierten Erarbeitung einer Standortentwicklungsstrategie abgestimmt.
- Vielfalt und sozialer Zusammenhalt/Soziale Balance
Coronabedingt konnte das diesbezügliche Stadtforum noch nicht durchgeführt werden. Gleichwohl
sind hier bereits projektorientierte Umsetzungen erfolgt. Zu verweisen ist einerseits auf den Wett-
bewerb „Vielfalt machen“ im Rahmen von Gutes Morgen Münster (vgl. Begründun g zu Beschluss-
punkt 11). Anderseits spielt dieses Thema insbesondere bei den Stadtteilentwicklungsprozessen
eine wichtige Rolle. Unter dem Thema „Sozialer Zusammenhalt“ fanden bzw. finden insbesondere
die Prozesse in Coerde und Berg Fidel statt. Auch beim INSEK „Lebendige Innenstadt“ wird dieses
Thema selbstverständlich integriert einbezogen. In Folge eines erfolgreichen Förderantrags kann
in den nächsten Jahren in Kooperation mit dem Institut für Geographie der WWU Münster auch
das Thema „Gesundheit in der integrierten Stadtentwicklung“ vertieft werden. Hier wird es darum
gehen, gesundheitliche Chancengleichheit durch strukturelle Gesundheitsförderung voranzutreiben
und als ein wichtiges Ziel stärker in der Stadtentwicklung zu verankern.
- Münster und seine Nachbarn
Die MünsterZukünfte haben noch einmal nachdrücklich unterstrichen, dass eine zukunftsorientierte
Stadtentwicklung nur in regionaler Zusammenarbeit erfolgen kann (vgl. dazu Begründung zu Be-
schlusspunkt 10). Aufgrund der Vielzahl der laufenden regi onalen Aktivitäten auf den verschiede-
nen Kooperationsebenen wurde auf ein eigenständiges Stadtforum verzichtet, stattdessen wurde
das Thema integriert bearbeitet wie z.B. beim Forum „Stadtverträgliche Mobilität“ (vgl. Anl. 3 D, S.
60ff.). Der Baustein E „B ilanz 2020 – Räumliches Leitbild“ verdeutlicht noch einmal die Raumbe-
züge für eine Verstärkung der regionalen Kooperation (vgl. Anl. 3 E, S. 54).
Zu Beschlusspunkt 8: Integrierte Bearbeitung weiterer relevanter Stadtentwicklungsthemen
Insbesondere teilräumliche ISEK-Themen wie „Vielfalt der Stadtteile“ und „Innenstadt ist mehr …“ wie
auch „Urbane Wissensquartiere“ haben ein hohes thematisches Bündelungspotenzial. Dies wurde
bereits bei der Zukunftsarena im Oktober 2018 deutlich, wo zum Thema „Vielfalt der Stadtteile“ Ver-
treterinnen und Vertreter der Bereiche Bildung, Sport, sozialer Zusammenhalt und zivilgesellschaftli-
ches Engagement gemeinsam die Zukunft der Stadtteile diskutierten. Auch bei den diesbezüglichen
Stadtforen waren die Bere iche wie Bildung, Sport, Kultur, Soziales und zivilgesellschaftliches Enga-
gement entsprechend vertreten. Vor dem Hintergrund der „wachsenden Stadt“ dienen insbesondere
Stadtteilentwicklungsprozesse dazu, diese Belange integriert zusammenzuführen. Einen Übe rblick
hierzu gibt die Karte „Räumliche Schwerpunkte der Stadtentwicklung“ (vgl. Anl. 3 E, S. 61).
Die integrierte Mitbearbeitung gilt ausdrücklich auch für die sehr wichtigen Themen „Klima-
schutz/Klimaanpassung“ („Unser Klima 2030“) und „Umsetzung Nachhaltigkeitsstrategie 2030“, deren
fachliche Bearbeitung in umfänglichen separaten Prozessen erfolgt ist bzw. aktuell erfolgt. Beispiels-
weise wurden Aspekte des Klimaschutzes stark auf dem Forum „Stadtverträgliche Mobilität“ themati-
siert, die Frage der Klimap assung spielte durchaus auch im Kontext „Münstersche Stadt -Landschaft“
eine Rolle.
Zu Beschlusspunkt 9: Fortführung Dialogorientierter Beteiligungsansatz
Das Format der ISEK -Stadtforen als öffentliche Erörterung mit vielfältigen Akteuren an unterschiedl i-
chen „Bänken“, Einbeziehung des Publikums am Publikumstisch und externen Inputs hat sich be-
währt, da es auf diese Weise hervorragend gelingt, die unterschiedlichen Gesichtspunkte und die
vielfältige Akteurslandschaft sichtbar zu machen.
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Coronabedingt konnten nicht mehr alle ISEK -Stadtforen in Präsenz durchgeführt werden. So musste
die Veranstaltung „Beteiligung weiter denken“ (geplant für den 10.03.2020) kurzfristig verschoben
werden. Diese hatte das Ziel, im breiten Diskurs der Akteure aus Zivilgesellsch aft, Wissenschaft,
Verwaltung und Politik die kommunale Beteiligungskultur auf dem Weg zur Stadt der Zukunft syste-
matisch weiter zu entwickeln. Ersatzweise wurde dann am 17.11.2020 das Webforum „Beteiligung
digitaler denken“ durchgeführt (vgl. Begründung z u Beschlusspunkt 12), das sich jedoch stärker auf
Fragen der digitalen Beteiligung fokussiert hat.
Insbesondere zum Leitthema „Vielfalt und sozialer Zusammenhalt/Stadt in der sozialen Balance“ steht
noch eine öffentliche Erörterung und abschließende Bear beitung aus. Trotz der zwischenzeitlichen
projektorientierten Umsetzungsschritte soll dieses Forum in jedem Fall durchgeführt werden, da diese
Thematik für eine zukunftsorientierte Stadtentwicklung zentral ist.
Insgesamt bietet es sich an, den dialogorientierten Beteiligungsansatz fortzuführen und hiermit weite-
re relevante Stadtentwicklungsthemen in integrierter Perspektive akteurs - und umsetzungsorientiert
zu bearbeiten. Ausdrücklich geht es hierbei nicht um fachspezifische Entwicklungsplanungen, viel-
mehr stehen die Fortführung und Vertiefung eines integrierten Ansatzes im Mittelpunkt. Mögliche
Themen könnten sein: Bedeutung der Kultur für die Stadtentwicklung, Gesundheit in der Stadtent-
wicklung, Post-Corona-Stadt.
Zu Beschlusspunkt 10: Zukunftsorientierte Stadtentwicklung nur mit regionalen Partnern
Die MünsterZukünfte haben noch einmal nachdrücklich unterstrichen, dass eine zukunftsorientierte
Stadtentwicklung nur in regionaler Zusammenarbeit erfolgen kann. Dies wird bereits im Szenariobe-
richt sehr deutlich formuliert (vgl. Anl. 2, S. 2/36). In den verschiedenen Arbeitsstufen des ISEK 2030
ist eine entsprechende fachliche Verstärkung der Thematik erfolgt. Im Zusammenhang mit den
Schlüsselpersonengesprächen (vgl. Anl. 3 B) und der Analyse der Ausgangsla ge wurde das ISEK -
Leitthema „Münster und seine Nachbarn“ abgeleitet (vgl. Anl. 3 C, S. 45ff.). Aufgrund der Vielzahl der
laufenden regionalen Aktivitäten auf den verschiedenen Kooperationsebenen wurde auf ein eigen-
ständiges Stadtforum verzichtet, stattdess en wurde das Thema integriert einbezogen wie z.B. beim
Forum „Stadtverträgliche Mobilität“ (vgl. Anl. 3 D, S. 60ff.).
Der Baustein E „Bilanz 2020 – Räumliches Leitbild“ verdeutlicht noch einmal die Raumbezüge für
eine Verstärkung der regionalen Koopera tionen (vgl. Anl. 3 E, S. 54). Hierbei handelt es sich vor al-
lem um:
- Stadtregion Münster (Münster und 11 Nachbarkommunen)
- Münsterland (Stadt Münster mit den Münsterlandkreisen Borken, Coesfeld, Steinfurt, Warendorf)
- Zusammenarbeit im Städtenetzwerk MONT (M ünster – Osnabrück – Netwerkstad Twente mit En-
schede, Hengelo, Almelo, Oldenzaal und Borne)
- Zusammenarbeit in der Städtepartnerschaft Münster – Enschede
- Mitglied und Mitwirkung im grenzüberschreitenden deutsch -niederländischen Kommunalverband
EUREGIO
- Zusammenarbeit Oost Nederland – Münsterland: grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwi-
schen den vier Münsterland -Kreisen, der Stadt Münster, der Bezirksregierung Münster und den
niederländischen Partnern der Provinzen Overijssel und Gelderland sowie der Regi os Twente und
Achterhoek
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Die Zusammenarbeit betrifft je nach Kooperationsebene unterschiedliche Themen, die vom Wohnen
über die Mobilität, Wissenschafts - und Wirtschaftsfragen bis in den Umwelt - und Klimaschutzbereich
reichen. Ebenso geht es um Fragen der Bildung, des Sports und der Kultur. Insbesondere bei
überörtlichen Fragen ist eine gemeinsame Positionierung der Partner zwingend.
Zu Beschlusspunkt 11: Gutes Morgen Münster – Innovative Beteiligungswerkzeuge
Aktion Gutes Morgen Münster
Handlungsleitend für den Zukunftsprozess war von Beginn an, dass Stadtentwicklung Gemein-
schaftsaufgabe ist und Zukunft nur gemeinsam gestaltet werden kann. Daher sind Zivilgesellschaft,
Wissenschaft und Wirtschaft als wichtige Zukunftsakteure betrachtet worden. Bereits 2015 wurden
daher die Öffentlichkeit, Unternehmen, Institutionen und Initiativen aufgerufen, ihre Projekte einzu-
reichen, die „das Leben in Münster heute verändern und morgen besser machen“. Insgesamt wurden
über 300 zukunftsweisende Projekte aus allen Feldern des öffentlichen Lebens und der Stadtentwick-
lung eingereicht.
Eine Jury aus Expertinnen und Experten unter Vorsitz von Prof. Dr. Klaus Selle wählte hieraus 27
besonders beispielgebende Projekte aus, machte aber zugleich deutlich, dass alle Projekte wichtige
Beiträge zur Zukunftsgestaltung leisten (können). Damit hatten sich die Zukunftsmacherinnen und
Zukunftsmacher konstituiert, die den Zukunftsprozess weiter begleiteten. Mittlerweile sind über 400
Projekte bei Gutes Morgen Münster dokumentiert (vgl. www.gutes-morgen.ms).
Die Zukunftsmacherinnen und Zukunftsmacher wurden gefragt, welche Themen aus ihrer Sicht für die
Zukunftsgestaltung von Münster eine besondere Rolle spielen. Hier kristallisierten sich zwei Themen
heraus: „Quartiere/Stadtviertel“ und „Vielfalt“. Diese Themen wurden in der Folge aufgegriffen.
Wettbewerb „Zukunftsspaziergänge“
In der Folge wurde daher ein Wettbewerb zum Thema „Zukunftsspaziergänge“ ausgelobt, bei dem
sich 18 zivilgesellschaftliche Initiativen beworben haben. Handlungsleitende Fragen waren:
- Etwas zeigen, was den eigenen Stadtteil/das eigene Stadtviertel auszeichnet.
- Etwas fragen, was mit der Zukunft des Stadtteils/-viertels zu tun hat.
- Etwas planen, das einen Beitrag zur Zukunft Münsters leistet.
Die Jury hat sechs Spaziergänge ausgewählt, die im Spätsommer 2017 und Frühjahr 2018 unter Be-
gleitung der Verwaltungsspitze und von den Initiativen nominierten Gästen stattfanden. Folgende Zu-
kunftsspaziergänge wurden durchgeführt:
- Wissenschaftspark – Quartier zwischen Ring und Busso-Peus-Straße
- Wege, Verankerungen und Beziehungen - Gievenbeck als Ort der Integration - und: Spaziergang
durch die Teilgebiete Auenviertel und Toppheide
- Kinderhaus: Weltoffen seit 1333 – Geschichte, Gegenwart, Zukunft
- Latschen und Tratschen im Stadtteil Mauritz. Begegnung, Beteiligung und Unterstützung - gestern,
heute, morgen"
- Angelmodde - ein Name - drei verschiedene voneinander getrennte Ortsteile
- Spaziergang Hansa-Hafenviertel - Fragen.Planen.Dinieren
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Die Ergebnisse der Zukunftsspaziergänge sin d auf unterschiedliche Weise in den Zukunftsprozess
eingeflossen. Dies reicht beispielsweise von dem Abschluss des Letter of Intent „Wissenschaftsstadt
der Zukunft“ und der Unterstützung des ISEK -Leitthemas „Urbane Wissensquartiere“ über die Be-
rücksichtigung von Belangen wichtiger Zukunftsakteure bei Stadtteilprojekten (z.B. MuM in Gieven-
beck) bis zur Unterstützung des Vorhabens der B -Side, die letztlich zu einem erfolgreichen Städte-
bauförderungsantrag führte. Grundsätzlich haben alle Akteure der Zukunftssp aziergänge das ISEK -
Leitthema „Vielfalt der Stadtteile“ unterstützt und waren bereit, bei entsprechenden Beteiligungsfor-
maten ihre Expertise einzubringen.
Wettbewerb „Vielfalt machen“
Die Zukunftsmacherinnen und Zukunftsmacher von Gutes Morgen Münster hab en betont, dass Viel-
falt die Basis für eine zukunftsfähige und lebenswerte Stadt ist. Daher wurde 2018 ein Förderwettbe-
werb ausgelobt, in dem auf breiter thematischer Basis „Vielfaltsprojekte“ für Münster gesucht wurden.
Die Projekte sollten zeigen, wie Vielfalt geht und wie Vielfalt gestaltet werden kann. Insgesamt haben
sich 99 Projekte beworben, von denen die Jury 19 Projekte ausgewählt hat. Die Projekte decken da-
bei ein breites Spektrum aus den Bereichen Kultur, Bildung, Ökologie, Integration, Inklusion , Sport
und Nachhaltigkeit ab.
Ein weiterer, innovativer Beteiligungsansatz des Projektes bestand daran, dass sich die Jury aus zu-
fällig ausgelosten Bürgerinnen und Bürgern zusammensetzte. Per Zufallsprinzip wurden 250 Adress-
daten aus dem Melderegister gezogen und angeschrieben. Aus den über 60 Rückmeldungen hat
Oberbürgermeister Markus Lewe 11 Personen ausgelost. So entstand eine vielfältige, altersgemisch-
te Runde mit unterschiedlichen beruflichen und persönlichen Erfahrungshintergründen (zwischen 23
und 79 Jahren). Die bürgerschaftliche Zufallsjury entschied ehrenamtlich und eigenverantwortlich
über die Vergabe der Fördermittel.
#stadtsache
In dem digital-partizipativen Projekt mit der App #stadtsache werden die Kinder und Jugendlichen zu
Stadtexperten. Nach den Zukunftsspaziergängen und dem Wettbewerb „Münster.Vielfalt machen“
rückt in diesem Projekt die Perspektive von Kindern und Jugendlichen in den Fokus. Wie sehen die
jungen Münsteranerinnen und Münsteraner ihre Stadt? Wo könnte die Stadt aus ihrer Sicht vielfältiger
werden? Was brauchen sie, um sich in ihrem Quartier wohl zu fühlen und was finden sie wichtig für
eine gute Zukunft ihrer Stadt.
Mit dem digitalen Werkzeug lassen sich Fotos, Töne und Videos sammeln, Wege aufzeichnen oder
Dinge zähle n. Die Ergebnisse lassen sich bestimmten Aufgaben und Aktionen zuordnen und man
kann sie mit anderen Nutzern der App teilen. So entsteht nach und nach eine interaktive Karte, die
den Blick der jungen Stadtexperten sichtbar macht. Die Ergebnisse wurden mit dem Oberbürgermeis-
ter und dem Stadtbaurat diskutiert. Die Fachämter haben sich mit jeder einzelnen Anregung ausei-
nandergesetzt und den Schülerinnen und Schülern ein fundiertes Feedback gegeben.
Neben dem Wilhelm -Hittorf-Gymnasium nahm die Gesamtschule Mün ster Mitte an dem Projekt für
junge Zukunftsforscherinnen und Forscher teil. Alle Ergebnisse, Ideen und Anregungen der jungen
Zukunftsmacher werden auf der Homepage von Gutes Morgen Münster eingestellt ( www.gutes-
morgen.ms) und fließen damit in den Zukunft sprozess der Stadt ein. Aufgrund des Erfolgs wurde das
Projekt mit dem Zukunftsraum „Hörster Parkplatz“ fortgesetzt. Die Projekte werden in der Dokumenta-
tion „Wie geht Vielfalt?“ online dargestellt, um die Ergebnisse für Öffentlichkeit und die Stadtverwal-
tung zu dokumentieren und damit eine Auseinandersetzung mit den Wünschen und Vorschlägen der
Kinder und Jugendlichen zu ermöglichen. Zugleich belegt die Dokumentation, dass deren Engage-
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ment anerkannt und gewürdigt wird . Weitere Informationen sind zu finden unter:
https://stadtsache.de/projekt/muenster_vielfalt/.
Mittlerweile wird die App #stadtsache auch bei den laufenden Stadtteilentwicklungsprozessen einge-
setzt. Aktuell findet sie Anwendung bei der Erarbeitung des Integrierten Stadtteilentwicklungskonzep-
tes „Sozialer Zusammenhalt – Zusammenleben im Quartier gemeinsam gestalten“ im Stadtteil Berg
Fidel.
Zu Beschlusspunkt 12: Nutzung analoger und digitaler Beteiligungserfahren
Im Rahmen der MünsterZukünfte wurden umfängliche Erfahrungen mit analogen und di gitalen Betei-
ligungsverfahren gemacht. Neben der Entwicklung von innovativen Beteiligungsinstrumenten durch
Gutes Morgen Münster ist insbesondere auch auf die Staffel der Stadtforen beim Integrierten Stadt-
entwicklungskonzept 2030 (ISEK 2030) zu verweisen ( vgl. Anl. 3 D). Hier ist es jeweils gelungen, die
unterschiedlichen Perspektiven sichtbar zu machen sowie unter Einbindung des Publikums, externer
Expertinnen/Experten und von Zukunftsmacherinnen und -machern zu einer öffentlichen Erörterung
zu kommen. Diese macht Übereinstimmungen der Akteure, aber auch Unterschiede deutlich, auf die
im Zuge der Zukunftsgestaltung aufgebaut werden kann. Auch zeigte sich sehr klar, wer in welcher
Rolle und mit welchen Positionen an der Stadtentwicklung mitwirkt und dass St adtentwicklung Ge-
meinschaftsaufgabe ist.
Aufgrund der Corona-Pandemie konnten die Stadtforen nicht mehr fortgeführt werden. So musste die
Veranstaltung „Beteiligung weiterdenken“ (geplant für den 10.03.2020) kurzfristig verschoben werden.
Diese hatte das Ziel, im breiten Diskurs der Akteure aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Verwaltung
und Politik die kommunale Beteiligungskultur auf dem Weg zur Stadt der Zukunft systematisch weiter
zu entwickeln. Ausgangspunkt war, bisher gewonnene Erfahrungen in Münste r zu nutzen und zu-
gleich veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen gerecht zu werden. Zu den bundesweit
sichtbar gewordenen Herausforderungen gehört vor allem auch die Erosion des Vertrauens in stadt-
entwicklungspolitisches Handeln und in Beteiligungsprozesse.
Als ebenso bedeutsam wurde die Tatsache angesehen, dass nach übereinstimmender Einschätzung
der Wissenschaft nur bestimmte Gruppen der Stadtgesellschaft vorrangig Beteiligungsangebote nut-
zen, andere aber – auch dann, wenn es um Fragen geht, die sie unmittelbar betreffen – kaum vertre-
ten sind. Das gilt auch für die Teilhabe von Kindern und Jugendlichen, deren Beteiligung sogar ge-
setzlich gefordert wird. Wenn Stadtentwicklung zur Gemeinschaftsaufgabe wird und eine mitgestal-
tende Beteiligung der Me nschen erfolgreich praktiziert werden soll, muss auch Münster sich diesen
Herausforderungen stellen. Dazu sollte das Stadtforum „Beteiligung weiter denken“ dienen.
Vor diesem Hintergrund wurde gemeinsam mit Smart City Münster das Format der Webforen entwi-
ckelt, deren erste Veranstaltung sich am 17.11.2020 mit den Perspektiven digitaler Beteiligung be-
schäftigte („Beteiligung digitaler denken“). Hier wurden Erfahrungen aus aktuellen digitalen Beteili-
gungsformaten in Münster vorgestellt wie
- Projekt Stadtteilentwicklungskonzept Handorf/Gelmer/Sudmühle/Mariendorf (Büro plan-lokal mit
dem PLAN-PORTAL)
- Projekte Südviertel und Hörster Parkplatz (#stadtsache, tinkerbrain GmbH/A. Leitzgen)
- Projekt Smartphone-Beteiligung im Werkstattverfahren Bremer Platz (Urban Participation Lab)
- Projekt Münster hack (items GmbH)
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Die ca. 150 Teilnehmenden konnten Fragen über den Chat formulieren. Vertreterinnen und Vertreter
der Stadtverwaltung sowie Dr. Fee Thissen als externe Expertin nahmen eine Einordnung der Ergeb-
nisse vor. Festhalten lässt sich, dass digitale Beteiligung auch Bevölkerungsgruppen erreicht, die
ansonsten häufig aus verschiedenen Gründen bei Präsenzveranstaltungen fehlen. Gleichzeitig wies
die externe Expertin darauf hin, dass Online -Beteiligung zwar oft komprimierter sei, aber durch die
Form häufig sachlichere Diskussionen ermögliche. Klar ist, dass es um einen hybriden Mix aus ana-
loger und digitaler Beteiligung gehen müsse. Die intensive Interaktion auf den Bänken der Stadtforen
und die gemein same Erörterung lassen sich beispielsweise digital zurzeit nur sehr schwer abbilden.
Daher ist es ausdrückliches Ziel, das verschobene analoge Stadtforum „Beteiligung weiter denken“ so
schnell wie möglich in Präsenz durchzuführen.
Im Hinblick auf eine sy stematische Weiterentwicklung der Öffentlichkeitsbeteiligung hat die Verwal-
tung trotz des verschobenen Stadtforums bereits wesentliche Arbeitsschritte abschließen können. So
wurden die vorhandenen Erfahrungen mit vielfältigen Beteiligungsmethoden in Münste r (einschließ-
lich der guten Erfahrungen in den MünsterZukünften) ausgewertet, eine diesbezügliche Bürgerumfra-
ge (V/0674/2018) und ein Hearing zum Vorgehen in anderen Städten (Bonn, Heidelberg, Dortmund,
Osnabrück) durchgeführt. Auf dieser Basis sind vorläu fige Leitorientierungen für eine „Gute Öffent-
lichkeitsbeteiligung“ entstanden, die die Verwaltung im Anschluss an diese Vorlage zur Beratung in
die Ratsgremien einbringen wird. Diese nehmen aus den MünsterZukünften die wachsende Bedeu-
tung einer „Stadtentwi cklung als Gemeinschaftsaufgabe“ und einer ko -kreativen Zukunftsgestaltung
mit.
I.V.
gez. gez.
Markus Lewe Robin Denstorff
Oberbürgermeister Stadtbaurat
Anlagen:
Anlage 1: Ergebnisse im Überblick („Magazin MünsterZukünfte“)
Anlage 2: Szenarioanalyse: Ergebnisbericht für die Zukunftshorizonte 2030/2050
Anlage 3: Integriertes Stadtentwicklungskonzept (ISEK) Münster 2030 (Baustein A – E)
o Baustein A: Das ISEK in den MünsterZukünften – Einführung und Übersicht
o Baustein B: Schlüsselpersonengespräche
o Baustein C: Zehn Leitthemen für Münster
o Baustein D: Die Stadtforenprozesse
o Baustein E: Bilanz 2020 – Räumliches Leitbild
Anlage_3_B_V_0487_2021_ISEK_Baustein_B_Schluesselpersonengespraeche
109215 Zeichen
ISEK MÜNSTER 2030 Baustein B: Schlüsselpersonengespräche Anlage 3 B zur Vorlage V/0487/2021 Dezernat für Planung, Bau und Wirtschaft Integriertes Stadtentwicklungskonzept Münster 2030 Impressum AUFTRAGGEBERIN Stadt Münster vertreten durch Dezernat für Planung, Bau und Wirtschaft Stadtbaurat Robin Denstorff Stadtplanungsamt Stabsstelle »Strategische Stadtentwicklung, Wissenschaftsstadt« Albersloher Weg 33 48155 Münster Ansprechpartner: Prof. Dr. Thomas Hauff, Marc Gottwald-Kobras Münster Marketing Wissenschaftsbüro, Projektbüro MünsterZukünfte 20 | 30 | 50 Klemensstraße 10 48143 Münster Ansprechpartner: Dr. Matthias Schmidt, Dominik Czeppel Weiterführende Informationen: www.stadt-muenster.de/zukuenfte und www.zukunft-muenster.de EXTERNES PLANUNGSTEAM scheuvens + wachten plus Friedenstraße 18 44139 Dortmund NetzwerkStadt GmbH Auf dem Hilf 50 58239 Schwerte M.Sc. Ronja Decker Dipl.-Ing. Daniela Gaspar M.Sc. Susann Hollbach B.A. Christoph Schökel Prof. Dr.-Ing. Klaus Selle Prof. Kunibert Wachten unter Mitwirkung von Dr. Sarah Ginski Münster/Dortmund/Schwerte, Juli 2018 Inhalt BAUSTEIN B – SCHLÜSSELPERSONENGESPRÄCHE Vorspann 4 Die Erarbeitung eines Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes als kommunikativer Prozess im Rahmen der MünsterZukünfte 20 | 30 | 50 Prozessschema 6 Erste Assoziationen 9 Stärken, Qualitäten, Potenziale 11 Was zu erhalten und zu entwickeln ist Schwächen, Probleme, Risiken 14 Wo Veränderungsbedarf gesehen wird Die Bedeutung der Region für Münster – und die Bedeutung Münsters in der Region 22 Welche Bedeutung interkommunale Kooperation hat Rahmenbedingungen und Schwerpunkte zukünftiger Stadtentwicklung 28 Worauf es zukünftig ankommt Öffentlichkeitsbeteiligung in Münster: Erfahrungen und Folgerungen 38 Wie über Stadtentwicklung reden In Kürze: Zusammenfassung und erste Folgerungen 42 Die Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner 46 Der Interviewleitfaden 50 4 ISEK Münster 2030 | Baustein B: Schlüsselpersonengespräche Vorspann Das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK Münster 2030) ist T eil eines laufenden Prozesses, in dem sich die Stadt mit aktuellen und zukünftigen Aufgaben auseinander - setzt: Diese »MünsterZukünfte 20 | 30 | 50« umfassen mehrere, untereinander verbun - dene Arbeitsstränge (Abb. S. 6/7) – mit langfristigen Szenarien, Bürgerumfragen, inten- siven Dialogen in und mit der Stadtgesellschaft sowie der Erarbeitung eines Integrierten StadtentwicklungskonzeptesA. Mit diesem ISEK Münster 2030 soll ein Orientierungsrah- men für die Entwicklung der wachsenden Stadt Münster im nächsten Jahrzehnt geschaf- fen werden. Zugleich entsteht so eine entscheidende Voraussetzung für die zukünftige Inanspruchnahme von Städtebauförderungsmitteln. Und nicht zuletzt eine wichtige Be - dingung der konkreten Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie Münster 2030. Die Erarbeitung dieses Konzeptes wird in einer fünfteiligen Berichterstattung dokumen - tiert. Sie umfasst: • Baustein A: Das ISEK in den MünsterZukünften – Einführung und Übersicht • Baustein B: Schlüsselpersonengespräche • Baustein C: Zehn Leitthemen für Münster • Baustein D: Die Stadtforenprozesse • Baustein E: Bilanz 2020: Räumliches Leitbild In dem hier vorliegenden Baustein B finden Sie eine zusammenfassende Auswertung der zahlreichen Gespräche mit einer Vielzahl an Akteuren zur Stadtentwicklung Münsters, welche als Basis für die weitere Erarbeitung dienten. Der gesamte Erarbeitungsprozess des ISEK und dessen Einbettung in die MünsteZukünf- te wurde in Baustein A bereits beschrieben. Der Prozess der MünsterZukünfte wurde von Anfang an kommunikativ angelegt. Das wird unter anderem dadurch deutlich, dass • viele gesellschaftliche Gruppen im Beirat der MünsterZukünfte mitwirkenB; • die strategische Steuerung durch eine Lenkungsgruppe erfolgt, der Mitglieder der Ratsfraktionen sowie der Verwaltungsvorstand angehören; • von Anfang an alle Ressorts der Stadtverwaltung, die zu einem ISEK beitragen, im Rahmen von Leitungskonferenzen bzw. themenbezogenen Werkstätten aktiv einge - bunden sind. Darüber hinaus wird insbesondere die Stadtbevölkerung in den verschiedenen T eilpro - zessen auf vielfältige Weise intensiv einbezogen: • Die Vielfalt der über 300 Initiativen, die beim Aufruf »Gutes Morgen Münster« sicht- bar wurden, machte bereits deutlich, an wie vielen Stellen in der Stadtgesellschaft bereits an Münsters Zukunft gearbeitet wird. • Die durchgeführten Stadtteilspaziergänge (Herbst 2017 sowie Frühjahr und Sommer 2018) helfen zu verstehen, welche Aktivitäten und Anliegen bedeutsam sind. • Auch die eher langfristig angelegte und zunächst eher abstrakt erscheinende Arbeit an Zukunftsszenarien stößt mit 16.000 T eilnehmenden auf großes Interesse. B der Beirat setzt sich zu wesentlichen T eilen aus dem Beirat Münster Marketing und dem Beirat »Modellprojekt Global Nachhaltige Kommune« zusammen. Hinzu kommen Akteure aus dem Beirat Bürgerhaushalt, aus dem Stadtsportbund und dem Landwirtschaftlichen Kreisver - band. A Über die MünsterZukünfte 20 | 30 | 50 wird laufend im Internet berichtet: www.zukunft-muenster.de Die Erarbeitung eines Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes als kommunikativer Prozess im Rahmen der MünsterZukünfte 20 | 30 | 50 5 Vorspann Die Arbeit am ISEK stützt sich in ihrer ersten Phase (bis zum Sommer 2018) neben der Kooperation mit den bereits erwähnten Begleitgremien vor allem auf intensive Gesprä - che mit dem Verwaltungsvorstand, Mitgliedern der Ratsfraktionen, der Wissenschaft und Wirtschaft sowie mit Gruppen der verschiedensten gesellschaftlichen Bereiche. Diese folgenden Schlüsselpersoneninterviews sollen sicherstellen, dass alle für die zu - künftige Entwicklung der Stadt bedeutsamen Gesichtspunkte möglichst frühzeitig erfasst und im weiteren Prozess der Stadtentwicklung berücksichtigt werden. Parallel zu den Interviews wurden im Rahmen der städtischen Bürgerumfrage 2018 eben- falls Aspekte der Stadtentwicklung angesprochen. C Diese liefert ein breites Fundament, um die Interviewergebnisse weiter zu qualifizieren. Mit dieser Kombination von breit angelegter Befragung und thematisch vertiefenden In - terviews entsteht ein zugleich fundiertes und tiefenscharfes Bild der in der Stadtgesell - schaft vertretenen Gesichtspunkte. Das ist – neben der parallelen Aufarbeitung der vielen Pläne, Programme und Beschlüsse, die bereits Situationsanalysen, Aufgabenbestimmun- gen und Aussagen über die zukünftige Entwicklung beinhalten – eine solide und aussa - gekräftige Grundlage der weiteren Arbeit. Im Folgenden wird eine Querschnittsauswertung der insgesamt 46 Gespräche vorge - nommen, die sowohl als Einzel- bzw. Gruppengespräch sowie im Workshopformat durch- geführt wurden. Zum Verständnis der Ergebnisse sind einige kurze methodische Hinweise notwendig: • Die (ein- bis zweistündigen) Interviews und ein T eil der Gruppengespräche wurden leitfadengestützt (s. Anhang) durchgeführt und anhand von T onbandaufzeichnungen und schriftlichen Notizen intern dokumentiert. • In den Gremien kamen Kartenabfragen zum Einsatz, deren Ergebnisse noch in den Sitzungen zurückgemeldet wurden. Sie fließen auch in die Auswertung ein. • Zwei Fragen bildeten in beiden Fällen die Ausgangspunkte: Was macht Münster at - traktiv, welche Qualitäten Münsters sollen erhalten und gestärkt werden? Welche Probleme und Gefährdungen werden gesehen, wo besteht Handlungsbedarf? Dabei konnte in den Interviews naheliegenderweise ein höheres Maß an Tiefenschärfe er - reicht werden als in den Kartenabfragen. • Das gesamte Material wurde ausdrücklich nicht personenbezogen ausgewertet. Die An- onymisierung wurde von Anfang an zugesichert, um eine möglichst offene Gesprächs- führung zu ermöglichen. Lediglich bei den Interviews wurde jeweils abschließend um ein Statement gebeten, das personenbezogen wiedergegeben werden kann – um so auch zu dokumentieren, wer in der Interviewserie vertreten war. Ein solches Vorgehen ist – anders als im Rahmen der Bürgerumfrage (über 2.200 T eil - nehmende) – nicht darauf ausgerichtet, »Häufigkeiten« von Nennungen zu ermitteln oder Mehrheits- und Minderheitsmeinungen zu unterscheiden. Es geht allein darum, ein mög- lichst umfassendes Spektrum von Gesichtspunkten – quer durch alle Interessens- und ge- sellschaftlichen Gruppen – zu erfassen, um sicherzustellen, dass auch sie neben den im engeren Sinne fachlichen Aspekten frühzeitig in die Arbeit einfließen. C Die Ergebnisse der Bürgerumfrage können online eingesehen werden unter www.stadt-muenster.de/stadtentwick- lung/kommunale-umfragen.html 6 ISEK Münster 2030 | Baustein B: Schlüsselpersonengespräche Abbildung 1: Prozessschema zu den drei Strängen der MünsterZukünfte INTEGRIERTES STADTENTWICKLUNGS- KONZEPT BÜRGERUMFRAGE (2018) ISEK- Dokumentation BAUSTEIN B: »Schlüssel- personengespräche« BAUSTEIN C: »Zehn Leitthemen für Münster« BAUSTEIN D: »Die Stadtforen- prozesse« BAUSTEIN A: »Einführung und Übersicht« BAUSTEIN E: »Bilanz 2020: Räumliches Leitbild« WEITERFÜHRENDE SCHRITTE ... GRUND- LAGEN- ERMITTLUNG SCHLÜSSEL- PERSONEN- GESPRÄCHE ENTWICKLUNG DER LEITTHEMEN ERÖRTERUNG DER LEITTHEMEN WETTBEWERB: VIELFAL T MACHEN EINE SZENARIOANALYSE FÜR DIE ZUKUNFTSHORIZONTE 2030 / 2050 ZUKUNFTS- SPAZIERGÄNGE #STADTSACHEZUKUNFT . ZUHAUSE. MÜNSTER SZENARIO- ANALYSE / BÜRGER- UMFRAGE GUTES MORGEN MÜNSTER Urbane Wissensquartiere Innenstadt ist mehr ... Münstersche Stadt-Landschaft Vielfalt der Stadtteile Münster und seine Nachbarn Digitalisierung findet Stadt Facetten ökono- mischer Stärke Vielfalt und sozialer Zusammenhalt Stadtverträgliche Mobilität Leistbares Wohnen Masterplan Mobilität 2035+, S-Bahn Münsterland, Velo- routen, Radverkehrskonzept 2.0 ... Smart City Allianz, Smarte Quartiere Oxford und York, Smart Parking, WDR-Neubau ... Umsetzung MONT , Partnerschaft Enschede, Münster- land-Strategie, Umsetzung stadtregionaler Kontrakt ... zahlreiche Stadtteilentwicklungskonzepte, Ausbau Quar- tiersmanagement, Stärkung Ortsteilmitten u. Dritte Orte ... Integriertes Handlungskonzept Innenstadt, Entwicklungen: Martiniviertel / Hörster Parkplatz, Hafen, Schlossareal ... Integrierte Freiflächen- und Siedlungsstrategie, Landwirtschaftsbeauftragte(r) ... Baulandprogramm, SoBoMü, Stärkung Vergabe Erbbau- recht, Konzeptvergabe, Neue urbane Stadtquartiere ... Wissenschaftsstadt der Zukunft: Internat. Ideenwerkstatt, Masterplanung, Konkretisierung von Bauvorhaben ... FÜR BAUSTEIN A,B,C,D Integrierte Handlungskonzepte (u.a. Soziale Stadt) für Kinderhaus-Brüningheide, Coerde, Berg Fidel ... Gewerbeflächenentwicklungskonzept, Standortentwicklungs- strategie, Zukunftsquartiere für Wohnen und Arbeiten ... 7 Prozessschema INTEGRIERTES STADTENTWICKLUNGS- KONZEPT BÜRGERUMFRAGE (2018) ISEK- Dokumentation BAUSTEIN B: »Schlüssel- personengespräche« BAUSTEIN C: »Zehn Leitthemen für Münster« BAUSTEIN D: »Die Stadtforen- prozesse« BAUSTEIN A: »Einführung und Übersicht« BAUSTEIN E: »Bilanz 2020: Räumliches Leitbild« WEITERFÜHRENDE SCHRITTE ... GRUND- LAGEN- ERMITTLUNG SCHLÜSSEL- PERSONEN- GESPRÄCHE ENTWICKLUNG DER LEITTHEMEN ERÖRTERUNG DER LEITTHEMEN WETTBEWERB: VIELFAL T MACHEN EINE SZENARIOANALYSE FÜR DIE ZUKUNFTSHORIZONTE 2030 / 2050 ZUKUNFTS- SPAZIERGÄNGE #STADTSACHEZUKUNFT . ZUHAUSE. MÜNSTER SZENARIO- ANALYSE / BÜRGER- UMFRAGE GUTES MORGEN MÜNSTER Urbane Wissensquartiere Innenstadt ist mehr ... Münstersche Stadt-Landschaft Vielfalt der Stadtteile Münster und seine Nachbarn Digitalisierung findet Stadt Facetten ökono- mischer Stärke Vielfalt und sozialer Zusammenhalt Stadtverträgliche Mobilität Leistbares Wohnen Masterplan Mobilität 2035+, S-Bahn Münsterland, Velo- routen, Radverkehrskonzept 2.0 ... Smart City Allianz, Smarte Quartiere Oxford und York, Smart Parking, WDR-Neubau ... Umsetzung MONT , Partnerschaft Enschede, Münster- land-Strategie, Umsetzung stadtregionaler Kontrakt ... zahlreiche Stadtteilentwicklungskonzepte, Ausbau Quar- tiersmanagement, Stärkung Ortsteilmitten u. Dritte Orte ... Integriertes Handlungskonzept Innenstadt, Entwicklungen: Martiniviertel / Hörster Parkplatz, Hafen, Schlossareal ... Integrierte Freiflächen- und Siedlungsstrategie, Landwirtschaftsbeauftragte(r) ... Baulandprogramm, SoBoMü, Stärkung Vergabe Erbbau- recht, Konzeptvergabe, Neue urbane Stadtquartiere ... Wissenschaftsstadt der Zukunft: Internat. Ideenwerkstatt, Masterplanung, Konkretisierung von Bauvorhaben ... FÜR BAUSTEIN A,B,C,D Integrierte Handlungskonzepte (u.a. Soziale Stadt) für Kinderhaus-Brüningheide, Coerde, Berg Fidel ... Gewerbeflächenentwicklungskonzept, Standortentwicklungs- strategie, Zukunftsquartiere für Wohnen und Arbeiten ... Ausgangspunkte, Perspektiven, Schwerpunkte – Eine zusammenfassende Auswertung von Gesprächen zur Stadtentwicklung Münsters Etwa 60 Stunden Gespräche, mehr als 100 Seiten Protokolle und Zusammenstellungen von Aussagen – dieser Ertrag der Schlüsselpersonen-, Gruppen- und Gremiengespräche fließt direkt in die inhaltliche Arbeit ein und findet dort seinen Niederschlag. Um aber die Viel - falt der Gesichtspunkte, Positionen und Anregungen, die sich im Rahmen dieser Gespräche ergaben, auch Interessierten über den Kreis der Bearbeiterinnen und Bearbeiter hinaus zu - gänglich zu machen, haben wir eine zusammenfassende Auswertung versucht. Es liegt auf der Hand, dass hier nur Grundlinien der Gespräche wiedergegeben werden können. Dabei haben wir insbesondere jene Aspekte betont, die deutliche Bezüge zum Integrierten Stadtent- wicklungskonzept – seinen Inhalten, seiner Erarbeitung, aber auch seiner möglichen Wir - kungen – aufweisen. Grundsätzlich ist bei den hier wiedergegebenen Ergebnissen zu beachten, dass sie • ausschließlich die Gesichts- oder Standpunkte der Interviewten zum Ausdruck bringen und keine Bewertung durch das Bearbeiterteam beinhalten; • lediglich einen Ausschnitt aus den zahlreichen Basisinformationen darstellen, die in die spätere Zusammenfassung der Ausgangs- und Eckpunkte für das ISEK Münster 2030 einfließen. Abbildung 2: Brandwand in Münster, Achtermannstraße 10 (Cuba) 9 Erste Assoziationen Erste Assoziationen Zu Beginn der Einzelgespräche stand – sozusagen zum Anwärmen – ein kleines As- soziations-»Spiel«. Wir begannen Sätze, die wir die Interviewten zu vervollständigen baten. Hier geben wir nur einige zusammenfassenden Ergebnisse wieder (in den nachfolgenden Darstellungen der Aussagen zu Stärken und Schwächen werden zen- trale Aspekte ausführlicher behandelt): »BESONDERS GUT AN MÜNSTER GEFÄLL T MIR…« • Grün: Durchweg hervorgehoben wurde die Nähe zu einem ländlich geprägten Umland und die enge Verzahnung von gebauter Stadt und Freiraum. • Überschaubarkeit: Münster habe die »richtige Größe« verfüge über die »Vorteile einer Großstadt ohne deren Nachteile«, sei in ihrer Struktur übersichtlich etc. • die Fahrradstadt. • Mischung von Alt und Neu / T radition und Moderne: Diese Feststellung bezog sich sowohl auf die städtebauliche Situation wie die Bevölkerungszusammenset - zung. Letzteres wird noch auf andere Weise unterstrichen: »die Lebendigkeit der Stadt« – befeuert durch die Studierenden der Hochschulen (»die ewige Jugend«) und die lebendige Kulturszene. Auch der Hinweis auf den »Mix aus Universi - tät, Moderne und gleichzeitig westfälischem, ländlichem Flair« verweist in diese Richtung. • Stadtgesellschaft: Die Offenheit wurde hervorgehoben, das umfassende und viel- gestaltige bürgerschaftliche Engagement, die »breite Vereinsstruktur«, aber auch die »Mischung von vielen Nationen in dieser Stadt«. • Geschichte der Stadt: Sie lasse sich nicht nur baulich ablesen, sondern präge auch den »Geist der Stadt« (z.B. Westfälischer Frieden) und vermittele »Demut«. Ein Aspekt taucht hier schon auf, der mit der ihm innewohnenden Ambivalenz im Folgenden noch vertieft behandelt wird: Unstrittig ist die »hohe Lebensqualität« der Stadt. Aber während die einen es positiv finden, dass diese Qualität »für alle« da sei, bestreiten andere eben dies: Man müsse sich »Münster leisten können«. Und das könnten eben nicht alle. Womit bereits die Brücke zu negativen Aspekten geschlagen ist: »NICHT GUT GEFÄLL T MIR…« »…der Mangel an preiswertem Wohnraum«, »…die Probleme am Wohnungsmarkt«… so lauteten oft die spontanen ersten Reaktionen. Sie wurden oft durch zusätzliche As- pekte erweitert – etwa der Hinweis auf die »Aufteilung von arm und reich« und eine zunehmende »soziale Polarisierung«. Auch Folgen der Immobilienpreisentwicklung wurden benannt: Sie führe dazu, dass mehr Menschen im Umland Wohnungen suchen (müssten) – und das verschärfe wiederum die ohnehin vor allem durch das Pendeln verursachten Verkehrsprobleme. 10 ISEK Münster 2030 | Baustein B: Schlüsselpersonengespräche Ein ganz anderer Themenkomplex wurde hier auch schon assoziiert: »Die mit der Zufriedenheit verbundene T rägheit« und »Behäbigkeit«, eine gewisse »Selbstgefällig- keit« der Münsteraner, geringe Veränderungsbereitschaft (»ist nicht einmal gefühlt vorhanden«) und »fehlender Wagemut«. Um das Spektrum der Assoziationen zu komplettieren: Auch das Stadion von Preu - ßen Münster fand hier Erwähnung – und die Notwendigkeit, an der aktuellen Situa- tion etwas zu ändern. »WENN ICH MENSCHEN, DIE MÜNSTER NOCH NICHT KENNEN, ERKLÄREN WILL, AUS WELCHER STADT ICH KOMME, ERWÄHNE ICH ZUERST…« Für die Außendarstellung eignen sich anscheinend Hinweise auf die »alte Stadt« mit Prinzipalmarkt und Dom, auf die (überschaubare) Größe, den Aasee, das »viele schö- ne Grün«, die Promenade, das ländliche Umfeld, die »Fahrradstadt«, die Universität mit ihren Studierenden, kurzum »die Lebendigkeit« und die Lebensqualität dieser Stadt. Man könne darauf verweisen, dass sie besonders lebenswert sei – »noch vor Köln oder Düsseldorf«. Und ein Gesprächspartner ergänzte mit Blick auf den Wohlstand in dieser Stadt, dass man Menschen im Ausland Münster auch als »Zürich Westfalens« beschreiben könne. »ZUM STICHWORT STADTENTWICKLUNGSKONZEPT MÜNSTER FÄLL T MIR EIN…« Pause. Das war die häufigste Reaktion. T atsächlich schien eine gewisse Ratlosigkeit zu herrschen. Zumal anscheinend das Integrierte Stadtentwicklungskonzept als Be - standteil der »MünsterZukünfte« nur wenigen geläufig zu sein schien. Nach einer gewissen Bedenkzeit folgten dann aber auch durchaus einige Statements. Zumeist waren es kritische: »Die Stadt hat keinen Plan für die nächsten 15 Jahre«. Es gäbe zwar viele Einzelprogramme und -pläne, aber die Zusammenhänge würden nicht klar: »Da muss Münster noch viel tun… Es gibt viel Papier, aber das Integrieren- de fehlt«. Ganz ähnlich: »Es ist ja schön, dass in Münster so viele Pläne und Konzepte erarbeitet werden. Aber man verliert völlig den Überblick, was wo steht – und wie das alles zusammenhängt. Das einmal alles zusammenfassen, das wäre ein großer Gewinn« Es sei, so wurde gelegentlich gemutmaßt, ein für Münster typisches Phänomen: »viele Pläne, wenig Handeln«. Noch deutlicher zugespitzt: »Man kann sich ganz gut hinter solchen Zukunftsprozessen verstecken. Nach dem Motto: ›Wir machen doch was!‹« Zum Attribut »Integriert« gab es noch zwei anders gelagerte Hinweise. Mit dem ers- ten wurde auf empfundene Probleme inhaltlicher Zusammenführung aufmerksam gemacht: »Wir haben hier ganz handfeste Probleme, die Verwaltung bei Großvorha - ben koordiniert zu bekommen.« Der zweite verwies auf räumliche Aspekte integrierten Handelns: Man solle nicht (wie anscheinend häufig) nur auf die innere Stadt schauen, sondern unbedingt die Stadtteile, vor allem deren Zentren, in einer zusammenhängenden Betrachtung be - rücksichtigen. 11 Abschließend seien zwei spontane Antworten, die völlig verschiedene Richtungen aufweisen, genannt. Sie lauten: »Super! Punkt.« Und: »…dass dafür [für die Stadtent- wicklung] keine Flächen zur Verfügung stehen«. In diesem Spannungsfeld könnte die Arbeit im ISEK angesiedelt sein: Ein integrie - rendes Konzept wäre gut (wenn nicht »super«) – aber gibt es auch die Ressourcen (dabei geht es sicher nicht nur um Flächen) zur Umsetzung? Stärken, Qualitäten, Potenziale Was zu erhalten und zu entwickeln ist Wer Impulse für die Weiterentwicklung einer Stadt geben will, muss wissen, in wel - che Richtung sie wirken sollen. Dabei ist es von großer Bedeutung, worin bereits besondere Qualitäten und Stärken einer Stadt gesehen werden (die man in jedem Fall erhalten und wo möglich, stärker nutzen oder weiter stärken will) und wo besondere Defizite oder mögliche Gefährdungen gesehen werden. Hier zunächst die besonde - ren Qualitäten und Stärken der Stadt aus der Sicht unserer Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner. VIELFAL T DER BILDUNGSANGEBOTE UND IHRE BEDEUTUNG FÜR DIE STADT Beim Stichwort Bildung liegt zunächst die Nennung der Universität nahe. Aber in verschiedenen Interviews wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, dass man nicht nur sie in den Blick nehmen müsse. Es sei die Vielfalt der Bildungslandschaft – von den verschiedenen Hochschulen bis hin zu den (Fach-)Schulen –, die für Münster besonders kennzeichnend und prägend sei. Der Hochschullandschaft verdanke man nicht nur die Lebendigkeit der Stadt (»ge - sunde Altersstruktur«, »immer wieder kommen junge Leute«), sondern auch Im - pulse für die Wirtschaft: »Dank der Hochschulen gibt es sehr innovativ aufgestellte Unternehmen«. Hervorgehoben wurde ein hohes Maß an Integration der Hochschulen in Stadtge - sellschaft und Stadtleben (Public Lectures, 2.000 Eingetragene beim »Studium im Alter« an der Universität). Diese lokale Wissenschaftskommunikation könne man so- gar noch verstärken hieß es. Ein Gesprächspartner hatte dazu gleich drei Vorschläge: Stärken, Qualitäten, Potenziale 12 ISEK Münster 2030 | Baustein B: Schlüsselpersonengespräche • »Warum proben z.B. die Studentinnen und Studenten der Musikhochschule nicht in der Öffentlichkeit? Wäre doch schön – eine Straße für die Blechbläser, die Waldhornallee, Flötisten im Park und Geigerinnen am Hafen…« • »Jeder Studierende, der die Stadt verlässt, sollte einen Vorschlag machen, was für die Stadt in Zukunft gut ist…« • »…und man muss auch überlegen, wie sich die Institute der Universität stärker in der Stadt zeigen können«. Drei Äußerungen fassen zusammen, was in vielen weiteren Antworten enthalten war: »Ohne Hochschulen wäre Münster eine Stadt mit toller Vergangenheit, aber ohne Zukunft« und: »Die Hochschule ist das Elixier für die Stadt«. Und nicht zuletzt: »Wissenschaft und Lebensart – das gilt noch immer, wenn es um die besonderen Stärken dieser Stadt geht«. LEBENSQUALITÄT: DIE STADT UND IHRE MENSCHEN Es verwundert nicht, dass die Frage nach den Stärken Münsters häufig mit »besonde- re Lebensqualität« beantwortet wird. Gemeint ist damit ein Bündel von Merkmalen – an erster Stelle oft die Überschaubarkeit der Stadt (»kurze Wege«, »angenehme Größe«, »übersichtlich und persönlich«, »groß und klein genug«) in räumlicher wie in sozialer Hinsicht (»Wir kennen uns hier alle«). Zur Lebensqualität gehört ganz wesentlich auch die Wahrnehmung Münsters als »grüne Stadt« (wie oben bereits bei den ersten Assoziationen deutlich wurde). Das fand in fast allen Gesprächen Erwäh - nung. »Grün« war eindeutig die am häufigsten genannte Farbe. Und Kultur spielt als prägendes Element der Lebensqualität eine wichtige positive Rolle. Hervorgehoben wurden sowohl das umfassende kulturelle Angebot sowie die Vielfalt der kulturellen Szenen (»das Stadttheater auf der einen Seite, Hawerkamp auf der anderen«). Aber auch die schon erwähnten städtebaulichen Qualitäten, das bau - lich und sozial gemeinte Nebeneinander von Alt und Neu, die in mehrfacher Hinsicht attraktive Innenstadt etc. wurden erneut angesprochen. Nicht zu vergessen: Münster als Fahrradhauptstadt. Man komme »überall ohne Auto hin« wurde hervorgehoben. Das Rad sei sogar »ein kulturstiftendes Element. An der Ampel entsteht schon mal ein netter Kontakt«. Auffallend aber war, dass zur Lebensqualität ganz wesentlich die Menschen in der Stadt selbst beizutragen scheinen. Das »soziale Klima« wurde mehrfach erwähnt, der offene Umgang mit Fremden, die Aufmerksamkeit für soziale Diskrepanzen (»Resili- enz auch in sozialer Hinsicht«) und die T atsache, dass die Menschen in Münster »in der Lage sind, zwischen Geld und Wert zu unterscheiden«. Ganz wesentlich sei, dass es hier »Bürger-Stolz« (auf die Stadt) und »Liebe zur Stadt« gäbe. Man verstehe sich noch als Gemeinschaft, die Stadtgesellschaft sei nicht »durchparzelliert«, man könne hier »wirklich noch von einem Gemeinwesen« sprechen. 13 In einem Atemzug mit solchen Feststellungen wurde stets das besondere bürger - schaftliche Engagement, das große Interesse der Bürgerinnen und Bürger an den An- gelegenheiten ihrer Stadt und das Know-How, das zumal vom akademisch geschul - ten Bildungsbürgertum eingebracht werde. Eine derart »engagierte Bürgerschaft ist schon etwas Besonderes« wurde festgestellt und – mit einem Augenzwinkern – hin- zugefügt: »aber auch anstrengend«. Die vielen Facetten dieses Engagements werden durchweg sowohl als Stärke wie auch als Ressource bzw. Potenzial für zukünftige Entwicklungen angesehen. Als solche wünschbare Weiterentwicklung wurde insbesondere die Einbeziehung der Stadtteile und ihrer Bevölkerung – »auch Kinderhaus, Coerde, Berg Fidel« – gesehen. Es gelte, sie »mitzudenken und einzubeziehen«: »Nicht nur innerhalb des Promenadenrings denken«, hieß es. »Münster ist real größer«. Auch im Bereich von »Migration und Integration ist noch viel mehr möglich«. WACHSTUM ALS CHANCE Von einigen zweifelnden Stimmen abgesehen (»müssen wir denn wirklich – so stark – wachsen«?) wurde die aktuelle Dynamik in der Stadtentwicklung als Chance gese - hen – etwa »für eine menschen- und umweltverträgliche Entwicklung«. Allerdings, so wurde von anderer Seite mahnend hinzugefügt: »Es braucht jedoch eine sozial - verträgliche Entwicklung, die sich mit der vorhandenen Struktur vereinbaren lässt«. Gelänge dies, hätte Münster die Chance »Vorreiter zu sein für eine andere Stadtent - wicklung und den anderen Städten zu zeigen, dass es auch anders geht.« WIRTSCHAFT Die Wirtschaft der Stadt sei »gut aufgestellt«, hieß es. Sie sei stabil, ein »T ausend - füßler«, dem Strukturprobleme einzelner Branchen nicht allzuviel anhaben können. Einer solchen Sichtweise wurde aber durchaus auch widersprochen (dazu mehr unter »Schwächen«). Unwidersprochen blieb hingegen die Feststellung, dass der Einzel - handel (gemeint vor allem: In der Innenstadt) ein »großes Alleinstellungsmerkmal« sei. Einkaufen in Münster werde »als Erlebnis angesehen«. In allen Bereichen des wirtschaftlichen Lebens werden aber noch Potenziale – und Handlungsbedarf, der aus sich wandelnden Rahmenbedingungen resultiert (s.u.) – gesehen. Besonders eine Intensivierung der Vernetzung von Hochschulen und Wirtschaft sei anzustreben. Die Entwicklungen im Hafenbereich könnten zudem Impulsgeber für und Ausdruck von Konzepten modernen Arbeitens sein. Wenn das Gespräch auf Wirtschaftsthemen kam, wurde die Landwirtschaft, obwohl sie große T eile des Stadtgebietes Münster prägt, nur sehr selten erwähnt. Wenn doch, wurde deutlich, dass hier möglicherweise ein Umdenken erforderlich ist. So hieß es: »Die Münsteraner Kulturlandschaft funktioniert nur mit einer aktiven Landwirtschaft.« Und: »Die Landwirtschaft ist durchaus ein wichtiger Wirtschaftsfak- Stärken, Qualitäten, Potenziale 14 ISEK Münster 2030 | Baustein B: Schlüsselpersonengespräche tor für Münster«. Bezogen auf das gesamte Münsterland sei »etwa jeder 8. Arbeitneh- mer direkt oder indirekt in der Landwirtschaft tätig«. Das werde aber vielfach nicht gesehen: »Spricht man mit der Politik über die Landwirtschaft, so geht es um Umwelt und ähnliches. Aspekte wie Ernährungssicherheit, Arbeitskraft und Wirtschaft spie - len keine Rolle. Die Landwirtschaft ist in Münster zu selbstverständlich, wir würden ja auch satt, selbst wenn es sie nicht gäbe.« Letztlich fehle es an einem »Diskurs mit der Landwirtschaft«.A Schwächen, Probleme, Risiken Wo Veränderungsbedarf gesehen wird Wie schon zuvor bei der Frage, was an Münster nicht gefalle, gab es auch hier häufig zunächst längere Denkpausen. Damit wird bereits erkennbar, was sich in der Fol - ge bei der Auseinandersetzung mit Problemen und Schwächen wieder zeigt: Von »wirklichen Problemen« mögen viele – zumal im Vergleich mit anderen Städten – bei Münster nicht sprechen. »Wir können uns glücklich schätzen, vor welchen Her - ausforderungen wir stehen, denn wir können hier wirklich gestalten. Wir haben die Ressourcen, wir haben das Know-how und wir haben auch das Geld dafür (…). Wir unterhalten uns hier manchmal über Probleme, wo andere Kommunen glücklich wä- ren, wenn sie diese Probleme hätten«. Dennoch wurden auch hier Aspekte benannt. Es handelt sich dabei fast durchgängig um Schattenseiten der zuvor genannten Stärken – und darum, dass diese negativen Aspekte nicht angemessen wahrgenommen würden: ÜBERHITZTER IMMOBILIENMARKT , MANGEL AN WOHNRAUM – PROBLEME MIT FOLGEN Die Stadt Münster ist sehr attraktiv, zieht viele Menschen an, die hier wohnen wollen. Das ist zweifellos eine Stärke. Aber sie hat sehr deutliche Schattenseiten. Der Nach - fragedruck lässt die Immobilienpreise steigen. Und da nicht nur Menschen die Stadt suchen, sondern auch Kapital, das den Immobilienmarkt als Anlagesphäre sucht, nach Münster strömt, hat sich in den letzten Jahren offensichtlich ein erheblicher Druck mit entsprechenden Folgen aufgebaut: Die Grundstückspreise seien, so hieß es, »in sechs Jahren um 60-70% gestiegen«. Selbst im Umland wirke sich das aus – so etwa in T elgte, wo sich die Bodenrichtwerte binnen 10 Jahren verdoppelt hätten. Die Folgen machen sich vor allem am Wohnungsmarkt bemerkbar: Inzwischen wür- den rund 10.000 Wohnungen fehlen, »davon etwa 5.000 Sozialwohnungen«, hieß es. Mieterinnen und Mieter müssen immer höhere Mieten zahlen, was die mit niedrigem A weitere Ausführungen wirtschaftlicher Themen folgen auf S. 20 15 Einkommen besonders belaste: »Wer eine Wohnung hat, zieht nicht aus, wer keine hat, findet kaum bezahlbare«. Für niedrige Einkommensgruppen wirkt sich zudem das Auslaufen von Bindungen vormals öffentlich geförderter Wohnungen ebenso ne- gativ aus wie Umwandlungen von Miet- in Eigentumswohnungen. »Da geht sehr viel mehr verloren als neu gebaut wird«, wurde festgestellt und von anderer Seite ergänzt: »es findet nachweislich ein Abbau von Sozialwohnungen« statt. Die nahe liegende Folgerung, nicht nur mit großem Aufwand neu zu bauen, son - dern auch negative Entwicklungen im Bestand zu unterbinden oder zumindest zu verlangsamen, sei politisch nicht gewollt, hieß es. Das führt gelegentlich zu bitteren Formulierungen – etwa dass »›Stadt für alle‹ doch nur ein Lippenbekenntnis« sei. Außerdem wird darauf hingewiesen, dass manche Mietergruppen diskriminiert wür- den: »Hartz IV-Empfänger werden bei der Wohnungssuche oft stigmatisiert, ebenso wie Migranten. In einer Umfrage kam heraus: 56% der Deutschen mögen keine Mi - granten, 57% keine Hartz IV-Empfänger. Die Leute treffen auf viel Rassismus und Vorurteile und finden deshalb keine Wohnung«. Einigkeit besteht darin, dass man die am Wohnungsmarkt heraufziehenden Proble - me lange übersehen habe: »Ich wohne seit 30 Jahren in Münster, und es gab nie einen entspannten Wohnungsmarkt«… »Vor zehn Jahren hat man noch auf Schrumpfen gesetzt«, … »obwohl es schon warnende Hinweise gab«. Jetzt »läuft man der Musik nur noch hinterher«: »Wir haben vor zehn Jahren politisch nicht erkannt, was auf uns zukommt. Es gab falsche Prognosen, so dass wir nun nicht vorbereitet sind und nichts in der Hand haben außer dem Versprechen ›In den nächsten Jahren wird sich groß was tun‹«. Aber, auch das wurde betont, es »bringt jetzt nichts, wenn man ›hätte, hätte‹ sagt. Es kommt darauf an, jetzt das Notwendige zu tun«. Ob das (bereits) der Fall ist, wurde aber gelegentlich in Zweifel gezogen. Folgen der aktuellen Problemlage seien aber schon deutlich sichtbar und es bestünde die Gefahr, dass sie sich weiter verschärfen. So drohe eine weitere Konzentration einkommensschwacher Haushalte in wenigen Stadtteilen: »Wenn in Brüningheide vor 7 Jahren noch 200 Wohnungen leer standen, sind nun 1000 Leute auf der Warteliste. Und es ist egal, in welchem Zustand die Wohnungen sind, denn in Münster ist es total schwer, überhaupt eine Wohnung zu finden«. Zudem seien Gentrifizierungstendenzen in verschiedenen Stadtteilen zu beobachten (»Südviertel, Hansaviertel… das Kreuzviertel ist schon ›durch‹«) und mit ihnen die Gefahr der Verdrängung und Homogenisierung der Bevölkerungsstruktur (»das ist dann längst nicht mehr so bunt wie vorher«). Von großer Bedeutung sei auch die T atsache, dass »viele Menschen außerhalb leben müssen, damit die Balance der Ausgaben zum Wohnen und Leben noch stimmt«: »Sie ziehen immer weiter aus der Stadt heraus, weil sie sich die Stadt nicht mehr Schwächen, Probleme, Risiken 16 ISEK Münster 2030 | Baustein B: Schlüsselpersonengespräche leisten können.« Und: »Ich würde den Normalbürger – denjenigen, der ein Normal - einkommen hat – inzwischen in T eilen vor den T oren der Stadt sehen«. Diese Feststellung bezog sich vor allem auf diejenigen, die preiswerten Mietwohn - raum suchen. Aber es wurde auch darauf hingewiesen, dass Ähnliches für mittle - re Einkommensgruppen gilt, die Wohneigentum in Form von Einfamilienhäusern bilden wollen. Auch sie wichen in die Region aus, wo das Bauland für sie noch er - schwinglich sei. Dieses Ausweichen in die Region kann mehrere Folgen haben. Auf zwei wurden wir besonders hingewiesen: • »Das erzeugt immer mehr Verkehr. Und die Pendler verursachen schon jetzt die meisten Verkehrsprobleme«. • Der »Klebeeffekt« Münsters könne abreißen, wenn sich Menschen weiter ins Umland bewegten (»der Radius wird immer größer«) und sich dann langfristig auch nach Arbeitsplätzen umschauten: »Mitarbeiter, die einmal weggezogen sind, nehmen dann über kurz oder lang auch einen Job außerhalb von Münster an«. Dieser letzte Aspekt verweist auf eine Problematik, die schon jetzt sichtbar wird, sich aber weiter zu verschärfen scheint: Arbeitskräfte in den unteren Einkommensgrup - pen werden zum Engpassfaktor in vielen Bereichen. Denn: »Sie können sich diese Stadt einfach nicht mehr leisten«. Darüber klagen Wirtschaftsunternehmen ebenso wie Hochschulen und Kliniken. Gerade bei Arbeitskräften, »die möglichst nahe an ihrem Einsatzort wohnen« sollten, sei das besonders problematisch. »Ein Beispiel ist die Feuerwehr in Hiltrup, deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter früher in einem Umkreis von 500 Metern wohnten, um schnell zu den Einsätzen zu kommen. Inzwi- schen wohnen die in Rinkerode und haben viel zu lange Anfahrtswege«. Aber auch alle anderen, die nur mit großem Pendelaufwand in Münster arbeiten könnten, ließen sich zunehmend schwerer gewinnen. Verbunden mit dem ohnehin steigenden Fachkräftemangel bilde sich hier ein »negativer Standortfaktor« heraus. Zusammenfassend wurde das Problem so umrissen: »Das große Risiko ist, dass die- jenigen, die hier arbeiten, keine Chance haben, hier auch zu wohnen.« Auch Studierende seien immer stärker davon betroffen – verstärkten aber gleichzei - tig den Effekt der Mietpreissteigerung, da »diese Gruppe der Wohnungssuchenden generell bereit ist, pro Quadratmeter mehr Geld zu zahlen.« »Selbst für Juniorprofes- soren wird es zunehmend schwieriger, hieß es.« Inzwischen, so wurde berichtet, suchten Unternehmen Wohnungen für ihre Mitar - beiterinnen und Mitarbeiter – »auf der Jagd nach jungen T alenten«. Immobilienpreise können aber auch außerhalb des Wohnungssektors Probleme er - zeugen. In diesem Zusammenhang wurden etwa »Initiativen und Start-ups« ange - sprochen, »die noch etwas ›wackelig aufgestellt‹« (also wirtschaftlich noch nicht trag- fähig) sind. Die könnten sich vielfach Grundstücke oder Räume nicht leisten – und »entstehen gar nicht erst, oder wandern ab.« 17 Angesichts dieser Engpässe liegt die Folgerung nahe, dass in großem Umfang, neue Siedlungsflächen erschlossen und vorhandene nachverdichtet werden. Hier wird al - lerdings vor vorschnellem Handeln gewarnt: So seien die landwirtschaftlichen Flä - chen keine Verfügungsmasse, sondern Lebensgrundlage vieler Landwirte. Vor allem aber könne zusätzliche Flächeninanspruchnahme Umwelt-, Freiraum- und Freizeit - qualitäten gefährden – und Nachverdichtung die Wohnqualität an einzelnen Stand - orten beeinträchtigen. Der Umgang mit den sich hier eröffnenden Zielkonflikten sei also von besonderer Bedeutung für die zukünftige Stadtentwicklung. SOZIALE POLARISIERUNG? Oft waren es vor allem soziale Diskrepanzen, die »größer werdende Schere« zwischen Arm und Reich, der »starke soziale Kontrast«, die bei der Frage nach den Schwächen erwähnt, dann aber vor allem am Beispiel der Probleme am Wohnungsmarkt behan- delt wurden. Aber die soziale Lage der finanziell schwächer Gestellten wurde auch unabhängig von den Wohnungsproblemen thematisiert. So hieß es etwa: Man fühle sich in Münster auf einer »Insel der Glückseligen« – und die meisten könnten sich nicht vorstellen, dass es auch »Lagen jenseits des Prinzipalmarktes gibt, wo Menschen mit sieben Kindern in drei Zimmern leben«. »Es gibt viel Bedürftigkeit in Münster und es kann gut sein, dass sich das für die Menschen in Münster noch stigmatisierter anfühlt«. Allerdings sei das kein Thema, das öffentlich in der Stadt diskutiert werde, und nur wenig Beachtung finde. Mit Blick auf Migration und Integration (bzw. »migrationsgesellschaftlicher Öff - nung«) wurde auch festgestellt, dass es zwar auf der einen Seite erhebliches ehren - amtliches Engagement vieler Menschen gebe, aber das sei vor allem karitativer Art. Zugleich seien nach wie vor Diskriminierungen und auch Formen des Rassismus auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt zu beobachten. »Die Herausforderung besteht darin, nicht ›Wir und die Anderen‹, sondern ›Wir‹ zu denken – aber da sind wir noch nicht«. Wer die Situation für die Betroffenen verbessern wolle, müsse zudem bereits in Kitas und Grundschulen (»offene Ganztagsangebote«, »U3 Betreuung«) bei Kindern wie Eltern ansetzen. Hier gibt es offensichtlich intensive Bemühungen aber auch »noch viel Luft nach oben« (etwa Übergang Grundschule zu weiterbildenden Schulen). Schwächen, Probleme, Risiken Eine Seite Einseitigkeiten: Steile Thesen, deutliche Kritik, starke Meinungen In den Gesprächen ging es nicht immer ausgewogen und zurückhaltend zu. Das sollte es auch nicht. Gefragt waren offene Worte und klare Kanten. Einige dieser Äußerungen geben wir hier wieder. Zum T eil sind sie etwas verändert, um Rückschlüsse auf die Personen zu vermeiden. Aber das eigentlich Gemeinte blieb unverändert… »Münster? … »Durchsaturiert und akademisch…«, … »lauter Erdkundelehrer« … »Puppenstube« … »auf Prinzipalmarkt-Gemütlichkeit reduziert« … »closed« … »eingedickt« … »Insel der Glückseligen« … »müsste mal durchgelüftet werden«. »Man spiegelt sich im Aasee so lange und findet sich so schön, bis man selber rein fällt« »Grundsätzlich hätte die Stadt das Potenzial als lebendig, modern und vital wahrge - nommen zu werden« »Hier gibt es sehr viele, die nicht einmal glauben, dass es auch in Münster Menschen gibt, deren Lebensqualität davon abhängt, ob man zehn Euro mehr oder weniger hat«… »… ach, die wissen doch nicht, wie es außerhalb der eigenen Käseglocke zugeht« »Münster muss man sich leisten können« »Qualität hat ihren Preis« »Die sind doch stolz darauf, dass Münster teuer ist« »Wer sich Münster nicht leisten kann, muss halt weiter weg ziehen« »Die Frage, wo das Geld herkommen soll, das wir hier mit vollen Händen ausgeben, wird viel zu selten gestellt«. »Dass das Wohl einer Stadt von der Stärke ihrer Wirtschaft, abhängt, wird geflissent- lich übersehen«. »Wer glaubt, Wirtschaftsförderung nur in Quadratmetern denken zu können, hat nicht verstanden, auf was es heute ankommt«. »Man kann sich hinter einem Prozess wie ›MünsterZukünfte‹ ganz gut verstecken« »Immer nur Pläne, Pläne, Pläne… wie wäre es mal mit Handeln?« 19 INFRASTRUKTUR: ERREICHBARKEIT , INNERSTÄDTISCHE MOBILITÄT UND ÜBER- LASTETE EINRICHTUNGEN Die großräumige Einbindung Münsters wird, so wurde uns mehrfach mitgeteilt, als unzureichend eingeschätzt. Die Flughafensituation sei nicht gut (»wir treffen uns mit unseren internationalen Kooperanden inzwischen häufiger am Düsseldorfer Flugha- fen«), die ICE-Anbindung unzureichend und auch an manchen Straßenverbindun - gen fehle es. Als »Belastung im Alltag« wurde die städtische und regionale Verkehrssituation be - schrieben. Die Klagen bezogen sich dabei sowohl auf den Öffentlichen Nahverkehr wie auf die Situation des motorisierten Individualverkehrs (»zumindest in den Stoß - zeiten«). Dabei wurde die Meinung vertreten, dass dieses Mobilitätsproblem »weniger durch die Münsteraner Bürgerinnen und Bürger entsteht, sondern vor allem durch die Pendler, die rein und raus wollen. Das ist das eigentliche Mobilitätsproblem«. Auf letzteren bezogen wurde etwa festgestellt, dass die »Stadtstruktur nicht mehr Individualverkehr verträgt«. Zugleich aber wurde – mit Blick auf die Parkhäuser in der Innenstadt – von anderer Seite festgestellt, man dürfe »die Stadt nicht gegen Be - sucherverkehre abschließen«. Vor allem die Pendlerverkehre (s.o.) wurden allerdings als wesentliche Problemver - ursacher angesehen. Hierauf bezog sich auch die Konsequenz »Wir müssen den Ver- kehr umstellen«. Aber, so hieß es zugleich, auch die Angebote auf der Schiene und mit dem Bus seien schon voll »die Leute nehmen den ÖPNV schon in Anspruch. Aber es reicht nicht«. »Es ist einfach ein Ausbau nötig. Ein ÖPNV , der dem Wachstum nicht standhält«, werde, so hieß es u.a., zu einem »Risikofaktor in der Zukunft.« Hier sei inzwischen »vieles am Anschlag« – was auch auf sonstige Infrastrukturen (etwa bei Sportflächen und kulturellen Einrichtungen bezogen wurde). Zumal sei die Kinderbetreuung »nicht dementsprechend ausgebaut, dass Alleinerziehende dem Arbeitsmarkt flexibel gegenüber stehen können«. Ein besonderes Kapitel stellt der Radverkehr dar. Man ist allseits noch stolz darauf, einmal Radverkehrshauptstadt gewesen zu sein und schätzt weiterhin das Rad als wesentliches Verkehrsmittel. Aber, so hieß es, man habe sich »zu sehr auf den Lor - beeren ausgeruht« und nicht auf dem einmal eingeschlagenen Weg weiter gemacht. Die »Weiterentwicklung des Radverkehrs« sei »vernachlässigt worden«. Es reiche eben nicht »ein paar Straßen rot anzumalen«, sondern es bedürfe einer modernen Radverkehrsstrategie (»die sich auch an den Erfahrungen des Auslands« orientiere). Wesentlich sei auch, dass sich inzwischen mit E-Bikes, Pedelecs etc. der Radverkehr selbst sehr verändert habe, was neue Antworten notwendig mache. Zudem wurde auch auf Probleme hingewiesen, die mit dem starken Radverkehr ver- bunden seien. Zum Beispiel: • Hohe Geschwindigkeiten bringen für Kinder und Ältere »Unsicherheiten auf den Radwegen« mit sich. »Das Klima auf der Promenade ist im Laufe der Zeit hekti - Schwächen, Probleme, Risiken 20 ISEK Münster 2030 | Baustein B: Schlüsselpersonengespräche scher, voller und schneller geworden«. • Die (fehlenden oder überlasteten) Abstellflächen für Fahrräder seien ein Problem und führten auch zu Gefahren für Fußgänger. • Verkehrsströme und ein antiquiertes Ampelsystem mit ungünstigen Verkehrs - flüssen seien ebenfalls Anlässe, beim Thema Radverkehr weiter zu kommen. WIRTSCHAFT Deutlich war die Klage zu vernehmen, dass die Wirtschaft in allen ihren Zweigen – von der Produktion über den Handel, die Dienstleistungen bis hin zum Handwerk – »ent- weder gleich übersehen oder gering geschätzt bzw. als selbstverständlich angesehen« werde: »Münster wirbt mit ›Wissenschaft und Lebensart‹. Der Begriff der Wirtschaft fehlt dabei«. Aber das Geld, das man für Wissenschaft und Lebensart ausgebe, so hieß es, »muss ja auch erst einmal verdient werden«. Das aber entgehe der »bürgerlichen Wahrnehmung« (oder »akademischen Orientierung«, wie es auch genannt wurde): »Ob es der Wirtschaft gut geht oder nicht, spielt keine Rolle, das Leben geht weiter – selbst wenn ein großes Unternehmen einmal wegfallen würde. Daher werden in Münster viele Entscheidungen ohne wirtschaftliche Betrachtung getroffen«. Auch bei der Bildung gelte die »akademische Ausbildung als Lebensglück«. Andere Berufswege sollten aber, so die Forderung »als gleichwertig angesehen« werden. Da- bei sei es gar nicht selbstverständlich, dass es der Wirtschaft in Münster weiterhin gut gehe. Im Gegensatz zur These vom »T ausendfüßler« wurde in diesem Zusam - menhang betont, dass Münster eher »monostrukturiert« sei: »Es gibt die Banken, Versicherungen – aber das ist nicht die gesamte Breite der Wirtschaft. Der Bereich der Chemie ist in der Wahrnehmung nicht verankert. Und der gesamte produzieren- de Bereich ist unterentwickelt«. Es mangele an einer »gespreizten Arbeitgebersze - ne«, um ausreichend stabil zu sein – und zum Beispiel auch, um »Absolventen der Hochschulen Arbeitsplätze anbieten« zu können. Zudem seien sich abzeichnende Entwicklungen – etwa die Digitalisierung und der Fachkräftemangel – Risikofakto - ren für die Wirtschaft, deren Bedeutung ebenfalls nicht angemessen wahrgenommen werde: »Wenn eine Versicherung einen Schnupfen kriegt, dann kriegen wir schnell eine Lungenentzündung«. Und: »Sollten die Versicherungen oder das Bankenwesen in eine wirtschaftliche Schieflage geraten, mit der Folge eines deutlichen Einnahme - verlustes, würde das für unsere Stadt große Probleme bringen können«. Derzeit sei man zudem auch technisch noch nicht gut für zukünftige Herausforderun- gen gerüstet: Nur 11% der Gewerbeflächen seien an ein Breitband-Netz angeschlos - sen. Was die Flächenreserven selbst betrifft, so sah man aktuell »die vorhandenen Flächen volllaufen« und mittelfristig durchaus Bedarf. Allerdings dürfe sich, so laute- te eine kritische Seitenbemerkung, Wirtschaftsförderung nicht darin erschöpfen, Flä- che bereitzustellen. Ein besonderes Augenmerk galt auch dem Einzelhandel. Dessen Strukturwandel trage möglicherweise sowohl zur Gefährdung der Versorgungslage in 21 den Stadtteilen wie auch zu einer Veränderung des Angebots in der Innenstadt (»nur noch exklusiv«) bei. »SELBSTKRITISCHE BEFINDLICHKEITEN« Bei all dem reflektierten die Interviewpartnerinnen und Interviewpartner, von denen viele einflussreiche Positionen besetzen, ihre Aussagen und auch ihre eigene Rolle kritisch: »Ich sehe mich in einem persönlichen und beruflichen Zwiespalt. Persönlich will ich auch nicht, dass sich etwas ändert, beruflich weiß ich aber, dass es sein muss«. So fasste einer unserer Gesprächspartner eine Situation zusammen, die kennzeich - nend zu sein scheint für weite T eile der Stadtgesellschaft. Sie sei »selbstgenügsam«, »saturiert« und sehe »keinen Veränderungsbedarf«, hieß es selbstkritisch: »Alles ist so schön, und das soll auch so bleiben«, laute die Maxime. Von der »Insel der Glück- seligen«, einer »Käseglocke«, in der man lebe, war die Rede und »fehlender frischer Wind« wurde beklagt. »Es fehlt an innovativen Ideen – und der gefühlten Notwendig- keit, danach zu suchen«. Letztlich müsse »die Stadt aufpassen, dass sie nicht in eine Saturiertheit und Selbstgefälligkeit verfällt«. Manche sahen das als Schattenseiten des Wohlstands und der »Akademisierung« an, die zu blinden Flecken in der Wahrneh - mung führten. So würden mögliche Strukturprobleme in der wirtschaftlichen Basis der Stadt ebensowenig beachtet wie die sozialen Probleme großer Gruppen. Hinsichtlich des letztgenannten Aspekts wird zwar festgestellt, dass es eine »gewisse Sensibilisierung« gegeben habe, aber die tatsächliche Situation vieler Menschen in der Stadt werde dennoch vielfach ignoriert. Das gelte nicht nur für Familien mit vie - len Kindern (und geringem Einkommen) oder alte Menschen, die unter Altersarmut leiden, sondern z.B. auch für alleinerziehende Frauen, die im Alltag – sei es im Beruf, sei es in den Stadträumen (beklagt wurde z.B. die Reduzierung nicht-kommerzieller Aufenthaltsmöglichkeiten in öffentlichen Räumen) – immer noch viele Hürden zu überwinden hätten. Erneut wurde auch das »Prinzipalmarkt- oder Promenadenden - ken« kritisiert. Oder, so ein etwas anderes Bild: »Entschieden wird auf dem Fahrrad auf dem Weg von Handorf zum Prinzipalmarkt«. Man müsse aber auch die (sehr verschiedenen) Stadtteile in den Blick nehmen und die Stadt als Ganzes betrachten. Die oben bereits erwähnte Kritik an »zu viel Plänen« (denen zu wenig Handeln ge - genüber stehe) bedarf noch einer ergänzenden Anmerkung: Auf unsere Frage nach wichtigen Planungen und Beschlüssen, die Ausgangspunkte weiteren Planens und Handelns sein sollten, erhielten wir zumeist keine oder nur auf eigene Handlungsfel- der begrenzte Hinweise. Es wird also zu prüfen sein, ob die vermeintliche Plan- und Programmflut tatsächlich existiert. Falls ja, wäre die Unkenntnis – bei gleichzeitiger Kritik – bedenkenswert. Denjenigen, denen an Veränderung gelegen ist, »fehlt es klar an politischer Füh - rung«. Man müsse »mutig sagen: Wir machen das jetzt – auch wenn ich nachher Schwächen, Probleme, Risiken 22 ISEK Münster 2030 | Baustein B: Schlüsselpersonengespräche nicht wieder gewählt werde – daran fehlt es.« »Ein enger Kern hervorragend vernetz- ter Leute« präge das, »was in Münster geschieht«, wurde angemerkt. Weil dies »so closed« sei, müsse auch hier frischer Wind hinein. Hingegen kämen die, »die sich nicht artikulieren können, in der Stadt nicht vor. Sie werden auch nicht vertreten und sie haben keine Lobby«. Ein kritischer Seitenblick richtete sich auch auf die kommu- nale Finanzsituation: Einige hätten anscheinend den Eindruck, sie sei unerschöpf - lich. Aber das sei keinesfalls so. Wenn auch »in Zukunft kommunale Zielsetzungen selbstbestimmt umgesetzt werden sollen, dann darf Münster nicht in die Haushalts - sicherung kommen«. Das mache einen sorgfältigen Umgang mit den kommunalen Finanzen notwendig. Als Zusammenfassung können folgende Äußerungen angesehen werden: • »Andere wären froh, wenn sie die Probleme Münsters hätten« – womit zum Aus- druck gebracht wurde, dass vergleichbar große Städte schärfere Herausforderun- gen bei schlechterer Ausgangssituation zu bewältigen hätten. Aber: • Keinesfalls dürfe man sich »in westfälischer Gemütlichkeit einrichten«. In der Vergangenheit habe man auf diese Weise wichtige Herausforderungen, die durchaus absehbar gewesen seien, »verschlafen« und zu spät gehandelt. Nach vorne gewandt müsse das heißen: Ein großes Risiko bestehe darin, jetzt erkenn - bare Veränderungsbedarfe nicht rechtzeitig anzugehen. Die Bedeutung der Region für Münster – und die Bedeutung Münsters in der Region Welche Bedeutung interkommunale Kooperation hat Bei keinem Thema, das in den Interviews angesprochen wurde, herrschte so große Einigkeit wie bei diesem: »Die umliegenden Gemeinden sind unersetzbare Partner der Stadt«, »Nur im Schulterschluss mit dem Umland kann die zukünftige Entwick - lung erfolgreich gestaltet werden.« »Die Stadt kann nicht ohne die Region gedacht werden« – und die Region nicht ohne die Stadt. So und ähnlich lauteten viele An - merkungen zu diesem Thema. Konkreten Kooperationsbedarf sah man bei der regi - onalen Siedlungsflächenentwicklung – und zwar sowohl für Wohnen wie für Gewer- be. »Wenn innerstädtisch die Flächen nicht ausreichen, wird es darauf hinauslaufen müssen, regional zu denken und zu arbeiten«. Das müsse aber eng verknüpft werden mit Fragen der Mobilität. Genannt wurden vor allem der öffentliche Verkehr (»Bahn- anbindungen«) und Velorouten: »Man kann bei der Erreichbarkeit nicht nur auf das Auto setzen«. Weitere Kooperationsfelder werden auch in der regionalen Bildungsland- schaft gesehen. 23 Es gebe zwar mit dem Münsterland e.V . eine Struktur für die Zusammenarbeit, aber diese sei »strukturell nicht tragfähig« und »im Vergleich zu anderen regionalen Ein- richtungen nicht stark genug«. Es wurde ergänzt, dass es auch durchaus einzelne Bei- spiele für gute Zusammenarbeit gäbe, aber das sei punktuell: »Es braucht eine Vision für das zukünftige Verhältnis von Stadt und Umland«. Der Weg dorthin könnte lang sein, denn es gab auch kritische Anmerkungen, die auf das Verhältnis von Anspruch und Wirklichkeit zielten. Die wechselseitigen Bekenntnisse seien das eine, hieß es, aber um die Realität der Kooperation stehe es nicht immer zum Besten: »Wenn’s an die Umsetzung geht, wird’s schwierig«, lautete eine Feststellung. Da seien dann doch immer noch Neid und Konkurrenzdenken wirksam. Und dann ist da noch das Prob- lem mit der Augenhöhe: »Im Umland hat man den Eindruck, dass Münster die Nase hoch trägt und auf das Umland herunter schaut. Das kommt nicht von ungefähr. Das ist auch so«. Kurzum und auf die Stadt bezogen: »In Münster wird viel Münster gedacht und we - nig Umland«. Aber es wird auch Fortschritt gesehen. Bezogen auf die Region sei »die Höhe der Kirchtürme schon etwas abgebaut« worden. Die Bedeutung der Region für Münster »Es zeigt sich immer mehr, dass es in einer sich schnell entwickelnden Gesellschaft auch im Hinblick auf die nächsten 20 Jahre umso wichtiger ist, schon heute die richtigen Weichen - stellungen vorzunehmen und nicht darauf zu warten, bis einen die Ereignisse überrollen.« , »Es ist gut, vor den Ereignisse herzulaufen und nicht hinterher.« Markus Lewe (Oberbürgermeister) Am Schluss der Interviews baten wir die Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner um ein kur - zes Statement, mit dem wir sie zitieren dürfen. Diese »Schluss-Sätze« geben wir im Folgenden wieder: »Stadtentwicklung ist nicht das Nachvollziehen von Prognosen, sondern das Umsetzen von gemeinsamen Entscheidungen.« Robin Denstorff (Stadtbaurat, Dezernent für Planung, Bau und Wirtschaft) »Ich wünsche mir von dem Zukunftsprozess, dass wir mit Freude und Leidenschaft Prozesse so gestalten, dass unsere Enkel in 20 Jahren sagen werden: Die haben nachhaltig entschieden. Das ist richtig gut, was sie damals auf den Weg gebracht haben, weil es uns mehr Gestal - tungsmöglichkeiten schafft als sie damals gehabt haben – das bezieht sich auf die Frage der Ressourcenverfügbarkeit, der Mobilität, der Kommunikation und auf die Frage der politischen T eilhabe.« Matthias Peck (Stadtrat, Dezernent für Wohnungsversorgung, Immobilien und Nachhaltigkeit) »Ich würde mir von der Politik etwas mutigere Entscheidungen wünschen. Ich muss im Vor- feld nicht jede Variante bis ins letzte Detail kennen, sondern kann auch auf die westfälische Art gucken, was sich machen lässt – und dann machen, was sich sehen lässt.« Alfons Reinkemeier (Stadtrat, Stadtkämmerer, Dezernent für Finanzen und Beteiligungsma - nagement) »Wir haben viele Aufgaben vor uns, die ein solcher Integrierter Stadtentwicklungsprozess be- arbeiten und vorantreiben kann. Das Ziel muss sein, dass Münster mit dem Münsterland in - nerhalb Nordrhein-Westfalens als eine zukunftsfähige Region wahrgenommen wird, die sich hinter dem Rheinland nicht zu verstecken braucht.« Carola Möllemann-Appelhoff (Fraktionsvorsitzende FDP-Fraktion) »Für uns als LINKE ist eine ‚Stadt für alle‘ ganz wichtig, die offen in die Zukunft geht.« Rüdiger Sagel (Fraktionsvorsitzender DIE.LINKE) »Ich freue mich auf ein Münster, das seine Vielfalt in den Quartieren und Stadtteilen erhält und weiterentwickelt, auf eine Stadt, die auch künftig jungen Menschen und Familien ein lebenswertes Zuhause sein kann. Unsere Aufgabe sollte es sein, Potenziale zu entdecken und zu entfalten – die Potentiale unserer Stadt und aller, die in ihr leben und arbeiten.« Thomas Paal (Stadtdirektor, Dezernent für Bildung, Jugend und Familie) »Der soziale Zusammenhalt der Menschen macht eine Stadt lebenswert. Ich wünsche mir für Münsters Zukunft, dass wir das Miteinander stärken und gemeinsam Lösungen für soziale Herausforderungen schaffen.« Cornelia Wilkens (Stadträtin, Dezernentin für Soziales, Integration, Kultur und Sport) »Ich wünsche mir, dass derjenige, der den Schraubenschlüssel in der Hand hat, in diesem Prozess genauso vorkommt wie diejenige, die die Rechnertastatur in der Universitätsbiblio - thek bedient.« Wolfgang Heuer (Stadtrat, Dezernent für Bürgerservice, Personal, Organisation, Ordnung, Brandschutz und IT) »Münster als Ganzes sehen mit all seinen Facetten und Rockfalten – dafür wollen wir eine gute Strategie für die Zukunft bauen.« Stefan Weber (Fraktionsvorsitzender CDU-Fraktion) »Münster muss bezahlbare Wohnungen für alle anbieten und darf nicht weniger Vermögende ins Umland abdrängen« Dr. Michael Jung (Fraktionsvorsitzender SPD-Fraktion) »Ich erwarte von dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept bzw. -prozess, dass die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs der Vereinten Nationen) die Grundlage des Entwicklungs- konzeptes sind.« Otto Reiners (Fraktionsvorsitzender Bündnis 90 / Die Grünen / GAL) »Für die Zukunft wünschen wir uns einen Hochschulstandort Münster, der bezahlbaren Wohnraum und attraktive Angebote für Studierende bietet.« Annabell Kalsow und Finn Schwennsen (Vorsitzende/r AStA WWU Münster) »Zukunft für Münster braucht eine starke Wirtschaft, Kreativität und Mut zu Veränderungen sowie den engen Schulterschluss mit dem Umland.« Joachim Brendel (Geschäftsbereichsleiter Industrie und Verkehr der IHK Nord Westfalen) und Peter Schnepper (stellv. Hauptgeschäftsführer der IHK Nord Westfalen) »In dem ISEK-Prozess darf man die Wirtschaft nicht vergessen. Man muss sich die Bedeutung der Wirtschaft bewusst machen und die Unternehmer einbeziehen.« Thomas Banasiewicz (Hauptgeschäftsführer Handwerkskammer Münster) und Thomas Har- ten (Geschäftsführer Handwerkskammer Münster) Am Schluss der Interviews baten wir die Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner um ein kur - zes Statement, mit dem wir sie zitieren dürfen. Diese »Schluss-Sätze« geben wir im Folgenden wieder: »Für die Zukunft braucht Münster innovative Konzepte, bei denen Stadt und Land nebenei - nander existieren und voneinander profitieren können. Mut zu neuen Ideen und Zurückhal - tung beim Verbrauch landwirtschaftlicher Flächen!« Susanne Schulze Bockeloh (Kreisvorsitzende WLV Münster - Westfälisch Lippischer Landwirt- schaftsverband) »Das »Größte Dorf Westfalens« läuft Gefahr, eben diesen Charakterzug zu verlieren. Folgen wir weiter dem Bestreben nach Wachstum, wird Münster am Ende eine Großstadt wie jede andere sein.« Johannes Schmanck (Ratsmitglied der Ratsgruppe Piraten) »Der notwendige Paradigmenwechsel in den Bereichen Mobilität, Flächenverbrauch und An- spruchsdenken hin zu echter Nachhaltigkeit wird nur möglich sein, wenn Verwaltung, Politik und Bürgerinnen und Bürger zu der Einsicht gelangen, dass jeder Einzelne durch sein T un seinen T eil dazu beitragen kann und muss.« Franz Pohlmann (Ratsmitglied der Ratsgruppe ÖDP) »Nur durch ein ausgewogenes soziales Sicherungssystem wird es möglich sein, ein nachhalti- ges Klima von Solidarität und Willkommenskultur in Münster zu schaffen.« Ulrich Wieners, Monika Kolodzey, Norbert Attermeyer (Sozialbüro im Cuba – cultur- und be- gegnungscentrum achtermannstraße e.V .) »Es muss darum gehen, Initiativen zusammenzuführen und das Thema der Digitalisierung pragmatisch anzugehen.« T om Malessa (Hub Manager / Vorstand münsterLAND.digital e.V .) 28 ISEK Münster 2030 | Baustein B: Schlüsselpersonengespräche Rahmenbedingungen und Schwerpunkte zukünftiger Stadtentwicklung Worauf es zukünftig ankommt Über Situationsbeschreibungen und aktuelle Handlungserfordernisse hinaus sind für ein Stadtentwicklungskonzept auch weiter reichende Überlegungen von Bedeu - tung. Daher wurde auch nach zukünftigen Entwicklungen und Schwerpunkten (The- men wie Räumen) der Stadtentwicklungsplanung in Münster gefragt. RAHMENBEDINGUNGEN Eine Erkenntnis stand bei der Frage nach den Rahmenbedingungen zukünftiger Stadtentwicklung am Anfang: Es gibt akute Probleme, deren Behandlung wesentli - chen Einfluss auf nächste Etappen in der Entwicklung Münsters hat. Insofern sind hier die Zeithorizonte 2020 und 2030 eng miteinander verbunden. Das gilt insbeson- dere für die Handlungsfelder Wohnen (allgemeiner: Immobilienpreisentwicklung) und Mobilität (insbesondere Verkehrsinfrastruktur). Beide stehen schon jetzt im Mit- telpunkt der Aufmerksamkeit, beide können sich aber zudem zu Engpassfaktoren für die zukünftige Entwicklung von Stadt und Region entwickeln. Darüber hinaus wurde als Antwort auf die Frage nach wesentlichen Rahmenbedingungen oft das Stichwort Digitalisierung genannt. Deren Bedeutung ist heute schon offensichtlich, ihre tat - sächlichen Wirkungen sind aber nur umrissartig erkennbar – womit bereits erklärt ist, warum die Einschätzungen im Rahmen unserer Gespräche durchaus ambivalent waren. Auf der einen Seite wurden nahezu unisono mögliche Gefährdungen für Münsters Zukunft gesehen. Das drückte sich in vielen Fragen aus: • »Was macht die Digitalisierung mit den großen Arbeitgebern – etwa Versicherun- gen – in Münster?«, »Braucht man die Sachbearbeiter in Zukunft noch?«, »Ver - lieren wir hier oberzentrale Funktionen?«, »Wieviele Arbeitsplätze wird Münster verlieren?«; • »Was wird aus dem Handel in der Innenstadt?«, »Führt der Online-Handel und der Abbau von Zweigstellen zu abnehmender Versorgungsqualität in den Stadt - teilzentren?«; • »Werden weiter so viele Studierende nach Münster kommen?«, »Was wird aus der Universität, wenn man von zu Hause aus in der ganzen Welt studieren kann?«. Nicht alle diese Befürchtungen wurden geteilt: So werde etwa die Digitalisierung durchaus nicht zu einer signifikanten Minderung der Studierendenzahl an den Hoch- schulen führen, hieß es. Diskursive Arbeit mit anderen gehöre zur Persönlichkeits - bildung und sei daher notwendiger Bestandteil universitärer Lehre. Ein Schwerpunkt der Lehramtsausbildung etwa (wie Münster es ist) sei ohne diese gemeinsame Arbeit 29 nicht denkbar. Im Übrigen arbeite man derzeit schon mit allen Formen des Blended Learning unter Einbeziehung weltweiter Angebote – »aber das Besondere ist dann doch, wenn der Professor aus Paris hierher kommt«. Zugleich sah man mit der zunehmenden Digitalisierung auch neue Arbeitsplätze ent- stehen – etwa im Umfeld der IT-Schwerpunkte an Fachhochschule und Universität. Es gebe schon jetzt eine einschlägige Start-Up-Szene. Und es sei weiterhin wichtig, dass von hier »Impulse für neue Entwicklungen ausgehen«. Hingewiesen wurde jedoch auch, dass es noch an materiellen Voraussetzungen für die Entfaltung der Potenziale von Digitalisierung fehle. Der »Breitbandausbau kommt nicht so voran, wie es sein müsste«. Man solle dabei im Übrigen nicht nur an High- T ech-Unternehmen denken. Auch die Landwirtschaft sei daran interessiert: »Jeder Schlepper ist mittlerweile vernetzt«. Als weitere wichtige Rahmenbedingungen wurden genannt: • die demografische Veränderung der Gesellschaft, insbesondere die Erhöhung des Anteils älterer und alter Menschen an der Bevölkerung. Um den Menschen möglichst lange den Verbleib im gewohnten Umfeld zu ermöglichen, seien daher Überlegungen zu altersgerechten Quartieren notwendig – von der wohnortnahen Versorgung bis zur Barrierefreiheit. Es brauche zudem »Ideen, wie Menschen gut gepflegt werden, zum Beispiel in der T agespflege«. • der Klimawandel, der sowohl mit Blick auf Ursachen (Verminderung Schadstoff- ausstoß etc.) wie auf Wirkungen (Klimaanpassung, Resilienz) für die Stadtent - wicklung von Bedeutung sei. • die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung werde von (externen) Faktoren ge - prägt, die gravierende Wirkungen haben könnten – von der Internationalisierung über den Strukturwandel in einzelnen Branchen bis hin zur Zinsentwicklung oder der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. • und nicht zuletzt sei auch die Entwicklung der Wirtschaftslage der Stadt eine we- sentliche Rahmenbedingung zukünftigen Planens und Handelns. AUSGANGSPUNKTE Die Arbeit an einem Stadtentwicklungskonzept beginnt nicht mit einem leeren Blatt. Es gibt immer bereits zahlreiche Pläne und Konzepte, die in die Zukunft weisen und daher Ausgangspunkte der weiteren Konzeptentwicklung sind. Es liegt nahe, dass auf entsprechende Fragen vor allem unsere Gesprächspartnerinnen und Gesprächs - partner aus Politik und Verwaltung, die am ehesten einen Überblick über die Vielfalt der kommunalen Aktivitäten haben, antworteten. Verwiesen wurde insbesondere auf • das kommunale Handlungskonzept Wohnen (mit verschiedenen Bausteinen – u.a. Münsteraner Modell „Sozialgerechte Bodennutzung“), • das Pilotprojekt Global Nachhaltige Kommune (mit dem umfassenden Zielkata - log der Nachhaltigkeitsstrategie Münster 2030) • sowie die angelaufene Erarbeitung eines zukunftsfähigen Mobilitätskonzeptes (Masterplan Mobilität Münster 2035+) Rahmenbedingungen und Schwerpunkte zukünftiger Stadtentwicklung 30 ISEK Münster 2030 | Baustein B: Schlüsselpersonengespräche Mit Blick auf diese und zahlreiche weitere Arbeiten, Pläne und Konzepte aus den ver- schiedenen Ressorts wurde zugleich angemerkt, dass es nun aber auch darum gehen müsse, »diese Dinge zusammen zu führen«. Gefragt, ob und wo es im politischen Raum bereits Konsens über wesentliche Ziele der Stadtentwicklung gäbe und wo Dis- sens bestehe oder zu erwarten sei, lautete die recht einhellige Antwort: »Solange es um’s Allgemeine geht, sind wir uns in vielen Punkten einig. Schwierig wird es dann immer bei den Details«. Oder: »Je höher der Abstraktionsgrad, desto einiger sind wir uns«. Als Beispiel wurde etwa die Wohnungspolitik genannt: Das Problem sei allen bewusst und die sozialgerechte Bodennutzung sei noch sehr einvernehmlich beschlossen worden. Aber schon beim Bestandsschutz seien die Meinungen deutlich auseinander gegangen. Außerdem, so wurde in einzelnen Interviews betont, gehe das ganze Wohnkonzept vielen noch nicht weit genug (es fehle etwa die Frage nach neuen T rägern, neuen Wohnformen, Erbpachtregelungen etc.). Außerdem seien die anste - henden Nachverdichtungen immer wieder strittig und es werde dort auch weiterhin lokal heftige Auseinandersetzungen geben. Damit ist bereits die Frage der Flächenentwicklung angesprochen, die bei wachsen - den Städten stets Konfliktstoff bietet. Auch hier gibt es in Münster auf der allgemei - nen Ebene – Bekenntnis zur nachhaltigen Entwicklung und zum schonenden Um - gang mit der Fläche – wichtige Ausgangspunkte, über die Konsens besteht. Aber die Konflikte würden dann aufbrechen, hieß es in einem Gespräch, wenn sich die Frage stellt, »wo dann doch welche Flächen in welchem Ausmaß in Anspruch genommen werden sollen«. Hier sei dann vor allem »Ehrlichkeit gefragt«. Ein weiteres Spannungsfeld sei die Mobilitätsfrage. Auch hier herrsche Einigkeit, dass etwas geschehen müsse. Aber was – das sei dann wieder sehr umstritten. Keine Einigkeit scheint auch bei einzelnen Projekten zu herrschen – etwa die Hafen- entwicklung, den Standort des Musikcampus, den Schlossplatz etc. betreffend (s.u.). Zwei weitere Gesichtspunkte, die noch ein anderes Licht auf die Frage nach Konsens und Dissens werfen, seien abschließend erwähnt. Verschiedentlich angesprochen wurde etwas, das u.a. als »ritualisierte Konkurrenz im Rat« bezeichnet und so be - schrieben wurde: Diskussionen würden »ideologisch statt pragmatisch geführt«. Das hemme sehr die Suche nach möglichem Konsens. Und ein Gesprächspartner hielt gar die Suche nach Konsens überhaupt für ein Problem: »Typisch für Münster ist, al- les im Konsens erreichen zu wollen und alle Stakeholder zu beteiligen. Das sind sehr viele und es ist nicht leicht, Einstimmigkeit herzustellen. Die Dinge werden dann zerredet. Mut und Zielstrebigkeit sind politisch nicht ausgeprägt. Man meint es zwar gut, aber Konsens ist eben nicht immer zu erreichen«. 31 THEMATISCHE UND RÄUMLICHE SCHWERPUNKTE Angesichts der Vielfalt von Themen und Aspekten richtete sich unser Interesse in diesem Abschnitt der Gespräche auf mögliche Priorisierungen. Auf welche Themen und welche Räume sollte besonderes Augenmerk gerichtet werden? Als Antwort gab es hier zunächst den Hinweis auf das Generalthema »Wachsende Stadt«. Darum gehe es jetzt und in absehbarer Zukunft: Wie kann der erwartete Be - völkerungszuwachs »münsterverträglich« (wie es einmal genannt wurde) bewältigt werden? Gelegentlich wurde das mit Ergänzungen versehen wie… »aber in zehn Jah- ren kann das schon wieder anders aussehen. Das muss man auch im Auge behalten«. Auch grundsätzlich wurde gefragt »Wollen wir überhaupt wachsen?«. Wobei die Ge- genfrage nicht ausblieb: »Haben wir eine Alternative?«. Unterhalb dieser generellen Fragen standen die drei bereits ausführlich behandelten Themenkreise • Wohnen • Mobilität • Wirtschaftliche Entwicklung (oder allgemeiner die Frage: »Wovon werden wir le- ben?«) und die Perspektiven für die Hochschullandschaft ganz oben auf der Prioritätenliste. Darüber hinaus wurden genannt: • Umweltpolitische Aspekte, insbesondere Klimaschutz, Hochwasserschutz und Freiraumentwicklung • Soziale Themen, die zumeist auch schon in den o.g. Komplexen Wohnen und wirtschaftliche Entwicklung mitgedacht, gelegentlich aber ausdrücklich als eigen- ständige Querschnittsaspekte benannt wurden. In diesem Sinne gehe es dann um den Abbau von Benachteiligungen und den Zusammenhalt der Stadtgesellschaft, der bereits in der Schule beginne (ganztägige Betreuung, offene Ganztagsangebo- te, bedarfsgerechter Ausbau der U3-Betreuung). Ebenfalls als wichtige Querschnittsthemen betrachtet wurden • Digitalisierung, digitale Vernetzung • Gendergerechtigkeit, Gleichstellung. Rahmenbedingungen und Schwerpunkte zukünftiger Stadtentwicklung »Münsters Stadtentwicklung sollte das Ergebnis politischer Entscheidungen für ALLE Bewoh- nerInnen sein. Lebensqualität entscheidet sich vor allem im Quartier!« Oda Strack-Fühner, Kristof Nieroba, Birgit Hövermann, Hannamarie Brockschmidt (Südvier- telbüro / Projekt »Zuhause im Südviertel«) »In der wachsenden Stadt Münster müssen alle Menschen mitgenommen werden. Es braucht gleiche Chancen für alle Bürgerinnen und Bürger – vor allem bei den Themen Wohnen, Infrastruktur und T eilhabe.« Thomas Kollmann (Leiter Begegnungszentrum Kinderhaus e.V .) »Münster ist nicht Bilbao und liegt auch nicht an der Elbe.« Ludger Schnieder (Geschäftsführer und künstlerischer Leiter Theater Pumpenhaus) »Münster ist eine tolle Stadt. Jetzt haben wir es in der Hand, diese Stadt so lebenswert zu er - halten wie sie ist. Das Wachstum managen - das ist die große Herausforderung.« Achim Friedrich (Geschäftsführer Sparkassen Immobilien GmbH) »Man kann aus dem Bildungsstandort Münster in der Summe seiner Bildungseinrichtungen noch eine Menge mehr herausholen.« Prof. Dr. Johannes Wessels (Rektor WWU Münster) Das Gespräch wurde gemeinsam mit Matthias Schwarte (Kanzler der WWU Münster) geführt Am Schluss der Interviews baten wir die Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner um ein kur - zes Statement, mit dem wir sie zitieren dürfen. Diese »Schluss-Sätze« geben wir im Folgenden wieder: »Es muss – neben Münster – auch immer das Umland mitgedacht werden.« , »Um die Absol- vent/inn/en der Hochschulen in Münster zu halten, braucht es hier und im nahen Umland attraktive Arbeitgeber.« Prof. Dr. Ute von Lojewski (Präsidentin FH Münster) »Die Einbeziehung junger Erwachsener in die Zukunftsgestaltung sollte fokussiert werden, denn Ideen brauchen ihren Raum.« Lena Greb (Youngcaritas, Caritasverband für die Stadt Münster e.V .) »Wenn sie Bullerbü kennen, kennen sie unsere Probleme.« Julius Fabian Roberg (Geschäftsführer Alliance Automotive Germany, Vize-Präsident IHK Nord- Westfalen, Vorsitzender IHK Regionalausschuss Münster) »Wenn wir die Gender-Perspektive und den Wunsch nach Anerkennung der Diversität in unserer Stadtgesellschaft als Folie über alle Fachfragen legen, dann zeigen sich die Schwach - stellen und Handlungsbedarfe sehr deutlich.« , »Die T eilhabe am Leben in der Stadt sollte für alle Menschen - unabhängig von Alter, geschlechtlicher Identität und sexueller Orientierung, Anzahl der Kinder, des Einkommens und der Herkunft gleichberechtigt möglich sein.« Sigrid Femi (Geschäftsführerin Verband allein erziehender Mütter und Väter VAMV Münster) und Andrea Blome (Ordentliches stimmberechtigtes Mitglied im Ausschuss für Gleichstellung) sowie Felix A. Schäper (Vorstand KCM e.V ., Ordentliches beratendes Mitglied im Ausschuss für Gleichstellung) Das Gespräch wurde gemeinsam mit Frau Susanne Hupe (Vorsitzende VAMV Münster) geführt. »Münsters Zukunft – vielfältig, geschlechtergerecht, chancengleich.« Antje Schmidt-Schleicher (Frauenbüro Stadt Münster) »Es fehlt ein roter Faden, die Mobilität wirklich umweltfreundlich und familienfreundlich zu gestalten. Denn trotz des Titels als fahrradfreundlichste Stadt Deutschlands werde ich als Fahrradfahrerin regelmäßig von PKWs ausgebremst.« Julia von Hayn (Frauenbüro Stadt Münster) »Es ist enorm wichtig, dass in einer wachsenden Stadt die Sportangebote, Sportflächen und Sportstätten mitwachsen bzw. in einem gemeinschaftlichen Prozess mitentwickelt werden.« Michael Schmitz (Vorsitzender Stadtsportbund Münster, stellv. Abteilungsleiter DJK Borussia Münster) »Für die zukünftige Weiterentwicklung des Wissenschaftsstandortes Münster ist die Erstel - lung eines ganzheitlichen Masterplans vonnöten, der von Kreativität und Innovation geprägt und mit einem neuen Mindset für ganzheitliche Kooperation umgesetzt wird.« Matthias Günnewig (Geschäftsleiter T echnologieförderung Münster GmbH) und Dr. Klaus- Michael Weltring (Geschäftsführer Nano-Bioanalytik-Zentrum Münster GmbH) »Alle, die Verantwortung tragen, müssen aktiv gendergerecht handeln und Möglichkeiten für vielfältige Lebensformen schaffen - ob beim Masterplan oder beim Quartiersmanagement, ob beim Rahmenkonzept oder beim Wohnprojekt.« Martina Arndts-Haupt (Amtsleiterin Frauenbüro Stadt Münster) Am Schluss der Interviews baten wir die Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner um ein kur - zes Statement, mit dem wir sie zitieren dürfen. Diese »Schluss-Sätze« geben wir im Folgenden wieder: »Die migrationsgesellschaftliche Öffnung, die es in allen Bereichen mitzudenken gilt, stellt sowohl eine große Herausforderung, als auch eine große Chance für die Zukunft dar. Nur wenn dies gelingt, kann Münster positiv weiterwachsen – das Lebensgefühl in Münster wird sich letztendlich daran messen lassen.« Andrea Reckfort (Leiterin Kommunales Integrationszentrum) »Ich wünsche mir, dass der Satz ‚Münster - eine Stadt für alle‘ kein Lippenbekenntnis bleibt, sondern auch entsprechend gehandelt wird.« Ulla Fahle (Juristin im Mieter/innen-Schutzverein Münster und Umgebung e.V .) 36 ISEK Münster 2030 | Baustein B: Schlüsselpersonengespräche FLÄCHENFRAGE Mit Blick auf zukünftige Entwicklungsbedarfe ergibt sich immer auch die Frage, wo und wie sich das baulich-räumlich ausdrücken kann und soll. Dieses Thema wurde zumeist nur gestreift: Einige wiesen darauf hin, dass es eigentlich keine echten Flä - chenreserven mehr gäbe, andere, dass das angesichts der Flächengröße und bisheri - gen Flächennutzung Münsters eigentlich kein Problem sein solle. Eben dieser Blick auf die vorhandenen Freiräume gab wiederum anderen Anlass, vor weiterem »Flä - chenfraß« zu warnen: »Wenn man bei dem Wachstum nicht ganz genau aufpasst, wird man das wertvolle Erbe Münsters zerstören«. Und: »Es wird nicht mehr an die Lebensqualität gedacht für die, die schon da sind, sondern es geht nur noch um das Schaffen von neuem Wohnraum«. Ganz offensichtlich ergeben sich hier Zielkonflikte, die mittelfristig geklärt werden müssten, um langfristige Planungssicherheit zu haben. Dabei wird man die Frei - raumfrage nicht nur aus der Perspektive möglicher Bebaubarkeit in den Blick neh - men, sondern – wie es in einem Gespräch hieß – die Siedlungsentwicklung auch von der Entwicklung der Freiräume aus betrachten müssen (womit möglicherweise auf die Notwendigkeit der Fortschreibung eines Grün- und Freiraumkonzeptes für Münster verwiesen wird). Die Frage, ob zur Bewältigung zukünftigen Wachstums ein ganz neuer Stadtteil erforderlich sei, war für einige der Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner durchaus noch offen (Standorte, die genannt wurden Steinfur- ter Straße oder ehemaliger Stückgutbahnhof/Güterbahnhof). Kurzfristig sei mit der Entwicklung der Konversionsstandorte zunächst »etwas Luft geschaffen«, aber man müsse darüber hinaus schauen. In jedem Fall, so eine mehrfach geäußerte Folgerung aus der aktuellen Situation, wer- de man »als Kommune noch deutlich mehr Liegenschaften erwerben müssen, um selbst damit agieren zu können«. Ein spezieller Aspekt wurde in diesem Zusammen- hang aus unterschiedlichen Perspektiven benannt: Die Vergabe von Flächen durch die Stadt – sei es als Pachtgrund für die Landwirtschaft, sei es als Bauland – orientiere sich zu sehr am erzielbaren Preis. In verschiedenen Zusammenhängen sei eine Art Konzeptvergabe sehr viel sinnvoller (wenn nicht gar notwendig). RÄUME Auf die Frage, welche Räume der Stadt zukünftig besonderer Beachtung bedürften bzw. welche räumlichen Schwerpunkte für die Stadtentwicklungspolitik zu setzen seien, wurde häufig zunächst auf den Bestand hingewiesen: Es gelte vor allem, die Entwicklungen in den Stadtteilen im Auge zu behalten. Es müsse darum gehen, orts- nahe Versorgung (auch mit Blick auf demografische Veränderungen) und die Vielfalt der Nutzungen zu erhalten. Von Vielfalt war auch in anderen Zusammenhängen die Rede: Es müsse auch Ziel sein, die soziale Vielfalt der Bevölkerung zu erhalten. Die sei allerdings durch Gentrifizierung gefährdet. Im Kreuzviertel könnten die Folgen 37 schon betrachtet werden: »Früher war das Kreuzviertel ein Studentenviertel mit güns- tigem Wohnraum und vielen WGs. Inzwischen sind dort lauter Eigentumswohnun - gen. Es ist daher auch nicht mehr so lebendig.