3700/2024
Abschlussbericht und weiteres Vorgehen betreffend "Masterplan Kommunale Sicherheit (MaKoS)"
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Beschlussvorlage Ausschuss
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Dezernat, Dienststelle I/I-3 Vorlagen-Nummer 3700/2024 Freigabedatum 19.12.2024 Beschlussvorlage zur Behandlung in öffentlicher Sitzung Betreff Abschlussbericht und weiteres Vorgehen betreffend "Masterplan Kommunale Sicherheit (MaKoS)" Beschlussorgan Ausschuss Allgemeine Verwaltung und Rechtsfragen / Vergabe / Internationales Gremium Datum Beschluss: Der Ausschuss Allgemeine Verwaltung und Rechtsfragen / Vergabe / Internationales beauf- tragt die Verwaltung 1. das Verfahren des Masterplans Kommunale Sicherheit als Frühwarnsystem weiterzu- entwickeln und in bestehende Strukturen dauerhaft zu implementieren. 2. den Masterplan Kommunale Sicherheit in mittelfristigen Abständen (drei bis fünf Jah- ren) unter Berücksichtigung aktueller Daten fortzuschreiben. 3. die entwickelte „Lokale Agenda“ für die ausgewählten Quartiere in Kalk und Ehrenfeld (Anlage 2) im Rahmen des Fachkreises Plätze mit besonderem Handlungsbedarf (PmbH) des Kriminalpräventiven Rates umzusetzen. Die gemeinsamen Schnittstellen mit dem Masterplan Sauberkeit (1674/2024) haben dabei erhöhte Priorität. 4. sukzessive weitere Bereiche/Quartiere aus den Erkenntnissen des Masterplanes Kom- munale Sicherheit heraus zu identifizieren und im Rahmen des Fachkreises PmBH ab- zuarbeiten. 5. die entwickelten Empfehlungen für die schulische Kriminalprävention (Anlage 3) unter Beteiligung der entsprechenden Stakeholder mit dem Ziel der Umsetzung zu erörtern. Integrationsrat 21.01.2025 Ausschuss für Soziales, Seniorinnen und Senioren 23.01.2025 Bezirksvertretung 8 (Kalk) 23.01.2025 Ausschuss Schule und Weiterbildung 27.01.2025 Gesundheitsausschuss 28.01.2025 Bezirksvertretung 4 (Ehrenfeld) 03.02.2025 Jugendhilfeausschuss 04.02.2025 Stadtentwicklungsausschuss 06.02.2025 Ausschuss Allgemeine Verwaltung und Rechtsfragen / Vergabe / In- ternationales 24.03.2025 2 Haushaltsmäßige Auswirkungen Nein Auswirkungen auf den Klimaschutz Nein Ja, positiv (Erläuterung siehe Begründung) Ja, negativ (Erläuterung siehe Begründung) Begründung Bisherige Schritte Im Mai 2022 hat der Rat der Stadt Köln die V erwaltung beauftragt, einen „Masterplan Kommu- nale Sicherheit“ zu erstellen. Als Ziel soll der Masterplan – unter Einbeziehung der einschlägi- gen Stakeholder – geeignete Maßnahmen entwickeln und in einen Umsetzungsprozess brin- gen, der im öffentlichen Raum der Stadt Köln zu einer Erhöhung des Sicherheitsgefühls und zur V erbesserung der Aufenthaltsqualität beiträgt. Zur V orbereitung wurden Untersuchungen im Rahmen eines Mixed-Method-Ansatzes durch- geführt. Mittels eines quantitativen Zugriffs wurde die objektive Sicherheitslage und im Rah- men eines qualitativen Zugriffs wurden Hinweise ermittelt, wie sich die subjektive Sicherheits- wahrnehmung im räumlichen Kontext von Kölner Quartieren darstellt. Die V erwaltung wurde bei der Erstellung des Masterplans durch Herrn Prof. Dr. Schubert von „Sozial Raum Manage- ment“ (Büro für Forschung und Beratung) aus Hannover fachlich und methodisch unterstützt. V or diesem Hintergrund wurde für die weitere Ausgestaltung des „Masterplans Kommunale Sicherheit“ ein Satz von Indikatoren zusammengestellt, die den Fokus auf die Früherkennung von Sicherheitsproblemen richten: Bevölkerungsfluktuation; Ordnungswidrigkeiten und soziale Unordnung; Erhöhte Häufigkeit von Polizeieinsätzen an Schulen der Sekundarstufe I, Entwicklung der Straßenkriminalität laut Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) und Schwerpunkte der Problemimmobilien. Die V erwaltung hatte zuletzt mit der Mitteilung 1474/2024 über den seinerzeitigen Bearbei- tungsstand berichtet. Wesentliche Ergebnisse Der Masterplan Kommunale Sicherheit wird eine Funktion als Frühwarnsystem erfüllen kön- nen. Insbesondere durch den kleinräumigen Blickwinkel, lassen sich bestehende und sich ent- wickelnde Probleme frühzeitig erkennen. Seine Tiefenschärfe stellt ein besonderes Qualitäts- merkmal dar, da adäquate abgeleitete Maßnahmen fokussiert werden können und nicht in der Breite gestreut werden müssen. Der Masterplan ist dreistufig aufgebaut: 1. In der ersten Stufe wurde eine Indikatoren-Analyse über die 570 statistischen Quar- tiere in Köln durchgeführt, um die Stadtgebiete mit einem besonderen Handlungsbe- darf zu identifizieren. Berücksichtigt wurden die Indikatoren der objektiven Sicherheits- lage, indem PKS-Daten sowie Einsatzdaten der Kölner Polizei, aber auch Informatio- 3 nen des Amtes für öffentliche Ordnung über Phänomene der Unordnung in den öffent- lichen Räumen ausgewertet wurden. Neben der Straßenkriminalität und Zeichen der Unordnung (wie z.B. die Müllbelastung im öffentlichen Raum) kamen weitere Indikatoren zur Anwendung: eine – mangels Ortsbindung – geringe Verantwortungsübernahme der Bewohnerschaft (infolge einer hohen Bevölkerungsfluktuation) und die Häufigkeit von Polizeieinsätzen sowie Strafta- ten in und an Schulen. Es wurden somit Quartiersbezogene Datensets ermittelt, die verschiedene Auswer- tungsmöglichkeiten zulassen. 2. In der zweiten Stufe wurden die gewonnenen Ergebnisse im Austausch mit Fachex- perten der Kriminalprävention sowie Schlüsselpersonen der Kölner Stadtverwaltung bewertet. Mit schulbezogenen Akteuren wurde in einem Workshop am 23. Mai 2024 herausgear- beitet, wie Wege der schulexternen Kooperation ausgebaut werden können, um die Schulen bei der Bewältigung der zunehmenden Gewaltthematik besser zu unterstüt- zen, und welche Ansätze der Kriminalprävention in den Schulen für notwendig erachtet werden. In einem raumbezogenen Workshop am 16. Mai 2024 wurden Gebiete für vertiefende Analysen ausgewählt, die im Jahr 2023 durch eine sehr hohe Fluktuationsrate und sehr hohe Kriminalitätsbelastung aufgefallen sind. 3. In der dritten Stufe wurden vertiefende Untersuchungen in den Kalker Quartieren Trim- bornstraße und Vorsterstraße (im Umfeld des Bahnhofs Trimbornstraße und der Kalker Post), in den Ehrenfelder Quartieren Leo-Amann-Park und Hansemannstraße (im Umfeld des Bahnhofs Ehrenfeld) sowie in der Siedlung Madaus – Auf dem Eichen- brett durchgeführt. Das eingesetzte Instrumentarium klärte die Sicherheitslage anhand von fünf Baustei- nen auf: die Identifizierung von lokalen Hotspots – differenziert nach Straßen – auf der Basis der Polizeilichen Kriminalstatistik, die Durchführung von Audits der städtebaulichen Kriminalprävention zur Be- wertung der Raum- und Beleuchtungsqualitäten, Interviews mit Passanten zur Ermittlung der Ausprägung affektiver und konati- ver Kriminalitätsfurcht, die Sammlung von Hintergrundinformationen im Gespräch mit lokalen Stake- holdern und einige Beobachtungen im öffentlichen Raum zur Abbildung des Nutzungsver- haltens. Auf dieser Grundlage wurden Maßnahmen für die Quartiere in Kalk und Ehrenfeld zur Verringerung der Straßenkriminalität und der affektiven Kriminalitätsfurcht abgeleitet und nach vier Handlungsperspektiven gegliedert: Empfehlungen zur Gestaltung des öffentlichen Raumes Empfehlungen zum Umgang mit problembehafteten Schnittstellen zwischen privaten und öffentlichen Räumen Empfehlungen zum Dialog mit der Wohnbevölkerung und den Gewerbetreiben- den im Allgemeinen sowie mit problemverursachenden Gruppen im Besonde- ren Empfehlungen zur Erhöhung der formellen Kontrollen Aufgezeigt wurden auch die Schnittstellen mit dem Masterplan Sauberkeit. 4 In einem abschließenden interdisziplinären Austausch mit Schlüsselpersonen der Kölner Äm- ter, der Bezirksregierung und der Kölner Polizei am 25. September 2024 wurden das dreistu- fige MaKoS-Verfahren und die gewonnenen Erkenntnisse für ein ressortübergreifend abge- stimmtes Handeln positiv bewertet. Die Ergebnisse des Masterplanes Sicherheit können der beigefügten Anlage 1 entnommen werden. Weiteres Vorgehen Aus den Erkenntnissen des Masterplanes Sicherheit heraus werden fünf weitere Arbeitspa- kete durch die Verwaltung zur Bearbeitung vorgeschlagen: 1. Weiterentwicklung als Frühwarnsystem und Implementierung in bestehende Struk- turen 2. Fortschreibung in mittelfristigen Abständen (drei bis fünf Jahren) 3. Umsetzung der „Lokalen Agenda“ für die ausgewählten Quartiere in Kalk und Eh- renfeld 4. Identifizierung weiterer Bereiche/Quartiere und Erarbeitung im Rahmen des Fachkrei- ses 5. Erörterung der entwickelten Empfehlungen für die schulische Kriminalprävention unter Beteiligung der entsprechenden Stakeholder Zu 1. und 2. Der Masterplan Kommunale Sicherheit ist als Frühwarnsystem für Köln zu verstehen: In ge- fährdeten Quartieren können frühzeitig Strategien zur Erhöhung der objektiven Sicherheit und zur Verringerung der affektiven Kriminalitätsfurcht unter sensiblen Bewohnergruppen entwi- ckelt und weitergehend passgenaue Präventionsmaßnahmen abgeleitet werden. In der mittel- fristigen Wiederholungsperspektive ist der Masterplan Kommunale Sicherheit fortschreibungs- fähig. Eine Stärke des Masterplan-Verfahrens besteht darin, dass die Verfahrensschritte im Abstand von drei bis fünf Jahren wiederholt werden können. Dabei können weitere Quartiere, in denen sich eine negative Entwicklung der Sicherheit abzeichnet, identifiziert werden. Unter einer Evaluationsperspektive lässt sich aber auch überprüfen, ob die Maßnahmen in zuvor vertieft betrachteten Teilräumen Wirkung gezeigt haben. Zu 3. Die aus dem Masterplan Kommunale Sicherheit gewonnenen Erkenntnisse wurden für die Be- reiche Kalk und Ehrenfeld bereits in erste Maßnahmenempfehlungen im Sinne einer Lokalen Agenda überführt. Zielsetzung ist es nun, diese Lokale Agenda im Rahmen des Fachkreises „Plätze mit beson- derem Handlungsbedarf“ (PmbH) in erprobten und methodisch leistungsfähigen Strukturen (Arbeitsgruppen-Format) weiterzuentwickeln und umzusetzen. Auch wenn es sich bei den Quartieren nicht um Plätze im eigentlichen Sinne handelt, so sind aus Sicht der Verwaltung diese etablierten Strukturen des PmbH geeignet um effizient die notwendigen Maßnahmen umzusetzen. Zu 4. Der Masterplan Kommunale Sicherheit enthält auch die Betrachtung weiterer Räume und Quartiere. Im Rahmen einer verwaltungsinternen Analyse soll geprüft werden, ob hier auch weitere Maßnahmenbündel gefunden werden können, die – wie unter 3. beschrieben – abge- arbeitet werden können. Zu 5. 5 Wie in Anlage 3 dargestellt wurden Maßnahmen identifiziert, die den schulischen bzw. päda- gogischen Bereich betreffen. Diese Maßnahmen werden durch das Zentrum für Kriminalprä- vention und Sicherheit mit den maßgeblichen Akteur*innen analysiert und hinsichtlich der Um- setzungsfähigkeit und -notwendigkeit erörtert. Evaluation Die Verwaltung wird Ende 2025 über die Umsetzung der vorgenannten Maßnahmen in den zuständigen Gremien berichten. Anlagen: Anlage 1: Abschlussbericht „Masterplan Kommunale Sicherheit“ (MaKoS) Anlage 2: Lokale Agenda für die ausgewählten Quartieren Kalk und Ehrenfeld Anlage 3: Maßnahmenempfehlungen „Schulische Kriminalprävention“
Anlage 2 - Lokale Agenda
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Lokale Agenda für die ausgewählten Quartiere in Kalk und Ehrenfeld Handlungsempfehlung aus dem Masterplan „Kommunale Sicherheit“ Zentrum für Kriminalprävention und Sicherheit I/3 Beschreibung In den Stadtteilen Ehrenfeld und Kalk werden an folgenden Bereichen bessere Beleuchtungen benötigt, um Angsträume zu reduzieren. Die Lampen der Laternen sollten unterhalb der Baumkronen angebracht werden (Überprüfung und ggf. Rückschnitt). Anbringung von smarten Lampen (LED) Kalk: Eine bessere Ausleuchtung im Umfeld des S-Bahnhofs Trimbornstraße (DHL- Abholstation) und smartgeführte Lichtanbringung in Richtung Kalk Post Ehrenfeld: Heliosstraße und Bartholomäus- Schink-Straße in den öffentlichen Zonen unmittelbar hinter den Ausgängen aus dem Bahnhof Ehrenfeld in der Unterführung der Venloer Straße auf der Vogelsanger Straße (Bessere Beleuchtung für Schüler*innen) Beleuchtung Priorität hoch mittel niedrig Akteur*innen 64-2 Öffentliche Beleuchtung 67 - Amt für Landschaftspflege und Grünflächen Rheinenergie Umsetzung Kurzfristig < 3 Monate Mittelfristig 3-9 Monate Langfristig > 9 Monate Wirkung Durch eine bessere Ausleuchtung werden Angsträume abends, nachts und in den frühen Morgenstunden verringert. Eine bessere Ausleuchtung der Bereiche führt zu einer besseren Einsicht der Wege und zu einem gesteigerten Sicherheitsgefühl. 1 2 Beschreibung Ein Rückschnitt von Baumkronen ist essenziell, um die Beleuchtungssituation vor Ort zu verbessern und ggf. die Höhe der Laternenmasten anzupassen. Eine jährliche Begehung/Überprüfung der Baumkronen ist notwendig. Kalk: Prüfung der Beleuchtungssituation (Fehlendes Licht durch zu hoch gewachsene Baumkronen in ganz Kalk) Ehrenfeld: Auf der Venloer Str. Ausgang Bahnhof Ehrenfeld Rückschnitt von Baumkronen Priorität hoch mittel niedrig Akteur*innen 64-2 Öffentliche Beleuchtung 67 - Amt für Landschaftspflege und Grünflächen Rheinenergie Umsetzung Kurzfristig < 3 Monate Mittelfristig 3-9 Monate Langfristig > 9 MonateWirkung Wenn die Baumkronen zurückgeschnitten sind, fällt mehr Licht auf die Gehwege. Durch eine bessere Ausleuchtung werden Angsträume abends, nachts und in den frühen Morgenstunden verringert. Eine bessere Ausleuchtung der Bereiche führt zu einer besseren Einsicht der Wege und zu einem gesteigerten Sicherheitsgefühl. 2 3 Beschreibung In Kalk und Ehrenfeld gibt es Verbesserungsmöglichkeiten in Bezug auf Sauberkeit (intensive und bedarfsgerechte Hotspotreinigung). Prüfung für Pilotisierung in Kalk und Ehrenfeld mit anschließender Ausweitung auf das gesamte Stadtgebiet. Kalk: Prüfung der Sauberkeit in Köln Kalk (ggf. häufigere Reinigung, mehr Papierkörbe, To- Go-Reste) Ehrenfeld: im Umfeld des Bahnhofs Ehrenfeld. Anbieter von Imbissen, Fast Food und To-Go- Produkten zur Einführung eines Mehrwegsystems für Behälter zu verpflichten oder zur Übernahme selbst organisierter täglicher Reinigung der Umgebung ihrer Standorte Mehr Abfallkörbe Häufigere Reinigungs- und Leerungszyklen Sauberkeit Priorität hoch mittel niedrig Akteur*innen AWB VIII 32 Umsetzung Kurzfristig < 3 Monate Mittelfristig 3-9 Monate Langfristig > 9 Monate Wirkung Sauberkeit und Sicherheit sind zwei Aspekte, die untrennbar sind (s. Broken- Windows-Theorie). Ein sauberes Umfeld führt zur Steigerung des Sicherheitsgefühls und Verbesserung der Aufenthaltsqualität. Schnittstelle zu Masterplan Sauberkeit Vorschlag I/3 Projekt „Stadtmeister“ Hilden 3 4 Beschreibung In einigen Bereichen fehlen öffentliche Toilettenanlagen. Kalk: Im Bereich der Kalker Hauptstraße/Trimbornstraße fehlt eine öffentliche Toilette (m/w/d). Gastronomen für das Konzept „Happy Toilet“ gewinnen. Ehrenfeld: Venloer Str. Toiletten Priorität hoch mittel niedrig Akteur*innen AWB VIII Umsetzung Kurzfristig < 3 Monate Mittelfristig 3-9 Monate Langfristig > 9 MonateWirkung Prävention und Vermeidung von Verunreinigung durch Kot und Urin. Schnittstelle zu Masterplan Sauberkeit 4 5 Beschreibung Kriminalpräventive Kampagnen zur Verhaltensprävention bei Diebstahl und anderen Gefahren. Unter Berücksichtigung der beiden Quartiere (Kalk und Ehrenfeld) ist eine stadtweite Kampagne zielführender. Kalk: Zielgruppenspezifische Präventionsmaßnahmen (u. a. an der Trimbornstraße) Schulprävention Ehrenfeld: Zielgruppenspezifische Präventionsmaßnahmen Partymilieu Schulprävention Kriminalpräventive Kampagnen Priorität hoch mittel niedrig Akteur*innen Polizei Köln I/3 Streetwork/ASC Schulpsychologischer Dienst Umsetzung Kurzfristig < 3 Monate Mittelfristig 3-9 Monate Langfristig > 9 MonateWirkung Präventive Maßnahmen zum Selbstschutz steigern das Sicherheitsgefühl und erschweren Tätern in Besitz von Diebesgut zu gelangen. 5 6 Beschreibung Die Sicherheit von Bürger*innen und Passant*innen muss an den Haltestellen gewährleistet werden. Eine Vermeidung von Angsträumen, eine Übersicht über Fluchtwege und einsehbare Gestaltung sind hier von essenzieller Bedeutung. Kalk: Städtebauliche Aufwertung der Achse Trimbornstraße und Kalk Post Verbesserung der Beschilderung Ehrenfeld: Neues Nutzungs- und Gestaltungs- konzept der Bahnbögen in der Bartholomäus-Schink-Straße Elektronische Anzeigen (Displays) in den Ein- und Ausgangstunneln des Bahnhofs Ehrenfeld Wegeleitsystem für Fußgänger entwickeln (Bahnhofsdreieck DB, KVB-U- Bahn, KVB-Ringe-Bahn) Verbesserung der Situation anHaltestellen Priorität hoch mittel niedrig Akteur*innen KVB Deutsche Bahn Ggf. Einschätzung Polizei Ggf. Einschätzung 32 Ggf. Einschätzung I/3 Umsetzung Kurzfristig < 3 Monate Mittelfristig 3-9 Monate Langfristig > 9 Monate Wirkung Eine Verbesserung der Gesamtsituation an Haltestellen führen zu einer besseren Orientierung von Passant*innen und einem gesteigerten Sicherheitsgefühl (positive Außenwirkung in der Besucherschaft.) 6 7 Beschreibung Städtebauliche Kriminalprävention ist ein wesentlicher Bestandteil in der Verhinderung von Straftaten. Die Gestaltung öffentlicher Bereiche mit besserer Einsicht führt zur Beseitigung von Angsträumen und damit zu einem erhöhten Sicherheitsgefühl. Kalk: Erhöhung der Transparenz (z.B. Entfernen von Nischen, Verringerung des ruhenden Verkehrs) Sicherstellung breiter Fußwege in Wohnstraßen Ehrenfeld: Eingeschränkt durchgeführte Einbahnstraßenregelung auf weitere Abschnitte der Venloer Straße erweitern, um Platz für Aufenthaltsräume zu schaffen und die Unfallbelastung wegen der Verkehrssituation zu verringern. Ecke Bartholomäus-Schink-Straße befindet sich die Brache des ehemaligen Postamts (vermittelt abends einen Angstraum) Städtebauliche Kriminalprävention Priorität hoch mittel niedrig Akteur*innen Stadtplanungsamt 61 Einschätzung Polizei Köln Ggf. Einschätzung 32 Ggf. Einschätzung I/3 Umsetzung Kurzfristig < 3 Monate Mittelfristig 3-9 Monate Langfristig > 9 Monate Wirkung Öffentliche Bereiche/Räume die kriminalpräventiv gestaltet sind, steigern das Sicherheitsgefühl von Bürger*innen und können Straftaten vorbeugen. 7 8 Beschreibung Schrottfahrräder in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn kurzfristig entfernen. Fahrradstellplätze überprüfen und ggf. neue Standorte festlegen Fahrradstellplätze und Entfernung von Schrottfahrrädern Priorität hoch mittel niedrig Akteur*innen 32 „sag‘s uns!“ Fahrradbeauftragter AWB? Dez. III Umsetzung Kurzfristig < 3 Monate Schrottfahrräder Mittelfristig 3-9 Monate Fahrradstellplätze Langfristig > 9 Monate Wirkung Das Gesamtbild der Stadt wirkt aufgeräumter, weniger verwahrlost und ordentlicher. Fahrräder können bei mehr Fahrradstellplätzen ordnungsgemäß angebracht werden und damit diebstahlsicher abgestellt werden. Eine Ansammlung von Schrottfahrrädern führt zu einer vermehrten Anhäufung weiterer Schrottfahrräder (Broken- Windows-Effekt). 8 9 Beschreibung Für wohnungslose, alkoholabhängige als auch drogenkonsumierende Personen sollten mehr Hilfsangebote geschaffen werden. Kalk: Wohnungslose und alkoholabhängige Personen im Umfeld der Kalker Hauptstraße zur bestehenden Anlaufstelle vermitteln. Ehrenfeld: Wohnungslose und drogenabhängige Personen im Umfeld der Kalker Hauptstraße zu den bestehenden Anlaufstellen vermitteln. (siehe dazu: Protokoll des Abschlussworkshops) Schaffung von Ausweichorten für obdachlose und/oder abhängige Personen Priorität hoch mittel niedrig Akteur*innen Dezernat V Gesundheitsamt 53 ASC 535 Streetwork 51 Amt für Soziales 50 Umsetzung Kurzfristig < 3 Monate Mittelfristig 3-9 Monate Langfristig > 9 Monate Wirkung Der Drogenkonsum wird medizinisch begleitet und findet nicht im öffentlichen Raum statt. Obdachlose Personen finden Schutz vor Umwelteinflüssen (Z.B. Regen, Hitze, Kälte). 9 10 Beschreibung Bürger*innen fühlen sich an bestimmten Bereichen in Kalk und Ehrenfeld unsicher. Security-Dienstleister, Kontaktbeamte der Polizei, Präsenz vom OD oder Kümmer*innen würden das Unsicherheits- gefühl in den Bereichen verringern. Kalk: Security-Dienst im Bürgerhaus Kalk Aufnahme des Bürgerhauses Kalk im „Kriminalpräventiven Rat Kalk“ Einführung von Kontaktbeamten Ehrenfeld: Mehr Sicherheitspersonal im Bereich Bahnhof Ehrenfeld an den Wochenenden. Kümmer-Personen. Sicherheitsdienste/Kümmer*innen Priorität hoch mittel niedrig Akteur*innen Bürgeramt Kalk 02 KPR Kalk KVB Sicherheitspersonal Polizei Köln 32 I/3 (Kümmer*innen) Externe Dienstleister Umsetzung Kurzfristig < 3 Monate Mittelfristig 3-9 Monate Langfristig > 9 Monate Wirkung Sicherheit wird durch Ansprechpartner*innen vor Ort vermittelt. Vorschlag I/3 gemeinsame Bestreifung KVB, 32 Polizei Vorschlag I/3 gemeinsame Anlaufstellen inkl. Kümmer*innen 10 11 Beschreibung Vermüllung, Vandalismus und Lagern können durch Schließungen/Umzäunungen der Spielplätze/Grünflächen reduziert werden. Beispielsweise könnten Spielplatzpatenschaften wie in Ehrenfeld vergeben werden. Kalk: Spielflächen im Breuerpark (Ostseite) verbessern; Unsicherheitsgefühl der Durchgänge verringern Schließung von Parks von späten Abendstunden bis zum frühen Morgen Ehrenfeld: Förderung von Spielplatzinitiativen Grünflächen und Spielplätze Priorität hoch mittel niedrig Akteur*innen 51 32 Umsetzung Kurzfristig < 3 Monate Mittelfristig 3-9 Monate Langfristig > 9 Monate Wirkung Weniger Vermüllung der Spielplätze zum Schutz der Kinder (z.B. weniger Drogenabfälle, wie Spritzen) 11 12
Anlage 4_Beantwortung Anfragen Ausschuss für Soziales, Seniorinnen und Senioren
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Anlage 4 zur Vorlage 3700/2024 „Abschlussbericht und weiteres Vorgehen betreffend "Masterplan Kommunale Sicherheit (MaKoS)“ Beantwortung der Anfragen von Frau Dr. Klein, Herrn Rudolph und Frau Glashagen aus der 29. Sitzung des Ausschusses für S oziales, Seniorinnen und Senioren vom 23.01.2025 (Antworten der Verwaltung in Kursivdruck) Frau Dr. Köhler (Seniorenvertreterin): 1. Was verbirgt sich unter der Überschrift „ Straftatsdelikte“ insgesamt, und mit wieviel Prozent und weswegen sind Senioren*innen betroffen? Dem Masterplan Kommunale Sicherheit der Stadt Köln liegen die Straftaten der Straßenkriminalität aus der Polizeilichen Kriminals tatistik (PKS) zu Grunde. Der Ersteller hat sich bei der Betrachtung dieser Straf taten am PKS-Schlüssel des Landeskriminalamts NRW orientiert. Dieser definiert e Schlüssel umfasst Straftaten, die regelmäßig die Tatörtlichkeit Straße ausweisen. Die entsprechenden Delikte sind der Nr. 2.4 des Abschlussberichts (S. 22) zu entnehmen. Bei der Darstellung der Straftaten in den 570 Quartieren ist eine Differenzierung nach Alter der Opfer bzw. verschiedenen Bevölkerungsgruppen nicht vorgesehen. Vielmehr stellen die Straftaten der PKS im Kontext nur einen Teil der Indikatoren des Masterplans dar, die im weiteren Verlauf der Bewert ungen den (möglichen) Handlungsbedarf in den Quartieren erkennbar machen sollen. 2. Wie erklären Sie die erheblichen Zuwächse von 20 18 bis 2023, nach Lagebezeichnungen bzw. Straßenbezeichnungen und wel che Maßnahmen sind seitens des Ordnungsdienstes und der Polizei beabsichtigt? Der Masterplan Kommunale Sicherheit der Stadt Köln bietet keinen Erklärungsansatz für steigende Kriminalität. Die Entwicklung und Bew ertung der Straftaten in den Quartieren soll in erster Linie Quartiere mit Handl ungsbedarf identifizieren und Anhaltspukte für erforderliche Präventionsmaßnahmen durch Netzwerke bieten. Durch die Ergebnisse des Masterplans sollen insbesondere Netzwerke identifiziert und ausgebaut werden. Die beabsichtigen Maßnahmen der Verwaltung und Stak eholder (u. a. Präventionsdienststellen der Polizei) sind in der lokalen Agenda dargestellt. Sie sollen ständig überprüft und fortgeschrieben werden. Herr Rudolph (Bündnis 90/Die Grünen): 1. Wie wird sichergestellt, dass es zu keiner Verdrängung von obdachlosen Menschen kommt? Das Thema Obdachlosigkeit wird im Masterplan Kommun ale Sicherheit in Zusammenhang mit dem dialogischen Ansatz des „allpa rteilichen Konfliktmanagements Köln“ (AKIK) betrachtet. Hierbei wird besonders die Wichtigkeit hervorgehoben, dass wohnungslose Personen ein Dach über dem Kopf haben und regelmäßig auf Hilfeangebote sowie Anlaufstellen hingewiesen werden. So bieten beispielsweise der Fachberatungsdienst Wohnungsnot / Wohnhilfen Köln in der Kalk-Mülheimer Straße 177 in Kalk (Träger: Diak onie Michaelshoven Soziale Hilfen gGmbH) sowie die Kontakt- und Beratungsstelle für Wohnungslose „Rochus“ in der Bartholomäus-Schink-Straße 6 in Köln-Ehrenfeld Hilfen im Wohnungsnotfall an (Träger: Sozialdienst Katholischer Männer e.V./ SKM Köln). Mit dem Projekt AKIK sollen quartiersbezogene Nutzu ngskonflikte sowie deren Herausforderungen im öffentlichen Raum gemeinsam mi t den Betroffenen gelöst werden. 2. Wurden die Bedürfnisse und Sorgen von obdachlosen Menschen bei der Erstellung des Konzeptes einbezogen, wurden also auch mit den obdachlosen Menschen gesprochen oder nur über obdachlose Menschen? Bei den Befragungen des Masterplans wurden keine ob dachlosen Personen befragt, jedoch Vertreter*innen der Sozialraumkoordinationen und Trägern, die mit obdachlosen Personen arbeiten. Darüber hinaus war das Amt für Soziales, Arbeit und Senioren an dem Masterplan-Prozess in den Workshops stellvertretend auch für diesen Personenkreis beteiligt. Im Rahmen der Bewertung der Ergebnisse des Masterplanes Kommunale hat das Amt betont, dass die Wohnungslosen nicht aus ihren Quar tieren verdrängt werden sollen. Teilnehmende Beobachtungen im Zusammenhang mit den Erhebungen des Masterplans haben verdeutlicht, dass an den Anlaufpunkten der örtlichen Fachstellen attraktive Angebote erforderlich sind, damit diesem Personenkreis Alternativen zum ungeschützten Aufenthalt auf Spielplätzen (z.B. in der Bartholomäus-Schink-Straße) oder auf Parkflächen (z.B. Breuerpark in Kalk) geboten werden können. 3. Können Sie uns ein Update zum allparteilichen Konfliktmanagement geben? Derzeit ist das allparteiliche Konfliktmanagement K öln (AKIK) beim Amt für Soziales, Arbeit und Senioren angegliedert. Weitere Berichte können voraussichtlich im Laufe des Jahres erfolgen. Frau Glashagen (Volt-Fraktion): 1. Ist es richtig, dass es keine Haushaltmäßige Auswirkungen gibt? Oder bedeutet die Ankreuzung von "Nein", dass die Maßnahmen der versc heidenden Beschlusspunkte incl. der Anlagen die durch den Beschlusspunkt mitbeschlossen werden, im Haushalt 2025/2026 einhalten sind und es deswegen keine Mittelfreigabe geben muss. Es ist in der Tat korrekt, dass es zunächst keine d irekten haushaltsmäßigen Auswirkungen gibt. Es handelt sich um Maßnahmenempf ehlungen und keine unmittelbaren – mit Finanzmitteln – hinterlegten Be schlüsse. Die jeweiligen Finanzierungen müssen für die einzelnen Maßnahmen g esondert betrachtet werden, es stehen keine konsumtiven Mittel unmittelbar zur Verfügung. Es ist allerdings zwischen Maßnahmen des Geschäfts der laufenden Verwaltung zu unterscheiden (wie z.B. der Rückschnitt von Baumkro nen und Verstärkung von Sicherheitskooperationen) für die keine gesonderten Mittel eingestellt werden müssen und Maßnahmen mit z.B. städtebaulichen Veränderunge n, die zunächst genau definiert und dann auch mit Mitteln hinterlegt werd en müssen. Für größere Umsetzungen müssen somit Mittel im Haushalt gesondert hinterlegt werden.
Anlage 7 - Top 5.1_Auszug aus dem Beschlussprotokoll
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Geschäftsführung Gesundheitsausschuss Frau Niemeyer Telefon: (0221) 221 23820 Fax: (0221) E-Mail: Sabine.Niemeyer@STADT- KOELN.DE Datum: 31.01.2025 Auszug aus dem Beschlussprotokoll der 29. Sitzung des Gesundheitsausschusses vom 28.01.2025 öffentlich 5.1 Abschlussbericht und weiteres Vorgehen betreffend "Masterplan Kom- munale Sicherheit (MaKoS)" 3700/2024 Beschluss: Der Ausschuss Allgemeine Verwaltung und Rechtsfragen / Vergabe / Internationales beauftragt die Verwaltung 1. das Verfahren des Masterplans Kommunale Sicherheit als Frühwarnsystem weiterzuentwickeln und in bestehende Strukturen dauerhaft zu implementieren. 2. den Masterplan Kommunale Sicherheit in mittelfristigen Abständen (drei bis fünf Jahren) unter Berücksichtigung aktueller Daten fortzuschreiben. 3. die entwickelte „Lokale Agenda“ für die ausgewählten Quartiere in Kalk und Eh- renfeld (Anlage 2) im Rahmen des Fachkreises Plätze mit besonderem Hand- lungsbedarf (PmbH) des Kriminalpräventiven Rates umzusetzen. Die gemein- samen Schnittstellen mit dem Masterplan Sauberkeit (1674/2024) haben dabei erhöhte Priorität. 4. sukzessive weitere Bereiche/Quartiere aus den Erkenntnissen des Masterpla- nes Kommunale Sicherheit heraus zu identifizieren und im Rahmen des Fach- kreises PmBH abzuarbeiten. 5. die entwickelten Empfehlungen für die schulische Kriminalprävention (Anlage 3) unter Beteiligung der entsprechenden Stakeholder mit dem Ziel der Umset- zung zu erörtern. Ohne Votum in nachfolgende Gremien weitergegeben. Die Vorlage soll auch dem Jugendhilfeausschuss zur Verfügung gestellt werden.
Anlage 5_Erläuterungen von Herrn Prof. Schubert zur Quartiersauwahl
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Anlage 5 zur Vorlage 3700/2024 „Abschlussbericht und weiteres Vorgehen betreffend "Masterplan Kommunale Sicherheit (MaKoS)“ Erläuterungen von Herrn Prof. Schubert zur Quartiersauwahl in Ehrenfeld (Beantwortung einer Anfrage aus dem Kriminalpräventiven Rat vom 20.01.2025) Für die Auswahl der Quartiere in Ehrenfeld und Kalk sprachen folgende Argumente: • Mit dem Blick auf ein links- und ein rechtsrheinisches Gebiet wurde eine Stigmatisierung von nur rechtsrheinischen Quartieren vermieden. • Die Bewohner- und Nutzerstruktur der beiden Untersuchungszonen unterscheidet sich nach sozialen Milieus (Partypublikum vs. Drogenszene) - das zeigte die Vielfalt der lokalen Belastungsformen auf und beugte ebenfalls einer Stigmatisierung der „üblichen Verdächtigen“ vor. Auf diesem Weg konnte auch verdeutlicht werden, dass im Masterplan Kommunale Sicherheit nicht Standardverfahren für die gesamte Stadt aufgezählt werden können, sondern dass die Empfehlungen der jeweils ortsspezifischen Belastungssituation gerecht werden müssen. • Nach der Datenanalyse der ersten Stufe konzentrieren sich die Belastungen im Umfeld von (S-) Bahnhöfen - die ausgewählten Quartiere repräsentieren Quartiere in der Umgebung stark frequentierter Bahnhöfe. • Anhand der beiden Untersuchungsräume ließen sich die Schnittstellenprobleme im öffentlichen Raum transparent machen - wie z.B. zwischen DB und Stadt Köln. Um belastete Quartiere in Köln zukünftig sicherer gestalten bzw. managen zu können, verlangen diese Schnittstellenaspekte besondere Beachtung.
Anlage 6 - Niederschrift ASSS 23.01.2024 zu 3700_2024
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Geschäftsführung Ausschuss für Soziales, Seniorinnen und Senioren Herr Krämer Telefon: (0221) 221-27467 Fax: (0221) 221-27447 E-Mail: sozialamt.ausschuss@stadt- koeln.de Datum: 24.01.2025 Auszug aus dem Entwurf der Niederschrift der 29. Sitzung des Ausschusses für Soziales, Seniorinnen und Senioren vom 23.01.2025 öffentlich 6.1 Abschlussbericht und weiteres Vorgehen betreffend "Masterplan Kom- munale Sicherheit (MaKoS)" 3700/2024 Frau Dr. Köhler (Seniorenvertreterin), bittet die Verwaltung um die Beantwortung folgender Fragen: 1. Was verbirgt sich unter der Überschrift „ Straftatsdelikte“ insgesamt, und mit wieviel Prozent und weswegen sind Senioren*innen betroffen? 2. Wie erklären Sie die erheblichen Zuwächse von 2018 bis 2023, nach Lagebezeichnun- gen bzw. Straßenbezeichnungen und welche Maßnahmen sind seitens des Ordnungs- dienstes und der Polizei beabsichtigt? Herr Rudolph (Bündnis 90/Die Grünen) bittet die Verwaltung um die Beantwortung folgender Fragen: 1. Wie wird sichergestellt, dass es zu keiner Verdrängung von obdachlosen Men- schen kommt? 2. Wurden die Bedürfnisse und Sorgen von obdachlosen Menschen bei der Er- stellung des Konzeptes einbezogen, wurden also auch mit den obdachlosen Menschen gesprochen oder nur über obdachlose Menschen? 3. Können Sie uns ein Update zum allparteilichen Konfliktmanagement geben? Frau Glashagen (Volt-Fraktion) bittet die Verwaltung um die Beantwortung folgender Frage: 1. Ist es richtig, dass es keine Haushaltmäßige Auswirkungen gibt? Oder bedeutet die Ankreuzung von "Nein", dass die Maßnahmen der verscheidenden Be- schlusspunkte incl. der Anlagen die durch den Beschlusspunkt mitbeschlossen werden, im Haushalt 2025/2026 einhalten sind und es deswegen keine Mittel- freigabe geben muss. Im Rahmen der Beschlussfassung über die Festsetzung der Tagesordnung würde ein- stimmig beschlossen die Vorlage, wegen Beratungsbedarfs der FDP-Fraktion, zurück zu stellen und die Beratungsfolge um den Gesundheitsausschuss zu erweitern. Zurückgestellt.
Anlage 3- Maßnahmenempfehlungen schulische Kriminalprävention
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Maßnahmenempfehlungen für schulische Kriminalprävention Handlungsempfehlung aus dem Masterplan „Kommunale Sicherheit“ Zentrum für Kriminalprävention und Sicherheit I/3 Maßnahmen, die finanzielle Mittel benötigen Mehr Sozialarbeiter*innen Präventionstrainer*innen an jeder Schule, Etablierung von „sozialen Trainings“ Niederschwellige therapeutische Hilfsangebote an den Schulstandorten Unterstützung der Schulen aus den Quartieren und Sozialräumen heraus, z.B. Einbindung der Fachkräfte der Sozialraumkoordination Ausweitung des Konzepts der "Familiengrundschulzentren" auf Familienschulzentren, die die Eltern in ihrer Rolle als Bildungsbegleiter auch in der SEK I stärken Zentrum für Kriminalprävention und Sicherheit I/3 2 Maßnahmen, die keine finanziellen Mittel benötigen Vernetzung der Schlüsselakteur*innen mit Schule Polizei, Jugendamt, etc. Zusammenarbeit mit Jugendgerichtshilfe und Rechtsanwälten; Besuch von Jugendstrafverfahren Erfassung und Auswertung der räumlichen und inhaltlichen Anfragen der Kölner Schulen bei dem Schulpsychologischen Krisenteam der Bezirksregierung für z.B. 6 Monate zu besseren Übersicht ZeMAG (Zentrales Melde-und Auskunftssystem bei Gefährdungen) für Lehrerschaft Netzwerkkatalog (alle Schule mit Präventionsangeboten und externen Angeboten) Mehr Präsenz der Polizei in Schulen in Bezug auf Workshops oder Vorträgen Auf Grundlage des Schulsozialindex erhalten die Schulen mit Belastung durch soziale Probleme mehr Ressourcen, ggf. Faktor Kriminalitätsbelastung in den Index aufnehmen lassen Fachlicher Austausch mit Stakeholdern und ggf. Umsetzung der Maßnahmenempfehlungen. Zentrum für Kriminalprävention und Sicherheit I/3 3
Anlage 8 - AG78 Stellungnahme Masterplan_final 2.0
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Köln, den 29.04.2025
Stellungnahme der AG § 78 SGB VIII Gewaltprävention zum Masterplan für
kommunale Sicherheit in Köln
An die Fraktionsvorsitzenden und Mitglieder des Ausschusses für Verwaltung,
Rechtsfragen und Internationales
1. Einleitung
Die AG § 78 SGB VIII Gewaltprävention1 wurde über den Prozess und die Erstellung des Mas-
terplans für kommunale Sicherheit informiert, als das Konzept den vorberatenden Fachaus-
schüssen vorgelegt wurde, sowie über die begleitende Berichterstattung in der Lokalpresse.
In der Sitzung der AG 78 Gewaltprävention am 19.03.2025 informierten die Geschäftsführerin
der AG 78 Gewaltprävention (Fachstelle Gewaltprävention) und die Sprecherin der AG 78 Ge-
waltprävention die anwesenden Vertreter*innen über den Masterplan, der am 24.03.2025 dem
Ausschuss für Verwaltung, Rechtsfragen und Internationales zur Entscheidung vorgelegt
wurde. Es erfolgte eine Aussprache und eine dringliche einstimmige Bitte der AG 78 Gewalt-
prävention, den Beschluss des Masterplans zu verschieben, um Gelegenheit zu erhalten, aus
fachlicher Sicht im Rahmen ihrer gesetzlichen Aufgabenstellung zur Gewährleistung der Prä-
ventionsarbeit für Kinder und Jugendliche bzw. Schülerinnen und Schüler eine Stellungnahme
zu verfassen.
Die AG 78 Gewaltprävention begrüßt die Entwicklung eines Masterplans zur kommunalen Si-
cherheit der Stadt Köln, der durch gezielte Maßnahmen das Sicherheitsgefühl in den öffentli-
chen Räumen der Stadt Köln stärkt und die Aufenthaltsqualität verbessern soll.
Da der „Masterplan Kommunale Sicherheit“ durch die Verwaltung als prozessorientiertes Ver-
fahren entwickelt wurde, möchte die AG 78 Gewaltprävention die Gelegenheit nutzen, ihre
Perspektive aktiv in den Prozess einzubringen. Es hat uns irritiert, dass unser Gremium in der
bisherigen Planung nicht berücksichtigt wurde. Für die Zukunft wünschen wir uns eine stärkere
Einbindung.
Im Folgenden sind einige wichtige fachliche Impulse zusammengefasst, die aus unserer Sicht
für eine nachhaltige und wirksame Sicherheitsstrategie unerlässlich sind, vor allem in Bezug
auf Maßnahmen, die Kinder und Jugendliche berücksichtigen.
Die Stellungnahme erfolgt im Besonderen im Blick auf die Maßnahmenempfehlungen für schu-
lische Kriminalprävention.
1 Im folgenden Textverlauf wird für die bessere Lesbarkeit anstatt „AG § 78 SGB VIII Gewaltprävention“ die Formulierung „AG
78 Gewaltprävention“ gewählt
2
2. Historie und Auftrag der AG 78 Gewaltprävention
Am 27.03.2007 hat der Rat der Stadt Köln einen umfangreichen Beschluss zur Bekämpfung
der Jugendkriminalität in Köln gefasst. Hintergrund der Beschlussfassung war die seinerzeit
veröffentlichte Kriminalitätsstatistik und die verübten massiven Gewalttaten von Jugendlichen
bzw. jungen Erwachsenen in Köln. Durch eine breite politische Diskussion entstanden Forde-
rungen nach systematischer Prävention und Intervention. Die Verwaltung wurde beauftragt
darzulegen, welche Konzepte zum Thema „Jugendkriminalität“ von den verschiedenen Akteu-
ren bislang verfolgt und welche Erfahrungen bisher gemacht wurden. In einem interdisziplinä-
ren Hearing am 21.05.2007 wurde verdeutlicht, wie individuelle Dispositionen bei Kindern und
Jugendlichen ineinander greifen mit gesellschaftspolitisch beeinflussbaren Faktoren in Sozial-
, Wohnungs-, Ordnungs-, Schul- und Arbeitsmarktpolitik. Hier wurde über notwendige Initiati-
ven zur Bekämpfung der Jugendkriminalität beraten und wenige Monate später ein Maßnah-
menpaket beschlossen, das folgende Module berücksichtigte:
• Ausweitung der Schulsozialarbeit
• Steuerung und Intervention durch Streetwork
• Aufnehmendes Suchtclearing
• Mitternachtssport
• Gründung des Hauses des Jugendrechts
Nach Ablauf eines mehrjährigen Projektzeitraumes hat der Kölner Rat am 13.10.2011 ein Kon-
zept zur Gewaltprävention im Kinder- und Jugendschutz beschlossen, das zuvor vom Amt für
Kinder, Jugend und Familie gemeinsam mit Trägern, Schulen und Vertreter*innen der Polizei
erarbeitet worden war.2 Hier wurden Arbeitsansätze für alle Entwicklungsphasen von Kindern
und Jugendlichen beginnend im Elementarbereich beschrieben. Die Einrichtung der Fachstelle
Gewaltprävention für die Stadt Köln sowie die operative Struktur einer Arbeitsgemeinschaft
nach § 78 SGB VIII Gewaltprävention war Bestandteil dieses Ratsbeschlusses, der am
11.12.2012 nach einjähriger Pilotphase erneut vom Rat bestätigt wurde.
Die AG 78 Gewaltprävention stellt seither neben den oben beschriebenen fachlichen Modulen
ein politisch beschlossenes Gremium dar, in dem durch die kontinuierliche engagierte Zusam-
menarbeit zwischen der Stadt Köln, Trägern der freien Jugendhilfe, Schulen und der Polizei in
einem Zeitraum von mehreren Jahren die beiden „Gesamtkonzepte zur Gewaltprävention im
Kinder- und Jugendschutz der Stadt Köln“ entwickelt wurden. Die Bereitstellung dieser Ge-
samtkonzepte ergeben Ressourcen für Konzeptentwicklung, Fortbildung und Supervision der
pädagogischen Mitarbeiter*innen sowie für die Netzwerkarbeit in Köln. Die AG 78 Gewaltprä-
vention hat es sich zum Ziel gesetzt, fachliche Standards für eine systematische Präventions-
arbeit bei Kindern und Jugendlichen zu setzen, eine verzahnte Abstimmung und somit die
Wirksamkeit von Maßnahmen zu gewährleisten und gemeinsam auf aktuelle Ereignisse im
Kontext Jugendgewalt in Köln zu reagieren und bedarfsgerechte Angebote der Gewaltpräven-
tion in Köln aufzulegen.
2 https://ratsinformation.stadt-koeln.de/vo0050.asp?__kvonr=30810
3
3. Fachliche Impulse der AG 78 Gewaltprävention für die Maßnahmenempfehlungen
für schulische Kriminalprävention
a) Fehlende Berücksichtigung der Perspektiven junger Menschen
Die Analyse des Masterplans zeigt, dass die Perspektiven junger Menschen an mehreren Stel-
len nicht ausreichend berücksichtigt wurden. Kinder und Jugendliche werden nicht gleichwer-
tig mit anderen Bürger*innen einbezogen, sondern primär im Kontext von Problemen an Schu-
len thematisiert. Dies halten wir für problematisch – sowohl im Hinblick auf das Grundgesetz
(Art. 2 und 3 GG) als auch auf die UN-Kinderrechtskonvention (insbesondere Art. 12 und 31),
die das Recht auf Mitbestimmung und eine kindgerechte Umgebung garantieren.
Besonders bedauerlich ist dieser Umstand, da Kinder und Jugendliche eine vulnerable Gruppe
darstellen und somit eine besondere Berücksichtigung in sicherheitspolitischen Planungen er-
forderlich wäre.
b) Kritische Reflexion der Kriminalitätsstatistik als Entscheidungsgrundlage
Ein zentraler Bestandteil des Masterplans sind Maßnahmen, die auf den Ergebnissen von
Workshops sowie auf der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) basieren. Hier sehen wir die
Notwendigkeit einer differenzierten Betrachtung. Ein ige Aspekte, die wir für die Einordnung
besonders relevant finden, haben wir hier zusammengestellt.
Einschränkungen der PKS: Die PKS erfasst nur Tatverdächtige, nicht aber verurteilte Täter*in-
nen. Zudem handelt es sich um eine anzeige nbasierte Statistik, die nur bekannt gewordene
Straftaten abbildet – das sogenannte Dunkelfeld bleibt unberücksichtigt.
Steigende Anzeigebereitschaft: Nach der Einführung des 16. Schulrechtsänderungsgesetzes
sind Schulen verpflichtet, Schutzkonzepte zu entwickeln. Dadurch sind Eltern, Schüler*innen
und Schulen beispielsweise sensibilisierter für Kriminalität und zeigen Straftaten häufiger an.
Das bedeutet nicht zwangsläufig eine reale Zunahme von Gewalt oder Kriminalität, sondern
kann auch ein Zeichen für eine verbesserte Problemwahrnehmung sein.
Polizeiliche Kontrollintensität: Die Erfassung von Straftaten wird auch durch das Maß polizei-
licher Kontrolle beeinflusst. Eine höhere Polizeipräsenz in bestimmten Stadtteilen oder an
Schulen kann zu einer scheinbaren Zunahme von Straftaten führen, ohne dass die tatsächli-
che Kriminalitätsrate gestiegen ist.
Auch ist anzumerken, dass der Anstieg der Straftaten möglicherweise als Folge der Pandemie
zu verstehen ist – etwa durch Nachholeffekte, eingeschränkte Möglichkeiten zur Entwicklung
sozialer Kompetenzen und ähnliche Faktoren. Dieser Aspekt wird im Bericht jedoch kaum the-
matisiert.
Grundsätzlich finden wir bedenklich, wie Kinder und Jugendlichen in diesem Kontext darge-
stellt werden. Es entsteht der Eindruck, als würden junge Menschen zunehmend krimineller
4
werden (Vgl. S. 120-1213). Ein Blick auf die Kriminalstatistik im Zehnjahresvergleich zeigt je-
doch, dass sich dieser Eindruck nicht belegen lässt:
https://www.dji.de/veroeffentlichungen/aktuelles/news/article/1308-mehr-junge-tatverdaech-
tige.html
c) Prävention als pädagogische Aufgabe – Keine Verlagerung auf die Polizei
Der Wunsch nach mehr polizeilicher Kriminalprävention ist nachvollziehbar, jedoch ist dies in
NRW derzeit nicht vorgesehen – und das aus guten Gründen. Die Arbeit mit Kindern und Ju-
gendlichen gehört in die Hände pädagogischer Fachkräfte. Polizei, Jugendhil fe und Schule
sind zur Kooperation angehalten, doch es ist nicht vorgesehen, dass Polizist*innen präventiv
pädagogische Aufgaben übernehmen.
Der Erlass zur Zusammenarbeit bei der Verhütung und Bekämpfung der Jugendkriminalität
(ein gemeinsamer Erlass verschiedener NRW -Ministerien) führt aus, welche Chance n und
Grenzen die Zusammenarbeit hat.
d) Berücksichtigung von Qualitätsstandards für wirkungsvolle Maßnahmen
Für eine nachhaltige und effektive Präventionsarbeit sollten unter anderem folgende Quali-
tätsstandards berücksichtigt werden:
• Zielklarheit und theoretische Fundierung
• Die Ziele der Maßnahmen müssen klar definiert sein
• Die Kriminalitätsphänomene, denen sie entgegenwirken sollen, müssen präzise benannt
werden
• Ein begründetes Wirkmodell sollte vorliegen, das darlegt, wie die Maßnahmen auf Ursa-
chen und Folgen einwirken, um Risiken zu senken und Schutz zu erhöhen. Im Wirkmo-
dell ist theoretisch festgehalten, mit welchen Wirkungen man durch bestimmte Angebote
oder Maßnahmen zu rechnen hat.
• Ganzheitlicher Mehr-Ebenen-Ansatz: Maßnahmen sollten Risiko- und Schutzfaktoren auf
mehreren Ebenen adressieren (Individuum, Familie, Schule, Nachbarschaft).
• Sowohl Verhaltensprävention (individuelle Ebene) als auch Verhältnisprävention (struktu-
relle Veränderungen im Umfeld) müssen integriert sein.
• Die Maßnahmen müssen zeitlich ausreichend sein und sich über mehrere Tage oder Wo-
chen erstrecken.
• Interaktive und aktivierende Methoden sollten dominieren, während rein wissensvermit-
telnde Formate reduziert werden.
3 Prof. Dr. Dr Herbert Schubert, Masterplan Kommunale Sicherheit, Verfahren und Erprobung, Schlussbericht, 02.10.2024 (im
Auftrag der Stadt Köln Zentrum der Kriminalprävention und Sicherheit)
5
4. Fachliche und strukturelle Fragestellungen
“Ziel war es, unter Einbeziehung der einschlägigen Stakeholder, geeignete Maßnahmen zu
entwickeln und in einen Umsetzungsprozess zu bringen, der im öffentlichen Raum zu einer
Erhöhung des Sicherheitsgefühls und zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität beiträgt.” (Zitat
aus der Pressemitteilung der Stadt Köln zum Masterplan).
Aus dem Blickwinkel der Fachexpert*innen der AG 78 Gewaltprävention und der Kinder- und
Jugendhilfe stellen sich uns besonders im Hinblick auf die Maßnahmenempfehlungen für die
schulische Kriminalprävention folgende Fragen. Für eine weitere erfolgreiche Umsetzung des
Masterplans erachten wir eine kritische Prüfung dieser Fragen als unerlässlich:
• Fehlende Einbindung von Fachstellen: Ist eine Einbindung der „einschlägigen Stakehol-
der” wie der AG 78 Gewaltprävention, des Jugendamtes und anderer vorgesehen?
• Unzureichende Berücksichtigung des Jugendbereichs: Warum wurde die besondere
Bedeutung von Gewaltprävention im Jugendalter nicht ausreichend thematisiert oder in
konkrete Maßnahmen übersetzt?
• Finanzielle Realisierbarkeit: Liegt ein Budget für die Umsetzung des Masterplans vor?
Wie und wer finanziert die Maßnahmen, d ie finanzielle Mittel benötigen (z.B. Sozialtrai-
nings an Schulen)? Ist eine Umsetzung der kostenpflichten Maßnahmen vor allem nach
der nicht lang zurückliegenden Haushaltsdebatte der Stadt Köln realistisch?
• Keine Prüfung der Wirksamkeit: Ist es vorgesehen die bereits bestehenden schulischen
Maßnahmen zur Gewaltprävention und gewachsenen Netzwerke, die in den Maßnahmen-
empfehlungen aufgelistet sind, auf ihre Wirksamkeit zu prüfen, zu evaluieren und weiter-
zuentwickeln? (z.B. NEIS-Konferenzen)
• Wirkungslogik: Liegen Überlegungen zu einer Wirkungslogik vor? Welche Form und Me-
thode zur Analyse von Ursache und Wirkung sollen angewendet werden?
• Mangelhafte Berücksichtigung des Schutzkonzeptes: Wird die Erstellung und Imple-
mentierung des Schutzkonzeptes, zu dem Kinder- und Jugendhilfe und Schulen gesetzlich
verpflichtet sind, in den Maßnahmenempfehlungen für die schulische Kriminalprävention
berücksichtigt?
• Fehlende Synergien zwischen Jugendhilfe und Schulen: Sind Synergien zwischen Ju-
gendhilfe und Schule berücksichtigt worden? Kooperationen zwischen Jugendhilfe und
Schulen sind essenziell, der schulische und außerschulische Maßnahmen zur Prävention
sollten gut vernetzt sein. Warum wird die Prävention des außerschulischen Bereichs wenig
thematisiert?
• Ignorierung der Überforderung von Schulen: Sind Unterstützungsstrukturen für Lehr-
kräfte und Schulen zur Implementierung von Kriminalprävention an Schulen mitgedacht
worden?
6
• Fehlende Beachtung von bestehenden Beschlüssen: In welcher Form konnten Ergeb-
nisse aus den folgenden Stadt-Strategien in der Entwicklung des Masterplans eingebun-
den und verwertet werden?
– Kölner Kinder- und Jugendförderplan 2021-2025 (insbesondere Kapitel 3.1: Ge-
walt/Jugendschutz -Ratsinformationssystem: 1805/2021)
– Stadtstrategie “Kölner Perspektive 2030+” (Handlungsempfehlungen zu Stärkung von
Quartieren: S. 88 ff: Sicherheit, Unterhalt, Sauberkeit - Ratsinformationssystem:
2794/2017)
– Kölner Kinder stärken - 184 Tausend: Landesprogramm Kommunale Präventionsket-
ten (Ratsinformationssystem 3437/2019)
– Aktionsplan Kinderfreundliche Kommune (Kapitel 5.5: Kinder- und Jugendschutz -
Ratsinformationssystem 3580/2019)
5. Empfehlungen der AG 78 Gewaltprävention zur weiteren Vorgehensweise
Wir plädieren für eine differenzierte Betrachtung von Jugendkriminalität im Masterplan
Kommunale Sicherheit. Eine einseitige Fokussierung auf polizeiliche Maßnahmen birgt das
Risiko, junge Menschen primär als Problemgruppe zu betrachten, anstatt ihre Perspektiven
und Bedürfnisse in die Planung einzubeziehen. Prävention muss pä dagogisch fundiert, evi-
denzbasiert und interdisziplinär erfolgen. Wir fordern daher eine stärkere Berücksichtigung
dieser Aspekte in der weiteren Ausgestaltung des Masterplans.
Wir raten zu fachlichen Einbindung der Fachstelle für Gewaltprävention der Stadt Köln in den
relevanten Unterarbeitsgruppen (UAGs) für die weitere Zusammenarbeit der Akteur*innen.
Wir empfehlen die Einbindung von mehr Akteur*innen bei der Mitarbeit, die Teil der AG 78
Gewaltprävention sind. Eine verstärkte Vernetzung mit relevanten Facharbeitskreisen und
Akteur*innen der Kinder- und Jugendhilfe im schulischen und außerschulischen Bereich sind
unerlässliche Gelingensfaktoren für den Kinder- und Jugendschutz.4
Wir wünschen uns, um die Wirksamkeit des Masterplans für Kinder und Jugendliche zu er-
höhen, im Sinne des Kinder- und Jugendschutzes zu handeln, den Bedarfen dieser Zielgruppe
gerecht zu werden und eine kritische Auseinandersetzung mit der bisherigen Vorgehensweise
unter Berücksichtigung praxisnaher Expertise.
Mit freundlichen Grüßen
Sprecherin der AG § 78 SGB VIII Gewaltprävention
Deborah Helmbold
4 siehe Kapitels B 1.8 „Überblick über die bestehenden Präventionskonzepte und Präventionsmaßnahmen“
und im Kapitel B 3 „Schulbezogene Perspektiven“ im Schlussbericht der Agentur MaKoS
7
Folgende Akteur*innen sind Mitglieder der AG 78 Gewaltprävention
– Kinderschutzbund Köln
– Kölner Jugendring
– AWO Köln Fachbereich Gewaltprävention
– Caritas Köln
– Diakonie Michaelshoven
– FAIR.STÄRKEN e.V.
– Familienberatung und Schulpsychologischer Dienst
– Stadtsportbund Köln
– Lobby für Mädchen e.V.
– Amt für Schulentwicklung, Fachbereich Schulsozialarbeit
– 180 Grad Wende e.V.
– Fanprojekt e.V.
– Koordination Haus des Jugendrechts
– Sportjugend Köln
– Koordination Streetwork
– Vertreter*in für die Bezirksjugendpflege der Stadt Köln
– Vertreter*in der AGOT Köln (Arbeitsgemeinschaft der Offenen Türen Köln)
– Polizei Köln, Fachbereich Kriminalprävention und Opferschutz
– AJS NRW
– Reinflanke gGmbH
– Jugendzentren Köln gGmbH
– Körbe für Köln e.V.
– Zartbitter e.V.
– Amt für Kinder, Jugend und Familie, Sachgebiet Jugendförderung und Jugendschutz,
Fachstelle Gewaltprävention
Anlage 1 - MaKoS-Schlussbericht
574226 Zeichen
1
Masterplan Kommunale Sicherheit
Verfahren und Erprobung
Schlussbericht
im Auftrag von:
Zentrum für Kriminalprävention und Sicherheit
MaKoS
Verfahren und Erprobung 2
Das Zentrum für Kriminalprävention und Sicherheit der Stadt Köln hat das Büro Sozial •
Raum • Management in Hannover beauftragt, das Konzept für den Masterplan Kommu-
nale Sicherheit in Köln [Akronym: MaKoS] zu entwickeln und zu erproben.
AUTOR
Herbert Schubert, Prof. Dr. Dr.
Büro Sozial l Raum l Management [Hannover]
www.sozial-raum-management.de
FOTOS
Sämtliche Fotos: © Herbert Schubert
BEGLEITENDER ARBEITSKREIS
Die Entwicklung und Erprobung des „Masterplans Kommunale Sicherheit in Köln“ wurde
vom Team des Zentrums für Kriminalprävention und Sicherheit der Stadt Köln unterstützt:
• Verena Becker,
• Dolores Burkert,
• Katharina Mauerer,
• Melina Midden,
• Ramona Tauber.
Seitens des Polizeipräsidiums Köln wirkten mit:
• Stefan Halbe,
• Nikolai Kirch.
STAND
Entwurfsstand: 02. Oktober 2024
HINWEIS
Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird bei Personenbezeichnungen das generische Maskulinum
genutzt. Wenn nicht abweichend darauf hingewiesen wird, so gelten diese Formulierungen für jedes
Geschlecht.
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 3
Inhalt
Vorbemerkung zum Verfahren ______________________________________________ 5
Zusammenfassung der Erprobung ___________________________________________ 6
Teil A: Verfahren des Masterplans Kommunale Sicherheit _____________________ 12
A1. Verfahren des Masterplans Kommunale Sicherheit ________________________ 12
A1.1 Drei Stufen des Verfahrens _______________________________________________ 12
A1.2 Gliederungsstruktur für die Empfehlungen ____________________________________ 14
A2. Stufe I: MaKoS-Indikatoren zur Früherkennung ___________________________ 18
A2.1 Bevölkerungsfluktuation in den Quartieren ___________________________________ 19
A2.2 Ordnungswidrigkeiten und soziale Unordnung in den Quartieren _________________ 20
A2.3 Polizeieinsätze und Straftaten an Kölner Schulen ______________________________ 21
A2.4 Entwicklung der Straßenkriminalität laut PKS _________________________________ 22
A2.5 Schwerpunkte der Problemimmobilien in den Stadtquartieren ____________________ 23
A2.6 Systematik der Indikatoren: „Eisberg der Unsicherheit“ _________________________ 24
A3. Stufe II: Workshop zur Bewertung der Ergebnisse _________________________ 25
A3.1 Konzept für den raumbezogenen Workshop _________________________________ 25
A3.2 Konzept für den schulbezogenen Workshop __________________________________ 29
A3.3 Anforderungen der Moderationsmethode ____________________________________ 29
A4. Stufe III: Vertiefende empirische Untersuchungen in ausgewählten Quartieren 29
A4.1 Methodisches Profil der vertiefenden Raumanalysen ___________________________ 30
A4.2 Lokale Hotspots der Straßenkriminalität laut PKS ______________________________ 31
A4.3 Audits der städtebaulichen Kriminalprävention ________________________________ 31
A4.4 Passanteninterviews im öffentlichen Raum ____________________________________ 32
A4.5 Hintergrundgespräche mit lokalen Stakeholdern _______________________________ 32
A4.6 Beobachtungen zur Abbildung von Nutzungsverhalten _________________________ 33
Teil B: Erprobung des Masterplan-Verfahrens ________________________________ 34
B1. Erprobung der Indikatoren der Früherkennung ___________________________ 34
B1.1 Kölner Räume mit hoher Bevölkerungsfluktuation ______________________________ 34
B1.2 Schwerpunkte der Unordnung in Köln _______________________________________ 37
B1.3 Polizeieinsätze und Straftaten an den Standorten der Kölner Schulen ______________ 55
B1.4 Ausprägung der Straßenkriminalität in den Kölner Quartieren ____________________ 62
B1.5 Integrierte Betrachtung: Korrespondenzanalyse zur Suche nach Interferenzen _______ 84
B1.6 Zwischenergebnisse nach Analyse der Indikatoren ___________________________ 103
B1.7 Deliktprofile der ausgewählten Quartiere im Jahr 2023 _______________________ 104
B1.8 Überblick über die bestehenden Präventionskonzepte und Präventionsmaßnahmen _ 109
B2. Workshop: Raumbezogene Perspektiven der Stakeholder für den Masterplan
Kommunale Sicherheit ________________________________________________ 110
B2.1 Teilnehmende ________________________________________________________ 110
B2.2 Bewertungen und Rückschlüsse __________________________________________ 110
B2.3 Perspektiven für das weitere Vorgehen ____________________________________ 112
MaKoS
Verfahren und Erprobung 4
B3. Workshop: Schulbezogene Perspektiven für den Masterplan Kommunale
Sicherheit ____________________________________________________________ 115
B3.1 Teilnehmende ________________________________________________________ 115
B3.2 Aktuelle Belastungen __________________________________________________ 116
B3.3 Erwartungen an den Masterplan Kommunale Sicherheit _______________________ 118
B3.4 Perspektiven für die schulexterne Kooperation ______________________________ 120
B4. Ausgewählte Teilräume der vertiefenden Erhebungen ____________________ 122
B4.1 Umfeld Bahnhof Ehrenfeld ______________________________________________ 122
B4.2 Umfeld Bahnhof Trimbornstraße, Kalk Post und Kalker Hauptstraße _____________ 123
B4.3 Neubebauung der Madausbrache _______________________________________ 124
B4.4 Vergleich der Quartiere anhand kommunalstatistischer Daten __________________ 125
B5. Vertiefende Erhebungen in Köln Kalk ___________________________________ 130
B5.1 Schwerpunkte der Straßenkriminalität _____________________________________ 130
B5.2 Audits der städtebaulichen Kriminalprävention ______________________________ 134
B5.3 Passanteninterviews zur Sammlung von Nutzerperspektiven ___________________ 154
B5.4 Hintergrundgespräche mit lokalen Stakeholdern _____________________________ 167
B5.5 Beobachtungen im öffentlichen Raum _____________________________________ 173
B5.6 Integrierte Bewertung der Ergebnisse in Köln Kalk ___________________________ 176
B6. Vertiefende Erhebungen in Köln Ehrenfeld ______________________________ 185
B6.1 Schwerpunkte der Straßenkriminalität _____________________________________ 185
B6.2 Audits der städtebaulichen Kriminalprävention ______________________________ 188
B6.3 Passanteninterviews zur Sammlung von Nutzerperspektiven ___________________ 226
B6.4 Hintergrundgespräche mit lokalen Stakeholdern _____________________________ 237
B6.5 Beobachtungen im öffentlichen Raum _____________________________________ 241
B6.6 Integrierte Bewertung der Ergebnisse in Köln Ehrenfeld _______________________ 243
B7. Schnittstelle zum Masterplan Sauberkeit ________________________________ 253
B8. Vertiefte Betrachtung der Siedlung Madaus _____________________________ 255
Anhang 1: Audits der städtebaulichen Kriminalprävention ____________________ 257
Anhang 2: Instrumente der Passantenbefragung ____________________________ 265
Anhang 3: Beobachtungs- und Zählungsbogen ______________________________ 269
Anhang 4: Leitfaden für Gespräche mit lokalen Stakeholdern _________________ 271
Abbildungs- und Tabellenverzeichnis _______________________________________ 272
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 5
Vorbemerkung zum Verfahren
Im Mai 2022 hatte der Rat der Stadt Köln die Verwaltung beauftragt, einen „Masterplan
Kommunale Sicherheit“ zu erstellen. Unter Einbeziehung der einschlägigen Stakeholder
soll der Masterplan zu geeigneten Maßnahmen führen, in deren Umsetzung in den öffentli-
chen Räumen der Stadt Köln das Sicherheitsgefühl erhöht und die Aufenthaltsqualität ver-
bessert werden. In Abstimmung mit der Kölner Stadtdirektorin Andrea Blome wurde der
„Masterplan Kommunale Sicherheit“ als prozessorientiertes Verfahren angelegt und an-
schließend in ausgewählten Kölner Räumen erprobt. Das Verfahren besteht aus drei Stu-
fen:
Auf der ersten Stufe [I] wird eine Indikatorenanalyse über die 570 statistischen Quar-
tiere in Köln durchgeführt, um die Stadtgebiete mit einem besonderen Handlungsbedarf zu
identifizieren. Besondere Berücksichtigung findet dabei die objektive Sicherheitslage, in-
dem PKS-Daten sowie Einsatzdaten der Kölner Polizei ausgewertet werden, aber auch In-
formationen des Amtes für öffentliche Ordnung über Phänomene der Unordnung in den
öffentlichen Räumen werden analysiert. Neben der Straßenkriminalität kommen Indikato-
ren zur Anwendung, die nur indirekt – d.h. teilweise visuell im Straßenraum, teilweise
strukturell anhand der demographischen Statistik und teilweise nur von Insidern der Institu-
tionen – wahrgenommen werden können. Es sind: Zeichen der Unordnung (wie z.B. die
Müllbelastung im öffentlichen Raum), eine – mangels Ortsbindung – geringe Verantwor-
tungsübernahme der Bewohnerschaft (infolge hoher Bevölkerungsfluktuation) und Konflikte
im Sozialisationsprozess von Kindern und Jugendlichen (erfasst anhand einer erhöhten
Häufigkeit von Polizeieinsätzen und Straftaten in sowie an Schulen).
Auf der zweiten Stufe [II] werden die gewonnenen Ergebnisse im Austausch mit den
einschlägigen Expertinnen und Experten der Kriminalprävention sowie mit Schlüsselperso-
nen der Kölner Stadtverwaltung bewertet. Auf dieser Grundlage werden Quartiere ausge-
wählt, in denen einer sich abzeichnenden negativen Entwicklung der Sicherheit mit geeig-
neten Maßnahmen der sekundären oder auch tertiären Prävention Einhalt geboten werden
soll.
Auf der dritten Stufe [III] werden in den ausgewählten Quartieren vertiefende Untersu-
chungen durchgeführt. Sie dienen der tiefenscharfen Ermittlung, welche Maßnahmen zur
Verringerung der Straßenkriminalität und der affektiven Kriminalitätsfurcht an diesen Orten
abgeleitet werden können. Das Instrumentarium der vertiefenden empirischen Untersuchun-
gen klärt die Sicherheitslage anhand von fünf methodischen Zugängen auf: die Identifizie-
rung von lokalen Hotspots – differenziert nach Straßen – auf der Basis der Polizeilichen
Kriminalstatistik, die Durchführung von Audits der städtebaulichen Kriminalprävention zur
Bewertung der Raum- und Beleuchtungsqualitäten, Interviews mit Passanten zur Ermittlung
der Ausprägung affektiver und konativer Kriminalitätsfurcht in den Quartieren, die Samm-
lung von Hintergrundinformationen im Gespräch mit lokalen Stakeholdern und einige Be-
obachtungen im öffentlichen Raum zur Abbildung des Nutzungsverhaltens.
In diesem abschließenden Bericht werden zuerst das Verfahren und anschließend die Er-
gebnisse seiner Erprobung in ausgewählten Quartieren vorgestellt.
MaKoS
Verfahren und Erprobung 6
Zusammenfassung der Erprobung
Die Indikatorenanalyse der ersten Stufe A wurde in der Erprobungsphase von Ja-
nuar bis März 2024 durchgeführt. Es wurde gezielt betrachtet, ob es Zusammenhänge
gibt: hinsichtlich einer sehr hohen Kriminalitätsbelastung je Einwohner im Jahr 2023 sowie
sehr hohen Wachstumsraten der Straßenkriminalität von 2019 auf 2023 ; einer überdurch-
schnittlichen Ausprägung der Bevölkerungsfluktuation; einer hohen Belastung mit Unord-
nung und eines erhöhten Deliktaufkommens an Schulstandorten. Im Rahmen dieser Be-
trachtung wurden folgende Typen der Belastung in Köln identifiziert:
I. 28 heterogene Innenstadtquartiere [Definition: Lage im Stadtbezirk Innenstadt];
II. fünf studentische Quartiere [Definition: Quartiere in Hochschulnähe mit Einrichtun-
gen für studentisches Wohnen und mit Freizeitangeboten für Studierende];
III. 15 belastete Wohnquartiere in den Stadtteilen Ehrenfeld, Kalk und Mülheim [Defini-
tion: Quartiere mit einer sehr hohen Fluktuationsrate und einer sehr hohen Belas-
tung mit kriminellen Delikten je Einwohner];
IV. elf Schulstandorte mit einer stark überdurchschnittlichen Häufigkeit polizeilicher
Einsätze in den Jahren 2022 und 2023.
Durch die Indikatorenanalyse wurde u.a. transparent, dass sich die Zahl der Straftaten im
Schulbetrieb in Köln von 2022 bis 2023 nahezu verdoppelt hatte. Besonders stark – näm-
lich um 137 Prozent – hatten die Rohheitsdelikte im Schulalltag in Köln zugenommen.
Diese Einsicht verlangte für die zweite Stufe B eine Y-Strategie: Auf dem einen Strang
wurde ein räumlich ausgerichteter Workshop durchgeführt; auf dem anderen Strang
wurde in einem schulbezogenen Workshop nach Handlungsansätzen gesucht, wie sich die
Sicherheitssituation in den Kölner Schulen präventiv verbessern lässt.
Im raumbezogenen Workshop „Perspektiven der Stakeholder für den Masterplan
Kommunale Sicherheit“ am 16. Mai 2024 bewerteten die teilnehmenden Expertinnen und
Experten der Kriminalprävention sowie die Schlüsselpersonen der Kölner Stadtverwaltung
die Ergebnisse und schlugen vor, Gebiete in Ehrenfeld, Kalk oder Mülheim für die vertie-
fenden Analysen auszuwählen, die im Jahr 2023 durch eine sehr hohe Fluktuationsrate
und sehr hohe Kriminalitätsbelastung gekennzeichnet waren. Im Kontrast dazu wurde an-
geregt, auch das Quartier Madaus in Merheim zu berücksichtigen, welches zu den sieben
Quartieren mit dem höchsten Anstieg der Straßenkriminalität von 2019 bis 2023 gehört.
Im schulbezogenen Workshop wurde am 23. Mai 2024 mit schulischen Akteuren her-
ausgearbeitet, wie Wege der schulexternen Kooperation ausgebaut werden können, um
die Schulen besser zu unterstützen, und welche Ansätze der Kriminalprävention in den
Schulen für notwendig erachtet werden.
Die vertiefenden Untersuchungen der dritten Stufe C wurden in Abstimmung mit
dem Zentrum für Kriminalprävention und Sicherheit der Stadt Köln in den Kalker Quartie-
ren Trimbornstraße und Vorsterstraße [im Umfeld des Bahnhofs Trimbornstraße und der
Kalker Post], in den Ehrenfelder Quartieren Leo-Amann-Park und Hansemannstraße [im
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 7
Umfeld des Bahnhofs Ehrenfeld] sowie in der Siedlung Madaus – Auf dem Eichenbrett
durchgeführt.
Ergebnisse der Untersuchungen in den Kalker Quartieren
Die Delikte der Straßenkriminalität bündelten sich im Jahr 2023 in den Kalker Quar-
tieren Vorsterstraße und Trimbornstraße in wenigen Straßen: Auf der Kalker Hauptstraße
als Nahtstelle wurden im Jahr 2023 rund zwei Drittel aller Straftaten in den beiden Quar-
tieren registriert. Die Trimbornstraße verbindet den gleichnamigen S -Bahnhof mit Kalk Post
und den Köln Arcaden. Auf diesem Straßenabschnitt wurde im Jahr 2023 über die Hälfte
aller Straftaten der Straßenkriminalität im Quartier Trimbornstraße erfasst. Zwei Drittel al-
ler Straftaten der Straßenkriminalität, die im Quartier Vorsterstraße im Jahr 2023 doku-
mentiert wurden, entfielen auf den Straßenabschnitt der Kalk -Mülheimer Straße bis zum
Bürgerhaus Kalk.
Unter den befragten Passanten ist die affektive Kriminalitätsfurcht stark ausge-
prägt: Drei Viertel der befragten Frauen gaben an, sich unsicher fühlen, wenn sie im Dun-
keln allein im Umfeld der Kalker Hauptstraße , aber auch im Bereich des S-Bahnhofs Trim-
bornstraße unterwegs sind. Dass auch fast die Hälfte der befragten Männer solche Unsi-
cherheitsgefühle im Dunkeln zugab, verdeutlicht die Problematik. Einige Straßen und Orte
werden besonders gemieden (konative Kriminalitätsfurcht): Neben der Kalk-Mülheimer
Straße und den Innenhöfen – wie z.B. Breuerpark und Aldi-Parkplatz – wurde die Trim-
bornstraße genannt. In Audits der städtebaulichen Kriminalprävention wurden
Hinweise gewonnen, was diese Orte unattraktiv macht. Im Rahmen des Beleuchtungsau-
dits wurden zahlreiche Hinweise gesammelt, wie sich die Beleuchtung verbessern lässt, um
Unsicherheitsgefühlen mit Licht vorzubeugen.
Im Gespräch mit Passanten wurden Vorschläge gesammelt, was getan werden sollte,
um die Sicherheitssituation im Veedel zu verbessern. Die meisten Vorschläge bezogen sich
auf den Müll auf den Straßen und Fußwegen und andere Merkmale der öffentlichen Ord-
nung, aber auch auf die Verbesserung von Aufenthalts- und Nutzungsqualitäten in den
Quartieren rund um die Kalker Hauptstraße .
Auf der Basis der vertiefenden Untersuchungen in den Kalker Quartieren Vorsterstraße
und Trimbornstraße wurden folgende Empfehlungen abgeleitet:
• Empfehlungen zur Gestaltung des öffentlichen Raumes: städtebauliche
Aufwertung der Achse der Trimbornstraße zwischen S -Bahnhof und Platz Kalk Post;
eine Sicherstellung hinreichend breiter Fußwege in den Wohnstraßen ; eine Verbes-
serung des Zustands der Spielflächen im Breuerpark im Rahmen einer Freiraumpla-
nung; Stärkung der Sichtachsen als weitere Maßnahme der städtebaulichen Krimi-
nalprävention auf der Kalk-Mülheimer Straße zur Förderung der informellen sozia-
len Kontrolle.
• Empfehlungen zur Beleuchtung: teilweiser Rückschnitt des Blattgrüns der
Baumkronen, die die Straßenlaternen verdeck en, dadurch den Lichteinfall ein-
schränken und den Fußweg verschatten.
MaKoS
Verfahren und Erprobung 8
• Empfehlungen zum Umgang mit problembehafteten Schnittstellen zwi-
schen privaten und öffentlichen Räumen: Bedarf von Maßnahmen z ur Erhö-
hung des Sicherheitsgefühls an der Schnittstelle der DB-Privatfläche des S-Bahnhofs
zum öffentlichen Raum der Trimbornstraße ; Aufforderung der Deutschen Bahn (DB)
durch die Stadt Köln, den Übergang vom Bahnhofsausgang in die Trimbornstraße
neu zu ordnen – notwendig sind insbesondere: sichtbare Markierung des Weges
zum Fahrstuhl; Orientierungshinweise für die Wege der Fahrgäste der S-Bahn und
die bessere lichttechnische Abstufung des Übergangs.
• Empfehlungen zum Dialog mit Zielgruppen in den Quartieren: gezielte
Vermittlung der Wohnungslosen zu den Hilfen des „Fachberatungsdienstes Woh-
nungsnot / Wohnhilfen Köln“ der Diakonie Michaelshoven Soziale Hilfen gGmbH
in der Kalk-Mülheimer Straße 177; Dialog mit problemverursachenden Gruppen
über Sprachmittler bzw. Gatekeeper; die Gewinnung von Gastronomen auf der
Kalker Hauptstraße für das Kölner Konzept der „HappyToilet“ , die Stärkung des
Zusammenhalts unter den Eigentümern und Gewerbetreibenden im Kontext der
Standortgemeinschaft Kalker Hauptstraße .
• Empfehlungen zur Erhöhung der formellen Kontrollen: Wiederbelebung
des Modells des Kontaktbeamten im Umfeld der Kalker Hauptstraße, um das Si-
cherheitsgefühl in der Bevölkerung zu stärken; sichtbare Erhöhung der Kontroll-
dichte durch Kräfte der Polizei und des Ordnungsdienstes im Bereich der Kalker
Hauptstraße und der Kalk- Mülheimer Straße; stundenweiser Einsatz eines Sicher-
heitsdienstes im Bürgerhaus Kalk; Aufnahme das Bürgerhaus Kalk in den „Kriminal-
präventiven Rat Kalk“; Schließung des Breuerparks an den Durchgängen in den
Nachtzeiten.
Ergebnisse der Untersuchungen in den Ehrenfelder Quartieren
Die Delikte der Straßenkriminalität ereigneten sich 2023 vor allem an den wenigen
Schnittstellen der Quartiere zu öffentlichen Verkehrsmitteln: Ein Drittel der Straftaten wur-
den auf der quer durch die Quartiere Leo-Amann-Platz und Hansemannstraße verlaufen-
den Venloer Straße registriert. Fast 60 Prozent der Straßenkriminalität im Jahr 2023 entfie-
len auf das Umfeld des Bahnhofs Ehrenfeld – von der Stammstraße mit dem Gerhard -
Wilczek-Platz über die Bartholomäus-Schink-Straße bis zur Venloer Straße mit den KVB -
Haltestellen. Laut dem Expertengespräch in der Polizeiinspektion 3 hängt dies mit dem
„Partyviertel“ zusammen, das vom „Club Bahnhof Ehrenfeld“ in der Bartholomäus-Schink-
Straße über weitere Treffpunkte auf dieser Straße und in der Heliosstraße bis zur „Live
Music Hall“ in der Lichtstraße reicht.
Die affektive Kriminalitätsfurcht ist vor allem unter Frauen ausgeprägt. In der Passan-
tenbefragung gaben rund 40 Prozent der befragten Frauen an, sich unsicher zu fühlen,
wenn sie im Dunkeln allein in den beiden Quartieren im Umfeld des Ehrenfelder Bahnhofs
unterwegs sind; unter den Männern betrifft das weniger als ein Zehntel. Viele verkehrsbe-
zogene Orte rund um den Bahnhof – wie die Bahnbögen an der Hüttenstraße und d ie Bar-
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 9
tholomäus-Schink-Straße – gehören nach den Angaben der Befragten auch zu den Meide-
orten. Einen Einfluss hat die Verschmutzungssituation rund um den Bahnhof Ehrenfeld, die
von drei Viertel der Befragten als sehr negativ eingestuft wird.
Die Audits der städtebaulichen Kriminalprävention fanden in den Straßen der
Quartiere Leo-Amann-Platz und Hansemannstraße statt. Insbesondere das Umfeld des Eh-
renfelder Bahnhofs wurde schlechter bewertet, weil die unklaren Übergänge zwischen den
verschiedenen Haltepunkten Kriminalitätsfurcht auslösen können. Das Beleuchtungsau-
dit verdeutlichte, dass die Wegeführung durch die öffentlichen Laternen nicht das Format
aufweist, das ein so stark frequentierter Bereich erfordert.
Auf der Basis der vertiefenden Untersuchungen in den Ehrenfelder Quartieren Hansemann-
straße und Leo- Amann-Park wurden folgende Empfehlungen abgeleitet:
• Empfehlungen zur Gestaltung des öffentlichen Raumes: weitere Maßnah-
men der städtebaulichen Kriminalprävention auf der Venloer Straße, um Platz für
Aufenthaltsorte zu schaffen; städtebauliche Entwicklungsplanung für den Bereich
der Brache des ehemaligen Postamts an der Ecke der Bartholomäus-Schink-Straße
zum Ehrenfeldgürtel; Suche nach einem neuen Standort für die Müllcontainer am
Ein-/Ausgang auf der südöstlichen Seite des Bahnhof Ehrenfelds; auf die Perspekti-
ven von Schülerinnen und Schüler zugeschnittene Wegeführung in der Vogelsanger
Straße nach der Fertigstellung des Neubaus der Heliosschule.
• Empfehlungen zur Beleuchtung: Installation einer smarten Beleuchtung zur
stärkeren Ausleuchtung der Wege des Partypublikums; Verbesserung der Beleuch-
tung in den öffentlichen Zonen unmittelbar hinter den Ausgängen aus dem Bahnhof
Ehrenfeld und in der Unterführung der Venloer Straße ; Rückschnitt der Baumkronen
auf der Venloer Straße hinter dem südwestlichen Ausgang des Bahnhofs Ehrenfeld
zur Beseitigung der Verschattungen des Fußweges; auf die Wege von Schülerinnen
und Schüler zugeschnittene Beleuchtung in der Vogelsanger Straße n ach der Fertig-
stellung des Neubaus der Heliosschule.
• Empfehlungen zum Umgang mit problembehafteten Schnittstellen zwi-
schen privaten und öffentlichen Räumen: Aufforderung der Deutschen Bahn
durch die Stadt Köln, gemeinsam mit der kommunalen Stadtplanung ein neues Nut-
zungs- und Gestaltungskonzept für die Bahnbögen in der Bartholomäus-Schink-
Straße und in der Hüttenstraße auszuarbeiten; Installation von elektronischen An-
zeigen (Displays) in den Tunnelbereichen des Bahnhofs Ehrenfeld vor den Aufgän-
gen zu den Bahnsteigen durch die DB; kooperative Entwicklung eines Wegeleitsys-
tems für das Bahnhofsdreieck [DB-Bahnsteige, KVB-U-Bahn, KVB-Ringbahn] durch
DB, KVB und Stadt Köln; Klärung des Ausbaus der Kapazität der Fahrradstellplätze
und der Entfernung von „Schrottfahrräder“ im Umfeld des Bahnhofs Ehrenfeld zwi-
schen DB und Stadt Köln.
• Empfehlungen zum Dialog mit Zielgruppen in den Quartieren: eine ver-
haltensorientierte kriminalpräventive Kampagne in sozialen Medien, die sich an
das feiernde Partypublikum richtet; Verpflichtung der Anbieter von Imbissen, Fast
MaKoS
Verfahren und Erprobung 10
Food und To-Go-Produkten zur Einführung eines Mehrwegsystems für Ihre Behälter;
Stärkung der nachbarlichen Verbundenheit in den Wohnstraßen und Förderung des
bürgerschaftlichen Engagements [Referenzbeispiele Körnerstraße und ehrenamtli-
cher Spielplatzpate in der Glasstraße ]; gezielte Vermittlung der Wohnungslosen zu
den Hilfen der Kontakt- und Beratungsstelle für Wohnungslose „Rochus“ des Sozial-
dienstes Katholischer Männer e.V./ SKM Köln in der Bartholomäus-Schink-Straße 6.
• Empfehlungen zur Erhöhung der formellen Kontrollen: Erhöhung des Ein-
satzes von Sicherheitspersonal und Kümmer-Personen im Umfeld des Bahnhofs Eh-
renfeld an den Tagen des hohen Aufkommens von Partypublikum.
Ergebnis in der Siedlung Madaus
Die straßenweise Auswertung der PKS -Daten des Jahres 2023 hat aufgezeigt, dass nicht
der Bereich mit der neuen Wohnbebauung, sondern der Einzelhandels-Hotspot und die
beiden stationären Gesundheitseinrichtungen für das relativ hohe Aufkommen von
Straftaten der Straßenkriminalität verantwortlich sind.
Kriminalpräventive Strategien betreffen folglich nicht das Wohnquartier, sondern die Un-
ternehmensstandorte Kaufland Köln Merheim, Krankenhaus Merheim und LVR-Klinik in der
Wilhelm-Griesinger-Straße. Im Jahr 2023 entfielen insgesamt 93 Prozent der Straftaten auf
diese drei Standorte. Es wird empfohlen, die Kliniken dabei zu unterstützen, Tatgelegen-
heiten zu beseitigen, und den großflächigen Einzelhandel zu beraten, wie der Standort
und die Waren besser geschützt werden können.
Schnittstellen zum Masterplan Sauberkeit
Die Erprobung des Verfahrens „Masterplan Kommunale Sicherheit“ in ausgewählten
Quartieren der Stadtteile Ehrenfeld und Kalk hat verdeutlicht, dass Themen der Sauberkeit
und Ordnung im öffentlichen Raum in der Sicherheitswahrnehmung der Bürgerinnen und
Bürger eine große Rolle spielen. Daraus lassen sich Anhaltspunkte zur Konkretisierung der
Schnittstellen zwischen den Masterplänen Sicherheit auf der einen Seite und Sauberkeit
auf der anderen Seite ableiten:
• Sowohl in den Kalker als auch in den Ehrenfelder Quartieren korrespondieren die
Hotspots der Straßenkriminalität mit den Hotspots der Verschmutzung im Umfeld
der Bahnhöfe. Dort kann der AWB eine intensive und bedarfsgerechte (Hotspot-)
Reinigung erproben, die von einer bedarfsgerechteren Reinigung und Leerung der
Papierkörbe bis zur Einführung von Pfandsystemen im Umfeld der Imbiss-Restau-
rants reichen kann.
• Das bestehende Papierkorbkonzept sollte in Zusammenarbeit zwischen der AWB
und der Deutschen Bahn als Träger der Bahnhöfe Ehrenfeld und Trimbornstraße
überprüft werden, um auf dieser Grundlage ein innovatives und bedarfsorientierte-
res Papierkorbkonzept zu entwickeln.
• In den Kalker und Ehrenfelder Quartieren sollten Angebote zur Einbindung der Be-
wohnerschaft gemacht werden. Sie sollten allerdings nicht monothematisch auf das
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 11
Thema Sauberkeit fokussiert werden, sondern weiter gefasst auf Patenschaften von
Spielplätzen, Nachbarschaftszonen in der Straße oder auch die Pflege von Baum-
scheiben gerichtet werden.
• Die Bahnhofsumfelder in Ehrenfeld und Kalk Trimbornstraße weisen sowohl hinsicht-
lich der Sauberkeit als auch der Sicherheit einen besonderen Handlungsbedarf auf.
An solchen Orten sollten die notwendigen Maßnahmen an einem „Runden Tisch"
der Verantwortlichen von DB, AWB, Ordnungsamt, Polizei und Zentrum für Krimi-
nalprävention und Sicherheit abgestimmt werden.
• In den Quartieren rund um Kalk Post wurden „Obdachlose“ und „Drogenkonsu-
menten“ häufig als Probleme genannt. Vor diesem Hintergrund sollten sich das So-
zialamt, das Gesundheitsamt, das Ordnungsamt, die AWB und lokale Kümmer-Per-
sonen sowie Stakeholder des Stadtteils gemeinsam über Lösungsansätze verständi-
gen, wie dieser Personenkreis wirkungsvoller an die Hilfen der örtlichen Beratungs-
stellen für Wohnungslose, aber auch an die Angebote von VISION e.V. – Verein
für innovative Drogenselbsthilfe herangeführt werden kann.
• Die Ansprache besonderer Zielgruppen muss nach Quartieren und Institutionen dif-
ferenziert erfolgen. Während im Umfeld des Bahnhofs Ehrenfeld vor allem das Par-
typublikum am Wochenende mit geeigneten Kampagnen angesprochen werden
muss, überwiegen im Umfeld des S-Bahnhofs Trimbornstraße Personengruppen mit
unterschiedlichen Migrationsgeschichten, deren Sprachbarrieren durch den Einsatz
von Sprachmittlern überwunden werden können. In den Schulen sind Präventions-
maßnahmen notwendig, die Kinder und Jugendliche mi t Veranstaltungen, Filmen
und Postings in den sozialen Netzwerken erreichen.
• Das „HappyToilet“-Angebot sollte in den Ehrenfelder und Kalker Quartieren weiter-
entwickelt werden. In den Kalker Quartieren gibt es bisher nur die Standorte: Bür-
gerhaus Kalk, Bezirksrathaus Kalk und Kalk Karree. In den Ehrenfelder Quartieren
fällt das Angebot breiter aus: Toilette U-Bahnstation Venloer Straße/Gürtel, Bezirks-
rathaus Ehrenfeld, Bumann & Sohn, Piccola Essen und Trinken und Van Dyck Röste-
rei in der Körnerstraße. Es bedarf einer Strategie, wie weitere Gastronomen und
Einzelhändler im Bereich der Kalker Hauptstraße und der Venloer Straße für das
Konzept der HappyToilet gewonnen werden können.
MaKoS
Verfahren und Erprobung 12
Teil A:
Verfahren des Masterplans Kommunale Sicherheit
A1. Verfahren des Masterplans Kommunale Sicherheit
A1.1 Drei Stufen des Verfahrens
Auf der ersten Stufe [I] werden fünf Indikatoren – differenziert nach den 570 statistischen
Quartieren Kölns und fokussiert auf zurückliegende Jahre – analysiert, um Sicherheitsprob-
leme erkennen zu können. Metaphorisch kann das Bündel der Indikatoren als „Eisberg
der Unsicherheit“ bezeichnet werden: Oberhalb der Wasseroberfläche befindet sich der In-
dikator der strafbewehrten Straßenkriminalität (dokumentiert durch die Polizeiliche Krimina-
litätsstatistik). Darunter sind Indikatoren zu finden, die nur indirekt – d.h. teilweise visuell im
Straßenraum, teilweise strukturell anhand der demographischen Statistik und teilweise nur
von Insidern der Institutionen – wahrgenommen werden können. Es sind: Zeichen der Un-
ordnung (wie z.B. die Müllbelastung im öffentlichen Raum), eine – geringe Ortsbindung –
infolge hoher Bevölkerungsfluktuation und Konflikte im Sozialisationsprozess von Kindern
und Jugendlichen (erfasst anhand einer erhöhten Häufigkeit von Polizeieinsätzen und Straf-
taten in sowie an Schulen).