« Im Hansa- und Südviertel werde »es gerade teurer« und es bestehe die Gefahr, dass dort ähnliche Entwicklungen Platz greifen. Auch Stadtteile wie Coerde, Kinderhaus (insbes. Brüningheide), Berg Fidel etc. bedürften weiterhin der Aufmerksamkeit. Hier gehe es vielfach um die Versteti - gung bisheriger Anstrengungen. Angeregt wurde auch, für die sozialen Fragen ein Sozialmonitoring zu nutzen, um »hilfebedürftige Räume« möglichst frühzeitig zu erkennen und so »präventiv agie - ren« und Entwicklungen steuern zu können. Ein weiterer interessanter Hinweis ist in diesem Zusammenhang zu nennen: »Ich fände es sehr interessant, nicht in die Stadträume zu gehen, wo wir einen hohen Migrationsanteil haben, sondern mal mit den Stadtteilen zu arbeiten, die einen geringen Migrationsanteil haben, um dort zu sensibilisieren und zu motivieren, eine andere Mischung zu bekommen«. Insgesamt nahm die Frage nach der Entwicklung einzelner Stadtteile (z.B. Mecklen - beck) großen Raum ein. Immer wieder wurde die Notwendigkeit teilräumlicher Be - trachtung unterstrichen. Das bezog sich im Übrigen auch auf die Innenstadt. Hier sah man einerseits Innovationsbedarf im Bereich des Handels, will andererseits ver - hindern, dass sie »immer exklusiver« wird (»Innenstadt der Kundinnen und Kunden - nicht der Bürgerinnen und Bürger«) und möchte zum Dritten die »Attraktivität jen- seits des Einkaufens« (»Erlebbarkeit«) steigern. Darüber hinaus wurden zahlreiche Einzelstandorte genannt, deren (bauliche) Ent - wicklung aktuell erörtert wird oder zukünftig von Bedeutung sein sollten – wie etwa: Musikcampus, Hörster Parkplatz, Stadthafen 2, Konversionsflächen, Entwicklungs - bereich an der Appelbreistiege, Entwicklungsbereich Steinharter Straße, vom motori- sierten Individualverkehr dominierte Straßenzüge (wie Hammer Straße, Wolbecker Straße, Grevener Straße, Hansaring), Einfallstraßen generell, freiwerdende Gleis - flächen (Stückgutbahnhof/Güterbahnhof), Kleingärten etc. Einige Hinweise waren noch kleinräumlicher – z.B. auf einzelne Plätze oder Wegführungen (u.a. Hamburger T unnel) gerichtet. Eine besondere Rolle nahm in diesen und anderen Zusammen - hängen die Frage nach dem Neubau eines Stadions für Preußen Münster ein. Denn hier scheint es vielen nicht nur um eine Standortfrage zu gehen, sondern auch um die Bedeutung eines Fußballvereins für die Stadt (»identitätsstiftend«, »auch für das Stadtmarketing bedeutsam«). Rahmenbedingungen und Schwerpunkte zukünftiger Stadtentwicklung 38 ISEK Münster 2030 | Baustein B: Schlüsselpersonengespräche Öffentlichkeitsbeteiligung in Münster: Erfahrungen und Folgerungen Wie über Stadtentwicklung reden Am Schluss des Interviews stand zumeist die Frage nach der Öffentlichkeitsbetei - ligung. Obwohl sie offen und nicht auf ein Handlungsfeld bezogen gestellt wurde, bezogen sich die große Mehrzahl aller Aussagen auf Prozesse raum- und umweltbe - zogener Planung und Entwicklung (eine Ausnahme bildete das Gespräch zur Partizi- pation am kommunalen Haushalt). Insbesondere auf (städte-)bauliche Vorhaben bezogen hieß es dazu zunächst: Man müsse sich in Münster gar nicht erst überlegen, ob und wie man Beteiligungsmög - lichkeiten anbietet. Denn: »Hier beteiligt man sich von selbst. Kaum wird eine Absicht bekannt, bildet sich auch schon eine Bürgerinitiative…«. Schon eingangs war ja als eine Stärke der Stadt das große bürgerschaftliche Engagement und das lebendige Mit- wirkungsinteresse ihrer Bewohnerinnen und Bewohner genannt worden. Das bestä - tigt sich an dieser Stelle. Daraus folgt auch: »Ohne Öffentlichkeitsbeteiligung gehen Planungen nach hinten los. Man muss so extrem wie möglich beteiligen, aber keine Alibi-Veranstaltungen machen«. Und: »Je mehr es gelingt, frühzeitige und ernsthafte Bürgereinbindung durchzuführen, desto stärker wird die Akzeptanz«. Es gibt jedoch auch skeptische Stimmen, die insbesondere darauf hinweisen, dass diejenigen, die sich artikulieren und beteiligen, nicht die ganze Stadtbevölkerung re - präsentieren. So hieß es etwa: • »Es beteiligen sich häufig immer dieselben Personen, so dass der Durchschnitt der Bevölkerung nicht abgebildet wird« • »NIMBYA dominiert« • »Die, mit denen gesprochen wird, vertreten Partikularinteressen, die sind kein Abbild der Stadtgesellschaft. Wo wird der normale Bürger erfasst?« • »Es dürfen nicht immer die Gleichen beteiligt werden« • »Die Mehrheit schweigt. Politik kann zentrale Entscheidungen nicht in die Hän - de einer bestimmten Gruppe legen«. • »Im Prinzip haben Handwerker und Akademiker natürlich die gleichen Beteili - gungsmöglichkeiten, sie werden aber sehr unterschiedlich genutzt«. • »Viele Menschen haben andere Sorgen. Sie haben Existenzängste, da geht es um 30 Euro, da können sie sich nicht um Beteiligung kümmern«. • »Man schaue sich nur die Wahlbeteiligung an. An der Sentruper Höhe, wo die Leute viel Geld haben, liegt die bei 70-80%, in Coerde lag sie bei 22%«. Solche sozialen Selektivitäten von T eilhabe sind ein grundsätzliches Problem für die Gestaltung von Beteiligungsprozessen. Sie scheinen aber angesichts der besonde - A NIMBY (Not In My Backyard) steht für eine Form des bürgerschaftlichen Wider - stands, mit dem gegen unerwünschte Planungen und abgelehnte Entwicklun - gen protestiert wird. 39 ren Bevölkerungsstruktur Münsters hier besonders deutlich hervorzutreten. Daher kommt der Forderung »Es braucht festgelegte Vorgaben und Rahmenbedingungen zur Beteiligung, um wirklich den Querschnitt der Bevölkerung einzufangen…« (ge - nannt wurde z.B. »aufsuchende Beteiligung in Jugendtreffs«) vermutlich besonde - re Bedeutung zu. Auch sah man in Bezug auf »beteiligungsferne Gruppen« einen Handlungsansatz darin, mit Fokus auf einzelne Quartiere feste Kommunikations - strukturen aufzubauen (in die auch Personen eingebunden sind, die die Brücke zu eher »schweigenden« Gruppen darstellen können). Über Quartiers- und Stadtteil - sprecherinnen und -sprecher könne zudem eine »stärkere und einfachere Verbin - dung zwischen Bürgerschaft und Verwaltung« aufgebaut werden. In diesem Zusammenhang (Quartiersbezug) wurden u.a. die Zukunftsspaziergänge, die im Rahmen der MünsterZukünfte 20|30|50 durchgeführt werden, als positives Beispiel erwähnt. Neben solchen Überlegungen war man sich einig darin, dass »Bürgerinformation das Wichtigste« sei, »unerlässlich, um Leute mitzunehmen«. Hier sah man in der Stadt durchaus noch Verbesserungsmöglichkeiten. Nicht immer würde frühzeitig und um- fassend genug informiert. Festzustellen sei auch, dass den Bürgerinnen und Bürgern vielfach nicht klar sei, ob sie »mitreden oder mitentscheiden« dürften. Oft werde er - wartet, dass man unmittelbar Einfluss auf Entscheidungen habe. Da das aber in der Regel nicht der Fall ist, entstehe dann oft Enttäuschung. Hier seien Klarstellungen notwendig, es braucht eine »klare Geschäftsordnung«. Dies alles lege die Vermutung nahe, dass Leitlinien für die Gestaltung von Beteiligung und Mitwirkung für erforder- lich gehalten würden. Das war aber nur bedingt so. Die meisten Gesprächspartnerin- nen und Gesprächspartner hatten hinsichtlich weiterer Vorgaben (i.S. von Leitlinien) entweder keine Meinung oder äußerten sich zurückhaltend. Manchen schien sogar zu viel beteiligt zu werden: »Viel zu viel Beteiligung. Man verliert ja den Überblick…«, hieß es etwa. oder: »Ob Beteiligung zu einem konstruktiven Konsens führt, bezweifele ich« und: »Vieles ist doch nur ›Methode Stuhlkreis‹«. Ein letzter Gesichtspunkt: »Wenn wir Bürgerbeteiligung machen, dann wird immer nur ein einzelnes Projekt thematisiert. Die Zusammenhänge werden aber nicht deutlich.« Das kann sicher auch als Aufforderung verstanden werden, im Prozess der Münster- Zukünfte 20|30|50 eben solche Zusammenhänge herzustellen. Öffentlichkeitsbeteiligung in Münster 40 ISEK Münster 2030 | Baustein B: Schlüsselpersonengespräche Eindrücke aus Gremiensitzungen und weiteren Gruppengesprächen zu den MünsterZukünften 20|30|50 In verschiedenen Sitzungen und Gruppengesprächen wurden die Interview-Leitfragen ebenfalls behandelt und die Ergebnisse durch Kartenabfragen und Protokolle festgehalten. Auf diese Weise fanden sie auch Eingang in die vorliegende Auswertung. Fotografisch festgehalten sind hier nur einige Beispiele: die Leitungskonferenz der Stadt Münster (oben), eine Sitzung der Lenkungsgruppe der MünsterZukünfte (mitte), und die erste Beiratssit - zung (unten). Exemplarische Ergebnisse aus den Gruppengesprächen mit Mitgliedern der Global Nachhaltigen Kommune, der Gender-Belange und des Bürgerhaushalts Diese Befragungsergebnisse, die ausdrücklich nur als grobe Übersicht der Gruppenäußerungen verstanden wer- den können, stammen sowohl aus Gruppengesprächen als auch aus schriftlichen Abfragen. GLOBAL NACHHAL TIGE KOMMUNE • Stärken / Chancen: Viel Grün in der Stadt (Grünkeile Stadtmitte und Aasee), Erreichbarkeit von Grünräumen (von Botanischem Garten bis hin zur »Münsterländischen Parklandschaft«) / Stärken des Stadtteilbezugs, effizientes und nachhaltiges Nutzen von Freiflächen • Schwächen / Risiken: Überlastete Verkehrsinfrastruktur und unattraktive Verkehrsplanung, Ungleichverteilung von Wohnraum / Gentrifizierung, fehlende Angebote im Bereich Betreuung u. Bildung • Thematische Schwerpunkte: Sozialer Ausgleich, Quartiersstützpunkte, Straße als nachbarschaftlicher Aufenthalts- ort, Alternativen zum MIV , ÖPNV-Ausbau, Schutz von Grünflächen, Erneuerbare Energien • Räumliche Schwerpunkte: Hauptbahnhof (freiwerdende Gleisflächen, Umgestaltung Flächen vor und hinter Hbf), Haupteinfallstraßen, Parkhäuser, Schlossplatz, Hörster Parkplatz BÜRGERHAUSHAL T • Stärken / Chancen: Grundsätzlich eine reiche Kommune, große Universität mit Ausstrahlung, wirtschaftliche Stär- ke / große Offenheit, hoher Freizeitwert, breites Engagement • Schwächen / Risiken: eingeschränkte und unzureichende Bürgerbeteiligung, ungünstige Verkehrsflüsse, Belange zwischen Natur und Stadt sind in Gefahr, Wohnraummangel / fehlende Vorhaben- oder Prioritätenliste, zu wenig Umsetzung von vorliegenden Konzepten • Thematische Schwerpunkte: Wachsende Stadt (Entwickeln von Szenarien), Finanzen (Entwickeln eines Konzepts zum Umgang mit Finanzen), bürgerschaftliches Engagement, ernsthafte Beteiligung am Haushalt, welche über das Sammeln von Vorschlägen deutlich hinausgeht GENDER • Stärken / Chancen: Hohes Umweltbewusstsein, bürgerschaftliches Engagement, breites Beratungsangebot, Viel - falt und T oleranz, Offenheit bei gleichzeitiger Heimatverbundenheit / gemischte Stadtquartiere, Gerechtigkeit in der Verteilung der finanziellen Mittel der Stadt – FINANZfairTEILUNG • Schwächen / Risiken: Zunehmende Segregation, Wohnraummangel / Vernachlässigung der Außenstadtteile, Be - ratungsangebot nur in der Innenstadt, kein Zugang für T ransgendergruppen • Thematische Schwerpunkte: Nutzbarkeit und T eilhabe am innerstädtischen öffentlichen Raum für alle Alters- und Gesellschaftsgruppen ohne Einschränkung, Gleichstellung, Quartiersentwicklung • Räumliche Schwerpunkte: Stadtteile (bezogen auf soziale Segregation), Innenstadt, Hamburger T unnel, Kanalbrü- cke an der Manfred-von-Richthofen-Straße, Steinfurter Straße 42 ISEK Münster 2030 | Baustein B: Schlüsselpersonengespräche In Kürze: Zusammenfassung und erste Folgerungen Die Auswertung der Interviews und Gruppengespräche gibt wieder, was gesagt wurde. Es handelt sich also noch keinesfalls um eine systematische und vollständige Zusammenstellung der für ein Integriertes Stadtentwicklungskonzept relevanten Themen. Entstanden ist aber ein facettenreiches, viele unterschiedliche Gesichtspunkte einbeziehendes Stimmungsbild. Dabei ist zu berücksichtigen, dass in Befragungen wie diesen von den Gesprächspartne - rinnen und Gesprächspartnern vor allem die aktuelle Sicht der Dinge vermittelt wird. Das Dringliche, die Probleme, die jetzt auf den Nägeln brennen, steht zumeist im Vordergrund. Themen, die nicht unmittelbar spürbar, aber für die Zukunft der Stadt ebenfalls von großer Wichtigkeit sein können, geraten dabei gelegentlich an den Rand der Aufmerksamkeit – was aber nichts über deren Bedeutung im Rahmen des ISEK aussagt. Insofern geht es hier auch noch nicht um Häufigkeiten o.ä., sondern vorrangig um die Vollständigkeit der für die wei- tere Arbeit relevanten Gesichtspunkte. Im nächsten Schritt der Analyse- und Synthesephase werden alle Handlungsfelder der Stadt- entwicklung systematisch betrachtet – unter Einbeziehung der bereits vorliegenden umfas - senden Vorarbeiten aus allen Bereichen der kommunalen Verwaltung. Beides zusammen, Interviewauswertung und Handlungsfeldanalysen, bilden dann die Grundlage für die Ent - wicklung von Leitthemen, die zur weiteren Bearbeitung vorgeschlagen werden. BLICKE AUF STADT UND REGION 1. Stadtstolz! Die Münsteranerinnen und Münsteraner sind stolz auf ihre Stadt . Das wird selten in derartiger Deutlichkeit vermittelt. Selbst diejenigen, die sich im einen oder anderen Punkt kritisch äußerten, betonten, wie schön und lebenswert die Stadt (dennoch) sei. 2. Qualitäten! Die Überschaubarkeit, die »Vorteile der Großstadt ohne ihre Nachtei - le«, die Einbettung in die Landschaft sowie die Durchgrünung der Stadt und die »Mi- schung von Alt und Neu«, die Hochschulen – alles das sind Faktoren, die Münster für die Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt besonders lebenswert machen. Aber auch die Menschen in der Stadt werden selbst hervorgehoben: die vielen Studieren - den, die immer wieder »frischen Wind« mitbringen, das hohe Bildungsniveau der Bevölkerung und ihr Interesse an den gemeinsamen Angelegenheiten sowie das be - sondere bürgerschaftliche Engagement wurden immer wieder genannt. 3. Stärken? Die besondere Stärke der Stadt bestehe in ihren Hochschulen – und der Bildungslandschaft insgesamt. Das gilt sowohl als Kennzeichnung der aktuellen Si - tuation wie als Ressource und Chance für die Zukunft. Die Ausbildung junger Men - schen habe zudem auch mittelbar positive Wirkungen für die Stadt – indem etwa kre- ative Szenen im Umfeld der Hochschulen entstünden. Auch entstehen Start-ups, die der wirtschaftlichen Entwicklung Münsters innovative Impulse zu geben vermögen – wenn sie denn in der Stadt gehalten werden können (was nicht immer der Fall sei). 43 Zusammenfassung und erste Folgerungen Nicht einig war man sich bei der Einschätzung, ob die Stadt insgesamt wirtschaft- lich stark sei. Wohlhabend wohl, aber ob die wirtschaftliche Basis nachhaltig stabil sei, wurde kontrovers erörtert. Einerseits sprach man vom »T ausendfüßler«, der wirt- schaftlich auf vielen Beinen stehe. Andererseits sah man jenseits der aktuell guten Situation erhebliche Risiken (Digitalisierung, Strukturwandel einzelner Branchen), die ggf. Neuorientierungen notwendig machen könnten. Ähnliches gilt für Münster als Einkaufsstadt. Auch hier ist aktuell unbestritten eine Stärke der Stadt zu sehen. Auch hier wird auf strukturelle Veränderung im Handel verwiesen, auf die man sich mit neuen Konzepten einstellen müsse. 4. Schattenseite der Attraktivität? »Qualität hat ihren Preis« und »Münster muss man sich leisten können« – diese beiden Sätze aus den Interviews bringen auf den Punkt, was für viele ein zentrales Problem der Stadt ist: der deutliche Anstieg der Wohn - kosten, der viele Wohnungssuchende zwingt, ins Umland auszuweichen. Das gilt sowohl für Familien, die auf der Suche nach bezahlbaren Grundstücken sind, wie für Menschen, die preiswerten Mietwohnraum suchen. Die Situation am Immobili - enmarkt ist nicht nur für die unmittelbar Betroffenen ein Problem. Sie erzeugt auch Engpässe am Arbeitsmarkt. Denn dringend benötigte Mitarbeiterinnen und Mitarbei- ter in Unternehmen, Pflegekräfte des Klinikums und viele andere sind angesichts der Wohnkosten nur schwer zu gewinnen, wohnen zu weit vom Einsatzort entfernt oder müssen erhebliche Pendelentfernungen überwinden. 5. Schwächen? Die Situation am Wohnungsmarkt wurde bei der Frage nach Schwä - chen oft als erstes genannt. Häufig wurde auch ein direkter Bezug zur sozialen Pola- risierung als Gefahr für die Stadtgesellschaft hergestellt. Es gebe »mehr Bedürftigkeit in der Stadt« als man gemeinhin wahrnehme, auch Diskriminierungen in Arbeits- bzw. Wohnungsmärkten seien zu beobachten und viele Integrationsaufgaben noch ungelöst. Als wesentliche Schwäche der Stadt wurde zudem die Verkehrssituation benannt. Dabei standen jedoch sehr unterschiedliche Aspekte im Fokus: Die einen hatten die Pendlerverkehre im Blick, andere die Verkehrssituation in der Innenstadt und für eine große Gruppe gab vor allem die Situation des Fahrradverkehrs Anlass zu Klage: Hier habe man notwendige Weiterentwicklungen versäumt und sich auf der früheren Rolle als Fahrradhauptstadt »ausgeruht«. Bezogen auf die wirtschaftliche Entwicklung allgemein und die Zukunft der Innen - stadt als Einkaufsort im Besonderen wurden, wie oben bereits erwähnt, vor allem potenzielle Gefährdungen benannt, auf die man frühzeitig reagieren solle. 6. Kritik. Man habe, so wurde in verschiedenen Zusammenhängen betont, wichtige Entwicklungen »verschlafen«, verspätet reagiert und renne nun den T rends hinterher. Dazu habe auch ein geringes Maß an Veränderungsbereitschaft beigetragen. Beides müsse man überwinden, um zukünftigen Aufgaben gerecht zu werden. 44 ISEK Münster 2030 | Baustein B: Schlüsselpersonengespräche Außerdem sei die Problemsicht oft auf die Innere Stadt konzentriert. Dieses »Prome- nadenring-Denken« gelte es durch eine Sicht auf die ganze Stadt zu ersetzen. Und nicht zuletzt wurde kritisiert, dass zwar viele Pläne gemacht und Programme bzw. Ziele beschlossen würden, es aber an der Umsetzung hapere. »Man kann sich gut hinter Plänen verstecken«, hieß es etwa. Oder: »Zwischen den Leitzielen und den Realitäten ist noch viel Luft nach oben«. 7. Blinder Fleck Wirtschaft? Insbesondere von Gesprächspartnerinnen und Ge - sprächspartnern aus Kammern und Unternehmen wurde beklagt, dass man der öko- nomischen Basis der Stadtentwicklung zu wenig Bedeutung beimesse. Zu »Wissen - schaft und Lebensart« gehöre notwendig auch die Wirtschaft. Auffallend war auch, dass das Thema Landwirtschaft nur ganz am Rande Erwähnung fand, obwohl die landwirtschaftlich genutzten Flächenanteile im Stadtgebiet anteilig so groß sind wie kaum in einer anderen deutschen Großstadt. Und nicht zuletzt wurden die Haushaltslage der Stadt und ihre finanzielle Leistungs- fähigkeit nur in wenigen Zusammenhängen angesprochen. 8. Region? Region!! Hinsichtlich der großen Bedeutung interkommunaler Zusam - menarbeit in der Region waren sich alle einig. Viele Probleme – beim Wohnen, beim Verkehr (u.a. Velorouten), der Siedlungs- und Freiraumentwicklung etc. – bedürften gemeinsamen Handelns. Allerdings sei bislang zu wenig geschehen. Dies läge mög - licherweise an zu schwachen organisatorischen Strukturen, aber vermutlich auch da- ran, dass noch nicht auf »gleicher Augenhöhe miteinander gesprochen« werde. SCHWERPUNKTE? 9. Themen. Die Herausforderungen einer wachsenden Stadt und die Frage, wie die - sen »münsterverträglich« begegnet werden kann, standen im Vordergrund. Dabei erwiesen sich die Themen • Wohnen (Kontext: Überhitzter Immobilienmarkt) und • Verkehr (Pendeln, Innenstadt, Radverkehr…) als besonders dringlich. Als Themen von grundsätzlicher Bedeutung für die zukünftige Stadtentwicklung wurden zudem genannt: • die wirtschaftliche Entwicklung (auch unter Einbeziehung von Aspekten wie Di - gitalisierung etc.) • die Erarbeitung von Perspektiven für den Wissenschaftsstandort Münster (»Mas- terplan Wissenschaft«) • die Auseinandersetzung mit sozialen Polarisierungstendenzen in der Stadt sowie • weitere Aspekte nachhaltiger Stadtentwicklung (Klimaschutz, Hochwasserschutz, Freiraumentwicklung) 10. Räume. Auf die Frage, welche Räume der Stadt zukünftig besonderer Beachtung bedürften, wird vor allem auf den Bestand hingewiesen: Es gelte, die Entwicklungen 45 in den Stadtteilen im Auge zu behalten. Ortsnahe Versorgung und Vielfalt der Nut - zungen und Nutzer seien zu erhalten und Gentrifizierung zu vermeiden. »Hilfebe - dürftige Räume« sollten – z.B. durch ein Sozialmonitoring – möglichst frühzeitig identifiziert werden, um »präventiv agieren« zu können. Darüber hinaus wurden zahlreiche Einzelstandorte genannt, deren (bauliche) Ent - wicklung aktuell erörtert wird oder zukünftig von Bedeutung sein sollten, etwa: Mu - sik-Campus, Hörster Parkplatz, Stadthafen 2, Einfallstraßen generell, freiwerdende Gleisflächen etc. VORLÄUFIGE FOLGERUNGEN Aus den Ergebnissen der Interviews lassen sich auch erste Hinweise auf die weitere Arbeit am ISEK und die in den nächsten Schritten herauszuarbeitenden Leitthemen gewinnen: 11. Langfristige Orientierungen und kurzfristiges Handeln. ISEKs sind auf 10 bis 20 Jahre angelegt. Das heißt aber nicht, dass lediglich auf mittlere oder lange Frist hin gedacht und gehandelt werden soll. Akute Probleme bedürfen baldigen Handelns. Der Rahmen eines ISEK kann dabei Orientierung geben und den Zusammenhalt von Einzelmaßnahmen fördern. Diese Gleichzeitigkeit mehrerer Zeithorizonte wird durch die Bezeichnung MünsterZukünfte 20|30|50 unterstrichen und auch den wei- teren Überlegungen zugrunde liegen. 12. Stadtteilbezogene Integration verschiedener Handlungsfelder. Der Hinweis auf die Stadtteile, denen besondere Aufmerksamkeit gelten solle, war unüberhörbar. Hier gilt es dann verschiedene Themen integriert zu behandeln – von der Flächenfrage (bauliche Entwicklung, Qualifizierung vorhandener Grünräume etc.) über Bestands - fragen (etwa das Wohnen betreffend), wohnortnahe Versorgung / soziale Infrastruk - tur bis hin zu Mobilitätsfragen. 13. Maßstabsübergreifende Integration. Viele Fragen bedürfen aber einer Betrachtung über alle Maßstabsebenen (Quartier, Stadt, Region) hinweg. Das gilt insbesondere für die Freiraum- und Siedlungsstruktur, räumlich-funktionale Zusammenhänge und Mobilitätsfragen. 14. Die T eile und das Ganze. Letztlich besteht die Herausforderung darin, sowohl thematisch wie räumlich übergreifend zu denken und diese Zusammenhänge wiede- rum für T eilräume zu konkretisieren. Nach der (politischen) Entscheidung für Leit - themen, denen im Rahmen des ISEK besondere Beachtung gewidmet werden soll, ist eben dies vorgesehen: die intensive fachliche Erörterung auf gesamtstädtischer Ebene und die Arbeit vor Ort in Schwerpunkten zukünftiger Stadtentwicklung Münsters. Zusammenfassung und erste Folgerungen 46 ISEK Münster 2030 | Baustein B: Schlüsselpersonengespräche Die Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner Vertreterinnen und Vertreter aus Stadtpolitik und Stadtverwaltung Markus Lewe (Oberbürgermeister) Dr. Michael Jung (Fraktionsvorsitzender SPD-Fraktion) Carola Möllemann-Appelhoff (Fraktionsvorsitzende FDP-Fraktion) Franz Pohlmann (Ratsmitglied der Ratsgruppe ÖDP) Otto Reiners (Fraktionsvorsitzender Bündnis 90 / Die Grünen / GAL) Rüdiger Sagel (Fraktionsvorsitzender DIE.LINKE) Johannes Schmanck (Ratsmitglied der Ratsgruppe Piraten) Stefan Weber (Fraktionsvorsitzender CDU-Fraktion) Robin Denstorff (Stadtbaurat, Dezernent für Planung, Bau und Wirtschaft) Wolfgang Heuer (Stadtrat, Dezernent für Bürgerservice, Personal, Organisation, Ord- nung, Brandschutz und IT) Thomas Paal (Stadtdirektor, Dezernent für Bildung, Jugend und Familie) Matthias Peck (Stadtrat, Dezernent für Wohnungsversorgung, Immobilien und Nach- haltigkeit) Andrea Reckfort (Leiterin Kommunales Integrationszentrum) Alfons Reinkemeier (Stadtrat, Stadtkämmerer, Dezernent für Finanzen und Beteili - gungsmanagement) Cornelia Wilkens (Stadträtin, Dezernentin für Soziales, Integration, Kultur und Sport) Vertreterinnen und Vertreter aus verschiedenen Bereichen der Stadtgesellschaft Thomas Banasiewicz (Hauptgeschäftsführer Handwerkskammer Münster) Joachim Brendel (Geschäftsbereichsleiter Industrie und Verkehr der IHK Nord West- falen) Ulla Fahle (Juristin im Mieter/innen-Schutzverein Münster und Umgebung e.V .) Achim Friedrich (Geschäftsführer Sparkassen Immobilien GmbH) Lena Greb (youngcaritas - Caritasverband für die Stadt Münster e.V .) Matthias Günnewig (Geschäftsleiter T echnologieförderung Münster GmbH) Thomas Harten (Geschäftsführer Handwerkskammer Münster) Annabell Kalsow und Finn Schwennsen (Vorsitzende/r AStA WWU Münster) Thomas Kollmann (Leiter Begegnungszentrum Kinderhaus e.V .) Prof. Dr. Ute von Lojewski (Präsidentin FH Münster) T om Malessa (Hub Manager / Vorstand münsterLAND.digital e.V .) Michael Schmitz (Vorsitzender Stadtsportbund Münster; stellv. Abteilungsleiter DJK Borussia Münster) Peter Schnepper (stellv. Hauptgeschäftsführer der IHK Nord Westfalen) Ludger Schnieder (Geschäftsführer und künstlerischer Leiter Theater Pumpenhaus) Susanne Schulze Bockeloh (Kreisvorsitzende WLV Münster) 47 Matthias Schwarte (Kanzler der WWU Münster) Julius Fabian Roberg (Geschäftsführer Alliance Automotive Germany, Vize-Präsident IHK NordWestfalen, Vorsitzender IHK Regionalausschuss Münster) Prof. Dr. Johannes Wessels (Rektor der WWU Münster) Dr. Klaus-Michael Weltring (Geschäftsführer Nano-Bioanalytik-Zentrum Münster GmbH) Begleitgremien und Gruppengespräche Gender Andrea Blome (Ordentliches stimmberechtigtes Mitglied Ausschuss für Gleichstellung) Sigrid Femi (Geschäftsführerin Verband alleinerziehender Mütter und Väter –VAMV Münster) Susanne Hupe (Vorsitzende Verband alleinerziehender Mütter und Väter –VAMV Münster) Felix A. Schäper (Vorstand KCM e.V ., Ordentliches beratendes Mitglied im Ausschuss für Gleichstellung) Frauenbüro Stadt Münster Martina Arndts-Haupt (Amtsleiterin, Frauenbeauftragte, finanzielle Förderung) Julia von Hayn (FINANZfairTEILUNG, Newsletter »FrauenMünster«) Antje Schmidt-Schleicher (Beratung Mädchen, Kultur, Ausschuss für Gleichstellung) u.a. Sozialbüro im Cuba – cultur- und begegnungscentrum achtermannstraße e.V . Norbert Attermeyer Monika Kolodzey Ulrich Wieners Südviertelbüro / Projekt »Zuhause im Südviertel« Hannamarie Brockschmidt Birgit Hövermann Kristof Nieroba Oda Strack-Fühner GNK – Global Nachhaltige Kommune Karin Gindler-Hilge (Vorsitzende Umweltforum, Beirat GNK) Helga Hendricks (Umweltforum / Umweltpreis, Beirat GNK) Nolten Kattentidt (AG Lokale Agenda 21, Beirat GNK) Kerstin Ramsauer (stellv. Vorsitzende Münster nachhaltig e.V .) Sabine T erhaar (Klima-Beirat, Beirat GNK) Brigitte Thomas (Eine-Welt-Forum, Beirat GNK) Wolfgang Wiemers (stellv. Vorsitzender Umweltforum) Die Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner ISEK Münster 2030 | Baustein B: Schlüsselpersonengespräche48 Gespräch zur »Bürgerbeteiligung am städtischen Haushalt« und zu »Grundsätzen der Bür- gerbeteiligung« - ehem. Beirat Bürgerhaushalt Dr. Christina Cappenberg (Vertreterin der Verwaltung, ehem. Referentin des Kämme- rers der Stadt) Dr. Christine Farwick Klaus Kasimier Nolten Kattentidt Eduard Kress Andreas Lembeck Dr. Jürgen Müller Wolfram Pott Barbara Wagstaff Marc Wesseling Hannelore Wiesenack-Hauß (ehem. Vorsitzende des Beirats) »Gespräch unter Nachbarn«: Stadtregion Monika Böse (Gem. Havixbeck, Leiterin Fachbereich Allgemeine Dienstleistungen, Bauen und Schule) Carsten Busche (Gem. Senden, MA Fachbereich Bauen und Planen) Karsten Fuchte (Gem. Nottuln, Leitung Fachbereich III Planen und Bauen) Daniel Fühner (Stadt Sendenhorst, Leitung Dienstbereich Planen, Bauen und Umwelt) u.a. Reinhold Ginski (Stadt T elgte, ehem. Fachbereichsleiter Planen, Bauen und Umwelt) Ute Homann (Stadt Drensteinfurt, Wirtschaftsförderung) Klaus Hüttmann (Gem. Ostbevern, Leitung Fachbereich III Planen und Bauen) Detlef Weigt (Stadt Münster, Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung, Verkehrspla - nung, gemeinsame Geschäftsstelle der Stadtregion) Gespräch mit der MONT-Region T oon Bom (Public and European Affairs, Concernstaf Stadt Enschede) Dr. Onno van Veldhuizen (Bürgermeister Stadt Enschede) Beirat Münster Zukünfte in ihm wirken etwa 92 Vertreterinnen und Vertreter aus dem Projektbeirat »Global Nachhaltige Kommune«, Beirat »Münster Marketing«, Stadtsportbund, Beirat Bür - gerhaushalt, Landwirtschaftlicher Kreisverband, … Lenkungsgruppe in ihr wirken etwa 47 Vertreterinnen und Vertreter aus den Ausschüssen für Umwelt- schutz, Klimaschutz und Bauwesen, für Soziales, Stiftungen, Gesundheit, Verbrau - cherschutz und Arbeitsförderung, für Gleichstellung, für Schule und Weiterbildung, für Liegenschaften, Wirtschaft und strategisches Flächenmanagement, für Stadtpla - 49 nung, Stadtentwicklung, Verkehr und Wohnen, für Personal, Organisation, Sicher - heit, Ordnung und E-Government, dem Betriebsausschuss Münster Marketing, dem Kulturausschuss, Sportausschuss, Integrationsrat, Jugendrat, der kommunalen Se - niorenvertretung, der Kommission zur Förderung von Inklusion von Menschen mit Behinderungen sowie je eine Vertreterin / ein Vertreter jeder Bezirksvertretung. Leitungskonferenz (=1. Verwaltungswerkstatt) ist ein Gremium der Amts- und Einrichtungsleitungen mit der Stadträtin und den Stadträten sowie dem Oberbürgermeister, hier haben etwa 40 Vertreterinnen und Vertreter der Stadtverwaltung Münster teilgenommen. Und weitere Gespräche mit engagierten Persönlichkeiten der Stadtgesellschaft (u.a. mehrere Unternehmerinnen und Unternehmer) All diese Interviews und Gruppengespräche sind (wie in der Einführung erwähnt) Baustei - ne in der vielgestaltigen Erfassung von Meinungen und Sichtweisen zur Stadtentwicklung Münsters. So entstand und entsteht ein facettenreiches Bild, das Eingang in die Analyse- Phase des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes Münster 2030 findet. Die Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner ISEK Münster 2030 | Baustein B: Schlüsselpersonengespräche 52 ISEK Münster 2030 | Baustein B: Schlüsselpersonengespräche Quellen / Anmerkungen VORSPANN Abbildung 1: eigene Darstellung, innerhalb: Abbildung »Vielfalt der Stadtteile«: Presseamt Münster, Rüdiger Wölk Abbildung »Urbane Wissensquartiere«: Presseamt Münster, Angelika Klauser Abbildung »Innenstadt ist mehr ...«: Presseamt Münster, Tilman Roßmöller Abbildung »Münstersche Stadt-Landschaft«: Presseamt Münster, Bernhard Fischer Abbildung »Leistbares Wohnen«: Jean-Paul Comparin, stock.adobe.com Abbildung »Facetten ökonomischer Stärke«: Presseamt Münster, Angelika Klauser Abbildung »Stadtverträgliche Mobilität«: connel_design, stock.adobe.com Abbildung »Digitalisierung findet Stadt«: bluedesign, stock.adobe.com Abbildung »Vielfalt und sozialer Zusammenhalt«: hedgehog94, stock.adobe.com Abbildung »Münster und seine Nachbarn«: Presseamt Münster, Bernhard Fischer Abbildung 2: eigene Fotografie ÖFFENTLICHKEITSBETEILIGUNG IN MÜNSTER: ERFAHRUNGEN UND FOLGERUNGEN Eindrücke aus Gremiensitzungen und weiteren Gruppengesprächen (S.40) Abbildungen 1-6: eigene Fotografien 53Quellen / Anmerkungen 54 ISEK Münster 2030 | Baustein B: Schlüsselpersonengespräche Baustein A: Das ISEK in den MünsterZukünften – Einführung und Übersicht Dezember 2020 Baustein B: Schlüsselpersonengespräche Juli 2018 Baustein C: Zehn Leitthemen für Münster Februar 2019 Baustein D: Die Stadtforenprozesse März 2020 Baustein E: Bilanz 2020: Räumliches Leitbild Dezember 2020 ISEK Münster 2030 | Die Bausteine in der Übersicht 55
Anlage_3_C_V_0487_2021_ISEK_Baustein_C_Leitthemen
142228 Zeichen
Dezernat für Planung, Bau und Wirtschaft
Integriertes Stadtentwicklungskonzept
Münster 2030
ISEK MÜNSTER 2030
Baustein C:
Zehn Leitthemen für Münster
Anlage 3 C zur Vorlage V/0487/2021
Impressum
AUFTRAGGEBERIN
Stadt Münster
vertreten durch
Dezernat für Planung, Bau und Wirtschaft
Stadtbaurat Robin Denstorff
Stadtplanungsamt
Stabsstelle »Strategische Stadtentwicklung, Wissenschaftsstadt«
Albersloher Weg 33
48155 Münster
Ansprechpartner: Prof. Dr. Thomas Hauff, Marc Gottwald-Kobras
Münster Marketing
Wissenschaftsbüro, Projektbüro MünsterZukünfte 20 | 30 | 50
Klemensstraße 10
48143 Münster
Ansprechpartner: Dr. Matthias Schmidt, Dominik Czeppel
Weiterführende Informationen: www.stadt-muenster.de/zukuenfte und
www.zukunft-muenster.de
EXTERNES PLANUNGSTEAM
scheuvens + wachten plus
Friedenstraße 18
44139 Dortmund
NetzwerkStadt GmbH
Auf dem Hilf 50
58239 Schwerte
M.Sc. Ronja Decker
M.Sc. Susann Hollbach
B.A. Christoph Schökel
Prof. Dr.-Ing. Klaus Selle
Prof. Kunibert Wachten
Münster/Dortmund/Schwerte, Februar 2019
Inhalt
BAUSTEIN C – ZEHN LEITTHEMEN FÜR MÜNSTER
Vorspann 4
Der Prozess der Leitthementwicklung
Prozess schema 6
Vorarbeiten 8
Ausgewertete Programme und Konzepte (Stand: Sommer 2018)
Die zehn Leitthemen 12
Vielfalt der Stadtteile 14
Urbane Wissensquartiere 18
Innenstadt ist mehr... 22
Münstersche Stadt-Landschaft 26
Leistbares Wohnen 30
Facetten ökonomischer Stärke 33
Stadtverträgliche Mobilität 37
Digitalisierung findet Stadt 40
Vielfalt und sozialer Zusammenhalt 42
Münster und seine Nachbarn 45
Querschnittsthema: Beteiligung weiter denken 48
Stärkung der lokalen Demokratie durch Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern
– auf welchem Wege?
Nachspann 52
Wie weiter? Die nächsten Schritte im ISEK-Prozess
Quellen / Anmerkungen 54
4
ISEK Münster 2030 | Baustein C: Zehn Leitthemen für Münster
Vorspann
Der Prozess der Leitthemenentwicklung
Das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK Münster 2030) ist T eil eines laufen-
den Prozesses, in dem sich die Stadt mit aktuellen und zukünftigen Aufgaben ausein-
andersetzt: Diese »MünsterZukünfte 20 | 30 | 50« umfassen mehrere, untereinander
verbundene Arbeitsstränge (Abb. S. 6/7) – mit langfristigen Szenarien, Bürgerumfra-
gen, intensiven Dialogen in und mit der Stadtgesellschaft sowie der Erarbeitung eines
Integrierten StadtentwicklungskonzeptesA. Mit diesem ISEK Münster 2030 soll ein
Orientierungsrahmen für die Entwicklung der wachsenden Stadt Münster im nächs-
ten Jahrzehnt geschaffen werden. Zugleich entsteht so eine wichtige Voraussetzung
für die zukünftige Inanspruchnahme von Städtebauförderungsmitteln. Und nicht zu-
letzt eine wichtige Bedingung der konkreten Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie
Münster 2030.
Die Erarbeitung dieses Konzeptes wird in einer fünfteiligen Berichterstattung doku -
mentiert. Sie umfasst:
• Baustein A: Das ISEK in den MünsterZukünften – Einführung und Übersicht
• Baustein B: Schlüsselpersonengespräche
• Baustein C: Zehn Leitthemen für Münster
• Baustein D: Die Stadtforenprozesse
• Baustein E: Bilanz 2020: Räumliches Leitbild
In dem hier vorliegenden Baustein C geht es insbesondere darum, die zehn Leit -
themen für Münster, welche die integrierte Stadtentwicklung der nächsten Jahre im
besonderen Maße prägen werden, vorzustellen.
Im Folgenden steht also der zweite große Schritt des Arbeitsprozesses im Mittelpunkt
der Darstellung (Abbildung 1). Er folgt unmittelbar aus den in Phase 1 durchgeführ -
ten Grundlagenarbeiten. Sie umfassten
• eigene Bestandsaufnahmen und Erkundungen
• eine Auswertung von über 90 städtischen Programmen und Konzeptionen, die
programmatische und planerische Vorarbeiten beinhalten, auf die aufgebaut wird
• die Durchführung von Interviews mit Schlüsselpersonen und Gruppengesprä -
chen mit Verwaltung, Politik und Persönlichkeiten aus allen T eilen der Stadtge -
sellschaft (dazu ausführlich: Baustein B)
• Zwischenergebnisse aus den anderen Aktivitäten im Zukunftsprozess – insbe -
sondere die Erfassung von Schlüsselfaktoren im Rahmen der Szenarioanalyse
sowie Zukunftsspaziergänge in sechs Stadtteilen (dazu ein Einblick: Baustein A)
• und wurden ergänzt durch die Ergebnisse der Bürgerumfrage 2018 (T eil »Stand-
ortbestimmung MünsterZukünfte«) (V /0831/2018)B B Die Ergebnisse der Bürgerumfrage kön-
nen online eingesehen werden: https://
www.zukunft-muenster.de/buergerum-
frage-2018/
A Über die MünsterZukünfte 20 | 30 |50
wird laufend im Internet berichtet:
www.zukunft-muenster.de
5
Vorspann
Auf dieser Grundlage konnte einerseits sehr genau bestimmt werden, »wo der Schuh
drückt«, wo also von der Stadtgesellschaft in ihrer Vielfalt und Verschiedenheit Hand-
lungsbedarf gesehen wird, wo besondere Entwicklungsdynamiken zu erwarten sind
oder andere konkrete Handlungsanlässe bestehen. Andererseits wurde auch deutlich,
wo integriertes, ressort- und akteursübergreifendes Planen und Handeln – über be -
reits laufende Aktivitäten hinaus – von besonderer Bedeutung ist.C
Denn dies ist das entscheidende Merkmal von »Leitthemen«, um die es im Folgenden
geht: Sie treten nicht an die Stelle laufender Arbeit und Planungen in den Ressorts
der Stadt, sondern sind sozusagen »zwischen« ihnen angesiedelt.
Die so verstandenen Leitthemen
• sind also auf Zukunftsaufgaben ausgerichtet, die integrierter Bearbeitung bedürfen,
• nutzen bereits vorliegende Pläne und Programme als Ausgangspunkte,
• bauen auf der vorhandenen, beschlossenen Ziel- und Wertebasis auf (v.a. Nach -
haltigkeitsstrategie 2030/Global Nachhaltige Kommune, Masterplan 100 % Kli -
maschutz, Gender Mainstreaming, Münster auf dem Weg zur inklusiven Stadt,
strategische Ziele/ISMD etc.),
• bieten einen Orientierungsrahmen für die nächsten fünf bis zehn Jahre,
• laden zum gemeinsamen Handeln ein – denn viele Aufgaben bedürfen nicht nur
des Zusammenwirkens von Ressorts, sondern auch der Mitwirkung von Akteu -
ren aus Wirtschaft, Wissenschaft und Stadtgesellschaft.
Die Auswertung der über 90 Konzepte, Programme und Pläne hat ergeben: Es
• gibt zahlreiche Vorarbeiten und Anknüpfungsmöglichkeiten für das ISEK 2030,
• besteht punktuelles Ergänzungs- bzw. Aktualisierungspotenzial,
• besteht zum T eil erhebliches Integrationspotenzial (Bezüge stärken),
• besteht Verräumlichungsbedarf (Notwendigkeit zur räumlichen Zusammenschau).
Letztlich bestätigte sich, was schon im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie Münster
2030 zum Ausdruck gebracht wurde. Dort heißt es: »Es [gibt] zwar zahlreiche sekto-
rale, themenbezogene Strategien, Projekte und Maßnahmenprogramme, was jedoch
fehlt, ist eine aktuelle Zusammenschau bezogen auf die gesamtstädtische Nachhalti -
ge Entwicklung und Münsters Verantwortung in der Einen Welt. Dieser übergreifen-
de Ansatz kann nur über eine integrierte Vorgehensweise […] und im Zusammenspiel
mit weiteren aktuellen Zukunftsprozessen der Stadt, insbesondere den Prozessen
MünsterZukünfte 20 | 30 | 50 und „Münster Klimaschutz 2050«.1
Viele Überlegungen und Anstrengungen sind also auf Integration des Planens und
Handelns gerichtet. Zu dieser Integrationsarbeit soll mit den Vorschlägen für Leitthe-
men ein Beitrag geleistet werden.
Es liegt auf der Hand, dass viele dieser Themen einen ausgeprägten räumlichen Bezug
haben: Denn im Raum müssen Anforderungen zusammengebracht werden – das gilt
für konkurrierende Flächeninanspruchnahmen, Zielwidersprüche (z. B. zwischen Frei-
raumschutz und Siedlungsentwicklung) und viele weitere Aspekte der Stadtentwicklung.
1 Stadt Münster (2018):
Global Nachhaltige Kommune NRW –
Nachhaltigkeitsstrategie 2030
C Die Auswahl der hier behandelten
Leitthemen wurde im Übrigen durch ei-
nen Beschluss der Lenkungsgruppe der
MünsterZukünfte 20 | 30 | 50 legitimiert
und durch den bürgerschaftlichen Beirat
mitgetragen.
D Das Integrierte Stadtentwicklungs- und
Stadtmarketingkonzept ISM, das um die
Jahrtausendwende entstand, kann als
Vorläuferin dieses Zukunftsprozesses
gelesen werden: https://www.stadt-
muenster.de/stadtentwicklung/stadtent-
wicklungs-und-stadtmarketingkonzept
6
ISEK Münster 2030 | Baustein C: Zehn Leitthemen für Münster
Abbildung 1:
Prozessschema zu den drei Strängen der
MünsterZukünfte
INTEGRIERTES
STADTENTWICKLUNGS-
KONZEPT
BÜRGERUMFRAGE (2018)
ISEK-
Dokumentation
BAUSTEIN B:
»Schlüssel-
personengespräche«
BAUSTEIN C:
»Zehn Leitthemen
für Münster«
BAUSTEIN D:
»Die Stadtforen-
prozesse«
BAUSTEIN A:
»Einführung und
Übersicht«
BAUSTEIN E:
»Bilanz 2020:
Räumliches Leitbild«
WEITERFÜHRENDE SCHRITTE ...
GRUND-
LAGEN-
ERMITTLUNG
SCHLÜSSEL-
PERSONEN-
GESPRÄCHE
ENTWICKLUNG DER
LEITTHEMEN
ERÖRTERUNG DER
LEITTHEMEN
WETTBEWERB:
VIELFAL T MACHEN
EINE SZENARIOANALYSE FÜR DIE
ZUKUNFTSHORIZONTE 2030 / 2050
ZUKUNFTS-
SPAZIERGÄNGE #STADTSACHEZUKUNFT . ZUHAUSE.
MÜNSTER
SZENARIO-
ANALYSE /
BÜRGER-
UMFRAGE
GUTES
MORGEN
MÜNSTER
Urbane
Wissensquartiere
Innenstadt
ist mehr ...
Münstersche
Stadt-Landschaft
Vielfalt der
Stadtteile
Münster und
seine Nachbarn
Digitalisierung
findet Stadt
Facetten ökono-
mischer Stärke
Vielfalt und sozialer
Zusammenhalt
Stadtverträgliche
Mobilität
Leistbares
Wohnen
Masterplan Mobilität 2035+, S-Bahn Münsterland, Velo-
routen, Radverkehrskonzept 2.0 ...
Smart City Allianz, Smarte Quartiere Oxford und York,
Smart Parking, WDR-Neubau ...
Umsetzung MONT , Partnerschaft Enschede, Münster-
land-Strategie, Umsetzung stadtregionaler Kontrakt ...
zahlreiche Stadtteilentwicklungskonzepte, Ausbau Quar-
tiersmanagement, Stärkung Ortsteilmitten u. Dritte Orte ...
Integriertes Handlungskonzept Innenstadt, Entwicklungen:
Martiniviertel / Hörster Parkplatz, Hafen, Schlossareal ...
Integrierte Freiflächen- und Siedlungsstrategie,
Landwirtschaftsbeauftragte(r) ...
Baulandprogramm, SoBoMü, Stärkung Vergabe Erbbau-
recht, Konzeptvergabe, Neue urbane Stadtquartiere ...
Wissenschaftsstadt der Zukunft: Internat. Ideenwerkstatt,
Masterplanung, Konkretisierung von Bauvorhaben ...
FÜR BAUSTEIN A,B,C,D
Integrierte Handlungskonzepte (u.a. Soziale Stadt) für
Kinderhaus-Brüningheide, Coerde, Berg Fidel ...
Gewerbeflächenentwicklungskonzept, Standortentwicklungs-
strategie, Zukunftsquartiere für Wohnen und Arbeiten ...
7
Prozessschema
INTEGRIERTES
STADTENTWICKLUNGS-
KONZEPT
BÜRGERUMFRAGE (2018)
ISEK-
Dokumentation
BAUSTEIN B:
»Schlüssel-
personengespräche«
BAUSTEIN C:
»Zehn Leitthemen
für Münster«
BAUSTEIN D:
»Die Stadtforen-
prozesse«
BAUSTEIN A:
»Einführung und
Übersicht«
BAUSTEIN E:
»Bilanz 2020:
Räumliches Leitbild«
WEITERFÜHRENDE SCHRITTE ...
GRUND-
LAGEN-
ERMITTLUNG
SCHLÜSSEL-
PERSONEN-
GESPRÄCHE
ENTWICKLUNG DER
LEITTHEMEN
ERÖRTERUNG DER
LEITTHEMEN
WETTBEWERB:
VIELFAL T MACHEN
EINE SZENARIOANALYSE FÜR DIE
ZUKUNFTSHORIZONTE 2030 / 2050
ZUKUNFTS-
SPAZIERGÄNGE #STADTSACHEZUKUNFT . ZUHAUSE.
MÜNSTER
SZENARIO-
ANALYSE /
BÜRGER-
UMFRAGE
GUTES
MORGEN
MÜNSTER
Urbane
Wissensquartiere
Innenstadt
ist mehr ...
Münstersche
Stadt-Landschaft
Vielfalt der
Stadtteile
Münster und
seine Nachbarn
Digitalisierung
findet Stadt
Facetten ökono-
mischer Stärke
Vielfalt und sozialer
Zusammenhalt
Stadtverträgliche
Mobilität
Leistbares
Wohnen
Masterplan Mobilität 2035+, S-Bahn Münsterland, Velo-
routen, Radverkehrskonzept 2.0 ...
Smart City Allianz, Smarte Quartiere Oxford und York,
Smart Parking, WDR-Neubau ...
Umsetzung MONT , Partnerschaft Enschede, Münster-
land-Strategie, Umsetzung stadtregionaler Kontrakt ...
zahlreiche Stadtteilentwicklungskonzepte, Ausbau Quar-
tiersmanagement, Stärkung Ortsteilmitten u. Dritte Orte ...
Integriertes Handlungskonzept Innenstadt, Entwicklungen:
Martiniviertel / Hörster Parkplatz, Hafen, Schlossareal ...
Integrierte Freiflächen- und Siedlungsstrategie,
Landwirtschaftsbeauftragte(r) ...
Baulandprogramm, SoBoMü, Stärkung Vergabe Erbbau-
recht, Konzeptvergabe, Neue urbane Stadtquartiere ...
Wissenschaftsstadt der Zukunft: Internat. Ideenwerkstatt,
Masterplanung, Konkretisierung von Bauvorhaben ...
FÜR BAUSTEIN A,B,C,D
Integrierte Handlungskonzepte (u.a. Soziale Stadt) für
Kinderhaus-Brüningheide, Coerde, Berg Fidel ...
Gewerbeflächenentwicklungskonzept, Standortentwicklungs-
strategie, Zukunftsquartiere für Wohnen und Arbeiten ...
Vorarbeiten
Ausgewertete Programme und Konzepte (Stand: Sommer 2018)
Bevölkerung und
Soziales
Europäische Charta für die Gleichstellung von Männern
und Frauen auf lokaler und regionaler Ebene –
3. Aktionsplan 18/20
Geflüchtete Menschen in Münster – Handlungskonzept
(2017)
Jahresstatistik 2016 - Bevölkerung (2017)
Bericht zur Armutsentwicklung in Deutschland (2017)
Bedarfsorientierte Steuerungs- und Förderkonzepte der öf-
fentlichen Kinder- und Jugendarbeit (2017)
Konzeption des Sozialdienstes für Flüchtlinge (2017)
Verbindlicher kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster
2017 - 2020 (2017)
Maßnahmenprogramm einer kindbezogenen Armutsprä -
vention in Münster 2015 - 2017
Überblick Demografie Münster – Demografiebericht
Münster – Ein Baustein des Wegweisers Kommune (2016)
Sozialmonitoring (2016)
Fortschreibung der Kleinräumigen Bevölkerungsprognose
(KBP) für den Zeitraum 2015 - 2025 (2016)
Masterplan altengerechte, inklusive Quartiere zur Versor -
gungssicherheit von Menschen mit Pflege- und Unterstüt-
zungsbedarf (2016)
Kinderrechte für junge und minderjährige Flüchtlinge um-
setzen (2016)
Münster auf dem Weg zur inklusiven Stadt – Aktionsplan
zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention
(2015)
Ausbauoffensive Kindertagesbetreuung U3 – Ausbaupro -
gramm (2015)
3. Münsteraner Kinder- und Jugendförderplan (2014)
Leitbild Migration und Integration (2014 erneuert)
Handlungskonzept Demografischer Wandel in Münster
(2008)
Klima und Umwelt Atomfreies Münster bis 2020 – Ausbaustrategie für klima-
schonende Energieerzeugung (seit 2011)
Erarbeitung der Nachhaltigkeitsstrategie 2030 (Bericht
2018, Beschluss 2019)
Masterplan 100 % Klimaschutz Münster (2017)
Lärmaktionsplan (2017)
Klimaanpassungskonzept (2016)
Nachhaltiges Abfallwirtschaftskonzept (2016)
Stadtregion Münster: European Energy Award als „Ener -
gie- und Klimaschutzregion (2015)
Sustainable Development Goals (SDG) im Überblick
Luftreinhalteplan Münster (2014)
Räumliches Gefüge
der Stadt
Gewerbeflächenentwicklungskonzept (2016) + Karte der
Gewerbeflächenreserven (2015)
Konversionskonzepte (2015/2016)/Konversionspartner -
schaft Stadt Münster und BImA (2012)
Handlungsprogramm »Flächensparende Entwicklung«
(2014)
Münsteraner Modell »sozialgerechte Bodennutzung« (So -
BoMü) (2014)
Masterplan Stadthäfen (2012)
Grünordnung Zielkonzept Freiraum/Freizeit und Erho -
lung/Naturraum (2012)
Masterplan/Leitbild Aasee (2011)
Erläuterungsbericht zum Flächennutzungsplan Stadt
Münster (Fortschreibung 2004, inzw. 83 Änderungen)
(2004)
Innenstadt und
Stadtteile
Integriertes Handlungskonzept »Kinderhaus-Brüning -
heide« (seit 2007) (Programm »Soziale Stadt«)
Integriertes Entwicklungskonzept Münster-Coerde
(in Bearbeitung seit 2018)
Zukunftswerkstatt Albachten (2018)
Zukunftswerkstatt Amelsbüren (2018)
Altengerechte, inklusive Quartiersentwicklung Hiltrup-
Ost (2017)
Städtebauliches Leitbild Ortsmitte Gievenbeck (2017)
Fortschreibung Integriertes Handlungskonzept Münster
Innenstadt »Aktive Stadt- und Ortsteilzentren« (2016)
Stadtteilentwicklungskonzept »Kinderhaus_miteinan -
der_ füreinander!« (2012-16)
»Aktive Stadt- und Ortsteilzentren«: Münster-Wolbeck
(2012)
Rahmenplan Gremmendorf / Angelmodde-West (2011)
»Aktive Stadt- und Ortsteilzentren«: Gievenbeck-Ortsmitte
(2009)
Fortschreibung des Integrierten Handlungskonzeptes
Sprakel mit Maßnahmenkonzept (2008)
Vorarbeiten
Ausgewertete Programme und Konzepte (Stand: Sommer 2018)
Stadtteilrahmenplan Handorf, Sudmühle, Mariendorf
(2008)
Wohnen Baulandprogramm 2025 - 2030 (Fortschreibung aus 2019)
Planungswerkstatt 2030 (2018)
Jahresstatistik 2017 – Bautätigkeit und Wohnen (2018)
Arbeitskreis Wohnen/Bündnis für Wohnen (2016)
Handlungskonzept Wohnen – mit den Vorarbeiten von
Empirica (2014)
Wirtschaft Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm des Jobcenters
der Stadt Münster (2018)
Einzelhandels- und Zentrenkonzept (2018)
Büromarktstudie (2018)
Gewerbehallenbericht (2018)
Handelsimmobilienreport (2017/2018)
Jahresstatistik 2017 der Stadt Münster – Allgemeines über
Münster (2018)
Jahresstatistik 2017 der Stadt Münster – Kapitel Gastge -
werbe (2017)
Klimaanpassungskonzept (2015)
Bildung und
Wissenschaft
Machbarkeitsstudien für die Entwicklung der Schulstand -
orte (in Bearbeitung)
Jahres-Statistik 2016 der Stadt Münster – Bildung und Kul-
tur (2017)
Nanowelt Münster (2017)
Hochschulentwicklungsplan der WWU Münster (2017)
Hochschulentwicklungsplan 2016-2020 der FH Münster
(2016)
Integrierte Jugendhilfe- und Schulentwicklungsplanung
(2015)
Rahmenkonzept für Inklusion an Schulen (2014)
Rahmenkonzept Schulentwicklungsplanung (2010)
+ Fortführung (2014)
Kulur, Freizeit und
Sport
Jahres-Statistik 2016 der Stadt Münster: Bildung und Kul -
tur (2017)
Jährlicher Kulturreport Münster (2016)
Dokumentationen zur Sportentwicklungsplanung
(6 T eilgutachten, 2014-2015)
Pakt für den Sport zwischen Stadt Münster und Stadt -
sportbund Münster e.V . (2013)
Mobilität Masterplan »Mobilität Münster 2035+« (in Bearbeitung)
Jahres-Statistik 2017 der Stadt Münster – Verkehr (2018)
Radverkehrskonzept Münster 2025 (2016)
3. Nahverkehrsplan Münster (2016)
Verkehrsverhalten und Verkehrsmittelwahl der Münste -
raner (2013)
P+R-Anlagen in Münster - Bestandsaufnahme und Kon -
zept - (2013)
Parkraumkonzept Altstadt/Hbf-Bereich (2010)
Masterplan Verkehrsunfallprävention (2008)
Region Letter of Intent – Kooperation Münster u. Enschede (2017)
Interkommunale Strategie zur Integrierten Wohn- und
Mobilitätsentwicklung in der Stadtregion Münster. Wettbe-
werb StadtUmland.NRW (2017)
Jahres-Statistik 2016 der Stadt Münster – Münster und
die Stadtregion (2017)
Strategieprozess Münsterland (2014)
Euregio 2020 – unsere Strategie für morgen (2012)
MONT Mapping Zukunftsprojekte. Städtedreieck MONT
(Münster, Osnabrück, Netwerkstad Twente) (2009)
Die zehn Leitthemen
Aufbauend auf umfassenden Vorarbeiten und den Ergebnissen der Befragungen in Stadt -
gesellschaft, Politik und Verwaltung wurden die folgenden zehn Themen identifiziert, die
ressortübergreifender Bearbeitung bedürfen:
• Vielfalt der Stadtteile
• Urbane Wissensquartiere
• Innenstadt ist mehr …
• Münstersche Stadt-Landschaft
• Leistbares Wohnen
• Facetten ökonomischer Stärke
• Stadtverträgliche Mobilität
• Digitalisierung findet Stadt
• Vielfalt und sozialer Zusammenhalt
• Münster und seine Nachbarn
Im Folgenden werden sie, einem ähnlichen Aufbau folgend, kurz beschrieben: Einer
knappen Skizze der jeweiligen Ausgangssituation und der mit ihr verbundenen He -
rausforderungen für die zukünftige Stadtentwicklung folgt ein Vorschlag zur thema-
tischen Fokussierung.
Gesondert dargestellt wird die – von einem Ratsantrag ausgehende – Auseinander -
setzung mit Möglichkeiten der Stärkung lokaler Demokratie durch Beteiligung der
Einwohnerinnen und Einwohner.
Münstersche
Stadt-Landschaft
Stadtverträgliche
Mobilität
Vielfalt und sozialer
Zusammenhalt
Münster und
seine Nachbarn
Facetten
ökonomischer Stärke
Digitalisierung
findet Stadt
Vielfalt der
Stadtteile
Urbane
Wissensquartiere
Leistbares
Wohnen
Innenstadt ist mehr...
14
ISEK Münster 2030 | Baustein C: Zehn Leitthemen für Münster
»Vielfalt der Stadtteile -
Fit für den Alltag, fit für die Zukunft«
MÜNSTER IST ANDERS
Wirft man einen Blick auf die Zahlenwerke deutscher Großstädte, so zeigt Münster
einige Auffälligkeiten. Münster hat eine vergleichsweise große Flächenausdehnung.
Die Größe des Stadtgebiets entspricht fast der Münchens. Städte mit einer ähnlichen
Einwohnerzahl wie Bonn, Karlsruhe oder Mannheim haben nur halb so große Stadt-
gebiete wie Münster. Von den 30 deutschen Großstädten, die mehr als 250.000 Ein-
wohnerinnen und Einwohner haben, weist Münster die geringste Einwohnerdichte
mit etwas über 1.000 Einwohnerinnen und Einwohnern je km2 auf.
Diese statistischen Besonderheiten haben ihren Ursprung in den umfangreichen
Eingemeindungen Münsters im Jahr 1975. Gut zwei Drittel des heutigen Stadtgebiets
sind damals zu Münster dazugekommen. Zahlreiche Ortschaften, die dörflichen Cha-
rakter besaßen, wurden ebenso eingereiht wie beispielweise Hiltrup und Wolbeck,
die wie Mittel- oder Kleinstädte wirken.
So ist die Kernstadt in Münster von mehr als 20 Stadtteilen umgeben, die nach außen
hin einen fließenden Übergang in die charakteristische Landschaft des Münsterlan -
des markieren. In den insgesamt 45 Stadtteilen Münsters zeigt sich eine atmosphä -
rische und lebensweltliche Vielfalt, die man anderenorts nicht kennt. Man kann in
Münster großstädtisch, kleinstädtisch und ländlich leben. Dieses breite Spektrum
macht einen T eil des besonderen Flairs der Stadt und ihrer Attraktivität aus.
Jeder Stadtteil hat seine eigene Geschichte und sein eigenes Gesicht. Und jeder Stadt-
teil hat seine eigene Ausgangslage, spielt eine andere Rolle im Gefüge der gesamten
Stadt und unterliegt einer jeweils spezifischen Entwicklungsdynamik.
Dem besonderen Stellenwert der Stadtteile in der Münsteraner Stadtstruktur, insbe -
sondere auch den außenliegenden Orten, gerecht zu werden und die jeweils eigenen
Belange der Stadtteile im Rahmen der Stadtentwicklung nicht aus dem Blick zu ver -
lieren, ist ein großes Anliegen, das in zahlreichen unserer Schlüsselpersonengesprä-
che (Baustein B) geäußert wurde.
• »Damit die Stadt wirklich zur Gemeinschaft wird, muss man auch die Stadttei-
le weiter außen mitdenken und einbeziehen.«
• »Münster ist nicht nur Kreuzviertel und Hansaviertel und Geistviertel, son -
dern Münster ist eben auch Handorf und Roxel.«
• »Nicht nur innerhalb des Promenadenrings denken« ... »Münster ist real grö-
ßer.«
• »Münster muss man als Ganzes sehen! Der Blick auf die Innenstadt ist häufig
sehr dominant, die Ressourcen dürfen aber nicht nur auf dem Prinzipalmarkt
verteilt werden.«
15
Diese Zitat-Auswahl macht ein wenig deutlich, dass die Sorge besteht, bei der The -
matisierung der Münster-Zukünfte könnten die Stadtteile zu kurz kommen und die
Innenstadt die Stadtteile überstrahlen.
DIE STADTTEILENTWICKLUNG IST BEREITS EIN WICHTIGES THEMA IN MÜNSTER
In den laufenden Aktivitäten versucht die Stadt Münster, diesen Bedenken zu begeg-
nen. Es ist ein Stück T radition in der Münsteraner Stadtplanung, sich den Belangen
der Orts- und Stadtteile mit eigenen städtebaulichen Rahmenplänen zu widmen. So
liegen für viele Stadtteile entsprechende Entwicklungskonzepte vor (Roxel, Sprakel,
Wolbeck usw.), in einigen werden sie zur Zeit erarbeitet und in anderen Stadtteilen
bedarf es noch der Aufstellung oder Aktualisierung städtebaulicher Entwicklungs -
konzepte (z.B. Mauritz, Hiltrup-West, Mecklenbeck) 1. So wurde beispielsweise das
Stadtteilentwicklungskonzept »Kinderhaus_miteinander_füreinander!« (2012-2016)2
mit den Menschen vor Ort erarbeitet. Dabei wurden die wesentlichen Ziele und Stra-
tegien für die Zukunft des Stadtteils Kinderhaus entwickelt, in einer integrativen Be-
trachtung die thematischen und räumlichen Schwerpunkte festgelegt und konkrete
Projekte für die nachfolgenden Jahre benannt.
In der Zukunftswerkstatt Albachten3, ein laufendes Verfahren, wird versucht, zentrale
Fragestellungen für die Stadtteilzukunft zu beantworten, die in Albachten aufgrund
des absehbar höheren Zuwachses an Einwohnerinnen und Einwohnern von besonde-
rer Bedeutung sind: »Welche Veränderungen bringt das Wachstum mit sich? Welche
Infrastruktur-Anpassungen werden erforderlich? Wie bindet man die neuen Bauge -
biete in den bestehenden Stadtteil ein?«.
Über das Einzelhandels- und Zentrenkonzept soll der jeweils unterschiedlichen Be -
deutung der Ortszentren hinsichtlich der Versorgungsfunktion Rechnung getragen
werden. Und für die Umsetzung des Baulandprogramms spielen vorrangig die Stadt-
teile eine wichtige Rolle, sie haben hier unterschiedliche Potenziale.
Im Rahmen der MünsterZukünfte (im Strang »Gutes Morgen Münster«) wurden
bereits sechs Zukunftsspaziergänge in Stadtteilen und Stadtquartieren durchgeführt
(Angelmodde, Kinderhaus, Gievenbeck, Mauritz Mitte, Wissenschaftspark, Hafen/
Hansa), um mit den Akteuren vor Ort zu diskutieren, was den Ort ausmacht und was
es für die Zukunft des Stadtteils oder Quartiers und der Gesamtstadt hier braucht.
Leitthema: Vielfalt der Stadtteile
1 Stadt Münster (2018) a: Aktueller Stand
der Erarbeitung von Stadtteilentwick-
lungskonzepten
2 Stadt Münster (Hrsg.) (2018) b: Stadt-
teilentwicklungskonzept Kinderhaus:
Kinderhaus_miteinander_füreinander!
3 Stadt Müster (2019): Zukunftswerkstatt
Albachten
16
ISEK Münster 2030 | Baustein C: Zehn Leitthemen für Münster
LEITTHEMEN-VORSCHLAG:
VIELFAL T DER STADTTEILE – FIT FÜR DEN ALL TAG, FIT FÜR DIE ZUKUNFT
In zahlreichen Bundes- und Landesprogrammen hat in den letzten fünf Jahren die
Stadtteil- und Quartiersentwicklung an Bedeutung gewonnen. Schließlich muss sich
auf dieser kleinräumlichen Ebene beweisen, ob der Lebensalltag gut funktioniert oder
nicht. Weisen die Stadtteile eine ausreichende, altersspezifische Versorgung auf?
Sind die Stadtteile auf die zunehmende gesellschaftliche Vielfalt im sozialen, kultu -
rellen und kirchlichen Angebot eingestellt? Ist die Ausstattung mit Freiräumen im
Wohnungsnahbereich gesichert? Funktioniert das Vereinsleben, gibt es dafür ausrei-
chende Angebote an Gemeinschaftsräumen und Infrastruktur für den Sport? Gibt es
leistungsfähige Mobilitätsangebote? Laden die Stadträume zum Verweilen und T ref-
fen ein und lassen sie Stadtteil-Festivitäten zu? Brauchen die Stadtteile zusätzliche
Einwohnerinnen und Einwohner, um die Versorgung zu stabilisieren oder fehlende
Einrichtungen bauen zu können? Dies ist ein Spektrum genereller Fragestellungen,
die deutlich machen, weshalb die Stadtteile als Lebensräume im Rahmen der Stadt -
entwicklung von besonderer Bedeutung sind. Hier greifen alle Aspekte einer integ -
rierten Stadtentwicklung ineinander.
Und gerade in Münster bedarf die Stadtteilentwicklung bei allen bisherigen Anstren-
gungen in diesem Handlungsfeld weiterhin besonderer Aufmerksamkeit, da die
Vielfalt der Stadtteile ein besonderes Kennzeichen Münsters ist. Mehr als die Hälfte,
rund 60 %, der Münsteraner Bevölkerung wohnt in Stadtteilen außerhalb der inne -
ren Stadt A und hat die Erwartung, dort ebenfalls gute Versorgungsangebote in der
Bildung, in der Stadtteilkultur und in der alltäglichen Versorgung vorzufinden. Bei
dem gespreizten Feld unterschiedlicher Ausgangs- und Rahmenbedingungen der 45
Stadtteile stellt sich die erwartete Versorgungs- und Lebensqualität nicht ohne weit -
sichtige Planungskonzepte ein.
Münster hat beispielsweise Stadtteile mit ausreichenden infrastrukturellen Angebo -
ten und Stadtteile, in denen eine fußläufige Nahversorgung aktuell nicht gegeben ist
(z.B. Gelmer, östlicher Bereich von Gremmendorf, Angelmodde-Dorf, im Süden von
Albachten)4; Stadtteile, die verkehrlich gut angebunden sind (z.B. Gievenbeck) und
Stadtteile, die über keine ausreichende Verkehrsinfrastruktur verfügen 5 sowie Stadt-
teile, die mit Überalterung zu kämpfen haben (z.B. Hiltrup, Handorf) und Stadtteile,
die eine sehr junge Bewohnerschaft besitzen (z.B. Gievenbeck, Hafen, Schützenhof)6.
Diesen Unterschieden gilt es Rechnung zu tragen und dafür zu sorgen, dass sich alle
Stadtteile auf ihre Weise stabil weiterentwickeln können und ihre Rolle für die Ent -
wicklung der Gesamtstadt einnehmen.
Auch dies lässt sich durch einige Äußerungen im Rahmen der Gespräche unterstrei-
chen:
• »Es liegt eine Entwicklungsdiskrepanz der verschiedenen Stadtteile vor.«
• »In allen Stadtteilen – auch den außenliegenden – muss Lebendigkeit herge -
stellt werden.«
• »Es sollte hinterher egal sein, ob man in Mauritz oder in Kinderhaus lebt.«
4 Stadt Münster (Hrsg.) (2018) c: Fort -
schreibung Einzelhandels- und Zentren -
konzept Münster
5 Stadt Münster (Hrsg.) (2016): 3. Nah -
verkehrsplan Stadt Münster
6 Stadt Münster (Hrsg.) (2017): Bevölke -
rungsentwicklung
A Der Begriff der inneren Stadt soll hier
im Wesentlichen den Stadtbezirk Mitte
umfassen, s. ab S. 24
17
Abbildung 1:
Leitthemenkarte: Vielfalt der Stadtteile
Diese Karte gibt zum einen einen Überblick über die bisherige Erarbeitung von Handlungskon -
zepten, Leitbildentwicklungen, Zukunftswerkstätten und Rahmenplänen auf Stadtteilebene der
letzten Jahre, und zum anderen einen Überblick über die Stadtteilentwicklungskonzepte, die sich
derzeit in Bearbeitung befinden, bzw. geplant sind.
Leitthema: Vielfalt der Stadtteile
Abgeschlossene Entwicklungskonzepte
Laufende Entwicklungskonzepte
Offene Entwicklungskonzepte
Stand: Februar 2019
18
ISEK Münster 2030 | Baustein C: Zehn Leitthemen für Münster
»Urbane Wissensquartiere -
Durchmischt und funktionsgerecht«
ENTWICKLUNGSPOTENZIAL: UNIVERSITÄT UND HOCHSCHULEN
Unlösbar ist das Bild einer Universitäts- und Studierendenstadt mit Münster ver -
bunden. Dies gilt für den Blick von außen genauso wie für die Eigenwahrnehmung
der Stadt. So ist es auch nicht erstaunlich, dass in den Ergebnissen der aktuellen
Bürgerumfrage 2018 die ausgeprägte Universitäts-, Hochschul- und Wissenschafts -
landschaft bei den Nennungen der besonderen Entwicklungspotenziale für Münsters
Zukunft an erster Stelle rangiert.
Universität, Klinikum und Fachhochschule prägen das Bild, die Nutzungen und
das Flair eines Großteils der inneren Stadt. Zwischen Steinfurter Straße und Aasee
spannt sich ein Raum auf, der keilförmig bis in die Altstadt hineinragt und der zu
hohen Anteilen von Hochschuleinrichtungen besetzt ist. Hinzu kommen die Ein -
richtungen der sieben weiteren Hochschulen, die sich hauptsächlich über die innere
Stadt verteilen. So ist die »Wissenschaftsstadt« beinahe überall in Münster abzulesen.
Die Westfälische Wilhelms-Universität (WWU) ist die fünftgrößte deutsche Universi-
tät. WWU und Universitätsklinikum allein bilden rund 45.000 Studierende aus und
sind zusammen der größte Arbeitgeber Münsters. Zusammen mit den acht weite -
ren Hochschulen (FH Münster, Philosophisch-Theologische Hochschule Münster,
Kunstakademie Münster, Katholische Hochschule NRW , Hochschule des Bundes
für öffentliche Verwaltung FB Finanzen, Hochschule für Polizei und öffentliche Ver-
waltung NRW , Deutsche Hochschule der Polizei, FOM Hochschule für Ökonomie
und Management) und den Bildungszentren der Wirtschaft hat Münster bereits über
60.000 Studierende insgesamt1 und gehört damit im Reigen der europäischen Groß-
städte zu den Städten mit den höchsten Studierendenanteilen. Dies zeigt sich im
Leben der Stadt überdeutlich und verleiht der Stadt ein »junges Gesicht«.
Die Hochschulen formen auch maßgeblich das technologieorientierte Wirtschaftspro-
fil, weil sie Ansiedlungen zahlreicher renommierter Unternehmen und Institute wie
Max-Planck- und Fraunhofer-Gesellschaft, Unternehmen im T echnologiepark, Nano-
Bioanalytik Zentrum und weitere mehr nach sich ziehen, die den Forschungsaus -
tausch mit den leistungsstarken Einrichtungen an Universität und Fachhochschule
suchen. Darin sind auch die Entwicklungen des Wissenschaftsparks mit T echnologie-
hof und des T echnologieparks begründet.
So fällt die Einschätzung der Bedeutung der Hochschulen für die Stadtentwicklung
Münsters bei allen Gesprächspartnern einhellig aus:
• »Dank der Hochschulen gibt es sehr innovativ aufgestellte Unternehmen.«
• »Ohne Hochschulen wäre Münster eine Stadt mit toller Vergangenheit, aber
ohne Zukunft.«
• »Die Hochschule ist das Elixier für die Stadt.«
1 Stadt Münster (Hrsg.) (2017): Jahres-
Statistik 2016 – Bildung und Kultur
19
• »Die Universität sorgt für viel Austausch und Bewegung. Wie Münster ohne
Uni aussähe, mag man sich lieber nicht vorstellen. Sie bringt immer wieder
neue Impulse.«
EIN THEMA VON RANG
Die Stadt Münster ist sich der Bedeutung der Hochschulen für die Stadtentwicklung
bewusst. Seit mehr als einem Jahrzehnt wird deshalb eine intensive Zusammenarbeit
zwischen den relevanten Akteuren der Hochschulen, der Stadt und der Wirtschaft
gepflegt. Ältere und jüngere Initiativen belegen dies.
Die »Allianz für Wissenschaft«2 ist eine solche Kooperationsplattform. Ziel ist es, den
Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Münster auszubauen und zu stärken, um im
internationalen Wettbewerb der Hochschul- und Forschungsstädte konkurrenzfähig
zu sein. Zudem soll die Wissenschaftswelt in die Bürgerschaft immer besser und pra-
xisnäher vermittelt werden, um ihre Bedeutung noch breiter in der Stadtgesellschaft
zu verankern. Im Fokus stehen dabei fünf Themen: Westfälischer Frieden, Nanobio-
analytik, Body & Brain, Stadt der Bildung und Nachhaltige Stadtentwicklung.
Besonders erwähnenswert ist in diesem Kontext der im September 2018 unterzeich -
nete Letter of Intent 3 (LoI), in dem sich WWU, FH Münster, Universitätsklinikum,
Studierendenwerk, Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) NRW Niederlassung Müns-
ter und Stadt Münster auf das Ziel einer gemeinsam getragenen strategischen und
räumlichen Gesamtentwicklung der Wissenschaftsstandorte verständigt haben. Sich
wandelnde Rahmenbedingungen wie Digitalisierung und gesellschaftliche Verände -
rungsprozesse, ebenso kurzfristig umzusetzende Bauvorhaben sind Auslöser dieser
Vereinbarung.
Die zentralen strategischen Fragen, die eine gemeinsame Beantwortung der Partne -
rinnen und Partner des LoI erwarten lassen, machen den herausgehobenen Rang
dieses Themas für die Stadtentwicklung Münsters deutlich: »Was sind die Anforde -
rung an die Wissensquartiere von morgen?« »Welche urbane Qualität muss das Cam-
pusleben im 21. Jahrhundert aufweisen?« »Welches Umfeld ist erforderlich, damit
Forschung und Lehre in Münster die besten Rahmenbedingungen für die zukünftige
Entwicklung vorfinden?« »Wie lassen sich neue Nutzungen, wie Wohnen, Gastro -
nomie, Nahversorgung und Kultur so integrieren, dass dadurch mehr Vielfalt und
Urbanität entstehen?«
LEITTHEMEN-VORSCHLAG:
URBANE WISSENSQUARTIERE – DURCHMISCHT UND FUNKTIONSGERECHT
Vor etwas mehr als einem Jahrzehnt äußerte sich der damalige Rektor der WWU
Münster, Prof. Dr. Hans-Uwe Erichsen, mit dem Satz »Ein Schnupfen der Hoch -
schulen wird ausreichen, eine Lungenentzündung der Stadt hervorzurufen.«, um die
Abhängigkeit der Stadtentwicklung Münsters von der Präsenz und Stärke der Hoch -
schulen auszudrücken. Heute wirbt Münster in seinem Signet mit »Wissenschaft
und Lebensart«. Beides ist im Alltag der Stadt präsent. Und Beides sind heutzutage
Leitthema: Urbane Wissensquartiere
2 Stadt Münster (2019): Wissenschaft
3 Stadt Münster (2018): Letter of Intent
zur Wissenschaftsstadt der Zukunft
20
ISEK Münster 2030 | Baustein C: Zehn Leitthemen für Münster
zwei Seiten einer Medaille. Die von Erichsen formulierte einseitige Abhängigkeit gilt
heute nicht mehr. Denn die Attraktivität einer Stadt hat einen wachsenden Einfluss
auf die Frage, wo man studieren, lehren und forschen will.
Die wechselseitige Beziehung von Stadt- und Hochschulentwicklung kommt in den
zentralen Fragestellungen des Letter of Intent gut zum Ausdruck. Neben der strategi-
schen Ausrichtung muss ein Masterplan »Urbane Wissensquartiere« auch vordring-
liche Aufgaben erfüllen: Münster sieht sich mit einem großen Investitionsvolumen
konfrontiert, das im Sinne eines lebendigen, urbanen, gut durchmischten und den -
noch für Forschungs- und Entwicklungsleistungen funktionstüchtigen Stadtbereichs
eines sorgfältig durchdachten Einsatzes bedarf. Weit über eine Milliarde Euro werden
in den kommenden zehn Jahren in den Wissenschaftsstandort Münster fließen.4
Es gilt aber auch Engpässe zu beseitigen: Der hochpreisige Wohnungsmarkt ist ein
erhebliches Hemmnis bei der Wohnungsversorgung der Studierenden und des nicht-
wissenschaftlichen Personals der Universität, vor allem des Universitätsklinikums,
und der Hochschulen. Dies wird allseits beklagt. Deshalb wird eine wichtige Frage -
stellung auch sein müssen, ob der im Wissenschaftsareal vorhandene Bestand an
Liegenschaften im öffentlichen Eigentum an geeigneten Standorten kostendämpfend
für den Wohnraumbedarf und belebend für die Wissensquartiere eingesetzt werden
kann.
In diesem Zusammenhang sind auch die Weiterentwicklung des T echnologieparks
nord-westlich des Leonardo-Campus und des Wissenschaftsparks südlich der Men -
delstraße in den Blick zu nehmen, da das Potenzial des T ransfers aus den Hochschu-
len in forschungsnahe Unternehmen beileibe noch nicht ausgeschöpft ist.
In zahlreichen Gesprächen mit Schlüsselpersonen wurde die Notwendigkeit eines
integrierten Konzeptes für die Quartiere des Wissens unterstrichen.
• »Man kann aus dem Bildungsstandort Münster in der Summe seiner Bil -
dungseinrichtungen noch eine Menge mehr herausholen.«
• »Das Mindset hat Wissenschaft bisher nicht als Basis, sondern Prinzipalmarkt,
Schnitzler, Fahrrad, gute Stube, Oberzentrum etc.«
• »Um die Absolvent/I nn/en der Hochschulen in Münster zu halten, braucht es
hier und im nahen Umland attraktive Arbeitgeber.«
• »Für die zukünftige Weiterentwicklung des Wissenschaftsstandortes Münster
ist die Erstellung eines ganzheitlichen Masterplans vonnöten, der von Kreati -
vität und Innovation geprägt und mit einem neuen Mindset für ganzheitliche
Kooperation umgesetzt wird.«
4 Westfälische Nachrichten (2018): Neue
Wege zur Wissenschaft. Stadt und Hoch-
schulen planen großen Wurf
21
Alexander-von-
Humboldt-Haus
_Science-Inkubator
Innenstadt
_Modernisierungsstau beheben
_Enwicklung neues Bibliotheks-
konzept
Neuorganisation NWZ
_Standortprofilierung
_Modernisierung und Umbau
_Aufwertung öffentl. Räume
_Nutzungsmischung im EG
Wissenschaftspark
_Ausbau des Wissenschaftsparks
_Särkung der Urbanität und
Funktionsvielfalt
Institut für pharma-
zeutische Chemie
_Standortaufgabe
_LOI-Musikcampus
Stadt / Universität
Standortaufgabe Fliedner-
straße (Psychologie) Museumsmeile
_Profilierung räumlicher und
thematischer Zusammenhänge
_Transfer Wissenschaft/Stadt
Institut für Botanik
_Umorganisation und
Umbau zum Servicezentrum
für Studierende
Mensa am Aasee
_Stärkung multifunktionaler
Nutzbarkeit
Insitut für Politik- und
Sozialwissenschaften
_Standortprofilierung
Bibliothek Soziologie
_Standortprofilierung
Neuorganisation Zentralklinikum
_Umbau und Erweiterung
_Umorganisation Parken und Logistik
Errichtung Forschungs-
campus Ost
Errichtung Forschungs-
campus West
Neubau Studenten-
wohnanlage
Rudolf-Harbig-Weg
_Nachverdichtungsprojekt
Errichtung Studieren-
denwohnungen & KiTa
Entwicklungsperspektive
Wohnquartier
Neubau Bildungs-
zentrum
Sanierung Hüfferstift
und Neubau „Campus
der Religionen“
Leonardo Campus
_Stärkung und Erweiterung
des Standortes
Fachhochschul-
zentrum
_Stärkung und
Profilierung
Quartier des 21. Jahrhunderts &
Erweiterung Technologiepark
Abbildung 1:
Entwicklungsschwerpunkte des Letter of Intent
Diese Karte verdeutlicht die räumlichen Verflechtungen einiger Partnerinnen und Partner des Let-
ter of Intent auf engem Raum. Die Karte zeigt die Hauptentwicklungsschwerpunkte der WWU, des
Universitätsklinikums, der FH Münster, des Studierendenwerkes und der Stadt Münster.
Leitthema: Urbane Wissensquartiere
WWU
Stadt Münster
FH
Studierendenwerk
UKM
Wissenschaftspark
Stand: Februar 2019
22
ISEK Münster 2030 | Baustein C: Zehn Leitthemen für Münster
»Innenstadt ist mehr ... – Eine weitergefasste Perspektive«
MÜNSTERS INNENSTADT ZEIGT STÄRKE
Die Innenstadt Münsters besitzt eine sehr hohe Anziehungskraft. Mit Münster wer -
den zuallererst der Prinzipalmarkt, der Dom mit dem Domplatz, die Promenade und
der Aaseeblick verbunden. Noch dominanter als in anderen Städten prägt das Zent -
rum das Image der gesamten Stadt.
Auch ein kleiner Blick auf die Zahlen ist aufschlussreich. Münster verzeichnet jähr -
lich rund 20 Millionen T agesgäste. Das entspricht einer außerordentlich beliebten
Destination im T agestourismus wie beispielsweise Lübeck und macht das 1,5-fache
der jährlichen T ouristenströme nach Heidelberg aus. Diese vergleichsweise hohe
Zahl an T agesgästen erklärt sich aber weniger aus dem T ourismus, sondern vielmehr
aus der besonderen Attraktivität Münsters als Einkaufsstadt. Das Zusammenspiel
von guten Geschäftslagen, behaglichen Stadträumen, einem umfangreichen Kultur -
angebot, einer vielfältigen Gastronomieszene und dem jungen Flair der Universitäts-
stadt ist Auslöser dieser Sogkraft. Anders als anderenorts hat der Einzelhandel in
Münsters Altstadt deshalb auch Stand 2019 noch keine merklichen Blessuren durch
E-Commerce, Stadtrand-Einkaufszentren und benachbarte Konkurrenzstädte davon -
getragen. Münster zählt zu den einzelhandelsstärksten Standorten in Deutschland.
Alle dafür relevanten Kennziffern sind weit überdurchschnittlich. Der Umsatz im
Einzelhandel liegt bei jährlich über zwei Milliarden Euro, die vorrangig in den zentra-
len Lagen erwirtschaftet werden.
Ausschlaggebend für diese guten Zahlen sind auch der große Einzugsbereich Müns-
ters mit rund 1,5 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern, die Nähe zur Met -
ropolregion Rhein-Ruhr, eine traditionell gut aufgestellte Kaufmannschaft mit noch
sehr vielen inhabergeführten Geschäften in den zentralen Handelslagen und vor
allem auch die damals weitsichtige, wenn auch nicht unumstrittene Entscheidung,
die im Zweiten Weltkrieg fast völlig zerstörte Altstadt im alten Gewand wieder auf -
zubauen. Ähnlich kluge Entscheidungen waren, neue, größere Angebotsformen in
die Altstadt zu integrieren und die Suburbanisierung des Handels konsequent zu
regulieren. Hinzu kommt, dass die Innenstadt immer noch (fast) alle oberzentralen
Einrichtungen bündelt, allen voran die Universität und die Hochschulen, wichtige
Kultur- und Bildungseinrichtungen und bedeutende Verwaltungsstandorte, was ihr
einen großen Bedeutungsvorsprung gegenüber anderen Innenstädten verleiht.
Das mit der Altstadt verbundene Image Münsters überstrahlt die Qualitäten, die in
den angrenzenden Lagen liegen. Die Altstadt Münsters weist eine zunehmende »Ex-
klusivität« auf, die den alltäglichen Anforderungen an eine lebenswerte und funkti -
onstüchtige Innenstadt wenig Raum lässt. An vielen Samstagen und in der Vorweih-
nachtszeit ist die Innenstadt mit dem Zustrom an Besucherinnen und Besuchern fast
überfordert, was sich insbesondere in Verkehrsstaus, überfüllten Parkhäusern und
überbelegten öffentlichen Räumen zeigt. Die Dominanz der Einkaufsstadt bringt die
Innenstadt zunehmend in eine Schieflage. Genau dies war auch T enor vieler Äuße -
23
rungen in den Schlüsselpersonengesprächen, von denen illustrativ einige genannt
sein sollen:
• »Die Altstadt ist nur noch für die Schönen und Reichen da.«
• »Die Stadt ist, wenn es um die Innenstadt geht, wohl an der Grenze der Auf -
nahmekapazität.«
• »Die Innenstadt ist die der Kunden und Kundinnen und nicht der Bürgerin -
nen und Bürger.«
• »In der Innenstadt ist der Aufenthalt ohne Konsum kaum möglich.«
EIN PERSPEKTIVWECHSEL IST BEREITS EINGELEITET ...
Man muss der Stadt Münster mehr als zugute halten, dass im Verbund mit innen -
stadtrelevanten Akteuren permanent an der Stabilisierung und Attraktivitätssteige -
rung der Altstadt und angrenzender Lagen gearbeitet wird. Und es ist auch Ziel,
möglichen Gefährdungen der Innenstadt frühzeitig durch neue konzeptionelle Aus -
richtungen zu begegnen. So werden beispielsweise die allgemeinen T rends in den
Blick genommen, wie den »Wandel im Handel«, der eine Unsicherheit bezüglich
der Rolle, der Versorgungsqualität und des Erscheinungsbildes der zukünftigen In -
nenstadt Münsters bewirkt. Ebenso werden aber auch kleinräumige Gewichtsverlage-
rungen innerhalb der Innenstadt registriert, wie Attraktivitätsverluste im Nordwesten
der Altstadt (wie Kiepenkerlviertel, Kuhviertel) zugunsten des Südostens durch die
Anziehungskraft der durch Neubauprojekte aufgewerteten dortigen Bereiche.1
Von den zahlreichen städtischen Aktivitäten seien nur einige kurz skizziert:
Jede Innenstadtentwicklung ist eine Gemeinschaftsaufgabe, die wegen der Bedeu -
tung des Zentrums für die Gesamtstadt und die Region des engen Schulterschlusses
aller relevanten Akteure bedarf. Die Stadt Münster kooperiert deshalb seit 2006 eng
mit der »Initiative starke Innenstadt« 2, einem Bündnis aus Akteuren und unterneh -
merischen Persönlichkeiten aus Handel, Dienstleistung, Gastronomie und Immobi -
lieneigentum, das sich zur Aufgabe gemacht hat, innerstädtische Projekte zur Förde-
rung einer attraktiven Innenstadt umzusetzen.
Mit dem Programm »Aktive Stadt- und Ortsteilzentren« (2016) 3 resp. dem hieraus
geförderten »Integrierten Handlungskonzept« wird die räumliche Verknüpfung der
Altstadt mit dem Bahnhofsviertel und den Handelslagen an den Einfallstraßen, Wa -
rendorfer Straße, Wolbecker Straße und Hammer Straße gesucht. Die Projektschwer-
punkte liegen in den klassischen Handlungsfeldern der Stadtplanung und reichen
von der Umgestaltung öffentlicher Räume und der Entwicklung neuer Wegebezie -
hungen und Verflechtungen bis hin zu Baulückenschließungen und Förderungen
zukunftsweisender Architektur.
Diese vorwiegend räumlich und gestalterisch ausgerichteten Maßnahmen gehen ein-
her mit der Entwicklung des Bahnhofsviertels 4, bei der die Aufwertung der Ostseite
eine besondere Rolle spielt, um die Verknüpfungen mit dem Hafenareal herzustellen.
Dies korrespondiert dann folgerichtig mit dem Masterplan Stadthäfen (2011) 5, der
Leitthema: Innenstadt ist mehr...
1 Stadt Münster (2016): Integriertes
Handlungskonzept »Aktive Stadt- und
Ortsteilzentren, S. 14«
2 Initiative starke Innenstadt (IsI) Müns-
ter e.V . (2020)
3 BMI: Städtebauförderung (2019):
Münster - Innenstadt
4 ebd.
5 Stadt Münster (2012): Aktualisierung-
Masterplan Stadthäfen Münster
24
ISEK Münster 2030 | Baustein C: Zehn Leitthemen für Münster
eine Fortsetzung nach Süden finden soll.
Die Programme und Konzepte der jüngeren Zeit zielen beinahe allesamt auf einen
erweiterten Handlungsraum der Innenstadt ab, in dem die funktionalen Wirkungs -
zusammenhänge und räumlichen Verflechtungen mit den benachbarten Quartieren
der Altstadt zum Thema werden.
LEITTHEMEN-VORSCHLAG:
INNENSTADT IST MEHR ... – EINE WEITERGEFASSTE PERSPEKTIVE
Heute ist noch eine besondere Qualität der Münsteraner Innenstadt ihre Vielfalt. Es
sind jenseits des Prinzipalmarktes und der Ludgeristraße neue Lauflagen und Verbin-
dungen entstanden. Die Möglichkeit, in der Innenstadt auf kurzem Weg von ruhigen
zu belebten Räumen wechseln zu können, ist ein besonderer stadträumlicher Reiz.
Dadurch geraten auch Nebenlagen in den Blick. Dieses Angebot stadträumlicher und
funktionaler Vielfalt lässt sich deutlich erweitern, wenn die benachbarten Quartiere
der Innenstadt mit einbezogen werden. Die unmittelbare Nähe von Altstadt, Bahn -
hofsbereich, Hafen auf der einen Seite und Universität und Aasee auf der anderen
Seite bietet den Perspektivwechsel auf einen erweiterten Handlungsraum »Innere
Stadt«A an. Es gibt nur wenige Städte, in denen beispielsweise der Hafen so nah an
der Altstadt liegt und eine andere Szenerie großstädtischen Lebens eröffnet. Der Ein-
bezug von Stadträumen, die jeweils ein eigenes Profil und eine eigene Entwicklungs-
dynamik besitzen, kann aber nur wirksam werden, wenn die Verflechtungen und
Wegebeziehungen attraktiv sind.
In ähnlicher Weise ergeben sich auch aus der zusammenhängenden Betrachtung al-
ler Einkaufs- und Gastronomielagen der inneren Stadt, der A- und B-Lagen der Alt -
stadt, der Lagen rund um den Bahnhof und entlang des Hafenbeckens und der Lagen
an den innerstädtischen Ausfallstraßen neue Synergien und zugleich Entlastungspo-
tenziale. Es gilt aber auch, die Wohnquartiere der inneren Stadt mit einzubeziehen.
Rund zwei Fünftel der Münsteraner Bevölkerung wohnen in der inneren Stadt. Für
sie sind die zentralen Lagen auch Alltagsräume, die die Nahversorgung sicherstellen
und ohne Kommerz nutzbar sein müssen.
So ist der vielfach geäußerten Sorge, wie sich die Innenstadt in Zukunft entwickelt, ob
sie weiter an Vielfalt im Besatz von Geschäften, in den Wohnformen, im kulturellen
Leben und in der Nutzbarkeit der öffentlichen Räume einbüßt, durch eine räumlich
und funktional erweiterte Perspektive zu begegnen. Der Wunsch nach Perspektiv -
wechsel kommt am ehesten in der Aussage »Nicht nur innerhalb des Promenaden -
rings denken!« zum Ausdruck.
A Die „innere Stadt“ umfasste im weiteren
Sinne die verdichteten Siedlungsbereiche
des Stadtbezirks Mitte, ggf. zuzüglich des
Stadtteils Sentrup - im engeren Sinne die
Bereiche innerhalb des Rings.
25
Abbildung 1:
Innenstadt als Alltagsort
Die Innenstadt stellt im Alltag der Bevölkerung einen zentralen Raum dar. Die Karte zeigt die
Verortung der sozialen Infrastruktur (Kitas, Grund-, Haupt-, Real- und Gesamtschule, Gymnasien,
Berufskollegs) sowie zentrale Radrouten und ÖPNV-/SPNV- Kontenpunkte.
Leitthema: Innenstadt ist mehr...
Kitas
Gesamtschulen
Hauptschulen
Gymnasien
Realschulen
Grundschulen
Berufskolleg
ÖPNV-Knotenpunkte
SPNV-Knotenpunkte
Radrouten
Stand: Februar 2019
26
ISEK Münster 2030 | Baustein C: Zehn Leitthemen für Münster
»Münstersche Stadt-Landschaft –
Siedlung und Freiraum in der Balance«
STADT-LANDSCHAFT MÜNSTER – EIN ALLEINSTELLUNGSMERKMAL
Schon das Luftbild zeigt, was mit der Flächenstatistik eindrucksvoll belegt wird: Das
Gebiet der Stadt Münster ist überwiegend »grün«, also vegetationsgeprägt. Landwirt-
schaftliche und Waldflächen machen einen Anteil von 64 % aus. Das ist im Vergleich
zu anderen Städten – in Bremen beträgt der entsprechende Anteil 32 %, in Duisburg
27 %, in München A 19 % – ein herausragender Wert. Richtet man den Blick auf die
Siedlungsflächen (Gebäude und zugehörige Freiräume) wird das reziproke Bild deut-
lich: Münster 19 %, Bremen 35 %, Duisburg 36 %, München 44 %.1
Diesseits der Zahlen wird deutlich: Das Münsterland ragt weit in die Stadt hinein,
womit auch die landwirtschaftliche Nutzung eine große Bedeutung erhält. Aus der In-
neren Stadt herausgehend oder -fahrend erreicht man schnell die offene Landschaft,
ohne die Grenzen der Stadt überschreiten zu müssen. Zudem sind auch weite T eile
der Siedlungsbereiche durch Grün- und Freiräume strukturiert (von denen der Pro -
menadenring nur ein besonders herausragender Ausschnitt ist).
Diese Verzahnung von Stadt und Landschaft, von Siedlungs- und Freiraum, von
Landschaftsräumen und Stadtquartieren ist zweifellos ein Alleinstellungsmerkmal
Münsters. Das sehen auch die Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt so. Wenn in
Interviews und Gruppengesprächen nach den Stärken Münsters gefragt wurde, dann
stand »Grün« stets im Vordergrund. Einige Zitate illustrieren das:
• »Besonders gut an Münster gefällt mir die Nähe von Stadt und Land«
• »die ländliche Umgebung«
• »leichte Erreichbarkeit des Erholungsraums Münsterländische Parklandschaft.«
• »In Münster gibt es eine schnelle Zugänglichkeit zum Grünen und trotzdem das
Gefühl von Großstadt.«
• »Die Qualität liegt im schnellen Zugang zu dezentralen Grünräumen in der
Stadt.«
• Und auch darauf wurde verwiesen: »Die gute Grünordnung seit den 70er Jah-
ren nimmt uns viele Klimaprobleme, mit denen andere Städte bereits zu kämp-
fen haben.«
A Für München ist jedoch ein großer An -
teil entsprechend gewidmeter Erholungs-
flächen (16% gegenüber 4% in Münster)
zu berücksichtigen.
1 Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und
Raumforschung (Hrsg.) (2017): Hand -
lungsziele für Stadtgrün und deren empi-
rische Evidenz
Abbildung 1:
Exemplarischer Grünraum Münster
Handorf
Abbildung 2:
Exemplarischer Grünraum Münster
Berg Fidel
27
Leitthema: Münstersche Stadt-Landschaft
SIEDLUNGS- UND FREIRAUMENTWICKLUNG IM KONFLIKT?
In vielen Städten Deutschlands, deren Bevölkerung deutlich wächst, geraten die woh-
nungspolitischen und sozialen Ziele mit den klimapolitischen und ökologischen Ziel-
setzungen in Konflikt. Dabei besteht die Gefahr, dass der akute Handlungsdruck an
den Wohnungsmärkten sich auf Freiräume richtet, deren Erhalt bislang, als geboten
angesehen wurde. Das kann sowohl zu Blockaden als auch zu einem Flickenteppich
von Einzelentscheidungen führen.
Auch Münster wächst. Auch hier ist man bemüht, der Überhitzung des Wohnungs -
marktes entgegen zu wirken und hat daher ein umfassendes, über das Jahr 2025
hinaus reichendes Baulandprogramm auf den Weg gebracht2 (vgl. dazu auch unsere
Darstellung zum Leitthema »Leistbares Wohnen«). Das bezieht sich sowohl auf Flä -
chen im Innenbereich wie auf Arrondierungen am Stadtrand. Auch hier ist dann zu
fragen, nach welchen Kriterien und auf welcher planerischen Grundlage eine verträg-
liche Freiraum- und Siedlungsentwicklung gestaltet werden kann.
Diese Herausforderung wurde auch in unseren Interviews und Befragungen thema -
tisiert. So hieß es etwa:
• »Es gibt in Münster einen gigantischen Konkurrenzkampf um die Fläche.«
• »Wenn man bei dem Wachstum nicht ganz genau aufpasst, wird man das
wertvolle Erbe Münsters zerstören.«
• »Wir wollen alle keine Zersiedlung, sondern den Freiraum achten sowie die
Grünordnung und die landwirtschaftlichen Flächen schützen. Gleichzeitig
will aber niemand nachverdichten und nicht jeden freien Fleck zubauen.«
• »Die Grünordnung bräuchte mal eine Auffrischung – auch im Bewusstsein
der Menschen. Die Grünräume sind keine Selbstverständlichkeit, man muss
sie aktiv schützen.«
Mit dem letzten Zitat wird darauf verwiesen, dass es in Münster sehr wohl umfassen-
de Planungsgrundlagen für die Landschafts- und Freiraumentwicklung gibt – vom
Freiraumkonzept3 bis zu zahlreichen besonders geschützten Landschafts- und Natur-
räumen.4 Und nicht zuletzt gibt es klare Ziele zum sparsamen Umgang mit Grund
und Boden – etwa im Zielsystem der Global nachhaltigen Kommune, wo der »Erhalt
der natürlichen Lebensgrundlagen« eine gewichtige Rolle spielt (vgl. etwa das stra -
tegische Entwicklungsziel 2.1). 5 Diese Bemühungen wurden schon früh anerkannt,
schließlich wurde Münster als flächensparende Kommune zertifiziert.
Aber die bisherigen Planwerke und Beschlüsse nehmen noch nicht Bezug auf die ak-
tuellen Entwicklungen – etwa im Rahmen des Baulandprogramms. Daher erscheint
eine korrespondierende Betrachtung der Freiräume unter Fortschreibung der planeri-
schen Grundlagen geboten, um beides – Siedlungs- und Freiflächenentwicklung – in
Balance zu bringen.
3 Stadt Münster (2012): Grünordnung
Münster
4 Stadt Münster (2019): Jahresstatistik
Gesundheit
5 Stadt Münster (2017): Zielekatalog
GNK
2 Stadt Münster (2017): Baulandpro-
gramm 2017 - 2025
28
ISEK Münster 2030 | Baustein C: Zehn Leitthemen für Münster
LEITTHEMEN-VORSCHLAG:
MÜNSTERSCHE STADT-LANDSCHAFT –
SIEDLUNG UND FREIRAUM IN DER BALANCE
In den letzten Jahrzehnten hat sich in der Fachwelt die Auffassung durchgesetzt, dass
Freiräume nicht als »Rest«, sondern als wichtiger Baustein der Stadtentwicklung zu
verstehen sind. Das hat sich in gewisser Weise auch unter den aktuellen Bedingungen
wachsender Städte bestätigt. Denn dort, wo lediglich Freiräume für Neubau in An -
spruch genommen wurden, ohne entsprechende Kompensationen zu schaffen, war
und ist die Gefahr, dass Konflikte und Blockaden entstehen, besonders groß. Daher
gilt es auch, die Entwicklung der wachsenden Stadt vom Freiraum her zu denken,
Zusammenhänge zu sehen bzw. herzustellen, Nutzbarkeit zu verbessern, Prioritäten
zu setzen – um nicht vermeidbaren Flächenverlusten Qualitätsverbesserungen ge -
genüberstellen zu können.
Ein solcher Ansatz ist auch in Münster nicht neu, denn schon im Handlungspro -
gramm Flächensparende Entwicklung (2014) wurde u.a. die »Erstellung eines inte -
grierten raumfunktionalen Gesamtkonzeptes zur Weiterentwicklung der Siedlungs -
struktur« gefordert.6
Für die Entwicklung eines solchen – Freiraum- und Siedlungsentwicklung im Zu -
sammenhang betrachtenden – Konzeptes ist die Einbeziehung aller Flächennutzer
von Bedeutung. Das gilt in Münster in besonderer Weise für die Landwirtschaft. Auf
deren Seite gibt es, wie sich in unseren Interviews zeigte, durchaus Kooperationsbe -
reitschaft: »Die Landwirte akzeptieren, dass eine wachsende Stadt Fläche braucht.
Darin besteht ein Konsens. Die Kontroverse liegt in den Fragen: Wo? Welche Flächen?
In welchem Ausmaß? – Verlässliche Angaben über zukünftige Flächenverbräuche
und -entwicklungen werden gebraucht«.
Auch das Leitthema »Münstersche Stadt-Landschaft – Siedlung und Freiraum in der
Balance« weist zahlreiche Bezüge zu verschiedenen Handlungsfeldern auf und bedarf
insofern integrierter Bearbeitung. Das gilt – neben der Entwicklung der Siedlungsflä-
chen – für die Rolle der (urbanen) Landwirtschaft, für Natur- und Landschaftsschutz,
Klimapolitik, Freizeit, Sport und Erholung, für Mobilität etc.
Insofern liegt es auch nahe, dass Fragen der Balance von Freiraum- und Siedlungs -
entwicklung auch in anderen Leitthemen aufzugreifen sind – z.B. unter »Vielfalt
der Stadtteile«, »Leistbares Wohnen«, bei den »Urbanen Wissensquartieren« oder
(denn Landschafts- und Siedlungsentwicklung machen an der Stadtgrenze nicht halt)
»Münster und seinen Nachbarn«.
6 Stadt Münster (2014): Handlungspro -
gramm Flächensparende Entwicklung,
S. 24
29
Abbildung 3:
Stadtgebiet mit Siedlungs- und Freiraumstruktur
Der Blick auf die Karte verdeutlicht die enge Verzahnung der Siedlungs- und Freiraumstruktur im
Stadtgebiet Münsters. Neben großen Grünflächen ist die Freiraumstruktur in erster Linie durch
landwirtschaftliche Nutzung geprägt.
Leitthema: Münstersche Stadt-Landschaft
Grünfläche (Freizeit & Erholung)
Waldfläche
landwirtschaftlich genutzte Fläche
Siedlungsfläche
Stand: Februar 2019
30
ISEK Münster 2030 | Baustein C: Zehn Leitthemen für Münster
»Leistbares Wohnen – Strategien für Neubau und Bestand«
WOHNEN IN MÜNSTER – EIN THEMA MIT BESONDERER BRISANZ
Das Thema Wohnen wird in Münster – wie in allen wachsenden Städten Deutschlands
– von Knappheit beherrscht. Auf das Bevölkerungswachstum erfolgte eine verzögerte
Antwort von Markt und Planung. Die Folgen sind auf allen T eilmärkten deutlich zu
spüren – bei Miet- und Eigentumswohnungen ebenso wie bei Einfamilienhäusern.
Zugleich verteuerte sich das Bauland – auch im engeren Umland Münsters –
deutlich, so dass auch der Grundstückserwerb zunehmend schwieriger wurde und
für bestimmte Einkommensgruppen nicht mehr erschwinglich ist.
Im jüngsten Grundstücksmarktbericht der Stadt Münster wird der mittlere Preisan -
stieg für Grundstücke pro Jahr (2008-2017) mit 12 % angegeben.1 Die mittleren Kauf-
preise für Wohnimmobilien entwickelten sich im gleichen Zeitraum nach Daten der
Wirtschaftsförderung Münster2 in sehr ähnlicher Höhe (ca. 11 %). Im Mietwohnungs-
segment stiegen die mittleren Mieten im Bestand von 6,80 €/m2 (2008) auf 9,50 €/
m2 (2017), bei Erstbezug von Neubauten von 8,30 €/m2 (2008) auf 11,30 €/m2 (2017).
Daraus ergeben sich nicht nur unmittelbar Probleme für Grundstücks- und Woh -
nungssuchende. Es entstehen auch mittelbare Probleme – z.B. für Arbeitgeber, de -
ren Beschäftigte keine Wohnungen in der Stadt finden oder ins Umland ausweichen
müssen. Das wiederum führt zur Zunahme von z.B. Pendlerverkehren, die auch vor
dem Hintergrund ehrgeiziger Klimaziele kontraproduktiv wirken.
Die Brisanz dieses Themas wurde im Rahmen unserer Gruppengespräche und Inter-
views auf vielfache Weise beschrieben:
• »Münster muss man sich leisten können.«
• »Wer eine Wohnung hat, zieht nicht aus, wer keine hat, findet kaum bezahl -
bare.«
• »Viele Menschen müssen außerhalb leben, damit die Balance der Ausgaben
zum Wohnen und Leben noch stimmt.«
• »Das große Risiko ist, dass die diejenigen, die hier arbeiten, keine Chance ha-
ben, hier auch zu wohnen.«
Abbildung 1:
Wohnhaus Münster Berg Fidel
Abbildung 2:
Städtebaulicher Entwurf der York-
Kaserne in Gremmendorf (Lorenzen Ar -
chitekten und Atelier Loidl)
1 Der Gutachterausschuss für Grund -
stückswerte in der Stadt Münster (Hrsg.)
(2018): Grundstücksmarktbericht 2019,
S. 27
2 Wirtschaftsförderung Münster (2019):
Kauf- und Mietpreise
31
PROBLEM ERKANNT! PROBLEM GEBANNT?
Bereits im Jahr 2013 konnten mit einem Gutachten 3 wesentliche Grundlagen für die
Neuorientierung von Wohnungs(bau)- und Baulandpolitik in Münster gelegt werden.
Seither wurden ein – verschiedene Module umfassendes – Kommunales Handlungs-
konzept Wohnen4 und ein Baulandprogramm 5 (aktuelle Zielzahl 2000 WE/Jahr) be -
schlossen und mit der Umsetzung begonnen. Der Prozess wird vom Arbeitskreis Woh-
nen in Münster und dem von ihm begründeten »Bündnis für Wohnen« begleitet.6
Die aktuellen Schwerpunkte liegen bei der Sicherstellung und Entwicklung eines aus-
reichenden Bauland-Reservoirs und der gezielten Förderung des Wohnungsneubaus.
Dabei bedient man sich eines umfassenden Instrumentariums, um der Stadt möglichst
weitgehende Handlungsmöglichkeiten zu sichern: Grundstückserwerb durch die Kom-
mune (im Rahmen der »Sozialgerechten Bodennutzung in Münster« SoBoMü), Ver-
pflichtung zu mindestens 30 % öffentlich geförderten Wohnungsbaus, Konzeptvergabe
mit dem Ziel, vorrangig an Investoren zu verkaufen, die günstige Mieten gewährleisten
und Weiteres.
Für die nächsten Jahre stehen vor allem die Konversionsgelände mit einem großen Flä-
chenreservoir (1100 WE Oxford und 1800 York) zur Verfügung. Darüber hinaus wurde
vom Rat der Stadt im Jahr 2018 das bereits bestehende Baulandprogramm mit den
Ergebnissen der »Planungswerkstatt 2030«7 über 2025 hinaus erweitert.8
Damit wird das Problem des bislang zu geringen Neubauvolumens auf breiter Basis an-
gegangen. Allerdings werden sich für den Wohnungsmarkt entspannende Wirkungen
nicht kurzfristig einstellen können. Wie auch in der aktuellen wohnungspolitischen
Diskussion auf Bundesebene festgestellt wird, sind die Zeiträume von der Baulandbe-
reitstellung bis zur Baufertigstellung erheblich. Die Ursachen hierfür sind vielfältig und
lassen sich auf kommunaler Ebene nur bedingt verändern. Zudem erreichen Auswei-
tungen der Neubauquoten vor allem mittlere und höhere Einkommensgruppen. Die
öffentliche Förderung des Wohnungsbaus ändert daran nur wenig. Daher hieß es be-
reits in dem Münsteraner Gutachten von 2013: »Geförderte Neubauwohnungen bieten
relativ hochwertige Wohnqualitäten, spielen zahlenmäßig aber nur eine sehr geringe
Rolle. Sie reichen nicht aus, um alle Bedürftigen mit Wohnraum zu versorgen. {...} Das
Segment des preiswerten Wohnens muss gesichert werden«. Dies gilt umso mehr, da
laufend bislang sozial gewidmete Wohnungen aus den Bindungen herausfallen oder
noch preiswerter Bestand durch Modernisierung und/oder Umwandlung von Miet- in
Eigentumswohnungen verloren geht.
2
PLANUNGSWERKSTATT 2030
ÖFFENTLICHES FORUM
AM 1. MÄRZ 2017
DOKUMENTATION
Unterzeichnet in Münster am 19. April 2016 2
Leitthema: Leistbares Wohnen
Abbildung 3:
Planungswerkstatt 2030
Abbildung 4:
Bündnis für Wohnen
3 empirica (2013): Vorbereitung eines
Kommunalen Handlungskonzepts
Wohnen für die Stadt Münster
4 Stadt Münster (Hrsg.) (2014): Hand-
lungskonzept Wohnen
5 Stadt Münster (2019): Baulandpro-
gramm 2019 - 2025/2030
6 Stadt Münster (2016): Bündnis für
Wohnen
7 Stadt Münster (2017): Planungswerk-
statt 2030
8 Stadt Münster (2019): Baulandent-
wicklung
32
ISEK Münster 2030 | Baustein C: Zehn Leitthemen für Münster
LEITTHEMEN-VORSCHLAG:
LEISTBARES WOHNEN – STRATEGIEN FÜR NEUBAU UND BESTAND
Daher erscheint es aus unserer Sicht naheliegend, die bereits in der bisherigen woh -
nungspolitischen Agenda für Münster immer wieder thematisierte »Konzeption zur
Sicherung von Preis- und Belegungsbindungen im preiswerten Wohnungsbestand«
zu aktivieren und ergänzend zu dem breit angelegten Bauland- und Neubaupro -
gramm auch das vorhandene Instrumentarium zur Bestandssicherung einzusetzen.
Auch hiervon wird man keine überall durchschlagenden und sofort eintretenden
Wirkungen erwarten können. Aber man sollte nichts unversucht lassen, um insbe -
sondere die unteren Einkommensgruppen zu unterstützen. Denn hier geht es nicht
»nur« um Wohnungsversorgung, sondern auch um Fragen sozialer Polarisierung
und Segregation. Beides Themen, die auch in der Stadtöffentlichkeit mit besonderer
Aufmerksamkeit beobachtet werden – und die deutlich machen, dass es sich hier in
besonderer Weise um eine Aufgabe handelt, die »integrierter« Betrachtung bedarf.
Das ist auch der Grund, warum wir den Begriff des »leistbaren« Wohnens aus Wien
entlehnt haben: Wird mit ihm doch zum Ausdruck gebracht, dass es nicht nur um die
reinen Wohnkosten geht, sondern auch um Mobilitätsaufwand, Nahversorgung etc.
Eine solche Betrachtungsweise scheint darüber hinaus dem ausgeprägt stadtteilspe -
zifischen Entwicklungskonzept Münsters zu entsprechen.
Insofern ist »Wohnen« auch ein Querschnittsthema, das in anderen Leitthemen eben-
falls zu behandeln ist: Das gilt – neben den bereits genannten (Sozialer Zusammen -
halt, Vielfalt der Stadtteile) – auch für die Wissenschaftsquartiere, die Perspektiven
für die Innere Stadt, die Balance der Stadt-Landschaft sowie für die Stadtverträgliche
Mobilität.
Die Aspekte, die es bei der Bearbeitung zu integrieren gilt, sind u.a. folgende: demo -
grafischer Wandel, soziale Polarisierung, Segregation, Aufwertungsprozesse, Erhalt
preiswerter Wohnungsbestände, geförderter Wohnungsbau und Konzeptvergabe,
Baulandentwicklung und Freiraumentwicklung.
33
»Facetten ökonomischer Stärke –
Impulse für die wirtschaftliche Entwicklung«
VOM »SCHREIBTISCH WESTFALENS« ZUM »TAUSENDFÜSSLER«?
Die Frage nach der wirtschaftlichen Basis ist für alle Überlegungen zur Stadtentwick-
lung von elementarer Bedeutung. Das gilt selbstverständlich auch für Münster. Al -
lerdings wurde uns in den Interviews (Baustein B unserer Berichterstattung zum In-
tegrierten Stadtentwicklungskonzept) signalisiert, dass in Münster viel zu selten die
Frage gestellt werde, »Wovon leben wir?« und »Wovon werden wir morgen leben?«.
Das liege daran, dass es der Stadt »zu gut geht« und viele wie selbstverständlich davon
ausgingen, dass das auch weiterhin so sein werde.
In der T at steht Münster im Vergleich zu vielen anderen Städten ähnlicher Größen -
ordnung wirtschaftlich gut dar. Aber nicht nur aus dieser aktuellen Situation resultiert
das Gefühl, dass man sich der Frage, wovon die Stadt und die Menschen in ihr le -
ben, nicht mit gleicher Dringlichkeit stellen müsse wie andernorts. Das wurzelt tiefer:
Schon durch die Lage an wichtigen Handelsrouten wuchs Münster früh eine Rolle
als wichtiger (Handels-)Standort zu. Spätestens mit der Übernahme der Rolle einer
Provinzialhauptstadt für die Provinz Westfalen (ab dem Jahr 1815), die zugleich die
Verwaltung des Regierungsbezirks Münster beheimatete, erlangte die Stadt zudem
den Ruf »Schreibtisch Westfalens« zu sein.
Weiterhin ist es die vielgestaltige Hochschullandschaft der Stadt, die sich nach frü -
hem Beginn (bereits um 1590) im 20. Jahrhundert zu voller Blüte entfaltete und aus
der heute die Westfälische Wilhelms-Universität (WWU) als eine der größten Hoch -
schulen Deutschlands herausragt, die auch die wirtschaftliche Basis Münsters we -
sentlich prägt.
Münster ist darüber hinaus ein Zentrum der Finanz- und Versicherungsbranche mit
Sitz verschiedener Unternehmenszentralen aus diesem Wirtschaftsbereich.
Die industrielle und gewerbliche Seite der Stadt tritt gegenüber diesen dominanten
Sektoren weniger in Erscheinung, wenngleich Industrie und Gewerbe in nicht zu
unterschätzendem Umfang Marktführer in ihren Reihen haben und umfangreiche
vorgelagerte und nachfolgende Dienstleistungen mit sich bringen.
Und nicht zuletzt ist die Landwirtschaft zu nennen, deren Beitrag zur Wirtschafts -
leistung zwar relativ gering sein mag, die aber in der Fläche einen großen Anteil des
Stadtgebietes einnimmt und sowohl zur landschaftlichen Prägung wie zum ökologi -
schen Profil der Stadt einen nicht unerheblichen Beitrag leistet.
Mit Blick auf diese breite und vielgestaltige Wirtschaftsbasis der Stadt ist auch ge -
legentlich von einem »T ausendfüßler« die Rede: »wirtschaftsstrukturell nicht aufre -
gend, aber ungemein stabil«11 Thomas Robbers und Christian Sorge
(2011): Wirtschafts- und Erwerbsstruktur
im Überblick, S. 246
Leitthema: Facetten ökonomischer Stärke
34
ISEK Münster 2030 | Baustein C: Zehn Leitthemen für Münster
Dieses wirtschaftliche Profil der Stadt soll noch durch einige Schlaglichter weiter er -
hellt werden:
• Handel: Einkaufen in Münster ist mehr als eine Erledigung. Neben dem ohnehin
relativ großen Einzugsbereich entwickelt das Einkaufserlebnis in der Innenstadt
bis ins nördliche Ruhrgebiet und in die Niederlande hinein eine große Sogkraft.
Die wesentlichen Kennziffern sprechen ihre eigene Sprache: Der Einzelhandels -
kaufkraftindex liegt bei 106,2 (2017) und die Einzelhandelszentralität bei 132,0
(2017)2. Dies sind mit die höchsten Werte für deutsche Städte, ausgenommen die
großen Metropolen. Gut ein Drittel der gesamtstädtischen Verkaufsfläche kon -
zentriert sich in der Innenstadt in einer attraktiven städtebaulichen Atmosphäre.3
Die vergleichsweise hohe Zahl an T agestouristen mit rund 20 Mio. Besuchen/
Jahr ist ein weiteres Indiz für die Attraktivität Münsters als Einkaufs- und Erleb -
nisstadt.
• Eine ähnliche wirtschaftliche Dominanz besitzen die Universität, die weiteren
Hochschulen und Bildungseinrichtungen, die traditionell neben den Verwaltun -
gen die größten Arbeitgeber sind. Allein die WWU Münster ist mit rund 45.400
Studierenden und rund 7.200 hauptamtlich Bediensteten bei einem Haushalt von
über 640 Millionen Euro (2017) 5 zudem in der Rolle als Auftraggeberin für Pro -
dukte und Dienstleistungen und indirekt als Impulsgeberin auf dem Wohnungs-
markt ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor der Stadt. Das wird noch dadurch un-
terstrichen, dass wissenschaftliche Entwicklung auch ein T reiber wirtschaftlicher
Aktivitäten sein kann. Zusammenfassend heißt es daher auf den Internetseiten
der Wirtschaftsförderung Münster: »Die Wissenschaft ist der größte Arbeitgeber
in unserer Stadt. Und die Wirtschaft entwickelt sich in genau den Feldern beson-
ders dynamisch, wo die Wissenschaft besonders stark ist«.6
• Der industriell-gewerbliche Bereich ist nicht von einigen wenigen großen Unter-
nehmen bzw. Arbeitgebern geprägt. Vielmehr macht gerade im Dienstleistungs-,
im Handels- wie im Gewerbesektor eine Vielzahl von klein- und mittelständi -
schen Unternehmen das Gros der Wirtschaft aus. Auch aus diesem Grund ist
gelegentlich vom »T ausendfüßler« die Rede.
• Auch die Landwirtschaft, die 46 % der Stadtfläche prägt (355 Betriebe, 13.224 ha
Gesamtfläche)7, ist eine wichtige Auftraggeberin für Betriebsmittel, Investitions -
güter und Vorprodukte und sie bestellt insbesondere auch aufgrund der zuneh -
menden Digitalisierung des Agrarbereichs immer mehr Dienstleistungen. Ein
Augenmerk ist dabei auch auf die Rolle als lokale Nahrungsmittelproduzentin zu
werfen. Die zunehmende Zahl von Hofläden drückt dies aus, die im übrigen auch
für den Münsterland-T ourismus von Bedeutung sind.
• Und nicht zuletzt liegt Münster mit einer aktuellen Arbeitslosenquote (Juli 2019)
von 4,6 % – bei 164.098 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten – deutlich
unterhalb der Quoten in den benachbarten Großstädten Bielefeld und Osnabrück
und unter dem Landesdurchschnitt in Nordrhein-Westfalen.8
2 Wirtschaftsförderung Münster (2017):
Der Handelsstandort Münster 2017
3 Stadt Münster (2018): Fortschreibung
des Einzelhandels- und Zentrenkonzepts
für die Stadt Münster
5 WWU Münster (2019): Zahlen und Fak -
ten
4 Wirtschaftsförderung Münster (2019):
Einwohner und T ouristen
6 Wirtschaftsförderung Münster (2019):
Profil der Stadt
7 Stadt Münster (2015): Klimaanpas -
sungskonzept
8 Jobcenter der Stadt Münster (Hrsg.)
(2017): Arbeitsmarkt- und Integrations -
programm 2018
35
Auch in unseren Schlüsselpersonen-Interviews herrschte eine positive Einschätzung
der Situation.
• »Die Wirtschaft ist gut aufgestellt, sie ist stabil. Selbst Strukturprobleme ein -
zelner Branchen können dem nicht allzu viel anhaben.«
Zugleich aber wurden mit Blick auf die Zukunft Fragen gestellt und Herausforderun-
gen benannt (von denen im Folgenden die Rede sein soll):
• »Das Thema Wirtschaft hat in Münster keine Akzeptanz in der bürgerlichen
Wahrnehmung. Ob es der Wirtschaft gut geht oder nicht, spielt keine Rolle,
das Leben geht weiter – selbst wenn ein großes Unternehmen einmal wegfal -
len würde. Daher werden in Münster viele Entscheidungen ohne wirtschaftli -
che Betrachtung getroffen«.
• »Was macht die Digitalisierung mit Münster?«, »Werden die Studierenden
noch zur Universität kommen?«, »Wie viele Arbeitsplätze werden wir – z.B.
bei Finanzinstituten und Versicherungen – verlieren?«
• »Was wird aus dem Handel in der Innenstadt?«, »Führt der Online-Handel
und der Abbau von Zweigstellen zu abnehmender Versorgungsqualität in den
Stadtteilzentren?«
AKTUELLE UND ZUKÜNFTIGE HERAUSFORDERUNGEN
Gefragt nach aktuellen Problemen wurden der (immer deutlicher werdende) Fach -
kräftemangel und vor allem die Situation am Wohnungsmarkt benannt: Sie betreffe
vor allem Arbeitskräfte in unteren Einkommensgruppen, »die sich diese Stadt ein -
fach nicht mehr leisten können«. Das könne sich schon bald zu einem negativen
Standortfaktor auswachsen.
Auch sei, so hieß es, das »Arbeitgeberspektrum nicht gespreizt genug«, um etwa
den Absolventinnen und Absolventen der Hochschulen ausreichend Perspektiven in
Münster bieten zu können. Zugleich wurde darauf hingewiesen, dass die Potenziale
des Zusammenwirkens von Hochschulen und Wirtschaft – ausdrücklich wurde auch
das Handwerk erwähnt – noch längst nicht ausgeschöpft seien.
Der ansonsten üblicherweise von der Wirtschaft beklagte Mangel an Flächen für ge -
werbliche Entwicklung in Münster scheint hingegen »zumindest kurzfristig« (wie es
in einem Interview hieß) kein Problem zu sein. Wobei in anderem Zusammenhang
kritisch angemerkt wurde, dass sich »Wirtschaftsförderung nicht in Flächenbereit -
stellung erschöpfen« könne. Allerdings wirke sich, so hieß es mehrfach, die »Über -
hitzung« am Immobilienmarkt auch auf gewerbliche Mieten aus, was insbesondere
für junge Unternehmen ein Problem darstelle.
Aus der gewerblichen Wirtschaft wurde zudem auf eine Art Aufmerksamkeitsde -
fizit in Stadtgesellschaft und Politik hingewiesen: Man beklagte die geringe Wahr -
Leitthema: Facetten ökonomischer Stärke
36
ISEK Münster 2030 | Baustein C: Zehn Leitthemen für Münster
nehmung und Wertschätzung der unternehmerischen Aktivitäten, die im Schatten
der großen Bedeutung, die der Wissenschaft beigemessen werde, nicht angemessen
sichtbar würden.
Auch aus der Landwirtschaft kommen ähnliche Klagen: Obwohl »für das gesamte
Münsterland gilt, dass etwa jeder 8. Arbeitnehmer direkt oder indirekt in der Land -
wirtschaft tätig ist« sei dies in der Stadt kein Thema. »Spricht man mit der Politik
über die Landwirtschaft, so geht es um Umwelt und Ähnliches. Aspekte wie Ernäh -
rungssicherheit, Arbeitskraft und Wirtschaft spielen keine Rolle. Die Landwirtschaft
ist in Münster zu selbstverständlich. Wir würden ja auch satt, selbst wenn es sie nicht
gäbe.«
Während also die aktuelle Situation abgesehen von einigen leichten Eintrübungen po-
sitiv gesehen wird, zeichneten sich für manche Gesprächspartnerinnen und -partner
am Horizont doch mögliche Gefährdungen ab. Drei zukünftige Herausforderungen
wurden insbesondere genannt:
• die Zukunft des Handels – vor allem in der Innenstadt, aber auch in den Neben -
zentren
• der Strukturwandel in der Finanz- und Versicherungswirtschaft
• und – sektorübergreifend – die Auswirkungen der Digitalisierung.
Insbesondere die letztgenannte Entwicklung, die in vielen Branchen schon »weit fort-
geschritten« sei, wurde durchaus nicht nur negativ betrachtet. Aber die langfristigen
Auswirkungen wurden vielfach noch mit Fragezeichen versehen.
LEITTHEMENVORSCHLAG:
FACETTEN ÖKONOMISCHER STÄRKE –
IMPULSE FÜR DIE WIRTSCHAFTLICHE ENTWICKLUNG
Wenn es um die Weiterentwicklung einer diversifizierten, breit angelegten Wirt -
schaftsstruktur für Münster – nach dem Bild des »T ausendfüßlers« geht – sind da -
mit viele Fragen verbunden: Welche Stabilität besitzen die derzeit dominanten Wirt -
schaftssektoren? Welche Akzente sind möglicherweise im Bereich Industrie und
Gewerbe (neu) zu setzen? Welche Veränderungen in der Arbeitswelt, welche neuen
Wirtschaftsfelder kommen für Münster in Betracht? Wie lassen sich weitere T ransfers
und Synergien zwischen Wissenschaft und Wirtschaft organisieren? Welche funktio-
nalen und räumlichen Verflechtungen sind zu beachten? Was bedeutet das für »neue
Arbeitsorte« im Geflecht der Stadt? Wie lässt sich eine solche wirtschaftliche Entwick-
lung in eine – mit Blick auf alle drei Suffizienz-Dimensionen – nachhaltige Stadtent-
wicklung einbetten?
Kurzum: Bei der Auseinandersetzung mit diesem Leitthema geht es darum, die für
die Zukunft bedeutsamen Facetten ökonomischer Stärke und die zur wirtschaftlichen
Weiterentwicklung notwendigen Impulse zu identifizieren und dazu auch das Zu -
sammenwirken der Akteure in den Blick zu nehmen.
Mit einem solchen Ansatz sind auch wesentliche Querbezüge zu anderen Leitthe -
37
men des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes verbunden. Es gilt dies insbeson -
dere für »Innenstadt ist mehr«, »Urbane Wissensquartiere«, »Digitalisierung findet
Stadt«, »Leistbares Wohnen«, »Stadtverträgliche Mobilität« und »Münstersche Stadt-
Landschaft«.
»Stadtverträgliche Mobilität –
Enkeltauglich und leistungsfähig«
STADTVERKEHR NEU DENKEN...
Verkehr war schon immer ein zentrales Thema der Stadtentwicklung. In jüngerer
Zeit aber hat sich das Verständnis dieser Aufgabe gravierend verändert. Das hat vor
allem vier Gründe:
• Früher stand der (Aus-)Bau »harter« Infrastrukturen (v.a. Straßen, Schiene) im
Vordergrund. Heute sind dem enge Grenzen gesetzt und so gewinnen Aspekte
der Organisation von Verkehrsarten innerhalb gegebener Räume und Netze an
Bedeutung.
• T echnologische Veränderungen geben neue Impulse. Das gilt für die Elektrifizie-
rung der Verkehrsmittel, für mögliche Aspekte der Automatisierung des Fahrens
von PKW etc., vor allem aber für die Potenziale der Digitalisierung zur Steuerung
von Verkehrsflüssen, zur Verknüpfung von Verkehrssystemen und so fort.
• Mit der Hinwendung zum Mobilitätsbegriff richtete sich der Blick nicht
mehr vorrangig auf Verkehrsmittel und -wege, sondern auf Bewegung und
Beweglichkeit von Menschen und Waren (aber auch: Dienstleistungen oder
Daten).1 Damit wird u.a. deutlich, dass weniger die Optimierung einzelner
Verkehrsarten (-mittel/-wege) von Bedeutung ist, als deren sinnvolle Verknüpfung.
Das lässt sich inzwischen insbesondere in verstädterten Räumen auch schon am
Mobilitätsverhalten der dort lebenden Menschen ablesen.2
• Von ganz zentraler Bedeutung für den neuen Blick auf Mobilität ist jedoch die
Umweltrelevanz der Verkehre. Der Vermeidung von schädlichen Emissionen
kommt insbesondere mit Blick auf den Klimaschutz größte Bedeutung zu. Und
Maßnahmen für bessere Luftqualität und weniger Lärmemissionen sind auch –
unmittelbar erfahrbar – für die Lebensqualität in den Städten von Bedeutung.
Leitthema: Stadtverträgliche Mobilität
1 Land Brandenburg (2019): Was bedeu-
tet Mobilität?
2 Bundesministerium für Verkehr und
digitale Infrastruktur (2019): Mobilität in
Deutschland
38
ISEK Münster 2030 | Baustein C: Zehn Leitthemen für Münster
So wurde die Umwelt- und Stadtverträglichkeit der Verkehre zu einer zentralen Auf -
gabe kommunaler Mobilitätspolitik.
Die Notwendigkeit neuen Denkens wurde auch in den Interviews zum Thema unter-
strichen. So hieß es zum Beispiel:
• »Wir müssen den Verkehr umstellen.«
• »Es wird eine Verkehrswende in Münster benötigt.«
• »Wir müssen das Zusammenspiel von Mobilitätsformen neu denken.«
Diesseits solcher grundsätzlichen Überlegungen gab es zahlreiche Hinweise auf ein-
zelne Probleme, die offensichtlich jeweils für sich nicht zu lösen sind:
• »Das Fahrradnetz wurde 20 Jahre lang nicht verbessert, hier tut sich erst seit
einem Jahr wieder etwas. Das heutige Konzept ›Fahrrad‹ geht noch nicht auf,
wenn es drei Geschwindigkeiten auf den Ausfallstraßen gibt.«
• »Die Jahrzehnte alte Verkehrsinfrastruktur wird dem weiter wachsenden Fuß-
gänger- und Radverkehr nicht gerecht.«
• »Die Leute nehmen den ÖPNV schon in Anspruch. Aber es reicht nicht.«; »es
ist einfach ein Ausbau nötig. Ein ÖPNV , der dem Wachstum nicht standhält.«
• »Das Mobilitätsproblem entsteht weniger durch die Münsteraner Bürgerinnen
und Bürger, wir haben es vor allem durch die Pendler, die rein und raus wol -
len. Das ist das eigentliche Mobilitätsproblem.«
Der letztgenannte Aspekt muss mit Blick auf den engen Zusammenhang von Sied -
lungsstruktur und Mobilität differenziert werden. Für Münster gilt das sowohl inner-
halb des Stadtgebietes wie grenzüberschreitend.
• Wer in den Außenstadtteilen lebt, muss acht bis zehn Kilometer überwinden,
wenn er oder sie in die Innenstadt möchte.
• Außerhalb der Kernstadt leben viele Menschen, von denen in der Woche täglich
300.000 mit dem PKW , 15.000 per Bus und 63.000 mit der Bahn Münsters
Stadtgrenzen überqueren.3
• Diese Verkehre nehmen in dem Maße zu, wie – so drückte es eine Gesprächs -
partnerin aus – »wir aufgrund der Immobilienpreisentwicklung und der Mieten
immer mehr Pendler haben«.
FAHRRADHAUPTSTADT UND MEHR: MÜNSTER ALS VORREITER...
Münster hat früh den Titel einer Fahrradhauptstadt errungen A und konnte ihn bis
heute (Stand Anfang 2019) verteidigen. Das findet in vielen Daten und Fakten seinen
Ausdruck:4 40 % aller Wege legen die Münsteranerinnen und Münsteraner mit dem
Fahrrad zurück. Unter 30 % liegt der Anteil des motorisierten Individualverkehrs. Die
verbleibenden Wege werden zu Fuß (rd. 20 %) und mit dem ÖPNV bewältigt. Dieser
3 Stadt Münster (2019) a: Verkehr in
Zahlen
A Erstmals 1988 und 1991. Danach ge -
wann Münster auch in den Jahren 2003,
2005, 2012, 2014, 2016 und 2017 den
Titel in der Kategorie der Städte über
200.000 Einwohnern.
4 Stadt Münster (2019) a: Verkehr in
Zahlen
39
»Modal Split« ist nach wie vor ein Spitzenwert unter deutschen Städten.B
Allerdings ist die Bewertung der Situation für den Radverkehr in der jüngsten ADFC-
Umfrage »eingebrochen«, wie es in der Presse hieß. 5 Das spiegelte sich auch in un -
seren Interviews: Man habe sich zu sehr auf den Lorbeeren ausgeruht, hieß es etwa.
Und die überregionale Presse meldete: »Münster wird vom Erfolg überrollt. Deutsch-
lands Fahrradhauptstadt ist dem Ansturm nicht mehr gewachsen.«6
Dieses Problem ist durchaus als Aufgabe erkannt, was etwa im Radverkehrskonzept
Münster 2025 (2016) seinen Ausdruck findet. 7 Dieses findet seine Ergänzung durch
die Umsetzung des Konzepts stadtregionaler Velorouten. 8 Offensichtlich ist aber
auch, dass die alleinige Fokussierung auf den Radverkehr für ein zukunftsfähiges
Mobilitätskonzept nicht ausreicht. Hierzu gibt es auch kommunale und regionale
Nahverkehrspläne.9 Aktuell ist zudem ein übergreifender Masterplan »Masterplan
Mobilität 2035+« 10, mit dem übergreifende Strategien zum Umgang mit verkehrli -
chen Herausforderungen in der wachsenden Stadt entwickelt und zeitlich gestufte
Maßnahmen zur Erreichung eines nachhaltigen stadtverträglichen Verkehrsgesche -
hens in Münster vorgeschlagen werden sollen, in Bearbeitung (V /0802/2017).
Alles dies wird programmatisch eingebettet in Ziel- und Maßnahmensysteme wie
»Masterplan 100 % Klimaschutz« und »Global nachhaltige Kommune«.
LEITTHEMEN-VORSCHLAG:
STADTVERTRÄGLICHE MOBILITÄT - ENKEL TAUGLICH UND LEISTUNGSFÄHIG
Auch bei diesem Leitthemenvorschlag handelt es sich um eine integriert zu
bearbeitende Aufgabe, die zudem bereits gegebene Schwerpunktsetzungen für
die mittelfristige Stadtentwicklungspolitik bestätigt und unterstreicht: Siedlungs-
und Mobilitätsentwicklung sollen in engem Zusammenhang und auf der Basis
klimapolitischer Vorgaben (Masterplan 100 % Klimaschutz) gestaltet werden.
Dabei bestehen enge Bezüge zu weiteren Leitthemen wie »Vielfalt der Stadtteile«,
»Innenstadt ist mehr ...«, Urbane Wissensquartiere«, »Leistbares Wohnen«,
»Digitalisierung findet Stadt« – und selbstverständlich bedarf insbesondere
diese Aufgabe der ausdrücklichen Beachtung regionaler Zusammenhänge und
Kooperationen (Stadtregion, Münsterland, EUREGIO, MONT).
B Im Schnitt aller Metropolen werden
knapp unter 40% der Wege mit dem
Auto zurückgelegt, mehr als 20% mit
dem öffentlichen Verkehr und per
Fahrrad 15% (Stand 2017) (https://www.
bmvi.de/SharedDocs/DE/Artikel/G/
mobilitaet-in-deutschland.html).
5 Westfälische Nachrichten (2017):
ADFC-Ranking: Fahrradfreundlichste
Großstadt
6 Süddeutsche Zeitung (2017): Münster
wird vom Erfolg überrollt
7 Stadt Münster (Hrsg.) (2019) c: Rad-
verkehrskonzept Münster 2025
8 Stadt Münster (2019) d: Velorouten in
der Stadtregion Münster
9 Stadt Münster (Hrsg.) (2016): 3. Nah-
verkehrsplan Stadt Münster
10 Stadt Münster (2019) e: Masterplan
»Mobilität Münster 2035+«
Leitthema: Stadtverträgliche Mobilität
Abbildung 1:
Fahrräder an Münster Hbf
Abbildung 2:
Münsters Elektrobus
40
ISEK Münster 2030 | Baustein C: Zehn Leitthemen für Münster
»Digitalisierung findet Stadt –
Gestalten der T ransformation«
DIGITALISIERUNG – DER GROSSE UMBRUCH?
Wer heute nach Zukunft fragt, trifft unweigerlich auf das Stichwort »Digitalisie -
rung«. Mit ihr sei geradezu eine »Revolution« verbunden, die praktisch keine gesell -
schaftlichen Bereiche unberührt lasse, heißt es vielfach. Bei Industrie, Handel und
Handwerk werden praktisch alle Unternehmensbereiche beeinflusst, wenn nicht we-
sentlich verändert.1 Auch in die Landwirtschaft hat die Digitalisierung auf vielfache
Weise Einzug gehalten.2 Und im privaten Bereich werden ebenfalls über die digitalen
Medien hinaus wesentliche Veränderungen erwartet. Bei alledem geht es nicht nur
um technischen Wandel, sondern auch um andere Formen der Kommunikation, Ver-
netzung, Kooperation. Letztlich wird auch von den Einzelnen die Befähigung zum
Umgang mit diesen neuen Herausforderungen und Möglichkeiten erwartet – womit
auch Fragen der Bildung und Ausbildung eine wesentliche Rolle zukommt.3
Dieser durch die Digitalisierung angestoßene Wandel umfasst nicht nur nahezu alle
gesellschaftlichen T eilbereiche, sondern ist auch auf allen Maßstabsstufen wirksam:
von individuellen Handlungs- und Lebensweisen, über das »smarte« Haus, die »digi-
tale Stadt«, die RegionenA bis hin zu globalen Veränderungen.
Bei alledem ist offen, ob positive oder negative Wirkungen dieses Wandels überwie -
gen. Hoffnungen – auf Entlastungen im Alltag, auf neue Vernetzungsmöglichkeiten,
auf umweltverträglichere Mobilitätsformen, nachhaltigeren Ressourceneinsatz etc. –
stehen Befürchtungen und skeptische Einschätzungen gegenüber – etwa mit Blick
auf einen wirtschaftlichen Strukturwandel, Arbeitsplatzverluste, unkontrollierte Ver -
wendung riesiger Datenmengen etc.
Auch die Auswirkungen auf die Städte und ihre Entwicklung sind noch nicht abseh -
bar.4 Zwar beherrscht das Schlagwort »Smart City« viele Diskussionen. Aber dabei
geht es vielfach in erster Linie um die Ertüchtigung und Verknüpfung städtischer
Infrastrukturen unter Nutzung großer Datenmengen. Ob auch eine Art digitaler Mo-
dernisierung der Kommunikations- und Managementstrukturen möglich wird – und
wem sie nützt – steht noch dahin.
Lediglich eines ist unstrittig: Die Städte müssen sich diesem Wandel stellen, ihn lokal
mitgestalten – wollen sie nicht von den Veränderungen überrollt werden.
Diese Einschätzungen teilten auch viele unserer Interviewpartnerinnen und -partner.
Dabei wurde deutlich, wie viele Fragen und Unsicherheiten es gibt. Einige Beispiele:
• »Was macht die Digitalisierung mit den großen Arbeitgebern – etwa Versiche-
rungen – in Münster?«, »braucht man die Sachbearbeiter in Zukunft noch?«,
»verlieren wir hier oberzentrale Funktionen?«, »wie viele Arbeitsplätze gehen
in Münster verloren?«;
A dazu auch: StadtBauwelt 219 (Bauwelt
H. 19/2018) Themenschwerpunkt »Digi -
tale Stadt«
4 Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und
Raumforschung (2019): Smart Cities –
Stadtverkehr für übermorgen
1 Handwerkskammer Münster (2019):
Digitalisierung
2 Handelsblatt (2015): Digitale Landwirt -
schaft - Die Angst der Bauern vor Google
3 Bezirksregierung Münster (2018):
Digital@kompetent: Schulische Bildung
in einer digitalen Gesellschaft
41
• »Was wird aus dem Handel in der Innenstadt?«, »führt der Online-Handel
und der Abbau von Zweigstellen zu abnehmender Versorgungsqualität in den
Stadtteilzentren?«,
• »Werden weiter so viele Studierende nach Münster kommen?«, »was wird aus
der Universität, wenn man doch von zu Hause aus in der ganzen Welt studie-
ren kann?«.
Einig war man sich, dass »Digitalisierung einen Einfluss auf den Alltag der Bürger -
schaft« haben wird: »Wir werden in 10-15 Jahren wirklich merken, was das für weit -
reichende Veränderungen mit sich bringt«.
Ob man für diese Zukunft gewappnet sei, wurde gelegentlich bezweifelt. Hier hieß
es, der Breitbandausbau komme nicht so schnell voran, wie es sein müsste. Und et -
was pauschaler: »Beim Thema Digitalisierung muss Münster im Heute ankommen.«
DIGITALER AUFBRUCH – AUCH IN MÜNSTER
Den Weg ins Heute und die nächste Zukunft scheint man in Münster aber entschlos-
sen anzugehen. Schon die Einführung von Elementen des E-Government und der E-
Partizipation, die Bereitstellung einer Münster-App5, die Förderung des Breitbandaus-
baus und eines freien WLAN machen das deutlich. Aktuell zu erwähnen ist vor allem
die ins Auge gefasste »umfassende Digitalisierungsstrategie für quasi alle Lebensbe -
reiche – unter anderem bei den Themen Mobilität, Wirtschaftsstandort, Wissenschaft
und Bildung, intelligente Bürgerdienste sowie Wohnen«.6
Ebenfalls zu erwähnen ist die Einrichtung des Postens eines CIO (eines »Chief In -
formation Officers«), wie es ihn in vielen Großunternehmen und einigen wenigen
Städten bislang gibt. Seine Aufgabe: Den digitalen Wandel begleiten und mitgestal -
ten. Aber nicht nur von Seiten der Stadt Münster werden und wurden in dieser Hin -
sicht bereits Initiativen gestartet. An den Hochschulen sind u.a. das Center for Digital
Humanities7, Lernplattformen und Rechercheportale (z.B. DigiBib, CRIS@WWU,
Learnweb auf Basis von moodle) zum Austausch von Dokumenten und Online-Dialog
sowie die Entwicklung von digitalen Angeboten in Studiengängen etc. zu erwähnen.
Bei dieser Auflistung dürfen die Angebote von münsterLAND.digital e.V .8 nicht feh -
len. Sie umfassen u.a. eine Hightech-Werkstatt (FabLab), ein Kompetenzzentrum für
den Mittelstand und insbesondere den Digitalhub münsterLAND – als Plattform zur
Vernetzung von Unternehmen, Hochschulen, Institutionen, Verbänden, Start-u ps etc.
Leitthema: Digitalisierung findet Stadt
7 WWU Münster (2017): Universität
Münster gründet »Center for Digital
Humanities«
8 münsterLAND.digital (2019): Innovati-
onszentrum zur Förderung der digitalen
T ransformation im Münsterland
5 Stadtwerke Münster (2017):
Münster:app erreicht 100.000 Down-
loads
6 Westfälische Nachrichten (2018):
Städtische Digitalisierungsstrategie
Abbildungen 1 + 2:
Smart City Münster
42
ISEK Münster 2030 | Baustein C: Zehn Leitthemen für Münster
LEITTHEMEN-VORSCHLAG:
DIGITALISIERUNG FINDET STADT - GESTAL TEN DER TRANSFORMATION
Mit dem Vorschlag, Fragen der Digitalisierung und ihrer Bedeutung für die Stadtent-
wicklung zu einem Leitthema des ISEK 20 | 30 | 50 zu machen, wird letztlich eine
bereits erfolgte Schwerpunktsetzung in diesem Bereich nachvollzogen und unterstri-
chen.
Der Digitalisierung wird Bedeutung in nahezu allen Handlungsfeldern der Stadt -
entwicklung beigemessen. Besonders hervorzuheben sind insbesondere Wirtschaft
(inkl. Landwirtschaft), Mobilität, Wissenschaft und Bildung – aber auch z.B. Ressour-
ceneffizienz (im Kontext des Klimaschutzes etc.). Insofern weisen zahlreiche weitere
Leitthemen unmittelbare Bezüge zu diesem Bereich auf.
»Vielfalt und sozialer Zusammenhalt –
Chancen der T eilhabe für alle«
IST DER GESELLSCHAFTLICHE ZUSAMMENHAL T IN MÜNSTER GEFÄHRDET?
»Armut? Doch nicht in Münster!«1, »Stadt der schroffen Gegensätze2« – das sind nur
zwei aktuelle Überschriften aus dem öffentlichen Diskurs über die soziale Situation
in Münster. Zusammen bringen sie einen Sachverhalt auf den Punkt, der schon über
drei Jahrzehnte in der Stadt thematisiert wird: Die Diskrepanz zwischen einem Ge -
meinwesen, das in Selbstbild wie in der Außenwirkung als wohlhabend, wenn nicht
(im Vergleich mit anderen Städten) reich erscheint und den Realitäten von Armut
und Marginalisierung, die sich auch hier finden. Schon im Jahr 1987 wurde das im
Titel einer Studie zum Ausdruck gebracht: »Armut in einer reichen Stadt. Zum Zu -
sammenhang von Arbeitslosigkeit und Neuer Armut in Münster«.3 Mehr als zwanzig
Jahre später war dann von »Armut im Schatten der Arkaden« 4 die Rede. Und erneut
ein Jahrzehnt später heißt es: »Armutsquote in Münster steigt«5 – und zwar, wie es in
dem Bericht heißt, von 11,5 % (2005) auf 15,1 % (2014). Es handelt sich offensichtlich
um ein Dauerproblem – ohne dass bislang eine nachhaltig wirksame T rendwende
ausgelöst werden konnte.
Münster weist zweifellos im bundesweiten Vergleich immer noch unterdurchschnitt-
liche Ziffern – etwa bei der Arbeitslosenzahl oder den T ransfereinkommen (SGB-II-
Leistungen) – auf. Aber die Zahlen stiegen im letzten Jahrzehnt. 6 Zugleich zeigt das
Sozialmonitoring, dass sich gesellschaftliche Marginalisierung in bestimmten T eilen
der Stadt konzentriert.
1 Katholische Studierenden- und Hoch -
schulGemeinde (2018): Armut? Doch
nicht in Münster!
2 Westfälische Nachrichten (2018): Sozi -
almonitoring in Münster
3 Dieter Hoffmeister (2007): Von Bettlern
und Business-Menschen: städtische Ar -
mut am Beispiel Münster
4 Dieter Hoffmeister (2009): Armut im
Schatten der Arkaden. Neue Fragen und
Antworten im Anschluss an den 2. Müns-
teraner Armutsbericht
5 Westfälische Nachrichten (2016):
Armutsquote in Münster steigt
6 Stadt Münster (2018): Jahresstatistik
Soziales
43
Leitthema: Vielfalt und sozialer Zusammenhalt
Die Brisanz dieses Themas wurde im Rahmen unserer Gruppengespräche und Inter-
views auf vielfache Weise beschrieben:
• »Ich wünsche mir, dass der Satz ›Münster - eine Stadt für alle‹ kein Lippenbe-
kenntnis bleibt, sondern auch entsprechend gehandelt wird.«
• »Die Schere zwischen wohlsituierten, gut genährten Bürgerinnen und Bür -
gern und Menschen, die an der Armutsgrenze leben, öffnet sich weiter.«
• »Es gibt viel Bedürftigkeit in Münster und es kann gut sein, dass sich das für
die Menschen in Münster noch stigmatisierter anfühlt.«
• »Eine Zweiteilung in der Gesellschaft darf es nicht geben, diese deutet sich
aber derzeitig an.«
• »Die, die sich nicht artikulieren können, kommen in der Stadt nicht vor. Sie
werden auch nicht vertreten und sie haben keine Lobby.«
• »Bei Migration und Integration ist noch viel mehr möglich.«
Zugleich wurden aber auch die »besondere Aufmerksamkeit für soziale Diskrepan -
zen«, das »positive Klima« und das »hohe Gemeinschaftsgefühl in der Stadtgesell -
schaft« hervorgehoben.
Diese bürgerschaftliche Solidarität findet u.a. darin ihren Ausdruck, dass zu dem brei-
ten Spektrum von Maßnahmen im sozialen Bereich nicht nur die Aktivitäten der
Stadt Münster, sondern auch die der Bürgerinnen und Bürger mit ihrem Engagement
auf vielfältige Weise beitragen.7
VIELFÄL TIGE AKTIVITÄTEN – UND DENNOCH HANDLUNGSBEDARF?
Die Vielfalt aller Maßnahmen und Programme in den sozialen Handlungsfeldern
vollständig darzustellen, würde hier den Rahmen sprengen. Daher seien nur einige
wenige, vor allem auf einzelne Räume und Gruppen zielende, exemplarisch benannt:
• Mit dem Masterplan altengerechte und inklusive Quartiersentwicklung aus dem
Jahr 20168 wird das Ziel verfolgt, ein selbstbestimmtes Leben bei gesicherter Pfle-
ge und Unterstützung im Quartier zu ermöglichen.
• Das Leitbild Migration und Integration (2014) 9 stellt eine Grundlage für die
Münsteraner Integrationsarbeit dar und umfasst alle in diesem Zusammenhang
relevanten Handlungsfelder wie Bildung, Arbeitsmarkt, Wohnen, Freizeit etc.
• Das seit dem Jahr 2011 bestehende und mehrfach fortgeschriebene »Maßnah -
7 Frank T reutler (2011): Soziale Stadtent-
wicklung, S. 220 ff.
8 Stadt Münster (Hrsg.) (2016): Master-
plan altengerechte, inklusive Quartiere
9 Stadt Münster (2019):
Migrationsleitbild
Abbildung 1:
Münster Berg Fidel
Abbildung 2:
Innenstadt Münster
44
ISEK Münster 2030 | Baustein C: Zehn Leitthemen für Münster
menprogramm einer kindbezogenen Armutsprävention in Münster« 10 geht da -
von aus, dass mit Armut für Kinder und Jugendliche vielfältige einschränken -
de Auswirkungen in Bereichen wie Gesundheit, Bildung und gesellschaftliche
T eilhabe verbunden sind. Daher wurden ressortübergreifend (Jugendhilfe, Ge -
sundheitswesen, Schule und Soziales) entsprechende Angebote entwickelt und
umgesetzt.
• Mit dem bedarfsorientierten Steuerungs- und Förderkonzept der öffentlichen
Kinder- und Jugendarbeit (2017) wird das Ziel verfolgt, auch in Zukunft mit einer
Vielzahl von freien T rägern einen wichtigen Beitrag zu leisten, um Kindern und
Jugendlichen gerechte und bedarfsorientierte T eilhabechancen zu bieten und Ri-
siken des Aufwachsens zu mindern.
• Mit der Aufnahme des Wohnquartiers Brüningheide (Münster-Kinderhaus) in
das Bundesprogramm Soziale Stadt wurde bereits im Jahr 2007 die Bedeutung
stadtteilbezogener, sozialräumlicher Handlungsansätze verdeutlicht. Mit dem
Ratsbeschluss aus 2018, diese Aktivitäten zu verstetigen, wird diese Akzentset -
zung ebenso unterstrichen wie mit dem Vorschlag eines operativen Ziels in der
Münsteraner Nachhaltigkeitsstrategie, wonach bis 2030 in allen Stadtteilen Quar-
tiersstützpunkte vorhanden sein sollen, die soziale Beratung und Unterstützung
anbieten.11
• Und nicht zuletzt ist das Beobachtungskonzept zu erwähnen, das der Rat der
Stadt am 17.5.2017 mit dem Ziel beschlossen hat, Stadtteile mit einem möglichen
Handlungsbedarf frühzeitig zu identifizieren.12
Diese und viele weitere Handlungsansätze, in denen oft kommunale und zivilgesell -
schaftliche Aktivitäten zusammenfließen, bringen das Bemühen um gesellschaftli -
chen Zusammenhalt deutlich zum Ausdruck. Aber ganz offensichtlich wird das, wie
viele Hinweise im Rahmen unserer Befragungen und Interviews unterstreichen,
noch nicht als ausreichend angesehen. Bleibt die Frage: Was ist noch zu tun?
LEITTHEMEN-VORSCHLAG:
VIELFAL T UND SOZIALER ZUSAMMENHAL T – CHANCEN DER TEILHABE FÜR ALLE
Armut ist einer der Basisfaktoren für ungleiche T eilhabechancen. Kommen weitere
Faktoren hinzu – etwa bildungsferne Sozialisation, besondere Lebenslagen (Krank -
heiten, Behinderungen etc.), Diskriminierung (von Alleinerziehenden, ALG-II- Be -
ziehenden, Menschen mit Migrationshintergrund) etc. – kumulieren die Benachteili-
gungen. Das hat ausgrenzende Wirkungen sowohl an Arbeits- und Wohnungsmärkten
wie bei Aus- und Weiterbildung. Von diesen Mechanismen der Marginalisierung ist
immer noch eine große Gruppe der Münsteraner Bevölkerung betroffen.
Dem steht eine klare, politisch beschlossene Leitlinie gegenüber. Sie lautet: »In Müns-
ter haben alle Menschen, unabhängig von ihrem Alter und Geschlecht, ihrer sexuel -
len Orientierung, ihren körperlichen, seelischen und geistigen Beeinträchtigungen,
ihrer Herkunft, Religion und Zugehörigkeit zu einer kulturellen Gruppe sowie ihrem
10 Stadt Münster (2015): Maßnahmenpro-
gramm einer kindbezogenen Armutsprä -
vention in Münster
11 Stadt Münster (2018): GlobalNachhal -
tigeKommune, Nachhaltigkeitsstrategie
Münster 2030, S. 4o
12 Stadt Münster (Hrsg.) (2018): Sozial-
monitoring 2017
45
Leitthema: Münster und seine Nachbarn
sozialen Status gleiche T eilhabechancen [...]«.13
Diese umfassende Zielsetzung rückt das Thema der T eilhabechancen in den Mittel -
punkt der Aufmerksamkeit. Und es ist u.E. daher nur naheliegend, dies dann auch zu
einem Leitthema der integrierten Stadtentwicklung werden zu lassen. Dies gilt umso
mehr, als es sich dabei in der T at um ein Querschnittsthema handelt, das auch Fragen
der Stadtteilentwicklung, des Wohnens, der Wirtschaft und v.a. der Bildung berührt.
Zugleich gibt es diverse »Interne« Bezüge mit verschiedenen, hier vorgeschlagenen
Leitthemen (etwa »Vielfalt der Stadtteile« etc.).
»Münster und seine Nachbarn –
Vertiefung der Kooperation«
STADTENTWICKLUNG ÜBERSCHREITET GRENZEN
Dass die Herausforderungen der Stadtentwicklung nicht an Gemarkungsgrenzen
halt machen, ist eine wohl bekannte T atsache. Das gilt für alle umweltbezogenen
Handlungsfelder, vom Klimaschutz bis zur Freiraumentwicklung, das gilt für Woh -
nungsmärkte, für regionale Bildungslandschaften, für die Standortentwicklung im
gewerblichen Bereich und im Handel und das gilt selbstverständliche für alle Fragen
der Mobilität.
Eine wichtige Dimension integrierter Stadtentwicklungsplanung besteht also – ne -
ben dem themen-, ressort- und akteursübergreifenden Denken und Handeln – in der
Verknüpfung verschiedener Maßstabsebenen.
Das grenzüberschreitende Denken ist jedoch nicht nur Ausdruck planungsmethodi -
scher Einsicht, sondern entspricht auch dem Alltagsverhalten der Menschen in den
Stadtregionen. Auch sie bewegen sich »grenzüberschreitend« zwischen unterschied-
lichen Zielen – auf den Wegen zum Wohnort, zur Arbeit, zum Ausbildungsort, zum
Einkaufen, zur Erholung und so fort. Das wird auch für Münster konstatiert. So heißt
es in der Interkommunalen Strategie zur integrierten Wohn- und Mobilitätsentwick-
lung in der Stadtregion Münster etwa: »Im Alltag der Menschen in und um Müns -
ter spielen Gemeindegrenzen eine immer geringere Rolle. Man wohnt in Ostbevern,
arbeitet in Greven und nutzt die Freizeit-, Kultur-, und Einkaufsmöglichkeiten in
Münster«.1 Dieser Aktionsradius ließe sich auf vielfältige Weise variieren. Selbst die
Menschen, die in der Stadt Münster wohnen, arbeiten und einkaufen, überschreiten
zumal in der Freizeit oft die Stadtgrenzen, indem die offene Parklandschaft mit ihren
fließenden Übergängen zu Bewegung und Erholung einlädt.
Aber regionale Bezüge beschränken sich nicht nur auf den Zusammenhang der Kern-
stadt mit den an sie unmittelbar angrenzenden Umlandgemeinden. Auch großräumi-
gere Zusammenhänge sind für Münster von großer Bedeutung. So ist die Stadt seit
13 Stadt Münster (Hrsg.) (2018): Sozial-
monitoring 2017
1 pesch partner architekten stadtplaner
(2017): Stadtregion Münster, Stadtregio-
nales Profil, S. 76 ff.
46
ISEK Münster 2030 | Baustein C: Zehn Leitthemen für Münster
fast drei Jahrzehnten T eil des grenzüberschreitenden Städtedreiecks MONT (Müns -
ter, Osnabrück und Twente), das seinerseits als Motor der EUREGIO, der ältesten
Europas, angesehen wird (dazu unten mehr).
Die Notwendigkeit, über die Stadtgrenzen hinaus zu denken und zu handeln, wurde
auch in den von uns geführten Interviews vielfach unterstrichen: »Die Stadt kann
nicht ohne die Region gedacht werden.« hieß es etwa. Und:
• »Nur im Schulterschluss mit dem Umland kann die zukünftige Entwicklung
erfolgreich gestaltet werden.«
• »Die umliegenden Gemeinden sind unersetzbare Partner der Stadt.«
• »Es muss – neben Münster – auch immer das Umland mitgedacht werden.«
KOOPERATION MIT ERFAHRUNG – UND ENTWICKLUNGSPOTENZIAL
Das Münsterland ist eine weithin bekannte und bedeutende Wirtschafts- und T ouris-
musregion. Die Stadt Münster versteht sich, wie schon deutlich wurde, als fester T eil
dieser Region und bezieht zugleich einen T eil ihrer Identität aus ihr. Aufgrund dieser
»Verwurzelung« pflegt Münster die Kooperation mit und in der Region seit langer
Zeit mit großer Intensität. Zusammenarbeit findet dabei auf verschiedenen Ebenen
mit unterschiedlichen Stoßrichtungen statt:
Seit nahezu 20 Jahren arbeitet Münster mit seinen 11 Umlandgemeinden in einem inter-
kommunalen Verbund, dessen Mitglieder sich regelmäßig untereinander austauschen.
Dabei geht es um die gemeinsame Bewältigung von Aufgaben der Verkehrsorganisation,
der Wohnraumversorgung, des Freiraumschutzes etc. Konkreten Niederschlag haben die-
se Bemühungen z.B. in der bereits angesprochenen Strategie zur Wohn- und Mobilitäts-
entwicklung gefundenA, mit der zunächst der Ausbau regional bedeutsamer Velorouten
im Kontext eines intermodularen Mobilitätskonzeptes verfolgt wird.
Die Ebene des Münsterlandes umfasst mit den Kreisen Borken, Coesfeld, Steinfurt
und Warendorf ein räumlich weiteres Areal. Als gemeinsame Organisation des Re -
gionalmanagements hat der »Münsterland e.V .« unter anderem die Aufgabe, die
Marke »Münsterland« zu etablieren 2, die Wettbewerbsfähigkeit der Region mit den
Schwerpunktaufgaben Wirtschaftsförderung und T ourismuswerbung zu stärken und
die Identifikation der Menschen mit der Region zu fördern.
Der gemeinsame Abstimmungs- und Gestaltungswille macht jedoch auch nicht an
der Landes- und Staatsgrenze Halt. Im bereits erwähnten großräumigen Zusammen-
hang von MONT-Region und EUREGIO sucht man den sozialen, wirtschaftlichen
und infrastrukturellen Herausforderungen im europäischen Maßstab zu begegnen.
Langfristiges Ziel ist die Entwicklung einer »ungeteilten, grenzüberschreitenden
städtischen Region, die unabhängig von den Landesgrenzen wahrgenommen wird«.3
Dies hat zum Beispiel in einem Letter of Intent zur Zusammenarbeit zwischen den
Städten Münster und Enschede seinen Niederschlag gefunden, in dem für zahlreiche
Handlungsfelder – etwa Erreichbarkeit, Nachhaltigkeit, Arbeitsmarkt, Sicherheit, Bil-
dung, Kultur etc. – konkrete Vereinbarungen getroffen werden.
2 Münsterland e.V . (o.J.)
A weitere Informationen Stadtregionaler
Kontrakt, s. Vorlage V/0946/2018, auch
online unter: https://www.stadt-muens -
ter.de/sessionnet/sessionnetbi/vo0050.
php?__kvonr=2004044095
3 Stadt Münster (2017): Letter of Intent
Abbildung 1:
Münster und seine überregionalen
Kooperationsebenen: Stadtregion,
Münsterland, EUREGIO, Städtedreieck
MONT
47
T rotz dieser vielfältigen Aktivitäten waren in unseren Interviews auch skeptische T öne
zu hören. Diese bezog sich sowohl auf die Haltung der Stadt im Kreise ihrer Koopera-
tionspartner wie auf den Schritt von der guten Absicht zur Umsetzung:
• »Im Umland hat man den Eindruck, dass Münster die Nase hoch trägt und auf
das Umland herunter schaut. Das kommt nicht von ungefähr.«
• »Wenn’s an die Umsetzung geht, wird’s schwierig.«
• »Wir schaffen es nicht ausreichend, Regionalpolitik zu formulieren. Der An -
spruch wird sowohl von der Region als auch vom Oberzentrum erhoben, aber
es gelingt nicht wirklich, handlungsleitende Schritte zu formulieren.«
Als Ursachen für diese Umsetzungsdefizite wurde einerseits weiterhin vorhandenes
Konkurrenzdenken und andererseits unzureichende organisatorische Strukturen ge-
nannt.
LEITTHEMEN-VORSCHLAG:
MÜNSTER UND SEINE NACHBARN – VERTIEFUNG DER KOOPERATION
Es gibt also demnach bei der Stadt-Umland-Kooperation noch »Luft nach oben«. Zu-
gleich wächst die Bevölkerung in der Region. Das verschärft den Handlungsdruck.
Damit steht das Muster des gegenseitigen »Geben und Nehmen« zwischen Großstadt
und Umland vor neuen Herausforderungen. Für Münster zeigt sich besonders, dass
die zentralen städtischen Probleme des Wohnens und des Verkehrs ohne regionale
Entwicklungsstrategie in absehbarer Zeit nicht lösbar sind, was eine Vertiefung der
Kooperationen und ein deutliches »Mehr« an Verbindlichkeit verlangt. Münster mei-
det deshalb zu Recht »Alleingänge«.
Aufgrund der steigenden Immobilien- und Mietpreise in der Stadt, ziehen die nied -
rigen und auch mittleren Einkommensgruppen und einige derjenigen, die noch
erschwingliches Bauland suchen, in das Umland. Dadurch verschärft sich auch die
Pendlerproblematik. Und nicht zuletzt wurde auch in unseren Schlüsselpersonenge-
sprächen die Befürchtung geäußert, der oftmals reklamierte »Klebeeffekt« Münsters
könnte in Zukunft abnehmen, wenn sich auch noch die Arbeitsplätze in das Umland
verlagern.
Aber über diese Thematik hinaus weisen praktisch alle (eingangs bereits genannten)
Handlungsfelder des Integrierten Stadtentwicklungsprogramms ausgeprägte regio -
nale Bezüge auf. Dies unterstreicht, dass dieses Thema ein wichtiger und notwendi -
ger Bestandteil des Leitthemen-Katalogs für das ISEK Münster 2030 ist.
Leitthema: Münster und seine Nachbarn
48
ISEK Münster 2030 | Baustein C: Zehn Leitthemen für Münster
Querschnittsthema: Beteiligung weiter denken
Stärkung der lokalen Demokratie durch Beteiligung der
Bürgerinnen und Bürger – auf welchem Wege?
Auf Grundlage des Ratsantrages A-R/0047/2014 »Stärkung der Lokalen Demokratie
– Münster auf dem Weg zur Mitmachstadt« wurde die Verwaltung mit dem Grund -
satzbeschluss zur Durchführung der MünsterZukünfte 20 | 30 | 50 (V /0494/2016)
beauftragt, die Antragsinhalte im Rahmen der MünsterZukünfte mit zu bearbeiten,
was zunächst mittels der Schlüsselpersonengespräche, im Gespräch mit dem Beirat
Bürgerhaushalt und in der Bürgerumfrage 2018 geschehen ist.
Der Antrag »Stärkung der Lokalen Demokratie – Münster auf dem Weg zur Mitmach-
stadt« zielt darauf ab,
• ein Konzept zu erarbeiten und dem Rat zur Beschlussfassung vorzulegen, wie
eine verbindliche und systematische Bürgerbeteiligung als Instrument des Ver -
waltungshandelns etabliert werden kann«.
• Dabei sollen die Erfahrungen anderer Städte, die bereits Leitlinien und vergleich-
bare Instrumente zur Bürgerbeteiligung entwickelt haben und einsetzen, aber
auch die erfolgreichen Modelle der Bürgerinformation und des Bürgereinbezugs
in der Stadt Münster (z.B. im Bereich Konversion) ausgewertet und einbezogen
werden.
• Das Ganze »unter Beteiligung von Vertreterinnen und Vertretern der Politik/
Fraktionen, interessierter Bürgerinnen und Bürger und der Verwaltung [...], um
konkrete Vorschläge für Leitlinien im Sinne einer ›Mitmachstadt Münster‹ zu
erarbeiten«.
Um dem nachzukommen, wurde – nach Auswertung bisheriger Erfahrungen A vor
allem auch (im Gespräch mit dem Beirat Bürgerhaushalt und mit zuständigen Stel -
len der Stadtverwaltung) – ein Hearing durchgeführt, um die Erfahrungen anderer
Kommunen, die gleichfalls um die Stärkung der örtlichen Bürgerbeteiligung – mit
und ohne Leitlinien – bemüht sind, kennen zu lernen.
Zu dem Hearing wurde »trialogisch« eingeladen. Das heißt, es nahmen Vertreterin -
nen und Vertreter aus Politik und Verwaltung, aus dem Beirat Bürgerhaushalt so -
wie T eilnehmende aus den Zukunftsspaziergängen im Kontext von »Gutes Morgen
Münster« teil.
Als Expertinnen und Experten, die über Erfahrungen in ihren Kommunen berichten,
nahmen teil – aus...
... Bonn: Dirk Lahmann
... Dortmund: Michaela Bonan
... Heidelberg: Dr. Michèle Bernhard
... Osnabrück: Dr. Claas Beckord
A Im Rahmen einer umfassenden Grund-
lagenrecherche wurden die Erfahrungen
und Konzepte guter Ansätze der Bürger-
beteiligung in Münster parallel systema-
tisch dokumentiert und ausgewertet.
49
Querschnittsthema: Bürgerbeteiligung
Im Folgenden werden wesentliche Aussagen des Hearings in zehn Thesen zusam -
mengefasst:
1 | Viele Wege führen zum Ziel
In allen vier Beispielstädten gibt es Bemühungen, die lokale Beteiligungskultur wei -
ter zu entwickeln. Die Ziele sind ähnlich, die Wege dorthin verschieden. Mit dieser
Erkenntnis lässt sich die Folgerung verbinden, dass auch in Münster ein ortsspezifi -
scher Weg gesucht werden kann und soll. Dabei lassen sich die vielfältigen andernorts
– aber auch in der eigenen Beteiligungspraxis gewonnenen – Erfahrungen nutzen.
2 | Nicht immer »Leitlinien« – aber ähnliche Grundanliegen
Ausdruck der verschiedenen Wege ist auch die T atsache, dass nicht überall »Leitlinien
der Bürgerbeteiligung« – also vom Rat beschlossene Grundsätze der Beteiligung, die
z.T . sogar Satzungscharakter haben – als Königsweg zu besserer Bürgerbeteiligung
angesehen werden. Aber die Anliegen, die verfolgt werden, sind sehr ähnlich:
• Vor allem soll frühzeitig und umfassend über Projekte, Pläne und Prozesse, die
von der Kommune zu verantworten sind, informiert werden (T ransparenz).
• Und es sollen gute Beteiligungsprozesse gestaltet werden, die zur Mitwirkung an-
regen und ihren Einfluss auf den weiteren Verlauf erkennbar machen (Qualität).
Auf die Wege, wie diese Anliegen verfolgt werden, wird im Folgenden näher einge -
gangen:
3 | Das Kernanliegen: T ransparenz
Im Mittelpunkt der Bemühungen um T ransparenz steht in Städten mit Leitlinien
zumeist die sog. Vorhabenliste. Mit ihr soll möglichst frühzeitig und verlässlich über
alle von der Kommune verantworteten Pläne und Projekte informiert werden.
In anderen Kommunen wird darauf verwiesen, dass es bei ihnen solche Darstellun -
gen ohnehin – etwa auf den Internetseiten der Planungsämter – gibt, eine zusätzliche
Zusammenstellung also nicht erforderlich sei. Es hängt also, wie bei Leitlinien gene-
rell, vom lokal bereits erreichten Niveau der Informations- und Beteiligungspraxis ab,
welche zusätzlichen Schritte erforderlich sind.
Bei der Darstellung der Vorhaben ist zu beachten, dass sie neben einer Kurzbeschrei-
bung des Projekts, seiner Ziele und möglichen Auswirkungen sowie eines Hinweises
auf Möglichkeiten zur Beteiligung z.B. auch Zeitpläne beinhalten, die über die oft
lange Dauer der Planungs- und Umsetzungsprozesse informieren. Wichtig zudem:
Die Information muss nicht nur frühzeitig erfolgen, sondern sollte auch regelmäßig
aktualisiert werden.
Damit wird deutlich, dass das Zusammenstellen und Präsentieren der Informationen
für die Verwaltung nicht unerheblichen Aufwand bedeutet – zugleich aber auch eine
Hilfe darstellen kann, indem die verwaltungsinterne Querinformation gefördert wird.
50
ISEK Münster 2030 | Baustein C: Zehn Leitthemen für Münster
Mit dem Stichwort »T ransparenz« ist zudem das Anliegen verbunden, generell über
Beteiligungsmöglichkeiten zu informieren, die Rollen der Beteiligten zu verdeutli -
chen (z.B. zentrale Entscheidungskompetenz des Rates) und so Möglichkeiten und
Grenzen der Partizipation deutlich zu machen.
Information setzt geeignete Formate und Kommunikationswege voraus. Insofern ist
die Umsetzung des T ransparenzzieles voraussetzungsvoll. Notwendig sind: Verbind-
liche Koordination des internen Informationsflusses, Betrieb geeigneter Plattformen
im Internet, Herausgabe/Betreuung von Printmedien etc.
4 | Qualität der Beteiligung: sichern und weiterentwickeln
In der Regel geht man davon aus, dass für jedes größere Vorhaben ein eigenständiges
Beteiligungskonzept zu erstellen ist. Es enthält auch Hinweise auf Rahmenbedingun-
gen und Festlegungen sowie bestehende (Mit-)Gestaltungsmöglichkeiten.
Erfahrungen mit einzelnen Verfahrensgestaltungen werden durch Evaluierungen
festgehalten und für folgende Prozesse nutzbar gemacht.
Auch hierfür bedarf es nicht nur festgelegter Verfahren, sondern auch der Personen,
die die Erfahrungssicherung gewährleisten, an der Verfahrensoptimierung mitwir -
ken und Anregungen für neue Prozesse geben können.
5 | Über Verfahrensvorschriften hinaus: Bausteine der Beteiligungskultur
Aus dem bisher Gesagten wird deutlich: Die Entwicklung der Beteiligungskultur
kann nicht nur im Wege einmal verfasster Grundsätze erfolgen, sondern bedarf
• einer Art Infrastruktur (bestehend aus verschiedenen »Bausteinen«), mit der erst
allgemeine Verfahrensregeln lebendig werden,
• einer entsprechenden Haltung aller Beteiligten, die sich in der Bereitschaft zur
Information, zum Zuhören und zum konstruktiven Dialog ausdrückt.
Auf einige der damit verbundenen Aspekte wird in den folgenden Punkten eingegan-
gen:
6 | Koordinations- und Anlaufstelle
Im Hearing wurde deutlich, dass es in den dort vorgestellten kommunalen Ansätzen
immer auch Beauftragte oder zentrale Stellen gibt, die verwaltungsintern koordinie -
rende Funktionen wahrnehmen und nach Außen als Anlaufstelle zu erkennen sind.
Die Zuordnungen (zu einzelnen Dezernaten oder zum OB) sind verschieden, ebenso
die jeweils konkreten Rollen und Kompetenzen – aber die Tätigkeit einer solchen
»Schaltstelle« scheint (das zeigen auch andere Kommunen) unabdingbar zu sein.
An dieser Stelle gibt es auch einen wichtigen Schnittbereich zum bürgerschaftlichen
Engagement: Die Beauftragten für Beteiligung können auch Anlaufstelle für bürger -
schaftliche Initiativen und Lotsen durch die von Außen oft schwer überschaubaren
Verwaltungsstrukturen sein.
51
7 | Hüter der Verfahren?
Die Beauftragten können bereits aufgaben- und verfahrensübergreifend auf das Ein -
halten der Verfahrensregeln (etwa rechtzeitige Informationsbereitstellung) und die Si-
cherung von Prozessqualitäten achten. In manchen Kommunen wurden aber darüber-
hinaus Arbeitsgruppen oder Beiräte gebildet, die das gesamte Beteiligungsgeschehen
im Blick behalten und in Konfliktfällen angerufen werden können. Ihre Größe und
Zusammensetzung ist verschieden. Häufig sind sie »trialogisch« (Politik, Verwaltung,
Bürgerschaft) besetzt. Gelegentlich werden auch externe Fachleute eingebunden.
8 | Vor Ort: Zuhören und Sichtbarmachen
Von großer Bedeutung ist es auch, dass das Handeln von Politik und Verwaltung orts-
nah sichtbar wird. Damit kann die Bereitschaft zu Information und zur Auseinander-
setzung mit den Aufgaben vor Ort unterstrichen werden. Bürger-/Stadtteilforen (etwa
in Osnabrück und in anderen Kommunen) und/oder öffentliche Sitzungen des Ver -
waltungsvorstandes mit Bezirksvertretungen (Dortmund) können solche Mittel sein.
9 | Mehr als Geld, aber das auch...
Es wird deutlich: Bürgerbeteiligung benötigt und bindet Ressourcen – Personal, Zeit,
die Bereitschaft zur Kooperation auf Seiten aller Beteiligten und auch finanzielle Mit-
tel. Letztere sind für das Personal der Anlauf- oder Koordinierungsstellen vonnöten,
aber auch für ein Budget, mit dem Beteiligungsprozesse unterstützt werden können.
Auch an dieser Stelle kann es Schnittstellen zum bürgerschaftlichen Engagement
(und auch zu Aspekten eines Bürgerhaushaltes) geben, indem man z.B. Mittel für
Projekte, die von Bürgerinnen und Bürgern initiiert und realisiert werden (wie etwa
in Dortmund oder in Osnabrück), bereit stellt.
10 | Andauernde Herausforderungen
Selbst in Kommunen, die schon über langjährige Erfahrungen mit umfassend gere -
gelten Beteiligungsverfahren verfügen, gibt es offene Fragen. Das wird auch immer
wieder in Evaluierungen deutlich. Dazu gehört:
• Wie lässt sich sicherstellen, dass alle Gesichtspunkte zur Sprache kommen (und nicht
nur artikulationsstarke Gruppen gehört werden)? In welchen Fällen müssen »schwei-
gende« Gruppen gezielt einbezogen werden?
• Wie können die oft komplexen Verfahren in der Verwaltung und im Zusammenspiel
mit der Politik mit Schritten der Bürgerbeteiligung sinnvoll verzahnt werden, so dass
es nicht zu Effizienzverlusten kommt?
• Im Hearing wurde deutlich, dass angesichts der verwaltungsinternen Abstimmungen
sowie der Länge und Komplexität mancher Prozesse eine vollständige T ransparenz
nicht gewährleistet werden kann. Wie lässt sich das zur Öffentlichkeit hin vermitteln?
• Bedarf es einer »neutralen« Instanz – oder eines trialogisch besetzten Gremiums –
in dem die Qualitätsentwicklung der Beteiligung begleitet und Konfliktfälle geklärt
werden können?
Querschnittsthema: Bürgerbeteiligung
52
ISEK Münster 2030 | Baustein C: Zehn Leitthemen für Münster
Nachspann
Wie weiter? Die nächsten Schritte im ISEK-Prozess
Die zehn Leitthemen wurden zunächst dem Beirat der MünsterZukünfte 20 | 30 | 50
vorgestellt, mit den T eilnehmenden diskutiert und schließlich im Entwurfsstadium
der Öffentlichkeit anlässlich der »Zukunftsarena« am 11. Oktober 2018 präsentiert.
Die Leitthemenvorschläge konnten während der Veranstaltung auf Stellwänden und
im Nachgang online kommentiert werden. Die Auswertung der Kommentare fand in
die nun vorliegende Fassung der Leitthemenvorschläge Eingang. A Insgesamt stieß
das Spektrum der Themen auf große Zustimmung und viele der Hinweise und An -
regungen waren vor allem darauf gerichtet, dass man diese Themen nun nicht nur
benennen, sondern auch konsequent weiterverfolgen solle.
Da Integrationsbedarf besonders ausgeprägt in räumlicher Hinsicht besteht – denn
im Raum überschneiden sich die verschiedenen Nutzungsanforderungen und fach -
lichen Sichtweisen – und zudem für die Städtebauförderung integrierte Handlungs -
konzepte mit einer räumlichen Perspektive verlangt werden, wird ein erstes »The -
menbündel« gebildet. Es umfasst im Wesentlichen die vier Leitthemen
• Münstersche Stadt-Landschaft,
• Innenstadt ist mehr ...,
• Vielfalt der Stadtteile und
• Urbane Wissensquartiere.
Auf dieser räumlichen Integrationsebene lassen sich zudem viele weitere Themen
in der Zusammenschau behandeln, Zielkonflikte aufzeigen und Lösungsvorschläge
erarbeiten. Dies betrifft Aspekte des Wohnens, der Mobilität, des Sozialen Zusam -
menhalts, der Bildung, Wirtschaft, Sport, Kultur, Kinder- und Familienfreundlichkeit,
Klimaschutz/Klimaanpassung u.v.m.
Zudem, und dies war ein besonderes Anliegen der Lenkungsgruppe, wurden die bei-
den auf vielfachen Wunsch aufgenommenen Leitthemen „Leistbares Wohnen“ und
„Stadtverträgliche Mobilität“ hervorgehoben, die auf den ersten Blick eher sektoral als
integriert erscheinen. Sie haben dennoch in Münster als wachsende Stadt nicht nur
eine besondere Dringlichkeit, sondern auch eine Schlüsselstellung im Spannungsver-
hältnis zu benachbarten Feldern. Darüber hinaus adressieren sie in besonderer Weise
den hohen Anspruch, den man in Münster an das eigene Handeln hat in punkto
Nachhaltigkeit und Klimagerechtigkeit, der wie ein roter Faden Münsters Zukunfts -
prozess zugrunde liegt. In diesen Feldern werden Zielkonflikte hinsichtlich sozialer,
ökologischer und ökonomischer Ziele sehr deutlich und das hat wiederum auch, aber
nicht nur, mit ihrem Raumbezug zu tun, also vor allem dem Umgang mit der be -
grenzten Ressource Fläche. Der Prozess der MünsterZukünfte bzw. des Integrierten
A weitere Informationen unter:
https://www.zukunft-muenster.de/zu -
kunftsarena-beteiligung/
53
Nachspann
Stadtentwicklungskonzeptes geht also in der Umsetzung von Nachhaltigkeitsstrategie
sowie Klimaschutz- und Klimaanpassungszielen einen entscheidenden Schritt weiter,
indem er ganz konkrete Zielkonflikte offenlegt und verhandelt. So werden letztlich
„4+2“ Leitthemen mit starkem Raumbezug und integrativem Charakter priorisiert.
Um dem thematischen Integrationsanspruch gerecht zu werden, werden für all die -
se Themen zunächst ein verwaltungsinterner Kommunikationsprozess angestoßen,
der in interne Workshops mündet. Mit diesen werden die zentralen Themen weiter
fokussiert, um in der Folge in Form von »Stadtforen« unter Beteiligung aller jeweils
relevanten Akteure – öffentlich – erörtert zu werden. Dieser Prozess wird gesondert
dokumentiert (Baustein D).
Abbildungen 1-4:
Impressionen der Zukunftsarena 2018
54
ISEK Münster 2030 | Baustein C: Zehn Leitthemen für Münster
Quellen / Anmerkungen
VORSPANN
1. Stadt Münster (2018): Global Nachhaltige Kommune NRW – Nachhaltigkeits-
strategie 2030 (Entwurfsfassung), S. 23
Abbildung 1: eigene Darstellung, Bildquellen s. Abb. »Die Zehn Leitthemen« (S. 13)
Die Zehn Leitthemen (S.13)
Abbildung »Vielfalt der Stadtteile«: Presseamt Münster, Rüdiger Wölk
Abbildung »Urbane Wissensquartiere«: Presseamt Münster, Angelika Klauser
Abbildung »Innenstadt ist mehr ...«: Presseamt Münster, Tilman Roßmöller
Abbildung »Münstersche Stadt-Landschaft«: Presseamt Münster, Bernhard Fischer
Abbildung »Leistbares Wohnen«: Jean-Paul Comparin, stock.adobe.com
Abbildung »Facetten ökonomischer Stärke«: Presseamt Münster, Angelika Klauser
Abbildung »Stadtverträgliche Mobilität«: connel_design, stock.adobe.com
Abbildung »Digitalisierung findet Stadt«: bluedesign, stock.adobe.com
Abbildung »Vielfalt und sozialer Zusammenhalt«: hedgehog94, stock.adobe.com
Abbildung »Münster und seine Nachbarn«: Presseamt Münster, Bernhard Fischer
VIELFAL T DER STADTTEILE – FIT FÜR DEN ALL TAG, FIT FÜR DIE ZUKUNFT
1. Stadt Münster (2018) a: Aktueller Stand der Erarbeitung von Stadtteilentwick-
lungskonzepten / Zukunftswerkstätten für Außenstadtteile der Stadt Münster,
online unter: https://www.stadt-muenster.de/sessionnet/sessionnetbi/getfile.
php?id=423451&type=do (letzter Zugriff: 30.07.2019)
2. Stadt Münster (Hrsg.) (2018) b: Stadtteilentwicklungskonzept Kinderhaus: Kin-
derhaus_miteinander_füreinander!, Ergebnisse: Beteiligung der Bürgerinnen
und Bürger, Zeitraum: September 2012 – Dezember 2013
3. Stadt Münster (2019): Zukunftswerkstatt Albachten, online unter: https://www.
stadt-muenster.de/stadtplanung/stadtteile/zukunftswerkstatt-albachten.html
(letzter Zugriff: 30.07.2019)
4. Stadt Münster (Hrsg.) (2018) c: Fortschreibung Einzelhandels- und Zentrenkon-
zept Münster, S. 97
5. Stadt Münster (Hrsg.) (2016): 3. Nahverkehrsplan Stadt Münster
6. Stadt Münster (Hrsg.) (2017): Bevölkerungsentwicklung, online unter: https://
www.stadt-muenster.de/fileadmin//user_upload/stadt-muenster/61_stadtent-
wicklung/pdf/jahr/Jahres-Statistik_2017_Bevoelkerung.pdf (letzter Zugriff:
30.07.2019)
Abbildung 1: eigene Darstellung, Kartengrundlage Stadt Münster
55
Quellen / Anmerkungen
URBANE WISSENSQUARTIERE – DURCHMISCHT UND FUNKTIONSGERECHT
1. Stadt Münster (Hrsg.) (2017): Jahres-Statistik 2016 – Bildung und Kultur, S. 163,
online unter: https://www.stadt-muenster.de/fileadmin//user_upload/stadt-mu-
enster/61_stadtentwicklung/pdf/jahr/Jahres-Statistik_2016_Bildung_und_Kul-
tur.pdf (letzter Zugriff: 30.07.2019)
2. Stadt Münster (2019): Wissenschaft. Ein strategisches Netzwerk für Münster, online
unter: https://www.stadt-muenster.de/tourismus/wissenschaft/allianz-fuer-wissen-
schaft.html (letzter Zugriff: 30.07.2019)
3. Stadt Münster (2018): Letter of Intent zur Wissenschaftsstadt der Zukunft, on-
line unter: https://www.muenster.de/muenster_media/Stadtleben/letter_of_in-
tent_wissenschaftsstadt_muenster-p-10126.pdf (letzter Zugriff: 30.07.2019)
4. Westfälische Nachrichten (2018): Neue Wege zur Wissenschaft - Stadt und
Hochschulen planen großen Wurf, Verfasser: Ralf Repöhler, online unter:
https://www.wn.de/Muenster/3464377-Neue-Wege-zur-Wissenschaft-Stadt-und-
Hochschulen-planen-grossen-Wurf (letzter Zugriff: 30.07.2019)
Abbildung 1: eigene Darstellung, Kartengrundlage Stadt Münster
INNENSTADT IST MEHR ... – EINE WEITERGEFASSTE PERSPEKTIVE
1. Stadt Münster (2016): Integriertes Handlungskonzept, Attraktive Städte und
Orte brauchen aktive Zentren. Integriertes Handlungskonzept »Aktive Stadt-
und Ortsteilzentren« Münster-Innenstadt. Anlage 1 zur Vorlage V /0300/2016
online unter: https://www.stadt-muenster.de/sessionnet/sessionnetbi/getfile.
php?id=387175&type=do (letzter Zugriff: 30.07.2019)
2. ISI - Initiative starke Innenstadt Münster e.V . (2020): Internetpräsenz, online
unter: https://www.isi-muenster.de (letzter Zugriff: 30.07.2019)
3. Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat: Städtebauförderung
(2019): Münster - Innenstadt, online unter: https://www.staedtebaufoerderung.
info/StBauF/DE/Programm/AktiveStadtUndOrtsteilzentren/Praxis/Massnah-
men/Muenster/Muenster_inhalt.html (letzter Zugriff: 30.07.2019)
4. ebd.
5. Stadt Münster (2012): Aktualisierung Masterplan Stadthäfen Münster, online
unter: https://www.stadt-muenster.de/fileadmin//user_upload/stadt-muens-
ter/61_stadtplanung/pdf/projekte/61_stadtplanung_staedtebauprojekte_master-
plan2.pdf (letzter Zugriff: 30.07.2019)
Abbildung 1: eigene Darstellung, Kartengrundlage Stadt Münster
56
ISEK Münster 2030 | Baustein C: Zehn Leitthemen für Münster
MÜNSTERSCHE STADT-LANDSCHAFT – SIEDLUNG UND FREIRAUM IN DER BA -
LANCE
1. Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (Hrsg.) (2017): Handlungszie-
le für Stadtgrün und deren empirische Evidenz, Indikatoren, Kenn- und Orientie-
rungswerte, S. 65 ff.
2. Stadt Münster (2017): Baulandprogramm 2017 - 2025, online unter: https://www.
stadt-muenster.de/fileadmin//user_upload/stadt-muenster/61_stadtplanung/pdf/
bauland/Anlage_2_Karte_Baulandprogramm.pdf (letzter Zugriff: 09.09.2019)
3. Stadt Münster (2012): Grünordnung Münster, Grünsystem Freiraumkonzept,
online unter: https://www.stadt-muenster.de/fileadmin//user_upload/stadt-
muenster/67_umwelt/pdf/gruenordnung_freiraumkonzept.pdf (letzter Zugriff:
09.09.2019)
4. Stadt Münster (Hrsg.) (2019): Jahres-Statistik – Gesundheit 2019, S. 25, online un-
ter: https://www.stadt-muenster.de/fileadmin//user_upload/stadt-muenster/61_
stadtentwicklung/pdf/jahr/Jahres-Statistik_2018_Gesundheit.pdf (letzter Zugriff:
09.09.2019)
5. Stadt Münster (2017): Nachhaltigkeitsstrategie Münster 2030 - T eil I: Zieleka-
talog mit thematischen Leitlinien und strategischen Entwicklungszielen; als
Anlage 1 von: »Global Nachhaltige Kommune in NRW (GNK)« - Nachhaltigkeits-
strategie Münster 2030 - T eil 1: »Thematische Leitlinien und strategische Ent-
wicklungsziele« (Vorlagen Nr.: V /0648/2017)
6. Stadt Münster (Hrsg.) (2014): Handlungsprogramm Flächensparende Entwick-
lung, S. 24
Abbildung 1: eigene Fotografie
Abbildung 2: eigene Fotografie
Abbildung 3: eigene Darstellung, Kartengrundlage Stadt Münster
LEISTBARES WOHNEN -– STRATEGIEN FÜR NEUBAU UND BESTAND
1. Der Gutachterausschuss für Grundstückswerte in der Stadt Münster (Hrsg.) (2018):
Grundstücksmarktbericht 2019 für die Stadt Münster, Übersicht über den Grund-
stücksmarkt in der Stadt Münster, S. 27
2. Wirtschaftsförderung Münster GmbH (2019): Immobilienmarkt: Kauf- und
Mietpreise, online unter: https://www.wfm-muenster.de/immobilienmarkt-mu-
enster/kauf-und-mietpreise/ (letzter Zugriff: 09.09.2019)
3. empirica ag (Hrsg.) (2013): Vorbereitung eines Kommunalen Handlungskon-
zepts Wohnen für die Stadt Münster, Endbericht, S. 17, online unter: https://
www.stadt-muenster.de/fileadmin/user_upload/stadt-muenster/61_stadtpla-
nung/pdf/wohnen/61_empirica_endbericht.pdf (letzter Zugriff: 09.09.2019)
4. Stadt Münster (Hrsg.) (2014): Handlungskonzept Wohnen. Ein Kompendium,
online unter: https://www.stadt-muenster.de/fileadmin//user_upload/stadt-
57
muenster/61_stadtplanung/pdf/wohnen/61_handlungskonzept_wohnen.pdf
(letzter Zugriff: 09.09.2019)
5. Stadt Münster (2019): Baulandprogramm 2019 - 2025/2030, online unter:
https://www.stadt-muenster.de/stadtplanung/baulandentwicklung/baulandpro-
gramm.html (letzter Zugriff: 09.09.2019)
6. Stadt Münster (2016): Bündnis für Wohnen des AK »Wohnen in Münster.«,
Aktualisierung am 19. April 2016, online unter: https://www.stadt-muenster.de/
fileadmin//user_upload/stadt-muenster/61_stadtplanung/pdf/wohnen/ak-woh-
nen-in-muenster_buendnis_2016.pdf (letzter Zugriff: 09.09.2019)
7. Stadt Münster (2019): Planungswerkstatt 2030, online unter: https://www.stadt-
muenster.de/stadtplanung/baulandentwicklung/planungswerkstatt-2030.html
(letzter Zugriff: 09.09.2019)
8. Stadt Münster (2019): Baulandentwicklung, Planungswerkstatt 2030, online un-
ter: https://www.stadt-muenster.de/stadtplanung/baulandentwicklung/ (letzter
Zugriff: 09.09.2019)
Abbildung 1: eigene Fotografie
Abbildung 2: https://www.stadt-muenster.de/fileadmin//user_upload/stadt-muens-
ter/61_stadtplanung/pdf/konversion/York_Rang_1_Lorenzen_Wettbewerbsplaene.pdf
(Hrsg.: Lorenzen Architekten, Atelier Loidl, ARGUS Stadt- und Verkehrsplanung)
Abbildung 3: https://www.stadt-muenster.de/fileadmin//user_upload/stadt-mu-
enster/61_stadtplanung/pdf/bauland/planungswerkstatt2030_doku-buergerfo-
rum2017-03-01.pdf (Hrsg.: Stadt Münster)
Abbildung 4: https://www.stadt-muenster.de/fileadmin//user_upload/stadt-mu-
enster/61_stadtplanung/pdf/wohnen/ak-wohnen-in-muenster_buendnis_2016.pdf
(Hrsg.: Stadt Münster)
FACETTEN ÖKONOMISCHER STÄRKE –
IMPULSE FÜR DIE WIRTSCHAFTLICHE ENTWICKLUNG
1. Thomas Robbers und Christian Sorge (2011): Wirtschafts- und Erwerbsstruk-
tur im Überblick. In: Thomas Hauff, Heinz Heineberg (Hrsg.): Münster – Stadt-
entwicklung zwischen T radition, Herausforderungen und Zukunftsperspektiven,
Aschendorff Verlag Münster, S. 246
2. Wirtschaftsförderung Münster GmbH (2017): Der Handelsstandort Münster
2017, Auf einen Blick, online unter: https://www.wfm-muenster.de/wp-content/
uploads/WFM_Datenblatt_Handelsstandort_MS_2017.pdf (letzter Zugriff:
17.09.2019)
3. Stadt Münster (2018): Fortschreibung des Einzelhandels- und Zentrenkonzepts
für die Stadt Münster, Endbericht, online unter: https://www.stadt-muenster.de/
fileadmin//user_upload/stadt-muenster/61_stadtplanung/pdf/einzelhandel/fort-
schreibung_einzelhandels-_und_zentrenkonzept_stadt_muenster.pdf (letzter
Zugriff: 17.09.2019)
Quellen / Anmerkungen
58
ISEK Münster 2030 | Baustein C: Zehn Leitthemen für Münster
4. Wirtschaftsförderung Münster GmbH (2019): Standort Münster – Einwohner
und T ouristen, online unter: https://www.wfm-muenster.de/standort-muenster/
einwohner-und-touristen/ (letzter Zugriff: 09.09.2019
5. WWU Münster (2019): Zahlen und Fakten
6. Wirtschaftsförderung Münster (2019): Profil der Stadt, online unter: https://www.
wfm-muenster.de/standort-muenster/profil-der-stadt/ (letzter Zugriff: 17.09.2019)
7. Stadt Münster (2015): Klimaanpassungskonzept
8. Jobcenter der Stadt Münster (Hrsg.) (2017): Arbeitsmarkt- und Integrationspro-
gramm 2018, online unter: https://www.stadt-muenster.de/fileadmin//user_upload/
stadt-muenster/59_jobcenter/pdf/arbeitsmarkt-integrationsprogramm2018.pdf
(letzter Zugriff: 17.09.2019)
STADTVERTRÄGLICHE MOBILITÄT – ENKEL TAUGLICH UND LEISTUNGSFÄHIG
1. Land Brandenburg (2019): Was bedeutet Mobilität?, online unter: https://mil.
brandenburg.de/sixcms/detail.php/707906 (letzter Zugriff: 09.09.2019)
2. Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (2019): Mobilität in
Deutschland (MiD), online unter: https://www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Artikel/G/
mobilitaet-in-deutschland.html (letzter Zugriff: 09.09.2019)
3. Stadt Münster (2019) a: Verkehr in Zahlen, online unter: https://www.stadt-muens-
ter.de/verkehrsplanung/verkehr-in-zahlen (letzter Zugriff: 09.09.2019)
4. ebd.
5. Westfälische Nachrichten (2017): ADFC-Ranking: Fahrradfreundlichste Großstadt,
Münster bleibt fahrradfreundlichste Stadt Deutschlands, Verfasser: Jan Hullmann,
online unter: https://www.wn.de/Muenster/2821761-ADFC-Ranking-Muenster-
bleibt-fahrradfreundlichste-Stadt-Deutschlands (letzter Zugriff: 10.09.2019)
6. Süddeutsche Zeitung (2017): Radverkehr – Münster wird vom Erfolg überrollt, Ver-
fasser: Steve Przybilla, online unter: https://www.sueddeutsche.de/auto/radverkehr-
muenster-wird-vom-erfolg-ueberrollt-1.3584046 (letzter Zugriff: 10.09.2019)
7. Stadt Münster (Hrsg.) (2019) c: Radverkehrskonzept Münster 2025, online un-
ter: https://www.stadt-muenster.de/sessionnet/sessionnetbi/vo0050.php?__
kvonr=2004040556&search=1 (letzter Zugriff: 10.09.2019)
8. Stadt Münster (2019) d: In Münster unterwegs mit dem Rad - Velorouten in der
Stadtregion Münster, online unter: https://www.stadt-muenster.de/verkehrspla-
nung/mit-dem-rad/velorouten.html (letzter Zugriff: 10.09.2019)
9. Stadt Münster (Hrsg.) (2016): 3. Nahverkehrsplan Stadt Münster
10. Stadt Münster (2019) e: Masterplan »Mobilität Münster 2035+«, Vorlage
V /0802/2017, online unter: https://www.stadt-muenster.de/sessionnet/sessionnet-
bi/vo0050.php?__kvonr=2004042231 (letzter Zugriff: 10.09.2019)
Abbildung 1: eigene Fotografie
Abbildung 2: Jörg Kersten - medlay
59
DIGITALISIERUNG FINDET STADT – GESTAL TEN DER TRANSFORMATION
1. Handwerkskammer Münster (2019): Digitalisierung, online unter: https://www.
hwk-muenster.de/de/betriebsfuehrung/digitalisierung (letzter Zugriff: 10.09.2019)
2. Handelsblatt (2015): Digitale Landwirtschaft – Die Angst der Bauern vor Google,
online unter: https://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/
digitale-landwirtschaft-eine-farm-ist-wie-eine-fabrik-auf-dem-land/12567822.html
(letzter Zugriff: 10.09.2019)
3. Bezirksregierung Münster (2018): Pressemitteilungen: Digital@kompetent: Schuli-
sche Bildung in einer digitalen Gesellschaft, online unter: https://www.bezreg-mu-
enster.de/de/presse/2018/2018-03-22_digitale_bildung/index.html (letzter Zugriff:
10.09.2019)
4. Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (2019): Smart Cities – Stadt-
verkehr für übermorgen, online unter: https://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/FP /
ExWoSt/Studien/2015/SmartCities/stadtverkehr-uebermorgen/03-ergebnisse.html
(letzter Zugriff: 10.09.2019)
5. Stadtwerke Münster (2017): Pressemitteilungen: Münster:app erreicht 100.000
Downloads, online unter: https://www.stadtwerke-muenster.de/presse/pressemel-
dungen/gesamt/nachricht/artikel/muensterapp-erreicht-100000-downloads.html
(letzter Zugriff: 10.09.2019)
6. Westfälische Nachrichten (2018): Städtische Digitalisierungsstrategie. Ein Ex-
perte für die Zukunft, Verfasser: Dirk Anger, online unter: https://www.wn.de/
Muenster/3259239-Staedtische-Digitalisierungsstrategie-Ein-Experte-fuer-die-Zu-
kunft (letzter Zugriff: 10.09.2019)
7. WWU Münster (2017): Universität Münster gründet »Center for Digital Humani-
ties«. Mitgliederversammlung wählt sechsköpfigen Vorstand, online unter: https://
www.uni-muenster.de/news/view.php?cmdid=9040 (letzter Zugriff: 10.09.2019)
8. münsterLAND.digital (2019): Innovationszentrum zur Förderung der digitalen
T ransformation im Münsterland, online unter: https://www.muensterland.digital
(letzter Zugriff: 10.09.2019)
Abbildung 1: https://hub.beesmart.city/de/city-portraits/smart-city-muenster
Abbildung 2: bluedesign, stock.adobe.com
VIELFAL T UND SOZIALER ZUSAMMENHAL T – CHANCEN DER TEILHABE FÜR ALLE
1. Katholische Studierenden- und HochschulGemeinde (2018): Armut? Doch nicht in
Münster!, online unter: https://www.kshg.de/event/armut-doch-nicht-in-muenster/
(letzter Zugriff: 10.09.2019)
2. Westfälische Nachrichten (2018): Sozialmonitoring in Münster, Stadt der schrof-
fen Gegensätze, Verfasser: Karin Völker, online unter: https://www.wn.de/
Muenster/3311148-Sozialmonitoring-in-Muenster-Stadt-der-schroffen-Gegensaetze
(letzter Zugriff: 10.09.2019)
Quellen / Anmerkungen
60
ISEK Münster 2030 | Baustein C: Zehn Leitthemen für Münster
3. Zur Entstehung dieser Studie, die gemeinsam vom DGB und dem Institut für So-
ziologie der Westfälischen Wilhelms-Universität erstellt wurde und zu einer darauf
aufbauenden Folge-Untersuchung: Dieter Hoffmeister (2007): Von Bettlern und
Business-Menschen: Städtische Armut am Beispiel Münster, LIT Verlag Münster
4. Dieter Hoffmeister (2009): Armut im Schatten der Arkaden: Neue Fragen und Ant-
worten im Anschluss an den 2. Münsteraner Armutsbericht, LIT Verlag Münster
5. Westfälische Nachrichten (2016): Armutsbericht vorgestellt. Armutsquote in
Münster steigt, Verfasser: Günter Benning, online unter: https://www.wn.de/
Muenster/2016/02/2281624-Armutsbericht-vorgestellt-Armutsquote-in-Muenster-
steigt (letzter Zugriff: 10.09.2019)
6. Stadt Münster (Hrsg.) (2018) a: Jahres-Statistik – Soziales 2019, online unter: htt-
ps://www.stadt-muenster.de/fileadmin//user_upload/stadt-muenster/61_stadtent-
wicklung/pdf/jahr/Jahres-Statistik_2017_Soziales.pdf (letzter Zugriff: 09.09.2019)
7. Frank T reutler (2011): Soziale Stadtentwicklung, In: Thomas Hauff, Heinz Heine-
berg (Hrsg.): Münster – Stadtentwicklung zwischen T radition, Herausforderungen
und Zukunftsperspektiven, Aschendorff Verlag Münster
8. Stadt Münster (Hrsg.) (2016): Masterplan altengerechte, inklusive Quartiere; zur
Versorgungssicherheit für Menschen mit Pflege- und Unterstützungsbedarf, online
unter: https://pflegekraft-muenster.de/masterplan.pdf (letzter Zugriff: 09.09.2019)
9. Stadt Münster (2019): Migrationsleitbild, online unter: https://www.stadt-muenster.
de/zuwanderung/migrationsleitbild (letzter Zugriff: 09.09.2019)
10. Stadt Münster (2015): Maßnahmenprogramm einer kindbezogenen Armutsprä-
vention in Münster, Umsetzung weiterer Maßnahmen 2015 - 2017, Anlage 1 zur
V /0190/2015, online unter: https://www.stadt-muenster.de/sessionnet/sessionnetbi/
vo0050.php?__kvonr=2004038497&voselect=9897 (letzter Zugriff: 09.09.2019)
11. Stadt Münster (2018) b: Global Nachhaltige Kommune, Nachhaltigkeitsstrategie
Münster 2030 (Entwurfsfassung), Anlage 3 zu V /0515/2018, online unter: https://
www.stadt-muenster.de/fileadmin/user_upload/stadt-muenster/67_umwelt/
pdf/gnk_nachhaltigkeitsstrategie-muenster2030_entwurf.pdf (letzter Zugriff:
09.09.2019)
12. Stadt Münster (Hrsg.) (2018): Sozialmonitoring 2017. Berechnungen, T abellen und
Karten, online unter: https://www.stadt-muenster.de/fileadmin/user_upload/stadt-
muenster/61_stadtentwicklung/pdf/sms/SMS_Sozialmonitoring_2017.pdf (letzter
Zugriff: 17.09.2019)
13. ebd.
Abbildung 1: eigene Fotografie
Abbildung 2: eigene Fotografie
61
MÜNSTER UND SEINE NACHBARN – VERTIEFUNG DER KOOPERATION
1. pesch partner architekten stadtplaner (2017): Stadtregion Münster, In: StadtUmland.
NRW , Zukunftskonzepte für Großstädte und ihre Nachbarkommunen im Metro-
polraum Nordrhein-Westfalen, Dokumentation, online unter: https://www.mhkbg.
nrw/sites/default/files/media/document/file/StadtUmland_Abschlussdoku_Low.
pdf (letzter Zugriff: 17.09.2019)
2. Münsterland e.V . (o.J.): Aufgaben, online unter: https://www.muensterland.com/
muensterland-e.v/ueber-uns/aufgaben/ (letzter Zugriff: 09.10.2019)
3. Stadt Münster (2017): Letter of Intent zur Zusammenarbeit zwischen den Städten
Münster und Enschede, online unter: https://www.muenster.de/muenster_media/
Stadtleben/letter_of_intent_wissenschaftsstadt_muenster-p-10126.pdf (letzter Zu-
griff: 17.09.2019)
Abbildung 1: Thomas Hauff und Heinz Heineberg (2011): Münster – Stadtentwick -
lung zwischen T radition, Herausforderungen und Zukunftsperspektiven, Aschen -
dorff Verlag Münster, S. 425
NACHSPANN
Abbildung 1: Jörg Kersten - medlay
Abbildung 2: Jörg Kersten - medlay
Abbildung 3: Jörg Kersten - medlay
Abbildung 4: Jörg Kersten - medlay
Quellen / Anmerkungen
62
ISEK Münster 2030 | Baustein C: Zehn Leitthemen für Münster
ISEK Münster 2030 | Die Bausteine in der Übersicht 63
Baustein A:
Das ISEK in den MünsterZukünften –
Einführung und Übersicht
Dezember 2020
Baustein B:
Schlüsselpersonengespräche
Juli 2018
Baustein C:
Zehn Leitthemen für Münster
Februar 2019
Baustein D:
Die Stadtforenprozesse
März 2020
Baustein E:
Bilanz 2020: Räumliches Leitbild
Dezember 2020
Anlage_2 V_0487_2021_Ergebnisbericht_Szenarioanalyse
129315 Zeichen
Mü nsterZükü nfte
IN DIESEM HEFT
Executive Summary…………………………………….2
Prolog: MünsterZukünfte 20|30|50…………...4
Projekthintergrund ....................................... 5
Die Szenarioanalyse als Instrument der
strategischen Stadtentwicklung ................... 6
MünsterZukünfte 20|30|50
– Die Szenarioanalyse ................................... 7
Die vier Münster-Szenarien im Überblick ..... 13
Szenario 1: Das Wert-volle Münster ............. 14
Szenario 2: Das selbstzufriedene Münster ... 18
Szenario 3: Das erstarrte Münster ................ 22
Szenario 4: Das verwelkte Münster .............. 26
Identifikation von zentralen
Schlüsselfaktoren ......................................... 30
Ableitung von Treibern,
Handlungskorridoren sowie Adressaten....... 33
Funktionszuordnungsmatrix ......................... 36
Epilog: und nun?........................................... 38
Danksagung .................................................. 39
EINE SZENARIOANAL YSE FÜ R DIE ZÜKÜNFTS-
HORIZONTE 2030 / 2050
Ein gemeinsames Projekt der Stadt Mü nster ünd des Institüts fü r Anlagen ünd
Systemtechnologien der Westfa lischen Wilhelms-Üniversita t Mü nster
Foto: Presseamt Münster / Tilman Roßmöller
Anlage 2 zur Vorlage V/0487/2021
1. Zukunft machen, statt abzuwarten
Wer sich für eine Szenarioanalyse entscheidet, entscheidet sich für eine systematische
Gestaltung der Zukunft und versucht nicht, die Entwicklungen zu prognostizieren.
2. Die Münsteranerinnen und Münsteraner haben verstanden, dass
Zukunftsplanung für die Stadt notwendig ist
Die Teilnahme von ca. 17.000 Münsteranerinnen und Münsteranern an der Umfrage
zur Sammlung der Einflussfaktoren belegt dies in einer eindrucksvollen Weise. Das ist
auch notwendig, weil – wie wir später sehen werden – ohne den Support durch die
Bevölkerung auf Dauer keine Erfolge erzielt werden.
3. Vier Szenarien bestimmen das Bild von Münster 2030 / 2050
Die Münsteranerinnen und Münsteraner sehen vier Szenarien.
Die vier Szenarien lauten:
das Wert-volle Münster
das selbstzufriedene Münster
das erstarrte Münster
das verwelkte Münster
Es ist ganz ungewöhnlich, dass die vier Szenarien sich nicht durch eine verschiedenarti-
ge Struktur unterscheiden, sondern lediglich durch die Abstufung der jeweils gleichen
Kriterien variieren.
4. Das erstrebenswerte Szenario
Dadurch, dass die Szenarien sich nur durch verschiedene Ausprägungen und nicht
durch Faktoren unterscheiden, sind keine Alternativstrategien zu entwickeln. Beson-
ders erstrebenswert für Münster ist das Szenario 1: das Wert -volle Münster, in wel-
chem insbesondere die Werte der Stadtgesellschaft, die Hochschulen und die Wirt-
schaft relevant sind. Es ist gekennzeichnet durch eine durchweg positive Ausprägung
aller Faktoren.
5. Nur gemeinsam sind wir stark
Die Zukunft Münsters zu gestalten heißt Kooperationen zu managen in der Stadt und
darüber hinaus. So lassen sich große Zukunftsherausforderungen wie bezahlbares
Wohnen und Mobilität am besten in enger regionaler Zusammenarbeit lösen.
6. Das Visionäre ist der Münsteranerin und dem Münsteraner fremd
Es ist kein Vorschlag bei der Einflussfaktorensammlung und bei den Projektions-
workshops gekommen, der nicht im Rahmen der vergangenheitsbasierten Zukunftsbe-
trachtung lag. Dementsprechend liegt nur in geringem Ausmaß ein „out-of-the-box-
thinking“ vor. Fliegende Autos oder ein Zusammenbruch des Gesundheitssystems sind
nicht im Mindset der Münsteraner Bevölkerung.
2
Foto: Presseamt Münster / Angelika Klauser
BETEILGTE INSTITÜTIONEN
ÜND ORGANISATION
Projektleiter:
Oberbürgermeister Markus Lewe
Stadt Münster
Dipl.-Ing. Robin Denstorff
Stadtbaurat, Stadt Münster
Prof. Dr. Dr. h.c. Klaus Backhaus
Institut für Anlagen und System-
technologien, WWU Münster
Projektteam:
Prof. Dr. Thomas Hauff
Stadt Münster, Stadtplanungsamt
Strategische Stadtentwicklung, Stadtfor-
schung
Dipl. –Ing. Marc Gottwald-Kobras
Stadt Münster, Stadtplanungsamt
Strategische Stadtentwicklung, Stadtfor-
schung
Dr. Matthias Schmidt
Stadt Münster, Münster Marketing
Wissenschaftsbüro
Dominik Czeppel
Stadt Münster, Münster Marketing
Zukunftsbüro
Kerstin Brocks
Stadt Münster, Münster Marketing
Zukunftsbüro
Dr. Ulf König
Institut für Anlagen und System-
technologien, WWU Münster
Thomas Paulsen, M. Sc.
Institut für Anlagen und System-
technologien, WWU Münster
Madita Amelie Pesch, M. Sc.
Institut für Anlagen und System-
technologien, WWU Münster
Execütive Sümmary
Der primäre Zukunftshorizont der Szenarioanalyse liegt auf dem Jahr 2030. Dennoch wurden alle Schritte der Analyse und insbeson-
dere die Ableitung von Treibern, Handlungskorridoren und Adressaten ebenfalls vor dem Hintergrund des Jahres 2050 durchge-
führt, sodass die Analyse ebenfalls eine Aussagekraft für das Jahr 2050 aufweist.
3
7. Sieben zentrale Schlüsselfaktoren
Sieben zentrale Schlüsselfaktoren bestimmen das Szenariofeld. Die sieben sind: Bil-
dungsniveau Münsters, Werte der (Stadt -)gesellschaft, Hochschulentwicklung und
Studierendenzahl, Entwicklung der Wirtschaftssektoren, Digitalisierung, Verfügbarkeit
von bezahlbarem Wohnraum sowie die Einwohnerzahl Münsters.
8. Die Verbindung zwischen Treibern und Handlungsakteuren
Den spezifischen Szenario -Treibern, welche zu der Entwicklung der zentralen Schlüs-
selfaktoren maßgeblich beitragen, sind spezifische Rollen zuzuweisen, für die sie auf-
grund ihrer Ausprägung prädestiniert sind.
8a. Die Gesamtverantwortlichen
Ganz besondere Bedeutung kommt den Gesamtverantwortlichen zu, die
dadurch gekennzeichnet sind, dass sie alle treibenden Faktoren beeinflussen.
8b. Die themenspezifischen Koordinatoren
Die themenspezifischen Koordinatoren definieren die Treiber, bei denen eine
breite Unterstützung durch alle Beteiligte notwendig ist.
8c. Die Spezialisten
Die Spezialisten sind dadurch gekennzeichnet, dass sie ganz bestimmte, aber
dennoch wichtige Teilthemen adressieren.
8d. Die Allrounder
Die Allrounder müssen auf mehreren Gebieten ihre Rolle ausüben.
9. Die Szenarioanalyse bildet den Grundstein für den Zukunftsprozess
Die Szenarioanalyse hat den Grundstein für eine Zukunftsplanung für Münster gelegt,
welche nun durch die betroffenen relevanten Akteure, Institutionen und Organisatio-
nen umgesetzt werden muss. Mit der Szenarioanalyse lassen sich die Leitthemenvor-
schläge des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes eichen. Zum jetzigen Projekt-
stand zeigt sich, dass die Leitthemen des ISEK im Einklang mit den zentralen Schlüs-
selfaktoren stehen (z.B. Wirtschaft und Hochschulen).
10. „Die Gestaltung der Zukunft ist nicht zum Null-Tarif zu haben“
Eine systematische Zukunftsgestaltung, die Nutzung von Chancen und das Manage-
ment von Kooperationen sind nicht zum Null -Tarif zu haben. Hierfür werden entspre-
chende Ressourcen (Personal und Finanzmittel) benötigt, die aufgrund der Ergebnisse
der Szenarioanalyse und des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts zielführend und
effizient eingesetzt werden können. Um den Erfolg der Zukunftsgestaltung zu über-
wachen und um sicherzustellen, dass das Ziel nicht aus den Augen verloren wird, ist
es erforderlich die Umsetzung durch einen Monitoring-Prozess zu unterstützen.
Foto: Presseamt Münster / Tilman Roßmöller
Prolog: Mü nsterZükü nfte 20|30|50
Ein Rü ckblick aüf das Geschehen zwischen
2020 ünd 2050 (fiktiv)
Stellen Sie sich einmal folgendes Zukunftsbild in seiner Entwicklung vor:
Münster hat in den letzten 30 Jahren ein enormes Bevölkerungswachstum erfahren. Vor
allem getrieben durch eine hohe Standortattraktivität in Kombination mit sehr vielen
Studierenden an den Münsteraner Hochschulen leben in Münster mittlerweile knapp
500.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Um ausreichend Wohnraum für die Bevölke-
rung zu schaffen, wurde in der Vergangenheit neben den traditionellen Maßnahmen der
Wohnungspolitik auch auf unkonventionelle Maßnahmen zurückgegriffen. So stellen
Hausboote auf dem Aasee, Tiny-Houses auf dem Schlossplatz und Baumhäuser im Prome-
nadenring nur einige kreative Ansätze dar. Doch trotz aller Bemühungen, Wohnraum auf
diese unkonventionellen Weisen zu schaffen, haben die Maßnahmen nicht ausgereicht,
die Situation entscheidend zu verbessern. Ein Großteil der Menschen muss auf das Um-
land ausweichen.
Dennoch bietet die Stadt weiterhin attraktive Arbeitsplätze, vielfältige Konsummöglich-
keiten und weitreichende infrastrukturelle Angebote, die auch aus dem Umland gerne
angenommen werden. Durch das erhöhte Aufkommen an motorisiertem Individualver-
kehr kommen die Verbindungen vom Umland nach Münster und aus Münster in das Um-
land nicht nur zur Rushhour regelmäßig zum Erliegen. Fahrzeiten von weit über zwei
Stunden aus der Innenstadt zum Flughafen Münster-Osnabrück sind keine Seltenheit. Um
diesem Verkehrschaos entgegenzuwirken, hat sich das Münsterland dazu entschieden
eine futuristische, flächendeckende schienengebundene Nahverkehrslösung namens
Transrapid Münsterland (TML) einzuführen.
Der TML erweitert die Technologie der Magnetschwebebahn und besteht aus einer Viel-
zahl von kleinen Fahrgastkap-
seln, die den Transport von bis
zu 50 Personen gewährleisten
und computergesteuert an das
Ziel führen. Es führen zahlrei-
che Linien sowohl ober - als
auch unterirdisch durch die
Stadt Münster und alle umlie-
genden Gebiete. Durch die
hohe Geschwindigkeit von
über 300 km/h in Kombination
mit einem dichten Netz an
Haltestellen und einer Taktung,
die die Abfahrt einer Fahrgast-
kapsel alle 60 Sekunden er-
laubt, findet der TML bald
großen Zuspruch. Aus Perspek-
tive der Münsteranerinnen und
Münsteraner ist das beste am
TML jedoch, dass die Nut-
zungsgebühren bereits durch
die Grundsteuer abgegolten
sind, was die Wahrnehmung
einer kostenlosen Nutzung
erzeugt. Der TML hat sich da-
her im Münsterland als Ver-
kehrsmittel Nr. 1 etabliert.
4
Foto: Presseamt Münster / Angelika Klauser
Abbildung 1: Münster 2050 ?
PROJEKTORGANISATION
Lenkungsgruppe:
Die Lenkungsgruppe besteht aus vom Rat
entsandten Personen, die als Entschei-
dungsgremium die Interessen des Rates
und der Bezirksvertretungen im Prozess
der MünsterZukünfte 20|30|50 vertritt.
Beirat:
Der Projektbeirat berät die MünsterZu-
künfte und setzt sich zusammen aus den
Mitgliedern von:
Beirat Global Nachhaltige
Kommune (GNK),
Beirat Münster Marketing (MM)
Ehemaliger Beirat Bürgerhaushalt
Erweitertes Kernteam:
Das erweiterte Kernteam ist auf beraten-
der und operativer Ebene tätig und setzt
sich aus verschiedenen Bereichen der
Stadtverwaltung zusammen.
Insbesondere getrieben durch eine hohe Standortattraktivität sieht sich die Stadt Müns-
ter seit Jahren mit einem anhaltenden Bevölkerungswachstum konfrontiert. Um dieses
Wachstum zu gestalten sowie soziale, ökonomische und stadtpolitische Herausforderun-
gen meistern zu können, hat der Rat der Stadt Münster im Dezember 2016 einen Zu-
kunftsprozess unter dem Namen MünsterZukünfte 20|30|50 auf den Weg gebracht. Ziel
des Zukunftsprozesses ist es, die wichtigsten Stellschrauben für die zukünftige Entwick-
lung der Stadt Münster zu identifizieren und auf dieser Grundlage ein strukturiertes
Handlungskonzept, die Münster Strategie, auf den Weg zu bringen.
Zur Erarbeitung der Münster Strategie wurden drei verschiedene Ansätze im Sinne des
Triangulationsprinzips verfolgt. Erstens wurde unter dem Namen Gutes Morgen Münster
ein Mitmachprozess geschaffen, welcher das Ziel hat, Bürgerinnen und Bürger auch emo-
tional für die (Mit -)Gestaltung der Zukunft zu gewinnen. Der zweite Ansatz ist ein Inte-
griertes Stadtentwicklungskonzept (ISEK). Im Rahmen des ISEK werden konkrete Hand-
lungsmaßnahmen auf einer räumlichen Ebene erarbeitet. Um das ISEK um eine umfas-
sendere Perspektive auf die Stadtentwicklung zu ergänzen, wurde als dritter Ansatz eine
Szenarionalyse durchgeführt. Diese entwickelt Leitplanken, um dem dynamischen Prozess
der Zukunftsentwicklung eine Richtung zu geben. Alle der drei eingesetzten Ansätze ver-
fügen über spezielle Stärken und Schwächen. Durch die Kombination im Rahmen des
Zukunftsprozesses ergänzen sich die Ansätze gegenseitig, so dass sich ein konsequenter
Prozess entwickeln kann.
Das Projekt „Szenarioanalyse“ wurde auf Grundlage eines Ratsbeschlusses im Juni 2016
gestartet. Das mit der Durchführung beauftragte Projektteam bestand aus Wissenschaft-
lerinnen und Wissenschaftler des Instituts für Anlagen und Systemtechnologien unter
der Leitung von Prof. Dr. Dr. h.c. Backhaus und Szenarioexpertinnen und -experten der
Stadtverwaltung. Über die Lenkungsgruppe und den Projektbeirat MünsterZukünfte
20|30|50 hinaus waren nicht nur Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Berei-
chen, sondern auch Politik und Stadtgesellschaft umfassend in das Projekt eingebunden.
Durch Umfragen gelang ebenso der Einbezug vieler Bürgerinnen und Bürger.
Projekthintergründ
5
Hätte man diese Entwicklung 2020 vorhersehen können? Hier werden die Meinungen
weit auseinandergehen, doch die Antwort wird regelmäßig lauten: Nein! Wie kann man
solche Phänomene sinnvoll abbilden? Wir sind der Meinung, dass die Szenarioanalyse ein
adäquates Modell liefert, an dem die großen Zukunftsunsicherheiten bei so langfristigen
Entwicklungen transparent gemacht werden können.
Mit den Ergebnisse aus der Szenarioanalyse können wir den Weg in die Zukunft begleiten
und sinnvoll eingreifen, um bestimmte Entwicklungen zu bremsen oder zu forcieren.
Diese Überlegungen werden wir im Folgenden diskutieren.
Foto: Presseamt Münster / Angelika Klauser
Anders als eine traditionelle sachgebietsbezogene Stadtplanung ist das Ziel der Szenarioanaly-
se die Erstellung von möglichst holistischen Abbildern des Untersuchungsobjektes (Stadt) und
deren Verwendung als „Denkwerkzeug“ bei der Vorbereitung auf die Zukunft. Dabei werden
die zahlreichen sachgebietsbezogenen Perspektiven in Form von Einfluss - und Schlüsselfakto-
ren berücksichtigt und zu einem Gesamtbild zusammengesetzt. Zur Erstellung von Szenarien
wird nicht nach den wahrscheinlichsten zukünftigen Entwicklungen gesucht, sondern es wird
die Unsicherheit der Zukunft akzeptiert und nach alternativen Entwicklungen gefragt und
dadurch die Vorbereitung auf verschiedene Entwicklungen ermöglicht.
Diese Herangehensweise konstituiert einen neuartigen Planungsansatz für die Stadtentwick-
lung. Das Denken in Alternativen soll Entscheider vielmehr für Eventualitäten sensibilisieren
und flexibles Agieren in unsicheren, dynamischen Umfeldern ermöglichen.
Diverse Organisationen und Kommunen haben bereits die Vorteile der Szenarioanalyse im
Kontext der strategischen Kommunalentwicklung erkannt. So führen beispielsweise die Städte
München1, Dortmund2 und Mönchengladbach3 Szenarioanalysen in vergleichbarer oder einer
abgewandelten Form durch. Darüber hinaus wurden einige Studien ohne konkreten Bezug auf
eine einzelne Kommune durchgeführt und dienen damit als „allgemeine Schablone “ für die
Kommunalentwicklung. Hier sind insbesondere die Studien Urban Futures 2050 – Szenarium4
der Heinrich Böll Stiftung und ein Dokumentationspapier des Deutsche Städte und Gemeinde-
bunds (DStGB) in Kooperation mit der ScMI AG, das sich mit einer Szenarioanalyse für deut-
sche Städte und Gemeinden beschäftigt,5 zu nennen.
Die Szenarioanalyse unterteilt sich in mehrere Phasen, die in ihrer konkreten Ausgestaltung je
nach Zeit -, Personal - und Finanzressourcen in einem Projekt unterschiedlich aufgebaut sein
können.
In einem ersten Schritt (Szenariofeld -Analyse) gilt es, das derzeitige Umfeld des Untersu-
chungsgegenstands zu analysieren und Einflussfaktoren zu identifizieren, deren Entwicklung
das zukünftige Umfeld prägen können (vgl. Abbildung 2). Aus der Vielzahl möglicher Einfluss-
faktoren werden im Anschluss, durch Verdichten und Filtern, die systemkritischsten Faktoren,
sogenannte Schlüsselfaktoren, herausgearbeitet. Dies dient der Komplexitätsreduktion.
Für jeden Schlüsselfaktor werden in der Phase der Projektionsdefinition mindestens zwei
alternative Entwicklungspfade erarbeitet.
In der sich anschließenden Szenariosynthesephase (Szenario-Bildung) werden diese Projektio-
nen zu konsistenten Szenarien zusammengebaut. Dabei besteht ein Szenario aus je einer
Projektion eines jeden Faktors. Die Kombination der einzelnen Projektionen erfolgt auf Basis
von Konsistenz -, Plausibilitäts - und Ähnlichkeitsprüfungen. Unter diesen Szenarien können
bspw. Trend- oder Extremszenarien beschrieben werden. Auf Grundlage dieser Informationen
lassen sich im Rahmen der Szenario-Verwendung zukunftsrobuste Handlungsempfehlungen
erarbeiten.
Abbildung 2: Szenarioprozess
6
Die Szenarioanalyse als Instrüment der
strategischen Planüng EINFLÜSSFAKTOREN
Welthandel und konjunkturelle Ent-
wicklung
Handlungen von EU, Bund und Land
Internationale Krisen, Krieg und Frie-
den
Wettbewerbsfähigkeit Münsters im
regionalen und überregionalen Ver-
gleich
Technologische Entwicklung
Digitalisierung (Alltag, Wirtschaft,
Bildung…)
Migration und Integration
Inklusion von Menschen mit Behinde-
rung
Stadt-Umland-Wanderung (Fortzug
und Zuzug)
Verdrängung von Bevölkerungsgrup-
pen und „Ghettoisierung“
Soziale Ungleichheit und Armut
Lebenshaltungskosten und Durch-
schnittseinkommen
Verfügbarkeit und Kosten von Wohn-
raum
Rolle von und Umgang mit Kindern
und Familien
Kinderbetreuung
Bildungsniveau der Bevölkerung
Schulangebot
Aus- und Weiterbildungsangebot
Hochschulen Münster
Wissenschaftsstandort Münster
Großräumiger Verkehr
Pendlerverkehr
Innerstädtischer Verkehr
Fortsetzung auf der nächsten Seite...
_________________________________________________________________________________________________
1 Vgl. https://www.muenchen.de/rathaus/dam/jcr:d46d2325-619e-4c46-97f8-5883d92c4b10/LHM_Zukunftsschau_Web_01-1.pdf
2 Vgl. https://dosys01.digistadtdo.de/dosys/gremrech.nsf/(embAttOrg)/DDC6D0DE91A5B8E1C1258264004DDE61/$FILE/VorlageVG%
2309685-17.doc.pdf?OpenElement
3 Vgl. https://www.moenchengladbach.de/de/rathaus/stadtentwicklung/planen-bauen-masterplan/moenchengladbach-2030/projekt-
ergebnisse/
4 Vgl. https://www.boell.de/de/urban-futures-2050
5 Vgl. https://www.dstgb.de/dstgb/Homepage/Publikationen/Dokumentationen/Nr.%20134%20-%20Szenario-Management/
Doku134_Szenario-Management.pdf
Mü nsterZükü nfte 20|30|50
– Die Szenarioanalyse6
7
Die Süche nach Einflüssfaktoren
Einflussfaktoren wurden mittels einer Online -Umfrage zwischen dem 16. und 30. März 2017
erhoben. Im Rahmen der Umfrage wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gebeten,
mögliche Einflussfaktoren auf die zukünftige Entwicklung der Stadt Münster zu nennen. Die
Suche nach Einflussfaktoren sollte möglichst breit ausgerichtet sein und alle denkbaren Per-
spektiven berücksichtigen. Um die breite Sammlung von Einflussfaktoren zu gewährleisten,
wurde der Link zur Umfrage zum einen aktiv an eine Vielzahl von Interessensgruppen gesen-
det. Insgesamt erreichte man so über 100 E -Mailverteiler mit mehr als 7.700 Adressen. 7 Wei-
terhin wurde der Link hochschulweit versendet und somit über 50.000 Studierenden zugäng-
lich gemacht. Als Maßnahme wurde der Link mittels Print - und Onlinepresse, Plakatwerbung
und Social Media Marketing beworben. Durch das Verteilen gedruckter Exemplare des Frage-
bogens in den fünf Bürgerbüros der Stadt Münster hatten auch Menschen ohne Internetzu-
gang die Möglichkeit zur Teilnahme.
In Summe beteiligten sich 16.438 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Umfrage und über-
mittelten 16.655 Ideen für Einflussfaktoren. 8 Mittels einer Kombination von Textanalyse und
manueller Analyse wurden diese Nennungen verdichtet. Um die Ergebnisse kommunikativ zu
validieren, fand am 27.06.2017 eine öffentliche Zwischenpräsentation zur Einflussfaktoren-
sammlung statt. Hier hatten alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Befragung die Möglich-
keit sich über den aktuellen Stand der Auswertung sowie über die vorläufigen Ergebnisse zu
informieren. Unter Berücksichtigung des Feedbacks der öffentlichen Zwischenpräsentation
resultierten am Ende der Auswertung 62 Einflussfaktoren. Sinnvolle Einflussfaktoren sollten
dabei überschneidungsfrei sein und ein ähnliches Abstraktionsniveau aufweisen. Zur besseren
Übersicht wurden die Einflussfaktoren den in der Abbildung 3 dargestellten Bereichen zuge-
ordnet.