Nach der Einzelbetrachtung der Indikatoren werden Korrespondenzen zwischen ihnen be-
trachtet. Der Blick wird darauf gerichtet, welche Zusammenhänge es im Bezugsjahr gab:
zum Beispiel hinsichtlich einer sehr hohen Kriminalitätsbelastung je Einwohner sowie sehr
hoher Wachstumsraten der Straßenkriminalität über mehrere Jahre; einer starken Bevölke-
rungsfluktuation; einer hohen Belastung mit Unordnung und eines erhöhten Polizeieinsatzes
und überdurchschnittlicher Delikthäufigkeiten an Schulstandorten.
Abbildung 1: Drei Stufen des Verfahrens „Masterplan Kommunale Sicherheit“
Stufe 1: Indikatorenanalyse über 570 Kölner
Quartiere
Stufe 2: Bewertungsworkshop und Auswahl
von Quartieren für Vertiefungen
Stufe 3: vertiefende Untersuchungen in den
Quartieren und Ableitung von Empfehlungen
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 13
Die Ergebnisse der Indikatorenanalyse werden aufbereitet für die Bewertung durch ein-
schlägige Stakeholder. Auf der zweiten Stufe [II] werden dazu Workshops zur Be-
wertung der Ergebnisse durchgeführt. In einem raumbezogenen Workshop mit Exper-
tinnen und Experten der Kriminalprävention sowie mit Schlüsselpersonen der Kölner Stadt-
verwaltung werden die Auffälligkeiten unter die Lupe genommen, die nach der Analyse der
Indikatoren in den Ergebnisprofilen zu erkennen sind. Das Ziel des Bewertungsprozesses
der zweiten Stufe besteht aus einer Auswahl von (auffälligen) Quartieren, in denen
im Rahmen vertiefender Untersuchungen herausgearbeitet werden soll, welche Maßnahmen
zur Verringerung der Straßenkriminalität und der affektiven Kriminalitätsfurcht notwendig
sind. In einem schulbezogenen Workshop kann parallel thematisiert werden, welche An-
sätze der Gewaltprävention in den Schulen umgesetzt werden sollen und wie Wege der
schulexternen Kooperation ausgebaut werden können, um die Schulen besser zu unterstüt-
zen.
Abbildung 2: Übersicht über das Verfahren „Masterplan Kommunale Sicherheit“
Auf der dritten Stufe [III] kommt in den ausgewählten Quartieren ein Instrumentarium
für vertiefende empirische Untersuchungen zum Einsatz, das dem methodologischen
Prinzip der Triangulation entspricht, weil die Sicherheitslage im Rahmen von voneinander
unabhängigen methodischen Zugängen aufgeklärt wird. Die Bausteine sind: die Identifizie-
rung von lokalen Hotspots – differenziert nach Straßen – auf der Basis der Polizeilichen Kri-
minalstatistik, die Durchführung von Audits der städtebaulichen Kriminalprävention zur Be-
wertung der Raum- und Beleuchtungsqualitäten, Interviews mit Passanten zur Ermittlung der
Ausprägung affektiver und konativer Kriminalitätsfurcht in den beiden Quartieren, die
MaKoS
Verfahren und Erprobung 14
Sammlung von Hintergrundinformationen im Gespräch mit lokalen Stakeholdern und einige
Beobachtungen im öffentlichen Raum zur Abbildung des Nutzungsverhaltens. Nach der Ver-
knüpfung der verschiedenen Ergebnisse erfolgt die Ableitung von Empfehlungen, wie
sich die Sicherheitssituation verbessern und die affektive Kriminalitätsfurcht in Bevölkerungs-
kreisen verringern lässt (vgl. als Gesamtübersicht Abbildung 2).
Die zugrundeliegende Masterplan-Logik besteht nicht darin, nur einmal das skizzierte
Verfahren zur Anwendung zu bringen. Den Plan-Charakter weist nicht das Ergebnis der ein-
maligen Durchführung auf, sondern die regelmäßige Wiederholung des Verfahrens. Die
kontinuierliche mittelfristige Wiederholung der drei Stufen stellt somit ein Schlüssel-
merkmal des Masterplans Kommunale Sicherheit dar. Als Praxis folgt daraus, die Verfah-
rensschritte im Abstand von drei bis fünf Jahren zu wiederholen. Das bedeutet, den
Prozess der Indikatoren-Analyse mit aktuellen Daten, des Bewertungsworkshops und der
vertiefenden Untersuchungen in ausgewählten Quartieren vor Ort immer wieder neu zu ge-
stalten. Dabei können einerseits neue Quartiere identifiziert werden, in denen vertiefende
Untersuchungen an die Analyse der Indikatoren anschließen. Andererseits kann in einer
Evaluation überprüft werden, ob die Maßnahmen in zuvor vertieft betrachteten
Teilräumen Wirkung gezeigt haben, indem sowohl die Zahl der Straftaten als auch die
Unsicherheitsgefühle im öffentlichen Raum eine rückläufige Tendenz aufweisen.
Mit dem Masterplan Kommunale Sicherheit können in Köln Strategien zur Erhöhung der ob-
jektiven Sicherheit und zur Verringerung der affektiven Kriminalitätsfurcht unter sensiblen
Bewohnergruppen im Quartierskontext entwickelt und weitergehend passgenaue Hand-
lungs- und Präventionsmaßnahmen abgeleitet werden. In der mittelfristigen Wiederholungs-
perspektive ist der Masterplan Kommunale Sicherheit fortschreibungsfähig.
A1.2 Gliederungsstruktur für die Empfehlungen
Am Ende der Entwicklungs- und Erprobungsphase des Verfahrens des Masterplans Kommu-
nale Sicherheit wurden am 25. September 2024 in einem abschließende n Austausch mit
Schlüsselpersonen der Kölner Ämter , der Bezirksregierung und der Kölner Polizei:
• das gesamte, dreistufige MaKoS-Verfahren positiv bewertet und
• Eckpunkte für die abgeleiteten Empfehlungen vereinbart.
An der Zusammenkunft nahmen unter der Moderation des Zentrums für Kriminalprävention
und Sicherheit folgende Fachperspektiven der Stadt Köln teil: das Amt für öffentliche Ord-
nung; das Amt für Recht, Vergabe und Versicherungen; das Amt für Integration und Vielfalt;
das Gesundheitsamt; das Amt für Kinder, Jugend und Familie; das Amt für Schulentwick-
lung; das Amt für Soziales, Arbeit und Senioren; das Amt für Verkehrsmanagement und öf-
fentliche Beleuchtung; das Dezernat VIII/Klima, Umwelt, Grün, Liegenschaften sowie die
Gesamtschwerbehindertenvertretung. Dabei waren auch das schulische Krisenteam der Be-
zirksregierung Köln und die Abfallwirtschaftsbetriebe Köln GmbH.
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 15
Im Austausch wurden vier Perspektiven für die Strukturierung der Empfehlungen
des Masterplans herausgearbeitet:
(1) Dialogorientierung
Am Beispiel des Umgangs mit den Ordnungsstörungen von Wohnungslosen stellte das Amt
für Soziales, Arbeit und Senioren der Stadt Köln den dialogischen Ansatz AKIK vor (Allpar-
teiliches Konfliktmanagement in Köln).
• Den Ausgangspunkt bildete die Tatsache, dass das Lagern, Campieren und Über-
nachten von Wohnungslosen auf öffentlichen Flächen – wie z.B. dem Breuerpark in
Kalk oder dem Spielplatz an der Bartholomäus-Schink-Straße in Ehrenfeld – nach ei-
ner Landesverordnung nicht erlaubt seien. Die Flächen werden dadurch übernutzt
und der Lebensalltag der anderen Bürger eingeschränkt. Die Obdachlosigkeit dürfe
nicht verstetigt werden, indem Flächen im öffentlichen Raum bereitgestellt werden,
wohin Wohnungslose ihren Lebensmittelpunkt verlegen können.
• Vorrang wird dem Ziel zugeschrieben, dass dieser Personenkreis ein Dach über dem
Kopf hat. Deshalb werden die Wohnungslosen regelmäßig auf Hilfeangebote beson-
derer Anlaufstellen hingewiesen. So bieten beispielsweise sowohl der „Fachbera-
tungsdienst Wohnungsnot / Wohnhilfen Köln“ in der Kalk-Mülheimer Straße 177 in
Kalk (Träger: Diakonie Michaelshoven Soziale Hilfen gGmbH) als auch die Kontakt-
und Beratungsstelle für Wohnungslose „Rochus“ in der Bartholomäus-Schink-Straße
6 in Köln-Ehrenfeld Hilfen im Wohnungsnotfall an (Träger: Sozialdienst Katholischer
Männer e.V./ SKM Köln). Es wird fortwährend daran gearbeitet, die Attraktivität
solcher Einrichtungen zu steigern.
• Leider leisten einige Bewohner durch Spenden und Sachmittel (wie z.B. Naturalien)
einen Beitrag dazu, dass sich die Wohnungslosen an Orten in öffentlichen Raum
wohlfühlen und dort dauerhaft verbleiben. In der Konsequenz nehmen die Woh-
nungslosen die Angebote der Kontakt- und Beratungsstellen nicht wahr, so dass ihre
Lebenssituation nicht nachhaltig verändert werden kann.
Vor diesem Hintergrund wird der Dialog mit der Bürgerschaft als notwendig erachtet, um
aufzuklären, wie das Thema gemeinsam angegangen werden kann. Dafür werden aktuell in
einem interdisziplinären Gremium der Kölner Stadtverwaltung im Rahmen des innovativen
Ansatzes AKIK (Allparteiliches Konfliktmanagement in Köln) neue Maßnahmen entwickelt,
die im Laufe des Jahres 2025 erprobt werden sollen. Das Konzept beruht darauf, die Be-
wohnerinnen und Bewohner, die sich durch Wohnungslose im öffentlichen Raum gestört füh-
len, aber auch diejenigen, die Obdachlosen Zuwendungen im öffentlichen Raum zukommen
lassen, im Rahmen eines dialogischen Konfliktmanagements zu unterstützen. Das AKIK-Mo-
dell stellt eine wichtige Schnittstelle zum Masterplan Kommunale Sicherheit dar, weil quar-
tiersbezogene Nutzungskonflikte in Grünanlagen, Parks oder auf Plätzen mit diesem Ansatz
gelöst werden sollen. Ein Einsatz der Polizei zu Ordnungsthemen wie Lärm, Müll, wildes
Urinieren oder respektvolles Verhalten von Wohnungslosen ist nicht verhältnismäßig – des-
halb werden Fachkräfte zukünftig moderierend und vermittelnd Impulse geben, wie mit die-
sen Herausforderungen vor Ort umgegangen werden kann.
MaKoS
Verfahren und Erprobung 16
Das Dezernat VIII/Klima, Umwelt, Grün und Liegenschaften der Stadt Köln und die Abfall-
wirtschaftsbetriebe AWB hoben einen zentralen Erfolgsfaktor des Gelingens von Dialogen
mit den Verursachern der Unordnung und Verschmutzung hervor. Über herkömmliche Dia-
logformate wurden bisher nur die interessierten Kreise der Bewohner und Nutzer erreicht,
nicht aber besondere Milieus und anderssprachige Communities. Im Masterplan muss daher
berücksichtigt werden, dass bestimmte Gruppen nur über Personen mit einem ähnlichen Hin-
tergrund angesprochen werden können. Die Ansprache muss durch Peers – d.h. durch Glei-
che – erfolgen, die dem jeweiligen Milieu nahestehen. Dafür sind geeignete Personen mit
einem Zugang (Sprachmittler) zu gewinnen, die als „Fürsprecher“ die andere Seite verbind-
lich spiegeln können.
Aus dem Kreis des schulischen Krisenteams der Bezirksregierung Köln wird der Wunsch ge-
äußert, die Schulen bei der Planung, aber auch Umsetzung von kriminalpräventiven Maß-
nahmen und Aktionen mit einzubeziehen. Als Ansatzpunkte können Programme der Demo-
kratieförderung in den Schulen genutzt werden. Es werden Gelegenheiten für die Partizipa-
tion und Mitgestaltung der Schüler in den Sozialräumen der Stadt gebraucht.
(2) Kontrollorientierung
Aus der Sicht der Kölner der Polizei dürfen die Vorschläge des Masterplans nicht nur Men-
schen im Blick nehmen, die im Wertesystem der Mehrheitsgesellschaft sozialisiert worden
sind (in der Regel: deutschsprachig, weiß, christlich, heterosexuell, ohne Beeinträchtigung,
ohne Armutserfahrungen oder binärgeschlechtlich). Im Masterplan muss die komplexe Ge-
sellschaftsstruktur Kölns umfassend berücksichtigt werden. In den Kölner Quartieren sind
auch Personenkreise mit vollständig anderen Werteorientierungen und -vorstellungen anzu-
treffen. Um auf deren abweichende Verhaltensweisen Einfluss zu nehmen, werden Dialog-
programme und städtebauliche Interventionen nicht ausreichen. Auf polizeilicher Seite seien
bereits viele Maßnahmen unternommen worden, die jedoch oft nur zu einer Verschiebung
der Probleme statt zu dauerhaften Lösungen geführt hätten. Neben der Suche des Dialogs
mit diesen Personenkreisen, muss im Masterplan Anerkennung finden, dass auch der Kon-
trolldruck (d.h. die Intervention durch Kräfte der Polizei und des kommunalen Ordnungs-
dienstes) erhöht werden muss.
(3) Raumorientierung
Seitens des Amtes für Integration und Vielfalt der Stadt Köln wird betont: Verantwortlich für
kriminelle Delikte sind oftmals nicht die Werthaltungen, sondern der sozioökonomische Hin-
tergrund der Lebenslagen, die das Verhalten Personengruppen beeinflussen. Von der Histo-
rie her hatten sich um Industriestandorte – wie zum Beispiel Kalk – Menschen unterschiedli-
cher Herkunft angesiedelt, so dass die Bevölkerungsstruktur heute sehr viele internationale
Hintergründe aufweist (teilweise bereits in der 3./4. Generation). Aus der Perspektive des
Amtes für Integration und Vielfalt der Stadt Köln wird angeregt, das Thema der Kriminalität
vom Migrationskontext und seinen Wertestrukturen zu trennen, damit der Masterplan keine
Stigmatisierung betreibt. Stattdessen soll der Masterplan die städtebauliche Vernachlässi-
gung von Orten in der Stadt herausstellen, die zu Hotspots der Unordnung und Kriminalität
verkommen. An solchen Stellen in der Stadt zeigt sich ein „Broken Windows“-Effekt, weil
die Verschmutzung und Vernachlässigung eine Spirale weiterer Vermüllung nach sich zieht,
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 17
und weil die Nutzer dort in der Folge vermehrt unerwünschte Verhaltensweisen zeigen. In
Köln gibt es zu viele solcher verwahrlosten Orte, die für niemanden mehr einen Wert ha-
ben.
Die Gesamtschwerbehindertenvertretung der Stadt Köln unterstützt diesen Blickwinkel und
betont, dass Wegeleitsysteme gebraucht werden, die auf barrierefreie – d.h. im umfassen-
den Verständnis inklusive – Wege führen. Im Umfeld von S-Bahn- und U-Bahnstationen feh-
len oftmals Aufzüge oder sind defekt. Im weiteren Prozess müssen die Bezirksvertretungen,
die Bürgerhäuser und lokalen Bürgerinitiativen mitgenommen und aktiviert werden, damit
die Bewohnerschaft die öffentlichen Räume wieder „zurückerobern“ und beleben kann.
Auch die Gewerbetreibenden müssen gezielt eingebunden und motiviert werden, Verant-
wortung für den öffentlichen Raum im Umfeld ihrer Geschäfte zu übernehmen. Andererseits
muss die Rechtsordnung konsequent durchgesetzt werden, wenn Menschen sich weigern,
ein rechtskonformes Verhalten zu zeigen.
Das Amt für Verkehrsmanagement und öffentliche Beleuchtung regte an, im Masterplan
auch auf die Möglichkeit hinzuweisen, defekte Straßenlaternen in Köln über die Website
der RheinEnergie zu melden: www.rheinenergie.com/defekteleuchte; oder auch über das
städtische Meldeportale „Sags‘ uns“ unter Beleuchtung@Stadt-Koeln.de und Auf dem PC,
Tablet oder Mobiltelefon kann die betroffene Leuchte auf einer Karte direkt markiert wer-
den. Nach dem Versenden des Miniformulars an das RheinEnergie-Team „Öffentliche Be-
leuchtung“ wird die Meldung dort bearbeitet. Bis zum Jahr 2035 wird die gesamte Straßen-
beleuchtung im öffentlichen Raum in Köln auf LED-Technik umgestellt. Diese Leuchtmittel wer-
den smart sein, so dass die Lampen sowohl gedimmt als auch in ihrer Lichtstärke erhöht wer-
den können. Eine mögliche Erhöhung von Lichtstärken an problematischen Orten wie etwa
Hotspots ist in Einklang mit den Interessen der Anwohner zu bringen, die das Licht als Beein-
trächtigung durch Blendungen wahrnehmen könnten..
(4) Schnittstelle privat-öffentlich im Fokus
Das Amt für öffentliche Ordnung der Stadt Köln empfahl, die Schnittstelle zwischen privaten
und öffentlichen Räumen im Masterplan prominent darzustellen. Viele Problembereiche be-
finden sich im Übergang von rechtlich öffentlichen zu öffentlich genutzten Flächen im Privat-
eigentum – wie zum Beispiel die Flächen der Deutschen Bahn (DB) oder der KVB im Umfeld
von Bahnhöfen. Der Stadt Köln sind in diesen Bereichen die Hände gebunden, da sie in das
Privateigentum nicht kriminalpräventiv eingreifen kann. Deshalb sind die Privateigentümer in
belasteten Zonen gezielt in die Entwicklung kriminalpräventiver Maßnahmen einzubezie-
hen. An solchen Orten muss als Konsequenz aber auch die Kontrolldichte erhöht werden,
was personalintensiv ist. Insofern werden dafür mehr Ressourcen benötigt, als sie zurzeit be-
reitgestellt werden.
Aus dem Polizeipräsidium Köln wurde dazu angemerkt, dass die Stadt Köln die DB auf der
Grundlage des Masterplans zu Gesprächen aufzufordern soll, um die Problematik an den
Schnittstellen von rechtlich öffentlichen zu öffentlich genutzten Flächen im Privateigentum –
wie zum Beispiel im Umfeld der Bahnhöfe Ehrenfeld und Trimbornstraße – gemeinsam lösen
zu können.
MaKoS
Verfahren und Erprobung 18
Fazit
• Die erhöhte Kriminalität und Unordnung an Hotspots verweist häufig auf ein Schnitt-
stellenproblem zwischen dem regulären öffentlichen Raum und nur öffentlich genutz-
ten Flächen, die sich im Privateigentum befinden. Im Blickpunkt stehen insbesondere
die Schnittstellen der Stadt mit den Verkehrsinfrastrukturen der DB und der KVB.
• Die Empfehlungen sollen Antworten auf die städtebauliche Vernachlässigung von
Orten in der Stadt und ihre Karriere als Hotspots der Unordnung und Kriminalität ge-
ben.
• Die Ordnungsproblematik der Raumaneignung durch Wohnungslose lässt sich nicht
auf der Ebene der Raumgestaltung lösen. Im Vordergrund stehen Strategien, den Zu-
gang zu den bestehenden Kontakt- und Beratungsstellen für Wohnungslose zu ver-
bessern.
• Eine dialogische Umsetzung des Masterplans Kommunale Sicherheit soll die Bezirks-
vertretungen, die Bürgerhäuser, die lokale Bürgerinitiativen, die Gewerbetreibenden
und die örtlichen Schulen einbeziehen. Für den Dialog mit den Verursachern von Un-
ordnung und Kriminalität werden Sprachmittler gebraucht, die einen Zugang zu den
unterschiedlichen sozialen Milieus und anderssprachigen Communities haben.
• In den Empfehlungen ist eine Balance zwischen dialogorientierten bzw. partizipativ
ausgerichteten Ansätzen der Kriminalprävention und erhöhten, personalintensiveren
Kontrollmaßnahmen zu finden.
Konsequenzen für Gliederung der Empfehlungen
Vor diesem Hintergrund liegt es nahe, die Empfehlungen des Masterplans Kommunale Si-
cherheit nach der folgenden Logik zu strukturieren:
(I.) Empfehlungen zur Gestaltung des öffentlichen Raumes
(II.) Empfehlungen zum Umgang mit problembehafteten Schnittstellen zwischen privaten
und öffentlichen Räumen
(III.) Empfehlungen zum Dialog mit der Wohnbevölkerung und den Gewerbetreibenden
im Allgemeinen sowie mit problemverursachenden Gruppen im Besonderen
(IV.) Empfehlungen zur Erhöhung der formellen Kontrollen
A2. Stufe I: MaKoS-Indikatoren zur Früherkennung
Dem Verfahren des „Masterplans Kommunale Sicherheit“ liegt ein Satz von Indikatoren zu-
grunde, damit es als Frühwarnsystem ausgerichtet werden kann. Mittels der Indikatoren
können in regelmäßigen stadtweiten Analysen frühzeitig diejenigen Stadtgebiete identifi-
ziert werden, in denen einer sich abzeichnenden negativen Entwicklung mit geeigneten
Maßn ahmen der sekundären oder auch tertiären Prävention Einhalt geboten werden kann.
Als Raumbezug für die Analysen wird das Quartier gewählt. Die für Stadtentwicklung zu-
ständigen Ministerinnen und Minister der EU-Mitgliedsstaaten hatten im Dezember 2020 die
Neue Leipzig-Charta verabschiedet. Darin wird neben der Kommune mit ihren funktional zu-
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 19
sammenhängenden Räumen und – übergeordnet – der Region das Stadtquartier als zent-
rale darunter liegende räumliche Handlungsebene hervorgehoben. Mit der Neuen Leipzig-
Charta wird das Ziel verfolgt, das Gemeinwohl durch „verlässliche öffentliche Dienstleistun-
gen der Daseinsvorsorge sowie die Verringerung und Vermeidung von neuen Formen der
Ungleichheit in sozialer, wirtschaftlicher, ökologischer und räumlicher Hinsicht“ zu stärken.
Stadtplanung und Städtebau sollen durch „qualitativ hochwertige, für alle offene und si-
chere öffentliche Räume“ und „gut ausgebaute Infrastrukturen“ die Städte „lebendig“ ma-
chen.
1
Im Folgenden werden die Indikatoren erläutert, die im Rahmen der Erprobung auf der
Grundlage aktueller Daten und unter Bezugnahme auf die statistischen Quartiere in Köln [N
= 570] ausgewertet wurden. Das Modell beinhaltet fünf Indikatoren, von denen vier in der
Erprobungsphase zur Anwendung gebracht wurden:
• Bevölkerungsfluktuation;
• Ordnungswidrigkeiten und soziale Unordnung;
• Erhöhte Häufigkeit von Polizeieinsätzen und Straftaten an Schulen,
• Entwicklung der Straßenkriminalität laut PKS und
• Schwerpunkte der Problemimmobilien.
A2.1 Bevölkerungsfluktuation in den Quartieren
Eine hohe Fluktuation führt im Wohnquartier oft zu einer Verringerung der informellen sozi-
alen Kontrolle. Vor diesem Hintergrund wird das Ausmaß des Bevölkerungswechsels inner-
halb eines Jahres als Indikator im Masterplan Kommunale Sicherheit berücksichtigt. Analy-
siert werden Daten der Bevölkerungsstatistik, mit denen sich das Ausmaß der räumlichen
Migrationsbewegungen erfassen lässt. Folgende Merkmale werden in die Betrachtung ein-
bezogen: (1.) die Bevölkerungszahl am Jahresende; (2.) die Fernfortzüge und Fernzuzüge
während des Jahres (über die deutschen Außengrenze n), (3.) die Fort- und Zuzüge inner-
halb Deutschlands während des Jahres (über die Kölner Stadtgrenzen) und (4.) die Um-
züge innerhalb des Kölner Stadtgebiets. Der Indikator „Fluktuation“ wird gebildet aus der
Summe der internen Umzüge, der Wanderungen über die Kölner Stadtgrenze und über die
deutschen Außengrenzen, die anschließend in die Relation zur Wohnbevölkerung gesetzt
wird. Der Fluktuationsindikator bildet somit alle Zu- und Fortzüge aus Wohnungen eines
Quartiers je 100 Einwohner ab.
Für die Erarbeitung des „Masterplans Kommunale Sicherheit“ stellt die Abteilung Statistik
und Informationsmanagement im Kölner Amt für Stadtentwicklung und Statistik folgende
Merkmale der Bevölkerungsstatistik im Excel-Datenformat – räumlich differenziert nach
neun Stadtbezirken, 86 Stadtteilen und 570 statistischen Quartieren – für zu nennende
Jahre zur Verfügung:
1 Vgl. Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (Hrsg.) (2020). Neue Leipzig-Charta. Die transforma-
tive Kraft der Städte für das Gemeinwohl. Verabschiedet beim Informellen Ministertreffen Stadtentwicklung im
Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft am 30. November 2020, Berlin, S.3.
MaKoS
Verfahren und Erprobung 20
• A0409A – Fortzüge nach unbekannt
• A0409S – Fortzüge nach unbekannt je 100 Einwohner/innen
• A0410A – Zuzüge aus Deutschland
• A0410S – Zuzüge aus Deutschland je 100 Einwohner/innen
• A0412A – Zuzüge aus dem Ausland
• A0412S – Zuzüge aus dem Ausland je 100 Einwohner/innen
• Binnenwanderungen (Zu- und Fortzüge)
• Binnenwanderungen (Zu- und Fortzüge) je 100 Einwohner/innen
• A0413A – Auslandswanderungen (Zu- und Fortzüge)
• A0413S – Auslandswanderungen (Zu- und Fortzüge) je 100 Einwohner/innen
• A0414A – Inlandswanderungen über die Stadtgrenze (Zu- und Fortzüge)
• A0414S – Inlandswanderungen über die Stadtgrenze (Zu- und Fortzüge) je 100 Ein-
wohner/innen
• A0012S – Zu- und Fortzüge je 100 Einwohner/innen [Schlüsselmerkmal]
Quelle: Abteilung „Statistik und Informationsmanagement“ im Kölner Amt für Stadtentwick-
lung und Statistik; Zeitraum: das jeweils vorangegangene Jahr.
A2.2 Ordnungswidrigkeiten und soziale Unordnung in den Quartieren
Ein überdurchschnittliches Niveau von Ordnungswidrigkeiten zeigt eine Verletzung allge-
meiner Verhaltensregeln und -normen an, die noch nicht den Status von Kriminalität aufwei-
sen. In diesen Fällen sind Maßnahmen der sekundären Prävention notwendig.
Das Bündel der Indikatoren zur „Unordnung“ besteht aus fünf Ordnungswidrigkeiten, die in
der Kölner Stadtordnung von 2017 (KSO) definiert wurden:
• Verunreinigung von öffentlichen Flächen mit Müll und Abfällen (§ 3 KSO);
• Ruhestörungen (§ 8 KSO);
• störendes Verhalten in der Öffentlichkeit (§ 11 KSO) wie verschiedene Formen des
Bettelns, wiederkehrende Ansammlungen von Personen, die den Raum verunreinigen
oder Passanten belästigen, Verrichten der Notdurft und Störungen in Verbindung mit
Alkohol- oder Drogenkonsum;
• Fehlverhalten auf öffentlichen Spiel- und Bolzplätzen (§ 25 KSO) und
• „nicht sachgemäßes“ Grillen (§ 26 KSO).
Für die fünf Merkmale werden die räumlichen Hotspots erfasst, an denen die Ordnungswid-
rigkeiten und Formen sozialer Unordnung einerseits in überdurchschnittlicher Weise und an-
dererseits kontinuierlich wiederkehrend stattfinden.
Für die Erarbeitung des „Masterplans Kommunale Sicherheit“ stellt das Sachgebiet Außen-
dienst des Ordnungsdienstes im Amt für öffentliche Ordnung Informationen zur Verfügung,
an welchen Orten in Köln in den beiden vergangenen Jahren besonders hohe Belastungen
durch die genannten Ordnungswidrigkeiten zu verzeichnen waren.
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 21
Quelle: Sachgebiet Außendienst des Ordnungsdienstes im Amt für öffentliche Ordnung;
Zeitraum: die beiden jeweils vorangegangenen Jahre.
A2.3 Polizeieinsätze und Straftaten an Kölner Schulen
Ein hohes Konfliktniveau in Schulen zeigt anomische Tendenzen an, d.h. einen möglichen
Zustand fehlender oder schwacher Einhaltung von Regeln und Normen im Schulalltag.
Wenn präventiv daran angesetzt wird, könnte frühzeitig Straftaten vorgebeugt werden, die
ansonsten im weiteren Heranwachsen der jungen Menschen virulent werden können.
Vor diesem Hintergrund wertet das Polizeipräsidium Köln die Häufigkeiten der polizeilichen
Einsätze an den Standorten von Schulen aus. In Köln kommen in Betracht:
• 13 Hauptschulen,
• 20 Gesamtschulen,
• 23 Förderschulen,
• 24 Realschulen,
• 41 Gymnasien.
Die Schülerinnen und Schüler der Haupt- und Gesamtschulen stammen in der Regel aus dem
Stadtteil. Obwohl sich das Einzugsgebiet der Realschulen und Gymnasien über die gesamte
Stadt und bis in die Nachbargemeinden erstreckt, werden diese Schulen ebenfalls in die
Analyse einbezogen, weil auch daraus Erkenntnisse gewonnen werden können. Das Kölner
Amt für Schulentwicklung hatte empfohlen, auch die Förderschulen in die Analyse einzube-
ziehen. Nicht berücksichtigt werden die Berufskollegs, weil sie berufliche Qualifikationen
vermitteln.
Die Auswertung erfolgt durch das Kölner Polizeipräsidium im Rahmen des Einsatzleitsystems
CEBIUS (Akronym: Computer Einsatz Bearbeitungs-, Informations- und Unterstützungs-Sys-
tem). Es wird in der zentralen Leitstelle zur Annahme und Überprüfung der Informationen
benutzt, die unter dem Notruf 110 eingehen. Als Analysefokus fungiert allein die Schula-
dresse. Straßenabschnitte, die das Schulareal umgeben, werden ausgeschlossen. Die Aus-
wertung der CEBIUS-Daten wird auf folgenden Indikator fokussiert: stark überdurchschnittli-
che Häufigkeit der polizeilichen Einsätze an Schulstandorten. Als Auswahlkriterium gilt, dass
in den Beobachtungsjahren mindestens das Zweifache der durchschnittlichen Zahl von Poli-
zeieinsätzen an Kölner Schulen vorgelegen haben muss.
Ergänzend werden für die beiden vergangenen Jahre schulbezogene Daten der Polizeili-
chen Kriminalstatistik analysiert:
• die Delikte am Schulstandort als Tatort,
• die Delikte im Schulbetrieb und
• die – im Kontext des Schulstandortes – erfassten tatverdächtigen Kinder und Jugend-
lichen.
MaKoS
Verfahren und Erprobung 22
Für diese Vertiefung stellt das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen die genannten PKS-
Merkmale im Excel-Datenformat – räumlich differenziert nach den sechs Kölner Polizeiin-
spektionen – jahresbezogen zur Verfügung.
Quellen: CEBIUS-Ergebnisse des Kölner Polizeipräsidiums; PKS-Daten des Landeskriminal-
amtes Nordrhein-Westfalen [LKA NRW].
A2.4 Entwicklung der Straßenkriminalität laut PKS
Im Gegensatz zu den Ordnungswidrigkeiten, die auch als Incivilities2 bezeichnet werden,
stellen Delikte der Straßenkriminalität objektiv schwerere, rechtswidrige Verletzungen von
Gesetzen und Normen im öffentlichen Raum dar. Mit dem Indikator der Straßenkriminalität
sollen Stadträume identifiziert werden, in denen ein überdurchschnittliches Niveau solcher
Straftaten festgestellt wurde. Für besonders belastete Räume sind Maßnahmen der sekundä-
ren und tertiären Prävention in Betracht zu ziehen.
Laut Polizeilicher Kriminalstatistik repräsentieren folgende 16 Deliktarten die Merkmale der
Straßenkriminalität:
• sexuelle Belästigung;
• Handtaschenraub;
• sonstige Raubüberfälle auf Straßen, Wegen oder Plätzen ;
• gefährliche und schwere Körperverletzung auf Straßen, Wegen oder Plätzen ;
• sonstiger „einfacher“ Diebstahl;
• Diebstahl von Kraftwagen;
• Diebstahl von Mopeds und Krafträdern;
• Diebstahl von Fahrrädern;
• einfacher Ladendiebstahl;
• Wohnungseinbruchdiebstahl;
• Diebstahl an/aus Kraftfahrzeugen;
• Sachbeschädigung an Kraftfahrzeugen;
• sonstige Sachbeschädigung auf Straßen, Wegen oder Plätzen ;
• Taschendiebstahl;
• Rauschgiftkriminalität;
• Widerstand gegen und tätlicher Angriff auf die Staatsgewalt, Straftaten gegen die
öffentliche Ordnung (inkl. Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte / tätlicher An-
griff auf Vollstreckungsbeamte).
2 Mit dem Begriff der „Incivilities“ werden im kriminologischen Fachdiskurs urbane Erscheinungen der Unord-
nung (Disorder) bezeichnet, die aus abweichendem Verhalten resultieren – wie z.B. Drogenkonsum, Betteln und
Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit. Das Sp ektrum reicht über verwahrloste Wohngebäude, Graffiti und herum-
liegende Abfälle bis zu Personengruppen, die sich ziel- und planlos im öffentlichen Raum versammeln.
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 23
Im Indikator „Straßenkriminalität“ werden diese Merkmale zusammengefasst. Dazu wird
die Summe der Straftaten dieser Merkmale gebildet und in die Relation zur Wohnbevölke-
rung gesetzt. Aus dem Indikator wird als Index gebildet, wie viele Ereignisse der Straßenkri-
minalität rechnerisch auf einen Einwohner des Quartiers entfallen. Ein zweiter Index veran-
schaulicht, ob die Kriminalität im Lauf der Betrachtungsjahre in den Kölner Quartieren zu-
oder abgenommen hat.
Für die Erarbeitung des „Masterplans Kommunale Sicherheit“ stellt das Landeskriminalamt
Nordrhein-Westfalen die genannten PKS-Merkmale im Excel-Datenformat – räumlich diffe-
renziert nach den 570 Kölner statistischen Quartieren – für definierte Jahre zur Verfügung.
Quelle PKS: Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen [LKA NRW]. – Quelle der verwende-
ten Einwohnerzahlen: Abteilung „Statistik und Informationsmanagement“ im Kölner Amt für
Stadtentwicklung und Statistik.
A2.5 Schwerpunkte der Problemimmobilien in den Stadtquartieren
Bei der Durchsuchung von Problemimmobilien werden immer wieder Rechtsverstöße zu
Tage gefördert. Einerseits stellen oft die Vermietungsbedingungen ein kriminelles Geschäfts-
feld dar; andererseits ziehen die informellen Wohnverhältnisse Personengruppen an, die
teilweise ein abweichendes Verhalten zeigen. Die Standorte von Problemimmobilien können
in Anlehnung an den Ansatz der „Broken Windows“ als Hinweis auf vernachlässigte Orte
interpretiert werden.
Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung beschreibt die Problematik folgender-
maßen:
3
• „Eine Problemimmobilie ist eine nicht angemessen genutzte und/oder bauliche Miss-
stände (Verwahrlosung) aufweisende Liegenschaft, die negative Ausstrahlungsef-
fekte auf ihr Umfeld verursachen kann und die eine Gefahr für die öffentliche Sicher-
heit und Ordnung darstellt oder den geltenden Vorschriften zu Umgang, Nutzung
und Bewirtschaftung nicht entspricht oder städtebaulichen Entwicklungszielen bzw.
wohnungspolitischen Zielsetzungen nicht entspricht“.
• Es handelt sich einerseits um (langfristig) leerstehende Wohnimmobilien, die auf-
grund ihres schlechten baulichen Zustandes nicht (mehr) bewohnbar sind. (Die Kenn-
zeichen baulicher Mängel und einer ausbleibenden Instandhaltung durch den Eigen-
tümer sind: z.B. herabfallender Putz, defekte Haustür, fehlende Scheiben, schadhaf-
tes Dach, Schäden an der Elektro- oder Sanitärinstallation, Wasserschäden, gesund-
heitsgefährdende Schimmelbildung, fehlende Sicherung von Hauseingangs- und Kel-
lertüren etc.).
• Andererseits stehen Wohnimmobilien im Blickpunkt, die infolge einer Überbelegung
übernutzt werden, in denen gravierende Mängel in der Ausstattung bestehen und in
3 Vgl. BBSR / Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (Hrsg.): Leitfaden zum Umgang mit Problemim-
mobilien. Bonn, 2020, ISBN 978-3-87994-255-8, S. 21.
MaKoS
Verfahren und Erprobung 24
denen notwendige Instandsetzungsmaßnahmen nicht stattfinden. In vielen Großs täd-
ten spielen die zugrundeliegenden Vermietungskonzepte im Wohnungsbestand –
wie z.B. die Vermietung der Wohnungen über Mittelsmänner oder die zimmerweise
Vermietung an Armutsmigranten – eine Rolle. Die privaten Einzeleigentümer, WEG-
Wohnungseigentümergemeinschaften oder Erbengemeinschaften, die solche skrupel-
losen Bewirtschaftungsstrategien verfolgen, sind nur erschwert oder gar nicht für
eine direkte Ansprache erreichbar.
Vor diesem Hintergrund eignet sich der Blick auf Standorte von Problemimmobilien als Indi-
kator für den Masterplan Kommunale Sicherheit. Dazu müsste in Köln erhoben werden, in
welchen Stadtquartieren Immobilien festzustellen sind, die den o.g. Zuständen entsprechen.
Allerdings ist dazu ein Austausch zwischen verschiedenen Fachbereichen der Kölner Stadt-
verwaltung erforderlich, weil die Thematik nur interdisziplinär aufgeklärt werden kann.
Denn das Sachgebiet Zweckentfremdung, Wohnungsaufsicht, Mietpreiskontrolle im Amt für
Wohnungswesen kümmert sich um Einzelfälle, in denen der Zustand und die Ausstattung ei-
ner Wohnung nicht den gesetzlichen Mindeststandards entsprechen oder in denen Wohn-
raum zweckentfremdet genutzt wird. Dabei geht es im Regelfall um einzelne Wohnungen,
nicht um komplette Immobilien oder gar ihr Umfeld. Das Amt für Wohnungswesen sorgt vor
diesem Hintergrund dafür, dass der gesetzliche Mindeststandard einer Wohnung wiederher-
gestellt bzw. eine festgestellte Zweckentfremdung von Wohnraum beendet wird.
Bisher hat kein Fachbereich der Kölner Stadtverwaltung die Aufgabe, „Problemimmobilien“
zu identifizieren. Vor dem Hintergrund der o.g. Definition des BBSR ist eine Definition zu
entwickeln, die der besonderen Situation eines angespannten Wohnungsmarktes in der
Stadt Köln gerecht wird. Da eine entsprechende interdisziplinäre Abstimmung zwischen Köl-
ner Fachbereichen zur Thematik der Problemimmobilien erst noch erfolgen muss, kann die-
ser Indikator vorerst nicht zur Anwendung gebracht werden.
A2.6 Systematik der Indikatoren: „Eisberg der Unsicherheit“
Metaphorisch bilden die fünf Indikatoren insgesamt den „Eisberg der Unsicherheit“ ab (vgl.
Abbildung 3): Die Eisbergspitze oberhalb der Wasseroberfläche (siehe gestrichelte Linie)
wird durch den Indikator der strafbewehrten Straßenkriminalität repräsentier t, die öffentlich
im Rahmen der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik (PKS) dokumentiert wird. Unterhalb der
Wasseroberfläche befinden sich die Indikatoren, die nur indirekt – d.h. teilweise visuell im
Straßenraum, teilweise strukturell anhand der demograph ischen Statistik und teilweise nur
von Insidern der Institutionen – wahrgenommen werden können. Es handelt sich dabei um
Zeichen der Unordnung (d.h. von Verwahrlosungen des Stadtraumes), um eine mangelhafte
Verantwortungsübernahme der Bewohnerschaft für das Wohnumfeld infolge einer geringen
Ortsbindung, die durch eine hohe Bevölkerungsfluktuation ausgelöst wird, und um Konflikte
im Sozialisationsprozess von Kindern und Jugendlichen.
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 25
Eigene Darstellung
Abbildung 3: Indikatoren als Repräsentation des „Eisbergs der Unsicherheit“
A3. Stufe II: Workshop zur Bewertung der Ergebnisse
Auf der zweiten Stufe wird die Methode des „moderierten Workshops“ eingesetzt, um ei-
nen interdisziplinären Austausch zur Bewertung der Ergebnisse zu generieren, die aus der
Analyse der Indikatoren gewonnen wurden.
A3.1 Konzept für den raumbezogenen Workshop
Die raumbezogenen Ergebnisse der Indikatorenanalyse werden in einem Workshop bewer-
tet, zu dem die lokalen Expertinnen und Experten der Kriminalprävention sowie Schlüssel-
personen der Kölner Stadtverwaltung eingeladen werden. Die Konzeption des Ablaufpla-
nes sieht einen Zeitbedarf von rund drei Stunden vor (vgl. Tabelle 1). Nach einer intensiven
Reflektion der vorgelegten Tabellenanalysen werden die Teilnehmenden angeregt, eine
Reihe von Quartieren ausgewählt, in denen die Sicherheitslage – auf Basis des Ergebnispro-
fils der Indikatoren-Analyse – eine vertiefte Betrachtung erfordert. In den ausgewählten Ge-
bieten wird in der dritten Stufe in tiefenschärferen Untersuchungen herausgearbeitet, welche
Maßnahmen zur Verringerung der Straßenkriminalität und der affektiven Kriminalitätsfurcht
beitragen können.
Indikator: objektive
Straßenkriminalität
Indikator: Polizeieinsätze
im Umfeld der lokalen Schulen /
Sekundarstufe I [Regeldevianz]
Indikator: Unordnung durch Müll
[Incivilities]
Indikator: Problemimmobilien [Broken Windows]
Indikator: Fluktuation [geringe Ortsbindung]
MaKoS
Verfahren und Erprobung 26
Tab.1: Ablaufplan für den raumbezogenen Workshop
Zeit Ziel Inhalt Methode Moderation
00:00 Begrüßung und Einleitung Ziele des Masterplans: (1) Status-Quo-Bericht zur Sicherheitssitua-
tion in Köln; (3) Austausch mit den relevanten Kölner Stakeholdern
über den Handlungsbedarf; (4) Ableitung kurzfristig umsetzbarer
Maßnahmen .
Vorstellung des Workshop-Programms
Kurze Vorstellungsrunde: Name und Institution
Impulse
N.N.
00:15 Vermittlung von Ergebnissen Präsentation des Indikatoren-Modells und Vermittlung der Kerner-
gebnisse der Indikatoren-Analyse
Folienpräsentation N.N.
00:45 Sammlung von Einschätzun-
gen
Leitfragengestützte Bewertung der vorgestellten Ergebnisse
• Wie bewerten Sie die mit dem Indikatorenmodell erzielten Er-
gebnisse über die Sicherheitssituation in den Kölner Quartie-
ren?
• Welche Rückschlüsse ziehen Sie für Strategien der Kriminal-
prävention?
Rundgespräch mit visuel-
lem Protokoll auf Zwei-
Felder-Tafel
(a) Bewertung
(b) Rückschlüsse
Befestigung auf Pinn-
wand 1
N.N.
01:00 Vertiefung: Vorschläge für
Konsequenzen
Differenzierung der identifizierten Teilräume
(1.) Welche der identifizierten belasteten Kölner Teilräume stehen
bereits im Fokus von Maßnahmen der Kriminalprävention?
(2.) Welche stehen bisher noch nicht im Fokus?
Bedarf der Weiterentwicklung von Präventionsstrategien und -in-
strumenten
(3.) Welche Kölner Teilräume sollten – im Sinn einer Früherken-
nung – für vertiefende Analysen priorisiert und ausgewählt
werden?
(4.) Welche Handlungsansätze – der polizeilich-repressiven Inter-
vention und der kommunalen sowie zivilgesellschaftlichen Prä-
vention – sind dort bereits etabliert?
(5.) Welche weiteren Handlungsansätze müssen ergänzt und auf
die spezifischen Deliktprofile zugeschnitten werden?
Ad (1 & 2): Abfrage auf
Zuruf à Protokoll Pinn-
wand 2
Bildung Nachbarcluster
von 2 bis 3 Personen zur
Klärung von (3) bis (5)
Ad (3 bis 5): Kartenab-
frage à Clustern auf
Pinnwand 3 und 4
N.N.
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 27
01:45 Kurze Pause
02:00 Entscheidung Auswahl von Quartieren, die im weiteren Verfahren vertieft be-
trachtet werden sollen
Auszählung der (drei) Quartiere, die in der Abstimmung priorisiert
und für vertiefende Analysen ausgewählt wurden
Mehr-Punkt-Abfrage à
Protokoll Pinnwand 1
(Rückseite)
N.N.
Klärung Abfrageergebnis Aufklärung der Gründe für die Punktvergabe
Sammlung von Empfehlungen: Was sollen wir beim weiteren Vor-
gehen berücksichtigen?
Diskussion mit visuellem
Protokoll auf dem Flip-
Chart
N.N.
02:45 Fazit Zusammenfassung der Ergebnisse Kurzbericht N.N.
Blitzlicht Stimmungsbild der Teilnehmenden Feedbackrunde N.N.
Verabschiedung Hinweise zum Umgang mit den Ergebnissen und zum Versand des
Protokolls
Schlusswort N.N.
03:00 Ende Schluss des Workshops
Tab.2: Ablaufplan für den schulbezogenen Workshop
Zeit Ziel Inhalt Methode Moderation
00:00 Begrüßung und Einleitung Ziele des Masterplans: (1) Status-Quo-Bericht zur Sicherheitssitua-
tion in Köln; (3) Austausch mit den relevanten Kölner Stakeholdern
über den Handlungsbedarf; (4) Ableitung kurzfristig umsetzbarer
Maßnahmen .
Vorstellung des Workshop-Programms
Kurze Vorstellungsrunde: Name und Institution
Impulse
N.N.
00:15 Vermittlung von Ergebnissen Präsentation des Indikatoren-Modells und Vermittlung von Kerner-
gebnissen der Indikatoren-Analyse
Folienpräsentation N.N.
01:00 Sammlung von Einschätzun-
gen
Leitfragengestützte Bewertung der vorgestellten Ergebnisse
• Wie bewerten Sie die mit dem Indikatorenmodell erzielten Er-
gebnisse über die Sicherheitssituation in Kölner Schulen?
Rundgespräch mit visuel-
lem Protokoll auf Zwei-
Felder-Tafel
(c) Bewertung
(d) Belastungen
N.N.
MaKoS
Verfahren und Erprobung 28
• Welchen besonderen Belastungen unterliegt in Ihrem Schulall-
tag die Sicherheitssituation? Deckt sich die [laut PKS] Zunahme
der Rohheitsdelikte mit Ihrer Beobachtung?
Ausgangssituation und Erwartungen:
• Verfügen Sie über ein „Sicherheitskonzept der Schule“? Wel-
che Maßnahmen der Kriminalprävention bringen Sie im Schul-
alltag zur Anwendung?
• Was erwarten Sie vom „Masterplan Kommunale Sicherheit“?
Wie könnte er zur Verbesserung der Sicherheitssituation in
den Schulen beitragen?
Befestigung auf Pinn-
wand 1
Fortsetzung mit weiterer
Zwei-Felder-Tafel
(e) Sicherheitskonzept
(f) Erwartungen
Befestigung auf Pinn-
wand 2
01:45 Kurze Pause
02:00 Vertiefung: Vorschläge für
Konsequenzen
Frage 1 à Schulinterne Kooperation
(6.) Wie können die Schulleitung, der Lehrkörper, die Schulsozial-
arbeit, Fachkräfte der Stadtverwaltung und die Polizei zusam-
menarbeiten, damit die Bewältigung der Probleme in den
Schulen besser gelingt?
(7.) Welche Verfahren der schulinternen Kooperation schlagen Sie
vor, damit die Lage besser bewältigt werden kann?
Frage 2 à Schulexterne Kooperation
(8.) Wie sollten Wege der schulexternen Kooperation ausgebaut
werden und welche Anlauf-/Kontaktpunkte werden gebraucht,
um die Schulen besser zu unterstützen?
(9.) Welche Ansätze und Projektformate der Kriminalprävention
halten Sie in Ihren Schulen für notwendig? Welche Unterstüt-
zung brauchen Sie dabei?
Bildung Nachbarcluster
von 2 bis 3 Personen zur
Klärung
Ad (1 & 2): Abfrage auf
Zuruf à Protokoll Pinn-
wand 3
Ad (3 bis 5): Kartenab-
frage à Clustern auf
Pinnwand 3 und 4
N.N.
02:45 Fazit Zusammenfassung der Ergebnisse Kurzbericht N.N.
Blitzlicht Stimmungsbild der Teilnehmenden Feedbackrunde N.N.
Verabschiedung Hinweise zum Umgang mit den Ergebnissen und zum Versand des
Protokolls
Schlusswort N.N.
03:00 Ende Schluss des Workshops
MaKoS
Verfahren und Erprobung 29
A3.2 Konzept für den schulbezogenen Workshop
Die Einladungen zum schulbezogenen Workshop zielen auf Akteure, die innerhalb der
Schulen und in deren Umfeld tätig sind. Anzustreben ist ein Austausch unter: Lehrkräften
und Fachkräften der Schulsozialarbeit aus belasteten Kölner Förderschulen, Gesamtschulen
und weiteren Schulformen; Schlüsselpersonen des Kölner Amts für Schulentwicklung; Vertre-
tungen der Bezirksjugendämter, des Schulamts für die Stadt Köln (als untere staatliche
Schulaufsichtsbehörde) und des Schulpsychologischen Dienstes der Bezirksregierung Köln;
Vertretungen der Jugendgerichtshilfe der Stadt Köln und des Hauses des Jugendrecht; so-
wie des Kölner Polizeipräsidiums [Bezirksdienste und PeRiskoP/Früherkennung und Umgang
mit Personen mit Risikopotenzial]. Die Konzeption des Ablaufplanes sieht einen Zeitbedarf
von rund drei Stunden vor (vgl. Tabelle 2). Nach einer intensiven Reflektion der vorgeleg-
ten Tabellenanalysen werden die Teilnehmenden angeregt zu klären, wie Wege der schul-
externen Kooperation ausgebaut werden können, um die Schulen besser zu unterstützen,
und welche Ansätze der Gewaltprävention in den Schulen umgesetzt werden sollen.
A3.3 Anforderungen der Moderationsmethode
Die Moderationsmethode stellt besondere Anforderungen an den Raum. So wird empfoh-
len, die Tische in U-Form anzuordnen. Von besonderer Bedeutung ist auch eine angemes-
sene Ausstattung. Benötigt werden: ein Beamer bzw. eine entsprechende Technik mit einer
Projektionsfläche – außerdem: vier Pinnwände, ein Flipchart und ein vollständig gefüllter
Moderationskoffer. (vollständig gefüllt bedeutet: eine hinreichende Zahl von mehrfarbigen
Moderationskarten (grün, gelb/orange, hellblau), schwarzen Filzschreibern (mindestens
30) und von roten Klebepunkten im Durchmesser von 20 mm für die Mehr-Punkt-Abfrage
(mindestens 10 Punkte je teilnehmender Person).
A4. Stufe III: Vertiefende empirische Untersuchungen in ausge-
wählten Quartieren
Für die dritte Stufe wurde ein Instrumentarium zusammengestellt, das vertiefende empirische
Untersuchungen ermöglicht, auf deren Grundlage Empfehlungen abgeleitet werden können,
wie sich die lokale Sicherheitssituation verbessern und die affektive Kriminalitätsfurcht in be-
stimmten Bevölkerungskreisen verringern lässt (vgl. Abbildung 4).
Methodisch erfolgt dies im Rahmen von Quartiersbegehungen, von Gesprächen mit Quar-
tiersakteuren und von Beobachtungen des öffentlichen Lebens. Im Rahmen der Quartiersbe-
gehungen kommt ein Kriterienkatalog zur architektonischen und städtebaulichen Quartiers-
gestaltung zur Anwendung, um die qualitative Erfüllung von Schlüsselkriterien raumbezogen
zu bewerten. Die Gespräche mit Schlüsselpersonen des Quartiers dienen dazu, einerseits
Entwicklungsperspektiven für die Verbesserung der Sicherheitssituation im Quartier zu er-
kunden und andererseits mit Blick auf das Zusammenleben die Maßnahmen zur Befähigung
MaKoS
Verfahren und Erprobung 30
eigenverantwortlichen Handelns und zur Förderung der sozialen Kohäsion im Quartier zu
beleuchten.
Eigene Darstellung
Abbildung 4: Instrumentelle Perspektiven auf der dritten Stufe des Masterplans
A4.1 Methodisches Profil der vertiefenden Raumanalysen
Das Instrumentarium der vertiefenden empirischen Untersuchungen entspricht in methodolo-
gischer Hinsicht den Anforderungen der „Triangulation“. Mit dem Begriff der Triangulation
wird die Betrachtung eines Untersuchungsgegenstandes über mindestens zwei voneinander
unabhängige methodische Zugänge bezeichnet. 4 In den vertiefenden Untersuchungen wer-
den fünf Daten miteinander kombiniert, die aus unterschiedlichen Quellen und Perspektiven
gewonnen werden.
Folgender Instrumentenkatalog wird in den ausgewählten Quartieren eingesetzt (vgl. Abbil-
dung 4):
• Auswertung von – nach Straßen differenzierte n – Daten der Polizeilichen Kriminal-
statistik (PKS) zur Identifizierung der lokalen Hotspots für Straßenabschnitte und
Plätze in den Quartieren nach relevanten Deliktarten.
• Bewertung der Raum- und Beleuchtungsqualitäten bzw. der Tatgelegenheitsstruktu-
ren im Rahmen von Audits der städtebaulichen Kriminalprävention nach fünf Katego-
rien: (1) räumliche An-/Zuordnung und gestalterische Klarheit; (2) Aufenthaltsquali-
täten im Freiraum [inkl. Rückzugsorte]; (3) Orientierung, Transparenz, Sichtachsen
und Wegeführung; (4) Abstellmöglichkeiten und Möblierung sowie (5) Beleuchtungs-
situation im Dunkeln.
4 Vgl. Flick, Uwe (2011). Triangulation – eine Einführung. Wiesbaden: VS Verlag.
Hotspots der
Straßenkriminalität
im Quartier
Audits der städtebaulichen
Kriminalprävention
Interviews mit Passanten über affektive und
konative Kriminalitätsfurcht
Hintergrundinformationen im Gespräch mit lokalen
Stakeholdern
Beobachtungen im öffentlichen Raum zur Abbildung des
Nutzungsverhaltens
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 31
• Gespräche mit Personen im öffentlichen Raum im Rahmen von Passanteninterviews
zur Erkundung des Niveaus der subjektiven Sicherheitswahrnehmung [Kriminalitäts-
furcht] und zur Bewertung der informellen bzw. formellen Kontroll-Strukturen.
• Hintergrundinformationen im vertieften Austausch mit Schlüsselpersonen von lokalen
Stakeholdern und
• Beobachtungen im öffentlichen Raum zur Abbildung des Nutzungsverhaltens sowie
der Aktivitäten und zur Übereinstimm ung der gebauten Umwelt mit den Nutzungsan-
forderungen.
A4.2 Lokale Hotspots der Straßenkriminalität laut PKS
Im Rahmen der Indikatoren-Analyse auf der ersten Stufe werden die Quartiere identifiziert,
in denen ein überdurchschnittliches Niveau von Straftaten der Straßenkriminalität herrscht.
Erfahrungsgemäß verteilen sich die Delikte der Straßenkriminalität nicht gleichmäßig über
die Straßen in einem Quartier – die Straftaten bündeln sich stattdessen an wenigen Orten.
Im Schritt III werden daher Daten der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) vertieft ausgewer-
tet, um transparent zu machen, in welchen Straßen und an welchen Orten sich die Schwer-
punkte der Straftaten befinden. In den ausgewählten Quartieren sollen die Straßenab-
schnitte und Plätze, die als lokale Hotspots angesehen werden können, – differenziert nach
relevanten Deliktarten – identifiziert werden.
A4.3 Audits der städtebaulichen Kriminalprävention
Die Audits erfolgen im Rahmen systematischer Begehungen durch die Straßen der ausge-
wählten Quartiere. Dabei kommen Kriterien der architektonischen und städtebaulichen
Quartiersgestaltung sowie der Beleuchtung zur Anwendung: Bewertet werden:
• die räumliche An-/Zuordnung sowie gestalterische Klarheit,
• die Aufenthaltsqualitäten im öffentlichen Raum,
• die Orientierung, Transparenz, Sichtachsen sowie Wegeführung,
• die Abstellmöglichkeiten sowie die Möblierung im öffentlichen Raum und
• die Beleuchtungssituation in den späten Abendstunden.
Als instrumentelle Grundlage dient der „Leitfaden Lebenswertes Quartier“, den die Sicher-
heitspartnerschaft im Städtebau in Niedersachsen im Sommer 2023 veröffentlicht
(https://www.sipa-niedersachsen.de/html/download.cms?id=47) und in zwei Städten er-
probt hatte (https://www.sipa-niedersachsen.de/html/download.cms?id=46).
Den Kriterien liegt der Ansatz der „situativen Kriminalprävention“ zugrunde, in dem durch
die Gestaltung des Stadtraums sowohl das Sicherheitsgefühl der Bewohner gestärkt als
auch zur Vermeidung von Straftaten beigetragen werden kann. Im Allgemeinen soll die prä-
ventive Stadtgestaltung menschliches Verhalten im Raum positiv beeinflussen und kritische
Verhaltensweisen oder Ereignisse verhindern. Unter der Bewohnerschaft von Quartieren soll
durch die städtebaulichen, architektonischen und freiraumarchitektonischen Planungen die
MaKoS
Verfahren und Erprobung 32
natürliche (informelle) soziale Kontrolle gefördert werden. Die Gestaltungsansätze reichen
exemplarisch:
• von einer räumlichen Anordnung der Gebäude mit Fenstern zur Straße und zum
Fußweg , so dass viele Augen auf das Wohnumfeld gerichtet sind, und
• einer Sicherheit fördernden Wegeführung mit Sichtachsen, Transparenz und Blickbe-
ziehungen im öffentlichen und halböffentlichen Raum
• über eine kleinteilige Zonierung des Siedlungsraumes mit gut erkennbaren Grenzen,
Markierungen und symbolischen Barrieren und
• über sozial kontrollierte Parkplätze für Kraftfahrzeuge und Abstellmöglichkeiten von
Fahrrädern
• bis hin zu einer Gestaltung von attraktiven Freiräumen mit einer hohen Aufenthalts-
qualität und
• einer angenehmen Beleuchtung des öffentlichen Raums in den Abend- und Nacht-
stunden.
Solche positiven Effekte unterbleiben, wenn zum Beispiel:
• Gebäude und Straßenzüge unzureichend beleuchtet sind,
• der öffentliche Raum nur eingeschränkt aus den angrenzenden Häusern einsehbar ist
und unübersichtlich strukturiert ist,
• die Parkplätze von den Gebäuden isoliert sind und nicht von Wohnungen sichtbar
sind oder
• nicht einsehbare Bereiche eine illegale Abfallentsorgung und Verschmutzung in sol-
chen Ecken ermöglichen.
Der partizipative Einbezug und vor allem das Engagement von Bürgerinnen und Bürgern
stärken das Sicherheitsgefühl und fördern die Verantwortlichkeit im Wohnumfeld, sich um
die Einhaltung von Ordnung und Sauberkeit zu kümmern.
A4.4 Passanteninterviews im öffentlichen Raum
Vor Ort im Quartier werden die Perspektiven der Bewohnerinnen und Bewohner sowie der
Nutzerinnen und Nutzer in einer Interviewform gesammelt. Das Instrument der „Passanten-
befragung“ wird genutzt, um einerseits die Informationen aus dem Kreis von vor Ort ange-
troffenen Personen als qualitativen Kontrast zu den Ergebnissen der Auditbögen verwenden
zu können, vor allem aber um andererseits Hinweise zu Ausprägungen der affektiven und
konativen Kriminalitätsfurcht sowie zu deren Gründen zu bekommen.
A4.5 Hintergrundgespräche mit lokalen Stakeholdern
Als Ergänzung zu den Beobachtungen im Rahmen der Audits der städtebaulichen Kriminal-
prävention und der Befragung von Passanten im öffentlichen Raum der Straßen sowie im
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 33
Bahnhofsbereich werden auch einige Gespräche mit Schlüsselpersonen lokaler Stakeholder
geführt, um den Hintergrund aus verschiedenen professionellen Perspektiven auszuleuchten.
A4.6 Beobachtungen zur Abbildung von Nutzungsverhalten
Neben der Raumbewertung im Rahmen der Audits der städtebaulichen Kriminalprävention
und den Hintergrundgesprächen mit lokalen Stakeholdern kommt auch die Methode der teil-
nehmenden Beobachtung zum Einsatz, um die Nutzungsstrukturen bestimmter Quartiersbe-
reiche abzubilden. Mit der Methode der verdeckt teilnehmenden Beobachtung wird erfasst,
wie „lebendig“ ein Quartier ist und welche Konflikte im Alltag bestehen. Ein reges Leben im
öffentlichen Raum gilt als eine Voraussetzung, dass Menschen sich dort sicher fühlen. In An-
lehnung an die Methodik des dänischen Stadtplaners Jan Gehls werden mit einem „Be-
obachtungsbogen“ die Nutzerinnen und Nutzer an spezifischen Orten gezählt und die Nut-
zungsformen dokumentiert.5 Außerdem werden wahrnehmbare Nutzungsspuren wie nut-
zungsbedingte Erosionen und Nutzungszeichen im (halb-) öffentlichen Raum dokumentiert
5 Gehl, Jan & Svarre, Birgitte (2013). How To Study Public Life. Washington: Island Press.
MaKoS
Verfahren und Erprobung 34
Teil B: Erprobung des Masterplan-Verfahrens
B1. Erprobung der Indikatoren der Früherkennung
B1.1 Kölner Räume mit hoher Bevölkerungsfluktuation
In Quartieren mit einer sehr hohen Fluktuation verringert sich die Ortsbindung der Bewoh-
ner. Durch den häufigeren Wechsel der Haushalte werden Nachbarn teilweise als Fremde
wahrgenommen. Das kann in der Folge dazu führen, dass das Vertrauen in die Nachbar-
schaft schwindet und die informelle soziale Kontrolle im Wohnumfeld nachlässt. In solchen
Bereichen der Stadt besteht das Risiko der Anomie, weil Normen und Regeln einerseits nur
eingeschränkt aus dem Kreis der Bewohnerschaft sozial kontrolliert und andererseits in der
Konsequenz im öffentlichen Raum weniger beachtet werden.
Die Abteilung „Statistik und Informationsmanagement“ im Kölner Amt für Stadtentwicklung
und Statistik hat Daten der Bevölkerungsstatistik in kleinräumiger Tiefenschärfe zur Verfü-
gung gestellt: Es wurde die Summe der Fort- und Zuzüge während des Jahres 2022 sowohl
über die deutschen Außengrenze n als auch innerhalb Deutschlands (über die Kölner Stadt-
grenze) als auch der Umzüge innerhalb des Kölner Stadtgebiets gebildet. Die Summe der
internen Umzüge, der Wanderungen über die Kölner Stadtgrenze und über die deutschen
Außengrenzen wu rde in die Relation zur Wohnbevölkerung gesetzt.
Der Fluktuationsindikator beinhaltet die Zu- und Fortzüge aus Wohnungen eines Quartiers
je 100 Einwohner. Die Daten der Bevölkerungsstatistik wurden für die 570 Kölner Statisti-
schen Quartiere der Größe nach geordnet. In der Auswertung wurden die Quartiere ausge-
wählt, in denen der Fluktuationsindikator anzeigt, dass 33 Prozent und mehr der Wohnbe-
völkerung im Jahr 2022 den Wohnstandort im Quartier verlassen oder neu bezogen haben
(siehe Tabelle 3). Die identifizierten 62 Quartiere repräsentieren knapp 11 Prozent aller
570 Kölner Quartiere – das heißt: Sie stellen das obere Dezil der nach der Größe geord-
neten Verteilung dar.
Nach einer Überprüfung , wodurch die hohen Quoten ausgelöst werden, verwiesen die Ab-
teilung Statistik und Informationsmanagement im Amt für Stadtentwicklung und Statistik und
das Polizeipräsidium Köln auf folgende Faktoren:
• Die Innenstadtquartiere in der Altstadt und Neustadt weisen wegen der zentralen
Lage traditionell eine erhöhte Wanderungsquote auf.
• In einer Reihe von statistischen Quartieren lösen Einrichtungen wie Wohnheime für
Asylbewerber – zum Beispiel: statistische Quartiere GE Bayenthal, Rodenkir-
chen/Mildred-Scheel-Straße, Bruder-Klaus-Siedlung, Junkersdorf/Feldblumenweg
und Lindweiler/Kirburger Weg – oder wie Pflegeheime für ältere Menschen – zum
Beispiel: statistisches Quartier Riehler Heimstätten – die erhöhte räumliche Mobilität
aus.
• Andere Quartiere werden von einer Bevölkerung mit Migrationshintergrund be-
stimmt – wie etwa in den statistischen Quartieren Kalk-Nord/Lüttringhauser Straße
und Ostheim-Süd.
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 35
• Die Fluktuation in den Hochschulquartieren Uni-Center in Sülz und Fachhochschule
Deutz – Messe wird vor allem vom Fort- und Zuzug Studierender beeinflusst. Ähnlich
wird die Situation im Quartier „Neu-Müngersdorf“ eingeschätzt. Ein große s Studen-
tenwohnheim wurde renoviert und ist inzwischen wieder bewohnbar.
• Und im statistischen Quartier Schlachthof-Süd spielt möglicherweise das Personal der
ansässigen Bordelle Pascha und Eros-Center eine Rolle bei der Fluktuation.
Tab.3: Oberes Dezil der Kölner Quartiere mit der höchsten Fluktuation im Jahr 2022
Rang-
Nr. Statistisches Quartier in Köln
Fluktuation – Zu- /
Fortzüge je 100 EW
1. 201040001 / GE Bayenthal 283,8
2. 503020001 / Riehler Heimstätten 62,5
3. 402030001 / Schlachthof-Süd 58,3
4. 305040001 / Neu-Müngersdorf 57,1
5. 103050001 / City - St. Martin 54,8
6. 105060001 / Fachhochschule Deutz - Messe 53,8
7. 805020001 / Ostheim-Süd 52,7
8. 302060001 / Uni-Center 48,2
9. 102040001 / Südbahnhof-Viertel 47,0
10. 102030001 / Studenten-Viertel 45,9
11. 102060001 / Rathenau-Viertel - Rathenauplatz 44,5
12. 103070001 / Ursula-Viertel 43,1
13. 104020002 / Stadtgarten-Viertel - Bismarckstr. 42,6
14. 101030001 / Cäcilien-Viertel - Josef-Haubrich-Hof 42,5
15. 103020001 / Eigelstein-Viertel 41,7
16. 901060001 / Bruder-Klaus-Siedlung - Siedlung Neurath 41,6
17. 302050001 / Justiz-Viertel 41,5
18. 401010004 / Ehrenfeld-West - Leo-Amann-Park 41,3
19. 205040001 / Zollstock - Höninger Weg 41,0
20. 302020002 / Sülz - Schiller-Gymnasium 40,6
21. 103030001 / Gereons-Viertel - St. Gereon 40,6
22. 205050002 / Zollstock-Nord - Bernhard-Feilchenfeld-Str. 40,2
23. 401010008 / Ehrenfeld-West - Hackländerstr. 40,0
24. 303010001 / Alt-Lindenthal - Wittgensteinstr. 39,5
25. 103040001 / Neumarkt-Viertel - St. Andreas 39,4
26. 406040001 / Ossendorf-Nord 39,4
27. 208050001 / Rodenkirchen - Mildred-Scheel-Str. 39,3
28. 802040004 / Kalk-Nord - Lüttringhauser Str. 39,0
29. 802010006 / Kalk - Trimbornstr. 39,0
30. 306010004 / Junkersdorf - Feldblumenweg 38,9
31. 101050001 / Georgs-Viertel 38,5
32. 102020003 / Volksgarten-Viertel - Pfälzer Str. 37,5
33. 101010001 / Kapitol-Viertel 37,5
MaKoS
Verfahren und Erprobung 36
Rang-
Nr. Statistisches Quartier in Köln
Fluktuation – Zu- /
Fortzüge je 100 EW
34. 401030002 / Ehrenfeld - Hansemannstr. 36,8
35. 402020001 / Neuehrenfeld - Herkules Hochhaus 36,7
36. 101040001 / Pantaleons-Viertel - Humboldt Gymnasium 36,7
37. 102050001 / Komponisten-Viertel - Jean-Claude-Letist-Platz 36,5
38. 102050002 / Komponisten-Viertel - Yitzhak-Rabin-Platz 36,4
39. 103010001 / Kuniberts-Viertel - St. Kunibert 36,2
40. 102050003 / Komponisten-Viertel - Aachener Str. 36,1
41. 102060002 / Rathenau-Viertel - Dasselstr. 35,9
42. 801010004 / Humboldt - Wattstr. 35,8
43. 401040003 / Vogelsanger Str. - Keplerstr. 35,7
44. 901030006 / Mülheim - Liebfrauen-Kirche 35,7
45. 104010003 / Belgisches Viertel - Bismarckstr. 35,6
46. 102050004 / Komponisten-Viertel - Lützowstr. 35,3
47. 303020001 / Uni-Viertel - Kliniken 35,2
48. 208030002 / Flußviertel - Urftstr. 35,1
49. 101040002 / Pantaleons-Viertel - St. Pantaleon 34,9
50. 104040001 / Media-Park 34,8
51. 303010004 / Alt-Lindenthal - St. Hildegardis Krankenhaus 34,7
52. 401020001 / Ehrenfeld - Lichtstr. 34,6
53. 101020002 / Mauritius-Viertel - Weyerstr. 34,6
54. 401020003 / Ehrenfeld - Leyendeckerstr. 34,5
55. 101020001 / Mauritius-Viertel - Mauritiuskirchplatz 33,9
56. 802040001 / Kalk-Nord - Eythstr. 33,7
57. 306010007 / Junkersdorf - Stüttgerhofweg 33,5
58. 101060006 / Severins-Viertel - Karl-Berbuer-Platz 33,5
59. 104010002 / Belgisches Viertel - Lütticher Str. 33,5
60. 401040004 / Vogelsanger Str. - Neptunplatz 33,0
61. 103090001 / Apostel-Viertel 32,8
62. 901040002 / Keupstr. - Holweider Str. 32,7
à Durchschnitt der Stadt Köln 22,4
Quelle: Amt für Stadtentwicklung und Statistik der Stadt Köln; eigene Berechnungen
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 37
B1.2 Schwerpunkte der Unordnung in Köln
Bei der Analyse von Ordnungswidrigkeiten stehen nicht kriminelle Ereignisse im Blickpunkt,
sondern die sogenannten „Social Incivilities“. Sie werden im Allgemeinen als unzivilisiertes
Verhalten verstanden, das im öffentlichen Raum als Verfallserscheinung der sozialen Ord-
nung wahrgenommen wird. Das Spektrum solcher Formen der sozialen Desorganisation
reicht von undiszipliniertem Verkehrsverhalten, Alkoholkonsum mit lautem Feiern im Stadt-
raum über Verschmutzung sowie Müllablage, Betteln auf der Straße und Graffitis auf den
Häuserwänden bis hin zu verwahrlosten Problemimmobilien. Dadurch werden erfahrungs-
gemäß subjektive Unsicherheitsgefühle unter Bewohnern und Passanten ausgelöst. Dies wie-
derum führt zu einer Einschränkung der informellen sozialen Kontrolle, weil sich Teile der
Bewohnerschaft – vor allem Kinder, Frauen und ältere Menschen – angesichts des sozialen
Zerfalls aus dem öffentlichen Raum zurückziehen. Es gibt Anhaltspunkte, dass auch das Ver-
trauen und die Solidarität in der Nachbarschaft darunter zu leiden scheinen. Sukzessiv kann
sich dann die Auffassung und Zuschreibung verbreiten, die benachbarten Bewohner seien
„kriminell“, so dass zunehmend vermieden wird, Straßen, Plätze und Parks aufzusuchen
und sich dort aufzuhalten.
Um „Unordnung“ im öffentlichen Raum angemessen abzubilden, wurden die fünf in der Köl-
ner Stadtordnung von 2017 (KSO) definierten Ordnungswidrigkeiten herangezogen: [1]
Müll und Abfälle (gemäß § 3 KSO); [2] Ruhestörungen (gemäß § 8 KSO); [3] störendes
Verhalten in der Öffentlichkeit (gemäß § 11 KSO); [4] Fehlverhalten auf öffentlichen Spiel-
und Bolzplätzen (gemäß § 25 KSO) und [5] störendes Grillen (gemäß § 26 KSO).
Das Sachgebiet Außendienst des Ordnungsdienstes im Amt für öffentliche Ordnung stellte
Informationen zur Verfügung, an welchen Orten in Köln in den Jahren 2022 und 2023 be-
sonders hohe Belastungen durch die Verletzung der fünf KSO-Vorschriften verzeichnet wur-
den. Sie wurden im Rahmen von Beschwerden angezeigt und durch Überprüfungen des Au-
ßendienstes festgestellt. In den nachfolgenden Übersichten werden die räumlichen Hotspots
dokumentiert, an denen diese Formen sozialer Unordnung einerseits in überdurchschnittli-
cher Weise und andererseits kontinuierlich wiederkehrend stattfinden.
In der Zusammenschau wurden in den Jahren 2022 und 2023 im gesamten Kölner Stadtge-
biet insgesamt 128 besonders belastete Orte festgestellt. Rechnerisch entfallen im Durch-
schnitt rund 14 solcher Orte auf jeden Stadtbezirk – allerdings verteilen sie sich nicht gleich-
mäßig über die Stadt; denn über die Hälfte haben ihre Standorte in drei Stadtbezirken: Die
meisten –ein Viertel dieser Plätze (33; 26 %) – befinden sich in der Innenstadt. Überdurch-
schnittlich viele entfallen auch auf die Stadtbezirke Nippes (19; 15 %) und Mülheim (15;
12%). Wenn diese Orte differenziert werden nach den Verstößen gegen die genannten
KSO-Vorschriften, ergeben sich insgesamt 278 Problemorte der Unordnung im Kölner Stadt-
gebiet (vgl. Tabelle 4): Verunreinigungen von öffentlichen Flächen mit Abfällen machen da-
runter ein Drittel (34%) aus – die Hälfte davon entfiel auf die Bezirke Innenstadt, Nippes
und Mülheim. Jeweils ein Viertel der Orte werden durch störendes Verhalten in der Öffent-
lichkeit (26%) und Ruhestörungen (23 %) gekennzeichnet. Bei einem guten Zehntel der
Orte wird Fehlverhalten auf öffentlichen Spiel- und Bolzplätzen gezeigt (13%). Störendes
MaKoS
Verfahren und Erprobung 38
Grillen spielt eine geringere Rolle, weil es nur auf Grünflächen, in Parks und Rheinauen ver-
breitet ist (5%) – allerdings befindet sich fast die Hälfte dieser Orte im Stadtbezirk Kalk.
Tab. 4: Problemorte der Unordnung in den Kölner Stadtbezirken in den Jahren 2022 und 2023
Ordnungsprobleme
nach KSO Müll Ruhestörung
Störung in
Öffentlichkeit
Fehlver-
halten
Spiel-
platz
wildes
Grillen Summe
Stadtbezirke
§3 §8 §11 §25 §26
Innenstadt 18 12 25 11 1 67
in % der Spalte 19,4 18,8 35,2 29,7 7,7 24,1
in % aller Störungen 26,9 17,9 37,3 16,4 1,5 100,0
Rodenkirchen 4 2 1 0 1 8
in % der Spalte 4,3 3,1 1,4 0 7,7 2,9
in % aller Störungen 50,0 25,0 12,5 0,0 12,5 100,0
Lindenthal 11 12 1 7 0 31
in % der Spalte 11,8 18,8 1,4 18,9 0 11,2
in % aller Störungen 35,5 38,7 3,2 22,6 0,0 100,0
Ehrenfeld 7 6 4 4 1 22
in % der Spalte 7,5 9,4 5,6 10,8 7,7 7,9
in % aller Störungen 31,8 27,3 18,2 18,2 4,5 100,0
Nippes 16 10 15 3 1 45
in % der Spalte 17,2 15,6 21,1 8,1 7,7 16,2
in % aller Störungen 35,6 22,2 33,3 6,7 2,2 100,0
Chorweiler 9 8 3 3 1 24
in % der Spalte 9,7 12,5 4,2 8,1 7,7 8,6
in % aller Störungen 37,5 33,3 12,5 12,5 4,2 100,0
Porz 6 2 5 6 1 20
in % der Spalte 6,5 3,1 7,0 16,2 7,7 7,2
in % aller Störungen 30,0 10,0 25,0 30,0 5,0 100,0
Kalk 13 10 12 1 6 42
in % der Spalte 14,0 15,6 16,9 2,7 46,2 15,1
in % aller Störungen 31,0 23,8 28,6 2,4 14,3 100,0
Mülheim 9 2 5 2 1 19
in % der Spalte 9,7 3,1 7,0 5,4 7,7 6,8
in % aller Störungen 47,4 10,5 26,3 10,5 5,3 100,0
Köln insgesamt 93 64 71 37 13 278
in % der Spalte 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0
in % aller Störungen 33,5 23,0 25,5 13,3 4,7 100,0
Quelle: Amt für öffentliche Ordnung der Stadt Köln
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 39
Die Schwerpunkte der Ordnungsprobleme nach der KSO sind die Innenstadt (24%), Nip-
pes (16%) und Kalk (15%) – über die Hälfte der Verstöße fand an Orten in diesen drei
Stadtbezirken statt.
In einer tiefenscharfen Betrachtung lässt sich herausarbeiten, wie sich die Problemorte der
Unordnung über die Stadtteile und statistischen Quartiere in Köln verteilen. In der nachfol-
genden Tabelle 5 wird durch die Markierung „X“ das Vorhandensein von Problemorten be-
zeichnet, über das quantitative Ausmaß der Belastung hat das Amt für öffentliche Ordnung
keine verlässlichen Daten:
• Im Stadtbezirk Innenstadt weist jeder der sechs Stadtteile Ereignisorte der Unord-
nung auf. Betroffen sind vor allem 18 der 63 Quartiere (29%).
• Auch im Stadtbezirk Nippes sind alle sieben Stadtteile in der Auflistung der Hotspots
vertreten. Die Orte befinden sich in 17 der 61 Quartiere (28%).
• Im Stadtbezirk Chorweiler werden in der Übersicht nur fünf der 12 Stadtteile ge-
nannt. Betroffen sind neun der 43 Quartiere (21%).
• Im Stadtbezirk Kalk verteilen sich die Hotspots der Unordnung auf sechs der neun
Stadtteile. Sie konzentrieren sich in neun der 55 Quartiere (16%). Ähnlich verhält es
sich im Stadtbezirk Mülheim. Dort verteilen sich die Orte der Unordnung ebenfalls
auf sechs der neun Stadtteile. Sie befinden sich in 12 der 75 Quartiere (16%). Im
Stadtbezirk Ehrenfeld sind die Orte mit Verstößen gegen KSO -Vorschriften in vier
der sechs Stadtteile – dort in zehn der 62 Quartiere – vorzufinden (16%).
• Im Stadtbezirk Porz wurden Hotspots in sechs von 16 Stadtteilen identifiziert – sie
konzentrieren sich in acht von 60 Quartieren (13%). Im Stadtbezirk Lindenthal befin-
den sich Hotspots der Unordnung in fünf der neun Stadtteile. Diese Orte entfallen
konzentriert auf neun der 86 Quartiere (10%). Und im Stadtbezirk Rodenkirchen
weisen nur vier der 13 Stadtteile solche Orte auf. Betroffen sind nur vier der 58
Quartiere (7%).
Die höchsten Belastungen weisen die Quartiere der Innenstadt auf. Sie sind von einer hohen
Nutzungsmischung gekennzeichnet, die von Wohnen über Einzelhandel und Verkehr bis zu
Kultur und Freizeit reichen. In der Folge treffen viele Menschen mit unterschiedlichen Verhal-
tensweisen an den zentralen Orten und Plätzen aufeinander. Die Orte der Unordnung sind
in den Quartieren der Innenstadt deshalb besonders stark von störendem Verhalten betrof-
fen, das laut § 11 KSO Ausdruck findet in verschiedenen Formen des Bettelns, in wiederkeh-
renden Ansammlungen von Personen, die den Raum verunreinigen oder Passanten belästi-
gen, in Verrichten der Notdurft im öffentlichen Raum und in Störungen in Folge von Alkohol-
oder Drogenkonsum. In den Quartieren des Stadtbezirks Nippes spielen diese Probleme
auch eine Rolle, aber am stärksten sind die Hotspots dort von Verunreinigungen öffentlicher
Flächen mit Müll und Abfällen betroffen. Im Stadtbezirk Ehrenfeld ist der Stadtteil Ehrenfeld
besonders betroffen. Die Hälfte aller Quartiere mit Hotspots der Unordnung befindet sich im
Umfeld des S-Bahnhofs Ehrenfeld. Es sind die Quartiere entlang der Venloer Straße zw i-
schen der Inneren Kanalstraße und der Äußere n Kanalstraße – also auf beiden Seiten des
S-Bahnhofs Ehrenfeld.
MaKoS
Verfahren und Erprobung 40
Tab. 5: Problemorte der Unordnung in den Kölner Quartieren in den Jahren 2022 und 2023
Verletzte KSO-Vorschriften Müll Ruhestörung
Störung in
Öffentlichkeit
Fehlverhalten
Spielplatz
wildes
Grillen Stadtteil Quartier
Ereignisorte §3 §8 §11 §25 $26 Nr. Name
Hohe Straße X X 101 Altstadt/Süd City, Kapitol-Viertel
Josef-Haubrich-Hof X X 101 Altstadt/Süd Cäcilienviertel
Mauritiuskirchplatz X X 101 Altstadt/Süd Mauritiusviertel
Stollwerckviertel (Karl-Korn-
Str, Trude-Herr-Park) X 101 Altstadt/Süd Severinsviertel
Schaafenstr. X X X 101 Altstadt/Süd Mauritiusviertel
Rubensstr X 101 Altstadt/Süd Mauritiusviertel
Aachener Weiher/Hiroshima-
Nagasaki-Park X X 102 Neustadt/Süd
Aachener Str. X X X 102 Neustadt Süd Komponisten-Viertel
Rathenauplatz X X 102 Neustadt/Süd Rathenau-Viertel
Zülpicher Str. / Zülpicher
Platz X X X 102 Neustadt/Süd Studentenviertel
Zülpicher Viertel (Karneval
und 11.11.) X X X X 102 Neustadt/Süd Studentenviertel
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 41
Verletzte KSO-Vorschriften Müll Ruhestörung
Störung in
Öffentlichkeit
Fehlverhalten
Spielplatz
wildes
Grillen Stadtteil Quartier
Ereignisorte §3 §8 §11 §25 $26 Nr. Name
Chlodwigplatz X X 102 Neustadt/Süd Südstadt
Volksgarten inkl. Vorgebirgs-
wall im Bereich der Not-
schlafstelle X X X 102 Neustadt/Süd Volksgarten-Viertel
Elsaßstr. X 102 Neustadt/Süd Südstadt
Schildergasse/Krebsgasse X X 103 Altstadt/Nord City, Neumarkt-Viertel
Appellhofplatz X 103 Altstadt/Nord Neumarkt-Viertel
Neumarkt X X 103 Altstadt/Nord Neumarkt-Viertel
Kronengasse X 103 Altstadt/Nord Neumarktviertel
Auf dem Berlich X 103 Altstadt/Nord Neumarkt-Viertel
HBF: Vorplatz - Breslauer
Platz – Umfeld X X 103 Altstadt/Nord
Domplatte X X 103 Altstadt/Nord
MaKoS
Verfahren und Erprobung 42
Verletzte KSO-Vorschriften Müll Ruhestörung
Störung in
Öffentlichkeit
Fehlverhalten
Spielplatz
wildes
Grillen Stadtteil Quartier
Ereignisorte §3 §8 §11 §25 $26 Nr. Name
Klingelpützpark X X 103 Altstadt/nord Gereonsviertel
Hildeboldplatz X X X 103 Altstadt/Nord Gereonsviertel
Ebertplatz / Eigelstein-Tor-
burg X X 104 Neustadt/Nord Agnesviertel
Riehler Straße X 104 Neustadt/Nord
Gerichts-, Agnes-, Vil-
lenviertel
Neusser Platz X X 104 Neustadt/Nord Agnes-Viertel
August-Sander-Park X 104 Neustadt/Nord Media-Park
Stadtgarten X X X 104 Neustadt/Nord Stadtgarten-Viertel
Kaiser-Wilhelm-Ring X X X 104 Neustadt/Nord
Stadtgarten-Viertel, Me-
dia-Park
Hohenzollernring X X X 104 Neustadt/Nord
Belgisches Viertel,
Stadtgarten-Viertel
Brüsseler Platz X X 104 Neustadt/Nord Belgisches Viertel
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 43
Verletzte KSO-Vorschriften Müll Ruhestörung
Störung in
Öffentlichkeit
Fehlverhalten
Spielplatz
wildes
Grillen Stadtteil Quartier
Ereignisorte §3 §8 §11 §25 $26 Nr. Name
Deutzer Freiheit X X 105 Deutz
Ottoplatz, St. Heribert,
Mathildenstr., Reischpl.
Arminiusstraße X 105 Deutz St.Heribert
Stadtbezirk Innenstadt 18 12 25 11 1 67
in % aller Störungen 26,9 17,9 37,3 16,4 1,5 100,0
Robinienweg
X 204 Raderthal
Vorgebirgstraße
X X X X 205 Zollstock
GE Zollstock, Zollstock-
höfe
Uferstr.
X X 208 Rodenkirchen Auenviertel
An der Fuhr / Kölnberg
X 213 Meschenich Kölnberg
Stadtbezirk
Rodenkirchen 4 2 1 0 1 8
in % aller Störungen 50,0 25,0 12,5 0,0 12,5 100,0
MaKoS
Verfahren und Erprobung 44
Verletzte KSO-Vorschriften Müll Ruhestörung
Störung in
Öffentlichkeit
Fehlverhalten
Spielplatz
wildes
Grillen Stadtteil Quartier
Ereignisorte §3 §8 §11 §25 $26 Nr. Name
Rosengarten (Klettenberg-
park) X X 301 Klettenberg
Klettenberg - Kletten-
bergpark
Spielplatz Klettenbergpark
(Nord + Süd) X X X 301 Klettenberg
Klettenberg - Kletten-
bergpark
Platz der Kinderrechte X X 302 Sülz
Beethovenpark - Platz
der Kinderrechte
Beethovenpark (Pilzberg) X X 302 Sülz
Beethovenpark - Platz
der Kinderrechte
De-Noel-Platz Spielplatz X X X 302 Sülz Sülz - De-Noël-Platz
Bolzplatz Sülzburgstr./Müns-
tereifeler Str. X 302 Sülz Sülz
Nikolausplatz Spielplatz X X X 302 Sülz Sülz - St. Nikolaus
Spiel- und Bolzplatz Müns-
tereifeler Str X X X 302 Sülz
Technoparty Ort (zw. Hönin-
ger Weg & Luxemburger Str) X X 302 Sülz Südbahnhofsviertel
Karl-Schwering Platz (mit-
Spielplatz und Grünfläche) X X X 303 Lindenthal
Alt-Lindenthal - Dürener
Str.
Alphons-Silbermann-Weg
(Uniwiesen) X X X 303 Lindenthal
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 45
Verletzte KSO-Vorschriften Müll Ruhestörung
Störung in
Öffentlichkeit
Fehlverhalten
Spielplatz
wildes
Grillen Stadtteil Quartier
Ereignisorte §3 §8 §11 §25 $26 Nr. Name
Spielplatz Alsdorfer Str. X 304 Braunsfeld
Braunsfeld - Alsdorfer
Str.
Neue Sandkaul Spielplatz X X X 309 Widdersdorf
Neu-Widdersdorf - Alte
Sandkaul
Stadtbezirk Lindenthal 11 12 1 7 0 31
in % aller Störungen 35,5 38,7 3,2 22,6 0,0 100,0
Spielplatz Bartholomäus-
Schink-Str Ecke Schönstein-
straße X X 401 Ehrenfeld
Ehrenfeld-West - Leo-
Amann-Park
Hansemann Straße/ Stamm-
straße/ Philippstraße X X X 401 Ehrenfeld
Ehrenfeld - Hanse-
manns
Fröbelplatz und Fröbelstraße X X 401 Ehrenfeld
Vogelsanger Str. - Frö-
belplatz
Neptunplatz X X 401 Ehrenfeld
Vogelsanger Str. - Nep-
tunplatz
Venloer Straße (zwischen In-
nere Kanalstr. und Äußere
Kanalstr.) X 401 Ehrenfeld
vor und hinter S-Bahn-
hof
Leo-Amann-Park X X 401 Ehrenfeld
Ehrenfeld-West - Leo-
Amann-Park
MaKoS
Verfahren und Erprobung 46
Verletzte KSO-Vorschriften Müll Ruhestörung
Störung in
Öffentlichkeit
Fehlverhalten
Spielplatz
wildes
Grillen Stadtteil Quartier
Ereignisorte §3 §8 §11 §25 $26 Nr. Name
Lenauplatz X X X 402 Neuehrenfeld
Neuehrenfeld - Lenau-
platz
Takufeld X X 402 Neuehrenfeld
Takufeld - Barbarabrun-
nen
Takuplatz X X 402 Neuehrenfeld Takufeld - Takuplatz
Rochusplatz X 403 Bickendorf
Bickendorf - Rochuska-
pelle
Garzweiler Weg und Spen-
rather Weg X X 405
Bocklemünd/
Mengenich
Mengenich - BioCam-
pus
Stadtbezirk Ehrenfeld 7 6 4 4 1 22
in % aller Störungen 31,8 27,3 18,2 18,2 4,5 100,0
Leipziger Platz X X X 501 Nippes
Nippes - Leipziger
Platz
Neusser Straße in Nippes /
wechselnde Örtlichkeiten X 501 Nippes Nippes - Baudriplatz
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 47
Verletzte KSO-Vorschriften Müll Ruhestörung
Störung in
Öffentlichkeit
Fehlverhalten
Spielplatz
wildes
Grillen Stadtteil Quartier
Ereignisorte §3 §8 §11 §25 $26 Nr. Name
Lohsepark X X X 501 Nippes Nippes - Holbeinstr.
Werkstattstraße X X X 501 Nippes Sechzig-Viertel
Johannes-Gisbert-Park X X X 501 Nippes Clouth-Gelände
Nordpark X X 501 Nippes
Nordpark - Xantener
Str.
Nippeser Tälchen X 501 Nippes
Nippes - Erzberger-
platz
Neusser Straße Gürtel vor
dem Bezirksrathaus X X X 502 Mauenheim Grüner Hof
Stammheimer Straße X X X 503 Riehl
Zoo-Flora; Naumann-
Viertel; Mathias-Schlei-
den-Viertel
Rheinwiese zwischen Zoobrü-
cke und Mülheimer Brücke X X 503 Riehl
Riehler Heimstätten;
Niederländerviertel
Kuhweg/ Am Molenkopf X X 504 Niehl
Hafen NiehlLongericher
Str
Industriepark Nord X X 504 Niehl
Niehl - St. Agatha Kran-
kenhaus
MaKoS
Verfahren und Erprobung 48
Verletzte KSO-Vorschriften Müll Ruhestörung
Störung in
Öffentlichkeit
Fehlverhalten
Spielplatz
wildes
Grillen Stadtteil Quartier
Ereignisorte §3 §8 §11 §25 $26 Nr. Name
Scarletallee X X X 504 Niehl
Niehl - St. Agatha Kran-
kenhaus
Am Molenkopf X X X 504 Niehl Hafen Niehl
Neusser Straße/ HGK Gleis X X 505 Weidenpesch
Merheim (lrh.) -
Mönchsgasse
An den Kreutzmorgen X 505 Weidenpesch
Merheim (lrh.) - Schei-
benstr
Militärringstr. / Johannesstr. X X X 506 Longerich
Neu-Longerich - Lüttich-
Kaserne
Longericher Straße entlang
ICE Ausbesserungswerk X 507 Bilderstöckchen
Bilderstöckchen - Hein-
rich-Pesch-Str.
Blücherpark X X X X 507 Bilderstöckchen
Parkgürtel-Nord - Drei-
königsgymnasium
Stadtbezirk Nippes 16 10 15 3 1 45
in % aller Störungen 35,6 22,2 33,3 6,7 2,2 100,0
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 49
Verletzte KSO-Vorschriften Müll Ruhestörung
Störung in
Öffentlichkeit
Fehlverhalten
Spielplatz
wildes
Grillen Stadtteil Quartier
Ereignisorte §3 §8 §11 §25 $26 Nr. Name
Langel Fähre X X 601 Merkenich
Langel (lrh.) – Rhein-
kassel
Rudi-Jaehnen-Str. / Techno-
Tunnel X X 601 Merkenich
Merkenich - Spoerkel-
hof
Fuhligsweg X X X 601 Merkenich
Fühlinger See und die an-
grenzenden Parkplätze X X X 602 Fühlingen Fühlingen
Escher See/ Pescher See X X X 606 Pesch Pesch - St. Elisabeth
Liverpooler Platz X 609 Chorweiler Chorweiler - Turkuplatz
Osloerstr. / Stockholmer Al-
lee X 609 Chorweiler Chorweiler - Osloer Str.
Krebelspfad / St.-Tönnis-Str X X X 612 Worringen
Neu-Worringen - Kre-
belspfad
Bolligstr. X X X X 612 Worringen
Alt-Worringen - An den
Kaulen
Alte Str./Hackenbroicher Str X X 612 Worringen
Neu-Worringen - Bütt-
gener Weg
Stadtbezirk Chorweiler 9 8 3 3 1 24
in % aller Störungen 37,5 33,3 12,5 12,5 4,2 100,0
MaKoS
Verfahren und Erprobung 50
Verletzte KSO-Vorschriften Müll Ruhestörung
Störung in
Öffentlichkeit
Fehlverhalten
Spielplatz
wildes
Grillen Stadtteil Quartier
Ereignisorte §3 §8 §11 §25 $26 Nr. Name
Alfred-Schütte-Allee X X X 701 Poll Poll - Weingartengasse
Rather Str. + Umgebung X X 704
Gremberg-
hoven
Gremberghoven -
Rather Str.