Abbildung 3: Systembild der Stadt inkl. Einflussbereichen
_________________________________________________________________________________________________
6 Die Schritte der Szenarioanalyse wurden von dem erweiterten Kernteam der Stadt Münster, dem Beirat Münster Marketing, dem Bei rat
MünsterZukünfte 20|30|50, der Lenkungsgruppe und der Verwaltungsleitung begleitet und unterstützt. Zwischenergebnisse wurden zu
allen Phasen der Szenarioanalyse vor diesen Gremien präsentiert.
7 Eine vollständige Aufstellung aller E -Mailverteiler würde den Rahmen des vorliegenden Berichtes übersteigen. Eine detaillierte Aufstellung
ist unter: https://www.stadt -muenster.de/fileadmin//user_upload/stadt-muenster/13_zukuenfte/pdf/szenarioanalyse_einflussfaktoren-
vorgehensweise.pdf zu finden.
8 16.438 ist die gesamte TeilnehmerInnenzahl. Nicht alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben die Umfrage beendet. Dennoch wurd en
alle genannten Einflussfaktoren (auch von Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die die Umfrage nicht beendet haben) in die Analys e mit
aufgenommen.
Fast 17.000 Münsteranerinnen und Münsteraner
beteiligten sich an der
Einflussfaktorensammlung
EINFLÜSSFAKTOREN
Arbeitsmarktentwicklung und Angebot
von Arbeitsplätzen
Verfügbarkeit von Produktionsfakto-
ren
Vielfalt der Unternehmenslandschaft
Entwicklung der Wirtschaftssektoren
Tourismus
Einzelhandel und Fachgeschäfte
Kneipenszene und Gastronomie
Natur und Umwelt
Klimawandel
Nachhaltigkeit
Ver- und Entsorgung
Gesundheit der Bevölkerung
Medizinische Versorgung
Pflegeangebote und hauswirtschaftli-
che Hilfen
Kulturorte und -programme
Kulturelle Bildung und Teilhabe
Kreative (Frei-)Räume und kulturelle
Produktionsorte
Künstlerische und kulturelle Nach-
wuchsförderung
Sportentwicklung
Leistungssportangebot
Schulsport
Freizeitangebot
Einwohnerzahl
Demografische Entwicklung
Werte der (Stadt-)Gesellschaft
Rolle der Kirchen und Religionsge-
meinschaften
Lebensstil der Bevölkerung und kultu-
relle Hintergründe
Gleichberechtigung von Frauen und
Männern
Vielfalt der Lebensformen
Identifikation mit der Stadt
Architektonisches Stadtbild und Stadt-
gestaltung
Innenstadt – Stadtteile
Aufenthaltsgefühl und Stadt als Le-
bensraum
Öffentliche Ordnung und Sicherheit
Verhältnis Politik – Einwohnerinnen
und Einwohner
Politische Teilhabe
Bürgerschaftliches Engagement
Stadtverwaltung
Städtischer Haushalt (Finanzen)
Aüswahl von Schlü sselfaktoren
Die methodische Unterstützung im Szenario-Prozess basiert auf dem Prinzip der systema-
tischen Aufbereitung von vorhandenem Wissen. Dies beinhaltet auch die Reduktion der
Komplexität auf ein notwendiges, handhabbares, gleichzeitig jedoch hinreichendes Maß.
Die Betrachtung eines zusätzlichen Einflussfaktors weist einen abnehmenden Grenznut-
zen angesichts der Komplexitätssteigerung und dem dadurch verursachten Mehraufwand
auf. Demzufolge wurden im weiteren Verlauf des Projekts nicht alle 62 Faktoren berück-
sichtigt, sondern lediglich eine Auswahl der systemkritischsten Faktoren, den sogenann-
ten Schlüsselfaktoren. Die für Szenario -Projekte typische Anzahl an Schlüsselfaktoren
bewegt sich zwischen 15 und 25. Zur fundierten Auswahl der Schlüsselfaktoren wurde
eine Wechselwirkungsanalyse durchgeführt. Im Rahmen einer Online -Umfrage wurden
Bürgerinnen und Bürger sowie weitere Expertinnen und Experten nach ihrer Einschätzung
über die gegenseitigen Zusammenhänge der einzelnen Faktoren befragt. Insgesamt lie-
ßen sich dabei drei Befragungsgruppen unterscheiden: Studierende, eine repräsentative
Stichprobe aus dem Melderegister sowie eine Verteilerliste der Stadtverwaltung. Die
Online-Umfrage fand vom 10. Oktober 2017 bis zum 4. Dezember 2017 statt und hatte
4.678 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Für jeden Einflussfaktor war zu bewerten, ob
und wie stark dieser alle übrigen Faktoren beeinflusst. Bei 62 Faktoren waren dement-
sprechend 3.782 Einflüsse zu beurteilen. Im Endergebnis entstand eine Matrix, welche
die Wechselwirkungen eines jeden Faktors im Gesamtsystem wiedergibt (siehe Abbildung
4). Die roten Felder stehen für geringen bzw. keinen Einfluss, die grünen Felder für einen
starken Zusammenhang. In den Zeilen und den Spalten sind jeweils die Faktoren in glei-
cher Reihenfolge abgetragen.
8
LISTE DER SCHLÜ SSEL-
FAKTOREN
1. Bildungsniveau Münsters
2. Aus- und Weiterbildungsangebot
3. Bürgerschaftliches Engagement
4. Digitalisierung
5. Rolle von und Umgang mit Kindern und
Familien
6. Nachhaltigkeit
7. Verhältnis Innenstadt Stadtteile (inkl.
Stadtviertel)
8. Verdrängung einzelner Bevölkerungs-
gruppen und soziale Entmischung
9. Werte der (Stadt-)Gesellschaft
10. Lebensstile und kulturelle Hintergründe
11. Einwohnerzahl
12. Entwicklung der Altersstruktur
13. Einkommen und Lebenshaltungskosten
14. Verfügbarkeit von bezahlbarem Wohn-
raum
15. Entwicklung der Wirtschaftssektoren
16. Wettbewerbsfähigkeit Münsters
17. Soziale Ungleichheit und Armut
18. Hochschulentwicklung und Studieren-
denzahl
19. Städtischer Haushalt
20. Vielfalt der Lebensformen
Abbildung 4: Wechselwirkungsmatrix
Durch Aufsummierung der Zeilen und Spalten lassen sich Indizes berechnen, die die Wir-
kung eines Faktors im System näherungsweise charakterisieren. Die Aktivsumme
(Summe entlang einer Zeile) zeigt, wie stark ein Faktor auf das Gesamtsystem einwirkt.
Die Passivsumme (Summe der Spalte) gibt hingegen an, wie stark ein Faktor vom System
beeinflusst wird. Diese beiden Indizes werden in einem System -Grid einander gegen-
übergestellt (siehe Abbildung 5).
9
Erarbeitüng alternativer Projektionen
Insbesondere Faktoren, die sowohl eine hohe Aktivsumme als auch eine hohe Passiv-
summe besitzen (oberer rechter Quadrant) weisen eine hohe Systemrelevanz auf und
eignen sich daher als Schlüsselfaktoren. Insgesamt drei System -Grids wurden für die
vorliegende Analyse erstellt - ein System-Grid für die jeweilige Befragungsgruppe. Durch
eine Aggregation des oberen rechten Quadranten der drei Gruppen wurden die Top 20
Einflussfaktoren ermittelt, die am häufigsten in dem Quadranten vorlagen. Insgesamt
wurden so die aufgeführten 20 Schlüsselfaktoren identifiziert (die Reihenfolge sagt nichts
über die Wichtigkeit aus).
Zu allen 20 Schlüsselfaktoren wurden im Mai 2018 Workshops zur Erarbeitung alternati-
ver Ausprägungen, sogenannte Projektionen, durchgeführt. Kleine Expertengruppen (ca.
8 Expertinnen und Experten pro Gruppe) erarbeiteten diverse Projektionen für jeden
Schlüsselfaktor. Dazu wurden zunächst zwei zentrale Kernunsicherheiten eines Faktors
herausgearbeitet, aus denen sich dann ein Vier -Felder-Portfolio aufspannt (siehe bspw.
Abbildung 6). Jedes der Felder stellt fortan eine Projektion dar, die im Anschluss kurz auf
ihre Plausibilität hin diskutiert und mit einem Label charakterisiert wurde.
Abbildung 6 zeigt das Verfah-
ren am Beispiel des Schlüs-
selfaktors „Einwohnerzahl“.
Hier einigten sich die Exper-
tinnen und Experten auf die
Kernunsicherheiten: Wande-
rungs-Saldo (Zu - und Fortzü-
ge) und Geburten -Sterbe-
Saldo (natürliche Bevölke-
rungsbewegung). Daraus
ergeben sich vier denkbare
alternative Entwicklungspfa-
de, welche die Einwohner-
zahl in der Zukunft charakte-
risieren. Diese Projektionen
bilden die Grundlage für die
nächste Projektphase, die
Szenario-Bildung.
Abbildung 5: Beispielhaftes System-Grid
Abbildung 6: Beispielprojektionen
Foto: Presseamt Münster / Bernhard Fischer
Faktor Kernunsicherheit
Bildungsniveau Münsters Bildungspassung
Bildungsqualität
Aus-und Weiterbildungs-
angebot
Effizienz und Effektivität des Aus- und Weiterbildungsangebotes
Dynamik des Aus- und Weiterbildungsangebotes
Bürgerschaftliches
Engagement
Bedeutung und Akzeptanz von bürgerschaftlichem
Engagement
Unterstützung von bürgerschaftlichem Engagement durch
öffentliche Institutionen
Digitalisierung Akzeptanz und Nutzung durch Bürgerinnen und Bürger, Unter-
nehmen und Institutionen (Verhaltensdimension Mensch)
Qualität und Ausmaß der Digitalisierung in allen Lebens- und
Wirtschaftsbereichen (Sachebene Technik)
Rolle von und Umgang mit
Kindern und Familien
Freiräume (räumlich und zeitlich) für das Aufwachsen
Betreuungs- und Hilfsangebote für Kinder, Jugendliche und Fa-
milien
Nachhaltigkeit Wirtschaftliche und / oder soziale Entwicklung
Ökologische Entwicklung (Einhaltung der planetaren Grenzen)
Verhältnis Innenstadt –
Stadtteile (inkl. Stadtviertel)
Entwicklung der Innenstadt
Attraktivität der Stadtteile
Verdrängung einzelner
Bevölkerungsgruppen und
soziale Entmischung
Verfügbarkeit von Wohnraum
Wirkung von Preissenkungsmechanismen
Werte der (Stadt-)
Gesellschaft
Bewahren vs. Verändern
Stadtgesellschaft als Verantwortungsgemeinschaft
Leitidee: Gerechtigkeit
Lebensstile und kulturelle
Hintergründe
Dialog und Vielfalt zwischen Gruppen
Individuelle Begegnungen
Einwohnerzahl Geburten-Sterbe-Saldo (natürliche Bevölkerungsbewegung)
Wanderungs-Saldo (Zu- und Fortzüge)
Entwicklung der
Altersstruktur
Anteil der unter 30-Jährigen im Verhältnis zur Gruppe der 30-65-
Jährigen
Anteil der über 65-Jährigen im Verhältnis zur Gruppe der 30-65-
Jährigen
Einkommen und Lebens-
haltungskosten
Lebenshaltungskosten
Verfügbares Einkommen der breiten Masse
Verfügbarkeit von bezahlba-
rem Wohnraum
Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum
Angebot an bezahlbarem Wohnraum
Entwicklung der
Wirtschaftssektoren
Entwicklung von neuen Playern
Entwicklung von Bestandsunternehmen
Wettbewerbsfähigkeit
Münsters
Nachhaltigkeit
Ökonomische Standortfaktoren
Soziale Ungleichheit
und Armut
Teilhabe und soziale Durchlässigkeit
Entwicklung aktiver Fürsorge von Stadt u. Bürgerinnen und Bür-
gern und Einbeziehung von Betroffenen
Hochschulentwicklung und
Studierendenzahl
Qualität der Hochschulen in Forschung und Lehre
Studierendenzahl am Standort Münster (aktuell ca. 60.000)
Städtischer Haushalt Stadtinterne wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen
Stadtexterne wirtschaftliche und politische
Rahmenbedingungen
Vielfalt der Lebensformen Rechtliche Rahmenbedingungen
Gesellschaftliche Akzeptanz
Tabelle 1: Schlüsselfaktoren und ihre betrachteten Kernunsicherheiten
10
Beeinflussung der Wettbewerbs-
fähigkeit durch Eintritt von
endogenen und exogenen Krisen
DIE ROLLE DER EXPERTEN
Ohne die Bereitschaft aller betroffenen
Stakeholder, den für eine Szenario-
analyse notwendigen Input zu liefern,
gelingt eine Szenarioanalyse nicht. Das
Wissen einzelner Personen über mögli-
che zukünftige Entwicklungen wird durch
die Methodik systematisch aufbereitet
sowie in verschiedenen Workshops und
Umfragen diskutiert und entsprechend
bewertet. Die Szenarioanalyse liefert
somit nur wenige neue Erkenntnisse,
sondern arbeitet vorhandenes Wissen
strukturell auf.
Durch die kleinschrittige, systematische
Vorgehensweise in unterschiedlichen
Phasen des Projekts wird das Gesamt-
problem der Zukunftsbetrachtung in
einzelne Teilprobleme zerlegt. Diese
Zerlegung sowie die Partizipation vieler
Expertinnen und Experten an den einzel-
nen Teilschritten verhindern dabei, dass
einzelne Beteiligte partikuläre Interessen
im Gesamtprojekt durchsetzen können
und machen die Szenarioanalyse zu
einem demokratischen Prozess.
Konsistenzbewertüng ünd Verdichtüng
Aus den zuvor erarbeiteten Projektionen eines jeden Schlüsselfaktors wurden in Phase 3
des Projekts die sogenannten Rohszenarien zusammengesetzt. Jedes Rohszenario be-
steht aus je einer Ausprägung eines jeden Schlüsselfaktors. Kombinatorisch ergaben sich
1.717.986.918.400 Rohszenarien. In einem zweistufigen Prozess wurde die Zahl der
Rohszenarien auf eine handhabbare Zahl von Szenarien (üblicherweise zwischen 3 und 8
Szenarien) reduziert.
Szenarien sollten grundsätzlich inhaltlich konsistent und unterschiedlich sein. In einem
ersten Schritt wurden daher zunächst alle inkonsistenten Szenarien herausgefiltert. Ein
Szenario ist dann inkonsistent, wenn innerhalb dieses Szenarios Projektionen aufeinan-
dertreffen, deren gleichzeitiges Auftreten aus Expertensicht nicht oder weniger plausib el
ist (z. B. Boomende Stadt durch einen Zuzugs - und Geburtenüberschuss bei gleichzeiti-
gem Nachfragerückgang an bezahlbarem Wohnraum). Im Rahmen einer erneuten Umfra-
ge im erweiterten Kernteam der Stadtverwaltung wurden die Projektionen aller Faktoren
von den Expertinnen und Experten paarweise auf Konsistenz hin bewertet. Dabei konn-
ten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zwischen den folgenden Möglichkeiten unter-
scheiden:
(1) totale Inkonsistenz: die zwei Projektionen passen überhaupt nicht zusammen
(2) partielle Inkonsistenz: die zwei Projektionen passen nur bedingt zusammen
(3) neutral: die zwei Projektionen und ihre Schlüsselfaktoren sind voneinander
unabhängig
(4) partielle Konsistenz: die zwei Projektionen passen mehr oder weniger zusammen
(5) totale Konsistenz: die zwei Projektionen passen perfekt zusammen
Da die Einschätzung der Konsistenz einen wesentlichen Schritt in der Szenarioanalyse
darstellt, wurde jede Einschätzung von mehreren Expertinnen und Experten getroffen
und die finalen Werte auf Basis von Mehrheitsentscheidungen ermittelt. Einen visuellen
Eindruck über die finale Konsistenzmatrix liefert Abbildung 7. Auf Basis dieser Daten wur-
de dann das Rohszenarioset rechnergestützt um inkonsistente Szenarien bereinigt. Dieser
Prozess resultierte in 230 konsistenten Rohszenarien. Im Anschluss daran wurde eine
Clusteranalyse durchgeführt, die innerhalb der Rohszenarien Ähnlichkeitsstrukturen
überprüfte und Gruppen ähnlicher Szenarien zusammenfasste.
Statistisch betrachtet9 lässt sich eine 4 -Cluster-Lösung ableiten, die eine gute Differenzie-
rung zwischen den Clustern erlaubt. Es sei darauf hingewiesen, dass die Größe der Grup-
pen kein Maß für die Relevanz darstellt, da jede Gruppe aus in sich konsistenten Projekti-
onsbündeln besteht. Aus jeder dieser Gruppen wurde dann ein repräsentatives Szenario
ausgewählt, womit auch das Kriterium der Unterschiedlichkeit der betrachteten Szenari-
en erfüllt ist. Sowohl die Konsistenz - als auch die Clusteranalyse wurden mit Hilfe der
Software „Scenario Manager“ der ScMI AG durchgeführt. Alle Szenarien beschreiben eine
mögliche Situation der
Stadt Münster in der
Zukunft. Diese stellen
nun die Grundlage für die
Überprüfung und Anpas-
sung strategischer Hand-
lungsoptionen der Stadt
Münster dar.
Abbildung 7: Finale Konsistenzmatrix
11
Foto: Presseamt Münster / Joachim Busch
_________________________________________________________________________________________________
9 Die Anzahl der Cluster wurde mittels Scree Plot und der second derivation des Scree Plots festgesetzt.
Szenarioplanung ist ein aufwendiger Prozess, bei dem durch die ständige Verdichtung
von Daten ein Strukturbild möglicher zukünftiger Entwicklungen abgebildet wird. Wir
haben zur Veranschaulichung die Szenario -bildenden Schlüsselfaktoren in fünf Bereiche
aufgegliedert (siehe Abbildung 8).
Für das richtige Verständnis von Szenarien sollten einige grundlegende Aspekte beachtet
werden:
Die Reihenfolge der folgenden fünf Bereiche bewertet nicht die politische Wichtig-
keit dieser Bereiche, sondern wurde aus methodischen Gründen so gewählt, da
Szenarien sich üblicherweise von der Makro- auf die Mikroebene vorarbeiten.
Die Szenarien treten niemals gleichzeitig auf. Vielmehr stellen sie alternative Zu-
kunftszustände dar, die Entscheidern das Spektrum möglicher Zukünfte als Denk-
werkzeuge zur Entscheidungsunterstützung aufzeigen.
Das Ziel der Szenarien ist nicht die exakte Vorhersage der Zukunft, vielmehr skizzie-
ren sie mehrere denkbare, mögliche Bilder der Stadt Münster im Jahr 2030 mit Aus-
blick auf 2050.
Der Wert eines Szenarios liegt in der Vernetzung unterschiedlicher Faktoren. Es wird
angenommen, dass eine isolierte Betrachtung von Trends zur Entscheidungsfindung
weniger zweckmäßig ist.
Im Gegensatz zu Prognosen wird bei Szenarien nicht die Eintrittswahrscheinlichkeit
berücksichtigt. Szenarien basieren auf Plausibilitäts - und Konsistenzüberlegungen.
Dies entspricht dem Grundgedanken des zukunftsoffenen Denkens.
Die Szenarien wurden aus der Perspektive geschrieben, als sei heute der Zeitraum
2030/2050 bereits erreicht.
Im Folgenden werden die vier Szenarien anhand der fünf Bereiche separat beschrieben
und charakterisiert.
Anleitüng: Wie lese ich Szenarien richtig?
Abbildung 8: Aufbau der Szenario-Beschreibungen anhand von Einflussbereichen
12
Foto: Presseamt Münster / Tilman Roßmöller
Die vier Mü nster-Szenarien im Ü berblick
Eine komprimierte Übersicht der vier Szenarien findet sich als Netzdiagramm in Abbil-
dung 9. Dieser Gliederungsvorschlag zeigt zwei positive (grün) und zwei negative Szenari-
en (rot).
Legende: Je weiter „außen“ ein Szenario liegt, umso positiver wird es bewertet.
Im Einzelnen sind die Szenarien wie folgt charakterisiert:
Szenario 1: Das Wert-volle Münster
Die Stadt Münster profitiert von einer starken Wirtschaft. Die Gesellschaft erfährt
durch die Münster-Werte einen nie da gewesenen Zusammenhalt.
Szenario 2: Das selbstzufriedene Münster
Die generelle Entwicklung von Münster setzt sich fort. Münster entwickelt sich leicht
positiv, doch in der Zukunft gibt es nichts wesentlich Neues.
Szenario 3: Das erstarrte Münster
Trotz einer großen Hochschule und einer eher jungen Stadtgesellschaft hat Münster
erhebliche Probleme im sozialen und gesellschaftlichen Bereich.
Szenario 4: Das verwelkte Münster
Wirtschaft und Wissenschaft bluten aus, während die Bevölkerung immer kleiner
wird und überaltert.
Abbildung 9: Szenarien im Profil
13
Foto: Presseamt Münster / MünsterView
SZENARIO 1
Hohe Bildungsqualität bei hoher Passung
zwischen Bildungsangebot und Nachfrage
Effektives und dynamisches Aus- und Wei-
terbildungsangebot
Hohe Bedeutung und Akzeptanz des bürger-
schaftlichen Engagements in der Gesell-
schaft bei gleichzeitig starker Förderung
durch öffentliche Institutionen
Hohe Akzeptanz und Nutzung eines weit
ausgebauten und qualitativ hochwertigen
Digitalisierungsangebotes durch Verbrau-
cher
Umfassende Freiräume zum Aufwachsen
und bedarfsgerechte Betreuungs- und
Hilfsangebote für Kinder, Jugendliche und
Familien
Nachhaltige Entwicklung aus ökonomischer
und sozialer Perspektive bei gleichzeitig
starker ökologischer Nachhaltigkeit
Starke Innenstadt und durchweg attraktive
Stadtteile
Hohe Verfügbarkeit von Wohnraum
Solidarische Stadtgesellschaft mit der Ten-
denz Bestehendes zu verändern
Hohe Interaktion und Integration über alle
sozio-kulturellen Gruppierungen hinweg bei
gleichzeitig hoher Geselligkeit des Individu-
ums
Boomende Stadt aufgrund von Geburten-
und Zuzugsüberschuss
Ausgeglichenes Verhältnis von jungen und
alten Menschen in Münster
Hohe Lebenshaltungskosten bei gleichzeitig
hohem verfügbaren Einkommen der breiten
Masse
Hohe Nachfrage nach bezahlbarem Wohn-
raum bei gleichzeitig hohem Wohnrauman-
gebot
Dynamischer Wirtschaftsstandort mit gutem
Mix aus eingesessenen Unternehmen und
Innovatoren
Prosperierende Ökonomie bei gleichzeitiger
Minimierung des Ressourcenverbrauchs
sowie Berücksichtigung sozialer Aspekte
Hohe aktive Fürsorge von Stadt und Bürge-
rinnen und Bürgern für sozial Benachteiligte
bei stark ausgeprägter sozialer Durchlässig-
keit
Hohe Qualität der Hochschulen in Forschung
und Lehre
Überschüssiger Haushalt durch eine Verbes-
serung von internen und externen wirt-
schaftlichen und politischen Rahmenbedin-
gungen
Hohe gesellschaftliche Akzeptanz von
vielfältigen Lebensformen
Szenario 1: Das Wert-volle Münster
Die Stadt Mü nster profitiert von einer starken Wirtschaft. Die Gesellschaft
erfa hrt dürch die Mü nster-Werte einen nie da gewesenen Züsammenhalt.
14
Wirtschaft ünd Politik
In Münster herrscht heute ein gesundes Gleichgewicht aus eingesessenen Unternehmen
und Start-Ups. Der Wirtschaftsstandort ist durch eine klein - und mittelständische Unter-
nehmensstruktur gekennzeichnet, die sich mit idealen Voraussetzungen für aufstreben-
des Unternehmertum und einer hohen Innovationskraft paart, sodass sich in den ver-
gangenen Jahren viele neue Unternehmen in Münster angesiedelt haben. Die Expansion
des Wirtschaftsstandortes wird räumlich so gestaltet, dass eine Vernetzung mit dem
Münsterland stattfindet und ungenutzte Gewerbe - und Industrieflächen den Unterneh-
men den nötigen Raum für Entwicklung geben. Ebenso sind auch die Einwohnerinnen
und Einwohner Münsters sowie die politischen Entscheidungsträgerinnen und –träger
der Wirtschaft gegenüber positiv eingestellt. Der attraktive Wirtschaftsstandort hat zu-
dem viele qualifizierte Fach- und Nachwuchskräfte in die Stadt gezogen. Durch vermehr-
te Flexibilität der Unternehmen und die Chancen der Digitalisierung konnte das Fach-
kräftepotenzial der ortsansässigen Bevölkerung bestmöglich genutzt werden. Das Wirt-
schaftsleben ist digitalisierter denn je zuvor – es liegt eine hohe Technologieaffinität der
Unternehmen und seiner Beschäftigten vor, die alltäglich gelebt wird. Die Kommunikati-
on und die Öffentlichkeitsarbeit findet überwiegend über digitale Medien statt und vir-
tuelle sowie erweiterte Realitäten gehören zum Alltag. Bezüglich der Datensicherheit ist
dabei ein hoher Schutz für die Verbraucherinnen und Verbraucher gegeben, sodass alle
der Nutzung von digitalen Medien offen gegenüberstehen. All dies ist nur deshalb mög-
lich, weil die Verantwortlichen rechtzeitig die technischen Voraussetzungen wie z. B. ein
flächendeckendes Glasfasernetz geschaffen hatten.
Der boomende Wirtschaftsstandort führt jedoch nicht dazu, dass wirtschaftliche Ziele
ökologische und soziale Ziele in den Hintergrund drängen. Trotz Ergebnisorientierung
schaffen es die Unternehmen in Münster die eingesetzten Ressourcen auf das Nötigste
zu minimieren.
Abbildung 10: Wortwolke das Wert-volle Münster
Über die letzten Jahrzehnte hat Münster eine der höchsten Wachstumsraten der Bundes-
republik verzeichnet. Dies liegt einerseits am Geburtenüberschuss der letzten Jahre,
denn die Münsteranerinnen und Münsteraner haben aufgrund der guten wirtschaftli-
chen Lage kaum finanzielle Sorgen und die Stadt ist ausreichend mit guten KiTa -Plätzen
ausgestattet. Andererseits sah sich die Stadt mit einem starken Zuzug von außerhalb
konfrontiert. Neben einer Vielzahl an Studierenden, die nach ihrem Abschluss zum Arbei-
ten in Münster geblieben sind, sind auch viele junge Menschen mit Migrationshinter-
grund in die Stadt gekommen. In Summe ist die Altersstruktur in Münster deshalb ausge-
glichen: Einerseits gibt es durch die hohe Geburtenrate und den Zuzug an Studierenden
einen hohen Anteil an jungen Menschen. Andererseits gibt es ebenfalls einen starken
Mittelbau, der aufgrund der boomenden Wirtschaft in Münster lebt. Zu guter Letzt ist
auch die Anzahl an alten Menschen in Münster nicht zu vernachlässigen, da die erstklas-
sige medizinische Versorgung dafür sorgt, dass die Menschen immer älter werden.
Insbesondere der vermehrte Zuzug von Menschen mit Migrationshintergrund hatte die
Stadt zu Beginn der 2020er vor große Herausforderungen hinsichtlich der Integration
gestellt. Nach einer intensiven politischen Diskussion hatte der Stadtrat daraufhin die
sogenannten „Münster-Werte“ beschlossen, die die Entwicklung der Stadtgesellschaft
hin zu mehr Solidarität bei gleichzeitiger Offenheit für Neues begünstigen sollte. Die Her-
ausforderungen der Integration sind inzwischen vollumfänglich bewältigt und alle in der
Stadt vertretenen soziokulturellen Gruppierungen stehen im anregenden Dialog mitei-
nander, respektieren einander und schätzen sich in den meisten Fällen sogar.
Die Münster-Werte haben die Stadt jedoch weit über die Integrationsproblematik hinaus
geprägt: Die Politik ist mit gutem Beispiel vorangegangen und hat auf Basis der guten
Finanzlage massiv das bürgerschaftliche Engagement gefördert, das inzwischen fester
Bestandteil der Münster-DNA ist. Eine ähnlich hohe gesellschaftliche Offenheit wie ande-
ren soziokulturellen Gruppen gegenüber wird außerdem alternativen Lebensformen
entgegengebracht – de facto ist die Vielfalt ein selbstverständlicher Bestandteil des
Stadtlebens geworden.
Im Vergleich zum Jahr 2018 weist Münster zudem eine höhere Biodiversität auf, was
darauf zurückzuführen ist, dass die Stadt wichtige Lebensräume wie Freiflächen, Parks,
Grünanlagen und Gewässer bewahrt und teilweise auch neu unter besonderen Schutz
gestellt hat. Es herrscht ein gutes Gleichgewicht zwischen Siedlungsflächen/Bebauung
und den Lebensräumen für Pflanzen und Tiere. Auch die Feinstaubbelastung der Luft
konnte durch Regulierungen des Verkehrs reduziert werden. Für die Bewältigung dieses
Spagats zwischen ökonomischen, ökologischen und sozialen Herausforderungen erfährt
Münster überregional große Anerkennung, was sich unter anderem in der wiederholten
Verleihung des Deutschen Nachhaltigkeitspreises widerspiegelt.
Ähnlich positiv ist die finanzielle Lage Münsters aufgrund eines Haushaltsüberschusses.
Dies ist einerseits auf den starken Wirtschaftsstandort zurückzuführen, der Steuerein-
nahmen in die Stadtkasse spült. Andererseits beschäftigt sich die Stadt konsequent mit
Einsparpotenzialen und beschließt die Aufnahme von Krediten stets bedacht. Auch aus
externer Perspektive wird die Haushaltslage Münsters positiv beeinflusst: Die gesetzli-
chen Rahmenbedingungen auf Landes - und Bundesebene unterstützen die starke Positi-
on Münsters. Aufgrund der positiven Entwicklung der Stadtkasse verbessert sich das
Bonitätsrating für Münster, sodass Kredite zu besseren Konditionen aufgenommen wer-
den können.
15
Gesellschaft ünd Bevo lkerüng
Foto: Presseamt Münster / Tilman Roßmöller
Bildüng ünd Wissenschaft
Das Bildungsniveau Münsters ist auf einem unverändert hohen Niveau und konnte im
Vergleich zu 2018 sogar noch gesteigert werden. Geprägt ist es zum einen durch eine
hohe Qualität und Vielfältigkeit der Bildungsangebote. So verfügt Münster über eine
große Bandbreite an gut miteinander vernetzten Bildungseinrichtungen sowie hoch quali-
fiziertes Lehrpersonal. Zum anderen entspricht das Bildungsangebot den Anforderungen
des Arbeitsmarktes und der Nachfrage der Einwohnerinnen und Einwohner Münsters und
passt sich kontinuierlich und dynamisch an die aktuellen Bedürfnisse an. So gibt es ausrei-
chend Plätze in allen Schulformen und Hochschulen sowie genügend Ausbildungsplätze in
Unternehmen, welche auch regen Zulauf erfahren.
Darüber hinaus ist das Aus - und Weiterbildungsangebot von einer hohen Effizienz und
Effektivität geprägt. Bildungsabschlüsse und -zertifikate können von Bildungsinteressier-
ten durch eine Vereinfachung von Prozessen besser erlangt werden. Die Bildungsangebo-
te liefern zudem eine Entscheidungsunterstützung für den Berufsweg, indem sie auch das
unternehmerische Denken fördern. Zusätzlich konzentriert sich das Bildungsangebot auf
die Förderung von Talenten und die Herausarbeitung der Kompetenzen für qualifizierte
Arbeitskräfte. Außerdem besteht eine hohe Flexibilität im Aus - und Weiterbildungsange-
bot. Dies umfasst zum einen Angebote wie den zweiten Bildungsweg und berufsbeglei-
tende Studiengänge, zum anderen wird ein großer Schwerpunkt auf das Thema Life Long
Learning gelegt. Ebenso achtet man auf gleiche Bildungschancen für die Stadt und das
Umland. Dies wird unter anderem durch die geographische Flexibilität der digitalisierten
Bildungsprogramme gewährleistet.
Darüber hinaus haben die Münster-Werte auch dazu geführt, dass soziale Ungleichheiten
drastisch reduziert wurden und keine Münsteranerin und kein Münsteraner mehr unter
der Armutsgrenze leben muss. Die soziale Durchlässigkeit ist sehr hoch, da die Bildungs-
standards jeder Einwohnerin und jedem Einwohner den Zugang zu guten Bildungsange-
boten gewährleisten.
Die Lebenshaltungskosten liegen auf einem erträglichen Niveau. Dies liegt einerseits da-
ran, dass die Verbraucherpreise im Vergleich zu 2018 gesunken sind und andererseits der
wirtschaftliche Aufschwung und die hohe Qualifikation der Menschen zu einem hohen
verfügbaren Durchschnittseinkommen geführt haben. Auch der Wohnraum in Münster ist
für die Bewohnerinnen und Bewohner bezahlbarer geworden, denn trotz drastisch ge-
stiegener Bevölkerungszahl und dem hohen Bedarf an Wohnfläche sind die Preise des
Wohnraums nicht „explodiert“. Eine kluge Wohnungspolitik hat dazu geführt Wohnen
wieder bezahlbarer zu machen. Der Einsatz von Preissenkungsmechanismen sorgt bei-
spielsweise für die Bezahlbarkeit, indem Bauprojekte im Rahmen der sozialgerechten
Bodenordnung durchgeführt werden. Außerdem verhindert der Schutz vorhandenen
Wohnraumes eine unnötige Verknappung von Wohnraum. Der hohe Bedarf an Wohn-
raum wird in Münster deshalb gut gedeckt. Durch neue Baugebiete und Nachverdichtun-
gen mit Augenmaß wird die Stadt der hohen Anzahl an Wohnungsnachfragern gerecht –
bemerkenswerterweise ohne dabei die ökologische Nachhaltigkeit aus den Augen zu
verlieren. Somit ist Münster nicht von Gentrifizierung betroffen, da der Wohnungsmarkt
eine soziale Durchmischung zulässt.
Familien und Kinder finden in Münster ideale Lebensbedingungen. So gibt es ein großes
Angebot an KiTas, KiGas und weiteren Betreuungsangeboten, das auf die Bedürfnisse der
arbeitenden Eltern eingeht und auf kompetentes Betreuungspersonal bauen kann. Neben
der Finanzierung von Betreuungsangeboten investiert Münster auch in Räume, in denen
die nächsten Generationen aufwachsen. So wird den Bedürfnissen von Kindern und Fami-
lien in der Stadtplanung hohe Priorität eingeräumt. Neben Schulhöfen und Freizeittreff-
punkten schafft Münster auch kindgerechte Fahrtwege zwischen den öffentlichen Räu-
men und dem Zuhause.
Soziale Faktoren
16
Foto: Presseamt Münster / Tilman Roßmöller
Stadtinfrastrüktür
Münster ist bei einem symbiotischen Verhältnis zwischen der Innenstadt und den
Stadtteilen angekommen. Münsters Innenstadt ist nach wie vor das lebendige Zentrum
der Stadt. Sie ist ein Erlebnisort, lädt zum Verweilen ein und bietet zahlreiche Einkaufs-
möglichkeiten ebenso wie auch Möglichkeiten zum konsumfreien Aufenthalt. Für das
Erlebnis im Freien spielt auch das zuvor beschriebene Verhältnis zwischen Freiräumen
und Nachverdichtung eine wichtige Rolle. E -Commerce-Angebote werden zwar stark
genutzt, jedoch hat der Münsteraner Einzelhandel einen Weg der Koexistenz gefunden
und die Menschen schätzen den Charme des persönlichen Einkaufs. Eine große Proble-
matik aus vergangenen Zeiten konnte ebenfalls verbessert werden: Die Verkehrslage in
Münsters Innenstadt hat sich durch konkrete Maßnahmen entspannt. Ebenso ist die
Anbindung Münsters an den Fernverkehr optimiert worden, sodass es im Vergleich zu
2018 wesentlich mehr Direktverbindungen zu anderen wichtigen Städten gibt. Dies gilt
sowohl für den Bahn - als auch den Flugverkehr. Insbesondere das Destinationsangebot
des FMOs ist ausgeweitet worden, sodass der Flughafen konkurrenzfähiger im Vergleich
zu anderen Flughäfen der Umgebung ist. Das Verkehrsnetz Münsters wird darüber hinaus
verstärkt von E-Fahrzeugen geprägt und ist durch viele Sharing-Angebote gekennzeichnet
(z. B. Car Sharing). Auch für die gesundheitliche Versorgung ist bestens gesorgt: Durch
eine große Bandbreite an hoch qualifizierten Ärztinnen und Ärzten ist Münster als starke
Gesundheitsstadt bekannt. Ebenso verfügt Münster über ein hoch diversifiziertes Sport -
und Kulturprogramm, was Menschen aller Altersklassen anspricht.
Doch auch die Stadtteile haben verstärkten Zuspruch erfahren. Ein Grund hierfür ist die
gut ausgebaute Infrastruktur der Stadtteile: So gibt es ausreichend Gastronomieangebo-
te, medizinische Fachpraxen, Nahversorgungsangebote sowie eine schnelle Breitbandan-
bindung. Dies hat dazu geführt, dass viele Menschen aus der Innenstadt in die Stadtteile
gezogen sind, wo wesentlich niedrigere Mieten bei identischer oder sogar höherer Le-
bensqualität angeboten wurden. Insbesondere das gut ausgebaute ÖPNV - und SPNV -
Netz in Kombination mit attraktiven Velorouten hat dazu geführt, dass eine unkomplizier-
te und kostengünstige Verbindung zwischen den Stadtteilen untereinander sowie zwi-
schen der Innenstadt und den Stadtteilen besteht. Mit der Zeit hat jeder Stadtteil dabei
sein ganz eigenes, charakteristisches Profil entwickelt, mit dem sich die Bewohnerinnen
und Bewohner identifizieren und das zumeist durch Vereinsarbeit, ehrenamtliches Enga-
gement und grundsätzlichen Zusammenhalt gepflegt wird.
Ein sehr großes Wachstum haben die Hochschulen zu verzeichnen. Dabei geht Quantität
nicht zu Lasten von Qualität, denn Münsters Hochschulen genießen sowohl auf dem Ge-
biet der Lehre als auch dem der Forschung einen exzellenten Ruf und ziehen deshalb
gleichermaßen Studierende wie (Gast -)Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus
dem In– und Ausland an. Dazu hat auch das digitale E-Learning-Angebot der Hochschulen
beigetragen, das seit 2018 massiv ausgebaut worden ist. Diese Qualität der Hochschulen
spiegelt sich unter anderem in fünf Exzellenzclustern an der Westfälischen -Wilhelms
Universität wider, welche sich als Exzellenzhochschule etablieren konnte. Untereinander
sind die Hochschulen gut miteinander vernetzt und es gibt einen regen Austausch. Ge-
meinsam mit der Stadt wird Münster als Wissenschaftsstadt konsequent weiterentwi-
ckelt, wozu auch die gemeinsame Einrichtung eines Wissensquartiers gehört. Auch mit
der Wirtschaft pflegen die Hochschulen einen engen Austausch, wovon auch die Absol-
ventinnen und Absolventen bei der Arbeitssuche profitieren. Zudem wurden in Nachbar-
schaft zu den wissenschaftlichen Einrichtungen Orte deutlich erweitert, wo Wissenschaft
und Wirtschaft in stetigen Austauschprozessen stehen (bspw. Ausbau Technologiepark
und –hof, Weiterentwicklung Wissenschaftspark).
17
17
Foto: Presseamt Münster / Bernhard Fischer
SZENARIO 2
Hohe Bildungsqualität bei hoher Passung
zwischen Bildungsangebot und Nachfrage
Effektives aber festgefahrenes Aus- und
Weiterbildungsangebot
Hohe Bedeutung und Akzeptanz des bürger-
schaftlichen Engagements in der Gesell-
schaft bei gleichzeitig starker Förderung
durch öffentliche Institutionen
Hohe Akzeptanz und Nutzung eines über-
schaubaren und qualitativ schlechten Digita-
lisierungsangebotes durch Verbraucher
Umfassende Freiräume zum Aufwachsen
und bedarfsgerechte Betreuungs- und
Hilfsangebote für Kinder, Jugendliche und
Familien
Nachhaltige Entwicklung aus ökonomischer
und sozialer Perspektive bei gleichzeitig
starker ökologischer Nachhaltigkeit
Starke Innenstadt und durchweg attraktive
Stadtteile
Hohe Wirkung von Preissenkungsmechanis-
men für Wohnraum
Solidarische Stadtgesellschaft mit der Ten-
denz Bestehendes zu verändern
Hohe Interaktion und Integration über alle
sozio-kulturellen Gruppierungen hinweg bei
gleichzeitig hoher Geselligkeit des Individu-
ums
Leicht wachsende Stadt durch Zuzugsüber-
schuss trotz gleichzeitigem Sterbefallüber-
schuss
Ausgeglichenes Verhältnis von jungen und
alten Menschen in Münster
Hohe Lebenshaltungskosten bei gleichzeitig
hohem verfügbaren Einkommen der breiten
Masse
Hohe Nachfrage nach bezahlbarem Wohn-
raum bei gleichzeitig hohem Wohnrauman-
gebot
Eingesessene Unternehmen setzen ihr
Wachstum fort während neue Unterneh-
men kaum Fuß fassen
Prosperierende Ökonomie bei gleichzeitiger
Minimierung des Ressourcenverbrauchs
sowie Berücksichtigung sozialer Aspekte
Hohe aktive Fürsorge von Stadt und Bürge-
rinnen und Bürgern für sozial Benachteiligte
bei stark ausgeprägter sozialer Durchlässig-
keit
Großer Hochschulstandort mit schlechtem
Forschungs-und Lehrangebot
Überschüssiger Haushalt durch eine Verbes-
serung von internen und externen wirt-
schaftlichen und politischen Rahmenbedin-
gungen
Hohe gesellschaftliche Akzeptanz von
vielfältigen Lebensformen
Szenario 2: Das selbstzufriedene Münster
Die generelle Entwicklüng von Mü nster setzt sich fort. Mü nster entwickelt
sich leicht positiv ünd in der Zükünft gibt es nichts Neües.
18
Wirtschaft ünd Politik
Die Münsteraner Wirtschaft befindet sich in einer guten Verfassung, obgleich es auch
noch Potenzial zur Verbesserung gibt. Insbesondere die eingesessenen Unternehmen
und Betriebe konnten in den vergangenen Jahrzehnten ihre Marktposition verteidigen
und entwickeln sich nach wie vor positiv. Dies hat sie in die komfortable Lage versetzt,
nicht nur ihre wirtschaftlichen Interessen wahrzunehmen, sondern gleichzeitig auch ihr
ökologisches und soziales Engagement voranzutreiben. So arbeitet die Industrie inzwi-
schen mit minimalem Ressourcenverbrauch bei unvermindert hohem Output, die Ar-
beitslosigkeit ist auf ein Allzeittief gefallen und insbesondere der personalintensive
Dienstleistungssektor lockt Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit hohen Gehältern,
zahlreichen Angeboten zur Vereinbarkeit von Kind und Beruf sowie vorbildlichen Initiati-
ven zur Steigerung der Work -Life-Balance. Dies hat dazu geführt, dass viele derjenigen
die im Rahmen ihres Studiums nach Münster gekommen sind, auch für ihr Berufsleben
hierbleiben, sodass der Fachkräftemangel in Münster faktisch nicht mehr spürbar ist.
Abbildung 11: Wortwolke das selbstzufriedene Münster
Auch wenn der Mangel an hochwertigen Digitalangeboten beklagenswert sein mag, hat
er doch auch eine gute Seite: Frei nach dem Motto „Face-to-Face statt Facebook“ haben
sich die Münsteranerinnen und Münsteraner ihre Geselligkeit bewahrt. Dies dokumen-
tiert sich einerseits in einer großen Nachfrage an Kultur -, Gastronomie - und sonstigen
Freizeitangeboten. Andererseits hat sich der bereits früh absehbare Trend zur alternden
Bevölkerung fortgesetzt, sodass die Sterbefälle die Geburten bei Weitem übersteigen.
Während andere Kommunen deshalb mit der Vereinsamung der Witwen und Witwer zu
kämpfen haben, herrscht im geselligen Münster eine rege Nachfrage nach „Senioren-
WGs“, insbesondere bei der nach wie vor die Zahl der Männer erheblich übersteigenden
Zahl alleinstehender älterer Seniorinnen.
Trotz des Sterbefallüberschusses ist die Einwohnerzahl Münsters jedoch aufgrund eines
noch höheren Zuzugsüberschusses seit 2018 gewachsen. Zu den Zugezogenen gehören
zum Beispiel die vielen Studierenden, die es nach Münster zieht, die Menschen, die
Münster aufgrund ihres Arbeitgebers aufsuchen sowie jene, die die Lebensqualität der
Stadt beispielsweise aufgrund des guten Kulturangebots und der Grünräume schätzen.
Da es vor allem junge Erwachsene sind, die in die Stadt ziehen, führt dies in Kombination
mit dem höheren Durchschnittsalter der Bestandsbevölkerung dazu, dass die Altersstruk-
tur in Münster insgesamt ausgeglichen ist.
Die Stadtgesellschaft Münsters ist durch ihre Aufgeschlossenheit gekennzeichnet. Müns-
ter ist eine Stadt der Begegnungen, wo Werte wie Humanität, Solidarität und Nächsten-
liebe großgeschrieben werden. Anders als an vielen anderen Orten der Bundesrepublik
stellt die Integration von Gruppen abseits des Mainstreams in Münster kein Problem dar:
Es gibt einen regen Austausch zwischen verschiedenen Milieus sowie eine hohe Akzep-
tanz heterogener Lebensformen in der Gesellschaft. Zudem engagieren sich viele Men-
schen ehrenamtlich, wobei das Engagement sowohl von den Bürgerinnen und Bürgern
selbst angestoßen (bspw. über Aufrufe in sozialen Medien) als auch von öffentlichen
Institutionen unterstützt und gefördert wird.
Die gute wirtschaftliche Lage der Unternehmen und die ausgeprägte Kaufkraft der Ein-
wohnerinnen und Einwohner lässt auch die Einnahmen Münsters aus Gewerbe - und
Grundsteuer sprudeln, sodass die Verschuldung beträchtlich abgebaut werden konnte.
Darüber hinaus erfreut sich der Stadtkämmerer der exzellenten Refinanzierungsmöglich-
keiten aufgrund hervorragender Bonitätsbewertungen und entsprechend niedriger Zin-
sen. Der sich daraus ergebende Haushaltsüberschuss räumt der Politik finanzielle Spiel-
räume ein, die, wie in den nächsten Abschnitten beschrieben, eingesetzt werden.
Trotz vieler positiver Entwicklungen ist jedoch nicht alles rosarot: Während die eingeses-
senen Unternehmen florieren, gibt es in Münster so gut wie keine Neugründungen und
das allgemeine Innovationsklima ist bestenfalls als gehemmt zu bezeichnen. De facto
fragen sich die Verantwortlichen hinter vorgehaltener Hand, wie sich die etablierten
Unternehmen so lange und so gut halten konnten, obwohl noch 2018 alle Welt von
„Disruption“ und „Neuausrichtung“ gesprochen hatte. Insbesondere im Bereich der Digi-
talisierung hinkt Münster hinter vielen anderen Standorten her, obgleich die Nachfrage
durchaus vorhanden wäre. Ein Beispiel: Münster verfügt nach wie vor nicht über ein
flächendeckendes Glasfasernetz.
19
Gesellschaft ünd Bevo lkerüng
Foto: Presseamt Münster / Angelika Klauser
Bildüng ünd Wissenschaft
Münster ist nach wie vor einer der größten Hochschulstandorte der Bundesrepublik. Die
Universität wird von einer stark gewachsenen Fachhochschule sowie diversen weiteren
Hochschulen flankiert. Das Angebot der Studiengänge wurde in den vergangenen Jahren
immer ausdifferenzierter und es existieren inzwischen auch zahlreiche Fernkurse, die
virtuell per Internet absolviert werden können. Die Auswirkungen des gehemmten Inno-
vationsklimas und der geringen Qualität der digitalen Angebote zeigen sich jedoch auch
hier, sodass das Lehr - und Forschungsprogramm der Hochschulen zwar breit, aber nicht
gut aufgestellt ist. An die Zeiten, als Münster noch mehrere Exzellenzcluster vorweisen
konnte, erinnern sich deshalb nur noch Nostalgiker.
Ähnliches gilt auch für das Aus - und Weiterbildungsangebot: Die zuständigen Anbieter
zehren vor allem vom Glanz alter Zeiten. Dies zeigt sich unter anderem daran, dass die
angebotenen Abschlüsse und Zertifikate zwar halten, was sie versprechen, aber nicht in
der Lage sind, kurzfristig und flexibel auf aktuelle Themen und Bedarfe der Arbeitgeber
zu reagieren. Insbesondere alternative Bildungsformen und das Life Long Learning wer-
den nach wie vor stiefmütterlich behandelt.
Auch wenn es also deutliche Verbesserungspotenziale bei näherem Hinsehen gibt, bleibt
zu betonen, dass vor allem die schiere Masse an Studierenden und Akademikerinnen und
Akademikern zu einem durchschnittlich hohen Bildungsniveau der Münsteranerinnen
und Münsteraner beiträgt. Dies ist auch eines der Gründe, weshalb in der Stadt eine ver-
gleichsweise hohe soziale Durchlässigkeit sowie eine Kultur von Offenheit und bürger-
schaftlichem Engagement herrscht.
20
Soziale Ungleichheit und Armut sind in Münster kaum noch anzutreffen. Dazu hat neben
einem besseren Beratungsangebot und der erhöhten Sensibilität der übrigen Stadtbe-
völkerung auch eine verbesserte soziale Durchlässigkeit aufgrund guter Bildung beigetra-
gen. Der Fokus liegt dabei auch im Bereich Prävention, um beispielsweise Kindern aus
einkommensschwachen Familien Teilhabe an Sport -, Musik - und Kulturangeboten zu
ermöglichen. Abgesehen von diesen Angeboten werden Kindern, Jugendlichen und Fa-
milien umfassende räumliche und zeitliche Freiheiten zum Aufwachsen und eine be-
darfsgerechte Betreuung angeboten. Beispielsweise gibt es inzwischen ausreichend viele
KiTa-Plätze für alle und die räumlichen Bedürfnisse von Familien und Kindern werden in
der Stadtplanung umfassend berücksichtigt.
Ein Spezialfall ist die Entwicklung der Wohnraumproblematik: Aufgrund des Einwohner-
zuwachses ist die Nachfrage nach Wohnraum im Vergleich zu 2018 noch weiter gestie-
gen. Die gute Wirtschaftslage und die dementsprechend hohen Einkommen haben den
Wohnungsmarkt im unteren Segment jedoch etwas entlastet. Auch Maßnahmen wie die
Mietpreisbremse oder das Konzept der sozialgerechten Bodennutzung, bei der Bauland
an diejenigen Investoren vergeben wird, die die geringste Kaltmiete garantieren und
mindestens 30 % Sozialwohnungen ausweisen, haben ihre Wirkung nicht verfehlt. Da
außerdem zahlreiche neue Bauvorhaben umgesetzt werden konnten, wird das Angebot
an Wohnraum der gestiegenen Nachfrage gerecht und die Wohnraumproblematik hat
sich in Summe trotz der hohen Nachfrage entspannt.
Soziale Faktoren
Foto: Presseamt Münster / Angelika Klauser
Stadtinfrastrüktür
Münster zeichnet sich durch eine nach wie vor starke Innenstadt, jedoch auch durch
deutlich aufgewertete und dementsprechend attraktive Stadtteile aus. Letzteres doku-
mentiert sich in einem regen Stadtteilleben mit zahlreichen Gastronomie -, Kultur-, Sport-
und Freizeitangeboten. Die Innenstadt hingegen hat sich als Oberzentrum mit gut sortier-
ten Shopping-Möglichkeiten (trotz E -Commerce) behauptet. Der Wochenmarkt ist nach
wie vor ein Publikumsmagnet und die Besucherinnen und Besucher genießen es nach
dem Einkauf beim regionalen Bauern die Seele am Aasee baumeln zu lassen.
Das größte Problem der Stadtinfrastruktur stellt das nach wie vor nicht gelöste Verkehrs-
problem dar: Zwar fahren die Münsteranerinnen und Münsteraner noch immer viel mit
ihrer „Leeze“, doch insbesondere der Pendlerverkehr, die ÖPNV - und SPNV -Anbindung
der Stadtteile und der Anschluss an den überregionalen Zug - und Flugverkehr werden
von vielen als Zumutung empfunden. In Anbetracht der ökologisch sensibilisierten Bevöl-
kerung und dem Engagement der Unternehmen stellt das Verkehrsproblem zudem auch
eines der letzten Risiken für das ökologische Gleichgewicht und die Einhaltung der plane-
taren Grenzen (in Bezug auf Münster) dar.
21
Foto: Presseamt Münster / Bernhard Fischer
Foto: Presseamt Münster / Angelika Klauser
SZENARIO 3
Niedrige Bildungsqualität
Ineffektives Aus- und Weiterbildungsange-
bot
Geringe Bedeutung und Akzeptanz des
Engagements in der Gesellschaft und schwa-
che Förderung durch öffentliche Institutio-
nen
Geringe Akzeptanz und Nutzung eines
überschaubaren und qualitativ schlechten
Digitalisierungsangebotes durch Verbrau-
cher
Geringe Freiräume zum Aufwachsen und
geringe Betreuungs- und Hilfsangebote für
Kinder, Jugendliche und Familien
Starke Fokussierung auf ökologische The-
men unter Vernachlässigung sozialer und
wirtschaftlicher Aspekte
Schwache Innenstadt und (teilweise)
Stadtteile mit geringer Attraktivität
Niedrige Verfügbarkeit von Wohnraum bei
geringer Wirkung der Preissenkungsmecha-
nismen
Auf sich selbst zentrierte Stadtgesellschaft
mit Tendenz zum Bewahren des Bestehen-
den
Abschottung von sozio-kulturellen Gruppie-
rungen bei gleichzeitiger Isolation des Indivi-
duums
(Leicht) schrumpfende Stadt durch Fortzugs-
überschuss trotz gleichzeitigem Geburten-
überschuss
Hoher Anteil der unter 30-Jährigen im
Verhältnis zur Gruppe der 30-65-Jährigen
Hohe Lebenshaltungskosten bei gleichzeitig
geringem verfügbaren Einkommen der
breiten Masse
Geringe Nachfrage nach bezahlbarem
Wohnraum bei gleichzeitig geringem Wohn-
raumangebot
Auflösung eingesessener Unternehmen bei
gleichzeitig innovationsfeindlicher Umge-
bung (ausblutender Wirtschaftsstandort)
Rückständiger wirtschaftlicher Standort mit
Fokus auf die Minimierung des Ressourcen-
verbrauchs sowie Berücksichtigung sozialer
Aspekte
Geringe aktive Fürsorge von Stadt und
Bürgerinnen und Bürgern für sozial Benach-
teiligte bei kaum vorhandener sozialer
Durchlässigkeit
Großer Hochschulstandort mit schlechtem
Forschungs-und Lehrangebot
Defizitärer Haushalt durch eine Verschlech-
terung von internen und externen wirt-
schaftlichen und politischen Rahmenbedin-
gungen
Bekämpfung der vielfältigen Lebensformen,
sowohl aus gesellschaftlicher als auch aus
rechtlicher Hinsicht
Szenario 3: Das erstarrte Münster
Trotz einer großen Hochschüle ünd einer eher jüngen Stadtgesellschaft hat
Mü nster erhebliche Probleme im sozialen ünd gesellschaftlichen Bereich.
22
Wirtschaft ünd Politik
In den letzten Jahren ist es nicht gelungen, die klein - und mittelständische Struktur der
Bestandsunternehmen in Münster aufrechtzuerhalten. Aufgrund von fehlender Bindung
an die Stadt und Engpässen bei Gewerbe - und Industrieflächen sind viele der bestehen-
den Unternehmen aus Münster und dem Umland abgewandert. Zeitgleich ist die Innova-
tionsoffenheit von Münster und auch dem Münsterland gesunken, was auch zu einer
mangelnden Vernetzung in Münster und der Umgebung geführt hat. Insgesamt haben
sich keine Neugründungen oder Spin -offs in Münster entwickelt oder angesiedelt. Dies
hat dazu geführt, dass auch die Qualität und das Ausmaß der Digitalisierung in allen Le-
bens- und Wirtschaftsbereichen unter dem Durchschnitt der Bundesrepublik liegen. Es
gibt immer noch kein umfassendes Glasfasernetz in Münster und technologische Innova-
tionen wie virtuelle/erweiterte Realität oder selbstfahrende Autos/Busse werden nicht
angeboten. Mit dem mangelnden Angebot geht ebenfalls eine vergleichsweise geringe
Nutzung digitaler Produkte einher. Im Vergleich zu 2018 konnten nur eine verhältnismä-
ßig geringe Produktivitätssteigerung durch die limitierten Digitalisierungsangebote erzielt
werden.
Die schwächelnde Wirtschaft in Münster hat sich ebenfalls auf die Nachhaltigkeit ausge-
wirkt. Während ökologischen Aspekten – wie etwa der Einhaltung der planetaren Gren-
zen (in Bezug auf Münster) oder Grenzwerten für Feinstaubbelastung – eine gewisse
Priorität eingeräumt wird, bleiben wirtschaftliche Ziele auf der Strecke. Im Vergleich zu
anderen deutschen Großstädten gilt Münster als rückständiger Wirtschaftsstandort, was
die Wettbewerbsfähigkeit im regionalen und überregionalen Vergleich erheblich ein-
schränkt.
Abbildung 12: Wortwolke das erstarrte Münster
Münsters Einwohnerzahl liegt deutlich unter dem im Jahr 2018. Zwar dominierte in den
letzten Jahren die Anzahl der Geburten die der Sterbefälle, doch war es nicht möglich,
die zahlreichen Fortzüge zu kompensieren. Infolge der hohen Geburtenzahlen ist die
Altersstruktur der Bevölkerung von einem hohen Anteil junger Menschen geprägt. Dies
ist ebenfalls mit der Vielzahl an Studierenden zu begründen. Dennoch verlassen viele
Menschen mittleren Alters Münster aufgrund der wirtschaftlich schlechten Situation und
suchen sich Arbeit in anderen Städten.
Das Wertesystem der Münsteraner Stadtgesellschaft hat sich in den letzten Jahren ver-
ändert: Vielen Menschen geht es darum, bestehende Bräuche und Traditionen zu be-
wahren anstatt diese zu erneuern oder zu verändern. Bestehende Leitmilieus aus der
Vergangenheit (wie z. B. die „Kiepenkerl-Mentalität“) existieren nahezu unverändert
weiter. Im Alltag zeigt sich die Tendenz zum Bewahren von Bestehendem vor allem darin,
dass neue Mobilitäts- oder Wohnkonzepte nur bedingt akzeptiert werden. Damit verbun-
den herrscht eine geringe Akzeptanz für gesellschaftliche Vielfalt, da diese bestehende
Bräuche und Traditionen gefährden könnte. Es existieren kaum Lebensformen abseits
des Mainstreams (wie z. B. gleichgeschlechtliche Ehen oder Transgender -
Partnerschaften).
Mit der Tendenz, das Bestehende zu bewahren, hat sich ebenfalls eine Tendenz zur
Selbstzentrierung ergeben. Der Zusammenhalt in allen gesellschaftlichen Bereichen hat
sich daher reduziert. Ideale wie Nächstenliebe, Solidarität und Humanität haben heute
eine andere Bedeutung als noch 2018. Dieser Wertewandel hat sich ebenso auf die Le-
bensstile und kulturellen Hintergründe ausgewirkt: Unterschiedliche soziokulturelle
Gruppen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend voneinander abge-
schottet und ein fruchtbarer Dialog zwischen einzelnen Milieus ist zur Seltenheit gewor-
den. Die Situation der Abschottung wird durch Gentrifizierungs -Tendenzen und hohe
Migration befeuert. Die gestiegene Selbstzentrierung hat zu einer Entfernung der Men-
schen untereinander geführt. Individuelle Begegnungen zwischen Menschen finden ins-
besondere im Alter nur noch selten statt. Auch der Lebensentwurf vieler junger Men-
schen sieht ein Single -Dasein vor und viele von ihnen halten Kontakt nur noch über ihr
Smartphone.
Unter diesen Entwicklungen leidet vor allem das bürgerschaftliche Engagement. Es ist
mittlerweile kaum noch möglich, genügend motivierte Freiwillige für Ehrenämter und
freiwillige Arbeit zu finden, was auch daran liegen könnte, dass die öffentlichen Instituti-
onen ein solches Engagement nur noch sehr begrenzt fördern.
Die schwache Wirtschaft in Münster hat ebenfalls Auswirkungen auf die finanzielle Situa-
tion der Stadt. Die Stadtkasse wurde aufgrund fehlender Einnahmen aus Gewerbe - und
Grundsteuer stark strapaziert. Geld ist nur noch für wenige, besonders wichtige Vorha-
ben verfügbar. Die Bereitstellung von erweiterten Bürgerservices ist aufgrund der ange-
spannten finanziellen Situation nicht möglich. Zusätzlich belastet auch der politische
Umgang mit finanziellen Ressourcen die Stadtkasse. So hat sich kein stabiles politisches
Zielsystem etablieren können und das Vorgehen wird durch kurzfristig orientierte Akti-
onspläne dominiert. Diese defizitäre Situation hat zur Folge, dass das Bonitätsrating her-
abgestuft wurde und die Zinsen für Münster gestiegen sind.
23
Gesellschaft ünd Bevo lkerüng
Foto: Presseamt Münster / Bernhard Fischer
Bildüng ünd Wissenschaft
Seit 2018 ist das Bildungsniveau in Münster etwas gesunken. Dies ist einerseits der
schlechter gewordenen Qualität der Prozesse in den Bildungseinrichtungen geschuldet,
was sich z. B. in einer schlechteren Ausstattung oder qualitativ schlechterem Lehrperso-
nal ausdrückt. Andererseits herrscht auch ein Ungleichgewicht im Bildungsmarkt, denn
das Bildungsangebot in Münster passt nicht mehr zur Bildungsnachfrage. Während der
Bildungsmarkt schwerpunktmäßig auf ein höheres Bildungsniveau ausgerichtet ist, rich-
tet sich die Nachfrage eher nach mehr Facharbeitern und Handwerkern.
24
In den vergangenen Jahren sind die Lebenshaltungskosten durch einen weiteren Anstieg
der Preise für Lebensmittel, Bekleidung und Unterkünfte gestiegen. Bedingt durch die
schwache Münsteraner Wirtschaft bleiben die Löhne und Einkommen hinter diesem
Anstieg zurück. Zudem gibt es mehr Erwerbslose in Münster als in der Vergangenheit. Im
Vergleich zu 2018 haben mehr Menschen weniger als 60 % des mittleren Einkommens
zur Verfügung und gelten somit als arm. Diese Menschen sind zudem vermehrt von sozi-
aler und kultureller Teilhabe ausgeschlossen. Ein Großteil der Betroffenen hat nicht das
Geld, um nötige Ausgaben zu tätigen. Ausgelöst durch das auf sich selbst zentrierte ge-
sellschaftliche Wertesystem ist die soziale Durchlässigkeit nur schwach ausgeprägt. Men-
schen die einmal in multiple Problemlagen geraten sind, rutschen und verbleiben daher
häufig in Armut.
Trotz des hohen Bedarfs an sozialer Fürsorge für Menschen in Armut ist das Engagement
der Stadt und der Gesellschaft gering. Aufgrund der angespannten finanziellen Situation
wurden bestehende Beratungssysteme reduziert und kaum neue Beratungsstellen ge-
schaffen und eine Verbesserung der Versorgungslage wurde nicht erzielt. Ebenso enga-
gieren sich nur wenige Bürgerinnen und Bürger ehrenamtlich zur Unterstützung sozial
Benachteiligter. Parallel zum mangelnden Unterstützungsangebot für Menschen in Ar-
mut ist auch das Unterstützungsangebot für Kinder, Jugendliche und Familien gering. So
bleibt die Kindertagesbetreuung in KiTas/KiGas ein starres System mit festen Öffnungs-
zeiten und einer definierten Betreuungsqualität. Es gibt nur wenige Möglichkeiten, auf
die spezifischen Bedürfnisse der verschiedenen Familienformen einzugehen. Insgesamt
wird aufgrund der mangelnden finanziellen Ressourcen eher der Mangel verwaltet, als
ein übergreifender Aktionsplan verfolgt. Neben diesen von der Stadt Münster zur Verfü-
gung gestellten Ressourcen zum Aufwachsen von Kindern fehlen den Kindern und Ju-
gendlichen auch die nötigen zeitlichen und räumlichen Freiräume für das Aufwachsen.
Spielplätze sowie öffentliche Treffpunkte für Jugendliche gibt es kaum noch. Die gesell-
schaftliche Akzeptanz für Kinder und Jugendliche ist insgesamt auf einem niedrigen Ni-
veau.
Durch die oben beschriebenen Gentrifizierungs -Tendenzen sowie einem höheren Anteil
von Menschen, die von Armut bedroht sind, kommt es in Münster zu einer sozialen Ent-
mischung der Bevölkerungsgruppen. Ein Entgegenwirken dieser Verdrängung von einzel-
nen Bevölkerungsgruppen, etwa durch Preissenkungsmechanismen in Form einer sozial-
gerechten Bodennutzung oder verschärften Verkaufsrichtlinien für Objekteigentümer,
zeigten nicht die gewünschte Wirkung oder wurden zu spät ergriffen. Während das An-
gebot an bezahlbarem Wohnraum in den letzten Jahren also kontinuierlich gesunken ist,
ist auch die Nachfrage nach eben diesen Wohnobjekten aufgrund der geringen Einkom-
men gesunken.
Soziale Faktoren
Foto: Presseamt Münster / Tilman Roßmöller
Stadtinfrastrüktür
Münster nimmt zwar noch immer seine Rolle als Oberzentrum des Münsterlandes ein
und bietet eine Vielzahl von Fachgeschäften, Fachkliniken und Warenhäusern, doch auch
hier ist der wirtschaftliche Druck zu spüren. Viele Einzelhändler, Dienstleistungsbetriebe
und Spezialgeschäfte sind auf jeden zahlenden Kunden angewi esen. Freiräume in der
Innenstadt sind Mangelware geworden bedingt durch immer weitergreifende Inan-
spruchnahme von Flächen z. B. am Prinzipalmarkt. Dadurch wird der konsumfreie Hand-
lungsspielraum in der Innenstadt immer stärker eingeschränkt. Wohnen in der Innen-
stadt ist mittlerweile nur noch den wohlhabendsten Menschen vorbehalten. Viele Men-
schen wurden in die Stadtteile und ins Umland verdrängt. Die Attraktivität dieser
Stadtteile ist sehr gemischt: Einige Stadtteile weisen eine schlechte Infrastruktur auf. Hier
gibt es kaum noch Versammlungspunkte wie Kneipen oder gastronomische Betriebe.
Diese Stadtteile sind meist hoch verdichtet und dienen lediglich zur Unterbringung von
Menschen. Dazu kommen jedoch auch wenig verdichtete Stadtteile, wie in die Jahre
gekommene Einfamilienhausgebiete in der Peripherie mit Bevölkerungsverlusten. Ein
qualitativ hochwertiges Leben ist hier nicht möglich und dementsprechend identifizieren
sich die Bewohnerinnen und Bewohner auch nicht mit ihrem Stadtteil. Andere Bereiche
von Münster sind hingegen Gegenstand der beschriebenen Gentrifizierungs -Tendenzen.
Hier haben Aufwertungsprozesse in den Quartieren seitens unterschiedlicher Akteure
stattgefunden. Diese Stadtviertel sind bunt gemischt, die wohnungsnahe Grundversor-
gung ist vorhanden und die Stadtteile besitzen ihre eigene Identität. Ebenso gibt es dort
ein umfangreiches Freizeitangebot, Sportstätten und vielfältige kulturelle Angebote.
Die Veränderung der Stadtstruktur hat ebenfalls Auswirkungen auf die Verkehrssituation
in Münster: Der innerstädtische Verkehr hat zugenommen, da das Infrastrukturangebot
in den schwachen Stadtteilen die Menschen zwingt, das Auto für Einkäufe und Besorgun-
gen zu nutzen. Parallel wurden keine smarten digitalen Verkehrsträger entwickelt. Auf-
grund der schwachen Wirtschaft hat sich der Pendelverkehr jedoch verringert.
25
Ebenso haben sich die Hochschulen in Münster verändert. Insbesondere die Universität
hat ihre Stellung als Hochschule mit guter Reputation, vor allem im internationalen Ver-
gleich, verloren. Weiterhin gibt es nur wenige Kooperationen zwischen der schwächeln-
den Münsteraner Wirtschaft und den Hochschulen. Abschlussarbeiten mit einem Praxis-
bezug oder Kooperations -Seminare finden nur noch in Ausnahmefällen statt, was sich
auch in einer gesunkenen Innovationsoffenheit ausdrückt. Trotz der mangelnden Exzel-
lenz der Münsteraner Hochschulen bleibt Münster ein beliebter Ort zum Studieren.
Durch die Neueröffnung zahlreicher neuer Studiengänge und durch ein internationales
Auftreten hat sich die Studierendenzahl in Münster erhöht. Insgesamt hat sich Münster
somit zu einem Hochschulstandort der Lehre, nicht aber der Forschung entwickelt. Doch
für viele der Studierenden in Münster ist eines klar: Die Zeit in Münster endet mit dem
Studienabschluss, denn es gibt hier keine Jobs!
Foto: Presseamt Münster / Angelika Klauser
SZENARIO 4
Niedrige Bildungsqualität und Bildungspas-
sung
Ineffektives und festgefahrenes Aus- und
Weiterbildungsangebot
Geringe Bedeutung und Akzeptanz des
Engagements in der Gesellschaft und schwa-
che Förderung durch öffentliche Institutio-
nen
Geringe Akzeptanz und Nutzung eines
überschaubaren und qualitativ schlechten
Digitalisierungsangebotes durch Verbrau-
cher
Geringe Freiräume zum Aufwachsen und
geringe Betreuungs- und Hilfsangebote für
Kinder, Jugendliche und Familien
Geringe Fokussierung auf ökologische sowie
Vernachlässigung sozialer und/oder wirt-
schaftlicher Aspekte
Schwache Innenstadt und (teilweise)
Stadtteile mit geringer Attraktivität
Niedrige Verfügbarkeit von Wohnraum bei
hoher Wirkung der Preissenkungsmechanis-
men
Auf sich selbst zentrierte Stadtgesellschaft
mit Tendenz zum Bewahren des Bestehen-
den
Abschottung von sozio-kulturellen Gruppie-
rungen bei gleichzeitiger Isolation des Indivi-
duums
Niedriger Wanderungs-Saldo (Zu- und
Fortzüge) und geringer Geburten-Sterbe-
Saldo (natürliche Bevölkerungsbewegung)
Dominanz der über 65-Jährigen in Münster
bei geringem Anteil von Menschen unter 30
Verfügbares Einkommen der breiten Masse
niedrig
Geringe Nachfrage nach bezahlbarem
Wohnraum bei gleichzeitig geringem Wohn-
raumangebot
Auflösung eingesessener Unternehmen bei
gleichzeitig innovationsfeindlicher Umge-
bung (ausblutender Wirtschaftsstandort)
Rückständiger wirtschaftlicher Standort
ohne Minimierung des Ressourcenver-
brauchs sowie Berücksichtigung sozialer
Aspekte
Geringe aktive Fürsorge von Stadt und
Bürgerinnen und Bürgern für sozial Benach-
teiligte bei kaum vorhandener sozialer
Durchlässigkeit
Ausbluten des Hochschulstandortes an
Studierenden
Defizitärer Haushalt durch eine Verschlech-
terung von internen und externen wirt-
schaftlichen und politischen Rahmenbedin-
gungen
Bekämpfung der vielfältigen Lebensformen,
sowohl aus gesellschaftlicher als auch aus
rechtlicher Hinsicht
Szenario 4: Das verwelkte Münster
Wirtschaft ünd Wissenschaft blüten aüs, wa hrend die Bevo lkerüng immer
kleiner wird ünd ü beraltert.
26
Wirtschaft ünd Politik
Der Wirtschaftsstandort Münster ist ausgeblutet. Eingesessene Unternehmen haben
sich nach und nach aufgelöst und Neugründungen konnten sich nicht etablieren. Die
starke klein- und mittelständische Wirtschaftsstruktur in Münster gehört der Geschichte
an. Nicht zuletzt die geringe Förderung des Wirtschaftsstandortes durch die politischen
Entscheidungsträger hat dazu beigetragen. Aber auch das geringe Bewusstsein der Bür-
gerinnen und Bürger für die Wirtschaft hat letztere in den Ruin getrieben. Münster ist
zudem verschlossen gegenüber Neuem. Innovationsoffenheit und Voraussetzungen für
eine Gründerkultur, sind hier definitiv nicht zu finden.
Unter anderem durch die miserable wirtschaftliche Lage hat sich die Wettbewerbsfähig-
keit Münsters stark reduziert. Nachwuchs - und Fachkräfte sind kaum noch vorhanden.
Aber auch die Vernachlässigung ökologischer sowie sozialer Nachhaltigkeitsaspekte hat
die Wettbewerbsfähigkeit Münsters reduziert. Eine Einhaltung der planetaren Grenzen
(in Bezug auf Münster) wird nicht konsequent verfolgt und die Biodiversität wird mit
Füßen getreten. Zudem liegt ein hohes Aufkommen von Mikroplastik in der Umwelt vor,
das durch unachtsame Müllentsorgung dorthin gelangt ist. Somit besteht eine unmittel-
bare Gefährdung für die Pflanzen - und Tierwelt in Münster. Ebenso ist das Verkehrs-
problem in Münster nach wie vor existent: Der Anteil an Autofahrerinnen und Autofah-
rern hat sich nicht reduziert, sondern ist aufgrund des schlechten ÖPNV und SPNV eher
gestiegen, sodass eine hohe Feinstaubbelastung die Qualität der Luft verschlechtert.
Alternative Verkehrspläne, die zu einer Verbesserung des ÖPNV - und SPNV -Angebots
führen sollten, sind fehlgeschlagen.
Abbildung 13: Wortwolke das verwelkte Münster
Münster hat sich zur Geisterstadt entwickelt, da in den letzten Jahren immer mehr Ein-
wohnerinnen und Einwohner fortgezogen sind und die Sterberate die Geburtenrate bei
Weitem übersteigt. Letzteres ist unvermeidbar, denn die Mehrheit der Münsteraner
Bevölkerung ist inzwischen stark gealtert. Die Lebenserwartung der Menschen ist zudem
durch die schlechte medizinische Versorgung in Münster im Vergleich zu den vorherigen
Jahrzehnten gesunken. Durch eine unzureichende Versorgung und Qualität von KiTa -
Plätzen für berufstätige Eltern sowie die durchweg schlechte finanzielle Lage der Müns-
teranerinnen und Münsteraner und der Stadt selbst, ist die Zahl der Geburten stark zu-
rückgegangen. Aus zahlreichen Gründen – seien es die schlechte Arbeits - und Wirt-
schaftslage oder der Mangel an Kultur - und Bildungsangeboten – zieht es die Menschen
zudem weg aus der Stadt.
Da der Zusammenhalt in der Bevölkerung stark zurückgegangen ist, ist Nachbarschafts-
hilfe in Münster inzwischen ein Fremdwort. Bürgerschaftliches Engagement wird alles
andere als großgeschrieben. Vielmehr ist es verpönt und die Menschen, die es dennoch
tun, erfahren keinerlei Würdigung. Auch von öffentlichen Institutionen geht keinerlei
Förderung für bürgerschaftliches Engagement aus. Diese Einstellung spiegelt sich grund-
sätzlich in den Werten der Stadtgesellschaft wider. Nächstenliebe, Humanität und Solida-
rität waren einmal in Münster vertreten, sind allerdings schon lange vergessen. Einzelne
Gruppen setzen ihr Interesse durch, ohne dem Gesamtinteresse aller Beachtung zu
schenken. Zwischen den verschiedenen Gruppen gibt es somit kaum einen Dialog und
die Stimmung ist geladen. Bestimmte Milieus werden ausgegrenzt und eine starke Ver-
schiebung zur Gentrifizierung ist erkennbar – kurzum: Es gärt in Münster! Dies führt
dazu, dass sich die Menschen immer mehr untereinander entfremden. Die Tendenz geht
zum Single-Dasein und insbesondere im Alter sind die Menschen stark auf sich gestellt.
Münster hält an den alten Werten fest und verschließt sich gegenüber neuen Trends und
innovativen Bewegungen. Dies gilt insbesondere für alternative Lebensformen. Vielfalt
ist in Münster nicht erwünscht und wird in keiner Weise unterstützt oder befürwortet.
Vielfältige Lebensformen stoßen vielmehr auf Widerstand sowohl seitens der Verwal-
tung der Stadt als auch der Bürgerschaft selbst.
Die Herausforderungen der Digitalisierung hat die Stadt Münster schlichtweg unter-
schätzt. Die Qualität der Vernetzung Münsters ist auf einem veralteten Stand. Ein flä-
chendeckendes Angebot an schnellem Internet ist nicht gegeben. Dieses hinterherhin-
kende Digitalisierungsangebot führt nicht zuletzt zur Abwanderung der Menschen und
Unternehmen aus Münster. Auch von anderen technologischen Entwicklungen ist das
„gallische Dorf Münster “ weitestgehend abgeschnitten. Dazu kommt, dass das Vertrau-
en seitens der Bürgerinnen und Bürger in das vorhandene digitale Angebot auf einem
niedrigen Niveau liegt, da man sich beispielsweise Sorgen um die Datensicherheit
macht.
Zudem ist die finanzielle Lage des städtischen Haushaltes kritisch zu sehen. Ein defizitä-
rer Haushalt liegt auf Grundlage von schlechten stadtinternen sowie stadtexternen Fak-
toren vor. Einerseits sind die Steuereinnahmen aufgrund der schlechten Wirtschaftslage
sehr gering. Die Stadt ist überschuldet, da viele Kredite aufgenommen werden mussten,
um Vorhaben in Münster umzusetzen. Durch die schlechte Bonität der Stadt sind diese
Kredite auch mit hohen Zinsen versehen, die die Stadt Münster kaum zurückzahlen
kann.
27
Gesellschaft ünd Bevo lkerüng
Foto: Presseamt Münster / Tilman Roßmöller
Foto: Presseamt Münster / Angelika Klauser
Bildüng ünd Wissenschaft
Das Bildungsniveau in Münster hat sich dramatisch verschlechtert. So hat die Bildungs-
qualität in den letzten Jahren stark gelitten. Es gibt keine große Bandbreite an Bildungs-
einrichtungen mehr und Abläufe sowie Prozesse in den existierenden Einrichtungen ha-
ben sich qualitativ verschlechtert, sodass es beispielsweise schwieriger geworden ist,
Bildungsabschlüsse zu erreichen. Ebenso hat auch die Qualität des Lehrpersonals ge-
litten. Das Aus - und Weiterbildungsangebot liefert kaum Entscheidungshilfen für den
Berufsweg und unternehmerisches Denken wird nicht gefördert. Zudem werden mögli-
che Talente nicht unterstützt und somit die Kompetenzen der nächsten Generationen
nicht adäquat ausgebaut. Das Aus - und Weiterbildungsangebot ist starr und erlaubt kei-
nerlei Anpassung an gegebene Trends. Der Einbezug der Digitalisierung in Bildungsange-
bote bleibt somit aus. Konzepte wie Life Long Learning, sowie eine Flexibilität in Bezug
auf verschiedene Bildungsabschlüsse (z. B. der zweite Bildungsweg) sind in Münster eher
rar.
28
Das verfügbare Einkommen der breiten Masse ist sehr gering. Dies hängt insbesondere
mit der schlechten wirtschaftlichen Entwicklung sowie den mangelnden Arbeitsplätzen
zusammen. Gleichzeitig sind die Lebenshaltungskosten jedoch auf einem so hohen Ni-
veau, dass der Konsum für die Einwohnerinnen und Einwohner Münsters nur einge-
schränkt möglich ist. An Sparen ist gar nicht zu denken, da man von der sprichwörtlichen
„Hand in den Mund “ lebt. Somit ist Münster durch eine hohe Armut und soziale Un-
gleichheit gekennzeichnet. Den wenigen Einwohnerinnen und Einwohnern, welche gut
bezahlte Arbeitsplätze in Münster innehaben, kommt der Großteil des Einkommens in
der Stadt zu. Durch diesen Zustand liegt eine klare Tendenz zu „Die Reichen werden
reicher, die Armen werden ärmer “ vor. Jedoch werden diese Probleme in der Gesell-
schaft keineswegs ausreichend thematisiert, sondern es wird sich vor einer Auseinander-
setzung damit verschlossen. Beratungsangebote für Menschen in Not existieren de facto
nicht. Es wird schlichtweg akzeptiert, dass es soziale Ungleichheit gibt und auch die
Stadtverwaltung zieht sich aus der Verantwortung. Arbeitslosigkeit und Armut haben
sich in das Stadtbild von Münster eingebrannt. Durch den erschwerten Zugang zur Bil-
dung ist es auch schwierig aus dem Teufelskreis zu entkommen, da die soziale Durchläs-
sigkeit denkbar gering ist.
Die Nachfrage nach Wohnraum in Münster ist stark zurückgegangen. Die geringe Attrak-
tivität und das schlechte Image der Stadt haben den Wunsch vieler Menschen in Müns-
ter zu leben erheblich reduziert. Auch die steigenden Kriminalitätsraten, welche auf-
grund der Unzufriedenheit in der Gesellschaft hervorgerufen werden, führen die Men-
schen zu diesem Entschluss. Die trotzdem hohen Wohnkosten sind damit zu begründen,
dass keine politische Unterstützung (beispielsweise durch Subventionen) stattfindet.
Investitionen in den sozialen Wohnungsbau oder Regelungen bezüglich einer Mietpreis-
bremse bleiben aus. Sozialgerechte Bodenordnung oder Verkaufsrichtlinien für Objektei-
gentümer, kommen in Münster ebenso nicht zum Einsatz. Somit gibt es viele leerstehen-
de Immobilien in Münster – nicht zuletzt, weil sich viele das Wohnen hier nicht leisten
können.
Familien mit Kindern haben es in Münster schwer: Die Betreuungs - und Hilfsangebote,
welche von der Stadt angeboten werden, sind quantitativ und qualitativ nicht ausrei-
chend. Zudem fehlt es ihnen an Flexibilität, welche von berufstätigen Eltern gewünscht
ist. So fehlen z. B. offene Ganztagsschulen und flexible KiTas/KiGas. Es mangelt an vielen
Stellen – sowohl an der Finanzierung von Betreuungsangeboten als auch an qualifizier-
tem Personal für die Durchführung. Auch Freiräume und Spielflächen sind in Münster
rar. Kindliche und familiäre Bedürfnisse werden nicht ausreichend in der Stadtplanung
berücksichtigt.
Soziale Faktoren
Foto: Presseamt Münster / Bernhard Fischer
Stadtinfrastrüktür
Sowohl die Innenstadt Münsters als auch die verschiedenen Stadtteile haben an Attrakti-
vität verloren. Münsters Innenstadt hat ihre Bedeutung als Oberzentrum und Erleb-
nisstandort aufgegeben. Die Verkehrsinfrastruktur ist sowohl innerstädtisch schlecht
ausgebaut, als auch im Fernverkehr unzureichend geplant. Das Image und die Lebens-
qualität haben in Münster abgenommen. Gründe hierfür sind beispielsweise die schlech-
te wirtschaftliche Lage oder die geringe Berücksichtigung einer nachhaltigen Lebenswei-
se. Darüber hinaus hinkt Münster auch in der medizinischen Versorgung hinterher, seit
das UKM geschlossen wurde. Auch das Kultur - und Sportangebot der Stadt befriedigt
nicht mehr die Nachfrage der Einwohnerinnen und Einwohner. Münsters Innenstadt ist
nicht mehr so, wie man sie einmal kannte: Es fehlen die Menschen, die über den Prinzi-
palmarkt oder den Wochenmarkt auf dem Domplatz schlendern. Auf dem Prinzipalmarkt
haben Ein-Euro-Läden Einzug gehalten. Die Menschen ziehen es daher vor, online einzu-
kaufen.
Ein ähnliches Bild zeichnet sich auch in den Stadtteilen ab. Die Infrastruktur ist dort
schlecht ausgestaltet. Es mangelt an Gastronomieangeboten, medizinische Fachpraxen
und an kulturellem und sportlichem Angebot. Obwohl es genügend Platz gibt, haben sich
keine Investoren für die geplanten Bauvorhaben gefunden, sodass auch hier Wohnraum
Mangelware ist. Die ÖPNV - und SPNV-Anbindung in die Innenstadt konnte nicht ausge-
baut werden, sodass es für die Bewohnerinnen und Bewohner der Stadtteile attraktiver
ist, mit dem Auto in die Stadt zu fahren, was dem Nachhaltigkeitsgedanken widerspricht.
Die Einwohnerinnen und Einwohner der Stadtteile weisen eine geringe Identifikation mit
ihrem jeweiligen Stadtteil auf, da es den Stadtteilen letztendlich an konkreten Profilen
fehlt.
29
Auch der ehemals große Hochschulstandort gehört der Geschichte an. Die Entwicklung
der Hochschulen ist auch durch die Entscheidung der Landesregierung, die Lehrerinnen -
und Lehrerausbildung zulasten großer Hochschulen stärker zu dezentralisieren derart
negativ verlaufen, dass Münster gegen das Ausbluten als Hochschulstandort kämpfen
muss. Bedenkt man den starken Fortzugstrend der Einwohnerinnen und Einwohner und
den hohen Anteil der Rentnerinnen und Rentner, ist bereits aus der demographischen
Struktur erkennbar, dass es den Hochschulen an Studierenden fehlt. Im Vergleich zu den
Studierendenzahlen vor einigen Jahrzehnten befindet sich Münster nun auf einem sehr
niedrigen Niveau. Neben der mangelnden Attraktivität der Stadt Münster trägt vor allem
die schlechte Qualität der Hochschulen zu der Entscheidung potenzieller Studierenden
bei, doch eine andere Hochschulstadt zu wählen. Weder die Breite noch die Tiefe des
Angebots der Hochschulen ist für Studierende anziehend. Außerdem gibt es kaum einen
Austausch zwischen den Hochschulen untereinander, vielmehr steht man im Wettbe-
werb zueinander. Auch der Austausch mit der Stadt und der Wirtschaft ist verbesse-
rungswürdig. Förderungen durch Exzellenzinitiativen stellen für die Münsteraner Hoch-
schulen inzwischen eine unerreichbare Utopie dar.
Foto: Presseamt Münster / Tilman Roßmöller
Foto: Presseamt Münster / Tilman Roßmöller
30
Im Hinblick auf die Szenarioverwendung, welche sich - wie zu Beginn beschrieben - auf
die Entwicklung von Strategien und Ableitung von Handlungsempfehlungen für die ein-
zelnen Szenarien befasst, wird für die Szenarioanalyse der Stadt Münster zunächst eine
weitere Konkretisierung der Schlüsselfaktoren vorgenommen. Diese Konkretisierung
zielt darauf ab, für jene Schlüsselfaktoren Strategien zu entwickeln, welche für die Zu-
kunft der Stadt conditio sine qua non sind. Dafür werden aus den 20 Schlüsselfaktoren
die zentralen Schlüsselfaktoren herausgearbeitet, die besonders relevant für die Stadt
Münster sind und die in den Szenarien eine besondere Rolle spielen.10 Da die Identifikati-
on der zentralen Schlüsselfaktoren eine immense Wichtigkeit für die Szenarioverwen-
dung darstellt , werden drei verschiedene Ansätze zusammengeführt (Triangulations -
ansatz), die allesamt die Frage nach den relevantesten Schlüsselfaktoren beantworten.
Durch eine finale Aggregation der drei Perspektiven soll die bestmögliche Auswahl der
zentralen Schlüsselfaktoren ermöglicht werden. Die drei Ansätze lassen sich dabei mit
folgenden drei Fragen beschreiben, welche im Folgenden analysiert werden:
(1) Welche Schlüsselfaktoren beeinflussen andere Faktoren am meisten?
(2) Welche Schlüsselfaktoren sind Auslöser von „Ursache-Wirkungs-Beziehungen“?
(3) Wie beeinflussen sich die Projektionen der Schlüsselfaktoren?
Die erste Analyse beschäftigt sich mit der Fragestellung nach solchen Schlüsselfaktoren,
die andere Faktoren am stärksten beeinflussen. Zur Beantwortung dieses Ansatzes bie-
tet sich insbesondere die Verwendung einer Kennzahl an, die bereits im Rahmen der
Einflussfaktorensammlung abgeleitet wurde. Die Aktivsumme gibt an, welche Höhe des
Einflusses eines Faktors auf alle anderen Schlüsselfaktoren hat. Die Erhebung der Aktiv-
summe wurde aus drei einzelnen Stichproben errechnet:
Umfrage unter Bürgerinnen und Bürgern
Umfrage unter Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadtverwaltung
Umfrage unter Studierenden der Hochschulen in Münster
Für alle drei Umfragen werden die Aktivsummen der 20 Schlüsselfaktoren in Abbildung
14 abgetragen. Um in der ersten Analyse als zentraler Schlüsselfaktor identifiziert zu
werden, wird folgende Bedingung formuliert: Ein Schlüsselfaktor muss sich in mindes-
tens zwei Umfragen unter den Top 10 befinden. Die Top 10 Schlüsselfaktoren sind durch
den grünen Kasten in Abbildung 14 gekennzeichnet und haben somit alle mindestens
eine Aktivsumme, die den Grenzwert von 350 übersteigt. Schlüsselfaktoren, die diese
Bedingung erfüllen, sind die folgenden sieben, beginnend mit der höchsten Aktivsumme:
1. Bildungsniveau
2. Verhältnis der Innenstadt und Stadtteile
3. Entwicklung der Wirtschaftssektoren
4. Werte der Stadtgesellschaft
5. Verdrängung von Bevölkerungsgruppen
6. Hochschulen und Studierendenzahlen
7. Einwohnerzahl
Identifikation von zentralen
Schlü sselfaktoren
______________________________________________________________________________________________________________________________________
10 Für die zentralen Schlüsselfaktoren werden im Folgenden aus Vereinfachungsgründen die bereits bekannten Schlüsselfak-
toren in verkürzter Form beschrieben und dargestellt. Zudem soll an dieser Stelle betont werden, dass eine Fokussierung
auf zentrale Schlüsselfaktoren nicht bedeuten soll, dass die weiteren 13 Schlüsselfaktoren für die Zukunftsgestaltung der
Stadt Münster irrelevant sind. Auch diese sollten mit Hilfe der richtigen Akteure adressiert werden. Die Herausstellung der
zentralen Schlüsselfaktoren dient letztendlich dazu die Faktoren herauszustellen, die insbesondere thematisiert werden
müssen, um ein positives Szenario zu erreichen.
31
Die zweite Analyse setzt sich mit der Fragestellung auseinander, welche Schlüsselfakto-
ren Auslöser von sogenannten „Ursache-Wirkungs-Beziehungen“ sind. Konkreter formu-
liert bedeutet dies, dass mithilfe eines Einflussnetzwerkes der Schlüsselfaktoren abgelei-
tet wird, wie häufig alle anderen Faktoren von einem Schlüsselfaktor beeinflusst werden.
Insofern zielt diese Analyse auf die Häufigkeit aller Beeinflussungen ab, wohingegen die
erste Analyse auf die Stärke aller Einflüsse eingeht. In Abbildung 15 sind die 20 Schlüssel-
faktoren in ihrem Beeinflussungsnetzwerk abgetragen. Je größer der jeweilige rote Punkt
eines Schlüsselfaktors ist, desto höher ist seine Anzahl an Beeinflussungspfaden (Pfade
mit einem ausgehenden Pfeil von einem Schlüsselfaktor), desto relevanter ist er für die-
ses Netzwerk und desto stärker erfüllt er das Kriterium. Ins Auge fallen dabei insbeson-
dere die Schlüsselfaktoren Bildungsniveau und Verdrängung von Bevölkerungsgruppen.
Um aus Analyse 2 als relevanter Schlüsselfaktor herauszukommen, muss die Bedingung
erfüllt sein, mindestens fünf Beeinflussungspfade aufzuweisen. Abbildung 15 enthält all
jene Schlüsselfaktoren aufgelistet nach ihrem Rang, welche diese Bedingung erfüllen.
Neben den beiden oben genannten Schlüsselfaktoren umfasst diese Auflistung Faktoren
wie Hochschulen und Studierendenzahlen, soziale Ungleichheit und Armut, Verfügbar-
keit von bezahlbarem Wohnraum und Werte der Stadtgesellschaft.
Foto: Presseamt Münster / Tilman Roßmöller
Abbildung 14: Ableitung der zentralen Schlüsselfaktoren auf Basis der Aktivsumme
Abbildung 15: Ableitung der zentralen Schlüsselfaktoren auf Basis des Einflussnetzwerkes
Die dritte Analyse basiert auf den Ergebnissen der Konsistenzanalyse. Bei der Konsistenz-
analyse erfolgt die Bewertung der Konsistenzen zwischen den Werten 5 (hoch konsis-
tent) und 1 (hoch inkonsistent). Eine 3 bedeutet Indifferenz der jeweils betrachteten
Projektionspaare. Um die Stärke des Zusammenhangs zwischen Projektionspaaren zu
bestimmen, bietet es sich insbesondere an, die Häufigkeiten der Ziffern 1 und 5 zu unter-
suchen. Um die Relevanz der Schlüsselfaktoren zu bestimmen, wird somit berechnet, wie
hoch der Anteil der Projektionen der jeweiligen Schlüsselfaktoren ist, die mit einer 1 oder
5 in Bezug auf andere Projektionen bewertet worden sind.
Foto: Presseamt Münster / Tilman Roßmöller
32
Der Anteil berechnet sich so, dass man die Ziffern 1 und 5 in Relation zu allen vergebe-
nen Bewertungen setzt. Tabelle 2 gibt die Top 10 Schlüsselfaktoren wieder, die den
höchsten Anteil an 1 und 5 aufweisen (beginnend mit Wirtschaftssektoren auf Platz 1
mit einem Anteil von 27,9 % bis hin zu Digitalisierung auf Platz 10 mit einem Anteil von
Tabelle 2: Ableitung der zentralen Schlüsselfaktoren auf Basis der Konsistenzanalyse
Nach der Zusammenführung aller drei Ansätze ergibt sich das in Abbildung 16 dargestell-
te Ergebnis. Um für die Szenarioverwendung als zentraler Schlüsselfaktor zu gelten, muss
ein Faktor mindestens zweimal in den Ergebnissen der drei Ansätze vorgekommen sein.
Diese Bedingung trifft auf sieben Schlüsselfaktoren in Abbildung 16 zu. Insbesondere die
Schlüsselfaktoren Hochschulen und Studierendenzahlen sowie Entwicklung der Wirt-
schaftssektoren stechen heraus, da sie in allen drei Ansätzen als zentrale Schlüsselfakto-
ren identifiziert worden sind. Ansonsten befinden sich unter den als zentral identifizier-
ten Schlüsselfaktoren Digitalisierung, Bildungsniveau, Verfügbarkeit von Wohnraum,
Einwohnerzahl sowie Werte der Gesellschaft. Wichtig zu betonen ist, dass unter den
sieben zentralen Schlüsselfaktoren auch eben jene Faktoren sind, in welchen sich die
Szenarien 1 und 2 im Wesentlichen voneinander unterscheiden. Um für die Zukunftsge-
staltung zwischen den beiden Szenarien differenzieren zu können, sind die Faktoren auch
aus diesem Grunde sehr relevant. Die sieben identifizierten zentralen Schlüsselfaktoren
bilden die Grundlage für die Szenarioverwendung. Für diese sieben werden im nächsten
Schritt relevante Treiber, Handlungskorridore sowie Adressaten identifiziert.
Abbildung 16: Aggregation der Ergebnisse des Triangulationsansatzes
Die zentralen Stellschrauben für die Stadtentwicklung
sind: Hochschulen und Studierendenzahlen, Entwick-
lung der Wirtschaftssektoren, Digitalisierung, Verfüg-
barkeit von bezahlbarem Wohnraum, Bildungsniveau,
Werte der Gesellschaft, Einwohnerzahl
Foto: Presseamt Münster / Joachim Busch
Aktivsumme Einflussnetzwerk
Konsistenzen
• Hochschulen und
Studierendenzahlen
• Entwicklung der
Wirtschaftssektoren
• Digitalisierung
• Verfügbarkeit
von bezahlbarem
Wohnraum
• Bildungsniveau
• Werte der Gesellschaft
• Einwohnerzahl
Rang Schlüsselfaktor Anteil von Konsistenzen 1 und 5
1 Wirtschaftssektoren 27,9%
2 Wettbewerbsfähigkeit Münsters 26,9%
3 Einwohnerzahl 25,6%
4 Hochschulen und Studierendenzahlen 24,4%
5 Nachhaltigkeit 24,0%
6 Bürgerschaftliches Engagement 20,2%
7 Städtischer Haushalt 19,9%
8 Entwicklung der Altersstruktur 18,6%
9 Verfügbarkeit von bezahlbarem Wohnraum 17,0%
10 Digitalisierung 16,7%
33
Nachdem aus den 20 Schlüsselfaktoren die sieben zentralen Schlüsselfaktoren für die
Stadtentwicklung abgeleitet wurden, wird im folgenden Schritt beleuchtet, auf welche
Weise diese zentralen Schlüsselfaktoren beeinflusst werden können. 11 Dazu wurden die
sieben Schlüsselfaktoren in drei zusammenhängende thematische Gruppen zusammen-
gefasst: Wirtschaft und Digitalisierung, Werte und Qualitäten einer wachsenden Stadt
sowie Wissenschaft, Hochschule und Bildung. Um das breite Know -how von Expertinnen
und Experten, die bereits vorher am Szenarioprozess beteiligt waren, auch in diesem
Schritt einfließen zu lassen, wurde als Format ein Workshop eingesetzt. Im Rahmen des
Workshops wurden die Expertinnen und Experten gebeten ihre Einschätzung zu den drei
folgenden Aspekten zu geben:
Treiber: Was bewirkt mit Blick auf die drei Gruppen maßgeblich eine Entwicklung
zum „Wert-vollen Münster“?
Handlungskorridore: Worauf ist (unbedingt) zu achten und was ist zu tun, damit
das „Wert-volle Münster“ in dieser Hinsicht auch erreicht werden kann?
Adressaten: Wer muss handeln, damit – auf die drei Gruppen bezogen – zum Ziel
„Das Wert-volle Münster“ entsprechend beigetragen wird?
Diese Erklärungen wurden in die jeweiligen Arbeitsvorlagen (siehe Tabelle 3 bis 5) einge-
bunden. Im Einzelnen wurden parallel drei Arbeitsgruppen durchgeführt, wobei die sie-
ben zentralen Schlüsselfaktoren den Themenbereichen wie folgt zugeordnet waren.
Arbeitsgruppe 1: Wirtschaft und Digitalisierung
(1) Entwicklung der Wirtschaftssektoren
(2) Digitalisierung
Arbeitsgruppe 2: Werte und Qualitäten einer wachsenden Stadt
(3) Einwohnerzahl
(4) Werte der Gesellschaft
(5) Verfügbarkeit von bezahlbarem Wohnraum
Arbeitsgruppe 3: Hochschulen und Bildung
(6) Entwicklung der Hochschulen und Studierendenzahl
(7) Bildungsniveau
Bei der Zusammensetzung der Workshopteilnehmerinnen und -teilnehmer wurde insbe-
sondere darauf geachtet, dass bereichsübergreifend eingeladen wurde und somit ver-
schiedene Perspektiven in die Arbeitsphase integriert werden konnten. So waren Vertre-
terinnen und Vertreter insbesondere aus Politik, Verwaltung, Verbänden, Hochschule,
Wirtschaft, Gewerkschaften und allgemeinen Bildungsinstitutionen eingebunden. Der
einbezogene Personenkreis wurde dabei schwerpunktmäßig an den sieben zentralen
Schlüsselfaktoren ausgemacht. Außerdem waren überwiegend Expertinnen und Exper-
ten an dem Workshop beteiligt, welche bereits den Schritt der Projektionsfindungen
unterstützt und ihr Interesse am weiteren Prozess geäußert hatten. Bei der Zusammen-
stellung der Arbeitsgruppen wurde darauf geachtet, dass in jeder Gruppe Expertinnen
und Experten des jeweiligen Fachgebietes anwesend waren. Sie wurden durch fachfrem-
de Expertinnen und Experten ergänzt, um Querdenken zu ermöglichen und Diskussionen
anzuregen.
Die Ideen zu den Treibern, Handlungskorridoren sowie Adressaten wurden in den jeweili-
gen Workshops mithilfe einer abgewandelten Form der Kreativitätstechnik 6 -3-5 gene-
riert. Das Verfahren basiert auf einem Prozess aus drei Schritten. Im ersten Schritt be-
nannten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ihrer Sicht relevante Treiber zur Ent-
wicklung in Richtung des „Wert-vollen Münsters“ auf die Arbeitsvorlage (siehe Tabelle 3
bis 5). Die Zettel wurden daraufhin an die nächste Person weitergereicht. Die zweite
Person formulierte auf Basis der Treiber der vorherigen Person passende Handlungs -
korridore.
Ableitüng von Treibern, Handlüngskorrido-
ren sowie Adressaten
_______________________________________________________________________________________________
11 Dazu wird eines der Szenarien als Denkwerkzeug benutzt: „Das Wert-volle Münster“. Die Auswahl des „Wert-vollen Münsters“ wurde
getroffen, da dieses Szenario das mit Abstand attraktivste Szenario für die Stadt Münster ist. Daher wird das „Wert-volle Münster“ als
Leitbild für die Stadtentwicklung zugrunde gelegt, welches es zu erreichen gilt. Somit wurden alle Themen und Diskussionen mi t dem
Ziel, das „Wert-volle Münster“ zu erreichen, durchgeführt.
Foto: Presseamt Münster / MünsterView
34
Schließlich ergänzte eine dritte Person zu den Treibern und Handlungskorridoren seiner
Meinung nach relevante Adressaten. Nachdem alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer
eines Workshops die Möglichkeit hatten alle ausgefüllten Zettel zu lesen, wurden in einer
anschließenden Diskussion die fünf Treiber mitsamt Handlungskorridoren und Adressa-
ten bestimmt, die für die Schlüsselfaktoren des Workshops von besonderer Bedeutung
für die Stadt Münster sind. Anschließend wurden die Gruppenergebnisse in Plenum vor
allen Workshopteilnehmerinnen und -teilnehmern vorgestellt, diskutiert und ergänzt.
Die zur Präsentation genutzten Ergebnisse der drei Workshops finden sich in den Tabel-
len 3 bis 5.
Tabelle 3: Ergebnisse des Workshops „Wirtschaft und Digitalisierung“
Tabelle 4: Ergebnisse des Workshops „Werte und Qualitäten einer wachsenden Stadt“
Foto: Presseamt Münster / MünsterView
„Treiber“ „Handlungskorridore“ „Adressaten“
Verlinkung zwischen Stadt und
Region
• Infrastruktur(Flächen, Verkehr, Breitband)/ÖPNV
• Interkommunale Wirtschaftsförderung
• Gemeinsames Auftreten als ein Standort
• Schaffung von mehr Anreizen zur Zusammenarbeit
• Landräte, OB
• Wirtschaftsförderungen
• Verkehrsverbünde
• Münsterland e.V.
• Digital Hub
Infrastruktur(Flächen, Verkehr,
Breitband)
• Schaffung von Wohnraumangebot
• Schaffung von Ansiedlungsflächen für die Wirtschaft
• Erreichbarkeit für Personen und Güter
• FlächendeckenderGlasfaserausbau
• Stadt Münster und städtische Unternehmen
• T elekommunikationsunternehmen
• Land und Bund
Arbeitskräftepotenzial • Schaffung von Wohnraumangebot
• Ausbildungs-/Weiterbildungsangebote ausbauen
• Fachkräfte für Zukunftsberufe und gering qualifizierte
Berufe
• Attraktivität Münsters steigern für Arbeitskräfte
• Bildungsinstitutionen (Kammern, VHS…)
• Hochschulen
• IHK und HWK
• Berufsbildende Schulen
• Gewerkschaften
• Unternehmen
• Wohlfahrtsverbände
Wirtschaftsfreundliches Klima • Schaffung Bewusstsein für Anforderungen der
Unternehmen
• geringere Restriktionen durch Politik (Bürokratie-
Abbau)
• Kooperationen und Zusammenarbeit mit Initiativen
• Offenheit für Innovation/Gründergeist
• Stadtgesellschaft
• Stadtverwaltung
• Stadtpolitik (z.B. Rat)
• Unternehmen
• Medien
• Wohlfahrtsverbände
Kooperationen zwischen
Wissenschaft und Wirtschaft
• Stärkung Innovation/Gründergeist
• Aktive Förderung von Ausgründungen
• Kooperative Forschung
• Anreize schaffen für Zusammenarbeit/Barrieren
reduzieren (insbes. KMUs)
• Hochschulen
• Kammern
• Unternehmen
• Digital Hub
„Treiber“ „Handlungskorridore“ „Adressaten“
Subsidiarität, Partizipation und Verantwortung:
Aktive Bürgerschaft mit gegenseitigem Respekt
und Akzeptanz der Milieupluralität
• Akzeptanz und aktive Förderung durch Politik und
Verwaltung
• Erkenntnisgeleitete Meinungsbildung und
Entscheidung der Politik
• Oberbürgermeister
• Stadtpolitik, Stadtgesellschaft, Sozialverbände
• Jeder Einzelne
GemeinwohlorientierteWohnungs- und
Baulandpolitik
• Neue Konzepte für den sozialen Wohnungsbau;
Erfahrungen aus dem europäischen Ausland
• Die Stadt „von den Menschen her“ denken
• Aufbrechen der Funktionstrennung
• Generationsübergreifendes Wohnen
• Wohnbau- und Nutzungsexperimente
• Neue Trägermodelle
• Kreativ und pragmatisch
• Bund, Land, Eigentürmer, Investoren und
Bewohner, Wohnungsbaugesellschaften,
genossenschaftliche Formen, neue Träger,
Baugruppen
Soziale Balance und T oleranz in der
Stadtgesellschaft:
Generationengerechte Stadtentwicklung
• Zentrales kommunalpolitisches Lern- und
Handlungsfeld
• 3. Mission der Hochschulen
• Erziehung und Bildung (KiTas, Schulen, VHS)
• Begegnungsstätten
• Moderierende Dialogstrukturen in den Quartieren
• Politik
• Stadtgesellschaft in allen Facetten (u.a.
Wohlfahrtsverbände, Wirtschaft, Vereine,
Initiativen, Medien,…)
Moderne nachhaltigeInfrastruktur für Verkehr in
einer lebenswerten grünen Stadt
• „Gratis“ ÖPNV Nutzung für Einwohner (z.B.
Finanzierung über kommunale Steuerregelungen)
• AttraktiveTaktung und Erreichbarkeit (z.B. über
Schiene)
• Bund, Land, Münsterland, Stadt
Stadt in regionalpartnerschaftlicher Verantwortung • Zusammenarbeit mit derRegion in allen relevanten
Handlungsfeldern auf Augenhöhe
• Stadt
• Kreise
• Gemeinden
• Regional relevante Institutionen
35
Bei genauer Betrachtung der Ergebnisse der drei Workshops fällt auf, dass einige Treiber
wiederholt auftauchen, weshalb diesen Treibern eine besondere Relevanz zugesprochen
werden kann. Dazu zählen:
Entwicklung der Infrastruktur (Verkehr, Digitalisierung…)
Wohnpolitik
Engagement und Verantwortung der Stadtgesellschaft
Wissenschaft und Wirtschaft
Ausbau des Breitbandnetzes
Zusammenarbeit der Stadt mit der Region
Bei breiter Zustimmung der Expertinnen und Experten wurden die vorgetragenen Ergeb-
nisse wie folgt ergänzt:
Arbeitsgruppe 1: Wirtschaft und Digitalisierung
Die Medien als Adressat sind ebenfalls relevant, da sie in Münster durch ihre Stel-
lung ein hohes Gewicht haben.
Ggfs. lässt sich diese Blase durch verstärkte, eigene Kommunikation in Online-
medien aufbrechen.
Arbeitsgruppe 2: Werte und Qualitäten einer wachsenden Stadt
Bei den vielen verschiedenen Wohnungsformen für den sozialen Bereich sollten
auch die mittelständischen Familien bedacht werden.
Die Stadt ist nicht nur selbst Adressat, sondern auch in regionalpartnerschaftlicher
Verantwortung.
Arbeitsgruppe 3: Hochschulen und Bildung
Es wird angeregt, dass für den Treiber „Entwicklung der Wirtschaftssektoren “ die
Adressaten konkretisiert werden, um eine höhere Verbindlichkeit herzustellen.
Als weitere Konsequenz aus den genannten Handlungskorridoren sollte eine Wirt-
schaftsstrategie für den Standort resultieren (teilweise sind Aspekte im Antrag für
das Exzellenz Start-up Center.NRW an der WWU bereits enthalten).
Zudem wird darüber diskutiert, inwiefern die Hochschulen den Unternehmergeist
der Studierenden stärken kann.
Aber auch die Schulen und KiTas als Ort der Vermittlung einer entsprechenden Feh-
lerkultur wurden genannt.
Tabelle 5: Ergebnisse des Workshops „Wissenschaft, Hochschule und Bildung“
Foto: Presseamt Münster / Tilman Roßmöller
„Treiber“ „Handlungskorridore“ „Adressaten“
Entwicklung der
Wirtschaftssektoren
• Start-Ups fördern & binden: Gründergeist schaffen
• Sinnvolles Zusammenspiel Wirtschaft & Wissenschaft:
Kulturwandel/deathvalley überwinden
• Diversifizierung der Wirtschaftsstruktur
• Alle (von der Familie bis zur EU)
• Institutionen
• Initiatoren des Exzellenz Start-Up Centers
Digitalisierung • Flächendeckend hochqualitative Infrastruktur (auch
überregional)
• Digitale Mündigkeit/Kompetenz
• Digitale, effektive/zielgerichtete Angebote (z.B.
Vernetzung Wirtschaft & Wissenschaft)
• Klima für alternative Ansätze dezentraler Infrastruktur
(Grassroot)
• Stadt in Absprache mit Nachbargemeinden & Bürgern
• (Weiter-)Bildungsakteure
• ITK-Unternehmen
Werteder Stadtgesellschaft • Durchmischung/Heterogenität sicherstellen (z.B.
Herkunft, Religion, Alter, Status)
• Internationalisierungsstrategie
• Bürgerschaftliches Engagement der
Hochschulmitglieder
• Stadtgesellschaft
• Hochschulen
Bezahlbarer Wohnraum • Wohnraum schaffen für verschiedene Lebensentwürfe
(z.B. WG‘s, Familien etc.)
• Institutionen
• Wohnungsgenossenschaften
• Wohnungsbaugesellschaften
• Stadt Münster
Verkehrsinfrastruktur/Mobilität • Handlungskorridor über alle Bereiche (in der Stadt
und darüber hinaus)
• Stadt Münster
• Verkehrsbetriebe
An der Münster Zukunft 2030/2050 müssen im Prinzip alle betroffenen Einzelpersonen,
Gruppen und Institutionen mitwirken. Tabelle 6 stellt eine Funktionenzuordnungsmatrix
(FZM) dar, welche im Wesentlichen auf dem oben beschriebenen Expertenworkshop
basiert. Sie zeigt in einer systematischen Auflistung, dass eine breite Beteiligung notwen-
dig ist, um die sieben zentralen Schlüsselfaktoren so zu managen, dass die Erreichung
des Szenarios 1 gewährleistet ist. Trotz der breiten Mitwirkungsnotwendigkeit werden
den Beteiligten unterschiedliche Rollen zugewiesen. Die Tabelle zeigt des Weiteren eine
Übersicht, welche Gruppen speziell für einzelne strategische Themenstellungen relevant
sind. Die FZM lässt vier Typen von Rollen erkennen:
1. Rolle: Die Gesamtverantwortlichen
Die Gesamtverantwortlichen sind durch die rote Umrandung gekennzeichnet. Als do-
minantes Beschreibungsmerkmal lässt sich für die drei Stakeholder erkennen, dass Sie
an allen Treibern der sieben zentralen Schlüsselfaktoren beteiligt sind. Sie sind der
Träger des Programms. Dazu zählen die Stadtverwaltung, die Stadtpolitik und als Chef
beider Bereiche der Oberbürgermeister.
2. Rolle: Die themenspezifischen Koordinatoren
Die themenspezifischen Koordinatoren definieren die Treiber, bei denen eine breite
Unterstützung durch alle Stakeholder notwendig ist. Sie sind durch die blaue Umran-
dung gekennzeichnet. Herausragend zeigen sich hier die Koordinationsnotwendigkei-
ten aller Beteiligten im Hinblick auf Entwicklung der Wirtschaftssektoren und Werte
der Stadtgesellschaft. Die themenspezifische Beteiligung aller Parteien erfordert eine
ebenso themenspezifisch abgestimmte Koordination. Dabei ist festzulegen, wer dafür
sorgt, dass der Kooperationsprozess in Gang kommt und funktionsfähig bleibt.
3. Rolle: Die Spezialisten
Die Spezialisten sind dadurch gekennzeichnet, dass sie in der FZM auf spezifische Prob-
leme ausgerichtet werden. Um die Matrix nicht zu überfrachten, haben wir die Betei-
ligten, die spezifische Aufgaben zu übernehmen haben, in der letzten Spalte mit Ab-
kürzungen erfasst. Sie sind durch eine grüne Umrandung gekennzeichnet. Beispielhaft
lässt sich dies an den Verkehrsverbünden (VV) demonstrieren. Die VV sind verantwort-
lich für die Verlinkung zwischen Stadt und Region, eine moderne nachhaltige Infra-
struktur und für die Stadt in regional-partnerschaftlicher Verantwortung. Also alles
verkehrspolitische Themen.
4. Rolle: Die Allrounder
Die Player der lokalen Umgebung (z. B. Gemeinden), der globalen Umgebung (z. B. das
Land), der Hochschulen, der Wirtschaft, der Stadtgesellschaft und der Medien müssen
auf mehreren Gebieten ihre Rolle ausüben. Sie sind somit als Allrounder zu bezeich-
nen, da sie Kenntnisse und Fähigkeiten auf zahlreichen Gebieten besitzen und diese
anwenden müssen. Die Allrounder sind in der Tabelle 6 in Gelb markiert.
Fünktionszüordnüngsmatrix
36
Foto: Presseamt Münster / Tilman Roßmöller
Foto: Presseamt Münster / Angelika Klauser
Wissenschaft, Hoch-
schule und Bildung
Verlinkung
zwischen Stadt
und Region
X
X
X
X
(Land)
X
X
DH / Me.V /
VV / WF /
SR / MONT /
Euregio
Infrastruktur
(Flächen,
Verkehr, Breit-
band)
X
X
X
X
X
X
TK / WF
Arbeitskräftepo-
tential
X
X
X
X
X
BI / G /
HWK / IHK /
WF
Wirtschafts-
freundliches
Klima
X
X
X
X
X
X
X
BI / WF
Kooperationen
zwischen Wis-
senschaft und
Wirtschaft
X
X
X
X
X
X
BK / DH /
IHK / HWK
Subsidiarität,
Partizipation
und Verantwor-
tung
X
X
X
X
X
X
BI / SoV
Gemeinwohlori-
entierte Woh-
nungs- und
Baulandpolitik
X
X
X
X
X
X
X
G / WG /
SoV / SR
Soziale Balance
und Toleranz in
der Stadtgesell-
schaft
X
X
X
X
X
X
X
BI / SoV
Moderne nach-
haltige Infra-
struktur für
Verkehr in einer
lebenswerten
grünen Stadt
X
X
X
X
X
X
VV
Stadt in regional
partnerschaftli-
cher Verantwor-
tung
X
X
X
X
X
(Land)
X
X
IHK / HWK /
VV / Me.V /
SR / MONT /
Euregio
Entwicklung der
Wirtschaftssek-
toren
X
X
X
X
X
X
X
X
X
BK / IHK /
DH / HWK /
SuC
Digitalisierung X X X X X X X BI / ITK / DH
Werte der
Stadtgesell-
schaft
X
X
X
X
X
X
X
X
G / SoV
Bezahlbarer
Wohnraum
X
X
X
X
X
WG / SoV
Verkehrsinfra-
struktur/ Mobili-
tät
X
X
X
X
X
IHK / HWK /
ITK / VB
37
Wissenschaft, Hoch-
schule und Bildung
Foto: Presseamt Münster / Tilman Roßmöller
Legende
• BI=Bildungsinstitutionen
• BK=Berufsständische Körperschaft
• DH=Digital Hub
• Euregio=Europaregion
• G=Gewerkschaften
• HWK=Handwerkskammer
• IHK=Industrie- und Handelskammer
• ITK=Informations- und Kommunikationstechnik
• Me.V.=Münsterland e.V.
• MONT=Städtedreieck Münster, Osnabrück, Netzwerkstadt
Twente
• SoV=Sozialverbände
• SR=Stadtregion
• SuC=Start-up Center
• VB=Verkehrsbetriebe
• VV=Verkehrsverbünde
• WF=Wirtschaftsförderung
• WG=Wohnungsbaugesellschaften/-genossenschaften
Stadtgesellschaft
Stadtverwaltung Münster
Stadtpolitik Münster
Oberbürgermeister
Wirtschaft & Digitalisierung Werte und Qualitäten einer wachsenden Stadt Wissenschaft, Hochschule und
Bildung
Tabelle 6: Funktionszuordnungsmatrix
Lokale Umgebung
(Landkreis/-räte, Gemeinden)
Globale Umgebung
Hochschulen
Wirtschaft
Medien
Weitere Institutionen und
Vereine
38
Foto: Presseamt Münster / Tilman Roßmöller
… nun geht es darum, die Ergebnisse der Szenarioanalyse im Rahmen von Planungsprozes-
sen in Münster zu nutzen. Mit der Erarbeitung von vier Szenarien, die als Denkwerkzeuge
auf dem Weg in die Zukunft der Stadt Münster genutzt werden können, der Ermittlung der
sieben zentralen Einflussgrößen auf die Stadtentwicklung und der Identifikation der Treiber,
Handlungskorridore und Adressaten hat die Szenarioanalyse einen soliden Grundstein für
den Aufbruch in die Zukunft gelegt.
Doch die eigentliche Arbeit geht jetzt erst los!
Die Szenarioanalyse behandelt eine Vielzahl von Themenbereichen auf einem hohen Abs-
traktionsniveau. Damit ist die Analyse geeignet, grobe Strukturen vorzugeben, die von weite-
ren Projekten, Initiativen und Vorgehensweisen ausgefüllt werden. Im Zuge dessen dient die
Szenarioanalyse zur Eichung kurzfristig orientierter Planungsmaßnahmen. Das Instrument ist
jedoch nicht dafür geschaffen, die einzelnen Themenbereiche detailliert in allen Facetten zu
bearbeiten und umfassende Handlungsalternativen operativ zu entwickeln.
Aus diesem Grund besteht der Strategieprozess der Stadt Münster neben der Szenarioanaly-
se auch aus weiteren Vorhaben, die ganz konkret die Erreichung des „Wert-vollen Münsters“
ermöglichen. Hier ist vor allem das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) zu nennen.
Im Rahmen des ISEK werden wichtige Themenbereiche aus der Szenarioanalyse, wie etwa
die Verfügbarkeit von bezahlbaren Wohnraum (leistbares Wohnen) oder die Entwicklung der
Hochschulen (urbane Wissensquartiere) wieder aufgegriffen und in Kooperation zwischen
Expertinnen und Experten sowie der Bürgerschaft näher bearbeitet.
Eine gemeinschaftliche Bearbeitung dieser wichtigen Themen ist von enormer Relevanz.
Denn eines hat die Szenarioanalyse unmittelbar zum Vorschein gebracht: Keiner der beteilig-
ten Stakeholder, auch nicht die Stadtverwaltung oder die Stadtpolitik, kann alleine dafür
Sorge tragen, dass wir das „Wert-volle Münster“ erreichen.
Nur wenn alle an einem Strang ziehen, kann das Ziel erreicht werden. Hinzuzufügen ist, dass
dies eine notwendige Bedingung ist. Das Strangziehen muss ergänzt werden um die hinrei-
chende Bedingung „dass auch alle an einem Ende des Strangs ziehen“.
Epilog: ünd nün?
Szenarioplanung heißt: Zukunft machen
Die Expertinnen und Experten haben den Szenario-Prozess aus der Perspektive ihrer Fachdis-
ziplin in den einzelnen Phasen unterstützt und mitgestaltet. Vertreter folgender Institutio-
nen nahmen am Szenario-Prozess teil (in alphabetischer Reihenfolge):
Beirat Global Nachhaltige Kommune (GNK),
Beirat Münster Marketing (MM)
Ehemaliger Beirat Bürgerhaushalt
Das erweiterte Kernteam ist auf beratender und operativer Ebene tätig und setzt sich aus
diesen Bereichen der Stadtverwaltung zusammen:
Dezernent OB-Büro (Rainer Uetz)
Stadtbaurat (Robin Denstorff)
61/ Amtsleitung (Christopher Festersen)
61/ Abteilungsleitung (Dr. Helga Kreft-Kettermann)
61/ Fachstellenleitung (Prof. Dr. Thomas Hauff)
61/ ISEK (Marc Gottwald-Kobras)
61/ Öffentlichkeitsarbeit (Meike Janssen)
MM/ Leitung (Bernadette Spinnen)
MM/ Wissenschaftsbüro (Dr. Matthias Schmidt)
MM/ Kommunikation (Henning Spenthoff)
MM/ Zukunftsbüro (Kerstin Brocks bzw. Dominik Czeppel)
Referentin des Stadtkämmerers (Dr. Christina Cappenberg)
Amt für Gleichstellung/ Amtsleitung (Martina Arndts-Haupt)
Amt für Bürger- und Ratsservice/ Amtsleitung (Jürgen Kupferschmidt)
Sozialamt/ Abteilungsleitung (Frank-Friedrich Treutler)
Amt für Kinder, Jugendliche und Familien/ Abteilungsleitung (Sibylle Kratz-Trutti)
Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit/ Fachstellenleitung (Birgit Wildt)
MM/ Wissenschaftsbüro (Dr. Ulrike Blanc)
MM/ PR (Juliane Unkelbach)
Wir danken allen Beteiligten ganz herzlich für ihr Engagement und ihre Unterstützung in den
unterschiedlichen Phasen des Projekts. Ohne ihren Einsatz, wäre die Durchführung eines
solchen Projekts nicht gelungen.
Oberbürgermeister Markus Lewe
Stadt Münster
Dipl.-Ing. Robin Denstorff
Stadtbaurat, Stadt Münster
Prof. Dr. Dr. h. c. Klaus Backhaus
Direktor, Institut für Anlagen und Systemtechnologien
Danksagüng
39
Foto: Presseamt Münster / Bernhard Fischer
Stadt Mü nster
48127 Mü nster
Tel.: +49 (0) 251 492 - 0
E-Mail: stadtverwaltüng@stadt-müenster.de
Institüt fü r Anlagen ünd
Systemtechnologien, WWÜ
Mü nster
Ko nigsstr. 47
48143 Mü nster
Tel: +49 (0) 251 83 - 2 28 61
Fax: +49 (0) 251 83 - 2 29 03
ANSPRECHPARTNER
Madita Amelie Pesch, M. Sc.
Institut für Anlagen und Systemtechnologien
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Königsstraße 47
48143 Münster
Tel: +49 (0) 251 83 - 2 9 923
E-Mail: madita.pesch@uni-muenster.de
Thomas Paulsen, M. Sc.
Institut für Anlagen und Systemtechnologien
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Königsstraße 47
48143 Münster
Tel: +49 (0) 251 83 - 2 5 007
E-Mail: thomas.paulsen@uni-muenster.de
Getrieben durch eine hohe Standortattraktivität sieht sich die Stadt Münster seit Jah-
ren mit einem kontinuierlichen Bevölkerungswachstum konfrontiert. Um dieses Wachs-
tum gestalten sowie soziale, ökonomische und stadtpolitische Herausforderungen
meistern zu können, hat der Rat der Stadt Münster im Dezember 2016 einen Zukunfts-
prozess unter dem Namen MünsterZukünfte 20|30|50 auf den Weg gebracht. Ziel des
Zukunftsprozesses ist es zum einen, die wichtigsten Stellschrauben für die zukünftige
Entwicklung der Stadt Münster zu identifizieren und zum anderen ein strukturiertes
Handlungskonzept, die Münster Strategie, zu entwerfen. Zur Erarbeitung der Münster
Strategie wurden drei verschiedene Ansätze verfolgt. Erstens wurde unter dem Namen
Gutes Morgen Münster ein partizipativer Mitmachprozess geschaffen, in dem Bürgerin-
nen und Bürger Ideen für Zukunftsprojekte einreichen können. Ziel dieses Mitmachpro-
zesses war es, Bürgerinnen und Bürger rational und emotional für die Gestaltung der
Zukunft zu gewinnen. Eine unabhängige Jury wurde gebildet, um die besten Projekte zu
ermitteln. Diese wurden im Anschluss finanziell gefördert. Der zweite Ansatz ist ein
Integriertes Stadtentwicklungskonzept (ISEK). Im Rahmen des ISEK werden konkrete
Handlungsmaßnahmen auf einer räumlichen Ebene erarbeitet. Um das ISEK um eine
strategische Perspektive auf die Stadtentwicklung zu ergänzen, wurde als dritter Ansatz
eine Szenarionalyse durchgeführt, die von den drei Perspektiven den mit dem Bezugs-
punkt 2030/2050 längsten Vorlauf hat. Alle der drei eingesetzten Ansätze verfügen
über spezielle Stärken und Schwächen. Durch die Kombination im Rahmen des Zu-
kunftsprozesses ergänzen sich die Ansätze gegenseitig.
Perspektiven ünd Heraüsforderüngen
Anlage_3_D_V_0487_2021_ISEK_Baustein_D_Stadtforen
148700 Zeichen
Dezernat für Planung, Bau und Wirtschaft
Integriertes Stadtentwicklungskonzept
Münster 2030
ISEK MÜNSTER 2030
Baustein D:
Die Stadtforenprozesse
Anlage 3 D zur Vorlage V/0487/2021
Impressum
AUFTRAGGEBERIN
Stadt Münster
vertreten durch
Dezernat für Planung, Bau und Wirtschaft
Stadtbaurat Robin Denstorff
Stadtplanungsamt
Stabsstelle »Strategische Stadtentwicklung, Wissenschaftsstadt«
Albersloher Weg 33
48155 Münster
Ansprechpartner: Prof. Dr. Thomas Hauff, Marc Gottwald-Kobras
Münster Marketing
Wissenschaftsbüro, Projektbüro MünsterZukünfte 20 | 30 | 50
Klemensstraße 10
48143 Münster
Ansprechpartner: Dr. Matthias Schmidt, Dominik Czeppel
Weiterführende Informationen: www.stadt-muenster.de/zukuenfte und
www.zukunft-muenster.de
EXTERNES PLANUNGSTEAM
scheuvens + wachten plus
Friedenstraße 18
44139 Dortmund
NetzwerkStadt GmbH
Auf dem Hilf 50
58239 Schwerte
M.Sc. Ronja Decker
M.Sc. Susann Hollbach
B.A. Christoph Schökel
Prof. Dr.-Ing. Klaus Selle
Prof. Kunibert Wachten
Münster/Dortmund/Schwerte, März 2020
Inhalt
BAUSTEIN D – DIE STADTFORENPROZESSE
Vorspann 4
Prozessschema 8
Stadtforen zu den Leitthemen des ISEK – die erste Staffel 10
Vielfalt der Stadtteile 12
Urbane Wissensquartiere 19
Innenstadt ist mehr ... 27
Münstersche Stadt-Landschaft 35
Leistbares Wohnen 43
Stadtforen zu den Leitthemen des ISEK – 52
die (noch laufende) zweite Staffel
Facetten ökonomischer Stärke 54
Digitalisierung findet Stadt 57
Stadtverträgliche Mobilität 60
Stadt in der sozialen Balance* 68
Weitere und zukünftige Stadtforen 68
Lessons learned: Eine Zwischenbilanz 70
Quellen / Anmerkungen 74
* wurde aufgrund der politisch gefassten Maßnahmen zur Eindämmung der
weltweiten Corona-Pandemie leider vorläufig abgesagt.
4
ISEK Münster 2030 | Baustein D: Die Stadtforenprozesse
Vorspann
Das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK Münster 2030) ist T eil eines laufen-
den Prozesses, in dem sich die Stadt mit aktuellen und zukünftigen Aufgaben ausein-
andersetzt: Diese »MünsterZukünfte 20 | 30 | 50« umfassen mehrere, untereinander
verbundene Arbeitsstränge (Abb. S. 8/9) – mit langfristigen Szenarien, Bürgerumfra-
gen, intensiven Dialogen in und mit der Stadtgesellschaft sowie der Erarbeitung eines
Integrierten StadtentwicklungskonzeptesA. Mit diesem ISEK Münster 2030 soll ein
Orientierungsrahmen für die Entwicklung der wachsenden Stadt Münster im nächs-
ten Jahrzehnt geschaffen werden. Zugleich entsteht so eine wichtige Voraussetzung
für die zukünftige Inanspruchnahme von Städtebauförderungsmitteln. Und nicht zu-
letzt eine wichtige Bedingung der konkreten Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie
Münster 2030.
Die Erarbeitung dieses Konzeptes wird in einer fünfteiligen Berichterstattung doku -
mentiert. Sie umfasst:
• Baustein A: Das ISEK in den MünsterZukünften – Einführung und Übersicht
• Baustein B: Schlüsselpersonengespräche
• Baustein C: Zehn Leitthemen für Münster
• Baustein D: Die Stadtforenprozesse
• Baustein E: Bilanz 2020: Räumliches Leitbild
In dem hier vorliegenden Baustein D werden die weitergehende Bearbeitung der Leit-
themen, primär durch das Format der Stadtforen, dokumentiert und nächste Schritte
aufgezeigt.
Ausgehend von den Resultaten der ersten Phasen im Arbeitsprozess am Integrierten
Stadtentwicklungskonzept für Münster (mit der Auswertung der Vorarbeiten, den
SchlüsselpersonengesprächenB, den Querbezügen zu Stadtteilspaziergängen, Im -
pulsen der Szenarioanalyse und der Bürgerumfrage) konnten zehn Leitthemenvor -
schläge identifiziert werden. Sie bauen auf einer gemeinsamen Wertebasis auf, die
in grundlegenden Programmen (z.B. den thematischen Leitlinien und strategischen
Entwicklungszielen der Nachhaltigkeitsstrategie Münster 2030) definiert wurden.
Zugleich bedürfen sie in besonderer Weise ressortübergreifender Bearbeitung.
Diese zehn Leitthemenvorschläge wurden im Rahmen der Zukunftsarena am 11. Ok-
tober 2018 der Öffentlichkeit vorgestellt.C Sie konnten während der Veranstaltung auf
Stellwänden und im Nachgang online kommentiert werden. Die Auswertung dieser
Kommentare fand in die vorliegende Fassung der Leitthemenvorschläge Eingang.D
Die im Rahmen der Veranstaltung durchgeführten Diskussionsrunden zu drei der
Leitthemen – »Zukunft der Wissenschaftsstadt«, »Zukunft der Innenstadt« und »Zu-
kunft der Stadtteile« – mit Akteuren aus allen gesellschaftlichen Bereichen machten
B siehe dazu auch die Bausteine A und B
des Integrierten Stadtentwicklungskon -
zeptes
C siehe dazu auch Baustein C des Integ -
rierten Stadtentwicklungskonzeptes
D siehe dazu auch den Baustein B des
Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes
und Informationen zur Bürgerbeteili -
gung: https://www.zukunft-muenster.de/
buergerbeteiligung/
A Über die MünsterZukünfte 20 | 30 | 50
wird laufend im Internet berichtet:
www.zukunft-muenster.de
5
Vorspann
deutlich, dass diese Themen nicht nur wichtig bzw. von großer Dringlichkeit sind,
sondern dass sie auch in besonderer Weise integriert bearbeitet werden sollten. Im
weiteren Arbeitsprozess wurde zunächst der gesamte Katalog der Leitthemen vom
Verwaltungsvorstand und von Lenkungskreis und Beirat der MünsterZukünfte erör -
tert und beschlossen. So konnte sichergestellt werden, dass zum einen die Politik auf
dem Weg der Leitthemenentwicklung mitgenommen wird und zum anderen, dass
über den Beirat, der sich zu wesentlichen T eilen aus dem Beirat »Münster Marketing«
und dem Beirat »Modellprojekt Global Nachhaltige Kommune« speist, eine weiter -
führende zivilgesellschaftliche Einbindung gegeben ist. Damit war der Startschuss
für die weitere Bearbeitung der einzelnen Themen gefallen.
Bislang konnten acht Themen aufgegriffen und bereits in Stadtforen weiter bearbei -
tet werden. Die fünf Themen der ersten Staffel vor Sommer 2019 eint vor allem ihr
Raumbezug. Damit haben sie zugleich eine besondere integrierende Funktion, denn
im Raum müssen letztlich alle Flächen- und Nutzungsanforderungen zusammenge-
bracht werden. Zudem decken diese Themen bereits das gesamte Stadtgebiet ab. Und
nicht zuletzt sind sie auch durch einen gewissen Handlungsdruck gekennzeichnet –
sei es, dass ihre Bedeutung in den Befragungen etc. besonders unterstrichen wurde,
sei es, dass konkrete Entwicklungsvorhaben und Standortentscheidungen anstehen,
die in den konzeptionellen Rahmen des ISEK eingebunden werden sollen.
Der Bearbeitungsprozess zu den einzelnen Themen umfasste, neben der weiteren
intern-fachlichen Arbeit, vor allem zwei Erörterungsschritte:
RESSORTS ZUSAMMENFÜHREN: DIE VERWAL TUNGSWERKSTÄTTEN
Es gehört zu den zentralen Merkmalen integrierter Entwicklungskonzepte, dass
zunächst und vor allem alle Ressorts der kommunalen Verwaltung (sowie ggf. Ei -
genbetriebe), die zum jeweiligen Thema etwas beitragen können, in gemeinsamen
Erörterungen zusammengeführt werden. Dies geschah in diesem Prozess in Form
von Verwaltungswerkstätten: Ausgehend von ersten grundlegenden Fragestellungen
wurden der Stand der jeweiligen ressortspezifischen Arbeiten vorgestellt (»Was liegt
auf meinem Schreibtisch?«), Schnittbereiche und Bezüge zu anderen Ressorts und
Handlungsfeldern identifiziert und dann die Fragen herausgearbeitet, die für die wei-
tere Behandlung des Themas von besonderer Bedeutung sind. Dies bildete den Aus -
gangspunkt für die nächste Phase der Erörterungen.
AKTEURE ZUSAMMENFÜHREN: DIE STADTFOREN
Von besonderer Bedeutung für den Erfolg eines Integrierten Stadtentwicklungskon -
zeptes ist die frühzeitige und umfassende Einbindung aller Akteure, die zur Lösung
der sich stellenden Aufgaben beitragen können. Das geschah und geschieht im müns-
terschen Zukunftsprozess in Form von Stadtforen. Es wurden »Bänke« gebildet, auf
denen Vertreterinnen und Vertreter aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen
Platz nahmen und in gemeinsamen Erörterungen nach nächsten Schritten für die
Auseinandersetzung mit den Themen suchten. So gab es – zum Beispiel – beim The-
6
ISEK Münster 2030 | Baustein D: Die Stadtforenprozesse
ma »Innenstadt ist mehr« Bänke der »Zukunftsmacher« (aus dem »Gutes Morgen
Münster« Prozess), der »stadtgesellschaftlichen Vielfalt«, der »Institutionen und Ak-
teure der lokalen Wirtschaft«, der »T räger sozialer und kultureller Einrichtungen«
und der »Stadtverwaltung und Politik«.
Um die Erörterungen mit andernorts gewonnenen Erfahrungen anzureichern, wur -
den externe Fachleute eingeladen. Sie brachten unterschiedliche Perspektiven –z. B.
die Sichtweisen der Wissenschaft, der kommunalen Praxis, renommierter Planungs-
büros etc. in die Erörterungen ein. Ihre Impulse aus verschiedenen Erfahrungsberei-
chen und die nachfolgenden Befragungen durch die Mitglieder des Forums gaben
vielfachen Anlass, Anregungen aufzugreifen und die Übertragbarkeit interessanter
Lösungsansätze auf die Münsteraner Situation zu prüfen.
Wenn intensiv miteinander gesprochen werden soll, setzt dies eine begrenzte Zahl
von T eilnehmenden voraus. Daher bildeten die Bänke – jeweils Gruppen zwischen
vier und acht Personen – einzeln und im Gespräch miteinander den eigentlichen
Kern der Erörterung.
Zugleich waren die Stadtforen für die allgemeine Öffentlichkeit zugänglich. Es sollte
Interessierten, die z.B. schon in ersten Phasen mitgewirkt hatten, verdeutlicht wer -
den, dass und wie weiter gearbeitet wird. Darüber hinaus sollten mit dem Einblick
in die fachliche Arbeit auch in dieser Prozessphase T ransparenz hergestellt und Ver-
ständnis für die Komplexität der Aufgabe und die damit verbundenen oft längerfris -
tigen Bearbeitungszeiträume geweckt werden. Allerdings musste sich das Publikum
(das zumeist mehr als hundert Personen umfasste) nicht nur in der – für Verständi -
gungsprozesse wesentlichen – »Kunst des Zuhörens« üben, sondern konnte in der
Arbeitsphase auch am »Publikumstisch« Positionen erarbeiten und einbringen.
Hier wie an allen anderen Tischen bzw. Bänken lautete die Frage stets: »Was können
wir – allein und mit anderen – anpacken? Worin könnten unsere Beiträge bestehen?
Was kann seitens der Stadt dazu beigetragen werden?«.
7
Vorspann
Einführung
Arbeitspause
(45+15 Min)
Impulse & Befragunge der externen Experten durch
Mitglieder des Forums
Rückmeldung & Erörterung im Forum
Folgerungen:
Was nehmen wir mit?
externe Fachleute
Aufbau der Bänke
allgemeine Öffentlichkeit
Abbildung 1:
Idealtypischer Ablauf eines Stadtforums
Abbildung 2:
Idealtypischer Aufbau eines Stadtforums
ISEK Münster 2030 | Baustein D: Die Stadtforenprozesse
8
Abbildung 3:
Prozessschema zu den drei Strängen der
MünsterZukünfte
INTEGRIERTES
STADTENTWICKLUNGS-
KONZEPT
BÜRGERUMFRAGE (2018)
ISEK-
Dokumentation
BAUSTEIN B:
»Schlüssel-
personengespräche«
BAUSTEIN C:
»Zehn Leitthemen
für Münster«
BAUSTEIN D:
»Die Stadtforen-
prozesse«
BAUSTEIN A:
»Einführung und
Übersicht«
BAUSTEIN E:
»Bilanz 2020:
Räumliches Leitbild«
WEITERFÜHRENDE SCHRITTE ...
GRUND-
LAGEN-
ERMITTLUNG
SCHLÜSSEL-
PERSONEN-
GESPRÄCHE
ENTWICKLUNG DER
LEITTHEMEN
ERÖRTERUNG DER
LEITTHEMEN
WETTBEWERB:
VIELFAL T MACHEN
EINE SZENARIOANALYSE FÜR DIE
ZUKUNFTSHORIZONTE 2030 / 2050
ZUKUNFTS-
SPAZIERGÄNGE #STADTSACHEZUKUNFT . ZUHAUSE.
MÜNSTER
SZENARIO-
ANALYSE /
BÜRGER-
UMFRAGE
GUTES
MORGEN
MÜNSTER
Urbane
Wissensquartiere
Innenstadt
ist mehr ...
Münstersche
Stadt-Landschaft
Vielfalt der
Stadtteile
Münster und
seine Nachbarn
Digitalisierung
findet Stadt
Facetten ökono-
mischer Stärke
Vielfalt und sozialer
Zusammenhalt
Stadtverträgliche
Mobilität
Leistbares
Wohnen
Masterplan Mobilität 2035+, S-Bahn Münsterland, Velo-
routen, Radverkehrskonzept 2.0 ...
Smart City Allianz, Smarte Quartiere Oxford und York,
Smart Parking, WDR-Neubau ...
Umsetzung MONT , Partnerschaft Enschede, Münster-
land-Strategie, Umsetzung stadtregionaler Kontrakt ...
zahlreiche Stadtteilentwicklungskonzepte, Ausbau Quar-
tiersmanagement, Stärkung Ortsteilmitten u. Dritte Orte ...
Integriertes Handlungskonzept Innenstadt, Entwicklungen:
Martiniviertel / Hörster Parkplatz, Hafen, Schlossareal ...
Integrierte Freiflächen- und Siedlungsstrategie,
Landwirtschaftsbeauftragte(r) ...
Baulandprogramm, SoBoMü, Stärkung Vergabe Erbbau-
recht, Konzeptvergabe, Neue urbane Stadtquartiere ...
Wissenschaftsstadt der Zukunft: Internat. Ideenwerkstatt,
Masterplanung, Konkretisierung von Bauvorhaben ...
FÜR BAUSTEIN A,B,C,D
Integrierte Handlungskonzepte (u.a. Soziale Stadt) für
Kinderhaus-Brüningheide, Coerde, Berg Fidel ...
Gewerbeflächenentwicklungskonzept, Standortentwicklungs-
strategie, Zukunftsquartiere für Wohnen und Arbeiten ...
9Prozessschema
INTEGRIERTES
STADTENTWICKLUNGS-
KONZEPT
BÜRGERUMFRAGE (2018)
ISEK-
Dokumentation
BAUSTEIN B:
»Schlüssel-
personengespräche«
BAUSTEIN C:
»Zehn Leitthemen
für Münster«
BAUSTEIN D:
»Die Stadtforen-
prozesse«
BAUSTEIN A:
»Einführung und
Übersicht«
BAUSTEIN E:
»Bilanz 2020:
Räumliches Leitbild«
WEITERFÜHRENDE SCHRITTE ...
GRUND-
LAGEN-
ERMITTLUNG
SCHLÜSSEL-
PERSONEN-
GESPRÄCHE
ENTWICKLUNG DER
LEITTHEMEN
ERÖRTERUNG DER
LEITTHEMEN
WETTBEWERB:
VIELFAL T MACHEN
EINE SZENARIOANALYSE FÜR DIE
ZUKUNFTSHORIZONTE 2030 / 2050
ZUKUNFTS-
SPAZIERGÄNGE #STADTSACHEZUKUNFT . ZUHAUSE.
MÜNSTER
SZENARIO-
ANALYSE /
BÜRGER-
UMFRAGE
GUTES
MORGEN
MÜNSTER
Urbane
Wissensquartiere
Innenstadt
ist mehr ...
Münstersche
Stadt-Landschaft
Vielfalt der
Stadtteile
Münster und
seine Nachbarn
Digitalisierung
findet Stadt
Facetten ökono-
mischer Stärke
Vielfalt und sozialer
Zusammenhalt
Stadtverträgliche
Mobilität
Leistbares
Wohnen
Masterplan Mobilität 2035+, S-Bahn Münsterland, Velo-
routen, Radverkehrskonzept 2.0 ...
Smart City Allianz, Smarte Quartiere Oxford und York,
Smart Parking, WDR-Neubau ...
Umsetzung MONT , Partnerschaft Enschede, Münster-
land-Strategie, Umsetzung stadtregionaler Kontrakt ...
zahlreiche Stadtteilentwicklungskonzepte, Ausbau Quar-
tiersmanagement, Stärkung Ortsteilmitten u. Dritte Orte ...
Integriertes Handlungskonzept Innenstadt, Entwicklungen:
Martiniviertel / Hörster Parkplatz, Hafen, Schlossareal ...
Integrierte Freiflächen- und Siedlungsstrategie,
Landwirtschaftsbeauftragte(r) ...
Baulandprogramm, SoBoMü, Stärkung Vergabe Erbbau-
recht, Konzeptvergabe, Neue urbane Stadtquartiere ...
Wissenschaftsstadt der Zukunft: Internat. Ideenwerkstatt,
Masterplanung, Konkretisierung von Bauvorhaben ...
FÜR BAUSTEIN A,B,C,D
Integrierte Handlungskonzepte (u.a. Soziale Stadt) für
Kinderhaus-Brüningheide, Coerde, Berg Fidel ...
Gewerbeflächenentwicklungskonzept, Standortentwicklungs-
strategie, Zukunftsquartiere für Wohnen und Arbeiten ...
Stadtforen zu den Leitthemen des ISEK – die erste Staffel
Die Stadtforenprozesse nehmen eine zentrale Rolle im Prozess der »MünsterZukünfte 20 |
30 | 50« ein und stellen ein zentrales Format zur Erörterung und letztlich Umsetzung der
Leitthemen dar. Im Folgenden dokumentieren wir diesen Prozess in konzentrierter Form
fokussiert auf die erste Staffel an Stadtforen. Die jeweils vorbereitenden fachlichen Arbeiten
sowie die Abstimmungsprozesse bzw. Verwaltungswerkstätten werden unter »Vorarbeiten«
zusammengefasst. In der Regel fand auf dieser Grundlage eine thematische Zuspitzung für
die Stadtforen statt, denn in einem vierstündigen Veranstaltungsformat lassen sich nicht alle
Facetten der jeweiligen Leitthemen behandeln. Das Zwischenresümee am Schluss bezieht
sich daher vor allem auf diesen Fokus.
• Vielfalt der Stadtteile
• Urbane Wissensquartiere
• Innenstadt ist mehr …
• Münstersche Stadt-Landschaft
• Leistbares Wohnen
Münstersche
Stadt-Landschaft
Stadtverträgliche
Mobilität
Vielfalt und sozialer
Zusammenhalt
Münster und
seine Nachbarn
Facetten
ökonomischer Stärke
Digitalisierung
findet Stadt
Vielfalt der
Stadtteile
Urbane
Wissensquartiere
Leistbares
Wohnen
Innenstadt ist mehr ...
12
ISEK Münster 2030 | Baustein D: Die Stadtforenprozesse
Stadtforum:
»Vielfalt der Stadtteile – Fit für den Alltag, Fit für die Zukunft«
15. Mai 2019, 17:00 - 21:00 Uhr im Kap.8 Idenbrockplatz 8, 48159 Münster
VORARBEITEN
Bezogen auf die »Vielfalt der Stadtteile« wurden die wesentlichen Entwicklungsthe -
men und laufenden Planungsaktivitäten für alle Stadtteile zusammengestellt. Im
Rahmen eines vorgeschalteten »Bezirksforums« A mit Vertreterinnen und Vertretern
aller Bezirksvertretungen und von zwei Verwaltungswerkstätten (der Fachressorts
und der Bezirksverwaltungen) wurden zunächst diese Themen und Handlungsan -
sätze bezirksweise erörtert und aktualisiert. Auf dieser Grundlage konnten dann die
auf der Ebene eines gesamtstädtischen Entwicklungskonzepts zu behandelnden The-
men identifiziert werden.
Im Ergebnis zeigte sich ein hohes Maß an Übereinstimmung bezogen auf das u. g.
Themenspektrum:
Wohnen:
• Bezahlbarer Wohnraum, Bestandssicherung
• Generationenübergreifendes Wohnen, Wohnraum für Ältere im Stadtteil
• Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf
• Impulse durch und Integration von neuen Baugebieten
Ortsmitten, Räume der Begegnung:
• Öffentlicher Raum, Plätze, Aufenthaltsqualität
• Bürgerzentren, auch Schulen und Kitas als Begegnungsräume
Mobilität:
• Verkehrsbelastung, -entlastung
• Radverkehr, ÖPNV (auch T aktung)
• Anbindung Neubaugebiete, Vernetzung der Stadtteile untereinander
Abbildung 1:
Die »Bänke« des Stadtforums
Abbildung 2:
Das Modell der Bezirke mit den Ergebnis-
sen aus dem Bezirksforum
A Es handelte sich dabei um einen umfas-
senden Workshop mit Mitgliedern aller
Bezirksvertretungen, in dem wichtige He-
rausforderungen und Chancen heraus -
gearbeitet und in einem Modell verortet
wurden; damit entstand eine plastische
Grundlage für das Stadtforum.
13
Freiraum/ Grün:
• Erhalt der Grünstrukturen
• Sportstätten, Sportflächen
Grundausstattung:
• Nahversorgung, soziale Infrastruktur
• Kulturelle Angebote, Freizeit-/Sporteinrichtungen
• Medizinische Versorgung, Betreuungsangebote
Prozessgestaltung:
• Verzahnung der strategischen mit der Maßnahmenplanung
• Bürgerschaftliches Engagement vor Ort
THEMATISCHE FOKUSSIERUNG DES FORUMS
In den Sitzungen des Stadtforums können aus dem gesamten Themenspektrum mit
Aussicht auf Ertrag jeweils nur Ausschnitte im Schwerpunkt behandelt werden.
Da in diesem Fall verschiedene Themenkomplexe (Wohnen, Mobilität, Freiraum) oh-
nehin in eigenen Stadtforen behandelt werden, wurde vorgeschlagen, sich auf das
Thema Ortsmitten zu konzentrieren.
Diese Auswahl ist auch darin begründet, dass dieses Thema in nahezu allen Stadt -
teilen von Bedeutung ist und sich daher für eine stadtweite Behandlung besonders
eignet. Eine Auseinandersetzung mit diesem Fokus wurde im Verlaufe der vorberei -
tenden Arbeiten von vielen Seiten als wünschenswert, wenn nicht sogar notwendig
angesehen.
Dabei ging es u. a. um folgende Fragen:
• Wie kann man der Bedeutung öffentlicher Räume als Begegnungs- und Iden-
tifikationsorte im Stadtteil gerecht werden? Wie können ihre Ränder belebt
werden/bleiben? Was ist für ihre Aufenthaltsqualität wichtig?
• Wie kann sichergestellt werden, dass in den Stadtteilen geeignete Räumlich -
keiten für die Stadtteilöffentlichkeit, für Vereine etc. erhalten bzw. geschaffen
werden?
Stadtforum: Vielfalt der Stadtteile
Abbildung 3:
Impression aus dem Stadtforum
Abbildung 4:
Die Expertinnen des Abends
14
ISEK Münster 2030 | Baustein D: Die Stadtforenprozesse
Als Querschnittsaspekt wurden auch Fragen der Prozessgestaltung (u. a. Strukturen
und Einbindung bürgerschaftlichen Engagements, »Kümmerer« vor Ort) angespro -
chen.
IMPULSE UND BEFRAGUNG DER EXPERTINNEN
Als externe FachleuteB konnten gewonnen werden:
Einige Stichworte aus den Kurzimpulsen der Eingeladenen und die jeweils anschlie -
ßende Befragung durch das Forum:
VOM »DORF« LERNEN
Viele Kleinstädte und Dörfer weisen heute Probleme auf, die sich auch in Stadttei -
len Münsters finden lassen. Das gilt zum Beispiel für die Entwicklung von Ortsmit -
ten, die Umgestaltung öffentlicher Räume und den Erhalt bzw. die Neugestaltung
von Räumen für die örtliche Gemeinschaft. Auf der Grundlage umfassender Quer -
schnittsuntersuchungen wurde daher u.a. darauf hingewiesen, dass
• Einwohnerwachstum zur Stabilisierung von Zentren beitragen könne,
• (ehemalige) Schulen und Kirchengebäude ein wichtiges Potenzial darstellen und
zum Gelingen von Erhalt und Umnutzung für die lokale Gemeinschaft eine ak -
teursübergreifende Zusammenarbeit notwendig ist.
BÜRGERSCHAFTLICHES ENGAGEMENT FÜR DAS »WOHNZIMMER DES STADTTEILS«
In den Impulsen bildete insbesondere die Frage nach Räumen für Begegnung und
Kultur (»Dritte Orte als Wohnzimmer«) einen Schwerpunkt. Es wurde deutlich, dass
hier oft bürgerschaftliches Engagement gefragt ist. Damit dies erfolgreich eingesetzt
werde, bedürfe es eines »Cocktails« an Voraussetzungen, der aus verschiedenen Zu -
taten (wie Akteure, Nutzungen etc.) bestehe, die es orts- und fallspezifisch zu mixen
gelte. Entscheidend sei, dass »der Cocktail den Menschen vor Ort schmecke«. Insbe -
sondere an engagierte Bürgerinnen und Bürger gerichtet wurde zudem festgestellt,
dass der Erfolg ihres Bemühens nicht immer absehbar sei. Manches ließe sich zu
Prof. Kerstin Gothe
Leiterin des Fachgebietes Regionalplanung und Bauen im ländlichen Raum am Karls-
ruher Institut für T echnologie; ehem. Leiterin des Stadtplanungsamtes Ludwigsburg
Katrin Reuscher
Leiterin des Projekts »Dritte Orte« für das Ministerium für Kultur und Wissenschaft
NRW ; praktische Projektentwicklungserfahrungen in unterschiedlichen Kontexten
Michaela Bonan
Ombudsfrau für Bürgerinteressen und -initiativen der Stadt Dortmund und Koordi-
nierung eines umfassenden Stadtentwicklungsprojektes für den Dortmunder Norden
B Die Expertinnen und Experten der Stadt-
foren wurden geschlechterparitätisch
und unter Berücksichtigung ihrer zeitli -
chen Kapazitäten angefragt und ausge -
wählt.
15
Beginn der Prozesse noch nicht klären. Es sei aber wichtig, »einfach anzufangen«,
auch wenn manche Fragen noch offen seien.
RESSORTÜBERGREIFENDES HANDELN GEFRAGT
Aus der »Verwaltungsinnensicht« wurde von den Referentinnen darauf hingewie -
sen, dass integriertes und zugleich bürgerbezogenes Handeln auch ein Umdenken
in städtischen Verwaltungen erfordere. Ein »Aufbrechen des Silodenkens« sei not -
wendig, also das Denken und Handeln über den »T ellerrand« des einzelnen Amtes
oder Ressorts hinaus. Es brauche zudem Personen mit Mittlerfunktionen, um die
Kommunikation und Übersetzung zwischen Verwaltung und Zivilgesellschaft zu ver-
einfachen. Zugleich aber müsse auch seitens der Stadtgesellschaft mehr Verständnis
für die »aufwändigen« Arbeits- und Abstimmungsprozesse der Verwaltungen aufge-
bracht werden. Und nicht zuletzt wurde darauf verwiesen, dass bürgerschaftliches
Engagement zwar sehr wichtig sei – auch um Lösungen zu entwickeln, die wirklich
vor Ort benötigt und gewollt werden –, man es aber auch nicht überfordern dürfe.
Diese Aspekte – sowohl die Rolle des bürgerschaftlichen Engagements wie die Fra -
ge nach einer besseren Integration des Verwaltungshandelns – wurden auch in den
nachfolgenden Statements der Bänke mehrfach thematisiert.
Abbildung 5:
Stadtteilentwicklung durch Weiterbauen
(links, aus dem Vortrag von
Prof. Kerstin Gothe)
Abbildung 6:
Das Beispiel Dortmund »nordwärts«
(rechts, aus dem Vortrag von
Michaela Bonan)
Abbildung 7:
Entwicklung von Dritten Orten an 10
Merkmalen
(unten, aus dem Vortrag von
Katrin Reuscher)
Stadtforum: Vielfalt der Stadtteile
16
ISEK Münster 2030 | Baustein D: Die Stadtforenprozesse
ERGEBNISSE DER GRUPPEN
Zukunftsmacher … griffen das Bild vom Cocktail auf und unterstrichen, dass dieser
sehr ortsspezifisch sein müsse, denn es gebe verschiedene Ausgangspunkte und An-
forderungen. In allen Stadtteilen gleich sei jedoch die Anforderung, die Entwicklungen
der Ortsmitten nutzer- und bewohnerorientiert zu gestalten. Multifunktionalität spiele
dabei eine entscheidende Rolle, um flexibel auf Veränderungen reagieren zu können.
Betont wurde ebenfalls die Notwendigkeit der Koordination – sowohl im Stadtteil selbst
wie im Zusammenwirken mit einer querschnittsorientierten Verwaltung.
Bezirksbürgermeisterinnen und Bezirksbürgermeister … forderten die Stadtverwal -
tung dazu auf, Flächen zu identifizieren, die für stadtteilzentrale Orte (Plätze, Gebäu-
de als Begegnungsräume) genutzt werden könnten. Insbesondere sahen sie Potenzi-
ale bei der Umgestaltung von Parkplätzen und in diesem Zusammenhang auch das
Potenzial für Nutzungsüberlagerungen. Auch diese Gruppe betonte, wie wichtig die
Vermittlung zwischen Engagierten und Verwaltung sei, wenn nötig auch über haupt-
amtliche und professionelle Stellen.
Stadtverwaltung … unterstrich die Notwendigkeit eines ressortübergreifenden Arbei-
tens innerhalb der Verwaltung. Es brauche eine eingespielte Prozessgestaltung, um
integriertes Denken und Handeln zu verstetigen. Zudem wurde die Notwendigkeit ei-
nes intensiveren Informationsaustausches zu den Stadtteilen benannt: regelmäßiger
Austausch, dauerhafter Kontakt zu den Menschen, Beteiligung der Bürgerschaft, »Es
braucht eine eingespielte und eingeübte Nähe zu den Menschen«.
Stadtteilakteure … sahen insbesondere die Vereine in den Stadtteilen mit ihren je -
weiligen Bedürfnissen als wichtige Gestaltungsakteure. Das Format der Stadtteilkon-
ferenz wurde für einen beispielhaften Informationsaustausch innerhalb der Stadt -
teile unterstrichen. Diese Schnittstelle innerhalb der Stadtteile müsse parallel dazu
auch zur Verwaltung hin ausgebaut werden, um Prozesse zu intensivieren und zu
beschleunigen. Lotsen und Stadtteilkümmerinnen seien dringend notwendig, um die
Prozesskommunikation zu vereinfachen und die Aufgabe der Prozesssteuerung zu
übernehmen. Bei Neuerrichtungen von Ortsmitten und Begegnungsstätten wurde
der Aspekt der multifunktionalen Nutzung (z. B. von Sporthallen) betont.
Vielfältige Stadtgesellschaft: Studierende … sind der Meinung, dass Stadtteile ihre
Identität erhalten bzw. noch deutlicher herausbilden sollten (auch unterschiedlich blei-
ben) »Jeder Stadtteil sollte das ausprägen, was ihn auszeichnet«. Um das Engagement
der Studierenden nutzbar zu machen, sie »aus der Komfortzone herauszuholen«,
müsse diese Gruppe aktiv in die Stadtentwicklung eingebunden werden. Da Studie -
rende meist nur wenige Jahre in Münster bleiben, brauche es zudem Strukturen, die
den Wissenstransfer an Nachfolgende vereinfachen. »Wir Studierende machen eine
enorme Masse an Menschen aus, die man nutzen kann – denn die Motivation ist da.«
17
Seniorinnen und Senioren … »suchen die Begegnung im Nahbereich«, da ihre Mo -
bilität oftmals eingeschränkt ist. Es brauche für diese Altersgruppe viel mehr Begeg -
nungsstätten in »gemütlicher Nähe« (sowohl in Form von öffentlichen Plätzen als
auch gebauter Strukturen). Vereine und das Ehrenamt seien insbesondere für Seni -
orinnen und Senioren, die den sozialen Austausch suchen, von großer Bedeutung.
Generell gilt es »Menschen zu finden, die für etwas sind, die etwas machen wollen.«
– das aber setze auch Kontinuität, Vertrauen und Flexibilität voraus.
Publikum … sieht eine besondere Notwendigkeit im Ausbau einer bedarfsorientier -
teren Planung. In Bezug auf Begegnungsräume wurden die Begriffe »konsumfrei«
(insb. Ortszentren), »multifunktional«, »flexibel« und »altersübergreifend« als not -
wendige Qualitäten benannt. Bezüglich der Prozessgestaltung müsse der Dialog zwi-
schen Stadtverwaltung und Akteuren – bspw. über vermittelnde Personen – verbessert
werden. Parallel dazu brauche es auch innerhalb der Stadtteile tragfähige Strukturen,
um – bspw. über Stadtteilmanagements – einen Austausch zu ermöglichen und zu
vereinfachen. Dabei solle u.a. die Koordination des Ehrenamts fokussiert werden.B
Als Unterstützung fand zudem das Instrument des »Visual Recording« Eingang in
die durchgeführten Stadtforen. Diese Form der bildlichen Darstellung von Kommu -
nikation übersetzt genannte Ideen, Themen und Ergebnisse in eine visuelle Sprache,
welche in Form von Bildern und T exten festgehalten werden (Abbildung 8 und wei -
tere).
Abbildung 8:
Visual Recording des Stadtforums
(Marie Jacobi, www.visualrecording.de)
Stadtforum: Vielfalt der Stadtteile
B Impressionen des Stadtforums und
das Graphic Recording zum Vergrößern
finden sich im „Schaufenster“ der Müns-
terZukünfte unter: https://www.zukunft-
muenster.de/vielfalt-der-stadtteile/
ZWISCHENRESÜMEE – ZUSAMMENFASSENDE ERGEBNISDARSTELLUNG
STADTTEIL-IDENTITÄTEN WEITER ENTWICKELN
Die Stadtteile Münsters haben jeweils ganz eigene Charakteristiken. Den T eilneh -
menden war es besonders wichtig, diese Stadtteil-Identitäten zu erhalten und weiter
zu entwickeln. Städtebauliche Ergänzungen oder Umgestaltungen (etwa in den Orts-
mitten) sollten daher bedarfsorientiert und stadtteilspezifisch erfolgen.
BEGEGNUNGSRÄUME ERHAL TEN UND SCHAFFEN
Plätze in den Ortsmitten und multifunktional nutzbare Räumlichkeiten haben für das
Stadtteilleben eine große Bedeutung. Sie sind T reffpunkte, bieten dem Vereinswesen
und vielfältigen weiteren Nutzungen Raum und prägen auch auf diese Weise die je -
weilige Stadtteilidentität. Aber nicht überall sind diese Voraussetzungen gegeben. Es
wurden daher zahlreiche Ideen entwickelt, wie etwa durch multifunktional nutzbare
Räume in Schulen und anderen Gebäuden und durch die Rückgewinnung öffentlich
nutzbarer Freiräume solche Ortsmittelpunkte wieder geschaffen werden könnten.
ZUSAMMENARBEIT VERBESSERN
Die Zusammenarbeit zwischen den Stadtteilen und der Gesamtstadt (bzw. den ver -
schiedenen Ressorts der Stadtverwaltung) lässt sich verbessern – darüber herrschte
Einigkeit. Generell wurde auch der Einsatz von »Stadtteil-Kümmerern« befürwortet.
Betont wurde auch die besondere Bedeutung bürgerschaftlichen Engagements, das
vor Ort (auch) durch mehr Zusammenarbeit gestärkt werden könne.
19
Stadtforum:
»Urbane Wissensquartiere –
Durchmischt und funktionsgerecht«
21. Mai 2019, 17:00 - 21:00 Uhr
Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin, Röntgenstraße 20, 48149 Münster
VORARBEITEN
Zentrale Anliegen der Stadt- und der Hochschulentwicklung sollen künftig noch en -
ger abgestimmt und verzahnt werden. Im September 2018 wurde dafür ein »Letter
of Intent« unterzeichnet, in dem sich WWU, Universitätsklinikum, FH Münster,
Studierendenwerk Münster, Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW und Stadt Münster
auf das Ziel einer gemeinsam getragenen, strategischen und räumlichen Gesamtent-
wicklung verständigt haben. An dieses Vorhaben konnte die Bearbeitung des Leit -
themas »Urbane Wissensquartiere« direkt anschließen. In einem nächsten Schritt
wurden im Rahmen einer Verwaltungswerkstatt sowie einem Werkstattgespräch mit
den LoI-Partnerinnen und -Partnern wesentliche Entwicklungsthemen und laufende
Planungsaktivitäten zusammengestellt.
Dass der Abstimmungs- und Kooperationswille der zentralen Akteure im »Letter of
Intent« zum Ausdruck gebracht wird, belegt, dass bei allen Stärken auch noch erheb-
liche Entwicklungserfordernisse und -potenziale gesehen werden. Die Notwendigkeit
eines Masterplans, eines integrierten Konzeptes für die »Quartiere des Wissens« fin-
det über die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner des »Letter of Intent« hinaus
breite Zustimmung. Aus den Ergebnissen von Arbeitswerkstätten mit den Partnerin-
nen und Partnern des »Letter of Intent«, den Studierendenvertretungen von WWU
und FH Münster und der Stadtverwaltung zeichnen sich erste Eckpunkte eines städ -
tebaulichen Masterplans ab:
Konzeptioneller Rahmen:
• Notwendigkeit eines Gesamtkonzepts »Urbane Wissensquartiere« auch für kurz-
fristige Maßnahmen
• Masterplan als Planwerk, das ein mittel- und langfristig orientiertes Richtungs -
programm und ein kurzfristig ausgerichtetes Handlungskonzept vereint
Stadtforum: Urbane Wissensquartiere
Abbildung 1 :
Auditorium des Max-Planck-Insituts
Münster
Abbildung 2:
Die drei Experten des Stadtforums
20
ISEK Münster 2030 | Baustein D: Die Stadtforenprozesse
Urbane Wissensquartiere:
• heterogener Stadtbereich mit einer Vielzahl von Wissensstandorten: Notwendige
Qualifizierung durch Raumbildung und Nutzungsvielfalt sowie raum- und ge -
staltwirksame Verknüpfung
Nutzungsmischung:
• Nutzungsmischung als Schlüssel für lebendige Stadträume
• Wohnen und Versorgungsangebote für den täglichen Bedarf müssen im Vorder-
grund stehen
• Besonderes Augenmerk liegt auf der Nutzung der Erdgeschosse, um dem An -
spruch der Nutzungsvielfalt und der Lebendigkeit gerecht zu werden
Wohnen:
• Schaffen von Wohnraum in den Urbanen Wissensquartieren, um dem Engpass
auf dem Wohnungsmarkt zu begegnen
• Das Potenzial der Nachverdichtung (Aufstocken) gilt es zu prüfen
Quartierskerne / Orte der Begegnung:
• Einrichten von kleinen Plätzen oder Pocket-Parks als Kristallisationspunkte und
Anker in den einzelnen Wissensquartieren
Nutzungsüberlagerung:
• Flächenpotenziale gilt es auszuschöpfen (bspw. überdimensionierte Parkplatzflä-
chen, Restflächen, eingeschossige Bebauung etc.)
• Aufbau einer sinnvollen Zeit- und Flächenüberlagerung als Potenzial für eine effi-
zientere Ausnutzung und Auslastung vorhandener Flächen- und Raumressourcen
Mobilitätskonzept:
• Verkehrliche Belastungen gilt es zu minimieren, indem die Verknüpfungen zu
den verschiedenen Standorten der Wissenschaft wie auch die der Wissenschafts-
standorte untereinander neu gedacht werden
• Ausbau von schnellen und komfortablen Routen für den Rad- und den öffentli -
chen Verkehr
• Mobilitätsstationen an den hoch frequentierten Standorten/Knoten; Nutzen der
digitalen Möglichkeiten eines multimodalen Verkehrsverhaltens
• Neuaufteilung oder Umwidmung überdimensionierter Straßenräume (z. B. Cor-
rensstraße, Mendelstraße)
Aufwertung der öffentlichen Räume:
• räumliche »Kristallisationspunkte« mit Aufenthalts-, T reffpunkts- und Versor -
gungsqualität + vielseitigen Verbindungen untereinander (hohes Maß an Durch-
lässigkeit)
21
• Gestalterische Aufwertung von öffentlichen Räumen, Straßenräumen, Wegever -
bindungen, Grünflächen und Parks
• Entwicklung und Ausbau von Grün- und Freiraumverbindungen unter besonde-
rer Beachtung ökologischer Qualität
Schnittstellen:
• Fördern des Austausches zwischen den Einrichtungen
• Bedarf einer »Verlinkung« von Aktivitäten auf technischer, sozialer und kultu -
reller Ebene, gegebenenfalls einer »Institutionalisierung« des weiteren T ransfers
zwischen Wissenschaft und Unternehmen, der bislang nur punktuell stattfindet
THEMATISCHE FOKUSSIERUNG DES FORUMS
Die zentralen Fragen (tlw. dem »Letter of Intent« entnommen), die sich daraus erge-
ben, machen den Stellenwert der Wissenschaft für die Entwicklung Münsters deut -
lich und unterstreichen die besondere Bedeutung des Leitthemas »Urbane Wissens -
quartiere«:
• Was sind die Anforderungen an die Wissensquartiere von morgen?
• Welche urbane Qualität muss das Campusleben im 21. Jahrhundert aufweisen?
• Welches Umfeld ist erforderlich, damit Forschung und Lehre in Münster die besten
Rahmenbedingungen für die zukünftige Entwicklung vorfinden?
• Wie lassen sich neue Nutzungen, wie Wohnen, Gastronomie, Nahversorgung und
Kultur so integrieren, dass dadurch mehr Vielfalt und Urbanität entstehen?
IMPULSE UND BEFRAGUNG DER EXPERTEN
Als externe Fachleute konnten gewonnen werden (in der Reihenfolge ihrer Beiträge):
Einige Stichworte aus den Kurzimpulsen der Eingeladenen und der jeweils anschlie-
ßenden Befragung durch das Forum:
Prof. Dr. Ernst Schmachtenberg
ehem. Rektor der RWTH Aachen; in seiner Amtszeit intensive Campusentwick -
lung, Vernetzung von Universität und Stadtgesellschaft/Wirtschaft
Dr. David Müller
ETH Zürich, Leiter Bereich Services; Campusentwicklung, Quartiersentwicklung
der Hochschule mit den städtischen Nachbarschaften
Prof. Michael Braum
Geschäftsführender Direktor der IBA Heidelberg unter dem Leitmotiv »Wissen
schafft Stadt«
Stadtforum: Urbane Wissensquartiere
22
ISEK Münster 2030 | Baustein D: Die Stadtforenprozesse
GANZHEITLICHE BETRACHTUNGEN ERFORDERLICH
Für die Hochschulentwicklung und die Wissensquartiere von morgen sei, so wurde
betont, die »Überwindung der Strukturgrenzen« erforderlich. Es gelte Cluster auf -
zubauen. Insbesondere dann »wenn man bis in die Produktion geht, benötigt man
andere ›facilities‹«, also auch andere baulich-räumliche Voraussetzungen. Hierzu
wurde u. a. auf das »Aachener Modell« verwiesen, bei dem sich Unternehmen an der
Universität/Hochschule »immatrikulieren« und so eine sehr enge Beziehung zwi -
schen Wirtschaft und Wissenschaft – auf Zeit – hergestellt werden könne.
NACHBARSCHAFTEN UND BEGEGNUNGSRÄUME SCHAFFEN
Mit Blick auf die einzelnen Standorte sollten, so wurde angeregt, drei Fragen gestellt
werden:
• Was macht einen Standort attraktiv?
• Wie komme ich hin (insbes. ÖPNV-Anbindung)?
• Warum bleibe ich da (z.B. Gelegenheiten zum Feiern für die Studierenden)?
Hochschulstandorte sollten Nutzungsangebote für die Öffentlichkeit beinhalten und
auch Orientierungshilfen bereit halten: »Drei-Buchstaben-Ortsangaben« (wie z.B.
MPI) seien da wenig hilfreich: »Orte brauchen Namen«.
Damit wurde bereits auf die große Bedeutung von Begegnungsräumen und Anläs -
sen für Begegnung verwiesen – für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, für
Studierende, für die Öffentlichkeit – für alle. Es gelte in diesem Sinne, möglichst vie-
le multifunktionale, flexible Räume für Kommunikation zu schaffen (diese Flächen
müssen zur Verfügung gestellt werden).
Aus Zürich wurde zudem berichtet, dass dort auch das Stakeholder-Management
für eine Aufgabe der Hochschulentwicklung gehalten wird. Entsprechend seien dort
(drei) Stellen eingerichtet worden. Deren Aufgabe sei vor allem das Zuhören – bei
allen (Studierenden, Lehrenden, Verwaltung, Nachbarschaft).
Man müsse, so wurde auch von andere Seite betont, wissen »Was wollen Studieren -
de? Was Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler?«. Das könne man nicht mit tra-
ditioneller Bürgerbeteiligung herausfinden, man benötige dazu »eine Stelle, die sich
dieser Anliegen annimmt« – möglicherweise so wie an der ETH?
Abbildungen 3 + 4:
Impressionen aus dem Stadtforum
23
MEHR ALS NUTZUNGSMISCHUNG
Für die städtebauliche Entwicklung, also für die Frage nach den räumlichen Vorausset-
zungen urbaner Wissensquartiere, sei es eine wesentliche Voraussetzung, dass man
überhaupt Wissenschaft und Wissensökonomie als »T reiber der Stadtentwicklung«
begreife, um dann »Zukunftsfragen auf städtebauliche Fragen herunterzubrechen«.
Das bedeute auch »über den jeweiligen T ellerrand hinauszusehen«, was sowohl an
die Hochschulen wie die Hochschulbaubetriebe (der jeweiligen Länder) wie auch die
Kommunen und ihre Vorstellungen von baulicher Entwicklung gerichtet war.
Vernetzen und Mischen waren durchgängig zwei oft gehörte Stichworte in den State-
ments der Experten. Das beginne schon bei der Vielfalt der Bildungseinrichtungen
untereinander und gelte auch für ihre Beziehung zu Stadtgesellschaft, Wirtschaft
»und auch Handwerk!« wurde betont.
Und in den Quartieren sei Nutzungsmischung von großer Bedeutung, wobei das Ge-
meinte anscheinend über das traditionelle Verständnis von Mischung hinaus ging:
»Nutzungsmischung ist out, ›overlapping function‹ in« formulierte das ein Impuls -
geber und bezog sich damit u.a. auf temporäre Nutzungen bzw. räumliche Flexibilität
für Mehrfachnutzungen mit Blick auf einen Nutzungszyklus, der 7 T age mit 24 Stun-
den umfasse.
Abbildung 5:
Projektstandorte der IBA Heidelberg
(aus dem Vortrag von
Prof. Michael Braum)
Abbildung 6:
ETH Zürich Campus Hönggerberg
(aus dem Vortrag von Dr. David Müller)
Stadtforum: Urbane Wissensquartiere
24
ISEK Münster 2030 | Baustein D: Die Stadtforenprozesse
ERGEBNISSE DER GRUPPEN
Vielfältige Stadtgesellschaft… fordern eine Reduktion von unnötigen Parkplätzen und
überdimensionierten Verkehrsstraßen, um sowohl freie Flächen für mehr Aufent -
haltsqualität zu schaffen als auch Flächen zur Nachverdichtung zu gewinnen. »Die
Stadt Münster muss dichter werden«. Zudem gilt es, die Begegnung der Generati -
onen (auch z. B. junge Studierende/Studium im Alter) durch neue räumliche und
funktionale Angebote zu stärken.
Stadtverwaltung… konzentriert sich insbesondere auf Maßnahmen, die schnell um -
setzbar sind: Es gibt noch Raumressourcen im Quartier (Leerstände etc.), die es zu
nutzen gilt. T emporäre Nutzungen (»temporäre Kaffeemaschinen«) sollten mehr
Platz erhalten – dadurch kann das Ziel der Durchmischung und Belebung erzielt
werden und eine effizientere Nutzung der Fläche erfolgen. Diese Nutzung sollte wis-
senschaftsübergreifend und transparent umgesetzt werden. Es gilt zudem ein neu -
es Mobilitätskonzept zu erarbeiten, um Flächen frei zu bekommen. Auch restriktive
Ansätze sind dabei hilfreich, um eine Verhaltensänderung im Bereich der Mobilität
zu erzeugen. Generell brauche es einen stärkeren Dialog und mehr Kooperation zwi-
schen den Menschen (»nicht nur in Linie agieren«). Dafür brauche es »Kümmerer«
mit der Aufgabe, einen Diskurs zwischen den Menschen zu steuern.
Wissenschaftliche Institutionen… fordern ein ganzheitliches Quartiersmanagement
als Steuerungseinheit. Der Input von allen Beteiligten (Arbeitnehmerinnen und Ar -
beitnehmer, Anwohnerinnen und Anwohner etc.) sollte zusammengeführt werden,
um konkurrierenden Nutzungen und Konflikten frühzeitig zu begegnen. Die Parti -
zipation soll dadurch verstärkt werden. Ergänzt werden soll dieses Quartiersmanage-
ment durch eine rechtliche Begleitung in der Prozessplanung und -entwicklung. Die
verschiedenen Quartiere gilt es weiter zu entwickeln und zu qualifizieren – kleine
Wettbewerbe können dabei Qualitäten einbringen. »Das, was jetzt an kleinen Pflänz-
chen wächst, soll nachhaltig weiter wachsen können.«
Wissenschaftsorientierte Unternehmen und Einrichtungen … sehen die Notwendig -
keit einer verstärkten Flächenfreigabe seitens der Stadt – denn die Flächen, die bereits
im Bestand sind, reichen nicht aus. Zudem wird Vorsicht bei der Reduzierung der
PKW-Flächen und -Zugänglichkeit formuliert, da es die Mitarbeitenden am härtesten
trifft, die am wenigsten verdienen und oftmals aus dem Umland kommen. Günstige
Wohnraumentwicklung im »Urbanen Wissensquartier« (für Studierende, Pflegekräf-
te u.a.) stellt daher eine zielführende Planung dar. Die entsprechenden Verträge gilt
es so vorzubereiten, dass private Investoren angesprochen werden.
»Zukunftsmacher«… unterstreichen die Bedeutung von Begegnungsräumen, in de -
nen die verschiedenen Nutzerinnen und Nutzer (neben Akteuren der Universität
auch die Wirtschaftseinrichtungen und Institutionen) des Quartiers zusammenkom-
25
men können. Diese sehen sie insbesondere in Bestandsstrukturen (z. B. Parkhaus am
Coesfelder Kreuz). In den Begegnungsräumen sollte Co-Working und Co-Learning
ermöglicht werden, um das Potential von Syergieeffekten stärker nutzen zu können.
In diesem Zusammenhang gilt es (temporäre) Gastronomieangebote (Pop-Up-Gast -
ronomie) mitzudenken. Freiräume gilt es zu qualifizieren und attraktiver zu gestal -
ten, um sowohl für die Akteure vor Ort als auch für die Stadtgesellschaft attrakti -
ve und konsumfreie Aufenthaltsräume zu schaffen. Nutzergruppen außerhalb der
Wissenschaft können dadurch angezogen werden. Die Straßenzüge sollten deutlich
grüner gestaltet werden, überdimensionierte Straßenzüge gilt es zurückzubauen. Zu-
dem brauche das Gebiet einen »Störer« (Museum, kreatives Gebäude), welcher als
Attraktor und Inspiration zu gleich wirkt.
Publikum… sieht die Notwendigkeit, die Planungen zum »Urbanen Wissensquartier«
nicht isoliert, sondern auf gesamtstädtischer Ebene integriert zu betrachten. Die Funk-
tionen sollten einen Mehrwert für die Gesamtstadt liefern. Die Akteure vor Ort soll -
ten sich miteinander besser vernetzen und sich zur Gesellschaft hin öffnen (sowohl
funktional als auch räumlich). Grünräume sollten nachhaltig entwickelt werden, um
langfristig Aufenthaltsqualitäten zu schaffen. Das Schaffen gemeinsamer Angebote
sollte in Form von Sofortmaßnahmen in Angriff genommen werden: Aufbau einer
akteursübergreifenden Plattform, eines Veranstaltungskalenders etc.. Die Unterbrin-
gung von benötigten Nutzungen wie Gastronomie, Handel oder Wohnen könne auch
im Bestand erfolgen. Zudem sollte die zeitliche Belegung (nachts/abends/Semester -
ferien …) der Gebäude mitbedacht werden.
Generell brauche es T esträume, in denen verschiedene Ansätze und Angebote er -
probt werden können. Aus diesen dort gewonnenen Erfahrungen sollte man lernen
und das Gebiet stetig weiterentwickeln. Insgesamt braucht es mehr lebendige Orte
mit vielfältigen Angeboten und Nutzungsüberlagerungen – der Leonardo Campus
wurde hierbei als gutes Beispiel genannt.A
Abbildung 7:
Visual Recording des Stadtforums
(Marie Jacobi, www.visualrecording.de)
Stadtforum: Urbane Wissensquartiere
A Impressionen aus dem Stadtforum und
das Graphic Recording zum Vergrößern
finden sich im „Schaufenster“ der Müns-
terZukünfte unter https://www.zukunft-
muenster.de/urbane-wissensquartiere/
ZWISCHENRESÜMEE – ZUSAMMENFASSENDE ERGEBNISDARSTELLUNG
»MEHR KAFFEEMASCHINEN!« BEGEGNUNG UND SOZIALES LEBEN FÖRDERN
Schon in den kurzen Impulsvorträgen der eingeladenen externen Fachleute wurde auf
die große Bedeutung von Begegnungsräumen und T reffpunkten in wissenschaftsge-
prägten Quartieren hingewiesen. Am Beispiel der ETH Zürich wurde das in einem
Bild ausgedrückt: Wo träfen sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler? An
Kaffeemaschinen. Also sei es wichtig, Orte zu schaffen, die diese T reffpunktfunktio-
nen übernehmen könnten. Auch öffentliche Freiräume könnten solche Funktionen
übernehmen, sofern sie als Aufenthaltsorte attraktiv genug seien. In Neubau wie Be-
stand sollten verschiedene Möglichkeiten der Begegnung geschaffen werden (z. B.
Co-Learning, Co-Working, Gastronomieräume, …). Man könne hier manches sofort
auf den Weg bringen – und sei es zunächst nur durch temporäre Maßnahmen.
BEZÜGE HERSTELLEN, NACHBARSCHAFTEN BILDEN
In heterogenen und von untereinander unverbundenen Gebäuden bzw. Einrichtun -
gen geprägten Wissenschaftsarealen sollten, so wurde angeregt, räumliche Nachbar -
schaften gebildet werden. Unterschiedliche Bildungseinrichtungen könnten räum -
lich, funktional und organisatorisch stärker miteinander vernetzt werden. Vernetzung
sei auch für die Bezüge nach »außen« wichtig, indem z.B. Kooperationsplattformen
zwischen den Akteuren vor Ort aufgebaut werden, um gemeinsame Angebote für die
gesamte Stadtgesellschaft zu entwickeln (z.B. institutsübergreifender T erminkalen -
der mit gemeinsamen Veranstaltungen, …).
NUTZUNGEN MISCHEN UND ÜBERLAGERN
Die bestehende recht homogene Nutzungsstruktur in den Wissensquartieren sollte
mit ergänzenden und belebenden Funktionen angereichert werden. Dabei gilt es die-
se neuen Nutzungen (z.B. Wohnen, Gastronomie, Begegnungsräume, Pop-up-Store,
Fab-Labs, …) sowohl räumlich als auch zeitlich zu überlagern. Auch dazu können die
vorhandenen Ressourcen, wie überdimensionierte Straßenzüge (z.B. Corrensstraße)
oder (temporär) leerstehende Räumlichkeiten genutzt werden.
27
Stadtforum: Innenstadt ist mehr ...
Stadtforum:
»Innenstadt ist mehr ... – Eine weitergefasste Perspektive«
14. Juni 2019, 17:00 - 21:00 Uhr
Mensa am Aasee, Bismarckallee 11, 48151 Münster
VORARBEITEN
Auch für das Leitthema »Innenstadt ist mehr« wurden im ersten Schritt die wesent -
lichen Entwicklungsthemen, Herausforderungen und Zielsetzungen sowie aktuelle
Vorhaben in Bezug auf die Innenstadt oder vielmehr »Innere Stadt« (vgl. Baustein
C) identifiziert. Im Rahmen einer Verwaltungswerkstatt wurden die innerstädtischen
»Hot Spots« (Orte mit besonderer Anziehung), vernachlässigte Räume, die der be -
sonderen Aufmerksamkeit bedürfen und die subjektive räumliche Abgrenzung der
Innenstadt erörtert. Auf dieser Grundlage konnten dann die zu behandelnden The -
men für das Stadtforum identifiziert werden.
Funktionsvielfalt:
• Vielfalt und Mix soll erhalten bleiben, jedoch sind Konkurrenzen im Raum sicht-
bar
Balance zwischen Ruhe und Belebung im öffentlichen Raum:
• T emporäre Inszenierungen und Events in der Balance mit dem Alltagsleben der
Bewohnerschaft
Hot Spots / T ag und Nacht:
• Hot Spots unterliegen einer zeitlichen Dimension; es gibt Bereiche die tagsüber
Hot Spots und nachts Problembereiche darstellen
Flächenkonkurrenz:
• im gesamten innerstädtischen Bereich besteht eine starke Konkurrenz um die
verfügbare Fläche
Abbildungen 1 + 2:
Impressionen aus dem Stadtforum
28
ISEK Münster 2030 | Baustein D: Die Stadtforenprozesse
Konflikte:
• Verdrängung von Funktionen wie Kultur und Kreativität (Verdrängung schwäche-
rer Nutzungen vermeiden)
• Wegbrechen grundzentraler Alltagsfunktionen wie Nahversorgung
• teils empfundene Übereventisierung scheint die Alltagsfunktionen der Innen -
stadt nicht nur für unmittelbare Bewohnerinnen und Bewohner zu beeinträch -
tigen
Mobilität:
• Förderung des Radverkehrs, inkl. Grundsatzfrage: Autofreie Innenstadt?
THEMATISCHE FOKUSSIERUNG DES FORUMS
In den Sitzungen des Stadtforums können aus dem gesamten Themenspektrum
mit Aussicht auf Ertrag jeweils nur Ausschnitte im Schwerpunkt behandelt werden.
Da in diesem Fall verschiedene Themenkomplexe (Mobilität, Freiraum) ohnehin in
eigenen Stadtforen behandelt werden, wurde vorgeschlagen, sich auf das Thema
Funktionsvielfalt zu konzentrieren.
Dabei ging es u. a. um folgende Fragen:
Erzeugung von Resilienz durch Zukunftsfähigkeit und Funktionsvielfalt
• Wie kann die Funktionsvielfalt der Innenstadt gestärkt werden? Welche Funk-
tionen leisten einen besonderen Beitrag für die Münsteraner Innenstadt der
Zukunft?
Abbildungen 3 - 6:
Impressionen des Stadtforums
29
• Wie kann die angestrebte Balance zwischen der Innenstadt als Alltagsort und
den besonderen Funktionen der Innenstadt hergestellt werden?
• Wie ist die Zukunft der Innenstadt räumlich zu denken? Muss nicht zukünf -
tig großräumiger gedacht werden, d. h. vom Hafen über die Altstadt bis zum
Coesfelder Kreuz?
IMPULSE UND BEFRAGUNG DER EXPERTINNEN UND EXPERTEN
Als externe Fachleute konnten gewonnen werden:
Einige Stichworte aus den Kurzimpulsen der Eingeladenen und die jeweils anschlie -
ßende Befragung durch das Forum:
EIN KOMPASS FÜR DIE (INNEN)STADTENTWICKLUNG
Zur Entwicklung und T ransformation von Innenstädten »braucht es einen Kompass«,
wurde betont. Mit dessen Hilfe könnten z. B. folgende Fragen angegangen werden:
• Welche Funktionen hat die Innenstadt? Welche T eilräume mit eigenen Dynami-
ken und Profilen (Einzelhandel, T ransformationsräume, neue T eilräume etc.)
sind zu beachten. Die »Altstadt kann nicht alles leisten«, daher könnten (und
müssten) T eilräume unterschiedlich sein und verschiedene Funktionen der In -
nenstadt übernehmen
• Welche Zusammenhänge zwischen der Innenstadt als ganzer und ihrer einzelnen
Quartiere zur Gesamtstadt (funktionaler und räumlicher Art) sind zu bedenken?
Auf gesamtstädtischer Ebene gilt es, Rollen und Funktionen zu definieren, auf
kleinräumiger Ebene gilt es zu beantworten, was das konkret für die einzelnen
Stadträume bedeutet.
• Welche funktionalen Verflechtungen entstehen (neu)? Durch räumliche Verknüp-
fung rücken bislang nicht zur Innenstadt gerechnete Quartiere näher an die In -
nenstadt heran. Diesen funktionalen Verflechtungen müsse dann auch räumlich
entsprochen werden.
VIELFAL T DER VERBINDUNGEN UND DIE BEDEUTUNG DES ÖFFENTLICHEN RAUMES
Baulich-räumliche Wegebeziehungen sind, so wurde betont, ein entscheidendes The-
ma in zentralen Bereichen. Der Aufbau neuer Verknüpfungen sei jedoch, so hieß es,
aus Erfahrung eine oft langfristige Aufgabe (etwa Wegeverbindungen, die Bahntras -
Anna Bernegg
Gesellschafterin und Projektleiterin offene Räume und Kreativwirtschaft
Urban Catalyst GmbH Berlin
Prof. Jörn Walter
ehem. Oberbaudirektor der Hansestadt Hamburg; in seiner Amtszeit Erweiterung
der Innenstadt um die HafenCity, innerstädtischer Einsatz des Instruments Busi -
ness Improvement District (BID)
Stadtforum: Innenstadt ist mehr ...
30
ISEK Münster 2030 | Baustein D: Die Stadtforenprozesse
sen schneiden); Zugleich gelte es, Baufelder entlang (bestehender) Wegeverbindun -
gen zu »besetzen«.
Damit rückt auch der öffentliche Raum in den Mittelpunkt der Betrachtung. Er sei,
so hieß es, ein »wesentlicher Standortfaktor« und die Aufenthaltsqualität im öffentli-
chen Raum sei zudem ein Bedeutungsgewinn für die Gesamtstadt.
Wichtig sei es jedoch, gerade bei einem räumlich und funktional differenzierten In -
nenstadtbereich gestalterische Verknüpfungen herzustellen: »Übergeordnete gestal -
terische Elemente tragen zur optischen Verbindung bei«.
Auch die städtischen Verkehrsräume müssten in den Blick genommen werden: Hier
sei eine »Neuaufteilung« wichtig. Das gelinge nur bei einer Veränderung des Modal
Split, durch Sharing-Modelle und die Vernetzung der verschiedenen Verkehrsanbie -
ter. Zudem sei die Veränderung der Lärmbereiche eine wesentliche Voraussetzung
für Attraktivitätssteigerungen im öffentlichen Raum.
VIELFAL T UND MISCHUNG DER NUTZUNGEN
Um dem Strukturwandel im Einzelhandel zu begegnen, müsse man viele Optionen
in Betracht ziehen. Eine lautete: »Von der grünen Wiese zurück in die Stadt« (»Ikea
in die Städte«). Unstrittig war, dass zur Belebung der Innenstadt funktionale Vielfalt
erforderlich sei: Die »Durchmischung der CBD A ist ein Erfolgsfaktor« hieß es etwa.
Dazu gehöre auch die Wohnnutzung (die in Münster ungewöhnlich stark sei und
daher dringend in der inneren Stadt erhalten bleiben solle). Zudem könnten Erdge -
schosse mit »alternativen Nutzungen« gefüllt werden. Genannt wurden etwa Gewer-
be, Manufakturen, Kindergärten.
Ganz wesentlich sei, das wurde unisono unterstrichen, dass es nicht nur hochpreisige
Standorte gibt. Niedrigpreisige Nischen oder Mietausgleich seien für eine attraktive Mi-
schung unerlässlich (»Einzelne können das nicht ermöglichen, mehrere können es«).
KOOPERATION, FLEXIBILITÄT UND BEREITSCHAFT ZUM EXPERIMENT
»Nur der Blick auf die Stadt B reicht nicht«, ein »Kraftschluss« sei erforderlich, so
lautete ein Leitmotiv der Impulse. Die Kooperation mit der Wirtschaft bspw. Busi -
ness Improvement Districts (BID) hätte sich in Hamburg (wo 50 Mio. € Investitionen
ausgelöst worden seien) bewährt und die 70 %-Regel helfe, Attentismus Einzelner
zu überwinden. In jedem Fall sei aber ein Zusammenwirken von Händlerinnen und
Händlern, Grundeigentümerinnen und Grundeigentümern und Kommunen uner -
lässlich. Auch Akteure aus den Bereichen Kultur, Bildung & Kreatives sollten als Im-
pulsgebende genutzt werden (»für mehr Stadt in der Stadt«) und auch Anregungen
aus der Bürgerschaft sollten eingebunden und genutzt werden. Damit diese vielfälti -
ge Kommunikation und Kooperation gelingen könne, bedürfe es unter Umständen
»neuer Intermediärer«.
Ebenfalls betont wurde, dass man »ernst gemeinte T esträume schaffen« und »Expe -
rimente« wagen müsse. Sie ließen sich bestens als »Weiterentwicklungswerkzeug«
nutzen. Auch diese Formulierung kann quasi als ein Leitmotiv beider Impulse gelten.
A Der Central Business District (CBD) ist
ein Begriff der globalen Stadtgeographie
für das funktionale Zentrum einer Stadt,
das in Nordamerika stärker durch wirt -
schaftliche Nutzungen geprägt wurde.
B ... im Sinne von Politik und Verwaltung
31
Abbildung 7:
Zentrentypen in Zürich
(aus dem Vortrag von Anna Bernegg)
Abbildung 8:
Business Improvement Districts in
Hamburg (Stand 2014)
(aus dem Vortrag von Prof. Jörn Walter)
Abbildungen 9 + 10 :
Gewerbegebiet als Experimentierfeld:
Platzprojekt Hannover
(aus dem Vortrag von Anna Bernegg)
Stadtforum: Innenstadt ist mehr ...
32
ISEK Münster 2030 | Baustein D: Die Stadtforenprozesse
ERGEBNISSE DER GRUPPEN (AUS DER »ARBEITSPAUSE«)
Zukunftsmacher… wünschen sich eine stärkere Verbindung und Kooperation zwi -
schen den Akteuren – dafür brauche es Mutmacherinnen und Mutmacher/Ermög -
licherinnen und Ermöglicher/Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner. Zudem
sehen sie die Entwicklung eines zukunftsfähigen, mutigen und nachhaltigen Ver -
kehrskonzeptes als entscheidend an – eine autofreie Innenstadt ist anzustreben, u.a.
um Räume für neue Nutzungen freizumachen. Insbesondere der Entwicklung kon -
sumfreier Begegnungsorte und weiterer Grünflächen sollte in diesem Zusammen -
hang besondere Beachtung geschenkt werden. Als weiteren Punkt sieht die Bank der
Zukunftsmacher Potenzial in zeitlichen und räumlichen Mehrfachnutzungen und
-überlagerungen, um der Flächenknappheit in der Innenstadt zu begegnen.
T rägerinnen und T räger aus dem Kultur- und Sozialbereich … benennen ebenfalls
Potenzial in der Mehrfachnutzung/temporären Nutzungen, dafür gilt es, den ent -
sprechenden ordnungsrechtlichen Rahmen zu schaffen. Innerstädtische Leerstände
sollten durch befristete Verträge in Zwischennutzung gebracht werden, so dass keine
Verödung eintritt und Kreativen T esträume zur Verfügung stehen. Neben der Innen-
stadt gilt es, die Stadtteilzentren wieder zu stärken – den Verbindungen zwischen
Stadtteilen und Stadtzentrum kommt eine entscheidende Rolle zu. Bezüglich der
Balance zwischen Zentrenfunktion und Alltagsort muss Ausgewogenheit hergestellt
werden. Diese ist allerdings nur möglich, wenn die Mietpreise nicht so hoch sind
wie derzeit. Die noch vorhandene Mischung aus inhabergeführten Geschäften (Bsp.
Hammerstraße) gilt es wertzuschätzen und zu schützen.
Verwaltung… sieht einen notwendigen Fokus auf die »Noch-nicht-Innenstadt«-Berei-
che. Hier sollte die Frage gestellt werden, warum diese (noch) nicht zur Innenstadt
gehören, obwohl sie es vielleicht sollten… T emporäre Nutzungen und Experimente
könnten als Zwischennutzung dort testweise etabliert werden. Zudem gilt es, die
Verkehrsräume neu zu denken und die Zurückeroberung des urbanen Raumes zu
unterstützen. Als Sofortmaßnahme sollte über zeitliche Nutzungsüberlagerungen
nachgedacht werden, öffentliche Gebäude zu anderen Zeiten aktiviert werden (z.B.
Schulen und Büchereien in den Abendstunden sowie Theater zur Mittagszeit nut -
zen) – auch ein Abendmarkt wäre in diesem Zusammenhang bedenkenswert. Gene-
rell sollte Münster sich in mehr Gelassenheit üben, wenn es um die Bedenken von
Anwohnerinnen und Anwohnern gegenüber temporären Experimenten und abend -
lichen Emissionen geht.
Verbände, Institutionen und Unternehmen … sehen vor dem Hintergrund der He -
rausforderungen die Einrichtung eines innerstädtischen Zukunfts-Office als zu -
kunftsweisend: »Die wirtschaftlichen, städtischen und bürgerschaftlichen Interes -
sen überlagern sich sehr stark und verschneiden ineinander, so dass viele Dinge nur
33
gemeinsam lösbar sind«; eine Koordination der Belange ist für eine Zusammenar -
beit unabdingbar. Neben dieser langfristig aufzubauenden Prozessstruktur braucht
es sichtbare und kurzfristige Maßnahmen. Hierfür sind Mut und Raum für Experi -
mentierfelder (insb. für Mehrfach- und Interimsnutzungen, B-Lagen-Entwicklung,
Mischnutzungen, Coworking etc.) gefragt. Beispielsweise könnte die Verbindung
zwischen Hafenviertel und Innenstadt ein sofortiges Experimentierfeld werden.
Vielfältige Stadtgesellschaft… betont die Vielfalt der Stadtgesellschaft, die es bei der
Behandlung des Innenstadtthemas zu berücksichtigen gilt (unterschiedliche Einkom-
mensgruppen, Altersgruppen etc.). Die verschiedenen Quartiere der Innenstadt soll -
ten stärker miteinander vernetzt werden, um der Diversität gerecht zu werden und
die Vielfalt zu stärken. Bezüglich des Verkehrs wird für eine autofreie Innenstadt plä-
diert, dennoch müssen dabei die Belange der bewegungseingeschränkten Personen
mitberücksichtigen werden (z. B. Parkplätze für Senioren?). Zwischennutzung und
Nachnutzungen für frei werdende Einzelhandelsräume gilt es frühzeitig zu bedenken
und zu planen. Konsumfreien Räumen kommt dabei eine besondere Bedeutung zu.
Publikum… sieht die Stärkung der Funktionsvielfalt als entscheidend an. Vorhande -
ne Funktionen wie Einzelhandel, Gastronomie, Dienstleistung, Kultureinrichtungen,
zentrale sowie oberzentrale Einrichtungen sollen dabei Bestand haben, jedoch um
weitere Nutzungen wie Kultur- und Bildungseinrichtungen, urbane Produktionen
(Manufakturen) etc. ergänzt werden. Auch die Funktion des Wohnens sollte eine Stär-
kung erfahren. Bezüglich der Balance zwischen Innenstadt und Alltagsort wurden
vor allem die öffentlichen Räume der Innenstadt betrachtet, die dringend ausgebaut,
gestaltet und aufgewertet werden müssten (insb. Schaffung von konsumfreien, flexi -
blen, multifunktionalen Orten mit Aneignungsmöglichkeiten für alle). Die Autofrei -
heit der Innenstadt wird für die Gewinnung neuer Räume stark befürwortet, jedoch
werden seitens der Händlerschaft Bedenken bezüglich der Erreichbarkeit geäußert.C
Abbildung 11:
Visual Recording des Stadtforums
(Marie Jacobi, www.visualrecording.de)
Stadtforum: Innenstadt ist mehr ...
C Impressionen aus dem Stadtforum und
das Graphic Recording zum Vergrößern
finden sich im „Schaufenster“ der Müns-
terZukünfte unter https://www.zukunft-
muenster.de/urbane-wissensquartiere/
ZWISCHENRESÜMEE – ZUSAMMENFASSENDE ERGEBNISDARSTELLUNG
EINE VIELFÄL TIGE INNENSTADT BENÖTIGT EINE ÜBERGREIFENDE STRATEGIE
Dass Innenstädte funktional vielfältiger werden (müssen), um ihre Attraktivität zu
erhalten, war aus allen Beiträgen und den Statements der Gruppen herauszuhören.
Neben der funktionalen Anreicherung vorhandener Bereiche können auch räumliche
Ergänzungen und funktionale Differenzierungen hilfreich sein (»die Altstadt kann
nicht alles leisten – und das ist auch in Ordnung«). Es ist jedoch wichtig, dass eine in
diesem Sinne vielfältige Innenstadt innere Bezüge wahrt – durch Wegebeziehungen,
übergeordnete Gestaltungselemente etc. Wichtig sei zudem, auch das wurde betont,
dass die Entwicklung der Innenstadt im Zusammenhang mit der Gesamtstadt – und
insbesondere auch den Ortsteilzentren – gesehen werde.
INNENSTADT SOLL ALL TAGSORT BLEIBEN UND WERDEN
Eine Besonderheit Münsters sei es, das wurde bereits zu Beginn der Veranstaltung
festgestellt, dass sich hier in der Innenstadt noch viele Alltagsnutzungen (Schulen,
Wohnungen) finden. Das wurde allseits als besondere und weiter zu entwickelnde
Qualität angesehen. Dazu könne beitragen, dass Erdgeschosse auch mit anderen Nut-
zungen abseits des klassischen Einzelhandels besetzt werden. Als Beispiele wurden
Manufakturen, produzierendes Gewerbe, Kindertagesstätten oder temporäre Nutzun-
gen (wie z.B. Ausstellungen, Pop-up Stores, …) genannt. »T esträume« oder »Experi -
mentierfelder« (z.B. großzügige Parkplätze, Straßenzüge, Plätze, …) können zur früh-
zeitigen (temporären) Erprobung dieser neuen Entwicklungen dienen.
INNENSTADTENTWICKLUNG: EINE GEMEINSCHAFTSAUFGABE
Um eine vielfältige Mischung von Akteuren und Nutzungen in der Innenstadt zu
erreichen, ist es den T eilnehmenden wichtig, dass auch Chancen zur Ansiedlung von
kleineren inhabergeführten Läden und Start-ups, beispielsweise durch Modelle des
Mietausgleichs, geschaffen werden. Die Kooperation zwischen den Innenstadtakteu -
ren – über die Vernetzungen der Akteure des Einzelhandels hinaus – wurde als wich-
tig benannt, um gemeinsame Ziele zu verfolgen und gemeinsame Entwicklungen
(z.B. Aufwertung öffentlicher Räume) für die gesamte Stadtgesellschaft voranzubrin-
gen.
35
Stadtforum:
»Münstersche Stadt-Landschaft –
Siedlung und Freiraum in der Balance«
21. Mai 2019, 17:00 - 21:00 Uhr
Landwirtschaftskammer NRW Standort Wolbeck, Münsterstraße 62-68
VORARBEITEN
Zur Bearbeitung des Leitthemas der »Münsterschen Stadt-Landschaft« wurden zu -
nächst im Rahmen einer Verwaltungswerkstatt die wesentlichen Entwicklungsthemen,
Herausforderungen und Zielsetzungen sowie aktuelle Vorhaben in Bezug auf das Leit-
thema erörtert. Die unterschiedlichen Sichtweisen und Perspektiven der einzelnen
Ressorts zu den Themen Grünflächen/Freiraum, Marketing/T ourismus, Siedlungsent-
wicklung, Mobilität, Wirtschaft, Sport und Landwirtschaft wurden zusammengetragen
und Zusammenhänge aufgezeigt. Auf dieser Grundlage konnten dann die zu behan -
delnden Themen für das Stadtforum identifiziert werden.
Münster besitzt eine gute Grundlage/T radition im Bereich der Freiraumentwicklung:
Die Qualitäten und Werte in diesem Bereich sind auch heute noch in der Stadt zu spü-
ren, es gilt sie zu schützen und weiterzuentwickeln (Münsterländische Parklandschaft,
Flächenschutz, Grünfinger bis an den Innenstadtbereich, Aaseebereich, Verflechtung
von Siedlung und Landschaft).
Hoher Flächendruck und räumliche Überforderung:
Flächen werden genutzt, ohne jedoch die Konsequenzen zu bedenken, denn der Flä -
chendruck ist immens. Es besteht dabei die Gefahr einer Übernutzung sowie Nut -
zungsüberlagerungen der Flächen zu Lasten der Qualität der Räume; daher ist eine
Ausdifferenzierung zwischen Innen- und Außenentwicklung notwendig; Siedlungser-
weiterungen müssen Konsequenzen wie Bedarfssteigerung im Bereich der (grünen)
Infrastruktur einbeziehen.
Freizeit und Erholungsflächen sollten keine Restflächen sein:
Der Bedarf an Freizeit- und Erholungsflächen wird mit wachsender Bevölkerung zu -
nehmen. Daher gilt es, diese nicht als Restflächen zu sehen, sondern von vornherein
mitzudenken und konkret mitzuplanen. Bestehende Flächen müssen in Wert gesetzt
und gepflegt werden; eine Formulierung qualitativer Ansprüche ist notwendig.
Nutzungsvielfalt der öffentlichen Räume stärken:
Funktions- und Nutzungsmischung darf durch das Wachstum nicht verloren gehen;
Vielfalt gilt es zu stärken: sowohl Strukturen im Freiraum mit Freizeitflächen im Grü-
nen als auch klassische Erholungsflächen; Sportflächen nicht nur für Einzelpersonen
oder Vereine, sondern auch für selbstorganisierte Sportgruppen.
Stadtforum: Münstersche Stadt-Landschaft
36
ISEK Münster 2030 | Baustein D: Die Stadtforenprozesse
THEMATISCHE FOKUSSIERUNG DES FORUMS
In den Sitzungen des Stadtforums können aus dem gesamten Themenspektrum
mit Aussicht auf Ertrag jeweils nur Ausschnitte im Schwerpunkt behandelt werden.
Da in diesem Fall verschiedene Themenkomplexe (Stadtteile, Wohnen, Mobilität) oh-
nehin in eigenen Stadtforen behandelt werden, wurde vorgeschlagen, sich auf das
Thema »Freiräume auf unterschiedlichen Maßstabsebenen« zu konzentrieren. Dies
ist auch darin begründet, dass der Freiraum als ein aktiver Baustein der Stadtentwick-
lung in Bezug auf Wachstum und Siedlungsflächenentwicklung zu stärken/sichern
ist.
Dabei ging es u. a. um folgende Fragen:
Freiraumentwicklung unter Wachstumsbedingungen: »Vom Rest zum Baustein«
• Wie können Siedlungsentwicklung und Freiraumentwicklung in die Balance
gebracht werden?
• Wie kann die Bedeutung der Freiräume für eine weiterhin lebenswerte Stadt
gefördert werden?
• Welche Perspektiven hat die Landwirtschaft in einer wachsenden Stadt?
Abildung 4:
Die Experten des Stadtforums
Abildung 5 - 6:
Impressionen aus der Arbeitsphase
Abbildungen 1 - 3:
Impressionen aus dem Stadtforum
37
IMPULSE UND BEFRAGUNG DER EXPERTEN
Als externe Fachleute konnten gewonnen werden:
Einige Stichworte aus den Kurzimpulsen der Eingeladenen und die jeweils anschlie -
ßende Befragung durch das Forum:
AUF ALLEN EBENEN HANDELN
Freiraum- und Landschaftsentwicklung müsse, das zog sich als roter Faden durch die
Impulse der Eingeladenen, auf allen räumlichen Ebenen ansetzen: Vom regionalen
Maßstab ausgehend über die gesamtstädtische Betrachtung hin zu einzelnen Ent -
wicklungsbereichen – und dabei auch den Siedlungsbestand nicht aussparen. Dabei
können folgende Überlegungen hilfreich sein:
• Interkommunal kommt informellen Planwerken als Mittel der Abstimmung Bedeu-
tung zu. In ihnen können regional bedeutsame Grünzüge identifiziert werden, um
sie weiter zu qualifizieren. Angesichts der Komplexität des Themas gerade auf dieser
Ebene wurde auch überlegt, ob ein »Regionalmanagement« hilfreich sein könnte.
• Gesamtstädtisch ist die Frage bedeutsam, wie verbindlich die Aussagen zur Grün-
ordnung sind. Inhaltlich müssten die Freiraumstrukturen nicht zwangsläufig na-
turräumlichen Gegebenheiten folgen, sondern können auch durch historische/
siedlungsstrukturelle Gegebenheiten geprägt sein (z. B. Grüne Ringe Köln, wo
Grünflächen den Grundriss der Stadt definieren und identitätsstiftend sind).
• In Entwicklungsbereichen wie Konversionsflächen könnten wichtige neue Bau -
steine des Grünsystems geschaffen werden.
• Und im Bestand gilt es zu erhalten, was da ist und einzelne Elemente möglichst
zu vernetzen und aufzuwerten.
• Ganz wesentlich sei es aber auch, die Verbindungen zwischen den Ebenen her -
zustellen, und z. B. Bewegungsräumen und Wegenetzen große Beachtung zu
schenken.
Prof. Gerd Aufmkolk
Landschaftsarchitekt und Geschäftsführer WGF Beraten, Nürnberg
Prof. Dr. Cord Petermann
Hochschule Osnabrück, Professor für Sozioökonomie der räumlichen Entwicklung
Pieter van der Kooij
Stadtentwicklung, Stadt Freiburg im Breisgau und Betreuung des Perspektivplans
Freiburg 2030
Prof. Dr. Henrik Schultz
Inhaber von Landschaft3*; Hochschule Osnabrück, Professor für Landschaftspla -
nung und Regionalentwicklung
Stadtforum: Münstersche Stadt-Landschaft
38
ISEK Münster 2030 | Baustein D: Die Stadtforenprozesse
SIEDLUNGS- UND FREIRAUMSTRUKTUREN ALS ZUSAMMENHANG BETRACHTEN
Am Freiburger Beispiel »Perspektivplan 2030 – die Stadt weiterentwickeln, Freiburg
bleiben!«A wurde erläutert, wie wichtig es sei, die Entwicklung der Freiräume als we -
sentlichen Beitrag zur Stadtentwicklung anzusehen: »Der Plan war notwendig, um
überhaupt wieder über Stadtentwicklung sprechen zu können«. Zentral sei es, Sied -
lungs- und Freiräume zusammen zu denken. Insofern wurde z. B. gleichzeitig über
Freiräume und Dichte (die die Stadt lebendig halten soll) in den Quartieren gespro -
chen.
Dieser Plan sei über sehr verschiedene Zugänge entstanden: Objektive Dichte-Daten
zu einzelnen Stadtteilen wurden (GIS-basiert) ermittelt und unterschiedliche Mög -
lichkeiten der Identifikation von bebaubaren Flächen (z. B. das »Kapern« von Restflä-
chen) und der Freiraumentwicklung (»Säumen«) wurden gleichermaßen eingesetzt.
Inzwischen entfalte der Plan schon Wirkung – so würden etwa Entwicklungsvorha -
ben nur dann weiter verfolgt, wenn sie den Strategien des Perspektivplans entspre -
chen bzw. sie berücksichtigen.
DER BEDEUTUNG DER LANDWIRTSCHAFT GERECHT WERDEN
Mit Blick auf Münster wurde festgestellt, dass Landwirtschaft im Stadtgebiet flächen-
mäßig sehr bedeutsam sei – dies aber nicht angemessen wahrgenommen und ge -
würdigt werde. Dabei seien die landwirtschaftlichen Flächen in mehrfacher Hinsicht
»Produktionsraum« – für Wasser, Luft und Nahrungsmittel. Es könne sehr hilfreich
sein, so wurde angeregt, »Stadt aus Sicht der Landwirtschaft« zu denken und auch zu
überlegen, wie man »Ernährung in die Stadt holen«, eine »landwirtschaftliche Nähe«
erzeugen und erfahrbar machen könne. Auf diese Weise seien z.B. »als Erholungs -
räume genutzte landwirtschaftliche Flächen über ihre Produkte mit dem Stadtraum
bzw. mit der Stadtbevölkerung zu verflechten«. So etwas lasse sich am ehesten über
konkrete Initiativen und Projekte bewirken, stelle sich aber nicht von alleine her.
Abbildung 7:
Darstellung der baulichen Dichte im Per -
spektivplan Freiburg
(aus dem Vortrag von Pieter van der
Kooij)
A Online abrufbar unter:
https://www.freiburg.de/pb/site/Frei -
burg/get/params_E-1588358111/1109703/
Perspektivplan.pdf
39
KOMMUNIKATION MITDENKEN
»Wir mussten die ganze Zeit Kommunikation mitdenken…« lautete ein Zitat aus den
Impulsen. Und auch das kann als ein roter Faden durch alle Beiträge angesehen wer-
den: Freiraum- und Landschaftsentwicklung bedarf der Verständigung, der Kommu-
nikation und Kooperation. Das reicht von der »frühzeitigen Einbindung der Politik«
über die intensive ressortübergreifende Kommunikation innerhalb der Verwaltung
bis hin zur Kinder- und Jugendbeteiligung im Siedlungsbereich.
Kritisch angemerkt wurde allerdings, dass insbesondere die »Produzenten der Räu -
me«, in diesem Fall war vor allem die Landwirtschaft gemeint, nicht oder zu wenig
involviert würden.
Abbildung 8:
»Kapern« von Stadträumen als Maßnah-
me des Perspektivplans Freiburg
(aus dem Vortrag von
Prof. Dr. Henrik Schultz)
Abbildung 9:
Kölner Grüngürtel
(aus dem Vortrag von
Prof. Gerd Aufmkolk)
Abbildung 10:
Thünen‘schen Kreise (1826) als Modell
einer optimalen Landnutzung
(aus dem Vortrag von
Prof. Dr. Cord Petermann)
Stadtforum: Münstersche Stadt-Landschaft
40
ISEK Münster 2030 | Baustein D: Die Stadtforenprozesse
ERGEBNISSE DER GRUPPEN
Umwelt- und sozialorientierte Vereine/ Einrichtungen… fordern eine Intensivierung
naturnaher und biodiverser Landwirtschaft. Die heimische Landwirtschaft gilt es zu
stärken – beispielsweise, indem heimischen Landwirten vorrangig Marktstände zur
Verfügung gestellt werden. Durch die Stärkung des lokalen Absatzmarktes soll die
Stärkung der lokalen Landwirtschaft/Produktion erfolgen.
Vielfältige Stadtgesellschaft… sieht ortsspezifische Konzeptentwicklungen unter Be -
teiligung der vielfältigen Stadtgesellschaft (u. a. Beteiligung von Jugendlichen) als
notwendigen nächsten Schritt. Kurzfristige Maßnahmen sollten die Renaturierung
innerstädtischer Flussläufe sowie die Aufwertung von Grünflächen (z.B. durch Paten-
schaften) einschließen. Die Bedeutung der Freiräume kann durch eine bürgernahe,
bedarfsorientierte Gestaltung und Nutzbarkeit gestärkt werden.
Stadtverwaltung und Ausschussvorsitzende … unterstreichen die Notwendigkeit des
Erhalts und der Qualifizierung vorhandener innerstädtischer und siedlungsnaher
Freiräume. Dies bezieht sich dabei sowohl auf große Parkanlagen als auch auf ein -
zelne Fassadenbegrünungen (auch als optische Anreizmaßnahme/Vorbildcharakter
städtischer Gebäude). Neben der Sanierung und Qualifizierung vorhandener Grün -
anlagen wird die (optische/räumliche/funktionale/ökologische) Anknüpfung von
neuen Baugebieten an vorhandene Freiräume als zentral gesehen. Die »Bewusst -
seinsbildung für den Wert der vorhandenen Freiräume« wird als weiteres Thema im
Sinne von Öffentlichkeitsarbeit als Sofortmaßnahme vorgeschlagen. Die Bedeutung
der Landwirtschaft als Kümmerin/Partnerin für den Freiraum kann kaum hoch ge -
nug eingeschätzt werden, es gilt den Dialog zu suchen. In der Direktvermarktung
lokaler Produkte wird ein hohes Potenzial gesehen.
Verbände, Institutionen, Unternehmen… fordern eine Stabsstelle für die Freiraum -
entwicklung, um das Thema effizient weiterzuentwickeln. Kommunikation der
unterschiedlichen Akteure wird als entscheidend angesehen. Es wird ein Perspek -
tivwechsel gefordert: Die Ansprüche des Freiraums gilt es in den Vordergrund zu
stellen, die Themen wie Wohnen etc. gilt es daran auszurichten – »man muss vom
Freiraum aus denken«. Aus Perspektive der Landwirtschaft sollte deutlicher werden,
dass Klimaschutzleistungen auch ein wirtschaftlicher Faktor sind und honoriert wer-
den müssen.
Nachhaltigkeitswissenschaftler und Wissenschaftlerinnen… sehen die Notwendig -
keit der Auflösung der Grenzen zwischen Freiraum und Stadt. Münster sei keine
Stadt mit viel innerstädtischem Freiraum – diese (Frei-)räume gilt es daher in der
Stadt aktiv zu schaffen. Statt »lebenswerte« Stadt wird der Begriff »nachhaltig« vorge-
schlagen – zumal in Münster der Klimanotstand ausgerufen wurde. Der Entwicklung
des Freiraums, dem Erhalt von Diversität und dem Aufbau resilienter Strukturen
41
(»Schwammstadt« für den Wasserrückhalt u. ä.) muss ein höherer Stellenwert beige-
messen werden. Bezüglich der Landwirtschaft wird eine engere Vernetzung mit der
Stadt als notwendig gesehen. Zudem sollte das Thema größer gefasst werden – Bsp.
Integration des Themas Ernährung: »Wie ernähren wir uns? Wo kommen die Le -
bensmittel her?« sowie eine Berücksichtigung des motorisierten Individualverkehrs
als großer Flächenverbraucher erfolgen. Als Sofortmaßnahme gilt es, »Verwaltungs -
hausaufgaben« zu machen – gemeint ist das Aktualisieren standardisierter Planungs-
elemente wie des Landschaftsplanes oder das Festschreiben naturschutzrechtlicher
Ausgleichsregelungen wie z. B. Dachbegrünung in B-Plänen. Generell braucht es
eine stärkere Bewusstseinsschaffung für die Thematik.
Publikum… erscheint die Balance zwischen Stadt und Landschaft zum jetzigen Zeit -
punkt noch als gegeben. Die Frage sollte eher lauten, wie kann diese zukünftig er -
halten werden? Dabei gilt es die bestehenden Freiflächen zu schützen und diese zu
vernetzen. Als wichtiges Instrument wird dabei die Grünordnung gesehen, die erneu-
ert und klare Ziele definieren sowie einen verbindlichen Rahmen schaffen sollte. Wei-
terhin stand die Reduzierung des Flächenverbrauchs im Fokus. Das Publikum sieht
eine generelle Erhöhung der baulichen Dichte vor sowie das Ziel »Null-Hektar« per
Saldo neue Flächenversiegelung zu erreichen. Dabei wurde aber auch darauf hinge -
wiesen, dass die innerstädtische Nachverdichtung ihre Grenzen habe und zusätzlich
über Siedlungsentwicklungen am Stadtrand bzw. im Umland nachgedacht werden
sollte. Bezüglich der landwirtschaftlichen Perspektive wurde festgehalten, dass die
Landwirtschaft einen sehr wichtigen Bestandteil der Münsteraner Stadt-Landschaft
darstellt. Sie stehe vor großen und herausfordernden Veränderungen, habe jedoch
große Potenziale, wenn sie sich den Veränderungen stelle: Insbesondere der Vernet-
zung zur Kernstadt sowie einer neuen ökologischen Ausrichtung kommt in diesem
Zusammenhang ein besonderer Stellenwert zu.B
Abbildung 11:
Visual Recording des Stadtforums
(Marie Hübner, www.mariehuebner.de)
Stadtforum: Münstersche Stadt-Landschaft
B Impressionen aus dem Stadforum und
das Graphic Recording zum Vergrö-
ßern gibt es im „Schaufenster“ der
MünsterZukünfte unter: https://www.
zukunft-muenster.de/muenstersche-
stadtlandschaft/
ZWISCHENRESÜMEE – ZUSAMMENFASSENDE ERGEBNISDARSTELLUNG
SIEDLUNGS- UND LANDSCHAFTSENTWICKLUNG ALS ZUSAMMENHANG
BETRACHTEN UND GESTAL TEN
Die Verflechtung von Siedlungs- und Landschaftsräumen ist charakteristisch für die
Stadtstruktur Münsters und – da waren sich alle einig – zu erhalten und weiterzuentwi-
ckeln. Einer möglichen »Entkopplung von Stadt und Landschaft« müsse entgegengewirkt
und der Zusammenhang von offenen und bebauten Räumen auf allen Maßstabsebenen
beachtet und gestärkt werden. Dabei könnten auch höhere bauliche Dichten, wo immer
dies mit der Charakteristik der Ortslagen vereinbar sei, zu einer Reduktion der Flächenin-
anspruchnahme beitragen. Zugleich aber gelte es, auch im Innenbereich Freiräume mög-
lichst zu erhalten. Eine in diesem Sinne behutsame Weiterentwicklung der Stadtstruktur
sei auch, darauf wurde vielfach verwiesen, unter den Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit
und des Klimaschutzes – auf dessen besondere Bedeutung zuletzt durch das Ausrufen
des Klimanotstandes für Münster hingewiesen wurde – von großer Bedeutung. In die-
sem Zusammenhang wurde auch der Wunsch nach deutlichen Aussagen zur Grünord-
nung und der Nutzung geeigneter planerischer Werkzeuge unterstrichen.
FREIRÄUME ERHAL TEN, ZURÜCKGEWINNEN, QUALIFIZIEREN UND VERNETZEN
Bezüglich der Freiräume waren die T eilnehmenden einhelliger Meinung: Es gilt mög-
lichst zu erhalten, was vorhanden ist, den Freiraumbestand weiter zu qualifizieren und zu
profilieren sowie die einzelnen Flächen untereinander zu vernetzen und zugänglicher zu
gestalten. Dieser Grundsatz bezog sich dabei sowohl auf großflächige Landschaftsräume
wie auf kleinteilige Grün- und Freiflächen. Darüber hinaus sollten auch im Innenbereich
noch Potenzialflächen erschlossen werden – etwa durch Rückbau von bzw. Heranbauen
an Verkehrsflächen. Selbst Fassaden- und Dachbegrünungen seien in diesem Zusam-
menhang von Bedeutung. Bei alledem solle die Grünflächenentwicklung bedarfsorien-
tiert und unter Beteiligung der lokalen Bewohnerschaft umgesetzt werden.
DER BESONDEREN BEDEUTUNG DER LANDWIRTSCHAFT GERECHT WERDEN
Landwirtschaftlich genutzte Flächen bilden einen wesentlichen Bestandteil der Müns-
teraner Stadt-Landschaft. Sie sind nicht nur als Raum der Lebensmittelproduktion von
Bedeutung, sondern können auch dem Landschafts- und Klimaschutz sowie der Freizeit
und Erholung dienen. Deshalb solle der landwirtschaftliche Raum zum einen besser er-
fahrbar gemacht, zum anderen die Landwirtschaft stärker in die Kernstadt geholt werden.
Diese Kopplung könne insbesondere über die lokal hergestellten Produkte erfolgen, in-
dem die Verflechtung von lokaler Produktion und lokalem Konsum gestärkt werde. In
diesem Zusammenhang wurde eine Intensivierung naturnaher und biodiverser Land-
wirtschaft gefordert. Generell sollte die Bedeutung der Landwirtschaft als Partner für die
Landschafts- und Stadtentwicklung beispielsweise durch konkrete Projekte, Initiativen
und multilaterale Dialoge mit allen involvierten Akteuren gestärkt werden.
43
Stadtforum:
»Leistbares Wohnen – Strategien für Neubau und Bestand«
04. Juli 2019, 17:00 - 21:00 Uhr
LBS Westdeutsche Landesbausparkasse, Himmelreichallee 40
VORARBEITEN
Auch das Leitthema des »Leistbaren Wohnens« wurde im Rahmen einer Verwal -
tungswerkstatt vertieft, in der die unterschiedlichen Sichtweisen, Perspektiven und
Zusammenhänge der einzelnen Ressorts bezogen auf das Thema zusammengetra -
gen und erörtert wurden. Auf dieser Grundlage konnten dann die zu behandelnden
Themen für das Stadtforum identifiziert werden. In der Verwaltungswerkstatt konn -
ten folgende Aspekte erarbeitet werden:
Verlust an noch preiswerten Bestandswohnungen
• Es gab und gibt einen Aufwertungsdruck vor allem im innerstädtischen Miet -
wohnungsbestand (Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen, allgemei -
ne und modernisierungsbedingte Mietsteigerungen), der zu Verdrängungen
einkommensschwächerer Haushalte geführt hat und führt (zu den zahlungsfä -
higeren Nachfolgern gehören im übrigen auch studentische Wohngemeinschaf -
ten). Viele innerstädtische Quartiere seien, wie es in den Interviews hieß, schon
»durch«, hätten also die Gentrifizierungsphase schon hinter sich. Ob und inwie -
weit die Prozesse in anderen Quartieren noch andauern, ist strittig.
• Zudem laufen Belegungsbindungen von öffentlich geförderten Mietwohnungen
aus bzw. wurden und werden vorzeitig abgelöst, so dass der Saldo (Verlust an ge-
bundenem Bestand/neu begründete Bindungen) über lange Zeit negativ war. Das
richtet den Blick einerseits auf Überlegungen zur Sicherung noch bestehender
Bindungen und auf die Frage, ob bei heutigen Neubauten die Bindungen über
die aktuell üblichen 20 bis 25 Jahre hinaus verlängert werden oder durch andere
Maßnahmen im Neubaubereich (Konzeptvergabe an entsprechende T rägerinnen
und T räger, Erbbaurecht etc.) ein günstiges Mietniveau langfristig gesichert wer-
den kann.
Stadtforum: Leistbares Wohnen
Abbildungen 1 + 2:
Impressionen aus dem Stadtforum
44
ISEK Münster 2030 | Baustein D: Die Stadtforenprozesse
Erheblicher Bedarf an preiswertem Wohnraum
• Der Bedarf an preiswertem Wohnraum ist sehr groß. Das wird schon deutlich,
wenn man allein die Zahl der Empfängerinnen und Empfänger von T ransfer -
einkommen (ALG II etc.) in Betracht zieht. Insbesondere »oberhalb« derjenigen
Haushalte, die Anspruch auf Übernahme der »Kosten der Unterkunft (KdU)«
haben, gibt es zudem eine große Gruppe, die in besonderer Weise von Mietsteige-
rungen betroffen ist (und für die auch Wohngeldzahlungen keine ausreichende
Entlastung bieten). Das kann erhebliche Überlastungen erzeugen bzw. zu Abwan-
derungen ins Umland führen.
Intensivieren der Baulandentwicklung
• Aktuell ist man bemüht, die (auf mehrere T ausend Wohnungen bezifferten) Neu-
baudefizite früherer Jahre auszugleichen. Die Schwerpunkte liegen aktuell auf
den Aspekten »Quantität« und »Beschleunigung«; Dabei kommt »Baulandcon -
trolling« eine besondere Bedeutung zu, mit dessen Hilfe eine zügige und gesteu-
erte Baulandentwicklung aufgebaut werden soll.
Klimaneutrales Bauen
• Bis zum Jahr 2050 will Münster klimaneutral sein (Masterplan 100 % Klima -
schutz) – das Thema »Wohnen« und »Bauen« ist dabei sehr zentral; Klimastan -
dards und -vorgaben gibt es bislang v. a. in Bezug auf Einzelobjekte, es braucht
eine verstärkte Entwicklung und Etablierung von Strategien für ganze Quartiere.
Neue/alternative T räger
• Es gibt in Münster bereits eine ganze Reihe alternativer Wohnprojekte und neuer
T rägerinnen und T räger des Wohnungsbaues, die auch in Zukunft – insbesondere
im Zuge der Konzeptvergabe – verstärkt einbezogen und gefördert werden sollen.
THEMATISCHE FOKUSSIERUNG DES FORUMS
In der Sitzung des Stadtforums können aus dem gesamten Themenspektrum
mit Aussicht auf Ertrag jeweils nur Ausschnitte im Schwerpunkt behandelt werden.
Da in diesem Fall verschiedene Themenkomplexe (z. B. Siedlung und Freiraum, Mo-
bilität) ohnehin in eigenen Stadtforen behandelt werden, wurde vorgeschlagen, sich
auf die zwei Themen »Bestandssicherung« und »neue/alternative T räger« zu konzen-
trieren.
Dabei ging es u. a. um folgende Fragen:
• Welche Möglichkeiten der Bestandssicherung und Bestandsentwicklung hal -
ten Sie im Hinblick auf leistbares Wohnen für besonders bedeutsam?
• Welchen Beitrag können neue Modelle für genossenschaftliches und gemein-
schaftliches Wohnen leisten?
45
IMPULSE UND BEFRAGUNG DER EXPERTINNEN UND EXPERTEN
Als externe Fachleute konnten gewonnen werden:
Einige Stichworte aus den Kurzimpulsen der Eingeladenen und der jeweils anschlie-
ßenden Befragung durch das Forum:
WOHNEN ALS SOZIALE AUFGABE – WIEN ZUM BEISPIEL
Am Beispiel von Wien, wo jede zweite Mietwohnung sozial gefördert und damit dau-
erhaft sozial gewidmet ist, wurde deutlich gemacht, dass dort Boden und Wohnen
nicht als übliche Marktgüter, sondern als eine Art Infrastruktur/Grundversorgung,
die stark unter sozialpolitischen Gesichtspunkten reguliert wird, verstanden werden.
Zugleich sind geförderte Wohnungen nicht vorrangig auf untere Einkommensgrup -
pen, sondern angesichts der hohen Einkommensgrenze auch auf Bezieherinnen und
Bezieher mittlerer Einkommen ausgerichtet (»nicht Armen-, sondern Breitenförde -
rung« hieß es dazu). Zugleich gehe es bei der Förderung nicht allein um eine kosten-
günstige Errichtung und Leistbarkeit für die Mieterinnen und Mieter, sondern auch
um soziale Nachhaltigkeit, städtebaulich-architektonische und ökologisch-umwelt -
technische Qualitäten sowie Mobilitätsaspekte.
Das hierzulande angesichts der aktuellen Wohnungsmarktsituation in Ballungsgebie-
ten viel beachtete »Wiener Modell«, das auf umfassender kommunaler Bodenbevorra-
tung und Baulandvergabe beruht, wird seit über 100 Jahren verfolgt.
Insofern war der Hinweis wichtig, dass der heutige Stand nur durch diese lange Kon-
tinuität erreicht werde konnte.
Abbildung 3:
Die Expertin und Experten des
Stadtforums
Abbildung 4:
Impression aus der Einführung zum
ISEK
Dr. Robert Korab
Unternehmer/Berater/Vorstand Die WoGen Wohnprojekte-Genossenschaft, Wien
Prof. Martin zur Nedden
ehem. Leiter des Deutschen Instituts für Urbanistik, Berlin; Mitautor »Positionen zum
bezahlbaren Wohnen in Deutschland«, »Bodenpolitische Agenda 2020-2030« u. a.
Lisbeth Sippel
ehem. Geschäftsführerin WOGENO, Zürich
Stadtforum: Leistbares Wohnen
46
ISEK Münster 2030 | Baustein D: Die Stadtforenprozesse
Aber die sozialen Ziele beziehen sich nicht nur auf den Neubau, sondern auch auf die
so genannte »Sanfte Stadterneuerung« (Förderung mit Mietpreisbindung), die zur
Modernisierung und thermisch-energetischen Sanierung von (Miet-)Wohnungsbe -
ständen und zu einer kontrollierten Aufwertung der Quartiere (Vermeiden von Gen-
trifizierung, gleichmäßige Qualität aller Stadtquartiere) beitragen soll.