Spielplatz Auf dem Streit-
acker X X 704
Gremberg-
hoven
Gremberghoven - Auf
dem Streitacker
Glashüttenstr. X X 706 Porz
Porz-Mitte - Glashütten-
str.
Porz City X 706 Porz Porz-Mitte - Zentrum
Spielplatz Am Bahnhof X X 711 Wahn Wahn - Schloss Wahn
Spielplatz Auf dem Acker X X 711 Wahn Wahn - Schloss Wahn
Christrosenweg + Umgebung X X 714 Zündorf
Zündorf-Nord - Rosen-
hügel
Finkenberg X X 716 Finkenberg insgesamt
Grünfläche Theo-Heuss-Str. X X 716 Finkenberg
Finkenberg - Gesamt-
schule
Stadtbezirk Porz 6 2 5 6 1 20
in % aller Störungen 30,0 10,0 25,0 30,0 5,0 100,0
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 51
Verletzte KSO-Vorschriften Müll Ruhestörung
Störung in
Öffentlichkeit
Fehlverhalten
Spielplatz
wildes
Grillen Stadtteil Quartier
Ereignisorte §3 §8 §11 §25 $26 Nr. Name
Kalk-Mülheimer-Str. / Durch-
gang Vorsterstr. & Vietorstr. X X X 802 Kalk Kalk - Vorsterstr.
Kalker Hauptstraße (zw .
Rolshover & Kapellenstr.) X X 802 Kalk Kalk - Trimbornstr.
Steprathstr. (Spielplatz, vor
Bezirksrathaus, Kapellenstr) X X X 802 Kalk Kalk - Vorsterstr.
Bürgerpark X X 1 X 802 Kalk Köln Arcaden
Breuerpark X X X X 802 Kalk Kalk - Vorsterstr.
Stadtgarten Kalk X X X X 802 Kalk Kalk - Vorsterstr.
Dreieck: Bamberger / Würz-
burger / Miltenberger Str. X X X 803 Vingst Vingst - Ansbacher Str.
Merheimer Heide X X X X 804 Höhenberg
Höhenberg - St. Elisa-
beth
Sportpark Höhenberg & Um-
feld (Glas- und Dosenverbot) X X 804 Höhenberg
Germania-Siedlung -
Frankfurter Str.
Frankfurter Straße Ecke
Ostheimer Straße X X X 805 Ostheim Ostheim-Süd
Hardtgenbuscher Kirchweg X X X 805 Ostheim Ostheim-Süd
Ostmerheimer Straße und nä-
here Umgebung X X X 806 Merheim Merheim
MaKoS
Verfahren und Erprobung 52
Verletzte KSO-Vorschriften Müll Ruhestörung
Störung in
Öffentlichkeit
Fehlverhalten
Spielplatz
wildes
Grillen Stadtteil Quartier
Ereignisorte §3 §8 §11 §25 $26 Nr. Name
Flehbachaue X X X X 807 Brück Brück
Stadtbezirk Kalk 13 10 12 1 6 42
in % aller Störungen 31,0 23,8 28,6 2,4 14,3 100,0
Wiener Platz X X 901 Mülheim Mülheimer Stadtgarten
Keupstraße, Holweider
Straße X X 901 Mülheim
Keupstr. - Holweider
Str.
Berliner Straße i n Mülheim &
angrenzende Nebenstraßen X 901 Mülheim
Mülheim-Nord - Berliner
Str.
Jugendpark X 901 Mülheim
Mülheim - Deutz-Mülhei-
mer Str.
Jan-Wellem-Str. / Mülheimer-
Stadtgarten X X 901 Mülheim
Mülheimer Stadtgarten
- Jan-Wellem-Str.
Frankfurter Str. im Stadtteil
Mülheim X 901 Mülheim Mülheimer Stadtgarten
Remscheider Str. X 902 Buchforst
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 53
Verletzte KSO-Vorschriften Müll Ruhestörung
Störung in
Öffentlichkeit
Fehlverhalten
Spielplatz
wildes
Grillen Stadtteil Quartier
Ereignisorte §3 §8 §11 §25 $26 Nr. Name
Burchforst – Unterkünfte für
Geflüchtete X 902 Buchforst
Kalkweg X 905 Dellbrück Blumen-Siedlung
Rommerscheider Str X 905 Dellbrück Thurn - Gemarkenstr.
Dünnwalder Kommunalweg X 906 Höhenhaus 908 Stammheim
Höhenfelder See X X 906 Höhenhaus
Grüner Kuhweg X 907 Dünnwald Siedlung Klosterhof
Flittarder Rheinaue X 909 Flittard Flittard
Von-Diergardt-See X 909 Flittard
Bayer-Siedlung - Rog-
gendorfstr.
Stadtbezirk Mülheim 9 2 5 2 1 19
in % aller Störungen 47,4 10,5 26,3 10,5 5,3 100,0
MaKoS
Verfahren und Erprobung 54
Verletzte KSO-Vorschriften Müll Ruhestörung
Störung in
Öffentlichkeit
Fehlverhalten
Spielplatz
wildes
Grillen
Ereignisorte §3 §8 §11 §25 $26
Köln insgesamt: 278 93 64 71 37 13
in % aller Störungen 33,5 23,0 25,5 13,3 4,7
Nicht berücksichtigt
Altstadt (Karneval, 11.11.,
Silvester usw.) X X X
Innerer Grüngrürtel X X X
Südstadt (Karneval, 11.11.) X X X X
RheinEnergieStadion und Um-
feld (Fußball / Konzerte –
Glas- und Dosenverbot) X X
Naturschutzgebiete und
Landschaftsschutzgebiete
(entlang des Rheins) X X X
P8 Tunnel Industriestr. X X X
Quelle: Amt für öffentliche Ordnung der Stadt Köln
MaKoS
Masterplan Kommunale Sicherheit 55
B1.3 Polizeieinsätze und Straftaten an den Standorten der Kölner
Schulen
Zur Ermittlung von Kölner Schulen, in bzw. an denen in den Jahren 2022 und 2023 über-
durchschnittlich häufig polizeiliche Einsätze stattfanden, wertete das Kölner Polizeipräsi-
dium Informationen des Einsatzleitsystems CEBIUS aus (Akronym: Computer Einsatz Bear-
beitungs-, Informations- und Unterstützungs-System). Über alle Hauptschulen, Realschulen,
Förderschulen, Gesamtschulen und Gymnasien wurde für die Jahre 2022 und 2023 kombi-
niert ein Mittelwert der Anzahl der Polizeieinsätze gebildet. Es wurden nur Einsätze einbe-
zogen, die in den Wochentagen zwischen 07 und 16 Uhr stattfanden, und die Tage wäh-
rend der Schulferien wurden ausgeschlossen.
Die elf Schulstandorte verteilen sich über fünf Kölner Stadtbezirke. Sie befinden sich somit
in etwas mehr als der Hälfte – 56 Prozent – der neun Stadtbezirke (vgl. Tabelle 6):
• ein Schulstandort im Stadtbezirk Rodenkirchen,
• drei Schulstandorte im Stadtbezirk Chorweiler,
• zwei Schulstandorte im Stadtbezirk Porz,
• ein Schulstandort im Stadtbezirk Kalk und
• vier Schulstandorte im Stadtbezirk Mülheim.
Einsätze der Polizei fanden an 93 Schulen in Köln statt. Die in Tabelle 6 dokumentierten
11 Standorte stellen 12 Prozent dieser Schulen dar. Dort machte die Anzahl der Einsätze
mindestens das Zweifache des Mittelwerts aller Schulen aus. Darunter befindet sich kein
Förderschule, weil die Häufigkeit der Polizeieinsätze an diesem Schultyp deutlich unterhalb
des zweifachen Mittelwerts blieb. (Eine auf die Anzahl der Schüler Bezug nehmende Rela-
tionierung wurde nicht berechnet.)
Tab. 6: Kölner Schulen mit stark überdurchschnittlicher Häufigkeit von Polizeieinsätzen in den Jah-
ren 2022 und 2023
Wilhelm-Busch-Realschule, Heerstr. 7
Gesamtschule Rodenkirchen, Sürther Straße 191
Gesamtschule Holweide, Burgwiesenstraße 125
Nelson-Mandela-Schule, Wuppertaler Straße 19
Lise-Meitner-Gesamtschule, Stresemannstraße 36
Albert-Schweitzer-Realschule, Hardtgenbuscher Kirchweg 100
Gustav-Heinemann-Schule, Karl-Marx-Allee 3
Ursula-Kuhr-Schule, Volkhovener Weg 140
Heinrich-Böll-Gesamtschule, Merianstraße 11 -15
Willy-Brandt-Gesamtschule, Im Weidenbruch 214
Johann-Bendel Realschule, Danzierstraße 146a
Quelle: Einsatzleitsystem CEBIUS des Polizeipräsidiums Köln
Keine überdurchschnittlich häufigen Polizeieinsätze waren 2022 und 2023 in den Stadtbe-
zirken Innenstadt, Lindenthal, Ehrenfeld und Nippes zu verzeichnen.
MaKoS
Verfahren und Erprobung 56
In der räumlichen Zuordnung fällt auf, dass sich die Schulen auf 11 der 86 Kölner Stadt-
teile (13 %) konzentrieren. Sie befinden überwiegend rechtsrheinisch:
• Stadtbezirk Mülheim: Stadtteile Mülheim, Buchheim, Holweide, Höhenhaus;
• Stadtbezirk Kalk: Stadtteil Ostheim;
• Stadtbezirk Porz: Stadtteile Zündorf, Finkenberg.
Im Norden und im Süden des Stadtgebiets liegen:
• Stadtbezirk Chorweiler: der Siedlungszusammenhang der Stadtteile Seeberg, Hei-
mersdorf, Chorweiler und
• Stadtbezirk Rodenkirchen: Stadtteil Rodenkirchen
Im Kölner Lebenslagenbericht von 2020 wurden Lebenslagetypen gebildet. Der Typ „po-
tenziell stark erhöhte Problemlagen“ prägt das soziale Profil von 16 Kölner Stadtteilen.
Aus dem Kreis der elf Schulstandorte mit einer überdurchschnittlichen Häufigkeit von Poli-
zeieinsätzen in den Jahren 2022 und 2023 befinden sich Buchheim, Chorweiler, Seeberg,
Finkenberg, Mülheim und Ostheim darunter (vgl. Abbildung 6). Die genannten sechs Köl-
ner Räume repräsentieren 38 Prozent der Stadtteile mit Problemlagen und über die Hälfte
der Schulstandorte mit überdurchschnittlich häufigen Polizeieinsätzen (55 %).
Aus: Kölner Lebenslagenbericht von 2020, S. 296
Abbildung 6: Kölner Stadtteile nach Verteilung von Lebenslagetypen
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 57
Auf der Grundlage des Einsatzleitsystems CEBIUS des Kölner Polizeipräsidiums wurden die
Kölner Schulen mit den häufigsten polizeilichen Einsätzen ausgewählt. Es ist allerdings
fraglich, ob nur einige Schulen in Köln von Sicherheitsproblemen betroffen sind oder ob
die ausgewählten Schulen nur die Spitze einer Entwicklung abbilden, die viele Schulen be-
trifft. Um dies transparent zu machen, wurden auf Basis der Polizeilichen Kriminalstatistik
die Entwicklung der Delikte am Schulstandort als Tatort, die Straftaten im Schulbetrieb
(während schulischer Veranstaltungen) und die – im Kontext des Schulstandortes – erfass-
ten tatverdächtigen Kinder und Jugendlichen vom Jahr 2022 auf das Folgejahr 2023 aus-
gewertet.
Die Straftaten im schulischen Kontext haben in Köln von 2022 bis 2023 um knapp ein Drit-
tel zugenommen (vgl. Tabelle 7). Der Anstieg von Delikten im Schulbetrieb fällt deutlich
stärker aus als die Erhöhung der Straftaten am Schulstandort (d.h. außerhalb des Schulbe-
triebs). Mit einem Anstieg um 137 Prozent haben die Rohheitsdelikte im Schulalltag in Köln
besonders stark zugenommen. Verdoppelt haben sich im Schulbetrieb die Straftatbestände
gemäß Strafgesetzbuch, und Diebstahlsformen erhöhten sich in den Schul en um fast drei
Viertel.
Insgesamt nahmen die Straftaten in und an Schulen von rund 1.500 im Jahr 2022 auf über
2.000 im Jahr 2023 zu. Differenziert nach den Polizeiinspektionen zeigt sich folgendes
Bild (vgl. Tabelle 7):
• Die meisten Delikte an Schulen wies die Polizeiinspektion Nordost auf, wo die Straf-
taten in und an Schulen von rund 340 im Jahr 2022 auf 450 im Jahr 2023 anstie-
gen. Geographisch umfasst die PI Nordost vor allem den Stadtbezirk Mülheim bzw.
die Stadtteile Mülheim, Buchforst, Buchheim, Dellbrück, Dünnwald, Flittard, Höhen-
haus, Holweide, Stammheim und Deutz.
• Besonders viele solcher Ereignisse wurden auch in der Polizeiinspektion Südwest
diagnostiziert – dort nahmen die Straftaten in und an Schulen von rund 350 im
Jahr 2022 auf 375 Delikte im Jahr 2023 zu. Betroffen waren Schulen in den Stadt-
teilen Bayenthal, Godorf, Hahnwald, Immendorf, Hochkirchen, Marienburg,
Meschenich, Raderberg, Raderthal, Rodenkirchen, Rondorf, Sürth, Weiß, Zollstock,
Lindenthal, Sülz und Klettenberg.
• Ähnlich stellt sich die Situation in der Polizeiinspektion Südost dar, die sich über die
Stadtteile Kalk, Brück, Höhenberg, Humboldt-Gremberg, Merheim, Rath-Heumar,
Neubrück, Ostheim, Vingst, Porz, Eil, Elsdorf, Ensen, Finkenberg, Gremberghoven,
Grengel, Poll, Langel, Libur, Lind, Porz, Urbach, Wahn, Wahnheide, Westhoven
und Zündorf erstreckt. Die Zunahme der Delikte in und an Schulen erhöhte sich von
rund 290 im Jahr 2022 auf 355 im Jahr 2023.
Die Polizeiinspektion Mitte, zu der in der Innenstadt die Stadtteile Altstadt Nord, Altstadt
Süd, Neustadt Süd und Neustadt Nord gehören, verzeichnete – trotz niedrigem Ausgangs-
wert im Jahr 2022 – innerhalb eines Jahres einen bemerkenswerten Anstieg der Rohheits-
delikte um 350 Prozent.
MaKoS
Verfahren und Erprobung 58
Tabelle 7: Straftaten im Schulkontext in den Jahren 2022 und 2023 in den Kölner Polizeiinspektionen
Polizei-
inspektion
Köln
Schulkontext6
Delikte insgesamt
Tendenz
in %
Rohheitsdelikte7
Tendenz
in %
Diebstahlsdelikte Tendenz
in %
Delikte gemäß
StGB8
Tendenz
in %
Sonstige
Straftaten9
Tendenz
in % 2022 2023 2022 2023 2022 2023 2022 2023 2022 2023
Mitte am Standort 101 137 35,6 20 39
95,0 47 59 25,5 24 33 37,5 10 6 - 40,0
im Schulbetrieb 27 70 159,3 6 27 350,0 17 28 64,7 2 11 450,0 2 4 100,0
zusammen 128 207 61,7 26 66 153,8 64 87 35,9 26 44 69,2 12 10 - 16,7
Anteil Schule % 21,1 33,8 60,3 23,1 40,9
77,3 26,6 32,2 21,2 7,7 25,0 225,0 16,7 40,0 140,0
Südwest am Standort 255 223 - 12,5 48 51 6,3 122 101 - 17,2 61 61 - 24
8 - 66,7
im Schulbetrieb 99 152 53,5 22 50 127,3 55 69 25,5 15 29 93,3 7 4 - 42,9
zusammen 354 375 5,9 70 101 44,3 177 170 - 4,0 76 90 18,4 31 12 - 61,3
Anteil Schule % 28,0 40,5 44,9 31,4 49,5
57,5 31,1 40,6 30,6 19,7 32,2 63,3 22,6
33,3 47,6
West am Standort 160 176 10,0 29
48
65,5
81
79 - 2,5
40
35 - 12,5 11
14 27,3
im Schulbetrieb 49 113 130,6 14 46 228,6 27 43 59,3 7 13 85,7 1 11 1.000,0
zusammen 209 289 38,3 43 94 118,6 108 122 13,0 47 48 2,1 12 25 108,3
Anteil Schule % 23,4 39,1 66,8
32,6
48,9
50,3
25,0
35,2 41,0
14,9
27,1 81,8 8,3
44,0 428,0
Nordwest am Standort
150
196 30,7
44
67
52,3
54
68 25,9
41
49 19,5 11
12
9,1
im Schulbetrieb 71 131 84,5 27 52 92,6 22 48 118,2 17 24 41,2 5 7 40,0
zusammen 221 327 48,0 71 119 67,6 76 116 52,6 58 73 25,9 16 19 18,8
Anteil Schule %
32,1
40,1 24,7
38,0
43,7
14,9
28,9
41,4 42,9
29,3
32,9 12,2 31,3
36,8 17,9
Nordost am Standort
256
270 5,5
115
119
3,5
65
80 23,1
57
50 - 12,3 19
21 10,5
im Schulbetrieb 88 180 104,5 49 100 104,1 24 43 79,2 9 27 200,0 6 10 66,7
zusammen 344 450 30,8 164 219 33,5 89 123 38,2 66 77 16,7 25 31 24,0
Anteil Schule %
25,6
40,0 56,4
29,9
45,7
52,8
27,0
35,0 29,6
13,6
35,1 157,1 24,0
32,3 34,4
6 Unterschieden wird die „Tatörtlichkeit“ des Schulstandortes von Delikten im Rahmen der schulischen „Veranstaltungen“ wie Unterricht etc.
7 insbesondere Körperverletzung und Raub
8 Straftatbestände gemäß Strafgesetzbuch sind u.a. Sachbeschädigungen, Erpressung, Widerstand gegen die Staatsgewalt, Delikte gegen die öffentliche Ordnung, Störungen,
Hausfriedensbruch, Brandstiftung, Beleidigung, Missbrauch des Notrufs
9 u.a. Delikte gegen die sexuelle Selbstbestimmung, Betrug, Rauschgiftdelikte
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 59
Südost am Standort
229
221 - 3,5
68
78
14,7
86
89 3,5
51
39 - 23,5 24
15 - 37,5
im Schulbetrieb 60 134 123,3 25 61 144,0 18 52 188,9 9 14 55,6 8 7 - 12,5
zusammen 289 355 22,8 93 139 49,5 104 141 35,6 60 53 - 11,7 32 22 - 31,3
Anteil Schule %
20,8
37,7 81,8
26,9
43,9
63,3
17,3
36,9 113,1
15,0
26,4 76,1 25,0
31,8 27,3
Köln
insgesamt am Standort
1.152
1.233 7,0
324
406
25,3
456
481 5,5
274
269 - 1,8 98
77 - 21,4
im Schulbetrieb 395 784 98,5 143 339 137,1 164 284 73,2 59 118 100,0 29 43 48,3
zusammen 1.547 2.017 30,4 467 745 59,5 620 765 23,4 333 387 16,2 127 120 - 5,5
Anteil Schule %
25,5
38,9 52,2
30,6
45,5
48,6
26,5
37,1 40,3
17,7
30,5 72,1 22,8
35,8 56,9
Quelle: PKS 2022 und 2023, LKA NRW – eigene Berechnungen
Tabelle 8: Tatverdächtige an Schulstandorten in den Jahren 2022 und 2023 in den Kölner Polizeiinspektionen
Polizei- Tatörtlichkeit Schulstandort
Tatverdächtige nach den Altersgruppen ... inspektion
Köln unter 14 Jahre Tendenz 14 bis unter 18 Jahre Tendenz 18 bis unter 21 Jahre Tendenz
*2022 *2023 in % *2022 *2023 in % *2022 *2023 in %
PI Mitte 6 14 133,3 17 38 123,5 4 4 0,0
PI Südwest 42 41 -2,4 42 24 -42,9 7 7 0,0
PI West 13 26 100,0 30 47 56,7 2 5 150,0
PI Nordwest 41 47 14,6 44 36 -18,2 5 5 0,0
PI Nordost 69 59 -14,5 85 81 -4,7 12 6 -50,0
PI Südost 48 43 -10,4 64 57 -10,9 8 13 62,5
Köln insges. 219 230 5,0 282 283 0,4 38 40 5,3
2023: 533
Quelle: PKS 2022 und 2023, LKA NRW – eigene Berechnungen
MaKoS
Verfahren und Erprobung 60
Ähnlich verhielt es sich im Bereich der Polizeiinspektion West, wo die Rohheitsdelikte im
Schulalltag von 2022 auf 2023 um fast 230 Prozent zunahmen. Auch wenn die Ausgangs-
zahlen im Jahr 2022 vergleichsweise niedrig waren, zeigt es doch eine starke Verrohung
des Umgangs unter Schülern an. Die Polizeiinspektion West umfasst größtenteils den Stadt-
bezirk Ehrenfeld mit den Stadtteilen Bickendorf, Bocklemünd/Mengenich, Braunsfeld, Eh-
renfeld, Junkersdorf, Lindenthal, Lövenich, Neuehrenfeld, Neustadt-Nord, Müngersdorf,
Ossendorf, Vogelsang, Weiden und Widdersdorf.
Da die Rohheitsdelikte im Schulalltag in allen Polizeiinspektionen einen großen Entwick-
lungssprung machen, ist davon auszugehen, dass es nicht „einzelne „schwarze Schafe“
von Schulen sind, in denen das Problem vorherrscht, sondern dass es sich um einen allge-
meinen Struktureffekt handelt, von dem alle Schulen in Köln betroffen sind. Von daher sind
gezielt Maßnahmen der Gewaltprävention an den Schulen zu verankern. In allen Inspekti-
onen nahmen auch die Diebstahlsdelikte im Schulalltag von 2022 auf 2023 zu. Hier sind
ebenfalls Präventionshilfen notwendig, wie das schulische, aber auch das persönliche Ei-
gentum der Schüler und Lehrer besser geschützt werden können.
Über alle Polizeiinspektionen hinweg ist im Schulbetrieb auch ein deutlicher Anstieg der
Straftatbestände gemäß Strafgesetzbuch zu verzeichnen. Hier sind Präventionsmaßnah-
men zu vertiefen, die beispielsweise vor Sachbeschädigungen und Graffiti schützen. In den
Sicherheitskonzepten der Schulen könnte evtl. auch der Umgang mit Erpressung und Belei-
digungen unter Schülern definiert werden. Auch die Vorbeugung von Störungen der öffent-
lichen Ordnung bedarf einer Strategie.
In der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) werden auch „Tatverdächtige“ erfasst. Im Rah-
men der polizeilichen Ermittlungen gelten sie als verdächtig, eine rechtswidrige Straftat be-
gangen zu haben. Tatverdächtige mit mehreren Fällen der gleichen Straftat werden statis-
tisch nur einmal gezählt. Sie repräsentieren allerdings nur das Hellfeld der registrierten Kri-
minalität, weil bei vielen Delikten das Dunkelfeld der nicht feststellbaren Tatverdächtigen
sehr hoch ist.
Nach Veröffentlichungen des Bundeskriminalamtes (BKA) hat sich die Zahl der Tatverdäch-
tigen in der PKS von 2022 bis 2023 um über 7 Prozent erhöht. Darunter waren im Jahr
2023 knapp 5 Prozent Kinder bis unter 14 Jahre und 9 Prozent Jugendliche zwischen 14-
und unter 18-Jahren. Das BKA führt dazu aus: „Insgesamt gibt es bei der Anzahl der er-
fassten Kinder und Jugendliche deutliche Steigerungen im Vergleich zum Vorjahr (Kinder:
+12,0 Prozent; Jugendliche: +9,5 Prozent). Die Anzahl der tatverdächtigen Kinder liegt im
Jahr 2023 deutlich über dem Niveau des letzten Jahres ohne Corona-bedingte Einschrän-
kungen 2019 (... 2019/2023: +43,0 Prozent). Die Anzahl der als tatverdächtig registrier-
ten Jugendlichen liegt im Jahr 2023 um 17,0 Prozent über der Anzahl im Jahr 2019 (...).
Der Anstieg bei den Kindern und Jugendlichen zeigt sich vor allem bei den nichtdeutschen
Tatverdächtigen.“
10
10 Vgl. Bericht des Bundeskriminalamtes zur Polizeilichen Kriminalstatistik 2023 unter:
https://www.bka.de/DE/AktuelleInformationen/StatistikenLagebilder/PolizeilicheKriminalstatistik/PKS2023/Polizeili-
che_Kriminalstatistik_2023/Polizeiliche_Kriminalstatistik_2023.html [Zugriff: 25.04.2024].
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 61
Im Zusammenhang mit dem Schulstandort als Tatort wurden in der PKS 2023 für Köln ins-
gesamt 553 Tatverdächtige registriert. Gegenüber den 539 Tatverdächtigen, die laut PKS
2022 im Jahr zuvor an Schulstandorten ermittelt worden waren, entspricht das einem An-
stieg um 2,6 Prozent. Bezogen auf die insgesamt festgestellten 1.233 Straftaten an Kölner
Schulen im Jahr 2023 stellen die 488 den Tatverdächtigen zugeschriebenen Delikte das
Hellfeld von 39,6 Prozent dar. Eine Übersicht der Tatverdächtigen von Delikten, die sich
im Schulbetrieb (z.B. während der Unterrichts- und Pausenzeiten) auf dem Schulgelände
ereigneten, ist nicht verfügbar.
Die höchste Zunahme der tatverdächtigen Kinder unter 14 Jahren [um 133 %] vollzog sich
von 2022 auf 2023 an Schulstandorten im Bereich der Polizeiinspektion Mitte – ebenso
der tatverdächtigen Jugendlichen im Alter von 14 bis unter 18 Jahren [um 124 %]; im Blick
stehen dabei die Schulstandorte in den Stadtteilen Altstadt Nord, Altstadt Süd, Neustadt
Süd und Neustadt Nord (vgl. Tabelle 8).
Eine bemerkenswerte Verdopplung der tatverdächtigen Kinder und eine Zunahme der tat-
verdächtigen Jugendlichen um 57 Prozent fand auch in der PI West statt – d.h. im Stadtbe-
zirk Ehrenfeld (vgl. Tabelle 8).
Im Bereich der Polizeiinspektion Nordwest, die sich über den Stadtbezirk Chorweiler – mit
den Stadtteilen Auweiler, Blumenberg, Chorweiler, Esch, Feldkassel, Fühlingen, Heimers-
dorf, Langel, Lindweiler, Merkenich, Pesch, Rheinkassel, Roggendorf/Thenhoven, Seeberg,
Volkhoven/Weiler, Worringen, Bilderstöckchen, Longerich, Mauenheim, Niehl, Nippes,
Riehl, Weidenpesch und Agnesviertel – erstreckt, hatte sich von 2022 auf 2023 allein die
Zahl der tatverdächtigen Kinder erhöht (um 15 %).
Demgegenüber hat sich die Anzahl der tatverdächtigen Kinder und Jugendlichen in den
Polizeiinspektionen Südwest, Nordost und Südost vom Jahr 2022 bis zum Jahr 2023 ver-
ringert. Möglicherweise hängt das damit zusammen, dass die Anzahl der Straftaten an
den Schulstandorten in den Polizeiinspektionen Südwest – mit vielen Stadtteilen der Be-
zirke Rodenkirchen und Lindenthal – und Südost – d.h. in den Stadtbezirken Kalk und
Porz – in dieser Zeit rückläufig war.
MaKoS
Verfahren und Erprobung 62
B1.4 Ausprägung der Straßenkriminalität in den Kölner Quartieren
Im Rahmen der folgenden Tabellenanalysen von Daten der Polizeilichen Kriminalitätsstatis-
tik (PKS) wurden die Kölner Quartiere unter zwei Perspektiven differenziert:
• Höchste Belastung mit Delikten der Straßenkriminalität je Einwohner in den Jahren
2022 und 2023 sowie
• überdurchschnittliche Zunahme der Deliktsumme an Straßenkriminalität im Verlauf
der Jahre von 2019 bis 2023.
Im Blickpunkt stehen die Quartiere, in denen Delikte der Straßenkriminalität im Verlauf der
vergangenen Jahre erstens das höchste Niveau aufweisen und zweitens am stärksten zuge-
nommen haben. Als statistisches Kriterium werden empirische Quantile verwendet – z.B.
die oberen 10 Prozent (Dezil) oder die oberen 20 Prozent (Quintil) der nach der Größe
des berechneten Wertes geordneten 570 statistischen Quartieren der Stadt Köln. Es wer-
den jeweils zwischen 60 und 120 Quartiere mit der höchsten Zunahme bzw. mit dem
höchsten Belastungsindex ausgewählt und hinsichtlich auffallender Differenzen bewertet.
Die Berechnung des Index der durchschnittlichen Kriminalitätsbelastung je Ein-
wohner ergab im Jahr 2022 für die gesamt Stadt Köln den Wert von 0,05. Im Jahr 2023
hatte sich der Wert auf 0,06 erhöht – das heißt: auf 100 Kölner Einwohner entfielen im
Jahr 2023 rund 6 Straftaten der Straßenkriminalität. Im Jahr 2022 wiesen 106 statistische
Quartiere überdurchschnittliche Werte ab 0,06 auf – es handelt sich knapp um das obere
Quintil (18,6 %) aller Kölner Quartiere (vgl. Tabelle 9A). Im Jahr 2023 wurden über-
durchschnittliche Werte in 101 Quartieren festgestellt (vgl. Tabelle 9B). Überdurchschnittli-
che Quoten der Straßenkriminalität je Einwohner konzentrierten sich in diesem Jahr auf
17,7 Prozent der Kölner Quartiere.
Das obere Dezil umfasste im Jahr 2023 insgesamt 59 Quartiere (rund 10 % aller Quar-
tiere) mit einem Indexwert von 0,11 und höher – das heißt: 11 oder mehr Straftaten der
Straßenkriminalität auf 100 Kölner Einwohner :
• Darunter dominieren Gebiete der Innenstadt. Die 28 Quartiere repräsentieren fast
die Hälfte (47,5%) innerhalb des oberen Zehntels mit der höchsten Kriminalitätsbe-
lastung je Einwohner.
• Es folgt der Stadtbezirk Mülheim mit 7 Quartieren (12 %). Jeweils 5 Quartiere
(9%) gehören dem Stadtbezirk Porz und dem Stadtbezirk Kalk an – zusammen stel-
len diese rechtsrheinischen Quartiere knapp ein Drittel der Stadträume mit der
höchsten Kriminalitätsbelastung je Einwohner dar.
• Zum Stadtbezirk Ehrenfeld gehören ebenfalls 7 der besonders belasteten Quartiere
(12 %) und zum Stadtbezirk Lindenthal 4 Gebiete (7 %), die allerdings auf den hin-
teren Rängen liegen. In diesem linksrheinischen Bereich sind somit rund ein Fünftel
der Stadträume mit der höchsten Kriminalitätsbelastung je Einwohner vorzufinden.
• Den Stadtbezirken Rodenkirchen, Nippes und Chorweiler gehört jeweils nur ein
Quartier mit einer sehr hohen Kriminalitätsbelastung je Einwohner an (zusammen 5
%).
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 63
Tab. 9A: Straßenkriminalität je Einwohner in den Kölner Quartieren i m Jahr 2022
Rang-
Platz
2022
Quartiere in Köln
Delikte der
Straßen-
kriminalität
2022
Einwohner
31.12.2022
Straßen-
kriminalität
je Einwohner
1 103040001 / Neumarkt-Viertel - St. Andreas 4508 2.566 1,76
2 103050001 / City - St. Martin 3409 2.362 1,44
3
101030001 / Cäcilien-Viertel - Josef-Haubrich-
Hof 1682 1.583 1,06
4 709010001 / Alt-Grengel 737 1.714 0,43
5
101020001 / Mauritius-Viertel - Mauritiuskirch-
platz 670 2.112 0,32
6 802020001 / Köln Arcaden 1003 3.195 0,31
7 105010001 / Deutz - Ottoplatz 624 2.277 0,27
8 802010002 / Kalk - Vorsterstr. 633 2.590 0,24
9
901020003 / Mülheimer Stadtgarten - Jan-Wel-
lem-Str. 642 2.636 0,24
10 104030003 / Agnes-Viertel - Lupusstr. 563 2.356 0,24
11 102030001 / Studenten-Viertel 554 2.455 0,23
12 104020002 / Stadtgarten-Viertel - Bismarckstr. 278 1.349 0,21
13
901020002 / Mülheimer Stadtgarten - Rhodius-
str. 360 1.786 0,20
14 901030006 / Mülheim - Liebfrauen-Kirche 285 1.418 0,20
15 802010004 / Kalk - St. Marien 450 2.266 0,20
16 104020001 / Stadtgarten-Viertel - Colonius 365 1.882 0,19
17
806020001 / Siedlung Madaus - Auf dem Ei-
chenbrett 374 1.950 0,19
18 802010006 / Kalk - Trimbornstr. 344 1.869 0,18
19
102050002 / Komponisten-Viertel - Yitzhak-
Rabin-Platz 402 2.209 0,18
20 105060001 / Fachhochschule Deutz - Messe 450 2.579 0,17
21 401040004 / Vogelsanger Str. - Neptunplatz 350 2.061 0,17
22 609010001 / Chorweiler - Turkuplatz 456 2.711 0,17
23 401010004 / Ehrenfeld-West - Leo-Amann-Park 290 1.786 0,16
24 101060003 / Severins-Viertel - Krankenhaus 268 1.663 0,16
25 104010003 / Belgisches Viertel - Bismarckstr. 209 1.305 0,16
26 103090001 / Apostel-Viertel 332 2.132 0,16
27 104040001 / Media-Park 372 2.404 0,15
28 102060001 / Rathenau-Viertel - Rathenauplatz 291 1.887 0,15
29 305040001 / Neu-Müngersdorf 183 1.245 0,15
30 103010001 / Kuniberts-Viertel - St. Kunibert 266 1.834 0,15
31 103020001 / Eigelstein-Viertel 360 2.488 0,14
32
405040004 / Neu-Bocklemünd - Auferstehungs-
kirche 183 1.291 0,14
33 104060001 / Villen-Viertel - Theodor-Heuss-Ring 188 1.347 0,14
MaKoS
Verfahren und Erprobung 64
Rang-
Platz
Quartiere in Köln
Delikte der
Straßen-
kriminalität
2022
Einwohner
31.12.2022
Straßen-
kriminalität
je Einwohner
34 102050003/Komponisten-Viertel/Aachener Str 238 1.725 0,14
35 705020001 / Eil - St.-Rochus-Str. 395 2.864 0,14
36 401020001 / Ehrenfeld - Lichtstr. 283 2.102 0,13
37 706010001 / Porz-Mitte - Zentrum 253 1.964 0,13
38 504060001 / Hafen Niehl 160 1.267 0,13
39 102020003 / Volksgarten-Viertel - Pfälzer Str. 203 1.636 0,12
40 104010002 / Belgisches Viertel - Lütticher Str. 280 2.271 0,12
41 104010001 / Belgisches Viertel - Brüsseler Platz 344 2.824 0,12
42 401030002 / Ehrenfeld - Hansemannstr. 226 1.904 0,12
43 103030001 / Gereons-Viertel - St. Gereon 217 1.854 0,12
44
704010001 / Gremberghoven - Auf dem Streit-
acker 166 1.419 0,12
45 307020005 / Neu-Weiden - Einkaufszentrum 284 2.437 0,12
46 303020001 / Uni-Viertel - Kliniken 280 2.481 0,11
47 208050003 / Rodenkirchen - Rathaus 144 1.277 0,11
48 901040001 / Keupstr. - Schanzenstr. 232 2.097 0,11
49 903020005 / Buchheim - Hermann-Kunz-Str. 192 1.755 0,11
50
901020004 / Mülheimer Stadtgarten - Monta-
nusstr. 251 2.329 0,11
51 402030001 / Schlachthof-Süd 194 1.816 0,11
52 901030004 / Mülheim - Deutz-Mülheimer Str. 305 2.869 0,11
53 102010004 / Südstadt - Kurfürstenstr. 262 2.549 0,10
54
802030001 / Technologie- und Industriepark
Kalk-Süd 143 1.443 0,10
55 802010005 / Kalk - Thumbstr. 186 1.880 0,10
56 306020001 / Stadtwaldsiedlung - Marsdorf 228 2.331 0,10
57 302050001 / Justiz-Viertel 131 1.373 0,10
58 101060005 / Severins-Viertel - St. Severin 137 1.438 0,10
59 706010004 / Porz-Mitte - Rathaus 130 1.390 0,09
60 102040001 / Südbahnhof-Viertel 223 2.393 0,09
61
101030002 / Cäcilien-Viertel - Großer Griechen-
markt 147 1.589 0,09
62
102050001 / Komponisten-Viertel - Jean-Claude-
Letist-Platz 161 1.821 0,09
63 104030001 / Agnes-Viertel - Aquinostr. 244 2.852 0,09
64 501020009 / Nippes - Gellertstr. 183 2.155 0,08
65 701020003 / Poll - Jakob-Kneip-Str. 91 1.098 0,08
66 201010001 / Bayenthal - Mathiaskirchplatz 160 1.980 0,08
67 101010001 / Kapitol-Viertel 135 1.682 0,08
68 101050001 / Georgs-Viertel 206 2.590 0,08
69 406030001 / Siedlung Butzweiler Hof 213 2.703 0,08
70 101060006 / Severins-Viertel - Karl-Berbuer-Platz 104 1.345 0,08
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 65
Rang-
Platz
Quartiere in Köln
Delikte der
Straßen-
kriminalität
2022
Einwohner
31.12.2022
Straßen-
kriminalität
je Einwohner
71 404040001 / Vogelsang-Nord - Kolkrabenschule 101 1.316 0,08
72 501020005 / Nippes - Wilhelmplatz 103 1.348 0,08
73 701030001 / Poll-Ost - TÜV Rheinland 93 1.237 0,08
74 105010002 / Deutz - St. Heribert 124 1.655 0,07
75 102020002 / Volksgarten-Viertel - Burgunderstr. 110 1.477 0,07
76 302010002/Weißhaus -Viertel - Räuberwald 100 1.360 0,07
77 303060002 / Melaten - Clarenbachkanal 113 1.585 0,07
78
901020001 / Mülheimer Stadtgarten - Rendsbur-
ger Platz 151 2.160 0,07
79 206030001 / Rondorf-West - Höningen 122 1.772 0,07
80 711010002 / Wahn - Schloss Wahn 166 2.428 0,07
81 507050001 / Schlachthof-Nord 110 1.610 0,07
82 802040003 / Kalk-Nord - Krankenhaus 121 1.774 0,07
83 801020001 / Gremberg 142 2.113 0,07
84 905010002 / Dellbrück - Von-Quadt-Str. 122 1.823 0,07
85 103030002 / Gereons-Viertel - Klingelpützpark 91 1.370 0,07
86 401040005 / Vogelsanger Str. - Berufskolleg 129 1.956 0,07
87 304040001 / GE Braunsfeld 126 1.911 0,07
88 707010004 / Urbach - Fauststr. 113 1.720 0,07
89 102020001 / Volksgarten-Viertel - Pauluskirche 166 2.549 0,07
90 211010001 / Godorf 170 2.657 0,06
91 102010002 / Südstadt - Campus Südstadt 145 2.270 0,06
92
507010002 / Bilderstöckchen - Heinrich-Pesch-
Str. 106 1.663 0,06
93 302060001 / Uni-Center 94 1.482 0,06
94 805010001 / Ostheim-Nord - Rösrather Str. 160 2.528 0,06
95 801010002 / Humboldt - Gießener Str. 121 1.929 0,06
96 101020002 / Mauritius-Viertel - Weyerstr. 122 1.949 0,06
97 105030001 / Hafen-Viertel 150 2.399 0,06
98 102070001 / GE Südstadt 115 1.870 0,06
99 901030005 / Mülheim - Herz-Jesu-Kirche 71 1.157 0,06
100 101060004 / Severins-Viertel - St. Katharinen 120 1.974 0,06
101 104030005 / Agnes-Viertel - Alte Feuerwache 137 2.339 0,06
102 213010001 / Alt-Meschenich - Kirche 86 1.481 0,06
103 403050001 / Bickendorf - Gewerbegebiet 99 1.708 0,06
104 804030002 / Höhenberg - Münchener Str. 103 1.780 0,06
105 104050001 / Gerichts-Viertel 141 2.515 0,06
106 207030001 / Hahnwald 113 2.028 0,06
570 Köln 2022 insgesamt 59233 1.092.118 0,05
Quelle: PKS 2022, LKA NRW – eigene Berechnungen
MaKoS
Verfahren und Erprobung 66
Tab. 9B: Straßenkriminalität je Einwohner in den Kölner Quartieren i m Jahr 2023
Rang-
Platz
2023
Quartiere in Köln
Delikte der
Straßen-
kriminalität
2023
Einwohner
31.12.2023
Straßen-
kriminalität
je Einwohner
Rang-
Platz
2022
1 103040001 / Neumarkt-Viertel - St. An-
dreas 5.037 2.527 1,99 1
2 103050001 / City - St. Martin 4.000 2.351 1,70 2
3 101030001 / Cäcilien-Viertel - Josef-Hau-
brich-Hof 2.362 1.568 1,51 3
4 709010001 / Alt-Grengel 1.015 1.724 0,59 4
5 802020001 / Köln Arcaden 1.314 3.172 0,41 6
6 105010001 / Deutz - Ottoplatz 842 2.245 0,38 7
7 104030003 / Agnes-Viertel - Lupusstr. 876 2.373 0,37 10
8 802010002 / Kalk - Vorsterstr. 850 2.589 0,33 8
9 901020003 / Mülheimer Stadtgarten -
Jan-Wellem-Str. 814 2.642 0,31 9
10 101020001 / Mauritius-Viertel - Mauriti-
uskirchplatz 647 2.110 0,31 5
11 104020002 / Stadtgarten-Viertel - Bis-
marckstr. 372 1.368 0,27 12
12 901020002 / Mülheimer Stadtgarten -
Rhodiusstr. 450 1.843 0,24 13
13 101060003 / Severins-Viertel - Kranken-
haus 402 1.694 0,24 24
14 802010006 / Kalk - Trimbornstr. 437 1.893 0,23 18
15 105060001 / Fachhochschule Deutz -
Messe 559 2.562 0,22 20
16 901030006 / Mülheim - Liebfrauen-Kir-
che 304 1.430 0,21 14
17 104020001 / Stadtgarten-Viertel - Colo-
nius 394 1.865 0,21 16
18 104010003 / Belgisches Viertel - Bis-
marckstr. 271 1.331 0,20 25
19 609010001 / Chorweiler - Turkuplatz 522 2.624 0,20 22
20 802010004 / Kalk - St. Marien 454 2.291 0,20 15
21 104060001 / Villen-Viertel - Theodor-
Heuss-Ring 255 1.325 0,19 33
22 806020001 / Siedlung Madaus - Auf
dem Eichenbrett 362 1.908 0,19 17
23 102050002 / Komponisten-Viertel - Yitz-
hak-Rabin-Platz 420 2.238 0,19 19
24 901030004 / Mülheim - Deutz-Mülheimer
Str. 534 2.861 0,19 52
25 103020001 / Eigelstein-Viertel 453 2.467 0,18 31
26 401010004 / Ehrenfeld-West - Leo-
Amann-Park 330 1.812 0,18 23
27 103010001 / Kuniberts-Viertel - St. Kuni-
bert 323 1.837 0,18 30
28 401040004 / Vogelsanger Str. - Neptun-
platz 349 2.048 0,17 21
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 67
Rang-
Platz
2023
Quartiere in Köln
Delikte der
Straßen-
kriminalität
2023
Einwohner
31.12.2023
Straßen-
kriminalität
je Einwohner
Rang-
Platz
2022
29 102050003 / Komponisten-Viertel -
Aachener Str. 286 1.705 0,17 34
30 102030001 / Studenten-Viertel 413 2.482 0,17 11
31 504060001 / Hafen Niehl 204 1.235 0,17 38
32 704010001 / Gremberghoven - Auf dem
Streitacker 262 1.620 0,16 44
33 903020005 / Buchheim - Hermann-Kunz-
Str. 276 1.709 0,16 49
34 104040001 / Media-Park 392 2.440 0,16 27
35 901020004 / Mülheimer Stadtgarten -
Montanusstr. 369 2.312 0,16 50
36 103030001 / Gereons-Viertel - St. Ge-
reon 279 1.829 0,15 43
37 401030002 / Ehrenfeld - Hansemannstr. 294 1.972 0,15 42
38 103090001 / Apostel-Viertel 320 2.152 0,15 26
39 102020003 / Volksgarten-Viertel - Pfäl-
zer Str. 231 1.619 0,14 39
40 208050003 / Rodenkirchen - Rathaus 169 1.249 0,14 47
41 306020001 / Stadtwaldsiedlung - Mars-
dorf 301 2.305 0,13 56
42 307020005 / Neu-Weiden - Einkaufszent-
rum 317 2.440 0,13 45
43 102040001 / Südbahnhof-Viertel 293 2.336 0,13 60
44 102060001 / Rathenau-Viertel -
Rathenauplatz 230 1.899 0,12 28
45 101030002 / Cäcilien-Viertel - Großer
Griechenmarkt 188 1.580 0,12 61
46 901040001 / Keupstr. - Schanzenstr. 247 2.082 0,12 48
47 706010001 / Porz-Mitte - Zentrum 240 2.028 0,12 37
48 303020001 / Uni-Viertel - Kliniken 289 2.462 0,12 46
49 104010002 / Belgisches Viertel - Lütti-
cher Str. 266 2.267 0,12 40
50 104010001 / Belgisches Viertel - Brüsse-
ler Platz 329 2.817 0,12 41
51 402030001 / Schlachthof-Süd 217 1.860 0,12 51
52 405040004 / Neu-Bocklemünd - Auferste-
hungskirche 146 1.290 0,11 32
53 706010004 / Porz-Mitte - Rathaus 163 1.441 0,11 59
54 102020002 / Volksgarten-Viertel - Bur-
gunderstr. 164 1.450 0,11 75
55 401020001 / Ehrenfeld - Lichtstr. 247 2.194 0,11 36
56 305040001 / Neu-Müngersdorf 142 1.294 0,11 29
57 101050001 / Georgs-Viertel 280 2.602 0,11 68
58 701030001 / Poll-Ost - TÜV Rheinland 134 1.273 0,11 73
59 406030001 / Siedlung Butzweiler Hof 289 2.750 0,11 69
60 104030001 / Agnes-Viertel - Aquinostr. 295 2.826 0,10 63
MaKoS
Verfahren und Erprobung 68
Rang-
Platz
2023
Quartiere in Köln
Delikte der
Straßen-
kriminalität
2023
Einwohner
31.12.2023
Straßen-
kriminalität
je Einwohner
Rang-
Platz
2022
61 802010005 / Kalk - Thumbstr. 190 1.828 0,10 55
62 802030001 / Technologie- und Industrie-
park Kalk-Süd 146 1.454 0,10 54
63 101010001 / Kapitol-Viertel 164 1.697 0,10 67
64 211010001 / Godorf 264 2.756 0,10 90
65 501020009 / Nippes - Gellertstr. 204 2.135 0,10 64
66 101060006 / Severins-Viertel - Karl-Ber-
buer-Platz 127 1.356 0,09 70
67 901030002 / Mülheim - Gymnasiumstr. 163 1.749 0,09 - - -
68 805010001 / Ostheim-Nord - Rösrather
Str. 237 2.563 0,09 94
69 102050001 / Komponisten-Viertel - Jean-
Claude-Letist-Platz 169 1.837 0,09 63
70 302050001 / Justiz-Viertel 124 1.351 0,09 57
71 101060004 / Severins-Viertel - An St. Ka-
tharinen 177 1.966 0,09 100
72 303060002 / Melaten - Clarenbachkanal 142 1.580 0,09 77
73 208050001 / Rodenkirchen - Mildred-
Scheel-Str. 156 1.760 0,09 - - -
74 102070001 / GE Südstadt 163 1.846 0,09 98
75 101060005 / Severins-Viertel - St. Se-
verin 125 1.430 0,09 58
76 102010004 / Südstadt - Kurfürstenstr. 215 2.542 0,08 53
77 201010001 / Bayenthal - Mathiaskirch-
platz 164 1.977 0,08 66
78 701020003 / Poll - Jakob-Kneip-Str. 89 1.075 0,08 65
79 303010003 / Alt-Lindenthal - Dürener
Str. 107 1.301 0,08 - - -
80 105010002 / Deutz - St. Heribert 133 1.623 0,08 74
81 105030001 / Hafen-Viertel 195 2.404 0,08 97
82 801020001 / Gremberg 167 2.119 0,08 83
83 501020005 / Nippes - Wilhelmplatz 106 1.353 0,08 72
84 103030002 / Gereons-Viertel - Klingel-
pützpark 107 1.370 0,08 85
85 101020002 / Mauritius-Viertel - Weyer-
str. 151 1.955 0,08 96
86 208100001 / Sürther Feld - Michaels-
hoven 197 2.607 0,08 - - -
87 705020001 / Eil - St.-Rochus-Str. 223 2.973 0,08 35
88 205050001 / Zollstock-Nord - Zollstock
Arkaden 127 1.722 0,07 - - -
89 707010004 / Urbach - Fauststr. 123 1.678 0,07 88
90 206030001 / Rondorf-West - Höningen 132 1.806 0,07 79
91 903010001 / Siedlung Buchheim 155 2.146 0,07 - - -
92 104030005 / Agnes-Viertel - Alte Feuer-
wache 167 2.321 0,07 101
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 69
Rang-
Platz
2023
Quartiere in Köln
Delikte der
Straßen-
kriminalität
2023
Einwohner
31.12.2023
Straßen-
kriminalität
je Einwohner
Rang-
Platz
2022
93 805020001 / Ostheim-Süd 202 2.873 0,07 - - -
94 901020001 / Mülheimer Stadtgarten -
Rendsburger Platz 151 2.158 0,07 78
95 609010002 / Chorweiler - Uppsalasteig 87 1.258 0,07 - - -
96 103070001 / Ursula-Viertel 148 2.151 0,07 - - -
97 507050001 / Schlachthof-Nord 113 1.647 0,07 81
98 102010002 / Südstadt - Campus Süd-
stadt 152 2.230 0,07 91
99 102020001 / Volksgarten-Viertel - Pau-
luskirche 166 2.476 0,07 89
100 205060001 / GE Zollstock - Zollstock-
höfe 156 2.344 0,07 - - -
101 802040003 / Kalk-Nord - Krankenhaus 115 1.762 0,07 82
102 KÖLN 2023 insgesamt 66.825 1.095.520 0,06 0,05
Quelle: PKS 2023, LKA NRW – eigene Berechnungen
Am stärksten war in den Jahren 2022 und 2023 der Innenstadtbereich zwischen
Neumarkt und Domplatte belastet. Dort entfielen durchschnittlich 15 bis 20 kriminelle
Delikte auf 100 Einwohner, wobei davon auszugehen ist, dass diese Ereignisse nicht nur
von Bewohnern, sondern auch von Besucherinnen und Besuchern dieses hochfrequentier-
ten Stadtbereichs verursacht wurden.
Auffallend ist, dass das peripher gelegene Quartier Alt-Grengel den Rangplatz 4 be-
legt: Darin sind überwiegend Delikte enthalten, die im Bereich des Kölner Flughafens
begangen wurden.
In einer näheren Betrachtung lassen sich für das Jahr 2023 die 28 Quartiere im Stadtbe-
zirk Innenstadt strukturell grob unterscheiden:
• Neben den Bereichen am Neumarkt, um den Dom herum und an den Ringen ent-
lang bis zum Media-Park, die zu verschiedenen Tages- und Wochenzeiten durch un-
terschiedliche Besucherverkehre hochfrequentiert sind,
• spielen auch zentrale Wohnquartiere im Umfeld von Plätzen eine Rolle wie der
Mauritius-Kirch-Platz, der Stadtgarten, der Ebertplatz zwischen Eigelstein-Viertel
und Agnes-Viertel, das Umfeld des Brüsseler Platzes im Belgischen Viertel, der
Chlodwigplatz im Severins-Viertel und der Ottoplatz in Deutz.
• Darüber hinaus werden einige Bereiche durch studentischen Besucherverkehr ge-
kennzeichnet wie etwa die Bereiche am Anfang der Luxemburger Straße (Studen-
ten-Viertel, das Südbahnhofviertel und das Volksgarten-Viertel) sowie das Quartier
an der Technischen Hochschule in Deutz.
Nach der Innenstadt weist der Stadtbezirk Mülheim die höchste Zahl an belasteten
Quartieren auf. Sie bündeln sich um den Stadtgarten (Quartier Jan-Wellem-Straße auf
MaKoS
Verfahren und Erprobung 70
Rang 9, Rhodiusstraße auf Rang 12 und Montanusstraße auf Rang 35). In der Nähe befin-
det sich das Quartier Liebfrauenkirche (Rang 16). Unter dem oberen Zehntel der Stadt-
räume mit der höchsten Kriminalitätsbelastung je Einwohner ist auch das Gewerbequartier
Keupstraße/Schanzenstraße zu finden, wo einige TV-Studios mit Besucherverkehr ihren
Standort haben. Auch der Bereich an der Deutz-Mülheimer Straße gehört – auf Rang 24 –
dazu.
Im Stadtbezirk Kalk gehören die benachbarten Quartiere Köln-Arcaden (Rang 5) und
Vorsterstraße (Rang 8) zur Spitzengruppe der Stadträume mit der höchsten Kriminalitäts-
belastung je Einwohner. Auf der anderen Seite der Kalker Hauptstraße kann die S -Bahn-
Station Trimbornstraße (Rang 14) zu dem Gebietscluster hinzugerechnet werden. Darüber
hinaus zählt der Technologie- und Industriepark Kalk-Süd im Umfeld der Kalk-Mülheimer
Straße (St. Marien, Rang 20) dazu.
Überraschenderweise liegt das Quartier Siedlung Madaus – Auf dem Eichenbrett
im Stadtteil Merheim auf Rangplatz 22: In diesem Neubauareal, das östlich der Nord-
Süd-Autobahn auf der ehemaligen Madaus-Brache im Laufe des vergangenen Jahrzehnts
entstanden ist, wurde als durchschnittliche Kriminalitätsbelastung je Einwohner sowohl im
Jahr 2022 als auch im Jahr 2023 ein Indexwert von 0,19 ermittelt, was mehr als dem Drei-
fachen der Kölner Durchschnittsbelastung im Jahr 2023 entspricht – je 100 Einwohner
ergibt das somit 19 Straftaten.
Im Stadtbezirk Ehrenfeld ist das Quartiersbündel Neptunplatz (Rang 28), Leo-Am-
mann-Park (Rang 26), Hansemannstraße (Rang 37) und Lichtstraße (Rang 55) Teil des
oberen Dezils der Stadträume mit der höchsten Kriminalitätsbelastung je Einwohner. Au-
ßerdem zählen die Quartiere Schlachthof -Süd (Rang 51), Neu-Bocklemünd (Rang 52) und
der benachbarten Siedlung Butzweiler Hof (Rang 59) im Ossendorfer Gewerbegebiet –
allerdings im hinteren Teil der Verteilung – dazu.
Die Quartiere im Stadtbezirk Lindenthal liegen in der hinteren Hälfte der Verteilung.
Es sind die periphere Stadtwaldsiedlung Marsdorf in der Nähe des Rhein-Energie-Stadions
(Rang 41), der Bereich um das Einkaufszentrum in Neu-Weiden (Rang 42), das Klinikvier-
tel an der Universität (Rang 48) und das Quartier Neu-Müngersdorf (Rang 56).
Quartiere mit einer sehr hohen Kriminalitätsbelastung je Einwohner sind im Stadtbezirk
Porz verteilt über das Zentrum Porz-Mitte (Rang 47 und 53), Alt-Grengel im Osten am
Flughafen (Rang 4), Poll-Ost (Rang 58) und die Siedlung Auf dem Streitacker (Rang 32),
die formal zum Stadtteil Gremberghoven gehört, aber an Finkenberg angrenzt. Abgese-
hen vom Flughafenquartier Alt-Grengel liegen die Porzer Stadträume nicht im vorderen
Feld der Verteilung.
Im Stadtbezirk Chorweiler fällt nur das Quartier um den zentralen Turkuplatz (Rang
19) unter die Kölner Stadträume mit der höchsten Kriminalitätsbelastung je Einwohner. Im
Stadtbezirk Nippes zählt allein das Quartier Hafen Niehl (Rang 31) und im Stadtbe-
zirk Rodenkirchen das Rathausquartier (Rang 40) zu diesen besonders belasteten Ge-
bieten.
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 71
Wenn die Rangplätze der Quartiere in den Jahren 2022 und 2023 miteinander
verglichen werden, ist auf den vorderen Plätzen eine Stabilität zu erkennen. Auch in der
weiteren Verteilung verändern sich die Platzierungen nur geringfügig (zwischen drei und
neun Rangplätzen). Relativ stabil befinden sich unter den vorderen 40 Rangplätzen Quar-
tiere der Stadtbezirke Innenstadt, Kalk, Mülheim und Ehrenfeld.
Bemerkenswert größere Sprünge waren von 2022 auf 2023 bei den folgenden Quartieren
im Stadtbezirk Innenstadt zu beobachten:
• Um 21 Rangplätze [von 75 auf 54] steigt das Volksgarten-Viertel – Burgunder-
straße in der Verteilung nach oben. Entfielen im Jahr 2022 rund 7 Delikte auf 100
Einwohner, so waren es im Jahr 2023 mit 11 deutlich mehr.
• Das Südbahnhof-Viertel macht einen Sprung von 17 Plätzen von Rangplatz 60 (mit
einer Kriminalitätsbelastung von 0,09 je Einwohner) auf Rangplatz 43 (Zunahme
der Belastung auf 0,13).
• Um jeweils 16 Plätze springen das Cäcilien-Viertel – Großer Griechenmarkt [von
Rang 61 auf Rang 45 – Erhöhung der Belastung von 0,09 auf 0,12] und das Ha-
fen-Viertel [von Rang 97 auf Rang 81 – Erhöhung der Belastung von 0,06 auf
0,08].
• Eine Veränderung von 12 Plätzen ist beim Villen-Viertel – Theodor-Heuss-Ring fest-
zustellen [von Rang 33 auf Rang 21 – Erhöhung der Belastung von 0,14 auf 0,19].
• Um jeweils 11 Plätze verändern sich das Severins-Viertel – Krankenhaus [von Rang
24 auf Rang 13 – Erhöhung der Belastung von 0,20 auf 0,24] und das Georgs-
Viertel [von Rang 68 auf Rang 57 – Erhöhung der Belastung von 0,08 auf 0,11].
Eine Veränderung um 26 Rangplätze kennzeichnet das Quartier Godorf im Stadtbezirk
Rodenkirchen; der Sprung von Rang 90 auf Rang 64 bedeutet eine Erhöhung der Krimina-
litätsbelastung von 0,06 auf 0,10 je Einwohner. Im Stadtbezirk Kalk fand von 2022 auf
2023 eine ähnliche Veränderung im Quartier Ostheim-Nord – Rösrather Straße statt [von
Rang 94 auf Rang 68 – Erhöhung der Belastung von 0,06 auf 0,09]. Im Stadtbezirk Mül-
heim veränderte sich die Position des Quartiers Mülheim – Deutz-Mülheimer Straße um 28
Plätze von 52 auf 24 [Erhöhung der Belastung von 0,11 auf 0,19]. Ein ähnlicher Sprung
vollzog sich im Quartier Buchheim – Hermann-Kunz-Straße [von Rang 49 auf Rang 33 –
Erhöhung der Belastung von 0,11 auf 0,16].
Bei nur zwei Quartieren vollzieht sich die Veränderung in die andere Richtung: Die Posi-
tion des Quartiers Mülheimer Stadtgarten – Montanusstraße verringert sich um 20 Plätze
von Rang 15 auf Rang 35. Eine ähnliche Abstufung kennzeichnet das Quartier Studenten-
Viertel, das von Rang 11 im Jahr 2022 auf Rang 30 im Jahr 2023 fällt [Abnahme der der
Kriminalitätsbelastung von 0,23 auf 0,17 je Einwohner].
Die zweite Tabellenanalyse richtet das Augenmerk auf die Entwicklung der Stra-
ßenkriminalität in den Kölner Quartieren in den zwei Jahren von 2022 bis
2023. Nach den Daten der Polizeilichen Kriminalstatistik hat sich die Zahl von Delikten
MaKoS
Verfahren und Erprobung 72
der Straßenkriminalität in Köln im Zeitraum der Jahre 2022 und 2023 um 12,8 Prozent er-
höht.
In 62 statistischen Quartieren fiel die Zunahme mehr als viermal so hoch wie der Stadt-
durchschnitt von 12,8 Prozent aus. Es handelt sich um knapp 11 Prozent aller 570 Quar-
tiere; sie repräsentieren das obere Dezil der – nach dem Ausmaß der Entwicklung geord-
neten – Verteilung (vgl. Tabelle 10). Die meisten dieser Quartiere mit einer außeror-
dentlich hohen Deliktzunahme liegen in den folgenden Stadtbezirken:
• Lindenthal (16 Quartiere; 25,8%),
• Mülheim (15 Quartiere; 24,2%) sowie
• Porz (10 Quartiere; 16,1%) und
• Rodenkirchen (8 Quartiere; 12,9%).
Jeweils vier Quartiere gehören zu den Stadtbezirken Chorweiler und Kalk, drei befinden
sich im Stadtbezirk Ehrenfeld und jeweils ein Quartier in den Stadtbezirken Innenstadt und
Nippes (zusammen 21% der 62 Quartiere mit einer besonders starken Deliktzunahme).
Das stärkste Wachstum der Straftaten von 100 Prozent und mehr vollzog sich von
2022 auf 2023 in den folgenden Stadtbezirken und Quartieren:
• im Stadtbezirk Ehrenfeld à das Quartier Ehrenfeld-West – Hackländerstraße;
• im Stadtbezirk Mülheim à die Quartiere Buchheim – St. Mauritius, Mülheim –
Gymnasiumstraße und Höhenhaus – Gesamtschule;
• im Stadtbezirk Lindenthal à die Quartiere Widdersdorf-Süd – Im Toennesfeld,
Stenzelbergstraße, Lövenich -Ost – Siedlung Haus Közal und Lövenich-West – Gut
Keuschhof;
• im Stadtbezirk Porz à das Quartier Wahnheide – Gudrunstraße;
• im Stadtbezirk Kalk à die Quartiere Rath – An der Mollburg, Ostheim-Süd und die
Siedlung Madaus – Hopfenstraße.
Auf der anderen Seite der Verteilung stehen 202 Quartiere mit einer Verringerung der
Delikthäufigkeit. In rund einem Drittel aller Kölner Quartiere (35,4%) hat die An-
zahl von Delikten der Straßenkriminalität vom Jahr 2022 zum Jahr 2023 abgenommen.
Darunter hat sich die Anzahl der Straftaten in 47 Raumeinheiten (8,2% aller Kölner Quar-
tiere) um mehr als 25 Prozent verringert (vgl. Tabelle 11). Diese Quartiere verteilen sich
über alle Kölner Stadtbezirke (Stadtbezirk Nippes: 10 Quartiere; Lindenthal: 6 Quartiere;
Ehrenfeld: 6 Quartiere; Chorweiler: 6 Quartiere; Kalk: 7 Quartiere; Mülheim: 6 Quartiere;
Rodenkirchen: 3 Quartiere; Porz: 3 Quartiere; Innenstadt: 2 Quartiere). In den meisten
Fällen handelt es sich um periphere Teilräume mit geringeren Deliktfrequenzen. In einigen
Quartieren vollzog sich die Abnahme aber auf einer hohen Deliktfrequenz: wie zum Bei-
spiel im Studentenviertel in der Innenstadt oder im Quartier Rochusstraße im
Stadtteil Finkenberg sowie im Bereich Vogelsanger Straße in Ehrenfeld und im
Kalker Stadtteil Humboldt-Gremberg.
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 73
Tab. 10: Statistische Quartiere in Köln mit einer besonders hohen Zunahme von Delikten der Stra-
ßenkriminalität im Zeitraum der Jahre 2022 und 2023
Rang Statistische Quartiere in Köln
Delikte der Straßenkriminalität
im Jahr
2023
im Jahr
2022
Entwicklung
in %
1 401010008 / Ehrenfeld-West - Hackländerstr. 82 34 141,2
2 903020004 / Buchheim - St. Mauritius 33 14 135,7
3 901030002 / Mülheim - Gymnasiumstr. 163 70 132,9
4 309050003 / Widdersdorf-Süd - Im Toennesfeld 9 4 125,0
5 301010002 / Klettenberg - Stenzelbergstr. 31 14 121,4
6 308030002 / Lövenich-Ost - Siedlung Haus Közal 13 6 116,7
7 710010004 / Wahnheide - Gudrunstr. 41 19 115,8
8 308040003 / Lövenich-West - Gut Keuschhof 27 13 107,7
9 906030001 / Höhenhaus - Gesamtschule 60 29 106,9
10 808020004 / Rath - An der Mollburg 49 24 104,2
11 805020001 / Ostheim-Süd 202 101 100,0
12 806020002 / Siedlung Madaus - Hopfenstr. 14 7 100,0
13 705020002 / Eil - Pfaffengäßchen 55 28 96,4
14 307020003 / Neu-Weiden - Sportplatz 25 13 92,3
15 703010003 / Ensen - Evastr. 38 20 90,0
16 903020006 / Buchheim - Arnsberger Str. 69 37 86,5
17 212010001 / Immendorf 41 22 86,4
18 504040002 / Niehl - St. Katharina 134 72 86,1
19 302020007 / Sülz - Auerbachplatz 61 33 84,8
20 303030003 / Neu-Lindenthal - Krieler Dom 31 17 82,4
21 302010001 / Weißhaus -Viertel - Weißhaus 67 37 81,1
22 905020002 / Hagedorn - Talstr. 69 39 76,9
23 303010003 / Alt-Lindenthal - Dürener Str. 107 61 75,4
24 901030004 / Mülheim - Deutz-Mülheimer Str. 534 305 75,1
25 405040005 / Neu-Bocklemünd - Börnestr. 40 23 73,9
26 903020003 / Buchheim - Johanniterstr. 33 19 73,7
27 205060001 / GE Zollstock - Zollstockhöfe 156 90 73,3
28 709040002 / Neu-Grengel - Kantstr. 38 22 72,7
29 902020001 / Siedlung Blauer Hof - Heidelberger
Str. 152 89 70,8
30 905010003 / Dellbrück - Ernastr. 29 17 70,6
31 307020007 / Neu-Weiden - Alte Post 17 10 70,0
32 603010004 / Seeberg-Nord - Ludwig-Gies-Str. 39 23 69,6
33 302020001 / Sülz - Marsiliusstr. 61 36 69,4
34 707010007 / Urbach - Auf dem Stallberg 22 13 69,2
35 904020004 / Holweide-Ost - Franz-Werfel-Str. 22 13 69,2
36 805010003 / Ostheim-Nord - Steinrutschweg 96 58 65,5
37 713010001 / Libur 23 14 64,3
38 208050001 / Rodenkirchen - Mildred-Scheel-Str. 156 96 62,5
MaKoS
Verfahren und Erprobung 74
Rang Statistische Quartiere in Köln
Delikte der Straßenkriminalität
im Jahr
2023
im Jahr
2022
Entwicklung
in %
39 606010004 / Pesch - Heribert-Klar-Platz 34 21 61,9
40 708010001 / Elsdorf 50 31 61,3
41 307020001 / Neu-Weiden - Danziger Str. 64 40 60,0
42 401030001 / Ehrenfeld - Bezirkssportanlage Mitte 80 50 60,0
43 903020001 / Buchheim - Wuppertaler Str. 78 49 59,2
44 901060001 / Bruder-Klaus-Siedlung - Siedlung
Neurath 95 60 58,3
45 706030001 / Porz-Ost - Alfred-Nobel-Str. 87 55 58,2
46 704010001 / Gremberghoven - Auf dem Streit-
acker 262 166 57,8
47 907020001 / Dünnwald - Von-Diergardt-Str. 41 26 57,7
48 710010003 / Wahnheide - Scheuermühlenstr. 77 49 57,1
49 603010001 / Seeberg-Nord - Gustav-Heinemann-
Schule 69 44 56,8
50 302040004 / Kriel - Am Beethovenpark 47 30 56,7
51 903010001 / Siedlung Buchheim 155 99 56,6
52 203010001 / Rheinsteinstr. 39 25 56,0
53 302020003 / Sülz - Manderscheider Platz 131 84 56,0
54 104030003 / Agnes-Viertel - Lupusstr. 876 563 55,6
55 211010001 / Godorf 264 170 55,3
56 905080002 / Thurn - Gemarkenstr. 80 52 53,8
57 205030001 / Vorgebirgspark - Schwalbacher Str. 46 30 53,3
58 205030002 / Vorgebirgspark - Fritz-Hecker-Str. 55 36 52,8
59 609010002 / Chorweiler - Uppsalasteig 87 57 52,6
60 302020004 / Sülz - Remigiusstr. 32 21 52,4
61 208100001 / Sürther Feld - Michaelshoven 197 130 51,5
62 302020008 / Sülz - Kyllburger Str. 53 35 51,4
250 Stadt Köln insgesamt 66.825 59.233 12,8
Quelle: PKS 2022 und 2023, LKA NRW – eigene Berechnungen
Tabelle 11: Statistische Quartiere in Köln mit einer besonders starken Verringerung von Delikten
der Straßenkriminalität im Zeitraum der Jahre 2022 und 2023
Statistische Quartiere in Köln
Delikte der Straßenkriminalität
im Jahr
2023
im Jahr
2022
Entwicklung
in %
901030005 / Mülheim - Herz-Jesu-Kirche 53 71 -25,4
102030001 / Studenten-Viertel 413 554 -25,5
603010002 / Seeberg-Nord - Henry-Ford-Realschule 23 31 -25,8
401040001 / Vogelsanger Str. - Fröbelplatz 45 61 -26,2
803010001 / Schweden-Siedlung - Thorwaldsenstr. 42 57 -26,3
209020001 / Alt-Weiß 11 15 -26,7
801010002 / Humboldt - Gießener Str. 88 121 -27,3
403030001 / Bickendorf - Am Rosenhof 55 76 -27,6
502010001 / Nibelungen-Siedlung - Kriemhildplatz 41 57 -28,1
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 75
Statistische Quartiere in Köln
Delikte der Straßenkriminalität
im Jahr
2023
im Jahr
2022
Entwicklung
in %
502030001 / Grüner Hof 48 67 -28,4
801040001 / Siedlung Humboldt 32 45 -28,9
504010002 / Gelsenkirchener Str. - Erich Kästner-
Gymnasium 39 55 -29,1
209010001 / Neu-Weiß - Friedhof 17 24 -29,2
502010002 / Nibelungen-Siedlung - St. Quirinus 17 24 -29,2
504010001 / Gelsenkirchener Str. - Monika-Plonka-
Platz 38 54 -29,6
707010001 / Urbach - Am Urbacher Wall 35 50 -30,0
714010002 / Zündorf - Hauptstr. 44 63 -30,2
908030001 / Stammheim 59 85 -30,6
504030001 / Wohnpark Niehl 49 71 -31,0
403030005 / Bickendorf - Am Rosengarten 17 25 -32,0
605010002 / Lindweiler - Krombachweg 23 34 -32,4
807010001 / Brück 60 89 -32,6
209010003 / Neu-Weiß - Heinrichstr. 24 36 -33,3
902030001 / Siedlung Weiße Stadt - Kopernikusstr. 60 91 -34,1
303010006 / Alt-Lindenthal - St. Stephan 29 44 -34,1
401040005 / Vogelsanger Str. - Berufskolleg 84 129 -34,9
103010002 / Kuniberts-Viertel - Thürmchenswall 60 94 -36,2
612040001 / Neu-Worringen - Krebelspfad 30 48 -37,5
906030003 / Höhenhaus - Honschaftsstr. 30 49 -38,8
807040001 / Siedlung Lehmbacher Weg 43 72 -40,3
503020001 / Riehler Heimstätten 36 62 -41,9
309020001 / Alt-Widdersdorf 11 19 -42,1
907060001 / Siedlung Am Donewald 22 38 -42,1
807060001 / Siedlung Klausenberg 30 52 -42,3
612010003 / Alt-Worringen - Hackhauser Weg 17 30 -43,3
705020001 / Eil - St.-Rochus-Str. 223 395 -43,5
603040001 / Seeberg-Mitte 40 72 -44,4
807050001 / Waldtier-Siedlung 20 36 -44,4
404040001 / Vogelsang-Nord - Kolkrabenschule 56 101 -44,6
405040002 / Neu-Bocklemünd - Lasker-Schüler-Str. 24 44 -45,5
501060002 / Nippes - Am Alten Stellwerk 13 24 -45,8
309050001 / Widdersdorf-Süd - Golfplatz 7 13 -46,2
309010002 / Neu-Widdersdorf - Indianapolis-Str. 10 19 -47,4
504020002 / Niehl-Süd - Petrikirche 30 58 -48,3
306010007 / Junkersdorf - Stüttgerhofweg 22 43 -48,8
606010003 / Pesch - Marienstr. 15 31 -51,6
309010001 / Neu-Widdersdorf - Gut Burghof 12 25 -52,0
905060001 / Siedlung Mielenforst 14 30 -53,3
501030002 / Nordpark - Am Nordpark 14 34 -58,8
Quelle: PKS 2022 und 2023, LKA NRW – eigene Berechnungen
MaKoS
Verfahren und Erprobung 76
Eine dritte Tabellenanalyse richtet das Augenmerk auf die Entwicklung der Stra-
ßenkriminalität in den Kölner Quartieren von 2019 bis 202 3. Berechnet wurde
die relative Veränderung innerhalb der vier Jahre. Im Folgenden wird das obere Dezil
(Zehntel) dargestellt (vgl. Tabelle 12) – es enthält die 52 statistischen Quartiere der Stadt
Köln (9 % aller 570 Quartiere), die in der relativen Kriminalitätszunahme von 2019 bis
2023 mindestens das Vierfache des Kölner Durchschnitts aufweisen. Bezogen auf alle 570
Kölner Quartiere hat sich die Delikthäufigkeit in dem Zeitraum im Durchschnitt um 23,7
Prozent erhöht – eine Zunahme um 95 Prozent entspricht dem Vierfachen. Dieser Durch-
schnittswert wird dadurch beeinflusst, dass in 180 Quartieren – das entspricht einem knap-
pen Drittel der Quartiere (31,6 %) – die Deliktzahlen im Vergleich zwischen den Jahren
2019 und 2023 rückläufig waren.
Die vorderen Rangplätze der überdurchschnittlichen relativen Entwicklung der Straßenkri-
minalität in den Kölner Quartieren von 2019 bis 2023 werden nur teilweise von den Quar-
tieren eingenommen, die zuvor als Gebiete mit sehr hoher Kriminalitätsbelastung je Ein-
wohner identifiziert wurden (vgl. Tabelle 12):
Unter Berücksichtigung des absoluten Niveaus der Straftaten sind drei Quartiere in der
Innenstadt hervorzuheben:
• Auf Rang 11 liegt das Neumarkt-Viertel St. Andreas, in dem von 2019 bis 2023
eine Erhöhung von 1.770 Delikten auf 5.037 Straftaten stattfand.
• Das Komponisten-Viertel – Aachener Straße ist auf Rang 45 zu finden – dort nah-
men die Delikte von 139 auf 286 Straftaten zu.
• Das Quartier Südstadt – Elsaßstr aße steht – infolge einer Erhöhung der Delikte von
51 auf 100 – auf dem Rang 51.
Die größte Anzahl von elf Quartieren mit einer besonders hohen Zunahme von Delikten
der Straßenkriminalität im Zeitraum von 2019 bis 2023 entfällt auf den Stadtbezirk
Mülheim:
• Im Stadtteil Mülheim weisen die Quartiere Mülheimer Stadtgarten – Rendsburger
Platz (Rang 44 – Erhöhung von 73 auf 151 Delikte) und Mülheim – Gymnasium-
straße (Rang 13 – Erhöhung von 63 auf 163 Delikte) eine überproportionale Ten-
denz auf.
• Die Bruder-Klaus-Siedlung in Neurath landet mit einem Anstieg von 26 auf 95 Straf-
taten auf Rang 3.
• In der Siedlung Blauer Hof – Heidelberger Straße (Rang 4) in Buchforst erhöhte
sich die Anzahl der Delikte um 262 Prozent. Im benachbarten Quartier Buchheim
(Rang 20) erhöhte sich die Frequenz der Delikte von 65 auf 155 Straftaten.
• Betroffen sind auch: das Quartier Thurn – Gemarkenstraße (Rang 41) in Dellbrück,
das Quartier Hagedorn – Talstraße (Rang 9) zwischen Dellbrück und Holweide,
die Oststraßen -Siedlung (Rang 27) in Höhenhaus, die Quartiere An der Walkmühle
(Rang 46) und Von-Diergardt-Straße (Rang 47) in Dünnwald sowie die Bayer-Sied-
lung – Rungestraße (Rang 15) in Flittard.
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 77
Eine auffallend hohe Anzahl von neun Quartieren mit einer starken Erhöhung der Straßen-
kriminalität in den Jahren von 2019 bis 2023 ist auch im Stadtbezirk Porz festzustellen:
• An vorderster Stelle ist das Quartier Alt-Grengel (Rang 2) zu nennen, zu dem der
Flughafen gehört, wo eine Zunahme von 182 Delikten auf 1.015 Straftaten ver-
zeichnet wurde. Aber auch im Nachbarquartier Neu-Grengel – Kantstraße (Rang
7) erhöhte sich die Ereigniszahl deutlich – wenngleich auf einem deutlich niedrige-
ren Niveau.
• Auch die Quartiere Urbach – Fauststraße (Rang 16 – Anstieg von 49 auf 123 De-
likte) und Urbach – Gronaustraße (Rang 18) sind im vorderen Bereich der Vertei-
lung platziert.
• Im zentralen Quartier Porz-Mitte – Rathaus (Rang 38) nahm die Deliktanzahl in
den Jahren 2019 bis 2023 von 77 auf 163 Straftaten zu.
• Betroffen ist auch das Einfamilienhausgebiet Elsdorf (Rang 17) in der Porzer Peri-
pherie.
• Im Kölner Südosten gehört auch das Quartier Wahnheide – Scheuermühlenstraße
(Rang 36) zu den Gebieten, in denen sich die Straßenkriminalität von 2019 bis
2023 relativ stark erhöht hat.
• Die beiden Quartiere Evastraße (Rang 40) und Hohe Straße (Rang 50) des Stadt-
teils Ensen am Rhein weisen auch eine starke relative Zunahme der Straßenkrimina-
lität von 2019 bis 2023 auf.
Eine ebenfalls große Zahl von s ieben Quartieren mit einer besonders hohen Zunahme von
Delikten der Straßenkriminalität im Zeitraum von 2019 bis 2023 stammt aus dem Stadt-
bezirk Rodenkirchen:
• Ein zusammenhängendes Gebietscluster fällt im Stadtteil Zollstock auf. Auf Rang 6
steht das Quartier Zollstock-Nord – Zollstock Arkaden, auf Rang 24 das Quartier
Vorgebirgspark – Schwalbacher Straße, auf Rang 34 das Quartier Zollstock -Nord
– Bernhard-Feilchenfeld-Straße und auf Rang 39 das Quartier Vorgebirgspark –
Fritz-Hecker-Straße. Die Zunahme der Delikte streut zwischen 243 Prozent und 112
Prozent.
• In Rodenkirchen sind das Flussviertel – Gymnasium (Rang 32), wo ein Anstieg der
Straftaten von 30 auf 65 verzeichnet wurde, und Rodenkirchen – Rathaus (Rang
49) betroffen, bei dem sich die Deliktanzahl von 84 auf 169 erhöhte.
• Im Stadtteil Sürth hat eine beträchtliche Zunahme von 94 auf 197 Delikte im Quar-
tier Sürther Feld – Michaelshoven stattgefunden (Rang 42):
Weitere sieben Quartiere mit einer starken Erhöhung der Straßenkriminalität in den Jahren
von 2019 bis 2023 befinden sich im Stadtbezirk Kalk:
• Ein besonders hohes absolutes Niveau Köln stell der Anstieg in den Kalk Arcaden
von 715 auf 1.314 Delikten dar. Das betrifft auch das Quartier Kalk – Trimborn-
straße (Rang 5), wo die Straftaten von 127 auf 437 anstiegen.
MaKoS
Verfahren und Erprobung 78
• Bemerkenswert sind auch die benachbarten Quartiere Ostheim-Süd (Rang 22) und
Ostheim-Nord – Rösrather Straße , wo eine Zunahme von 196 auf 439 Straftaten
festgestellt wurde.
• Darüber hinaus sind die folgenden Quartiere vertreten: Siedlung Lehmbacher Weg
(Rang 26), Vingst – Homarstraße (Rang 30), Höhenberg – Gesamtschule (Rang
35) und Rath – An der Mollburg (Rang 48). Die absoluten Ausprägungen verblei-
ben allerdings auf einem niedrigen Niveau.
Sechs Quartiere gehören zum Stadtbezirk Lindenthal:
• Im Quartier Alt-Lindenthal – Dürener Straße entspricht die Zunahme von 11 auf
107 Delikte fast 900 Prozent (Rangplatz 1).
• Die anderen Quartiere streuen über mehrere Stadtteile: Junkersdorf – Am Kloster-
garten (Rang 12), Sülz – Manderscheider Platz (Rang 14), Neu-Lindenthal – Feuer-
wache (Rang 28), Lövenich (Rang 37) und Braunsfeld – Alsdorfer Straße (Rang
43). Die Zunahme der Delikte streut zwischen 177 Prozent und 107 Prozent.
Ebenfalls sechs Quartiere sind dem Stadtbezirk Nippes zuzurechnen:
• Im Stadtteil Nippes ist das Quartier am Wilhelmplatz mit einem Anstieg von 49 auf
106 Straftaten betroffen (Rang 33).
• Eine überdurchschnittliche Erhöhung fand auch in den linksrheinischen Quartieren
Merheim – Mönchsgasse (Rang 8) und Merheim – Am Ginsterpfad (Rang 52) statt.
• Im Stadtteil Niehl betrifft die starke Zunahme die Quartiere St. Katharina (Rang 10)
und Niehl-Süd – Erlenhofstraße (Rang 25).
• Das neue Stadtviertel auf dem ehemaligen Clouth-Gelände (Rang 19) und am Jo-
hannes-Giesberts-Park weist auch einen besonders hohen relativen Anstieg auf.
Nur wenige Quartiere im Stadtbezirk Ehrenfeld weisen eine überproportionale Zu-
nahme der Straßenkriminalität von 2019 bis 2023 auf: Es betrifft lediglich das Quartier
Neuehrenfeld – Lukasstraße (Rang 21) und Ehrenfeld – Bezirkssportanlage Mitte (Rang
29). Auch in diesen Gebieten verbleiben die absoluten Ausprägungen auf einem niedrigen
Niveau.
Im Stadtbezirk Chorweiler ist bei nur einem Quartier ein entsprechender relativer Anstieg
festzustellen. Es ist das Quartier Merkenich – Spoerkelhof (Rang 23).
In einer weiteren ergänzenden Tabellenanalyse wird die absolute Entwicklung der
Straßenkriminalität in den Kölner Quartieren von 2019 bis 202 3 betrachtet. Im
Durchschnitt der 570 Quartiere nahm die Zahl der Delikte innerhalb der vier Jahre um 22
Straftaten zu. Für die Analyse wurden diejenigen Räume ausgewählt, die in der absoluten
Kriminalitätszunahme von 2019 bis 2023 mindestens das Dreifache des Kölner Durch-
schnitts aufweisen (vgl. Tabelle 13). In 49 Quartieren hat die Zahl der Delikte im Betrach-
tungszeitraum um 67 und mehr zugenommen; diese 49 statistischen Quartiere bilden einen
Ausschnitt von knapp 9 Prozent aller Kölner Quartiere.
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 79
Tabelle 12: Statistische Quartiere in Köln mit einer besonders hohen relativen Zunahme von Delik-
ten der Straßenkriminalität im Zeitraum der Jahre 2019 bis 2023
Rang Statistische Quartiere in Köln
Delikte der Straßenkriminalität
im Jahr
2023
im Jahr
2019
Entwicklung
in %
1 303010003 / Alt-Lindenthal - Dürener Str. 107 11 872,7
2 709010001 / Alt-Grengel 1015 182 457,7
3 901060001 / Bruder-Klaus-Siedlung - Siedlung
Neurath 95 26 265,4
4 902020001 / Siedlung Blauer Hof - Heidelber-
ger Str. 152 42 261,9
5 802010006 / Kalk - Trimbornstr. 437 127 244,1
6 205050001 / Zollstock-Nord - Zollstock Arka-
den 127 37 243,2
7 709040002 / Neu-Grengel - Kantstr. 38 12 216,7
8 505040003 / Merheim (lrh.) - Mönchsgasse 53 17 211,8
9 905020002 / Hagedorn - Talstr. 69 24 187,5
10 504040002 / Niehl - St. Katharina 134 47 185,1
11 103040001 / Neumarkt-Viertel - St. Andreas 5037 1770 184,6
12 306010002 / Junkersdorf - Am Klostergarten 36 13 176,9
13 901030002 / Mülheim - Gymnasiumstr. 163 63 158,7
14 302020003 / Sülz - Manderscheider Platz 131 51 156,9
15 909030001 / Bayer-Siedlung - Rungestr. 28 11 154,5
16 707010004 / Urbach - Fauststr. 123 49 151,0
17 708010001 / Elsdorf 50 20 150,0
18 707010002 / Urbach - Gronaustr. 41 17 141,2
19 501050001 / Clouth-Gelände 55 23 139,1
20 903010001 / Siedlung Buchheim 155 65 138,5
21 402020002 / Neuehrenfeld - Lukasstr. 78 33 136,4
22 805020001 / Ostheim-Süd 202 87 132,2
23 601030001 / Merkenich - Spoerkelhof 37 16 131,3
24 205030001 / Vorgebirgspark - Schwalbacher
Str. 46 20 130,0
25 504020001 / Niehl-Süd - Erlenhofstr. 43 19 126,3
26 807040001 / Siedlung Lehmbacher Weg 43 19 126,3
27 907010001 / Oststraßen -Siedlung 52 23 126,1
28 303030004 / Neu-Lindenthal - Feuerwache 47 21 123,8
29 401030001 / Ehrenfeld - Bezirkssportanlage
Mitte 80 36 122,2
30 803030002 / Vingst - Homarstr. 40 18 122,2
31 805010001 / Ostheim-Nord - Rösrather Str. 237 109 117,4
32 208030001 / Flußviertel - Gymnasium 65 30 116,7
33 501020005 / Nippes - Wilhelmplatz 106 49 116,3
34 205050002 / Zollstock-Nord - Bernhard-Feil-
chenfeld-Str. 43 20 115,0
35 804030003 / Höhenberg - Gesamtschule 43 20 115,0
36 710010003 / Wahnheide - Scheuermühlenstr. 77 36 113,9
37 308010001 / Lövenich 17 8 112,5
MaKoS
Verfahren und Erprobung 80
Rang Statistische Quartiere in Köln
Delikte der Straßenkriminalität
im Jahr
2023
im Jahr
2019
Entwicklung
in %
38 706010004 / Porz-Mitte - Rathaus 163 77 111,7
39 205030002 / Vorgebirgspark - Fritz-Hecker-Str. 55 26 111,5
40 703010003 / Ensen - Evastr. 38 18 111,1
41 905080002 / Thurn - Gemarkenstr. 80 38 110,5
42 208100001 / Sürther Feld - Michaelshoven 197 94 109,6
43 304010003 / Braunsfeld - Alsdorfer Str. 29 14 107,1
44 901020001 / Mülheimer Stadtgarten - Rends-
burger Platz 151 73 106,8
45 102050003 / Komponisten-Viertel - Aachener
Str. 286 139 105,8
46 907020003 / Dünnwald - An der Walkmühle 39 19 105,3
47 907020001 / Dünnwald - Von-Diergardt-Str. 41 20 105,0
48 808020004 / Rath - An der Mollburg 49 24 104,2
49 208050003 / Rodenkirchen - Rathaus 169 84 101,2
50 703010002 / Ensen - Hohe Str. 64 32 100,0
51 102010001 / Südstadt - Elsaßstr. 100 51 96,1
52 505040002 / Merheim (lrh.) - Am Ginsterpfad 90 46 95,7
261 Stadt Köln insgesamt 66.825 54.012 23,7
Quelle: PKS 2019 und 2023, LKA NRW – eigene Berechnungen
Auf den vorderen Rangplätzen der überdurchschnittlichen absoluten Entwicklung der Stra-
ßenkriminalität von 2019 bis 202 3 befinden sich schwerpunktmäßig Quartiere, die zuvor
als Gebiete mit sehr hoher Kriminalitätsbelastung je Einwohner identifiziert wurden (vgl.
Tabelle 13):
• Insgesamt gehören 16 Quartiere zum Stadtbezirk Innenstadt (rund 33%). Die
stärkste absolute Zunahme (um mehr als 3.200 Fälle) fand im Neumarkt-Viertel –
St. Andreas – d.h. um den Neumarkt herum – statt. Auffallend hohe Werte betra-
fen auch das Quartier am Ottoplatz in Deutz, das Agnes-Viertel sowie das Eigel-
stein-Viertel am Ebertplatz, das Mauritius-Viertel am Mauritiuskirchplatz, das Stadt-
garten-Viertel, das Gereons-Viertel, das Komponisten-Viertel am Yitzhak-Rabin-Platz
und am Aachener Weiher, das Severins-Viertel, aber auch das Studenten-Viertel
und das Südbahnhof-Viertel.
• Weitere 6 Quartiere sind Teil des Stadtbezirks Rodenkirchen (12%). Neben
den Sürther Quartier Michaelshoven weisen die Quartiere Zollstock Arkaden und
Zollstockhöfe im Stadtteil Zollstock sowie das Rathausquartier und das Quartier an
der Mildred-Scheel-Straße im Stadtteil Rodenkirchen , aber auch im Umfeld des
Rheinhafens bei Godorf eine überdurchschnittliche Zunahme der Deliktzahlen im
Zeitraum von 2019 bis 2023 auf.
• Im Stadtbezirk Lindenthal gehören nur zwei Quartiere dazu. Es sind das Quar-
tier am Manderscheider Platz in Sülz und der Bereich um die Dürener Straße in Alt-
Lindenthal.
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 81
Tab. 13: Statistische Quartiere in Köln mit einer überdurchschnittlichen absoluten Entwicklung der
Straßenkriminalität von 2019 bis 2023
Rang Quartiere in Köln
Straßenkriminalität
absolute Delikte
Entwicklung
2019 > 2023
2023 2019 Absolut
1 103040001 / Neumarkt-Viertel - St. Andreas 5037 1770 3267
2 709010001 / Alt-Grengel 1015 182 833
3 802020001 / Köln Arcaden 1314 715 599
4 105010001 / Deutz - Ottoplatz 842 497 345
5 802010006 / Kalk - Trimbornstr. 437 127 310
6 802010002 / Kalk - Vorsterstr. 850 560 290
7 104030003 / Agnes-Viertel - Lupusstr. 876 664 212
8 101020001 / Mauritius-Viertel - Mauritiuskir-
chplatz 647 460 187
9 102050002 / Komponisten-Viertel - Yitzhak-
Rabin-Platz 420 235 185
10 102050003 / Komponisten-Viertel - Aache-
ner Str. 286 139 147
11 901020003 / Mülheimer Stadtgarten - Jan-
Wellem-Str. 814 668 146
12 101060003 / Severins-Viertel - Krankenhaus 402 262 140
13 102030001 / Studenten-Viertel 413 278 135
14 805010001 / Ostheim-Nord - Rösrather Str. 237 109 128
15 901020002 / Mülheimer Stadtgarten - Rhodi-
usstr. 450 329 121
16 805020001 / Ostheim-Süd 202 87 115
17 104060001 / Villen-Viertel - Theodor-Heuss-
Ring 255 141 114
18 102040001 / Südbahnhof-Viertel 293 182 111
19 901030006 / Mülheim - Liebfrauen-Kirche 304 193 111
20 902020001 / Siedlung Blauer Hof - Heidel-
berger Str. 152 42 110
21 903020005 / Buchheim - Hermann-Kunz-Str. 276 168 108
22 104030001 / Agnes-Viertel - Aquinostr. 295 187 108
23 208100001 / Sürther Feld - Michaelshoven 197 94 103
24 901030002 / Mülheim - Gymnasiumstr. 163 63 100
25 211010001 / Godorf 264 164 100
26 103020001 / Eigelstein-Viertel 453 354 99
27 104020002 / Stadtgarten-Viertel - Bis-
marckstr. 372 274 98
28 303010003 / Alt-Lindenthal - Dürener Str. 107 11 96
29 706010001 / Porz-Mitte - Zentrum 240 146 94
30 806020001 / Siedlung Madaus - Auf dem Ei-
chenbrett 362 271 91
31 205050001 / Zollstock-Nord - Zollstock Ar-
kaden 127 37 90
32 903010001 / Siedlung Buchheim 155 65 90
33 406030001 / Siedlung Butzweiler Hof 289 200 89
MaKoS
Verfahren und Erprobung 82
Rang Quartiere in Köln
Straßenkriminalität
absolute Delikte
Entwicklung
2019 > 2023
2023 2019 Absolut
34 103030001 / Gereons-Viertel - St. Gereon 279 191 88
35 504040002 / Niehl - St. Katharina 134 47 87
36 401030002 / Ehrenfeld - Hansemannstr. 294 207 87
37 706010004 / Porz-Mitte - Rathaus 163 77 86
38 208050003 / Rodenkirchen - Rathaus 169 84 85
39 501020009 / Nippes - Gellertstr. 204 121 83
40 302020003 / Sülz - Manderscheider Platz 131 51 80
41 901020001 / Mülheimer Stadtgarten -
Rendsburger Platz 151 73 78
42 707010004 / Urbach - Fauststr. 123 49 74
43 504060001 / Hafen Niehl 204 130 74
44 208050001 / Rodenkirchen - Mildred-Scheel-
Str. 156 85 71
45 104030005 / Agnes-Viertel - Alte Feuerwa-
che 167 96 71
46 205060001 / GE Zollstock - Zollstockhöfe 156 86 70
47 901020004 / Mülheimer Stadtgarten - Mon-
tanusstr. 369 299 70
48 901060001 / Bruder-Klaus-Siedlung - Sied-
lung Neurath 95 26 69
49 104050001 / Gerichts-Viertel 146 79 67
177 Durchschnitt der 570 Kölner Quartiere 117 95 22
Quelle: PKS 2019 und 2023, LKA NRW – eigene Berechnungen
• Eine ähnliche Struktur liegt im Stadtbezirk Ehrenfeld vor. Neben dem Quartier
Hansemannstraße im Stadtteil Ehrenfeld fällt die Deliktentwicklung in der Siedlung
Butzweiler Hof auf.
• Aus dem Stadtbezirk Porz liegt das Quartier Alt-Grengel am Flughafen sehr weit
vorn. Dort hat sich die Zahl der jährlichen Delikte von 2019 bis 2023 um 833 Fälle
erhöht (von 182 auf 1.015 Straftaten). Überdurchschnittliche Entwicklungssprünge
sind in Porz-Mitte in den Quartieren Zentrum und Rathaus zu diagnostizieren. Unter
den Quartieren mit der sehr hohen Deliktentwicklung sind auch der Bereich der
Fauststraße in Urbach vorzufinden.
• Die Quartiere aus dem Stadtbezirk Kalk liegen in der Verteilung überwiegend
weit vorn. Besonders zu nennen ist das Quartierscluster der Köln Arcaden (Anstieg
um 599 von 715 auf 1.314 Straftaten), Kalk – Trimbornstr (Anstieg um 310 von
127 auf 437 Straftaten) und Kalk – Vorsterstr (Anstieg um 290 von 560 auf 850
Delikte). Einen weiteren räumlichen Zusammenhang bilden die Quartiere Ostheim-
Nord – Rösrather Straße und Ostheim-Süd. Darüber hinaus fällt noch die absolute
Zunahme der Delikte in der Siedlung Madaus – Auf dem Eichenbrett auf.
• Ein großer Teil – 10 Quartiere – gehört dem Stadtbezirk Mülheim an – sie sind
allerdings mehr im Mittelfeld der Verteilung platziert. Im Stadtteil Mülheim rund um
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 83
den Mülheimer Stadtgarten betrifft das die Quartiere Rendsburger Platz, Rhodius-
straße, Jan-Wellem-Straße, Montanusstraße und auf der anderen Seite des Clevi-
schen Rings den Zusammenhang der benachbarten Quartiere Gymnasiumstraße
und Liebfrauen-Kirche in Rheinnähe. Außerdem sind die zwei Quartiere Siedlung
Buchheim und Hermann-Kunz-Straße im Stadtteil Buchheim dazuzuzählen. Schließ-
lich tauchen noch die Bruder-Klaus-Siedlung in Neurath und die Siedlung Blauer
Hof – Heidelberger Straße in Buchforst unter den ersten fünfzig Quartieren auf.
• Der Stadtbezirk Nippes ist in der Verteilung nur schwach vertreten. Im Stadtteil
Nippes gehört das Quartier Gellertstraße und im Stadtteil Niehl die Quartiere St.
Katharina und Hafen Niehl zu den Kölner Gebieten mit einer überdurchschnittli-
chen absoluten Entwicklung der Straßenkriminalität in den Jahren 2019 bis 2023
Wenn die relative und absolute überdurchschnittliche Entwicklung der Straßenkriminalität
von 2019 bis 2023 integriert betrachtet wird, ergibt sich für die besonders starke Zu-
nahme von Delikten die folgende Rangfolge von Quartieren:
(1.) Alt-Grengel
(2.) Kalk – Trimbornstr
(3.) Neumarkt-Viertel - St. Andreas
(4.) Siedlung Blauer Hof - Heidelberger
Str
(5.) Zollstock-Nord - Zollstock Arkaden
(6.) Mülheim – Gymnasiumstr
(7.) Ostheim Süd
(8.) Ostheim-Nord - Rösrather Str
(9.) Komponisten-Viertel – Aachener
Straße
(10.) Niehl - St. Katharina
(11.) Bruder-Klaus-Siedlung - Siedlung
Neurath
(12.) Siedlung Buchheim
(13.) Sülz - Manderscheider Platz
(14.) Urbach – Fauststr
(15.) Sürther Feld – Michaelshoven
(16.) Porz-Mitte – Rathaus
(17.) Mülheimer Stadtgarten - Rendsbur-
ger Platz
(18.) Rodenkirchen - Rathaus
Worauf der außerordentlich starke Anstieg der Straßenkriminalität in diesen Quartieren
zurückzuführen ist, lässt sich anhand der Verteilung über die einzelnen Deliktarten der
Straßenkriminalität interpretieren. Möglicherweise hängt das Profil mit Standorte n des Ein-
zelhandels zusammen. Denn die Quote der Ladendiebstähle fiel in diesen Gebieten dop-
pelt so hoch aus wie im Kölner Durchschnitt. Auch der Anteil der Rauschgiftkriminalität
weist im Vergleich mit der gesamten Kölner Verteilung ein deutlich höheres Niveau aus.
Die Quote der Taschendiebstähle und der einfachen Diebstähle war im Jahr 2023 leicht
erhöht. Sachbeschädigungen, Körperverletzungen, Fahrraddiebstähle und Diebstähle aus
Kraftfahrzeugen waren in diesen 18 Quartieren dagegen nur unterdurchschnittlich ausge-
prägt.
MaKoS
Verfahren und Erprobung 84
B1.5 Integrierte Betrachtung: Korrespondenzanalyse zur Suche nach
Interferenzen
In der Korrespondenzanalyse wird analysiert, ob zwischen den Quartieren Interferenzen
der Indikatoren bestehen. Das heißt: Es werden Zusammenhänge gesucht zwischen:
• erstens einer sehr hohen Kriminalitätsbelastung je Einwohner im Jahr 2022 sowie
sehr hohen Wachstumsraten der Straßenkriminalität von 2019 auf 2023 ;
• zweitens überdurchschnittlichen Ausprägungen der Bevölkerungsfluktuation;
• drittens der Belastung mit Hotspots der Unordnung und
• viertens einer erhöhten Deliktanzahl an Schulstandorten in der Nähe.
Im Rahmen der integrierten Betrachtung sollen auch typologische Unterschiede zwischen
den identifizierten Quartieren herausgearbeitet werden, um die abzuleitenden Präventions-
perspektiven differenzierter ausrichten zu können. Typologisch weisen die identifizierten
Räume folgende Profile auf (vgl. Tabelle 14):
I. heterogene Innenstadtquartiere [Definition: Lage im Stadtbezirk Innenstadt];
II. Quartiere mit besonderer sozialer Infrastruktur [Definition: Quartiere, die laut An-
gaben des Amtes für Stadtentwicklung und Statistik über stationäre Einrichtungen
für Geflüchtete und Asylbewerber und über Einrichtungen für ältere Menschen ver-
fügen];
III. studentische Quartiere [Definition: Quartiere in Hochschulnähe mit Einrichtungen für
studentisches Wohnen und mit Freizeitangeboten für Studierende];
IV. belastete Wohnquartiere [Definition: Quartiere in äußeren Stadtbezirken mit einer
sehr hohen Fluktuationsrate und einer sehr hohen Belastung mit kriminellen Delikten
je Einwohner].
Nur als Einzelfälle kommen die Sondertypen V (Problemimmobilienquartier) und VI (Bor-
dellquartier) vor.
Typ I: Heterogene Innenstadtquartiere
Für die integrierte Betrachtung wurden 28 Quartiere des Stadtbezirks Innenstadt ausge-
wählt. Sie wiesen sowohl hohe Raten der Bevölkerungsfluktuationsraten im Jahr 2022 als
auch der Kriminalitätsbelastung im Jahr 2023 auf. Das heißt: Im Durchschnitt sind dort im
Jahr 2022 rund 36 Prozent der Wohnbevölkerung fort- sowie zugezogen und zugleich wa-
ren sie im Jahr 2023 von einer sehr hohen Belastung mit kriminellen Delikten je Einwohner
gekennzeichnet (vgl. Tabelle 14).
• Über 40 Prozent dieser Quartiere (43%) sind außerdem durch Unordnung belastet.
Dazu gehören: die Verunreinigung von öffentlichen Flächen mit Müll und Abfällen
(nach § 3 KSO); Ruhestörungen (nach § 8 KSO); ein störendes Verhalten in der
Öffentlichkeit (nach § 11 KSO); ein Fehlverhalten auf öffentlichen Spiel- und Bolz-
plätzen (nach § 25 KSO) und ein „nicht sachgemäßes“ Grillen (nach § 26 KSO).
MaKoS
Verfahren und Erprobung 85
Tabelle 14: Hohe Fluktuationsquoten, Belastung durch Unordnung, Schulen mit erhöhtem Polizeieinsatz und Rangplätze im polizeilichen Vorgangsbearbeitungs-
system nach statistischen Quartieren in Köln – sortiert nach einer Raumtypologie
Raum
Zu- und Fort-
züge je 100
EW
2022
Belastung
durch Unord-
nung
(nach KSO)
2023
Schulen mit
erhöhtem Po-
lizeieinsatz
2022/2023
Rang PKS*)
Kriminalitäts-
belastung
Typologie
103050001 / City - St. Martin 54,8 0 --- 2
Typ I: Heterogene Innen-
stadt
102060001 / Rathenau-Viertel - Rathenau-
platz 44,5
Rathenauplatz: §§
11, 25 --- 44
Typ I: Heterogene Innen-
stadt
104020002 / Stadtgarten-Viertel - Bis-
marckstr. 42,6
Ringe, Stadtgarten:
§§ 3, 8, 11 --- 11
Typ I: Heterogene Innen-
stadt
101030001 / Cäcilien-Viertel - Josef-Hau-
brich-Hof 42,5
Josef-Haubrich-Hof:
§§ 3, 11 --- 3
Typ I: Heterogene Innen-
stadt
103020001 / Eigelstein-Viertel 41,7 Torburg: §§ 3, 11 --- 25
Typ I: Heterogene Innen-
stadt
103030001 / Gereons-Viertel - St. Gereon 40,6
Klingelpützpark, Hil-
deboldplatz: §§ 3, 8,
11, 25 --- 36
Typ I: Heterogene Innen-
stadt
103040001 / Neumarkt-Viertel - St. An-
dreas 39,4 0 --- 1
Typ I: Heterogene Innen-
stadt
101050001 / Georgs-Viertel 38,5 0 --- 57
Typ I: Heterogene Innen-
stadt
102020003 / Volksgarten-Viertel - Pfälzer
Str. 37,5
Volksgarten: §§ 3,
11, 26 --- 39
Typ I: Heterogene Innen-
stadt
101010001 / Kapitol-Viertel 37,5 Hohe Str.: §§ 3, 11 --- 63
Typ I: Heterogene Innen-
stadt
102050001 / Komponisten-Viertel - Jean-
Claude-Letist-Platz 36,5 0 --- 69
Typ I: Heterogene Innen-
stadt
MaKoS
Verfahren und Erprobung 86
Raum
Zu- und Fort-
züge je 100
EW
2022
Belastung
durch Unord-
nung
(nach KSO)
2023
Schulen mit
erhöhtem Po-
lizeieinsatz
2022/2023
Rang PKS*)
Kriminalitäts-
belastung
Typologie
102050002 / Komponisten-Viertel - Yitzhak-
Rabin-Platz 36,4 0 --- 23
Typ I: Heterogene Innen-
stadt
103010001 / Kuniberts-Viertel - St. Kunibert 36,2 0 --- 27
Typ I: Heterogene Innen-
stadt
102050003 / Komponisten-Viertel - Aache-
ner Str. 36,1
Aachener Str.: §§ 3,
8, 11 --- 29
Typ I: Heterogene Innen-
stadt
104010003 / Belgisches Viertel - Bis-
marckstr. 35,6 0 --- 18
Typ I: Heterogene Innen-
stadt
104040001 / Media-Park 34,8
August-Sander-Park,
Kaiser-Wilhelm-Ring:
§§ 3, 8, 11, 25 --- 34
Typ I: Heterogene Innen-
stadt
101020002 / Mauritius-Viertel - Weyerstr. 34,6 0 --- 85
Typ I: Heterogene Innen-
stadt
101020001 / Mauritius-Viertel - Mauritius-
kirchplatz 33,9
Mauritiuskirchplatz:
§§ 3, 8, 11, 25 --- 10
Typ I: Heterogene Innen-
stadt
101060006 / Severins-Viertel - Karl-Ber-
buer-Platz 33,5
Stollwerck, Trude-
Herr-Park: § 3 --- 66
Typ I: Heterogene Innen-
stadt
104010002 / Belgisches Viertel - Lütticher
Str. 33,5
Brüsseler Platz, Ho-
henzollernring: §§ 3,
8, 11, 25 --- 49
Typ I: Heterogene Innen-
stadt
103090001 / Apostel-Viertel 32,8 0 --- 38
Typ I: Heterogene Innen-
stadt
103030002 / Gereons-Viertel - Klingelpütz-
park 32,1 §§ 11, 25 --- 84
Typ I: Heterogene Innen-
stadt
101060005 / Severins-Viertel - St. Severin 31,7 0 --- 75
Typ I: Heterogene Innen-
stadt
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 87
Raum
Zu- und Fort-
züge je 100
EW
2022
Belastung
durch Unord-
nung
(nach KSO)
2023
Schulen mit
erhöhtem Po-
lizeieinsatz
2022/2023
Rang PKS*)
Kriminalitäts-
belastung
Typologie
104010001 / Belgisches Viertel - Brüsseler
Platz 31,4
Brüsseler Platz, Ho-
henzollernring: §§ 3,
8, 11, 25 --- 50
Typ I: Heterogene Innen-
stadt
104030001 / Agnes-Viertel - Aquinostr. 31,1 0 --- 60
Typ I: Heterogene Innen-
stadt
102020002 / Volksgarten-Viertel - Burgun-
derstr. 30,7 0 --- 54
Typ I: Heterogene Innen-
stadt
101060004 / Severins-Viertel - An St. Ka-
tharinen 30,5 0 --- 71
Typ I: Heterogene Innen-
stadt
105010001 / Deutz - Ottoplatz 28,5 0 --- 6
Typ I: Heterogene Innen-
stadt
Durchschnitt Belastete Zonen in % Anzahl Durchschnittsrang
28 Quartiere in der Innenstadt 36,4 42,9 0 40 Summe Typ I
201040001 / GE Bayenthal 283,8 0 --- [218] ud
Typ II: mit besonderer so-
zialer Infrastruktur
805020001 / Ostheim-Süd 52,7
Frankfurter/Ostheimer
Str: §§ 3, 8, 11
Albert-Schweitzer-
Realschule 93
Typ II: mit besonderer so-
zialer Infrastruktur
901060001 / Bruder-Klaus-Siedlung - Sied-
lung Neurath 41,6 0 --- [207] ud
Typ II: mit besonderer so-
zialer Infrastruktur
208050001 / Rodenkirchen - Mildred-
Scheel-Str. 39,3 0
Gesamtschule Ro-
denkirchen 73
Typ II: mit besonderer so-
zialer Infrastruktur
306010004 / Junkersdorf - Feldblumenweg 38,9 0 --- [330] ud
Typ II: mit besonderer so-
zialer Infrastruktur
503020001 / Riehler Heimstätten 62,5 Rheinwiese: §§ 3, 11 --- [489] ud
Typ II: mit besonderer so-
zialer Infrastruktur
Durchschnitt Belastete Zonen in % Anzahl Durchschnittsrang
6 Quartiere des Typ II 80,3 33,3 2 235 Summe Typ II
MaKoS
Verfahren und Erprobung 88
Raum
Zu- und Fort-
züge je 100
EW
2022
Belastung
durch Unord-
nung
(nach KSO)
2023
Schulen mit
erhöhtem Po-
lizeieinsatz
2022/2023
Rang PKS*)
Kriminalitäts-
belastung
Typologie
102030001 / Studenten-Viertel 45,9
Zülpicher Platz: §§ 3,
8, 11 --- 30
Typ III: studentisches
Quartier
102040001 / Südbahnhof-Viertel 47,0
Luxemburger
Str./Techno: §§ 3,8 --- 43
Typ III: studentisches
Quartier
105060001 / FH Deutz - Messe 53,8 0 --- 15
Typ III: studentisches
Quartier
302060001 / Uni-Center 48,2 0 --- [134] ud
Typ III: studentisches
Quartier
305040001 / Neu-Müngersdorf 57,1 0 --- 56
Typ III: studentisches
Quartier
303020001 / Uni-Viertel - Kliniken 35,2 0 --- 48
Typ III: studentisches
Quartier
Durchschnitt Belastete Zonen in % Anzahl Durchschnittsrang
6 studentische Quartiere 45,6 33,3 0 54 [38] Summe Typ III
302050001 / Justiz-Viertel 41,5 Riehler Str.: § 11 --- 70
Typ IV: belastetes Wohn-
gebiet
304040001 / GE Braunsfeld 30,0 0 --- 106
Typ IV: belastetes Wohn-
gebiet
401010004 / Ehrenfeld-West - Leo-Amann-
Park 41,3 §§ 11, 25 --- 26
Typ IV: belastetes Wohn-
gebiet
401020001 / Ehrenfeld - Lichtstr. 34,6 0 --- 55
Typ IV: belastetes Wohn-
gebiet
401030002 / Ehrenfeld - Hansemannstr. 36,8
Hansemannstr.: §§ 3,
8, 25 --- 37
Typ IV: belastetes Wohn-
gebiet
401040004 / Vogelsanger Str. - Neptun-
platz 33,0
Neptunplatz: §§ 3,
11 --- 28
Typ IV: belastetes Wohn-
gebiet
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 89
Raum
Zu- und Fort-
züge je 100
EW
2022
Belastung
durch Unord-
nung
(nach KSO)
2023
Schulen mit
erhöhtem Po-
lizeieinsatz
2022/2023
Rang PKS*)
Kriminalitäts-
belastung
Typologie
802010002 / Kalk - Vorsterstr. [27,3]
Kalker Hauptstr.: §§
3, 11 --- 8
Typ IV: belastetes Wohn-
gebiet
802010004 / Kalk - St. Marien 31,5
Kalker Hauptstr.: §§
3, 11 --- 20
Typ IV: belastetes Wohn-
gebiet
802010006 / Kalk - Trimbornstr. 39,0
Kalker Hauptstr.: §§
3, 11 --- 14
Typ IV: belastetes Wohn-
gebiet
802020001 / Köln Arcaden [18,5]
Kalker Hauptstr.: §§
3, 11 --- 5
Typ IV: Umfeld des
Wohngebiets
804030002 / Höhenberg - Münchener Str. 30,1
Germania Siedlung:
§§ 3, 11 --- [137] ud
Typ IV: belastetes Wohn-
gebiet
406030001 / Siedlung Butzweiler Hof 31,9 0 --- 59
Typ IV: belastetes Wohn-
gebiet
901020003 / Mülheimer Stadtgarten - Jan-
Wellem-Str. [26,7] 0 --- 9
Typ IV: belastetes Wohn-
gebiet
901020002 / Mülheimer Stadtgarten - Rho-
diusstr. [26,9] 0 --- 12
Typ IV: belastetes Wohn-
gebiet
901030006 / Mülheim - Liebfrauen-Kirche 35,7 0
Johann-Bendel Re-
alschule 16
Typ IV: belastetes Wohn-
gebiet
901030004 / Mülheim - Deutz-Mülheimer
Str. [26,0] 0
Johann-Bendel Re-
alschule 24
Typ IV: belastetes Wohn-
gebiet
901020004 / Mülheimer Stadtgarten -
Montanusstr. 29,8 0 --- 35
Typ IV: belastetes Wohn-
gebiet
901040001 / Keupstr. - Schanzenstr. [24,7] 0 --- 46
Typ IV: belastetes Wohn-
gebiet
Durchschnitt Belastete Zonen in % Anzahl Durchschnittsrang
18 belastete Wohnquartiere 31,4 50,0 1 39 Summe Typ IV
MaKoS
Verfahren und Erprobung 90
213020002 / Kölnberg - Brühler Landstr. 29,2 § 3 --- [184] ud
Typ V: Quartier mit Prob-
lemimmobilien
402030001 / Schlachthof-Süd 58,3 0 --- 51 Typ VI: Bordellquartier
0 / Stadt Köln 22,4
*) Die Rangplätze 1 bis 106 kennzeichneten eine überdurchschnittliche Kriminalitätsbelastung je Einwohner; weitere Rangplätze werden nicht berücksichtigt.
Quellen: Amt für Stadtentwicklung und Statistik der Stadt Köln; Amt für öffentliche Ordnung der Stadt Köln; PKS 2023, LKA NRW – eigene Berechnungen
ud = unterdurchschnittliche Kriminalitätsbelastung je Einwohner im Jahr 2023 (Quote 0,05 und geringer)
MaKoS
Masterplan Kommunale Sicherheit 91
• Nach den Daten der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) wurde eine Rangreihe der
Kölner Quartiere hinsichtlich einer sehr hohen Kriminalitätsbelastung je Einwohner
im Jahr 2023 gebildet (vgl. Tabelle 9B). Insgesamt zeigten 101 Kölner Quartiere
überdurchschnittliche Ausprägungen der Kriminalitätsbelastung je Einwohner. Als
Durchschnittsrang der 28 Innenstadtquartiere wurde 40 errechnet. Das heißt: Die
28 Quartiere repräsentieren die vorderen 40 Prozent der Kölner Teilräume mit ei-
ner überdurchschnittlichen Kriminalitätsbelastung je Einwohner im Jahr 2023.
Durch die urbane Zentralität der 28 Innenstadtquartiere treffen dort aus unterschiedlichen
Motiven sehr viele und verschiedene Menschen zusammen, was zu der starken Fluktuation
der Wohnbevölkerung und zur hohen Belastung durch unerwünschte Ereignisse beiträgt.
Nach Untersuchungen des Bundesamtes für Bau-, Stadt- und Raumforschung stellt die In-
nenstadt insbesondere für die Altersklassen der jungen Bildungswanderinnen und -wande-
rer (18- bis 24-Jährige) sowie Berufseinsteigerinnen und -einsteiger (25- bis 29-Jährige) ei-
nen beliebten Wohnstandort dar. Von dort ziehen nach einer Zeit viele um in andere
Stadtteile bzw. Stadtbezirke. Als typisches Wanderungsmuster gilt: „Ankunft in zentralen
Stadtteilen, danach Umzug in äußere Stadtteile und teilweise Fortzug aus der Stadt “.11
Darüber hinaus stellen Quartiere in der Innenstadt Zielorte dar: für Berufspendler, die all-
täglich ihre Arbeitsstätten aufsuchen, für Konsumenten, die wegen des breiten Warenange-
bots des Handels in die Kölner City kommen, für Stadttouristen, die einzigartige Kölner
Kulturstätten sehen möchten, und für Erlebnisorientierte, die zahlreiche Freizeitinfrastruktu-
ren in Köln am Abend oder am Wochenende besuchen. Darunter befinden sich auch Per-
sonen, die diesen Mix von Nutzergruppen als Gelegenheitsstruktur nutzen, um kriminelle
Handlungen zu begehen, oder die angesichts der Personen- und Ereignisdichte unordentli-
ches Verhalten zeigen und sich gehen lassen.
Typ II: Quartiere mit besonderen sozialen Infrastruktureinrichtungen
Es wurden sechs Quartiere identifiziert, deren sehr hohe Fluktuationsraten auf stationäre
Einrichtungen einerseits für geflüchtete Menschen sowie Asylbewerber und andererseits für
ältere Menschen zurückzuführen ist (vgl. Tabelle 14):
• Im Durchschnitt sind dort innerhalb eines Jahres (2022) der sehr große Anteil von
80 Prozent der Wohnbevölkerung fort- und zugezogen. Als Sonderfall kann
Bayenthal eingeordnet werden: Die außerordentlich hohe Fluktuationsquote von
284 Prozent zeigt einen sehr häufigen Wechsel des Wohnstandortes von Geflüchte-
ten und Asylbewerbern an.
• Ein Drittel dieser Quartiere (33%) ist auch durch Unordnung (nach §§ 3, 8, 11
KSO) belastet, und
11 Kölner Statistische Nachrichten – 20/2021: Zuzüge, Fortzüge und Umzüge in Köln 2020 – Über Muster
beim Wanderungsverhalten. https://www.stadt-koeln.de/mediaasset/content/pdf15/statistik-einwohner-und-
haushalte/ksn_20_2021_zuzuege_fortzuege_und_umzuege_in_koeln_2020.pdf [Zugriff: 29.02.2024], S. 13-
15.
MaKoS
Verfahren und Erprobung 92
• in zwei Quartieren wurden Schulstandorte mit überdurchschnittlich vielen Einsätzen
der Polizei in den Jahren 2022 und 2023 ermittelt.
Diese Quartiere werden vor allem von den starken Wanderungsbewegungen von Geflüch-
teten und Asylbewerbern geprägt. Nach den PKS-Daten des Jahres 2023 sind diese Ge-
biete nicht von einer überdurchschnittlichen Kriminalitätsbelastung je Einwohner betroffen.
In zwei Dritteln dieser Stadträume lag die Kriminalitätsbelastung sogar unter dem Kölner
Durchschnitt. Wahrscheinlich stellen Sicherheitsdienste innerhalb der Einrichtungen und in
deren Umfeld die Ordnung sicher.
Typ III: Studentische Quartiere
Aufgefallen sind sechs weitere Quartiere, die infolge der Nähe zur Universität bzw. zur
Technischen Hochschule und den damit verbundenen Wohnangeboten für Studierende
sehr hohe Fluktuationsraten aufweisen. Im Durchschnitt ist in diesen Quartieren fast die
Hälfte der Wohnbevölkerung im Jahr 2023 fort- und zugezogen (46%) (vgl. Tabelle 14).
• Etwa ein Drittel dieser Quartiere (33%) ist durch Unordnung (nach §§ 3, 8, 11
KSO) belastet. Darunter sind insbesondere auch Orte rund um die Partymeile an
der Luxemburger Straße vertreten.
• In der Rangreihe der 101 Kölner Quartiere mit einer überdurchschnittlichen und ho-
hen Kriminalitätsbelastung je Einwohner im Jahr 2023 gehören nur fünf der studen-
tischen Quartiere – ähnlich wie die zuvor genannten Innenstadtbereiche – auch zu
den vorderen 40 Prozent der Kölner Teilräume mit einer überdurchschnittlichen Kri-
minalitätsbelastung je Einwohner im Jahr 2022. Als Durchschnittsrang der fünf stu-
dentischen Quartiere wurde 38 errechnet, wenn das Quartier Uni-Center nicht mit-
berücksichtigt wird. (Für die sechs Quartiere mit dem Uni-Center ergibt sich die
durchschnittliche Rangposition 54.)
Diese Quartiere werden von den Wanderungsbewegungen der jungen Menschen beein-
flusst, die zum Studium nach Köln kommen und nach einigen Semestern andere Städte
bzw. andere Wohnstandorte aufsuchen. Zugleich sind einige mit einer „Feier-Infrastruktur“
ausgestattet, die eine hohe Anziehungskraft ausübt und eine Gelegenheitsstruktur für krimi-
nelle Handlungen und unordentliches Verhalten darstellt.
Typ IV: Belastete Wohngebiete
Insgesamt wurden in den äußeren Stadtbezirken 18 Quartiere identifiziert, die im Jahr
2022 eine sehr hohe Fluktuationsrate hatten und zugleich sehr hoch mit kriminellen Delik-
ten je Einwohner im Jahr 2023 belastet waren (vgl. Tabelle 14):
• Im Durchschnitt ist dort über ein knappes Drittel der Wohnbevölkerung im Jahr
2022 fort- und zugezogen (31%).
• Die Hälfte dieser Quartiere (50%) weist auch Hotspots der Unordnung (nach §§ 3,
8, 11, 25 KSO) auf.
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 93
• In der Rangreihe der 101 Kölner Quartiere mit einer überdurchschnittlichen und ho-
hen Kriminalitätsbelastung je Einwohner im Jahr 2023 repräsentieren weitere 18
Wohnquartiere – in derselben Weise wie die studentischen und die Innenstadtberei-
che – ebenfalls den vorderen Teil der Verteilung der Kölner Teilräume mit einer
überdurchschnittlichen Kriminalitätsbelastung je Einwohner. Als Durchschnittsrang
dieser 18 belasteten Wohnquartiere wurde 39 errechnet.
Bei der näheren Betrachtung der Wohnquartiere ist zu erkennen, dass sie überwie-
gend einen urbanen Charakter haben. Die hohen Wanderungsbewegungen verdeutlichen
die Attraktivität der Quartiere und ihrer Stadtteile. Der tiefenschärfere Blick auf die Quar-
tiersebene hat veranschaulicht, dass besonders Räume mit einer hohen Nutzungsmischung
betroffen sind. Solche Quartiere, in denen Wohnen, Einzelhandel, Kultur und Freizeit viele
Menschen mit unterschiedlichen Verhaltensweisen an zentralen Orten zusammenbringen,
fallen besonders in den Stadtteilen Ehrenfeld, Kalk und Mülheim auf. Dort
wurde in einigen Quartieren in überdurchschnittlicher Weise festgestellt, dass sie Hotspots
von Verunreinigungen öffentlicher Flächen mit Müll und Abfällen, von störendem Verhalten
und auch Ruhestörungen am Abend sind.
Im Kontext mit der überdurchschnittlichen bzw. hohen Kriminalitätsbelastung je Einwohner
(laut PKS-Statistik 2023) und mit der Bündelung von Hotspots der Unordnung werden im
Folgenden die identifizierten Quartiere in den Stadtteilen Ehrenfeld, Kalk und Mülheim vor-
gestellt:
Quelle: Karten 3.0 von Apple
Abbildung 7: Siedlungsbereich der vier belasteten Quartiere in Ehrenfeld
MaKoS
Verfahren und Erprobung 94
(1) Vier Quartiere verteilen sich im Stadtteil Ehrenfeld um den S-Bahnhof Köln Ehrenfeld
herum (vgl. Tabelle 14: gelbe Markierung; vgl. Abbildung 7):
• das Westquartier mit dem Leo-Amann-Park (Kriminalitätsindex je Einwohner: 0,18);
• das Quartier im Bereich der Hansemannstraße (Kriminalitätsindex je Einwohner:
0,15);
• das Quartier im Umfeld der Lichtstraße (Kriminalitätsindex je Einwohner: 0,11) und
• das Quartier im Bereich von Neptunplatz und Vogelsanger Straße (Kriminalitätsin-
dex je Einwohner: 0,17).
In den Ehrenfelder Quartieren wird die Fluktuation überwiegend durch jüngere Personen
geprägt. Beispielsweise bieten im Umfeld des S-Bahnhofs Ehrenfeld Boarding Houses und
Apartmenthäuser Wohnmöglichkeiten auf Zeit an: Das „JOYN Cologne“ auf der Venloer
Straße 241- 245 in Ehrenfeld wirbt im Internet damit, dass „die 112 neuen Serviced Apart-
ments im denkmalgeschützten Gebäude der ehemaligen Fabrik von 4711“ im „Multikulti-
Veedel“ alles bieten, was „für geschäftliche Aufenthalte auf Zeit oder private Städtetrips“
gebraucht wird. Auf der Vogelsanger Str. 206 (Ecke Heliosstraße) bietet das „STAYERY
Köln“ eine „Mischung aus Hotel und privater Wohnung“ an.
Quelle: Karten 3.0 von Apple
Abbildung 8: Siedlungsbereich der vier belasteten Quartiere in Kalk
(2) Vier weitere Quartiere im Stadtteil Kalk haben ihre Standorte auf den beiden Seiten
der Kalker Hauptstraße und um den S-Bahnhof Köln Trimbornstraße herum (vgl. Tabelle
14: graue Markierung; vgl. Abbildung 8):
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 95
• das Quartier Köln Arcaden (Kriminalitätsindex je Einwohner: 0,41);
• das Quartier Vorsterstraße (Kriminalitätsindex je Einwohner: 0, 33);
• das Quartier -Trimbornstraße (Kriminalitätsindex je Einwohner: 0, 23) und
• das Quartier St. Marien (Kriminalitätsindex je Einwohner: 0,20).
Die peripher in Merheim liegende Siedlung Madaus – Auf dem Eichenbrett weist ebenfalls
eine sehr hohe Kriminalitätsbelastung je Einwohner auf, gehört aber nicht zu dem Bereich
um die Kalker Hauptstraße herum (Kriminalitätsindex je Einwohner: 0,19).
Quelle: Karten 3.0 von Apple
Abbildung 9: Siedlungsbereich der fünf belasteten Quartiere in Mülheim
(3) Sieben Quartiere bilden einen Siedlungszusammenhang in Mülheim (teilweise rund
um den Wiener Platz – vgl. Tabelle 14, grüne Markierung; Abbildung 9):
• drei benachbarte Quartiere in Rheinnähe – das Umfeld der Liebfrauenkirche (Krimi-
nalitätsindex je Einwohner: 0,21), der Herz-Jesu-Kirche (Index 0,19) und der
Deutz-Mülheimer-Straße ( Index je Einwohner: 0,19);
MaKoS
Verfahren und Erprobung 96
• die Quartiere am Mülheimer Stadtgarten wie Rhodiusstraße (Kriminalitätsindex je
Einwohner: 0,24), Jan-Wellem-Straße (Kriminalitätsindex je Einwohner: 0,31) und
Montanusstraße (Kriminalitätsindex je Einwohner: 0, 16).
• Auch das angrenzende Quartier Keup-/Schanzenstraße weist eine hohe Belastung
auf (Kriminalitätsindex je Einwohner: 0,12).
Im Jahr 2017 hatte die Stadt Köln die Verwaltung beauftragt, einen Aktionsplan für die Er-
langung des Siegels „Kinderfreundliche Kommune“ zu erstellen. Als Konsequenz fand im
Jahr 2022 das Pilotprojekt „HEY Mülheim“ statt. In einer crossmedialen Sozialraumbege-
hung mittels eines Kartendialogs und mit einem anschließenden Großgruppenformat „Vee-
dels-Konferenz“ in Köln-Mülheim wurden Kinder und Jugendliche beteiligt. Sie wurden mo-
tiviert, ihren Lebensraum zu erkunden und aus ihrer Perspektive zu bewerten. Einen gro-
ßen Stellenwert nahmen Einschätzungen zur Sicherheitssituation ein (vgl. Abbildung 10).
Laut der Dokumentation des Prozesses bezog sich der größte Anteil aller Beiträge auf den
Stadtteil Mülheim (38%) – dabei stand vor allem die Situation rund um den Wiener Platz
im Fokus.
Die dokumentierten Antworten können als Hinweis auf ein hohes Niveau der affektiven Kri-
minalitätsfurcht unter Kinder und Jugendlichen interpretiert werden. Die Aussagen bezie-
hen sich überwiegend auf die sechs Quartiere, die in der vorliegenden Analyse identifi-
ziert wurden.
Quelle: Michels, M.; Hebecker, M. & Stenzhorn, V. (2022): Online-Kartendialog HEY Mülheim. Digitale Sozialraumbege-
hung mit Kindern und Jugendlichen im Rahmen des Aktionsplans „Kinderfreundliche Kommune Köln“. Bonn, S. 20.
Abbildung 10: Stellungnahmen von Kindern und Jugendlichen zur Sicherheitssituation in Mülheim
im Rahmen des Online-Kartendialogs HEY Mülheim
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 97
Abbildung 11: Kölner Sozialraum Blumenberg, Chorweiler und Seeberg-Nord im Rahmen des Pro-
gramms „Starke Veedel – Starkes Köln“ zur Verbesserung der Lebensbedingungen
Schulen mit überdurchschnittlich häufigen Polizeieinsätzen
Die Zunahme der Straftaten an und in Schulen im Zeitraum von 2022/2023 – insbeson-
dere von Rohheitsdelikten – unterstreicht, dass diese Institution in der Präventionsstrategie
des Masterplans besonders Beachtung finden sollte. Zu Beginn sollte das Augenmerk auf
MaKoS
Verfahren und Erprobung 98
die Schulstandorte gerichtet werden, wo in den Jahren 2022 und 2023 überdurchschnitt-
lich häufig polizeiliche Einsätze registriert wurden. Sie befinden sich überwiegend in Quar-
tieren, in deren Umfeld weder die Fluktuationsrate noch die Quote der kriminellen Delikte
je Einwohner auffallend hoch ausgeprägt ist. Es ist häufiger eine Korrespondenz mit prob-
lembehafteten Lebenslagen festzustellen: Sechs der 11 Schulen gehören nach dem Kölner
Lebenslagenbericht von 2020 zum Typ „potenziell stark erhöhte Problemlagen“: Es sind
die Schulstandorte in Buchheim, Chorweiler, Seeberg, Finkenberg, Mülheim und Ostheim.
• Drei Schulstandorte liegen in den benachbarten Stadtteilen Chorweiler, Hei-
mersdorf und Seeberg, deren städtebauliche Struktur teilweise vom Großwohnsied-
lungsbau der 1970er Jahre geprägt wird. Die Quartiere in der Umgebung der Gus-
tav-Heinemann-Schule in Seeberg-Nord wiesen in der Kriminalitätsbelastung 2023
nur hintere Rangpositionen auf. Das Quartier Heimersdorf-Nord, in dem die Ursula-
Kuhr-Schule angesiedelt ist, grenzt unmittelbar an Seeberg an. In der Verteilung
der Kriminalitätsbelastung je Einwohner liegt es sehr weit hinten. Die Heinrich-Böll-
Gesamtschule gehört dem Quartier Chorweiler-Nord an. Die umgebenden Quar-
tiere weisen mit einer Ausnahme ebenfalls Ränge ein, die einen unterdurchschnittli-
chen Belastungsgrad anzeigen. Die Quartiere im Umfeld der Schulstandorte weisen
zwar überwiegend unterdurchschnittliche Kriminalitätsbelastungen je Einwohner
und Fluktuationsquoten auf, aber Chorweiler und Seeberg-Nord bilden (zusammen
mit Blumenberg) einen Sozialraum mit besonderem Entwicklungsbedarf (vgl. Abbil-
dung 11). Weil in den monofunktionalen Großwohnsiedlungen der Quartiere keine
urbane Lebensqualität entstanden sei und über die Jahre eine segregative soziale
Entmischung stattgefunden habe, wurde der Bereich im Rahmen des Programms
„Starke Veedel – Starkes Köln“ zum „Sozialraum Blumenberg, Chorweiler
und Seeberg-Nord“ erklärt, in dem mit dem Ziel einer positiven Entwicklung sta-
bilisierende Maßnahmen angestoßen wurden. In rund zwei Drittel der Haushalte
leben Kinder, die jedoch häufig in schwierigen finanziellen Verhältnissen aufwach-
sen. Die Eltern von etwa der Hälfte der jungen Menschen unter 15 Jahren sind auf
Leistungen des Jobcenters angewiesen.
• Bei einem Schulstandort, der Lise-Meitner-Gesamtschule, im Stadtteil Finkenberg
stellt sich die Situation ähnlich dar. Die überdurchschnittlich häufigen polizeilichen
Einsätze in den Jahren 2022 und 2023 korrespondieren weder mit einer hohen
Fluktuationsrate noch mit einer hohen Quote der kriminellen Delikte je Einwohner.
Die Quartiere im Umfeld nahmen im Jahr 2023 nur hintere Rangpositionen ein.
Auch Finkenberg gehört einem Sozialraum mit besonderem Entwicklungsbedarf an
– es ist der „Sozialraum Porz-Ost, Finkenberg, Gremberghoven und Eil“
(vgl. Abbildung 12). Die Bewohnerschaft weist ein multikulturelles Profil auf, denn
rund 60 Prozent aller Einwohnerinnen und Einwohner – und fast 80 Prozent der un-
ter 18-Jährigen – haben einen Migrationshintergrund. Ein Viertel der Bewohnerin-
nen und Bewohner bezieht Leistungen des Jobcenters und von den unter 15-Jähri-
gen gehören mehr als zwei Drittel „Bedarfsgemeinschaften“ an [Definition im Rah-
men des Bürgergeld-Bezuges: Gemeinschaft von Menschen, die zusammenleben
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 99
und gemeinsam wirtschaften]. In Finkenberg gibt es Hochhäuser, die sich teilweise
im Übergang zu Problemimmobilien befinden. Die Treppenhäuser, Aufzüge, Gara-
gen, Keller- und Außenanlagen sollen teilweise technische Mängel haben und in ei-
nem verwahrlosten Zustand sein.
Abbildung 12: Kölner Sozialraum Porz-Ost, Finkenberg, Gremberghoven und Eil im Rahmen des
Programms „Starke Veedel – Starkes Köln“ zur Verbesserung der Lebensbedingungen
• Ein Schulstandort, die Johann-Bendel Realschule im Stadtteil Mülheim, liegt im
Quartier der Herz-Jesu-Kirche. In unmittelbarer Nachbarschaft befinden sich die
Quartiere Liebfrauenkirche und Deutz-Mülheimer-Straße, für die 202 3 ein sehr ho-
MaKoS
Verfahren und Erprobung 100
her Kriminalitätsindex je Einwohner errechnet wurde. Auch die in der Nähe liegen-
den Quartiere um den Wiener Platz und am Mülheimer Stadtgarten –
wie Rhodiusstraße , Jan-Wellem-Straße und Montanusstraße – wiesen im Jahr 2023
eine überdurchschnittlich hohe Kriminalitätsquote je Einwohner auf. Die Quartiere
in der Umgebung liegen von den Rängen der Kriminalitätsbelastung einerseits unter
den 101 Quartieren mit überdurchschnittlichen Werten und gehören andererseits
zu den eher durchschnittlich belasteten Gebieten. Dieser Bereich ist nicht Teil ei-
nes Sozialraums mit besonderem Entwicklungsbedarf.
Abbildung 13: Kölner Sozialraum Buchheim, Buchforst, Mülheim-Nord und Keupstraße im Rahmen
des Programms „Starke Veedel – Starkes Köln“ zur Verbesserung der Lebensbedingungen
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 101
• Ein weiterer Schulstandort, die Nelson-Mandela-Schule im Quartier Buchheim
– Wuppertaler Straße, das dem Stadtteil Buchheim angehört, weist eine der höchs-
ten Einsatzquoten der Polizei auf: Dort gab es in den Jahren 2022 und 2023 rech-
nerisch rund einen Einsatz pro Monat. Unter den Quartieren im Umfeld weist nur
das Quartier Hermann-Kunz-Straße eine überdurchschnittlich hohe Kriminalitätsbe-
lastung je Einwohner auf. Die Bewohnerschaft in Buchheim gilt als sozial stark be-
lastet und die Wohnungsbestände entsprechen nur einer einfachen, durchschnittli-
chen Qualität. Der Anteil der Bewohnerinnen und Bewohner mit einem Migrations-
hintergrund liegt deutlich über dem städtischen Durchschnitt. Wegen der sozialen
Problemlagen und wegen des städtischen Handlungsbedarfs wurde Buchheim im
Kontext des „Sozialraumes Buchheim, Buchforst sowie Mülheim-
Nord, Keupstraße “ in das Programm „Starke Veedel – Starkes Köln“ aufgenom-
men (vgl. Abbildung 13). Die zuvor genannten Quartiere um die Johann-Bendel Re-
alschule und die Herz-Jesu-Kirche im Stadtteil Mülheim wurden nicht in diesen Sozi-
alraumzuschnitt aufgenommen.
• Der Schulstandort der Albert-Schweitzer-Realschule befindet sich im Quartier
Ostheim-Süd, den zwar ein sehr hohes Fluktuationsniveau kennzeichnet (52,7 %),
in dessen Umfeld die Quote der kriminellen Delikte je Einwohner aber nur durch-
schnittlich ausgeprägt ist. Auch Ostheim-Süd ist wegen der sozialer Problemlagen
Teil des „Sozialraumes Ostheim und Neubrück“ im Rahmen des Programms
„Starke Veedel – Starkes Köln“ geworden (vgl. Abbildung 14). Dort leben über-
durchschnittlich viele Familien mit Kindern, auch der Anteil der Alleinerziehenden
fällt erhöht aus. Und die Zahl der über 65-Jährigen liegt ebenfalls über dem Durch-
schnitt der Gesamtstadt. Ein Drittel der Bevölkerung im Sozialraum wird nach Infor-
mationen der Sozialraumkoordination durch Leistungen des Jobcenters unterstützt –
unter den Kindern unter 15 Jahren betrifft das die Hälfte.
• Vier Schulstandorte verteilen sich über die Stadtteile Holweide sowie Höhen-
haus im Stadtbezirk Mülheim und den Stadtteil Zündorf im Stadtbezirk Porz. Diese
Gebiete gelten nach dem Kölner Lebenslagenbericht von 2020 als „durchschnitt-
liche Stadtteile“ – der Stadtteil Rodenkirchen im Stadtbezirk Rodenkirchen sogar
als „gut aufgestellter Stadtteil“. Im Umfeld der Wilhelm-Busch-Realschule im
Quartier Zündorf – Wahner Straße, der Gesamtschule Holweide im Quartier Sied-
lung Wichheim, der Willy-Brandt-Gesamtschule im Quartier Höhenhaus – Gesamt-
schule und im Umfeld der Gesamtschule Rodenkirchen im Quartier Sürther Feld –
Michaelshoven wurden im Rahmen der Indikatorenanalyse weder hohe Fluktuati-
onsraten noch hohe Belastungen durch kriminelle Delikte je Einwohner festgestellt.
Dennoch weisen die Wilhelm-Busch-Realschule in Zündorf, die Gesamtschule Hol-
weide und die Gesamtschule Rodenkirchen unter allen aufgezählten Schulen beson-
ders hohe Einsatzquoten der Polizei auf: Dort gab es in den Jahren 2022 und
2023 rechnerisch rund einen Einsatz pro Monat.
MaKoS
Verfahren und Erprobung 102
Von den elf Schulstandorten mit überdurchschnittlich häufigen polizeilichen Einsätzen in
den Jahren 2022 und 2023 liegen sieben in Sozialräumen mit besonderem sozialen Ent-
wicklungsbedarf (64 %), nur vier Schulen in „durchschnittlichen“ und „gut aufgestellten“
Stadtgebieten (36 %). Alle Gebiete fallen nicht durch die demographische Fluktuation und
auch nicht durch die Kriminalitätsbelastung auf, sondern durch die Konflikthäufigkeit zwi-
schen Schülerinnen und Schülern im Schulalltag. Folglich scheinen dort andere Präventions-
strategien notwendig zu sein, als in den hochmobilen und mit kriminellen Delikten belaste-
ten Kölner Quartieren.
Abbildung 14: Kölner Sozialraum Ostheim und Neubrück im Rahmen des Programms „Starke Vee-
del – Starkes Köln“ zur Verbesserung der Lebensbedingungen
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 103
B1.6 Zwischenergebnisse nach Analyse der Indikatoren
Um den „Masterplan Kommunale Sicherheit“ in Köln auf einer gesicherten Datengrund-
lage entwickeln zu können, wurde ein Indikatoren-Modell gewählt, mit dem die kriti-
schen Entwicklungen der Sicherheit in Köln frühzeitig erkannt werden können. Als Zwi-
schenergebnis der Datenanalysen lässt sich hier festhalten:
• Die beiden Indikatoren der jährlichen Bevölkerungsfluktuation und der jährlichen
Belastung mit Delikten der Straßenkriminalität je Einwohner korrespondieren in be-
stimmten statistischen Quartieren. Unter diesem verknüpften Blickwinkel können die
Kölner Teilräume, die einen besonderen Präventionsbedarf aufweisen, schlüssig
nachvollziehbar abgeleitet werden.
• Auch der Indikator der Häufigkeit von polizeilichen Einsätzen an Schulen (mit der
Sekundarstufe I) hat sich als tragfähig erwiesen. Er scheint für die Früherkennung
negativer Tendenzen unter jungen Menschen sehr geeignet zu sein. Aber es zeigte
sich auch, dass die Schulen über keine Verfahren und Konzepte verfügen, wie in
Fällen einer überdurchschnittlichen Einsatzhäufigkeit mit den Belastungen umgegan-
gen werden kann. Vor rund zwei Jahrzehnten wurde mit dem Ansatz der „Selbstän-
digen Schule“ die alltägliche Schulorganisation neugestaltet. Der Zugewinn von „Ei-
genverantwortung“ hat aber möglicherweise zu einer Verinselung der Schulen bei-
getragen. Wenn kritische Ereignisse und Delikte im Schulalltag auftreten, scheinen
die Abläufe sowohl des internen Austausches zwischen Schulleitung, Lehrkörper
und Schulsozialarbeit als auch für externe Wege einer Kooperation mit der Polizei
und mit einschlägigen Stellen der Stadtverwaltung ungeregelt zu sein. Daran muss
im weiteren Prozess des Masterplans angesetzt werden.
• In vielen deutschen Städten wurden im Umfeld von Problemimmobilien zahlreiche
Rechtsverstöße festgestellt, weil die – teilweise undurchsichtigen informellen – Ver-
mietungsbedingungen in diesen Beständen Personengruppen mit abweichendem
Verhalten anziehen. In Köln stehen zurzeit weder Informationen über die Standorte
von Wohngebäuden mit dem Charakter von Problemimmobilien noch die Anzahl
der Wohnungen an solchen Standorten zur Verfügung. Daher konnte auf der
Grundlage dieses Indikators keine Analyse durchgeführt werden. Als Zwischener-
gebnis lässt sich somit der Vorschlag ableiten, innerhalb der Kölner Stadtverwal-
tung in einen interdisziplinären Austausch einzutreten, um zu klären, wie das Merk-
mal „Problemimmobilie“ zukünftig auf der Ebene der statistischen Quartiere quanti-
tativ und qualitativ erfasst und dokumentiert werden kann.
• Auch die Datengrundlage zur Unordnung im öffentlichen Raum war für die beab-
sichtigte Analyse nicht hinreichend. Die ausgewählten fünf Ordnungswidrigkeiten
der Kölner Stadtordnung von 2017 (KSO) lassen sich zurzeit weder quantitativ
vom Umfang her noch raumdifferenziert tiefenscharf auf der Quartiersebene dar-
stellen. Wenn diese Bedingungen nicht erfüllt sind, bleibt die Suche nach einer Kor-
respondenz mit der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik sehr unscharf. Es wird vermu-
tet, dass die Verzahnung mit dem „Masterplan Sauberkeit“ nur gelingen kann,
MaKoS
Verfahren und Erprobung 104
wenn die Entwicklung der Unordnung bzw. die Erfolge ihrer Beseitigung indikato-
rengestützt abbildbar werden und teilräumlich bis auf Quartiers- und Straßenab-
schnittsebene transparent zugeordnet werden kann. Auch dazu wird angeregt, in-
nerhalb der Kölner Stadtverwaltung einen Prozess der Klärung einzuleiten.
B1.7 Deliktprofile der ausgewählten Quartiere im Jahr 2023
Im Rahmen der Indikatoren-Analyse wiesen 48 Quartiere Belastungsmerkmale auf. Sie re-
präsentieren rund 8 Prozent aller 570 statistischen Quartiere in Köln und verteilen sich ty-
pologisch über (I) 28 belastete Innenstadtquartiere, (II) fünf studentische Quartiere, (III)
vier belastete Quartiere in Ehrenfeld, (IV) vier belastete Quartiere in Kalk und (V) sieben
belastete Quartiere in Mülheim.
Ad I: Die 28 Innenstadtquartiere, die durch hohe Fluktuationsquoten, durch eine sehr
hohe Kriminalitätsbelastung je Einwohner und durch überdurchschnittlich viele Orte der Un-
ordnung gekennzeichnet sind, lassen sich räumlich in folgender Weise zuordnen:
• 15 linksrheinische Quartiere innerhalb der Ringe : Neumarkt-Viertel – St. Andreas,
Cäcilien-Viertel – Josef-Haubrich-Hof, City – St. Martin, Apostel-Viertel, Kapitol-Vier-
tel, Georgs-Viertel, Kuniberts-Viertel – St. Kunibert, Eigelstein-Viertel, Gereons-Vier-
tel – St. Gereon, Gereons-Viertel – Klingelpützpark, Mauritius-Viertel – Mauritius-
kirchplatz, Mauritius-Viertel – Weyerstraße , Severins-Viertel – Karl-Berbuer-Platz,
Severins-Viertel – St. Severin, Severins-Viertel - An St. Katharinen.
• sieben Quartiere westlich außerhalb der Ringe mit Nähe zum Hahnentor:
Rathenau-Viertel – Rathenauplatz, Komponisten-Viertel – Yitzhak-Rabin-Platz, Kom-
ponisten-Viertel – Jean-Claude-Letist-Platz, Komponisten-Viertel – Aachener Str., Bel-
gisches Viertel – Bismarckstr., Belgisches Viertel – Lütticher Str., Belgisches Viertel –
Brüsseler Platz.
• drei nördliche Neustadt-Viertel: Stadtgarten-Viertel – Bismarckstraße , Media-Park,
Agnes-Viertel – Aquinostraße am Ebertplatz .
• zwei Quartiere südlich außerhalb der Ringe: Volksgarten-Viertel – Pfälzer Straße
und Volksgarten-Viertel – Burgunderstraße.
• ein Quartier rechtsrheinisch um den Ottoplatz in Deutz.
Fast 19.000 kriminelle Ereignisse der Straßenkriminalität sind im Jahr 2023 in den 28
Quartieren bekannt geworden (durchschnittlich 672 Delikte je Quartier). Fast ein Viertel
der Delikte werden von Ladendiebstählen (24 %) und ein Fünftel von Taschendiebstählen
(21 %) geprägt. Die hohe Zahl der Standorte des Einzelhandels und die dichten Kunden-
ströme bieten dafür die Gelegenheitsstrukturen. Zusammen mit anderen einfachen Dieb-
stählen (16 %) und Rauschgiftdelikten (10 %) markieren die vier Deliktarten zwei Drittel
der Straßenkriminalität in diesen Innenstadtquartieren (vgl. Tabelle 15).
MaKoS
Masterplan Kommunale Sicherheit 105
Tab. 15: Prozentuale Verteilung von Delikten der Straßenkriminalität in den belasteten Kölner Quartieren im Jahr 2023
Belastete Quartiere
in Köln
Prozentwerte von Delikten der Straßenkriminalität
nach den ausgewählten Quartiersbündeln im Jahr 2023 Absolute An-
zahl aller De-
likte
Index:
Kriminalität
je EW
andere
Delikte
Diebstahl
Fahrrad
Diebstahl
aus Kfz
Taschen-
diebstahl
Raubüber-
fälle
Körperver-
letzung Diebstahl Laden-
diebstahl
Woh-
nungsein-
bruch
Sachbe-
schäd.
Kfz
Sachbe-
schäd. all-
gemein
Rauschgift
28 belastete Innen-
stadtquartiere 3,3 8,1 6,1 21,0 1,3 4,4 15,6 23,8 0,7 2,5 3,5 9,5 18.818 0,34
33 restliche Innenstadt-
quartiere 4,4 20,3 15,5 7,1 0,9 3,0 9,9 7,1 2,5 5,9 5,7 17,8 5.025 0,08
5 studentische Quar-
tiere 5,6 14,4 16,1 19,7 2,1 5,9 11,4 1,6 2,0 6,2 4,4 10,6 1.330 0,12
4 belastete Quartiere
in Ehrenfeld 5,0 13,0 5,0 12,6 0,6 3,7 11,6 28,0 0,8 5,5 7,6 6,6 1.220 0,22
4 belastete Quartiere
in Kalk 3,9 4,5 4,2 17,3 1,0 2,6 7,6 33,9 0,5 2,7 2,2 19,7 3.055 0,32
7 belastete Quartiere
in Mülheim 3,9 6,0 9,7 12,1 1,2 4,0 16,9 17,0 1,1 3,5 3,5 21,0 2.360 0,17
Quelle: PKS 2023, LKA NRW – eigene Berechnungen
MaKoS
Verfahren und Erprobung 106
Wenn die anderen 34 Quartiere des Stadtbezirks Innenstadt dazu in Relation gesetzt wird,
ist eine deutliche Differenz zu erkennen. Der Umfang von rund 5.000 Delikten der Straßen-
kriminalität fiel dort im Jahr 2023 deutlich niedriger aus – die durchschnittlich errechneten
152 Delikte je Quartier entsprechen nur einem Fünftel des Straftatendurchschnitts in den 28
Schwerpunktquartieren. Auch das Profil der Delikte unterscheidet sich: Es dominieren Fahr-
raddiebstähle (20 %) und Diebstähle aus Kraftfahrzeugen (16 %), aber auch Rauschgiftde-
likte (18 %).
Ad II bis V: Im Rahmen der Analyse wurden weitere Quartierstypen ermittelt (vgl. Ta-
belle 15):
• In fünf studentischen Quartieren wurden im Jahr 2023 über1.300 kriminelle
Ereignisse der Straßenkriminalität registriert (durchschnittlich 266 Delikte je Quar-
tier). Allerdings hat sich das die Anzahl der Straftaten gegenüber dem Jahr 2022
verringert, in dem noch 297 Delikte je Quartier errechnet wurden. In der Verteilung
der Delikte dominieren verschiedene Formen des Diebstahls: Die Taschendiebstähle
(20 %), die Fahrraddiebstähle (16 %), die Diebstähle aus Kraftfahrzeugen (16 %)
und die einfachen Diebstähle (11 %) stellen fast zwei Drittel aller Delikte in diesen
Quartieren dar. In keinem der anderen Quartierstypen war im Jahr 2023 die Quote
der Körperverletzungen so hoch (6 %).
• In den vier Ehrenfelder Quartieren fanden 2023 rund 1.200 kriminelle Ereig-
nisse der Straßenkriminalität statt (durchschnittlich 305 Delikte je Quartier). Über ein
Viertel machen darunter Ladendiebstähle aus (28 %). Einen bemerkenswerten Stel-
lenwert mit – zusammen rund einem weiteren Viertel – nehmen der Fahrraddiebstahl
(13 %) und der Taschendiebstahl (13 %) ein.
• In den vier Quartieren in Kalk sind 2023 über 3.000 kriminelle Ereignisse der
Straßenkriminalität aktenkundig geworden. Der damit verbundene Durchschnitt von
fast 763 Delikten je Quartier übertrifft sogar die Kriminalitätsquote in den 28 belas-
teten Innenstadtquartieren. Rund 70 Prozent des Profils werden durch drei Deliktar-
ten geprägt: Ein Drittel wird von den Ladendiebstählen bestimmt (34 %), und die Ta-
schendiebstähle stellen unter den Delikten fast ein Fünftel (17 %). Ein weiteres Fünf-
tel machen Rauschgiftdelikte aus (20 %)
• In den sieben Quartieren in Mülheim wurden im Jahr 2023 über 2.300 krimi-
nelle Ereignisse der Straßenkriminalität gezählt. Der Durchschnitt von 337 Delikten
je Quartier liegt deutlich über den studentischen und Ehrenfelder Quartieren, aber
weit unterhalb des sehr hohen Niveaus in den vier Quartieren des Stadtteils Kalk.
Die Reihenfolge des Profils beginnt mit Rauschgiftdelikten (21 %) – eine so hohe
Quote wurde in keinem anderen Quartierstyp festgestellt. Sie setzt sich fort mit La-
dendiebstählen (16 %), einfachen Diebstählen (17 %), Taschendiebstählen (12 %)
und Diebstählen aus Fahrzeugen (10 %)
Die 48 Quartiere mit einer hohen Fluktuation und Kriminalitätsbelastung bilden erstens das
Kölner Zentrum ab, zweitens die rechtsrheinische Achse Mülheim-Kalk und drittens Ehren-
feld im Westen (vgl. Abbildung 15). Andere das Kölner Zentrum rahmende Stadtteile wie
beispielsweise Nippes und Lindenthal gehören nicht dazu.
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 107
Insgesamt zeigen sich signifikante Unterschiede: In den Gebieten von Kalk und Mülheim
spielt der Anteil der Rauschgiftdelikte im öffentlichen Raum der Stadtplätze eine beson-
dere Rolle. In den Quartieren von Ehrenfeld und Kalk sind die Ladendiebstähle in au-
ßerordentlicher Weise ausgeprägt, so dass die Ladeninhaber zu wirksameren Präventions-
maßnahmen motiviert werden könnten. Dies betrifft in besonderer Weise auch die Inhaber
des Einzelhandels in den 28 herausgefilterten Quartieren der Innenstadt. Präventionsmaß-
nahmen sind auch gegen den Fahrraddiebstahl notwendig, der sowohl in einigen Quar-
tieren der Innenstadt als auch in den studentischen Quartieren und in den Ehrenfel-
der Quartieren überdurchschnittlich ausgeprägt ist.
Abbildung 15: Verteilung der 45 identifizierten Quartiere mit einer hohen Fluktuation und Kriminali-
tätsbelastung über die Kölner Stadtteile
MaKoS
Verfahren und Erprobung 108
Wenn die Indikatoren der Bevölkerungsfluktuation und der Unordnung nicht berücksichtigt
werden und der Fokus nur auf den Indikator der Straßenkriminalität gerichtet
wird, lassen sich noch acht weitere Kölner Teilräume auflisten:
• Im Quartier Alt-Grengel, das den Kölner Flughafen einschließt, hat sich die
Zahl der Straftaten um 458 Prozent von 182 im Jahr 2019 auf 1015 Delikte im Jahr
2023 erhöht. Die Belastungsquote von 0,59 Straftaten der Straßenkriminalität je Ein-
wohner war im Jahr 2023 außerordentlich hoch. Das Profil der Delikte wurde zu
zwei Drittel durch Rauschgiftdelikte (69%) bestimmt; daneben betraf ein Zehntel der
Delikte einfachen Diebstahl (13%).
• Im Quartier Chorweiler – Turkuplatz wurden im Jahr 2023 insgesamt 522 De-
likte der Straßenkriminalität verzeichnet , was 0,20 Straftaten je Einwohner ent-
spricht. Es dominierten mit 46 Prozent der Ladendiebstahl und mit 22 Prozent der Ta-
schendiebstahl.
• Im Quartier Madaus – Auf dem Eichenbrett, das im Stadtbezirk Mülheim vor
einigen Jahren auf einer alten Industriebrache neu errichtet wurde, nahmen die De-
likte von 271 (im Jahr 2019) auf 362 Straftaten im Jahr 2023 zu. Rechnerisch ergibt
das 0,19 Straftaten je Einwohner. Das Profil war im Jahr 2023 gekennzeichnet von
Ladendiebstahl (46%), einfachem Diebstahl (15%) und Diebstahl aus Kraftfahrzeu-
gen (13%).
• Auffallend sind auch zwei Ostheimer Quartiere. In Ostheim-Süd erhöhten sich
die Straftaten der Straßenkriminalität um 132 Prozent von 87 im Jahr 2019 auf 202
Delikte im Jahr 2023. Das Profil wird geprägt von: Diebstahl aus Kfz (36%), Woh-
nungseinbruch (11%), einfachem Diebstahl (11%) und Fahrraddiebstahl (10%). Im
Quartier Ostheim-Nord – Rösrather Straße entwickelte sich die Straßenkriminalität
um 117 Prozent von 109 Delikten im Jahr 2019 auf 237 im Jahr 2023. Im Profil do-
minieren Diebstahl aus Kfz (24%), einfacher Diebstahl (17%), Wohnungseinbruch
(12%) und Fahrraddiebstahl (12%).
• Im Stadtbezirk Mülheim befindet sich die Siedlung Blauer Hof – Heidelberger
Straße. Dort erhöhten sich die Straftaten zwischen 2019 und 2023 um 262 Prozent
von 42 auf 152 Delikte. Besonders auffallend ist, dass mit einem Drittel das Delikt
Widerstand gegen die Staatsgewalt (32%) dominiert.
• Im Stadtbezirk Rodenkirchen kann noch das Quartier Zollstock-Nord – Zoll-
stock Arkaden erwähnt werden. Dort nahmen die Delikte um 243 Prozent von 37
(2019) auf 127 (2023) zu. Im Vordergrund stehen Straftaten des Ladendiebstahls
(40%) und des Fahrraddiebstahl (17%). Jeweils rund ein Zehntel machen der Ta-
schendiebstahl (9%) und der einfache Diebstahl (11%) aus.
• Der höchste Anstieg im Zeitraum von 2019 bis 2023 fand im Quartier Alt-Lin-
denthal – Dürener Straße statt. Prozentual betrug das Wachstum der Straftaten
873 Prozent. Einschränkend muss allerdings angemerkt werden, dass diese Entwick-
lung mit dem niedrigen Niveau der absoluten Zahlen zusammenhängt. Denn die De-
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 109
likte nahmen innerhalb der vier Jahre von 11 auf 107 Straftaten zu. Auch hier ste-
hen Straftaten des Ladendiebstahls (40%), des Fahrraddiebstahl (19%) und des ein-
fachen Diebstahls (16%) im Vordergrund.
B1.8 Überblick über die bestehenden Präventionskonzepte und Prä-
ventionsmaßnahmen
Die Stabsstelle „Zentrum für Kriminalprävention und Sicherheit“ im Dezernat „Allgemeine
Verwaltung und Ordnung“ verfügt über eine Übersicht , in der dargestellt wird, welche Prä-
ventionsmaßnahmen in Köln bereits implementiert und welche Akteure dabei – teilweise
verantwortlich – eingebunden wurden:
• Das zentrale Instrument stellt der „Präventionsatlas“ dar, in dem die Kölner Präventi-
onslandschaft in kontinuierlicher Fortschreibung dargestellt wird.
• Nach dem aktuellen Stand sind darin 110 Institutionen, Organisationen, Engagierte,
Gremien wie Runde Tische und Arbeitskreise von Professionellen enthalten und auf
einer Geodatenkarte im Stadtgebiet verortet.
• Der Präventionsatlas ist gegliedert nach den Kategorien: sozialraumorientierte Netz-
werke; Akteure im Feld der Sicherheit, Ordnung und Strafverfolgung; Antirassismus
und Integration; Extremismus; sexualisierte Gewalt; Drogen und Sucht; Kinder, Ju-
gendliche und Schule; Seniorinnen und Senioren; Wirtschaft, Wohnen und Verkehr.
• Das aktuelle Konzept der Schulsozialarbeit.
Im Kölner Präventionsatlas wurden diejenigen Akteure, Institutionen und Fachkreise in Köln
aufgeführt, die einerseits im Umfeld der Schulen und andererseits im Umkreis der Quartiere
kriminalpräventiv tätig sind.
Im Rahmen der Umsetzung von Empfehlungen des Masterplans Kommunale Sicherheit in
Kölner Teilräumen können aus dem Präventionsatlas diejenigen Kreise ausgewählt werden,
die daran örtlich beteiligt werden sollen.
Verfahren und Erprobung 110
B2. Workshop: Raumbezogene Perspektiven der Stakeholder für
den Masterplan Kommunale Sicherheit
Das Ziel des Workshops bestand darin, die Ergebnisse der Erprobung des Indikatoren-Mo-
dells einzuordnen, um auf dieser Grundlage Schlussfolgerungen für die weiteren vertiefen-
den Schritte zu ziehen.
B2.1 Teilnehmende
Am Workshop, der am 16. Mai 2024 unter dem Vorsitz der Kölner Stadtdirektorin Andrea
Blome stattfand, wirkten Schlüsselpersonen aus unterschiedlichen Feldern mit:
• Neun Führungskräfte der Kölner Stadtverwaltung [Amt für Liegenschaften, Vermes-
sung und Kataster (23) sowie Amt für Recht, Vergabe und Versicherungen (30), Ab-
fallwirtschaftsbetrieb der Stadt Köln im Dezernat für Klima, Umwelt, Grün und Lie-
genschaften (VIII/3), Amt für öffentliche Ordnung (32), Amt für Soziales, Arbeit und
Senioren (50), Amt für Wohnungswesen (56), Stadtplanungsamt (61), Amt für Ver-
kehrsmanagement (64)];
• vier Personen der Kölner Zentralstelle für Kriminalprävention und Sicherheit (I/3);
• zwei Schwerbehindertenvertretungen der Kölner Stadtverwaltung;
• eine Vertretung des Aufsuchenden Suchtclearings (ASC – als Kooperation zwischen
dem Gesundheitsamt der Stadt Köln und drei Suchthilfeträgern);
• fünf Vertretungen aus dem Kölner Polizeipräsidium [Vertreterin Direktion Kriminali-
tät, Vertreter Kriminalkommissariat Kriminalprävention/Opferschutz, Leiter Bezirks-
dienst Polizeiinspektion 2];
• drei Vertretungen der Abfallwirtschaftsbetriebe Köln (AWB) und der Kölner Ver-
kehrsbetriebe (KVB);
• eine Vertretung der Industrie- und Handelskammer zu Köln (IHK).
B2.2 Bewertungen und Rückschlüsse
Nach der Präsentation der empirischen Ergebnisse, die im Rahmen der Erprobung des Indi-
katoren-Modells gewonnen worden sind, wurden die anwesenden Expertinnen und Exper-
ten bzw. Führungskräfte gebeten, einerseits das Indikatoren-Modell sowie andererseits die
herausgearbeiteten empirischen Strukturbilder zu bewerten und auf dieser Basis erste Rück-
schlüsse aus ihrer fachlichen Perspektive zu ziehen.
Sowohl Frau Stadtdirektorin Blome als auch die anderen Teilnehmenden stimmten dem ge-
wählten Indikatoren-Ansatz vollständig zu. Das Vorgehen der Verknüpfung mehrerer Indika-
toren habe plausible Erkenntnisse geliefert, an denen gut weiter angesetzt werden könne.
Der Bezug zum Quartier als räumliche Grundeinheit – nach der Logik der Neuen Leipzig-
Charta – wurde angesichts der Tatsache, dass Köln über 570 statistische Quartiere verfügt,
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 111
als sehr aufwändig eingeschätzt. Es wurde aber auch anerkannt, dass der Stadtteil als Be-
trachtungsraum zu grob sei und dass nur die kleinere Einheit des Quartiers den unmittelba-
ren alltäglichen Lebens- und Aktionsraum der Bewohnerinnen und Bewohner repräsentiere.
Die Ursachen von Störungen der objektiven Sicherheitssituation und der subjektiven Sicher-
heitswahrnehmung lassen sich am besten im Wohnumfeld-Radius des Quartiers erkennen
und bearbeiten. Auch wenn die Kategorie des „statistischen Quartiers“ nicht in allen Fällen
deckungsgleich mit den Bezugsräumen der Wohnbevölkerung sein muss, gebe es keine
raumstrukturelle Alternative dazu.
Ein besonderes Augenmerk wurde in der Diskussion auf den Indikator „Problemimmobilien“
gerichtet. Die Eignung von Problemimmobilien als Indikator für den Masterplan Kommunale
Sicherheit wurde nicht in Zweifel gezogen. Aber in Köln müsse erst noch erhoben werden,
in welchen Stadtquartieren solche Immobilien festzustellen sind. Bisher hatte kein Fachbe-
reich der Kölner Stadtverwaltung die Aufgabe erhalten, Problemimmobilien zu identifizie-
ren. Vom Amt für Wohnungswesen wurde darauf hingewiesen, dass beispielsweise das
Sachgebiet Zweckentfremdung, Wohnungsaufsicht, Mietpreiskontrolle Aufgaben mit einem
anderen Fokus wahrnimmt: Im Blickpunkt stehen Einzelfälle, in denen der Zustand und die
Ausstattung einer Wohnung nicht den gesetzlichen Mindeststandards entsprechen oder in
denen Wohnraum zweckentfremdet genutzt wird. Im Regelfall geht es um einzelne Woh-
nungen, nicht um komplette Immobilien oder gar ihr Umfeld.
Vor diesem Hintergrund scheint es notwendig zu sein, verschiedene Fachbereiche der Köl-
ner Stadtverwaltung in einen Austausch zu bringen, um interdisziplinär aufzuklären, wie das
Phänomen der „Problemimmobilien“ – etwa unter der besonderen Situation des angespann-
ten Wohnungsmarktes in der Stadt Köln – definiert und operationalisiert werden könne. Ins-
gesamt wurde betont, dass es einer Definition bedürfe, was in Köln unter Problemimmobi-
lien zu verstehen sei.
Aus dem Amt für öffentliche Ordnung wurde zur Auswertung von Schwerpunkten der Un-
ordnung Stellung genommen. Die Ordnungswidrigkeiten nach der Kölner Stadtordnung
können im Stadtraum nicht systematisch erfasst werden; denn die Ressourcen des Außen-
dienstes seien begrenzt und müssen auf die Kernaufgaben fokussiert werden. Es sei aber
durchaus wünschenswert, wenn die Informationen über die Unordnung im öffentlichen Raum
digital kleinräumig zur Verfügung stünden. Interessant sei der Zusammenhang unterschiedli-
cher Merkmale, die von der Einsatzlage von Polizei über die Erkenntnisse des Ordnungs-
dienstes und der Fachkräfte des Jugendamtes bis hin Beobachtungen im Raum – z.B. ille-
gale Prostitution, baufällige Gebäude und die lokale Gewerbestruktur betreffend – reichen.
Die Erfahrungen des Amtes für öffentliche Ordnung unterstreichen, dass vor allem kommer-
zielle Orte – wie zum Beispiel als Gewerbe angemeldete Shisha-Bars – als potenzielle Tat-
gelegenheiten besondere Beachtung verdienen.
Die Abfallwirtschaftsbetriebe Köln wiesen darauf hin, dass die Beschwerden und Meldun-
gen von Mängeln zur Absicherung des Indikators „Unordnung“ stadtteilbezogen – und
möglicherweise auch straßenbezogen – ausgewertet werden können (siehe Beschwerdefor-
mular unter: https://www.stadt-koeln.de/service/onlinedienste/beschwerden/?f=VIII-3 und
MaKoS
Verfahren und Erprobung 112
Internetseite „Sag´s uns“: https://sags -uns.stadt-koeln.de/). Von Seiten des Amtes für öffent-
liche Ordnung wurde auf eine verzerrte Darstellung der Beschwerdelage aufmerksam ge-
macht: So, wie die Daten der PKS nur das Hellfeld der Straftaten abbilden, hänge die
Kenntnis des Fachbereichs, wo Ereignisse der Unordnung häufig festzustellen sind, vom
Meldeverhalten ab. In besser situierten Quartieren sei das Beschwerdeaufkommen höher
als in Quartieren mit sozialen Problemlagen. Insofern sei die reine Zahl der Beschwerden
nur teilweise aussagekräftig. Weil die Wahrnehmungssensibilität und weitergehend die Be-
reitschaft, Brennpunkte der Unordnung zu melden, von der sozialen Lage und räumlich von
der Sozialstruktur beeinflusst werde, müsse bei der Beschwerdestatistik von einem Dunkel-
feld in benachteiligten Quartieren ausgegangen werden. Es werde damit gerechnet, dass
im Jahr 2024 die digitale Datenerfassung der Beschwerden eingeführt wird.
An dem Hinweis auf den Einfluss der Sozialstruktur setzte ein Beitrag des Amtes für Sozia-
les, Arbeit und Senioren an. Viele der rechtsrheinisch identifizierten Quartiere mit einer ho-
hen Fluktuation und Kriminalitätsbelastung werden zugleich von Merkmalen der Armut ge-
prägt. Beispielsweise werden sowohl Finkenberg als auch Kalk von „Armutsquartieren“ ge-
prägt. Die Daten des aktuellen „Kölner Lebenslagenberichts“ veranschaulichen den Zusam-
menhang nachdrücklich.
Aus dem Amt für Liegenschaften, Vermessung und Kataster sowie dem Amt für Recht,
Vergabe und Versicherungen wurde angeregt, bei der Wiederholung der Untersuchungen
gezielt auch städtische Immobilien mit in den Blick zu nehmen. Falls ihre Bewirtschaftung
vernachlässigt wird, können sie als problematische Gebäudestrukturen den Charakter von
Tatgelegenheiten annehmen. Somit können sich auch vernachlässigte städtische Immobilien
im Zustand einer Problemimmobilie befinden. Zur Gefahrenabwehr in solchen Beständen
seien insbesondere auch rechtliche Instrumente der ordnungsbehördlichen Gefahrenabwehr
zu betrachten, die vom Instandsetzungs- und Modernisierungsgebot gemäß § 177 BauGB
über bauordnungsrechtliche Abbruch- oder Beseitigungsanordnungen bis zur Ausübung des
Vorkaufsrechts nach § 24 BauGB in privaten Nachbarbeständen reichen können. Eine sol-
che Herangehensweise könne bis zu der Frage führen, ob die Standorte der Wochenmärkte
präventiv gestaltet sind oder das Begehen von Straftaten und Ordnungswidrigkeiten be-
günstigen.
Aus dem Kreis des Amtes für Verkehrsmanagement wurde angeregt, im Rahmen der weite-
ren Untersuchungsschritte auch die Beleuchtungssituation im Bereich der Quartiere mit einer
hohen Kriminalitätsbelastung zu bewerten.
B2.3 Perspektiven für das weitere Vorgehen
Mit einer Mehrpunktabfrage wurde eine kollektive Entscheidung herbeigeführt, welche der
im ersten Schritt identifizierten Quartiere mit Belastungen im weiteren Verfahrensablauf ver-
tiefend betrachtet werden sollen. Zur Auswahl standen elf Quartiere bzw. Quartiersbündel.
Es handelte sich um:
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 113
• die – mit einer sehr hohen Fluktuationsrate und sehr hohen Belastung Straftaten-
quote je Einwohner – belasteten Bündel von Wohnquartieren in den Stadtteilen Eh-
renfeld, Kalk und Mülheim
• studentische Quartiere in Hochschulnähe mit Einrichtungen für studentisches Wohnen
und mit Freizeitangeboten für Studierende und
• die sieben Quartiere mit dem höchsten Anstieg der Straßenkriminalität von 2019 bis
2023
Jede Person erhielt fünf Klebepunkte, um zu kennzeichnen, welche Kölner Teilräume in der
vertieften Analyse berücksichtigt werden sollen. Insgesamt gaben 22 Teilnehmende ein Vo-
tum ab. Von den 110 vergebenen Punkten entfielen die meisten auf das Kalker Quartiers-
bündel (27), auf die Mülheimer Quartiere um die Deutz-Mülheimer-Straße (19) und auf die
Quartiere in Ehrenfeld (18) Diese 64 Punkte repräsentieren mehr als die Hälfte aller abge-
gebenen Wahlen (58,2%).
Nach der Auszählung der Punkteverteilung regten einige Teilnehmende an, das Interesse
nicht nur auf die bereits im Blickpunkt stehenden Quartiere zu richten, sondern auch ein be-
lastetes Quartier in den vertiefenden Analysen zu berücksichtigen, das bisher noch nicht im
Blickfeld der Kriminalprävention stand. In dem Sondervotum, das allgemeine Zustimmung
fand, wurde vorgeschlagen, auch das Quartier Madaus in Merheim in den vertiefenden
Schritten zu berücksichtigen. Denn dieses Quartier wurde erst im Laufe der 2010er Jahre
auf der Brache des ehemaligen Madaus-Geländes neu errichtet. Der Stadtentwicklungsaus-
schuss der Stadt Köln hatte im Dezember 2013 den Beschluss gefasst, ein entsprechendes
Verfahren für die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans einzuleiten. Das
Neubaugebiet auf dem Madausareal grenzt direkt an die Flächen des Krankenhauses Köln-
Merheim an: es liegt zwischen Hibiskusweg, Ostmerheimer Straße, Auf dem Eichenbrett und
Salbeiweg. Der Investor Interhomes hat auf der rund 15.000 Quadratmeter großen Fläche
Reihenhäuser und Mehrfamilienhäuser gebaut.
Aus dem Blickwinkel der IHK zu Köln wurde bemängelt, dass die besonders belasteten
Quartiere der Innenstadt nicht zur Wahl standen. Aus dem Kreis der Teilnehmenden wurde
darauf hingewiesen, dass es bereits zahlreiche Bestrebungen gebe, die Sicherheitssituation
dort zu verbessern. So stehe im Präsenzkonzept des Polizeipräsidiums Köln die Polizeiarbeit
an fünf Brennpunkten der Kölner Innenstadt im Fokus: (1) Dom/HBF/Breslauer Platz, (2)
Ebertplatz, (3) Alter Markt/Heumarkt, (4) Neumarkt, (5) Ringe. An diesen Orten sollen ei-
nerseits das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung durch sichtbare Polizeipräsenz – losgelöst
von konkreten Einsätzen – gestärkt und andererseits die Verfestigung von kriminellen Struk-
turen verhindert werden. Darüber beschäftige sich der Fachkreis „Plätze mit besonderem
Handlungsbedarf“ mit der Thematik: Im Zusammenwirken mit verschiedenen Akteuren setze
die Stadtverwaltung in der Folge verschiedene Maßnahmen an den Innenstadtplätzen um,
um die Sicherheit zu steigern und die Aufenthaltsqualität zu verbessern. Seitens der IHK
wurde betont, dass der Einzelhandel weiterhin von Bettelei und dem längeren Verweilen
von Wohnungslosen in den Einkaufsstraßen betroffen sei. Die Ordnungspartnerschaft in der
Kölner Innenstadt und der Fachkreis „Plätze mit besonderem Handlungsbedarf“ solle sich
MaKoS
Verfahren und Erprobung 114
weiter mit der Aufgabe auseinandersetzen, wie diese Problematik wirkungsvoll verringert
werden könne.
Quartiere und Quartiersbündel Vergebene
Punkte:
Ehrenfeld: Leo-Amann-Park – Hansemann-
straße – Lichtstraße – Neptunplatz/Vogels-
anger Str.
18
Kalk: Vorsterstraße – Trimbornstraße – St.
Marien – Köln Arcaden
27
Mülheim: Liebfrauenkirche – Herz-Jesu-Kirche
– Deutz-Mülheimer-Straße
19
Mülheimer Stadtgarten: Rhodiusstraße – Jan-
Wellem-Straße – Montanusstraße – Keup-
/Schanzenstraße
12
Studenten-Viertel – Südbahnhof-Viertel 2
Alt-Grengel 3
Chorweiler – Turkuplatz 3
Quartier Madaus – Auf dem Eichenbrett 3
Ostheim-Süd & Ostheim-Nord 4
Siedlung Blauer Hof – Heidelberger Straße 8
Zollstock-Nord – Zollstock Arkaden 11
Foto: H. Schubert
Abbildung 16: Priorisierung von Quartieren für die vertiefenden Analysen durch die Teilnehmenden
des raumbezogenen Workshops
Der Austausch unter einschlägigen Expertinnen und Experten der Kriminalprävention und
Schlüsselpersonen der Kölner Stadtverwaltung führte zu den folgenden Empfehlungen des
Workshops „Perspektiven der Stakeholder für den Masterplan Kommunale Sicherheit“ am
16. Mai 2024:
Auswahl von Quartieren
• Berücksichtigung einiger Wohnquartiere in den Gebieten von Kalk, Ehrenfeld oder
Mülheim, die durch eine sehr hohe Fluktuationsrate und sehr hohe Kriminalitätsbelas-
tung gekennzeichnet.
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 115
• Im Kontrast dazu auch die Berücksichtigung des Quartiers Madaus in Merheim, wel-
ches zu den sieben Quartieren mit dem höchsten Anstieg der Straßenkriminalität von
2019 bis 2023 gehört.
Die finale Abstimmung, in welchen der vorgeschlagenen Quartiere die vertiefenden Analy-
seschritte stattfinden werden, erfolgte im weiteren Austausch mit dem Zentrum für Kriminal-
prävention und Sicherheit der Stadt Köln.
B3. Workshop: Schulbezogene Perspektiven für den Masterplan
Kommunale Sicherheit
Die beiden Ziele dieses Workshops bestanden darin, die Ergebnisse des schulbezogenen
Indikators einzuordnen, um daraus Schlussfolgerungen für die Präventionsstrategien an den
Kölner Schulen zu ziehen. Im Zentrum stand die Frage, wie sich die Kooperation mit exter-
nen Institutionen und Organisationen zur Prävention kritischer Ereignisse und Delikte im
Schulalltag entwickeln lässt, damit der sehr hohe Anstieg der Rohheitsdelikte in den Kölner
Schulen innerhalb des Jahres von 2022 bis 2023 zügig gestoppt werden kann. Dazu wur-
den folgende Feinziele verfolgt:
• Bericht aus den Schulen, welchen besonderen Belastungen die Sicherheitssituation im
Schulalltag unterliegt;
• Darstellung von Konzepten der Prävention, die im Schulalltag zur Anwendung kom-
men sollten;
• Sammlung von Anforderungen an die außerschulische Kooperation, um die Unter-
stützung zu verbessern.
Aus den gewonnenen Ergebnissen wurden Perspektiven abgeleitet, wie die Unterstützung
der Schulen bei der Früherkennung negativer Tendenzen unter jungen Menschen ausgebaut
werden kann.
B3.1 Teilnehmende
Am schulbezogenen Workshop am 23. Mai 2024 wirkten folgende Schlüsselpersonen mit:
• eine Vertreterin der Förderschule Berliner Straße;
• zwei Fachkräfte der Gesamtschule Rodenkirchen;
• ein Schulsozialarbeiter der Gesamtschule Holweide;
• die Leiterin des Sachgebiets „Schulsozialarbeit“ im Amt für Schulentwicklung der
Stadt Köln;
• eine Vertreterin des Bezirksjugendamtes Mülheim der Stadt Köln;
• eine Vertreterin der Bezirksregierung Köln (Schulpsychologie);
• zwei Vertretungen des Schulamts für die Stadt Köln (Untere staatliche Schulaufsichts-
behörde).;
MaKoS
Verfahren und Erprobung 116
• zwei Vertretungen der Jugendgerichtshilfe der Stadt Köln und des Hauses des Ju-
gendrechts;
• vier Personen der Kölner Zentralstelle für Kriminalprävention und Sicherheit;
• zwei Vertreter des Kölner Polizeipräsidium [Leiter Bezirksdienst Polizeiinspektion 2,
PeRiskoP: Früherkennung und Umgang mit Personen mit Risikopotenzial].
B3.2 Aktuelle Belastungen
Im Rahmen der Präsentation der empirischen Ergebnisse des Indikatoren-Modells wurde be-
tont, dass sich die Zahl der Straftaten im Schulbetrieb in Köln von 2022 bis 2023 nahezu
verdoppelt habe. Besonders stark haben die Rohheitsdelikte im Schulalltag in Köln zuge-
nommen. Der weitere Umgang mit den Ergebnissen verlangte die Strategie, auf zwei paral-
lelen Pfaden zu Lösungen zu kommen (vgl. Abbildung 17): Auf einem Pfad wurden – räum-
lich ausgerichtet – weitere vertiefende Analysen in ausgewählten belasteten Quartieren
durchgeführt; auf dem anderen Pfad wurden – institutionell ausgerichtet – Handlungsan-
sätze gesucht, wie sich die Sicherheitssituation in den Kölner Schulen präventiv verbessern
lässt. Seitens der Schulpsychologie der Bezirksregierung Köln wurde dieses Vorgehen mit
dem Hinweis unterstützt, dass ein großer Teil der Schülerschaft an Kölner S chulen nicht im
unmittelbaren Quartiersumfeld wohnt. Weil die Schulen große Einzugsgebiete haben, fallen
die Überschneidungen mit den kriminalitätsbelasteten Quartieren nur gering aus.
Abbildung 17: Strategie der parallelen Pfade zu einer raumbezogenen und schulbezogenen Prä-
vention
Die anwesenden Expertinnen und Experten wurden um Rückmeldungen zum Indikatoren-
Modell und den ermittelten empirischen Strukturbildern gebeten. Insgesamt wurden das In-
dikatoren-Modell und besonders die für den schulischen Kontext herausgearbeiteten Er-
kenntnisse positiv bewertet. Der Indikator der Polizeieinsätze an Schulen und der Straftaten
im Schulbetrieb habe Perspektiven eröffnet, an denen weiter konstruktiv angesetzt werden
könne.
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 117
Um die Ausgangslage in den Schulen zu verstehen, wurde nach den Belastungen im Schul-
betrieb gefragt, welche die Sicherheitssituation betreffen. In den Antworten wurden fol-
gende Aspekte genannt:
• Die Zunahme der Meldungen von Kindeswohlgefährdungen korrespondiere mit der
Zunahme von Rohheitsdelikten an den Schulen. Im Stadtbezirk Mülheim habe die
Zahl dieser Gefährdungslagen im Laufe der vergangenen Jahre um etwa ein Zehntel
zugenommen. Weil viele Hilfestrukturen und -angebote im Bereich der Jugendhilfe in
diesem Zeitraum zugleich wegfielen, sei die Perspektivklärung einer Inobhutnahme
schwieriger geworden. Eine Inobhutnahme könne nur erfolgen, wenn ein freier Platz
in einer Gruppe zur Verfügung steht. Mangels eines ausreichenden Platzangebots,
wo diese Kinder längerfristig untergebracht werden könnten, bleiben sie an den
Schulen und werden dort weiter auffällig. Im Durchschnitt gebe es 60 Anfragen für
einen Platz in einer Intensivwohngruppe. In den Hauptschulen sei in diesem Zusam-
menhang auch die Anzahl der sogenannten Intensivtäter/innen angestiegen.
• Neben dem Fehlen von Leistungsangeboten der Jugendhilfe mangele es auch an
schulpsychiatrischer Unterstützung. Insofern fehle es auch an Angeboten der medizi-
nischen und psychologischen Diagnostik. Teilweise warten die Kinder und ihre Fami-
lien mehrere Jahre auf einen Platz mit diagnostischen und therapeutischen Angebo-
ten. Notwendig seien niedrigschwellige therapeutische Hilfeangebote am Schulstand-
ort.
• Die geringere Hemmschwelle von Schülerinnen und Schülern, Rohheitsdelikte – wie
Körperverletzung, Raub oder auch Erpressung – zu begehen, spiegele im gewissen
Sinn auch Entwicklungen in der Gesamtgesellschaft wider. Einerseits könne es als un-
beabsichtigte Folge der Isolation in der Corona-Zeit verstanden werden, andererseits
wachsen viele Schülerinnen und Schülern in Milieus auf, in denen sie nur wenige
Grenzsetzungen und Vermittlungen eines Regelkanons erleben. Weil sie im Alltag
kaum noch Sanktionen ausgesetzt seien, verlieren diese ihre Korrektivfunktion.
Wenn unter den Eltern kein Rechtsbewusstsein ausgeprägt sei und die Sozialisation
vermehrt über die Nutzung digitaler Endgeräte erfolge, fehle den Kindern eine
trennscharfe Vorstellung, was falsch und richtig sei. Und wenn die Eltern mit den Kin-
dern nur wenig kommunizieren, verkümmere bei den Kindern die soziale Bindung,
aber auch die Empathie für die Opfer ihres Handelns. Oft werden die Eltern und ihr
Kind nach einer Straftat in die Schule zu einem Gespräch eingeladen: in den meisten
Fällen fehle auf beiden Seiten die Einsicht in die Regelverletzung. Teilweise spielen
der Migrationshintergrund, Fluchterfahrungen oder auch eigene Gewalterlebnisse
für das Fehlen des Rechtsbewusstseins eine Rolle.
• Eine Corona-Folge sei, dass die Kinder nicht gelernt haben, sich in die Klassen-
gruppe und deren Tagesablauf zu integrieren. Viele empfinden das Zusammensein
mit den anderen in der Klasse als anstrengend. Aus dem Alltag der Gesamtschule
Holweide wurde berichtet, dass interaktive Situationen schnell eskalieren: zuerst
komme es zu einem Streit – als zweites falle ein Reizwort (wie z.B. „Hurensohn“) –
als drittes folge die Gewaltanwendung. Weil für ca. 1.800 Schülerinnen und Schüler
MaKoS
Verfahren und Erprobung 118
nur drei Fachkräfte der Schulsozialarbeit zur Verfügung stünden, könne nicht an al-
len Schulorten präventiv interveniert, und die betroffenen Schüler können nicht päda-
gogisch begleitet werden.
• Die Problematik mangelnder Impulskontrolle zeige sich inzwischen auch schon in
den Grundschulklassen. Die Zunahme der Delikte werde auch durch die Mitnahme
von Waffen in die Schule verursacht; der Umgang mit solchen Schülern stelle für die
Lehrkräfte im Schulbetrieb eine hohe Belastung dar. Einen negativen Einfluss habe
zusätzlich die neue Kulturform, gewalttätige Auseinandersetzungen und Körperver-
letzungen mit dem Mobilphone zu filmen und anschließend auf Plattformen der sozi-
alen Medien hochzuladen. Aus dem Alltag der Förderschule Berliner Straße wurde
berichtet, dass die Schulleitung angesichts dieser Entwicklungen fast täglich im Aus-
tausch mit der Polizei stehe.
• Schließlich wurde noch kritisch angemerkt, dass in den Quartieren teilweise Einrich-
tungen der sozialen Infrastrukturen für Kinder und Jugendliche fehlen. Die Möglich-
keiten, in der Freizeit außerhalb der Schule Regeln des Miteinanders zu lernen, ha-
ben sich außerhalb der Schule verringert. Oft werden nur temporär Projekte durch-
geführt, die nicht zum Aufbau nachhaltiger Strukturen beitragen.
B3.3 Erwartungen an den Masterplan Kommunale Sicherheit
In der zweiten Diskussionsrunde wurde erkundet, wie im Fall von Sicherheitsproblemen im
Schulalltag verfahren wird. Anschließend wurde gesammelt, welche Erwartungen die Teil-
nehmenden an den „Masterplan Kommunale Sicherheit“ in Köln haben.
Grundlage des Umgangs mit der Sicherheit in der Schule bilde der Notfallordner „Hinsehen
und Handeln“, den das Ministerium für Schule und Bildung NRW gemeinsam mit der Unfall-
kasse NRW erarbeitet und allen Schulen in NRW zur Verfügung gestellt hat. Er enthalte das
Sicherheitskonzept zur schulischen Gewaltprävention und ein Begleitheft mit Empfehlungen
zur Krisenintervention. Der Notfallordner bestehe aus zwei Teilen. Der Interventionsteil
gebe Hinweise, wie der Ablauf für verschiedene Krisenfälle zu gestalten sei. Der Krisenprä-
ventionsteil befinde sich in einem eigenständigen Handbuch mit Handlungsempfehlungen für
das schulische Fachpersonal und für die Nutzung von Unterstützungssystemen der Kom-
mune – wie zum Beispiel Fachberatungsstellen der Kinder- und Jugendhilfe.
Der Notfallordner gibt eine Orientierung, wie im Krisenfall vorzugehen ist. Der darin skiz-
zierte standardisierte Handlungsablauf in Notfällen, die von Unfällen über kriminelle Delikte
bis zu Amokläufen reichen, werde in den Schulen in der Regel befolgt. So gebe es im Allge-
meinen auch das im Notfallordner geforderte Schulteam für Beratung, Gewaltprävention
und Krisenintervention, in dem neben der Schulleitung, (Beratungs-) Lehrkräfte, Fachkräfte
der Schulsozialarbeit und anderes schulisches Personal bis hin zur Schülervertretung mitwir-
ken. Die Schlüsselpersonen dieser Teams besuchen regelmäßig Fortbildungen, um für den
Umgang mit Rohheitsdelikten oder Vorformen gewappnet zu sein.