In Bestand wie Neubau werden alternative (gemeinnützige bzw. gemeinwohlorien -
tierte) T rägerinnen und T räger sowie partizipativer Wohnbau durch Baugemeinschaf-
ten, Bau- und Wohngruppen einbezogen.
In den Erörterungen wurde deutlich, dass sich die Situation in Wien deutlich von
den hiesigen Voraussetzungen unterscheidet, man aber sehr wohl Wesentliches von
einigen Elementen des Wiener Modells lernen und für die hiesige Stadtentwicklung
nutzbar machen kann (etwa Bodenbevorratung, Konzeptvergabe etc.).
EIN »AL TERNATIVER« ANSATZ ZUR SICHERUNG PREISWERTEN WOHNRAUMS
In Zürich wurde mit der »WOGENO – Genossenschaft selbstverwalteter Häuser«
ein Konzept entwickelt, wie preisgünstiger Wohnraum (im Bestand wie im Neubau)
dauerhaft gesichert wird. Die gemeinnützige Genossenschaft überlässt ihre Häuser
und Wohnungen den Bewohnern, die sich als Verein organisieren, in weitgehender
Selbstverwaltung. Mieten werden nach dem Prinzip der Kostenmiete ermittelt. Ma -
ximal 10 % der Anlagekosten müssen die Mieterinnen und Mieter in Form von Ei -
genkapital einbringen. Ein (relativ kleiner) T eil der Miete fließt in einen Solidarfonds,
aus dem einzelne Mitglieder, aber auch ganze Hausgemeinschaften mit niedrigen
Einkommen unterstützt werden.
Ende 2018 waren knapp 500 Wohnungen im Bestand der WOGENO. Sie wächst (ab-
sichtsvoll) langsam weiter – will also nicht nur den schon wohnenden Mitgliederin -
nen und Mitgliedern besonders preiswerten Wohnraum sichern, sondern immer wie-
der weitere einbeziehen. Die Nachfrage ist enorm. Die Zahl der (nicht-wohnenden)
Genossinnen und Genossen übersteigt die Zahl der Wohnungen um das Achtfache.
Das Züricher Beispiel ist für diesen Ansatz bekannt – und es gibt in der Schweiz, aber
auch in Deutschland (z. B. München) viele WOGENOs bzw. Genossenschaften, die
nach ähnlichen Prinzipien operieren.
Ergänzend wies die Referentin noch darauf hin, dass in Zürich zudem eine Stiftung
bestehe, die quantitativ erheblich bedeutsamer sei als es eine WOGENO sein kann.
Diese (Stiftung zur Erhaltung von preisgünstigen Wohn- und Gewerberäumen der
Stadt Zürich)1 entstand aufgrund einer Volksinitiative und wurde seinerzeit von der
Stadt mit 50 Mio. SFR ausgestattet.
BESTANDSSICHERUNG OHNE KÖNIGSWEG
Es gibt, so wurde eingangs betont, eine breite Palette von Instrumenten, mit denen
grundsätzlich zum Erhalt preiswerten Wohnraums beigetragen werden kann – aber:
1 Stiftung PWG Zürich
47
»kein Instrument für sich ist der Königsweg«. Man müsse schon die ganze Palette der
Steuerungsmöglichkeiten in den Blick nehmen, um auf dem Wohnungsmarkt Wir -
kungen erzielen zu können. Die Feinjustierung dieses Instrumenteneinsatzes müsse
allerdings mit den lokalen Rahmenbedingungen abgestimmt und entsprechend an -
gepasst werden. Einige Beispiele
• als »informelle« Instrumente wurden etwa genannt: Integrierte Stadtentwick -
lungskonzepte, Fachkonzepte Wohnen, Quartierskonzepte, Wohnungsmoni -
toring, Einbindung Wohnungsmarktakteure, Stärkung der kommunalen Woh -
nungsbaugesellschaft, Beratung von T räger-Neugründungen (deren Bedeutung
hoch eingeschätzt wurde), städtische Förderprogramme als Ergänzung zu Bund
und Land, Konzeptvergabe, Quartiersmanagement, Umzugsagentur, Stadtent -
wicklungsfonds und Weiteres.
• zu den »formellen«, also gesetzlich definierten Instrumenten zählen: Erhal -
tungssatzung gem. § 172 (1) Nr.2 i.V . mit Abs. 4 BauGB (»Milieuschutzsatzung«),
Modernisierungs- und Instandsetzungsgebot gem. § 177 BauGB, Allgemeines
Vorkaufsrecht gem. § 24 BauGB, Besonderes Vorkaufsrecht gem. § 25 BauGB,
Verbindliche Bauleitplanung, Sanierungsrecht, Städtebauliche Verträge, Miet -
recht (Mietpreisbremse), Zweckentfremdungsverbot, Fehlbelegerabgabe.
Es wurde zugleich darauf hingewiesen, dass es bei Sicherungsbemühungen nicht
nur um die Quantität, sondern auch um die Qualität der ins Auge gefassten Bestände
gehen müsse. Für erfolgreiches Handeln seien in jedem Fall Kontinuität und Verläss-
lichkeit von besonderer Bedeutung (»keine Aussicht auf spektakuläre Erfolge, aber
dafür auf nachhaltige Stadtentwicklung«).
Abbildung 5:
LiSa in der Seestadt Aspern Wien
(geförderter Wohnungsbau)
Stadtforum: Leistbares Wohnen
48
ISEK Münster 2030 | Baustein D: Die Stadtforenprozesse
ERGEBNISSE DER GRUPPEN
Zukunftsmacher… sehen großes Potenzial in »Solidaritätsfonds der Stadt« zur finanzi-
ellen Förderung der Aufbringung von Genossenschaftsanteilen, denn dies sei häufig ein
Knackpunkt vieler Genossenschaftsmitglieder, bzw. -interessierter. Die Gruppe ist sich
einig, dass »Erbpacht vor Kauf« gelten muss. Die Stadt soll ihre Grundstücke nicht mehr
verkaufen, sondern soll sie durch Erbpacht zu angemessenen Zinsen auf einer angemes-
senen Basis (»das heißt nicht 4 % von einem Mondpreis des Verkaufswertes«) vergeben.
Zudem müssten die Auflagen der Grundstücksbewertung »kreativ überdacht werden«:
Hinweis auf § 90 (Abs. 3 Satz 3 Gemeindeordnung NRW) – es brauche eher eine Art Kon-
zeptvergabe, in der durch Bewertung der Konzepte der Wert konfiguriert wird.
Vielfältige Stadtgesellschaft… schließt sich den Zukunftsmachern an und betont die Not-
wendigkeit einer Begünstigung gemeinnütziger/genossenschaftlicher Ansätze sowie die
Stärkung kommunaler Wohnungsunternehmen. Zudem sehen sie kurzfristige Zuschüs-
se für Sanierungen und Umbauten im Bereich »Energie und Barrierefreiheit« als zielfüh-
rend. Um das Angebot studentischen Wohnens zu stärken, wird eine Ausfinanzierung
der Studierendenwerke gefordert. Zudem gilt es, gemischt genutzte Gebäude weiter-
zudenken, Bestandsgebäude aufzustocken und eine soziale Mischung zu unterstützen.
Schließlich wird noch vorgeschlagen, dass die Stadt »mehr Belegungsrechte kaufen« soll,
um günstigen Wohnraum für sozial schwächere Gruppen zu sichern.
Verbände, Institutionen, Unternehmen… unterstreichen die Stärke der Gesamtheit der
Instrumentarien zur Bestandssicherung (Vortrag zur Nedden) und merken an, dass es
Mut und gute Argumente in der Anwendung brauche (was in Münster aber auch bereits
Standard ist). Man muss sich über die Ziele, die man verfolgt, im Klaren sein; T opziele:
energetische Ertüchtigung, Altengerechtigkeit/Barrierefreiheit, Pluralisierung der Le-
bensstile gerecht werden etc. Diese drei Megatrends müssen unter einen Hut gebracht
werden. Zur Finanzierung wird die Idee hervorgebracht, ein Drittel über den Fiskus
(Sonderabschreibungen), ein Drittel über Gemeinwesen (über Förderung) und ein Drit-
tel über Nutzer (in Form von Mieterhöhung) zu leisten. »Generell muss man in der In-
nen- und Bestandsentwicklung mutiger sein« – Modernisierung muss aus der T abuzone
rausgeholt werden, Eigentümerinnen und Eigentümer sollten stärker aufgeklärt werden.
Bestandsentwicklung heißt im Hinblick auf leistbares Wohnen: gefördert oder günstig
frei finanziert. Man sollte sich darüber im Klaren werden, dass sich der Preis weniger
über die Baukosten als vielmehr über die Grundstückspreise definiert. Bezüglich genos-
senschaftlicher und gemeinschaftlicher Wohnformen werden im Erbbaurecht und in der
Konzeptvergabe große Potenziale gesehen. In diesem Kontext muss bedacht werden, An-
gebote für alle zu schaffen, um der Pluralität der Lebensstile gerecht zu werden.
Initiativen, Vereine, Projekte… formulieren das Hauptziel: »langfristig preiswerten Wohn-
raum garantieren«. Andere Ziele müssen sich entsprechend unterordnen, was beispiels-
weise einen geringeren Wohnflächenkonsum bedeutet. Zudem stellt die Gruppe folgende
49
Forderungen (mit verschiedenen Zeithorizonten): Längerfristige Bindungen (auch auf
freiwilliger Basis), höherer Anteil geförderter Wohnungen bei SoBoMü (zu den bishe-
rigen 30 % zusätzlich 20 % für besonders bedürftige Gruppen wie Wohnungslose und
Behinderte), Unterlassen von Umzugsaufforderungen bei Mieterhöhungen (bei Emp-
fang von Hilfen zum laufenden Lebensunterhalt), Unterstützung der Wohn+StadtBau
(Abführungen an die Stadt unterlassen und das Geld stattdessen für neue Wohnungen
aufwenden), Nutzung der Instrumente der Bestandssicherung und (als Sofortprogramm)
Schaffen eines Risikofonds zur Unterstützung von Vermieterinnen und Vermietern für
ein besonderes Mietausfallrisiko bei problematischen Mietergruppen.
Stadtverwaltung… sieht ebenfalls die Notwendigkeit einer Unterstützung des kommu-
nalen Wohnungsunternehmens. Für die Wohn+StadtBau sollten Mittel zum Ankauf
und zur Sanierung von Wohnungsbeständen bereit gestellt werden – so können Mieten
bezahlbar bleiben/werden. Die Stadtverwaltung wünscht sich eine stärkere Kooperation
zwischen privaten Unternehmen und Initiativen der Stadt, um einen Qualitätserhalt der
Bestände zu gewährleisten und zeitgleich mehr Service für die Mieterinnen und Mieter
anzubieten: erreichbar, ansprechbar und verlässlich. Zudem sollten privatvermietende
Personen und Wohnungsunternehmen verstärkt Bezug zum Thema »Barrierefreiheit
bzw. -armut« herstellen. Man will Wohnungsunternehmen und -genossenschaften mit
sozialem Selbstverständnis für Münster stärker begeistern – wie, ist noch offen… Die in-
terne Solidarität von gemeinschaftlichem Wohnen unter dem Motto »gemeinsam statt
einsam« gilt es zu schätzen und zu stärken. Zudem gilt es zu beachten, dass Wohniniti-
ativen sich in ihrem Wohnflächenverbrauch beschränken, da Gemeinschaftsräume zur
Verfügung gestellt werden, dies hat wiederum positiven Einfluss auf den Mietpreis.
Publikum… fordert eine Änderung der Rahmengesetze auf Bundes- und Landesebe -
ne zur Entlastung der Kommunen. Bezüglich des preiswerten Wohnens werden der
Schwerpunkt bzw. das Potenzial, klar in den Beständen gesehen. Die Stadt sollte als
Wohnungsmarktakteur eine aktivere Rolle einnehmen: sie solle durch das städtische
Wohnungsbaugesellschaftsunternehmen stärker selbst bauen und entwickeln, das Vor-
kaufsrecht nutzen, einen Wohnungsfonds einrichten sowie die Grundstücksvergabe
nach dem Erbbaurecht regeln etc. Zudem braucht es unterstützende Maßnahmen seitens
der Kommune, z. B. ein Umzugsmanagement (in kleinere Wohnungen aufgrund einer
schrumpfenden Haushaltsgröße o. ä.). Bei der Wohnungsdebatte gilt es, die verschiede-
nen Generationen im Blick zu halten. Bezüglich neuer Wohnmodelle brauche es neue
Anreize und Entlastungen freier T rägerinnen und T räger (finanzieller Art). »Der Verzicht
auf Ausschöpfung« muss im Vordergrund stehen. Durch die gemeinschaftliche Nutzung
der wohnbegleitenden Infrastruktur bringen Genossenschaften den Vorteil einer effizien-
teren Flächenausnutzung mit sich. Neben den Anforderungen an die Stadt können auch
innerhalb von gemeinschaftlichen Wohnprojekten/Genossenschaften Beiträge geleistet
werden: Beispielsweise ein verpflichtender Wohnungstausch innerhalb des Wohnpro-
jekts bei sich verändernder Haushaltsgröße.
Stadtforum: Leistbares Wohnen
ZWISCHENRESÜMEE – ZUSAMMENFASSENDE ERGEBNISDARSTELLUNG
DIE GANZE BANDBREITE AN (BESTANDSSICHERNDEN) INSTRUMENTEN
NUTZEN
In der Stadtforumsdiskussion zum Thema Wohnen wurde deutlich: Den einen Kö -
nigsweg zur Lösung des Wohnraumproblems gibt es nicht – es gilt das ganze Spek -
trum der Instrumente zu nutzen: Diese umfassen sowohl informelle Instrumente
(Integriertes Stadtentwicklungskonzept, Wohnbaulandmonitoring, Umzugsmanage-
ment, Stärkung kommunaler Wohnungsbaugesellschaften etc.) als auch gesetzlich
definierte (formelle) Instrumente (Vorkaufsrechte, Erhaltungssatzungen, Moderni -
sierungsgebote etc.).
Kurzum, so hieß es auch im Resümee zur Veranstaltung: »Man muss alles abklopfen,
was zur Sicherung preiswerten Wohnraums beitragen kann«.
Da sich die Sicherung noch preiswerter Bestände und vorhandener Belegungsrechte
nicht über den Markt herstelle, seien Aktivitäten der öffentlichen Hand unverzicht -
bar. Dabei ist, das wurde mehrfach betont, Kontinuität entscheidend, da sich positive
Effekte nur über längere Frist in ausreichendem Umfang einstellen.
AL TERNATIVE WOHNFORMEN STÄRKEN
Alternativen Wohnformen und neuen T rägerformen (wie Genossenschaften, Bau -
gruppen etc.) wird große Bedeutung beigemessen, insbesondere mit Blick auf die
sich ausdifferenzierenden Lebensstile. Gemeinschaftsorientiertes und selbstverwal -
tetes Wohnen könne sowohl im Bestand wie im Neubau wichtige Beiträge leisten,
wie an Beispielen deutlich wurde. Aus eigener Kraft gelingt ihnen jedoch oft nicht
der Zugang zu Grundstücken. Daher sei auch hier die Konzeptvergabe kommunaler
Flächen von Bedeutung, bei der ggf. auch besondere Leistungen der Projekte für ihr
Umfeld Berücksichtigung finden. Eine große Herausforderung stellt zudem die Inte-
gration von Haushalten mit geringer Zahlungsfähigkeit dar. Sie kann zum T eil durch
interne Solidaritätsmodelle ermöglicht werden. Denkbar wäre auch, so wurde in der
Diskussion angeregt, zum Beispiel das Aufbringen von genossenschaftlichen Eigen -
anteilen projektübergreifend und unter kommunaler Beteiligung zu unterstützen.
LANGFRISTIGE BELEGUNGSBINDUNGEN ANSTREBEN, GRUNDSTÜCKE IM ERB -
BAURECHT VERGEBEN
Sowohl im Zusammenhang der Stärkung alternativer Wohnformen als auch beson -
ders mit Blick auf langfristige Zweck- und Belegungsbindungen wurde die Vergabe
kommunaler Grundstücke auf Erbpachtbasis als sehr wesentlich angesehen. Damit
würden sich kommunale Steuerungsmöglichkeiten erhöhen und vor allem lange
bzw. dauerhafte Belegungsbindungen bewirken lassen. Die Vergabe im Erbbaurecht
solle daher Vorrang vor dem Verkauf städtischer Flächen haben.
In diesem Zusammenhang kommt auch der Konzeptvergabe kommunaler Grund -
stücke eine besondere Bedeutung zu, indem z. B. T rägerinnen und T räger präferiert
werden, die eine dauerhafte soziale Widmung der Bestände gewährleisten.
Was die Grundlagen öffentlichen Handelns im Wohnbereich betrifft, wurde durch -
weg betont, dass Boden und Wohnungen keine gewöhnlichen Marktgüter sind, son -
dern als eine Art Grundversorgung verstanden werden sollten, die insbesondere un -
ter sozialpolitischen Gesichtspunkten der Regulierung bedarf. Zugleich seien aber
die Handlungsmöglichkeiten der Kommunen begrenzt und stark von landes- und
bundespolitischen Rahmensetzungen abhängig. Mit dem Grundsatz der Sozialge -
rechten Bodennutzung verfüge Münster bereits über eine gute Grundlage, die den -
noch im Bereich der langfristigen Sicherung leistbaren Wohnens noch »Luft nach
oben« habe.A
Abbildung 6:
Visual Recording des Stadtforums
(Marie Jacobi, www.visualrecording.de)
A Impressionen aus dem Stadtforum und
das Graphic Recording zum Vergrößern
finden sich im „Schaufenster“ der Müns-
terZukünfte unter: https://www.zukunft-
muenster.de/leistbares-wohnen/
Stadtforen zu den Leitthemen des ISEK –
die (noch laufende) zweite Staffel
QUERSCHNITTSTHEMEN WOHNEN UND MOBILITÄT
Wohnen und Mobilität waren in allen Stadtforen überaus wichtige Themen und wur-
den querschnitthaft, übergreifend diskutiert. Ihrer Bedeutung wegen wurden für die
Leitthemen »Leistbares Wohnen« und »Stadtverträgliche Mobilität« eigene Stadtfo -
ren durchgeführt. Dies war die Gewähr, die Themen vertiefter und konzentrierter zu
bearbeiten, als dies eine querschnitthafte Erörterung möglich macht.
Im Folgenden werden die Stadtforen dokumentiert, die nach den ersten fünf Foren stattge -
funden haben. Diese wurden insbesondere von der Stadtverwaltung Münster vorbereitet und
durchgeführt, weshalb die Inhalte und Ergebnisse hier nachrichtlich übernommen werden.
• Facetten ökonomischer Stärke
• Digitalisierung findet Stadt
• Stadtverträgliche Mobilität
• Stadt in der sozialen Balance*
(basierend auf dem Leitthema Vielfalt und sozialer Zusammenhalt)
• Münster und seine Nachbarn: Aufgrund der zahlreichen laufenden Prozesse auf regi-
onaler Ebene laufen (von MONT über die enger werdende Kooperation mit Enschede bis
hin zum Münsterland e.V . und Strategieprozess Münsterland,...) wird auf ein Stadtfo-
rum zum Thema »Münster und seine Nachbarn« zur jetzigen Zeit verzichtet.
ERGÄNZENDE STADTFOREN:
• Musik-Campus
• Kultur*
• Beteiligung weiter denken*
*diese Stadtforen sind geplant, wurden aber zunächst aufgrund der Maßnahmen zur Ein -
dämmung der weltweiten Corona-Pandemie abgesagt.
Münstersche
Stadt-Landschaft
Stadtverträgliche
Mobilität
Vielfalt und sozialer
Zusammenhalt
Münster und
seine Nachbarn
Facetten
ökonomischer Stärke
Digitalisierung
findet Stadt
Vielfalt der
Stadtteile
Urbane
Wissensquartiere
Leistbares
Wohnen
Innenstadt ist mehr ...
54 ISEK Münster 2030 | Baustein D: Die Stadtforenprozesse
Stadtforum:
»Facetten ökonomischer Stärke –
Wirtschaftsstandort Münster 2030«1
29. August 2019, 17:00 - 21:00 Uhr
NRW Bank, Friedrichstraße 1, 48145 Münster
Ziel des Stadtforums »Facetten ökonomischer Stärke« war es, die zentralen Stell -
schrauben für die Zukunft des Wirtschaftsstandortes Münster zu bestimmen und
zu ermitteln, welche Akteure hierfür zusammenwirken müssen. Daher wurde dieses
Stadtforum einerseits in enger Kooperation von Industrie- und Handelskammer Nord
Westfalen, Handwerkskammer Münster, Wirtschaftsförderung Münster, Initiative
Starke Innenstadt und der Stadt Münster organisiert. Andererseits beteiligten sich
vor Ort verschiedenste Expertinnen und Experten, dies umfasste junge aber auch tra-
ditionsreiche Unternehmen, (Wirtschafts-)Verbände, die vielfältige Stadtgesellschaft,
die Stadtverwaltung und auch die Wissenschaft.
Moderation: Dr. Wulf Schmiese, Redaktionsleiter des ZDF-heute journal
Interview zum ISEK mit: Prof. Dr. Klaus Selle, NetzwerkStadt GmbH, Schwerte
DIE IMPULSGEBENDEN
Abbildungen 1-4:
Impressionen aus dem Stadtforum
1 Informationen und Ergebnisse nach -
richtlich übernommen:
Stadt Münster (2020): Webseite Müns -
terZukünfte
Hendric Fiege,
FIEGE X Log GmbH, Geschäftsführer
Jens Röttgering,
Hengst SE, Inhaber und Chairman of the Board
ZWISCHENRESÜMEE – ZUSAMMENFASSENDE ERGEBNISDARSTELLUNG
KOOPERATION UND SUBSIDIARITÄT ZUGLEICH
Münster geht es wirtschaftlich gut, umso wichtiger ist es bei teils ungewissen Än -
derungen der globalen und lokalen Rahmenbedingungen proaktiv den Wirtschafts -
standort für die Zukunft zu planen. Um möglichst viele Ressourcen zur Reduzierung
dieser Unsicherheit zur Verfügung zu haben und auch neue Wege gehen zu können
ist die transparente Zusammenarbeit unerlässlich. Stadtverwaltung, Unternehmen,
Institutionen, die Hochschulen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Bürgerin -
nen und Bürger: Sie alle können durch eine enge Kooperation voneinander profi -
tieren und ein erster Schritt könnte die Initiierung von Netzwerken, regelmäßigen
Austauschtreffen oder »Shadowing« sein. Dieser Austausch fördert das gegenseitige
Verständnis für die jeweiligen Probleme der Anderen, aber auch deren Möglichkei -
ten. Dabei geht es nicht darum, einseitig Forderungskataloge zu verfassen und sich
bei der Umsetzung auf nicht näher bestimmte »Andere« zu verlassen, sondern ganz
im Sinne einer sinnvollen Aufgabenteilung konkrete Maßnahmen und Angebote zu
erstellen und diese dann in enger Abstimmung mit allen relevanten Partnern Wirk -
lichkeit werden zu lassen.
ETABLIERUNG DES WIRTSCHAFTS-MIX
Start-ups sind nur eine wichtige Form unter vielen innovativen und zukunftsori -
entierten Unternehmensarten, die Förderung und Anerkennung verdienen. Junge
Gründerinnen und Gründer, aber auch etablierte Unternehmen begreifen sich als
nachhaltige Wirtschaftsakteure und Arbeitgeber, die im Münsterland verwurzelt sind
und unterschiedlichste Branchen abdecken. Dieser Mix befördert einerseits die Resi-
lienz bei neu auftretenden Herausforderungen, anderseits können Profilthemen ein
wichtiges Alleinstellungsmerkmal des Wirtschaftsstandortes darstellen. Ein aktuel -
les Beispiel ist das MEET Batterieforschungszentrum, das für ein herausragendes
Kompetenz-Cluster steht.
Es besteht weiterhin Konsens darüber, dass der Austausch zwischen Wissenschaft
und Wirtschaft weiter intensiviert werden sollte und dieses Potenzial als eigener Wirt-
schaftsfaktor zu verstehen ist. Schließlich ist diese Wirtschaftsorientierung bei der
bereits begonnenen Förderung des Gründungspotenzials an den Hochschulen bis
hin zu kontinuierlichen Forschungskooperationen mit Unternehmen zu sehen.
Mit der Wissenschaft wird nicht nur ein Bezug zu dem bereits bearbeiteten ISEK-
Leitthema »Urbane Wissensquartiere« deutlich, sondern auch zu den Themen »Leist-
bares Wohnen« oder »Stadtverträgliche Mobilität«. Schließlich benötigt dieser Wirt -
schafts-Mix zur Sicherung der Fachkräfte nicht nur die Attraktivität der Stadt, sondern
auch bezahlbare Wohnraumversorgung und intelligente Mobilitätskonzepte. Dabei
hängen beide Aspekte eng zusammen: Um Fachkräfte anzuwerben und zu binden,
müssen Pendelwege von der bezahlbaren Wohnung möglichst kurz und schnell sein.
Als Lösungsansätze wurden u. a. genossenschaftliches Wohnen, betriebliches Woh -
nen und zeitgemäße Formen der Nutzungsmischung genannt. Diese Nutzungsmi -
schung wird aktuell in der vertiefenden Bearbeitung der urbanen Wissensquartiere
bereits berücksichtigt, wurde aber auch bei den »Themen Innenstadt ist mehr …« und
»Vielfalt der Stadtteile« als relevant eingestuft.
Und schließlich ist die Ausrichtung der Wirtschaft an nachhaltigen Standards kein
Selbstzweck, sondern Chance oder sogar Notwendigkeit für das unternehmerische
Überleben, so wie es auch bereits beim Stadtforum zum Thema »Münstersche Stadt-
Landschaft« herausgearbeitet wurde.
PROZESSMANAGEMENT & STRATEGIE
Damit diese Ansätze der Kooperation auch mittel- und langfristig Früchte tragen, bie-
tet es sich an, diese in Strukturen zu überführen. Dabei sind verschiedene Modelle
denkbar, angefangen von festen Ansprechpartnerinnen und -partnern für einzelne
Akteure (key account management), niedrigschwellige Unterstützungsangebote für
kleine Unternehmen vor Ort – aber auch prozessuale Unterstützungsleistungen
durch die Wirtschaft und die Öffnung von Unternehmen für die Stadtverwaltung. Die
Stadtverwaltung ihrerseits wird geeignete Dialogformate und -strukturen anbieten,
um den Dialog zwischen Stadt und Wirtschaft zu verstetigen. Gegenstand dieses Di -
alogs wird u.a. die Entwicklung einer Zukunftsstrategie für den Wirtschaftsstandort
sein.A
Abbildung 5:
Visual Recording des Stadtforums
(Marie Jacobi, www.visualrecording.de)
A Impressionen aus dem Stadtforum
und das Graphic Recording zum
Vergrößern sind aufrufbar im „Schau-
fenster“ der MünsterZukünfte unter:
https://www.zukunft-muenster.de/
facetten-oekonomischer-staerke/
57Stadtforum: Digitalisierung findet Stadt
Stadtforum:
»Digitalisierung findet Stadt – Kick-off Smart City Münster«1
04. November 2019, 17:30 - 21:30 Uhr
Factory Hotel, An der Germania Brauerei 5, 48159 Münster
Wir alle wissen: Die Digitalisierung gewinnt in allen Bereichen und auf allen Ebenen
des privaten wie öffentlichen Lebens an Bedeutung und hat sich für Kommunen in -
zwischen zu einer Standortfrage von erheblicher T ragweite entwickelt. Schnell ist da-
bei die Rede von der Entwicklung einer »Smart City«. Smart City ist ein Sammelbegriff
für gesamtheitliche Entwicklungskonzepte, die darauf abzielen, Städte lebenswerter,
effizienter, technologisch fortschrittlicher, ökologischer, nachhaltiger, sozial inklusiver
zu gestalten und unterschiedliche Lebensbereiche intelligent zu verknüpfen.
Die Entwicklung zu einer »Smart City« bedeutet, die Lebensbedingungen der Men -
schen zu verbessern und dabei ressourcenschonend vorzugehen. Smart City-Projekte
sollen insbesondere mit Hilfe des digitalen Fortschritts eine positive Wirkung in der
analogen Welt erzielen. Um dieses Ziel zu erreichen bedarf es aktiver und tatkräftiger
Partnerinnen und Partner aus allen Bereichen des städtischen Lebens in Münster.
DIE IMPULSGEBENDEN
1 Informationen und Ergebnisse
nachrichtlich übernommen:
Stadt Münster (2020):
Webseite MünsterZukünfte
Prof. Dr. Andreas Pinkwart
Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes
Nordrhein-Westfalen
Dr. Andreas Brill
business4brands b4b GmbH, Geschäftsführer; Consulting und Konzepte für die
digitale Ära
Abbildung 1-4:
Impressionen aus dem Stadtforum
ZWISCHENRESÜMEE – ZUSAMMENFASSENDE ERGEBNISDARSTELLUNG
STRATEGIE ENTWICKELN: FÜR INHAL TE UND KOMMUNIKATION
Münster macht sich auf den Weg, eine »Smart City« zu werden. Ziel ist die Steige -
rung der Lebensqualität und die Stärkung Münsters als attraktiver Wirtschaftsstand -
ort. Von verschiedenen lokalen Akteuren wurde eine Reihe von beeindruckenden
konkreten Ideen und Ansätzen für neue digitale Dienste präsentiert. Um Digitalisie -
rung und Stadtentwicklung systematisch zusammenzudenken, sollen die Projekte in
einer Strategie zusammengeführt werden.
Konkrete Maßnahmen sollen entlang von Gemeinwohlinteresse und Bedürfnissen
der Bürgerinnen und Bürger entwickelt werden. Im Stadtforum wurde betont, dass
eine »Smart City« nicht nur technische Maßnahmen braucht, sondern auch geeig -
nete Kommunikationswege und -formate, um Menschen zum Anwenden digitaler
»tools« zu befähigen und deren Akzeptanz zu steigern.
START BY STARTING: ANFANGEN UND AUSPROBIEREN
Damit Digitalisierung tatsächlich »Stadt findet«, braucht es erste Projekte zum An -
fassen und zur Veranschaulichung digitaler Denkweisen und Lösungsansätze. Der
schnelle Start von ersten Projekten sowie das Ausprobieren neuer Projektwege und
Arbeitsformen sind dabei zentral. Formate wie den MÜNSTERHACK - Hackathon
und weitere Ideenwettbewerbe gilt es zu nutzen und weiterzuentwickeln, um neue
Lösungen zum Beispiel für Mobilität, Infrastruktur oder Ressourceneffizienz zu ge -
nerieren.
SMART CITY: EINE GEMEINSCHAFTSAUFGABE
Das Stadtforum hat die enge Zusammenarbeit von Verwaltung, Unternehmen und
Wissenschaft als eine wichtige Voraussetzung für Digitalisierung im Sinne einer
nachhaltigen Stadtentwicklung benannt. Hervorgehoben wurden auch die besondere
Bedeutung bürgerschaftlichen Engagements (zum Beispiel im Rahmen von »Code
for Münster«) und das Ideenpotenzial lokaler Initiativen (zum Beispiel von »T ech -
Labs«). Wichtig ist es, diese stadtgesellschaftlichen Akteure einzubeziehen und einen
Wissens- und Innovationstransfer in Praxis und Öffentlichkeit zu fördern.A A Impressionen aus dem Stadtforum
und das Graphic Recording zum
Vergrößern sind zu finden im „Schau-
fenster“ der MünsterZukünfte unter:
https://www.zukunft-muenster.de/
stadtforum_smart/
Abbildung 5:
Visual Recording des Stadtforums
(Marie Jacobi, www.visualrecording.de)
60
ISEK Münster 2030 | Baustein D: Die Stadtforenprozesse
Stadtforum:
»Stadtverträgliche Mobilität –
Enkeltauglich und leistungsfähig«
13. Februar 2020, 17:00 - 21:00 Uhr
Mehrzweckhalle der Stadtwerke, Hafenplatz 1, 48155 Münster
THEMATISCHE FOKUSSIERUNG DES FORUMS
Stadtverträgliche Mobilität gehört zu den wesentlichen Handlungsfeldern auf dem
Weg zur Stadt der Zukunft. Das wurde in Münster bereits durch die Ziel- und Maß -
nahmensysteme »100 % Klimaschutz« und »Global nachhaltige Kommune« pro -
grammatisch festgehalten. Mit dem Masterplan Münster Mobilität 2035+ wird nun
ein umfassender, eigener Prozess begonnen – er soll als zentrales Instrument dienen,
um Ziele, Strategien und Maßnahmen auf dem Weg zur Mobilitätswende konsistent
umzusetzen. Der entsprechende Leitthemen-Vorschlag des Integrierten Stadtent-
wicklungskonzepts Münster 2030 bringt die stadtgesellschaftliche Bedeutung dieser
Aufgabe noch einmal zum Ausdruck und verdeutlicht zudem, dass sie in ihrer wei -
teren Bearbeitung enge Bezüge zu anderen Leitthemen wie »Vielfalt der Stadtteile«,
»Innenstadt ist mehr ...«, »Urbane Wissensquartiere«, »Leistbares Wohnen«, »Digi -
talisierung findet Stadt« aufweist – und selbstverständlich der ausdrücklichen Beach-
tung regionaler Zusammenhänge und Kooperationen bedarf.
Aufgebaut werden kann auf erste innovative Maßnahmen und Projekte im Sinne ei -
ner Mobilitätswende, die bereits in der Planung oder in der Realisierung sind, wie
z. B. die Münsterland S-Bahn, das stadtregionale Veloroutenkonzept oder das in
den Stadtbusverkehr integrierte Förderprojekt »Hiltrup On-Demand«. Das Stadtfo -
Abbildungen 1-4:
Impressionen aus dem Stadtforum
61Stadtforum: Stadtverträgliche Mobilität
rum »Stadtverträgliche Mobilität - Enkeltauglich und leistungsfähig« bildet insofern
eine Art »Gelenkstelle« zwischen dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept und
dem Masterplan Münster Mobilität 2035+. Es stellt sicher, dass die Ergebnisse der
ge-meinsamen Erörterungen im Rahmen der Stadtforen des Integrierten Stadtent -
wicklungskonzeptes in die weiterführenden Arbeiten am Masterplan Eingang finden.
Folgende Fragestellungen standen im Fokus:
• Wo liegen die zentralen Herausforderungen der Mobilitätswende in Münster?
• Wie lässt sich die Diskussion über die Mobilitätswende in Münster konstruktiv
gestalten?
• Welche Handlungsansätze sind dabei von besonderer Bedeutung und wer
kann dazu einen Beitrag leisten?
IMPULSE UND BEFRAGUNG DER EXPERTINNEN UND EXPERTEN
Als externe Fachleute konnten gewonnen werden:
Einige Stichworte aus den Kurzimpulsen der Eingeladenen und der jeweils anschlie-
ßenden Befragung durch das Forum:
WENIGER MOTORISIERTER INDIVIDUALVERKEHR SCHAFFT MEHR STADTRAUM
FÜR MENSCHEN
Eine der größten Herausforderungen zur Einleitung der Mobilitätswende sei es, so
wurde betont, den motorisierten Individualverkehr (MIV) zu reduzieren. Das sei zum
einen aus Umweltschutzgründen notwendig, denn die T reibhausgase des Verkehrs
konnten in den letzten 28 Jahren nur um 0,8 % verringert werden. Zum anderen
war und ist der Flächenverbrauch des motorisierten Individualverkehrs ein Kernpro-
blem in den Städten, das in den letzten Jahren (u.a. durch das Volumenwachstum der
PKW) an Schärfe zugenommen hat. Schon immer ist zudem die »Flächenbilanz« öf-
fentlicher Verkehrsmittel mit Blick auf ihre Mobilitätsleistung sehr viel günstiger als
die von privaten PKW (auch unter Berücksichtigung ihrer geringen Nutzungszeiten).
Dr. habil. Weert Canzler
Wissenschaftszentrum Berlin, Leiter der Forschungsgruppe Digitale Mobilität und
gesellschaftliche Differenzierung
Merle Groneweg
PowerShift e.V . Berlin, Themenfeld Rohstoffpolitik
Matthias Kreimeier,A
Vice President Sales Mover, e.GO GmbH Aachen, Innerstädtische
Mobilitätslösungen/E-GO Mover
A Ein dritter Referent, der Vice President
Sales Mover, e.GO GmbH Aachen, Herr
Matthias Kreimeier musste leider sehr
kurzfristig absagen. Einige der von ihm
vorbereiteten Inhalte – insbesondere
zum Thema E-Mobilität und neuer
Mobilitätsdienstleistungen – konnten
auf Basis der von Herrn Kreimeier zur
Verfügung gestellten Unterlagen durch
die Moderation eingebracht werden.
62
ISEK Münster 2030 | Baustein D: Die Stadtforenprozesse
Um also zum Klimaschutz beizutragen und Stadträume mit Aufenthaltsqualität zu
schaffen, sei es insbesondere in den Innenstädten notwendig, den Parkraum im öf -
fentlichen Raum zu reduzieren (Rückbau von Stellplätzen) und die verbleibenden
Flächen spürbar höher zu »bepreisen« als dies bislang der Fall ist. Verschiedene Städ-
te in Europa zeigten, dass dies möglich und sehr wirkungsvoll ist.
EINFACH ZU HANDHABENDE VERNETZUNG DER VERKEHRSARTEN ALS ZENTRA-
LE VORAUSSETZUNG
Insgesamt sei, so wurde unterstrichen, die intelligente Vernetzung verschiedener Ver-
kehrsarten von zentraler Bedeutung. Dazu bedürfe es geeigneter Mobilstationen (»in-
termodale Knotenpunkte«, »Mobility Hubs«), die den Wechsel zwischen verschiede -
nen Verkehrsmitteln schnell und reibungslos ermöglichen. Öffentlich könnten hier
dann auch neue Fahrzeugtypen für den Nahverkehr zum Einsatz kommen (etwa
perspektivisch auch selbstfahrende Kleinbusse wie der kurz vorgestellte e.Go Mover).
Entscheidend bleibe aber, dass die verschiedenen Verkehrsmittel benutzerfreundlich
miteinander verknüpft werden (können). Das ließe sich mit Hilfe digitaler Endgeräte
und anwenderfreundlicher Programme bewerkstelligen. Dabei gehe es darum, für die
Alternativen zum Auto vergleichbar einfach zu handhabende Routinen zu entwickeln.
Für all das gäbe es bereits in den europäischen Nachbarländern Beispiele, die auch
auf deutsche Städte übertragbar seien. Sie zeigten jedoch, dass sich mit der Verän -
derung der Mobilitätsangebote und -dienstleistungen auch das Bewusstsein in der
Bevölkerung so entwickeln müsse, dass es zu signifikanten Verhaltensänderungen
komme.
Abbildung 5:
Autofahren kostet Lebensraum
(aus dem Vortrag von
Dr. habil. Weert Canzler)
63
E-MOBILITÄT AUCH IM KONTEXT DES WEL TWEITEN RESSOURCENVERBRAUCHS
BEURTEILEN
Das größte Kohlenstoffdioxid (CO2)-Einsparpotential für Haushalte biete, so hieß es
in verschiedenen Beiträgen, neben dem Wohnen insbesondere das Mobilitätsverhal -
ten. Wenn jedoch zur Reduzierung des CO2-Austoßes vorrangig der Umstieg auf bat-
terieelektrisch betriebene PKW propagiert werde, greife dies zu kurz. So würde insbe-
sondere der weltweite Verbrauch knapper und zum T eil unter prekären Bedingungen
abgebauter Rohstoffe aus der Betrachtung ausgeblendet. Bis zum Jahr 2050 werde
sich etwa der Bedarf an Lithium und Kobalt für die Batterieproduktion vervielfachen.
Hingewiesen wurde u. a. auf die Arbeitsbedingungen, unter denen im Kongo Kobalt
abgebaut wird und auf die enormen Umweltfolgen, die beim Lithium-Abbau u.a. in
Chile, Argentinien oder Bolivien entstehen. Aus diesen Gründen sei es notwendig,
den absoluten Ressourcenverbrauch zu reduzieren, Energie- und Materialeffizienz,
Langlebigkeit und Recyclingfähigkeit zu optimieren, Akkus mit Strom aus erneuer -
baren Energien zu produzieren und nicht zuletzt menschenwürdige Produktionsbe -
dingungen zu gewährleisten.
ERGEBNISSE DER GRUPPEN
Politik… verweist auf die Vielzahl von Projekten, die zum einen in den letzten Jahren
bereits im Rat diskutiert und zum anderen bereits auf den Weg gebracht wurden.
Als zentrale Herausforderung wurde formuliert, die Aspekte Klimaneutralität, Woh -
nen und Mobilitätswende gemeinsam und in einem regionalen Zusammenhang zu
betrachten. Dazu zählt insbesondere, das Konzept »S-Bahn Münsterland« weiterzu -
entwickeln und die Flächen für Park and Ride an allen Radialen als Mobilstationen
auszubauen. Um den steigenden PKW-Pendlerverkehren entgegenzuwirken, sollte
zudem der öffentliche Nahverkehr ausgebaut sowie bezahlbar bzw. kostenfrei ange -
boten werden.
Das Ziel ist es, möglichst wenig Verkehre in die Innenstadt einzuleiten und dort die
Straßenräume neu aufzuteilen, bspw. über eine veränderte Parkraumbewirtschaftung
sowie Reduzierung der Stellplätze im öffentlichen Raum, um mehr Raum zum Leben
zu schaffen. Dabei ist aber auch aus wirtschaftlicher Perspektive (Einkaufen, Erleben,
…) weiterhin eine gute Erreichbarkeit der Innenstadt zu gewährleisten. Diese Baustei-
ne sollten mit weiteren Einzelmaßnahmen wie dem Ausbau von Busspuren und Ve -
lorouten verbunden werden, um ein ganzheitliches Konzept zu erreichen. Außerdem
wurde darauf verwiesen, dass die Mobilitätswende »nicht von heute auf morgen« zu
gestalten sei. Es gelte jedoch, das T empo der Umsetzung zu erhöhen und dies bei -
spielsweise durch T esträume und »mehr Mut zum Ausprobieren« zu erzielen.
Stadtverwaltung… stellt als zentrale Herausforderung, die Stärkung des Umweltver -
bundes heraus, ohne die eine Mobilitätswende nicht gelingen könne. Die Verkehrs -
Stadtforum: Stadtverträgliche Mobilität
64 ISEK Münster 2030 | Baustein D: Die Stadtforenprozesse
arten des Umweltverbundes (Bus, Bahn, Fuß- und Radverkehr) müssen aufeinander
abgestimmt sein und ineinandergreifen. Durch die Steigerung des ÖPNV-Angebots
und einen Ausbau der Velorouten sollen die Pendlerverkehre im MIV reduziert wer-
den. Dazu ist es aber notwendig, den benötigten Raum für den Umweltverbund so -
wohl in der Stadt als auch in der Region zu schaffen, was nur durch die Reduzierung
des MIV (z.B. Parkraumbewirtschaftung) gelingen kann. Um ein Umdenken in der
Breite der Stadtgesellschaft zu erzeugen, müsse die Frage »Was gewinnen wir durch
die Mobilitätswende?« gestellt und beantwortet werden – beispielsweise durch Best
Practice Beispiele oder Reallabore.
Weiterhin ist es wichtig, die individuellen Bedürfnisse und Verkehrswege auch im
Zuge der Umgestaltung weiterhin abbilden zu können sowie die Themen Barriere -
freiheit und demografischer Wandel zu berücksichtigen. Ziel all dieser Bemühungen
müsse es sein, die Lebensqualität in der Stadt zu steigern.
Verkehrsträger und Interessenverbände Verkehr… stellen fest, dass die Impulse des
Abends das bestätigt haben, was bereits in der Stadt Münster gedacht, in Gang gesetzt
oder schon erreicht wurde. So seien die Binnenverkehre in Münster schon jetzt gut or-
ganisiert, was auch im Modal Split seinen Ausdruck finde. Dass die Pendlerverkehre
(»berufsbedingt, einkaufsbedingt, freizeitbedingt«) für eine mögliche Verkehrswende
das größte Problem darstellen, sei ebenfalls bekannt und Gegenstand zahlreicher po-
litischer Beschlüsse und Konzepte: Veloroutenprogramm, ÖPNV-Programm oder die
beabsichtigte Münsterland S-Bahn. Allerdings sei es notwendig, diese Projekte auch
umzusetzen.
Wissenschaft… sieht mit der Mobilitätswende Herausforderungen auf drei verschie -
denen räumlichen Ebenen: Stadtregional sei es wichtig, den Modalsplit zu verändern.
Dazu müssten bisher wirksame Restriktionen identifiziert, neue Anreize etabliert
und neue Modelle erprobt werden. Auf gesamtstädtischer Ebene stehe die Neuauftei-
lung der Flächen und Straßenquerschnitte insbesondere für den Umweltverbund im
Vordergrund. In den Quartieren sollten Veränderungen vor Ort partizipativ erarbeitet
und die Bewohnerinnen und -bewohner motiviert werden, ihr Quartier vor Ort mit -
zugestalten. Dies könne zu positiven Effekten in der Akzeptanz der Verkehrswende
sowie zu Synergien mit anderen »Wenden« (Energiewende, …) führen. Bei alledem
brauche es »Mut zur Veränderung« aber auch »Mut zur Verärgerung«, um die Ver -
kehrswende tatsächlich in Gang bringen zu können.
Wirtschaft… sieht die zentrale Herausforderung in der Bereitstellung größerer An -
gebote für den Bus- und Bahnverkehr. Insbesondere Projekte wie die Münsterland
S-Bahn oder Schnellbusse sollten konzentriert weiterverfolgt werden, denn es gel -
te zehntausende Menschen der Stadtregion zu einem Wechsel von MIV auf ÖPNV
zu überzeugen. Dazu sind leistungsfähige Umsteigepunkte an strategisch günstigen
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Stadtrandlagen nötig, die eine individuelle Kombination unterschiedlicher Verkehrs-
arten fördern und damit den Nahverkehr in Münster und im Münsterland attraktiv
gestalten. Solche Angebote sollten durch die öffentliche Hand (Stadtverwaltung und
Stadtwerke) geschaffen werden.
Die Unternehmen sehen – durchaus auch im eigenen Interesse, etwa mit Blick auf
die Gewinnung und Bindung von Fachkräften – die Möglichkeit, diese Angebote
dann zu unterstützen, beispielsweise durch Firmen- oder Azubi-Tickets. Die Kosten
sollten nicht den Nutzerinnen und Nutzern überlassen werden.
Vielfältige Stadtgesellschaft… sieht vor allem die Notwendigkeit, Verkehrsflächen neu
aufzuteilen. Das setze eine Reduzierung des MIV und den (teilweisen) Rückbau sei -
ner Infrastruktur voraus. Als Sofortmaßnahme wurde z. B. die Befreiung des Dom -
platzes vom ruhenden Verkehr vorgeschlagen. Insbesondere gilt es, mehr Flächen für
den Radverkehr, T ausch- bzw. Leihmöglichkeiten zu schaffen sowie die Idee der Um-
welttrassen umzusetzen. Außerdem sollte sich die Vielfältigkeit der Stadtgesellschaft
auch in den Maßnahmen der Stadt abbilden. Dies bedeute unter anderem auch, Bar-
rierefreiheit von Anfang an mit zu berücksichtigen.
Publikum… stellt die Schärfung des Problembewusstseins der Stadtgesellschaft für
die Mobilitätswende und den damit verbundenen Veränderungen in den Fokus. Die
Rahmenbedingungen dafür sollten durch die Politik vorgegeben und geschaffen wer-
den. Der oft als Hauptproblem bezeichnete Pendlerverkehr sei, das dürfe nicht über-
sehen werden, auf mangelnde Wohnangebote in der Stadt zurückzuführen. Es gelte
also, auch hier zu handeln. Ansonsten müsste der Verkehr vom MIV auf den ÖPNV
verlagert werden. Das setze voraus, dass der ÖPNV insgesamt attraktiver gestaltet
werde, beispielsweise durch den Ausbau von Busspuren, verdichtete T aktungen oder
einen kostenreduzierten bzw. kostenfreien ÖPNV . Außerdem sollte der Straßenraum
zugunsten des Fuß- und Radverkehrs neu aufgeteilt und der Parkraum bewirtschaftet
bzw. beschränkt werden.
Um die Mobilitätsangebote auf einen Blick anwenden und kombinieren zu können,
sollte eine gesamtstädtische und ganzheitliche digitale Mobilitätsplattform eingerich-
tet werden. Zur Erprobung von Projekten sollten Reallabore durchgeführt werden.
Mithilfe von Stadtteildiskussionen könnten die Stärken und Schwächen des jeweili -
gen Stadtteils geprüft und hinsichtlich möglicher Maßnahmen und ihrer positiven
Wirkung für die Verkehrswende analysiert werden.
Stadtforum: Stadtverträgliche Mobilität
ZWISCHENRESÜMEE – ZUSAMMENFASSENDE ERGEBNISDARSTELLUNG
GANZHEITLICHES VERKEHRSKONZEPT BIS IN DIE REGION
Die Stadt Münster verfügt bereits über eine große Anzahl von Konzepten und Projek-
ten, um die »Mobilitätswende« zukunftsorientiert anzugehen. Die T eilnehmerinnen
und T eilnehmer des Forums wissen um diesen Sachverhalt, schlagen aber vor, dass
diese Maßnahmen deutlicher ineinandergreifen und in ein ganzheitliches Mobilitäts-
konzept eingeordnet werden müssen, wie es mit dem Masterplan Münster Mobilität
2035+ nun auf dem Weg ist. Dabei sollten auch die unterschiedlichen Maßstabsebe -
nen – von der Region über die Gesamtstadt bis zum Quartier – konzeptionell berück-
sichtigt werden.
Die Rolle der Region und die Verbindung zwischen Stadt und Umland wurde inner -
halb des Stadtforums intensiv diskutiert. Alle T eilnehmenden waren sich einig, dass
die Mobilitätswende – auch und besonders – »von außen nach innen gedacht« wer -
den muss. Einerseits müsse gefragt werden, ob die (PKW-)Pendlerströme durch mehr
Wohnraumangebote im Stadtgebiet sowie eine bessere Verzahnung von Siedlungs -
entwicklung und Mobilitätsangeboten reduziert werden können. Und andererseits
müssen die Verkehrsströme neu gelenkt werden, indem attraktive Angebote zum
Umstieg auf den weiterzuentwickelnden ÖPNV geschaffen werden. Insgesamt sei
eine deutlich verbesserte Vernetzung der Verkehrsmittel notwendig – sowohl durch
Mobilstationen (»MobilityHubs«) wie durch digitale Plattformen/Apps – die leicht
zu handhaben und angepasst auf individuelle Bedürfnisse und Verkehrswege einen
flüssigen Wechsel zwischen den Verkehrsmitteln und -arten ermöglichen.
MEHR RAUM FÜR DIE MOBILITÄTSWENDE
Als wichtige Voraussetzung zum Gelingen der Mobilitätswende nannten fast alle T eil-
nehmenden des Forums die Neuaufteilung der Straßenräume. Dabei sollen der mo -
torisierte Individualverkehr sowie dessen Infrastrukturen reduziert werden, um mehr
Raum für den ÖPNV sowie den Fuß- und Radverkehr zu schaffen.
Als eine wichtige Maßnahme in diesem Zusammenhang wurde eine konsequente
Bewirtschaftung des Parkraumes, vor allem im öffentlichen Raum, vorgeschlagen.
Hierbei sollen das Parken generell verteuert und Stellplätze im öffentlichen Raum
zugunsten von neuen Aufenthaltsqualitäten, wie z. B. am Domplatz oder in der Kö -
nigsstraße, reduziert werden.
Zugleich wurde auf zeitliche Spitzen hingewiesen, wie etwa die Anlieferzeiten mor -
gens und Einkaufsverkehre insbesondere an Samstagen, die wiederum Rückstaus er-
zeugen und so die Aufenthaltsqualität in der gesamten Innenstadt beeinträchtigen.
Das verweise auch auf die Notwendigkeit einer intelligenten Verkehrslenkung. Um
eine autoarme Innenstadt zu erzielen, so lautete ein Resümee, muss also an vielen
Punkten angesetzt werden.
PROJEKTE UMSETZEN – DIE MOBILITÄTSWENDE JETZT STARTEN
Die T eilnehmenden des Stadtforums bekräftigten wiederholt, dass durchaus zahlrei-
che Projekte und Konzepte zur Mobilitätswende in Münster vorliegen und bereits
im Rat diskutiert wurden – aber noch der Umsetzung bedürfen. Zwar sei die Mobi -
litätswende »nicht von heute auf morgen« zu bewerkstelligen, dennoch müsse aber
das T empo der Umsetzung zunehmen. Um dies zu erreichen, sei mehr »Mut zum
Ausprobieren« notwendig, zu Experimenten und probeweise eingeführten Maßnah -
men (wie dies etwa mit »Reallaboren« der Fall sei). So ließe sich auch zeigen, was
nachhaltige Mobilitätsformen sind oder doch sein könnten und wie sie in den Alltag
zu integrieren sind.
Gleichzeitig müsse aber auch allen Akteuren bewusst sein, dass nicht überall stets
Konsens vorausgesetzt werden könne und zumindest temporär wohl auch »Mut zur
Verärgerung« wichtig sei, um Anstöße zur Veränderung zu geben. Letztlich müsse
der Einsicht in die Notwendigkeit des Wandels, die in Münster auf vielfache Weise be-
reits programmatisch bekundet wurde, nun auch die prinzipielle Bereitschaft folgen,
konstruktiv an die nächsten Schritte heranzugehen.B
Abbildung 6:
Visual Recording des Stadtforums
(Marie Jacobi, www.visualrecording.de)
B Impressionen aus dem Stadtforum
und das Graphic Recording zum
Vergrößern sind abrufbar im „Schau-
fenster“ der MünsterZukünfte unter:
https://www.zukunft-muenster.de/
stadtforum-mobilitaet/
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ISEK Münster 2030 | Baustein D: Die Stadtforenprozesse
Stadtforum:
»Stadt in der sozialen Balance –
Herausforderungen in der Stadtentwicklung«
26. Mai 2020, 17:00 - 21:00 Uhr
T agungshotel Dunant, Sperlichstraße 27, 48151 Münster
Dieses Stadtforum war geplant – wurde aufgrund der Maßnahmen zur Eindäm -
mung der weltweiten Corona-Pandemie aber vorläufig abgesagt; es soll nachgeholt
werden, wenn die Bedingungen es zulassen.
Weitere und zukünftige Stadtforen
Eingangs wurde bereits von der besonderen Bedeutung der Stadtforen berichtet,
durch die eine frühzeitige und umfassende Einbindung aller Akteure, die zur Lösung
sich stellender Aufgaben beitragen können, gewährleistet werden kann. Als T eil der
»MünsterZukünfte 20 | 30 | 50« hat sich das Format bewährt und fand eine sehr
breite Resonanz. Aus diesem Grund hat sich die Stadt Münster dazu entschlossen,
das Format der Stadtforen auch für die Bearbeitung weiterer, über die Leitthemen
hinausgehender Themen zu nutzen.
»Musikcampus«1
03. Februar 2020, 18:30 - 22:00 Uhr
Mensa am Aasee, Bismarckallee 11, 48151 Münster
»Beteiligung weiter denken«2
10. März 2020, 17:00 -21:00 Uhr
Paul-Gerhardt-Haus, Friedrichstraße 10, 48145 Münster
Eine besondere Rolle kommt dem Aspekt einer systematischen Weiterentwicklung
der Bürgerbeteiligung in der Stadt Münster zu, die als alle Themenbereiche be -
rührende Querschnittsaufgabe T eil der MünsterZukünfte 20 | 30 | 50 geworden ist
(s. Baustein C).
»Kultur«3
1 weiterführende Informationen und die
Ergebnisse sind abrufbar im »Schaufens-
ter« der MünsterZukünfte unter:
https://www.zukunft-muenster.de/mu -
sikcampus/ sowie unter: https://www.
musikcampus.de/
2+3 Dieses Stadtforum war geplant –
wurde aufgrund der Maßnahmen zur
Eindämmung der weltweiten Corona-
Pandemie aber vorläufig abgesagt; es soll
nachgeholt werden, wenn die Bedingun -
gen es zulassen.
692. Staffel der Stadtforen
70
ISEK Münster 2030 | Baustein D: Die Stadtforenprozesse
Lessons learned. Eine Zwischenbilanz in Stichworten
Im Projektmanagement wird mit »Lessons learned« das Verdichten von Erfahrun -
gen, die im Zuge der Durchführung eines Vorhabens gewonnen wurden, bezeichnet.
Es geht dabei nicht um die eigentlichen Ergebnisse, sondern um das, was bei ihrer
Verfertigung auffiel – und für mögliche zukünftige Projekte ähnlicher Art bedeutsam
sein könnte.
Eine ähnliche »Verdichtung« sei hier in sieben Überschriften versucht:
DIE LUST AM UNGEWOHNTEN GESPRÄCH MITEINANDER:
Es fiel insbesondere in den vorgeschalteten Workshops, aber auch immer wieder in
den Foren auf: Die verwaltungsinternen Runden, in denen sich Kolleginnen und Kol-
legen – einmal nicht projektorientiert, sondern programmatisch – zu gemeinsamen
Themen austauschten, wurden durchweg als sehr belebend und wohl auch zielfüh -
rend verstanden. Hier begegneten sich Menschen, die im Alltagsgeschäft sonst kaum
Zeit zum Austausch hatten. Mehrfach wurde sehr deutlich der Wunsch geäußert,
doch weitere Gelegenheiten dieser Art zu schaffen.
DAS GEFALLEN AM FORMAT DES STADTFORUMS:
Auch das Format des Stadtforums stieß auf positive Resonanz. Auch hier wurde –
über die kommunale Verwaltung hinaus – durch die Akteure die Form der Beratung
in kleiner Runde (also in den »Bänken«), aber auch der Bezug zu Impulsen Externer
als anregend und bereichernd angesehen.
Die Bürgerinnen und Bürger fanden sich zunächst in einer ansonsten in Beteili -
gungsverfahren unüblichen Rolle vorrangig als Zuhörerschaft, nutzten aber auch
in T eilen den angebotenen »Publikumstisch« in der Arbeitsphase. Viele bestätigten,
dass sie die Idee, auch eher fachliche Arbeit transparent zu gestalten und zu sehen,
wer auf welche Weise dazu beiträgt, interessant und inhaltlich lehrreich fanden. Diese
Öffentliche Erörterung, die schon aus Gründen der T ransparenz geboten erschien,
wurde durch eine umfassende und zeitnahe Berichterstattung im »Schaufenster« der
MünsterZukünfte unterstützt (s. https://www.zukunft-muenster.de/stadtforen/) und
stieß auch hier auf Interesse.
EIN BLICK AUF GEMEINSCHAFTSAUFGABEN:
Es bedurfte oft gar nicht des expliziten Hinweises, dass man die Erledigung der anste-
henden Aufgaben nicht allein bei der Stadt sehen und suchen sollte. Denn zumeist
stellte sich schon sehr bald heraus, dass viele dazu beitragen müssen, die Ortsmitten
in den Stadtteilen zu be- und erhalten, Hochschulgelände zu einem »Stück Stadt«
werden zu lassen, die Innenstadt im doppelten Sinne weiter zu denken, auch unter
Wachstumsbedingungen den besonderen Charakter der Münsterschen StadtLand -
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schaft zu erhalten, dem Verlust an preiswertem Wohnraum entgegenzuwirken sowie
die Mobilitätswende jetzt zu starten. Und so wurde oft der Wunsch nach mehr Aus -
tausch untereinander geäußert, es wurde aber auch schon auf konkrete Kooperations-
möglichkeiten hingewiesen.
DAS HOHE MASS AN UNERWARTETER ÜBEREINSTIMMUNG:
Vermutlich wäre das nicht zu erwarten gewesen. Aber in vielen Forensitzungen war
man sich – quer zu den Bänken und damit ganz verschiedene Akteursgruppen über-
greifend – in wichtigen Punkten einig. Das begann schon bei dem Wunsch nach mehr
Austausch. Auch die Bereitschaft, sich einmal auf Experimente einzulassen, war bei
vielen Themen erstaunlich einhellig. Aber auch bei Zielsetzungen zu einzelnen The-
men – ob es nun die »Urbanisierung« von Hochschularealen betrifft oder den Erhalt
von Alltagsnutzungen in der Innenstadt, die Erneuerung der Grünordnung oder die
multifunktionale Nutzbarkeit öffentlicher Gebäude – herrschte vielfach kein Dissens.
Selbst sonst – zumindest politisch – brisante Themen, wie bspw. die Wohnungsbe -
standssicherung oder die Mobilitätswende, wurden unaufgeregt und mit der Bereit -
schaft zum Konsens erörtert. Man wird nun nicht ausschließen können, dass solches
Einvernehmen, dann, wenn es um konkrete Maßnahmen geht, noch einmal auf den
Prüfstand gestellt wird. Aber es scheint doch immerhin Ausgangspunkte für Verstän-
digung zu geben, wenn sich nicht sogar angesichts dynamischer Herausforderungen
bereits große Schnittmengen abzeichnen.
DIE VIELFÄL TIGE VERKNÜPFUNG DER THEMEN:
Dass die Themen Wohnen und Freiraumentwicklung enge Bezüge aufweisen (wenn
es um das Neubauen geht) und dass in Münster das Wohnen mit der Innenstadt zu -
sammenhängt, konnte man annehmen. Aber dass der angespannte Wohnungsmarkt
die Hochschulen und das Klinikum tangiert, weil sie Schwierigkeiten haben, Pflege -
kräfte oder Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Stadt unterzubringen, lag nicht
auf der Hand. So wurde bereits in den Schlüsselpersonengesprächen (Baustein B)
aber auch immer wieder in den Foren deutlich, wie stark die Leitthemen (auch Bau -
stein C) untereinander in Verbindung stehen: Die Bewältigung der Mobilität ist eine
Herausforderung, die aufs engste mit praktisch allen anderen Leitthemen verbunden
ist. Ganz Ähnliches gilt für die »Facetten ökonomischer Stärke«. Und natürlich für
die Digitalisierung: welche Lebensbereiche betrifft sie nicht? Und wer wusste schon
(bis zum entsprechenden Forum), dass sie in der Landwirtschaft schon besonders
weit fortgeschritten ist? Diese Verbindung gilt natürlich auch für Themen, die noch
in Stadtforen zu behandeln sein werden wie »Vielfalt und sozialer Zusammenhalt«.
DIE NOTWENDIGKEIT DES RÄUMLICHEN »ZUSAMMENDENKENS«:
Diese Wechselbeziehungen werden dann sichtbar, wenn man sie auf den Raum proji-
ziert: Was hat es für Konsequenzen, wenn sich die Hochschulen mit neuen Wissens-
quartieren entwickeln, für das Wohnen neue Baugebiete an vorhandene Ortskerne
Lessons learned. Eine Zwischenbilanz
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ISEK Münster 2030 | Baustein D: Die Stadtforenprozesse
angesiedelt werden – und was bedeutet das für die Freiräume? Das und vieles mehr
macht eine räumliche Betrachtung sichtbar: hier werden dann nicht nur mögliche
Synergien, sondern auch Konkurrenzen und Konflikte ersichtlich. Insofern ist es na-
heliegend, einmal eine erste räumliche Zwischenbilanz zu ziehen und dabei auch auf
die »Knackpunkte« aufmerksam zu machen, die noch der Klärung bedürfen.
DER WUNSCH NACH ERSTEN PROJEKTEN:
Nicht Wenigen wird »zu viel geredet, zu viel geplant«. Sie wollen bald Konkretes se -
hen: Projekte, Vorzeigbares. Das ist nachvollziehbar, verkennt aber den Charakter ei-
ner integrierten und nachhaltigen Stadtentwicklung, die als Gemeinschaftsaufgabe
verstanden wird. Hier ist das Gespräch, sind Verständigungsbemühungen und sorg-
fältige Abstimmungen zwingend erforderlich. Und selbst wenn dann Konzepte Ge -
stalt annehmen – gebaut sind sie damit noch längst nicht. Denn auch die gesetzlich
vorgeschriebenen Verfahren benötigen ihre Zeit. Nicht umsonst haben Integrierte
Stadtentwicklungskonzepte Horizonte von einer Dekade und mehr.
Das heißt aber nun keinesfalls, dass es nicht auch schnell gehen kann – wenn man
sich einig ist. So wurde in Folge des »Letter of Intent« inzwischen die Entwicklung
der Hochschulareale im Sinne »Urbaner Wissensquartiere« in Gang gesetzt – mit der
Internationalen Ideenwerkstatt »Zukunft der Wissenschaftsstadt« begab man sich auf
die Spur möglicher stadträumlicher Konzepte.A
Auch Sichtbares ließe sich im Kleinen schnell schaffen – etwa im Sinne der Expe -
rimente, von denen in den Foren mehrfach die Rede war. T emporär, mit Phantasie
und Kreativität zeigen, was möglich wäre. Hierzu braucht es Menschen, die das ins
Werk setzen. Da scheint es in Münster, wenn man auf die vielen Zukunftsmacher-
Initiativen schaut, doch viele zu geben.
Aus diesen und anderen Gründen liegt es nahe, weiter danach zu schauen, was sicht-
bar gemacht werden kann, um bald Erfolg zeigen zu können, denn, so hieß es in
einem der Foren »Erfolg ist der beste Motivator«.
An allen Tischen bzw. Bänken lautete die Frage stets: »Was können wir – allein und
mit anderen – unternehmen? Wo könnten unsere Beiträge liegen? Was kann seitens
der Stadt dazu beigetragen werden?«
Schon diese Fragestellungen, aber letztlich der gesamte kommunikative Prozess der
MünsterZukünfte macht deutlich, dass hier Stadtentwicklung als Gemeinschaftsauf-
gabe verstanden wird. Wichtig wird sein, ob und wie dieser »Spirit« in den nächsten
Phasen der Bearbeitung wirksam bleibt.
A Eine umfassende Dokumentation der
Internationalen Ideenwerkstatt ist verfüg-
bar unter: https://www.zukunft-muens -
ter.de/ideenwerkstatt/
73
Lessons learned. Eine Zwischenbilanz
Abbildung 1:
MünsterZukünfte Collage
74
ISEK Münster 2030 | Baustein D: Die Stadtforenprozesse
Quellen / Anmerkungen
VORSPANN
Abbildung 1: eigene Darstellung
Abbildung 2: eigene Darstellung
Abbildung 3: eigene Darstellung, Bildquellen s. Abb. »Leitthemen« (S. 11, 53)
Abbildungen »Leitthemen« (S. 11, 53)
Abbildung »Vielfalt der Stadtteile«: Presseamt Münster, Rüdiger Wölk
Abbildung »Urbane Wissensquartiere«: Presseamt Münster, Angelika Klauser
Abbildung »Innenstadt ist mehr ...«: Presseamt Münster, Tilman Roßmöller
Abbildung »Münstersche Stadt-Landschaft«: Presseamt Münster, Bernhard Fischer
Abbildung »Leistbares Wohnen«: Jean-Paul Comparin, stock.adobe.com
Abbildung »Facetten ökonomischer Stärke«: Presseamt Münster, Angelika Klauser
Abbildung »Stadtverträgliche Mobilität«: connel_design, stock.adobe.com
Abbildung »Digitalisierung findet Stadt«: bluedesign, stock.adobe.com
Abbildung »Vielfalt und sozialer Zusammenhalt«: hedgehog94, stock.adobe.com
Abbildung »Münster und seine Nachbarn«: Presseamt Münster, Bernhard Fischer
STADTFORUM: »VIELFAL T DER STADTTEILE – FIT FÜR DEN ALL TAG, FIT FÜR DIE
ZUKUNFT«
Abbildung 1: eigene Fotografie
Abbildung 2: eigene Fotografie
Abbildung 3: eigene Fotografie
Abbildung 4: eigene Fotografie
Abbildung 5: Bundestiftung Baukultur (BSBK) (Hg.) 2018: Besser Bauen in der Mitte,
Ein Handbuch zur Innenentwicklung, S. 110-111
Abbildung 6: Michaela Bonan, Projekt »nordwärts«, Stadt Dortmund
Abbildung 7: Katrin Reuscher, Projekt »Dritte Orte«, Ministerium für Kultur und Wis-
senschaft des Landes Nordrhein-Westfalen
Abbildung 8: Marie Jacobi, www.visualrecording.de
STADTFORUM: »URBANE WISSENSQUARTIERE – DURCHMISCHT UND
FUNKTIONSGERECHT«
Abbildung 1: eigene Fotografie
Abbildung 2: eigene Fotografie
Abbildung 3: eigene Fotografie
Abbildung 4: eigene Fotografie
Abbildung 5: Internationale Bauausstellung Heidelberg GmbH
Abbildung 6: Eidgenössische T echnische Hochschule Zürich (2019): <https://ethz.ch/
de/campus/erreichen/hoenggerberg/_jcr_content/par/fullwidthimage_2054492362/
image.imageformat.lightbox.101048697.jpg>
75
Quellen / Anmerkungen
Abbildung 7: Marie Jacobi, www.visualrecording.de
STADTFORUM: »INNENSTADT IST MEHR... – EINE WEITERGEFASSTE PERSPEKTIVE«
Abbildung 1: eigene Fotografie
Abbildung 2: Jörg Kersten - medlay
Abbildung 3: Jörg Kersten - medlay
Abbildung 4: Jörg Kersten - medlay
Abbildung 5: eigene Fotografie
Abbildung 6: eigene Fotografie
Abbildung 7: Urban Catalyst GmbH
Abbildung 8: Freie und Hansestadt Hamburg, Behörde für Stadtentwicklung und
Umwelt 2014: Innenstadtkonzept Hamburg, S.62
Abbildung 9: Urban Catalyst GmbH
Abbildung 10: Urban Catalyst GmbH
Abbildung 11: Marie Jacobi, www.visualrecording.de
STADTFORUM: »MÜNSTERSCHE STADT-LANDSCHAFT – SIEDLUNG UND FREI -
RAUM IN DER BALANCE«
Abbildung 1: eigene Fotografie
Abbildung 2: eigene Fotografie
Abbildung 3: eigene Fotografie
Abbildung 4: eigene Fotografie
Abbildung 5: Jörg Kersten - medlay
Abbildung 6: Jörg Kersten - medlay
Abbildung 7: Stadt Freiburg i. Br., Stadtplanungsamt (Hg.) (2019): perspektivplan
2030, Die Stadt weiterentwickeln Freiburg bleiben!, Ein Instrument zur Steuerung der
zukünftigen räumlichen Entwicklung, S.15
Abbildung 8: Stadt Freiburg i. Br., Stadtplanungsamt (Hg.) (2019): perspektivplan
2030, Die Stadt weiterentwickeln Freiburg bleiben!, Ein Instrument zur Steuerung der
zukünftigen räumlichen Entwicklung, S.13
Abbildung 9: WGF Nürnberg GbR
Abbildung 10: Johann Heinrich von Thünen-Institut Bundesforschungsinstitut für
Ländliche Räume, Wald und Fischerei (o.J.): https://www.thuenen.de
Abbildung 11: Marie Hübner, www.mariehuebner.de
STADTFORUM: »LEISTBARES WOHNEN – STRATEGIEN FÜR NEUBAU UND BE -
STAND«
1. Stiftung zur Erhaltung von preisgünstigen Wohn- und Gewerberäumen der Stadt
Zürich (o.J.): https://www.pwg.ch
Abbildung 1: eigene Fotografie
Abbildung 2: eigene Fotografie
76
ISEK Münster 2030 | Baustein D: Die Stadtforenprozesse
Abbildung 3: eigene Fotografie
Abbildung 4: eigene Fotografie
Abbildung 5: eigene Fotografie
Abbildung 6: Marie Jacobi, www.visualrecording.de
STADTFORUM: »FACETTEN ÖKONOMISCHER STÄRKE - IMPULSE FÜR DIE WIRT -
SCHAFTLICHE ENTWICKLUNG«
1. https://www.zukunft-muenster.de/facetten-oekonomischer-staerke/
Abbildung 1: Jörg Kersten - medlay
Abbildung 2: Jörg Kersten - medlay
Abbildung 3: Jörg Kersten - medlay
Abbildung 4: Jörg Kersten - medlay
Abbildung 5: Marie Jacobi, www.visualrecording.de
STADTFORUM: »DIGITALISIERUNG FINDET STADT – KICK-OFF SMART CITY
MÜNSTER«
1. https://www.zukunft-muenster.de/stadtforum_smart/
Abbildung 1: Jörg Kersten - medlay
Abbildung 2: Jörg Kersten - medlay
Abbildung 3: Jörg Kersten - medlay
Abbildung 4: Jörg Kersten - medlay
Abbildung 5: Marie Jacobi, www.visualrecording.de
STADTFORUM: »STADTVERTRÄGLICHE MOBILITÄT - ENKEL TAUGLICH UND
LEISTUNGSFÄHIG«
Abbildung 1: Jörg Kersten - medlay
Abbildung 2: Jörg Kersten - medlay
Abbildung 3: Jörg Kersten - medlay
Abbildung 4: Jörg Kersten - medlay
Abbildung 5: fairkehr – Menschen.Nachhaltig.Mobil – Das VCD-Magazin (2018):
https://www.fairkehr-magazin.de/archiv/2018/fk-05-2018/titel/fairkehr-infografik/
Abbildung 6: Marie Jacobi, www.visualrecording.de
LESSONS LEARNED. EINE ZWISCHENBILANZ IN STICHWORTEN
Abbildung 1: Jörg Kersten - medlay
77
Quellen / Anmerkungen
78
ISEK Münster 2030 | Baustein D: Die Stadtforenprozesse
79
ISEK Münster 2030 | Die Bausteine in der Übersicht
Baustein A:
Das ISEK in den MünsterZukünften –
Einführung und Übersicht
Dezember 2020
Baustein B:
Schlüsselpersonengespräche
Juli 2018
Baustein C:
Zehn Leitthemen für Münster
Februar 2019
Baustein D:
Die Stadtforenprozesse
März 2020
Baustein E:
Bilanz 2020: Räumliches Leitbild
Dezember 2020
Anlage A
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Anlage A zur V/0487/2021 Kurzüberblick Die Vorlage gibt einen Überblick über die zentralen Ergebnisse der MünsterZukünfte und deren Verwendung. Die MünsterZukünfte umfassen einen außerordentlich breit angelegten und sehr vielfältigen Beteiligungsprozess im Rahmen der Szenarioanalyse 2030/2050, des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes Münster 2030 (ISEK 2030) und von Gutes Morgen Münster mit den Beteiligungsprojekten „Zukunftsspaziergänge“, „Vielfalt machen“, „#stadtsache“. Ziele/Teilziele/Zielerreichung Der Zukunftsprozess greift die u. g. Leitorientierungen aus dem ISM -Prozess auf und setzt diese im Rahmen der Szenarioanalyse 2030/2050 und des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes Münster 2030 in Wert. Das im ISM -Prozess erarbeitete Profil „Wissenschaft und Lebensart“ ist dabei grundsätzlich bestätigt worden. Weitere Themen wurden stärker konturiert wie z.B. „Müns- tersche Stadt -Landschaft“, „Vielfalt der Stadtteile“ und „Münster -Werte“ oder sind neu hinzuge- kommen wie z.B. „Digitalisierung findet Stadt“ und „Münster und seine regionalen Partnerinnen und Partner“. Leitorientierungen aus dem ISM-Prozess: Wir werden einer der führenden Bildungs -, Wissenschafts-, Forschungs- und Entwicklungs- standorte in Europa Wir werden als W irtschaftsstandort die Stadt des dynamischen Mittelstandes in Nordrhein - Westfalen Wir werden als ein kulturelles Zentrum unseres Landes Projekte mit internationaler Ausstrah- lung entwickeln Wir wollen das Zentrum für Verwaltungen und Institutionen sowie für öffentliche und private Dienstleistungen in Westfalen bleiben und an ihrer Modernisierung aktiv mitwirken Wir werden das unverwechselbare Stadtbild bewahren und die City als Ort der Begegnung, als Marktplatz und als Motor der Stadtentwicklung stärken Wir werden Münster zu einer Stadt mit höchster Lebens - und Erlebnisqualität weiterentwi- ckeln: mit hoher Umwelt- und Naturqualität mit breitem Freizeit- und Sportangebot mit hohem Wohnwert, Familienfreundlichkeit und sozialer Balance in der Stadtgesellschaft Wir werden Münster auf der Basis unserer Geschichte und des Prinzips von „Toleranz durch Dialog“ zu einer weltoffenen Stadt weiterentwickeln Finanzierung Produktgruppe: 09.01. Stadt- und Regionalentwicklung, Stadtplanung Auswirkungen auf den Ergebnisplan Ja X Nein Auswirkungen auf den Finanzplan Ja X Nein Im beschlossenen (Nachtrags-)Haushaltsplan JJJJ enthalten? Ja X Nein teilw. Im Entwurf des (Nachtrags-)Haushaltsplan JJJJ enthalten? Ja X Nein teilw. Belastungen in zukünftigen HH-Jahren? Ja X Nein Bereits veranschlagt? Ja X Nein Pflichtigkeitsgrad Die Maßnahme/Leistung ist vollständig pflichtig X überwiegend pflichtig überwiegend freiwillig vollständig freiwillig Integrierte Stadtentwicklungskonzepte sind verpflichtende Grundlage für die Einwerbung von Städtebaufördermitteln. Auf Basis des ISEK 2030 können teilräumliche Konzepte für die unter- schiedlichen Förderschienen abgeleitet und qualifiziert werden. Zudem bereitet das ISEK 2030 mit seinen teilräumlichen Leitthemen die Schaffung von Planungsrecht für Investitionsvorhaben vor. Integrierte Stadtentwicklungskonzepte sind laut Vorgaben unter angemessener Beteiligung der Einwohnerinnen und Einwohner sowie der Akteure der Stadtgesellschaft zu erarbeiten. Art und Umfang der Öffentlichkeitsbeteiligung sind jedoch in dem gesetzten Rahmen der Vorgaben ge- staltbar. Unmittelbare, grundsätzliche Relevanz für Querschnittsthemen (Demographie, Gleichstellung, Inklusion, Klimaschutz, Migration) Die MünsterZukünfte haben sowohl bei den Beteiligungsprozessen als auch bei der inhaltlichen Arbeit die Querschnittsthemen umfänglich berücksichtigt. Dabei sei auf folgende Punkte verwie- sen, die in der Begründung zur Vorlage weiter ausgeführt werden: Gutes Morgen Münster mit über 400 Projekten, die sich auch auf Demographie, Inklusion und Migration beziehen. Wettbewerbe „Zukunftsspaziergänge“ und „Vielfalt machen“ sowie crossmediales Beteili- gungsprojekt „#stadtsache“, die Aspekte der Demographie, der Gleichstellung, der Inklusion sowie von Migration berücksichtigen. Integriertes Stadtentwicklungskonzept 2030, das bei allen Leitthemen grundsätzlich die o.g. Querschnittsthemen berücksichtigt, zumal dies Vorgabe der Städtebauförderung ist. Beson- ders hervorzuheben sind die teilräumlichen Leitthemen „Vielfalt der Stadtteile“, „Innenstadt ist mehr …“, „Urbane Wissensquartiere“ und „Münstersche Stadt-Landschaft“, wo die Quer- schnittsthemen im konkreten räumlichen Kontext integriert bearbeitet werden. Inhaltlich ist in diesem Kontext insbesondere auch auf die besondere Bedeutung des Leitthemas „Vielfalt und Sozialer Zusammenhalt/Stadt in der sozialen Balance“ zu verweisen.
Anlage_3_E_V_0487_2021_ISEK_Baustein_E_Bilanz_Rauemliches_Leitbild
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Dezernat für Planung, Bau und Wirtschaft Integriertes Stadtentwicklungskonzept Münster 2030 ISEK MÜNSTER 2030 Baustein E: Bilanz 2020: Räumliches Leitbild Anlage 3 E zur Vorlage V/0487/2021 Impressum AUFTRAGGEBERIN Stadt Münster vertreten durch Dezernat für Planung, Bau und Wirtschaft Stadtbaurat Robin Denstorff Stadtplanungsamt Stabsstelle »Strategische Stadtentwicklung, Wissenschaftsstadt« Albersloher Weg 33 48155 Münster Ansprechpartner: Prof. Dr. Thomas Hauff, Marc Gottwald-Kobras Münster Marketing Wissenschaftsbüro, Projektbüro MünsterZukünfte 20 | 30 | 50 Klemensstraße 10 48143 Münster Ansprechpartner: Dr. Matthias Schmidt, Dominik Czeppel Weiterführende Informationen: www.stadt-muenster.de/zukuenfte und www.zukunft-muenster.de EXTERNES PLANUNGSTEAM scheuvens + wachten plus Friedenstraße 18 44139 Dortmund NetzwerkStadt GmbH Auf dem Hilf 50 58239 Schwerte M.Sc. Ronja Decker M.Sc. Susann Hollbach B.A. Christoph Schökel Prof. Dr.-Ing. Klaus Selle Prof. Kunibert Wachten Münster/Dortmund/Schwerte, Dezember 2020 Inhalt BAUSTEIN E – BILANZ 2020: RÄUMLICHES LEITBILD Vorspann 4 Prozessschema 6 Räumliche Aussagen und Bezüge der Leitthemen 8 Urbane Wissensquartiere 10 Innenstadt ist mehr ... 24 Vielfalt der Stadtteile 36 Münstersche Stadt-Landschaft 44 Raumbezüge der weiteren Leitthemen 52 Zusammenführung und nächste Schritte 56 Das Räumliche Leitbild 58 Räumliche Schwerpunkte der Stadtentwicklung ... 61 ... integriert weiter bearbeiten 66 Quellen / Anmerkungen 68 4 ISEK Münster 2030 | Baustein E: Bilanz 2020: Räumliches Leitbild Vorspann Das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK Münster 2030) ist T eil eines laufen- den Prozesses, in dem sich die Stadt mit aktuellen und zukünftigen Aufgaben ausein- andersetzt: Diese »MünsterZukünfte 20 | 30 | 50« umfassen mehrere, untereinander verbundene Arbeitsstränge (Abb. S. 6/7) – mit langfristigen Szenarien, Bürgerumfra- gen, intensiven Dialogen in und mit der Stadtgesellschaft sowie der Erarbeitung eines Integrierten StadtentwicklungskonzeptesA. Mit diesem ISEK Münster 2030 soll ein Orientierungsrahmen für die Entwicklung der wachsenden Stadt Münster im nächs- ten Jahrzehnt geschaffen werden. Zugleich entsteht so eine wichtige Voraussetzung für die zukünftige Inanspruchnahme von Städtebauförderungsmitteln. Die Erarbeitung dieses Konzeptes wird in einer fünfteiligen Berichterstattung doku - mentiert. Sie umfasst: • Baustein A: Das ISEK in den MünsterZukünften – Einführung und Übersicht • Baustein B: Schlüsselpersonengespräche • Baustein C: Zehn Leitthemen für Münster • Baustein D: Die Stadtforenprozesse • Baustein E: Bilanz 2020: Räumliches Leitbild In dem hier vorliegenden Baustein E geht es insbesondere darum, in Form einer Bilanz aus räumlicher Sicht den erreichten Erarbeitungsstand als Grundlage für die weiterführenden Planungs- und Umsetzungsschritte transparent darzustellen. Integrierte Stadtentwicklung im Kontext der MünsterZukünfte ist ein fortlaufender Prozess. Insofern erfolgt bereits parallel die Umsetzung von Maßnahmenprogram - men in zentralen Leitthemen (»Urbane Wissensquartiere«, »Vielfalt der Stadtteile«, »Innenstadt ist mehr«, »Digitalisierung findet statt«, »Facetten ökonomischer Stär - ke«). So wird die Arbeit durch die Umsetzungsimpulse unmittelbar fortgesetzt. Im Folgenden werden die vorliegenden raumbezogenen Aussagen des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes zu einem Leitbildentwurf auf gesamtstädtischer Ebene verdichtet. Nur in räumlicher Perspektive lassen sich die Flächenansprüche, die sich aus der wachsenden Stadt ergeben, nachhaltig und »münsterspezifisch« miteinander in Beziehung setzen und die Zielkonflikte abgewogen lösen. Darüber hinaus erwei - sen sich vier Leitthemen für integrierte raumbezogene Aussagen besonders prädesti- niert: »Vielfalt der Stadtteile«, »Urbane Wissensquartiere«, »Innenstadt ist mehr …«, »Münstersche Stadt-Landschaft«. Mit dem Leitthema »Münster und seine Nachbarn« ist dann auch die räumliche Bündelung auf stadtregionaler, regionaler und euregio - naler Ebene sichergestellt. Die integrierten Leitthemen »Leistbares Wohnen«, »Stadtverträgliche Mobilität«, »Facetten ökonomischer Stärke« und »Digitalisierung findet Stadt« sowie »Vielfalt A Über die MünsterZukünfte 20 | 30 | 50 wird laufend im Internet berichtet: www.zukunft-muenster.de 5 Vorspann und sozialer Zusammenhalt« werden im Rahmen der räumlichen Bündelung auf den unterschiedlichen Ebenen integriert einbezogen. Hier lassen sich weitere Funk - tionen wie z. B. Kultur und Sport mit ihren räumlichen Auswirkungen berücksich - tigen. Insbesondere wird auf räumlicher Ebene auch die Umsetzung von Münsters Nachhaltigkeitsstrategie 2030 und der umfassenden Programme und Aktivitäten zu Klimaschutz und Klimaanpassung unterstützt. AUFBAU BAUSTEIN E In der Bilanz 2020 werden, wie oben erläutert, vor allem raumbezogene Aussagen des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes dargestellt und in einem ersten räumlichen Leitbild verdichtet. Dabei stehen vier Leitthemen, die in besonderer Weise Raumbe - züge aufweisen – »Urbane Wissensquartiere«, »Innenstadt ist mehr«, »Vielfalt der Stadtteile« und »Münstersche Stadt-Landschaft« – zunächst im Vordergrund. Für sie werden jeweils nach einer kurzen Einführung zuerst • zentrale Eckpunkte abgeleitet, die für die zukünftige Auseinandersetzung mit dem Thema Orientierung geben, • Raumbezüge sichtbar gemacht, die zugleich Elemente des räumlichen Leitbildes sind, • Schnittstellen zu weiterführenden Prozessen aufgeführt sowie • wesentliche Aspekte mit Blick auf die weitere Arbeit in diesem Handlungsfeld knapp zusammengefasst. Hieran schließt sich eine summarische Zusammenstellung der Raumbezüge weite - rer Leitthemen an, die ebenfalls in die Bilanz 2020 einfließen. Im Mittelpunkt des zweiten Abschnittes steht dann die Darstellung des räumlichen Leitbildes in Plan und T ext. Sie wird ergänzt durch eine Übersicht zu den – derzeit bereits beschlossenen und in näherer Zukunft absehbaren – »Räumlichen Schwer- punkten der Stadtentwicklung«. Wie die grafische Darstellung des ISEK-Prozesses verdeutlicht, sind zu allen Leitthe - men bereits nächste Schritte in Gang gesetzt oder laufende Aktivitäten in den Prozess integriert worden (vgl. nächste Doppel seite, letzte Spalte). Das gilt besonders ausge - prägt für die »Urbanen Wissensquartiere«, die »Vielfalt der Stadtteile« und »Innen - stadt ist mehr ...«, aber auch in den anderen Handlungsfeldern gibt es zahlreiche planerische und umsetzungsbezogene Aktivitäten unterschiedlicher Art. Diese dynamische Weiterentwicklung findet in den Darstellungen zu den verschiede- nen Handlungsfeldern ebenso ihren Ausdruck wie die unterschiedlichen Schnittstel- len zwischen gesamtstädtischem Konzept und nachgelagerten bzw. teilräumlichen Planungen (z. B. in den Stadtteilentwicklungskonzepten). Zugleich werden damit Zweck und Funktion einer auf raumbezogene Aspekte gerich- teten Bilanz unterstrichen, gilt es doch, Leitthemen übergreifend Zusammenhänge im Raum sichtbar zu machen und somit eine Grundlage für die weitere integrierte Arbeit an Münsters Stadtentwicklung zu schaffen. 6 ISEK Münster 2030 | Baustein E: Bilanz 2020: Räumliches Leitbild Abbildung 1: Prozessschema zu den drei Strängen der MünsterZukünfte BÜRGERUMFRAGE (2018) ISEK- Dokumentation BAUSTEIN B: »Schlüssel- personengespräche« BAUSTEIN C: »Zehn Leitthemen für Münster« BAUSTEIN D: »Die Stadtforen- prozesse« BAUSTEIN A: »Einführung und Übersicht« BAUSTEIN E: »Bilanz 2020: Räumliches Leitbild« WEITERFÜHRENDE SCHRITTE ... GRUND- LAGEN- ERMITTLUNG SCHLÜSSEL- PERSONEN- GESPRÄCHE ENTWICKLUNG DER LEITTHEMEN ERÖRTERUNG DER LEITTHEMEN EINE SZENARIOANALYSE FÜR DIE ZUKUNFTSHORIZONTE 2030 / 2050 SZENARIO- ANALYSE / BÜRGER- UMFRAGE GUTES MORGEN MÜNSTER Urbane Wissensquartiere Innenstadt ist mehr ... Münstersche Stadt-Landschaft Vielfalt der Stadtteile Münster und seine Nachbarn Digitalisierung findet Stadt Facetten ökono- mischer Stärke Vielfalt und sozialer Zusammenhalt Stadtverträgliche Mobilität Leistbares Wohnen Masterplan Mobilität 2035+, S-Bahn Münsterland, Velo- routen, Radverkehrskonzept 2.0 ... Integrierte Handlungskonzepte (u.a. Soziale Stadt) für Kinderhaus-Brüningheide, Coerde, Berg Fidel ... Gewerbeflächenentwicklungskonzept, Standortentwicklungs- strategie, Zukunftsquartiere für Wohnen und Arbeiten ... Smart City Allianz, Smarte Quartiere Oxford und York, Smart Parking, WDR-Neubau ... Umsetzung MONT , Partnerschaft Enschede, Münster- land-Strategie, Umsetzung stadtregionaler Kontrakt ... zahlreiche Stadtteilentwicklungskonzepte, Ausbau Quar- tiersmanagement, Stärkung Ortsteilmitten u. Dritte Orte ... Integriertes Handlungskonzept Innenstadt, Entwicklungen: Martiniviertel / Hörster Parkplatz, Hafen, Schlossareal ... Integrierte Freiflächen- und Siedlungsstrategie, Landwirtschaftsbeauftragte(r) ... Baulandprogramm, SoBoMü, Stärkung Vergabe Erbbau- recht, Konzeptvergabe, Neue urbane Stadtquartiere ... Wissenschaftsstadt der Zukunft: Internat. Ideenwerkstatt, Masterplanung, Konkretisierung von Bauvorhaben ... FÜR BAUSTEIN E INTEGRIERTES STADTENTWICKLUNGS- KONZEPT WETTBEWERB: VIELFAL T MACHEN ZUKUNFTS- SPAZIERGÄNGE #STADTSACHEZUKUNFT . ZUHAUSE. MÜNSTER 7 Prozessschema BÜRGERUMFRAGE (2018) ISEK- Dokumentation BAUSTEIN B: »Schlüssel- personengespräche« BAUSTEIN C: »Zehn Leitthemen für Münster« BAUSTEIN D: »Die Stadtforen- prozesse« BAUSTEIN A: »Einführung und Übersicht« BAUSTEIN E: »Bilanz 2020: Räumliches Leitbild« WEITERFÜHRENDE SCHRITTE ... GRUND- LAGEN- ERMITTLUNG SCHLÜSSEL- PERSONEN- GESPRÄCHE ENTWICKLUNG DER LEITTHEMEN ERÖRTERUNG DER LEITTHEMEN EINE SZENARIOANALYSE FÜR DIE ZUKUNFTSHORIZONTE 2030 / 2050 SZENARIO- ANALYSE / BÜRGER- UMFRAGE GUTES MORGEN MÜNSTER Urbane Wissensquartiere Innenstadt ist mehr ... Münstersche Stadt-Landschaft Vielfalt der Stadtteile Münster und seine Nachbarn Digitalisierung findet Stadt Facetten ökono- mischer Stärke Vielfalt und sozialer Zusammenhalt Stadtverträgliche Mobilität Leistbares Wohnen Masterplan Mobilität 2035+, S-Bahn Münsterland, Velo- routen, Radverkehrskonzept 2.0 ... Integrierte Handlungskonzepte (u.a. Soziale Stadt) für Kinderhaus-Brüningheide, Coerde, Berg Fidel ... Gewerbeflächenentwicklungskonzept, Standortentwicklungs- strategie, Zukunftsquartiere für Wohnen und Arbeiten ... Smart City Allianz, Smarte Quartiere Oxford und York, Smart Parking, WDR-Neubau ... Umsetzung MONT , Partnerschaft Enschede, Münster- land-Strategie, Umsetzung stadtregionaler Kontrakt ... zahlreiche Stadtteilentwicklungskonzepte, Ausbau Quar- tiersmanagement, Stärkung Ortsteilmitten u. Dritte Orte ... Integriertes Handlungskonzept Innenstadt, Entwicklungen: Martiniviertel / Hörster Parkplatz, Hafen, Schlossareal ... Integrierte Freiflächen- und Siedlungsstrategie, Landwirtschaftsbeauftragte(r) ... Baulandprogramm, SoBoMü, Stärkung Vergabe Erbbau- recht, Konzeptvergabe, Neue urbane Stadtquartiere ... Wissenschaftsstadt der Zukunft: Internat. Ideenwerkstatt, Masterplanung, Konkretisierung von Bauvorhaben ... FÜR BAUSTEIN E INTEGRIERTES STADTENTWICKLUNGS- KONZEPT WETTBEWERB: VIELFAL T MACHEN ZUKUNFTS- SPAZIERGÄNGE #STADTSACHEZUKUNFT . ZUHAUSE. MÜNSTER Räumliche Aussagen und Bezüge der Leitthemen des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts Münster Aufbauend auf den vorbereitenden fachlichen Arbeiten, Abstimmungsprozessen, Verwal - tungswerkstätten und Stadtforen (vgl. insbesondere Baustein D) werden im Folgenden die räumlichen Leitthemen des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts näher betrachtet: • Urbane Wissensquartiere – Durchmischt und funktionsgerecht • Innenstadt ist mehr … – Eine weitergefasste Perspektive • Vielfalt der Stadtteile – Fit für den Alltag, fit für die Zukunft • Münstersche Stadt-Landschaft – Siedlung und Freiraum in der Balance In diesem Abschnitt werden – wie eingangs beschrieben – für diese vier räumlichen Leitthe- men jeweils zentrale Eckpunkte abgeleitet, die für die zukünftige Auseinandersetzung mit dem Thema Orientierung geben, Raumbezüge sichtbar gemacht, die zugleich Elemente des räumlichen Leitbildes sind, Schnittstellen zu weiterführenden Prozessen aufgeführt sowie wesentliche Aspekte mit Blick auf die weitere Arbeit in diesem Handlungsfeld knapp zusam- mengefasst. Darauf folgt eine summarische Zusammenstellung der Raumbezüge weiterer Leitthemen, die ebenfalls in die Bilanz 2020 einfließen. Münstersche Stadt-Landschaft Stadtverträgliche Mobilität Vielfalt und sozialer Zusammenhalt Münster und seine Nachbarn Facetten ökonomischer Stärke Digitalisierung findet Stadt Vielfalt der Stadtteile Urbane Wissensquartiere Leistbares Wohnen Innenstadt ist mehr... 10 ISEK Münster 2030 | Baustein E: Bilanz 2020: Räumliches Leitbild »Urbane Wissensquartiere – Durchmischt und funktionsgerecht« Westfälische Wilhelms-Universität, Universitätsklinikum, Fachhochschule und die zahl- reichen weiteren Hochschulen spielen für die Stadtentwicklung Münsters in vielerlei Hinsicht eine prägende Rolle. Dies spiegelt sich auch in der engen und langjährigen Zusammenarbeit zwischen den wissenschaftlichen bzw. hochschulnahen Institutionen und der Stadt Münster wider. Ein von Universität, Uniklinikum, FH, BLB (Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes NRW), Studierendenwerk und Stadt Münster un - terzeichneter »Letter of Intent« umfasst die gemeinsamen Ziele einer strategischen und räumlichen Gesamtentwicklung. Dafür hat die Stadt Münster einen besonderen Prozess angestoßen: Im Rahmen einer »Internationalen Ideenwerkstatt« wurden Kon- zepte erarbeitetet, die darauf zielen, die bislang überwiegend monofunktionalen Hoch- schulstandorte zu urbanen Quartieren weiter zu entwickeln und ihre Integration in die Gesamtstadt zu stärken. Der Prozess unterstrich zudem auch in der Öffentlichkeit die große Bedeutung der Wissenschaftseinrichtungen für die Stadtentwicklung Münsters. Nächste gemeinsame Schritte sind bereits in vollem Gange. Das gilt sowohl für über - greifende Planungen wie für die Konkretisierung und Umsetzung baulicher Maßnah - men. So fließen die Ergebnisse bereits in aktuelle Projekte wie den Forschungscampus Ost des UKM und den geplanten »Mathe-Campus« der WWU Münster ein. EINFÜHRUNG Mit Münster ist das Bild einer Hochschul- und Studierendenstadt unlösbar verbun - den. Dies gilt für den Blick von außen wie für die Sicht von innen gleichermaßen. Die jüngst durchgeführte Bürgerumfrage belegt, dass der Universität und den weiteren Hochschulen für die Zukunft der Stadt eine hochrangige Bedeutung zugeschrieben wird. »Die Hochschulen sind das Elixier für die Stadt.« So lautet eine weit verbreitete Meinung in der Münsteraner Stadtgesellschaft. Die Westfälische Wilhelms-Universität (WWU) ist die fünftgrößte deutsche Univer - sität. Sie allein bildet zurzeit mit dem Universitätsklinikum (UKM) zusammen rund 45.000 Studierende aus. Beide haben eine herausragende Bedeutung als Arbeitgeber. Zusammen mit den weiteren Hochschulen, allen voran die FH Münster, hat Münster rund 65.000 Studierende insgesamt und gehört damit in den Kreis der europäischen Städte mit dem höchsten Studierendenanteil. Die Universität und die FH Münster besitzen auch in der Forschungslandschaft eine hohe Reputation. Die WWU hat 2018 den Zuschlag für zwei »Exzellenzcluster« erhalten und verfolgt die Strategie »Exzel - lenz integriert«: Lehre, Forschung und Wissenstransfer in die Stadtgesellschaft wer - den als unlösbarer Zusammenhang gesehen und die Wechselbeziehung zwischen Universität und Stadt hervorgehoben. Die Leistungsstärke in verschiedenen For - schungsfeldern besitzt auch eine Sogkraft für die Wirtschaft. Zahlreiche Unterneh - men und Institute wie Max-Planck-Institut, Fraunhofer-Gesellschaft, Nano-Bioanaly- tik-Zentrum und weitere mehr suchen die Nähe zur Universität und zur FH Münster und den Austausch mit ihren forschungsintensiven Einrichtungen. Diese Nachfrage hat in der Nachbarschaft zu den außen liegenden Standorten der Universität und der FH Münster den Aufbau des T echnologie- und des Wissenschaftsparks begründet, 11 die sich insbesondere in den letzten Jahren gut entwickelt haben. Die Stärke des Wissenschaftssektors zeigt sich im Leben und in der Kultur der Stadt und zeichnet sich in der Wirtschaftsstruktur ab. Fast ein Viertel der inneren StadtA ist von Standorten der Universität und der Hochschulen belegt und städtebaulich wie nutzungsstrukturell geprägt. Münster wirbt in seinem Signet zu Recht mit »Wissenschaft und Lebensart«. Beides ist im Alltag der Stadt präsent. Und Beides steht heute in enger Beziehung: Die At - traktivität einer Stadt hat einen wachsenden Einfluss auf die Frage, wo jemand stu - dieren, lehren und forschen will. Und die Stadt bezieht Vorteile aus der vielfältigen Präsenz der wissenschaftlichen Institutionen und der Menschen, die hier tätig sind. Die Stadt Münster und die ansässigen wissenschaftlichen Institutionen wissen um diese enge wechselseitige Beziehung. Sie sind aufeinander angewiesen und profitie - ren voneinander. Seit mehr als einem Jahrzehnt wird deshalb eine intensive Zusam - menarbeit zwischen den relevanten Akteuren der Hochschulen, der Stadt und der Wirtschaft gepflegt. Die »Allianz für Wissenschaft« ist eine solche Kooperationsplatt- form. Ziel ist es, den Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Münster auszubauen und zu stärken, um im internationalen Wettbewerb konkurrenzfähig zu sein. Zentrale Anliegen der Stadt- und der Hochschulentwicklung sollen künftig noch en - ger abgestimmt und verzahnt werden. Im September 2018 wurde dazu ein »Letter of Intent« unterzeichnet, in dem sich u. a. WWU, Universitätsklinikum, FH Münster, BLB NRW , Studierendenwerk und Stadt Münster auf das Ziel einer gemeinsam ge - tragenen, strategischen und räumlichen Gesamtentwicklung verständigt haben. Die zentralen Fragen, die sich daraus ergeben, machen den Stellenwert für die Entwick - lung Münsters deutlich und unterstreichen die Bedeutung des Leitthemas »Urbane Wissensquartiere«, das im Kontext des »Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes 2030« als ein zentrales Handlungsfeld der Zukunft identifiziert wurde: • »Was sind die Anforderungen an die Wissensquartiere von morgen?« • »Welche urbane Qualität muss das Campusleben im 21. Jahrhundert aufwei - sen?« • »Welches Umfeld ist erforderlich, damit Forschung und Lehre in Münster die besten Rahmenbedingungen für die zukünftige Entwicklung vorfinden?« • »Wie lassen sich neue Nutzungen, wie Wohnen, Gastronomie, Nahversorgung und Kultur so integrieren, dass dadurch mehr Vielfalt und Urbanität entste - hen?« Der im »LoI« zum Ausdruck gebrachte Abstimmungs- und Kooperationswille der Akteure belegt, dass bei allen Stärken auch Potenziale und erhebliche Aufgaben der Zukunftsgestaltung gesehen werden. Die Notwendigkeit eines Masterplans, eines integrierten Konzeptes für die »Quartiere des Wissens« findet über den Kreis des »Letter of Intent« hinaus Zustimmung. Aus den Ergebnissen von Arbeitswerkstätten mit den Partnerinnen und Partnern des »LoI« wurden erste Eckpunkte eines Master- Leitthema: Urbane Wissensquartiere A Vgl. zum Begriff der »inneren Stadt« Baustein C. 12 ISEK Münster 2030 | Baustein E: Bilanz 2020: Räumliches Leitbild Abbildung 1: Bereits geplante Maßnahmen und Entwicklungsschwerpunkte der »Letter of Intent« Partnerin - nen und Partner plans abgeleitet. Diese flossen auch in die Internationale Ideenwerkstatt »Zukunft der Wissenschaftsstadt«B ein, die im Herbst 2019 initiiert wurde. ZENTRALE ECKPUNKTE Diese Eckpunkte dokumentieren den gemeinsamen Gestaltungswillen der Unter - zeichner und Unterzeichnerinnen des »Letter of Intent« und bringen die Entwick - lungserfordernisse und -potenziale zum Ausdruck. Konzeptionelle Eckpunkte Masterplan: Wichtiges Instrument der Gesamtentwicklung der »Urbanen Wissens - quartiere« ist ein Masterplan, der sowohl die mittel- und langfristigen weiteren Flä - chenentwicklungen und ihre städtebauliche Qualifizierung (beispielsweise in den Räumen jenseits des Straßenzugs Austermannstraße und Busso-Peus-Straße) als auch die notwendigen Interventionen in die bestehenden Lagen beschreibt. Neben der strategischen Ausrichtung muss ein Gesamtkonzept »Urbane Wissensquartiere« auch für kurzfristige Maßnahmen einen Rahmen bilden. Denn Münster blickt auf ein großes Investitionsvolumen voraus: Weit über eine Milliarde Euro werden in den kommenden zehn Jahren in den Wissenschaftsstandort Münster fließen. Der Mas - terplan muss sich als Planwerk verstehen, das ein mittel- und langfristig orientiertes Richtungsprogramm und ein kurzfristig ausgerichtetes Handlungskonzept vereint. Urbane Wissensquartiere im Plural: Der von Wissenschafts- und T echnologieeinrich- tungen geprägte nordwestliche Bereich des Plangebiets zeigt ein sehr heterogenes Bild mit einer Vielzahl von Standorten, denen es teilweise an Verbindungen unterein- ander mangelt. Eine stadträumliche und funktionale Einheit ist nicht vorhanden und lässt sich ohne weiteres nicht erzeugen. Deshalb lautet das Leitthema bewusst im Plu- ral: Urbane Wissensquartiere. Diese gilt es, durch Raumbildung und Nutzungsvielfalt zu qualifizieren und zu jeweils attraktiven Standorten zu machen und ihnen eine eigene Atmosphäre zu verleihen. Eine Strategie der Profilierung und Qualifizierung der einzelnen Quartiere verlangt eine raum- und gestaltwirksame Verknüpfung, ein stadträumliches »Passepartout«. Dies soll vorrangig durch freiraumplanerische und infrastrukturelle Maßnahmen erreicht werden. Diese Strategie entspricht auch den vorliegenden Entwicklungskonzepten der WWU, des Uniklinikums, der FH Müns - ter und des Studierendenwerks, die standortbezogene Aufwertungen und Weiterent- wicklungen anstreben. Nutzungsmischung: Die Hochschul- und Wissenschaftsquartiere sollen – als Schlüs- sel für lebendige Stadträume – eine größere Nutzungsmischung aufweisen. Mehr Wohnen und Versorgungsangebote für den täglichen Bedarf stehen dabei generell im Vordergrund. Für den Anspruch der Nutzungsvielfalt und der Lebendigkeit ist auf die Nutzung der Erdgeschosse ein besonderes Augenmerk zu legen. Die Erdgeschos- se des Gebäudebestandes der Hochschulen sollen bei Modernisierung oder Umbau B Weitere Informationen zur Ideenwerk- statt online unter https://www.zukunft-muenster.de/ ideenwerkstatt/#dokumentation 13 Entwicklung Hüffercampus Sanierung Hüfferstiftung, Neubau WWU-Campus der Religionen, Neubau FH-Gebäude der Fachbereiche Sozial- wesen und Gesundheit Leonardo Campus _Stärkung und Erweiterung des Standortes Leoland / Leos Gate _privates Studierendenwohnen _Co-Working, Co-Living Fachhochschul- zentrum _Stärkung und Profilierung Alexander-von- Humboldt-Haus _Science-Inkubator Innenstadt _Modernisierungsstau beheben _Entwicklung neues Bibliotheks- konzept Neuorganisation NWZ _Standortprofilierung _Modernisierung und Umbau _Aufwertung öffentl. Räume _Nutzungsmischung im EG Wissenschaftspark _Ausbau des Wissenschaftsparks _Stärkung der Urbanität und Funktionsvielfalt ehem. Institut für pharma- zeutische Chemie _Standortaufgabe _LOI-Musikcampus Stadt / Universität Mathe-Campus _Neuordnung und Ersatzneubauten Schlossareal _Modernisierung Schloss _Profilierung als Zentrum der WWU Standortaufgabe Fliedner- straße (Psychologie) Museumsmeile _Profilierung räumlicher und thematischer Zusammenhänge _Transfer Wissenschaft/Stadt Botanicum - Haus des Studiums _Umnutzung und Umbau zum Servicezentrum für Studierende Mensa am Aasee _Stärkung multifunktionaler Nutzbarkeit Institute für Soziologie und Politikwissenschaften _Standortprofilierung Bibliothek Sozialwissenschaften _Standortprofilierung Neuorganisation Zentralklinikum _Umbau und Erweiterung _Umorganisation Parken und Logistik Errichtung Forschungs- campus Ost Errichtung Forschungs- campus West Rudolf-Harbig-Weg _Nachverdichtungsprojekt Errichtung Studieren- denwohnungen & KiTa Entwicklungsperspektive Wohnquartier Neubau Bildungs- zentrum Erweiterung Wissenschaftspark Quartier des 21. Jahrhunderts & Erweiterung Technologiepark Erweiterung Studieren- denwohnanlage Katholischer Studierenden- campus _studentisches Wohnen Leitthema: Urbane Wissensquartiere WWU Studierendenwerk FH Wissenschaftspark Vorhaben Dritter UKM Stadt Münster Stand: Juni 2020 14 ISEK Münster 2030 | Baustein E: Bilanz 2020: Räumliches Leitbild daraufhin geprüft werden, ob sie andere Nutzungen aufnehmen können. Bei Neu - bauten soll von vornherein die mögliche Ausstrahlung der Erdgeschosse mit bedacht werden. Hier können Serviceangebote, Dienstleistungen, Kultur- und Sporteinrich - tungen und Gastronomie Platz finden. Die Anforderungen hoher Funktionalität für Forschungs- und Lehreinrichtungen dürfen dabei aber nicht infrage gestellt werden. Leistbares Wohnen: Der hochpreisige Wohnungsmarkt ist ein erhebliches Hemm - nis bei der weiteren Wohnungsversorgung der Studierenden und des Personals der Universität, UKM und der Hochschulen. Es muss deshalb sorgfältig geprüft werden, ob der vorhandene Bestand an Liegenschaften im öffentlichen Eigentum – vorrangig untergenutzte Flächen wie überdimensionierte Parkplätze und Straßenräume – für die Beseitigung dieses Engpasses herangezogen werden kann. Ebenso gilt es zu prü - fen, ob durch »Aufstocken« vorhandener Gebäude die Bodenpreise bei den Kosten weniger ins Gewicht fallen und nebenbei Mischnutzungen entstehen. Quartierskerne / Orte der Begegnung: Um die Leit-Idee räumlich und funktional hervorzuheben, sollten in den einzelnen »Wissensquartieren« kleine Plätze oder Mini-Parks als Kristallisationspunkte gebaut und ihnen nach Wiener Vorbild »Quar - tiershäuser« als Anker mit gemischten Nutzungen wie Nahversorgung, Gemein - schafts- und Arbeitsräumen, Labs, Wohnungen für Studierende zugeordnet werden (privatwirtschaftliches Projekt auf öffentlichem Grund, orientiert an dem »Aachener Modell« der Vergabe von Erbbaurechten für Private auf Landesliegenschaften, die nicht zwingend für Hochschulnutzungen benötigt werden). Diese Idee kommt auch dem Zugang der »Kaffeemaschinen« im Sinne von Orten zufälliger Begegnung, der von der ETH Zürich verfolgt wird, recht nahe. C Denn den multifunktionalen und informellen Orten kommt für den Austausch von Wissen und Erfahrung eine zuneh- mende Bedeutung zu. In diesem Kontext ist auch der Frage nach einer erweiterten Rolle der Mensen nachzugehen: Auch hier sollte das Prinzip »vielfältig, differenziert und kleinteilig« gelten. Nutzungsüberlagerung: Viele Flächen sind nur minderwertig genutzt, ob als Park - platzflächen, als Restflächen oder mit eingeschossiger Bebauung. Auch die zeitliche Nutzung von Flächen und Räumen ist oftmals sehr eingeschränkt. In einer Zeit- und Flächenüberlagerung werden Potenziale für eine effizientere Ausnutzung und Auslastung vorhandener Flächen- und Raumressourcen gesehen. Zugleich geht mit räumlichen, funktionalen und zeitlichen Überlagerungen erfahrungsgemäß auch eine stärkere Belebung der Standorte einher. Mobilitätskonzept: Die Verbindungen zu den Standorten der Wissenschaft wie auch die der Wissenschaftsstandorte untereinander sollen künftig weniger autobasiert sein, um die vielfältigen Verkehrsbelastungen zu minimieren. Dafür gilt es, schnelle und komfortable Routen für den Rad- und den öffentlichen Verkehr auszubauen und an den C Vgl. hierzu Baustein D zu den Erörterungen im entsprechenden Stadtforum. 15 hoch frequentierten Standorten Mobilstationen anzubieten. Potenziale dafür liegen in überdimensionierten Straßenräumen (Corrensstraße, Mendelstraße, Apffelstaedtstra- ße), die eine Neuaufteilung oder eine Umwidmung erfahren sollten. Zudem sind die digitalen Möglichkeiten eines multimodalen Verkehrsmanagements auszuschöpfen. Aufwertung der öffentlichen Räume: Die »verstreuten« Standorte der Universität und der Hochschulen sowie auch des Wissenschafts- und des T echnologieparks sollen so- wohl räumliche »Kristallisationspunkte« mit Aufenthalts-, T reffpunkt- und Versor - gungsqualität erhalten als auch Verbindungen untereinander erfahren. Dazu gilt es, die öffentlichen Räume, die Straßenräume, Wegeverbindungen, Grünflächen und Parks gestalterisch und funktional deutlich aufzuwerten. So lässt sich auch ein erleb- barer Zusammenhang zwischen den einzelnen Standorten herstellen. Insbesondere die Magistralen (Steinfurter Straße, Von-Esmarch-Straße) bedürfen einer prägnan - ten Gestaltung als Alleen und einer klaren räumlichen Fassung. Einige Park- und Grünflächen sollen landschaftsarchitektonisch und -ökologisch aufgewertet werden (zum Beispiel: Landschaftspark Kinderbachtal, Grünflächen um den Schlossgarten herum, insbesondere an der Einsteinstraße, Flächen vor der Hautklinik). Es gilt auch, ein hohes Maß an Durchlässigkeit und vielseitigen Verknüpfungen durch Wege- und Grünverbindungen im Kleinen (zum Beispiel zur Verknüpfung von Wissenschafts- und T echnologiepark) zu schaffen. Schnittstellen: Das Miteinander der forschungsnahen Unternehmen mit den wis - senschaftlichen Einrichtungen soll im Sinne eines vermehrten Austauschs gefördert werden. Dafür bietet räumliche Nähe einen entscheidenden Vorteil, jedoch bedarf es auch einer »Verlinkung« von Aktivitäten auf technischer, sozialer und kultureller Ebe- ne, gegebenenfalls einer »Institutionalisierung« des T ransfers zwischen Wissenschaft und Unternehmen, der noch ausbaufähig erscheint. In diesem Zusammenhang ist auch die Weiterentwicklung des T echnologieparks und des Wissenschaftsparks in den Blick zu nehmen, da das Potenzial des T ransfers aus den Hochschulen in forschungs- nahe Unternehmen noch nicht ausgeschöpft ist. Organisatorische und prozessuale Eckpunkte Alle Projekte – und dieser Appell richtet sich an alle handelnden Partnerinnen und Partner des „LoI“ – sind von heute an hinsichtlich der generellen Entwicklungsziele zu qualifizieren und im Kontext anderer Projekte und des Umfeldes zu entwickeln (zum Beispiel: Modernisierung NWZ/Naturwissenschaftliches Zentrum Coesfelder Kreuz). Denn auch die kurzfristig anstehenden Projekte sollen als Ausgangspunkte für eine »Entwicklungs- und Gestaltungsoffensive« genutzt werden. Dafür bedarf es der Verständigung der Partner und Partnerinnen auf projektbezogene Qualitätsver - einbarungen. Neben mittel- und langfristig orientierten Maßnahmen gilt es vor allem, »Sofortmaß- nahmen« zu ermitteln, die unbedenklich in Hinblick auf Langfristentwicklungen heute schon umgesetzt werden können (zum Beispiel: Umwelttrasse/Radschnellweg Leitthema: Urbane Wissensquartiere 16 ISEK Münster 2030 | Baustein E: Bilanz 2020: Räumliches Leitbild Wilhelmstraße – Apffelstaedtstraße – Mendelstraße, Schnellbusroute vom Bahnhof zum Coesfelder Kreuz u. a.). Das Identifizieren von Projekten, die als »Entwicklungs- treiber« fungieren können (Freiraumgestaltung, Quartiershäuser, »einladender Rad- schnellweg« u. a.), ist dabei eine wichtige strategische Aufgabe. Für den weiteren Prozess ist ein Design zu entwickeln, das Ausstrahlung besitzt und Aufmerksamkeit erzeugt. Eine wichtiger Grundlage hat die Internationale Ideen - werkstatt Münster »Zukunft der Wissenschaftsstadt« erarbeiten können. In diesem Zusammenhang ist zu prüfen, ob im weiteren Vorgehen das Nutzen von Sonderfor - maten der Planung, Entwicklung und Durchführung – wie einer Bauausstellung – als Umsetzungsinstrumentarium für diese Aufgabe eine Hilfe ist und beschleunigend sein kann. Im Ergebnis bietet sich auf der Grundlage eines zu vereinbarenden »Qualitätsleit - fadens« ein einfaches Modell der Aufgabenverteilung an: Die WWU und die FH Münster gemeinsam mit dem Partner BLB, das Universitätsklinikum, das Studie - rendenwerk Münster und die weiteren Hochschulen qualifizieren im Rahmen ihrer Entwicklungskonzepte ihre Standorte, vor allem in Hinblick auf Raumbildung und Architekturqualität, Aufenthalts- und Begegnungsqualität und Nutzungsmischung. Und die Stadt sorgt für leistungsstarke Verbindungen der Standorte, für die Aufwer - tung der Adressqualität, die Qualifizierung der Frei- und Grünräume und für nach - haltige Mobilitätsformen. LEITBILDELEMENTE UND RÄUMLICHE ORIENTIERUNG Mit Abschluss der Internationalen Ideenwerkstatt D haben sich die Letter of Intent Partnerinnen und Partner – beraten durch die externen Experten Prof. Kees Christi - aanse, Rotterdam und Prof. Jörn Walter, Hamburg – über die zentralen Ergebnisse und weiteren Schritte verständigt. Zurzeit zeigen sich folgende Handlungsfelder, aus denen sich konkrete, auch kurzfristig umsetzbare Maßnahmen, mittelfristige Maß - nahmen und konzeptionelle Vertiefungen ableiten lassen. Diese gilt es, in Form eines Masterplans und projektbezogener Qualitätsvereinbarungen in eine konzeptionelle Gesamtaussage zu bringen und auf dieser Basis den bestehenden »Letter of Intent« fortzuschreiben: Verknüpfung: Altstadt – Schlossareal – Naturwissenschaftliche Institute / FH-Zent- rum/Universitätsklinikum/Wissenschafts- und T echnologiepark Die räumliche und funktionale Aufwertung der Verbindungen zwischen der Altstadt, dem Schlossareal und darüber hinaus in den Nordwesten der inneren Stadt ist eines der zentralen Maßnahmenpakete für eine verbesserte Einbindung der urbanen Wis - sensquartiere in den Stadtraum. Abbildung 2: Stadträumliches Konzept »Urbane Wissensquartiere« D Zur Dokumentation der Internatio - nalen Ideenwerkstatt s. S. 22 17 Leitthema: Urbane Wissensquartiere Umwelttrasse Quartiersentwicklungspotentiale möglicher Standort Musikcampus neue Gebäude Quartiershäuser Städtebauliche Dominanten Städteingänge Prüfauftrag Flächengestaltung Q ? Science Boulevard optionale Erweiterung Mobilityhubs (Platzierung noch zu prüfen)MH SofortmaßnahmenS Modernisierung / Neuordnung Nachverdichtungspotential Studierendenwerk Velorouten Magistralen Zusammenhang von Siedlungs- und Freiraumentwicklung grün geprägtes Rückgrat Allgemeine Wegeverbindungen mit Freiraumbezügen Radwegeverbindungen im Kontext der Altstadt Fußwegeverbindungen im Kontext der Altstadt Stand: August 2020 18 ISEK Münster 2030 | Baustein E: Bilanz 2020: Räumliches Leitbild Zum Beispiel: • Aktivierung aller auf das Schlossareal zulaufenden Altstadtstraßen: Überwasser - straße, Frauenstraße, Universitätsstraße und Bäckergasse, vor allem Gestaltung des Straßenraums und der Erdgeschosse in der Überwasserstraße ab dem Rosen- platz und in der Frauenstraße; • Fortführung der Verbindung der Überwasserstraße über den Kalkmarkt Richtung Schlossgraben/Kita St. Nikolaus/Überwasserfriedhof; • Prüfung der Aufgabe der Parkplätze südlich des Überwasserfriedhofs und der Kita St. Nikolaus; • Inwertsetzen der Grünbereiche nördlich des Schlossgrabens; • Prüfung einer vorrangigen Realisierung einer attraktiven Fuß- und Radwegever - bindung von der Überwasserstraße, nördlich des Schlossgrabens, Richtung Coes- felder Kreuz mit einer optimierten Querung des Rishon-le-Zion-Rings; • Prüfung der Entlastungs- und Reduzierungsmöglichkeiten der Hüfferstraße; • Inwertsetzen der Rad- und Fußwegeverbindungen durch die Robert-Koch-Straße; • Prüfung neuer Wegeführungen über den Schlossgraben zur Erhöhung der Durchlässigkeit des Schlossgartens im Einklang mit den denkmalpflegerischen Belangen; • Neubebauung des ehemaligen Standorts der Pharmazie mit einer offenen Be - bauung (evtl. Musik-Campus), welche die Bindegliedsfunktion nach Norden zu neuem Mathe-Campus und Blücher-Kaserne, nach Westen zum Coesfelder Kreuz respektive zum Forschungscampus Ost des UKM, nach Süden über die Hittorf - straße zum Hüffer-Campus und nach Osten über den Schlossgraben zum Schlos- sareal und zur Altstadt übernehmen kann. Aufwertung des Schlossplatzes Sollen die Verknüpfungen zwischen der Altstadt und den urbanen Wissensquartieren intensiviert werden und die Rolle des Schlosses als »Herzstück der Universität« noch weiter gestärkt werden, dann kommt der Aufwertung des Schlossplatzes – zusätzlich zur Beseitigung der bisherigen Mindernutzung und -gestaltung – eine wichtige Rolle zu. Zum Beispiel: • Verbreiterung des Geh- und Radwegs an der Altstadtseite des Schlossplatzes; • Gestaltung der Oberflächen; • klare östliche rand- und raumbildende Begrünung; • Prüfung Bebauung des Standortes Kalkmarkt; • Prüfung Bebauung des Parkplatzes südlich des »kleinen« Schlossplatzes; • Prüfung des Nutzungsbedarfs für die vorgenannten potenziellen Baustandorte; • Prüfung einer möglichen Reduktion/Aufgabe der Parkplatzangebote auf dem Schlossplatz. 19 Aufwertung der radialen Grünverbindungen Ein markantes Kennzeichen der Münsteraner Stadtstruktur sind die radialen Grün - verbindungen auf der Westseite der Inneren Stadt, über die fast lückenlose Verknüp- fungen der inneren Grünbereiche mit der offenen Landschaft hergestellt werden können. Dies gilt ähnlich für den Fächer an Straßen, die die Verbindungen Richtung Westen ausgehend vom Schlossplatz leisten. Zum Beispiel: • Alleeartige Gestaltung des Straßenfächers, ausgehend vom Schlossplatz, Hüffer- straße, Wilhelmstraße, Einsteinstraße, Steinfurter Straße, Von-Esmarch-Straße, Apffelstaedtstraße, Mendelstraße, Horstmarer Landweg; • Aufwertung des Landschaftsparks Kinderbach; • Prüfung des Nutzungsprofils der landwirtschaftlich genutzten Flächen nördlich des Landschaftsparks Kinderbachtal; • Prüfung des räumlichen Wechselspiels von Freiräumen und bebauten Räumen für die künftige Siedlungsentwicklung jenseits des Straßenzuges Austermann - straße/Busso-Peus-Straße; • Gestaltung der grünen Vorflächen entlang der von-Esmarch-Straße. Inneres Rückgrat »Science Boulevard« Attraktive Verbindungen zwischen den einzelnen Standorten der Universität, des Uni- versitätsklinikums, der FH Münster, des Wissenschafts- und des T echnologieparks zu entwickeln, ist eine notwendige Konsequenz, um den verstreuten, unverbundenen Lagen mehr Qualität zu verleihen und den Austausch zu verbessern. Zum Beispiel: • Rambla/Science Boulevard als durchgehende, fast alle Standorte verbindende Nord-Süd-Spange; • Prüfung der Längsausdehnung, insbesondere im Nordteil unter den liegenschaft- lichen Bedingungen im Bereich des Leonardo-Campus; • Prüfung der Möglichkeit der Fortsetzung von Rambla/Science Boulevard über die Domagkstraße hinaus von der Waldeyer Straße bis zum Aasee westlich des Kardinal-von-Galen-Rings; • Prüfung der Raumbildung, Oberflächengestaltung, Dimensionierung, veränder - ter Randnutzungen der Straßenräume; • Bestimmung funktionaler und räumlicher Knotenpunkte mit den radialen Ver - bindungen. Schwerpunktsetzung in der urbanen Akzentuierung Neben der Schaffung neuer, attraktiver Verbindungen zwischen den einzelnen Stand- orten der Wissenschaft und T echnologie gilt es auch, die Standorte selbst aufzuwer - ten, sie mit urbanen Räumen und gemischten Nutzungen zu einem selbstverständli- chen T eil der Stadt werden zu lassen. Leitthema: Urbane Wissensquartiere 20 ISEK Münster 2030 | Baustein E: Bilanz 2020: Räumliches Leitbild Zum Beispiel: • Herausheben eines Kernbereichs zwischen Mendelstraße – Apffelstaedtstraße – Wilhelmstraße und Von-Esmarch-Straße – Einsteinstraße (hohes Nachverdich - tungspotenzial, große institutionelle Vielfalt); • Erarbeitung eines baulichen und städtebaulichen Modernisierungskonzeptes Na- turwissenschaftliches Zentrum (NWZ) im Kontext der Entwicklungspotenziale des Gesamtraumes; • Überprüfung der Nachverdichtungspotenziale in diesem Bereich, Raumbildung durch Neubauten, Aktivierung von Bestandsbauten durch Belebung der Erdge - schosse und evtl. auch durch Aufstockung; • Neubebauung des Mathe-Campus mit stadträumlichen und funktionalen Aus - strahlungseffekten; • Gestaltung autofreier Zonen in den urbanen Schwerpunktbereichen (wie z. B. NWZ); • Prüfung der Grundstücks- und Flächenverfügbarkeiten auf der Zeitachse (z. B. Blücher-Kaserne). Quartiere und ihre Mittelpunkte Die urbanen Wissensquartiere brauchen lebendige Mittelpunkte. Nicht an jedem Standort werden sich die Voraussetzungen dafür realisieren lassen. Deshalb ist sorg- fältig zu prüfen, mit welchen Mitteln jeweils mehr urbane Qualität zu erzeugen ist. Zentral wird aber sein, die Potenziale für das Wohnen, insbesondere für studenti - sches Wohnen, auszuloten. Zum Beispiel: • Identifizierung der unterschiedlichen Quartiere, Konzentration der Urbanisie - rungsstrategie; • Bestimmung der räumlichen Schwerpunkte der Nutzungsmischung; • Prüfung des Konzepts der Quartiershäuser/»Kaffeemaschinen«, Entwicklung ge- eigneter Bautypologien; • Eignungsprüfung für studentisches Wohnen und Gästewohnen; • Entwicklung von Sofortmaßnahmen zum Bau von Studierendenwohnheimen, insbesondere auf Parkplatzflächen des Studierendenwerks; • Aufstellung eines »10-Jahres-Plans« für Nachverdichtungspotenziale auf Initiati - ve des Studierendenwerks; • Gestaltung kleiner Plätze oder Pocket-Parks; • Prüfung der liegenschaftlichen Bedingungen und Verfügbarkeiten. Erschließung neuer Quartiere unter neuen Vorzeichen Angesichts des Bevölkerungswachstums, des Mangels an Wohnraum und der Dyna - mik der Entwicklung von Wissenschaft und T echnologie zeichnet sich schon heute ab, dass es nicht reichen wird, allein die Nachverdichtungs- und Urbanisierungspo - tenziale in den bestehenden Wissensquartieren angemessen auszuschöpfen. Daher werden neue Quartiere erschlossen, für die bereits Flächen jenseits der Austermann- 21 straße und jenseits der Busso-Peus-Straße designiert sind (Beschluss des Rates der Stadt Münster vom 26.08.2020). Für deren Entwicklung gelten von vornherein neue Vorzeichen: Qualitätsanforderungen für urbane Räume, für Mischnutzungen, für das Miteinander von Wohnen, Wissenschaft und T echnologie, für effiziente Bodennut - zung, für intensive Durchgrünungen, für Gemeinschaftsangebote, für neue Mobi - litätsformen, CO2-Neutralität usw. – Aspekte, die in der Internationalen Ideenwerk - statt ansatzweise auch thematisiert wurden. Zum Beispiel: • Prüfung von Flächenverfügbarkeiten, Umfang der Entwicklungen, städtebauliche Kennwerte; • Entwicklung überschlägiger städtebaulicher Flächen- und Raumprogramme; • Überprüfung geeigneter städtebaulicher und Bautypologien für das angestrebte Nutzungsprogramm; • kooperative Festlegung von Eckpunkten der Entwicklung; • Entwicklung geeigneter partizipativer und kreativer Verfahren. Redimensionierung von Verkehrsräumen Breit dimensionierte Verkehrsräume gehörten zu der »Philosophie« der städtebau - lichen Entwicklung in der Zeit, als die Standorte für die Wissenschaft erschlossen wurden. Heute und erst recht in Zukunft werden die Verkehrsräume in diesen Di - mensionen nicht mehr gebraucht. Sie bieten Potenzial für Umgestaltungen und neue Nutzungen. Zum Beispiel: • Bebauung ebenerdiger Stellplatzanlagen; • Rückbau und Neuaufteilung von Straßenräumen (Flächengewinn, Raumbildung, Umwelttrassen), im Konkreten: experimentelle, provisorische Reduktion der vier- spurigen Corrensstraße und der vierspurigen Apffelstaedtstraße auf zwei MIV-Spu- ren als Sofortmaßnahmen, hier mittelfristig dauerhafter Rückbau auf zwei Spuren; • damitRückgewinnung von Baupotenzialen, Gewinn städtischer Flächen für stu - dentisches Wohnen. Einstieg in ein verbessertes Mobilitätskonzept Die urbanen Wissensquartiere sind für einen Einstieg in ein verbessertes Mobilitäts- konzept prädestiniert. Raum, Funktionen und Klientel lassen hier Erprobungen zu, die auf andere Quartiere der Stadt nach Bewährungsproben übertragbar werden kön- nen. Und es gibt bereits konkrete Ansätze dafür. Zum Beispiel: • Entwicklung von Umwelttrassen auf überdimensionierten Straßenräumen; • Radschnellrouten, Busschnellrouten (u. a. Anbindung des Hauptbahnhofs); • Prüfung von zusätzlichen Querungen des Rings für eigenständige Radwege; • Prüfung der Standorte für Mobility-Hubs und deren Angebote; • schrittweise Umwandlung von ebenerdigen Stellplätzen. Leitthema: Urbane Wissensquartiere 22 ISEK Münster 2030 | Baustein E: Bilanz 2020: Räumliches Leitbild Organisationsmodelle und Sonderformate In kaum einer anderen deutschen Wissenschaftsstadt – so die Feststellung der ex - ternen Berater – sind die Willensbekundungen und Vereinbarungen zwischen den relevanten Akteuren, die Standorte der Wissenschaft mit urbanen Qualitäten zu ver - sehen, so weit gediehen wie in Münster. Auch die Intensität des Austauschs sucht ih- resgleichen. Diese Rahmenbedingungen gilt es für zügige Entwicklungen zu nutzen. Zum Beispiel: • Gemeinsam getragener Masterplan, Prozess- und Qualitätsvereinbarungen bei konkreten Bauvorhaben, frühzeitige Abstimmung aller Vorhaben usw.; • Sofortmaßnahmen in einigen Bereichen als Impuls für urbane Qualitäten (z. B. Corrensstraße); • Erbpachtmodelle nach Aachener Vorbild, Erweiterung des rechtlichen Rahmens; • Prüfung/Revision älterer Bebauungspläne z.B. im NWZ; • Prüfung des Einsatzes von Sonderformaten der Stadtentwicklung wie z. B. IGA oder IBA. Diese Aufzählungen zeigen wichtige Handlungsfelder auf. Wo möglich, sollen diese im Konsens kurzfristig und auch mittelfristig umgesetzt werden. Manche Themen insbesondere aus den Bereichen der Mobilitäts- und Freiraumplanung bedürfen noch weiterer Konkretisierung, die zeitnah angegangen werden soll. SCHNITTSTELLEN ZU WEITERFÜHRENDEN PROZESSEN Basierend auf den oben beschriebenen Eckpunkten wurde im Herbst 2019 eine »In - ternationale Ideenwerkstatt« zur Generierung städtebaulicher und stadträumlicher Ideen als Sofortmaßnahme in die Wege geleitet. Die Internationale Ideenwerkstatt »Zukunft der Wissenschaftsstadt« zielte auf eine kooperative und diskursive Entwick- lung mehrerer Lösungsvorschläge für die zukünftige Entwicklung ab. Es wurden vier internationale Büros eingeladen, die die o.g. Eckpunkte zur Entwicklung der »Urba - nen Wissensquartiere« überarbeiteten und konkretisierten sowie ein Leitbild mit Aus- sagen zu räumlichen Verflechtungen, gestalterischen Akzenten, Nutzungsstruktur und Freiraumvernetzung sowie zur Verkehrsanbindung entwickelten. Der Prozess zur Internationalen Ideenwerkstatt ist in einer gesonderten Broschüre dokumentiert: Stadt Münster (2020): Internationale Ideenwerkstatt Münster »Zukunft der Wissen- schaftsstadt«. Dokumentation der Ergebnisse. Online unter: https://www.zukunft-muenster.de/ideenwerkstatt/#dokumentation Mit den Ergebnissen wird bereits weitergearbeitet. So hat sich der akteursübergreifen- de Arbeitskreis »Nachhaltige Stadtentwicklung« der Allianz für Wissenschaft Müns - ter der Frage nach einer (temporären) T eilsperrung und Belebung der Corrensstraße angenommen. ... Abbildung 3: Cover Dokumentation der Ergebnisse der Internationalen Ideenwerkstatt Münster »Zukunft der Wissenschaftsstadt« 23 Leitthema: Urbane Wissensquartiere RESÜMEE / GRUNDSÄTZE • Die einzelnen Wissensquartiere mit urbanen Qualitäten versehen, Wohnnutzun- gen und Versorgungseinrichtungen integrieren und zwischen ihnen attraktive Verbindungen herstellen, insbesondere die Gelenkfunktion des Schlossareals stärken. • Neue Zukunftsquartiere an der Steinfurter Straße und Busso-Peus-Straße mit ei- ner Mischung neuen Wohnraums, Wissenschafts- und T echnologieeinrichtungen und Angeboten täglicher Versorgung, Freizeit und Erholung entwickeln. • Zukunftsfähiges Mobilitätskonzept, insbesondere flexibles Parkraumkonzept entwickeln, überdimensionierte Straßen neu organisieren und als Stadtraum zu- rückgewinnen. • Inhaltliche Eckpunkte und stadträumliches Konzept als Grundlage weiterer Pla - nungen und Projektentwicklungen verfestigen. • Kooperation der Stadt mit den »Letter of Intent«-Partnerinnen und Partnern stär- ken und verstetigen. • Gemeinsame Qualitätsvereinbarungen treffen, Sofortmaßnahmen identifizieren und umsetzen. • Einbezug der Studierendenvertretungen (ASten) von Universität und FH Müns - ter, die sich bereits intensiv in den Prozess der „Internationalen Ideenwerkstatt“ eingebracht haben, weiter festigen. 