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 119
Wichtige Schritte des Handlungsablaufs betreffen die Aktivierung externer Unterstützung –
z.B. bei Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst, Schulträger und Bezirksregierung. In einem Be-
darfsfall spricht die Schulleitung das schulpsychologische Krisenteam bei der Bezirksregie-
rung Köln an. Dort bietet der Schulpsychologische Dienst den Schulen in Krisenfällen eine
Unterstützung an – wie z.B. Beratungsgespräche mit betroffenen Lehrkräften, Schüler/innen
und betroffenen Eltern. Nach einer groben Schätzung treffen aus dem gesamten Regie-
rungsbezirk Köln pro Tag ca. zwölf solcher Anfragen ein. Es wurde vorgeschlagen, dass
die aus Kölner Schulen eingehenden Anfragen der Krisenintervention in der Bezirksregie-
rung über etwa drei Monate räumlich und inhaltlich erfasst werden, um einen weiteren Eck-
punkt für den Masterplan zu haben.
Im weiteren Gesprächsverlauf wurde nach den Erwartungen gefragt, die sich aus den Schu-
len an den Masterplan richten. Folgende Aspekte wurden genannt:
• Es gebe Trainingsprogramme für schulische Akteure, die gewaltpräventive Maßnah-
men in Schulklassen umsetzen möchten. Sie sollen Kompetenzen zur Deeskalation
von Konflikten aufbauen. Oft umfassen sie die Schwerpunkte: Umgang mit Emotio-
nen, soziale Wahrnehmung, Handlungskompetenz und Einübung einer gemäßigten
Praxis. Die Teilnehmenden wünschen, dass im Rahmen des Masterplans die Ausbil-
dung von Präventionstrainer/innen an jeder Schule ermöglicht werde.
• Für belastete Schulen werde auch die Etablierung von Formen des „sozialen Trai-
nings“ als notwendig erachtet, in denen Schülerinnen und Schüler im Austausch un-
tereinander lernen, ihre persönlichen Stärken einzubringen und Konflikte zu lösen.
Das Training ist geeignet, gut funktionierende Klassengemeinschaften zu schaffen.
Der Masterplan solle die Voraussetzungen schaffen, dass Angebote des „sozialen
Trainings“ an Kölner Schulen – möglichst für alle Altersstufen – durchgeführt werden
können. Gebraucht werde eine Übersicht der Anbieter und der Angebote solcher
Trainings, aus der ausgewählt werden kann.
• Aufgeworfen wurde als Schlüsselfrage: Was kann außerhalb der Schulen zur Unter-
stützung getan werden, damit die Schulen mit der Problematik wachsender Strafta-
ten im Schulbetrieb nicht allein gelassen werden? In diesem Zusammenhang wurde
angeregt, dass die Schulen aus den Quartieren und Sozialräumen heraus unterstützt
werden – beispielsweise können die Fachkräfte der Sozialraumkoordination in die
Präventionsarbeit mit eingebunden werden.
• Eine weitere, daran anknüpfende Anregung betraf die Ausweitung des Konzepts der
Familiengrundschulzentren (vgl. https://www.familiengrundschulzentren-nrw.de) auf
„Familienschulzentren“, die in benachteiligten (Armuts-) Quartieren die Eltern in ih-
rer Rolle als Bildungsbegleiterinnen und -begleiter der Kinder auch in der Sekundar-
stufe I stärken.
• Der „Schulsozialindex“ des Landes Nordrhein-Westfalen bildet die soziale Struktur
der Schülerschaft einer Schule ab (vgl. https://www.schulministerium.nrw/schulso-
zialindex). Auf der Grundlage dieses Index erhalten Schulen, die mit sozialen Prob-
lemlagen belastet sind, mehr Ressourcen, um den damit verbundenen besonderen
MaKoS
Verfahren und Erprobung 120
Herausforderungen gerecht zu werden. Es wurde angeregt, im Index auch die Krimi-
nalitätsbelastung als Faktor aufzunehmen.
• Schließlich wurde zur Entlastung der Schulen noch der Ausbau der Vernetzung mit
externen Schlüsselakteuren wie Polizei und Jugendamt in Präventionsfragen themati-
siert.
B3.4 Perspektiven für die schulexterne Kooperation
Das Thema der schulexternen Kooperation wurde auch behandelt. Der Umgang mit Krimi-
nalität und Krisen im Schulbetrieb sei durch den standardisierten Handlungsablauf des Not-
fallordners „Hinsehen und Handeln“ des Ministeriums für Schule und Bildung NRW hinrei-
chend geregelt und werde durch das schulpsychologische Team der Bezirksregierung Köln
gut unterstützt. Die Kommunikations- und Kooperationswege beim Auftreten von Krisen und
Notfällen seien interinstitutionell verankert und im Allgemeinen bekannt. Das Interesse der
Teilnehmenden zielte daher auf eine bessere Begleitung und Ausstattung der schulischen
Kriminalprävention von außen.
In der weiteren Vertiefung wurde darüber nachgedacht, wie die Wege der schulexternen
Kooperation ausgebaut werden könnten und welche Anlauf-/Kontaktpunkte gebraucht wer-
den, um die Schulen besser zu unterstützen. Diskutiert wurde darüber hinaus, welche An-
sätze und Projektformate der Kriminalprävention in den Schulen gebraucht werden.
Vorgeschlagen wurde die Erarbeitung eines integrierten Konzepts der Begleitung von Eltern
und Kindern – quasi eine Begleitung vom Kinderwillkommenspaket über die Kindertagesbe-
treuung und die Grundschule bis in die schulischen Sekundarstufen hinein. Außerdem wurde
eine regelmäßige ASD -Sprechstunde vor Ort in der Schule mit einer festen Ansprechperson
angeregt; eine regelmäßige Sprechstunde am Schulstandort wird auch als Beitrag des
Schulpsychologischen Dienstes gewünscht. Schließlich seien in den Schulen auc h regelmä-
ßige Schulungen und Workshops durch polizeiliche Fachkräfte zu Präventionsthemen not-
wendig. Um hinsichtlich der Fortbildungen eine hohe Flexibilität zu gewährleisten, brauchen
die Schulen eine Ressourcenausstattung, auf die bei Bedarf direkt zugegriffen werden
könne.
Es wurde weiterhin angeregt, die Zusammenarbeit der Schulen mit der Jugendgerichtshilfe
wiederzubeleben. Im Sinn der Primärprävention können Fachkräfte der Jugendgerichtshilfe
oder Rechtsanwälte in den Unterricht eingeladen werden, um die Folgen von Straftaten zu
vermitteln. Denkbar sei auch der gemeinsame Besuch von Jugendstrafverfahren, damit
nachvollzogen werden könne, welche Konsequenzen Kriminalität nach sich zieht. Die Be-
zirksbeamten der Polizei sollen mehr Zeit zur Betreuung einiger Schulen erhalten, damit sie
für Präventionsfragen besser ansprechbar sind. Zur Stärkung der Kinder und Jugendlichen
in ihrem Lebensumfeld eigne sich die gesetzliche Einführung der Kindergartenpflicht (quasi
als Vorschulpflicht).
Eine andere Stellungnahme wurde darauf fokussiert, die Personalressourcen der Polizei für
Präventionsmaßnahmen in den Schulen zu erhöhen. In der Folge einer Organisationsände-
rung im Polizeipräsidium Köln im Bereich des Bezirksdienstes könne die Präventionsarbeit
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 121
der Bezirksbeamten an den Kölner Schulen zurzeit nur eingeschränkt erfolgen. Aus der Ge-
samtschule Rodenkirchen wurde dazu rückgemeldet, ohne Unterstützung der Polizei fühle
man sich in der Präventionsarbeit allein gelassen.
Die Aufmerksamkeit wurde außerdem auf schnellere Verfahren der Verurteilung von Inten-
sivtäter/innen und auf eine engere Verzahnung von Streetwork und Schulsozialarbeit ge-
lenkt. Gewünscht werden zudem mehr präventive Angebote des ASD an den Schulen. Un-
terstützende Funktionen sollen auch Fachkräfte der Psychologie in den Schulen wahrneh-
men, indem sie geeignete Therapien anbieten.
Eine Teilnehmerin formulierte: „Wenn die Kinder unsere kostbarste Ressource sind, sollten
wir mehr in sie investieren! à Mehr Personen, mehr Unterstützung, weniger Segregation. In
runtergekommenen Gebäuden, auf kaputten Stühlen, in desaströsen Räumen wächst kein
klarer Geist und kein Bewusstsein für Respekt.“ Als Fazit wurde daraus abgeleitet, „Lern-
landschaften“ in der Mitte der Quartiere zu schaffen, die sich nicht nur an Schulkinder rich-
ten, sondern auch eine Anlaufstelle für die Eltern und für die Erwachsenenbildung darstellen
und nicht zuletzt auch Funktionen der Frühförderung kleiner Kinder wahrnehmen.
Schließlich wurde noch ein Aufweichen der Restriktionen des Datenschutzes als notwendig
erachtet, wenn die enge Zusammenarbeit zwischen Schulen und externen unterstützenden
Organisationen von Erfolg gekrönt sein soll.
Nachfolgend werden die Empfehlungen des schulbezogenen Workshops in der Abbildung
18 zusammengefasst.
Abbildung 18: Zusammenfassung der Empfehlungen des schulbezogenen Workshops
Verfahren und Erprobung 122
B4. Ausgewählte Teilräume der vertiefenden Erhebungen
Im Rahmen des Workshops „Perspektiven der Stakeholder für den Masterplan Kommunale
Sicherheit“ am 16. Mai 2024 hatten die beteiligten Expertinnen und Experten der Kriminal-
prävention und die Schlüsselpersonen der Kölner Stadtverwaltung die Auswahl von Vertie-
fungsräumen in Ehrenfeld, Kalk und Mülheim vorgeschlagen, die in den vergangenen Jah-
ren durch eine sehr hohe Fluktuationsrate und sehr hohe Kriminalitätsbelastung gekenn-
zeichnet waren. Im Kontrast dazu wurde auch das Quartier Madaus in Merheim berücksich-
tigt, das von 2019 bis 2023 einen sehr hohen Anstieg der Straßenkriminalität aufwies.
Unter Berücksichtigung des zeitlichen Rahmens wurde in Abstimmung mit dem Zentrum für
Kriminalprävention und Sicherheit der Stadt Köln folgende operative Auswahl für die empi-
rischen Erhebungen vor Ort getroffen:
(1.) die Quartiere Leo-Amann-Park und Hansemannstraße im Umfeld des Bahnhofs
Ehrenfeld;
(2.) die Quartiere Trimbornstraße und Vorsterstraße im Umfeld des Bahnhofs Trim-
bornstraße und de s Platzes Kalk Post;
(3.) die Siedlung Madaus – Auf dem Eichenbrett.
B4.1 Umfeld Bahnhof Ehrenfeld
Quartier 401010004 Ehrenfeld-West: Quartier Leo-Amann-Park
• Dort hatte die Anzahl von Straftaten der Straßenkriminalität im Zeitraum von 2019
[294 Delikte] bis 2023 [330 Delikte] um 12 Prozent zugenommen.
• Der Index „Straßenkriminalität je Einwohner“ im Jahr 2023 war mit einem Wert von
0,18 stark überdurchschnittlich ausgeprägt.
• Das Profil der Straßenkriminalität wird von den folgenden häufigsten Straftaten ge-
prägt: Taschendiebstahl 19%, Fahrraddiebstahl 15 %, Diebstahl allgemein 12%,
Rauschmitteldelikt 12%, Körperverletzung 7% (Kölner Durchschnitt: 3%).
In die Untersuchung wurden folgende Straßen bzw. Straßenabschnitte einbezogen:
Bartholomäus-Schink-Straße: 45 – 75; 2 – 6a
Christianstraße ; 1 – 25; 2 – 82
Ehrenfeldgürtel: 79 – 133
Heliosstraße : 2 – 16
Herbrandstraße: 1 – 11; 10
Leo-Amann-Park
Marienstraße : 2e – 2f
Schönsteinstraße : 33 – 63; 10 – 28
Subbelrather Straße: 243 – 257; 238 – 264a
Venloer Straße : 377 – 453; 350a – 354e
Vogelsanger Straße : 206 – 224
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 123
Quartier 401030002 Ehrenfeld: Quartier Hansemannstraße
• Dort hatte die Anzahl von Straftaten der Straßenkriminalität im Zeitraum von 2019
[207 Delikte] bis 2023 [294 Delikte] um 42 Prozent zugenommen.
• Der Index „Straßenkriminalität je Einwohner“ im Jahr 2023 war mit einem Wert von
0,15 ebenfalls überdurchschnittlich ausgeprägt.
• Das Profil der Straßenkriminalität wird von den folgenden häufigsten Straftaten ge-
prägt: Taschendiebstahl 16%, Fahrraddiebstahl 16 %, Ladendiebstahl 16%, Dieb-
stahl allgemein 14%, Sachbeschädigung 12%, Körperverletzung 5% (Kölner Durch-
schnitt: 3%).
In die Untersuchung wurden folgende Straßen bzw. Straßenabschnitte einbezogen:
Ehrenfeldgürtel: 76 – 126
Gerhard-Wilczek-Platz
Glasstraße : 7 – 31; 2 – 30
Gravenreuthstraß e: 1 – 25; 2 – 10
Hansemannstraße : 1 – 49; 2 – 54
Hüttenstraße: 13 – 35; 2 – 36
Ottostraße : 1 – 9; 2 – 4c
Philippstraße : 1 – 71
Stammstraße : 1 – 23; 2a – 28
Subbelrather Straße: 175 – 221; 180 – 234
Venloer Straße : 308 – 350
B4.2 Umfeld Bahnhof Trimbornstraße, Kalk Post und Kalker Haupt-
straße
Quartier 802010006 Kalk: Trimbornstraße
• Dort hatte die Anzahl von Straftaten der Straßenkriminalität im Zeitraum von 2019
[127 Delikte] bis 2023 [437 Delikte] um 244 Prozent zugenommen.
• Der Index „Straßenkriminalität je Einwohner“ im Jahr 2023 war mit einem Wert von
0,23 stark überdurchschnittlich ausgeprägt.
• Das Profil der Straßenkriminalität wird von den folgenden häufigsten Straftaten ge-
prägt: Taschendiebstahl 37%, Rauschmitteldelikt 17%, Ladendiebstahl 16%, Dieb-
stahl allgemein 9%, Diebstahl aus Kfz 6%, Körperverletzung 7% (Kölner Durch-
schnitt: 3%), Fahrraddiebstahl 6 %.
In die Untersuchung wurden folgende Straßen bzw. Straßenabschnitte einbezogen:
Antoniastraße : 1 – 5
Dillenburger Straße : 1 – 19; 4 – 40
Johann-Mayer-Straße: 1 – 17; 2 – 18
Kalker Hauptstraße : 1 – 49; 62 – 94
Robertstraße : 1 – 25; 2 – 24
Rolshover Straße : 2 – 70
Trimbornstraße : 1 – 27; 2 – 38
MaKoS
Verfahren und Erprobung 124
Quartier 802010002 Kalk: Vorsterstraße
• Dort hatte die Anzahl von Straftaten der Straßenkriminalität im Zeitraum von 2019
[560 Delikte] bis 2023 [850 Delikte] um 52 Prozent zugenommen.
• Der Index „Straßenkriminalität je Einwohner“ im Jahr 2023 war mit einem Wert von
0,33 außerordentlich überdurchschnittlich ausgeprägt.
• Das Profil der Straßenkriminalität wird von den folgenden häufigsten Straftaten ge-
prägt: Ladendiebstahl 30%, Taschendiebstahl 19%, Rauschmitteldelikt 24%, Dieb-
stahl allgemein 9%.
In die Untersuchung wurden folgende Straßen bzw. Straßenabschnitte einbezogen:
Breuerstraße : 3 – 41; 2 – 40
Josephskirchstraße : 1 – 31; 2 – 20
Kalker Hauptstraße : 101 – 245
Kalk-Mülheimer Straße : 1 – 47; 2 – 60
Kapitelstraße : 4 – 26
Markt: 6 – 24
Steprathtraße: 1 – 33
Vietorstraße : 2 – 40
Vorsterstraße : 65a – 103; 38 – 86e
B4.3 Neubebauung der Madausbrache
Im Rahmen des Workshops hatten einige Teilnehmende angeregt, auch ein belastetes Quar-
tier in den vertiefenden Analysen zu berücksichtigen, das bisher noch nicht im Blickfeld der
Kriminalprävention stand. In dem Sondervotum wurde vorgeschlagen, das Quartier Ma-
daus in Merheim in die vertiefende Analyse mit aufzunehmen.
Quartier 806020001 Siedlung Madaus: Auf dem Eichenbrett
• Dort hatte die Anzahl von Straftaten der Straßenkriminalität im Zeitraum von 2019
[271 Delikte] bis 2023 [362 Delikte] um 33 Prozent zugenommen.
• Der Index „Straßenkriminalität je Einwohner“ im Jahr 2023 war mit einem Wert von
0,19 deutlich überdurchschnittlich ausgeprägt.
• Das Profil der Straßenkriminalität wird von den folgenden häufigsten Straftaten ge-
prägt: Ladendiebstahl 46%, Taschendiebstahl 19%, Diebstahl allgemein 19%, Dieb-
stahl aus Kfz 13%, Rauschmitteldelikt 10%.
In die Untersuchung wurden folgende Straßen bzw. Straßenabschnitte einbezogen:
Fenchelweg: 1 – 19
Hopfenstraße : 1 – 13; 2 – 22
55 – 79; 70 – 76
Madausstraße : 1 – 7; 2 – 6
Olpener Straße : 612 – 618
Ostmerheimer Straße : 198 – 228
Walnussweg: 1 – 3; 2
Wilhelm-Griesinger-Straße: 9 – 23
Am Sonnenhut: 31 – 283; 30 – 54
Arnikaweg: 3; 2 – 32
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 125
Auf dem Eichenbrett: 1 – 3; 2
Für die angrenzende Ostmerheimer Straße ist eine Ordnungspartnerschaft bekannt zwi-
schen: Außendienst des Ordnungsamtes, Polizei und Amt für Soziales, Arbeit und Senioren.
B4.4 Vergleich der Quartiere anhand kommunalstatistischer Daten
Von der Bevölkerungszahl her weisen die fünf betrachteten Quartiere im Jahr 2023 eine
ähnliche Größenordnung von ca. 1.800 bis 1.900 Einwohner auf. Lediglich das Kalker
Quartier Vorsterstraße liegt mit rund 2.600 Einwohnern deutlich darüber. Das demographi-
sche Profil lässt sich folgendermaßen zusammenfassen (vgl. Tabelle 16 ).
• Der Anteil männlicher Bewohner liegt – abgesehen vom Quartier Ehrenfeld
West/Leo-Amann-Park – deutlich über dem Stadtdurchschnitt. In den Quartieren Eh-
renfeld/Hansemannstraße, Kalk/Trimbornstraße, Kalk/Vorsterstraße und Mer-
heim/Siedlung Madaus machen männliche Einwohner mehr als die Hälfte der Be-
wohnerschaft aus (Kölner Stadtdurchschnitt 2023: ca. 49 Prozent).
• Der Bevölkerungsanteil mit Migrationshintergrund fällt nur im Quartier Ehren-
feld/Hansemannstraße unterdurchschnittlich aus (Kölner Stadtdurchschnitt 2023: ca.
42 Prozent). In den drei Quartieren in Kalk und Merheim beträgt der Anteil 2023
über 60 Prozent.
• Die junge Bevölkerung im Alter bis 18 Jahre (Kölner Stadtdurchschnitt 2023: ca. 16
Prozent) macht in der Neubausiedlung Madaus fast ein Viertel der Wohnbevölke-
rung aus. Stark unterdurchschnittlich – d.h. mit etwa nur einem Zehntel an der Bevöl-
kerung – fällt ihr Anteil in den Quartieren Ehrenfeld West/Leo-Amann-Park, Ehren-
feld/Hansemannstraße und Kalk/Vorsterstraße aus. In den Kalker und Ehrenfelder
Quartieren sind vor allem die 18 bis unter 45-jährigen überrepräsentiert; sowohl die
älteren Bewohnergruppen als auch Kinder und Jugendliche sind hingegen unterre-
präsentiert.
• Die überdurchschnittliche Haushaltsgröße in der Neubausiedlung Madaus verdeut-
licht, dass dort viele Familien sesshaft geworden sind; in etwas mehr als einem Drittel
leben Kinder mit in den Haushalten. In den Quartieren Ehrenfeld/Hansemannstraße,
Kalk/Trimbornstraße, Kalk/Vorsterstraße liegt die Haushaltsgröße im Mittel weit un-
ter dem Kölner Stadtdurchschnitt (2023: ca. 1,9 Personen). In den Ehrenfelder und
Kalker Quartieren übertrifft die Quote der Einpersonenhaushalte deutlich den Kölner
Stadtdurchschnitt – auch der Anteil der Haushalte mit Kindern liegt klar unter dem
städtischen Mittelwert.
• Die Fluktuationsquote liegt in den Ehrenfelder und Kalker Quartieren weit über dem
Stadtdurchschnitt. Werden von den Zuzügen aber die Fortzüge abgezogen, so wei-
sen nur die Ehrenfelder Quartiere ein Wachstum auf – in den Kalker Quartieren
steht die Wanderungsbilanz unter einem negativen Vorzeichen.
MaKoS
Verfahren und Erprobung 126
Tabelle 16: Demographisches Profil der Untersuchungsquartiere in den Stadtteilen Ehrenfeld, Kalk
und Merheim im Jahr 2023
Demographisches Profil im Jahr
2023
Stadt Köln Quartiere
im Stadtteil Ehrenfeld im Stadtteil Kalk Merheim
Ehrenfeld-
West: Leo-
Amann-
Park
Ehrenfeld:
Hansemann-
straße
Trim-
born-
straße
Vorster-
straße
Siedlung
Madaus
Einwohnerzahl insgesamt 1.095.520 1.812 1.972 1.893 2.589 1.908
Anteil männlicher Einwohner 48,8 48,3 51,7 52,9 52,0 50,9
Anteil weiblicher Einwohnerinnen 51,2 51,7 48,3 47,1 48,0 49,1
Bevölkerungsanteil mit Migrations-
hintergrund
42,4 44,5 37,0 63,3 60,4 64,6
Bevölkerungsanteil im Alter von 0
bis unter 18 Jahre
16,1 10,7 12,9 16,1 12,9 23,2
Bevölkerungsanteil im Alter von 18
bis unter 30 Jahre
16,2 29,4 22,7 26,4 25,3 16,8
Bevölkerungsanteil im Alter von 30
bis unter 45 Jahre
22,9 26,8 34,5 29,1 28,4 27,1
Bevölkerungsanteil im Alter von 45
bis unter 65 Jahre
27,0 18,4 21,4 19,2 22,1 25,2
Bevölkerungsanteil ab 65 Jahre 17,8 14,8 8,5 9,2 11,3 7,8
Zahl der Haushalte 571.643 915 1.238 1.131 1.619 739
Durchschnittliche Haushaltsgröße 1,9 2,0 1,6 1,7 1,6 2,6
Anteil (alleinerziehender) Elternteil -
Haushalte mit Kind(ern)
4,1 3,6 2,9 4,6 3,4 7,6
Anteil Haushalte ohne Kind(er) 82,0 86,4 87,5 85,2 88,0 64,7
Anteil Haushalte mit Kindern 18,0 13,6 12,5 14,8 12,0 35,3
Anteil Einpersonenhaushalte 51,7 59,5 67,9 65,5 66,0 32,2
Anteil Zweipersonenhaushalte 26,4 24,9 18,3 17,9 19,4 27,9
Anteil Dreipersonenhaushalte 10,7 8,2 6,8 8,6 7,0 15,6
Anteil Vierpersonenhaushalte 7,8 5,4 4,8 4,7 4,9 16,5
Anteil Fünf- und Mehrpersonenhaus-
halte
3,4 2,1 2,1 3,3 2,7 7,8
Wanderungsbilanz (Binnenzuzüge
+ Außenzuzüge – Binnenfortzüge +
Außenfortzüge) je 100 Einwohner
0,4 4,9 1,6 – 0,3 – 0,5 – 3,1
Fortzüge (Binnen- und Außenfort-
züge) je 100 Einwohner
10,6 14,2 16,1 17,5 14,1 10,5
Zuzüge (Binnen- und Außenzuzüge)
je 100 Einwohner
11,0 19,2 17,7 17,3 13,6 7,4
Quelle: Amt für Stadtentwicklung und Statistik der Stadt Köln; eigene Berechnungen
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 127
Tabelle 17: Sozialleistungen in den Untersuchungsquartieren der Stadtteile Ehrenfeld, Kalk und
Merheim im Jahr 2023
Sozialleistungen im Jahr 2023
Stadt Köln Quartiere
im Stadtteil Ehrenfeld im Stadtteil Kalk Merheim
Ehrenfeld-
West: Leo-
Amann-
Park
Ehrenfeld:
Hanse-
mann-
straße
Trimborn-
straße
Vorster-
straße
Siedlung
Madaus
SGB II, Leistungsberechtigte 112.526 217 157 394 452 202
Anteil SGB II- Leistungsberechtigte
im Alter 0 bis unter die Alters-
grenze zum Renteneintritt an allen
Einwohnern mit Hauptwohnung im
gleichen Alter
12,4 14,1 8,7 22,9 19,6 11,5
Sozialleistungen zur Sicherung des
Lebensunterhaltes (SGB II & SGB
XII)
139.424 280 195 463 531 231
Anteil Leistungsberechtigte mit Si-
cherung des Lebensunterhaltes (Re-
gelleistungsberechtigte nach SGBII,
Leistungsberechtigte nach SGBXII,
3./4. Kapitel) an allen Einwohnern
mit Hauptwohnsitz
12,8 15,6 9,9 24,6 20,6 12,2
Anteil Personen mit Leistungsbezug
AsylbewLG an allen Einwohnern
mit Hauptwohnung
0,7 0 3,2 1,0 0,8 0,8
Anteil SGBXII-Leistungsberechtigten
mit Grundsicherung bei Erwerbs-
minderung an allen Einwohnern mit
Hauptwohnung im Alter von 18 bis
unter die Altersgrenze zum Renten-
eintritt
1,1 1,3 0,8 1,4 1,2 0,6
Anteil SGBXII-Leistungsberechtigte
mit Grundsicherung im Alter an al-
len Einwohnern mit Hauptwohnung
ab der Altersgrenze zum Rentenein-
tritt und älter
9,2 15,7 13,7 25,8 17,0 15,9
Sozialleistungen zur Sicherung des
Lebensunterhaltes, erweitert (SGB II
& SGB XII & AsylbewLG)
146.780 280 257 482 551 233
Anteil Leistungsberechtigte mit Si-
cherung des Lebensunterhaltes (Re-
gelleistungsberechtigte nach SGBII,
Leistungsberechtigte nach SGBXII,
3./4. Kapitel und Leistungsberech-
tigte nach AsylbewLG) an allen Ein-
wohnern mit Hauptwohnsitz
13,5 15,6 13,1 25,6 21,4 12,3
Arbeitslose (SGB II & SGB III) 52.488 119 110 198 253 65
Arbeitslosenquote insgesamt (SGB
II & SGB III)
8,6 10,9 8,8 16,5 15,3 5,6
Quelle: Amt für Stadtentwicklung und Statistik der Stadt Köln
Sozialleistungen dienen der sozialen Sicherung der Bevölkerung. Nach dem Zwölften Sozi-
algesetzbuch geht es vor allem um: Hilfe zum Lebensunterhalt (§§ 27 - 40 SGB XII), Grund-
sicherung im Alter und bei Erwerbsminderung (§§ 41 - 46b SGB XII), Hilfen zur Gesundheit
MaKoS
Verfahren und Erprobung 128
(§§ 47 - 52 SGB XII), Hilfe zur Pflege (§§ 61 - 66 SGB XII) und Hilfe zur Überwindung be-
sonderer sozialer Schwierigkeiten (§§ 67 - 69 SGB XII). Im zweiten Buch des Sozialgesetz-
buchs (SGB II) wird die Grundsicherung für Arbeitssuchende (Bürgergeld) geregelt, die Per-
sonen – sowie ihre Familienhaushalte – erhalten, die sich in Deutschland aufhalten, nicht äl-
ter als 67 Jahre alt und erwerbsfähig sind, aber einen Hilfebedarf nachweisen können.
Das Bedarfsprofil in den fünf betrachteten Räumen im Jahr 2023 lässt sich auf der Grund-
lage der Kommunalstatistik folgendermaßen zusammenfassen (vgl. Tabelle 17).
• Sowohl der Anteil von SGB II- Leistungsberechtigten an allen Einwohnern mit Haupt-
wohnung im gleichen Alter als auch der Anteil der Leistungsberechtigten mit Siche-
rung des Lebensunterhaltes an allen Einwohnern mit Hauptwohnsitz in Köln fällt ins-
besondere in den beiden Kalker Quartieren stark überdurchschnittlich aus (Kölner
Stadtdurchschnitt 2023: ca. 12-13 Prozent). Im Ehrenfelder Quartier Hansemann-
straße liegt die Quote demgegenüber darunter – im Quartier Ehrenfeld-West/Leo-
Amann-Park nur geringfügig darüber.
• Die höchste Quote von Personen mit Leistungsbezug nach dem AsylbewLG an allen
Einwohnern mit Hauptwohnung in Köln verzeichnet das Quartier Ehrenfeld/Hanse-
mannstraße.
• Die Anteile der SGBXII-Leistungsberechtigten mit Grundsicherung im Alter an allen
Kölner Einwohnern nach dem Renteneintritt fallen in sämtlichen Quartieren höher als
der Stadtdurchschnitt aus – außerordentlich stark im Quartier Trimbornstraße. Ob-
wohl die ältere Bevölkerung dort unterdurchschnittlich vertreten ist, weist sie einen
überdurchschnittlichen Hilfebedarf auf.
• Die Arbeitslosenquote repräsentiert den prozentualen Anteil der arbeitslos Gemelde-
ten an der Gesamtzahl der zivilen Erwerbspersonen.
In den Quartieren Ehrenfeld-
West/Leo-Amann-Park und Kalk/Trimbornstraße sowie Kalk/Vorsterstraße liegt die
Arbeitslosenquote deutlich über dem Kölner Durchschnitt von 8,6 Prozent.
Abschließend werden auf der Grundlage der Kommunalstatistik von 2023 einige Merkmale
der Bildungssituation in den fünf betrachteten Räumen zusammengefasst (vgl. Tabelle 18).
• Im Ehrenfelder Quartier Hansemannstraße und im Kalker Quartier gibt es keine För-
derschüler der Klassenstufen 7 bis 9. Im Quartier Kalk-Vorsterstraße fällt ihre Zahl
hingegen überdurchschnittlich aus.
• Der Anteil von Schülern in den Klassen 7 bis 9 an Gymnasien weist – gemessen an
allen Schülern der Stufe 7 bis 9 – in den Quartieren ein unterdurchschnittliches Ni-
veau auf. In den beiden Kalker Quartieren macht die Quote nur die Hälfte des Stadt-
durchschnitts aus. Folglich sind dort die Anteile der Hauptschüler in den Klassen 7
bis 9 an allen Schülern dieser Stufen überdurchschnittlich ausgeprägt.
• Dieses Ergebnis korrespondiert auch mit der Quote der Abgänger ohne Schulab-
schluss an allen Schulabgängen. Im Stadtteil Kalk beträgt er rund das Sechsfache
des Stadtdurchschnitts, während dieser Anteil im Stadtbezirk Ehrenfeld unter dem
Stadtdurchschnitt liegt.
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 129
• Das Strukturmuster zeigt sich auch bei den Grundschulempfehlungen: Während über
die Hälfte der Grundschüler im Stadtteil Ehrenfeld 2023 eine Empfehlung für das
Gymnasium erhalten hatten, galt das für weniger als ein Fünftel der Grundschüler im
Stadtteil Kalk. Aber auch die Grundschüler aus dem Stadtteil Merheim weisen eine
unterdurchschnittliche Quote auf. Dieses Muster wiederholt sich auch bei den tat-
sächlich vollzogenen Schulübergängen.
Tabelle 18: Bildungssituation in den Untersuchungsquartieren der Stadtteile Ehrenfeld, Kalk und
Merheim im Jahr 2023
Bildungssituation im Jahr 2023
Stadt Köln Quartiere
im Stadtteil Ehrenfeld im Stadtteil Kalk Merheim
Ehrenfeld-
West: Leo-
Amann-
Park
Ehrenfeld:
Hanse-
mann-
straße
Trimborn-
straße
Vorster-
straße
Siedlung
Madaus
Förderschüler (räumliche Verortung
nach Wohnort), Klasse 7-9
932 *k.A. 0 0 8 *k.A.
Anteil Gymnasiasten Stufe 7-9 an
allen Schülern Stufe 7-9 (räumliche
Verortung nach Wohnort)
42,6 41,7 34,2 20,6 20,5 40,5
Anteil Hauptschüler Stufe 7-9 an al-
len Schülern Stufe 7-9 (räumliche
Verortung nach Wohnort)
8,6 *k.A. 15,8 20,6 20,5 6,8
Anteil Abgänger ohne Schulab-
schluss an allen Abgängen (räumli-
che Verortung nach Schulstandort)
3,1 2,6 [Bezirk Ehrenfeld] 17,6 [Stadtteil Kalk] k.A.
Anteil der Grundschulempfehlung
für das Gymnasium an allen Grund-
schulempfehlungen (räumliche Ver-
ortung nach Schulstandort)
43,3 51,9 [Stadtteil Ehrenfeld] 19,2
[Stadtteil
Kalk]
12,7 35,4
[Stadtteil
Merheim]
Anteil der Schulübergänge von der
Grundschule zum Gymnasium an
allen Schulübergängen zu weiter-
führenden Schulen (räumliche Ver-
ortung nach Standort abgebender
Grundschule)
49,1 54,2 [Stadtteil Ehrenfeld] 25,4
[Stadtteil
Kalk]
21,1 40,4
[Stadtteil
Merheim]
Quelle: Amt für Stadtentwicklung und Statistik der Stadt Köln
MaKoS
Verfahren und Erprobung 130
B5. Vertiefende Erhebungen in Köln Kalk
Die vertiefenden empirischen Erhebungen in den Kalker Quartieren Vorsterstraße und Trim-
bornstraße fanden schwerpunktmäßig in der 29. Kalenderwoche statt:
• Das Audit der Beleuchtung des öffentlichen Raumes wurde am 16. und 17. Juli 2024
in den späten Abendstunden von 22:00 bis 23.45 Uhr durchgeführt.
• Die anderen Audits der Städtebaulichen Kriminalprävention und die Beobachtungen
von Nutzungsmustern im öffentlichen Raum fanden am 18. und 19. Juli 2024 statt.
An diesen Tagen wurden auch Gespräche mit lokalen Stakeholdern geführt.
• Die Interviews mit Passanten führte Prof. Schubert am 17. Juli 2024 von 9:00 bis
18:00 Uhr und 19. Juli 2024 von 8:30 Uhr bis 12:30 Uhr. Die Kriminologin und Po-
litikwissenschaftlerin Lara Schartau-Engelking unterstützte die Erhebungen. Sie be-
fragte Passanten am 17., 19. und 26. Juli 2024 von 9:00 bis 18:00 Uhr.
Zur Vorbereitung der Informationssammlung vor Ort wurden Daten der Polizeilichen Krimi-
nalstatistik PKS analysiert. Die Straßenkriminalität im jeweiligen Quartier wurde differenziert
nach den Straßen betrachtet. Dabei konnte unterschieden werden, wo sich die Straftaten
häufen und in welchen Bereichen des Quartiers kaum Delikte vorkommen.
B5.1 Schwerpunkte der Straßenkriminalität
Die Delikte der Straßenkriminalität verteilten sich im Jahr 2023 nicht gleichmäßig über die
Straßen in den Kalker Quartieren Vorsterstraße und Trimbornstraße. Die Straftaten bündel-
ten sich an wenigen Orten (vgl. Tabelle 19):
• Hotspot 1: Kalker Hauptstraße (als Nahtstelle zwischen den Quartieren Vor-
sterstraße und Trimbornstraße) von Kalk Post bis zum Bezirksrathaus/Ecke Kapellen-
straße – inkl. der Vietorstraße vor den Köln Arcaden;
• Hotspot 2: vorderer Teil der Kalk-Mülheimer Straße bis zum Bürgerhaus Kalk;
• Hotspot 3: Trimbornstraße inkl. S-Bahnhof Trimbornstraße.
Auf der Kalker Hauptstraße und Vietorstraße [Hotspot 1] wurden im Jahr 2023 rund
zwei Drittel aller Straftaten in den beiden Quartieren Vorsterstraße und Trimbornstraße re-
gistriert (abs. 965; 64,3 Prozent aller 1.500 Delikte). Knapp die Hälfte davon machten La-
dendiebstähle aus (abs. 452; 46,8 Prozent der Delikte im Hotspot 1) und ein Viertel Ta-
schendiebstähle (abs. 233; 24,1 Prozent der Delikte im Hotspot 1). Fahrraddiebstähle (abs.
38), einfache Diebstähle (abs. 57) und Diebstähle aus Kfz (abs. 27) waren ebenfalls über-
durchschnittlich ausgeprägt – außerdem 54 Rauschgiftdelikte. Im Jahr 2023 wurden 24
Körperverletzungen in diesem Straßenbereich festgestellt.
Die Kalk-Mülheimer Straße [Hotspot 2] repräsentiert den Hotspot im Quartier Vorster-
straße: zwei Drittel aller Straftaten der Straßenkriminalität , die im Quartier Vorsterstraße im
Jahr 2023 dokumentiert wurden, entfielen auf den vorderen Straßenabschnitt mit den Haus-
nummern 1 bis 47 und 2 bis 60 (abs. 198; 66,0 Prozent der Delikte im Quartier Vorster-
straße).
Verfahren und Erprobung 131
Tabelle 19: Verteilung von Delikten der Straßenkriminalität über die Straßen der Kalker Quartieren Vorster - und Trimbornstraße im Jahr 2023
Straßen in den aus-
gewählten Quartie-
ren
Diebstahl Andere Delikte
Summe
Zeilen in %
von Kfz
von Mo-
peds
etc.
Fahrrä-
der aus Kfz Taschen-
diebst.
Einfach.
Diebst.
Laden-
diebst.
Whg.-
Einbruch Raub Körper-
verletz.
Wider-
stand
gegen
Staat
Sachbe-
schäd
Kfz
Sonst.
Sachbe-
schäd.
Sexuelle
Beläst.
Rausch-
gift
Kalker Hauptstraße
98 – 298 0 2 13 4 60 22 215 1 5 5 4 4 5 1 13 354 36,7
Kalker Hauptstraße
101 – 245 0 0 11 11 51 24 232 1 1 6 3 4 2 0 24 370 38,3
Kalker Hauptstraße
62 – 94 0 3 9 9 68 6 2 0 5 13 5 1 3 1 17 142 14,7
Vietorstraße 2 – 40 0 0 5 3 54 5 3 1 5 0 0 0 2 0 21 99 10,3
Kalker Haupt-
straße insgesamt 0 5 38 27 233 57 452 3 16 24 13 9 10 2 54 965 100,0
In Prozent 0,0 0,5 3,9 2,8 24,1 5,9 46,8 0,3 1,7 2,5 1,3 0,9 1,0 0,2 5,6 100,0
Kalk-Mülheimer
Straße 1 – 47 0 0 5 2 9 12 3 0 1 9 0 1 1 0 89 132 44,0
Kalk-Mülheimer
Straße 2 – 60 0 0 5 7 2 11 1 1 1 2 1 2 1 0 32 66 22,0
Breuerstraße 0 0 4 4 0 4 0 0 1 2 0 4 3 1 6 29 9,7
Josephskirchstraße 0 1 3 2 0 0 0 0 0 1 0 1 0 0 0 8 2,7
Kapitelstraße 0 0 1 1 0 0 0 0 0 0 0 1 0 0 1 4 1,3
Markt 0 0 1 1 0 0 0 1 0 1 0 0 1 0 0 5 1,7
Steprathstraße 0 0 2 0 2 2 9 0 0 1 0 0 1 0 5 22 7,3
Vorsterstraße 0 0 0 10 1 0 0 1 0 0 0 5 2 0 15 34 11,3
Quartier Vor-
sterstraße 0 1 21 27 14 29 13 3 3 16 1 14 9 1 148 300 100,0
in Prozent 0,0 0,3 7,0 9,0 4,7 9,7 4,3 0,9 0,9 5,3 0,3 4,7 3,0 0,3 49,3 100,0
MaKoS
Verfahren und Erprobung 132
Straßen in den aus-
gewählten Quartie-
ren
Diebstahl Andere Delikte
Summe
Zeilen in %
von Kfz
von Mo-
peds
etc.
Fahrrä-
der aus Kfz Taschen-
diebst.
Einfach.
Diebst.
Laden-
diebst.
Whg.-
Einbruch Raub Körper-
verletz.
Wider-
stand
gegen
Staat
Sachbe-
schäd
Kfz
Sonst.
Sachbe-
schäd.
Sexuelle
Beläst.
Rausch-
gift
Trimbornstraße 0 2 7 6 44 16 0 0 1 10 2 3 7 3 21 122 51,9
Dillenburger Straße
1 – 19 0 1 3 3 1 0 0 2 0 0 0 1 0 0 1 12 5,1
Dillenburger Straße
4 – 40 1 0 1 0 0 1 0 0 0 0 0 1 0 0 4 8 3,4
Antoniastraße 0 0 0 1 0 1 1 0 1 0 0 0 1 0 0 5 2,1
Johann-Mayer-
Straße 1 0 4 3 5 1 0 1 0 0 0 0 3 0 6 24 10,2
Robertstraße 1 0 5 7 9 7 1 0 1 3 2 0 1 0 10 47 20,0
Rolshover Straße 0 0 2 1 4 0 1 0 0 2 0 1 1 0 5 17 7,3
Quartier Trim-
bornstraße 3 3 22 21 63 26 3 3 3 15 4 6 13 3 47 235 100,0
In Prozent 1,3 1,3 9,4 8,9 24,1 11,1 1,3 1,3 1,3 6,4 1,7 2,6 5,5 1,3 20,0 100,0
Insgesamt 3 9 81 75 310 112 468 9 22 55 18 29 34 6 270 1.500 100,0
in Prozent 0,2 0,6 5,4 5,0 20,7 7,5 31,2 0,6 1,5 3,7 1,2 1,9 2,3 0,4 18,0 100,0
Quelle: PKS 2023, LKA NRW – eigene Berechnungen
MaKoS
Masterplan Kommunale Sicherheit 133
Bezogen auf den gesamten Untersuchungsbereich der beiden Quartiere stellen die Strafta-
ten auf der Kalk-Mülheimer Straße nur ein Zehntel dar (13,2 Prozent aller 1.500 Delikte).
Die Ereignisdichte liegt deutlich unter dem Deliktvorkommen im Bereich der Kalker Haupt-
straße. Den Schwerpunkt bildeten im Jahr 2023 Rauschgiftdelikte ( abs. 121; 40,3 Prozent
der Delikte im Quartier Vorsterstraße). Auch die Häufigkeit von 9 Körperverletzungen kann
als überdurchschnittlich bewertet werden.
Die zentrale Funktion der Trimbornstraße [Hotspot 3] besteht darin, den gleichnamigen
S-Bahnhof mit Kalk Post und den Köln Arcaden zu verbinden. In diesem Zusammenhang ist
auf diesem Straßenabschnitt eine Häufung von Delikten der Straßenkriminalität festzustel-
len: Über die Hälfte aller Straftaten im Quartier Trimbornstraße wurden im Jahr 2023 auf
dieser Straße erfasst ( abs. 122; 51,9 Prozent der Delikte im Quartier Trimbornstraße). Be-
zogen auf den gesamten Untersuchungsbereich der beiden Quartiere stellen diese Strafta-
ten weniger als ein Zehntel dar (8,1 Prozent aller 1.500 Delikte). Den Schwerpunkt – d.h.
fast die Hälfte aller Delikte – bildeten im Jahr 2023 Taschendiebstähle (abs. 44; 18,7 Pro-
zent der Delikte im Quartier), Diebstähle von Fahrrädern, aus Kraftfahrzeugen und einfa-
che Diebstähle (abs. 29; 12,3 Prozent der Delikte im Quartier), Rauschgiftdelikte (abs. 21;
8,9 Prozent der Delikte im Quartier) und Körperverletzungen (abs. 10; 6,4 Prozent der De-
likte im Quartier).
In der Zusammenschau (vgl. Abbildung 19) ist zu erkennen, dass zwei Drittel der Straßen-
kriminalität im Jahr 2023 auf die Kalker Hauptstraße und die Vietorstraße entfielen (Hot-
spot 1) und nur ein Fünftel auf die beiden Hotspots Kalk-Mülheimer Straße und Trimborn-
straße. Es bleibt nur ein Siebtel der Straftaten, die 2023 in den restlichen Straßen der bei-
den Quartiere registriert wurden.
Quelle: PKS 2023, LKA NRW – eigene Berechnungen
Abbildung 19: Verteilung der Straßenkriminalität über die Straßen der Kalker Quartiere Vorster -
und Trimbornstraße im Jahr 2023
102
113
122
198
965
0 200 400 600 800 1000 1200
Reststraßen Quartier Vorsterstraße
Reststraßen Quartier Trimbornstraße
Hotspot 3: Trimbornstraße/S-Bahnhof
Hotspot 2: Kalk-Mülheimer-Straße
Hotspot 1: Kalker
Hauptstraße/Vietorstraße
Straftaten der Straßenkriminalität
in den Kalker Quartieren im Jahr 2023
MaKoS
Verfahren und Erprobung 134
Unter den Straßen des Quartiers Trimbornstraße wiesen die Johann -Meyer-Straße und die
Robertstraße im Jahr 2023 eine leicht überdurchschnittliche Häufung von Straftaten auf.
Das kann als Ausstrahlungseffekt des Platzes Kalk Post an der Kalker Hauptstraße interpre-
tiert werden, in den diese Straßen münden. Im Quartier Vorsterstraße zeigt sich eine ähnli-
che Situation auf der Vorsterstraße, Breuerstraße und Steprathstraße. Auch in diesen Fällen
können die leicht erhöhten Werte möglicherweise auf Ausstrahlungseffekte der Kalker-
Hauptstraße und der Kalk -Mülheimer Straße zurückgeführt werden.
B5.2 Audits der städtebaulichen Kriminalprävention
Die Audits bei Tageslicht wurden in den Straßen der Quartiere Trimbornstraße und Vor-
sterstraße in Köln Kalk am 18. und 19. Juli 2024 durchgeführt. In den Quartieren herrscht
das städtebauliche Muster der geschlossenen Bauweise vor; denn an den seitlichen Grund-
stücksgrenzen wurden die Gebäude aneinandergebaut. Die an den Fußwegen angren-
zende Blockrandbebauung vermittelt eine urbane Atmosphäre. Besonders enge Straßen-
querschnitte ergeben sich dadurch in den Wohnstraßen sowohl des Vorsterquartiers als
auch des Trimbornquartiers. Bei dieser Form der räumlichen Anordnung sind Fenster von
Wohn- und Aufenthaltsräumen überwiegend auf den Fußweg und die Straße ausgerichtet.
In der straßenbegleitenden Bebauung sind zugleich d ie Grenzen zwischen halböffentlichen
und öffentlichen Bereichen gut erkennbar. Deshalb wurden in der Dimension „Räumli-
che An-/Zuordnung, gestalterische Klarheit“ die Anforderung vollständig oder na-
hezu vollständig erfüllt (vgl. Tabelle 20).
In der Dimension „Aufenthaltsqualitäten im Freiraum“ wurden die Anforderungen
des Audits teilweise bis gar nicht erfüllt. Lediglich die Freiflächen, die im Rahmen der Nach-
verdichtung auf ehemaligen Industrie- bzw. Gewerbearealen – z. B. zwischen der Rolsho-
ver, der Dillenburger und der Robertstraße, aber auch im Bereich der Grünebergstraße –
geschaffen wurden, erhielten hohe Punktbewertungen. Dort befanden sich einladend und
leicht zugänglich Aufenthaltsorte, die nicht den Charakter eines Angstraumes aufweisen und
ausreichend sozial kontrolliert sind, und die Ausstattungsgegenstände machten einen ge-
pflegten Eindruck. Im Umfeld des S-Bahnhofs Trimbornstraße, am Platz Kalk Post, entlang
der Kalker Hauptstraße und auch in den Wohnstraßen des Vorsterquartiers traf das nicht
zu. Selbst auf der West- und auf der Ostseite des Breuerparks wurde die Aufenthaltsqualität
nur teilweise erfüllt.
Durch das orthogonale Straßenraster in Verbindung mit der Blockrandbebauung ist der
Raum gut zu verstehen. In der Dimension „Orientierung, Transparenz, Sichtachsen
und Wegeführung“ wurde deshalb die zweitbeste Bewertung erreicht: In den meisten
räumlichen Situation werden die Anforderungen nahezu vollständig erreicht.
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 135
Tabelle 20: Audits der städtebaulichen Kriminalprävention in den Kalker Veedel Trimbornstraße
und Vorsterstraße
Straßen in den ausgewählten Quartieren von Köln
Kalk
Räuml. An-/Zuordnung, ge-
stalterische Klarheit
Aufenthaltsqualitäten im
Freiraum
Orientierung, Transparenz,
Sichtachsen, Wegeführung
Abstellmöglichkeiten, Möb-
lierung
Beleuchtungssituation am
späten Abend
Quartier Trimbornstraße
Trimbornstraße 5,0 - - - 3,5 2,7 2,5
Umfeld S-Bahnhof 5,0 3,0 3,7 3,7 3,3
Robertstraße 5,0 5,0 4,0 4,2 5,0
Antoniastraße 3,0 - - - 4,2 3,0 4,0
Johannes-Mayer-Straße 4,7 - - - 4,2 3,0 4,2
Grünebergstraße 4,0 5,0 4,4 5,0 4,8
Dillenburger Straße 5,0 5,0 4,0 4,2 3,0
Insgesamt 4,5 4,5 4,0 3,7 3,8
Quartier Vorsterstraße
Vietorstraße 4,0 3,0 4,0 3,0 4,3
Vorsterstraße 5,0 1,0 3,6 2,0 4,3
Josephskirchstraße 5,0 3,3 3,8 3,3 3,6
Kapitelstraße 5,0 - - - 4,2 2,7 4,5
Markt 5,0 3,7 5,0 2,4 4,0
Breuerstraße 5,0 2,7 4,0 2,0 3,8
Breuerpark Ostseite 3,7 2,7 3,5 4,0 4,6
Breuerpark Westseite 3,7 4,3 2,6 3,7 4,6
Parkplatz hinter Aldi 1,0 1,0 2,0 2,0 1,8
Steprathstraße 5,0 3,0 3,6 2,7 4,0
Insgesamt 4,2 2,7 3,6 2,8 4,0
Belebte Verbindungsachsen
Platz Kalker Post 4,7 3,5 4,4 2,5 4,4
Kalker Hauptstraße 5,0 3,7 4,3 4,2 2,6
Kalk-Mülheimer Straße 5,0 - - - 4,3 3,7 2,4
Rolshover Straße 5,0 - - - 4,2 3,7 2,8
Insgesamt 4,9 3,6 4,3 3,5 3,0
Bewertungsspektrum: Vollständige Erfüllung der Anforderung: 5 Punkte; nahezu vollständige Erfüllung der Anforderung: 4 Punkte ;
teilweise Erfüllung der Anforderung: 3 Punkte; geringe Erfüllung der Anforderung: 2 Punkte; Anforderung nicht erfüllt: 1 Punkt
Eigene Erhebungen im Juli 2024
Deutlich schlechter wurden die Orientierung und Wegeführung in der Trimbornstraße und
im Umfeld des S-Bahnhofs bewertet. Das Auffinden der Richtungen – insbesondere des Ziel-
punkts Kalk Post / Köln Arcaden – wird nicht unterstützt. Es gibt lediglich Hinweisschilder
für Fahrradfahrende mit regionalen Zielangaben, aber keine konsequente Beschilderung
MaKoS
Verfahren und Erprobung 136
zur Kalker Hauptstraße. Fremde Besucher müssen deshalb andere Passanten befragen. An-
gesichts des Hauptverkehrsstroms über die Trimbornstraße von und zur S-Bahn weisen die
straßenbegleitende Gehweg e Schwächen auf; teilweise wird die Mindestbreite von 2,50
Metern gemäß RASt (Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen) nicht erfüllt.
Schwache Bewertungen erhielten auch die Innenhofnutzungen zwischen der Vorsterstraße
und der Kalker Hauptstraße. Der Breuerpark (sowohl auf der Ost- als auch auf der West-
seite) und der darauffolgende Parkplatz hinter Aldi erfüllen die Anforderungen nur in gerin-
gem Maße. Zwischen den Gebäuden, Aufenthaltsflächen bzw. Parkplätzen bestehen keine
hinreichenden Sichtbeziehungen.
Die Fußwege sind überwiegend barrierefrei und werden
von Bäumen beschattet. Es gibt auch keine Konflikte zwischen Fahrrädern und zu Fuß Ge-
henden – denn die ausreichend breite Wegefläche lässt allen genug Platz. Die vorgefunde-
nen Tunnel und Durchgänge durch Häuserfronten, um in den Innenbereich zu gelangen, bo-
ten eine gute Durchsicht, werden aber nur teilweise aus Gebäuden im Umfeld kontrolliert.
Die insgesamt schwächste Bewertung erfolgte in der Dimension „Abstellmöglichkei-
ten“. In einigen Straßenabschnitten schränkte der im öffentlichen Raum parkende (ru-
hende) Verkehr die Raumqualitäten ein – das betrifft vor allem die Verbindungsachse zwi-
schen dem S-Bahnhof und Kalk Post über die Trimbornstraße. Generell waren nicht in aus-
reichendem Maß Gelegenheiten zum Abstellen des Fahrrads verfügbar und die vorgefun-
dene Situation von abgestellten Fahrrädern war meistens unordentlich. Einige der bewerte-
ten Raumsituationen werden im Folgenden näher betrachtet und visuell veranschaulicht:
• Der S-Bahnhof Trimbornstraße wird im Laufe des Tages von sehr vielen Fahrgästen
frequentiert. Das Audit der städtebaulichen Kriminalprävention hat verdeutlicht, dass
die Schnittstelle des S-Bahnhofs zur Trimbornstraße einen gestalterischen
Entwicklungsbedarf aufweist.
• Um die objektive Sicherheitslage im Blick behalten zu können, hat die Kölner Polizei
vor Ort eine Videoanlage installiert. Das Umfeld des S-Bahnhofs gilt, wie die PKS-
Daten veranschaulicht haben, als Hotspot und wird deshalb in besonderer Weise
überwacht. Dem Ausgang des S-Bahnhofs stehen an der Ecke Trimbornstraße und
Dillenburger Straße Wohnhäuser gegenüber, aus deren Fenster das Geschehen
wahrnehmbar ist. Von der städtebaulichen Grundstruktur (Blockrandbebauung) und
der technischen Videoausstattung her betrachtet wird die Raumsituation tendenziell
den Anforderungen gerecht.
• Aber beim Verlassen des S-Bahnhofs oder bei der Annäherung nimmt die subjektive
Wahrnehmung verstörende Aspekte wahr, die Kriminalitätsfurcht auslösen können.
Die Deutsche Bahn hat zwar einige Büsche gerodet, um die Sichtbeziehungen zu
verbessern, aber es sind weitere Maßnahmen z ur Erhöhung des Sicherheitsgefühls
an der Schnittstelle des S-Bahnhofs zur Trimbornstraße erforderlich. Es bedarf einer
gut wahrnehmbaren räumlichen Zonierung – anzustreben sind: eine Neuordnung
der bisher ungeordnet abgestellten E-Scooter, Leih- und Privatfahrräder, aber auch
eine gut sichtbare Markierung des Weges zum Fahrstuhl. Außerdem mangelt es an
Orientierungshinweisen, wie die Fahrgäste der S-Bahn zu Fuß zu den Köln Arcaden
und zum Platz Kalk Post gelangen können (vgl. Abbildungen 20, 21 und 22).
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 137
Abbildung 20: Schnittstellen des S-Bahnhofs zur Trimbornstraße
Abbildung 21: Fehlende Orientierungshilfen beim Verlassen des S-Bahnhofs Trimbornstraße
MaKoS
Verfahren und Erprobung 138
Abbildung 22: Unstrukturierte Situation am S-Bahnhof und Trimbornstraße als Verbindungsachse
Abbildung 23: Aufstellung von Wanderbäumen durch engagierte Nachbarn
• Bisher sind im Bereich des S-Bahnhofs an verschiedenen Stellen nur unkoordiniert
Wegweiser für Fahrradfahrende und für Besucher der Halle Kalk befestigt. Der An-
schluss an die U-Bahn am Haltepunkt Kalk Post wird auf dem Bahnsteig nur als Pikto-
gramm ohne Richtungshinweis angezeigt.
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 139
• Engagierte Bewohner auf der Trimbornstraße haben zur Verbesserung der Aufent-
haltsqualität erste, selbst organisierte Maßnahmen durchgeführt. Es wurden „Wan-
derbäume“ aufgestellt – das sind bepflanzte und mobile Module des Kölner Projekts
„WanderbaumAllee“ [https://wanderbaumallee-koeln.de/]. Die Sitzgelegenheiten
an den jungen Bäumen sollen Nachbarn und Passanten zum Verweilen einladen
(vgl. Abbildung 23).
• Der Platz Kalk Post weist aus der Perspektive der städtebaulichen Kriminalpräven-
tion sowohl Stärken als auch Schwächen auf. Die Anordnung der Blockrandbebau-
ung ermöglicht Sichtbeziehungen von drei Seiten – die gastronomischen Nutzungen
im Erdgeschossbereich stärken die informelle soziale Kontrolle. Durch die Offenheit
des Platzes können sich Nutzer gut orientieren; es bestehen Sichtbeziehungen so-
wohl in angrenzende Straßen als auch in den Abgang zur U -Bahnstation als auch
zum Haupteingang der Köln Arcaden (vgl. Abbildung 24). Allerdings erfüllten die
Abstellsituation der Fahrräder und die Orientierungshinweise, welche Wege wohin
führen, nicht die Anforderungen. Der Weg zum S-Bahnhof Trimbornstraße und an-
dere fußläufigen Verbindungen werden nur unzureichend angezeigt. In der Ein-
gangssituation der Köln Arcaden wurde professionelles Betteln beobachtet.
• Vor diesem Hintergrund liegt nahe, die Achse der Trimbornstraße zwischen S -
Bahnhof und Platz Kalk Post integriert weiterzuentwickeln.
• Angesichts der schmalen Straßenquerschnitte weisen die straßenbegleitende n Geh-
wege teilweise nicht die Mindestbreite von 2,50 Metern gemäß RASt (Richtlinien für
die Anlage von Stadtstraßen) auf. Exemplarisch lässt sich die Steprathstraße nen-
nen (vgl. Abbildung 25): Dort verengen Poller, die vorbeugend das wilde Parken
auf dem Fußweg verhindern sollen, die Breite deutlich ein. Durch morgendlichen Lie-
ferverkehr und Werbeaufsteller der Läden im Erdgeschoss wird der Weg nochmals
verengt.
• Der Innenhof zwischen der Breuerstraße und Steprathstraße wird im vorderen Teil
als Parkplatz für den ruhenden Verkehr und im hinteren Teil als Grünfläche – der so-
genannte Breuerpark (Ostseite) – genutzt. Wegen des ungepflegten Zustands
sind die Spielflächen über den gesamten Tag verwaist. Stattdessen haben sich Woh-
nungslose und Alkoholabhängige einen Teil am Rand des Parks angeeignet. An
Sommertagen nächtigen einige Obdachlose dort auch (vgl. Abbildung 26).
• Durch die engen Zugänge in den benachbarten Breuerpark (Westseite) (vgl.
Abbildung 27) zwischen der Breuerstraße und Josephskirchstraße wird die Grünflä-
che nur mäßig besucht (überwiegend von Hundehaltern).
• Die soziale Kontrolle des öffentlichen Raumes wird erschwert, wenn in der Erdge-
schosszone keine Fenster auf die Straße gerichtet sind (verbreitet sind z.B. Gebäude
mit Garagentoren im Erdgeschoss – vgl. Abbildung 28). Passanten entwickeln ange-
sichts anonymer, fensterloser Gebäudefronten eher Kriminalitätsfurcht. Auf der
Breuerstraße wurde ein kleiner (Pocket-) Platz gefunden, der aus den angrenzen-
den Gebäuden nur schwach sozial kontrolliert wird (z.B. wegen heruntergelassener
MaKoS
Verfahren und Erprobung 140
Rollläden – vgl. Abbildung 29). Der Ort ist sehr verschmutzt, das Abstellen von
Fahrrädern folgt keinem Ordnungsprinzip.
Abbildung 24: Impressionen vom Platz Kalk Post
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 141
Abbildung 25: Enge Fußwege auf der Steprathstraße
Abbildung 26: Erneuerungsbedarf im Breuerpark (Ostseite) zwischen Breuer- und Steprathstraße
MaKoS
Verfahren und Erprobung 142
Abbildung 27: Enger Durchgang in den Breuerpark (Westseite) zwischen Breuer- und Josephskirch-
straße
Abbildung 28: Erdgeschosszone ohne auf die Straße gerichtet e Fenster
Abbildung 29: Unordnung im öffentlichen Raum der Breuerstraße
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 143
• Aus der Sicht der Kölner Polizei bildet die Kalk-Mülheimer Straße das Zentrum
des „rechtsrheinischen Brennpunkts mit Betäubungsmittel- und Eigentumsdelikten“
[Quelle: https://koeln.polizei.nrw/artikel/razzia-im-brennpunkt-kalk-bilanz,
01.08.2024]. In den vergangenen Jahren wurden gezielt Razzien durchgeführt, so
dass die Straße in der Kölner Öffentlichkeit ein sehr negatives Image besitzt. Im Jahr
2022 wurden wegen der starken Kriminalitätsbelastung 26 Überwachungskameras
rund um die Kalk-Mülheimer Straße installiert. Dadurch sollen sich anbahnende
Straftaten frühzeitig erkannt und durch den schnellen Einsatz von Polizeikräften ver-
hindert werden.
• Zur Entschärfung dieses Hotspots wurde die Kalk-Mülheimer Straße umgestaltet. Ab
der Kalker Hauptstraße wurde die zweispurige Fahrbahn auf eine 2,75 Meter breite
Einzelspur für den Kraftverkehr mit einer Einbahnstraßenregelung in Fahrtrichtung
Buchforst reduziert. Es wurde ein Radfahrstreifen mit Sicherheitsabstand zum Längs-
parkstreifen am Gehweg in beiden Fahrrichtungen markiert. Vor diesem Hintergrund
wurde die räumliche An- und Zuordnung sowie die bestehenden Sichtachsen im Rah-
men des Audits positiv bewertet. Aufgefallen sind dabei die vielen Personen, die den
gesamten Tag über vor Cafés, Bars und Kiosken stehen und teilweise den Gehweg
verengen (vgl. Abbildung 30).
Abbildung 30: Hotspot Kalk-Mülheimer Straße
MaKoS
Verfahren und Erprobung 144
Abbildung 31: Gelungene Nachverdichtungen auf ehemaligen Industriebrachen zwischen der Rols-
hover, Dillenburger sowie Robertstraße und im Bereich der Grünebergstraße
Abbildung 32: Kalker Markt
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 145
• Die Anforderungen der städtebaulichen Kriminalprävention wurden größtenteils im
Wohnungsbau der Nachverdichtung auf ehemaligen Industrie- und Gewerbe-
arealen erfüllt. Besonders zu nennen sind die Kleinquartiere zwischen Rolshover,
Dillenburger und Robertstraße und im Bereich der Grünebergstraße (vgl.
Abbildung 31). Sowohl die städtebauliche Anordnung der Gebäude als auch die
Sichtachsen und die Wegeführung, aber auch die Aufenthaltsqualitäten und die
Möblierung im Wohnumfeld erfüllten die Erwartungen.
• Der Kalker Markt wurde in den vergangenen Jahren neugestaltet, um die Aufent-
haltsqualität zu verbessern (vgl. Abbildung 32). Abgesehen von den verwitterten,
ungepflegten Bänken am Rand unter den Bäumen (unbenutzbar, weil die Kleidung
verschmutzt wird) wurde der neue Spielplatz in der Mitte attraktiv gestaltet. Mor-
gens wurde eine intensive Reinigung des Platzes durch Fachkräfte der AWB beo-
bachtet – im Laufe des Tages hielten sich dort viele Familien und Kinder (auf robus-
ten Sitzgelegenheiten) auf.
MaKoS
Verfahren und Erprobung 146
Ergebnisse des Beleuchtungsaudits in der Nacht
Das Beleuchtungsaudit in den Straßen der Quartiere Trimbornstraße und Vorsterstraße in
Köln Kalk fand am späten Abend des 16. und 17. Juli 2024 zwischen 22:00 und 23:45
Uhr statt. Bewertet wurde, ob die vorauslaufenden Wege und Straßen durch die Lichtfüh-
rung gut erkennbar sind, ob der Lichteinfall durch Baumkronen nicht eingeschränkt
wird, ob die Wahrnehmung des Gesichtsausdrucks entgegenkommender Passan-
ten in einer Entfernung von 20 bis 10 Meter erkennbar und in einer Entfernung von 10 bis
5 Meter detailscharf wahrzunehmen ist. Darüber hinaus wurde darauf geachtet, ob Abstell-
bereiche für Fahrräder beleuchtet sind, ob die Beleuchtungssituation an Haltestellen des
ÖPNV als angenehm ein zuschätzen ist und öffentliche Plätze gut ausgeleuchtet werden.
Im Folgenden werden die wichtigsten Ergebnisse skizziert:
• Der Wege- und Straßen verlauf war in allen untersuchten Straßen durch die
Lichtführung gut erkennbar. Allerdings gab es zahlreiche Straßenabschnitte, in de-
nen die Laternen durch das Blattgrün der Baumkronen verdeckt wurden, so dass sich
Schattenbereiche bildeten, in denen entgegenkommende Personen nicht im erforder-
lichen Maße wahrgenommen w erden konnten.
Abb. 33: Wenige Beeinträchtigungen des Lichteinfalls durch Bogenlampen sowie Standorte gegen-
über von Bäumen
• Positiv wurden Straßenabschnitte bewertet, in denen die Laternen nicht auf der Seite
der Bäume platziert sind und in denen Bogenlampen aus den Baumkronen herausra-
gen (vgl. Abbildung 33).
• Betroffen von der Verschattungsproblematik sind Teile der Vietorstraße, Vor-
sterstraße, Josephskirchstraße, Steprathstraße, Kalker Hauptstraße, Kalk-Mülheimer
Straße und Dillenburger Straße (vgl. Abbildung 34). Dort wurden die Anforderun-
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 147
gen nur in geringem Maße erfüllt, weil das Blattgrün der Bäume die Straßen teil-
weise über längere Abschnitte verschattet. Das Gesicht entgegenkommender Passan-
ten war nicht im erforderlichen Maße zu erkennen.
Abb. 34: Beispiele für Verschattungen durch Baumkronen in der Kalk-Mülheimer Straße , Steprath-
straße, Kalker Hauptstraße und Dillenburger Straße
• Dabei wirken zwei Faktoren zusammen: Erstens befindet sich der Standort der Lam-
pen auf derselben Seite wie die Bäume. Zweitens handelt es sich um sehr hohe Stra-
ßenlaternen, die den gesamten Straßenraum ausleuchten sollen. Weil mittlerweile
auch die Bäume sehr groß gewachsen sind, kommt es zu einer Konkurrenzsituation,
bei der die Lichtquelle teilweise von den Baumkronen verdeckt wird, so dass der
Lichteinfall eingeschränkt wird.
• Besonders geeignet sind Lampen, deren Leuchtpunkt unterhalb der Baum-
kronen bleibt. Exemplarisch erfüllen das die Bogenlampen im Umfeld des Bezirks-
rathauses Kalk. Eine besonders hohe Qualität weisen kleinformatige Laternen
auf, die auf die Maßstäblichkeit des Fußgängerverkehrs ausgerichtet sind.
MaKoS
Verfahren und Erprobung 148
Ein gutes Beispiel solcher Laternen wurde auf dem Ottmar-Pohl-Platz vorgefunden
(vgl. Abbildung 35). Demgegenüber sind die sehr hohen Straßenlaternen auf die
Straße fokussiert und beleuchten den Fußweg nur nachrangig. Wenn sie von Baum-
kronen überdeckt werden, leidet darunter insbesondere die Beleuchtungssituation
auf dem Fußweg der anderen Straßenseite. An der Kalker Hauptstraße wird das
kompensiert durch die abendliche Beleuchtung der Läden und gastronomischen An-
gebote im Erdgeschossbereich. In den Wohnstraßen sind solche Effekte auf der
Höhe des Erdgeschosses nicht zu beobachten.
Abb. 35: Hohe Straßenlaternen an der Kalker Hauptstraße und niedrigere Lampen im Fußgänger-
format am Ottmar-Pohl-Platz sowie am Bezirksrathaus in der Steprathstraße
• Besondere Aufmerksamkeit fand die Beleuchtungssituation zwischen den ÖPNV -Hal-
testellen des S-Bahnhofs Trimbornstraße und des U -Bahnhofs Kalk Post. Die Trim-
bornstraße erfüllt die Funktion, den S-Bahnhof mit Kalk Post und den Köln Arcaden
zu verbinden. Die Beleuchtungssituation war jedoch nicht zufriedenstellend; denn ein
großer Bereich der Straße war dunkel, weil eine Straßenlaterne defekt ausgefal-
len war (vgl. Abbildung 36).
• Auch das unmittelbare Umfeld des S-Bahnhofs Trimbornstraße erfüllte nicht
die Anforderungen des Beleuchtungsaudits (vgl. Abbildung 37). Einerseits wird der
Weg zum Aufzug nur unzureichend ausgeleuchtet, da die Nische der DHL-Ab-
holstation davor im Dunkeln bleibt. Andererseits sollte der Kontrast des Übergangs
vom hell erleuchteten Bahnhofsausgang der DB in den öffentlichen Raum der Trim-
bornstraße lichttechnisch besser abgestuft werden. Es fehlt ein lichtgeführter Über-
gang, der eine gute Orientierung bis zum Platz Kalk Post bietet.
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 149
• Auf der Basis des Konzepts „Schaffung von Lichtpassagen“ (im Kölner Licht-
masterplan) wird die DB-Unterführung Trimbornstraße seit dem Jahr 2019 mit
türkisfarbener Beleuchtung aufgewertet.
Abb. 36: Dunkler Straßenabschnitt durch defekte Beleuchtung in der Trimbornstraße
Abb. 37: Reduzierte Umfeldbeleuchtung am S-Bahnhof Trimbornstraße
• Der Platz Kalk Post wird demgegenüber hinreichend beleuchtet (vgl. Abbil-
dung 38). Es gibt keinen störenden Kontrast zwischen dem Ausgang aus der U-Bahn-
station und dem Lichteinfall auf den Platz. Die Außenbeleuchtung der angrenzenden
Gastronomie verstärkt den positiven Eindruck.
• Das Gegenteil bietet der große Parkplatz hinter dem Geschäft von Aldi Süd ,
der über die Vorsterstraße erreichbar ist und seinen Standort im Innenhof zwischen
der Kalk-Mülheimer Straße und der Josephskirchstraße hat (vgl. Abbildung 39). Die
hohen Laternen werden fast vollständig vom dichten Baumbestand ver-
deckt, so dass der Platz überwiegend im Lichtschatten liegt. Durch die dichte Anei-
nanderreihung parkender Kraftfahrzeuge ist weder ein gesamträumlicher Überblick
zu bekommen noch sind Personen auf dem Areal gut zu erkennen.
MaKoS
Verfahren und Erprobung 150
Abb. 38: Hinreichende Ausleuchtung des Platzes Kalk Post – ergänzt um die Außenbeleuchtung der
angrenzenden Gastronomie
Abb. 39: Schlechte Beleuchtungsqualität auf dem Parkplatz hinter dem Geschäft von Aldi Süd
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 151
Abb. 40: Gute Lichtführung (aber auch defekte Lampen) in den Innenhöfen des Breuerparks und in
den hineinführenden Durchgängen
• In östlicher Richtung folgen zwei weitere Innenhöfe mit einem parkähnlichen Grund-
riss. Es handelt sich zwischen der Josephskirch- und der Breuerstraße um die West-
seite des Breuerparks und zwischen der Breuerstraße und der Steprathstraße
um die Ostseite des Breuerparks. Die Hausdurchgänge auf diese Flächen wer-
den nur von einer Lichtquelle erleuchtet, aber auf den Parkflächen weisen kleinfor-
matige, auf die Maßstäblichkeit des Fußgängerverkehrs ausgerichtete
MaKoS
Verfahren und Erprobung 152
Laternen eine gute Lichtführung auf. Die Wegeverbindungen sind nahezu vollstän-
dig einsehbar (vgl. Abbildung 40). Leider blieb ein Teilstück des Weges im Dunkeln,
weil das defekte Leuchtmittel einer Laterne noch nicht ausgetauscht worden ist.
Abb. 41: Gute Beleuchtungssituationen in den Nachverdichtungen an der Ecke Robert-/Dillenburger
Straße und in der Grünebergstraße – ergänzende Lichtquellen im Erdgeschoss sowie im halböffentli-
chen Bereich
• Eine besondere Ausleuchtung von Fahrradabstellplätzen wurde nicht festgestellt. Bis
auf wenige Zonen – zum Beispiel vor dem Bürgerhaus Kalk, an der Ecke Kalker
Hauptstraße/Rolshover Straße und im verkehrsberuhigten Bereich der Josephskirch-
straße – wurden keine besonderen Flächen ausgewiesen, um Fahrräder
sicher abstellen zu können. Aber auch diese Zonen wurden nicht gezielt be-
leuchtet. Fahrräder wurden nachts auf dem Platz Kalk Post vor dem Eingang zur U-
Bahnstation abgestellt, aber vor dem S-Bahnhof wurde im Dunkeln eine ungeordnete
Art des Abstellens festgestellt. In den meisten anderen Straßen wurden Fahrräder
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 153
vereinzelt an den Pfählen von Verkehrsschildern festgekettet oder auf Baumscheiben
geparkt – oft so, dass sie im Lichtkegel einer Straßenlaterne stehen.
• Auf ehemaligen gewerblichen Brachflächen an der Ecke Robert-/Dillenburger Straße
und in der Grünebergstraße fand eine Nachverdichtung mit Wohnungsbau
statt. Diese Wohnanlagen erfüllen die Anforderungen an die Beleuchtungs-
situation teilweise vollständig (vgl. Abbildung 41). Einerseits wurden die Fußwege
dort zwar nicht vollständig ausgeleuchtet, und es waren Verschattungen durch die
(jungen) Bäume festzustellen. Andererseits wirkt sich die Beleuchtung der Eingänge
im Erdgeschossbereich und im halböffentlichen Erschließungsraum der Wohnanlage
an der Ecke Robert-/Dillenburger Straße aber positiv auf die Wahrnehmung aus.
Die Spielräume, die Lichtsituation in den Straßen zu verändern, sind nur gering. Das Kölner
Amt für Verkehrsmanagement und öffentliche Beleuchtung macht darauf aufmerksam, dass
sich die Höhe der Lichtmasten an den Straßengegebenheiten orientieren und den gesamten
Straßenraum (Fußwege und Straßen) beleuchten muss. Der Einsatz von niedrigeren Leuch-
ten stellt nicht die DIN-gerechte Ausleuchtung des gesamten Straßenraumes sicher.
MaKoS
Verfahren und Erprobung 154
B5.3 Passanteninterviews zur Sammlung von Nutzerperspektiven
Passanteninterviews zur Kriminalitätsfurcht
Das Instrument der „Passantenbefragung“ wurde genutzt, um einerseits die Informationen
aus dem Kreis von vor Ort angetroffenen Personen als qualitativen Kontrast zu den Ergeb-
nissen der Auditbögen verwenden zu können, vor allem aber um andererseits Hinweise zu
Ausprägungen von Kriminalitätsfurcht und deren Gründen zu bekommen. Die Kalker
Stichprobe umfasst insgesamt 51 Frauen und 47 Männer (N = 98).
Um eine gleichwertige Verteilung der Geschlechter zu erhalten, wurde darauf geachtet,
Frauen und Männer abwechselnd zu befragen. Zudem wurde versucht, eine ausgeglichene
Verteilung anderer Merkmale wie Alter und Migrationsgeschichte einzubeziehen. Im Stadtteil
Kalk gestaltete es sich als sehr herausfordernd, diese Mischung zu erreichen, da die Teilnah-
mebereitschaft – insbesondere von Menschen mit einer Zuwanderungsgeschichte – geringer
ausfiel als in Ehrenfeld. Auf zwei realisierte Befragungen kam eine Verweigerung. Viele
der angesprochenen Personen verweigerten eine Teilnahme mit dem Hinweis auf fehlende
Sprachkenntnisse oder Zeit knappheit. Die verweigernden Personen im Umfeld der Kalker
Straße wiesen das folgende Profil auf:
• Personen ohne Erfahrungen mit Befragungen, die einer (staatlich vermuteten) Informa-
tionssammlung kritisch gegenüberstehen;
• Personen, die fest im Alltag eingebunden sind und bei ihren Erledigungen und Wegen
unter Zeitdruck stehen,
• Personen, die in ihrem Alltag unauffällig bleiben wollen.
Aus der Sicht der Interviewer verweigerten in Kalk insbesondere Personen die Teilnahme, die
die deutsche Sprache nicht beherrschten – d.h.: Menschen aus der Ukraine/Russland, People
of Colour sowie junge Frauen mit türkischem oder arabischem Migrationshintergrund. Dass
gerade letztere, die mutmaßlich in der zweiten oder dritten Generation in Deutschland leben,
eine Teilnahme ablehnten, war überraschend, weil sich die männlichen Passanten derselben
Gruppe deutlich offener für eine Teilnahme zeigten.
Im Mittelpunkt des eingesetzten Instruments steht die subjektive Kriminalitäts-
furcht. Das Phänomen weist im Allgemeinen drei Dimensionen auf: die affektive, die kogni-
tive und die konative Dimension. Im Fokus der affektiven Dimension steht die emotionale
Empfindung von Gefahren durch Kriminalität, in der kognitiven Perspektive wird die Wahr-
scheinlichkeit eingeschätzt, Opfer einer Straftat zu werden, und unter dem konativen Blick
geht es um die Frage, welches Schutz- und Vermeidungsverhalten aufgrund der antizipier-
ten Gefahren praktiziert wird. Im Rahmen der Passantenbefragung wurden die Standardin-
dikatoren zur Ermittlung der affektiven Kriminalitätsfurcht genutzt, die die Aufmerksamkeit
auf das Sicherheitsgefühl im Wohnquartier sowohl tagsüber als auch nach Einbruch der
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 155
Dunkelheit richten. Als Referenzrahmen wurden Formulierungen von Oberwittler und Gerst-
ner verwendet.12 Um einen Hinweis zur konativen Kriminalitätsfurcht zu erhalten, wurde
nach Meideorten im Viertel gefragt.
Als qualitative Merkmale wurden erhoben:
• positive und negative Bewertungen des Veedels;
• Meideorte im Veedel;
• die Wahrnehmung von Problemen durch Schmutz und Unordnung im Veedel;
• die Beobachtung von Konflikten zwischen Gruppen im Veedel und
• Vorschläge, wie sich die Sicherheitssituation im Veedel verbessern lässt.
Demographische Strukturen der Befragten
Unter den Frauen, die in einem Veedel rund um die Kalker Hauptstraße wohnen, gaben
knapp drei Viertel an (73,0%), gern in ihrem Wohnquartier zu wohnen (vgl. Tabelle 21).
Bei den befragten Männern traf das auf weniger als zwei Drittel zu (60,0%). Rund ein Vier-
tel der befragten Männer (25,5%) und Frauen (27,5%) stammten nicht aus den Vierteln
rund um die Kalker Hauptstraße, sondern suchte das Gebiet auf, um dort einzukaufen, eine
medizinische Dienstleistung in Anspruch zu nehmen oder Freunde zu besuchen.
Bei einem Viertel der befragten Frauen war ein migrantischer Hintergrund zu erkennen
(25,5%); unter den befragten Männern machte dieser Anteil fast ein Drittel aus (31,9%).
Auch die geschätzte Altersverteilung zeigte – nach Geschlecht differenziert – einen Unter-
schied: Unter den befragten Frauen gehörte ein Fünftel den Jungen im Alter unter 30 Jahren
an (21,6%) und ein knappes Drittel den Älteren im Alter über 60 Jahre (3 1,4%). Unter den
befragten Männern zählten über ein Zehntel der jüngeren Altersgruppe an (14,9%) – fast
die Hälfte gehörte der Altersgruppe von 30 bis 60 Lebensjahren an (48,9%).
Was den Befragten im Veedel besonders gut gefällt [N = 60 Nennungen]
Auf die Frage, was in den Veedeln rund um die Kalker Hauptstraße besonders gut gefällt,
werden am häufigsten die infrastrukturellen Stärken hervorgehoben, aber auch die Leben-
digkeit und das „bunt gemischte“ Zusammenleben:
• 23 Nennungen: Angebote von Einzelhandel, Dienstleistungen und Gastronomie
[38,3% von allen 60 Nennungen].
• 19 Nennungen: zentrale Lage; Verkehrsanbindung an ÖPNV [ 31,7%].
12 Vgl. Oberwittler, Dietrich & Gerstner, Dominik (2016): Kriminalitätsfurcht in großstädtischen Wohngebieten:
wie sozialräumliche Bedingungen die Unsicherheitswahrnehmungen beeinflussen. In P. Zoche, S. Kaufmann, &
H. Arnold (Hrsg.), Grenzenlose Sicherheit? Gesellschaftliche Dimensionen der Sicherheitsforschung (S. 95-116).
Berlin: Lit-Verlag; Oberwittler, Dietrich, Gerstner, Dominik & Janssen, Heleen J. (2016): Ergebnisse der SEN-
SIKO-Studie zur Sicherheitslage und Sicherheitswahrnehmung im Alter. Projektberichte Nr. 4, MPI: Freiburg; vgl.
auch Schubert, Herbert; Oberwittler, Dietrich; Schartau, Lara; Planer, Nina; Nutz, Anna; Spieckermann, Holger;
Gerstner, Dominik & Janssen, Heleen (2017): Sicherheitsempfinden älterer Menschen. Ein Praxishandbuch für
die Soziale Arbeit. Köln: Verlag Sozial • Raum • Management.
MaKoS
Verfahren und Erprobung 156
Tab. 21: Passantenbefragung in den Kalker Veedel im Umfeld des S-Bahnhofs Trimbornstraße
Nr. Im Veedel befragte Passanten insgesamt
weiblich in % männlich in % abs. in %
1 Person wohnt ...
gern im Veedel
27
27,6
21
21,4
48
49,0
nicht gern im Veedel 10 10,2 14 14,3 24 24,5
außerhalb des Veedels 14 14,3 12 12,2 16 16,3
insgesamt 51 52,0 47 48,0 98 100,0
2 Person fühlt sich tagsüber allein
im Veedel ...
sehr unsicher
7
13,7
2
4,3
9
9,2
eher unsicher 3 5,9 4 8,6 7 7,1
eher sicher 30 58,8 19 40,3 49 50,0
sehr sicher 11 21,6 22 46,8 33 33,7
insgesamt 51 100,0 47 100,0 98 100,0
3 Person fühlt sich im Dunkeln allein
im Veedel ...
sehr unsicher
24
47,0
13
27,7
37
37,8
eher unsicher 16 31,4 9 19,1 25 25,5
eher sicher 4 7,8 12 25,5 16 16,3
sehr sicher 1 2,0 10 21,3 11 11,2
Keine Angabe 6 11,8 3 6,4 9 9,2
insgesamt 51 100,0 47 100,0 98 100,0
4 Im Veedel gibt es Bereiche, die
gemieden werden.
Ja
27
52,9
26
55,3
53
54,1
Nein 19 37,3 18 38,3 37 37,8
Keine Angabe 5 9,8 3 6,4 8 8,1
insgesamt 51 100,0 47 100,0 98 100,0
5 Im Veedel gibt es Probleme mit
Schmutz und Unordnung.
Ja
47
92,2
39
83,0
86
87,8
Nein 4 7,8 8 17,0 12 12,2
insgesamt 51 100,0 47 100,0 98 100,0
6 Es gibt Auseinandersetzungen,
Konflikte zwischen Gruppen.
Ja
21
41,1
21
44,7
42
42,9
Nein 29 56,9 23 48,9 52 53,1
Keine Angabe (weiß nicht) 1 2,0 3 6,4 4 4,0
insgesamt 51 100,0 47 100,0 98 100,0
7 Demographische Merkmale 1)
Deutscher Hintergrund
33
64,7
26
55,3
59
60,2
Migrantischer Hintergrund 13 25,5 15 31,9 28 28,6
Junge (unter 30 Jahren) 11 21,6 7 14,9 18 18,4
Befragte zwischen 30 und 60 J. 23 45,1 23 48,9 46 46,9
Ältere (über 60 Jahre) 16 31,4 15 31,9 31 31,6
insgesamt 51 100,0 47 100,0 98 100,0
1) Der Hintergrund und das Alter der fehlenden Fälle konnten nicht eingeschätzt werden. Eigene Erhebungen im Juli 2024
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 157
• 9 Nennungen: Vielfalt; Multikulti; bunte Mischung; Lebendigkeit [15,0% von allen
60 Nennungen].
• 3 Nennungen: Wohnsituation; preiswerte Mietwohnungen [5,0% von allen 60 Nen-
nungen].
• 6 sonstige Nennungen: „Ich bin hier aufgewachsen“; Zusammenhalt der verbliebe-
nen deutschen Bevölkerung; Nachbarschaft in der eigenen Wohnstraße ; italienisches
Viertel; linke Szene mit ihren Cafés [10,0% von allen 60 Nennungen].
Was den Befragten im Veedel nicht so gut gefällt [N = 50 Nennungen]
Die positiven Angaben machten rund 55 Prozent von allen Nennungen (N = 110) aus; 45
Prozent entfielen auf Antworten, was nicht so gut gefällt. Unter den negativen Aussagen do-
minieren Aspekte der Sicherheit und Ordnung:
• 30 Nennungen: Dreck und Lärm; „merkwürdige“ Menschen; Drogenkonsum und
Junkies; nächtliche Unruhe; Kriminalität; aggressives und rücksichtsloses Verhalten im
öffentlichen Raum [60,0% von allen 50 Nennungen].
• 10 Nennungen: Fehlender Zusammenhalt, zu wenig Gemeinschaft; kein Vertrauen
unter Nachbarn; Wegzug der deutschen Bevölkerung; keine Familienfreundlichkeit
[20,0% von allen 50 Nennungen].
• 7 Nennungen: Zunahme der Migranten, insbesondere der arabischen Bevölkerung;
Ausländeranteil; Kommunikationsprobleme mit den „Fremden“; „nur noch Ausländer
auf den Straßen“; „man kann abends nicht mehr rausgehen“ [ 14,0% von allen 37
Nennungen].
• 3 sonstige Nennungen betreffen den Mangel an Grünflächen, die Verkehrssituation
und den Zustand der Haltestellen des ÖPNV [6,0% von allen 50 Nennungen].
Die Proportion von 60 positiven Nennungen zu 50 negativen Hinweisen zeigt an, dass die
positiven Einschätzungen und die negativen Zuschreibungen der Quartiere rund um Kalk
Post nicht sehr weit auseinanderklaffen.
Affektive und konative Kriminalitätsfurcht
Die Frage nach der affektiven Kriminalitätsfurcht ergab folgendes Strukturbild (vgl.
Tabelle 21):
• Ein Fünftel der befragten Frauen (19,6%) fühlt sich unsicher, wenn sie tagsüber al-
lein im Veedel unterwegs sind, aber nur ein Achtel der befragten Männer (12,9%).
• Der Anteil der Frauen, die sich unsicher fühlen, wenn sie im Dunkeln allein im Umfeld
der Kalker Hauptstraße unterwegs sind, lag deutlich höher – über drei Viertel
(78,4%) empfinden diese Unsicherheitsgefühle. Unter den befragten Männern fiel
dieser Anteil zwar niedriger aus, liegt aber deutlich über den Durchschnittswerten in
Deutschland (46,8%).
MaKoS
Verfahren und Erprobung 158
Das Strukturbild der Unsicherheit im Dunkeln kann als außerordentlich hoch und überdurch-
schnittlich interpretiert werden. Auf der Basis des Eurobarometers fühlen sich in deutschen
Großstädten etwa 26 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner „etwas unsicher“ oder
„sehr unsicher“, wenn sie nach Einbruch der Dunkelheit allein zu Fuß in Ihrer Wohngegend
unterwegs sind oder wären. Im Kriminalitätsmonitor des nordrhein-westfälischen Landeskri-
minalamtes gaben während der letzten Befragungsrunde im Landesdurchschnitt nur etwa 19
Prozent der Befragten an, sich in ihrem Wohngebiet abends im Dunkeln eher unsicher bis
sehr unsicher zu fühlen. Laut dem Viktimisierungssurvey von 2017 fühlen sich in Deutschland
im Schnitt rund 22 Prozent der Bürgerinnen und Bürger unsicher. 13
Um Anhaltspunkte zur konativen Kriminalitätsfurcht zu bekommen, wurde nach Bereichen
und Ecken im Veedel gefragt, wo die Befragten nicht hingehen, weil sie ihnen nicht geheuer
sind. Auf diese Frage nach Orten, wo sich die Befragten nicht wohlfühlen, wurden überwie-
gend Straßenbereiche aufgezählt (N = 92):
• 27 Nennungen: Kalk-Mülheimer Straße [29,3% von allen 78 Nennungen].
• 16 Nennungen: Innenhöfe mit den beiden Seiten des Breuerparks, Aldi-Parkplatz
und KiTa sowie Moschee zwischen Vietor- und Kalk-Mülheimer Straße – außerdem
der Bürgerpark [17,4% von allen 92 Nennungen].
• 15 Nennungen: Trimbornstraße inkl. der Zugänge zum S -Bahnhof und der Unterfüh-
rung zur Taunusstraße [ 16,3% von allen 92 Nennungen].
• 15 Nennungen: Kalk Post [16,3% von allen 92 Nennungen].
• 19 sonstige Nennungen betreffen die Kalker Hauptstraße ( 8); den Kalk Markt beim
Supermarkt Norma (3); Kalk Kapelle (4); die Neuerburgstraße mit dem neuen
Standort von Vision e.V. (3) und die Halle Kalk (1) [17,4% von allen 92 Nennun-
gen].
Die Trimbornstraße und Kalk Post stellen die wichtige Verbindungsachse zwischen dem S -
Bahnhof, dem U-Bahnanschluss der KVB und der Köln Arcaden dar. Dort wurden die größ-
ten Menschenströme im Laufe des Tages gezählt. Vor diesem Hintergrund verdient beson-
dere Beachtung, dass ein Drittel der negativ etikettierten Bereiche [30 Nennungen: 32,6%
von allen 92 Nennungen] diese wichtige Fußwegverbindung betreffen.
Probleme im Veedel durch Schmutz und Unordnung [N = 174 Nennungen]
Die 98 Befragten gaben 174 Antworten zum Thema Schmutz und Unordnung – das ent-
spricht rund 1,7 Problemnennungen je befragter Person:
• 68 Nennungen erklärten die mangelnde Sauberkeit bzw. die Vermüllung der Quar-
tiere zu einem relevanten Problem. Besonders herausgestellt wurden Urin, Exkre-
mente und Speichel im öffentlichen Raum [39,1% von allen 174 Nennungen].
13 vgl. Landeskriminalamt NRW (2018): Kriminalitätsmonitor NRW. Kriminalitätsfurcht. Düsseldorf, S. 10; Birkel,
Christoph; Church, Daniel; Hummelsheim-Doss, Dina; Leitgöb-Guzy, Nathalie; Oberwittler, Dietrich (2019): Der
Deutsche Viktimisierungssurvey 2017. Opfererfahrungen, kriminalitätsbezogene Einstellungen sowie die Wahr-
nehmung von Unsicherheit und Kriminalität in Deutschland. Bundeskriminalamt, Wiesbaden, S. 46 ff.
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 159
• 42 Nennungen sprachen den Handel und Konsum illegaler Drogen an (32), das
Herumliegen leerer Spritzen (7), den Drogenhandel unter Videobeobachtung der
Polizei (3) zu schwerwiegenden Problemen [24,1% von allen 174 Nennungen].
• 39 Nennungen bezogen sich auf: das ganztägige „Herumlungern“ von Männern
vor Cafés sowie von Obdachlosen in den Parks (19) und deren hohen Alkoholkon-
sum (8) und das aggressive Betteln (12) [22,4% von allen 174 Nennungen].
• 8 Nennungen betonten die Aggressivität im Umgang miteinander. So werde auf
dem Fußweg kein Platz gemacht, man werde belästigt und angepöbelt. Meistens
werden in diesem Zusammenhang Menschen mit Migrationshintergrund genannt, die
sich nicht an die Regeln halten [4,6% von allen 174 Nennungen].
• 17 sonstige Nennungen: Scherben (5); ungepflegte Häuser/Fassaden (2); Diebstahl
(2); Kisten „Zu verschenken“ auf dem Fußweg (1); Parken von Kraftfahrzeugen in
der zweiten Reihe (1); Schalen von Sonnenblumenkernen (1); Graffiti (4); Ratten (1)
[9,8% von allen 174 Nennungen].
Weniger als ein Zehntel der befragten Frauen hält den Verschmutzungsgrad im Veedel für
normal (7,8%); unter den Männern ist der Anteil doppelt so hoch (17,0%). Vor allem Men-
schen im mittleren und höheren Alter, die schon lange in den Kalker Veedel leben, nehmen
die Verschmutzungssituation als beängstigend wahr.
Auseinandersetzungen oder Konflikte zwischen Gruppen im Veedel [N = 52
Nennungen]
• 28 Nennungen – also rund die Hälfte – haben bereits verbale Auseinandersetzun-
gen im öffentlichen Raum erlebt [53,8% von allen 52 Nennungen]. Im Einzelnen
werden genannt: Auseinandersetzungen und Geschrei zwischen Drogenabhängigen
und unter Alkoholabhängigen, aber auch Revierkämpfe unter Jugendlichen und
Streit zwischen Ethnien (z.B. Türken vs. Syrer; Italiener vs. Türken).
• 21 Nennungen betreffen die Beobachtung von Gewaltanwendung zwischen diesen
Gruppierungen [40,4% von allen 52 Nennungen].
• 3 Einzelnennungen betreffen Nachbarschaftskonflikte und das Tragen von Messern
[5,8% von allen 52 Nennungen].
Vorschläge, was getan werden sollte, um die Situation im Veedel zu verbes-
sern [N = 101 Nennungen]
• 44 Nennungen beziehen sich auf den Bereich der ORDNUNG: Ausweitung der Vi-
deoüberwachung (7); mehr Personal des Ordnungsamtes und der Polizei vor Ort im
Einsatz, d.h. Erhöhung ihrer Präsenz im öffentlichen Raum (18 – darunter der
Wunsch nach persönlich erlebbaren „Veedelspolizisten und -polizistinnen“ bzw.
mehr Fußstreifen statt Streifen im Dienstwagen); mehr Razzien und Kontrollen im
Sinn konsequenter und ereignisnaher Intervention, auch der Behörden im Allgemei-
nen; darunter: Ausweisen einer Waffenverbotszone mit Stichprobenkontrollen (9 –
darunter der Wunsch nach einem veränderten Auftreten der Polizei: „nicht weggu-
cken“, „keine Larifari-Polizei“). Gewünscht wurde auch die Wiedereinführung einer
MaKoS
Verfahren und Erprobung 160
„Mobilen Wache“ (1), und das Ordnungsamt solle konsequent überprüfen, ob Neu-
ankömmlinge ihren Wohnsitz angemeldet hätten (1). Für die Verschmutzung des öf-
fentlichen Raumes mit Müll solle der Ordnungsdienst verstärkt Bußgeldbescheide er-
teilen (1); die vielen „Essbuden“ (Imbisse) sollen zur täglichen Reinigung ihres Um-
feldes bzw. der liegen gelassenen Verpackungsabfälle ihrer verkauften Speisen ver-
pflichtet werden (1), und die AWB sollen häufiger die öffentlichen Räume reinigen
und Mülltonnen leeren (5). Es wird auch angeregt, in den Parks in hinreichender
Zahl Tütenspender für Hundehalter zur Beseitigung von Hundekot zu installieren (1)
[43,6% von allen 101 Nennungen].
• 17 Nennungen beziehen sich auf den Bereich der HILFEANGEBOTE und der IN-
TEGRATION : Für die Drogenabhängigen wird die Einrichtung einer Anlaufstelle als
notwendig erachtet, wie sie Vision e.V. gerade in der Neuerburgstraße 25 eröffnet
hat, aber auch ein Drogenkonsumraum (Druckraum), um den Konsum aus dem öf-
fentlichen Raum – wie z.B. U-Bahnstation Kalk Post – herauszubekommen (5). Vor-
schläge regen auch die Verbesserung der Integrationsangebote an – es solle mehr
Streetwork auf Jugendliche und ihre Szenen ausgerichtet werden, um das Gemein-
schaftsgefühl im Veedel zu stärken (12) [16,8% von allen 101 Nennungen].
• 14 Nennungen wünschen sich ein hartes Durchgreifen der POLITIK. Die Politik solle
sich insgesamt mehr engagieren (2): Beispielsweise solle durch den sozialen Woh-
nungsbau eine bessere soziale Mischung erreicht werden; die Hausbesitzer und die
Unternehmen der Wohnungswirtschaft (mit Hausmeisterdiensten) sollen aktiviert wer-
den, sich mehr um das Ordnungsverhalten der Mieter kümmern (5). Gewünscht wird
auch ein Standortmanagement der kommunalen Wirtschaftsförderung, weil es bei-
spielsweise nur noch einen deutschen Bäcker gebe (1). Aber unter den Antworten
der Befragten befanden sich auch schärfere Töne wie: „Ausländer raus!“, „Ver-
scheuchen der Drogenabhängigen“, „Abschieben der Dealer“, „Grenzen schließen“
oder „AFD wählen!“ (6) [13,9% von allen 101 Nennungen].
• 12 Nennungen beziehen sich auf die Verbesserung von AUFENTHALTS- und NUT-
ZUNGSQUALITÄTEN : Neugestaltung der Trimbornstraße (1); Schließung der Parks
am Abend (1); Instandhaltung der Sitzgelegenheiten im öffentlichen Raum (1); inten-
sive Grünpflege und Schaffung von mehr kleinen grünen Inseln (2); Instandsetzung
von Problemimmobilien (1); Bereitstellung einer öffentlichen Toilette (1); Umgestal-
tung der Kalker Hauptstraße zur Fußgängerzone (2) und eine bessere Beleuchtung
des Umfeldes am S-Bahnhof Trimbornstraß e sowie die schnellere Reparatur defekter
Rolltreppen und Fahrstühle in den ÖPNV -Haltepunkten (3) [11,9% von allen 101
Nennungen].
• 10 Nennungen sind Ausdruck eines FATALISMUS : so äußerten 10 Befragte Zweifel,
dass die Probleme noch in den Griff zu bekommen seien [11,8% von allen 85 Be-
fragten]. Zitate aus diesen Gesprächen: „Es ist inzwischen zu spät“. „Es wird doch
sowieso nichts unternommen“. „Selbst für die Polizei ist es hier zu gefährlich“. „Ich
bleibe abends einfach zuhause“. „Diese Leute haben keine Angst vor der Polizei –
sie haben hier längst die Macht“ [9,9% von allen 101 Nennungen].
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 161
• 4 Nennungen zielen auf die ZIVILGESELLSCHAFT , indem mehr „Kümmerer“ in der
Nachbarschaft gewünscht werden (2). Ein Kommentar dazu lautete: „Mehr Polizei-
präsenz ist es nicht! Wir brauchen mehr Miteinander“ (1). Eine andere Anregung
wünschte mehr Verantwortungsübernahme durch die Kioskbesitzer [4,0% von allen
101 Nennungen].
Zitate aus den Passanteninterviews in den Veedeln um Kalk Post:
• „Es ist nicht mehr so, wie es mal war“.
• „Früher war es schöner“.
• „Kalk ist eine Katastrophe geworden. Die Stadt hat versagt, das in Ordnung zu brin-
gen“ (ehemaliger jugoslawischer Gastarbeiter, seit 1971 in Köln).
• „Ich würde meine Tochter hier abends nicht allein auf die Straße lassen“.
• „Ich kann meine 9-jährige Tochter nicht vor die Tür lassen“.
• „Ich gehe gar nicht mehr raus“.
• „Abends fahre ich nur noch mit dem Auto“.
• „Ich fühle mich als Deutscher hier nicht mehr willkommen“.
• „Wenn ich könnte, würde ich nach Bayern auswandern“. Entgegnung des Intervie-
wers zu der alteingesessenen Kölnerin mit zwei Kindern: „Wo bleibt das kölsche
Jeföhl?“ Antwort: „Das gibt es nicht mehr“.
• „Das Zusammenleben der Kulturen stimmt nicht mehr. Wir müssen tun, was uns die
Migranten vorschreiben, ansonsten werden wir bedroht“.
• „Kalk wird von Männern dominiert“.
• „Alle leeren Geschäfte werden durch Araber übernommen. Wer braucht so viele Im-
bisse und Friseure?“
• „Meine Frau kommt nicht mehr mit (aus Poll). Ich muss allein auf der Kalker Haupt-
straße einkaufen“.
• „Man muss aufpassen! Die meisten Leute hier haben keine Arbeit und leben von
Diebstählen“.
• „Mir wurde der Rollator weggetreten“.
Weniger pessimistische Einschätzungen waren:
• „Ich habe keine Angst. Ich kann mich wehren“.
• „Insgesamt sind wir in Kalk nicht so schlecht dran“.
• Antwort auf die Frage nach Verbesserungsvorschlägen: „Dat weiß ich nit. Wenn ich
dat wüsste, wär´ ich Politiker“.
MaKoS
Verfahren und Erprobung 162
Passanteninterviews zur Bahnhofsqualität
Mit einem entsprechend angepassten Instrument der „Passantenbefragung“ wurden auch
die Perspektiven der Nutzerinnen und Nutzer des S-Bahnhofs Trimbornstraße erhoben. Dort
wurden insgesamt 20 Frauen und 17 Männer befragt (N = 37).
Demographische Strukturen am S-Bahnhof
Unter den Frauen, die zur Bahnhofssituation befragt wurden, gaben fast zwei Drittel an
(64,8%), den S-Bahnhof Trimbornstraße häufig zu benutzen (vgl. Tabelle 22). Unter den
befragten Männern nutzen den S-Bahnhof drei Viertel häufig (76,5%).
Über ein Drittel der befragten Frauen (35,0%) und der befragten Männer wiesen einen
migrantischen Hintergrund auf (41,2%). Die Altersverteilung enthält folgende geschlechts-
spezifischen Unterschiede: Die befragten Frauen gehörten zu einem Fünftel den unter 30-
jährigen an, über die Hälfte der Altersgruppe von 30 bis 60 Lebensjahren (60,0%) und ein
Fünftel den Älteren im Alter über 60 Jahre. Unter den befragten Männern machten die un-
ter 30-jährigen ein Drittel aus (35,3%) und die Altersgruppe von 30 bis 60 Lebensjahren
die Hälfte (52,9%); die Älteren im Alter über 60 Jahre waren nur schwach vertreten
(5,9%).
Affektive und konative Kriminalitätsfurcht
Die Befragten gaben mehrheitlich an, dass der S-Bahnhof Trimbornstraße sicher sei (70%
der Frauen und 59% der Männer) – die kognitive Dimension der Kriminalitätsfurcht ist dem-
nach nur gering ausgeprägt. Die große Mehrheit der befragten Frauen hatte im Bahnhofs-
bereich auch noch nie die Verübung von Straftaten beobachtet (95%). Unter den Männern
erklärte demgegenüber ein Drittel (35,3%), Straftaten wahrgenommen zu haben. Genannt
wurden: der Handel mit Drogen, zwei Körperverletzungen, Schubsen am Rand des Bahn-
steigs, ein Fahrraddiebstahl und Respektlosigkeit von Jugendlichen gegenüber dem Bahn-
personal (vgl. Tabelle 22).
Die Frage nach der affektiven Kriminalitätsfurcht am S-Bahnhof Trimbornstraße ergab ein
Strukturbild, das teilweise positiv, aber teilweise auch negativ von den Unsicherheitsgefüh-
len in den Quartieren rund um die Kalker Hauptstraße abwich (vgl. Tabelle 22):
• Nur 5 Prozent der befragten Frauen fühlen sich tagsüber allein auf dem S-Bahnhof
unsicher. Unter den befragten Männern gab es niemanden, der sich dort zu Tages-
zeiten unsicher fühlt (0,0%).
• Drei Viertel der befragten Frauen fühlen sich im Dunkeln im Bereich des S-Bahnhofs
unsicher (75,0%). Unter den Männern bekannten sich über 40 Prozent (41,2%) zu
solchen Unsicherheitsgefühlen in den dunklen Abendstunden.
Das Strukturbild der Unsicherheit im Dunkeln weist im Vergleich zum Kriminalitätsmonitor
des nordrhein-westfälischen Landeskriminalamtes außerordentlich hohe Werte auf. In NRW
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 163
gaben im Landesdurchschnitt weniger als ein Fünftel der Befragten an, sich abends im Dun-
keln in ihrem Wohngebiet eher unsicher bis sehr unsicher zu fühlen.14
Was den Befragten im Bereich des S-Bahnhofs gut gefällt [N = 10 Nennun-
gen]
Den Befragten fallen nur wenige positive Aspekte zum S-Bahnhof ein: Zwei Personen gefal-
len die Sitzgelegenheiten, zwei weitere finden die Nähe bzw. den kurzen Weg zum Ar-
beitsplatz gut und einer anderen Befragten gefällt die Graffitikunst, die vom Bahnsteig aus
an einer Hauswand zu erkennen ist (vgl. Abbildung 42). Positiv wird auch die Nähe zur U-
Bahnstation Kalk Post und zu den Köln Arcaden eingeschätzt. Weiteren Befragten gefallen
der nahe Kiosk und das Funktionieren des Aufzuges.
Abb. 42: Sichtbeziehung vom S-Bahnhof Trimbornstraße auf ein Wandgraffiti nach Caspar David
Friedrichs „Wanderer über dem Nebelmeer“ in einem Köln-Kontext
Was den Befragten im Bahnhofsbereich nicht so gut gefällt [N = 43 Nennun-
gen]
• 28 Nennungen betreffen: Dreck, Müll, Schmutz und Gestank – besonders kritisch
werden Zigarettenreste und „Wildpinkeln“ hervorgehoben [65,1% von allen 43
Nennungen].
• In 9 Nennungen wird über Zugausfälle und Verspätungen der S-Bahn geklagt, aber
auch über den zu engen Bahnsteig und das Fehlen einer Rolltreppe [20,9% von al-
len 43 Nennungen].
• Weitere 6 Nennungen bemängeln die Treppensituation des Ausgangs zur Trimborn-
straße, die schlechten Lichtverhältnisse im Ausgangsbereich und das Antreffen von
Obdachlosen und Trinkern auf der Bank vor dem Treppenauf-/abgang [13,9% von
allen 43 Nennungen].
14 vgl. Landeskriminalamt NRW (2018): Kriminalitätsmonitor NRW. Kriminalitätsfurcht. Düsseldorf, S. 10
MaKoS
Verfahren und Erprobung 164
Tab. 22: Ergebnisse der Befragung im Umfeld des Kalker S-Bahnhofs Trimbornstraße
Nr. Im S-Bahnhof befragte Passanten insgesamt
weiblich in % männlich in % abs. in %
1 Person benutzt den S-Bahnhof ...
häufig 11 29,7 13 35,1 24 64,8
ab und zu 9 24,3 4 10,8 13 35,1
insgesamt 20 58,6 17 45,9 37 100,0
2 S-Bahnhof Trimbornstraße ist ...
sicher 14 70,0 10 58,8 24 64,9
nicht sicher 2 10,0 4 23,5 6 16,2
kann nicht beurteilt werden 4 20,0 3 17,7 7 18,9
insgesamt 20 100,0 17 100,0 37 100,0
3 Im Bahnhofsbereich beobachtet...
Straftaten 1 5,0 6 35,3 7 18,9
Keine Straftaten 19 95,0 11 64,7 30 81,1
insgesamt 20 100,0 17 100,0 37 100,0
4 Person fühlt sich tagsüber allein
im S-Bahnhof Trimbornstraße ...
sehr unsicher
0
0,0
0
0,0
0
0,0
eher unsicher 1 5,0 0 0,0 1 2,7
eher sicher 13 65,0 8 47,1 21 56,8
sehr sicher 6 30,0 9 52,9 15 40,5
insgesamt 20 100,0 17 100,0 37 100,0
5 Person fühlt sich im Dunkeln allein
im S-Bahnhof Trimbornstraße ...
sehr unsicher
6
30,0
2
11,8
8
21,7
eher unsicher 9 45,0 5 29,4 14 37,8
eher sicher 1 5,0 6 35,3 7 18,9
sehr sicher 3 15,0 3 17,6 6 16,2
Keine Angabe 1 5,0 1 5,9 2 5,4
insgesamt 20 100,0 17 100,0 37 100,0
6 Im Bahnhof gibt es Bereiche, die
gemieden werden.
Ja
9
45,0
9
52,9
18
48,6
Nein 11 55,0 8 47,1 19 51,4
insgesamt 20 100,0 17 100,0 37 100,0
7 Im Bahnhof gibt es Probleme mit
Schmutz und Unordnung.
Ja
16
80,0
13
76,5
29
78,4
Nein 4 20,0 4 23,5 8 21,6
insgesamt 20 100,0 17 100,0 37 100,0
8 Es gibt Auseinandersetzungen,
Konflikte zwischen Gruppen.
Ja
4
20,0
1
5,9
5
13,5
Nein 16 80,0 16 94,1 32 86,5
insgesamt 20 100,0 17 100,0 37 100,0
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 165
9 Demographische Merkmale 1)
Deutscher Hintergrund
11
55,0
6
35,3
17
45,9
Migrantischer Hintergrund 7 35,0 7 41,2 14 37,8
Junge (unter 30 Jahren) 4 20,0 6 35,3 10 27,0
Befragte zwischen 30 und 60 J. 12 60,0 9 52,9 21 56,8
Ältere (über 60 Jahre) 4 20,0 1 5,9 5 13,5
insgesamt 20 100,0 17 100,0 37 100,0
1) Der Hintergrund und das Alter der fehlenden Fälle konnten nicht eingeschätzt werden. Eigene Erhebungen im Juli 2024
Die Proportion von positiven Nennungen und negativen Hinweisen in der Bewertung des S-
Bahnhofs ist eindeutig. Es werden viermal so viele Dinge aufgezählt, die nicht so gut gefal-
len, als positive Merkmale.
Bereiche und Ecken im Bahnhofsbereich, wo Befragte nicht hingehen, weil sie
ihnen nicht geheuer sind [N = 20 Nennungen]
Ungefähr die Hälfte der Befragten verbindet mit dem S-Bahnhof Trimbornstraße „mulmige“
Gefühle. Dabei gibt es kaum einen Unterschied zwischen Frauen und Männern. Einerseits
erzeugt der gesamte Bahnhofsbereich die Empfindung des Unwohlseins und andererseits
treten diese Gefühle besonders stark auf, wenn die Personen am Abend allein am Bahnsteig
auf einen Zug warten [4 – 20,0% von allen 20 Nennungen]. Besonders oft wird die Trim-
bornstraße als Ankunftsort genannt: sie erzeuge eher Unsicherheitsgefühle als eine ange-
nehme Wahrnehmung des Ortes [14 – 70,0% von allen 20 Nennungen]. Zwei Befragte
meiden den Fahrstuhl, weil dort oft wohnungslose Menschen mit ihren Habseligkeiten ge-
nächtigt haben. Weitere Aussagen von Befragten waren: „Ich steige am Abend hier nicht
aus, sondern fahre durch bis Deutz, weil ich mich dort sicherer fühle“ (Als Grund gibt die
junge Frau mit Migrationshintergrund an, der Bahnsteig sei am Abend zu unbelebt). Eine
andere junge Frau berichtet von der Furcht, „auf das Gleisbett geschubst zu werden“.
Probleme im Bahnhofsbereich durch Schmutz und Unordnung [N = 60 Nen-
nungen]
• 33 Nennungen kritisierten die mangelnde Sauberkeit (21). Besonders herausgestellt
wurden Verunreinigungen durch Erbrochenes, Urin sowie Exkremente im Bahnhofs-
bereich und die damit verbundene Geruchsbelästigung (12) [55,0% von allen 60
Nennungen].
• 23 Nennungen hoben Beeinträchtigungen durch den Konsum illegaler Drogen, das
Herumliegen leerer Spritzen, Alkoholkonsum, bettelnde Personen, andere Belästi-
gungen und im überdachten Bereich lagernde Obdachlose hervor [38,3% von allen
60 Nennungen].
• 4 Nennungen betrafen bahnbezogene Defizite wie die Verschmutzung und der De-
fekt des Aufzuges, aber auch kaputte Anzeigen des Zugbetriebs [6,7% von allen 60
Nennungen].
MaKoS
Verfahren und Erprobung 166
Vorschläge, was getan werden sollte, um die Situation im Bereich des S-
Bahnhofs Trimbornstraße zu verbessern [N = 46 Nennungen]
Rund die Hälfte der Vorschläge (52,2%) fokussieren die Verbesserung des Sicherheitsmana-
gements im Bereich des S-Bahnhofs Trimbornstraße. Insgesamt wurden die folgenden As-
pekte in der Befragung zu Protokoll gegeben:
• Ausweitung des Einsatzes von Sicherheitspersonal der Deutschen Bahn im S-Bahnhof
Trimbornstraße – insbesondere am Abend und an den Wochenenden [12 – 26,1%
von allen 46 Nennungen].
• Ausbau der Kameraüberwachung sowohl auf dem Bahnsteig als auch im Bereich des
Zugangs [5 – 10,9% von allen 46 Nennungen].
• Durchführung von mehr Kontrollen im Umfeld des S-Bahnhofs durch den Ordnungs-
dienst der Stadt Köln – wirkungsvolle „Abschreckung“ [7 – 15,2% von allen 46
Nennungen].
• Erhöhung der Aufenthaltsqualität auf dem Bahnsteig [4 – 8,7% von allen 46 Nen-
nungen].
• Mehr Licht, bessere Beleuchtung [3 – 6,5% von allen 46 Nennungen].
• Keine Vernachlässigung der Reinigungsarbeiten und der Leerung von Abfallbehäl-
tern – übers Wochenende fallen sehr viele Flaschen, Essens- und Raucherreste auf
der Treppe und auf dem Vorplatz der Trimbornstraße an [ 3 – 6,5% von allen 46
Nennungen].
• Installation einer Rolltreppe als Zugang zum Bahnsteig des S-Bahnhofs Trimborn-
straße [ 2 – 4,3% von allen 46 Nennungen].
• Dringend erforderlich sei eine nutzerfreundliche Umgestaltung der Trimbornstraße
als vertrauenerweckende Ankunftsadresse [1 – 2,2% von allen 46 Nennungen].
• Einrichtung einer öffentlichen Toilette im Umfeld des Bahnhofs [1 – 2,2% von allen
46 Nennungen].
• Schaffung eines „sicheren Hafens“ für Jugendliche in den Kalker Quartieren [1 –
2,2% von allen 46 Nennungen].
Bürgerinitiative Trimbornstraße
Während der Passantenbefragung sind die Interviewer auch mit einem Vertreter der „Bür-
gerinitiative Trimbornstraße“ in Kontakt gekommen. Am 02. September 2023 hatte der
Kreis der engagierten Bewohnerinnen und Bewohner ein Straßenfest für die Nachbarschaft
der Trimbornstraße veranstaltet. An einer kleinen Umfrage zur Situation auf der Straße nah-
men 71 Besucher teil. Als wichtigste Ergebnisse wurden im Interview genannt:
• Ein Drittel fühlt sich nicht mehr wohl auf der Trimbornstraße; 60 Prozent kritisierten
den Schmutz und die Abfälle, die von den Passanten zwischen Kalk Post und S-Bahn-
hof hinterlassen werden.
• Rund ein Viertel der Befragten findet die Straße zu eng – es bleibe zu wenig Platz
für Fußgänger und Radfahrer.
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 167
• Fast drei Viertel wünschen sich, dass die Trimbornstraße autofrei wird.
Es liegt nahe, das Bürgerengagement auf der Trimbornstraße aufzugreifen, um diese hoch-
frequentierte Wegeverbindung aufzuwerten und sicherer zu gestalten. Wenn Bürger sich für
das Wohnumfeld engagieren, nimmt die informelle soziale Kontrolle zu. Die Passanten neh-
men das wahr, kontrollieren ihr Verhalten stärker und fühlen sich dort sicherer.
B5.4 Hintergrundgespräche mit lokalen Stakeholdern
Als Ergänzung zu den Beobachtungen im Rahmen der Audits der städtebaulichen Kriminal-
prävention und der Befragung von Passanten im öffentlichen Raum der Straßen sowie im
Bahnhofsbereich wurden auch einige Gespräche mit Schlüsselpersonen lokaler Stakeholder
geführt, um den Hintergrund aus verschiedenen professionellen Perspektiven auszuleuchten.
Die Gespräche wurden geführt mit:
• Peter Frauenkron, Leiter der rechtsrheinischen Polizeisonderdienste in der Polizeiin-
spektion 6, am 17. Juli 2024;
• Tine Pfeil, Leiterin des Bürgerhaus Kalk, und Ute Asselborn, verantwortlich für Ver-
waltung, Vermietungen und Öffentlichkeitsarbeit im Bürgerhaus Kalk , am 18. Juli
2024;
• Alexander Tschechowski, verantwortlich beim Kinderschutzbund Köln für die Sozial-
raumkoordination im Sozialraum Kalk [im Rahmen des Programms „Lebenswerte Ve-
edel – Bürger- und Sozialraumorientierung in Köln“], am 19. Juli 2024.
Gespräch mit Peter Frauenkron in der Kölner Polizeiinspektion 6
Der Einsatz von Polizeisonderdiensten (PSD) erfolgt in den Kölner Stadtgebieten, die eine
erhöhte Belastung durch Straftaten der Straßenkriminalität aufweisen. Zurzeit gebe es
Teams in der Kölner Innenstadt, in Ehrenfeld und Kalk, die sich sowohl aus uniformierten als
auch zivilen Beamten zusammensetzen. Die Einsatzstrategien in Kalk werden aus den aktu-
ellen Problemlagen abgeleitet.
Die Videobeobachtung rund um die Kalker Hauptstraße und die Kalk -Mülheimer Straße
wurde im Jahr 2022 eingerichtet: Die Bereiche, die mittels Videokameras beobachtet wer-
den, erstrecken sich sowohl über das Quartier Trimbornstraße als auch auf das Quartier
Vorsterstraße (vgl. Abbildung 43).
Im Austausch über die Verteilung von Delikten der Straßenkriminalität über die Straßen auf
beiden Seiten der Kalker Hauptstraße (vgl. Kapitel 2.1) wird betont, dass es sich überwie-
gend um Beschaffungskriminalität handele – d.h. um strafbare Handlungen zum Erwerb
oder zur Finanzierung von Betäubungsmitteln. Nahezu alle Eigentumsdelikte, die in der PKS
ausgewiesen werden, lassen sich auf diesen Hintergrund zurückführen. Die Personengrup-
pen, die im Straßenverkauf auf der Kalk -Mülheimer Straße Drogen erwerben, begehen im
Umfeld der Kalker Hauptstraße Delikte, um den illegalen Drogenerwerb finanzieren zu kön-
nen. Die Videoüberwachung solle einer Verschärfung der Situation vorbeugen. Es werde
sogar der Parkplatz hinter dem Aldi-Markt überwacht, weil dort zahlreiche Verstecke ange-
legt wurden.
MaKoS
Verfahren und Erprobung 168
Die Videobeobachtung des Stadtraums führe aber auch zu Verdrängungseffekten: So verla-
gerten sich Drogengeschäfte aus dem Bürgerpark in das angrenzende Parkhaus der Köln
Arcaden.
Quelle: https://koeln.polizei.nrw/medien/standorte-der-videobeobachtung-in-koeln [02.08.2024]
Abbildung 43: Beobachtungsbereiche und Kamerastandorte der polizeilichen Videoüberwachung in
Köln Kalk
Die Straßen rund um Kalk Post können auf eine lange Geschichte als Drogenumschlag sort
zurückblicken: In den 1980er Jahren befand sich der Drogenhandel in den Händen der ita-
lienischen Szene, später übernahmen türkische Gruppierungen das Geschäft, und es folgten
albanische, bulgarische und nordafrikanische Szenen. Der Straßenverkauf erfolg e über Ver-
mittler, die den gesamten Tag über vor den Cafés, Bars und Kiosken stehen. Während die
Polizei vor allem diese Kreise des Drogenhandels in den Blick nehme, biete der Verein „Vi-
sion e.V.“ Hilfen für die Drogenabhängigen in der Neuerburgstraße an. Aktuell bündele
sich eine nordafrikanische Szene in der Taunusstraße und benutze den nahen S -Bahnhof
Trimbornstraße, um schnell in die Innenstadt zu gelangen und dort Delikte zu begehen.
Die informelle soziale Kontrolle sei in den Nachbarschaften der Quartiere Vorsterstraße
und Trimbornstraße nur schwach ausgeprägt. Teilweise gebe es zwischen den Haushalten
sprachliche Barrieren und zum anderen treffen oft unterschiedliche Wertesysteme aufeinan-
der. Unter diesen Bedingungen müsste die formelle Kontrolle der Polizei die Schwäche der
informellen Kontrollen im Wohnumfeld kompensieren. Aber sie sei dafür personell zu
schwach aufgestellt. Unter einer realistischen Sicht „doktore“ die Polizei an den Symptomen
nur herum: Die Situation werde quasi „verwaltet“, statt die Ursachen zu bearbeiten: „Der
Deckel soll auf dem Topf bleiben, darf nicht überkochen“.
Einerseits fehle ein abschreckendes Strafrecht; die üblicherweise ausgesprochenen Strafen
seien nicht abschreckend. Eine freundliche Polizei werde nicht ernst genommen – insbeson-
dere seitens der nord- und schwarzafrikanischen Szene werde gegenüber der Polizei kein
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 169
Respekt gezeigt. Andererseits fehlen Strategien der Jugendberufshilfe, um die jungen Dea-
ler – unabhängig vom ausländerrechtlichen Status – in Arbeitsverhältnisse zu überführen.
Und drittens seien kriminalpräventive Raumanpassungen notwendig, damit das Wohnumfeld
besser einsehbar ist und eine höhere Raumidentifikation unter den Bewohnern fördert. Die
Nachverdichtungen im Wohnungsbau in der Grünebergstraße und an der Rolshover Ecke
Dillenburger Straße seien in dieser Hinsicht positive Beispiele. Auch Eingriffe in die Ver-
kehrsführung – wie die Einbahnstraßenregelung der Kalk-Mülheimer Straße – können krimi-
nalpräventiv wirken.
Die Inspektion 6 koordiniere den „Kriminalpräventiven Rat Kalk“, in dem Schlüsselpersonen
der lokalen Politik und der Stadtverwaltung mit der Sozialraumkoordination, dem Verein Vi-
sion e.V. und anderen Bürgerinitiativen zusammenarbeiten.
Gespräch mit Führungskräften des Bürgerhaus Kalk
Das Bürgerhaus wird seit 35 Jahren städtisch auf der Kalk-Mülheimer Straße 58 geführt.
Ehemalige Besucherinnen und Besucher kommen nicht mehr zu Veranstaltungen im Bürger-
haus Kalk, weil ihnen der Weg sowohl über die Kalker Hauptstraße als auch über die Kalk-
Mülheimer Straße zu unsicher sei. Insbesondere ältere Personen besuchen das Bürgerhaus
aus Gründen der Kriminalitätsfurcht nicht mehr. Infolge eigener körperlicher Einschränkun-
gen und der Furcht, dadurch Opfer zu werden, werde ein Besuch vermieden.
Mittlerweile habe das Problem ein größeres Ausmaß angenommen, so dass traditionelle
Gruppentreffen nicht mehr stattfinden können. Und der 80-köpfige Chor habe ein Problem
damit, dass ängstlichen Chormitgliedern kein Parkplatz unmittelbar vor dem Bürgerhaus ge-
boten werden könne.
Neben der Sorge um die Besucherschaft machen sich die Führungskräfte des Bürgerhauses
auch Sorgen um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (6 städtische Fachkräfte; weitere freie
und ehrenamtliche Kräfte – am Standort befinden sich auch Fachkräfte der Caritas Wertar-
beit, des Bundesprogramms „Bürgerarbeit“ nach § 16i SGB II und Integrationsjobber). Das
Konzept des „offenen“ Bürgerhauses führe zu der Schattenseite, dass den gesamten Tag
über auch Personen mit einer Suchtproblematik durch das Haus gehen und Diebstahloptio-
nen „ausspähen“. Wenn sie angesprochen werden, zeigen sie schnell ein aggressives Ver-
halten. Es habe schon Fälle der Gewaltanwendung gegeben, als beispielsweise jemand der
Leiterin das Mobiltelefon aus der Hand geschlagen hat, als sie die Polizei benachrichtigen
wollte. Es werde auch beobachtet, dass Drogengeschäfte ins Bürgerhaus verlagert werden,
um sich der Videobeobachtung auf der Kalk-Mülheimer Straße zu entziehen.
Inzwischen wurde das Eingangstor als räumliche Anpassungsmaßnahme weiter nach vorn
versetzt, weil morgens dort immer die Überreste der Übernachtung von Wohnungslosen be-
seitigt werden mussten. Schließlich müss en immer wieder auch Ressourcen aus dem knap-
pen Budget des Bürgerhauses aufgewendet werden, um die Schäden von Einbrüchen zu be-
seitigen. Das hintere Tor des Hofdurchgangs sei inzwischen dauerhaft verschlossen, um sich
vor Einbrüchen zu schützen. Die Toiletten bleiben ständig verschlossen, um Vandalismus
vorzubeugen. Täglich werde der Sandkasten im Hof nach Spritzenresten abgesucht.
MaKoS
Verfahren und Erprobung 170
Bisher habe sich das Bürgerhaus mit den Anliegen der zunehmenden Unsicherheit an die
Stadtteilkonferenz gewandt. Die Führungskräfte des Bürgerhauses würden es begrüßen,
wenn sie mit ihren Anliegen im „Kriminalpräventiven Rat Kalk“ mitwirken könnten.
Ein Problem bestünde darin, dass es in den Abendstunden keinen Pförtnerdienst gebe, wie
das beispielsweise im Bezirksrathaus der Fall sei. Es fehlen auch Schutzmechanismen, wenn
Familien oder Freundeskreise Räume des Bürgerhauses für private Feiern oder Tagungen
anmieten. Notwendig sei auch eine technische Aufwertung der Türen und Fahrstühle – sie
sollten höheren Widerstandsklassen entsprechen (RC2 oder RC 3). Gewünscht werde die
Möglichkeit, stundenweise einen Security-Dienst einsetzen zu können.
Es fehle der „Dorfsheriff“: Früher habe der örtliche Kontaktbeamte regelmäßig das Bürger-
haus besucht. Das habe positive Auswirkungen auf das Sicherheitsgefühl der Besucher ge-
habt. Aber seit einigen Jahren halte die Polizei keinen Kontakt mehr zum Bürgerhaus, mög-
licherweise weil sie mit der Bekämpfung der Drogenkriminalität ausgelastet ist.
Insgesamt sei es schwierig, nachhaltige Beziehungen in die türkischen und arabischen Mili-
eus aufzubauen. Unter der Besucherschaft überwiegen Deutsche ohne Migrationshinter-
grund. Mit der alljährlichen Imagekampagne „StraßenGold “ gehe das Bürgerhaus auf die
Kalk-Mülheimer Straße, um die Öffentlichkeit zum Verweilen, zum Austausch und zum Mit-
machen einzuladen. Am Aktionstag, den 14. September 2024, konnten nachmittags ehema-
lige Saalstühle des Bürgerhauses Kalk entlang der Kalk-Mülheimer Straße auf verschiedene
Weise aufgestellt werden, um sich den öffentlichen Raum anzueignen und kulturelle Per-
spektiven zu vermitteln.
Gespräch mit dem Sozialraumkoordinator im Sozialraum Kalk
Der Sozialraumkoordinator Alexander Tschechowski wirkt bereits seit vielen Jahren im Sozi-
alraum Kalk mit. Die Sicherheitssituation sei eines der zentralen Themen im Aufgabenfeld
der Sozialraumkoordination – die Lage werde vor allem durch den Drogenhandel und Dro-
genkonsum geprägt. Die Innenhofbereiche zwischen der Vorsterstraße und der Kalker
Hauptstraße seien sozial kaum zu kontrollieren. In einem Innenhof (zwischen der Vietor-,
Vorster-, Kalk-Mülheimer- und Kalker Hauptstraße) wurden Durchgangsmöglichkeiten (mit
einem Bauschild) geschlossen, um den dortigen Standort einer Kindertageseinrichtung zu
schützen. Das Auftreten von Personengruppen mit hoher krimineller Energie auf der einen
Seite und die Razzien der Polizei auf der anderen Seite beeinträchtigen das Sicherheitsge-
fühl der Wohnbevölkerung und der Besucher von Einkaufsgelegenheiten auf der Kalker
Hauptstraße. Vor allem Alteingesessene und ältere Bewohner sind in ihrem Sicherheitsge-
fühl beeinträchtigt.
Als kurzfristige Maßnahme sei eine Handreichung für die Bevölkerung ausgearbeitet wor-
den, die als Postwurfsendung in alle Briefkästen gesteckt wurde. Darin werde erläutert, wie
mit der Drogenbelastung in den Quartieren umgegangen wird. Die Informationen reichen
von der Einrichtung eines Drogenkonsumraumes bei Vision e.V. in der Neuerburgstraße bis
zur Angabe von Kontakt- und Anlaufstellen im Stadtteil Kalk, an die sich Bewohner mit ihren
Fragen und Anregungen wenden können.
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 171
Als mittel- bis längerfristige Maßnahmen sei es notwendig, die Beleuchtungssituation zu ver-
bessern und die Durchgänge auf die Innenhöfe attraktiver zu gestalten. Es sei vorgesehen,
dies im Rahmen des integrierten Stadtentwicklungskonzeptes „Kalker Mitte“ umzusetzen, für
das Städtebauförderungsmittel durch das Amt für Stadtentwicklung und Statistik beantragt
worden seien. Das Amt für Landschaftspflege und Grünflächen der Stadt Köln befinde sich
bereits in der Vorplanung, wie die Innenhöfe – insbesondere die Zonen des Breuerparks –
aufgewertet und sicherer gestaltet werden können. Anschließend werde die Phase der Bür-
gerbeteiligung folgen.
Auf der Ost- und der Westseite des Breuerparks seien bereits das „Aufsuchende Suchtclea-
ring“ (ASC) – eine Kooperation zwischen dem Gesundheitsamt und den Suchthilfeträgern
Sozialdienst Katholischer Männer (SKM), Drogenhilfe Köln und Vision e.V. – und das 67er
Streetwork-Team der Diakonie Michaelshoven mehrmals wöchentlich im Einsatz. Vor Ort
werde Kontakt mit den Konsumenten aufgenommen und Hilfe angeboten. Außerdem ent-
sorgt das Projekt „Needle Jumper“ von Vision e.V. dort mehrmals in der Woche gebrauchte
Spritzen und andere Reste der Drogenkonsums.
Neben der Sicherheitsproblematik spiele der soziale Zusammenhalt in der Sozialraumkoor-
dination eine besondere Rolle. In den Kalker Quartieren leben über 80 Ethnien zusammen.
Wegen der Sprach- und Kulturbarrieren finde eher ein segregatives Nebeneinander statt
eines integrierten Miteinanders statt. Es gebe „Blasen“, die nichts miteinander zu tun haben
und gegenseitige Ressentiments schüren. Diese negativen Perspektiven gelte es zu überwin-
den. Beispielsweise wurde der Kalker Karnevalsverein, der aus Altersgründen der vorheri-
gen Protagonisten brachlag, von jungen Familien aus dem Umfeld einer Kindertagesstätte
wiederbelebt, um den traditionellen Kalker „Dienstagszoch“ fortzuführen. Die Initiatoren
seien deutsche Familien, die sich bemühen, auch Familien mit Migrationshintergrund für das
kölsche Karnevalsleben zu gewinnen.
Die professionellen Akteure seien gut über die Stadtteilkonferenz vernetzt. Gemeinsam
werde das „KalkFest“ und der „Tag des guten Lebens“ veranstaltet. Agora, ein Netzwerk
aus 160 Akteuren, führte am 7. September 2024 in Zusammenarbeit mit der Stadtteilkonfe-
renz Kalk die gemeinsame Veranstaltung: „KalkFest trifft Tag des Guten Lebens“ unter dem
Motto „Zeig mir deine Welt“ durch. Der Ansatz solle Begegnungen unter Nachbarn initiie-
ren, das Zusammenleben thematisieren und dadurch den sozialen Zusammenhalt stärken.
Damit die Begegnungen im öffentlichen Raum störungsfrei erfolgen können, blieben einige
Straßen an dem Tag autofrei.
Eine Schlüsselrolle spielen in der Sozialraumkoordination auch Bildungsfragen. Es gehe da-
rum, die Sprach- und Verhaltensprobleme von Kindern aus bildungsfernen Milieus – in Zu-
sammenarbeit mit den Eltern – schon in der Kindertageseinrichtung zu überwinden, damit
der Übergang in das Schulwesen erfolgreich sein könne.
MaKoS
Verfahren und Erprobung 172
Kein Gespräch mit der Standortgemeinschaft Kalker Hauptstraße
Ein Gespräch mit der Standortgemeinschaft Kalker Hauptstraße ist nicht zustande gekom-
men. Der Einkaufsbereich der Kalker Hauptstraße reicht über ca. 800 Meter von den Köln
Arcaden im Westen bis zur Sünner Brauerei im Osten. Die Standortgemeinschaft von Unter-
nehmen auf diesem Straßenabschnitt verfolgt die Ziele, Leerstände auf der Kalker Haupt-
straße zu vermeiden, das Sicherheitsgefühl der Kunden zu stärken und die Attraktivität der
Kalker Straße als Einkaufszentrum zu erhöhen. Die Standortgemeinschaft der Kalker Haupt-
straße arbeitet mit dem Bürgerverein und der Stiftung KalkGestalten zusammen. Gemein-
same Aktionen betrafen bisher: die Bepflanzung und Pflege von Baumscheiben, die künstle-
rischen Gestaltung von Stromkästen, Aufstellen einzelner Bänke in Verweilzonen, Säube-
rungsaktionen im öffentlichen Raum, die Veranstaltung eines Straßenfest es, das Kümmern
um die Verbesserung der Parkplatzsituation und die Organisation der Weihnachtsbeleuch-
tung. „Jedes Jahr sorgt die StandortGemeinschaft für eine attraktive Beleuchtung der
Kalker Hauptstraße. Wie immer ist die Umsetzung mit viel Arbeit und Verwaltungsaufwand
verbunden. Viele Händler, Firmen und auch Privatpersonen beteiligen sich gern an den
Kosten. Trotzdem ist das Einsammeln der Beträge in jedem Jahr sehr aufwändig und zeitin-
tensiv“ [Quelle: https://koeln-kalk.de/standortgemeinschaft-kalk-ziele.php, 03.08.2024].
Nach dem Internetauftritt der Standortgemeinschaft machen weniger als zehn Unternehmen
bei dieser Kooperation aktiv mit. Es sind: zwei Apotheken, ein PC- und Internet-Service, die
Köln Arcaden, ein Hörakustik-Geschäft, ein Raumausstatter und der Taxi-Ruf Köln [Quelle:
https://koeln-kalk.de/index.php, 03.08.2024]. Offensichtlich scheint es besonders schwie-
rig zu sein, Inhaber von Läden und gastronomischen Angeboten mit einem migrantischen
Hintergrund zur Mitwirkung in der Standortgemeinschaft zu gewinnen. Da sie wichtige Bei-
träge zur örtlichen Wirtschaft leisten, bemüht sich die Gemeinschaft, auch diese Unterneh-
men in ein konzertiertes Handeln zu integrieren, um die Wirtschaftsleistung des Standorts zu
steigern.
Im Internetauftritt lobt die Standortgemeinschaft die Initiativen der Stadtentwicklung der ver-
gangenen Jahre: Die Errichtung von Verwaltungsgebäuden auf dem ehemaligen CFK-Ge-
lände (Polizeidirektion Köln) und auf dem ehemaligen KHD-Gelände (Kalk Karree) durch
die Stadt Köln haben positive Impulse gesetzt, genauso wie zum Beispiel der Wohnungsbau
auf dem ehemaligen Maltesergelände durch die GAG (Kleinquartier Grünebergstraße) .
Nach dem nordrhein-westfälischen Gesetz über Immobilien- und Standortgemeinschaften
(ISGG NRW) von 2008 kann für ein räumlich abgegrenztes Gebiet eine Immobilien- und
Standortgemeinschaft gegründet werden. Sie verbindet die Grundeigentümer und Erbbau-
berechtigten der im Gebiet gelegenen Grundstücke, aber auch die ansässigen Gewerbetrei-
benden sowie freiberuflich Tätigen und dient der Entwicklung gemeinsamer Maßnahmen -
und Finanzierungspläne. Der Rat der Stadt beschließt die Festlegung des Gebiets der
Kalker Hauptstraße für eine Immobilien - und Standortgemeinschaft als Satzung nur, wenn
sich mindestens drei Viertel der genannten Akteure beteiligen. Auf dieser Grundlage könn-
ten die städtebauliche Attraktivität, die Angebotsstruktur und die Aufenthalts- und Erlebnis-
qualität erhöht werden. Erfahrungsgemäß würde dadurch der Wert der Gebäude und
Grundstücke steigen, aber auch die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Ein Dutzend
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 173
Initiatoren hatte versucht, auch die Eigentümer und Gewerbetreibenden der Kalker Haupt-
straße für eine solche formale Immobilien- und Standortgemeinschaft zu gewinnen. Die Be-
mühungen sind allerdings gescheitert, weil die gesetzlich vorgeschriebene Mindestmitwir-
kung von 75 Prozent in der Kalker Hauptstraße verfehlt wurde.
Die Inhaberin des Eiscafés Friuli, das seit 13 Jahren in der Kalker Hauptstraße angesiedelt
ist, wurde gefragt, warum sie sich nicht an dem Händlerverbund beteilige. Sie antwortete,
dass sie keinen Nutzen für ihr Geschäft erkennen könne. Etwas fatalistisch merkte sie an:
Kalk sei auf dem „Abstellgleis“ – als ob es sich nicht mehr lohnen würde, für den Standort
aktiv einzutreten. Zugleich beklagte sie sich über die Unsicherheitssituation: Einer Kundin sei
schon einmal eine Perlenkette vom Hals gerissen worden.
Den Gewerbetreibenden und Grundstückseigentümern scheint es somit an einem Gemein-
schaftsgeist zu mangeln. Um zusammen Maßnahmen zur Sicherheit, Sauberkeit und Ord-
nung („SOS: Sicherheit, Ordnung und Sauberkeit“) umsetzen zu können, wird so eine
Grundhaltung aber gebraucht.
B5.5 Beobachtungen im öffentlichen Raum
Neben der Raumbewertung im Rahmen der Audits der städtebaulichen Kriminalprävention
und den Hintergrundgesprächen mit lokalen Stakeholdern kam auch die Methode der teil-
nehmenden Beobachtung zum Einsatz, um die Nutzungsintensität bestimmter Quartiersberei-
che zu erfassen. In Anlehnung an die Methodik des dänischen Stadtplaners Jan Gehls wur-
den in einem „Beobachtungsbogen“ die Nutzerinnen und Nutzer an spezifischen Orten ge-
zählt und die Nutzungsformen dokumentiert.15
Am 18. und am 25. Juli 2024 wurden 14 Zählungen und Beobachtungen an folgenden Or-
ten durchgeführt:
• Platz Kalk Post
• Eingangsbereich S-Bahnhof Trimbornstraße
• Kalk-Mülheimer Straße, Ecke Vorsterstraße
• Kalker Hauptstraße, Ecke Vietorstraße (vor den Köln Arcaden)
• Kalker Hauptstraße, zwischen dem Durchgang neben dem Imbiss Mangal und Aldi
Süd
In einem 10-Minuten-Intervall wurde auf dem Platz Kalk Post am frühen Nachmittag des
18. Juli 2024 ermittelt, wie stark der Fußgängerfluss in der Richtung zu den Köln Arcaden
ausfällt. Gezählt wurden:
• 62 Frauen und 6 Kinder in Bewegung,
• 66 Männer und 2 Kinder in Bewegung,
• 3 verweilende Frauen im Gespräch und ein Kind,
15 Gehl, Jan & Svarre, Birgitte (2013). How To Study Public Life. Washington: Island Press.
MaKoS
Verfahren und Erprobung 174
• zwischen 3 und 5 Männern, die allein wartend vor dem Postgebäude (im Schatten)
verweilten.
In der Extrapolation bedeutet das, dass in einer Stunde rund 370 Frauen (48%), 400 Män-
ner (52%) und 50 Kinder dort unterwegs sind. Den Hauptstrom stellten Fußgänger dar, die
von der S-Bahnstation durch die Trimbornstraße in Richtung Köln Arcaden gehen. Die Bewe-
gungen eines geringeren Anteils standen mit der U-Bahnstation in Verbindung. Die Verwei-
lenden blieben stehen, weil es keine Sitzgelegenheiten auf dem Platz gibt. Der Fußgänger-
fluss wurde teilweise von ungeordnet auf dem Platz abgestellten E-Scootern gestört.
In einem weiteren 10-Minuten-Intervall wurden am Nachmittag des 18. Juli 2024 vor dem
Eingangsbereich S-Bahnhof Trimbornstraße Beobachtungen vorgenommen. Auch
dort wurde ein reger Fußgängerverkehr festgestellt. Gezählt wurden:
• 55 Frauen und 7 Kinder, die mit der S-Bahn angekommen waren oder auf dem Weg
zum Bahnsteig waren, sowie
• 49 Männer in Bewegung,
• eine Frau und zwischen 2 und 3 Männern verweilten im Bereich vor der Treppe zum
Bahnsteig,
• 10 Fahrradfahrende fuhren vorbei und
• 20 Kraftfahrzeuge.
Bezogen auf eine Stunde erzeugt der S-Bahnhof eine Frequenz von rund 330 Frauen
(52%), 300 Männern (48%) und 40 Kindern. Die meisten Fußgänger such ten die Trimborn-
straße in Richtung Köln Arcaden auf. Nur sehr wenige Personen gingen durch die Unterfüh-
rung in die Taunusstraße oder in die Dillenburger Straße . Die Verweilenden saßen auf dem
Rand des Treppenaufgangs, auf einem Sitzstein oder auf der Bank vor dem Treppenauf-
gang. Eine der verweilenden Personen führte einen kleinen Pinscher mit sich und bettelte die
Passanten vor der Treppe an; die Person machte einen psychisch beeinträchtigten Eindruck.
Der Fußgängerfluss wurde teilweise von ungeordnet abgestellten Leihfahrrädern gestört.
Tab. 23: Passantenströme zwischen S-Bahnhof Trimbornstraße und Kalk Post an drei Zeitpunkten
Nr. Zeitpunkt S-Bahnhof Trimbornstraße:
Passanten in/aus Richtung ...
Platz Kalk Post:
Passanten in Richtung ...
Bahn-
steig
in % Kalk
Post
in % Bahnhof in % Arcaden in %
1 09:30 Uhr 27 49,1 14 43,8 38 63,3 65 76,5
2 12:05 Uhr 64 116,4 30 93,8 68 113,3 92 108,2
3 15:45 Uhr 75 136,4 53 165,6 74 123,3 98 115,3
4 Durchschnitt 55 100,0 32 100,0 60 100,0 85 100,0
Eigene Erhebungen im Juli 2024
In drei ergänzenden Zählungen am 25. Juli 2024 wurde die Verflechtung der Passan-
tenströme zwischen dem Platz Kalk Post und dem S-Bahnhof Trimbornstraße
erfasst (vgl. Tabelle 23). Rund ein Drittel aller Passanten im Umfeld des Bahnhofs und des
Platzes Kalk Post benutzten die Trimbornstraße auf ihrem weiteren Weg:
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 175
• 36,8 Prozent des Stroms der Fahrgäste, die im Durchschnitt vom Bahnsteig des S-
Bahnhofs herunterkamen, bewegte sich über die Trimbornstraße in Richtung Kalk
Post.
• 41,4 Prozent der auf dem Platz Kalk Post beobachteten Passanten suchten die Trim-
bornstraße auf und gingen in die Richtung des S -Bahnhofs.
Diese Zahlen belegen die hohe Bedeutung der Trimbornstraße als Wegeverbindung in
Kalk.
Gesondert beobachtet wurde die Ecke Kalk-Mülheimer Straße / Vorsterstraße in ei-
nem 10-Minuten-Intervall am Nachmittag des 18. Juli 2024. Der Fußgängerverkehr fiel dort
deutlich schwächer aus. Gezählt wurden:
• 18 Frauen und 33 Männer in Bewegung;
• vor gastronomischen Einrichtungen verweilten eine Frau und 18 Männer;
• 11 Fahrradfahrende nutzten die Kalk-Mülheimer Straße und
• 55 Kraftfahrzeuge.
Hochgerechnet auf eine Stunde ist auf den Gehwegen mit einer Frequenz von rund 100
Frauen (33%), 200 Männern (67%) zu rechnen. Insgesamt waren doppelt so viele Männer
wie Frauen wahrzunehmen – möglicherweise wird diese Straße von Frauen eher vermie-
den. Auch unter den Verweilenden dominierten männliche Personen. Laut dem Hintergrund-
gespräch in der Polizeiinspektion 6 handele es sich um „Vermittler“, die den ganzen Tag
vor ihren Cafés, Bars und Kiosken stehen, um den Straßenverkauf von Drogen zu organisie-
ren. Im Stil von „Türstehern“ üben sie im Nahraum eine Kontrollfunktion aus (Situationskon-
trolle in Abgrenzung zur polizeilichen Videoüberwachung).
Eine weitere Zählung wurde an der Ecke Kalker Hauptstraße / Vietorstraße (vor den
Köln Arcaden) durchgeführt (in einem 10-Minuten-Intervall um die Mittagszeit des 18. Juli
2024. Der Fußgängerverkehr fiel dort deutlich schwächer aus. Gezählt wurden:
• 113 Frauen und 79 Männer in Bewegung;
• wegen der Enge der Gehwege und dem starken Fußgängerstrom gab es keine ver-
weilenden Personen.
Extrapoliert ergeben sich in einer Stunde knapp 700 Frauen (58%) und knapp 500 Männer
(42%). Die Köln Arcaden wurden zum Beobachtungszeitpunkt vermehrt von Frauen aufge-
sucht. Offensichtlich scheint das ein Ort zu sein, an dem sich Frauen sicher fühlen. Der An-
teil der Personen, die aus der U-Bahnstation kamen, fiel im Vergleich sehr gering aus.
Schließlich fand noch eine Zählung auf der Kalker Hauptstraße statt (in einem 10-Minu-
ten-Intervall am späteren Nachmittag des 18. Juli 2024 zwischen dem Durchgang neben
dem Imbiss Mangal und Aldi Süd). Vor den Geschäften herrschte ein reger Fußgängerver-
kehr. Gezählt wurden:
• 71 Frauen und 12 Kinder in Bewegung,
• 85 Männer in Bewegung;
• dort verweilten 3 Frauen und 5 Männer.
MaKoS
Verfahren und Erprobung 176
Bezogen auf eine Stunde lassen sich rund 430 Frauen (46%) und 510 Männer (54%) er-
rechnen. Im Unterschied zu den Köln Arcaden wurden auf der Kalker Hauptstraße mehr
Männer als Frauen beobachtet. Vor den Geschäften standen Angestellte oder Inhaber und
beobachteten auch das Geschehen auf dem Gehweg oder warteten auf Kundschaft. Drei
Passanten waren für eine kurze Zeit in ein Gespräch vor dem Aldi-Markt vertieft. Die bei-
den Frauen saßen auf der Metallbank, die dort als kleiner Aufenthaltsbereich aufgestellt
wurde.
Der Koordinator des Sozialraumes Kalk hatte in dem Hintergrundgespräch formuliert, dass
es eher ein segregatives Nebeneinander statt eines Miteinanders gebe. Viele Quartierbe-
wohner lebten in „Blasen“, die nichts miteinander zu tun haben. Dafür wurden einige
exemplarische Belege gefunden: So befand sich im syrischen Restaurant Almahabba auf
dem Platz Kalk Post nur syrisches Publikum, im Imbiss Saman To Go um die Ecke auf der
Kalker Hauptstraße wurden nur türkisch stämmige Besucher angetroffen und im Café Rot-
kehlchen in der Breuerstraße nur jüngere Gäste mit einem „biodeutschen“ Hintergrund.
B5.6 Integrierte Bewertung der Ergebnisse in Köln Kalk
Im Rahmen des „Masterplans Kommunale Sicherheit“ wurde in ersten Schritten die Sicher-
heitslage in den 570 statistischen Quartieren der Stadt Köln anhand von Indikatoren analy-
siert. Auf dieser Grundlage wurden einige der besonders belasteten Quartiere – mit Strafta-
ten der Straßenkriminalität, mit hoher demographischer Fluktuation und Unordnung – für
weitere Untersuchungen ausgewählt. Im Stadtteil Kalk fiel die Auswahl auf die Quartiere
Trimbornstraße und Vorsterstraße . Dort wurden die folgenden vertiefenden empiri-
schen Schritte durchgeführt:
• Identifizierung der lokalen Hotspots – differenziert nach Straßen – in den Quartie-
ren auf der Basis von Daten der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS);
• Durchführung von Audits der städtebaulichen Kriminalprävention zur Bewertung der
Raum- und Beleuchtungsqualitäten;
• Interviews mit Passanten zur Ermittlung der Ausprägung affektiver und konativer Kri-
minalitätsfurcht in den beiden Quartieren;
• Sammlung von Hintergrundinformationen im Gespräch mit lokalen Stakeholdern und
• Beobachtungen im öffentlichen Raum zur Abbildung des Nutzungsverhaltens
Ein Blick in die Kommunalstatistik verdeutlichte, dass die männlichen Einwohner in
den Kalker Quartieren Trimbornstraße und Vorsterstraße im Jahr 2023 mehr als die Hälfte
der Bewohnerschaft ausmachten. Überrepräsentiert waren vor allem die 18 bis unter 45 -
jährigen. Wegen der hohen Quote der Einpersonenhaushalte blieb die Haushaltsgröße
deutlich unter dem Kölner Stadtdurchschnitt. Der Bevölkerungsanteil mit Migrationshinter-
grund lag 2023 in den beiden Quartieren über 60 Prozent. Die Fluktuationsquote übertraf
hingegen den Kölner Stadtdurchschnitt; allerdings stand steht die Wanderungsbilanz der
Zu- und Fortzüge in den beiden Quartieren unter einem negativen Vorzeichen.
Der Anteil von SGB II- Leistungsberechtigten an allen gleichaltrigen Einwohnern und der An-
teil der Leistungsberechtigten mit Sicherung des Lebensunterhaltes an allen Einwohnern mit
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 177
Hauptwohnsitz in Köln Kalk wies in den beiden Quartieren überdurchschnittliche Werte auf.
Und die Arbeitslosenquote lag im Jahr 2023 im Quartier Trimbornstraße mit 17,3 Prozent
und im Quartier Vorsterstraße mit 13,6 Prozent auch deutlich über dem Kölner Durchschnitt
von 8,6 Prozent.
Schließlich verdeutlicht die Kölner Bildungsstatistik, dass der Anteil von Schülern in den
Klassen 7 bis 9 an Gymnasien – gemessen an allen Schülern der Stufe 7 bis 9 – in den bei-
den Kalker Quartieren nur die Hälfte des Stadtdurchschnitts ausmacht. Die Quote der Ab-
gänger ohne Schulabschluss an allen Schulabgängen betrug im Stadtteil Kalk rund das
Sechsfache des Stadtdurchschnitts. Ein ähnliches Strukturmuster zeigte sich im Jahr 2023
auch bei den Grundschulempfehlungen: Im Stadtteil Kalk erhielten weniger als ein Fünftel
der Grundschüler eine Empfehlung für das Gymnasium.
Die überdurchschnittlich mit Straßenkriminalität belasteten Quartiere Trimbornstraße und
Vorsterstraße gehören vor diesem Hintergrund zu den benachteiligten Gebieten in Köln sie
weisen „potenziell stark erhöhte Problemlagen“ auf, wie es im Kölner Lebenslagen-
bericht von 2020 heißt . Dies betrifft auch den sozialen Zusammenhalt. Der Kalker Sozial-
raumkoordinator betonte im Interview, dass wegen der Sprach- und Kulturbarrieren zwi-
schen Bevölkerungskreisen eher ein segregatives Nebeneinander statt eines integrierten Mit-
einanders stattfinde. Die verschiedenen Bewohnermilieus verbleiben in ihren „Blasen“, die
nichts miteinander zu tun haben und gegenseitige Ressentiments schüren.
Die Delikte der Straßenkriminalität bündelten sich in den Kalker Quartieren Vorster-
straße und Trimbornstraße im Jahr 2023 in wenigen Straßen:
• Hotspot 1: Auf der Kalker Hauptstraße (als Nahtstelle zwischen den Quartieren
Vorsterstraße und Trimbornstraße) wurden im Jahr 2023 im Bereich von Kalk Post
bis zum Bezirksrathaus/Ecke Kapellenstraße – inkl. der Vietorstraße vor den Köln
Arcaden – rund zwei Drittel aller Straftaten in den beiden Quartieren registriert.
• Hotspot 2: Zwei Drittel aller Straftaten der Straßenkriminalität, die im Quartier Vor-
sterstraße im Jahr 2023 dokumentiert wurden, entfielen auf den Straßenabschnitt
der Kalk-Mülheimer Straße bis zum Bürgerhaus Kalk.
• Hotspot 3: Die Trimbornstraße verbindet den gleichnamigen S -Bahnhof mit Kalk
Post und den Köln Arcaden. Auf diesem Straßenabschnitt wurde im Jahr 2023 über
die Hälfte aller Straftaten der Straßenkriminalität im Quartier Trimbornstraße erfasst.
Insgesamt entfielen zwei Drittel der Straßenkriminalität im Jahr 2023 auf die Kalker Haupt-
straße und die Vietorstraße, ein Fünftel auf die beiden Hotspots Kalk -Mülheimer Straße und
Trimbornstraße, und nur ein Siebtel der Straftaten wurde in den restlichen Straßen der bei-
den Quartiere registriert. Im Hintergrundgespräch mit der zuständigen Polizeiinspektion 6
wurde deutlich, dass die erhöhte Quote der Straßenkriminalität überwiegend auf Beschaf-
fungskriminalität zurückzuführen ist. Die strafbaren Handlungen werden begangen, um
Betäubungsmittel finanzieren und erwerben zu können. Die Polizei führt eine Videoüberwa-
chung durch, um einer Verschärfung der Situation vorzubeugen. Allerdings führe die Vide-
obeobachtung der Straßen auch zu Verdrängungseffekten der Droge ngeschäfte in Höfe
und Parkhäuser.
MaKoS
Verfahren und Erprobung 178
Laut dem Expertengespräch in der Polizeiinspektion 6 sei die informelle soziale Kon-
trolle in den Nachbarschaften der Quartiere Vorsterstraße und Trimbornstraße nur
schwach ausgeprägt. Wegen der sprachlichen Barrieren und unterschiedliche Wertesys-
teme unter den Haushalten müsse die formelle Kontrolle der Polizei in einem großen Um-
fang die Schwäche der informellen Kontrollen kompensieren. Dafür sei sie allerdings perso-
nell zu schwach aufgestellt, so dass die Regeln in den beiden Quartieren nicht konsequent
durchgesetzt werden können.
Eine große Mehrheit der befragten Passanten, deren Wohnung in den Veedel rund um die
Kalker Hauptstraße liegt, wohnen gern in ihrem Wohnquartier. Viele der befragten Passan-
ten, die nicht aus den Vierteln rund um die Kalker Hauptstraße stammten, suchten das Ge-
biet auf, um dort einzukaufen, eine medizinische Dienstleistung in Anspruch zu nehmen
oder Freunde zu besuchen. Es wurde aber immer wieder angemerkt, dass viele nur vormit-
tags kämen, weil sie sich auf der Kalker Hauptstraße ab dem Nachmittag nicht mehr wohl-
fühlen. Die starke Ausprägung der affektiven Kriminalitätsfurcht unterstreicht das:
Drei Viertel der befragten Frauen gaben an, sich unsicher fühlen, wenn sie im Dunkeln al-
lein im Umfeld der Kalker Hauptstraße , aber auch im Bereich des S-Bahnhofs Trimborn-
straße unterwegs sind. Dass auch fast die Hälfte der befragten Männer solche Unsicher-
heitsgefühle im Dunkeln zugab, verdeutlicht die Problematik. Das Niveau der Unsicherheits-
gefühle liegt dort somit weit über den Durchschnittswerten der einschlägigen wissenschaftli-
chen Befragungen, wie Personen die Sicherheitslage einschätzen, wenn sie nach Einbruch
der Dunkelheit allein zu Fuß in ihrer Wohngegend unterwegs sind.
Aus Sicht der weiblichen Interviewerin war es auffällig, wie viele Männer in den Interviews
schilderten, dass sie sich selbst sehr sicher fühlen, aber zugleich anmerkten, dass die Situa-
tion für Frauen (und teils auch für Ältere) natürlich eine ganz andere sei. Nach Forschungen
über die Unsicherheitswahrnehmung von Menschen mit einem Migrationshintergrund
16 ist
davon auszugehen, dass das Furchtniveau in Kalk sogar unterschätzt werden könnte: Die
Sonderauswertung des Viktimisierungssurveys deutet darauf hin, dass Migranten aus dem
nichteuropäischen Ausland, die eine Teilnahme an der Passantenbefragung häufig verwei-
gerten, wahrscheinlich eine höhere Kriminalitätsfurcht aufweisen. Als Gründe werden die
fehlende Integration, rassistische Erfahrungen und mit dem Migrationsprozess einherge-
hende Unsicherheiten (wie etwa der rechtliche Aufenthaltsstatus) vermutet.
Die meisten Frauen und Männer, die am Bahnhof befragt wurden, benutzen den S-Bahnhof
Trimbornstraße häufig. Alle befragten Frauen erklärten, sich im Dunkeln im Bereich des S -
Bahnhofs unsicher zu fühlen. Unter den Männern bekannte sich ein Drittel zu solchen Unsi-
cherheitsgefühlen.
Eine Rolle spielt dabei auch die mangelnde Sauberkeit in den Quartieren. In den Pas-
santeninterviews beklagten viele Befragte den Müll auf den Straßen und Fußwegen, aber
16 Oberwittler, Dietrich & Zirnig, Christopher. (2016). Unsicherheitsgefühle von Migranten in Deutschland. In:
Christoph Birkel, Dina Hummelsheim-Doss, Nathalie Leitgöb-Guzy & Dietrich Oberwittler. Opfererfahrungen und
kriminalitätsbezogene Einstellungen in Deutschland. Vertiefende Analysen des Deutschen Viktimisierungssurvey
2012 unter besonderer Berücksichtigung des räumlichen Kontextes (S. 201-240). Wiesbaden: BKA. Polizei +
Forschung (Band 49).
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 179
erklärten auch den Handel und Konsum illegaler Drogen unter Videobeobachtung der Poli-
zei zu einem Hauptproblem.
Bei der konativen Kriminalitätsfurcht geht es darum, dass bestimmte Straße und Orte
gemieden werden. Für die meisten Befragten stellt die Kalk-Mülheimer Straße einen
Meideort dar. An zweiter Stelle wurden Innenhöfe genannt wie z.B. die beiden Teile
des Breuerparks und der Aldi-Parkplatz. An dritter Stelle folgte die Trimbornstraße – ins-
besondere im Kontext der Zugänge zum S-Bahnhof und der Unterführung zur Taunusstraße.
Der Platz Kalk Post wurde nicht so häufig hervorgehoben.
Die teilnehmende Beobachtung an dem Meideort an der Ecke Kalk-Mülheimer Straße / Vor-
sterstraße verdeutlichte, dass dort insgesamt doppelt so viele Männer wie Frauen dort unter-
wegs waren. Dass im Gegensatz zu anderen Beobachtungsorten Frauen nur ein Drittel der
Passanten repräsentierten, lässt sich als Indiz des Vermeidungsverhaltens interpretieren. Vor
den Cafés, Bars und Kiosken stehen viele männliche Personen den ganzen Tag herum, die
vermutlich den Straßenverkauf von Drogen organisieren und den Nahraum im Blick behal-
ten.
In den Audits der städtebaulichen Kriminalprävention wurden Hinweise gewonnen,
dass einige Orte verwahrlost und unattraktiv sind: Zwischen den Gebäuden, Aufenthaltsflä-
chen bzw. Parkplätzen bestehen in den Innenhöfen zwischen der Vorsterstraße und
der Kalker Hauptstraße keine hinreichenden Sichtbeziehungen. Schwache Bewertun-
gen erhielten der Breuerpark (sowohl auf der Ost- als auch auf der Westseite) und der da-
rauffolgende Parkplatz hinter Aldi; d
ie Tunnel und Durchgänge durch die Häuserfronten,
um in den Innenbereich zu gelangen, werden nicht aus Gebäuden im Umfeld kontrolliert.
Die Schnittstelle des S-Bahnhofs zur Trimbornstraße weist einen gestalterischen Ent-
wicklungsbedarf auf. Beim Verlassen des S-Bahnhofs oder bei der Annäherung wird die sub-
jektive Wahrnehmung durch Aspekte verstört, die Kriminalitätsfurcht auslösen können. Als
Maßnahmen zur Erhöhung des Sicherheitsgefühls an der Schnittstelle des S-Bahnhofs zur
Trimbornstraße bedarf es einer gut wahrnehmbaren räumlichen Zonierung. Dazu gehören:
eine Neuordnung der bisher ungeordnet abgestellten E-Scooter, Leihfahrräder und Privat-
fahrräder, aber auch eine gut sichtbare Markierung des Weges zum Fahrstuhl. Außerdem
mangelt es an Orientierungshinweisen, wie die Fahrgäste der S-Bahn zu Fuß zu den Köln
Arcaden und zum Platz Kalk Post gelangen können. Das Auffinden der Richtungen und
Ziele erfordert in der Trimbornstraße und im Umfeld des S -Bahnhofs die Einrichtung eines
konsequenten Wegeleitsystems.
Im Umfeld des S-Bahnhofs Trimbornstraße, am Platz Kalk Post und entlang der Kalker
Hauptstraße wurden die Anforderungen einer Aufenthaltsqualität nur teilweise er-
füllt. Der Platz Kalk Post wurde ambivalent bewertet: Die Anordnung der Blockrandbe-
bauung ermöglicht Sichtbeziehungen von drei Seiten und die gastronomischen Nutzungen
im Erdgeschossbereich stärken die informelle soziale Kontrolle. Durch die Offenheit des
Platzes können sich Nutzer gut orientieren; es bestehen Sichtbeziehungen sowohl in angren-
zende Straßen als auch in den Abgang zur U -Bahnstation als auch zum Haupteingang der
MaKoS
Verfahren und Erprobung 180
Köln Arcaden. Allerdings erfüllten die Abstellsituation der Fahrräder und die Orientierungs-
hinweise, welche Wege wohin führen, nicht die Anforderungen. Der Weg zum S-Bahnhof
Trimbornstraße und andere fußläufigen Verbindungen werden nur unzureichend angezei gt.
Die Zählungen und Beobachtungen auf dem Platz Kalk Post und vor dem Eingangsbe-
reich des S-Bahnhofs Trimbornstraße haben verdeutlicht, dass die Achse der Trimbornstraße
je Tagesstunden von rund 300 bis 400 Männern sowie etwa 50 Kindern frequentiert wird.
Da die Zählung während der Sommerferien durchgeführt wurde, kann im Allgemeinen von
einer noch höheren Frequenz ausgegangen werden.
Die bereits erfolgte Umgestaltung der Kalk-Mülheimer Straße hat die Transparenz
erhöht. Die Reduzierung der zweispurigen Fahrbahn auf eine Einzelspur als Einbahnstraße
für den Kraftverkehr und die Einrichtung breiter Radfahrstreifen in beiden Fahrrichtungen
haben die Sichtachsen auf der Straße verbessert.
Im Rahmen des Beleuchtungsaudits war der Wege- und Straßenverlauf in allen Straßen
der Quartiere Trimbornstraße und Vorsterstraße durch die Lichtführung zwar erkennbar,
aber es gab zahlreiche Straßenabschnitte, in denen die Lichtquellen durch das Blattgrün der
Baumkronen verdeckt wurden, so dass sich Schattenbereiche bildeten, in denen entgegen-
kommende Personen nicht im erforderlichen Maße wahrgenommen werden konnten. Wenn
die sehr hohen, auf die Straße fokussierten Straßenlaternen von Baumkronen überdeckt
werden, leidet darunter insbesondere die Beleuchtungssituation auf dem Fußweg – insbe-
sondere auf der anderen Straßenseite. Positiv wurden Straßenabschnitte bewertet, in denen
die Laternen nicht auf der Seite der Bäume platziert sind, in denen Bogenlampen aus den
Baumkronen herausragen und in denen der Leuchtpunkt unterhalb der Baumkronen bleibt.
Die Beleuchtungssituation in der Trimbornstraße war nicht zufriedenstellend, weil ein großer
Bereich der Straße wegen einer defekten Straßenlaterne dunkel war.
Auf dem großen Parkplatz hinter dem Geschäft von Aldi Süd , der über die Vorster-
straße erreichbar ist und seinen Standort im Innenhof zwischen der Kalk -Mülheimer Straße
und der Josephskirchstraße hat, wurden die hohen Laternen fast vollständig vom dichten
Baumbestand verdeckt, so dass der Platz überwiegend im Lichtschatten liegt. Durch die
dichte Aneinanderreihung der parkenden Kraftfahrzeuge war weder ein gesamträumlicher
Überblick zu bekommen noch waren Personen auf dem Areal gut zu erkennen.
Das Bürgerhaus Kalk wird als städtische Einrichtung seit 35 Jahren auf der Kalk-Mülhei-
mer Straße 58 geführt. In einem Hintergrundgespräch wurde darüber geklagt, dass ehema-
lige Besucherinnen und Besucher nicht mehr zu Veranstaltungen kommen, weil ihnen der
Weg sowohl über die Kalker Hauptstraße als auch über die Kalk -Mülheimer Straße zu unsi-
cher ist. Insbesondere ältere Personen besuchen das Bürgerhaus aus Gründen der Kriminali-
tätsfurcht nicht mehr. Ein Problem sei, dass es in den Abendstunden keinen Pförtnerdienst
gebe, wie das beispielsweise im Bezirksrathaus der Fall sei. Es fehlen auch Schutzmechanis-
men, wenn Familien oder Freundeskreise Räume des Bürgerhauses für private Feiern oder
Tagungen anmieten.
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 181
Im Gespräch mit den Passanten wurden auch Vorschläge gesammelt, was getan werden
sollte, um die Sicherheitssituation im Veedel zu verbessern. Die meisten Vorschläge bezo-
gen sich auf die öffentliche Ordnung: Im Mittelpunkt steht der Wunsch, dass das Ord-
nungsamt und die Polizei ihre Präsenz im öffentlichen Raum erhöhen. Angeregt wurden per-
sönlich erlebbare „Veedelspolizisten und -polizistinnen“ bzw. Fußstreifen , die bei Regelver-
letzungen ereignisnah und konsequent intervenieren können, statt Streifen im Dienstwagen.
Früher habe der örtliche Kontaktbeamte beispielsweise regelmäßig das Bürgerhaus besucht,
was positive Auswirkungen auf das Sicherheitsgefühl der Besucher hatte. Weil das Personal
der Polizei möglicherweise mit der Bekämpfung der Drogenkriminalität ausgelastet sei,
gehe der alltägliche Kontakt zwischen Polizei und Bürgern verloren.
Weitere Vorschläge betrafen das Engagement der Kommunalpolitik und Stadtver-
waltung: Es wurde eine politische Initiative angeregt, die Hausbesitzer und die Unterneh-
men der Wohnungswirtschaft (mit Hausmeisterdiensten) stärker zu aktivieren, damit sie sich
mehr um das Ordnungsverhalten der Mieter kümmern.
Thematisiert wurde auch die Verbesserung von Aufenthalts- und Nutzungsqualitäten
in den Quartieren rund um die Kalker Hauptstraße: Damit die Sitzgelegenheiten im öffentli-
chen Raum besser instandgehalten werden, solle eine Schließung der Parks vom späten
Abend bis zum frühen Morgen erprobt werden. Dass es keine öffentliche Toilette gebe und
nur das Urinal für Männer am S-Bahnhof Trimbornstraße, fanden ältere Frauen nicht ange-
messen.
Die Standortgemeinschaft Kalker Hauptstraße verfolgt unter anderem die Ziele, das
Sicherheitsgefühl der Kunden zu stärken und die Attraktivität der Kalker Straße zu erhöhen.
Aber es engagieren sich nur wenige in diesem Unternehmensnetzwerk. Die Initiative eines
kleinen Kreises, die große Zahl der E igentümer und Gewerbetreibenden der Kalker Haupt-
straße für eine Immobilien - und Standortgemeinschaft zu gewinnen, scheiterte vor einigen
Jahren, weil die gesetzlich vorgeschriebene Mindestmitwirkung von 75 Prozent der Akteure
in der Kalker Hauptstraße verfehlt wurde.
Auf der Basis der vertiefenden Untersuchungen in den Kalker Quartieren Vorsterstraße und
Trimbornstraße werden nachfolgend Empfehlungen unter fünf Perspektiven abgeleitet.
Empfehlungen zur Gestaltung des öffentlichen Raumes:
• Es wird eine städtebauliche Aufwertung der Achse der Trimbornstraße
zwischen S-Bahnhof und Platz Kalk Post empfohlen. Im Rahmen einer Neuge-
staltung ist die Wegebeziehung so anzupassen, dass der rege Fußgängerverkehr
über genug Platz verfügt und eine sichere Verbindung vorfindet. [mittel- bis länger-
fristiger Zeithorizont]
• Es wird empfohlen, den Zustand der Spielflächen im Breuerpark (Ostseite) im
Rahmen einer Freiraumplanung zu verbessern. Dabei sind auch die Ein- bzw.
Durchgänge in die Parks so zu gestalten, dass Unsicherheitsgefühle verringert
werden. [mittel- bis längerfristiger Zeithorizont]
MaKoS
Verfahren und Erprobung 182
• Es wird eine Sicherstellung hinreichend breiter Fußwege in den Wohnstra-
ßen empfohlen. Angesichts der schmalen Straßenquerschnitte weisen die straßenbe-
gleitenden Gehwege teilweise nicht die Mindestbreite von 2,50 Metern auf. Teil-
weise engen Poller den Fußweg ein. [längerfristiger Zeithorizont]
• Zur Verbesserung der sozialen Kontrolle auf der Kalk-Mülheimer Straße
wird empfohlen, weitere Maßnahmen der städtebaulichen Kriminalpräven-
tion durchzuführen. Die räumliche Zuordnung, die Orientierung und die Sichtachsen
wurden bereits verbessert. Es wird empfohlen, zu einer Erhöhung der Transpa-
renz im Rahmen von Maßnahmen der städtebaulichen Kriminalprävention weiter
beizutragen wie z.B. Entfernen von Nischen und Verringerung des ruhenden Ver-
kehrs. [längerfristiger Zeithorizont]
Empfehlungen zur Beleuchtung:
• Der Weg in den öffentlichen Raum von der Trimbornstraße zum Platz Kalk
Post erfordert eine smarte lichtgeführte Lenkung – d.h. im Winterhalbjahr
wird die Lichtstärke in den Hauptverkehrszeiten erhöht und in den Nachtstunden ge-
dimmt. [mittel- bis längerfristiger Zeithorizont]
• Es wird ein Rückschnitt des Blattgrüns der Baumkronen auf den Straßen als
notwendig erachtet, in denen die Straßenlaternen vom Blattgrün verdeckt werden ,
so dass der Lichteinfall eingeschränkt und der Fußweg verschattet wird. [kurzfristiger
Zeithorizont]
• In jährlichen Begehungen ist zu prüfen, wo solche Rückschnitte infolge des
Baumwuchses erforderlich sind. [kurzfristiger Zeithorizont]
• Es wird empfohlen, an den Masten der Straßenlaternen QR -Codes anzubringen,
über die Passanten auf ihrem Mobiltelefon die Meldung des Standorts defek-
ter Straßenlaternen auf die Website der RheinEnergie senden können:
www.rheinenergie.com/defekteleuchte. [mittelfristiger Zeithorizont]
• Darüber bedarf es einer regelmäßigen (jährlichen) Prüfung des Zustands
der Beleuchtung in den Straßen , damit defekte Leuchtmittel, die nicht gemeldet
werden, zeitnah ersetzt werden können. [kurzfristiger Zeithorizont]
Empfehlungen zum Umgang mit problembehafteten Schnittstellen zwischen
privaten und öffentlichen Räumen:
• Die Deutsche Bahn (DB) muss durch die Stadt Köln aufgefordert werden, an Maß-
nahmen zur Erhöhung des Sicherheitsgefühls an der Schnittstelle der DB-
Privatfläche des S-Bahnhofs zum öffentlichen Raum der Trimbornstraße
mitzuwirken. [kurzfristiger Zeithorizont]
• Die Zusammenarbeit zwischen DB und Stadt Köln muss sich erstens auf eine
verbesserte räumliche Zonierung beziehen – anzustreben sind: eine Neuord-
nung der bisher ungeordnet abgestellten E-Scooter, Leih- und Privatfahrräder, aber
auch eine gut sichtbare Markierung des Weges zum Fahrstuhl. [mittelfristiger
Zeithorizont]
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 183
• Zweitens bedarf es im unmittelbaren Umfeld des S-Bahnhofs Trimbornstraße einer
besseren Ausleuchtung des Weges zum Aufzug – unter Einbezug der Nische
der DHL-Abholstation. [mittelfristiger Zeithorizont]
• Drittens sind Orientierungshinweise für die Wege der Fahrgäste von der S-
Bahn zu Zielorten in den Kalker Quartieren im Rahmen eines Wegeleitsystems zu
geben. [mittelfristiger Zeithorizont]
Empfehlungen zum Dialog mit Zielgruppen in den Quartieren:
• Es wird empfohlen, gezielt mit problemverursachenden Gruppen in einen
(fordernden) Dialog zu treten. Dafür sind Sprachmittler zu gewinnen, die über
einen Zugang zu den jeweiligen Szenen, Milieus und Communities verfügen. [mittel-
fristiger Zeithorizont]
• Es wird vorgeschlagen, den innovativen Ansatz AKIK (Allparteiliches Konflikt-
management in Köln) im Kontext der Kalker Quartiere zu erproben, um quar-
tiersbezogene Nutzungskonflikte in Grünanlagen, Parks und auf Plätzen im dialogi-
schen Austausch mit Bewohnerinnen und Bewohnern zu klären.
• Der Personenkreis der Wohnungslosen muss konsequent zu den Hilfen des
Fachberatungsdienstes Wohnungsnot / Wohnhilfen Köln der Diakonie Michaels-
hoven Soziale Hilfen gGmbH in der Kalk-Mülheimer Straße 177 hingeführt werden.
Die Attraktivität der Angebote ist dahingehend zu steigern, dass öffentliche Parkflä-
chen nicht mehr dauerhaft in Anspruch genommen werden. [kurzfristiger Zeithori-
zont]
• Es wird empfohlen, das Bürgerhaus Kalk zu befähigen, die verschiedenen Bevöl-
kerungskreise in den Quartieren in Kontakt zu bringen, damit aus dem Nebeneinan-
der der „Blasen“ ein Miteinander mit gemeinsamer Ortsbindung entstehen
kann. [kurzfristiger Zeithorizont]
• Gewünscht wird die Aufnahme des Bürgerhauses Kalk im „Kriminalprä-
ventiven Rat Kalk“. [mittel- bis längerfristiger Zeithorizont]
• Angeregt wird eine kommunalpolitische Initiative, die die Hausbesitzer und
die Unternehmen der Wohnungswirtschaft (mit Hausmeisterdiensten) zu einer
konzertierten Aktion zusammenführt, die das Ziel verfolgt, stärker Einfluss auf
das Ordnungsverhalten der Mieter zu nehmen und die informelle soziale
Kontrolle zu stärken. [mittelfristiger Zeithorizont]
• Es ist notwendig, unter den Gewerbetreibenden und Grundstückseigentü-
mern den Gemeinschaftsgeist zu wecken. Mit so einer Grundhaltung können sie zu-
sammen Maßnahmen zur Sicherheit, Sauberkeit und Ordnung umsetzen.
Es ist zu prüfen, wie die Wirtschaftsförderung einen Prozess initiieren kann, in
dem der Zusammenhalt unter den Eigentümern und Gewerbetreibenden im Kontext
der Standortgemeinschaft Kalker Hauptstraße entwickelt wird. [mittel- bis
längerfristiger Zeithorizont]
• Während der Öffnungszeiten der Köln Arcaden suchen viele die Toiletten in dieser
Shopping Mall auf. Es fehlt aber eine öffentliche Toilette im Bereich der Kalker
MaKoS
Verfahren und Erprobung 184
Hauptstraße, die zu allen Tageszeiten aufgesucht werden kann. Es wird empfohlen,
Gastronomen auf der Kalker Hauptstraße für das Kölner Konzept der „Happy-
Toilet“ zu gewinnen. [kurzfristiger Zeithorizont]
Empfehlungen zur Erhöhung der formellen Kontrollen:
• Es wird eine sichtbare Erhöhung der Kontrolldichte durch Kräfte der Poli-
zei und des Ordnungsdienstes im Bereich der Kalker Hauptstraße und der Kalk -
Mülheimer Straße empfohlen. [kurz- bis mittelfristiger Zeithorizont]
• In diesem Zusammenhang sollte das Modell des Kontaktbeamten im Umfeld
der Kalker Hauptstraße wiederbelebt werden, um das Sicherheitsgefühl in der Bevöl-
kerung zu stärken. [kurz- bis mittelfristiger Zeithorizont]
• Im Bürgerhaus Kalk ist der stundenweise Einsatz eines Security-Dienstes not-
wendig. [kurzfristiger Zeithorizont]
• Es wird empfohlen, bei Erneuerungsmaßnahmen im Bürgerhaus Kalk die Tü-
ren und Fahrstühle mit einer höheren Widerstandsklasse (RC2 oder RC 3) aus-
zustatten. [mittel- bis längerfristiger Zeithorizont]
• Es wird eine Schließung der Breuerparks an den Durchgängen in den
Nachtzeiten (d.h. vom späten Abend bis zum frühen Morgen) empfohlen, um sau-
bere und gepflegte Aufenthalts- und Nutzungsqualitäten während der Tageszeiten
zu bieten. [mittel- bis längerfristiger Zeithorizont]
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 185
B6. Vertiefende Erhebungen in Köln Ehrenfeld
Die vertiefenden Erhebungen in den Ehrenfelder Quartieren Leo-Amann-Platz und Hanse-
mannstraße wurden in der 28. Kalenderwoche durchgeführt:
• Das Audit der Beleuchtung des öffentlichen Raumes in den späten Abendstunden
wurde am 10. und 11. Juli 2024 von 22:00 bis 23.45 Uhr durchgeführt.
• Die anderen Audits der Städtebaulichen Kriminalprävention und die Beobachtungen
von Nutzungsmustern im öffentlichen Raum fanden am 10. und 11. Juli 2024 von
8:30 bis 18:30 Uhr statt. In diesem Zeitraum wurden auch Gespräche mit Schlüssel-
personen lokaler Stakeholder geführt.
• Die Interviews mit Passanten führte Prof. Schubert am 10. Juli 2024 von 9:00 bis
18:00 Uhr und 12. Juli 2024 von 9:00 Uhr bis 13:00 Uhr. Die Kriminologin und Po-
litikwissenschaftlerin Lara Schartau-Engelking unterstützte die Erhebungen. Sie be-
fragte Passanten am 10., 12. und 25. Juli 2024 von 9:00 bis 18:00 Uhr.
Zur Vorbereitung der Informationssammlung vor Ort wurden Daten der Polizeilichen Krimi-
nalstatistik PKS analysiert. Die Straßenkriminalität im jeweiligen Quartier wurde differenziert
nach den Straßen betrachtet. Dabei konnte unterschieden werden, wo sich die Straftaten
häufen und in welchen Bereichen des Quartiers kaum Delikte vorkommen.
B6.1 Schwerpunkte der Straßenkriminalität
Die Delikte der Straßenkriminalität verteilten sich im Jahr 2023 nicht gleichmäßig über die
Straßen in den Ehrenfelder Quartieren Leo -Amann-Platz und Hansemannstraße. Die Strafta-
ten bündelten sich vor allem an den wenigen Schnittstellen der Quartiere zu öffentlichen
Verkehrsmitteln (vgl. Tabelle 24):
• Hotspot 1: Die quer durch die Quartiere Leo-Amann-Platz und Hansemannstraße
verlaufende Venloer Straße mit dem Hauptausgang des Bahnhofs Ehren-
feld und den Umsteigepunkten der KVB [U-Bahn und Straßenbahn] .
• Hotspot 2: Der vordere Teil der Stammstraße mit dem Gerhard-Wilczek-Platz –
dort befinden sich der südöstliche Aus- und Eingang in den Bahnhof Ehrenfeld.
• Hotspot 3: Die Bartholomäus-Schink-Straße – sie grenzt an den nordwestlichen
Aus-- und Eingang in den Bahnhof Ehrenfeld.
Die meisten Straftaten fanden im Jahr 2023 auf der – quer durch die Quartiere Leo-Amann-
Platz und Hansemannstraße verlaufenden – Venloer Straße statt [Hotspot 1]. Im Jahr
2023 wurden dort über ein Drittel aller Straftaten, die sich in den beiden Quartieren Leo-
Amann-Platz und Hansemannstraße ereigneten, festgestellt (abs. 187; 36,6 Prozent aller
511 Delikte). Ein Drittel davon machten Ladendiebstähle aus (abs. 63; 33,7 Prozent der De-
likte im Hotspot 1) und ein Viertel Taschendiebstähle sowie Sachbeschädigungen (jeweils
abs. 24; 12,8 Prozent der Delikte im Hotspot 1). Darüber wiesen 2023 folgende Delikte
eine überdurchschnittliche Häufigkeit auf: einfache Diebstähle (abs. 18), Rauschgiftdelikte
(abs. 16) und Fahrraddiebstähle (abs. 15).
MaKoS
Verfahren und Erprobung 186
Tabelle 24: Verteilung von Delikten der Straßenkriminalität über die Straßen der Ehrenfelder Quartiere Leo -Amann-Platz und Hansemannstraße im Jahr 2023
Straßen in den Ehrenfelder
Quartieren Leo-Amann-Park
und Hansemannstraße
Diebstähle Andere Delikte
Summe
Zeilen in % Einfacher
Diebstahl Fahrrad Taschen-
diebstahl
Laden-
diebstahl
Diebstahl
aus Kfz
Diebstahl
Mopeds
etc.
Whgs.-
Einbruch
Sachbe-
schäd.
Rausch-
gift
Körper-
verlet-
zung
Raub
Wider-
stand ge-
gen Staat
Sexuelle
Belästig.
Ehrenfeldgürtel 76 – 133 7 2 7 8 2 0 0 4 7 1 1 0 2 42 8,3
Bartholomäus-Schink-Str. 10 12 8 0 2 0 0 3 4 3 1 0 3 46 9,0
Stammstraße 1 – 23 /
Gerhard-Wilczek-Platz 17 3 24 0 0 1 0 9 6 6 0 1 0 67 13,1
Stammstraße 2a – 28 1 4 0 0 2 0 0 3 0 1 1 0 0 12 2,4
Glasstraße 1 3 1 0 2 2 0 2 1 0 0 0 0 12 2,4
Schönsteinstraße 9 1 1 0 2 1 0 3 3 0 0 1 0 21 4,1
Hüttenstraße 2 7 1 0 0 1 1 5 1 1 0 0 0 19 3,7
Herbrandstraße 4 5 1 0 0 1 0 2 2 0 0 0 0 15 2,9
Christianstraße 2 5 0 0 0 1 1 3 2 0 0 0 0 14 2,7
Subbelrather Str 175–264a 1 8 5 0 1 3 0 3 0 1 1 0 1 24 4,8
Venloer Str. 308 – 453 18 15 24 63 7 1 0 24 16 12 0 5 2 187 36,6
Philippstraße 1 – 71 1 1 0 0 1 0 0 13 0 0 1 0 0 17 3,3
Hansemannstraße 3 2 0 0 4 0 0 3 1 1 0 1 0 15 2,9
Vogelsanger 206 – 224 0 0 0 0 2 1 0 0 0 0 0 0 0 3 0,6
Heliosstraße 0 3 0 0 1 0 2 1 0 0 0 0 0 7 1,4
Gravenreuthstraße 2 2 0 0 1 1 0 0 0 1 0 0 0 7 1,4
Ottostraße 0 1 0 0 1 1 0 0 0 0 0 0 0 3 0,6
Summe Spalten 78 74 72 71 28 14 4 79 43 27 5 8 8 511 100,0
in Prozent 15,3 14,5 14,1 13,9 5,5 2,7 0,8 15,5 8,4 5,3 1,0 1,6 1,6 100,0
Quelle: PKS 2023, LKA NRW – eigene Berechnungen
MaKoS
Masterplan Kommunale Sicherheit 187
Im Jahr 2023 ereigneten sich im Bereich der Venloer Straße die meisten Körperverletzun-
gen, die in den beiden Quartieren Leo-Amann-Platz und Hansemannstraße bekannt gewor-
den sind (12 abs.; 44,4 Prozent aller 27 Körperverletzungen). Dabei ist zu berücksichtigen,
dass sich im Bereich der Kreuzungen mit dem Gürtel und der Bahnunterführung der Haupt-
ausgang des Bahnhofs Ehrenfeld und die Umsteigepunkte der KVB befinden [U-Bahn und
Straßenbahn , Haltestelle Venloer Straße/Gürtel ].
Am Anfang der Stammstraße liegt der Gerhard-Wilczek-Platz – dort befindet sich der
südöstliche Ausgang des Bahnhofs Ehrenfeld [Hotspot 2]. Im Jahr 2023 wurden rund ein
Achtel aller Straftaten in den beiden Quartieren Leo-Amann-Platz und Hansemannstraße in
diesem Bereich registriert (abs. 67; 13,1 Prozent aller 511 Delikte). Weit über die Hälfte
davon machten Taschendiebstähle (abs. 24; 35,8 Prozent der Delikte im Hotspot 2) und ein-
fache Diebstähle (abs. 17; 25,4 Prozent der Delikte im Hotspot 2) aus. Im Jahr 2023 wur-
den 6 Körperverletzungen in diesem Straßenbereich festgestellt (22,2 Prozent aller 27 Kör-
perverletzungen).
Quelle: PKS 2023, LKA NRW – eigene Berechnungen
Abbildung 44: Verteilung der Straßenkriminalität über die Straßen der Ehrenfelder Quartiere Leo-
Amann-Park und Hansemannstraße im Jahr 2023
Auf der nördlichen Seite der Bahnlinie verläuft die Bartholomäus-Schink-Straße – die
Straße verläuft parallel zur Strecke der Deutschen Bahn und weist keine Wohnbebauung
auf [Hotspot 3]. Im Jahr 2023 hat sich knapp ein Zehntel aller Straftaten in den beiden
Quartieren Leo-Amann-Platz und Hansemannstraße dort ereignet (abs. 46; 9,0 Prozent al-
ler 511 Delikte). Auf die Bartholomäus-Schink-Straße führt der nordwestliche Ausga ng des
Bahnhofs Ehrenfeld. An dieser infrastrukturellen Schnittstelle stellen viele Bahnkunden ge-
mäß der P+R -Logik ihre Fahrräder ab. Folglich waren 2023 Fahrraddiebstähle überdurch-
schnittlich ausgeprägt (abs. 12; 26,1 Prozent der Delikte im Hotspot 3). In der Bartholo-
mäus-Schink-Straße befinden sich auch einige Partylocations; ihnen können wahrscheinlich
die einfachen Diebstähle (abs. 10; 21,7 Prozent der Delikte im Hotspot 3) und vereinzelten
Taschendiebstähle (abs. 8; 17,4 Prozent der Delikte im Hotspot 3) zugeordnet werden.