24 ISEK Münster 2030 | Baustein E: Bilanz 2020: Räumliches Leitbild »Innenstadt ist mehr ... – Eine weitergefasste Perspektive« Die Weiterentwicklung der Innenstadt unter räumlichen und funktionalen Gesichts - punkten ist eines der zentralen Leitthemen im »Integrierten Stadtentwicklungskonzept Münster 2030«. Unter der Überschrift »Innenstadt ist mehr … - eine weitergefasste Perspektive« soll der besonderen Rolle der Münsteraner Innenstadt für die Stadt wie für die Region stadtentwicklungspolitisch Rechnung getragen werden. Denn fast noch dominanter als in anderen Städten prägt das Zentrum Münsters das Image der ge - samten Stadt und der Region. Das Leitthema schreibt einerseits das bisherige Innen - stadtkonzept aus dem Jahr 2008 fort, das im Rahmen des Förderprogramms »Aktive Stadt- und Ortsteilzentren« auf den Weg gebracht wurde und in 2016 eine erste Fort - schreibung erfahren hat. Und andererseits setzt das Leitthema »Innenstadt ist mehr …« aus der räumlich und thematisch übergreifenden Betrachtung der Gesamtstadtent- wicklung neue Akzente. EINFÜHRUNG Die Innenstadt Münsters besitzt eine sehr hohe Anziehungskraft. Das belegen auch alle relevanten Zahlen. Das Zusammenspiel von guten Geschäftslagen, behaglichen Stadträumen, einem umfangreichen Kulturangebot, einer vielfältigen Gastronomie - szene und dem jungen Flair der Universitätsstadt ist Auslöser dieser Sogwirkung. Ausschlaggebend sind auch der große Einzugsbereich Münsters mit rund 1,5 Millio - nen Einwohnerinnen und Einwohnern, die Nähe zur Metropolregion Ruhr, eine tra - ditionell gut aufgestellte Kaufmannschaft mit noch sehr vielen inhabergeführten Ge- schäften in den zentralen Handelslagen und vor allem auch die damals weitsichtige, wenn auch nicht unumstrittene Entscheidung, die im 2. Weltkrieg fast völlig zerstörte Altstadt im alten Gewand wieder aufzubauen. Ähnlich kluge Entscheidungen waren, neue, größere Handelseinrichtungen in die Altstadt zu integrieren und die Ange - botsformen dadurch zu erweitern. Hinzu kommt, dass die Innenstadt noch (fast) alle oberzentralen Einrichtungen bündelt, allen voran die Universitäts- und weitere Hoch- schulstandorte, wichtige Kultur- und Bildungseinrichtungen und bedeutende Verwal- tungsstandorte, was der Innenstadt einen großen Bedeutungsvorsprung gegenüber anderen Innenstädten verleiht. Das mit der Altstadt verbundene Image Münsters überstrahlt aber die Qualitäten und Potenziale, die in den angrenzenden Lagen liegen. Und die Altstadt Münsters weist eine zunehmende »Exklusivität« auf, die den alltäglichen Anforderungen an eine le - benswerte und funktionstüchtige Innenstadt zunehmend weniger Raum lässt. Des - halb ist es vorrangiges Ziel, die Innenstadt räumlich und funktional weiter zu den - ken, angrenzende Lagen zur Erhöhung der Vielfalt, zur Bereicherung und zugleich zur Entlastung der Altstadt einzubeziehen. Die Innenstadt lässt sich so im wahrsten Sinne des Wortes „breiter aufstellen“ und macht sie zugleich robuster im Struktur - wandel, dem heutzutage die Innenstädte insgesamt ausgesetzt sind. Damit können auch Neben- und Randlagen eine neue Aufmerksamkeit erfahren, die Raum für Nutzungen bieten, die sich keine hochpreisigen Mieten leisten können, die Erprobungscharakter haben und die Mischformen von etablierten und experimen - 25 tellen Einrichtungen sind. Es geht also nicht darum, die „klassischen“ Handelslagen auszuweiten, sondern das Ziel ist eine Erhöhung der funktionalen und atmosphäri - schen Vielfalt. Zudem zeigen sich in Münster wie anderswo auch die aktuellen Herausforderungen für die Innenstädte, gerade vor dem Hintergrund der Corona-Krise: Die zunehmende Bedeutung des Onlineshoppings und der fortschreitende „ Wandel im Handel“, der sich insbesondere in der Krise der großen Anbieter (wie der Warenhäuser als traditi- onelle Ankernutzer und Frequenzbringer) abbildet. Ein Perspektivwechsel ist bereits eingeleitet Im Verbund mit innenstadtrelevanten Akteuren arbeitet die Stadt Münster deshalb permanent an der Stabilisierung und Attraktivitätssteigerung der Altstadt und an - grenzender Lagen. Und es ist auch Ziel, möglichen Gefährdungen der Innenstadt frühzeitig durch neue konzeptionelle Justierungen zu begegnen. Von den zahlreichen städtischen Aktivitäten seien nur einige kurz skizziert. • Jede Innenstadtentwicklung ist eine Gemeinschaftsaufgabe, die wegen der Be - deutung des Zentrums für die Gesamtstadt und die Region des engen Schulter - schlusses aller relevanten Akteure bedarf. Die Stadt Münster kooperiert deshalb seit 2006 eng mit der »Initiative starke Innenstadt«, einem Bündnis aus Handel, Dienstleistung, Gastronomie und Immobilien, das sich zur Aufgabe gemacht hat, innerstädtische Projekte zur Förderung des Handels und zur Werterhaltung der Immobilien umzusetzen. • Mit dem Programm »Aktive Stadt- und Ortsteilzentren« (2008) resp. »Integrier - tes Handlungskonzept« wird die räumliche Verknüpfung der Altstadt mit dem Bahnhofsviertel und den Handelslagen an den Einfallstraßen Warendorfer Stra - ße, Wolbecker Straße und Hammer Straße gesucht. Die Projektschwerpunkte liegen in den klassischen Handlungsfeldern der Stadtplanung und reichen von der Umgestaltung öffentlicher Räume und der Entwicklung neuer Wegebezie - hungen und Verflechtungen bis hin zu Baulückenschließungen und Förderun - gen zukunftsweisender Architektur. Diese vorwiegend räumlich und gestalterisch ausgerichteten Maßnahmen gehen einher mit der Entwicklung des Bahnhofs - viertels, bei der die Aufwertung der Ostseite eine besondere Rolle spielt, um die Verknüpfungen mit dem Hafenareal zu stärken. • Dies korrespondiert dann folgerichtig mit dem »Masterplan Stadthäfen« (2011), der aktuell fortgeschrieben wird und voraussichtlich eine räumliche Auswei - tung nach Süden finden soll. Die Programme und Konzepte der jüngeren Zeit zielen beinahe allesamt auf einen erweiterten Handlungsraum der Innenstadt ab, in dem die funktionalen Wirkungszusammenhänge und räumlichen Ver - flechtungen mit den benachbarten Quartieren der Altstadt zum Thema werden. Leitthema: Innenstadt ist mehr ... 26 ISEK Münster 2030 | Baustein E: Bilanz 2020: Räumliches Leitbild Innenstadt ist mehr … Heute ist eine besondere Qualität der Münsteraner Innenstadt ihre Vielfalt: Es sind jenseits des Prinzipalmarktes und der Ludgeristraße neue Lauflagen und Verbindun- gen entstanden. Die Möglichkeit, in der Innenstadt auf kurzem Weg von ruhigen zu belebten Räumen wechseln zu können, ist ein besonderer stadträumlicher Reiz. Dadurch geraten auch Nebenlagen in den Blick. Dieses Angebot stadträumlicher und funktionaler Vielfalt lässt sich deutlich erweitern, wenn die benachbarten Quartiere der Innenstadt mit einbezogen werden. Die unmittelbare Nähe von Altstadt, Bahn - hofsbereich, Hafen auf der einen Seite und Universität und Aasee auf der anderen Seite bietet den Perspektivwechsel auf einen erweiterten Handlungsraum »Innere Stadt« an. Es gibt nur wenige Städte, in denen beispielsweise der Hafen so nah an der Altstadt liegt und eine andere Szenerie großstädtischen Lebens eröffnet. Der Einbe - zug von Stadträumen, die jeweils ein eigenes Profil und eine eigene Entwicklungs - dynamik besitzen, kann aber nur wirksam werden, wenn die Verflechtungen und Wegebeziehungen attraktiv sind. In ähnlicher Weise ergeben sich auch aus der zusammenhängenden Betrachtung aller Einkaufs- und Gastronomielagen der inneren Stadt, der A- und B-Lagen der Altstadt, der Lagen rund um den Bahnhof und entlang des Hafenbeckens und der Lagen an den innerstädtischen Ausfallstraßen neue Synergien und zugleich Entlastungspotenziale. Es gilt aber auch, die Wohnquartiere der inneren Stadt mit einzubeziehen: Rund zwei Fünftel der Münsteraner Bevölkerung wohnen hier. Für sie sind die zentralen Lagen – z. B. schon aufgrund ihrer recht zahlreichen KiT as, Schulen, Spielplätze – auch All- tagsräume die täglich aufgesucht oder durchquert werden und ohne »Kommerz« und ständigen Konsumzwang nutzbar sein müssen. So ist der berechtigten Sorge, wie sich die Innenstadt in Zukunft entwickelt, ob sie weiter an Vielfalt im Besatz von Geschäften, in den Wohnformen, im kulturellen Le - ben und in der Nutzbarkeit der öffentlichen Räume einbüßt, durch eine räumlich und funktional erweiterte Perspektive zu begegnen. Besonders im Einfluss der Corona-Pandemie kommt einem attraktiven und großzü - gigen öffentlichen Raum ohne Konsumzwang eine neue Rolle zu. Unter Klimaas - pekten stellt sich hier in der dichten Kernstadt dabei zudem die Frage nach grünen und blauen Strukturen neu. Und auch die Frage Lebendigkeit ausstrahlender Erdge - schossnutzungen jenseits von Geschäften und Lokalen gewinnt eine verstärkte Be - deutung. Damit kommt der Neuauflage eines integrierten Innenstadtentwicklungs - konzepts (InSEK) vor allem auch die Aufgabe zu, die Fragen der Neuorientierung, der Resilienz und der Flexibilität intensiv zu thematisieren. In Ergänzung und Akzentuierung der bisherigen Handlungsschwerpunkte werden für die Weiterentwicklung der Innenstadt sechs übergreifende Handlungsprinzipien herausgearbeitet und mit Maßnahmen unterlegt (s. rechte Seite): 27 ZENTRALE ECKPUNKTE + LEITBILDELEMENTE UND RÄUMLICHE ORIENTIERUNG Im Folgenden sollen einige Befunde und Ausgangsbedingungen aufgezeigt werden. In Form von acht Herleitungspiktogrammen, die auch die Leitbildelemente erläutern, werden die verschiedenen T eilräume der erweiterten Innenstadt mit ihren jeweiligen Profilen aufgezeigt, Barrieren, Defizite und Gestaltungsbedarfe verräumlicht sowie Verknüpfungsbedarfe sowohl im kleinen als auch im großen Maßstab dargestellt. Daraufhin erfolgt die Erläuterung der Eckpunkte in Form von sechs übergreifenden Prinzipien. Leitthema: Innenstadt ist mehr ... Unterschiedliche Altstadtquartiere profilieren und in Wirkungszusammen - hänge bringen Wandel gestalten: Entwickeln eines hohen Maßes an funktionaler und städtebaulicher Vielfalt Perspektiverweiterung: Innenstadt neu denken Neudenken öffentlicher Räume: Straßenräume neu dimensionieren, Ver- kehrsführungen verändern Gestalterische Akzentuierung relevanter Innenstadtansichten und -verknüpfungen Vernetzen innenstadtrelevanter Akteure A B C D E F folgende Doppelseiten: Abbildungen 1-8: Herleitung 28 ISEK Münster 2030 | Baustein E: Bilanz 2020: Räumliches Leitbild Große Vielfalt an T eilräumen innerhalb des Promenadenrings • Innerhalb der Altstadt gibt es bereits eine gro - ße funktionale und stadträumliche Vielfalt. • Es fehlen aber teilweise attraktive Verbindun - gen zwischen den unterschiedlich geprägten Stadträumen, die die Vielfalt erlebbar machen und in einen Wirkungszusammenhang brin - gen. Wohnen Kirche Sondernutzung Einzelhandel Kultur Universität Gastronomie Prinzipalmarkt + Dom Innerhalb des Promenadenrings Außerhalb des Promenadenrings Erweiterung des Innenstadtumgriffs Abgrenzung Programmgebiet: Aktive Stadt- und Ortsteilzentren 2016 Wohnen Grundschulen Weiterführende SchulenHochschulen Berufskollegs Nahversorger Spielplätzealltägliches Einkaufen Universität ÖPNV-Haltepunkte Parkhäuser & Parkplätze für PKW / Fahrräder (Symbolgröße abhängig vom Stellplatzangebot) Großräumige Verknüpfungen Barrierewirkung Kleinräumige Verknüpfungen Äußere T eilräume Innere Quartiere Fehlende Verknüpfungen Neuralgische Verkehrpunkte Freiräumlicher Gestaltungsbedarf Baulicher Gestaltungsbedarf Offene Raumkante Universität & Naherholung Freizeit & Naherholung Finanzdienstleistungen & Verbände Bildung & Verbände Bahnhof Messe Kultur Kultur & Dienstleistung Wohnen & Dienstleistung Urbane Vielfalt, Innovation & Freiraumentwicklung Urbanes Wohnen, Gewerbe & Freiraumentwicklung Prägende T eilräume mit Innenstadtrelevanz an- grenzend an die Altstadt • Außerhalb des Promenadenrings liegen eine Reihe von Stadträumen, die innenstadtrele - vante Funktionen enthalten und jeweils eine eigene stadträumliche Atmosphäre aufweisen. • Sie können eine wichtige funktionale Ergän - zung und stadträumliche Bereicherung der Altstadt darstellen. 29 Alltagsort Innenstadt stärken • Altstadt und Innenstadt sind auch Alltagsor - te. Es gilt deshalb eine Balance zu finden, die der Nutzbarkeit und Attraktivität der Altstadt für die Bewohnerinnen und Bewohnern, für Schülerinnen und Schüler, für Beschäftigte einen ebenso hohen Stellenwert einräumt wie für Gäste. • Es sollte verstärkt über neue »Alltagsnutzun - gen« nachgedacht werden wie Co-Working, Urbane Produktion, neue Wohnformen etc. • Dazu gehören auch konsumfreie (öffentliche) Räume und hybride Orte, die kommerzielle und nichtkommerzielle Aktivitäten aufneh - men können. Funktionale Verknüpfung mit angrenzenden Lagen • Es gilt deshalb, die Innenstadt über den Pro - menadenring hinaus neu zu denken und die Altstadt um innenstadtrelevante Stadträume zu erweitern. • So können die funktionale und stadträumli - che Vielfalt erhöht werden, neue Lagen in den Blick genommen und übernutzte Lagen ent - lastet werden. Wohnen Kirche Sondernutzung Einzelhandel Kultur Universität Gastronomie Prinzipalmarkt + Dom Innerhalb des Promenadenrings Außerhalb des Promenadenrings Erweiterung des Innenstadtumgriffs Abgrenzung Programmgebiet: Aktive Stadt- und Ortsteilzentren 2016 Wohnen Grundschulen Weiterführende SchulenHochschulen Berufskollegs Nahversorger Spielplätzealltägliches Einkaufen Universität ÖPNV-Haltepunkte Parkhäuser & Parkplätze für PKW / Fahrräder (Symbolgröße abhängig vom Stellplatzangebot) Großräumige Verknüpfungen Barrierewirkung Kleinräumige Verknüpfungen Äußere T eilräume Innere Quartiere Fehlende Verknüpfungen Neuralgische Verkehrpunkte Freiräumlicher Gestaltungsbedarf Baulicher Gestaltungsbedarf Offene Raumkante Wohnen Kirche Sondernutzung Einzelhandel Kultur Universität Gastronomie Prinzipalmarkt + Dom Innerhalb des Promenadenrings Außerhalb des Promenadenrings Erweiterung des Innenstadtumgriffs Abgrenzung Programmgebiet: Aktive Stadt- und Ortsteilzentren 2016 Wohnen Grundschulen Weiterführende SchulenHochschulen Berufskollegs Nahversorger Spielplätzealltägliches Einkaufen Universität ÖPNV-Haltepunkte Parkhäuser & Parkplätze für PKW / Fahrräder (Symbolgröße abhängig vom Stellplatzangebot) Großräumige Verknüpfungen Barrierewirkung Kleinräumige Verknüpfungen Äußere T eilräume Innere Quartiere Fehlende Verknüpfungen Neuralgische Verkehrpunkte Freiräumlicher Gestaltungsbedarf Baulicher Gestaltungsbedarf Offene Raumkante Leitthema: Innenstadt ist mehr ... 30 ISEK Münster 2030 | Baustein E: Bilanz 2020: Räumliches Leitbild Gestaltungsbedarf, vor allem an den Rändern der Altstadt • Die Lagen mit Entwicklungs- und Gestaltungs- bedarf für Neubauten wie für Freiräume kon - zentrieren sich in den Verflechtungsräumen zwischen der Altstadt und den zu integrieren - den Stadträumen außerhalb des Promenaden - rings. • »Innenstadt ist mehr …« bedeutet auch, den Verflechtungsräumen mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Flächendeckende Erreichbarkeit der Alt- und In- nenstadt durch MIV & ÖPNV • Die Altstadt weist eine flächendeckende Er - reichbarkeit für den MIV auf, Parkhäuser gren- zen unmittelbar an die zentralen Bereiche der Altstadt. • In der Osthälfte der Innenstadt mit ihren Ein - kaufslagen gibt es ein großes Stellplatzange - bot, das motorisierten Verkehr induziert und notwendige Verknüpfungen einschränkt: Alt - stadt – Bahnhof – Hafen. • Insbesondere die Altstadt ist mit ihren zahl - reichen Bushaltestellen gut erschlossen. Der Hauptbahnhof als Knotenpunkt im ÖPNV ist zu Fuß aus der Altstadt wie aus den nördli - chen Bereichen des Hafens gut erreichbar. Mit fortschreitender Entwicklung des Hafenareals entsteht Nachholbedarf in der Erschließung durch den ÖPNV . Wohnen Kirche Sondernutzung Einzelhandel Kultur Universität Gastronomie Prinzipalmarkt + Dom Innerhalb des Promenadenrings Außerhalb des Promenadenrings Erweiterung des Innenstadtumgriffs Abgrenzung Programmgebiet: Aktive Stadt- und Ortsteilzentren 2016 Wohnen Grundschulen Weiterführende SchulenHochschulen Berufskollegs Nahversorger Spielplätzealltägliches Einkaufen Universität ÖPNV-Haltepunkte Parkhäuser & Parkplätze für PKW / Fahrräder (Symbolgröße abhängig vom Stellplatzangebot) Großräumige Verknüpfungen Barrierewirkung Kleinräumige Verknüpfungen Äußere T eilräume Innere Quartiere Fehlende Verknüpfungen Neuralgische Verkehrpunkte Freiräumlicher Gestaltungsbedarf Baulicher Gestaltungsbedarf Offene Raumkante Wohnen Kirche Sondernutzung Einzelhandel Kultur Universität Gastronomie Prinzipalmarkt + Dom Innerhalb des Promenadenrings Außerhalb des Promenadenrings Erweiterung des Innenstadtumgriffs Abgrenzung Programmgebiet: Aktive Stadt- und Ortsteilzentren 2016 Wohnen Grundschulen Weiterführende SchulenHochschulen Berufskollegs Nahversorger Spielplätzealltägliches Einkaufen Universität ÖPNV-Haltepunkte Parkhäuser & Parkplätze für PKW / Fahrräder (Symbolgröße abhängig vom Stellplatzangebot) Großräumige Verknüpfungen Barrierewirkung Kleinräumige Verknüpfungen Äußere T eilräume Innere Quartiere Fehlende Verknüpfungen Neuralgische Verkehrpunkte Freiräumlicher Gestaltungsbedarf Baulicher Gestaltungsbedarf Offene Raumkante Wohnen Kirche Sondernutzung Einzelhandel Kultur Universität Gastronomie Prinzipalmarkt + Dom Innerhalb des Promenadenrings Außerhalb des Promenadenrings Erweiterung des Innenstadtumgriffs Abgrenzung Programmgebiet: Aktive Stadt- und Ortsteilzentren 2016 Wohnen Grundschulen Weiterführende SchulenHochschulen Berufskollegs Nahversorger Spielplätzealltägliches Einkaufen Universität ÖPNV-Haltepunkte Parkhäuser & Parkplätze für PKW / Fahrräder (Symbolgröße abhängig vom Stellplatzangebot) Großräumige Verknüpfungen Barrierewirkung Kleinräumige Verknüpfungen Äußere T eilräume Innere Quartiere Fehlende Verknüpfungen Neuralgische Verkehrpunkte Freiräumlicher Gestaltungsbedarf Baulicher Gestaltungsbedarf Offene Raumkante Wohnen Kirche Sondernutzung Einzelhandel Kultur Universität Gastronomie Prinzipalmarkt + Dom Innerhalb des Promenadenrings Außerhalb des Promenadenrings Erweiterung des Innenstadtumgriffs Abgrenzung Programmgebiet: Aktive Stadt- und Ortsteilzentren 2016 Wohnen Grundschulen Weiterführende SchulenHochschulen Berufskollegs Nahversorger Spielplätzealltägliches Einkaufen Universität ÖPNV-Haltepunkte Parkhäuser & Parkplätze für PKW / Fahrräder (Symbolgröße abhängig vom Stellplatzangebot) Großräumige Verknüpfungen Barrierewirkung Kleinräumige Verknüpfungen Äußere T eilräume Innere Quartiere Fehlende Verknüpfungen Neuralgische Verkehrpunkte Freiräumlicher Gestaltungsbedarf Baulicher Gestaltungsbedarf Offene Raumkante 30 Stpl. 989 Stpl. 272 Stpl. 780 Stpl. 94 Stpl. 248 Stpl. 318 Stpl. 360 Stpl. 193 Stpl. 793 Stpl. 53 Stpl. 259 Stpl. 390 Stpl. 124 Stpl. 416 Stpl. 984 Stpl. 3500 Stpl. 339 Stpl. 30 Stpl. 480 Stpl. 69 Stpl. 590 Stpl. 372 Stpl. 173 Stpl. ÖPNV-Knotenpunkte 31 Zahlreiche Barrieren/Schwachstellen in den Verknüpfungen • Der Überwindung der Barrieren kommt für eine erweiterte Innenstadt eine besondere Be - deutung zu. • Diese Aufgabe stellt sich in besonderer Wei - se bei den notwendigen Verknüpfungen zwi - schen Altstadt, Bahnhof und Hafen. Ohne »ra- dikale« Eingriffe ist hier der funktionale und stadträumliche Gewinn begrenzt. • Die Verknüpfungen mit dem Schlossareal er - öffnen wegen größerer Dispositionsspielräu - me mehr Optionen. Notwendige Verknüpfungen im großen und klei- nen Maßstab • Für verbesserte Verbindungen ergeben sich zwei Aufgaben: Die innere Vernetzung in der Altstadt durch attraktive öffentliche Räume, die von adäquat besetzten Erdgeschossen begleitet werden, und die Verknüpfungen nach außen zu den Stadträumen mit Innenstadtrelevanz, die teilweise strukturelle Eingriffe verlangen. • Verknüpfungen müssen angemessen »weiter - getragen« werden in die angrenzenden Stadt - viertel im Norden, Süden und Osten und in die westliche »Wissenschaftsstadt«. Wohnen Kirche Sondernutzung Einzelhandel Kultur Universität Gastronomie Prinzipalmarkt + Dom Innerhalb des Promenadenrings Außerhalb des Promenadenrings Erweiterung des Innenstadtumgriffs Abgrenzung Programmgebiet: Aktive Stadt- und Ortsteilzentren 2016 Wohnen Grundschulen Weiterführende SchulenHochschulen Berufskollegs Nahversorger Spielplätzealltägliches Einkaufen Universität ÖPNV-Haltepunkte Parkhäuser & Parkplätze für PKW / Fahrräder (Symbolgröße abhängig vom Stellplatzangebot) Großräumige Verknüpfungen Barrierewirkung Kleinräumige Verknüpfungen Äußere T eilräume Innere Quartiere Fehlende Verknüpfungen Neuralgische Verkehrpunkte Freiräumlicher Gestaltungsbedarf Baulicher Gestaltungsbedarf Offene Raumkante Wohnen Kirche Sondernutzung Einzelhandel Kultur Universität Gastronomie Prinzipalmarkt + Dom Innerhalb des Promenadenrings Außerhalb des Promenadenrings Erweiterung des Innenstadtumgriffs Abgrenzung Programmgebiet: Aktive Stadt- und Ortsteilzentren 2016 Wohnen Grundschulen Weiterführende SchulenHochschulen Berufskollegs Nahversorger Spielplätzealltägliches Einkaufen Universität ÖPNV-Haltepunkte Parkhäuser & Parkplätze für PKW / Fahrräder (Symbolgröße abhängig vom Stellplatzangebot) Großräumige Verknüpfungen Barrierewirkung Kleinräumige Verknüpfungen Äußere T eilräume Innere Quartiere Fehlende Verknüpfungen Neuralgische Verkehrpunkte Freiräumlicher Gestaltungsbedarf Baulicher Gestaltungsbedarf Offene Raumkante Wohnen Kirche Sondernutzung Einzelhandel Kultur Universität Gastronomie Prinzipalmarkt + Dom Innerhalb des Promenadenrings Außerhalb des Promenadenrings Erweiterung des Innenstadtumgriffs Abgrenzung Programmgebiet: Aktive Stadt- und Ortsteilzentren 2016 Wohnen Grundschulen Weiterführende SchulenHochschulen Berufskollegs Nahversorger Spielplätzealltägliches Einkaufen Universität ÖPNV-Haltepunkte Parkhäuser & Parkplätze für PKW / Fahrräder (Symbolgröße abhängig vom Stellplatzangebot) Großräumige Verknüpfungen Barrierewirkung Kleinräumige Verknüpfungen Äußere T eilräume Innere Quartiere Fehlende Verknüpfungen Neuralgische Verkehrpunkte Freiräumlicher Gestaltungsbedarf Baulicher Gestaltungsbedarf Offene Raumkante Leitthema: Innenstadt ist mehr ... vgl. die funktionalen Innenstadtbereiche in Abb. 2 auf S. 28 32 ISEK Münster 2030 | Baustein E: Bilanz 2020: Räumliches Leitbild Übergreifende Prinzipien A – Unterschiedliche Altstadtquartiere profilieren und in Wirkungszusammenhänge bringen • Herausarbeiten spezifischer Quartiers-Profile, Sicht- und Erlebbarmachen der Vielfalt durch das Herstellen leistungsfähiger und attraktiver Verknüpfungen • Profilieren einzelner T eilräume: insbesondere Aufwertung des Martiniviertels inkl. Hörster Parkplatz, auch des Bahnhofsviertels als Scharnier B – Wandel gestalten: Entwickeln eines hohen Maßes an funktionaler und städtebau- licher Vielfalt • Zulassen alternativer Nutzungen in den Erdgeschossen der Verflechtungsberei - che (Manufakturen, Kultur, Bildung & Kreatives, Gewerbe, Kindertagesstätten oder temporäre Nutzungen) und Schaffen entsprechender rechtlicher und wirt - schaftlicher Bedingungen • Nutzen von Leerständen für Zwischennutzungen über befristete Verträge und der Einrichtung eines Leerstandsmanagements • Sichern gut funktionierender, inhabergeführter Geschäfte (z. B. Hammer Straße). • Stärken des Handels in Brückenfunktionen (insbesondere im Übergang zu den Einfallstraßen) • Ausweitung von Kultur und Bildung z. B. in den B-Lagen • Stärken bedarfsorientierter Wohnraumentwicklung in der Innenstadt (insb. bar - rierefreie Wohnungen) • Stärkung von Kultur und Bildung, beispielsweise durch zusätzliche Einrichtun - gen, durch Öffnung öffentlicher Gebäude wie Schulen und Büchereien in den Abendstunden C – Perspektiverweiterung: Innenstadt neu denken • Anbinden der angrenzenden Innenstadtbereiche durch Aufwertung der öffentli - chen Räume und Ausbau von Wegebeziehungen (auch temporäre Experimente) • Potenzialräume nutzen: Martiniviertel (mit Hörster Parkplatz), Bahnhofsviertel (verkehrliche Anbindung), Hafen (Dienstleistung, Gastronomie, Hawerkamp, Halle Münsterland), Schlossareal der WWU Münster, Nahtstelle zum Aasee A C B 33 D E F Leitthema: Innenstadt ist mehr ... D – Neudenken öffentlicher Räume: Straßenräume neu dimensionieren, Verkehrs- führungen verändern • Schaffen von mehr Aufenthaltsqualität und neuen »konsumfreien« T reffpunkten und Entwickeln von Angeboten für jede Altersgruppe (Stärkung Barrierefreiheit) • »Zurückeroberung« und Qualifizierung des urbanen Raums zur Stärkung der in- nerstädtischen Aufenthaltsqualität, z.B. Herausnahme ebenerdiger Stellplatzan - lagen (Domplatz, Hörster Parkplatz, Münz-, Wasser-, Königs-, Aegidii-, Schlaun- und Friedrichstraße) • Klimaresilienz auch in der Kernstadt mitdenken: private Freiräume entsiegeln, Dach- und Fassadenbegrünungen fördern • Grüne (bspw. Domplatz, Korduanenstraße, Juridicum/Petrikirche) und blaue Strukturen (Aa) stärken und ausbauen • Aufwertung des öffentlichen Raumes und Neugestaltung von neuralgischen Ver- kehrspunkten des MIV • Neuaufteilen des innerstädtischen Verkehrsraumes, Nutzen der überdimensio - nierten Straßenräume und Steuerung des ruhenden Verkehrs, insbesondere zur Entlastung der Osthälfte der Altstadt von Parksuchverkehr • Als mittel- bis langfristiges Ziel Anstreben einer autofreien Altstadt (insb. auch unter Berücksichtigung der Belange bewegungseingeschränkter Personen) • Verkehrliche und gestalterische Neuordnung der Übergänge Promenadenring und Einfallstraßen E – Gestalterisches Akzentuieren relevanter Innenstadtansichten und -verknüpfungen • Ausbau von räumlichen und funktionalen Verknüpfungen • Entwicklung übergeordneter Gestaltungsprinzipien zur Verbindung der unter - schiedlichen Innenstadtbereiche im großen und kleinen Maßstab • Gestalterische, funktionale und verkehrliche Neuordnung des Übergangs vom Hafen zum Bahnhof und zur Altstadt • Gestalterische und funktionale Aufwertung des Schlossareals und der Altstadt - kante • Bebauung und Freiraumgestaltung minder genutzter Grundstücke in den Ver - flechtungsräumen (Vergabe- und Entwicklungsmodalitäten) F – Vernetzen innenstadtrelevanter Akteure • Weitere Stärkung einer Kooperation zwischen den Innenstadtakteuren • Einsetzen einer intermediären Stelle, die zwischen den Belangen der verschiede- nen Akteure vermittelt und ein Start-up-Netzwerk aufbaut und unterstützt • Einrichten eines langfristigen / wiederkehrenden Formats zum Zusammenfüh - ren der verschiedenen Akteure, in Kooperation mit der »Initiative Starke Innen - stadt« (IsI) und auch der ISG Bahnhofsviertel • Ausbau des Quartiersmanagements Altstadt 34 ISEK Münster 2030 | Baustein E: Bilanz 2020: Räumliches Leitbild SCHNITTSTELLEN ZU WEITERFÜHRENDEN PROZESSEN • InSEK Münster-Innenstadt, laufende Planung zur Konzeptentwicklung und Städtebauförderung; (dazu auch das »Sofortprogramm1 zur Stärkung unserer Innenstädte und Zentren in Nordrhein-Westfalen«, Programmaufruf 2020) • Quartiersentwicklung Martiniviertel / Hörster ParkplatzA, • Schlossplatzareal weiterentwickelnB, • vertiefende Standortprüfung Musik-CampusC, ... RESÜMEE / GRUNDSÄTZE • Die Innenstadt räumlich und funktional weiterdenken und angrenzende Lagen zur Erhöhung der Vielfalt, zur Bereicherung und zur Entlastung der Altstadt ein- beziehen. • Die Münsteraner Altstadt in ihrer Bedeutung und Funktion durch neue Verknüp- fungen zu stadträumlich und funktional wichtigen Lagen (z. B. Wissensquartiere, Hafen, …) stärken. • Die unterschiedlichen Altstadtquartiere profilieren und in Wirkungszusammen - hänge bringen. • Die öffentlichen Räume neu strukturieren, Frei- und Ruheräume mit Grün und Wasser stärken, und insbesondere die Straßenräume neu dimensionieren und die Verkehrsführungen ändern, die autoreduzierte Altstadt vordenken. • Die innenstadtrelevanten Akteure untereinander vernetzen und geeignete For - mate des Austauschs und der Zusammenarbeit initiieren. Abbildung 9: Leitbildelemente »Innenstadt ist mehr ... « 1 Sofortprogramm: https://www.mhkbg.nrw/sites/default/ files/documents/2020-07/sofortpro - gramm_zur_staerkung_unserer_innens - taedte.pdf A s. hierzu den Beschluss des Rates der Stadt Münster zu Vorlage V/0781/2019 unter: https://www.stadt-muenster.de/ sessionnet/sessionnetbi/vo0050.php?__ kvonr=2004045155 B s. hierzu den Beschluss des Rates der Stadt Münster zu Vorlage V/0774/2019 unter: https://www.stadt-muenster.de/ sessionnet/sessionnetbi/vo0050.php?__ kvonr=2004045148 C s. Beschluss des Rates der Stadt Müns - ter zu Vorlage V/0464/2019/1 unter: https://www.stadt-muenster.de/ses - sionnet/sessionnetbi/vo0050.php?__ kvonr=2004045423 ... 35 Leitthema: Innenstadt ist mehr ... Nahtstelle Aasee (Verknüpfungen, Freizeit & Erholung) Martiniviertel (Bildung und Kultur) Bahnhofsquartier (Verknüpfungen) Hafen (Aufenthalt, Dienstleistungen & Gastronomie) Schlossareal (Verknüpfungen) Fokusräume - Herausarbeiten spezifischer Quartiers-Profile Verspoel (T estraum für Zwischennutzungen) Kreativviertel am Hawerkamp (Kultur, Musik, Kunst) verkehrliche und gestalterische Neuordnung der Übergänge zwischen den Einfallstraßen und der Promenade Stärken und Profilieren der Einfallstraßen T estraum: Rückgewinnung von Aufenthaltsflä- chen / Rückgewinnung der Parkplätze Verbindung der unterschiedlichen Innenstadtbe- reiche durch den Ausbau funktionaler Wegebe- ziehungen sowie übergeordneter Gestaltungs- elemente wichtige innerstädtische Grünflächen Potenzialflächen für bauliche Entwicklung Potenzialflächen für Freiraum Prüfen des Entwicklungspotenzials Umgestaltung von Straßenräumen Stand: Juni 2020 Zukunftsquartier südlich DEK (Wohnen, Innovation, Gewerbe, Freiraum) südl. Hafenbecken 1 (Kultur und Dienstleistung) 36 ISEK Münster 2030 | Baustein E: Bilanz 2020: Räumliches Leitbild »Vielfalt der Stadtteile – Fit für den Alltag, fit für die Zukunft« Die Stadtteile sind der wesentliche Bezugsort für das alltägliche Leben der Einwohne - rinnen und Einwohner Münsters. In zahlreichen Bundes- und Landesprogrammen hat in den vergangenen Jahren die Stadtteil- und Quartiersentwicklung an Bedeutung gewon- nen. Schließlich muss sich auf dieser Ebene besonders beweisen, ob der Lebensalltag gut funktioniert oder nicht. Ein breites Spektrum an Wohnmöglichkeiten, Angeboten im vorschulischen und schulischen Bereich, die medizinische Versorgung, Lebensmittelan- gebote im Nahbereich, der Zugang zu Sozial-, Kultur-, Sport- und Freizeiteinrichtungen, gut und sicher erreichbare Haltestellen des öffentlichen Verkehrs, all das wird mit Alltags- qualität verbunden. Dies nach Eigenart der Stadtteile bestmöglich sicherzustellen, ist ein wesentliches Anliegen der Stadtentwicklung und -planung in Münster. Die Fragen nach der Zukunft der Stadtteile besitzen einen hohen Rang und die Stadtteilentwicklungspla- nung fast schon traditionell große Bedeutung. Hieran gilt es anzuknüpfen. EINFÜHRUNG Eine besondere Prägung Münsters liegt in der Vielfalt seiner Stadtteile. Ein Blick in die Zahlenwelt verdeutlicht dies. Im Vergleich mit anderen Städten gleicher Einwoh- nerzahl ist das Stadtgebiet Münsters doppelt so groß. Und von den 30 deutschen Großstädten mit mehr als 250.000 Einwohnerinnen und Einwohnern weist Müns - ter die geringste Einwohnerdichte mit etwas über 1.000 Einwohnerinnen und Ein - wohnern je qkm auf. Diese Besonderheit liegt in der Geschichte der umfangreichen Eingemeindungen Mitte der 1970er Jahre begründet. Damals sind zwei Drittel des heutigen Stadtgebiets zu Münster dazugekommen und damit ein breites Spektrum unterschiedlicher Ortslagen. So wohnen heute rund 60 % der Münsteraner Bevölke- rung außerhalb der inneren Stadt. Die Vielfalt der Stadtteile wird in Münster als hohes Gut erachtet. So kann man in Münster ländlich wie auch städtisch leben, in kleinen, dörflichen Ortslagen wie Hä - ger oder mittelstädtisch wie in Hiltrup oder urban wie im Kreuzviertel. Diese Unter - schiedlichkeit verlangt maßgeschneiderte Entwicklungskonzepte, die in Münster mit geringen Ausnahmen fast flächendeckend vorliegen, wenn auch für einzelne Stadttei- le Aktualisierungsbedarf besteht. Das »Integrierte Stadtentwicklungskonzept« hat nicht die Aufgabe, konkrete, maß - geschneiderte Aussagen für die Stadtteilentwicklung zu treffen. Dies wird in den Stadtteilrahmenplänen oder Stadtteilentwicklungskonzepten geleistet. Das »Integ - rierte Stadtentwicklungskonzept« hat aber deren Stand bilanziert und systematisch aufbereitet. Und es macht darüber hinaus aus gesamtstädtischer Sicht Aussagen zu generellen Planungsaufgaben, die für die Stabilisierung und Weiterentwicklung der unterschiedlichen Stadtteile bedeutsam sind. ZENTRALE ECKPUNKTE Inhaltliche Eckpunkte Im Prozess der Erarbeitung des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes, in den Schlüs- selpersonengesprächen, in der Verwaltungswerkstatt, im Bezirksforum wie Stadtforum 37 Leitthema: Vielfalt der Stadtteile haben sich einige Eckpunkte für die Stadtteilentwicklung herauskristallisiert, die eher prozessualen als konzeptionellen Charakter haben. Im Folgenden werden dennoch so- wohl die inhaltlichen als auch die prozessualen Eckpunkte als generelle Hinweise dar- gestellt. Denn die spezifischen, maßgeschneiderten Vorschläge müssen im Rahmen der Stadtteilkonzepte mit ihren eigenen Prozessen und Formaten erarbeitet werden. Erhalt und Weiterentwicklung der Ortsteil-Identität Die Besonderheit jedes Ortsteils schlägt sich höchst unterschiedlich nieder, im öf - fentlichen Raum, in besonderen Gebäuden und Einrichtungen, im Vereinsleben und manchem mehr. Diese individuellen Merkmale gilt es zu erhalten, auch wenn sich durch Ausweisungen neuer Wohngebiete das Ortsteilleben verändern wird. Darauf ist in den Stadtteilkonzepten besonderes Augenmerk zu richten. Denn in den zahl - reichen Gesprächen vor Ort kam die Sorge zum Ausdruck, dass durch das »Wegbre - chen« gewohnter, traditioneller Einrichtungen und die Zunahme einer neuen Ein - wohnerschaft die Identität schrittweise verloren geht. Ortsmitten stärken, Begegnungsorte schaffen In einigen Stadtteilen ist eben das »Wegbrechen« von T reffpunkten und Begegnungs- orten, seien es Plätze, besondere Stadträume, Gemeindezentren, Gaststätten oder ähnliches aufgrund wirtschaftlicher und sozialer Veränderungen zu beklagen. Um dem zu begegnen, ist sowohl eine Bestandssicherungsstrategie beispielsweise über ein Leerstandsmanagement oder eine Pop-up-Börse erforderlich als auch eine Ent - wicklung von Flächen und Gebäuden, die neue Orte der Begegnung begründen kön- nen. Dafür gilt es, systematisch Flächen und Gebäude (evtl. im Rahmen besonderer Formate wie Zukunftspaziergängen oder ähnlichem) zu erfassen, die als stadtteilzent- rale Orte genutzt werden können, zum Beispiel: Rückgewinnung öffentlich nutzbarer Freiräume, Umgestaltung von Parkplätzen, Nutzungsüberlagerungen in bestehen - den Sporteinrichtungen, Nutzung von leeren Schulräumen nachmittags oder abends und ähnliches. Entscheidend ist dabei, dass die neuen Orte im Sinne der Program - matik »Dritte Orte«A stadtteilspezifisch, identifikationsfähig, bewohnerorientiert, ge - nerations- und kulturübergreifend, multifunktional, flexibel, mit überlagernden Nut- zungen, offen, attraktiv, barrierearm und weitestgehend konsumfrei sind. In diesem Aufgabenfeld bieten sich auch Sofortmaßnahmen oder temporäre Installationen an. Einrichten einer langfristigen Stadtteilkoordination auf drei Ebenen Aus der Erfahrung von Verwaltungsabläufen wird oftmals auch die nicht ausreichen- de Koordination und T ransparenz bei der Umsetzung von Ideen und Projekten der Stadtteile beklagt. Hierfür ist es erforderlich, die Rolle des »Stadtteilkümmerers« wie- derzubeleben und auf den folgenden drei Ebenen die Koordination von Projekten und Maßnahmen zu verbessern: A Als »Dritte Orte« werden in einem Pro- gramm des nordrhein-westfälischen Mi- nisteriums für Kultur und Wissenschaft Plätze bzw. Orte des Zusammentreffens und der Begegnung bezeichnet. 38 ISEK Münster 2030 | Baustein E: Bilanz 2020: Räumliches Leitbild • Innerhalb des Stadtteils: Verstetigung des internen Austausches durch das For - mat der Stadtteilkonferenz, Koordination des Stadtteil-Engagements durch lang - fristig eingebundene »Stadtteilkümmerinnen und Quartiersmanager«. • Zwischen den Stadtteilen: Aufbau einer Plattform für einen Austausch der Stadt- teile untereinander, da teilweise ähnliche Problemstellungen vorhanden sind (ggf. durch Öffnung der o.g. Stadtteilkonferenzen), dadurch auch Austausch der Vereine intensivieren. • Schnittstelle zur Stadt: Einsetzen einer dauerhaften Begleitung durch »Stadtteil-/ Quartiersmanagements« als Prozesssteuerung und Kommunikations-Schnitt - stelle zwischen Stadtteilen und Verwaltung (mit dem Ziel eines regelmäßigen Austausches durch eingespielte Prozessgestaltung). Fortführung stadtteilorientierter Formate Für die Stadtteile gilt in besonderem Maße, dass alle Dialogverfahren, die im Rahmen der Stadtteilentwicklungskonzepte begonnen werden, keine Einmal-Aktion sind, son- dern eine Verstetigung erfahren. Für ein Reagieren auf die jeweiligen Besonderheiten der Unterschiede in den Stadtteilen wäre es ratsam, dabei auch spezifische Formate zu entwickeln, wie einem »Handorf-Dialog« oder ein »Amelsbürener Gespräch« o. ä. LEITBILDELEMENTE UND RÄUMLICHE ORIENTIERUNG Das »Integrierte Stadtentwicklungskonzept« kann keine konkreten, örtlich spezifi - schen Aussagen pro Stadtteil treffen, will aber aus gesamtstädtischer und thematisch integrierter Sicht insbesondere auf zwei generelle Aufgabenfelder aufmerksam ma - chen, die in den Eckpunkten schon angerissen sind: • Integration der neuen Wohnbauflächen und • Schaffen von Orten der Begegnung, sog. Dritter Orte. Querschnittsaufgabe 1: Integration neuer Wohnbauflächen in Freiraum und Siedlungsbestand Neue Wohnbauflächen erfordern einen integrierten Ansatz der Stadtentwicklung. Statt losgelöster Insellösungen sind baulich-räumliche sowie funktionale Bezüge (»Dialoge«) zu den Beständen herzustellen. Hierbei sind einerseits Verbindungen zu gebauten Räumen (vorhandene Siedlungsbereiche, Ortsteilkerne etc.) als auch An - knüpfungen an vorhandene Freiräume (großräumige Landschaft im Außenbereich, kleinteilige Grünräume im Innenbereich) zu bedenken. Auch die Durchlässigkeit des neuen Gebietes an sich ist entscheidend. Zudem gilt es Bezüge und Anbindungen zur örtlichen Nahversorgung, dem Nahverkehr, zur sozialen und technischen Infrastruk- tur herzustellen. Die vorgesehenen Wohnbauflächen bringen je nach Lage und Orts- bezug unterschiedliche Entwicklungsbedingungen und damit auch unterschiedliche Aufgaben mit sich. Einige dieser Typen sollen hier schematisch vorgestellt werden: 39 AUFGABEN: Anbindung an die örtliche Nahversorgung: • Anbindung an vorhandene Nahversorgung im Ortsteilzentrum herstellen, Sicherstellen der Nahversorgung im Stadtteil durch Aufbau/Erweiterung von Versorgungsangeboten an zentralen Orten • ggf. Integrieren von neuen Nahversorgungsangeboten innerhalb des neuen Ent - wicklungsbereichs (z. B. über Nutzung der EG-Zonen für öffentliche Nutzung) Bauliche Verknüpfungen zur gebauten Umgebung: • städtebauliche Anknüpfung an bestehende Siedlungsbereiche, u. a. über gemein- same Gestaltungsleitlinien, übergeordnete gestalterische Elemente und Qualitä - ten Anbindung an Begegnungsorte und Ortsmittelpunkte: • Anbindung an die Ortsmitte schaffen (zentraler Kommunikations- und Identifi - kationsort des Stadtteils) • Anknüpfen an bestehende Begegnungsorte (von Grün- und Landschaftsräumen bis zu Begegnungsstätten und Gemeinschaftshäusern) • Schaffen neuer Begegnungsorte/neuer »Mitten« in den neuen Quartieren (über Gestaltung der Freiräume, Aufbau von Quartiershäusern etc.) – Schaffen »Dritter Orte«, die generationen- und milieuübergreifend wirken können • Anbindung an soziale Infrastruktur, ggf. Integrieren neuer Infrastruktur inner - halb des neuen Entwicklungsbereichs Anbindung an den Öffentlichen Nahverkehr: • Anbindung des Entwicklungsbereichs an das örtliche SPNV-System über (Rad-) Wegeverbindungen und Velorouten/ÖPNV-Angebote etc. • Anknüpfungen an das örtliche ÖPNV-System (Zugang zu Haltestellen herstel - len); ggf. Ausbau der T aktungen bei erhöhtem Personenaufkommen Bezüge zum klein- / großteiligen Freiraumsystem: • Anbindung an vorhandene (innerörtliche) Grünbereiche (Parkanlagen, kleine Wälder, Spielflächen, Sportflächen etc.) • starke Verknüpfungen der Wohnbaufläche mit der Landschaft (Hineinziehen der Landschaft in die neuen Wohnbauflächen und Verknüpfung aus der Wohnbauflä- che in den Außenbereich) • Schützen und Qualifizieren von bereits vorhandenen angelegten Grünbereichen innerhalb der Wohnbaufläche • Integration von neuem klein- und großteiligen Quartiersgrün sowie hohe Durch- lässigkeit durch kleinteilige Wegeverbindungen innerhalb des neuen Gebiets Leitthema: Vielfalt der Stadtteile 40 ISEK Münster 2030 | Baustein E: Bilanz 2020: Räumliches Leitbild Querschnittsaufgabe 2: Schaffen bzw. InWert-Setzen von Begegnungsorten Das Schaffen von lokalen, stadtteilspezifischen Begegnungsorten ist eine zentrale Auf- gabe und ein zentrales Anliegen der Münsteraner Stadtteile. Die jeweiligen Ortsteil - mitten stellen dabei einen wichtigen Kommunikationsort und T reffpunkt dar, prägen die Identität des Ortes und bringen die Bewohnerschaft zusammen. Sie übernehmen vielerorts die Funktion eines Begegnungsortes (Stichwort »Dritte Orte«). Mit Blick auf die Stadtteile werden in diesem Zusammenhang unterschiedliche Rahmenbedin- gungen sichtbar: es gibt Stadtteile mit bereits sehr starken Ortsteilmitten, solche mit schwachen oder sogar schrumpfenden Mitten und wiederum solche, die noch gar keine Ortsmitte besitzen. Durch den Zuwachs der o. g. großteiligen Wohnbauflächen- entwicklungen ist mancherorts eine Zentrenstabilisierung in Sicht, bei anderen gilt, es Impulse für die Ortsmitten zu setzen, ohne dass ein Einwohnerzuwachs in Sicht ist, und dann gibt es Stadtteile, bei denen der erste Aufbau einer solchen im Fokus steht. Das Schaffen von stadtteilspezifischen Ortsteilmitten als Begegnungsort kann durch verschiedene Maßnahmen erreicht werden. Einige dieser Aufgaben sollen hier im Folgenden schematisch vorgestellt werden: Abbildung 1: Herausforderungen der Stadtteile – Querschnittsaufgabe 2: Beispiel für Schaffen/InWert-Setzen von Begegnungs- orten 41 Leitthema: Vielfalt der Stadtteile AUFGABEN: • vorhandene Stadtteilmitten stärken • Neue Mitten schaffen QUALIFIZIERENDE MERKMALE: • bedarfsorientiert und stadtteilspezifisch (entspr. Stadtteilidentität) • nutzer- und bewohnerorientiert • ortsnah, lokal, vernetzt • generationsübergreifend bzw. altersspezifisch • multifunktional, flexibel, überlagernde Nutzungen • kulturübergreifend • offen, attraktiv, belebt • konsumfrei • barrierefrei SET AN MASSNAHMEN Inwertsetzen des öffentlichen Raumes • Sanierung / Umbau öffentlicher Plätze (u. a. Berücksichtigung der Barrierefrei - heit, Stärkung der Aufenthaltsqualität durch Sitzmöglichkeiten etc.) • Gestaltung der Ortsmitten (von kleinen Interventionen bis hin zu größeren Um - baumaßnahmen) • Inwertsetzen öffentlicher Grünanlagen wie Stadtteilparks (mit Sitzbereichen, Spielgeräten, Sportmöglichkeiten etc.) • T emporäre Installationen, z. B. Kunstinstallationen auf öffentlichen Freiräumen • Räume für Aneignung frei halten Stärkung der Randnutzung an zentralen Plätzen • Einrichten von neuen attraktiven Randnutzungen zur Stärkung der Aufenthalts - qualität, Schaffen von Begegnungsorten im Ortskern, z. B. durch Cafés • Beleben der öffentlichen Erdgeschosszonen • Stärken des lokalen Einzelhandels durch lokale Bündnisse • Integration von gemeinschaftlichen Orten (Dritte Orte, Quartierscafé, Quar - tierstreff, …) Umnutzung / Umwidmung / Mehrfachnutzungen von Freiräumen • z. B. Umnutzen eines überdimensionierten Parkplatzes, ggf. vollständiges Um - widmen zu neuem Aufenthaltsraum / Spielfläche • z. B. Umwidmen von Straßenräumen / Rückbau von Straßenspuren zu Fahrrad- und Spielstraßen • Mehrfachnutzung von Freiräumen durch zeitlichen Versatz, z. B. Nutzen eines 42 ISEK Münster 2030 | Baustein E: Bilanz 2020: Räumliches Leitbild Schulhofes am Abend für Sportzwecke o. ä. • temporäre Umnutzung, Durchführung von »Reallaboren« zum T esten der Akzeptanz Aufbau von neuen Begegnungsstätten durch Umnutzung, Umwidmung, Mehr- fachnutzung und auch Neubau • Neubau von Begenungsstätten (Neubau / Bestandsbau) • Mehrfachnutzungen von Schulen (inkl. Sporthallen), Kindergärten und anderen öffentlichen Einrichtungen als Begegnungsräume durch zeitlichen Versatz (z. B. dezentrale VHS-Abendkurse, Sportaktivitäten etc.) • Nutzen von (ehemaligen) Kirchengebäuden als Begegnungsstätte • Multifunktionsläden • Zwischennutzungen in leerstehenden Gebäuden Ergänzende Information zur Karte der Leitbildelemente: Die Umsetzung der Stadt - teilentwicklungskonzepte, die Stärkung der Stadtteilidentität und die Förderung des Engagements von Stadtteilakteuren wird durch Stadtteilkümmerinnen/-kümmerer und Quartiersmanagerinnen/-manager unterstützt. Die »Altengerechte Quartiersent- wicklung« wird in einigen Quartieren im Stadtgebiet als Stadtteilentwicklung mit be- sonderem Schwerpunkt durchgeführt. SCHNITTSTELLEN ZU WEITERFÜHRENDEN PROZESSEN • Einsatz von Stadtteilkümmerern und -kümmerinnen • Fortführung der »Altengerechten Quartiersentwicklung« • Fortführen und Verstetigen von ortsspezifischen Stadtteil-Entwicklungsprozessen und -werkstätten zur Entwicklung von Stadtteilkonzepten und zu Schlüsselfragen der Ortsgestaltung • Fortsetzung Zukunftsspaziergänge • ... RESÜMEE / GRUNDSÄTZE • Ortsteil-Identitäten erhalten und weiterentwickeln durch Erarbeitung stadtteil - spezifischer Stadtteilkonzepte • Attraktive, multifunktionale, generations- und kulturübergreifende Ortsmitten und weitere Begegnungsorte schaffen, stärken und schützen • Langfristige Stadtteilkoordination auf drei Ebenen einführen: innerhalb des Stadt- teils, zwischen den Stadtteilen, Schnittstelle zur Stadt • Stadtteilorientierte Formate zur Verstetigung eines langfristigen Austausches ein- bzw. fortführen • ... ... Abbildung 2: Leitbildelemente »Vielfalt der Stadtteile« Senden Ottmarsbocholt Bösensell Hohenholte Altenberge Gimbte Vadrup T elgte Albersloh Westbevern H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H HANDORF Stadtteilrahmenplan für Handorf, Sud- mühle, Mariendorf, Gelmer, 2009 Stadtteilentwicklungskonzept Handorf, Mariendorf, Sudmühle und Gelmer KINDERHAUS Stadtteilentwicklungskonzept „Kinderhaus miteinander-füreinander!“, 2012-2016 Integriertes Handlungskonzept „Kinderhaus - Brüningheide“, soziale Stadt, seit 2007 COERDE Integriertes Stadtteilentwicklungs- konzept MAURITZ-OST „Altengerechte Quartiersentwicklung“ HANSAVIERTEL Planungswerkstätten Bremer Platz, 2019 HAFEN Masterplan Stadthäfen, 2011 Fortschreibung Masterplan Stadthäfen NIENBERGE (-HÄGER) Stadtteilentwicklungskonzept, 2020 GIEVENBECK „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“ Gie- venbeck-Ortsmitte, 2009 Leitbildentwicklung für die Ortsmitte von Gievenbeck, 2015 Konversionskonzept Oxford-Kaserne, 2018 ALBACHTEN Zukunftswerkstatt, 2019/2020 AMELSBÜREN Zukunftswerkstatt, 2018 HIL TRUP(-OST) „Altengerechte Quartiersentwicklung“ Stadtteilentwicklungskonzept Hiltrup-Ost GREMMENDORF / ANGELMODDE-WEST Rahmenplan, 2011 Konversionskonzept York-Kaserne, 2018 WOLBECK „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“, 2014 BERG FIDEL Integriertes Stadtteilentwicklungs- konzept Berg Fidel RUMPHORST & SCHLACHTHOF „Altengerechte Quartiersentwicklung“ ROXEL Stadtteilrahmenplan, 2002 SPRAKEL Fortschreibung Integriertes Handlungskonzept Sprakel mit Maßnahmenkonzept, 2008 HIL TRUP(-WEST) AASEE & PLUGGENDORF Masterplan Aasee, 2011 „Altengerechte Quartiersentwicklung“ MECKLENBECK INNENSTADT InSEK Münster Innenstadt + Fortschreibung „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“, 2008, 2016 WISSENSCHAFTSSTADT Masterplan Urbane Wissensquartiere Quartiersentwicklung Busso-Peus-Str. / Steinfurter Straße 43 Leitthema: Vielfalt der Stadtteile Abgeschlossene Konzepte Laufende Konzepte Konzepte in Vorbereitung zu prüfen: Aktualisierung / Neuaufstellung Förderung der Stadtteilentwicklung durch Erarbeitung spezifischer Entwicklungskonzepte Reaktivierung der WLE-Strecke Velorouten, Planung und Realisierung geplante S-Bahn-Haltestellen S-Bahn Münsterland und Veloroutennetz (Stadtregionales Veloroutennetz 2016, S-Bahn Münsterland – Angebotszielkonzept 2019) H H Stufe 1: Baulandaktivierung Stufe 1: Prioritäres Projekt Neue urbane Stadtquartiere Stufe 2: Flächensicherung Entwicklung von Bauland (Schwerpunkte aus Baulandprogramm 2020 – 2030) Stärkung zentraler Versorgungs- bereiche (Einzelhandels- und Zentrenkonzept 2018) City/Innenstadt, Stadtbe- reichszentren, Stadtteilzent- ren/Nahversorgungszentren Stadtteilzentrum/Nahver- sorgungszentrum geplant Stand: Dezember 2020 44 ISEK Münster 2030 | Baustein E: Bilanz 2020: Räumliches Leitbild »Münstersche Stadt-Landschaft – Siedlung und Freiraum in der Balance« Gerade in wachsenden Städten ist der ausbalancierten Entwicklung von Siedlung und Freiräumen besondere Beachtung zu widmen – soll der Zuwachs an Einwohnerinnen und Einwohnern nicht mit einer Minderung der Lebensqualität einhergehen. Das gilt in besonders hohem Maße auch für die Stadt Münster, welche durch die enge Verzahnung von Siedlung und Freiräumen ebenso geprägt ist wie durch die fließenden Übergänge in die Münsterländer Parklandschaft. Im ersten Entwurf eines räumlichen Leitbildes gilt daher der »Verzahnung« von Freiräumen und (neuen) Siedlungsflächen sowie der Fortführung der Freiräume innerhalb der Siedlungen besondere Aufmerksamkeit. EINFÜHRUNG Die besondere Bedeutung, die den Freiräumen in Münster zukommt, ist im Rahmen der Arbeiten am Integrierten Stadtentwicklungskonzept auf vielfache Weise unter - strichen worden: Der große Anteil an Freiflächen ist ein Alleinstellungsmerkmal un- ter Deutschlands Großstädten und prägt das Image der Stadt wesentlich. Aus Sicht der Stadtbevölkerung machen die Grünräume – ihre Präsenz im Stadtbild, die Nähe zu den Wohnstandorten, die Übergänge in die Münsterländer Parklandschaft etc. und damit ihr großer Wert für Freizeit und Erholung – einen erheblichen Anteil der Le - bensqualität in Münster aus. In allen Erörterungen wurde immer wieder auf dieses »wertvolle Erbe Münsters« hingewiesen, das es auch in Zukunft zu erhalten und zu pflegen gelte. Darüber hinaus sind die Freiräume aber auch stadtklimatisch bedeutsam, bieten Po - tenzial für eine resiliente Stadt und für einen Erhalt und die Förderung der Biodiver- sität. Nicht zuletzt sind sie auch »Produktionsstandort« der Landwirtschaft, deren Bedeutung für die Stadt nicht nur flächenmäßig erheblich ist. Damit stellen sich zunächst grundsätzlich vier Aufgaben für die Stadt- und Freirau - mentwicklung: • Freiflächen sichern und neue (etwa im Zuge von Redevelopments) hinzugewin - nen, sie (durch Nutzung, Gestaltung und Vernetzung) in Wert setzen, und nach- haltig pflegen und entwickeln. • Die Neuinanspruchnahme bislang unbebauter Flächen, insbesondere im Außen- bereich, mindern. • Bauliche Entwicklung durch Nachverdichtung und Redevelopment möglichst auf Innenbereiche konzentrieren. • Freiraum- und Siedlungsentwicklung als Zusammenhang betrachten und auch planerisch entsprechend gestalten, damit auch in dieser Hinsicht eine Balance hergestellt wird. Für eine wachsende Stadt wie Münster stellt die Auseinandersetzung mit diesen Auf- gaben eine besondere Herausforderung dar. Um den Anspannungen im Wohnungs- markt entgegen zu wirken, wurde bereits ein umfassendes, über das Jahr 2025 hinaus 45 Leitthema: Münstersche Stadt-Landschaft reichendes Baulandprogramm auf den Weg gebracht (vgl. dazu auch unsere Darstel- lung zum Handlungsfeld Wohnen in Baustein D der Berichterstattung). Das bezieht sich sowohl auf Flächen im Innenbereich wie auf Arrondierungen an vorhandenen Siedlungsrändern und Ergänzungen von Ortslagen. Hinzu tritt die aktuelle Entwick- lung von drei neuen ambitionierten »Zukunftsquartieren«. An allen diesen Stellen muss dem Bemühen um eine Freiraum- und Siedlungsent - wicklung in der Balance besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden. Eine punktu- elle Betrachtung allein würde der Aufgabe aber nicht gerecht. Sie bedarf zudem der Einbettung in übergreifende Maßstabsebenen. Bei alledem ist in Münster die besondere Verzahnung von Stadt und Landschaft, von Siedlungs- und Freiraum, von Landschaftsräumen und Stadtquartieren zweifellos ein zentrales Charakteristikum, das auch für die zukünftige Stadtentwicklung orientie - rende Kraft haben sollte. ZENTRALE ECKPUNKTE Es gibt bereits diverse Planungsgrundlagen für die Landschafts- und Freiraument - wicklung – vom Grünordnungsplan bis zum Regionalplan Münsterland. Zudem gibt es klare Ziele zum sparsamen Umgang mit Grund und Boden – etwa im Zielsystem der Global nachhaltigen Kommune, wo der »Erhalt der natürlichen Lebensgrundla - gen« eine gewichtige Rolle spielt. Und nicht zuletzt wurde Münster als flächenspa - rende Kommune zertifiziert, was auch als programmatische Aussage für die Zukunft gelten kann. Nicht alle programmatischen Aussagen sind jedoch bereits hinreichend operationa - lisiert und nicht alle freiraum- bzw. landschaftsbezogenen Pläne sind auf aktuellem Stand. Das gilt insbesondere für die Bezugnahme auf aktuell bzw. geplante Sied - lungsflächenentwicklungen. Insofern sind hier weitere Planungsschritte notwendig. Für sie lassen sich aber aus der Arbeit am Integrierten Stadtentwicklungskonzept, insbesondere aus den verschiedenen Erörterungen, die in diesem Rahmen mit Fach- leuten und Stadtöffentlichkeit geführt wurden, einige Orientierungen gewinnen: Siedlungs- und Landschaftsentwicklung als Zusammenhang betrachten Die Verflechtung von Siedlungs- und Landschaftsräumen ist charakteristisch für die Stadtstruktur Münsters. Sie muss erhalten und weiterentwickelt werden. Dabei ist dem Zusammenhang von offenen und bebauten Räumen auf allen Maßstabsebenen Rechnung zu tragen. Dies bedeutet, dass höhere bauliche Dichten, wo immer diese mit der Charakteristik der Ortslagen vereinbar ist, als Beitrag zu einer Reduktion der Flächeninanspruch - nahme in Betracht gezogen werden sollen. Eine in diesem Sinne behutsame Weiter - entwicklung der Stadtstruktur ist auch unter den Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit und der Klimagerechtigkeit von großer Bedeutung. Ein solcher Ansatz ist auch in Münster nicht neu, denn schon im »Handlungsprogramm Flächensparende Entwick- lung« wurde u. a. die »Erstellung eines integrierten raumfunktionalen Gesamtkon - Abbildung 1: Grünordnung Stadt Münster: Grünsystem / Freiraumkonzept Abbildung 2: Grünordnung Stadt Münster: Zielkonzept Naturraum Abbildung 3: Grünordnung Stadt Münster: Zielkonzept Freizeit und Erholung 46 ISEK Münster 2030 | Baustein E: Bilanz 2020: Räumliches Leitbild zeptes zur Weiterentwicklung der Siedlungsstruktur« gefordert. Dies gilt es, auch mit nächsten planerischen Schritten aufzugreifen und umzusetzen. Für die Entwicklung eines Freiraum- und Siedlungsentwicklung im Zusammenhang betrachtenden Konzeptes ist die Einbeziehung aller Flächennutzenden von Bedeu - tung. Das gilt in Münster in besonderer Weise auch für die Landwirtschaft. Darauf wurde sowohl im Rahmen der ISEK-Schlüsselpersonengespräche (Band B) wie wäh - rend der Erörterungen im Stadtforum (Band D) nachdrücklich hingewiesen. Land - wirtschaftliche Flächen sind nicht nur als Raum der Lebensmittelproduktion von Be- deutung, sondern dienen auch dem Landschafts- und Klimaschutz sowie Gesundheit, Freizeit und Erholung. Insofern geht es hier um Perspektiven für die Entwicklung dieser Räume, aber auch – zum Beispiel – um die Nutzung von Potenzialen einer stadtnahen Landwirtschaft (unten). Freiräume als Bausteine der Stadtentwicklung: erhalten, qualifizieren, vernetzen Die Freiräume sollen nicht »Rest«, sondern wichtiger Baustein der Stadtentwicklung sein. Daher gilt es auch die Entwicklung der wachsenden Stadt vom Freiraum her zu denken, Zusammenhänge zu sehen bzw. herzustellen, Nutzbarkeit zu verbessern, Pri- oritäten zu setzen, um so den nicht vermeidbaren Erweiterungen der Siedlungsflächen Qualitätsverbesserungen im Freiraum gegenüberstellen zu können. Dafür müssen vorhandene Freiräume möglichst erhalten, der Freiraumbestand wei - ter qualifiziert und profiliert sowie die einzelnen Flächen untereinander vernetzt und zugänglicher gestaltet werden. Dieser Grundsatz bezieht sich sowohl auf großflächige Landschaftsräume wie auf kleinteilige Grün- und Freiflächen (s. u.). Darüber hinaus sollten im Innenbereich weiterhin Potenzialflächen erschlossen werden, etwa durch Rückbau von bzw. Heranbauen an Verkehrsflächen. Mit diesem Zugang lassen sich ggf. neue Flächenpotenziale entdecken, deren Umnutzung weniger konfliktbehaftet sein mag. Bei alledem muss die Bedeutungsvielfalt von Freiräumen, also ihren • sozialen (Gesundheit, Freizeit und Erholung, Spiel, Sport, T reffpunktcharakter etc.) • ökologischen (Klima, Biodiversität, Bodenschutz, Resilienz etc.) • ökonomischen (Grün als Standortfaktor, Land-/Forstwirtschaft etc.) Funktionen und Potenzialen sowie deren möglichen Überlagerungen in der Fläche ge- recht werden. Auch hier ist eine bedarfsorientierte Grünflächenentwicklung unter Betei- ligung der lokalen Bewohnerschaft und der die Flächen nutzenden Akteure umzusetzen. Siedlungsflächenerweiterungen frühzeitig in die Freiflächenentwicklung integrieren In vielen Stadtteilen Münsters wurden im Rahmen der Baulandprogramme Flächen für eine zukünftige Siedlungsentwicklung ins Auge gefasst. Solange noch keine Aktu- alisierung des gesamtstädtischen Freiraum- und Landschaftskonzeptes vorliegt, emp- fiehlt es sich, für solche T eilräume lokale Grünordnungskonzepte zu erarbeiten, die dreierlei leisten: 47 • Schutz empfindlicher Natur- und Landschaftsbereiche u. a. durch die Definition von Siedlungskanten • Sicherung der Zugänge in die offene Landschaft • überzeugte und überzeugende Integration von Grün- und Freiraumelementen in die geplante Struktur der Neubebauung Einer Verknüpfung mit vorhandenen Ortslagen – die auch durch Freiraumelemente geleistet werden kann – kommt dabei besondere Bedeutung zu (vgl. Leitthema »Viel- falt der Stadtteile«). Die Profilierung von naturnahen Erholungsräumen mit Bezug zur Stadtteilentwicklung stellt eine zentrale Entwicklungsaufgabe dar. Insbesondere bei neuen Baugebieten gilt es, von vornherein die Integration von und den Anschluss an Freiräume mit zu bedenken und zu planen. Das alles macht deutlich, dass hier eine harmonische Verknüpfung von Stadtteilent - wicklung, Neubauplanungen und Grünordnung anzustreben ist. Potenziale einer stadtnahen Landwirtschaft nutzen Die Landwirtschaft ist ein prägendes Element der Münsterschen Stadt-Landschaft. Die Verschränkung von Siedlungs- und landwirtschaftlich genutzten Flächen ist ein besonderes Merkmal der Region, das es stärker zu nutzen gilt. Die Rolle der Landwirt- schaft soll daher in Zukunft stärker hervorgehoben, der Dialog mit ihren Akteuren vertieft und die Vernetzung stärker gelebt werden. Zur Integration der Landwirtschaft sollen daher zeitnah Handlungsüberlegungen im Dialog erarbeitet werden, um unter anderem folgende Themen voranzutreiben: • lokale Vermarktung der Münsterländer Produkte • Thematisierung von Ernährung, regionalem Einkauf, Bezug zur Innenstadt • integriertes Betrachten der landwirtschaftlichen Entwicklung im Zusammenhang mit den Münsterschen Siedlungsbereichen (Thema Vernetzung, insb. an städti - schen Randlagen) • Stärkung der biologischen Landwirtschaft in der Region Als planerisches Werkzeug wird die integrierte Erarbeitung eines Handlungskonzep- tes »Stärkung der Urbanen Landwirtschaft Münster« vorgeschlagen. Auf drei Maßstabsebenen planen und handeln Ungeachtet der Notwendigkeit, schon jetzt in T eilräumen ggf. maßnahmenbezogen tätig zu werden, ist es erforderlich • im regionalen Kontext (die Verzahnung ins Umland ist gerade in Münster von besonderer Bedeutung) • gesamtstädtisch (verschiedene Fachplanungen in Perspektivplanung integrieren und ggf. planungsrechtlich umsetzen) • und teilräumlich (Stadtteil-Entwicklungs- und Rahmenplanung mit Blick auch auf und in die landschaftlichen Freiräume) zu planen und zu handeln. Leitthema: Münstersche Stadt-Landschaft 48 ISEK Münster 2030 | Baustein E: Bilanz 2020: Räumliches Leitbild LEITBILDELEMENTE UND RÄUMLICHE ORIENTIERUNG Die Zwischenbilanz des ISEK Münster 2030 in Form eines Entwurfs für ein Räum - liches Leitbild geht vom derzeit erreichten Stand, wie er in den Fachplanungen vor - gefunden wurde, und der ganz aktuellen Arbeit an den Leitthemen des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes aus. Das bezieht sich einerseits auf die tatsächliche Flä - chennutzung im Stadtgebiet und deren absehbare Veränderungen (etwa durch das aktuelle Baulandprogramm). Andererseits werden vorliegende bzw. sich in Erarbei - tung befindende programmatische und planerisch-konzeptionelle Inhalte aufgegrif - fen. Bezogen auf dieses Leitthema sind dies die allgemeinen Zielsysteme etwa des Klima- schutzes, der Klimaanpassung und der Nachhaltigen Entwicklung auf der einen und raumbezogene Aussagen zur Freiraum- und Landschaftsentwicklung in der Gesamt- stadt (und darüber hinaus) auf der anderen Seite – also insbesondere die Inhalte des Grünordnungsplanes (2012) der Stadt Münster.A Letzterer bedarf vermutlich in absehbarer Zeit – etwa im Sinne einer integrierten Perspektivplanung – der Weiterentwicklung. Diese wird vermutlich dann auch Aussa- gen zur Binnengliederung und Funktionszuweisung der gesamten Grün- und Land - schaftsräume enthalten. Zum jetzigen Stand kann also der Beitrag räumlicher Leitbildelemente zur »Münster- schen Stadt-Landschaft« vor allem darin bestehen, • die geplanten Veränderungen der Flächennutzung (durch Siedlungsflächener - weiterungen und beabsichtigte Entwicklungen im Freiraum) und die damit ver - bundenen Handlungserfordernisse zu verdeutlichen (Gesamtplan), • auf Bereiche hinzuweisen, in denen schon jetzt der Integration von Freiraum- und Siedlungsflächenentwicklung besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden sollte (»Nächste Schritte – En detail«), • und zudem die Bedeutung thematisch fokussierter gesamtstädtischer Konzepte (etwa zur Urbanen Landwirtschaft, zu radialen und tangentialen Wegesystemen etc.) zu unterstreichen (»Nächste Schritte – En gros«). Abbildung 4: Leitbildelemente »Münstersche Stadt-Landschaft« A weitere Informationen zur Grünord - nung unter https://www.stadt-muenster. de/umwelt/umwelt-und-freiraumpla - nung/gruenordnung-muenster.html Senden Ottmarsbocholt Bösensell Hohenholte Altenberge Gimbte Vadrup T elgte Albersloh Westbevern 49 Landwirtschaftsfläche Innerer Grünring – Promenadenring Stufe 1: Prioritäre Projekte Waldfläche Parkanlagen (in Planung) Freizeit- und Erholungs- schwerpunkte (in Planung) Äußerer Grünring Neue urbane Stadtquartiere Grünfläche Grünzüge („Grünfinger“) Stufe 1: Baulandaktivierung Siedlungsfläche Funktionale Grünverbindungen Stufe 2: Flächensicherung Gewerbefläche Systemüberlagernder Grünzug – Dortmund-Ems-KanalWasserfläche Parkanlagen Freizeit- und Erholungsschwerpunkte Landschaftsparks (in Planung) Verkehrsfläche Velorouten Flächennutzung (Bestand) Freiraumentwicklung Aufmerksamkeitsbereiche für eine integrierte Freiraum- und Siedlungsentwicklung Landschaftsschutzgebiet Naturschutzgebiet Aussagen des Regionalplans Leitthema: Münstersche Stadt-Landschaft Stand: Dezember 2020 Entwicklung von Bauland (Schwerpunkte aus Baulandpro- gramm 2020 – 2030) 50 ISEK Münster 2030 | Baustein E: Bilanz 2020: Räumliches Leitbild Anregungen zu nächsten Schritten 1. »En Detail«: Aufmerksamkeitsbereiche für integrierte Freiraum- und Siedlungsentwicklung Der Integration von Siedlungs- und Freiraumentwicklung sollte schon jetzt vor allem dort besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden, wo geplante Siedlungsflächener- weiterungen sich mit Freiraumstrukturen und -qualitäten überlagern. Einige Beispie- le: Beispiel Hiltrup (Osttor) • Siedlungsflächenentwicklung (»Prioritäres Pro - jekt«) und geplanter Landschaftspark bedürfen integrierter Planung Beispiel Hiltrup Mitte-Süd • Verschiedene Anforderungen zusammenfassen - des Konzept für geplanten Landschaftspark und geplanten Freizeit- und Erholungsschwerpunkt, systemüberlagernder Grünzug entlang des Ka - nals und Zufahrt zur B54, Integration Erweite - rung Kläranlage erforderlich Beispiel Mauritz-Ost • Siedlungsflächenentwicklung (»Prioritäres Pro - jekt«), im Grünordnungsplan vorgesehener »Grünfinger« und geplante Parkanlage bedürfen integrierender Konzeption Beispiel Urbane Wissensquartiere • Besondere Vernetzung und Einbeziehung land - schaftlicher Elemente in das neue Quartier sowie Verschränkung von Freiraum- und Siedlungsent- wicklung an Siedlungsrändern erfordern integ - rierte Konzepte Abbildungen 5-8: Aufmerksamkeitsbereiche für eine integ - rierte Freiraum- und Siedlungsentwicklung 51 2. »En Gros«: Integrierte Planungsansätze Die Auseinandersetzung mit der »Münsterschen Stadt-Landschaft« sollte auch in Zu - kunft nicht als Nebeneinander verschiedener Fachplanungen, sondern im Rahmen in- tegrierten Ansatzes erfolgen. Dies kann • im Rahmen von gesamtstädtischen (und das Stadtumland einbeziehenden) Pla - nungsansätzen geschehen, wie sie etwa im Rahmen von Beiträgen des Stadt-Umland- Wettbewerbes NRW oder mit dem Perspektivplan Freiburg 2030 verfolgt wurden; • in thematisch fokussierten Konzepten seinen Ausdruck finden, die sich etwa der Erschließung der Frei- und Landschaftsräume durch Wegenetze (für Rad- und Fußverkehr) widmen. Angesichts der besonderen Bedeutung der Landwirtschaft in und für Münster läge ein integriertes Handlungskonzept »Stärkung der Urbanen Landwirtschaft« nahe. SCHNITTSTELLEN ZU WEITERFÜHRENDEN PROZESSEN • Generell/programmatisch: Global nachhaltige Kommune, Masterplan 100 % Kli- maschutz, Klimaanpassungskonzept • Integrierte Weiterentwicklung der Landschafts- und Siedlungsentwicklung – z. B. durch thematisch fokussierte T eilkonzepte (»T angenten, Radialen: Wege in der münsterschen Stadt-Landschaft«) • Integrierte Erarbeitung eines Handlungskonzeptes »Urbane Landwirtschaft Müns- ter« • Integrierte teilräumliche Konzepte der Landschafts- und Siedlungsentwicklung in den »Aufmerksamkeitsbereichen«, womöglich im Kontext laufender Stadtteilent - wicklungsplanungen RESÜMEE / GRUNDSÄTZE • Integrierte, zusammenhängende Betrachtung der Siedlungs- und Landschaftsent- wicklung vorantreiben und auch in Planwerken manifestieren • Potenziale einer stadtnahen Landwirtschaft im Dialog identifizieren, ausbauen und nutzen • Freiräume als Bausteine der Stadtentwicklung: erhalten, qualifizieren, vernetzen • Siedlungsflächenerweiterungen frühzeitig in Freiflächenentwicklung integrieren • Auf drei Maßstabsebenen planen/handeln: regional, gesamtstädtisch, teilräumlich ... 4 5 Die Vision: Eine markante Struktur schafft Verbindun- gen und hält die Stadt zusammen! 3 Flussverbindungen Drei Fließgewässer prägen die Freiburger Landschaft. Die Freiräume entlang der Uferlinien sind ein erlebbarer, natürlicher Lebensraum mitten in der Stadt. Sie geben mit ihrem be gleitenden Wegenetz Orientierung und prägen die angrenzen- den Quartiere. Um diese Funktionen zu stärken, sollen Übergänge beibehalten oder neu geschaffen werden. Die Stadt soll sich entlang der Flussverbindungen auch baulich entwickeln. Die Nähe zu den Fließgewässern ist dabei Herausfor- derung (Hochwasserschutz) und Chance (Lebensqualität) zugleich. 3 Querverbindungen Die Querverbindungen orientieren sich an großen Verkehrs infrastrukturen. Neue Entwicklungen in der Mobilität, der ge plante Ausbau des schienengebundenen Nahverkehrs und vor allem die Stärkung des nichtmotorisierten Verkehrs eröffnen die Chance, bislang eher gemiedene Verkehrsachsen zu attraktiven, sicheren, grünen und belebten Bewegungsräumen in der Stadt umzubauen. 1 Die gekaperten Alleen – Besançonallee und Paduaallee 2 Die grüne Radweg verbindung entlang der Güterbahnstrecke 3 Die neue Wegachse entlang der Rheintalbahn 1 2 3 1 Der offene Landschaftsraum des Flugplatzes mit Wolfsbuck verbindet Stadion, Uniquartier, Mooswald, Messe und das Industriegebiet Brühl 2 Der Seepark verbindet Betzen- hausen und Mooswald 3 Der Sportpark verknüpft Haslach, St. Georgen und Vauban 3×3 Starke Verbindungen bieten Orientierung für Freiburgs städtebauliche und freiraumplanerische Zukunft. Entlang von Fluss, Quer und Parkverbindungen soll sich die Stadt entwickeln. Diese räumliche Leitidee hebt die starre Trennung zwischen Siedlungs- und Freiraumachsen auf – beide gehören zusammen, nehmen aufeinander Bezug und werden gemeinsam entwickelt. Die räumliche Leitidee hilft als Grundgerüst dabei, das richtige Projekt am richtigen Ort umzusetzen. So wird städtisches Wachstum gelenkt– genau in jene Räume, die aus fachlicher und gesellschaftlicher Sicht am besten geeignet sind. Um diese zeitgemäße räumliche Leitidee entwickeln zu können, wurden zunächst unterschiedliche Denkrichtungen einer zukünftigen Stadtentwicklung öffentlich diskutiert und auf ihre Eignung für Freiburg hin untersucht. Die Kombination aus „Star- ken Verbindungen“ und „Identitätsstiften- den Parks“ passte aus Sicht der Stadtgesell- schaft am besten zu Freiburg. Sie wurde vom Gemeinderat beschlossen und lieferte die Grundlage für ein schematisches Raum- bild. Das Raumbild fordert dazu auf, sich die Stadt als zusammenhängende Struktur vorzustellen und Einzelvorhaben in den Dienst der gemeinsamen Leitidee zu stellen. 3 Parkverbindungen Quartiere und Querverbindungen werden untereinander durch große Freiräume – Parks, Gärten oder Sportflächen – verbunden. Sie sind in der dichter werdenden Stadt genauso wichtig wie die vielen grünen Verbindungen entlang der Flüsse und Straßen. Die Parkverbindungen sind lebendige Treffpunkte mit Angeboten für Spiel und Sport. Um diese Freiräume herum wird die Stadt dichter. Die Quartiere sollen zu den Parks hin geöffnet werden. ENTSTEHUNG Die räumliche Leitidee 1 2 3 1 2 3 1 Dreisam mit Mühlbach Hölderlebach, Haslacher Dorfbach, Dietenbach, Kronenmühlebach 2 Dorfbach St. Georgen, im weiteren Verlauf Mühlenbach, Hexenbach, Kretzbach 3 Altbach, auch Glasbach, Roßgäßlebach und Zähringer Dorfbach Abbildung 9: Raumperspektive 2035 Köln Rechtsrheinisch Abbildung 10: perspektivplan 2030 Freiburg Abbildung 11: Wege machen Landschaft München Leitthema: Münstersche Stadt-Landschaft 52 ISEK Münster 2030 | Baustein E: Bilanz 2020: Räumliches Leitbild Raumbezüge der weiteren Leitthemen Für das Integrierte Stadtentwicklungskonzept Münster konnten insgesamt zehn Leit - themen identifiziert werden, die die Zukunft Münsters wesentlich prägen (vgl. auch Baustein C und D). Neben den vier oben ausführlich dargestellten Leitthemen sollen nun auch wichtige Raumbezüge der weiteren Leitthemen aufgeführt werden, bevor alle raumbezogenen Aussagen im Räumlichen Leitbild auf gesamtstädtischer Ebene gebündelt werden. LEISTBARES WOHNEN • Wohnsiedlungsflächenkonzept 2030 • Baulandprogramm 2020 – 2030 (Baulandaktivierung, prioritäre Projekte, Flä - chensicherung, Baulandmonitoring) • Sozialgerechte Bodennutzung Münster (SoBoMü) • Handlungskonzept Wohnen, Arbeitskreis Wohnen in Münster (AK WIM) • Neue urbane Stadtquartiere: Westlich Steinfurter Str., westlich Busso-Peus-Stra - ße, Kanal-Kante Südost • Entwicklung York-Quartier und Oxford-Quartier (Konversion) • Entwicklung Stadthafen Nord • Handlungsprogramm »Flächensparende Entwicklung« • Förderung studentischen Wohnens (Arbeitskreis »Studentische Wohnraumver - sorgung«, Letter of Intent »Wissenschaftsstadt der Zukunft«, Unterstützung Wei- terentwicklung Wohnheime) • Stadtregion – Entwicklungsorientierte Wohnungsmarktbeobachtung (Perspekti - ve »Stadtregionale Wohnungspolitik«) STADTVERTRÄGLICHE MOBILITÄT • Masterplan Mobilität 2035+ • S-Bahn-Münsterland (mit Realisierung/Prüfung neuer Haltepunkte in Münster) • Reaktivierung WLE-T rasse (Münster-Hbf. – Wolbeck – Sendenhorst mit zahlrei- chen neuen Haltepunkten) • Umsetzung Radverkehrskonzept Münster 2025, Umsetzung Veloroutenkonzeption • Umsetzung 3. Nahverkehrsplan • Entwicklung und Attraktivierung Mobilstationen (Förderung Inter- und Multimo- dalität) • Autoarme Innenstadt (Förderung Umweltverbund, Stärkung Aufenthaltsqualität, …) • Reallabore zur Neuaufteilung des Straßenraums in der Innenstadt und in den Wissenschaftsquartieren • Erstellung Integriertes Parkraumkonzept • Modellprojekte wie z.B. Loop im Stadtbezirk Hiltrup (Nahverkehr auf Bestellung) 53 VIELFAL T UND SOZIALER ZUSAMMENHAL T • Stadtteilentwicklungskonzepte mit Schwerpunkt »Sozialer Zusammenhalt«: Kin- derhaus-Brüningheide, Coerde und Berg Fidel (angelaufen) • Weitere Stadtteilentwicklungkonzepte in Umsetzung (Albachten, Amelsbüren, Nienberge/Häger) und in Erarbeitung (Angelmodde, Handorf / Gelmer / Mari - endorf / Sudmühle, Hiltrup-Ost) • Aufstellungsbeschluss »Soziale Erhaltungssatzung Hafen-, Hansa-, Herz-Jesu- Viertel« • Altengerechte, inklusive Quartiersentwicklung: u.a. Aaseestadt/Pluggendorf, Hil- trup-Ost, Mauritz-Ost/Haus vom Guten Hirten (Laufend); Altstadt-Süd, Altstadt- Nord, Rumphorst, Schlachthof/Erphobogen (abgeschlossen, z. Zt. ruhend) • Ausbau der Kindertagesbetreuung (laut Kitatagesbetreuungsberichten) • Schulausbauprogramm (v. a. Grundschulen, Gymnasien, Neu- und Umbau der Mathilde-Anneke-Gesamtschule) • Ausbau Sportinfrastruktur und Bäderprogramm • Förderung Stadtteilkultur und Stadtteil-Begegnung FACETTEN ÖKONOMISCHER STÄRKE • Umsetzung Gewerbeflächenentwicklungskonzept (Handlungsprogramm Gewer- beflächen und Gewerbeflächenmonitoring) • Realisierung Forschungsfabrik Batterieforschung/FFB (Hansa-Business-Park) • Entwicklung urbaner Stadtquartiere mit Raum für unterschiedliche Wirtschafts - branchen und –typen: Kanal-Kante Südost (beiderseits Albersloher Weg/südlich Dortmund-Ems-Kanal), westlich Busso-Peus-Straße (Wissenschaft und Wohnen), westlich Steinfurter Straße (urbanes Wohnen, Arbeiten, T echnologie) • Prüfung »Neue Gewerbestandorte im Korridor A1« • Vorbereitende Arbeiten für Ausweisungen im Regionalplan 2045 • Umsetzung Einzelhandels- und Zentrenkonzept • Weiterentwicklung und Stärkung der Innenstadt (»Lebendiges Zentrum/Sofort - programm Innenstadt«) • Umsetzung Strategieprozess Münsterland • Münsterland-Kampagne: »Dein MünsterLandMoment« • Vorbereitung »Standortentwicklungsstrategie« DIGITALISIERUNG FINDET STADT • Zusammenschluss münsterLand.digital e.V . mit Zentrum Digital Hub Münster • Entwicklung »Smartes Quartier Oxford« und »Smartes Quartier York« • Entwicklung »Urbaner Ort Servatiiplatz« (v. a. Funkhaus 2.0, kommunales Digi- tallabor, Smart City Office, T ownhall, Volkshochschule) • Vorbereitung Wettbewerbsbeitrag Smart City Call 2021 (Mobile.Stadt, Mitmach. Stadt, Klima.Stadt) • Breitbandausbau in Gewerbegebieten, Stadtteilen und Innenstadtquartieren Raumbezüge der weiteren Leitthemen 54 ISEK Münster 2030 | Baustein E: Bilanz 2020: Räumliches Leitbild • Initiierung und Realisierung von raumrelevanten Pilotprojekten (»Leezenflow«, Smart Parking, Thermografiebefliegung, …) MÜNSTER UND SEINE NACHBARN • Stadtregion Münster: Umsetzung Veloroutenkonzeption (13 alltagstaugliche Rou- ten), Entwicklungsorientierte Wohnungsmarktbeobachtung • Reaktivierung WLE-T rasse (Münster – Sendenhorst) • Umsetzung Münsterland-Strategie mit den Zukunftsthemen: Schnelle Fahrrad - mobilität, Zukunftsfähiges Wohnen, Klimafolgenanpassung im Münsterland • Umsetzung Letter of Intent Münster-Enschede (Schwerpunkte: v. a. Erreichbar - keit, Nachhaltigkeit, Arbeitsmarkt, Bildung, Kultur, …) • Umsetzung Arbeitsprogramm MONT (Münster – Osnabrück – Netwerk Stad Twente): v. a. Stärkung der Erreichbarkeit, Positionierung als Wissenschafts- und Innovationsraum, Förderung Austausch/»Kenne Deinen Nachbarn«, Klima - schutz und Energie, … • EUREGIO – Grenzüberschreitende Zusammenarbeit in verschiedenen Hand - lungsfeldern KLIMASCHUTZ – KLIMAANPASSUNG – KLIMANEUTRALITÄT • Masterplan 100 % Klimaschutz • Handlungsprogramm Klimaschutz 2030 • Beschluss Klimaneutralität 2030 • In Bearbeitung: Konzeptstudien zur Klimaneutralität 2030 • Klimaanpassungskonzept • Handlungskonzept Klimaanpassung 2030 • Umweltkataster: Vorrangflächen zur Klimaanpassung (Kaltluftentstehungsgebie- te, Kaltluftleitbahnen), Vorrangflächen zur Freiraumsicherung, … Für Münster wurde im Zuge des Masterplanprozesses 100 % Klimaschutz (2017) eine umfassende Klimaschutzstrategie erarbeitet. Wesentliche Umsetzungsmaßnahmen umfasst das Handlungsprogramm Klimaschutz 2030 (2019). Hinzu kommen das Klimaanpassungskonzept (2014/15, 2017) und das Handlungskonzept Klimaanpas - sung 2030 (2019). Vor dem Hintergrund des Beschlusses zur Klimaneutralität bedarf es daher keiner separaten Bearbeitung im ISEK 2030 mehr. Vielmehr wird im Integrierten Stadtent- wicklungskonzept 2030 entsprechend dem Vorgehen bei der Erarbeitung der Nach - haltigkeitsstrategie 2030 hierauf aufgebaut. Die klimapolitischen Beschlüsse, Kon - zepte und Ansätze werden bei der Bearbeitung aller ISEK-Leitthemen im Einklang mit Klimaschutzklausel und Abwägungsgebot des Baugesetzbuches handlungslei - tend und integriert berücksichtigt. Insgesamt ist auch das ISEK 2030 dem Ziel der Klimaneutralität 2030 verpflichtet und trägt mit seiner teilräumlichen Durcharbei - 55 Raumbezüge der weiteren Leitthemen tung (z. B. im Rahmen der Urbanen Wissensquartier und der Weiterentwicklung der Innenstadt) zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie 2030 bei. Zusammenführung und nächste Schritte Nachdem nun die räumlichen Aussagen und Bezüge der Leitthemen des Integrierten Stadt- entwicklungskonzeptes aufgezeigt wurden, gilt es, die Aussagen zu einem Leitbildentwurf auf gesamtstädtischer Ebene zusammenzuführen. Im Mittelpunkt dieses Abschnitts steht daher die Darstellung des räumlichen Leitbildes in Plan und T ext. Die doppelseitige Darstellung zu den »Räumlichen Schwerpunkten der Stadtentwicklung« gibt einen Überblick über die derzeit bereits eingeleiteten und in näherer Zukünft absehba - ren Projekte, die Münster in der Stadtentwicklung prägen (werden). Ein kurzer Ausblick auf die »Stadtentwicklung als Daueraufgabe« bildet den Abschluss. Münstersche Stadt-Landschaft Stadtverträgliche Mobilität Vielfalt und sozialer Zusammenhalt Münster und seine Nachbarn Facetten ökonomischer Stärke Digitalisierung findet Stadt Vielfalt der Stadtteile Urbane Wissensquartiere Leistbares Wohnen Innenstadt ist mehr... 58 ISEK Münster 2030 | Baustein E: Bilanz 2020: Räumliches Leitbild Das Räumliche Leitbild Münster besitzt heute in vielerlei Hinsicht eine hohe Attraktivität und weist für seine zukünftige Entwicklung zahlreiche Potenziale auf. So gilt es, zum einen die Lebens- und Wohnqualität in all ihren Facetten zu stabilisieren, zu verbessern und mit neuen Impulsen zu versehen. Und zum anderen ist die Standortqualität Münsters als at - traktiver und renommierter Wissenschafts-, Bildungs- und Wirtschaftsstandort her - vorzuheben und zu akzentuieren. Die räumlich-funktionalen Aspekte dieser beiden Stoßrichtungen finden im »Räumlichen Leitbild« ihren Ausdruck. Die wesentlichen Zukunftspotenziale Münsters liegen in einem Bedeutungszuwachs der Innenstadt. Durch eine verbesserte Verknüpfung der Altstadt einerseits mit dem Hafenareal und andererseits mit den von Wissenschaft und T echnologie geprägten Quartieren können urbane Entwicklungsmöglichkeiten im großstädtischen Maß - stab ausgeschöpft werden, die die Ausstrahlung und die Angebote der Innenstadt vielfältiger machen. Künftig wird sich die Innenstadt stärker auch als sozialer und kultureller Ort beweisen müssen. Dafür ein breites Spektrum unterschiedlicher urba- ner Atmosphären für vielfältige Nachfragen der Stadtgesellschaft anzubieten, ist ein wesentliches Ziel, Innenstadt weiter zu denken und zu fassen. Zudem wird dieser Schwerpunkt urbaner Entwicklungen beidseits von neuen urbanen Stadtquartieren am Dortmund-Ems-Kanal sowie angrenzend an den Wissenschafts- und T echnolo - giepark flankiert, die großstädtische Wohn- und Arbeitsqualitäten bieten sollen und dafür mit hohen Ansprüchen entwickelt werden. Im räumlichen Leitbild kommt dies durch einen Schwerpunktraum zum Ausdruck, der sich von der Steinfurter Straße im Nordwesten bis zum Albersloher Weg jenseits des Kanals im Südosten erstreckt. Eine besondere Akzentsetzung in dem Anspruch, mehr urbane Qualitäten in der Stadtentwicklung Münsters zu verfolgen, erfährt der von wissenschaftlichen Einrich- tungen geprägte Raum im Westen der Innenstadt. In diesem Raum zwischen Stein - furter Straße und Aasee, der sich ausgehend vom Schlossareal keilförmig nach Wes - ten entwickelt, soll die Idee der »Wissenschaftsstadt der Zukunft« Realität werden: Durch mehr Nutzungsmischung, mehr lebendige Stadträume, mehr Versorgungs - qualität, mehr Wohnen für Studierende, mehr Aufenthaltsqualität und mehr Mobili- tätsangebote werden modellhaft urbane Wissensquartiere entwickelt. Gleichbedeutend mit den Entwicklungen im Kern der Stadt, ist das Ziel der Stärkung der Stadtteile und Ortslagen. Denn eine Besonderheit Münsters liegt in der Vielfalt seiner Stadtteile und damit in dem breiten Angebot unterschiedlicher Lebensstilmög- lichkeiten innerhalb der Stadtgrenzen – vom urbanen bis zum dörflichen Leben. Die- se Vielfalt bedarf der Stabilisierung, der Sicherung der Nahversorgung, der Verbes - serung sozialer und kultureller Angebote und der Einrichtungen für Bildung, Sport und Freizeit sowie der Aufwertung von Orten, die das Leben im Stadt- oder Ortsteil 59 Das Räumliche Leitbild kristallisieren. Auch wenn es vorrangige Aufgabe der Stadtteilrahmenpläne ist, dies differenziert und maßgeschneidert für jeden Ort als Programm zu entwickeln, zeigt das »Räumliche Leitbild« die entsprechenden gesamtstädtisch relevanten Facetten: Die Ortsmittelpunkte, die neuen, integrierten Wohngebiete, die Freiraumbezüge und die nachhaltigen Mobilitätsangebote über Velorouten und neue Bahn-Haltepunkte im Rahmen der reaktivierten WLE-Strecke und des S-Bahn-Konzeptes. Auch den vorhandenen und in der Entwicklung befindlichen Gewerbestandorten gilt es, eine erhöhte konzeptionelle Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, sie funktio - nal anzureichern, Versorgungs- und Freizeitmöglichkeiten zu integrieren und stadt - räumlich besser zu gestalten. Für einige Standorte bietet es sich an, Zukunftskon - zepte zu entwickeln. Künftig werden die Gewerbe- und Industriestandorte aufgrund der technologischen Entwicklungen weniger als in der Vergangenheit emittieren und damit für gezielte Mischnutzungskonzepte offener sein. Zudem werden sie sich auch orientiert an Nachhaltigkeitsgesichtspunkten qualifizieren und eine bessere Gestalt - qualität zeigen müssen: Mehr Nutzungsmischung, effizientere Bodennutzung, bes - sere Gestalt- und Aufenthaltsqualität. Vorrangig gilt dies für die neuen und vorhan - denen Standorte in weitgehend isolierter Lage am Rand der Stadt, die an wichtigen Einfallstraßen gelegen auch ein Stück Visitenkarte für die Qualitätsansprüche der Stadt sind: Hessenweg, südlich Nienberge/B54, Hansa Businesspark und im Osten der Stadt nördlich der B51. Nachholbedarf besteht zudem auch bei den beiden großen innenstadtnahen Gewerbearealen, die den Dortmund-Ems-Kanal begleiten. Eine weitere Besonderheit Münsters liegt in der Dimension und Vielfalt der Stadt- Landschaft. Die Münsterländische Kulturlandschaft ragt bis weit in die Stadt hinein. Für das Leben in der Stadt ist die unmittelbare Nähe zu den Frei- und Landschaftsräu- men eine ausgesprochen große Qualität. Diese Qualität unter den Bedingungen des Wachstums zu erhalten und auszubauen, bedarf einer integrierten Betrachtung der Siedlungs- und Freiflächenentwicklung, für die das »Räumliche Leitbild« wichtige Aufmerksamkeitsräume darstellt. Und schließlich sichern die über Jahrhunderte die Siedlungsstruktur Münsters prä - genden Radialstraßen die Orientierung in der Stadt. Sie sind darüber hinaus ebenfalls Visitenkarten der Stadt. Die Radialstraßen zeigen Gestaltungsbedarf und Entwick - lungspotenzial zugleich, wenn man sich die Anzahl der aufgelassenen und minder genutzten Flächen vergegenwärtigt. Jede Stadtzufahrt hat ihr eigenes Profil. Dies zu stärken, räumlich und funktional zum Ausdruck zu bringen und die Entwicklungs - möglichkeiten zu nutzen, ist ein weiteres Anliegen der räumlichen Entwicklung Münsters. Stand: Dezember 2020 1 2 H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H Kinderhaus Mauritz Mondstraße Handorf Südmühle Geist/ Preußenstadion Speicherstadt SPRAKEL ROXEL AASEE & PLUGGENDORF RUMPHORST & SCHLACHTHOF HILTRUP (-WEST) MECKLENBECK MAURITZ-OST WOLBECK Senden Ottmarsbocholt Bösensell Hohenholte Altenberge Gimbte Vadrup Telgte Albersloh Westbevern Nordwalde Stand: Dezember 2020 Abbildung 1: Gesamtstädtisches räumliches Leitbild 60 ISEK Münster 2030 | Baustein E: Bilanz 2020: Räumliches Leitbild 1 2 H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H Kinderhaus Mauritz Mondstraße Handorf Südmühle Geist/ Preußenstadion Speicherstadt SPRAKEL ROXEL AASEE & PLUGGENDORF RUMPHORST & SCHLACHTHOF HILTRUP (-WEST) MECKLENBECK MAURITZ-OST WOLBECK Senden Ottmarsbocholt Bösensell Hohenholte Altenberge Gimbte Vadrup Telgte Albersloh Westbevern Nordwalde Senden Ottmarsbocholt Bösensell Hohenholte Altenberge Gimbte Vadrup T elgte Albersloh Westbevern H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H H Kinderhaus Mauritz H H Mondstraße H Handorf Südmühle H H Geist/ Preußenstadion Speicherstadt ROXEL HILTRUP (-OST) WOLBECK ANGELMODDE HANDORF GELMER MARIENDORF SÜDMÜHLE BERG-FIDEL KINDERHAUS COERDE URBANE WISSENSQUARTIERE STEINFURTER STRAßE BUSSO-PEUS-STRAßE OXFORD-QUARTIER YORK-QUARTIER KANAL-KANTE SÜDOST INNERE STADT + HAFEN ALTSTADT / INNENSTADT AMELSBÜREN ALBACHTEN NIENBERGE / HÄGER Stand: Dezember 2020 61 Räumliche Schwerpunkte der Stadtentwicklung Abbildung 1: Räumliche Schwerpunkte der Stadtentwicklung 62 ISEK Münster 2030 | Baustein E: Bilanz 2020: Räumliches Leitbild Räumliche Schwerpunkte der Stadtentwicklung ... Die Karte »Räumliche Schwerpunkte der Stadtentwicklung« zeigt, wie die ISEK-Leit- themen bereits aktuell und in den nächsten Jahren umgesetzt werden. Das Thema »Innenstadt ist mehr …« umfasst einerseits den T ransformationsprozess der Altstadt/ Innenstadt hin zu einer höheren Multifunktionalität, zu noch attraktiveren öffentli - chen Räumen und zu einer erhöhten Alltagstauglichkeit. Andererseits geht es um die intensivere Verknüpfung mit dem südöstlich angrenzenden Hafenbereich und dem westlich ausgehenden Hochschul-/Wissenschaftsbereich, um die dortigen Po - tenziale für die Stärkung der Innenstadt zu nutzen. Damit erweitert sich der Betrach- tungs- und Handlungsraum von der Innenstadt zur »Inneren Stadt«. Dies bedeutet ausdrücklich nicht die räumliche Erweiterung der originären Innenstadtfunktionen, sondern vielmehr die Inwertsetzung der spezifischen Stärken der innenstadtnahen Bereiche einschließlich des Aasees für eine attraktive Innenstadt. Als zweiter großflächiger Schwerpunktraum wird der westliche T eil der Kernstadt deutlich, der sich mit dem Altstadt-/Innenstadtbereich überlagert. Dabei erstrecken sich die Hochschul- und Wissenschaftseinrichtungen (einschließlich der Universi - tätsmedizin) vom Domplatz über den Schlossbereich und das Coesfelder Kreuz bis zum T echnologiepark an der Steinfurter Straße, weiter über das Universitätsklini - kum mit seinen markanten T ürmen an der Albert-Schweitzer-Straße und bis zu den Einrichtungen des Studierendenwerkes und der Universität Münster am Aasee (Bis - marckallee und Scharnhorststraße). Dieser, für die Zukunft von Münster ebenfalls außerordentlich bedeutsame Raum, in dem die Partner des Letter of Intent »Zukunft der Wissenschaftsstadt« das Leitbild der »Urbanen Wissensquartiere« verfolgen, ist durch eine sehr hohe Entwicklungsdynamik mit zahlreichen Vorhaben und großen Investitionen gekennzeichnet. Ein wichtiges Potenzial sowohl für die Attraktivitätssteigerung der Innenstadt als auch für die Weiterentwicklung der »Urbanen Wissensquartiere« stellt das Schlossa- real dar. Dieser Raum übernimmt eine wichtige Scharnierfunktion zwischen Altstadt und Universität sowie den westlich angrenzenden Hochschul- und Wissenschaftsbe- reichen. Ebenfalls zu berücksichtigen ist die Funktion des eigentlichen Schlossplatzes als Festplatz für Münster und die Region. In einem engen räumlichen und inhaltlichen Zusammenhang mit den »Urbanen Wissensquartieren« steht die Entwicklung der »Neuen urbanen Stadtquartiere« an der Steinfurter Straße und an der Busso-Peus-Straße. Auf diesen Flächen sollen in Erweiterung der inneren Stadt neue Stadtquartiere entstehen, die hohe funktionale, soziale, ökologische, verkehrliche und ökonomische Qualitäten vereinen und damit ein hohes Maß an Urbanität aufweisen. So soll südwestlich der Steinfurter Straße 63 Räumliche Schwerpunkte der Stadtentwicklung und vis-á-vis des T echnologieparks auf ca. 50 ha ein neuer Stadtraum für Münsters Zukunft als Modellquartier für urbanes Wohnen, Arbeiten und T echnologie entste - hen. Die Entwicklung der Fläche westlich der Busso-Peus-Straße - vis-á-vis des Wis - senschaftsparks – verfolgt auf über 15 ha das übergeordnete Leitziel der Entwicklung eines neuen urbanen Stadtquartiers für Wissenschaft und Wohnen. Zu diesem Typus der »Neuen urbanen Stadtquartiere« gehört auch die Kanal-Kante Südost, südlich des Dortmund-Ems-Kanals. Die Strecke am Wasser von der Eulerstra- ße bis zum Lütkenbecker Weg soll sich in eine grüne Zone für Freizeit und Erholung verwandeln, die auch für die Mobilität zwischen den T eilquartieren eine große Be - deutung erhalten soll. Auf dem insgesamt rund 38 ha großen Areal und nur wenige Fahrradminuten vom Stadtzentrum entfernt soll neuer, auch öffentlich geförderter Wohnraum in urbaner Mischung mit sozialen Einrichtungen, Möglichkeiten für die Kultur- und Kreativwirtschaft sowie für dienstleistungs- und gewerbeorientierte Be - triebe und urbane Produktionsstätten geschaffen werden. Deutlich wird beim Betrachten der Karte auch, dass das ISEK-Leitthema »Vielfalt der Stadtteile« bereits in zahlreichen Stadtteilen umgesetzt wird. So sind aktuell für Al - bachten, Amelsbüren und Nienberge/Häger aufgrund der Wachstumsprozesse Stadt- teilentwicklungskonzepte erstellt worden, deren Umsetzung – mit Unterstützung der Stadtteilkümmerinnen – bereits begonnen hat. Für Häger soll ein vertiefender Stadtteilrahmenplan auf den Weg gebracht werden. In Hiltrup-Ost, Handorf/Gelmer/ Mariendorf/Sudmühle und Angelmodde sind weitere Stadtteilentwicklungskonzepte in Bearbeitung. Für Roxel und Wolbeck ist die Notwendigkeit von Stadtteilentwick - lungsprozessen zu prüfen, wenn wichtige Weichenstellungen für die jeweilige Stadt- teilentwicklung geklärt sind. Im Rahmen der Stadtteilentwicklung spielt selbstverständlich auch das Mitwachsen der Infrastruktur eine wichtige Rolle. Dies zeigt sich insbesondere an dem umfas - senden Ausbaubauprogramm für die Kindertageseinrichtungen, das umfangreiche Schulausbauprogramm und die Erweiterung der Sportstätten. Exemplarisch für den Ausbau der wohnungsnahen Infrastruktur stellt die Karte die Entwicklung neuer Stadtteilzentren bzw. Nahversorgungszentren dar. Im Zusammenhang mit der Stadtteilentwicklung ist auch auf die Integrierten Stadt - teilentwicklungskonzepte »Sozialer Zusammenhalt« (früher »Soziale Stadt«) hinzu - weisen. So unterstützt das damit verbundene und so titulierte ISEK-Leitthema die Umsetzung des »Integrierten Stadtteilentwicklungskonzeptes Coerde« und den ent - sprechenden Erarbeitungsprozess in Berg Fidel. Ziel ist es, Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf in städtebaulicher, sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht zu sta- bilisieren und aufzuwerten. Hierzu werden die Akteure vor Ort zusammengebracht, wie in dem umfangreichen Beteiligungsprozess in Coerde, und ein gemeinsam ge - 64 ISEK Münster 2030 | Baustein E: Bilanz 2020: Räumliches Leitbild tragener Maßnahmenplan erstellt. Dies verbessert die Chancen auf T eilhabe und In- tegration, soll lebendige Nachbarschaften und den sozialen Zusammenhalt fördern. Bei den Beteiligungsprozessen und der Koordination der Umsetzung der Maßnah - men spielen die Stadtteilkümmerinnen und -kümmerer ebenfalls eine wichtige Rolle. Insgesamt kann auf die langjährigen Erfahrungen und die erzielten Erfolge im Pro - grammgebiet »Soziale Stadt« in Kinderhaus-Brüningheide zurückgegriffen werden, das sich bereits in der Verstetigungsphase befindet. Neben den teilräumlichen Darstellungen für die Altstadt/Innenstadt bzw. Innere Stadt/Hafen, dem keilförmigen Wissenschaftssektor im Westen und den Stadtteil - entwicklungskonzepten bietet die Karte auch einen Überblick über aktuelle Schwer - punkte der Siedlungsentwicklung. Für die Entwicklung von Bauland wurden die Schwerpunkte aus dem Baulandprogramm 2020-2030 herangezogen. Neben der Entwicklung des Oxford- und York-Quartiers sind dabei noch weitere prioritäre Pro - jekte wie beispielsweise in Nienberge, Albachten, Hiltrup-Ost, Angelmodde, Wol - beck, Mauritz-Ost und Handorf dargestellt. Größere Siedlungsentwicklungen gehen in der Regel mit der Erarbeitung von Stadtteilentwicklungskonzepten einher und erfordern auch die Erweiterung der wohnungsnahen Infrastruktur. Alle Wohnbau - landentwicklungen, für die Planungsrecht geschaffen werden muss, unterliegen der »Sozialgerechten Bodenordnung Münster«. Damit wird ein wichtiger Beitrag zum ISEK-Leitthema »Leistbares Wohnen« geschaffen. Anhand des Gewerbeflächenentwicklungskonzepts ist auch die Entwicklung neuer Gewerbeflächen dargestellt. Dies betrifft in kurz- bis mittelfristiger Perspektive Flä - chen im Hansa Businesspark, in Gremmendorf sowie am Schiffahrter Damm und am Hessenweg. Auch die Standorte für die längerfristige Perspektive sind dargestellt, wie am Hansa Businesspark, in Roxel und Nienberge. Zusammen mit dem Standort für die »Forschungsfertigung Batteriezelle« im Hansa Businesspark werden damit wichtige Beiträge für das ISEK-Leitthema »Facetten ökonomischer Stärke« geleistet. Dass Siedlungs- und Freiraumentwicklung im Zusammenhang betrachtet werden müssen, machen die dargestellten Aufmerksamkeitsbereiche deutlich. Diese gehen mit größeren Entwicklungen einher, wie mit den »Neuen urbanen Stadtquartieren« im Nordwesten und mit der Kanalkante Südost und mit der Stadtteilentwicklung in Hiltrup-Ost. Hiermit wird das ISEK-Leitthema »Münstersche Stadt-Landschaft« un - terstützt. Im Sinne einer integrierten Siedlungs- und Mobilitätsentwicklung stellt die Karte die entsprechenden räumlich-funktional relevanten Maßnahmenbündel für das ISEK- Leitthema »Stadtverträgliche Mobilität« dar. Dabei sind die Velorouten der Stadtregion Münster, die sternförmig von Münster in das Umland laufen, ein klares Bekenntnis zur Förderung des Radverkehrs und sollen noch mehr Menschen zum Umstieg auf das Fahrrad motivieren. Die zwölf Städte und Gemeinden in der Stadtregion wollen 14 solcher Velorouten im Sinne von Radfahrvorrangrouten über Kommunalgrenzen 65 hinweg realisieren, um die Umlandgemeinden mit den Außenstadtteilen und dem Zentrum Münsters zu verbinden. Eine wichtige Rolle – auch im Sinne einer integrierten Siedlungs- und Mobilitätsent- wicklung – nimmt die Stärkung des schienengebundenen Verkehrs gemäß dem Kon- zept der S- Bahn Münsterland ein. Neben den vorhandenen Haltepunkten werden die Reaktivierung bzw. der Neubau weiterer Haltepunkte geprüft. Für den südöstlichen Stadtbereich konnte die Reaktivierung der WLE-Strecke Münster-Sendenhorst mit entsprechenden Haltepunkten planerisch bereits weit vorangetrieben werden. Der Personenverkehr soll Mitte dieses Jahrzehnts aufgenommen werden. Diese Aktivitäten und Planungen zeigen, dass nicht erst die Arbeiten am und die Er- örterungen zum Integrierten Stadtentwicklungskonzept verdeutlichen, dass an vielen Stellen und auf vielerlei Weise an der Entwicklung Münsters gearbeitet wird ¬– und weiter geplant und gehandelt werden muss. Nicht alles wird zu gleicher Zeit, mit glei- cher Priorität und Intensität bearbeitet werden können. Zudem sind die Entwicklungsdynamiken in den Aufgabenfeldern bzw. T eilräumen verschieden ausgeprägt und die Handlungserfordernisse von unterschiedlicher Dringlichkeit. Zudem gilt es stets eine Balance zu finden: zwischen den »Großbau - stellen« und den vielen kleinen Alltagsaufgaben, zwischen stetiger Veränderung und dem Bewahren der Münsterschen Charakteristika, zwischen den Projekten, die Münster zukunftsfähig machen und der Lebensqualität vor Ort ... Umso wichtiger ist es – auch gerade in räumlicher Hinsicht – Zusammenhänge zwischen einzelnen Planungen und Projekten zu wahren. Dazu soll das in diesem Baustein vorgestellte räumliche Leitbild beitragen. Räumliche Schwerpunkte der Stadtentwicklung 66 ISEK Münster 2030 | Baustein E: Bilanz 2020: Räumliches Leitbild … integriert weiter bearbeiten Es wurde eingangs schon erwähnt: Stadtentwicklung ist eine Daueraufgabe. Daher werden in zeitgemäßen Entwicklungskonzepten auch keine »fertigen« Endzustände dargestellt, sondern zentrale Aufgaben und nach vorne offene Wege ihrer Bearbei - tung. Eben dieses Verständnis kommt auch im Prozess der »Münster Zukünfte 20 | 30 | 50« zum Ausdruck, der den Rahmen für das Integrierte Stadtentwicklungskon - zept bildet. Nun ist der erste der Zeithorizonte (2020) erreicht, und es wird sichtbar, dass in den bisherigen Arbeitsschritten bereits viele wichtige Aufgaben benannt (die Leitthemen), Wege ihrer Bearbeitung erörtert (u.a. die Stadtforen) und weiterführende Planungen und Maßnahmen eingeleitet werden konnten. Mit dem Entwurf eines Räumlichen Leitbildes liegt zudem ein Orientierungsrahmen für die Entwicklung der wachsenden Stadt Münster vor, der seinerseits die Grundlage für abgestimmte weitere Schritte legt. Zugleich aber wird auch deutlich, dass es sich hier nur um eine erste Bilanz aus räumlicher Sicht – Stand 2020 – handelt, die ihrerseits fortgeschrieben und durch Bilanzen andere Art (z.B. zur sozialen oder wirtschaftlichen Entwicklung, zur Nach - haltigkeit etc.) ergänzt werden kann und muss. Von wesentlicher Bedeutung für diesen Prozess der Weiterentwicklung ist jedoch, dass der »Spirit«, der die letzen Jahre prägte, weiterhin prägen wird. Man könnte auch von einer Art DNA der bisherigen Arbeit sprechen, die auch in den nächsten Prozess- abschnitten wirksam sein sollte. Zwei Aspekte sind hier von besonderer Bedeutung: Da ist zum einen das Bemühen um integriertes Bearbeiten von Aufgaben, die quer zu Ressorts und Zuständigkeiten liegen und nur so – gemeinsam – bewältigt werden können. Ebenso wichtig aber ist die T atsache, dass der gesamte Prozess der MünsterZukünfte 20 | 30 | 50 in hohem Maße kommunikativ A gestaltet wurde. Bürgerschaftliche In - itiativen, Stadtteilspaziergänge, Werkstätten, Stadtforen und viele Aktivitäten mehr unterstrichen: In Münster ist Stadtentwicklung Gemeinschaftsaufgabe. An diesem Anspruch sollte festgehalten werden. A Die Einschränkungen der Kommuni- kationsmöglichkeiten in Zeiten einer Pandemie bedeuten hier allerdings zusätzliche Herausforderungen. Im November 2020 wurde daher bereits ein erstes Webforum »Beteiligung digitaler denken« durchgeführt. 67 ... integriert weiter bearbeiten Abbildungen 1-10: Impressionen aus den Stadtforen 68 ISEK Münster 2030 | Baustein E: Bilanz 2020: Räumliches Leitbild Quellen / Anmerkungen VORSPANN Abbildung 1: eigene Darstellung, siehe Abb. 1 - 10 Kapitel »Räumliche Aussagen und Bezüge der Leitthemen des integrierten Stadtentwicklungskonzeptes Münster« RÄUMLICHE AUSSAGEN UND BEZÜGE DER LEITTHEMEN DES INTEGRIERTEN STADTENTWICKLUNGSKONZEPTS MÜNSTER Abbildung 1: »Vielfalt der Stadtteile«: Presseamt Münster, Rüdiger Wölk Abbildung 2: »Urbane Wissensquartiere«: Presseamt Münster, Angelika Klauser Abbildung 3: »Innenstadt ist mehr ...«: Presseamt Münster, Tilman Roßmöller Abbildung 4: »Münstersche Stadt-Landschaft«: Presseamt Münster, Bernhard Fischer Abbildung 5: »Leistbares Wohnen«: Jean-Paul Comparin, stock.adobe.com Abbildung 6: »Facetten ökonomischer Stärke«: Presseamt Münster, Angelika Klauser Abbildung 7: »Stadtverträgliche Mobilität«: connel_design, stock.adobe.com Abbildung 8: »Digitalisierung findet Stadt«: bluedesign, stock.adobe.com Abbildung 9: »Vielfalt und sozialer Zusammenhalt«: hedgehog94, stock.adobe.com Abbildung 10: »Münster und seine Nachbarn«: Presseamt Münster, Bernhard Fischer »URBANE WISSENSQUARTIERE – DURCHMISCHT UND FUNKTIONSGERECHT« Abbildung 1: eigene Darstellung, Kartengrundlage Stadt Münster Abbildung 2: eigene Darstellung, Kartengrundlage Stadt Münster Abbildung 3: eigene Darstellung »INNENSTADT IST MEHR... – EINE WEITERGEFASSTE PERSPEKTIVE« 1. InSEK »Sofortprogramm zur Stärkung unserer Innenstädte und Zentren in Nordrhein-Westfalen«, Programmaufruf 2020; https://www.mhkbg.nrw/sites/ default/ files/documents/2020-07/sofortprogramm_zur_staerkung_unserer_in- nenstaedte.pdf (letzter Aufruf 10.12.2020) Abbildung 1: eigene Darstellung, Kartengrundlage Stadt Münster Abbildung 2: eigene Darstellung, Kartengrundlage Stadt Münster Abbildung 3: eigene Darstellung, Kartengrundlage Stadt Münster Abbildung 4: eigene Darstellung, Kartengrundlage Stadt Münster Abbildung 5: eigene Darstellung, Kartengrundlage Stadt Münster Abbildung 6: eigene Darstellung, Kartengrundlage Stadt Münster Abbildung 7: eigene Darstellung, Kartengrundlage Stadt Münster Abbildung 8: eigene Darstellung, Kartengrundlage Stadt Münster Abbildung 9: eigene Darstellung, Kartengrundlage Stadt Münster 69 »VIELFAL T DER STADTTEILE – FIT FÜR DEN ALL TAG, FIT FÜR DIE ZUKUNFT« Abbildung 1: https://startklar-ab.de/startklar-ist-programmbuero-dritte-orte/ Abbildung 2: eigene Abbildung, Kartengrundlage Stadt Münster »MÜNSTERSCHE STADT-LANDSCHAFT – SIEDLUNG UND FREIRAUM IN DER BALANCE« Abbildung 1: Grünordnung Münster. Grünsystem / Freiraumkonzept; https://www. stadt-muenster.de/umwelt/umwelt-und-freiraumplanung/gruenordnung-muenster. html#c24938 Abbildung 2: Grünordnung Münster. Zielkonzept Naturraum; https://www.stadt- muenster.de/umwelt/umwelt-und-freiraumplanung/gruenordnung-muenster. html#c24938 Abbildung 3: Grünordnung Münster. Zielkonzept Freizeit und Erholung; https:// www.stadt-muenster.de/umwelt/umwelt-und-freiraumplanung/gruenordnung-mu- enster.html#c24938 Abbildung 4: eigene Darstellung, Kartengrundlage Stadt Münster Abbildung 5: eigene Darstellung, Kartengrundlage Stadt Münster Abbildung 6: eigene Darstellung, Kartengrundlage Stadt Münster Abbildung 7: eigene Darstellung, Kartengrundlage Stadt Münster Abbildung 8: eigene Darstellung, Kartengrundlage Stadt Münster Abbildung 9: Raummotiv Verflechtung, aus: Stein + Schulz / cityförster: Raumper- spektive 2035 Köln Rechtsrheinisch.; https://landschaft3.de/blog/raumperspektive- 2035-koeln-rechtsrheinisch/ Abbildung 10: perspektivplan 2030 Freiburg, aus: Stadt Freiburg i. Br., Stadtpla- nungsamt (Hrsg.)(2017): perspektivplan 2030. Die Stadt weiterentwickeln – Frei- burg bleiben, S.4-5 Abbildung 11: Wege machen Landschaft München. Landeshauptstadt München (Hrsg.) (2019): Wege machen Landschaft. Landschaftsbezogenes Wegekonzept für den Münchener Grüngürtel, Titelblatt ZUSAMMENFÜHRUNG UND NÄCHSTE SCHRITTE siehe Abb. 1 - 10 Kapitel »Räumliche Aussagen und Bezüge der Leitthemen des inte- grierten Stadtentwicklungskonzeptes Münster« DAS RÄUMLICHE LEITBILD Abbildung 1: eigene Darstellung, Kartengrundlage Stadt Münster RÄUMLICHE SCHWERPUNKTE DER STADTENTWICKLUNG ... Abbildung 1: eigene Darstellung, Kartengrundlage Stadt Münster Quellen / Anmerkungen 70 ISEK Münster 2030 | Baustein E: Bilanz 2020: Räumliches Leitbild ... INTEGRIERT WEITER BEARBEITEN Abbildung 1: eigene Fotografie Abbildung 2: Jörg Kersten - medlay Abbildung 3: eigene Fotografie Abbildung 4: Jörg Kersten - medlay Abbildung 5: eigene Fotografie Abbildung 6: eigene Fotografie Abbildung 7: Jörg Kersten - medlay Abbildung 8: Jörg Kersten - medlay Abbildung 9: eigene Fotografie Abbildung 10: eigene Fotografie 71ISEK Münster 2030 | Die Bausteine in der Übersicht Baustein A: Das ISEK in den MünsterZukünften – Einführung und Übersicht Dezember 2020 Baustein B: Schlüsselpersonengespräche Juli 2018 Baustein C: Zehn Leitthemen für Münster Februar 2019 Baustein D: Die Stadtforenprozesse März 2020 Baustein E: Bilanz 2020: Räumliches Leitbild Dezember 2020
Anlage_1_V_0487_2021_Ergebnisse_Ueberblick
72115 Zeichen
Münster
Zukünfte
gemeinsam machen.