57
61
66
46
67
187
0 20 40 60 80 100 120 140 160 180 200
Reststraßen Quartier Leo-Amann-Park
Reststraßen Quartier Hansemannstraße
Ehrenfeldgürtel, Subbelrather Straße
Hotspot 3: Bartolomäus-Schink-Straße
Hotspot 2: Stammstraße/Gerhard-Wilczek-…
Hotspot 1: Venloer Straße
Straftaten der Straßenkriminalität
in den Ehrenfelder Quartieren im Jahr 2023
MaKoS
Verfahren und Erprobung 188
Zwei weitere Hauptverkehrsstraßen verdienen es, wegen leicht überdurchschnittlichen De-
likthäufungen ebenfalls genannt zu werden: Der Ehrenfeldgürtel zwischen den Kreuzun-
gen mit der Subbelrather und der Venloer Straße (abs. 42; 8,3 Prozent aller 511 Delikte)
und der Abschnitt der Subbelrather Straße von der Unterführung an der Liebigstraße bis
zum St. Franziskus-Hospital (abs. 24; 4,8 Prozent aller 511 Delikte).
In der Zusammenschau (vgl. Abbildung 44) ist zu erkennen, dass fast 60 Prozent der Stra-
ßenkriminalität im Jahr 2023 auf das Umfeld des Bahnhofs Ehrenfeld – von der Stamm-
straße mit dem Gerhard -Wilczek-Platz über die Bartholomäus-Schink-Straße bis zur Venloer
Straße mit den KVB- Haltestellen – entfielen (Hotspot 1, 2 und 3). Nur etwas mehr als ein
Viertel der Straftaten wurde 2023 in den restlichen Straßen der beiden Quartiere regis-
triert.
B6.2 Audits der städtebaulichen Kriminalprävention
Ergebnisse der Audits bei Tageslicht
Die Audits wurden in den Straßen der Quartiere Leo-Amann-Platz und Hansemannstraße in
Köln Ehrenfeld am 10. und 11. Juli 2024 durchgeführt. In den Quartieren herrscht das städ-
tebauliche Muster der geschlossenen Bauweise vor; denn an den seitlichen Grundstücks-
grenzen wurden die Gebäude aneinandergebaut. Die an den Fußwegen angrenzende
Blockrandbebauung vermittelt eine urbane Atmosphäre. Dadurch ergeben sich engere Stra-
ßenquerschnitte einerseits in den Wohnstraßen des Quartiers Hansemannstraße – wie z.B.
in der Stamm-, Glas-, Philipp- und Hansemannstraße – und andererseits des Quartiers Leo-
Amann-Platz – wie z.B. Schönstein-, Marien- oder auch Senefelder Straße . Bei dieser Form
der räumlichen Anordnung sind Fenster von Wohn- und Aufenthaltsräumen überwiegend
auf den Fußweg und die Straße ausgerichtet. In der straßenbegleitenden Bebauung sind zu-
gleich die Grenzen zwischen halböffentlichen und öffentlichen Bereichen gut erkennbar.
Deshalb wurden in der Dimension „Räumliche An-/Zuordnung, gestalterische
Klarheit“ die Anforderung vollständig oder nahezu vollständig erfüllt (vgl. Tabelle 25).
In der Dimension „Aufenthaltsqualitäten im Freiraum“ wurden die Anforderungen
des Audits teilweise bis gar nicht erfüllt. Deshalb gab es in dieser Dimension die insgesamt
schwächste Bewertung. In einigen Straßen scheinen solche Orte des Aufenthalts und der
nachbarlichen Begegnung gar nicht vorgesehen zu sein. Es gibt nur wenige einladende und
leicht zugängliche Aufenthaltsorte, die nicht den Charakter eines Angstraumes aufweisen
und ausreichend sozial kontrolliert sind – exemplarisch können der Leo-Amann-Park, der
Gerhard-Wilczek-Platz und der Spielplatz in der Glasstraße hervorgehoben werden. Dort
machten die Ausstattungsgegenstände einen robusten Eindruck. Im unmittelbaren Umfeld
des Bahnhofs Ehrenfeld traf das nicht zu. Auch der Spielplatz zwischen der Hansemann-
und der Philippstraße machte einen ungepflegten, vernachlässigten Eindruck. Die Spuren
des Drogenkonsums wurden dort über mehrere Tage nicht beseitigt.
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 189
Tabelle 25: Audits der städtebaulichen Kriminalprävention in den Ehrenfelder Veedel Leo-Amann-
Park und Hansemannstraße
Straßen in den ausgewählten Quartieren von Köln
Ehrenfeld
Räuml. An-/Zuordnung, ge-
stalterische Klarheit
Aufenthaltsqualitäten im
Freiraum
Orientierung, Transparenz,
Sichtachsen, Wegeführung
Abstellmöglichkeiten, Möb-
lierung
Beleuchtungssituation am
späten Abend
Quartier Leo-Amann-Park
Bartholomäus-Schink-Straße 2,3 3,0 4,0 2,5 2,8
Nördliches Umfeld Bahnhof 3,0 1,0 3,4 4,0 3,3
Christianstraße 4,3 3,0 4,2 3,5 4,2
Heliosstraße 3,7 1,0 3,3 3,3 2,6
Herbrandstraße 4,3 3,0 4,2 3,5 3,6
Leo-Amann-Park 4,0 5,0 5,0 3,5 - - -
Marienstraße 5,0 - - - 3,6 3,7 4,0
Senefelder Straße 5,0 - - - 3,6 3,7 4,0
Schönsteinstraße 4,3 3,0 4,4 3,3 4,0
Insgesamt 4,0 2,7 4,0 3,4 3,6
Quartier Hansemannstraße
Stammstraße 5,0 1,0 4,2 3,7 4,0
Südöstliches Umfeld Bahnhof/ Gerhard-Wilczek-Platz 3,0 4,0 3,5 4,0 4,0
Glasstraße 5,0 3,3 4,6 3,7 4,0
Gravenreuthstraß e 4,5 - - - 4,4 3,3 4,0
Hansemannstraße 4,7 2,3 4,6 3,7 4,0
Hüttenstraße 3,0 1,0 3,2 2,3 4,0
Ottostraße 3,7 3,0 4,8 4,0 - - -
Philippstraße 4,7 2,3 4,6 3,7 4,0
Insgesamt 4,2 2,4 4,2 3,6 4,0
Belebte Verbindungsachsen
Venloer Straße 4,5 4,0 4,3 3,2 3,8
Ehrenfeldgürtel 3,0 1,0 4,0 3,5 3,8
Subbelrather Straße 5,0 - - - 3,5 3,3 3,8
Vogelsanger Straße 4,0 1,0 3,7 3,3 2,4
Insgesamt 4,1 2,0 3,9 3,3 3,5
Bewertungsspektrum: Vollständige Erfüllung der Anforderung: 5 Punkte; nahezu vollständige Erfüllung der Anforderung: 4 Punkte;
teilweise Erfüllung der Anforderung: 3 Punkte; geringe Erfüllung der Anforderung: 2 Punkte; Anforderung nicht erfüllt: 1 Punk t
Eigene Erhebungen im Juli 2024
In der Dimension „Abstellmöglichkeiten“ wurden die Anforderungen teilweise erfüllt.
Generell waren nicht in ausreichendem Maß Gelegenheiten zum Abstellen des Fahrrads
verfügbar und die vorgefundene Situation von abgestellten Fahrrädern war nicht immer or-
dentlich.
MaKoS
Verfahren und Erprobung 190
Durch das orthogonale Straßenraster in Verbindung mit der Blockrandbebauung ist der
Raum gut zu verstehen. In der Dimension „Orientierung, Transparenz, Sichtachsen
und Wegeführung“ wurde deshalb eine gute Bewertung erreicht: In den meisten räumli-
chen Situation werden die Anforderungen nahezu vollständig erreicht. Die Straßen bieten
lange Sichtachsen und geben eine gute Orientierung.
Deutlich schlechter wurden die Orientierung und Wegeführung im Umfeld des Ehrenfelder
Bahnhofs bewertet. Das Auffinden der Richtungen – insbesondere zwischen den Bahnstei-
gen der Deutschen Bahn (DB) und zwischen den ober- und unterirdischen Haltepunkten Ven-
loer Straße/ Gürtel der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) – wird nicht hinreichend mit Hinwei-
sen unterstützt. Die Darstellung der KVB im Internet verdeutlicht, über wie viele Schnittstel-
len der ÖPNV im Umfeld des Bahnhofs Ehrenfeld verfügt (vgl. Abbildung 45). Fremde Besu-
cher müssen sich durchfragen: So wurde ein Interviewer bei der Passantenbefragung von
Gästen aus Kassel nach dem Weg gefragt.
Quelle: https://www.kvb.koeln/haltestellen/download/lageplan/VSG_Lplan_Venloer_Str_Guertel_U_Bf.pdf [07.08.2024]
Abbildung 45: Schnittstellen des Bahnhofsdreiecks zwischen DB-Bahnhof Ehrenfeld und den beiden
KVB-Stationen Venloer Straße/Gürtel
Einige der bewerteten Raumsituationen werden im Folgenden näher betrachtet und visu-
ell veranschaulicht. Zuerst werden die Umfelder der beiden Hotspots der Straßen-
kriminalität im Bereich (1) der östlichen Aus-- und Eingänge in die Stammstraße mit dem
Gerhard-Wilczek-Platz sowie zum Ehrenfeldgürtel und (2) der westlichen Aus-- und Ein-
gänge des Bahnhofs Ehrenfeld zur Venloer Straße sowie in die Bartholomäus-Schink-Straße
betrachtet:
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 191
• Die Schnittstellen des ÖPNV zwischen dem Bahnhof, der U-Bahn und der Gürtel-
bahn weisen einige Stärken auf, aber auch Schwächen, die Kriminalitätsfurcht auslö-
sen können. So war der Zugang über die Rolltreppe von der Venloer Straße meh-
rere Tage defekt und verschmutzt (vgl. Abbildung 46).
Abbildung 46: U-Bahnstation Venloer Straße/Gürtel – über mehrere Tage defekte und verunreinigte
Rolltreppe, aber transparente Sichtachsen mit guter Orientierung
MaKoS
Verfahren und Erprobung 192
• Die Sichtachsen in der U-Bahnstation Venloer Straße/Gürtel bieten eine gute Ori-
entierung. Die Verbindungen zwischen dem DB-Bahnhof und den KVB-Anschlüssen
blieben jedoch unscharf (vgl. Abbildung 47) – die unklaren Übergänge k önnen Kri-
minalitätsfurcht auslösen, wenn das Zusammenspiel der verschiedenen Haltepunkte
nicht von vorneherein bekannt ist und die Suche nach dem richtigen Anschluss Ner-
vosität auslöst (vgl. Abbildung 46 und 47).
Abbildung 47: Orientierungshinweise für den Weg zur U-Bahn und zum Kölner Busnetz auf den
Bahnsteigen des Bahnhofs Ehrenfeld
• Der Bahnhof Ehrenfeld verfügt über jeweils zwei Ausgänge auf der östlichen und
der westlichen Seite der Bahnsteige. Der Standort des südöstlichen Ausgangs
liegt an der Stammstraße und neben dem Gerhard-Wilczek-Platz (vgl. Abbildung
48). Die Ausgangssituation wird auf der einen Seite durch Müllcontainer versperrt,
und auf der anderen Seite befinden sich große Fahrradabstellbereiche, durch die
eine schmale Gasse in Richtung der Stamm-, Glas- und Hansemannstraße führt. Beim
Audit fehlten Hinweise für ortsunkundige Besucher, wohin die verschiedenen Wege-
möglichkeiten führen.
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 193
Abbildung 48: Südöstlicher Ausgang des Bahnhofs Ehrenfeld zur Stammstraße und zum Gerhard -
Wilczek-Platz
• Auf der anderen, nördlichen Seite führt der Tunnel über den nordöstlichen Aus-
gang des Bahnhofs Ehrenfeld zur Bus-Haltestelle am Ehrenfeldgürtel und in die
Hüttenstraße (vgl. Abbildung 49). Beim Verlassen des Tunnels sind ebenfalls keine
Hinweise für ortsunkundige Besucher zu finden, in welche Richtung die verschiede-
nen Wege führen. Durch die stark befahrene Straße des Ehrenfeldgürtels wird die
räumliche Situation unübersichtlich. Der Weg nach rechts auf die Hüttenstraße führt
nach wenigen Metern in die vernachlässigte und unordentliche Zone der östlichen
Bahnbögen.
• Den Charakter des Hauptausganges hat der Ausgang auf der südwestlichen
Seite angenommen, an den der Eingang in die U-Bahnstation Venloer Straße/Gür-
tel anschließt (vgl. Abbildung 50). Er wird durch einen farblich betonten und gut be-
leuchteten Kiosk markiert. Die neben dem Eingang zur U-Bahn verbleibende Wege-
fläche zur Venloer Straße und zum dortigen Überweg in die Heliosstraße – er-
scheint angesichts der hohen Frequenzen von Personen, die zum Bahnsteig wollen
oder von dort kommen, relativ eng.
• Die Situation der abgestellten Fahrräder und E-Scooter wirkte unordentlich, störte
aber nicht den Fluss der Ströme von Personen, die auf dem Weg zum ÖPNV -An-
schluss waren oder von dort kamen.
• Die alltäglichen Kunden der DB und der KVB navigierten souverän auf den Wegen.
Aber ortsunkundige Besucher finden auch hier keine Hinweise, wohin die verschiede-
nen Wegemöglichkeiten führen, und müssen sich daher durchfragen.
MaKoS
Verfahren und Erprobung 194
• Vor den Treppenaufgängen zu den Bahnsteigen des Bahnhofs Ehrenfeld gibt
es keine (elektronische) Anzeige, auf welchem Gleis wann welcher Zug ein- und ab-
fährt. Die Gleisangabe muss erst auf traditionellen Fahrplänen in Glaskästen heraus-
gesucht werden – oben auf dem Bahnsteig kann einem passieren, dass angezeigt
wird, der Zug sei auf ein anderes Gleis verlegt worden.
Abbildung 49: Nordöstlicher Ausgang aus dem Bahnhof Ehrenfeld auf die Hüttenstraße und die Bus -
Haltestelle am Ehrenfeldgürtel
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 195
Abbildung 50: Südwestlicher Ausgang des Bahnhofs Ehrenfeld zur Venloer Straße und zur U -Bahn-
station Venloer Straße/Gürtel
• Der Ausgang auf der nordwestlichen Seite führt auf die Bartholomäus-Schink-
Straße (vgl. Abbildung 51). Auf der Seite der Bahnbögen befinden sich neben (pro-
visorisch anmutenden) Biergärten auch die an Wochenenden stark frequentierte Par-
tylocation „Club Bahnhof Ehrenfeld“. Durch die abschottenden Abdeckplanen wirkt
das Gebiet unübersichtlich. Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass
dieser Straßen bereich in den untersuchten Quartieren nach Daten der PKS als ein
Hotspot der Straßenkriminalität angesehen werden kann.
• Der Abstellbereich für Fahrräder machte einen unordentlichen Eindruck.
• Auf der anderen Straßenseite gibt es keine Wohnnutzungen, sondern ebenfalls nur
– nach außen abgeschottete – Biergärten und Foodtrucks wie zum Beispiel die Par-
tylocation von Bumann & Sohn im „Industrial-Style“. Außerdem hat die Caritas Köln
MaKoS
Verfahren und Erprobung 196
dort einen zeilenförmig quer zur Straße gestellten Verwaltungsstandort, dessen Fens-
ter nicht auf die Straße ausgerichtet sind. Dem Bahnhofsausgang liegt ein Spielplatz
gegenüber, der einerseits durch die Wohnbevölkerung in Anspruch genommen wird,
andererseits aber auch ein Aufenthaltsort von Wohnungslosen ist (vgl. Abbildung
52). Die soziale Kontrolle, die von diesem Spielplatz ausgeht, beschränkt sich nach
Beobachtungen auf wenige Stunden am Nachmittag.
Abbildung 51: Nordwestlicher Ausgang des Bahnhofs Ehrenfeld zur Bartholomäus-Schink-Straße
• Die unübersichtliche städtebauliche Struktur der Bartholomäus-Schink-Straße
setzt sich an der Ecke zum Ehrenfeldgürtel fort (vgl. Abbildung 53). Die Brache des
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 197
ehemaligen Postamts wurde im Erdgeschossbereich mit zahlreichen Graffitis und
Tags übersät. Weil dort keine Fenster aus Wohnhäusern auf den Fußweg ausgerich-
tet sind, macht dieser Bereich der Ecke Bartholomäus-Schink-Straße und Ehrenfeld-
gürtel einen unkontrollierten Eindruck.
Abbildung 52: Spielplatz gegenüber dem Ausgang aus dem Bahnhof Ehrenfeld an der Bartholo-
mäus-Schink-Straße Ecke Schönsteinstraße
MaKoS
Verfahren und Erprobung 198
Abbildung 53: Unübersichtliche städtebauliche Struktur auf der Bartholomäus-Schink-Straße und an
der Ecke zum Ehrenfeldgürtel
• Die als Abstellbereich genutzten Bahnbögen an der Ecke der Bartholomäus-Schink-
Straße und d er gegenüberliegende, introvertierte Biergarten sind prädestiniert, bei
Passanten das Gefühl der Kriminalitätsfurcht auszulösen. Ein im öffentlichen Raum
abgestellter Einkaufswagen kann als Signal interpretiert werden, dass an diesem Ort
keine soziale Kontrolle ausgeübt wird.
• Auf der anderen Seite des Ehrenfeldgürtels führt der nordöstliche Ausgang des
Bahnhofs Ehrenfeld in den heruntergekommenen Bereich der Bahnbögen in der
Hüttenstraße (vgl. Abbildung 54). Die sogenannten Bahnbögen werden von der
Deutschen Bahn zwar an die Bahnbögen Köln GmbH verpachtet, aber einige stehen
seit Jahren leer oder wirken durch Nutzungen – wie z.B. einen Schrotthandel – un-
wirtlich. Lediglich der „Afro Shop in den Bahnbögen“ (gegenüber der Einmündung
der Gravenreuthstraße) wurde während des Audits von Kunden frequentiert. Der
Kölner Stadtanzeiger hatte am 15.11 2021 berichtet, dass die Bahnbögen in der
Hüttenstraße undicht seien und weitere bauliche Mängel aufweisen, die eine Nut-
zung praktisch unmöglich machen. Angesichts dieses Missstands und der Ablage von
Metallschrott auf dem Fußweg nutzen Passanten die Hüttenstraße deshalb bevorzugt
über den Weg auf der anderen Straßenseite.
Nach dem Blick ins Umfeld der östlichen Aus-- und Eingänge sowie westlichen Aus-- und Ein-
gänge des Bahnhofs Ehrenfeld, werden im Folgenden Raumsituationen der Venloer
Straße näher betrachtet, visuell veranschaulicht und bewertet. Nach den Daten der PKS ge-
hört auch die Venloer Straße zu den Hotspots der Straßenkriminalität in den bei-
den Quartieren:
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 199
Abbildung 54: Teilweise ungeordnete Situation auf der Hüttenstraße
• Die Venloer Straße bietet nur wenige Möglichkeiten zum Aufenthalt. Wenn
sich Personen beim Zusammentreffen unterhalten wollen, müssen sie sich in Nischen
zurückziehen, weil zwischen dem Fahrradweg, parkenden Fahrrädern und Fußweg
kaum Platz für einen Aufenthalt vorgesehen ist (vgl. Abbildung 55).
• Eine der raren Bänke ist fast immer besetzt – sie befindet sich im Bereich der neuen
Einbahnstraßenregelung und eröffnet gute Blicke auf das rege Geschehen in der
Venloer Straße (vgl. Abbildung 55).
MaKoS
Verfahren und Erprobung 200
• Um das Fehlen von Sitzgelegenheiten zu kompensieren, haben engagierte Bürger
sogenannte Wanderbäume an der Venloer Straße in einer Parknische aufgestellt
(vgl. Abbildung 55).
Abbildung 55: Bedarf an Aufenthaltsmöglichkeiten in der Venloer Straße – teilweise kompensiert
mit dem Aufstellen von Wanderbäumen durch bürgerschaftliches Engagement
• Im Unterschied zu Stadtteilen wie Köln Kalk weist Ehrenfeld eine hohe Fahrrad-
dichte auf: Auf den Fahrradwegen herrschte an den Tagen der vertiefenden Erhe-
bungen ein dichter Fahrradverkehr und die Abstellbereiche waren so überfüllt, dass
die Interviewer keine Stellplätze für ihre Räder fanden.
• Die Einbahnstraßenregelung auf einem Abschnitt der Venloer Straße hat zu ei-
ner entspannten Verkehrssituation beigetragen, weil der Fahrradverkehr nicht
mehr über die engen Radwege am Rand der belebten Fußwege und zwischen unor-
dentlich abgestellten Fahrrädern hindurchgeführt wird (vgl. Abbildung 55, 56).
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 201
Abbildung 56: Reger Fahrradverkehr in der Venloer Straße – Mangel an einer ausreichenden Zahl
von Abstellplätzen für Fahrräder
Abbildung 57: Hohe Quote defekter Fahrräder auf den Abstellplätzen im Bahnhof und in der Ven-
loer Straße
MaKoS
Verfahren und Erprobung 202
• Etwas verwirrend war, dass auf der Venloer Straße eine (ungenutzte) Stellfläche
für E-Scooter ausgewiesen wurde, obwohl das Abstellen von E-Scootern auf der
Venloer Straße verboten sein soll , wie Passanten erklärten (vgl. Abbildung 56).
• Eine Überprüfung der Fahrräder, die im Ausgangstunnel und im Umfeld des Bahn-
hofs abgestellt waren, ergab, dass rund jedes fünfte Fahrrad defekt war. Diese
Räder waren schon länger nicht bewegt worden, wie anhand der dicken Staub-
schicht auf dem Sattel abgelesen werden konnte (vgl. Abbildung 57). Angesichts der
sehr großen Zahl abgestellter Räder scheint es nicht einfach zu sein, das Abstellen
von Schrotträdern zu sanktionieren.
• Die Fahrradservicestation im Außenbereich des Gerhard-Wilczek-Platzes wurde
zerstört. Die Luftpumpe und die Werkzeuge, die an Drahtseilen befestigt waren,
wurden gestohlen (vgl. Abbildung 57).
Abbildung 58: Auf den Kraftfahrzeugverkehr fokussierte Hinweisschilder auf der Venloer Straße
• Die Hinweisschilder auf der Venloer Straße, aber auch in den anderen Straßen
der beiden Quartiere sind auf den Verkehr der Kraftfahrzeuge fokussiert. Lediglich
im Umfeld des U-Bahnhofs Venloer Straße/Gürtel sind auch Hinweise der KVB für
Fußgänger zu finden, die auf einen Eingang in die U-Bahnstation aufmerksam ma-
chen (vgl. Abbildung 58).
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 203
• Die Tunnel der östlichen und westlichen Ausgänge des Bahnhofs Ehren-
feld werden sowohl von Fußgängern als auch vom Fahrradverkehr genutzt. Die
Verhaltenshinweise, wie die Durchquerung des Tunnels erfolgen soll, sind kaum
noch wahrzunehmen (vgl. Abbildung 58).
Abbildung 59: Geringe soziale Kontrolle aus der straßenbegleitenden Bebauung in der Helios-
straße – kaum Fenster auf dem Erdgeschossniveau
• Über d ie Heliosstraße sucht am Wochenende ein großer Strom junger Menschen
einige der hochfrequentierten Partylocations auf. Solche Anlaufpunkte sind zum Bei-
spiel: „Helios37“ im Heliosviertel sowie die „Live Music Hall“ und der „Sonic Ball-
room“ in der Lichtstraße. Der Weg vom Bahnhof und von der U-Bahnstation führt
durch die Heliosstraße, deren Gewerbe- und Industriebauten den Nachteil haben,
MaKoS
Verfahren und Erprobung 204
dass im Erdgeschoss kaum Fenster auf die Straße ausgerichtet sind (vgl. Abbildung
59). Folglich ist dort nur eine geringe informelle soziale Kontrolle ausgeprägt,
so dass sensible Personen dort am Abend affektive Kriminalitätsfurcht verspüren kön-
nen.
Abbildung 60: Nachbarschaftlicher Wohnbereich in der Stammstraße
Den hochfrequentierten Orten des Bahnhofsdreiecks und der Venloer Straße stehen Wohn-
straßen gegenüber , in denen andere Raumsituationen vorgefunden wurden. Nach den
Daten der PKS wurden im Jahr 2023 dort nur wenige Straftaten der Straßenkriminalität re-
gistriert. Visuell dokumentiert werden nur einige Straßen: die Hansemann-, Stamm-, Glas-
und Philippstraße im Hansemann -Quartier und die Marienstraße und Senefelder Straße im
Quartier Leo-Amann-Park. Die Aussagen inkludieren aber auch die anderen Straßen wie
die Gravenreuthstraße und die Schönstein - und Christianstraße.
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 205
Abbildung 61: Nachbarschaftlicher Wohnbereich in der Glasstraße
• Die Wohnstraß en weisen einen engen Querschnitt auf. Durch das Prinzip der
Straßenrandbebauung sind die Fenster auf den Straßenraum ausgerichtet und
die punktuelle Nutzungsmischung trägt dazu bei, dass eine informelle soziale
Kontrolle auch aus den Läden im Erdgeschoss erfolgt. Als Folge einer Zonierung
sind die Markierungen von Flächen für den ruhenden Kfz-Verkehr und für das
Abstellen von Fahrrädern gut zu erkennen (vgl. Abbildung 60, 61, 62, 63).
• An der Ecke der Stammstraße/Glasstraße öffnet sich das „Goldmund Literatur Café“
in den öffentlichen Raum, so dass die informelle soziale Kontrolle bis auf den
Gerhard-Wilczek-Platz ausstrahlt. Ein Wollladen für den Strickbedarf stellte in der
Stammstraße Sitzgelegenheiten in den öffentlichen Raum, was nachbarliches Ver-
trauen widerspiegelt (vgl. Abbildung 60). Vor der „Kaffeebud“ in der Glasstraße
trafen sich Nachbarn und vermittelten den Auditoren, dass man in der Straße gegen-
seitig auf sich achte (vgl. Abbildung 61).
• Ambivalent sind die Poller auf den Fußwegen einzuordnen: Sie verhindern
zwar, dass dort Kraftfahrzeuge abgestellt werden, aber sie beeinträchtigen auch
den Fußgängerverkehr (vgl. Abbildung 60). Dadurch wird die Mindestbreite von
straßenbegleitende n Gehwegen – das sind: 2,50 Meter gemäß RASt (Richtlinien für
die Anlage von Stadtstraßen) – nicht erfüllt. Wenn zwei Fußgänger nebeneinander
MaKoS
Verfahren und Erprobung 206
gehen oder sich begegnen, muss eine Person auf die sehr schmale Seite am Straßen-
rand ausweichen.
• Auf der Hansemannstraße gibt es Abschnitte mit traditionellen Gewerbearealen. Vor
diesen abgeschotteten Parzellen ist die informelle soziale Kontrolle des Straßen-
raums eingeschränkt (vgl. Abbildung 62).
• Während des Audits der städtebaulichen Kriminalprävention fiel das hohe Maß an
Graffitis und Graffiti Tags an den Hauswänden auf (vgl. Abbildung 60). Zur
Vorbeugung haben einige Eigentümer den Erdgeschossbereich von professionellen
Graffitikünstlern gestalten lassen, weil auf solchen Flächen keine Tags – in der Ge-
stalt schnell aufgespritzter Buchstaben – hinterlassen werden (vgl. Abbildung 62,
63).
Abbildung 62: Nachbarschaft von Wohn- und Gewerbenutzungen in der Hansemannstraße
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 207
Abbildung 63: Nachbarschaftlicher Wohnbereich in der Philippstraße
• Vereinzelt wurden Zeichen bürgerschaftlichen Engagements beobachtet: So
wurden in der Philippstraße Baumscheiben entdeckt, die von Straßenbewohnern be-
pflanzt wurden und gepflegt werden (vgl. Abbildung 63).
• Ähnlich stellt sich die Situation in der Marienstraße und in der Senefelder Straße
dar. Auch dort fällt der Straßenquerschnitt eng aus, und wegen der Straßenrandbe-
bauung wenden sich die Fenster dem Straßenraum zu. Allerdings gibt es mehr Ab-
stellbereiche für Pkw und weniger für Fahrräder (vgl. Abbildung 64). Das Taggen
von Farbzeichen ist dort genauso verbreitet wie auf der anderen Seite der Venloer
Straße.
MaKoS
Verfahren und Erprobung 208
Abbildung 64: Die Wohnstraßen Marienstraße und Senefelder Straße
• Ein gutes nachbarliches Miteinander wünschen sich alle Bewohner in den un-
tersuchten Straßen. Die Auditoren kamen häufig mit Personen ins Gespräch, die vor
dem Haus oder vor einem Café saßen. Mehrfach wurde gewünscht, dass sich die so-
ziale Kohäsion auf der Straße weiterentwickeln soll e. Als Referenzbeispiel wurde
das Engagement der Bewohnerschaft im öffentlichen Raum der Körner-
straße genannt – „so müsste es bei uns auch sein“, war eine typische Anmerkung
(vgl. Abbildung 65).
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 209
• Das gemeinsame Feiern von Straßenfesten, die künstlerische Gestaltung sowie die
Gartenpflege von Baumscheiben und das Aufstellen von Wanderbäumen, was in der
Körnerstraße verbreitet ist, wünschen sich viele auch für ihre Nachbarschaft.
Abbildung 65: Körnerstraße als idealtypisches Referenzbeispiel
MaKoS
Verfahren und Erprobung 210
Abbildung 66: Initiative des PhotoBookMuseums in der Körnerstraße
Abbildung 67: Herbrandstraße
• Die einzigartige Qualität des öffentlichen Raumes in der Körnerstraße resultiert auch
aus dem Konzept des PhotoBookMuseums – es beinhaltet die Präsentation histo-
rischer Portraits aus Kölner Photoateliers als „Streetshow“ an den Hauswänden über
ca. 800 Meter (vgl. Abbildung 66). Im Internet-Auftritt heißt es dazu: „ The Pho-
toBookMuseum wurde 2014 in Köln gegründet. [...] Als Museum des 21. Jahrhun-
derts versteht es sich als lebendiger, sozialer Ort, der einem breiten Publikum offen-
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 211
steht. Bisher ohne festes Haus nutzt es innovative mobile Vermittlungs- und Ausstel-
lungsstrategien und lädt fernab des musealen Mainstreams international zur Partizi-
pation ein“ (Quelle: https://www.thephotobookmuseum.com/de/).
Darüber hinaus wurden Raumsituationen vorgefunden, die nicht so positiv eingeschätzt
werden konnten wie die genannten Wohnstraßen:
• In der Herbrandstraße dominieren Standorte des Jugendhilfe Köln e.V. – die Ge-
bäude haben ein fensterloses Gewerbedesign (vgl. Abbildung 67). Die Gebäude ei-
nes Kinos und weiterer Gewerbeunternehmen besitzen keinen Kontakt zur Straße,
so dass dieser Straßenzug – vor allem am Abend – den Charakter eines Angst-
raumes besitzt.
• Der Vorplatz des St. Franziskus-Hospitals am Ende der Schönsteinstraße ist
ein 24-7-Ort. Sowohl während des Tagesaudits als auch während des nächtlichen
Beleuchtungsaudits war dieser Bereich sehr belebt. An einem derart intensiv genutz-
ten Ort fällt besonders viel Müll an. Leider war er auch am Folgetag noch nicht
beseitigt worden (vgl. Abbildung 68).
Abbildung 68: Vorplatz des St. Franziskus Hospitals
• Auf dem Spielplatz zwischen der Hansemann- und Philippstraße wurden
an mehreren Tagen Verunreinigungen durch Drogenkonsum vorgefunden
(vgl. Abbildung 69). Auch die Grünflächen des Spielplatzes machten einen verwahr-
MaKoS
Verfahren und Erprobung 212
losten Eindruck, weil in der Vegetationsperiode wahrscheinlich keine Grünflächen-
pflege stattgefunden hatte. Bei Besuchen an mehreren Tagen wurden niemals Eltern
mit Kindern angetroffen – sie meiden diesen Ort, wie eine Mutter anmerkte.
Abbildung 69: Verunreinigter Spielplatz zwischen Philipp- und Hansemannstraße
• Ein positives Gegenbeispiel stellt der Spielplatz an der Glasstraße dar, des-
sen Standort sich nur ca. 150 Meter weiter östlich befindet. Bei jedem Besuch an ver-
schiedenen Tagen wurden viele Eltern und Kinder angetroffen (vgl. Abbildung 70).
Die besondere Qualität liegt darin, dass es ein betreuter Platz ist. Der ehrenamtli-
che Spielplatzpate Antonio Pizzuli, dem die Kölner Oberbürgermeisterin Hen-
riette Reker im Jahr 2017 eine Dankes- und Anerkennungsurkunde für bürgerschaftli-
ches Engagement überreicht hatte, kümmert sich auch um die Ordnung auf dem
Platz. Die Urkunde hängt mit anderen Informationen in einem Schaukasten, dessen
Glas bisher noch nicht durch Vandalismus zerstört wurde. Herr Pizzuli führt das da-
rauf zurück, dass er auch mit den Jugendlichen im Quartier im Kontakt stehe.
• Der Spielplatz hat den Charakter eines „Offenen Spielplatztreffs“; d.h. er ist
mit Spielmaterialien ausgestattet, die an Eltern und Kinder verliehen werden. Im
Spielhaus befindet sich auch eine Toilette, die Herr Pizzuli bei Bedarf für die Eltern
und Kinder aufschließt. Die Eltern aus dem Quartier der Hansemannstraße verehren
den Spielplatzpaten sehr, was die hohen Besucherzahlen unterstreichen.
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 213
Abbildung 70: Beliebter Spielplatz an der Glasstraße
• Im benachbarten Quartier wird der Leo-Amann-Park ebenfalls sehr gut angenom-
men. An einem sonnigen Nachmittag wurden viele Besucher gezählt, die unter-
schiedlichen Neigungen nachgingen (vgl. Abbildung 71). Durch den räumlichen An-
schluss an das Bürgerzentrum Ehrenfeld und die Terrasse des Cafés im Bürger-
zentrum ist eine hinreichende informelle soziale Kontrolle gewährleistet.
MaKoS
Verfahren und Erprobung 214
• Es soll aber auch hintere Ecken geben, wo sich nach Aussagen von Passanten, Dro-
gendealer treffen. Wenn die PKS-Daten von 2023 herangezogen werden, lassen
sich keine Anhaltspunkte finden, die solche Aussagen unterstützen.
Abbildung 71: Viele Nutzer am Nachmittag im Leo-Amann-Park
Ergebnisse des Beleuchtungsaudits in der Nacht
Das Beleuchtungsaudit in den Straßen der Ehrenfelder Quartiere Hansemannstraße und
Leo-Amann-Park fand am späten Abend des 10. und 11. Juli 2024 zwischen 22:00 und
23:45 Uhr statt. Bewertet wurde, ob die vorauslaufenden Wege und Straßen durch die
Lichtführung gut erkennbar sind, ob der Lichteinfall durch Baumkronen nicht einge-
schränkt wird, ob die Wahrnehmung des Gesichtsausdrucks entgegenkommen-
der Passanten in einer Entfernung von 20 bis 10 Meter erkennbar und in einer Entfer-
nung von 10 bis 5 Meter detailscharf wahrzunehmen ist. Darüber hinaus wurde darauf ge-
achtet, ob Abstellbereiche für Fahrräder beleuchtet sind, ob die Beleuchtungssituation an
Haltestellen des ÖPNV als angenehm ein zuschätzen ist und öffentliche Plätze gut ausge-
leuchtet werden.
Im Folgenden werden die wichtigsten Ergebnisse skizziert:
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 215
• Der vorauslaufende Weg und die Straße war en in den meisten untersuchten Straßen
durch die Lichtführung gut erkennbar.
Abbildung 72: Auf die Straße konzentrierte Beleuchtung in der Unterführung der Venloer Straße
• In der Passantenbefragung wurde die Unterführung der Venloer Straße als ein
Ort genannt, der eher gemieden wird. Das Beleuchtungsaudit lieferte eine mögliche
Erklärung dafür: Weil die vier Leuchtmittel über der Straße platziert wurden, fällt der
Lichtschein vorwiegend auf die Venloer Straße . Nur wenig Licht erreicht die Fuß-
wege an den Rändern (vgl. Abbildung 72).
• Das unmittelbare Umfeld am nordwestlichen Ausgang des Bahnhofs Ehren-
feld erfüllte nicht die Anforderungen des Beleuchtungsaudits (vgl. Abbildung 73 und
74). Beim Heraustreten aus dem hell erleuchteten Tunnel des Bahnhofs muss ein
dunkler Abschnitt – vorbei an Fahrradabstellplätzen – durchschritten werden. Die
nächste Straßenlampe befindet sich erst am Zebrastreifen der Bartholomäus-Schink-
Straße. Der Kontrast des Übergangs vom gut beleuchteten Bahnhofs tunnel der DB in
den öffentlichen Raum der Bartholomäus-Schink-Straße ist nicht anforderungsgerecht.
Es wäre wünschenswert, dass der Übergangsbereich lichttechnisch besser abgestuft
wird.
• Wer von dort in die Schönsteinstraße gehen möchte, findet in dieser Straße eine
Beleuchtung durch Bogenlampen vor. Sie neigen sich in den Straßenraum, beleuch-
ten aber auch die Fußwege in hinreichend er Weise.
MaKoS
Verfahren und Erprobung 216
• Wer jedoch weiter auf der Bartholomäus-Schink-Straße unterwegs ist, trifft auf
eine Beleuchtung, die keine gute Lichtführung auf den vorauslaufenden Weg bietet
(vgl. Abbildung 74). Die Partylocations an den Rändern der Straße werden innen,
aber nicht außen beleuchtet. Lediglich die Lampe am Eingang des Caritas -Standortes
strahlt auch auf den Fußweg. Befragte haben die Bartholomäus-Schink-Straße im
Rahmen der Passantenbefragung als einen Ort bezeichnet, den sie eher meiden.
Abbildung 73: Beleuchtungssituation am nordwestlichen Bahnhofsausgang auf die Bartholomäus-
Schink-Straße
• Die gute Ausleuchtung am südwestlichen Ausgang des Bahnhofs Ehrenfeld
resultiert aus den privaten Lichtquellen des Kiosks und der Läden im Erdgeschossbe-
reich (vgl. Abbildung 75). Die reine Wegführung durch die öffentlichen Laternen
weist demgegenüber nicht das Format auf, das ein so stark frequentierter Bereich er-
fordert. So könnten an der Wand der Bahnbögen, die dem Abgang in die U-Bahn-
station gegenüberliegt, mehr Lichtquellen installiert werden, um den Weg lichttech-
nisch besser zu markieren. Auf dem weiteren Weg vom südwestlichen Ausgang
des Bahnhofs Ehrenfeld zur Venloer Straße folgt ein Straßenabschnitt, in de m die
Laternen durch das Blattgrün der Baumkronen verdeckt wurden (vgl. Abbildung 75).
Dadurch bilden sich Schattenbereiche, in denen entgegenkommende Personen nicht
im erforderlichen Maße wahrgenommen werden konnten. Weil sich der Standort
der Lampen auf derselben Seite wie die Bäume befindet, deren Baumkronen die
Lichtquelle teilweise verdecken, kommt es zu einer Konkurrenzsituation mit den al-
ten, sehr hoch gewachsenen Bäumen.
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 217
Abbildung 74: Beleuchtungssituation auf der Bartholomäus-Schink-Straße
Abbildung 75: Beleuchtungssituation am südwestlichen Bahnhofsausgang auf die Venloer Straße
MaKoS
Verfahren und Erprobung 218
• Allerdings betrifft das nicht die gesamte Venloer Straße. In dem Bereich vor der
Kreuzung der Venloer Straße mit dem Ehrenfeldgürtel wird der Lichteinfall
der hohen Straßenlaternen nicht gestört (vgl. Abbildung 76). Der Bereich der Fuß-
wege profitiert vor allem von der Beleuchtung der Schaufenster und Werbetafeln
von privaten Geschäftsleuten.
Abbildung 76: Beleuchtungssituation auf der Venloer Straße vor der Kreuzung mit dem Ehrenfeld-
gürtel
• Die östlichen Ausgänge des Bahnhofs Ehrenfeld weisen eine ähnliche Proble-
matik auf wie der nordwestliche Ausgang auf die Bartholomäus-Schink-Straße (vgl.
Abbildung 77). Auf beiden Seiten fehlen Lichtquellen, die weitere Wege ins Quartier
lichttechnisch anzeigen. Der Kontrast des Übergangs vom gut beleuchteten Bahn-
hofstunnel der DB in den öffentlichen Raum entsteht durch ein lichttechnisch reduzier-
tes Angebot. An den Außenwänden des Ausgangs zum Gerhard -Wilczek-Platz befin-
den sich zwei Leuchtmittel: Ihr Lichtkegel reicht nur bis zu dem großen, alten Baum,
der davorsteht; auf dem Weg nach rechts versperren Müllcontainer den nicht direkt
beleuchteten Weg, und der Fahrradabstellbereich hinter dem Baum wird von hohen
Straßenlaternen beleuchtet, wie sie auf Parkplätzen für den ruhenden Kfz -Verkehr
üblich sind.
• Auf der anderen, nordöstlichen Seite schließt an den Ausgang der Ehrenfeldgürtel
mit der gut beleuchteten Bushaltestelle an. Der Weg nach rechts in die Hütten-
straße wird lichttechnisch allerdings nicht markiert.
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 219
Abbildung 77: Beleuchtungssituation der östlichen Bahnhofsausgänge auf den Gerhard-Wilczek-
Platz und zur Bushaltestelle am Ehrenfeldgürtel
• Positiv wurde die Beleuchtungssituation in den Wohnstraßen bewertet, weil
die Bogen- und LED-Lampen die Fußwege kaum durch das Blattgrün der Bäume ver-
schatteten. Hier werden als exemplarische Belege Fotographien der Philipp-, Glas-
, Stamm- und Hansemannstraße sowie der Marien- und Senefelder
Straße aufgeführt (vgl. Abbildung 78, 79, 80). Die Situation auf der Christian-
straße stellte sich ähnlich dar. Das Gesicht entgegenkommender Passanten war bis
auf wenige Ausnahmen gut zu erkennen. In diesen Wohnstraßen wurden die Anfor-
derungen an die Beleuchtungssituation deshalb nahezu vollständig erfüllt.
MaKoS
Verfahren und Erprobung 220
Abbildung 78: Beleuchtungssituation auf der Philippstraße
Abbildung 79: Beleuchtungssituation auf der Glas-, Stamm- und Hansemannstraße
• In der Heliosstraße wurden die Anforderungen demgegenüber nur in geringem
Maße erfüllt (vgl. Abbildung 81). In einigen Abschnitten der Straße verschattete das
Blattgrün der Bäume den Gehweg. Der Gesichtseindruck entgegenkommender Pas-
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 221
santen konnte nicht im erforderlichen Maße wahrgenommen werden. Das ist inso-
fern problematisch, weil das Feierpublikum an den Wochenenden über die Helios-
und Lichtstraße beliebte Party -Orte aufsucht, und keine informelle soziale Kontrolle
wegen fehlender Fenster im Erdgeschoss, aber auch wegen des Fehlens von Wohn-
bevölkerung in diesem Areal zu erwarten ist.
• Wenn die hohen Straßenlaternen von Baumkronen überdeckt werden , fällt kaum
Licht auf den Fußweg – insbesondere auf der anderen Straßenseite. Die Spielräume,
die Lichtsituation in den Straßen zu verändern, sind nur gering. Das Kölner Amt für
Verkehrsmanagement und öffentliche Beleuchtung macht darauf aufmerksam, dass
sich die Höhe der Lichtmasten an den Straßengegebenheiten orientieren und den ge-
samten Straßenraum (Fußwege und Straßen) beleuchten muss. Der Einsatz von nied-
rigeren Leuchten stellt nicht die DIN-gerechte Ausleuchtung des gesamten Straßen-
raumes sicher.
Abbildung 80: Beleuchtungssituation auf der Marien- und Senefelder Straße
Abbildung 81: Verschattung des Lichteinfalls auf der Heliosstraße
MaKoS
Verfahren und Erprobung 222
• Auch die Beleuchtungssituation in der Hüttenstraße blieb hinter den Erwartungen
zurück (vgl. Abbildung 82). Die LED-Lampen an der Häuserfront, beleuchteten den
Fußweg, auf dem sie platziert wurden, und die angrenzende Straße zwar hinrei-
chend. Aber an den Bahnbögen auf der anderen Straßenseite gibt es keine Leucht-
mittel. Da dort regelmäßig kleine Lkw und Lieferwagen abgestellt werden und zu-
dem Schrottartikel auf dem Fußweg gelagert werden, w urde der Weg teilweise von
den großen Fahrzeugen verschattet und war angesichts der dort wild gelagerten Ar-
tikel nicht barrierefrei. In der Passantenbefragung wurde mehrfach angegeben, dass
dieser Weg lieber gemieden wird.
Abbildung 82: Beleuchtungssituation in der Hüttenstraße
Abbildung 83: Herbrandstraße
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 223
• Als problematisch wurde auch die Beleuchtungssituation in der Herbrandstraße
eingeordnet. Abgesehen von dem vorderen Teil, der in die Venloer Straße mündet,
prägen überwiegend fensterlose Gewerbebauten oder introvertierte Freizeiteinrich-
tungen (Rückseite des Kinos „Cine Nova“ und Biergarten „Herbrands“) das Straßen-
bild (vgl. Abbildung 83). Der Straßenverlauf wird hinreichend beleuchtet, aber es
gibt keine Randnutzungen, von denen eine informelle soziale Kontrolle ausgeht.
Man ist auf dieser Straße abends als Fußgänger überwiegend allein und einen Hilfe-
ruf würde niemand hören, weil es im unteren Bereich der Straße keine Wohnbevöl-
kerung gibt.
Abbildung 84: Defekte Lampen im Umfeld des Rathauses Ehrenfeld
• In der Nachbarschaft der Herbrandstraße befindet sich der Rathausplatz des Be-
zirksrathauses Ehrenfeld. Die Beleuchtungssituation erfüllte die Anforderungen
des Audits. Allerdings wurden im Umfeld auch defekte Straßenlaternen festgestellt –
MaKoS
Verfahren und Erprobung 224
sie befanden sich im Eingangsbereich zum Platz und am Parkplatz auf der Rückseite
des Bezirksrathauses (vgl. Abbildung 84).
• Ein Handlungsbedarf, die Beleuchtungssituation zu verbessern, wurde auf der Vo-
gelsanger Straße festgestellt. Die Beleuchtung der Straße ist gegenwärtig auf den
Kfz-Verkehr fokussiert und weist eine entsprechende Bestückung mit hohen Straßen-
laternen auf (vgl. Abbildung 85).
• Nach Fertigstellung des Neubaus der Heliosschule müssen die Wegeführung
und die Beleuchtung in besonderer Weise auf die Perspektiven von Schülerin-
nen und Schüler zugeschnitten werden, die in den Morgenstunden der dunklen
Jahreszeit zu Fuß unterwegs sind oder mit dem Fahrrad kommen.
Abbildung 85: Bedarf der Neustrukturierung des Beleuchtungskonzepts auf der Vogelsanger Straße
Abschließend werden die großen Verkehrsachsen des Gürtels und der Subbelrather
Straße in den Blick genommen.
• Die Beleuchtung der Verkehrsachsen, die verschiedene Stadtteile in Köln verbin-
den, ist auf den Strom des Kfz-Verkehrs ausgerichtet; die hohen Straßenlaternen hel-
len den Straßenraum hinreichend auf (vgl. Abbildung 86). Der Lichteinfall auf den
Fußweg reicht aus, um sich zu orientieren und entgegenkommende Personen wahr-
zunehmen.
• Im Bereich der KVB-Haltestelle auf dem Gürtel werden die Anforderungen des
Beleuchtungsaudits vollständig erfüllt (vgl. Abbildung 86). Die kleinformatigen Lam-
pen an den Rändern der Haltestelle nehmen die menschliche Maßstäblichkeit de r
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 225
Fahrgäste auf. Alle Bereiche der Haltestelle werden beleuchtet, und der Standort ist
auch aus weiterer Entfernung gut wahrzunehmen. Der Gesichtseindruck der anderen
wartenden Fahrgäste ist unter diesen Bedingungen sehr gut wahrnehmbar.
Abbildung 86: Ehrenfeld- und Melatengürtel sowie Subbelrather Straße
MaKoS
Verfahren und Erprobung 226
B6.3 Passanteninterviews zur Sammlung von Nutzerperspektiven
Passanteninterviews zur Kriminalitätsfurcht
In Ehrenfeld wurde das Instrument der „Passantenbefragung“ eingesetzt, um sowohl die In-
formationen aus dem Kreis der angetroffenen Personen als qualitativen Kontrast zu den Er-
gebnissen der Auditbögen zu erheben, als auch um Hinweise zu Ausprägungen von Krimi-
nalitätsfurcht und deren Gründen zu bekommen. Die Ehrenfelder Stichprobe umfasst ins-
gesamt 50 Frauen und 48 Männer (N = 98).
Um eine gleichwertige Verteilung der Geschlechter zu erhalten, wurde darauf geachtet,
Frauen und Männer abwechselnd zu befragen. Zudem wurde versucht, eine ausgeglichene
Verteilung anderer Merkmale wie Alter und Migrationsgeschichte einzubeziehen. In Ehren-
feld war die Teilnahmebereitschaft höher als in Kalk; d.h. weniger Personen verweigerten das
Gespräch. Die angesprochenen Menschen mit Migrationshintergrund stammten tendenziell
eher aus dem europäischen Ausland oder waren als Studierende im Auslandssemester einzu-
ordnen. Insgesamt kam auf vier realisierte Befragungen eine Verweigerung.
Im Mittelpunkt des eingesetzten Instruments steht die subjektive Kriminalitäts-
furcht. Das Phänomen weist im Allgemeinen drei Dimensionen auf: die affektive, die kogni-
tive und die konative Dimension. Im Fokus der affektiven Dimension steht die emotionale
Empfindung von Gefahren durch Kriminalität, in der kognitiven Perspektive wird die Wahr-
scheinlichkeit eingeschätzt, Opfer einer Straftat zu werden, und unter dem konativen Blick
geht es um die Frage, welches Schutz- und Vermeidungsverhalten aufgrund der antizipier-
ten Gefahren praktiziert wird. Im Rahmen der Passantenbefragung wurden die Standardin-
dikatoren von Oberwittler und Gerstner zur Ermittlung der affektiven Kriminalitätsfurcht ge-
nutzt, die die Aufmerksamkeit auf das Sicherheitsgefühl im Wohnquartier sowohl tagsüber
als auch nach Einbruch der Dunkelheit richten.
17 Um einen Hinweis zur konativen Kriminali-
tätsfurcht zu erhalten, wurde nach Meideorten im Viertel gefragt.
Als qualitative Merkmale wurden erhoben:
• positive und negative Bewertungen des Veedels;
• Meideorte im Veedel;
• die Wahrnehmung von Problemen durch Schmutz und Unordnung im Veedel;
• die Beobachtung von Konflikten zwischen Gruppen im Veedel und
• Vorschläge, wie sich die Sicherheitssituation im Veedel verbessern lässt.
17 Vgl. Oberwittler, Dietrich & Gerstner, Dominik (2016): Kriminalitätsfurcht in großstädtischen Wohngebieten:
wie sozialräumliche Bedingungen die Unsicherheitswahrnehmungen beeinflussen. In P. Zoche, S. Kaufmann, &
H. Arnold (Hrsg.), Grenzenlose Sicherheit? Gesellschaftliche Dimensionen der Sicherheitsforschung (S. 95-116).
Berlin: Lit-Verlag; Oberwittler, Dietrich, Gerstner, Dominik & Janssen, Heleen J. (2016): Ergebnisse der SEN-
SIKO-Studie zur Sicherheitslage und Sicherheitswahrnehmung im Alter. Projektberichte Nr. 4, MPI: Freiburg; vgl.
auch Schubert, Herbert; Oberwittler, Dietrich; Schartau, Lara; Planer, Nina; Nutz, Anna; Spieckermann, Holger;
Gerstner, Dominik & Janssen, Heleen (2017): Sicherheitsempfinden älterer Menschen. Ein Praxishandbuch für
die Soziale Arbeit. Köln: Verlag Sozial • Raum • Management.
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 227
Demographische Strukturen der Befragten
Unter den Frauen, die in einem Veedel rund um den Ehrenfelder Bahnhof wohnen, gaben
über drei Viertel an (80,0%), gern in ihrem Wohnquartier zu wohnen (vgl. Tabelle 26). Bei
den befragten Männern traf das auf zwei Drittel zu (65,6%). Fast ein Viertel der befragten
Männer (23,8%) und ein knappes Drittel der befragten Frauen (30,2%) stammten nicht aus
den Vierteln rund um die Venloer Straße, sondern suchten das Gebiet auf, um dort einzu-
kaufen, eine medizinische Dienstleistung in Anspruch zu nehmen oder Freunde zu besuchen.
Ein Viertel der befragten Frauen wies einen migrantischen Hintergrund auf (27,9%); unter
den befragten Männern machte dieser Anteil fast ein Drittel aus (31,8%). Auch die Alters-
verteilung zeigte – nach Geschlecht differenziert – einen Unterschied: Unter den befragten
Frauen gehörte fast ein Viertel den unter 30-jährigen an (23,3%) und über ein Drittel den
Älteren im Alter über 60 Jahre (34,9%). Unter den befragten Männern zählten etwas mehr
als ein Zehntel der jüngeren Altersgruppe an (14,3%) – die Hälfte gehörte der Alters-
gruppe von 30 bis 60 Lebensjahren an (50,0%).
Was den Befragten im Veedel besonders gut gefällt [N = 116 Nennungen]:
• 46 Nennungen: Nette Menschen (10); bunt gemischte Kultur (8); Zusammen-
halt/Freundlichkeit (2); Nachbarschaft (4); Multikulti (3); Vielfalt (4); freie Lebensart
(2); viele Familien (1); Straßenkunst (19) [ 39,7% von allen 116 Nennungen].
• 41 Nennungen: Angebote Einzelhandel, Dienstleistungen (16), Gastronomie (14);
zentrale Lage (4); alles in der Nähe; Nähe zur Schule der Kinder (je 1); Nähe Köln
City (2) [35,3% von allen 116 Nennungen].
• 14 Nennungen: Verkehrsanbindung ÖPNV und Kfz [12,1% der 116 Nennungen].
• 10 Nennungen: Parks; Grünflächen; Grüngürtel [8,6% von allen 116 Nennungen].
• 5 sonstige Nennungen: „Ich bin hier aufgewachsen“ (2); Graffiti (1); zivilgesell-
schaftliches Engagement (1); „mein Job“ [4,3% von allen 116 Nennungen].
Was den Befragten im Veedel nicht so gut gefällt [N = 16 Nennungen]:
• 11 Nennungen: zu bunt; Dreck und Lärm; Drogenabfälle; Graffiti [68,8% von allen
16 Nennungen].
• 3 Nennungen: Gentrifizierung; die Menschen haben sich verändert; Wandel der So-
zialstruktur [18,8% von allen 16 Nennungen].
• 2 Nennungen: Vermüllung; Respektlosigkeit [12,4% von allen 16 Nennungen].
Die Proportion von 116 positiven Nennungen zu 16 negativen Hinweisen kann als Aus-
druck einer starken Identifizierung mit den Quartieren interpretiert werden. Positive Ein-
schätzungen der Quartiere auf den beiden Seiten der Venloer Straße fallen 7-mal so hoch
aus wie negative Zuschreibungen.
MaKoS
Verfahren und Erprobung 228
Tab. 26: Ergebnisse der Befragung von Passanten in den Veedel im Umfeld des Bahnhofs Ehrenfeld
Nr. In Ehrenfeld befragte Passanten insgesamt
weiblich in % männlich in % abs. in %
1 Person wohnt ...
gern im Veedel
39
39,8
33
33,7
72
73,5
nicht gern im Veedel 2 2,0 2 2,0 4 4,0
außerhalb des Veedels 9 9,2 13 13,3 22 22,5
insgesamt 50 51,0 48 49,0 98 100,0
2 Person fühlt sich tagsüber allein
im Ehrenfelder Veedel ...
sehr unsicher
3
6,0
0
0,0
3
3,0
eher unsicher 4 8,0 0 0,0 4 4,0
eher sicher 11 22,0 13 27,1 24 24,5
sehr sicher 32 64,0 35 72,9 67 68,5
insgesamt 50 100,0 48 100,0 98 100,0
3 Person fühlt sich im Dunkeln allein
im Ehrenfelder Veedel ...
sehr unsicher
10
20,0
0
0,0
10
10,2
eher unsicher 10 20,0 3 6,3 13 13,3
eher sicher 15 30,0 20 41,7 35 35,7
sehr sicher 15 30,0 25 52,0 40 40,8
insgesamt 50 100,0 48 100,0 98 100,0
4 Im Veedel gibt es Bereiche, die
gemieden werden.
Ja
29
58,0
16
33,3
45
45,9
Nein 21 42,0 32 66,7 53 54,1
insgesamt 50 100,0 48 100,0 98 100,0
5 Im Veedel gibt es Probleme mit
Schmutz und Unordnung.
Ja
39
78,0
31
64,6
70
71,4
Nein 11 22,0 17 35,4 28 28,6
insgesamt 50 100,0 48 100,0 98 100,0
6 Es gibt Auseinandersetzungen,
Konflikte zwischen Gruppen.
Ja
12
24,0
14
14,3
26
26,5
Nein 33 66,0 29 60,4 62 63,3
Keine Angabe (weiß nicht) 5 10,0 5 10,4 10 10,2
insgesamt 50 100,0 48 100,0 98 100,0
7 Demographische Merkmale 1)
Deutscher Hintergrund
40
80,0
28
58,3
68
69,43
Migrantischer Hintergrund 9 18,0 11 22,9 20 20,4
Junge (unter 30 Jahren) 11 22,0 17 35,4 28 28,6
Befragte zwischen 30 und 60 J. 22 44,0 25 52,1 47 48,0
Ältere (über 60 Jahre) 16 34,0 5 10,4 21 21,4
insgesamt 50 100,0 48 100,0 98 100,0
1) Der Hintergrund und das Alter der fehlenden Fälle konnten nicht eingeschätzt werden. Eigene Erhebungen im Juli 2024
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 229
Affektive und konative Kriminalitätsfurcht
Die Frage nach der affektiven Kriminalitätsfurcht ergab folgendes Strukturbild (vgl.
Tabelle 26):
• Ein Siebtel der befragten Frauen (14,0%) fühlt sich unsicher, wenn sie tagsüber al-
lein im Ehrenfelder Veedel unterwegs sind. Keiner der befragten Männer empfindet
tagsüber in den Ehrenfelder Quartieren Unsicherheitsgefühle.
• Der Anteil der Frauen, die sich unsicher fühlen, wenn sie im Dunkeln allein in den
beiden Quartieren im Umfeld des Ehrenfelder Bahnhofs unterwegs sind, lag mit 40
Prozent deutlich höher. Unter den befragten Männern fiel dieser Anteil sehr gering
aus (6,3%).
• In der Zusammenschau beider Geschlechter nehmen knapp ein Viertel abends allein
im Dunkeln Unsicherheitsgefühle wahr (23,5%).
Das Strukturbild der Unsicherheit im Dunkeln ist somit eher als durchschnittlich einzustufen,
wenn es mit den Ergebnissen des Eurobarometers verglichen wird, nach denen sich in deut-
schen Großstädten etwa 26 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner „etwas unsicher“
oder „sehr unsicher“ fühlen, wenn sie nach Einbruch der Dunkelheit allein zu Fuß in Ihrer
Wohngegend unterwegs sind oder wären. Im Kriminalitätsmonitor des nordrhein-westfäli-
schen Landeskriminalamtes gaben während der letzten Befragungsrunde im Landesdurch-
schnitt rund 19 Prozent der Befragten an, sich in ihrem Wohngebiet abends im Dunkeln
eher unsicher bis sehr unsicher zu fühlen. Und laut dem Viktimisierungssurvey von 2017 füh-
len sich in Deutschland im Schnitt rund 22 Prozent der Bürgerinnen und Bürger unsicher. 18
Deshalb wird das Niveau der affektiven Kriminalitätsfurcht in Ehrenfeld nicht als auffällig in-
terpretiert.
Um Anhaltspunkte zur konativen Kriminalitätsfurcht zu bekommen, wurde nach Berei-
chen und Ecken im Veedel gefragt, wo die Befragten nicht hingehen, weil sie ihnen nicht ge-
heuer sind und sie sich dort nicht wohlfühlen – sogenannte Meideorte. Die Mehrheit der
befragten Frauen (58,0%), aber nur ein Drittel der befragten Männer (33,3%) meidet be-
stimmte Orte im Umfeld des Bahnhofs Ehrenfeld. Es wurden überwiegend Straßenbereiche
aufgezählt (N = 50):
• 32 Nennungen beziehen sich auf verkehrsbezogene Orte rund um den Bahnhof:
Verkehrssituation/Schulweg/unterwegs mit kleinen Kindern (4); U-Bahnstation (4);
Venloer Straße und unmittelbares Umfeld des S -Bahnhofs (23); Bahnbögen an der
Hüttenstraße und der Bartholomäus- Schink-Straße (1) [64 ,0% von allen 50 Nennun-
gen]. Kritische Hinweise betreffen: die Lautstärke der Venloer Straße, das Betteln,
den Alkoholkonsum und die Notdurftverrichtung im Bereich des westlichen Tunnels
und der Bahnunterführung. Es seien zu viele Männer unterwegs – vor allem Männer,
18 vgl. Landeskriminalamt NRW (2018): Kriminalitätsmonitor NRW. Kriminalitätsfurcht. Düsseldorf, S. 10; Birkel,
Christoph; Church, Daniel; Hummelsheim-Doss, Dina; Leitgöb-Guzy, Nathalie; Oberwittler, Dietrich (2019): Der
Deutsche Viktimisierungssurvey 2017. Opfererfahrungen, kriminalitätsbezogene Einstellungen sowie die Wahr-
nehmung von Unsicherheit und Kriminalität in Deutschland. Bundeskriminalamt, Wiesbaden, S. 46 ff.
MaKoS
Verfahren und Erprobung 230
die Frauen belästigen und ihr Territorium markieren, auch zu viele Drogenabhän-
gige.
• 8 Nennungen beziehen sich auf Grünflächen und deren schlechte Beleuchtung: Leo-
Amann-Park, Takufeld [16,0% von allen 50 Nennungen].
• 7 Nennungen beziehen sich auf Wohnstraßen: Lenauplatz und Nebenstraßen (1);
Marienstraße (1); Verbindung Subbelrather Straße/Ehrenfeldgürtel/Grüner Weg
(1); Leyendecker Straße (1); düstere Stammstraße am Abend (1); Umfeld von Hoch-
häusern [West-Center an der Kreuzung Venloer Straße/Äußere Kanalstraße und am
Rochusplatz] (2) [14,0% von allen 50 Nennungen].
• 3 Nennungen beziehen sich auf Konsumorte: Kebabstände (1); Orte des nächtlichen
Feierns/insbesondere am Wochenende (1); Kneipen wie das Iltis-Eck (1) [6,0% von
allen 50 Nennungen].
Etwas weniger als die Hälfte der Befragten (45,9% von 98) nennen Bereiche und Ecken,
die im unmittelbaren Umfeld des Bahnhofs, aber auch darüber hinaus gehend gemieden
werden. Zwei Drittel der Nennungen darunter fokussieren verkehrsbezogene Orte rund um
den Bahnhof Ehrenfeld.
Probleme im Veedel durch Schmutz und Unordnung [N = 142 Nennungen]:
• 72 Personen – das entspricht knapp drei Viertel aller 98 Befragten [73,5%] – ord-
nen die Verschmutzungssituation rund um den Bahnhof Ehrenfeld als sehr negativ
ein. Das Spektrum reicht von der Kritik an Erbrochenem auf dem Fußweg und „Wild-
pinkeln“ in Nischen über die Imbissabfälle rund um Kebabland sowie McDonalds
und über die Feiernden vor den Clubs an Wochenenden sowie leere Lachgas-Behält-
nisse bis hin zu den „erbärmlichen“ Zuständen der verunreinigten Spielplätze in der
Bartholomäus-Schink-Straße und in der Hansemannstraße.
• 30 Nennungen beziehen sich auf besondere Verschmutzungsformen: Hundekot (6);
Zigarettenstummel (5); Scherben (9); überfüllte Mülltonnen bzw. zu wenige Abfall-
behälter (8), Urinieren im öffentlichen Raum (2) [21,1% von allen 142 Nennungen].
• Von 16 Befragten wird die Konkurrenz zwischen den verschiedenen Verkehrsmitteln
als unzumutbare Unordnung besonders betont – insbesondere auf der Venloer
Straße [ 16,3% von allen 98 Befragten]. Es wird Bezug genommen auf: zu enge
Wege für Radfahrer und Fußgänger; ungeordnetes Abstellen von Fahrrädern und E -
Scootern. Durch Außengastronomie w ürden die Wege teilweise noch enger ge-
macht.
• 23 sonstige Nennungen: Graffiti (3); Drogenkonsum (6); Müll der Trinker (6); Bette-
lei (2); Vandalismus (4); Kriminalität/Diebstahl (2) [16,2% von allen 142 Nennun-
gen].
• Eine Person fokussiert auf die fehlende Grünflächenpflege – einige Spielplätze hät-
ten durch große Brennnessel -Areale den Charakter einer „urbanen Wildnis“ [1,0%
aller 98 Befragten].
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 231
Im Umkehrschluss hält über ein Viertel der Befragten den Verschmutzungsgrad im Veedel
für normal (28,6%) – diese Sichtweise war unter Männern (35,4%) stärker ausgeprägt als
unter Frauen (22,0%). Selbst Graffitis wurden nicht durchweg negativ bewertet. In Gesprä-
chen darüber zeigte sich ein Gewöhnungseffekt. Vor allem jüngere Menschen haben sich
mit diesen Ausdrucksformen arrangiert, während Personen im mittleren und höheren Alter
diese Art der Verschmutzung beängstigend wahrnehmen.
Auseinandersetzungen oder Konflikte zwischen Gruppen im Veedel [N = 52
Nennungen]:
Die überwiegende Mehrheit der Befragten nimmt in den öffentlichen Räumen der beiden
Quartiere und rund um den Bahnhof Ehrenfeld keine Auseinandersetzungen und Kon-
flikte zwischen Gruppen wahr (63,3%). Ein Zehntel – insbesondere Befragte, die nicht in
den Veedeln wohnen – konnte das nicht beurteilen (10,2%). Nur ein Viertel der Frauen und
ein Siebtel der Männer gab an, Konflikte zwischen Gruppen wahrgenommen zu haben.
Ihre Erfahrungen bezogen sich auf die folgenden Aspekte:
• 23 Nennungen – also knapp die Hälfte – bezogen sich auf den Verstoß gegen Re-
geln und verbale Auseinandersetzungen im öffentlichen Raum [44,2% von allen 52
Nennungen]. Im Einzelnen werden genannt: Pöbeln im U-Bahnhof, Streit unter Kun-
dinnen beim REWE-Markt, Auseinandersetzungen vor einer Shisha-Bar, rassistische
Äußerungen. Eine Frau erzählt, dass ihr Sohn in eine Auseinandersetzung unter Ju-
gendlichen im Bahnhofsumfeld verwickelt worden sei. Er sei inzwischen in einen an-
deren Teil von Köln gezogen. Ältere Be fragte fürchten sich vor allem vor Jugendli-
chen mit einem Migrationshintergrund – vereinzelt wird angegeben, angepöbelt
worden zu sein. Einige nennen in diesem Zusammenhang auch Betrunkene, die am
Abend im öffentlichen Raum randalieren und untereinander streiten.
• 6 Nennungen betreffen Konflikte im Straßenverkehr zwischen Fußgängern und Rad-
fahrern [11,5% von allen 52 Nennungen].
• 6 Nennungen betreffen Konflikte zwischen Drogendealern (oft: POC/People of Co-
lour) und der Polizei, wegen vermuteter Geldwäsche in Shisha-Bars, in türkischen
und italienischen Cafés im Kontext von Kleinkriminalität [11,5% von allen 52 Nen-
nungen].
• 13 sonstige Nennungen betreffen Konflikte: in der Nachbarschaft (3); mit Hundehal-
tern wegen Kot (1); unter Rockern an der Venloer Straße (2); zwischen den türki-
schen Grauen Wölfen und Kurden (5); wegen Waffenmissbrauchs (1) [25,0% von
allen 52 Nennungen].
• Schließlich wurden noch Obdachlose (3) sowie Lärm und Gerüche (1) als Auslöser
von Auseinandersetzungen genannt.
Vorschläge, was getan werden sollte, um die Situation im Veedel zu verbes-
sern [N = 93 Nennungen]:
• 27 Nennungen beziehen sich auf den VERKEHR: Fortsetzung der Beruhigung der
Venloer Straße, Geschwindigkeitskontrollen, Tempolimit und Reduzierung des Kfz-
MaKoS
Verfahren und Erprobung 232
Verkehrs bzw. der Verkehrsdichte auf der Venloer Straße und Schaffung sicherer
Schulwege zur neuen Heliosschule (7). Die Einbahnstraßenregelung eines Abschnitts
der Venloer Straße sei ein guter Anfang gewesen und solle erweitert werden. Schaf-
fung breiterer Wege für Radfahrer und Fußgänger (5); Einrichtung von autofreien
Flächen; Verbesserung des Radverkehrs, mehr Rücksichtnahme – insbesondere auf
Menschen mit Beeinträchtigungen; Erneuerung der Straßendecken, inkonsequenter
Umgang mit E-Scootern auf der Venloer Straße; Markierung der Flächen für E -Scoo-
ter und Leih-Fahrräder; Verbesserung des „Park&Ride“-Angebots (je 1) [29,0% von
allen 93 Nennungen].
• 21 Nennungen beziehen sich auf den Bereich der ORDNUNG: mehr Personal des
Ordnungsamtes vor Ort im Einsatz (3); Erhöhung der Polizeipräsenz im öffentlichen
Raum (8). Gewünscht wird eine konsequentere und ereignisnahe Intervention (3).
Statt einer Fokussierung auf Falschparker soll der Ordnungsdienst verstärkt gegen
Fehlverhalten im öffentlichen Raum vorgehen (1). Besondere Hinweise betreffen: Zu-
rückdrängung des türkischen Geheimdienstes, damit Ehrenfeld wieder unter deutsche
Kontrolle gebracht wird (1); härteres Vorgehen gegen Müllverursacher (2); Durch-
setzung der Sperrmüllregeln (1); Intensivierung der Straßenreinigung – besonders
am Wochenende (2) [22,6% von allen 93 Nennungen].
• 16 Nennungen beziehen sich auf die Verbesserung der AUFENTHALTSQUALITÄT :
Es sollen mehr Sitzgelegenheiten und mehr kleine grüne Flächen (wie Pocket-Parks)
geschaffen werden (7). Als Referenz gilt die selbstorganisierte Wohnumfeldverbesse-
rung in der Körnerstraße durch die Bewohner und Anlieger. Gewünscht wird auch
eine Verbesserung der Straßenbeleuchtung (3 ). Das Umfeld des S-Bahnhofs soll so
gestaltet werden, dass es einen gepflegteren Eindruck macht (2). Die Pflege der
Spielplätze soll finanziell besser ausgestattet werden (1). Im Rahmen einer Neuord-
nung des öffentlichen Raumes sollen die „Schmuddelecken“ weggeplant und durch
tragfähigere Lösungen ersetzt werden (1). Die Bahnbögen in der Hüttenstraße und
in der Bartholomäus-Schink-Straße sind dabei mit zu berücksichtigen – damit es zu
guten Lösungen kommen kann, soll die Stadt Köln Druck auf die Deutsche Bahn aus-
üben (1). Schließlich sollen Wegeverbindungen belebt werden: Besonders genannt
wurde das Wegenetz von der Subbelrather Straße zu den U - und S-Bahnhöfen (1)
[17,2% von allen 93 Nennungen].
• 12 Nennungen beziehen sich auf die Stärkung der ZIVILGESELLSCHAFT : Ge-
wünscht wird die Förderung von Bürgerengagement – im Fokus soll die Stärkung der
„Gemeinschaft“ stehen, eine Vermischung der verschiedenen Kulturen, um Sprach-
barrieren zu überwinden. Als Referenz wird auf die Nachbarschaftsaktivitäten in der
Körnerstraße hingewiesen, die zu einer positiven Aneignung des öffentlichen Rau-
mes geführt haben: Der Raum wirke gepflegter und die soziale Kontrolle sei ausge-
prägter als anderswo im Veedel. Ein weiteres Referenzbeispiel ist der Spielplatzpate
Antonio Pizzuli in der Glasstraße. In diesem Kontext könnten auch monatliche Bür-
gergespräche an einem Veedelsplatz geführt werden, um Bürgerinnen und Bürger
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 233
zur aktiven Mitwirkung zu motivieren. Ein möglicher Anknüpfungspunkt wäre ein Ge-
meinschaftsgarten. In der Folge können mehr Respekt und Freundlichkeit untereinan-
der entstehen. [12,9% von allen 93 Nennungen].
• 8 Nennungen beziehen sich auf den Bereich der BILDUNG: Verbesserung der Integ-
rations- und Bildungsangebote, die früher bei den Kindern ansetzen (3); Investitio-
nen in die frühkindliche Bildung und Erziehung (5). [8,6% von allen 93 Nennungen].
• 7 Nennungen betreffen den Bereich des WOHNEN: Deckelung der Mietpreise (4);
bessere Durchmischung, Dämpfung der Gentrifizierung, Vorbeugen einer Segrega-
tion und Ausbau der Infrastruktur für Kinder (3). [7,5% von allen 93 Nennungen].
• Jeweils eine Nennung berührt die Bereiche ÖPNV und FRAUEN: Mit Blick auf den
ÖPNV wird eine sichere Gestaltung der Haltestellen gewünscht und zur Gender -The-
matik wird ein Ausbau des Informationssystems angeregt. Die Rufnummer des Hilfe-
telefons für Frauen, die im öffentlichen Raum belästigt werden bzw. wurden, soll bes-
ser beworben werden.
Passanteninterviews zur Bahnhofsqualität
Mit einem entsprechend angepassten Instrument der „Passantenbefragung“ wurden auch
die Perspektiven der Nutzerinnen und Nutzer des Bahnhofs Ehrenfeld, aber auch der an-
grenzenden U-Bahnstation und oberirdischen Haltestelle „Venloer Straße/Gürtel“ der KVB
erhoben. Dort wurden insgesamt 17 Frauen und 17 Männer befragt (N = 34).
Demographische Strukturen am S-Bahnhof
Sowohl unter den Frauen als auch unter den Männern, die zur Bahnhofssituation befragt
wurden, gaben zwei Drittel an (64,7%), den Bahnhof Ehrenfeld häufig zu benutzen (vgl.
Tabelle 27).
Ein knappes Viertel der befragten Frauen und der befragten Männer (jeweils 23,5%) wie-
sen einen migrantischen Hintergrund auf. Die Altersverteilung zeigte einen geschlechtsspezi-
fischen Unterschied: Unter den befragten Frauen gehörten ein Drittel den unter 30-jährigen
an (35,3%), etwa 40 Prozent der Altersgruppe von 30 bis 60 Lebensjahren (41,2%) und
ein knappes Viertel den Älteren im Alter über 60 Jahre (23,5%). Unter den befragten Män-
nern waren keine über 60-jährige vertreten; die meisten waren im Alter von 30 bis 60 Jah-
ren (70,6%) und die jüngere Altersgruppe umfasste rund 30 Prozent (29,4%).
Affektive und konative Kriminalitätsfurcht
Die Befragten gaben mehrheitlich an, dass der Bahnhofsbereich in Ehrenfeld sicher sei
(71% der Frauen und 94% der Männer in der Dimension der kognitiven Kriminalitätsfurcht).
Eine große Mehrheit von 97 Prozent der Befragten hatte im Bahnhofsbereich auch noch nie
die Verübung von Straftaten beobachtet (vgl. Tabelle 27).
MaKoS
Verfahren und Erprobung 234
Tab. 27: Ergebnisse der Befragung im Umfeld des Bahnhofs Ehrenfeld
Nr. Zum Bahnhof befragte Passanten insgesamt
weiblich in % männlich in % abs. in %
1 Person benutzt den Bahnhof ...
häufig 11 32,4 11 32,4 22 64,8
ab und zu 6 17,6 6 17,6 12 35,2
insgesamt 17 58,6 17 41,4 34 100,0
2 Der Bahnhof Ehrenfeld ist ...
sicher 12 70,6 16 94,0 28 82,4
nicht sicher 3 17,6 0 0,0 3 8,8
kann nicht beurteilt werden 2 11,8 1 6,0 3 8,8
insgesamt 17 100,0 17 100,0 34 100,0
3 Im Bahnhofsbereich beobachtet...
Straftaten 1 5,9 0 0,0 1 3,0
Keine Straftaten 16 94,1 17 100,0 33 97,0
insgesamt 17 100,0 17 100,0 34 100,0
4 Person fühlt sich tagsüber allein
im Bahnhof Ehrenfeld ...
sehr unsicher
0
0,0
0
0,0
0
0,0
eher unsicher 3 17,6 1 6,0 4 11,8
eher sicher 7 41,2 8 47,0 15 44,1
sehr sicher 7 41,2 8 47,0 15 44,1
insgesamt 17 100,0 17 100,0 34 100,0
5 Person fühlt sich im Dunkeln allein
im Bahnhof Ehrenfeld...
sehr unsicher
2
11,8
1
6,0
3
8,8
eher unsicher 9 52,8 3 17,6 12 35,3
eher sicher 2 11,8 9 52,9 11 32,4
sehr sicher 4 23,6 4 23,5 8 23,5
insgesamt 17 100,0 17 100,0 34 100,0
6 Im Bahnhof gibt es Bereiche, die
gemieden werden.
Ja
9
52,8
8
47,0
17
50,0
Nein 8 47,2 9 53,0 17 50,0
insgesamt 17 100,0 12 100,0 34 100,0
7 Im Bahnhof gibt es Probleme mit
Schmutz und Unordnung.
Ja
12
70,6
10
58,8
22
64,7
Nein 5 29,4 7 41,2 12 35,3
insgesamt 17 100,0 17 100,0 34 100,0
8 Es gibt Auseinandersetzungen,
Konflikte zwischen Gruppen.
Ja
5
29,4
1
6,0
6
17,6
Nein 12 70,6 16 94,0 28 82,4
insgesamt 17 100,0 17 100,0 34 100,0
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 235
9 Demographische Merkmale 1)
Deutscher Hintergrund
12
70,6
12
70,6
24
70,6
Migrantischer Hintergrund 4 23,5 4 23,5 8 23,5
Junge (unter 30 Jahren) 6 35,3 5 29,4 11 32,4
Befragte zwischen 30 und 60 J. 7 41,2 12 70,6 19 55,9
Ältere (über 60 Jahre) 4 23,5 0 0,0 4 11,8
insgesamt 17 100,0 17 100,0 34 100,0
1) Der Hintergrund und das Alter der fehlenden Fälle konnten nicht eingeschätzt werden. Eigene Erhebungen im Juli 2024
Die Frage nach der affektiven Kriminalitätsfurcht im Bereich des Bahnhofs Ehrenfeld ergab
ein positives Strukturbild (vgl. Tabelle 27):
• Weniger als ein Fünftel der befragten Frauen (17,6%) fühlt sich tagsüber allein auf
dem Bahnhof unsicher. Unter den befragten Männern gab es nur eine Person, die
sich dort zu den hellen Tageszeiten eher unsicher fühlt (6,0%).
• Wenn sie allein im Dunkeln unterwegs sind, fühlen sich fast zwei Drittel der Frauen
im Bereich des Bahnhofs Ehrenfeld unsicher (64,6%). Unter den Männern bekannte
sich ein knappes Viertel (23,6%) zu solchen Unsicherheitsgefühlen.
Das Strukturbild der Unsicherheit im Dunkeln weist im Vergleich zum Kriminalitätsmonitor
des nordrhein-westfälischen Landeskriminalamtes nur unter den befragten Frauen über-
durchschnittlich hohe Werte auf. In NRW gaben im Landesdurchschnitt weniger als ein Fünf-
tel der Befragten an, sich abends im Dunkeln in ihrem Wohngebiet eher unsicher bis sehr
unsicher zu fühlen.
19
Was den Befragten im Bahnhofsbereich besonders gut gefällt [N = 19 Nen-
nungen]:
• 8 Nennungen heben die Standortqualität hervor: die zentrale Lage, die gute Erreich-
barkeit und die günstige Taktung der S-Bahn und der Stadtbahn [42,1% von allen
19 Nennungen].
• 6 Nennungen heben Ausstattungsqualitäten hervor: Positiv angemerkt werden der
Anschluss an die U-Bahn der KVB, die „Kioskanbindung“ des S-Bahnhofs, der Auf-
zug, die Nähe zur Polizeiinspektion 3 und der Sicherheitsdienst der DB [31,6% von
allen 19 Nennungen].
• Die restlichen Nennungen heben die „Ursprünglichkeit“ hervor und den Charakter
eines „normalen Bahnhofs“ [26,3% von allen 19 Nennungen].
Was den Befragten im Bahnhofsbereich nicht so gut gefällt [N = 31 Nennun-
gen]:
• 13 Nennungen betreffen: Dreck, Müll, Schmutz und Sauberkeit [41,9% von allen 31
Nennungen].
• Weitere 14 Nennungen fügen weitere kritische Aspekte dazu: Die neuen Sitzgele-
genheiten wurden im nicht überdachten Abschnitt der Bahnsteige installiert. Es gebe
19 vgl. Landeskriminalamt NRW (2018): Kriminalitätsmonitor NRW. Kriminalitätsfurcht. Düsseldorf, S. 10
MaKoS
Verfahren und Erprobung 236
keine sanitären Anlagen in der Nähe, die Sitzgelegenheiten seien oft vermüllt und
unsauber; die Aufzüge seien meistens defekt; die Zahl der Sitzgelegenheiten sei zu
gering; auf dem Boden befinden sich oft Scherben und Spucke. In den Tunneln gebe
es keine Anzeigen, wann auf welchem Bahnsteig welcher Zug abfährt. Auf dem
Bahnsteig werde nur unzureichend angezeigt, an welchem Abschnitt die einfahrende
Bahn anhalten wird. Eine detaillierte Wegweisung zu den Haltestellen der KVB fehle
[45,1% von allen 31 Nennungen].
• 4 Nennungen beziehen sich auf bestimmte Menschen, die sich dort oft aufhalten: Im
Tunnelbereich werden Obdachlose und Drogenabhängige als Störung wahrgenom-
men – junge Frauen wurden dort zu bestimmten Tageszeiten belästigt [12,9% von
allen 31 Nennungen].
Im Gegensatz zur Veedelsumfrage dreht sich die Proportion von positiven Nennungen und
negativen Hinweisen in der Bahnhofsumfrage um. Es werden mehr Dinge, die nicht so gut
gefallen, aufgezählt und weniger gefallende Merkmale. Negative Einschätzungen des
Bahnhofsbereichs in Ehrenfeld fallen um mehr als das Eineinhalbfache höher aus als positive
Merkmale.
Bereiche und Ecken im Bahnhofsbereich, wo Befragte nicht hingehen, weil sie
ihnen nicht geheuer sind [N = 15 Nennungen]:
Die Hälfte der Befragten benennt solche Ecken: Ihre Antworten konzentrieren sich die Tun-
neldurchgänge und die jeweiligen Ausgänge in die Bartholomäus-Schink-Straße, zur Ven-
loer Straße und in die Hüttenstraße. Abends treten die Passanten aus dem hell erleuch teten
Tunnel in den schwächer beleuchteten Straßenbereich. Neben der Unübersichtlichkeit durch
große unordentlich abgestellte Fahrräder wird auch der Aufenthalt von Obdachlosen und
Betrunkenen bemängelt, die sich auf dem Spielplatz an der Bartholomäus-Schink-Straße auf-
halten. Insbesondere Betrunkene zeigen im Tunnelbereich eine aggressive Körpersprache –
Ihre häufigen Streitereien untereinander und das schamlose Verrichten der Notdurft im öf-
fentlichen Raum beeinträchtigen das Sicherheitsgefühl der Passanten.
Vorschläge, was getan werden sollte, um die Situation im Bahnhofsbereich
zu verbessern [N = 23 Nennungen]:
Die Vorschläge beziehen sich auf die folgenden Aspekte:
• Mehr Licht, bessere Beleuchtung – insbesondere für den Ausgang in die Bartholo-
mäus-Schink-Straße, dem der dunkle Spielplatzbereich gegenüberliegt, wird eine
bessere Ausleuchtung gewünscht.
• Schmuddel- und Pinkelecken durch Zaunabgrenzungen unzugänglich machen.
• Mehr Sicherheitspersonal der Deutschen Bahn – insbesondere im Kontext des Party-
publikums an den Wochenenden.
• Ansprechpersonen am Bahnhof, da die Polizei dort nur bei schweren Straftaten En-
gagement zeige.
• Mehr Kontrollen.
• Mehr Abfallkörbe, häufigerer Reinigungs- und Leerungszyklus.
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 237
• Bau einer Toilettenanlage im Bereich des S-Bahnhofs.
• Installation von Kameras.
• Installation von Notknöpfen.
• Displays in den Tunneln vor den Aufgängen zu den Bahnsteigen mit der Anzeige,
wann auf welchem Bahnsteig welcher Zug abfährt.
• Ansagen, in welchen Abschnitt der Bahnsteige (Ost- und Westseite) die Züge halten
und abfahren, um hektisches Hin- und Herlaufen zu vermeiden.
• Zeitnahe Reparatur der Rolltreppen und Aufzüge.
• Attraktive Ausweichorte für die Alkohol- und Drogenabhängigen, die sich im Tunnel
bzw. auf den Treppen zu den Bahnsteigen des S-Bahnhofs der DB und im Bereich
der U-Bahnstation der KVB aufhalten.
• Platzverweise für Wohnungslose, Betrunkene, Drogenabhängige aus sensiblen Berei-
chen des Zugangs zu den Haltestellen der KVB und der DB.
• Sicherung der Straßenüberquerung auf der Schönsteinstraße an der Ecke zur Ven-
loer Straße mit einem Zebrastreifen.
B6.4 Hintergrundgespräche mit lokalen Stakeholdern
Als Ergänzung zu den Beobachtungen im Rahmen der Audits der städtebaulichen Kriminal-
prävention und der Befragung von Passanten im öffentlichen Raum der Straßen sowie im
Bahnhofsbereich wurden auch einige Gespräche mit Schlüsselpersonen lokaler Stakeholder
geführt, um den Hintergrund aus verschiedenen professionellen Perspektiven auszuleuchten.
Die Gespräche wurden geführt mit:
• PHK Henkel in der Polizeiinspektion 3 am 11. Juli 2024;
• Info-Büro des Bürgerzentrums Ehrenfeld am 10. Juli 2024;
• Seniorenberatung des Caritas-Verbandes Köln in der Bartholomäus-Schink-Straße am
10. Juli 2024.
• zwei Inhabern von Geschäften in den Räumen der Bahnbögen in der Hüttenstraße .
• dem privaten Sicherheitsdienst, der im Bezirksrathaus Ehrenfeld für Ordnung sorgt.
Gespräch mit PHK Henkel in der Kölner Polizeiinspektion 3
Im Gespräch wurde die Belastung in Ehrenfeld durch Straftaten der Straßenkriminalität the-
matisiert. Aus Sicht der Polizei hängen die meisten Straftaten mit dem „Partyviertel“ zusam-
men, das vom „Club Bahnhof Ehrenfeld“ in der Bartholomäus-Schink-Straße, dessen Einrich-
tung auf 530 Besucher ausgerichtet ist, über weitere Treffpunkte auf dieser Straße und in
der Heliosstraße bis zur „Live Music Hall“ in der Lichtstraße (mit einer Kapazität von 1.200
bis 1.500 Personen) reicht. Verteilt über diese Locations sind am Wochenende mehrere Tau-
send junge Menschen unterwegs. Beim Tanzen, in den Konzerten oder beim Feiern komme
es zu einfachen Diebstählen, bei denen beispielsweise das Mobilphone, das Portemonnaie
oder die Handtasche gestohlen werden. Seitens der Polizei gebe es kaum Interventionsmög-
MaKoS
Verfahren und Erprobung 238
lichkeiten – Abhilfe könne allein durch eine verbesserte Prävention im Verhaltensbereich ge-
schaffen werden (z.B. besser auf seine Gegenstände aufpassen oder sie sicherer in der Klei-
dung verstauen).
Auch die Sachbeschädigungen – im Sinn von Gewalt gegen Sachen – seien in diesem Kon-
text wahrzunehmen. Als unerwünschter Nebeneffekt der Partykultur und des damit verbun-
denen Alkoholkonsums werden Fahrräder demoliert, Scheiben eingeschlagen, Mülleimer
kaputtgetreten und Graffiti Tags an die Hauswände gesprüht. Obwohl die Sachbeschädi-
gungen im Jahr 2023 in den beiden Ehrenfelder Quartieren um ein Viertel höher ausfielen
als in den beiden Kalker Untersuchungsräumen, seien die Zahlen doch zu niedrig, um sie zu
skandalisieren.
Die Anzahl der Körperverletzungen sei in Ehrenfeld im Jahr 2023 nur halb so hoch wie in
den untersuchten Kalker Quartieren gewesen – aus dieser Sicht sei das Umfeld des Ehren-
felder Bahnhofs keine Problemzone, auch wenn die Hemmschwelle aktuell sinke und die
Gewaltbereitschaft steige.
Die im Jahr 2023 in den beiden Ehrenfelder Quartieren registrierten Taschendiebstähle ma-
chen weniger als ein Viertel des Deliktaufkommens in den beiden Kalker Untersuchungsge-
bieten aus. Insofern sei auch dieses Niveau als niedrig einzustufen. Bei den Tätern handele
es sich oft um organisierte Kriminalität von Personen mit einer nichtdeutschen Staatsangehö-
rigkeit, aber auch um rauschgiftsüchtige Gelegenheitstäter.
Das Niveau der Fahrraddiebstähle im Jahr 2023 unterscheidet sich zwischen den beiden
Ehrenfelder Quartieren und den beiden Kalker Untersuchungsgebieten kaum. Häufig han-
dele es sich um Gelegenheitstäter, die schnell von A nach B fahren wollen. Aber auch in
dieser Hinsicht sei Ehrenfeld kein Hotspot.
Der Ladendiebstahl sei eine typische „Armutskriminalität“. Dass die Ladendiebstähle in den
beiden Ehrenfelder Quartieren nur etwas mehr als 10 Prozent der Deliktanzahl in den bei-
den Kalker Untersuchungsgebieten ausmachten, unterstreiche, dass Ehrenfeld ein anders so-
zialstrukturelles Profil aufweise. Insofern habe die Nachverdichtung einen positiven Effekt:
Denn der Wohnungsbau auf ehemaligen Industriearealen oder ihre Umnutzung zu Verwal-
tungsbauten setze die Veränderung der sozialen Mischung und Bewohnerstruktur fort.
Auch die Einbahnstraßenregelung auf einem Abschnitt der Venloer Straße zeige positive
Wirkungen, indem die Unfallbelastung gesunken sei. Unfälle auf der Venloer Straße wer-
den im Allgemeinen nicht gern aufgenommen, weil im komplexen Verkehrsgeschehen die
Schuldfrage oft nur schwer zu klären sei.
Insgesamt mache die polizeiliche Arbeit in Ehrenfeld Spaß, weil es sich um ein vielfältiges
Gebiet handele, in dem immer etwas los ist. Das alternative Partypublikum und die verschie-
denen sozialen (inkl. der migrantischen) Milieus haben sich arrangiert und kommen gut mit-
einander aus.
Einen Präventionsrat gebe es in Ehrenfeld nicht; angesichts des Umfangs der Straftaten be-
stehe kein Bedarf wie etwa in Bocklemünd.
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 239
Kurzer Austausch mit Fachkräften der Altenhilfe
Der Standort des „Caritasverbandes Für Die Stadt Köln e.V.“ befindet sich in der Bartholo-
mäus-Schink-Straße 6, grenzt folglich unmittelbar an den Hotspot der Straßenkriminalität
nördlich des Bahnhofs Ehrenfeld. Dort wurde die Seniorenberaterin Frau Bläsius gefragt,
wie sie die Sicherheitssituation im Umfeld des Bahnhofs Ehrenfeld für ältere Menschen ein-
schätzt. Sie berichtete, dass einige der Älteren, die bei ihr wegen finanzieller Mittellosigkeit
Rat suchen, im Aufzug der U-Bahn schon bestohlen worden seien. Aber so etwas komme
nicht sehr häufig vor. Dennoch wisse sie, dass viele ältere Menschen ihr Haus kaum noch
verlassen, weil sie sich in Verbindung mit körperlichen Einschränkungen draußen nicht mehr
sicher fühlen. Wenn ältere Personen sich in der Beratungssituation über kriminelle Ereignisse
beklagen, werden sie an den Weißen R ing weitervermittelt, der vielen nicht bekannt ist.
Um die Ecke auf der Schönsteinstraße 33 befindet sich das „Cellitinen -Seniorenhaus Heilige
Drei Könige“ (in der Nachbarschaft des Cellitinnen-Krankenhauses St. Franziskus). Dort gab
die Hausleitung Frau Stöckmann an, dass den Bewohnerinnen und Bewohnern des Senio-
renhauses noch nie etwas passiert sei. Das liege daran, dass viele demenziell verändert und
draußen nicht mehr allein unterwegs seien. Aber Mitarbeitende der Einrichtungen seien im
Nachtdienst schon Messerangriffen ausgesetzt seien – deshalb gebe es eine latente affek-
tive Kriminalitätsfurcht unter den Fachkräften, wenn sie in den Abend- und Nachtschichten
eingeteilt seien. Ein Problem sei auch, dass in der Nacht Graffiti Tags auf die Hauswand ge-
sprüht werden oder vor dem Haus Auseinandersetzungen stattfinden, die den Charakter ei-
ner Schlägerei haben. Durch den Vandalismus junger Personen sei auch einmal ein Rollla-
den beschädigt worden, und an einem Wochenende seien Jugendliche auf das Dach des
Seniorenhauses geklettert.
Kurzer Besuch im Bürgerzentrum Ehrenfeld
Im sogenannten BüZe wurde ein kurzes Gespräch mit einem Vertreter des Info-Büros ge-
führt. Nach seinen Darstellungen sei das Bürgerzentrum Ehrenfeld ein Ort, an dem eine
Vielzahl der unterschiedlichen Milieus von Ehrenfeld zusammentrifft. Das Spektrum reiche
von etablierten Milieus, die auf der Sonnenterrasse des Cafés bei Kaffee und Kuchen ver-
weilen, bis zu Wohnungslosen, die bei schlechtem Wetter einen trockenen und warmen Un-
terschlupf suchen.