Anlage 1 zur Vorlage V/0487/2021
Magazin No 1
2021
ZUKUNFT UND NACHHALTIGKEIT
FÜR EINE ENKELTAUGLICHE STADT
GEMEINSAM IM BLICK
PARTIZIPATION IN
DEN MÜNSTERZUKÜNFTEN
ZUKUNFTSBILDER
UNSER WERT-VOLLES MÜNSTER
10 LEITTHEMEN
INTEGRIERT DISKUTIEREN
UND UMSETZEN
MünsterZukunft
gemeinsam machen
32
GRUSSWORT OBERBÜRGERMEISTER MARKUS LEWE
Liebe Münsteranerinnen und Münsteraner,
wie wird die Zukunft? Wie wird Münster? Morgen, in einem Jahr, in
zehn, zwanzig, dreißig Jahren? Wie wollen wir unsere Stadt? Wo stehen
wir heute und wo wollen wir hin? — Mit diesen Fragen haben wir 2016
mit einem Ratsbeschluss den Zukunftsprozess für Münster eingeläutet.
Zuvor schon bereitete Gutes Morgen Münster mit dem Aufspüren von
Zukunftsmacherinnen und Zukunftsmachern in unserer Stadt den Weg.
Seitdem ist viel passiert: nach dem Impuls des Rates stellte eine Szena-
rioanalyse der Universität – unter Teilnahme von fast 17.000 Münstera-
nerinnen und Münsteranern – den Prozess auf eine solide Grundlage.
Die engagierte Mitwirkung der Bürgerinnen und Bürger, aller relevanten
Akteure und Akteurinnen der Stadtgesellschaft wurde zur Triebfeder der
Entwicklung.
Alle Analysen, Ideen, Vorstellungen und Anregungen gipfeln in der
Formel vom Wert-vollen Münster als Leitbild für den Zukunftsprozess. Mit
dem Wert-vollen Münster fußen wir einerseits im Heute. In dem, worauf
wir stolz sein dürfen: Stadt / Land, Tradition / Modernität, Hochschulen /
Wissenschaft, Vielfalt / Zusammenhalt, verantwortungsvolles Wachstum.
Münsteraner*innen sind gern Münsteraner*innen, selbstbewusst, aber
nicht selbstgefällig. Andererseits orientieren wir uns mit dem Wert-vol-
len Münster auf die Zukunft, gestützt auf das beschriebene wertebasierte
Lebens-, ja Münstergefühl. Deshalb auch der Bindestrich, der deutlich
macht: Wertvoll ist, was sich auf Werte stützt.
Seinen Erfolg verdankt der Zukunftsprozess dem kreativen Enga-
gement so vieler Münsteranerinnen und Münsteraner, die sich auf den
zahlreichen Zukunftsspaziergängen, Stadtforen und weiteren Formaten
eingebracht haben. Die Diskussionen innerhalb dieser Veranstaltungen
führte entlang eines Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes (ISEK), das
zentrale Aspekte der Zukunft Münsters in Leitthemen strukturiert. Mit
all den Themen, die uns auf den Nägeln brennen: Wohnen, Mobilität, In-
nenstadt, Stadtteile, Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung, Digitalisierung,
Klimagerechtigkeit, Nachhaltigkeit, Stadt/Landschaft, sozialer Zusam-
menhalt etc.
Die Zukunft kommt uns täglich entgegen, der Zukunftsprozess, wie
wir ihn 2015/2016 angestoßen haben, kommt an ein vorläufiges Ende.
Anlass also, all das zusammenzufassen, was bisher an Wesentlichem ge-
dacht, gesagt und mittlerweile schon umgesetzt wurde – für ein Wert-
volles Münster.
Ihr
OBERBÜRGERMEISTER Markus Lewe
Münsters Zukunft:
Unser Gemeinschaftswerk!
54
IMPRESSUMINHALT
Inhalt
GRUSSWORT 3
Oberbürgermeister Markus Lewe
INHALT UND IMPRESSUM 4
MünsterZukunft
DER PROZESS 6
2015–heute
WIR SIND VIELE 8
Engagement, wohin man sieht.
ZUKUNFTS ARENA 2018 10
Wo der Funke überspringt.
ZUKUNFT UND NACHHALTIGKEIT 12
Für eine enkeltaugliche Stadt.
KERNELEMENTE UNSERES ZUKUNFTBILDES 16
Erstmal erfragen, was Sache ist.
DIE ZUKUNFT GEMEINSAM IM BLICK 20
Partizipation und Kooperation ist die Seele von allem.
ZUKUNFT IM DIALOG 22
Wie zusammenkommt, was zusammengehört.
HIER GEHT DIE REISE HIN 23
Unser Wert-volles Münster.
HIER TUT SICH WAS 24
Denn: an unseren Taten werden wir gemessen.
VIELFALT DER STADTTEILE 26
Erst die Teile machen die Stadt.
URBANE WISSENS QUARTIERE 30
Die Zellkerne der Zukunft.
INNENSTADT IST MEHR ... 34
Garant für Zukunft: Vielfalt.
MÜNSTERSCHE STADT-LANDSCHAFT 38
Stadt braucht Landschaft. Und umgekehrt.
LEISTBARES WOHNEN 42
Eine Herausforderung, viele Stellschrauben.
FACETTEN ÖKONOMISCHER STÄRKE 46
Ein Erfolg mit vielen Ursachen.
DIGITALISIERUNG FINDET STADT 50
Smart City schafft Smart Life.
STADTVERTRÄGLICHE MOBILITÄT 54
Auf dem Weg in die Zukunft.
MÜNSTER UND SEINE NACHBARN 58
Gemeinsam sind wir stärker.
STADT IN DER SOZIALEN BALANCE 62
Miteinander füreinander.
ZUKUNFTGESTALTUNG ALS DAUERAUFGABE 66
Zukunft machen wir alle und es hat kein Ende.
WEITERE PUBLIKATIONEN 70
IMPRESSUM
Stadt Münster
Oberbürgermeister
Markus Lewe
Dezernat für Planung,
Bau und Wirtschaft
Stadtbaurat
Robin Denstorff
Stadtplanungsamt
Stabsstelle Strategische
Stadtentwicklung,
Wissenschaftsstadt
Prof. Dr. Thomas Hauff
Marc Gottwald-Kobras
Münster Marketing
Bernadette Spinnen
Dr. Matthias Schmidt
Dominik Czeppel
Kontakt
zukunft@stadt-muenster.de
Abbildungen
Stadt Münster
Jörg Kersten
Graphic Recording
Marie Jacobi und
Bildbeschreibungen
Gestaltung & Satz
medlay
Stand Mai 2021
76
KAPITEL
2015
Gutes Morgen Münster
2018
ISEK Münster 2030
2016
Szenarioanalyse
Münster Zukünfte 20 | 30 | 50
gemeinsam machen
Der Prozess
2015 – heute
Die MünsterZukünfte starteten auf drei ver
schiedenen Wegen mit unterschiedlichen
Perspektiven und Zeithorizonten, daher die
Mehrzahl an Zukünften im Titel. Diese Wege
ergänzten sich kontinuierlich gegenseitig und
ergeben heute ein stimmiges Gesamtbild als
Leitplanken für die Zukunft: Die MünsterZukunft.
MünsterZukunft
DER PROZESS
98
KAPITEL
WIR SIND VIELE
Diese Frage stellte die große Szenarioanalyse der
Universität in den Mittelpunkt ihrer Untersuchung.
Im März 2017 steuerten – online und vor Ort – 16.438
Engagierte aus Stadt und Region 16.655 Ideen für
Einflussfaktoren bei. Und das Verblüffende: aus der
Vielfalt dieser Ideen für Einflussfaktoren schälte
sich eine Vision von Münsters Zukunft heraus. Die
mathematisch gestützte Auswertung ergab nämlich
ein recht eindeutiges Zukunfts szenario: Das Wert-
volle Münster. Eine überzeugende Einhelligkeit aus
Abertausenden von Antworten.1
Der Zukunftsprozess setzte Energien frei, die
schnell auch zu Ergebnissen führten. Bestes Bei-
spiel ist die Entwicklung in Münsters Wissensquar-
tieren, also dem durch die Wissenschaft geprägten
Bereich der inneren Stadt, der sich westlich vom
Domplatz erstreckt. Den Beginn machte 2018 – wie
in 5 weiteren Stadtteilen – ein Zukunftsspazier -
gang, initiiert von den Zukunftsmacherinnen und
Zukunftsmachern der Community Gutes Morgen
Münster. Sie vermittelten vor Ort den Spitzen von
Politik und Verwaltung die Chancen und Heraus-
forderungen ihres Quartiers. Mit Erfolg, denn schon
wenige Monate später beschlossen die Akteure
und Akteurinnen der Allianz für die Wissenschaft
– WWU, FH, Universitätsklinikum, Studierenden-
werk, Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) NRW
sowie die Stadt Münster – ihre einzelnen Entwick -
lungsvorhaben transparent zu machen, zusammen-
zuführen und gemeinsam die Wissensquartiere vo-
ranzubringen.2
Jung & digital
Das jüngste Projekt von Gutes Morgen Münster
haben Kinder und Jugendliche bestritten. Digital
unterstützt von der App #stadtsache nahmen sie
Schule und Umfeld unter die Lupe: Was ist gut, was
kann besser werden? Mit den Ideen ging’s dann rein
ins Rathaus – den Oberbürgermeister und die Ver -
waltung inspirieren.
Neuland betraten Schülerinnen und Schüler der
Gesamtschule Mitte mit einem weiteren Modell-
projekt, in dem sie ihren stadtplanerischen Ehr -
geiz an einem konkreten Beispiel erprobten, dem
Hörster Parkplatz. Wirklich spannende Perspekti-
ven und Ideen, die die Jugendlichen entwickelten.
Hatten bisher vor allem Erwachsene am Zukunfts-
prozess mitgewirkt, so wurde hier deutlich, wie
fruchtbar und belebend es wird, wenn tatsächlich
alle mittun – von Jung bis Alt.
MEHR INFORMATIONEN UNTER
1 www.zukunftmuenster.de/szenarios
2 www.gutesmorgen.ms/de/zukunftsspaziergaenge
2 www.zukunftmuenster.de/vertiefungderwissenschaftsstadt
App #stadtsache: Empfang vieler Kinder im Rathausfestsaal
Foto: MünsterView
Zukunftsspaziergang in die Wissensquartiere im Juni 2018
Foto: MünsterView
Wir sind viele
Engagement, wohin man sieht.
Was übt maßgeblichen Einfluss
auf Münsters Zukunft aus?
Stadtforum
Urbane Wissensquartiere
Stadtentwicklung durch Stadtteil entwicklung
1110
ZUKUNFTSARENA 2018
Und los ging’s. Die rege und intensive Beteili-
gung ahnt man, wenn man sich allein die Anzahl
der Kommentare vergegenwärtigt; über 600 direkt
abends vor Ort oder über die Website. 1 Wie inten-
siv und substanziell diskutiert wurde, machen die
Kommentare im Einzelnen deutlich; sie sind alle
auf der Website dokumentiert.
Eine fachlich vertiefte Erörterung der Leitthe-
men, die das Integrierte Stadtentwicklungskonzept
strukturieren, fand dann in einer Reihe von Stadt -
foren statt. Ein erfolgreiches und beliebtes Format,
zu dem im Schnitt 100 Interessierte und 30 Akteure
und Akteurinnen der Stadtgesellschaft kamen. Zu-
sätzliche externe Fachleute referierten andernorts
gewonnene Erfahrungen, interessante Lösungen,
deren etwaige Relevanz für Münster die Diskussion
befeuerte.
Auch wenn bisher auf Grund von Corona die
Reihe der Stadtforen zu den Leitthemen nicht abge-
schlossen werden konnte, haben wir in alternativen
Formaten weiter diskutiert. Jüngst geschehen beim
ersten Webforum ‚Beteiligung digitaler denken‘.
Teilgenommen haben rund 150 Münsteranerinnen
und Münsteraner via Video konferenz mit Livechat.
Der Beginn einer passionierten Diskussion über die
Chancen digitaler Öffentlichkeitsbeteiligung.
Die Leitthemen werden später Die Leitthemen werden später
im Einzelnen vorgestellt, hier im Einzelnen vorgestellt, hier
aber schon mal eine Übersicht aber schon mal eine Übersicht
(siehe rechts)(siehe rechts)
MEHR INFORMATIONEN UNTER
1 www.zukunftmuenster.de/zukunftsarenabeteiligung
Zukunfts arena
2018
Wo der Funke überspringt.
Als im Oktober 2018 circa 500 Bürgerinnen
und Bürger zur ersten Zukunftsarena kamen,
waren schon Vorschläge für 10 Leitthemen da,
gewissermaßen als Leitplanken für die dann
beginnende Diskussion.
10 Leitthemen des ISEK
Stadtverträgliche MobilitätInnenstadt ist mehr …
Münster und seine NachbarnMünstersche Stadt-Landschaft
Facetten ökonomischer StärkenVielfalt der Stadtteile
Digitalisierung findet StadtUrbane Wissensquartiere
Leistbares Wohnen Stadt in der sozialen Balance
ZUKUNFTSARENA 2018
1312
ZUKUNFT UND NACHHALTIGKEIT
Was das bedeutet, wissen wir nicht erst seit Fridays for Future: Ressour -
cen- und Energieverbrauch senken, CO²-Ausstoß reduzieren, Verkehr
minimieren, Abfall vermeiden, Lebensraum erhalten – um Ziele zu nen-
nen, die für jede Kommune verbindlich werden.
Für die beiden Aktionsfelder Zukunft und Nachhaltigkeit hat Müns-
ters Rat 2016 je einen Prozess initiiert: MünsterZukünfte und Global
Nachhaltige Kommune. Letzterer folgt einer globalen Top-down-Strate-
gie, die 2015 mit der UN-Agenda der 17 Globalen Nachhaltigkeitsziele
begann und sich über den Deutschen Städtetag bis in die Nachhaltig-
keitsstrategie Münster 2030 fortsetzte. Dieser Prozess wurde durch einen
Beirat mit vielen lokalen Akteuren und Akteurinnen aus der Münstera-
ner Zivilgesellschaft begleitet. Seit ihrer Implementierung in Münster
greifen die beiden Prozesse wie Zahnräder ineinander, kein Zukunfts-
projekt, das nicht ineins Nachhaltigkeit mitdenkt und mitmacht.
Zwei Beispiele aus Stadtforen der MünsterZukünfte machen das
deutlich: Das Forum ‚Stadtverträgliche Mobilität‘ stellte fest, Münsters
motorisierter Individualverkehr und seine Infrastruktur müssen um-
weltbewusster und klimaverträglicher gestaltet werden. So schafft eine
nachhaltige Entwicklung mehr Verkehrsraum für Fuß- und Radverkehr
und ÖPNV und steigert die Lebensqualität.
Zukunft und
Nachhaltigkeit
Für eine enkeltaugliche Stadt.
Zukunft gestalten, das geht nur nachhaltig.
Und zwar in dem Bewusstsein, dass jede
Planung in die Zukunft den nachfolgenden
Generationen eine menschenwürdige
Lebens grundlage schuldet.
FÜR EINE ENKELTAUGLICHE STADT
MEHR INFORMATIONEN UNTER
www.stadtmuenster.de/umwelt/nachhaltigkeit
Das Stadtforum zur Münsterschen Stadt-Landschaft machte sich klar, ,
Münsters Stadtgebiet ist grün, mit mehr als 60 Prozent Grünflächen oder
Freiräumen. Eine Stärke, die unbedingt zu erhalten sei. Freiräume in der
Innenstadt sollten erhalten bleiben, wo möglich zurückgewonnen, quali-
fiziert und vernetzt werden. Nachhaltigkeit hier also durch eine behut -
same Weiterentwicklung der Stadtstruktur.
Stadtforen Münstersche Stadt-Landschaft
und Urbane Wissensquartiere
1514
10 LEITTHEMEN & SDGS 1
Vielfalt der
Stadtteile
Leistbares
Wohnen
Digitalisierung
findet Stadt
Stadt in der
sozialen Balance
Facetten
ökonomischerStärke
ZUKUNFT UND NACHHALTIGKEIT 10 LEITTHEMEN & SDGS
Innenstadt
ist mehr ...
Münster und
seine Nachbarn
Urbane
Wissensquartiere
Münstersche
Stadtlandschaft
Stadt verträgliche
Mobilität
hier steht eine
Bildunterschrift
1SDG steht für ‚Sustainable Development Goals‘, sprich
die 17 globalen Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen.
Natürlich gibt es darüber hinaus weitere Verbindungen von SDGs und Leitthemen,
wie zum Beispiel ‚Keine Armut‘ und ‚Stadt in der sozialen Balance‘ sowie ‚Leistbares Wohnen‘.
Aus Gründen der Darstellbarkeit werden an dieser Stelle nicht alle möglichen Verbindungen
eingezeichnet.
Quelle: ISEK Baustein A, Seite 13
1716
KERNELEMENTE UNSERES ZUKUNFTSBILDES
In sie flossen nicht nur die wissenschaftlich-ana-
lytische, statistische und konzeptionelle Expertise
der Hochschule, sondern auch die rege Teilnahme
von fast 17.000 Bürgerinnen und Bürger. Als Ziel-
szenario zeigte sich: Das Wert-volle Münster. Das
ist das auf eine Formel gebrachte Zukunftsbild
Münsters, das, wenn man es anschaulich macht,
den lebendigen, verlässlichen und zukunftsfitten
Wertekosmos Münsters bildet. So sehen und emp-
finden sich die Bürgerinnen und Bürger, so wollen
sie künftig ihre Stadt.
Kernelemente
unseres
Zukunftbildes
Erstmal erfragen, was Sache ist.
Die Szenarioanalyse der Universität lieferte die
Grundlage für das Vorgehen im Zukunftsprozess.
Stadtforum
Digitalisierung findet Stadt
ERSTMAL ERFRAGEN, WAS SACHE IST
Identität
Wird gebildet durch die Verbundenheit mit dem,
was ist. Aber genauso durch den Optimismus, die
Zuversicht und Tatkraft für das, was kommt. Tradi-
tion und Innovation sind die beiden Kräfte, die in
der Münsteraner Stadtgesellschaft deutlich spürbar
und wirksam sind. Münsteraner*innen mögen es,
Münsteraner*innen zu sein. Das drückte sich jüngst
auch aus in der zahlreichen Teilnahme am Heimat-
Preis 2019. Sportvereine, Stadtteilinitiativen, Hei-
matvereine, lang jähriger Einsatz für Geflüchtete,
inspirierte Schulen oder Kitas – alle machten mit
und bestätigten einmal mehr die stadtweite Prä-
senz zupackenden Engagements.
Balance
Meint zum Einen das Neben- und Miteinander von
bebauter Fläche und Landschaft. Wobei die Land-
schaft geradezu in die Kernstadt hineinfließt. Das
prägt das jetzige Bild Münsters und gehört zum
bewahrens- und schätzenswerten Zukunftsbild der
Stadt, auch aus Gründen der Klimagerechtigkeit.
Meint aber auch soziale Balance: Die wach-
sende Stadt darf nicht bedeuten, dass Haushalte
mit geringeren Einkommen an den Rand gedrängt
werden, weil beispielsweise das Wohnen für sie zu
teuer wird.
Urbanität
Charakteristisch für Münster ist seine lebendige
und durchaus kompakte Urbanität, die vom Zu-
kunftsprozess weiterentwickelt und auf relevante
neue Stadtquartiere – westlich von Wissenschafts-
und Technologiepark sowie südlich des Kanals –
übertragen wird.1
APROPOS, ANSCHAULICH MACHEN:
MEHR INFORMATIONEN UNTER
1 www.stadtmuenster.de/stadtplanung/stadthaefen/urbanestadtquartiere
19
KAPITEL18
KERNELEMENTE UNSERES ZUKUNFTSBILDES
KERNELEMENT
Bildung, Wissenschaft, Wirtschaft
Zu Münsters Stärken zählen Bildung und Wissen-
schaft. Von der Vorschulphase über Schule, Hoch-
schule bis hin zum Studium im Alter wird ja nicht
nur ein je individueller Bildungsweg beschritten,
sondern insgesamt die Basis geschaffen für eine
dynamische, innovative und breit angelegte Wirt -
schaft. Auch hier wieder in engem Zusammen gehen
zwischen der Umsetzung der MünsterZukünfte in
den Schlüsselprojekten der Global Nachhaltigen
Kommune, indem individuelle Bildungswege und
eine zukunftsfeste, wirtschaftliche Prosperität inei-
nander greifen und sich ergänzen. Münsters jüngs-
ter Erfolg etabliert sich gerade im Hansa-Business-
Park, eine Batterieforschungsfertigung, die Wissen
und Wirtschaft verbindet.
MEHR INFORMATIONEN UNTER
1 www.zukunftmuenster.de/stadtforenzwischenergebnisse
1
2
3
4
Graphic Recordings
aus Zukunftsarena
und Stadtforen
Vielfalt
In jeder Hinsicht: Kulturen, Lebensweisen, Milieus,
Altersgruppen, Stadtteile. Ein eindrucksvolles Bild
zeigte Münsters Vielfalt mit der enormen Teilnah-
me am Wettbewerb Vielfalt machen! im Rahmen
von Gutes Morgen Münster. Mittlerweile sind über
400 Zukunftsmacherinnen und Zukunftsmacher an
Board.1
WIE GEHT ES WEITER?
MünsterZukünfte bedeutet Ideenentwicklung
UND deren Umsetzung – denken UND machen, zum Beispiel:
Der Entwicklungsprozess für die Innenstadt berücksichtigt die aktuellen
Corona-Erfahrungen und bezieht sie in die gemeinsame Planung für die
Innenstadt der Zukunft ein.
Enge Vernetzung von Rathaus und Stadtteilen sowie Vernetzung der
Stadtteilakteure und -akteurinnen durch die neuen Stadtteilkümmerin-
nen.
Die Standortstrategie definiert und fördert neue Räume und Themen für
die Wirtschaft.
Aus der Ideenwerkstatt ‚Zukunft der Wissenschaftsstadt‘ stammen zahlrei-
che Impulse für die Urbanen Wissensquartiere und die Weiterentwicklung
am Coesfelder Kreuz.
2120
DIE ZUKUNFT GEMEINSAM IM BLICK
Beauftragt durch den Rat wurde ein Projektteam gebildet, unmittelbar
flankiert von allen relevanten Akteuren und Akteurinnen der Stadtge-
sellschaft, der Wissenschaften, Institutionen und Organisationen – Par-
tizipation und Kooperation als DNA unseres Zukunftsprozesses. Kein
Bürokratiemonstrum, sondern ein breit in der Stadtgesellschaft veran-
kertes Engagement: alle denken mit, alle handeln mit.
Konkret bedeutet das, das Projektteam MünsterZukünfte managt die
zahlreichen Inputs der Akteure und Akteurinnen zu den Leitthemen des
Integrierten Stadtentwicklungsprozesses (ISEK). Begleitet wurde es von
einem Beirat mit weitem stadtgesellschaftlichem und verwaltungsinter-
nem Spektrum: unter anderem der Global Nachhaltigen Kommune, dem
Beirat Münster Marketing, dem ehemaligen Beirat Bürgerhaushalt, dem
Stadtsportbund, dem Landwirtschaftlichen Kreisverband. Begleitet wur-
de das Projektteam von einer Lenkungsgruppe, die für eine breite Ein-
bindung der Ratsgremien und Bezirksvertretungen sorgte.
Die Zukunft
gemeinsam
im Blick
Partizipation und Kooperation ist die Seele von allem.
Münsters Zukunft ist das Gemeinschaftswerk
vieler Münsteranerinnen und Münsteraner.
Das war von Anbeginn die Maxime des Prozesses
MünsterZukünfte.
PARTIZIPATION UND KOOPERATION IST DIE SEELE VON ALLEM
RAT
ERWEITERTES KERNTEAM
LENKUNGSGRUPPE
VERWALTUNGSVORSTAND BEIRAT
GUTES MORGEN MÜNSTER
ISEK-AUFTRAGNEHMER
WWU-SZENARIOANALYSE
Entscheidende Gremien
Beratende Gremien
Operative
externe
Auftragnehmer
und Akteure
KERNTEAM
2322
ZUKUNFT IM DIALOG
Eine rasch spürbare Wirkung unseres Zukunfts-
prozesses: die Begegnung von Bürgerinnen und
Bürgern, Akteuren und Akteurinnen der Stadt -
gesellschaft, Politik und Verwaltung vertieft sich.
Die Beteiligten machen sich neuerlich klar: Das ist
unsere Stadt! Was den Alltag unserer Stadt immer
schon bestimmt, das Miteinander der genannten
Kräfte, intensiviert sich in den Stadtforen in einem
Dialog. Konkret organisiert durch die „Bänke“, die
aus den Akteursgruppen gebildet wurden.
So gab es zum Beispiel im Leitthema Innenstadt
ist mehr ... Bänke mit den Zukunftsmachern und Zu-
kunftsmacherinnen (Gutes Morgen Münster), der
stadtgesellschaftlichen Vielfalt, den Institutionen
und Akteuren und Akteurinnen der lokalen Wirt -
schaft, den Trägern sozialer und kultureller Einrich-
tungen und mit Stadtverwaltung und Politik. Auf
den Bänken nahmen die Teilnehmenden Platz ...
und das Funkensprühen ging los. Ergänzt und berei-
chert durch Fachleute mit spezieller Wissenschafts-
Expertise, dem Know-how anderer Kommunen oder
renommierter Planungsbüros. Ein willkommener
Ansporn, deren Relevanz für Münster zu überprü-
fen und gemeinsame Lösungen zu entwickeln.
Zukunft
im Dialog
Wie zusammenkommt, was zusammengehört.
Die Bezirkspolitik im Stadtforum Vielfalt der Stadtteile
HIER GEHT DIE REISE HIN
So sind ‚Vielfalt‘ und ‚Begegnung’ Attribute, die die
Teilnehmerinnen und Teilnehmer für unverzicht -
bare Elemente eines Wert-vollen Münsters halten.
Vielfalt und Begegnung gehören zu einem lebens-
werten Münster.
Im Leitthema Vielfalt der Stadtteile steckt der An-
spruch ja schon im Titel. Wobei sich Vielfalt nicht
nur auf Reichhaltigkeit und Diversifikation im je-
weiligen Stadtteil bezieht, sondern auch auf Vielfalt
der Stadtteile untereinander; die im übrigen dann
besonders gut hervortritt, wenn es gelingt, die je-
weiligen Einzelidentitäten deutlich zu machen. Und
immer wieder: Stadtteile sind Räume der Begeg-
nung, sind es, sollen es bleiben, sie vor allem stiften
Zusammenhalt.
Nicht anders in den Urbanen Wissensquartieren.
Auch hier wird Vielfalt und Begegnung angemahnt,
was ein Impulsvortrag in die pointierte Forderung
packte: Mehr Kaffeemaschinen! Das ist gewiss noch
nicht die Zukunftsformel für die Wissenschafts-
stadt Münster, aber ein Weg der Begegnung, in dem
durchaus Themen wie Mischung und Überlagerung
von Nutzungen anklingen.
MEHR INFORMATIONEN UNTER
1 www.zukunftmuenster.de/stadtforen
Oder Leitthema Innenstadt ist mehr ... Vielfalt wird
hier so dringend und berechtigt gefordert wie sonst
nirgendwo. Vielfalt für Handel, Kultur, Bildung,
Wohnen, Arbeit und Leben – um mono kulturellen
Vereinseitigungen entgegenzusteuern.
Vielfalt hat auch eine entscheidende Bedeutung
für die Münstersche Stadt-Landschaft. Sie entsteht
im Zusammenspiel von Siedlungs- und Land-
schaftsentwicklung. Ein strategischer Ansatz, der
der Erhaltung und Qualifizierung sowohl von Frei-
räumen dient als auch die Anliegen ökologisch ver-
antworteter, stadtnaher Landwirtschaft sichert.
Die MünsterZukünfte schaffen einen Rahmen,
in dem aktiv und zielorientiert gehandelt werden
kann. Gleichzeitig führen die MünsterZukünfte
Akteure und Akteurinnen zusammen, die gemein-
sam ihre Potenziale für ein lebenswertes Münster
gestalten wollen – die gerade in der Kooperation
einen stimulierenden Impuls entdecken. Diese
Einstellung fördert nicht nur den Ertrag der Müns-
terZukünfte, sondern stärkt auch Resilienz und Zu-
kunftsfähigkeit gegenüber Unvorhersehbarem.1
Hier geht die
Reise hin
Unser Wert-volles Münster.
Bei aller Vielstimmigkeit in den Stadtforen zeichnen
sich Schwerpunkte ab, wiederkehrende Motive in
den Ideen zu unterschiedlichen Leitthemen.
25
HIER TUT SICH WAS
Wissenschaftsstadt
Ein Blick auf den Ablauf des Prozesses der Münster-
Zukünfte innerhalb des Leitthemas Urbane Wissens-
quartiere zeigt, dass es zielstrebig vorangeht: vom
faktensammelnden Zukunftsspaziergang (07/19) kam
es nur 3 Monate später zur gemeinsamen Willens-
erklärung aller Beteiligten (WWU, FH, UKM, Studie-
rendenwerk, BLB NRW, Stadt Münster) – als Letter
of Intent. Heißt, eine gemeinsame Strategie für den
Wissenschaftsstandort Münster zu entwerfen, wo
in den nächsten 10 Jahren gut 2 Milliarden Euro in-
vestiert werden. Im Mai 2019 vertiefte ein öffent -
liches Stadtforum mit externen Expertinnen und
Experten das Thema; es folgten eine internationale
Ideenwerkstatt, mit Ideenhighlights wie dem Sci-
ence Boulevard (Leonardo-Campus – Corrensstraße
– Domagkstraße), und das Reallabor von Fachhoch-
schule, Universität und Stadt, um herauszufinden,
wie der überdimensionierte Straßenraum der Cor -
rensstraße besser genutzt werden könnte.
Innenstadt
Zum Leitthema Innenstadt ist mehr ... fanden eine
öffentliche Diskussion im Rahmen der Zukunfts-
arena und ein Stadtforum statt. Auf deren Basis
entwickelt sich das Integrierte städtebauliche Ent -
wicklungskonzept für die Innenstadt (InSEK) mit
konkreten Zielen unter anderem für die Städtebau-
förderung. Davon könnte alsbald auch das Martini-
viertel mit dem Hörster Parkplatz profitieren als
eine der großen planerischen Herausforderungen
Münsters.
Hier tut sich was
Denn: an unseren Taten werden wir gemessen.
Stadtforum
Urbane Wissensquartiere
Stadtforum
Vielfalt der Stadtteile
DAS GETANE IST DAS GEKONNTE
MEHR INFORMATIONEN UNTER
1 www.stadtmuenster.de/rathaus/zentrenfonds
Der Innenstadtwandel ist rasant und hat noch ein-
mal zugelegt durch die Corona-Krise. Ein wichtiger
Effekt des ISEK war es mit der Förderung des Zen-
trenmangements, schnell an Sofortprogrammen
zur Stärkung der Innenstadt, die vom Land zur Ab-
federung der Corona-Auswirkungen aufgelegt wur-
den, teilnehmen zu können.1
Wirtschaft
Die enorme Bedeutung von ‚Vielfalt‘ und ‚Begeg-
nung‘ für die MünsterZukünfte wurde schon betont.
So ist die ‚Begegnung‘ im Prozess der Münster-
Zukünfte bereits der erste Erfolg des Prozesses.
Denn indem die Akteure und Akteurinnen zu-
sammenkommen, erschließt sich unmittelbar der
Gewinn von Kooperation. Um das zu verstetigen,
wurde eine Wirtschaftskonferenz einberufen, die
dem kontinuierlichen Dialog zwischen Verwaltung
und Wirtschaft bei strategischen Fragen dient. Ein
weiteres Learning aus dem Prozess ist der Vor -
satz, die Bedeutung der Wirtschaft für die Stadt im
Bewusstsein der Öffentlichkeit zu erhöhen und eine
gemeinsame Standortentwicklungsstrategie auf
den Weg zu bringen.
24
Koordination der Vielfalt
Vielfalt ist ein Pfund, mit dem viele Leitthemen
Münsters wuchern können. Clever koordiniert, so
fanden die Teilnehmenden der Stadtforen in den
Stadtforen, würde deren Bedeutung noch zuneh-
men. Indem beispielsweise:
• die zahlreichen Akteure und Akteurinnen in den
Stadtteilen mit einem Quartiersmanagement
(Stadtteilkümmerinnen) in der Verwaltung
unterstützt werden
• die Landwirtschaft von einem Beauftragten
supportet wird, der ihr Anliegen zum Thema
Münstersche Stadt-Landschaft verwaltungsseits
präsent hält
• die Akteure und Akteurinnen der Hafenentwick-
lung über eine Hafenlotsin oder einen Hafenlot-
sen im ständigen Dialog bleiben
• das Leitthema Digitalisierung findet Stadt durch
eine neu eingerichtete Stabsstelle Smart City als
intelligente digitale Stadtentwicklung promi-
nent profiliert wird
2726
VIELFALT DER STADTTEILE
Vielfalt der
Stadtteile
Erst die Teile machen die Stadt.
VIELFALT DER STADTTEILE
HINTERGRUND
Identität
Jeder Stadtteil hat seine eigene Identität. Die zu erhalten und weiterzu-
entwickeln war wichtiges Anliegen aller Stadtforen. Städtebauliche Ge-
staltung folgt naturgemäß diesem individuellen Anspruch eines jeden
Stadtteils, etwa wenn es um die jeweilige Ortsmitte geht.
Begegnung
Begegnungsräume sind das A und O jeder öffentlichen Stadt- und Stadt-
teilkultur. Ob als Plätze in Ortsmitten, als multifunktional nutzbare Frei-
räume oder Gebäude. Egal ob groß oder klein und meist getragen durch
viel Engagement der Bürgerschaft:
Begegnungsräume sind Lebens-
räume, sind Treffpunkte für Ver -
einsleben und jedwede Aktivität;
sie prägen die Stadtteilidentität.
Umso schlimmer, wenn sie
verloren gehen oder fehlen. Und
umso dringender, sie in solchen
Fällen zu schaffen. Die Ideenent -
wicklung in den Stadtforen konzentrierte sich deswegen auf multifunk -
tional nutzbare Räume wie sie zum Beispiel in Schulen denkbar sind oder
auf Freiräume und prägende Gebäude, die man als Ortsmittelpunkte eta-
blieren kann.
Kooperation
Das bedeutet Zusammenarbeit zwischen Stadtteilen sowie Kooperation
im Stadtteil – das soll unbedingt verstärkt werden. „Stadtteilkümmerin-
nen und Stadtteilkümmerer in die Verwaltung!“ war deshalb eine Idee,
die allseits Zustimmung fand.
Auch Studierende wohnen in einem
Stadtteil, selbst wenn sie nur auf
Zeit hier sind. Ziel wäre es, sie für
bürgerschaftliches Engagement in
‚ihrem‘ Stadtteil zu begeistern.
HighlightIdee in der Diskussion des Stadtforums
Stadtforum
Vielfalt der Stadtteile
Stadtforum
Vielfalt der Stadtteile
2928
VIELFALT DER STADTTEILE
UMSETZUNG
Tandem-Team für die Stadtteile
Wenn Münster wächst, wachsen seine Stadtteile. Dann werden soge-
nannte Stadtteilentwicklungskonzepte aufgelegt, an denen sich die
Menschen vor Ort beteiligen. Das ist in Münster bewährte Praxis. Und
damit die Kontakte nicht abbrechen, das Vereinbarte nicht aus dem Blick
gerät und die Dinge rascher vorankommen, war der einhellige Wunsch in
den Stadtforen: Kooperation intensivieren. Gesagt, gemacht – ein Tan-
dem-Team aus Münster Marketing und Stadtplanungsamt ging an den
Start, wurde Kontaktpunkt, unterstützt seither die Arbeit im Stadtteil,
verzahnt Öffentlichkeit mit Stadtteilplanung und deren Realisierung.
Stadtteilhaus Coerde
Das eigene Zuhause, die Arbeitsstelle, das sind die beiden zentralen Le-
bensorte. Ein weiterer spielt in der städtebaulichen Planung aber auch
eine große Rolle: der sogenannte ‚Dritte Ort‘, der Treffpunkt sozialen
Lebens, der vielen Menschen Orientierung bietet. Ein solcher entsteht in
Coerde. Das künftige Stadteilhaus für alle vereint das ehemalige städti-
sche Bürgerbüro, den Treffpunkt ‚mittendrin‘, die Stadtteilbücherei und
den Jugendtreff des DRK und wird zukünftig auch zum Thema Gesund-
heit arbeiten. Intensives, nachbarschaftliches, soziales Miteinander mit-
ten im Stadtteil.
3 Plätze für Amelsbüren
Der Stadtteil Münsters mit der vielleicht dörflichsten Prägung. Und
gleichzeitig ein Stadtteil in Veränderung, in die die Bürgerinnen und
Bürger sich unmittelbar einbringen und von Stadtteilkümmerinnen
unterstützt werden. Zunächst im Rahmen einer Zukunftswerkstatt, im
letzten Jahr dann vor allem onlinegestützt, um unter möglichst großer
Beteiligung die Ortsmitte samt 3 zentralen Plätzen umzugestalten.1
MEHR INFORMATIONEN UNTER
1 www.zukunftmuenster.de/zukunftamelsbueren
VIELFALT DER STADTTEILE
hier steht eine
Bildunterschrift
Lebendiger Coerdemarkt
Foto: Kulturinitiative Coerde/Heinz Baumgarten
Stadtforum
Vielfalt der Stadtteile
Ortskern
Amelsbüren
3130
URBANE WISSENSQUARTIERE
Urbane
Wissens quartiere
Die Zellkerne der Zukunft.
URBANE WISSENSQUARTIERE
HINTERGRUND
Begegnung
Das Labor, der Seminarraum, der Schreibtisch – wer diese für die über -
wiegenden, gar ausschließlichen Orte wissenschaftlichen Fortgangs hält,
vergisst die Kaffeemaschinen. So vorgestellt durch externe Fachleute in
ihrem Impulsvortrag über die ETH Zürich: Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler sowie Studierende treffen sich beim Kaffeeautomaten.
Zum Gespräch, zum akademischen Austausch, zum Wohlfühlen. Also
ist es wichtig, solche Begegnungsorte zu schaffen, öffentliche Freiräu-
me mit animierender Attraktivität, Räume für Co-Learning, Co-Working,
Gastronomie etc. Das Stadtforum Urbane Wissensquartiere diskutierte
Wege und Gestaltungsoptionen zur Verbesserung der Begegnungsmög-
lichkeiten.
Nachbarschaften
Die einzelnen Gebäude der Wissensquartiere sollten zueinander, auch
mit ihren jeweiligen Forschungs- und Lehrinhalten in eine intensivere
nachbarschaftliche Beziehung kommen, sollten funktional und organi-
satorisch stärker vernetzt werden. Das, so das Stadtforum, wäre auch
nach außen in Richtung Stadtgesellschaft ein Gewinn, um beispielsweise
gemeinsame Angebote in einem institutsübergreifenden Terminkalen-
der mitzuteilen.
Mischung
So gleichförmig wie bisher bräuchten und sollten Wissensquartiere nicht
genutzt werden. Warum sollten Seminargebäude, Wohngebäude, Begeg-
nungsorte, Gastronomie, Pop-up-Stores, Fab-Labs sich nicht räumlich
wie zeitlich überlagern, mithin flexibel genutzt werden?! Auch Flächen-
potenziale wie überdimensionierte Straßen (zum Beispiel Corrensstra-
ße), großzügige, ebenerdige
Parkplatzanlagen seien ein-
beziehbar – so der Diskus-
sionsstand im Stadtforum.
Pop-up-Dorms, also temporäre
Wohnheime für Studierende auf
ungenutzten Flächen oder überdi-
mensionierten Straßen räumen.
Beispiel: Wien, Seestadt-Aspern.
HighlightIdee in der Diskussion des Stadtforums
Stadtforum
Urbane Wissensquartiere
3332
URBANE WISSENSQUARTIERE
UMSETZUNG
Vom Letter of Intent (LoI) – dem Zusammenschluss aller Partner und
Partnerinnen der Wissenschaftsstadt, dem Zukunftsspaziergang und
dem Stadtforum zum Thema Urbane Wissensquartiere war bereits die
Rede. Dem folgte ein internationaler Wettbewerb Zukunft der Wissen-
schaftsstadt. Vier renommierte, international tätige Büros legten los und
lieferten wertvolle Konzepte für die Transformation von monofunktio-
nalen Wissenschaftsbereichen in lebendige, gemischte und gut vernetz-
te Quartiere mit urbanen Qualitäten. Ein wesentlicher Vorschlag war der
Science Boulevard als Rückgrat der Wissenslandschaft mit neuen Qualitä-
ten für Fuß- und Radverkehr – vom Sport-Campus am Horstmarer Land-
weg im Norden über das Coesfelder Kreuz, die Domagkstraße bis zum
Jungeblodtplatz.
Der Arbeitskreis Nachhaltige Stadtentwicklung in Münsters Allianz für
Wissenschaft griff diesen Impuls der Internationalen Ideenwerkstatt auf
und plant, die Corrensstraße als Teilstück des künftigen Science Boule-
vard völlig neu zu denken, zurzeit werden konkrete Ideen entwickelt.
Zeitlich zunächst begrenzt in Form eines Reallabors, sollen sie im Herbst
2021 mit Studierenden der Hochschulen umgesetzt werden.
Ebenfalls als Teilstück des Science Boulevard wird die Domagkstraße
im Klinikviertel auf Initiative des UKM fußgänger- und fahrradgerecht
umgestaltet. Sie wird sich an einem promenaden ähnlichen Charakter
orientieren.
MEHR INFORMATIONEN UNTER
www.zukunftmuenster.de/ideenwerkstatt
URBANE WISSENSQUARTIERE
Ideenwerkstatt zur
Zukunft der
Wissenschaftsstadt
Luftbild Corrensstraße
Entwurf Domagkstraße
Grafik: WES LandschaftsArchitektur
3534
INNENSTADT IST MEHR ...
Innenstadt
ist mehr ...
Garant für Zukunft: Vielfalt.
INNENSTADT IST MEHR ...
HINTERGRUND
Gemeinsamer Nenner aller Überlegungen und Forderungen in den
Stadtforen und Diskussionen zum Thema Innenstadt war: Vielfalt. Le-
bensqualität und Attraktivität hat eine Innenstadt nur, wenn sie vielfäl-
tig ist und bleibt. Eine vielfältige Innenstadt bietet nicht dies oder das,
sondern beides, sie ist möglichst multifunktional und nicht nur für den
einen oder die andere, sonder für alle! Wichtig natürlich, dass sie dabei
ihre DNA wahrt, wie sie durch stadtbauliche Konstanten, durch Wegebe-
ziehungen, durch ein architektonisches Gesamtbild präsent ist.
Vielfalt sichert Alltag. Wo viele Funktionen möglich sind, ist es auto-
matisch lebendig. Wo Schulen sind, herrscht Leben, wo spannende Kul-
tur stattfindet, pulsiert es. Das ist ein Wert unserer Innenstadt, den es
unbedingt zu erhalten gilt.
Innenstadtentwicklung ist Gemeinschaftsaufgabe. An den Gemein-
schaftssinn richten sich beispielsweise Überlegungen wie die von Miet -
ausgleichsmodellen, die auch kleineren, von ihren Inhaberinnen und
Inhabern geführten Läden und
Start-ups Chancen eröffnen.
Nicht weniger wichtig als die
Vernetzung der Einzelhan-
delsakteure und -akteurinnen
war den Teilnehmenden die
Kooperation aller Akteure und
Akteurinnen, um die gesamte
Innenstadtentwicklung voran-
zubringen.
Warum Leerstände in der Innen-
stadt nicht auch umnutzen?! Also
Erd geschosse nicht nur für den Ein-
zelhandel, sondern auch für Manu-
fakturen, Start-Ups, Ausstellungen,
Pop-up-Stores etc.
HighlightIdee in der Diskussion des Stadtforums
Stadtforum
Innenstadt ist mehr ....
Stadtforum
Innenstadt ist mehr ....
3736
INNENSTADT IST MEHR ...
UMSETZUNG
Der Zukunftsprozess bündelt die Ambitionen für Münsters Innenstadt
im Integrierten Innenstadtentwicklungskonzept (InSEK), was angesichts
der Coronakrise besondere Bedeutung hat. Umso dringender deshalb,
darauf hinzuarbeiten, die Vielfalt der Funktionen für die Innenstadt zu-
kunftsorientiert zu entwickeln. Nur gut, dass es mit der traditionellen
Zusammenarbeit zwischen Stadtmarketing und Initiative Starke Innen-
stadt (ISI) eine starke Grundlage für wichtige Innenstadtprozesse gibt.
Und nicht zu vergessen die Beteiligung der Öffentlichkeit, deren En-
gagement und Ideen für die Innenstadt eine entscheidende Rolle für die
Zukunft spielen.
Zentrenmanagement
Hier wirkt einmal mehr das Learning aus den Stadtforen, „Begegnung &
Kooperation intensivieren“ : Immobilienbesitzerinnen und Immobilien-
besitzer, Maklerbüros, ISI und Verwaltung arbeiten Hand in Hand und
schaffen eine zukunfts- und wandlungsfähige Mischung; und die kann in
jedem Teil der Altstadt anders aussehen.
Innenstadt als Alltagsort
Eine der großen kreativen Herausforderungen für Münsters Innenstadt.
Entsprechend ergiebig war die Ideenentwicklung unter den Beteiligten
des Stadtforums. Alle bewegt von der Chance, einmal etwas grundlegend
Neues zu wagen. Wobei ein Ideenkomplex immer deutlichere Gestalt ge-
wann: die Innenstadt als Alltagsort. Demzufolge standen folgende Krite-
rien ganz oben auf der Planungsliste: zwanglos, jung, auch konsumfrei,
inklusiv.
MEHR INFORMATIONEN UNTER
www.zukunftmuenster.de/innenstadtistmehr
INNENSTADT IST MEHR ...
Bezugsräume
der Innenstadt
Grafik: INSEK
Hörster Straße
Grafik: INSEK
3938
MÜNSTERSCHE STADT-LANDSCHAFT
Münstersche
Stadt-Landschaft
Stadt braucht Landschaft. Und umgekehrt.
MÜNSTERSCHE STADT-LANDSCHAFT
HINTERGRUND
Die Verflechtung von Stadt und Landschaft bzw. Siedlung und Landwirt-
schaft ist charakterisch für Münster. Münster ist grün. Das ist nicht nur
der Befund, das sollte – nach einhelligem Tenor im Stadtforum – auch so
bleiben und weiterentwickelt werden. Beide Räume profitieren vonein-
ander, zusammen steigern sie die Lebensqualität der Bürgerinnen und
Bürger. Es gelte also, großflächige Landschaften ebenso wie kleinteilige
Freiflächen zu erhalten zum Beispiel durch eine angemessene städte-
bauliche Dichte, wie es mit der Charakteristik der Ortslage vereinbar sei.
Und warum nicht auch Fassaden und Dächer begrünen? Landschaft und
Freiräume zu erhalten, ist auf alle Fälle ein Gebot der Nachhaltigkeit,
von Klimaschutz und -anpassung und somit eine Voraussetzung zur Er-
haltung der Lebensqualität.
Landwirtschaft
Ihre Bedeutung für Nachhaltigkeit, Ernährung und Klimaschutz steht
also außer Frage, nicht weniger aber auch ihr Beitrag zum Nutzen von
Bewegung, Erholung und Gesundheit, innerhalb derer der landwirt -
schaftliche Raum erlebbarer wird.
Münsters Landwirtschaft ist und bleibt Erzeugerin und könnte in die-
ser Funktion eine noch größere Bedeutung bekommen, indem sie dem
Wunsch nach lokalem Konsum entgegenkommt – lokale Produktion für
lokale Konsumption. Ganz im Trend naturnaher und biodiverser Land-
wirtschaft.
Stadtforum
Münstersche Stadt-Landschaft
Der „Publikumstisch“
im Stadtforum
Münstersche
Stadt-Landschaft
4140
MÜNSTERSCHE STADT-LANDSCHAFT
UMSETZUNG
Beauftragt
Das Thema der Landschaft hat seit jüngstem ein Gesicht, einen Beauf -
tragten, angesiedelt direkt beim Oberbürgermeister. Seine Aufgabe ist
es, die Kooperation zwischen den Playern Stadt und Landwirtschaft zu
beschleunigen und zu vertiefen und die Menschen in Münster fürs The-
ma zu sensibilisieren.
Gesunde und lokale Lebensmittel
Angesichts des Klimawandels wird der richtige Umgang mit Freiräumen
immer dringlicher. Die ‚blauen und grünen Strukturen‘, wie es im Pla-
nungsdeutsch heißt, sind hilfreich bei der Beeinflussung städtischen Kli-
mas. Freiflächen, offenes Wasser, Bäume, begrünte Fassaden oder Dächer
kompensieren CO² und mildern
die Hitze bebauter Bereiche.
Bauen
Verantwortlich Bauen heißt ver -
antwortlich schonender Um gang
mit Ressourcen. Es fängt an mit der Fläche, geht weiter mit den Bauma-
terialien und hört beim Umgang mit dem Energiebedarf und dem Wasser
nicht auf. Die Stadt Münster geht hier bei eigenen Bauten mit gutem
Beispiel voran, indem sie bestmögliche Standards anlegt. Sie berät und
fördert bei der energetischen Modernisierung und steuert die großen
Schritte baulicher Entwicklung in Münsters Baugebieten und Quartieren
im Sinne einer klimagerechten Entwicklung. Selbstverständlich haben
deshalb der Klimaschutz und umweltgerechtes Bauen in den drei ge-
planten Zukunftsquartieren im Nordwesten und südlich des Kanals eine
besondere Bedeutung.
MEHR INFORMATIONEN UNTER
www.zukunftmuenster.de/muensterschestadtlandschaft
MÜNSTERSCHE STADT-LANDSCHAFT
Die Münsteraner Landwirt-
schaft stärkt Biodiversität
mit Blühstreifen
Kriterien für die urbanen Qualitäten
zukünftiger Stadtquartiere
Klimaschutz ist Wirtschaftsfaktor:
lokale Produktion, Biolandwirtschaft,
Insektenschutz, Blühstreifen …
HighlightIdee in der Diskussion des Stadtforums
Nutzungs-
mischung
Verknüpftes
Wohnen und
Arbeiten
Sensibles
Wassermanagement
Zukunftsfähige
Mobilität
Klimaneutrale
Quartiers-
entwicklung
Partizipative
Prozesse
Belebte
Erdgeschosse
Neue Wohnformen
mit inklusiven
AngebotenMiteinander
unterschiedlicher
Bevölkerungs- und
Altersgruppen
Angemessene
Dichten
Gemeinschaftliche
Räume in Gebäuden
und im Quartier
Öffentliche &
gemeinschaftliche
Grünräume
NEUE URBANE
STADTQUARTIERE
IN MÜNSTER
4342
Leistbares
Wohnen
Eine Herausforderung, viele Stellschrauben.
LEISTBARES WOHNEN LEISTBARES WOHNEN
HINTERGRUND
Eine Frage, die bei den Teilnehmenden immer mitschwang: „Sind Boden
und Wohnungen nicht auch Gemeingut? Also anders als andere Güter
eine Art Grundversorgung, die hier und da durchaus reguliert gehört?“
Jedenfalls hat Münster mit dem Grundsatz der sozialen Bodennutzung
Gestaltungsspielraum, den es freilich auch zu nutzen gelte. In Münster
fehlt insbesondere bezahlbarer und barrierefreier Wohnraum. Und den
EINEN Weg zur Lösung gibt es offenbar auch andernorts nicht. Stattdes-
sen viele Stellschrauben, zum Beispiel:
• Wohnbaulandmonitoring
• Umzugsmanagement
• Stärkung kommunaler Wohnungsbaugesellschaften
• Vorkaufsrechte
• Erhaltungssatzungen
• Modernisierungsgebote
Den gewählten Methoden-Mix müsse die Stadt aber konsequent und
langfristig bedienen.
Neue Wohnformen
Mit den Lebensstilen wandeln sich die Wohnformen. So wird häufig Woh-
nen in Gemeinschaften zu einer erwünschten Option. Getragen würde
eine solche Gemeinschaft von einer Genossenschaft oder Baugruppe,
die sich dann unter Umständen schwer tut, tatsächlich ein geeignetes
Grundstück zu finden. Hier wäre dann die Unterstützung der Kommune
gefragt, etwa durch Konzeptvergabe kommunaler Grundstücke.
Konzeptvergabe
Die Vergabe von kommuna-
len Grundstücken im Erbbau-
recht sei dem Verkauf vorzu-
ziehen. Dem Erbbaunehmer
und der Erbbaunehmerin
sichere das eine beruhigend
langfristige Wohnperspekti-
ve zu berechenbaren Kosten,
die Kommune bewahre sich
nachhaltige Steuerungsmög-
lichkeit. Letztere wäre bereits bei einer Konzeptvergabe kommunaler
Grundstücke denkbar; so könnten beispielsweise Trägerinnen und Trä-
ger präferiert werden, die eine dauerhafte soziale Widmung mit ihrer
Erbbaunahme verbinden.
Durch Nachverdichtung muss es nicht
eng werden. Im Gegenteil: wer aufstockt,
schafft zusätzlichen Wohnraum; meis-
tens sogar recht wirtschaftlich; inklusive
Barrierefreiheit durch Rampen oder Auf -
züge.
HighlightIdee in der Diskussion des Stadtforums
Stadtforum
Leistbares Wohnen
4544
LEISTBARES WOHNEN
UMSETZUNG
Kontinuität im Quartier
Mit dem Wachstum Münsters wuchs die Attraktivität des Hansaviertels.
Gerade viele junge Menschen zog es in das Quartier zwischen Innen-
stadt und Hafen, um urban und zentral zu wohnen. Aber nicht nur sie,
auch die bereits Etablierten – junge Familien, Ältere – konnten beobach-
ten, wie in den letzten Jahren diese Entwicklung zu höheren Mieten und
Druck auf den Wohnungsmarkt führte. Bewohnerinnen und Bewohner,
die schon lange hier lebten, sozial integriert und verwurzelt, fühlten sich
überfordert und fanden kaum erschwingliche Alternativen im Viertel.
Um die Bevölkerung im Hansaviertel vor diesen strukturellen Ver -
änderungen zu schützen, beschloss der Rat eine Soziale Erhaltungssat -
zung, ein Instrument, das – gut begründet – in klar definierten Bereichen
angewandt werden kann.
Wohnprojekt ‚Grüner Weiler‘ im Oxford-Quartier
Münster hat eine lebendige Szene selbstorganisierter Wohnprojekte.
Knackpunkt ist aber oft der Grundstückserwerb, denn solche Bauge-
meinschaften basieren zumeist auf genossenschaftlicher Finanzierung
und benötigen Zeit, um ihr Wohnmodell am Standort gemeinsam zu
entwickeln. Da sind andere Investoren und Investorinnen oft schneller
– und legen los.
Umso erfreulicher, dass der ‚Grüne Weiler‘ sich als großes gemein-
schaftliches Wohnprojekt hat verwirklichen können, auch dank städti-
scher Konzeptvergabe. Hier in Gievenbeck im Oxford-Quartier fand das
Projekt seinen Wunschstandort.
Das Oxford-Quartier, der ehemalige Standort der britischen Truppen,
bietet eine äußerst reizvolle Umgebung und viel Platz für nachhalti-
ges Wohnen in alten und neuen Mauern. Hier, genauso wie im Stadtteil
Gremmendorf, dem zweiten ehemaligen Truppenstandort, wurde unter
Beteiligung vieler Bewohnerinnen und Bewohner eine groß angelegte
Planung im Dialog aufgelegt, deren Ergebnisse die Umsetzung prägen.1
MEHR INFORMATIONEN UNTER
1 www.oxfordquartier.de/wohneningemeinschaft
LEISTBARES WOHNEN
Luftbild York-Höfe
Wohn+Stadtbau GmbH
Entwurf
Grüner Weiler
Brewe Merz
Architektur
4746
FACETTEN ÖKONOMISCHER STÄRKE
Facetten
ökonomischer
Stärke
Ein Erfolg mit vielen Ursachen.
FACETTEN ÖKONOMISCHER STÄRKE
HINTERGRUND
Kooperation und Subsidiarität
Die ökonomische Stärke eines Standortes resultiert natürlich aus den
vielen einzelunternehmerischen Erfolgen. Aber bei weitem nicht nur.
Auf dem Stadtforum zum Thema wurde deutlich, dass Prosperität, Re-
silienz und Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Münster die
Gemeinschaftsleistung vieler Akteure und Akteurinnen ist. Und der Ge-
samterfolg wird umso größer sein, je transparenter und intensiver de-
ren Zusammenwirken gelingt. Keiner der teilnehmenden Akteure und
Akteurinnen, der oder die sich nicht sicher war, von einer solchen Ko-
operation zu profitieren. Ob Unternehmen, deren Beschäftigte, Insti-
tutionen, Hochschulen, Stadtverwaltung, Bürgerinnen und Bürger – sie
alle formulierten Ideen, wie ein solcher Austausch zu organisieren und
zu verstetigen sei: Netzwerke, regelmäßige Treffen und kontinuierlicher
Dialog, um nur einige Vorschläge zu nennen
Wirtschafts-Mix
Junge Gründerinnen und Gründer,
etablierte Unternehmen, Branchen-
vielfalt, das ist der Mix, der unseren
Standort fit für die Zukunft und
resilient gegenüber neu auftreten-
den Herausforderungen macht. Er -
weitert und bereichert wird der Mix
durch besonders profilierte Einrichtungen wie zum Beispiel das MEET
Batterieforschungszentrum, das als herausragender Kern eines Kompe-
tenz-Clusters dem Wirtschaftsstandort gar ein Alleinstellungsmerkmal
sichert. Dabei ist MEET keineswegs das einzige Beispiel für gelingende
Intensivierung des Austausches zwischen Wissenschaft und Wirtschaft.
Zum Wirtschafts-Mix gehören selbstverständlich weitere Leitthemen
des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes (ISEK), die ihrerseits zum Er-
folg des Wirtschaftsstandortes beitragen. So sind die Urbanen Wissens-
quartiere eben auch ein Inkubator für wirtschaftliche Innovation und
Prosperität, wie andererseits die Wirtschaft Ideengeberin und Förderin
der Wissenschaft ist. Oder: Leistbares Wohnen und Stadtverträgliche Mo-
bilität haben unmittelbaren Einfluss auf die Attraktivität der Stadt und
ihre Anziehungskraft für beispielsweise Fachkräfte. Nicht anders beim
Thema Münstersche Stadt-Landschaft und seiner Fokussierung auf Nach-
haltigkeit, an der sich auszurichten auch für die Wirtschaft kein Selbst -
zweck ist, sondern Chance und Notwendigkeit.
Arbeitgeber sind zunehmend daran
interessiert, ihre Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter an das Unternehmen
zu binden. Sind dazu Werkswohnungen
wieder eine Antwort?
HighlightIdee in der Diskussion des Stadtforums
Stadtforum
Facetten ökonomischer Stärke
4948
FACETTEN ÖKONOMISCHER STÄRKE
Prozessmanagement & Strategie
Damit die Kooperation Früchte trägt, braucht sie Strukturen, in denen
sie praktiziert werden kann. Denkbar sind Key Account Managements
als feste Ansprechstationen für einzelne Kooperationspartner, niedrig-
schwellige Unterstützung für kleine Unternehmen, Öffnung von Unter -
nehmen für die Verwaltung sowie Dialogstrukturen der Verwaltung für
die Wirtschaft.
FACETTEN ÖKONOMISCHER STÄRKE
MEHR INFORMATIONEN UNTER
1 www.zukunft muenster.de/wasmachteigentlichein quartierderzukunftaus
UMSETZUNG
Einrichtung Wirtschaftskonferenz
Um einen noch intensiveren Dialog zwischen Stadtverwaltung und Wirt-
schaft bei strategischen Fragestellungen zu fördern, wurde im August
2020 zur Wirtschaftskonferenz eingeladen.
Gemeinsam mit der IHK Nord Westfalen, der Handwerkskammer
Münster und der Wirtschaftsförderung Münster erarbeitet die Stadt
Münster eine Entwicklungsperspektive für den Wirtschaftsstandort, die
vor allem vor dem Hintergrund der Digitalisierung und der Ansiedlung
der Forschungsfertigung Batteriezelle von großer Bedeutung für Müns-
ter sein wird.
Zukunftsquartiere für Technologie, Wohnen und Arbeiten
Vielfältige Wirtschaft ist längst nicht mehr auf reine Gewerbeflächen
angewiesen, sondern kann städtische Lebendigkeit maßgeblich mitge-
stalten. Unternehmen haben für ihre Standorte zusehends Kriterien wie
‚urbane Lage‘, ‚nachhaltige Architektur‘, ‚weniger Fläche‘ – orientieren
also nicht mehr auf Gewerbegebiete klassischen Zuschnitts. Ihre Präsenz
beruht vielfach auf neuen Formen des Wirtschaftens, ihre Technologien
wissensbasierten Arbeitens profitieren von benachbarten Nutzungen.
Das können sein: Kultur, Hochschulen, Gastronomie, Natur, wie über -
haupt flexibel nutzbare Räume. Die Sphären des Wirtschaftens und des
Urbanen werden durchlässig, nähern sich an, mischen sich.
Im Sinne dieser Neuausrichtung plant Münster drei Zukunftsquar -
tiere: Zwei im Bereich westlich der Hochschulen, der Technologieunter-
nehmen und Wissenschaftseinrichtungen. Das dritte südlich des Dort -
mund-Ems-Kanals beiderseits des Albersloher Weges im Anschluss an
die beiden Stadthäfen.1
Standortstrategie
Münster als Verwaltungs- und Wissenschaftsstadt ist das eine, Münster
als Wirtschaftsstandort das andere. Ja, historisch haben Verwaltung und
Wissenschaft ein Übergewicht, nichtsdestotrotz legt die Wirtschaft kon-
tinuierlich zu, ist mittelständisch und breit aufgestellt; und es gibt glo-
bale, teilweise eher unbekannte Champions, führend in ihren Märkten
und international hochgeschätzt. Für die nächste Zündstufe muss eine
Standortstrategie her – so äußerten sich viele engagierte Stimmen im
Stadtforum zum Thema Facetten ökonomischer Stärke. Die Leitplanken
einer solchen Strategie entwickeln Wirtschaft und Stadt gemeinsam,
unterstützt durch Fachleute und Öffentlichkeit.
Forschungsfertigung Batteriezelle Münster
im Hansa-BusinessPark Amelsbüren
Geplantes Urbanes Stadtquartier
Kanalkante südlich des Dortmund-
Ems-Kanals und der Häfen
5150
DIGITALISIERUNG FINDET STADT
Digitalisierung
findet Stadt
Smart City schafft Smart Life.
DIGITALISIERUNG FINDET STADT
HINTERGRUND
Die Digitalisierung unseres städtischen Lebensraumes ist der Mega-
trend der kommenden Jahre. Womöglich steht sie im Zentrum vieler,
wenn nicht gar aller anderen Leitthemen, die wir im Integrierten Stadt -
entwicklungskonzept zusammengefasst haben. Zukunftsfähigkeit und
Nachhaltigkeit in den Bereichen Wirtschaft, Mobilität, Wohnen, Wis-
sensquartiere, Stadtteilvielfalt oder Innenstadtentwicklung sind ange-
wiesen darauf, dass es mit der Digitalisierung zügig vorangeht. Hier und
da eine digitale Applikation, das wird nicht reichen. Münster muss Smart
City werden. Und zwar schnell. Darin waren sich die Teilnehmenden
des Stadtforums einig. Smart City bedeute Maßnahmen, Vernetzungen,
Steuerung der Stadt und – ganz wichtig! – Aufklärung und kommunika-
tive Vermittlung, um für Akzeptanz und Anwendung digitaler Tools zu
werben und die Lebensqualität für alle Menschen zu steigern.
Start by starting
Nachgedacht und geredet wurde genug. Jetzt braucht es Projekte, in
denen sich digitale Anwendungen bewähren. In Formaten wie dem
Hackathon der Münsteraner Tech-Szene (MünsterHack) und weiteren
Kontexten entstehen Ideen zum Beispiel für nachhaltige Mobilität, In-
frastruktur oder cleveren Ressourceneinsatz (zum Beispiel KlimaHeroes).
Smart City
Entsteht im Zusammenwirken von kreativen Köpfen aus Unternehmen,
Verwaltung und Wissenschaft. Es ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Nicht
zu unterschätzen ist das bürgerschaftliche Engagement und auch das
Ideenpotenzial, wie es durch Code of
Münster, TechLabs und andere Akteure
und Akteurinnen eingebracht wird; sie
sorgen für unschätzbar wertvollen Wis-
sens- und Innovationstransfer in die
Praxis hinein.
Smart-City-Ambitionen kommen
schneller voran, wenn man eine
größere Fehlertoleranz zulässt.
Also: Viele Pilotprojekte, viele
Tests – learning by doing.
HighlightIdee in der Diskussion des Stadtforums
Stadtforum
Digitalisierung findet Stadt
5352
DIGITALISIERUNG FINDET STADT
UMSETZUNG
Münster fängt nicht bei Null an, im Gegenteil: der Digitalisierungspro-
zess ist auf gutem Wege. Nicht, dass nicht noch viel zu tun wäre, aber
die Organisation des Stadtforums übernahm gleich das brandneue Team
der Smart City der Stadt Münster. Einerseits als Zeichen dafür, dass das
Thema gebührende Präsenz und Power in der Verwaltung entfaltet und
andererseits als Beleg für den Vorsatz kooperativ zu handeln, intensive
Allianzen mit den Bürgerinnen und Bürgern zu suchen.1
Eine Allianz ergab sich beispielsweise mit dem MünsterHack, dem
Hackathon für Münster, der unter dem Motto steht: ‚gemeinsam die ei-
gene Stadt noch lebenswerter machen‘. Neu am Wettbewerb ist seit 2020
das ‚Solution Enabler Programm‘, das ausgewählte Ideen direkt mit leis-
tungsfähigen Partnern und Partnerinnen umsetzt.2
Ein weiteres Projekt auf dem Weg zur Smart City ist ‚Leezenflow‘, auch
ein Baby des MünsterHack. Die smarte Lösung ermöglicht entspannteres
Fahrradfahren, denn eine digitale Ampel zeigt an, wann oder wie lange
die nächste Fahrradampel grün sein wird. In Münster zur Anwendungs-
reife entwickelt, steht sie in Zukunft als Open-Source-Lösung für alle
Städte zur Verfügung.3
MEHR INFORMATIONEN UNTER
1 www.smartcity.ms
2 www.smartcity.ms/2020/06/26/kooperationsvereinbarungscmsundmuensterlanddigital
2 www.muensterhack.de
3 www.zukunftmuenster.de/gruenewelle
3 www.smartcity.ms/leezenflow
Leezenflow
Foto: Smart City MS
5554
STADTVERTRÄGLICHE MOBILITÄT
Stadtverträgliche
Mobilität
Auf dem Weg in die Zukunft.
STADTVERTRÄGLICHE MOBILITÄT
HINTERGRUND
Die zahlreichen Einzelkonzepte für Münsters Mobilitätswende gehören
zusammengeführt – das war Schlussfolgerung und Forderung der Teil-
nehmerinnen und Teilnehmer des Stadtforums. Mit dem Masterplan
Münster Mobilität 2035+ ist nun ein Mobilitätskonzept auf dem Weg, das
von der Region über die Stadt bis zum einzelnen Quartier eine ganzheit-
liche Lösung vorsieht. Unterschiedliche Maßnahmen wurden diskutiert:
mehr Wohnraum schaffen, um Pendelströme zu reduzieren; attraktivere
Umstiegsangebote zum ÖPNV lenken Verkehrsströme neu; bessere Ver-
netzung der Verkehrsmittel durch digitale Apps und Mobilstationen –
um einige zu nennen. Vielfältige und leicht zu handhabende Angebote,
die angepasst auf unterschiedliche Bedürfnisse sind, ermöglichen einen
flüssigen Wechsel zwischen den Verkehrsmitteln und -arten für alle.
Raumumverteilung
Mobilitätswende bedeutet, den Straßenraum gerechter neu zu vertei-
len: Für Fuß- und Radverkehr sowie den ÖPNV neue Möglichkeiten und
eine verbesserte Aufenthaltsquali-
tät zu schaffen. Heißt also auch,
Stellplätze im öffentlichen Raum
werden reduziert zugunsten neuer
Freiräume für mehr Lebensqualität.
Es sind viele Einzelmaßnahmen, die
zusammen zu einer autoarmen In-
nenstadt führen.
Mobilitätswende jetzt
Die Karten liegen auf dem Tisch, die Konzepte sind da, der Rat hat disku-
tiert – jetzt kann umgesetzt werden. Die nötigen Schritte sind komplex,
das mag das eine oder andere Zaudern erklären; weswegen Teilnehmen-
de ‚Mut zum Ausprobieren‘ anregten. Warum nicht auch mit Experimen-
ten beginnen, mit probeweisen Maßnahmen, mit Reallaboren?! Da wür-
de der Sinn nachhaltiger Mobilität schnell zu bewerten sein.
Planung allein bringt keine Wende.
Deshalb: Ausprobieren!
Reallabore und Versuche als
Beispiele mit Überzeugungskraft.
HighlightIdee in der Diskussion des Stadtforums
Elektrobus lädt zum Stadtforum
Stadtverträgliche Mobilität
5756
STADTVERTRÄGLICHE MOBILITÄT
UMSETZUNG
Loop
Wie sehr erfolgreiche Mobilitätsangebote von der Digitalisierung profi-
tieren, zeigt ‚Loop‘ im Stadtteil Hiltrup, der Busverkehr on demand – auf
Zuruf, sozusagen. Ohne festen Linienweg kommt der Kleinbus dorthin,
wo man ihn hinbestellt. Vorzugsweise per App, aber auch per Anruf. Ein
Algorithmus berechnet im Hintergrund die optimale Route, Ankunfts-
und Fahrtzeit. Die Sache klappt so gut, dass sich dieses Modell für weitere
Teile Münsters anbieten würde.1
Masterplan
‚Stadtverträgliche Mobilität‘ ist das Gebot der Stunde, umgesetzt wird
es im Masterplan Mobilität Münster 2035+. Er fasst sämtliche Ziele, Stra-
tegien und Maßnahmen für die Mobilitätswende zusammen. Zahlreiche
Angebote laufen bereits oder werden alsbald gestartet.2
Veloregion
Die Leeze spielt in Münster eine wichtige Rolle, die ruhig noch größer
werden darf. Eingefleischte Radfans sind – nicht nur dank E-Bike und Pe-
delec – auch auf der längeren Strecke unterwegs. Als Pendlerinnen und
Pendler nach Münster werden sie auf den neuen Routen bald ein kom-
fortables Radnetz befahren, das an der Stadtgrenze nicht haltmacht. Ein
ambitioniertes und zentrales Projekt im Zusammenschluss der Stadt mit
den direkten Nachbargemeinden und –städten. Zur Veloregion gibt es
seit 2020 ein neues Webangebot mit Infos und praktischen Tipps, auch
zum Erholen und Genießen auf dem Rad.3
MEHR INFORMATIONEN UNTER
1 www.stadtwerkemuenster.de/loopmuenster
2 www.zukunftmuenster.de/stadtforummobilitaet
3 www.veloregion.de
STADTVERTRÄGLICHE MOBILITÄT
hier steht eine
Bildunterschrift
Stadtforum
Stadtverträgliche Mobilität
Fahrradstraße
Bismarckallee
5958
MÜNSTER UND SEINE NACHBARN
Münster und
seine Nachbarn
Gemeinsam sind wir stärker.
MÜNSTER UND SEINE NACHBARN
HINTERGRUND
Die Stadt Münster ist unumstrittenes Zentrum des Münsterlandes – sie
spielt eine zentrale Rolle für die Menschen der Region. Menschen, die
hier arbeiten und einkaufen, einander treffen und Neues erleben möch-
ten. Und sie ist regional wie überregional bestens vernetzt: mit den di-
rekten Nachbargemeinden der Stadtregion Münster, mit den Kreisen und
Kommunen im Münsterland e.V. und grenzüberschreitend in der EURE-
GIO und mit den großen Nachbarn im Städtedreieck MONT (Münster,
Osnabrück, Netwerkstad Twente). Manches lässt sich nur gemeinsam
lösen, wenn es um Münsters Zukunft geht. Denn gemeinsam sind wir
stärker: bei der ressourcenschonenden Entwicklung des Wirtschaftsrau-
mes, bei der Planung Bau von Wohnungen, bei der Entwicklung nach-
haltiger Mobilität, beim Bemühen, die einzigartige Münsterländer Park-
landschaft zu schützen und in vielem mehr.
Erstes interkommunales Rätetreffen
der Stadtregion Ende 2017
Die transnationale EUREGIO ist eines
der regionalen Netzwerke Münsters
6160
MÜNSTER UND SEINE NACHBARN
UMSETZUNG
Wohnen und Verkehr bedingen einander. Wo Wohnraum, ob als Eigen-
tum oder gemietet, teurer wird, ziehen die Menschen weg. Konsequenz:
die Zahl der Pendlerinnen und Pendler nimmt immer mehr zu. Die Stadt-
region als Zusammenschluss Münsters mit seinen Nachbarkommunen
steuert dem entgegen mit dem Ausbau der Velorouten und mit einer re-
gionenweiten Beobachtung des Wohnungsmarktes. Die Analyse liefert
dann die Daten für eine angemessene Wohnbaupolitik der beteiligten
Kommunen.1
Dein MünsterLandMoment
Münster ist das Herz einer liebenswerten und spannenden Region,
Münster und das Münsterland sind zwei Seiten einer Medaille. Die Ini-
tiative Dein MünsterLandMoment bringt #dasguteleben den Menschen in
Münster, ihren Gästen und allen Touristen und Touristinnen nahe. Mit
Tipps und Erlebnispaketen, die das Beste des Münsterlandes und seiner
Metropole vereinen.2
EUREGIO
Münster ist ein wichtiges Zentrum grenzüberschreitender Zusammen-
arbeit, zum Beispiel im Rahmen der EUREGIO für ein einfacheres Mit -
einander im Grenzraum zwischen den Niederlanden und Deutschland.
Die Universität Münster ist auch im Boot und stellt nicht nur mit dem
Haus der Niederlande wichtige Kompetenzen bereit. Seit 2020 gibt es
das gemeinsame REACH EUREGIO Start-up Center von WWU und FH
Münster. Es fördert unternehmerische Innovation und ein dynamisches
Gründungsgeschehen, zum Beispiel in Kooperation mit dem Digital Hub
münsterLAND.3
MEHR INFORMATIONEN UNTER
1 www.stadtmuenster.de/stadtentwicklung/stadtregionmuenster.html
2 www.muensterland.com/deinmuensterlandmoment
3 www.reacheuregio.de
MÜNSTER UND SEINE NACHBARN
Webangebot ‚Dein MünsterLand Moment‘
6362
MITEINANDER FÜREINANDERSTADT IN DER SOZIALEN BALANCE
Stadt in der
sozialen Balance
Miteinander füreinander.
HINTERGRUND
Münster gilt als wohlhabende Stadt. Dennoch gibt es Menschen, die von
Armut und schlechten Startchancen betroffen sind, nicht selten mit Mi-
grationsvorgeschichte. In Münster wird jedoch großer Wert auf sozialen
Zusammenhalt gelegt, wie das umfangreiche gesellschaftliche Engage-
ment zeigt, zum Beispiel in vielen Initiativen von Gutes Morgen Münster.
In Gesprächen mit Schlüsselpersonen ist klargeworden, dass die Gefahr
sozialer Polarisierung deutlich wahrgenommen wird. Auch angesichts
der Tatsache, dass selbst diejenigen, die normal entlohnte Arbeit haben
und selbst für sich sorgen könnten, gefährdet sind.
Obwohl coronabedingt noch kein Stadtforum zur Sozialen Balance
durchgeführt werden konnten, werden wichtige Maßnahmen zur Stär -
kung des sozialen Zusammenhalts vorangetrieben.
Integrierte Stadtteilentwicklungskonzepte –
Sozialer Zusammenhalt
So unterstützen die MünsterZukünfte die Umsetzung des Integrierten
Handlungskonzeptes Sozialer Zusammenhalt in Coerde und den entspre-
chenden Erarbeitungsprozess in Berg Fidel. Ziel ist es, Stadtteile mit
besonderem Entwicklungsbedarf in städtebaulicher, sozialer und wirt -
schaftlicher Hinsicht zu stabilisieren und aufzuwerten. Hierzu werden
die Akteure und Akteurinnen vor Ort zusammengebracht, wie in dem
umfangreichen Beteiligungsprozess in Coerde und ein gemeinsam ge-
tragener Maßnahmenplan erstellt. Dies verbessert die Chancen auf Teil-
habe und Integration, soll lebendige Nachbarschaften, Gemeinschaft,
Identifikation und den sozialen Zusammenhalt fördern. Bei den Betei-
ligungsprozessen und der Koordination der Umsetzung der Maßnahmen
spielen die Stadtteilkümmerinnen eine wichtige Rolle.1
Raum für Begegnung und Bewegung
Foto: Ralf Emmerich
6564
MITEINANDER FÜREINANDERSTADT IN DER SOZIALEN BALANCE
MEHR INFORMATIONEN UNTER
1 www.stadtmuenster.de/stadtplanung/stadtteile/entwicklungskonzeptcoerde.html
1 www.stadtmuenster.de/stadtplanung/stadtteile/stadtteilentwicklungskonzeptbergfidel
Foto: Ralf Emmerich
Der ‚Weiße Riese‘ als
Landmarke in Berg Fidel
UMSETZUNG
Gesundheit in der nachhaltigen Stadt
2021 geht ein gemeinsames Projekt von Stadt und Universität an den
Start, das von der Techniker Krankenkasse gefördert wird und auf fünf
Jahre angelegt ist. Sein Ziel ist eine gesunde und resiliente Stadt, in der
das kommunale Handeln auf gesundheitliche Chancengleichheit und
eine gute Gesundheitsvorsorge orientiert.
Das fügt sich prima ein in die Intentionen des Zukunftsprozesses. Da-
mit bekommen so disparate Aspekte wie beispielsweise die Gestaltung
von Grünflächen, gute und sichere Wohn- und Arbeitsverhältnisse, ein
Leben ohne Diskriminierung oder die Ermöglichung von Sozialkontak -
ten plötzlich auch eine gesundheitsfördernde Relevanz. Das Ergebnis
des Projektes Gesundheit in der nachhaltigen Stadt wird eine städtische
Strategie zur gesunden Stadtplanung und -entwicklung sein – entwickelt
in intensivem Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis.
Ideen für Berg Fidel
Gestartet ist das Integrierte Stadtteilentwicklungskonzept (InSEK) für
Berg Fidel. Das ist auch dringend nötig, denn der Stadtteil unweit des
Preußenstadions, der in den 1960er/70er Jahren aus einem Guss geplant
wurde, braucht – ähnlich wie Coerde und die „Kinderhauser Schleife“
– neue Impulse. Die großen Wohnblöcke werden von vielen Menschen
aus unterschiedlichen Nationen und oft mit geringerem Einkommen be-
wohnt. Manches – wie das Stadtteilzentrum – funktioniert unter heu-
tigen Bedingungen nicht mehr wie einmal geplant, die Infrastrukturen
brauchen ein Update.
Als eine der ersten Neuerungen wird ein Bahnhaltepunkt am Stadion
Berg Fidel geplant, der Berg Fidel näher an die Innenstadt und Hiltrup-
Zentrum bringen würde. Neu entstanden ist schon der Dirt-Park als
Freiraum zum Austoben auf zwei Rädern, nicht nur für junge Menschen.
Es braucht weitere neue Ideen, die das Stadtplanungsamt mit den Men-
schen vor Ort zu einem Integrierten Handlungskonzept entwickeln wird.
Und eine besondere Rolle werden in diesem jungen Stadtteil die Einfälle
und Einschätzungen von Kindern und Jugendlichen spielen, die sich in
einem neuen Projekt mittels der App #stadtsache einbringen.
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ZUKUNFTGESTALTUNG ALS DAUERAUFGABE
Zukunftgestaltung
als Daueraufgabe
Zukunft machen wir alle und es hat kein Ende.
ZUKUNFT MACHEN WIR ALLE UND ES HAT KEIN ENDE
Die MünsterZukünfte stellen keine „fertigen“ Endzustände dar, sondern
wichtige Aufgaben und nach vorne offene Wege zur Bearbeitung. Mit
dem Entwurf des Räumlichen Leitbilds liegt ein Orientierungsrahmen
für die Entwicklung der wachsenden Stadt vor, an dem weitergearbeitet
werden muss. Die Themen Klimawandel und Klimaanpassung waren be-
reits integrierter Bestandteil der Leitthemen. Nun gilt es, die Ergebnisse
der MünsterZukünfte zur Erreichung des Ziels der Klimaneutralität zu
nutzen. Eine umwelt- und sozialverantwortliche Gestaltung der Wachs-
tumsprozesse wird auch zukünftig zu den zentralen Aufgaben gehören
ebenso die Herausforderungen des „Durchalterns“ der geburtenstarken
Jahrgänge. Dabei bleibt die Frage des sozialen Zusammenhalts insbe-
sondere in einer relativ wohlhabenden Stadt wie Münster Daueraufgabe.
Diese Themen werden im Einklang mit der Umsetzung der Nachhaltig-
keitsstrategie 2030 angegangen.
Die Zukunft gehört niemandem. Die Erkenntnis bedeutet –
kein Prozess und keine Institution kann die Zukunft unserer
Stadt für sich alleine beanspruchen oder alleine umsetzen.
Internationale Ideenwerkstatt | Zukunft der Wissenschaftsstadt
Stadtentwicklung und Zukunftsgestaltung sind Daueraufgaben
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ZUKUNFTGESTALTUNG ALS DAUERAUFGABE
Räumlicher Zusammenhang
Hierfür stellt der räumliche Kontext eine wichtige Grundlage dar. Nur
im räumlichen Zusammenhang lassen sich vorhandenen Herausfor -
derungen (zum Beispiel leistbares Wohnen versus Freiflächenschutz)
transparent machen und die Zielkonflikte abgewogen lösen. Die Arbeit
auf klaren räumlichen Ebenen wie Stadtteile, Innenstadt und urbane
Wissensquartiere schafft die Voraussetzung, um die verschiedenen in-
haltlichen Ansprüche, die vorhandenen Potenziale und die beteiligten
Akteure und Akteurinnen zu integrieren.
Post-Corona-Stadt
Nicht zuletzt stellt sich die Frage nach der Gestaltung der Folgen der
Pandemie und den Konturen einer gestärkten Post-Corona-Stadt. Hier
liefern die MünsterZukünfte wichtige Leitplanken. Vielfalt der Stadtteile,
Innenstadt ist mehr ... und Münstersche Stadt-Landschaft betonen denn
durchaus auch die Bedeutung des Nahraums. Hierzu trägt auch eine
Stadtverträgliche Mobilität bei. Mit Digitalisierung findet Stadt, Facetten
ökonomischer Stärke und der Sozialen Balance werden ebenfalls bereits
relevante Themen aufgegriffen. Auch die Themenfelder Leistbares Woh-
nen und Münster und seine Nachbarn werden angesichts möglicher Fol-
gen der Coronapandemie weiter zu vertiefen sein. Von großer Bedeutung
für diesen Prozess der Weiterarbeit ist die Beibehaltung der bisherigen
Prozessqualitäten, fast ließe sich von einer DNA der MünsterZukünfte
sprechen.
Zukunftsgestaltung erfolgt hier im Dialog
Ebenso wichtig ist die Tatsache, dass der Zukunftsprozess in hohem
Maße kommunikativ gestaltet wurde. Zukunftsgestaltung erfolgt hier im
Dialog mittels Zukunftsspaziergängen, Werkstätten, Stadtforen und wei-
teren Formaten. Das große Engagement aus der Stadtgesellschaft, Wis-
senschaft, Wirtschaft, Politik und Verwaltung zeigt: Stadtentwicklung ist
in Münster Gemeinschaftsaufgabe. Dies ist die Richtschnur, an der sich
die weiteren Prozessschritte messen lassen müssen.
Stadtforen-Format wieder aufnehmen
Zunächst wird es darum gehen müssen, die ausgefallenen Stadtforen
anzugehen. Hier sind zu nennen: Stadt in der sozialen Balance, Beteili-
gung weiter denken, aber auch weitere Themen stehen auf der Agenda:
Gesundheit in der integrierten Stadtentwicklung, Kultur als Treiber der
Stadtentwicklung und Konturen einer resilienten Post- Corona-Stadt.
Integriertes Arbeiten ist zentral. Oder: Warum nicht jedes
wichtige Thema eigenständig vertieft werden kann
Der Zukunftsprozess hat selbstverständlich den Anspruch, alle relevan-
ten Themen zu berücksichtigen, denn nur so entsteht ein vollständiges
Bild der Zukunft. Was aber auch beispielsweise bei der Szenarioanalyse
mit 16.665 genannten Einflussfaktoren klar wurde: Themen müssen zu-
sammengefasst und integriert bearbeitet werden.
So hat beispielsweise der Sport in Münster eine zentrale Rolle für die
Zukunftsentwicklung von Münster, ist dabei aber keineswegs alleinste-
hend und unverbunden, sondern findet vor Ort in den Stadtteilen statt,
trägt zu Vielfalt und sozialem Zusammenhalt bei und bedient sich urba-
ner wie auch ländlicher Flächen. Sprich: auch wenn einige Themen wie
der Sport kein eigenes Leitthema oder Stadtforum hatten, so wurden sie
stets integriert mitbearbeitet und speisen so breite, tragfähige Quer -
schnittsbetrachtungen. Deshalb integrierten die MünsterZukünfte be-
reits vorhandene Prozesse, fördern bestehende Projekte und bestärken
Netzwerke und Synergien durch die Vielfalt der beteiligten Akteurinnen
und Akteure aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft. Dadurch
geben wir auch gewonnene Impulse an die jeweilige Fachplanung zur
weiteren Bearbeitung oder arbeiten zusammen weiter.
Deshalb integrierten die MünsterZukünfte bereits vorhandene Prozes-
se und fördern bestehende Projekte und bestärken Netzwerke und Syn-
ergien durch die Vielfalt der beteiligten Akteurinnen und Akteure aus
Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft. Dadurch geben wir auch
gewonnene Impulse an die jeweilige Fachplanung zur weiteren Bearbei-
tung oder arbeiten zusammen weiter.
Aus MünsterZukünfte 20 | 30 | 50 wird MünsterZukunft
Das Jahr 2020 haben wir nun – deutlich anders als erwartet – bereits
erlebt. Lerneffekte aus den gelebten Beispielen und intensiven Diskus-
sionen sind direkt in Umsetzungsaktivitäten geflossen. Und mit dem
Szenario eines Wert-vollen Münster ist ein breiter, gemeinsamer Weg auf-
gezeigt. Die MünsterZukunft geht weiter, lassen Sie sie uns gemeinsam
machen ...
ZUKUNFT MACHEN WIR ALLE UND ES HAT KEIN ENDE
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WEITERE PUBLIKATIONEN
Weitere Publikationen
Baustein A:
Das ISEK in den Münster-
Zukünften: Ein führung und
Über sicht
Baustein B:
Schlüsselpersonengespräche
Baustein D:
Die Stadtforenprozesse
Baustein C:
Zehn Leitthemen für Münster
Baustein E:
Bilanz 2020: Räumliches Leitbild
Internationale Ideenwerkstatt Münster
„Zukunft der Wissenschaftsstadt“.
Dokumentation der Ergebnisse
Neues Stadt quartier an der
Stein furter Straße: Ein ur banes
Modell für das 21. Jahr hundert
ISEK 2030
Die Szenarioanalyse von
Prof. Dr. Dr. h. c. Klaus Backhaus
WWU Münster
Szenarioanalyse
Vertiefungen MünsterZukünfte
gemeinsam machen
www.stadt-muenster.de/zukuenfte
www.zukunft-muenster.de
gemeinsam machen
www.stadt-muenster.de/zukuenfte
www.zukunft-muenster.de
Beratungsverlauf (25)
Beschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungBeschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungBeschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungBeschluss: einstimmig geändert beschlossen
Zur SitzungBeschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungBeschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungBeschluss: ohne Beschlussfassung geschoben
Zur SitzungBeschluss: ohne Beschlussfassung geschoben
Zur SitzungBeschluss: ohne Beschlussfassung geschoben
Zur SitzungBeschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungBeschluss: ohne Beschlussfassung geschoben
Zur SitzungBeschluss: ohne Beschlussfassung geschoben
Zur SitzungBeschluss: einstimmig beschlossen
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Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Aktenzeichen
- V/0487/2021
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 11.06.2021
- Erstellt
- 10.06.2021 14:36