Manifeste Probleme gebe es nur in der Woche an Freitagen, wenn die „Tafel Köln“ Lebens-
mittel ausgibt. Infolge von „Futterneid“ komme es zu Auseinandersetzungen unter den Be-
dürftigen.
Immer wieder werden auch Diebstähle im Haus gemeldet – darüber werden aber keine
Aufzeichnungen festgehalten, weil das nicht so oft der Fall sei.
Der Innenraum des Info-Büros werde videoüberwacht, um Einbrüchen vorzubeugen. An-
sonsten gebe es kein Präventionskonzept. Wenn es zu Konflikten im Haus komme, werde
die Polizei gerufen. Ein Streifenwagen sei dann immer schnell da. Im Bedarfsfall werden
auch Hausverbote ausgesprochen.
MaKoS
Verfahren und Erprobung 240
Nach Wünschen zur Verbesserung befragt, wurde angegeben, dass Streifen des Ordnungs-
amtes ab und zu gut sichtbar das BüZe besuchen sollten, um den Besuchern zu signalisie-
ren, dass sie sich dort sicher fühlen können.
Kurzer Besuch an den Bahnbögen in der Hüttenstraße
Weil Passanten in Interviews über den Zustand der Bahnbögen in der Hüttenstraße geklagt
hatten, wurde dort das Gespräch mit zwei Geschäftsinhabern gesucht.
Der Afro Shop befindet sich seit 2018 in den Bahnbögen in der Hüttenstraße 23. Es werden
afrikanische Lebensmittel und Kosmetikartikel angeboten. Der Inhaber Herr Abdula Gha-
foor teilte auf Nachfrage mit, es gebe an seinem Standort keine Sicherheitsprobleme.
Wenige Meter weiter folgt die Hüttenstraße 17. Dort lagert die Alsancak GmbH in den
Bahnbögen Schrott und Metalle. Laut Internetauftritt werden die Metallteile fachgerecht ent-
sorgt und recycelt. Auf dem Gehweg standen alte Motorroller, Fahrräder, Heizkörper, Me-
tallstühle und weitere als Altmetall deklarierte Produkte herum, so dass es kaum ein Durch-
kommen gab. Am Straßenrand st and ein Klein-Lkw, mit dem Metallgegenstände abgeholt
werden – er war vollbeladen mit Metallschrott. Der Inhaber Herr Alsancak wurde ange-
sprochen und erklärte, dass er seine GmbH schon seit 17 Jahren betreibe. Weil der Innen-
raum unter dem Bahnbogen bereits überfüllt sei, stehe auch Altmetall auf dem Fußweg. Er
sichere die alten Fahrräder und Schrottartikel auf dem Gehweg mit Ketten. Dennoch wer-
den Schlösser immer wieder aufgebrochen und alte Fahrräder sowie Ähnliches gestohlen.
Stippvisite im Bezirksrathaus Ehrenfeld
Im Bezirksrathaus Ehrenfeld sorgt seit fünf Jahren ein privater Sicherheitsdienst für Ord-
nung. Am Montag und am Mittwoch können ohne vorherige Terminabsprache Anliegen im
Kundenzentrum der Bürgerdienste erledigt werden, das für Meldeangelegenheiten, Pässe,
Ausweise und Führerscheine zuständig ist. Die Dienstleistungen reichen von der Abho-
lung fertiger Ausweisdokumente und der Ausstellung von Melde-/Lebens-/Haushaltsbeschei-
nigungen sowie der Erteilung einer Melderegisterauskunft über Beglaubigungen und die Be-
antragung von Führungszeugnissen bis hin zur Beantragung der Online-Funktion des Perso-
nalausweises.
Der diensthabende Sicherheitskoordinator teilte mit, dass die Schlangen der Bürger mon-
tags und dienstags bereits vor dem Rathaus nach den verschiedenen Angelegenheiten und
Zielorten Ausländerbehörde, Jugendamt und Kundenzentrum sortiert und reguliert werden.
Wenn der Sicherheitsdienst diese Vorauswahl aus der Masse der Besucher nicht träfe,
würde Chaos im Rathaus herrschen, was wiederum das Sicherheitsgefühl der städtischen
Fachkräfte beeinträchtigen würde. Nicht alle Kunden nähmen den Sicherheitsdienst ernst,
aber die Security-Kräfte seien geschult und wissen sich durchzusetzen. Insofern gebe es
keine Sicherheitsprobleme.
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 241
B6.5 Beobachtungen im öffentlichen Raum
Neben der Raumbewertung im Rahmen der Audits der städtebaulichen Kriminalprävention
und den Hintergrundgesprächen mit lokalen Stakeholdern kam auch die Methode der teil-
nehmenden Beobachtung zum Einsatz, um die Nutzungsintensität bestimmter Quartiersberei-
che zu erfassen. In Anlehnung an die Methodik des dänischen Stadtplaners Jan Gehls wur-
den in einem „Beobachtungsbogen“ die Nutzerinnen und Nutzer an spezifischen Orten ge-
zählt und die Nutzungsformen dokumentiert.20
Am 11 Juli 2024 wurden fünf Zählungen und Beobachtungen an folgenden Orten durchge-
führt:
• Zugang zur Venloer Straße am südwestlichen Ausgang des Bahnhofs Ehrenfeld
• Ecke Bartholomäus-Schink-Straße/Schönsteinstraße am nordwestlichen Ausgang des
Bahnhofs Ehrenfeld
• Gerhard-Wilczek-Platz/Stammstraße 1 am südöstlichen Ausgang des Bahnhofs Eh-
renfeld
• Leo-Amann-Park
• Spielplatz Glasstraße
In einem 10-Minuten-Intervall wurde am südwestlichen Ausgang des Bahnhofs Eh-
renfeld um die Mittagszeit des 11. Juli 2024 ermittelt, wie stark der Fußgängerfluss in der
Richtung zur Venloer Straße und in den Abgang zur U -Bahnstation Venloer Straße/Gürtel
ausfällt. Gezählt wurden:
• 63 Frauen und drei Kinder in Bewegung,
• 74 Männer und ein Kind in Bewegung,
• darunter bewegten sich jeweils 20 Frauen bzw. Männer hinab zur U-Bahnstation
und der Rest strömte weiter zur Venloer Straße.
In der Extrapolation bedeutet das, dass in einer Stunde rund 820 erwachsenen Personen –
d.h. 380 Frauen (46%), 440 Männer (54%) – dort unterwegs waren. Ein Drittel des Men-
schenstroms wählt den Weg in die U-Bahnstation und zwei Drittel bewegen sich oberirdisch
weiter in Richtung Ehrenfeld. Verweilende wurden nicht beobachtet – einerseits gibt es
keine Sitzgelegenheiten in dem Bereich und andererseits verhielten sich alle Passanten ziel-
orientiert. Der Bereich, in dem Fahrräder vor dem U-Bahneingang abgestellt werden kön-
nen, war überfüllt und wirkte daher unordentlich.
Es folgte ein 10-Minuten-Intervall am nordwestlichen Ausgang des Bahnhofs Ehren-
feld an der gegenüberliegenden Ecke Bartholomäus-Schink-Straße/Schönsteinstraße. D ort
wies der Fußgängerverkehr aus dem Bahnhof heraus eine deutlich geringere Dichte auf.
Gezählt wurden:
• 31 Frauen, die aus dem Tunnel des Bahnhofs Ehrenfeld kamen, sowie
• 21 Männer in Bewegung,
20 Gehl, Jan & Svarre, Birgitte (2013). How To Study Public Life. Washington: Island Press.
MaKoS
Verfahren und Erprobung 242
• drei Frauen und ein Mann verweilten vor Ort,
• 14 Fahrradfahrende fuhren vorbei und
• 15 Kraftfahrzeuge.
Bezogen auf eine Stunde erzeugte der nordwestliche Bahnhofsausgang eine Frequenz von
rund 300 erwachsenen Personen – d.h. 180 Frauen (60%) und 120 Männer (40%). Der
Tunnel wurde auch als (erlaubte) Fahrradverbindung genutzt, aber es konnte keine Markie-
rung festgestellt werden, die den Weg zwischen den vielen Fußgängern und den Radfah-
renden aufteilt. Der Fußgängerfluss wurde nicht durch abgestellte Fahrzeuge gestört. Die
Verweilenden saßen auf Bänken im Bereich des Spielplatzes an der Ecke Bartholomäus-
Schink-Straße/Schönsteinstraße.
In einem weiteren 10-Minuten-Intervall wurde am frühen Nachmittag des 11. Juli 2024 am
Gerhard-Wilczek-Platz/Stammstraße 1 der südöstliche Ausgang des Bahnhofs Eh-
renfeld beobachtet. Es wurde ermittelt, wie stark der Fußgängerfluss auf dieser Seite des
Bahnhofs Ehrenfeld ausfällt. Gezählt wurden:
• 30 Frauen in Bewegung,
• 31 Männer in Bewegung,
• 11 Personen suchten auf der anderen Ausgangsseite die Bushaltestelle auf;
• vier Frauen und fünf Männer verweilten in der Zeit vor Ort;
• den Tunnel passierten 14 Fahrradfahrende und
• 15 Kraftfahrzeuge.
Bezogen auf eine Stunde erzeugte der südöstliche Bahnhofsausgang eine Frequenz von
rund 360 erwachsenen Personen – d.h. 180 Frauen (50%) und 180 Männer (50%). Der
Tunnel wurde auch als (erlaubte) Fahrradverbindung genutzt; allerdings gibt es keine Mar-
kierung, die den Weg zwischen den Fußgängern und den Radfahrenden aufteilt. Der Fuß-
gängerfluss wurde nicht durch abgestellte Fahrzeuge gestört. Die Verweilenden saßen auf
drei robusten Bänken unter einem großen, alten Baum am Gerhard-Wilczek-Platz/Stamm-
straße 1 .
Am südöstlichen und am nordwestlichen Ausgang des Bahnhofs Ehrenfeld ist die Dichte der
Fluktuation – insgesamt betrachtet – jeweils nur halb so groß wie am südwestlichen Aus-
gang, der mit der U-Bahnstation der KVB und der Venloer Straße verbunden ist. Insgesamt
ist in einer Stunde mit einem Aufkommen von etwa 1.500 Personen zu rechnen. Im Rahmen
der Beobachtungen wurden keine Konflikte festgestellt – der Fußgänger - und Fahrradfluss
lief reibungslos ab.
Eine Beobachtung im Rahmen eines 10-Minuten-Intervalls wurde am frühen Nachmittag des
11. Juli 2024 auch im Leo-Amann-Park durchgeführt. Bei sonnigem Wetter wurde er gut
besucht. Gezählt wurden:
• 16 verweilende Frauen und
• 23 verweilende Männer.
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 243
• Auf der anliegenden Terrasse des Bürgerzentrums Ehrenfeld saßen rund 20 Perso-
nen aufgeteilt über verschiedene Tische.
• Nur eine fahrradfahrende Person kreuzte den Park.
Viele der Verweilenden saßen auf Bänken und entspannten oder lasen ein Buch. Andere
hatten auf der Grünfläche Decken ausgebreitet, um sich darauf zu sonnen. Einige junge
Männer trainierten Kraftsport. An einigen Stellen waren Graffiti Tags zu erkennen. Tags-
über bot der Raum einen guten Überblick und erzeugte keine Unsicherheitsgefühle. Da der
Park unbeleuchtet ist, wird das von den Bewohnern am Abend anders wahrgenommen.
Eine letzte Beobachtung wurde am Nachmittag des 11. Juli 2024 auf dem Spielplatz
Glasstraße durchgeführt. Bei sonnigem Wetter wurde er gut besucht. Gezählt wurden im
Rahmen des 10-Minuten-Intervalls:
• 18 Elternteile mit Kindern und
• vier andere Verweilende.
Einige der verweilenden Personen saßen auf Bänken am Rand des Spielplatzes unter schat-
tigen Bäumen. Die Eltern und die Kinder verteilten sich über die verschiedenen Spielobjekte
und Spielbereiche. Am Spielhaus saß der ehrenamtliche Spielplatzpate Antonio Pizzuli. Er
hatte für die Eltern und Kinder im Spielhaus die Toilette geöffnet. Außerdem gab er weitere
Spielmaterialien aus. Es gab zwar einige Graffiti Tags an den Wänden, aber der Ort wirkte
im Großen und Ganzen gepflegt. Es hieß, d ies sei auf das Engagement des ehrenamtlichen
Kümmerers zurückzuführen.
B6.6 Integrierte Bewertung der Ergebnisse in Köln Ehrenfeld
Im Rahmen des „Masterplans Kommunale Sicherheit“ wurde in ersten Schritten die Sicher-
heitslage in den 570 statistischen Quartieren der Stadt Köln anhand von Indikatoren analy-
siert. Auf dieser Grundlage wurden einige der besonders belasteten Quartiere – mit Strafta-
ten der Straßenkriminalität, mit hoher demographischer Fluktuation und Unordnung – für
weitere Untersuchungen ausgewählt. Im Stadtteil Ehrenfeld fiel die Auswahl auf die
Quartiere Hansemannstraße und Leo- Amann-Park. Dort wurden die folgenden ver-
tiefenden empirischen Schritte durchgeführt:
• Identifizierung der lokalen Hotspots – differenziert nach Straßen – in den Quartie-
ren auf der Basis von Daten der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS);
• Durchführung von Audits der städtebaulichen Kriminalprävention zur Bewertung der
Raum- und Beleuchtungsqualitäten;
• Interviews mit Passanten zur Ermittlung der Ausprägung affektiver und konativer Kri-
minalitätsfurcht in den beiden Quartieren;
• Sammlung von Hintergrundinformationen im Gespräch mit lokalen Stakeholdern und
• Beobachtungen im öffentlichen Raum zur Abbildung des Nutzungsverhaltens
MaKoS
Verfahren und Erprobung 244
Ein Blick in die Kommunalstatistik verdeutlichte, dass die männlichen Einwohner im
Jahr 2023 nur im Quartier Hansemannstraße mehr als die Hälfte der Bewohnerschaft aus-
machten – im Quartier Ehrenfeld West/Leo-Amann-Park war das nicht der Fall. Der Anteil
der jungen Bevölkerung im Alter bis 18 Jahre lag in den Ehrenfelder Quartieren Leo-
Amann-Park und Hansemannstraße unterhalb des Stadtdurchschnitts . Überrepräsentiert wa-
ren vor allem die 18 bis unter 45-jährigen. Wegen der hohen Quote der Einpersonenhaus-
halte blieb die Haushaltsgröße im Jahr 2023 in den Ehrenfelder Quartieren unter dem Köl-
ner Stadtdurchschnitt. Im Quartier Hansemannstraße fiel auch der Bevölkerungsanteil mit
Migrationshintergrund unterdurchschnittlich aus. Die Fluktuationsquote lag in den Ehrenfel-
der Quartieren 2023 weit über dem Stadtdurchschnitt: Werden von den Zuzügen die Fort-
züge abgezogen, so zeigte sich ein Wachstum.
Der Anteil von SGB II- Leistungsberechtigten an allen Einwohnern mit Hauptwohnung im
gleichen Alter sowie der Anteil der Leistungsberechtigten mit Sicherung des Lebensunterhal-
tes an allen Einwohnern mit Hauptwohnsitz in Köln lag im Jahr 2023 im Quartier Hanse-
mannstraße unter dem Kölner Stadtdurchschnitt – im Quartier Ehrenfeld-West/Leo-Amann-
Park nur geringfügig darüber. Die Arbeitslosenquote 2023 lag nur im Quartier Ehrenfeld-
West/Leo-Amann-Park über dem Kölner Durchschnitt.
Bei der Quote der Abgänger ohne Schulabschluss an allen Schulabgängen lag der Stadtbe-
zirk Ehrenfeld unter dem Stadtdurchschnitt. Und bei den Grundschulempfehlungen hatte
2023 über die Hälfte der Grundschüler im Stadtteil Ehrenfeld eine Empfehlung für das Gym-
nasium erhalten. Vor diesem Hintergrund weisen die beiden Quartiere „keine stark er-
höhten Problemlagen“ auf, wenn die Terminologie des Kölner Lebenslagenberichts von
2020 herangezogen wird.
Die Delikte der Straßenkriminalität verteilten sich im Jahr 2023 nicht gleichmäßig
über die Straßen in den Ehrenfelder Quartieren Leo -Amann-Platz und Hansemannstraße.
Die Straftaten bündelten sich vor allem an den wenigen Schnittstellen der Quartiere zu öf-
fentlichen Verkehrsmitteln (vgl. Tabelle 9):
• Hotspot 1: Die quer durch die Quartiere Leo-Amann-Platz und Hansemannstraße
verlaufende Venloer Straße mit dem Hauptausgang des Bahnhofs Ehrenfeld und den
Umsteigepunkten der KVB [U-Bahn und Straßenbahn] .
• Hotspot 2: Der vordere Teil der Stammstraße mit dem Gerhard-Wilczek-Platz –
dort befinden sich der südöstliche Aus-- und Eingang in den Bahnhof Ehrenfeld.
• Hotspot 3: Die Bartholomäus-Schink-Straße – sie grenzt an den nordwestlichen
Aus-- und Eingang in den Bahnhof Ehrenfeld.
Die meisten Straftaten – d.h. ein Drittel aller Delikte – wurden der – quer durch die Quar-
tiere Leo-Amann-Platz und Hansemannstraße verlaufenden – Venloer Straße zugewiesen. In
der Zusammenschau ist zu erkennen, dass fast 60 Prozent der Straßenkriminalität im Jahr
2023 auf das Umfeld des Bahnhofs Ehrenfeld – von der Stammstraße mit dem Gerhard -
Wilczek-Platz über die Bartholomäus-Schink-Straße bis zur Venloer Straß e mit den KVB-Hal-
testellen – entfielen (Hotspot 1, 2 und 3). Nur etwas mehr als ein Viertel der Straftaten
wurde 2023 in den restlichen Straßen der beiden Quartiere registriert.
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 245
Laut dem Expertengespräch in der Polizeiinspektion 3 hängen die meisten Strafta-
ten mit dem „Partyviertel“ zusammen, das vom „Club Bahnhof Ehrenfeld“ in der Bartholo-
mäus-Schink-Straße über weitere Treffpunkte auf dieser Straße und in der Heliosstraße bis
zur „Live Music Hall“ in der Lichtstraße reicht. Vertei lt über diese Locations sind am Wo-
chenende mehrere Tausend junge Menschen unterwegs. Beim Tanzen, in den Konzerten
oder beim Feiern kommt es zu einfachen Diebstählen. Seitens der Polizei gebe es kaum In-
terventionsmöglichkeiten – Abhilfe könne allein durch eine verbesserte Prävention im
Verhaltensbereich geschaffen werden. Auch die Sachbeschädigungen – im Sinn von Ge-
walt gegen Sachen – seien als unerwünschter Nebeneffekt der Partykultur und des damit
verbundenen Alkoholkonsums wahrzunehmen.
Die große Mehrheit der befragten Passanten , deren Wohnung in den Veedel rund um
die Venloer liegt, wohnen gern in ihrem Wohnquartier. Etwa ein Viertel der befragten Pas-
santen stammten nicht aus den beiden Vierteln. Sie suchten das Gebiet auf, um dort einzu-
kaufen, eine medizinische Dienstleistung in Anspruch zu nehmen oder Freunde zu besuchen.
Die affektive Kriminalitätsfurcht ist vor allem unter Frauen ausgeprägt. Rund 40 Pro-
zent der befragten Frauen fühlen sich unsicher, wenn sie im Dunkeln allein in den beiden
Quartieren im Umfeld des Ehrenfelder Bahnhofs unterwegs sind; unter den Männern betrifft
das weniger als ein Zehntel. Obwohl rund 80 Prozent der Befragten die Auffassung vertre-
ten, dass der Bahnhofsbereich in Ehrenfeld sicher sei, wird die Situation teilweise als unan-
genehm wahrgenommen: Denn wenn der Blick auf den engeren Bereich des Bahnhofs Eh-
renfeld fokussiert wird, fühlen sich fast zwei Drittel der Frauen und ein knappes Viertel der
Männer dort unsicher. Das Strukturbild der Unsicherheit am Abend ist somit nur unter den
befragten Frauen leicht überdurchschnittlich, wenn es mit den Ergebnissen einschlägiger wis-
senschaftlicher Studien verglichen wird, in denen die Befragten Stellung bezogen, ob sie
sich in ihrem Wohngebiet abends im Dunkeln unsicher oder sicher fühlen. Bezogen auf den
unmittelbaren Bahnhofsbereich fällt die Quote unter Frauen hingegen stark überdurch-
schnittlich aus.
Viele verkehrsbezogene Orte rund um den Bahnhof – wie die Bahnbögen an der Hütten-
straße und die Bartholomäus-Schink-Straße – gehören nach den Angaben der Befragten
auch zu den Meideorten. Einen Einfluss hat auch die Verschmutzungssituation rund
um den Bahnhof Ehrenfeld, die von drei Viertel der Befragten als sehr negativ eingestuft
wird.
Die Audits der städtebaulichen Kriminalprävention in den Straßen der Quartiere
Leo-Amann-Platz und Hansemannstraße verdeutlichten die urbane Atmosphäre durch die
vorherrschende Blockrandbebauung in Ehrenfeld. In der Dimension „Räumliche An-/Zuord-
nung, gestalterische Klarheit“ wurden die Anforderungen vollständig oder nahezu vollstän-
dig erfüllt. Fast überall waren die Fenster von Wohn- und Aufenthaltsräumen auf den Stra-
ßenraum ausgerichtet und die Grenzen zwischen halböffentlichen und öffentlichen Berei-
chen waren gut erkennbar. In der Dimension „Aufenthaltsqualitäten im Freiraum“ wurde
das Anforderungsprofil des Audits teilweise bis gar nicht erfüllt. Es gibt nur wenige einla-
dende und leicht zugängliche Aufenthaltsorte, die nicht den Charakter eines Angstraumes
MaKoS
Verfahren und Erprobung 246
aufweisen und ausreichend sozial kontrolliert sind – exemplarisch haben das die Beobach-
tungen im Leo-Amann-Park, auf dem Gerhard-Wilczek-Platz und auf dem Spielplatz in der
Glasstraße veranschaulicht . Im unmittelbaren Umfeld des Bahnhofs Ehrenfeld und auf einem
anderen Spielplatz an der Hansemannstraße traf das nicht zu. Schwach bewertet wurden
auch die Abstellmöglichkeiten; denn Gelegenheiten zum Abstellen des Fahrrads waren ge-
nerell nicht in ausreichendem Maß verfügbar und die vorgefundene Situation von abgestell-
ten Fahrrädern war oft nicht ordentlich. Durch das orthogonale Straßenraster in Verbindung
mit der Blockrandbebauung kann man sich in den Wohnstraßen gut orientieren. Die Stra-
ßen bieten lange Sichtachsen und machen die Wegeführung transparent. Im Umfeld des Eh-
renfelder Bahnhofs wurden die Orientierung und Wegeführung schlechter bewertet, weil
das Auffinden der Richtungen zwischen den Bahnsteigen der Deutschen Bahn und zwischen
den ober- und unterirdischen Haltepunkten Venloer Straße/Gürtel der Kölner Verkehrsbe-
triebe kaum mit Hinweisen unterstützt wird. Die unklaren Übergänge können Kriminalitäts-
furcht auslösen, wenn das Zusammenspiel der verschiedenen Haltepunkte nicht von vorne-
herein bekannt ist und die Suche nach dem richtigen Anschluss Nervosität auslöst. Beim Au-
dit fehlten Hinweise für ortsunkundige Besucher, wohin die verschiedenen Wegemöglichkei-
ten führen. Die Hinweisschilder auf der Venloer Straße, aber auch in den anderen Straßen
der beiden Quartiere sind auf den Verkehr der Kraftfahrzeuge fokussiert. Lediglich im Um-
feld des U-Bahnhofs Venloer Straße/Gürtel wurden Hinweise der KVB für Fußgänger gefun-
den, die auf einen Eingang in die U-Bahnstation aufmerksam machen.
Darüber hinaus waren die Ausgangssituation auf der östlichen und der westlichen Seite des
Bahnhof Ehrenfelds teilweise durch Müllcontainer versperrt, durch große Fahrradabstellbe-
reiche unübersichtlich und führten auf der Hüttenstraße in eine vernachlässigte, unordentli-
che Zone.
Der [nach den Zählungen und Beobachtungen am stärksten frequentierte] Bahnhofsaus-
gang auf der südwestlichen Seite wird durch einen Kiosk – quasi von privater Seite –
farblich betont und gut beleuchtet markiert. Die Situation der abgestellten Fahrräder und E-
Scooter wirkte dort unordentlich, störte aber nicht den Fluss der Passantenströme. Die gute
Ausleuchtung am südwestlichen Ausgang des Bahnhofs Ehrenfeld resultiert aus den privaten
Lichtquellen des Kiosks und von weiteren Läden im Erdgeschossbereich. Die Wegeführung
durch die öffentlichen Laternen weist demgegenüber nicht das Format auf, das ein so stark
frequentierter Bereich erfordert. So könnten an der Wand der Bahnbögen, die dem Ab-
gang in die U-Bahnstation gegenüberliegt, mehr smarte Lichtquellen installiert werden, um
den Weg lichttechnisch besser zu markieren.
Auf dem Weg vom südwestlichen Ausgang des Bahnhofs Ehrenfeld zur Venloer Straße
folgt ein Straßenabschnitt, in de m die Laternen während des Audits durch das Blattgrün der
Baumkronen verdeckt wurden. Dadurch bildeten sich Schattenbereiche, in denen entgegen-
kommende Personen nicht im erforderlichen Maße wahrgenommen werden konnten. Und in
der Unterführung der Venloer Straße fiel nur ein Lichtrest auf die Fußwege an den
Rändern, weil die vier Leuchtmittel über der Straße für den Kfz -Verkehr platziert wurden.
Am Bahnhofsausgang auf der nordwestlichen Seite befinden sich auf der Bartholo-
mäus-Schink-Straße zahlreiche gastronomische Einrichtungen, deren Abschottungen, Büsche
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 247
und Abdeckplanen das Gebiet unübersichtlich machen. Dort gibt es keine Wohnnutzungen,
sondern nur – nach außen abgesch lossene – „Partylocations“. Nach den Daten der PKS
kann diese Zone auch als ein Hotspot der Straßenkriminalität angesehen werden. Auch die
Ecke der Bartholomäus-Schink-Straße zum Ehrenfeldgürtel weist eine unübersichtliche städte-
bauliche Struktur auf. Die Brache des ehemaligen Postamts wurde im Erdgeschossbereich
mit zahlreichen Graffitis und Tags übersät und nimmt abends den Charakter eines Angstrau-
mes an. Das unmittelbare Umfeld am nordwestlichen Ausgang des Bahnhofs Ehrenfeld er-
füllte auch nicht die Anforderungen des Beleuchtungsaudits. So bietet die Beleuchtung auf
der Bartholomäus-Schink-Straße keine gute Lichtführung für den vorauslaufenden Weg.
Beim Heraustreten aus dem hell erleuchteten Tunnel des Bahnhofs muss ein dunkler Ab-
schnitt – vorbei an Fahrradabstellplätzen – durchschritten werden. Eine lichttechnisch bes-
sere Abstufung des Übergangsbereichs erscheint notwendig.
Der nordöstliche Ausgang des Bahnhofs Ehrenfeld auf der anderen Seite des Ehren-
feldgürtels schließt an den heruntergekommenen Bereich der Bahnbögen in der Hütten-
straße an, der auch als Meideort genannt wurde. Beide östlichen Ausgänge des Bahnhofs
Ehrenfeld weisen eine ähnliche Problematik auf wie der nordwestliche Ausgang auf die Bar-
tholomäus-Schink-Straße. Denn es fehlen Lichtquellen, die weitere Wege ins Quartier licht-
technisch markieren. Der Kontrast des Übergangs vom gut beleuchteten Bahnhofs tunnel der
DB in den öffentlichen Raum entsteht durch ein lichttechnisch reduziertes Angebot. An den
Außenwänden des Ausgangs zum Gerhard -Wilczek-Platz befinden sich zwei Leuchtmittel:
Ihr Lichtkegel reicht nur bis zu dem großen, alten Baum, der davorsteht; auf dem Weg nach
rechts versperren Müllcontainer den nicht direkt beleuchteten Weg.
Über die Heliosstraße sucht am Wochenende ein großer Strom junger Menschen weitere
Partylocations auf. Der Weg durch die Heliosstraße ist dadurch gekennzeichnet, dass im
Erdgeschoss kaum Fenster auf die Straße ausgerichtet sind. Sensible Personen verspüren
dort am Abend allein affektive Kriminalitätsfurcht, weil es keine Zeichen einer informellen
sozialen Kontrolle gibt. Beim Beleuchtungsaudit wurden die Anforderungen nur in geringem
Maße erfüllt , weil das Blattgrün der Bäume die Straße in einigen Abschnitten verschattete.
Der Gesichtseindruck entgegenkommender Passanten konnte nicht im erforderlichen Maße
wahrgenommen werden. Das ist insofern problematisch, weil das Feierpublikum an den
Wochenenden über die Helios- und Lichtstraße beliebte Party -Orte aufsucht, und keine infor-
melle soziale Kontrolle wegen fehlender Fenster im Erdgeschoss, aber auch wegen des Feh-
lens von Wohnbevölkerung in diesem Areal zu erwarten ist.
Nach der Fertigstellung des Neubaus der Heliosschule müssen die Wegeführung und die
Beleuchtung in der Vogelsanger Straße auf die Perspektiven von Schülerinnen und Schü-
ler zugeschnitten werden, die in den Morgenstunden der dunklen Jahreszeit zu Fuß unter-
wegs sind oder mit dem Fahrrad kommen.
Die Venloer Straße bietet nur wenige Möglichkeiten zum Aufenthalt. Zwischen dem
Fahrradweg, parkenden Fahrrädern und dem Fußweg verbleibt kaum Platz für einen Auf-
enthalt. Eine der raren Bänke befindet sich im Bereich der neuen Einbahnstraßenregelung.
Um das Fehlen von Sitzgelegenheiten zu kompensieren, haben engagierte Bürger soge-
MaKoS
Verfahren und Erprobung 248
nannte Wanderbäume an der Venloer Straße in einer Parknische aufgestellt. Die Einbahn-
straßenregelung auf einem Abschnitt der Venloer Straße hat zu einer entspannten Verkehrs-
situation beigetragen, weil der Fahrradverkehr nicht mehr über die engen Radwege am
Rand der belebten Fußwege und zwischen unordentlich abgestellten Fahrrädern hindurch-
geführt wird. Dadurch ist Platz für Aufenthaltsgelegenheiten vorhanden. Im Gespräch mit
der Polizeiinspektion 3 wurde hervorgehoben, dass die Einbahnstraßenregelung auf ei nem
Abschnitt der Venloer Straße positive Wirkungen zeige, weil die Unfallbelastung dort ge-
sunken sei.
Im Unterschied zu Stadtteilen wie Köln Kalk weist Ehrenfeld eine hohe Fahrraddichte
auf: Auf den Fahrradwegen herrschte an den Tagen der vertiefenden Erhebungen ein dich-
ter Fahrradverkehr und die Abstellbereiche waren überfüllt. Eine Überprüfung der Fahrrä-
der, die im Ausgangstunnel und im Umfeld des Bahnhofs abgestellt waren, ergab, dass
rund jedes fünfte Fahrrad defekt war. Diese Räder waren schon länger nicht bewegt wor-
den, wie anhand der dicken Staubschicht auf dem Sattel abgelesen werden konnte.
Die Fenster in den Wohnstraßen wie die Philipp- oder Hansemannstraße, aber auch die
Marienstraße und Senefelder Straße sind auf den Straßenraum ausgerichtet und die punktu-
elle Nutzungsmischung trägt dazu bei, dass eine informelle soziale Kontrolle auch aus den
Läden im Erdgeschoss erfolgt. Vereinzelt wurden Zeichen bürgerschaftlichen Engagements
beobachtet – wie z.B. Baumscheiben, deren Bepflanzung von Straßenbewohnern gepflegt
wird. Wenn die Auditoren mit Anwohnern ins Gespräch kamen, die vor dem Haus oder vor
einem Café saßen, wurde oft ein gutes nachbarliches Miteinander gewünscht. Als Refe-
renzbeispiel (1) wurde das Engagement der Bewohnerschaft im öffentlichen Raum der
Körnerstraße genannt – das verbreitete gemeinsame Feiern von Straßenfesten und die
künstlerische Gestaltung sowie die Gartenpflege von Baumscheiben dort möchten viele auf
ihre Nachbarschaft übertragen.
Ein weiteres Referenzbeispiel (2) stellt der Spielplatz an der Glasstraße dar. Die beson-
dere Qualität liegt darin, dass der Platz von einem ehrenamtlichen Spielplatzpaten betreut
wird, dem die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker bereits im Jahr 2017 eine Dan-
kes- und Anerkennungsurkunde für bürgerschaftliches Engagement überreicht hatte. Der
Spielplatz hat den Charakter eines „Offenen Spielplatztreffs“; d.h. er ist mit Spielmateria-
lien ausgestattet, die an Eltern und Kinder verliehen werden. Im Spielhaus befindet sich
auch eine Toilette, die bei Bedarf für die Eltern und Kinder aufgeschlossen wird. Unter den
Eltern des Quartiers Hansemannstraße entsteht dadurch ein Beziehungsnetzwerk, das posi-
tive Auswirkungen auf die informelle Kontrolle im Quartier hat.
Auf der Basis der vertiefenden Untersuchungen in den Ehrenfelder Quartieren Hansemann-
straße und Leo- Amann-Park werden nachfolgend Empfehlungen unter fünf Perspektiven ab-
geleitet.
Empfehlungen zur Gestaltung des öffentlichen Raumes:
• Da im Jahr 2023 die meisten Straftaten auf der Venloer Straße registriert wurden,
sind dort weitere Maßnahmen der städtebaulichen Kriminalprävention er-
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 249
forderlich. Es wird empfohlen, die eingeschränkt durchgeführte Einbahnstraßenre-
gelung auf weitere Abschnitte der Venloer Straße zu erweitern, um Platz
für Aufenthaltsorte zu schaffen, die die informelle soziale Kontrolle stärken und
die Unfallbelastung wegen der entspannten Verkehrssituation verringern. [mittel- bis
längerfristiger Zeithorizont]
• An der Ecke der Bartholomäus-Schink-Straße zum Ehrenfeldgürtel befindet sich die
Brache des ehemaligen Postamts. Die Zone vermittelt abends einen Angst-
raum-Charakter. Es wird eine Überarbeitung der räumlichen Situation im Rahmen ei-
ner städtebaulichen Entwicklungsplanung angeregt. [mittel- bis längerfristiger
Zeithorizont]
• Es wird empfohlen, einen geeigneteren Standort für die Müllcontainer am
Ein-/Ausgang auf der südöstlichen Seite des Bahnhof Ehrenfelds zu suchen. [kurzfris-
tiger Zeithorizont]
• Nach der Fertigstellung des Neubaus der Heliosschule muss die Wegeführung in
der Vogelsanger Straße auf die Perspektiven von Schülerinnen und Schü-
ler zugeschnitten werden, die in den Morgenstunden der dunklen Jahreszeit zu Fuß
unterwegs sind oder mit dem Fahrrad kommen. [kurz- bis mittelfristiger Zeithorizont]
• Die Gelegenheiten zum Abstellen des Fahrrads waren generell nicht in ausreichen-
dem Maß verfügbar und die vorgefundene Situation von abgestellten Fahrrädern
war oft nicht ordentlich. Es wird empfohlen, die Kapazität der Fahrradstell-
plätze zu erhöhen. [mittelfristiger Zeithorizont]
Empfehlungen zur Beleuchtung:
• Empfohlen wird ein Rückschnitt der Baumkronen auf der Venloer Straße
hinter dem südwestlichen Ausgang des Bahnhofs Ehrenfeld, damit die Straßenl ater-
nen nicht mehr vom Blattgrün verdeckt werden und die Baumkrone nicht mehr den
Fußweg verschattet. [kurzfristiger Zeithorizont]
• In jährlichen Begehungen ist zu prüfen, wo solche Rückschnitte infolge des
Baumwuchses erforderlich sind. [kurzfristiger Zeithorizont]
• Es wird empfohlen, an den Masten der Straßenlaternen QR -Codes anzubringen,
über die Passanten auf ihrem Mobiltelefon die Meldung des Standorts defek-
ter Straßenlaternen auf die Website der RheinEnergie senden können:
www.rheinenergie.com/defekteleuchte. [mittelfristiger Zeithorizont]
• Darüber bedarf es einer regelmäßigen Prüfung des Zustand s der Beleuch-
tung in den Straßen , damit defekte Leuchtmittel zeitnah ersetzt werden können.
[kurzfristiger Zeithorizont]
• Die Wege durch die Heliosstraße und durch die Bartholomäus -Schink-
Straße sind dadurch gekennzeichnet, dass im Erdgeschoss keine Fenster auf die
Straße ausgerichtet sind. Sensible Personen verspüren dort am Abend allein affek-
tive Kriminalitätsfurcht, weil es keine Zeichen einer informellen sozialen Kontrolle
gibt. Deshalb wird empfohlen, eine smarte Beleuchtung zu installieren, um den
MaKoS
Verfahren und Erprobung 250
Weg heller auszuleuchten, wenn das Partypublikum dort unterwegs ist, und in
den Nachtstunden wieder zu dimmen. [mittelfristiger Zeithorizont]
• Empfohlen wird eine Verbesserung der Beleuchtung in den öffentlichen Zo-
nen unmittelbar hinter den Ausgängen aus dem Bahnhof Ehrenfeld. Auf
der südwestlichen Seite des Bahnhofsausgangs weisen die öffentlichen Later-
nen nicht das Format auf, das ein so stark frequentierter Bereich erfordert. Es wird
eine Aufwertung durch die Installation von Lichtquellen empfohlen, so dass der Weg
lichttechnisch besser markiert wird. [mittelfristiger Zeithorizont]
• Das gilt auch für den nordwestlichen Ausgang des Bahnhofs Ehrenfeld.
Dort bietet die Beleuchtung auf der Bartholomäus-Schink-Straße keine gute Lichtfüh-
rung auf die vorauslaufenden Wege. und Straßenführung . Eine lichttechnisch bes-
sere Abstufung des Übergangsbereichs nach dem Eintreten aus dem hell erleuch-
teten Tunnel des Bahnhofs in einen dunklen Abschnitt erscheint notwendig. [mittelfris-
tiger Zeithorizont]
• Empfohlen wird auch die Installation einer gesonderten Beleuchtung der Fußwege in
der Unterführung der Venloer Straße . [mittelfristiger Zeithorizont]
• Nach der Fertigstellung des Neubaus der Heliosschule muss die Beleuchtung in
der Vogelsanger Straße auf die Perspektiven von Schülerinnen und Schü-
ler zugeschnitten werden, die in den Morgenstunden der dunklen Jahreszeit zu Fuß
unterwegs sind oder mit dem Fahrrad kommen. [kurz- bis mittelfristiger Zeithorizont]
Empfehlungen zum Umgang mit problembehafteten Schnittstellen zwischen
privaten und öffentlichen Räumen:
• Die Deutsche Bahn (DB) muss durch die Stadt Köln aufgefordert werden, für die
Bahnbögen in der Bartholomäus-Schink-Straße und in der Hüttenstraße zusammen
mit der Stadtplanung der Stadt Köln ein neues Nutzungs- und Gestaltungs-
konzept auszuarbeiten. Das Umfeld des Bahnhofs soll dort so gestaltet werden,
dass es einen gepflegteren Eindruck macht und so positiv auf das Gefühl der affekti-
ven Kriminalitätsfurcht wirkt. [mittelfristiger Zeithorizont]
• Die Deutsche Bahn muss darauf hingewiesen werden, dass in den Ein- bzw.
Ausgangstunneln des Bahnhofs Ehrenfeld vor den Aufgängen zu den Bahnstei-
gen elektronische Anzeigen (Displays) installiert werden müssen, die eine
schnelle Orientierung geben und die Verunsicherung von Bahnkunden beseitigen,
wann auf welchem Bahnsteig welcher Zug abfährt. [kurzfristiger Zeithorizont]
• In der Zusammenarbeit zwischen DB, KVB und Stadt Köln ist für das Bahn-
hofsdreieck [DB-Bahnsteige, KVB-U-Bahn, KVB-Ringbahn] ein Wegeleitsystem
für Fußgänger zu entwickeln – es soll das Geflecht der Richtungen zwischen den
Bahnsteigen der Deutschen Bahn und zwischen den ober- und unterirdischen Halte-
punkten Venloer Straße/Gürtel der Kölner Verkehrsbetriebe leicht verständlich ver-
mitteln. [mittelfristiger Zeithorizont]
• Nach einer Überprüfung der Fahrräder im Ausgangstunnel und im Umfeld
des Bahnhofs war rund jedes fünfte Fahrrad defekt. Die Deutsche Bahn (DB)
muss mit der Stadt Köln und den Kölner Abfallwirtschaftsbetrieben AWB
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 251
kooperieren, damit solche „Schrottfahrräder“ monatlich identifiziert und mit ei-
nem Zettel markiert werden können. (Nach einer Aufbewahrungszeit von sechs Mo-
naten können die nicht abgeholten, aber in Teilen noch verwertbaren Fahrräder ei-
ner gemeinnützigen Fahrradwerkstatt zur Wiederverwertung übergeben werden.)
[kurzfristiger Zeithorizont]
Empfehlungen zum Dialog mit Zielgruppen in den Quartieren:
• Es wird empfohlen, eine kriminalpräventive Kampagne durchzuführen, die
über Plakate, Videoclips bei TikTok, Instagram, Youtube, u.ä. darüber aufklärt, wie
sich das feiernde Partypublikum im Rahmen einer verhaltensorientierten Prä-
vention besser vor Diebstählen und anderen Gefahren im Partymilieu schützen
kann. [mittelfristiger Zeithorizont]
• Vor allem unter Frauen ist die affektive Kriminalitätsfurcht im näheren und wei-
teren Umfeld des Bahnhofs Ehrenfeld stark ausgeprägt. Einen hohen Einfluss hat die
Verschmutzungssituation rund um den Bahnhof Ehrenfeld. Es wird empfohlen,
die Anbieter von Imbissen, Fast Food und To-Go-Produkten zur Einführung
eines Mehrwegsystems für Ihre Behälter zu verpflichten, in denen die Lebensmit-
tel ausgegeben werden, oder zur Übernahme selbst organisierter täglicher
Reinigungen in der Umgebung ihrer Standorte. [kurzfristiger Zeithorizont]
• Es wird vorgeschlagen, die Erprobung des innovativen Ansatzes AKIK (Allparteili-
ches Konfliktmanagement in Köln) in den Ehrenfelder Quartieren durchzufüh-
ren, um quartiersbezogene Nutzungskonflikte in Grünanlagen, Parks und auf Plät-
zen im dialogischen Austausch mit Bewohnerinnen und Bewohnern zu klären.
• In den Wohnstraßen äußerten Bewohner den Wunsch, das Miteinander in der Nach-
barschaft zu stärken. Es wird empfohlen, eine Strategie der Gemeinwesenent-
wicklung auszuarbeiten, die die nachbarliche Verbundenheit in den Wohn-
straßen stärkt und bürgerschaftliches Engagement fördert. Als Referenz wurde das
Engagement der Bewohnerschaft im öffentlichen Raum der Körnerstraße genannt.
[mittelfristiger Zeithorizont]
• In ähnlicher Weise sind auch Spielplatzinitiativen unter den jungen Eltern zu
fördern. Nach dem Referenzbeispiel des Spielplatzes in der Glasstraße muss die
Gewinnung von ehrenamtlichen Spielplatzpaten besonders gefördert wer-
den, genauso wie der Ausbau zu einem „Offenen Spielplatztreff“, der mit
vielfältigen Spielmaterialien ausgestattet ist. [mittelfristiger Zeithorizont]
• Der Personenkreis der Wohnungslosen muss konsequent zu den Hilfen der
Kontakt- und Beratungsstelle für Wohnungslose „Rochus“ des Sozialdienstes
Katholischer Männer e.V./ SKM Köln in der Bartholomäus-Schink-Straße 6 hinge-
führt werden. Die Attraktivität der Angebote ist dahingehend zu steigern, dass öf-
fentliche Parkflächen nicht mehr dauerhaft in Anspruch genommen werden. [kurzfris-
tiger Zeithorizont]
Empfehlungen zur Erhöhung der formellen Kontrollen:
MaKoS
Verfahren und Erprobung 252
• Im Kontext des hohen Aufkommens von Partypublikum an den Wochenenden wird
angeregt, im Umfeld des Bahnhofs Ehrenfeld mehr Sicherheitspersonal einzuset-
zen und mehr Kontrollen durch Kräfte der Polizei und des Ordnungs-
dienstes durchzuführen. [kurz- bis mittelfristiger Zeithorizont]
• Gewünscht wird auch, dass Betroffene aus dem Partypublikum – z.B. als Opfer –
persönlich eine Kümmer-Person ansprechen können (vor Ort oder per Hotline).
[mittel- bis längerfristiger Zeithorizont]
• In diesem Kontext bedarf es auch einer Überprüfung , an welchen Orten mehr Ab-
fallkörbe aufzustellen sind und wo häufigere Reinigungs- und Leerungszyk-
len stattfinden sollten, um das Abfallaufkommen im öffentlichen Raum zu verringern.
[kurzfristiger Zeithorizont]
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 253
B7. Schnittstelle zum Masterplan Sauberkeit
Die Erprobung des Verfahrens „Masterplan Kommunale Sicherheit“ in ausgewählten Quar-
tieren der Stadtteile Ehrenfeld und Kalk hat verdeutlicht, dass Themen der Sauberkeit und
Ordnung im öffentlichen Raum in der Sicherheitswahrnehmung der Bürgerinnen und Bürger
eine große Rolle spielen. Vor diesem Hintergrund wurden einige Anhaltspunkte geliefert,
wie die Schnittstellen zwischen den Masterplänen Sicherheit auf der einen
Seite und Sauberkeit auf der anderen Seite konkretisiert werden können:
• Intensive und bedarfsgerechte (Hotspot-)Reinigung: Sowohl in den Kalker
als auch in den Ehrenfelder Quartieren korrespondieren die Hotspots der Straßenkri-
minalität mit den Hotspots der Verschmutzung. In den Ehrenfelder Quartieren fokus-
siert sich die Problematik auf die Partyzonen im Umfeld des Bahnhofs. In den Kalker
Quartieren ist auch das Umfeld des S-Bahnhofs betroffen, aber auch die Kalker
Hauptstraße. Es wird empfohlen, in diesen Quartieren zu erproben, inwieweit der
Arbeitseinsatz der AWB in diesen Bereichen verändert werden, und wie eine be-
darfsgerechtere Reinigung sowie Leerung von Papierkörben aussehen könnte. Ge-
prüft werden könnte auch die Einführung von Pfandsystemen im Umfeld der Imbiss-
Restaurants in Ehrenfeld, die auf den Wegen des Partypublikums am Wochenende
liegen.
• Erarbeitung und Umsetzung eines innovativen und bedarfsorientierten
Papierkorbkonzepts: Es wird empfohlen, das bestehende Papierkorbkonzept in
Zusammenarbeit zwischen der AWB und der Deutschen Bahn als Träger der Bahn-
höfe Ehrenfeld und Trimbornstraße zu überprüfen. In den Blick genommen werden
müssen die Größe der Körbe, die Standorte und die Intervalle der Leerung (z.B. im
Rahmen einer standardisierten Prüfung auf Anpassung von Reinigungsintervallen).
Insbesondere in den Ehrenfelder Straßen der Partylocations sind Strategien notwen-
dig, wie zur aktiven Nutzung der Papierkörbe motiviert werden kann.
• Verstärkte Zusammenarbeit mit der Bürgerschaft und lokalen Initiati-
ven: Es wird empfohlen, in den Kalker und Ehrenfelder Quartieren Angebote zur
Einbindung der Bewohnerschaft und zur Zusammenarbeit mit lokalen Initiativen zu
machen. Dies sollte nicht monothematisch auf das Thema Sauberkeit fokussiert wer-
den, sondern weiter gefasst auf Patenschaften von Spielplätzen, Nachbarschaftszo-
nen in der Straße oder auch Baumscheiben gerichtet werden. Dadurch lässt sich die
informelle soziale Kontrolle im Wohnnahbereich verbessern.
• Verzahnung von Sauberkeit und Sicherheit: Die Untersuchungen in den aus-
gewählten Quartieren haben deutlich gemacht, dass die Bahnhofsumfelder in Ehren-
feld und Kalk Trimbornstraße sowohl hinsichtlich der Sauberkeit als auch der Sicher-
heit einen besonderen Handlungsbedarf aufweisen. Es wird empfohlen, die an sol-
chen Orten zu ergreifenden Maßnahmen an einem „Runden Tisch" der Verantwortli-
chen von AWB, Ordnungsamt, Polizei, DB und Zentrum für Kriminalprävention und
Sicherheit integriert abzustimmen.
MaKoS
Verfahren und Erprobung 254
• Sauberkeit und Sicherheit im Kontext sozialpolitischer Herausforderun-
gen: In den Quartieren rund um Kalk Post wurden „Obdachlose“ und „Drogenkon-
sumenten“ in den Passanteninterviews häufig als Probleme genannt. Es wird empfoh-
len, dass sich das Sozialamt, das Gesundheitsamt, das Ordnungsamt, die AWB mit
lokalen Kümmer-Personen und Stakeholdern des Stadtteils auf Lösungsansätze ver-
ständigen.
• Aufklärung und Einbindung spezifischer Zielgruppen: Die Ansprache be-
sonderer Zielgruppen muss nach Quartieren differenziert erfolgen. Während im Um-
feld des Bahnhofs Ehrenfeld vor allem das Partypublikum am Wochenende mit ge-
eigneten Kampagnen angesprochen werden muss, überwiegen im Umfeld des S-
Bahnhofs Trimbornstraße Personengruppen mit unterschiedlichen Migrationsge-
schichten, deren Sprachbarrieren bei der Ansprache zu berücksichtigen ist. Und in
den Schulen sind Präventionsmaßnahmen notwendig, die Kinder und Jugendliche mit
Veranstaltungen, Filmen und Postings in den sozialen Netzwerken erreichen.
• Ausbau des „HappyToilet“-Angebots: Es wird empfohlen, das bestehende
Kölner Toilettenkonzept „HappyToilet“, das in anderen Städten als „Nette Toilette“
verbreitet ist, in den untersuchten Ehrenfelder und Kalker Quartieren kontinuierlich
weiterzuentwickeln. In den Kalker Quartieren gibt es bisher nur die Standorte: Bür-
gerhaus Kalk, Bezirksrathaus Kalk und Kalk Karree. Das männerzentriuerte Urinal
am S-Bahnhof Trimbornstraße kann nur eingeschränkt mitgezählt werden. In den Eh-
renfelder Quartieren fällt das Angebot breiter aus: Toilette U-Bahnstation Venloer
Straße/Gürtel, Bezirksrathaus Ehrenfeld, Bumann & Sohn, Piccola Essen und Trinken
und Van Dyck Rösterei in der Körnerstraße . Die Mobile Toilette am Bahnhof Ehren-
feld kann auch nur eingeschränkt hinzugerechnet werden. Es bedarf einer Strategie,
wie weitere Gastronomen und Einzelhändler im Bereich der Kalker Hauptstraße und
der Venloer Straße für das Konzept der HappyToilet gewonnen werden können. Im
Haushaltsbudget der Stadt Köln sind die dafür notwendigen Mittel einzustellen.
Schlussbericht
Masterplan Kommunale Sicherheit 255
B8. Vertiefte Betrachtung der Siedlung Madaus
Im Jahr 2022 wurden 374 Delikte der Straßenkriminalität registriert, was unter Bezug-
nahme auf die Bevölkerungszahl von 1.950 einem Index von 0,19 Straftaten je Einwohner
entspricht. Das ist im Stadtdurchschnitt ein stark überdurchschnittlicher Wert. Ein Index von
0,19 wurde auch im Jahr 2023 aus den PKS-Daten ermittelt – das Niveau blieb hoch.
Gegenüber 2019 (271 Delikte der Straßenkriminalität) hatte sich die Straftaten bis 2023
um 33,6 % erhöht. Bezogen auf die 1.925 Einwohner am 31.12.2019 ergibt sich ein Index
von 0,14 Straftaten je Einwohner, der somit ebenfalls um ein Drittel angestiegen ist. Es kann
davon ausgegangen werden, dass die Siedlung im Jahr 2019 schon vollständig bezogen,
also schon Bebauung vorhanden war. Denn die Bevölkerung hatte sich bis 2023 nur um 25
Personen erhöht.
Fast die Hälfte der Straßenkriminalität in der Siedlung Madaus wird durch Ladendiebstahl
und ein Fünftel der Straftaten durch Taschendiebstahl geprägt. Es liegt die Hypothese nahe,
dass sich diese Ereignisse um wenige Standorte des Einzelhandels und anderer Versor-
gungsfunktionen bündeln. In der straßenweisen Auswertung der PKS -Daten des Jahres
2023 wurde darüber Klarheit hergestellt. Es wurden zwei Hotspots der Straftaten ermittelt
(vgl. Tabelle 28):
• Hotspot 1: die Ostmerheimer Str. 198 mit Kaufland Köln Merheim und die
Ostmerheimer Str. 200 mit dem Krankenhaus Merheim. Dort finden fast drei
Viertel aller Delikte statt – es dominieren Ladendiebstähle, einfache Diebstähle und
Diebstähle aus Kfz, vereinzelt auch Fahrrad, Kfz- und Taschendiebstähle.
• Hotspot 2: die Wilhelm-Griesinger-Straße 23 mit der LVR-Klinik – dort findet ein
Fünftel der Delikte statt. Es dominieren Rauschgiftdelikte, einfache Diebstähle und
Diebstähle aus Kraftfahrzeugen.
Insgesamt entfallen 93 Prozent der Straftaten auf diese beiden Straßenabschnitte. Gegen-
über den PKS-Daten von 2019 hat sich die Zahl der einfachen Diebstähle im Bereich der
Ostheimer Straße 198 bis 228 (von 44 auf 33 absolut) um ein Viertel (25 Prozent) ve rrin-
gert. Die Zahl der Ladendiebstähle hatte sich von 2019 bis 2022 hingegen mehr als ver-
dreifacht (von 55 auf 185 Fälle absolut) – von 2022 auf 2023 verringerten sich diese Straf-
taten um ein Zehntel (Abnahme um 10,8 Prozent).
Die Tabellenanalyse bestätigt, dass nicht der Bereich mit der Wohnbebauung, sondern der
Einzelhandels-Hotspot und die beiden stationären Gesundheitseinrichtungen für das relativ
hohe Ereignisniveau verantwortlich sind. Auf weitere vertiefende empirische Untersuchungs-
schritte wurde vor diesem Hintergrund verzichtet.
Kriminalpräventive Strategien betreffen folglich nicht das Wohnquartier, sondern die ge-
nannten Unternehmensstandorte: Einerseits können die Kliniken dabei unterstützt werden,
Tatgelegenheiten zu beseitigen, und andererseits kann der großflächige Einzelhandel bera-
ten werden, den Standort und die Waren besser zu schützen.
MaKoS
Verfahren und Erprobung 256
Tabelle 28: Verteilung von Delikten der Straßenkriminalität über die Straßen des Quartiers Siedlung Madaus – Auf dem Eichenbrett im Jahr 2023
Straßen in der Siedlung
Madaus/Auf dem Eichen-
brett
Diebstahl
Raub
Körper-
verletz.
Sachbe-
schäd.
Widerstand
gegen
Staatsge-
walt
Rausch-
gift
Sexuelle
Beläst.
Summe
Zeilen in %
von
KFZ,
Moped
etc.
aus
Kfz Fahrrad
And.
Dieb-
stahl
Laden-
dieb-
stahl
Taschen-
dieb-
stahl
Einbruch
in Woh-
nung
Olpener Straße 612 - 618 0 0 0 0 0 0 0 0 0 1 0 0 0 1 0,3
Ostmerheimer Str. 198 - 228 5 24 6 33 165 8 0 0 4 7 1 12 1 266 74,1
Am Sonnenhut 0 1 0 1 0 0 1 0 0 3 0 0 0 6 1,7
Arnikaweg 0 0 0 0 0 0 0 0 0 3 0 1 0 4 1,1
Auf dem Eichenbrett 0 1 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 1 0,3
Fenchelweg 0 0 0 0 0 0 0 0 0 1 0 0 0 1 0,3
Hopfenstraße 0 0 3 0 0 0 1 0 1 1 0 1 0 7 1,9
Walnussweg 0 4 0 0 0 0 0 0 0 1 0 0 0 5 1,4
Wilhelm-Griesinger-Straße 0 15 5 20 0 1 0 1 0 1 1 23 1 68 18,9
Spaltensumme 5 45 14 54 165 9 2 1 5 18 2 37 2 359 100,0
in Prozent 1,4 12,5 3,9 15,0 46,0 2,5 0,6 0,3 1,4 5,0 0,6 10,3 0,6 100,0
Quelle: PKS 2023, LKA NRW – eigene Berechnungen
MaKoS
Erhebungsinstrumente 257
Anhang 1: Audits der städtebaulichen Kriminalprävention
Datum 07/2024 Quartier:
(1) Räumliche An-/Zuordnung und ge-
stalterische Klarheit
Die Straßennamen in die Spalten eintragen.
Die Grenzen zwischen halböffentlichen und öffentli-
chen Bereichen sind erkennbar.
[5] Vollständige Erfüllung: 5 Punkte
[4] Nahezu vollständige Erfüllung: 4 Punkte
[3] Teilweise Erfüllung: 3 Punkte
[2] Geringe Erfüllung: 2 Punkte
[1] Anforderung nicht erfüllt: 1 Punkt
[0] Nicht anwendbar: 0 Punkte
In der straßenbegleitenden Bebauung sind überwie-
gend Fenster von Wohn- und Aufenthaltsräumen auf
den Fußweg und die Straße ausgerichtet .
[5] Vollständige Erfüllung: 5 Punkte
[4] Nahezu vollständige Erfüllung: 4 Punkte
[3] Teilweise Erfüllung: 3 Punkte
[2] Geringe Erfüllung: 2 Punkte
[1] Anforderung nicht erfüllt: 1 Punkt
[0] Nicht anwendbar: 0 Punkte
Ein öffentlicher Platz ist gut einsehbar und leicht zu-
gänglich.
[5] Vollständige Erfüllung: 5 Punkte
[4] Nahezu vollständige Erfüllung: 4 Punkte
[3] Teilweise Erfüllung: 3 Punkte
[2] Geringe Erfüllung: 2 Punkte
[1] Anforderung nicht erfüllt: 1 Punkt
[0] Nicht anwendbar: 0 Punkte
Summe der Punkte à Division durch 3 (Anzahl Kriterien) à durchschnittliche Punktsumme
Wahrnehmungen:
Empfehlungen:
MaKoS
Verfahren und Erprobung 258
(2) Aufenthaltsqualitäten im Freiraum Die Straßennamen in die Spalten eintragen.
Im Untersuchungsbereich befinden sich einladend und
leicht zugänglich Aufenthaltsorte.
[5] Vollständige Erfüllung: 5 Punkte
[4] Nahezu vollständige Erfüllung: 4 Punkte
[3] Teilweise Erfüllung: 3 Punkte
[2] Geringe Erfüllung: 2 Punkte
[1] Anforderung nicht erfüllt: 1 Punkt
[0] Nicht anwendbar: 0 Punkte
Die Aufenthaltsbereiche sind keine Angsträume und
ausreichend sozial kontrolliert.
[5] Vollständige Erfüllung: 5 Punkte
[4] Nahezu vollständige Erfüllung: 4 Punkte
[3] Teilweise Erfüllung: 3 Punkte
[2] Geringe Erfüllung: 2 Punkte
[1] Anforderung nicht erfüllt: 1 Punkt
[0] Nicht anwendbar: 0 Punkte
Die Ausstattungsgegenstände an den Aufenthaltsor-
ten sind unbeschädigt (gepflegt).
[5] Vollständige Erfüllung: 5 Punkte
[4] Nahezu vollständige Erfüllung: 4 Punkte
[3] Teilweise Erfüllung: 3 Punkte
[2] Geringe Erfüllung: 2 Punkte
[1] Anforderung nicht erfüllt: 1 Punkt
[0] Nicht anwendbar: 0 Punkte
Summe der Punkte à Division durch 3 (Anzahl Kriterien) à durchschnittliche Punktsumme
Wahrnehmungen:
Empfehlungen:
Schlussbericht
Erhebungsinstrumente 259
(3) Orientierung, Transparenz,
Sichtachsen und Wegeführung
Die Straßennamen in die Spalten eintragen.
Das Auffinden von Richtungen und Zielen wird im Un-
tersuchungsbereich konsequent durch eine Wegeleit-
system mit Beschilderung erleichtert.
[5] Vollständige Erfüllung: 5 Punkte
[4] Nahezu vollständige Erfüllung: 4 Punkte
[3] Teilweise Erfüllung: 3 Punkte
[2] Geringe Erfüllung: 2 Punkte
[1] Anforderung nicht erfüllt: 1 Punkt
[0] Nicht anwendbar: 0 Punkte
Zwischen den Gebäuden, Flächen, Parkplätzen beste-
hen Sichtbeziehungen.
[5] Vollständige Erfüllung: 5 Punkte
[4] Nahezu vollständige Erfüllung: 4 Punkte
[3] Teilweise Erfüllung: 3 Punkte
[2] Geringe Erfüllung: 2 Punkte
[1] Anforderung nicht erfüllt: 1 Punkt
[0] Nicht anwendbar: 0 Punkte
Gemäß RASt (Richtlinien f . Anlage v. Stadtstraßen)
haben die straßenbegleitende n Gehwege eine Min-
destbreite von 2,50 Metern.
[5] Vollständige Erfüllung: 5 Punkte
[4] Nahezu vollständige Erfüllung: 4 Punkte
[3] Teilweise Erfüllung: 3 Punkte
[2] Geringe Erfüllung: 2 Punkte
[1] Anforderung nicht erfüllt: 1 Punkt
[0] Nicht anwendbar: 0 Punkte
Es gibt keine Konflikte zwischen Kfz, Fahrrädern und
zu Fuß Gehenden – alle verfügen über ausreichend
breite Wegeflächen.
[5] Vollständige Erfüllung: 5 Punkte
[4] Nahezu vollständige Erfüllung: 4 Punkte
[3] Teilweise Erfüllung: 3 Punkte
[2] Geringe Erfüllung: 2 Punkte
[1] Anforderung nicht erfüllt: 1 Punkt
[0] Nicht anwendbar: 0 Punkte
MaKoS
Verfahren und Erprobung 260
Die Fußw ege sind barrierefrei.
[5] Vollständige Erfüllung: 5 Punkte
[4] Nahezu vollständige Erfüllung: 4 Punkte
[3] Teilweise Erfüllung: 3 Punkte
[2] Geringe Erfüllung: 2 Punkte
[1] Anforderung nicht erfüllt: 1 Punkt
[0] Nicht anwendbar: 0 Punkte
Die Straßen werden von Bäumen beschattet.
[5] Vollständige Erfüllung: 5 Punkte
[4] Nahezu vollständige Erfüllung: 4 Punkte
[3] Teilweise Erfüllung: 3 Punkte
[2] Geringe Erfüllung: 2 Punkte
[1] Anforderung nicht erfüllt: 1 Punkt
[0] Nicht anwendbar: 0 Punkte
Die vorgefundenen Tunnel und Durchgänge ...
[ ] ...bieten eine gute Durchsicht.
[ ] ...werden aus dem Gebäude kontrolliert.
[ ] ...sind nachts beleuchtet.
[5] Vollständige Erfüllung: 5 Punkte
[4] Nahezu vollständige Erfüllung: 4 Punkte
[3] Teilweise Erfüllung: 3 Punkte
[2] Geringe Erfüllung: 2 Punkte
[1] Anforderung nicht erfüllt: 1 Punkt
[0] Nicht anwendbar: 0 Punkte
Summe der Punkte à Division durch 7 (Anzahl Kriterien) à durchschnittliche Punktsumme
Wahrnehmungen:
Empfehlungen:
Schlussbericht
Erhebungsinstrumente 261
(4) Abstellmöglichkeiten, Möblierung
Die Straßennamen in die Spalten eintragen.
Die vorgefundene Möblierung weist keine Zerstö-
rungs- bzw. Vandalismuszeichen auf.
[5] Vollständige Erfüllung: 5 Punkte
[4] Nahezu vollständige Erfüllung: 4 Punkte
[3] Teilweise Erfüllung: 3 Punkte
[2] Geringe Erfüllung: 2 Punkte
[1] Anforderung nicht erfüllt: 1 Punkt
[0] Nicht anwendbar: 0 Punkte
Die vorgefundene Möblierung besteht aus hochwerti-
gen Materialien.
[5] Vollständige Erfüllung: 5 Punkte
[4] Nahezu vollständige Erfüllung: 4 Punkte
[3] Teilweise Erfüllung: 3 Punkte
[2] Geringe Erfüllung: 2 Punkte
[1] Anforderung nicht erfüllt: 1 Punkt
[0] Nicht anwendbar: 0 Punkte
Der im öffentlichen Raum parkende (ruhende) Ver-
kehr schränkt die Raumqualitäten nicht ein.
[5] Vollständige Erfüllung: 5 Punkte
[4] Nahezu vollständige Erfüllung: 4 Punkte
[3] Teilweise Erfüllung: 3 Punkte
[2] Geringe Erfüllung: 2 Punkte
[1] Anforderung nicht erfüllt: 1 Punkt
[0] Nicht anwendbar: 0 Punkte
Es sind in ausreichendem Maß Gelegenheiten zum
Abstellen des Fahrrads verfügbar.
[5] Vollständige Erfüllung: 5 Punkte
[4] Nahezu vollständige Erfüllung: 4 Punkte
[3] Teilweise Erfüllung: 3 Punkte
[2] Geringe Erfüllung: 2 Punkte
[1] Anforderung nicht erfüllt: 1 Punkt
[0] Nicht anwendbar: 0 Punkte
MaKoS
Verfahren und Erprobung 262
Die vorgefundene Situation von abgestellten Fahrrä-
dern ist ordentlich.
[5] Vollständige Erfüllung: 5 Punkte
[4] Nahezu vollständige Erfüllung: 4 Punkte
[3] Teilweise Erfüllung: 3 Punkte
[2] Geringe Erfüllung: 2 Punkte
[1] Anforderung nicht erfüllt: 1 Punkt
[0] Nicht anwendbar: 0 Punkte
Summe der Punkte à Division durch 5 (Anzahl Kriterien) à durchschnittliche Punktsumme
Wahrnehmungen:
Empfehlungen:
Datum 07/2024 Quartier:
Schlussbericht
Erhebungsinstrumente 263
Bewertung Beleuchtungssituation #1 Die Straßennamen in die Spalten eintragen.
Die vorauslaufende Wege- und Straßenführung ist
durch die Lichtführung gut erkennbar.
[5] Vollständige Erfüllung: 5 Punkte
[4] Nahezu vollständige Erfüllung: 4 Punkte
[3] Teilweise Erfüllung: 3 Punkte
[2] Geringe Erfüllung: 2 Punkte
[1] Anforderung nicht erfüllt: 1 Punkt
[0] Nicht anwendbar: 0 Punkte
Bäume/Büsche schränken den Lichteinfall nicht ein.
[5] Vollständige Erfüllung: 5 Punkte
[4] Nahezu vollständige Erfüllung: 4 Punkte
[3] Teilweise Erfüllung: 3 Punkte
[2] Geringe Erfüllung: 2 Punkte
[1] Anforderung nicht erfüllt: 1 Punkt
[0] Nicht anwendbar: 0 Punkte
Die Wahrnehmung des Gesichtsausdrucks entgegen-
kommender Passanten ist in einer Entfernung von 20
bis 10 Meter erkennbar.
[5] Vollständige Erfüllung: 5 Punkte
[4] Nahezu vollständige Erfüllung: 4 Punkte
[3] Teilweise Erfüllung: 3 Punkte
[2] Geringe Erfüllung: 2 Punkte
[1] Anforderung nicht erfüllt: 1 Punkt
[0] Nicht anwendbar: 0 Punkte
Die detailscharfe Wahrnehmung des Gesichtsaus-
drucks entgegenkommender Passanten ist in einer Ent-
fernung von 10 bis 5 Meter erkennbar.
[5] Vollständige Erfüllung: 5 Punkte
[4] Nahezu vollständige Erfüllung: 4 Punkte
[3] Teilweise Erfüllung: 3 Punkte
[2] Geringe Erfüllung: 2 Punkte
[1] Anforderung nicht erfüllt: 1 Punkt
[0] Nicht anwendbar: 0 Punkte
MaKoS
Verfahren und Erprobung 264
Bewertung Beleuchtungssituation #2 Die Straßennamen in die Spalten eintragen.
Die Abstellbereiche für Fahrräder sind hinreichend
beleuchtet.
[5] Vollständige Erfüllung: 5 Punkte
[4] Nahezu vollständige Erfüllung: 4 Punkte
[3] Teilweise Erfüllung: 3 Punkte
[2] Geringe Erfüllung: 2 Punkte
[1] Anforderung nicht erfüllt: 1 Punkt
[0] Nicht anwendbar: 0 Punkte
Die Beleuchtungssituation am nahen ÖPNV -Halte-
punkt wird als angenehm wahrgenommen.
[5] Vollständige Erfüllung: 5 Punkte
[4] Nahezu vollständige Erfüllung: 4 Punkte
[3] Teilweise Erfüllung: 3 Punkte
[2] Geringe Erfüllung: 2 Punkte
[1] Anforderung nicht erfüllt: 1 Punkt
[0] Nicht anwendbar: 0 Punkte
Die Beleuchtung eines Platzes/Ortes mit Aufenthalts-
funktionen wird als angenehm wahrgenommen.
[5] Vollständige Erfüllung: 5 Punkte
[4] Nahezu vollständige Erfüllung: 4 Punkte
[3] Teilweise Erfüllung: 3 Punkte
[2] Geringe Erfüllung: 2 Punkte
[1] Anforderung nicht erfüllt: 1 Punkt
[0] Nicht anwendbar: 0 Punkte
Summe der Punkte à Division durch 7 (Anzahl Kriterien) à durchschnittliche Punktsumme
Wahrnehmungen:
Empfehlungen:
MaKoS à Masterplan Kommunale Sicherheit
Erhebungsinstrumente 265
Anhang 2: Instrumente der Passantenbefragung Nr: Datum 07/2024 Quartier/Standort: Guten Tag! Im Auftrag der Stadt Köln führen wir hier im Veedel eine Umfrage zur Sicherheitssituation durch. (1) Wohnen Sie hier im Veedel? [ ] Ja [ ] Nein (2) Wenn (1) Ja: Wohnen Sie gern hier? [ ] Ja [ ] Nein
Wenn (1) Nein: Was macht das Gebiet at-traktiv? Warum kommen Sie hierher? Wenn (2) Ja: Was gefällt Ihnen hier be-sonders gut?
Wenn (2) Nein: Was gefällt Ihnen hier nicht so gut? (3) Wenn Sie hier im Veedel tagsüber allein zu Fuß unterwegs sind, fühlen Sie sich sehr unsicher, eher unsicher, eher sicher oder sehr sicher? [ ] 1 sehr unsicher [ ] 2 eher unsicher [ ] 3 eher sicher [ ] 4 sehr sicher (4) Und wenn Sie hier im Veedel abends in der Dunkelheit allein zu Fuß unter-wegs sind oder zu Fuß wären, fühlen Sie sich sehr unsicher, eher unsicher, eher si-cher oder sehr sicher? [ ] 1 sehr unsicher [ ] 2 eher unsicher [ ] 3 eher sicher [ ] 4 sehr sicher (5) Gibt es hier im Veedel Bereiche und Ecken, wo Sie nicht hingehen, weil sie Ihnen nicht geheuer sind und Sie sich dort nicht wohlfühlen? [ ] Ja [ ] Nein Wenn (5) Ja: Wo ist das? (6) Gibt es hier im Veedel Probleme durch Schmutz und Unordnung? Z.B. Müll, Graffiti, Betteln, Belästigung, Vandalismus, Drogen- und Alkoholkonsum [ ] Ja [ ] Nein Wenn (6) Ja: Welche Probleme sind das im Einzelnen? (Mehrfachnennungen)
[ ] undisziplinierte Verhalten, Belästi-gung [ ] Abfall, Sperrmüll [ ] Graffiti [ ] Konsum illegaler Drogen
MaKoS à Masterplan Kommunale Sicherheit
Erhebungsinstrumente 266
[ ] Alkoholkonsum
[ ] Betteln
[ ] Herumlungern
[ ] Vandalismus, Zerstörungen
[ ] Anderes, und zwar:
(7) Finden hier im Veedel auch Auseinandersetzungen oder Konflikte zwischen
Gruppen statt?
[ ] Ja [ ] Nein
Wenn (7) Ja: Um welche Konflikte oder Verstöße handelt es sich? (Mehrfachnennung)
[ ] Konflikte unter Nachbarn
[ ] Konflikte auf der Straße
[ ] interethn. / interkulturelle Konflikte
[ ] verbale Auseinandersetzungen
[ ] Verstoß gegen Regeln, Vorschriften
[ ] Gewaltanwendung
[ ] Störungen (z.B. Immissionen wie
Lärm, Gerüche)
[ ] andere:
(8) Was müsste – Ihrer Meinung nach – getan werden, um die Situation hier im
Veedel zu verbessern?
Danke für das Gespräch!
Nicht erfragen, aber über befragte Person notieren:
Geschlecht [ ] weiblich [ ] männlich
Altersschätzung [ ] unter 20 Jahre [ ] in den 20er Jahren
[ ] 30 bis 60 Jahre [ ] über 60 Jahre
Migrationskontext [ ] südosteuropäisch [ ] türkisch
[ ] deutsch [ ] anderer Hintergrund
[ ] nicht einzuschätzen
Situation [ ] Fußgänger/in [ ] Verweilende (auf Bank o.ä.)
[ ] Wartende (Bus/Bahn) [ ] vor öffentlicher Infrastruktur
[ ] Kunde vor Geschäft [ ] anderes:
Strichliste über Verweigerungen notieren:
MaKoS à Masterplan Kommunale Sicherheit
Erhebungsinstrumente 267
Nr: Datum 07/2024 Quartier/Standort:
Guten Tag! Im Auftrag der Stadt Köln führen wir eine Untersuchung zur Sicher-
heitslage hier im Bahnhofsumfeld durch:
(1) Benutzen Sie diesen Bahnhof häufig oder nur ab und zu?
[ ] häufig [ ] ab und zu
(2) Was gefällt Ihnen hier?
Und was gefällt Ihnen hier nicht so gut?
(3) Ist die S-Bahnstation Ehrenfeld/Trimbornstraße und ihr Umfeld Ihrer Meinung
nach sicher oder nicht sicher?
[ ] Sicher [ ] Nicht sicher [ ] weiß nicht
(4) Haben Sie oder jemand, den Sie kennen, hier schon einmal Straftaten erlebt?
[ ] Ja [ ] Nein
Wenn (4) Ja: Was genau ist passiert?
(5) Wenn Sie hier tagsüber allein zu Fuß unterwegs sind, fühlen Sie sich sehr unsi-
cher, eher unsicher, eher sicher oder sehr sicher?
[ ] 1 sehr unsicher [ ] 2 eher unsicher [ ] 3 eher sicher [ ] 4 sehr sicher
(6) Wenn Sie hier abends im Dunkeln allein zu Fuß unterwegs sind oder zu Fuß
wären, fühlen Sie sich sehr unsicher, eher unsicher, eher sicher oder sehr sicher?
[ ] 1 sehr unsicher [ ] 2 eher unsicher [ ] 3 eher sicher [ ] 4 sehr sicher
(7) Gibt es hier im Bahnhofsbereich Ecken, die Ihnen das nicht geheuer ist und die
Sie meiden?
[ ] Ja [ ] Nein
Wenn (7) Ja: Wo ist das?
(8) Gibt es hier im Bahnhofsbereich Probleme durch Schmutz und Unordnung?
Z.B. Müll, Graffiti, Betteln, Belästigung, Vandalismus, Drogen- und Alkoholkonsum
[ ] Ja [ ] Nein
Wenn (8) Ja: Welche Probleme sind das im Einzelnen? (Mehrfachnennungen)
[ ] undisziplinierte Verhalten, Belästi-
gung
[ ] Abfall, Sperrmüll
[ ] Graffiti
MaKoS à Masterplan Kommunale Sicherheit
Erhebungsinstrumente 268
[ ] Konsum illegaler Drogen
[ ] Alkoholkonsum
[ ] Betteln
[ ] Herumlungern
[ ] Vandalismus, Zerstörungen
[ ] Anderes, und zwar:
(9) Finden hier im Bahnhofsbereich auch Auseinandersetzungen oder Konflikte
zwischen Gruppen statt?
[ ] Ja [ ] Nein
Wenn Ja: Um welche Konflikte oder Verstöße handelt es sich? (Mehrfachnennung)
[ ] Konflikte unter Nachbarn
[ ] Konflikte auf der Straße
[ ] interethn. / interkulturelle Konflikte
[ ] verbale Auseinandersetzungen
[ ] Verstoß gegen Regeln, Vorschriften
[ ] Gewaltanwendung
[ ] Störungen (z.B. Immissionen wie
Lärm, Gerüche)
[ ] andere:
(10) Was müsste – Ihrer Meinung nach – getan werden, um die Sicherheitssitua-
tion hier im Bahnhofsbereich zu verbessern?
Danke für das Gespräch!
Nicht erfragen, aber über befragte Person notieren:
Geschlecht [ ] weiblich [ ] männlich
Altersschätzung [ ] unter 20 Jahre [ ] in den 20er Jahren
[ ] 30 bis 60 Jahre [ ] über 60 Jahre
Migrationskontext [ ] südosteuropäisch [ ] türkisch
[ ] deutsch [ ] anderer Hintergrund
[ ] nicht einzuschätzen
Situation [ ] Fußgänger/in [ ] Verweilende (auf Bank o.ä.)
[ ] Wartende (Bus/Bahn) [ ] vor öffentlicher Infrastruktur
[ ] Kunde vor Geschäft [ ] anderes:
Strichliste über Verweigerungen notieren:
MaKoS à Masterplan Kommunale Sicherheit
Erhebungsinstrumente 269
Anhang 3: Beobachtungs- und Zählungsbogen
Nr: Datum 07/2024 Quartier/Standort:
Zählung der Nutzer
Datum: Juli 2024 Wetter:
Zeitintervall von: bis Uhrzeit
Beobachtende Person: .
Manuelle Aufzeichnung mit Strichliste: Gleichzeitige Ereignisse in eine Reihe
Zu Fuß gehende Menschen in Bewegung
(Fußgängerfluss)
Verweilende Menschen (in örtlich gebun-
denen Aktivitäten)
Frauen
Min. 1
Min. 2
Min. 3
Min. 4
Min. 5
Min. 6
Min. 7
Min. 8
Min. 9
Männer Frauen Männer
Mit dem Fahrrad Fahrende
Min. 1
Min. 2
Min. 3
Min. 4
Min. 5
Min. 6
Min. 7
Min. 8
Min. 9
Mit dem Auto Fahrende
Unvorhergesehene Ereignisse:
Punktvergabe: Personen (als Passanten und/oder als Verweilende) festgestellt...
5 Punkte in jeder Minute des Intervalls (sehr lebendig).
4 Punkte in mehr als der Hälfte des Zeitintervalls (lebendig).
3 Punkte in der Hälfte des Zeitintervalls.
2 Punkte in weniger als der Hälfte des Zeitintervalls (wenig Quartierleben).
1 Punkte äußerst selten oder gar nicht während des Zeitintervalls (sehr wenig Quartierleben).
MaKoS à Masterplan Kommunale Sicherheit
Erhebungsinstrumente 270
Anschließende Beobachtung
Wo im Untersuchungsbereich halten sich Menschen überwiegend auf?
Welche Aktivitäten finden dort statt?
[ ] Verweilen
[ ] Interaktion
[ ] Spielen
[ ] Aktion auf Grundstück (z.B. Garten)
[ ] aus dem Fenster schauen
[ ] andere:
Wie verteilen sich die Geschlechter?
[ ] Mehr Männer
[ ] Mehr Frauen
[ ] Ungefähr gleichmäßig
Wie verteilen sich die Altersgruppen?
[ ] überwiegend mittlere Lebensphase
[ ] überwiegend ältere Personen
[ ] überwiegend junge Menschen
[ ] Ungefähr gleichmäßig
Nutzungsspuren im Untersuchungsbereich:
[ ] Trampelpfade
[ ] zurückgelassene Spielsachen
[ ] stark genutzte Bänke/Spielgeräte
[ ] benutzte Abfallkörbe
[ ] überfüllte Abfallkörbe
[ ] Müll/Abfälle im öffentlichen Raum
[ ] hermetisch verriegelte Fensterläden
[ ] leerstehendes Ladenlokal
[ ] Schäden an Hausfassade, Fenster, Dach
[ ] verwahrloste Hauseingänge, defekte Klin-
gelschilder
[ ] Graffiti, Tags, Markierung an Wänden
[ ] große Abfallmengen im öff. Raum (z.B.
Sperrmüll)
[ ] andere Nutzungszeichen
Punktvergabe: Einschätzung des Bereichs als ...
[5] sehr ordentlicher Bereich: 5 Punkte
[4] überwiegend ordentlicher Bereich mit einigen Verwahrlosungszeichen: 4 Punkte
[3] trotz vieler Nutzungsspuren noch ordentlicher Bereich: 3 Punkte
[2] unordentlicher Bereich mit vielen Verwahrlosungsspuren: 2 Punkte
[1] stark heruntergekommener, verwahrloster Bereich 1 Punkt
[0] Nicht anwendbar: 0 Punkte
MaKoS à Masterplan Kommunale Sicherheit
Erhebungsinstrumente 271
Anhang 4: Leitfaden für Gespräche mit lokalen Stakeholdern
Datum 07/2024 Quartier:
Lokale Schlüsselperson
Schlüsselfragen:
Wie schätzen Sie die Sicherheitssituation hier im Veedel ein?
Welche Formen von Kriminalität und Unordnung haben Sie im Laufe des Jahres 2024 hier im Veedel
beobachtet?
Wer kümmert sich? Wer interveniert und setzt Regeln durch? Auf wen können Sie sich verlassen?
Was fehlt, um die Sicherheitssituation zu verbessern?
Welche Veränderungen wünschen Sie sich...? Was müsste hier passieren?
MaKoS à Masterplan Kommunale Sicherheit
Verzeichnisse 272
Abbildungs- und Tabellenverzeichnis
Nr. Abbildungen Seite
1 Drei Stufen des Verfahrens „Masterplan Kommunale Sicherheit“ 12
2 Übersicht über das Verfahren „Masterplan Kommunale Sicherheit“ 13
3 Indikatoren als Repräsentation des „Eisbergs der Unsicherheit“ 25
4 Instrumentelle Perspektiven auf der dritten Stufe des Masterplans 30
6 Kölner Stadtteile nach Verteilung von Lebenslagetypen 56
7 Siedlungsbereich der vier belasteten Quartiere in Ehrenfeld 93
8 Siedlungsbereich der vier belasteten Quartiere in Kalk 94
9 Siedlungsbereich der fünf belasteten Quartiere in Mülheim 95
10 Stellungnahmen von Kindern und Jugendlichen zur Sicherheitssituation
in Mülheim im Rahmen des Online-Kartendialogs HEY Mülheim 96
11
Kölner Sozialraum Blumenberg, Chorweiler und Seeberg-Nord im Rah-
men des Programms „Starke Veedel – Starkes Köln“ zur Verbesserung
der Lebensbedingungen
97
12
Kölner Sozialraum Porz-Ost, Finkenberg, Gremberghoven und Eil im
Rahmen des Programms „Starke Veedel – Starkes Köln“ zur Verbesse-
rung der Lebensbedingungen
99
13
Kölner Sozialraum Buchheim, Buchforst, Mülheim-Nord und Keupstraße
im Rahmen des Programms „Starke Veedel – Starkes Köln“ zur Verbes-
serung der Lebensbedingungen
100
14
Kölner Sozialraum Ostheim und Neubrück im Rahmen des Programms
„Starke Veedel – Starkes Köln“ zur Verbesserung der Lebensbedingun-
gen
102
15 Verteilung der 45 identifizierten Quartiere mit einer hohen Fluktuation
und Kriminalitätsbelastung über die Kölner Stadtteile 107
16 Priorisierung von Quartieren für die vertiefenden Analysen durch die
Teilnehmenden des raumbezogenen Workshops
114
17 Strategie der parallelen Pfade zu einer raumbezogenen und schulbezo-
genen Prävention
116
18 Zusammenfassung der Empfehlungen des schulbezogenen Workshops 121
19 Verteilung der Straßenkriminalität über die Straßen der Kalker Quar-
tiere Vorster- und Trimbornstraße im Jahr 2023
133
20 Schnittstellen des S-Bahnhofs zur Trimbornstraße 137
MaKoS à Masterplan Kommunale Sicherheit
Verzeichnisse 273
21 Fehlende Orientierungshilfen beim Verlassen des S-Bahnhofs Trimborn-
straße
137
22 Unstrukturierte Situation vor dem S-Bahnhof und Trimbornstraße als Ver-
bindungsachse
138
23 Aufstellung von Wanderbäumen durch engagierte Nachbarn 138
24 Impressionen vom Platz Kalk Post 140
25 Enge Fußwege auf der Steprathstraße 141
26 Erneuerungsbedarf im Breuerpark (Ostseite) zwischen Breuer- und
Steprathstraße
141
27 Enger Durchgang in den Breuerpark (Westseite) zwischen Breuer- und
Josephskirchstraße
142
28 Erdgeschosszone ohne auf die Straße gerichtete Fenster 142
29 Unordnung im öffentlichen Raum der Breuerstraße 142
30 Hotspot Kalk-Mülheimer Straße 143
31 Gelungene Nachverdichtungen auf ehemaligen Industriebrachen zwi-
schen der Rolshover, Dillenburger sowie Robertstraße und im Bereich
der Grünebergstraße
144
32 Kalker Markt 144
33 Wenige Beeinträchtigungen des Lichteinfalls durch Bogenlampen sowie
Standorte gegenüber von Bäumen
146
34 Beispiele für Verschattungen durch Baumkronen in der Kalk-Mülheimer
Straße, Steprathstraße, Kalker Hauptstraße und Dillenburger Straße
147
35 Hohe Straßenlaternen an der Kalker Hauptstraße und niedrigere Lam-
pen im Fußgängerformat am Ottmar- Pohl-Platz sowie am Bezirksrathaus
in der Steprathstraße
148
36 Dunkler Straßenabschnitt durch defekte Beleuchtung in der Trimborn-
straße
149
37
Reduzierte Umfeldbeleuchtung am S-Bahnhof Trimbornstraße 149
38 Hinreichende Ausleuchtung des Platzes Kalk Post – ergänzt um die Au-
ßenbeleuchtung der angrenzenden Gastronomie
150
39 Schlechte Beleuchtungsqualität auf dem Parkplatz hinter dem Geschäft
von Aldi Süd
150
40 Gute Lichtführung (aber auch defekte Lampen) in den Innenhöfen des
Breuerparks und in den hineinführenden Durchgängen
151
MaKoS à Masterplan Kommunale Sicherheit
Verzeichnisse 274
41 Gute Beleuchtungssituationen in den Nachverdichtungen an der Ecke
Robert-/Dillenburger Straße und in der Grünebergstraße – ergänzende
Lichtquellen im Erdgeschoss sowie im halböffentlichen Bereich
152
42 Sichtbeziehung vom S-Bahnhof Trimbornstraße auf ein Wandgraffiti
nach Caspar David Friedrichs „Wanderer über dem Nebelmeer“ in ei-
nem Köln-Kontext
163
43 Beobachtungsbereiche und Kamerastandorte der polizeilichen Video-
überwachung in Köln Kalk
168
44 Verteilung der Straßenkriminalität über die Straßen der Ehrenfelder
Quartiere Leo-Amann-Park und Hansemannstraße im Jahr 2023
187
45 Schnittstellen des Bahnhofsdreiecks zwischen DB-Bahnhof Ehrenfeld und
den beiden KVB-Stationen Venloer Straße/Gürtel
190
46 U-Bahnstation Venloer Straße/Gürtel – über mehrere Tage defekte und
verunreinigte Rolltreppe, aber transparente Sichtachsen mit guter Ori-
entierung
191
47 Orientierungshinweise für den Weg zur U-Bahn und zum Kölner Busnetz
auf den Bahnsteigen des Bahnhofs Ehrenfeld
192
48 Südöstlicher Ausgang des Bahnhofs Ehrenfeld zur Stammstraße und
zum Gerhard-Wilczek-Platz
193
49 Nordöstlicher Ausgang aus dem Bahnhof Ehrenfeld auf die Hütten-
straße und die Bus -Haltestelle am Ehrenfeldgürtel
194
50 Südwestlicher Ausgang des Bahnhofs Ehrenfeld zur Venloer Straße und
zur U-Bahnstation Venloer Straße/Gürtel
195
51 Nordwestlicher Ausgang des Bahnhofs Ehrenfeld zur Bartholomäus-
Schink-Straße
196
52 Spielplatz gegenüber dem Ausgang aus dem Bahnhof Ehrenfeld an der
Bartholomäus-Schink-Straße Ecke Schönsteinstraße
197
53 Unübersichtliche städtebauliche Struktur auf der Bartholomäus-Schink-
Straße und an der Ecke zum Ehrenfeldgürtel
198
54 Teilweise ungeordnete Situation auf der Hüttenstraße 199
55 Bedarf an Aufenthaltsmöglichkeiten in der Venloer Straße – teilweise
kompensiert mit dem Aufstellen von Wanderbäumen durch bürger-
schaftliches Engagement
200
56 Reger Fahrradverkehr in der Venloer Straße – Mangel an einer ausrei-
chenden Zahl von Abstellplätzen für Fahrräder
201
57 Hohe Quote defekter Fahrräder auf den Abstellplätzen im Bahnhof und
in der Venloer Straße
201
58 Auf den Kraftfahrzeugverkehr fokussierte Hinweisschilder auf der Ven-
loer Straße
202
MaKoS à Masterplan Kommunale Sicherheit
Verzeichnisse 275
59 Geringe soziale Kontrolle aus der straßenbegleitenden Bebauung in
der Heliosstraße – kaum Fenster auf dem Erdgeschossniveau
203
60 Nachbarschaftlicher Wohnbereich in der Stammstraße 204
61 Nachbarschaftlicher Wohnbereich in der Glasstraße 205
62 Nachbarschaft von Wohn- und Gewerbenutzungen in der Hansemann-
straße
206
63 Nachbarschaftlicher Wohnbereich in der Philippstraße 207
64 Die Wohnstraßen Marienstraße und Senefelder Straße 208
65 Körnerstraße als idealtypisches Referenzbeispiel 209
66 Initiative des PhotoBookMuseums in der Körnerstraße 210
67 Herbrandstraße 210
68 Vorplatz des St. Franziskus Hospitals 211
69 Verunreinigter Spielplatz zwischen Philipp- und Hansemannstraße 212
70 Beliebter Spielplatz an der Glasstraße 213
71 Viele Nutzer am Nachmittag im Leo-Amann-Park 214
72 Auf die Straße konzentrierte Beleuchtung in der Unterführung der Ven-
loer Straße
215
73 Beleuchtungssituation am nordwestlichen Bahnhofsausgang auf die Bar-
tholomäus-Schink-Straße
216
74 Beleuchtungssituation auf der Bartholomäus-Schink-Straß 217
75 Beleuchtungssituation am südwestlichen Bahnhofsausgang auf die Ven-
loer Straße
217
76 Beleuchtungssituation auf der Venloer Straße vor der Kreuzung mit dem
Ehrenfeldgürtel
218
77 Beleuchtungssituation der östlichen Bahnhofsausgänge auf den
Gerhard-Wilczek-Platz und zur Bushaltestelle am Ehrenfeldgürtel
219
78 Beleuchtungssituation auf der Philippstraße 220
79 Beleuchtungssituation auf der Glas-, Stamm- und Hansemannstraße 220
80 Beleuchtungssituation auf der Marien- und Senefelder Straße 221
81 Verschattung des Lichteinfalls auf der Heliosstraße 221
82 Beleuchtungssituation in der Hüttenstraße 222
83 Herbrandstraße 222
MaKoS à Masterplan Kommunale Sicherheit
Verzeichnisse 276
84 Defekte Lampen im Umfeld des Rathauses Ehrenfeld 223
85 Bedarf der Neustrukturierung des Beleuchtungskonzepts auf der Vogels-
anger Straße
224
86 Ehrenfeld- und Melatengürtel sowie Subbelrather Straße 225
Nr. Tabellen Seite
1 Ablaufplan für den raumbezogenen Workshop 26
2 Ablaufplan für den schulbezogenen Workshop 27
3 Oberes Dezil der Kölner Quartiere mit der höchsten Fluktuation im Jahr
2022 35
4 Problemorte der Unordnung in den Kölner Stadtbezirken in den Jahren
2022 und 2023 38
5 Problemorte der Unordnung in den Kölner Quartieren in den Jahren
2022 und 2023 40
6 Kölner Schulen mit stark überdurchschnittlicher Häufigkeit von Polizei-
einsätzen in den Jahren 2022 und 2023 55
7 Straftaten im Schulkontext in den Jahren 2022 und 2023 in den Kölner
Polizeiinspektionen 58
8 Tatverdächtige an Schulstandorten in den Jahren 2022 und 2023 in
den Kölner Polizeiinspektionen 59
9A Straßenkriminalität je Einwohner in den Kölner Quartieren i m Jahr
2022 63
9B Straßenkriminalität je Einwohner in den Kölner Quartieren im Jahr
2023 66
10 Statistische Quartiere in Köln mit einer besonders hohen Zunahme von
Delikten der Straßenkriminalität im Zeitraum der Jahre 2022 und 2023 73
11
Statistische Quartiere in Köln mit einer besonders starken Verringerung
von Delikten der Straßenkriminalität im Zeitraum der Jahre 2022 und
2023
74
12 Statistische Quartiere in Köln mit einer besonders hohen Zunahme von
Delikten der Straßenkriminalität im Zeitraum der Jahre 2019 bis 2023 79
13 Statistische Quartiere in Köln mit einer überdurchschnittlichen absoluten
Entwicklung der Straßenkriminalität von 2019 bis 2023 81
14
Hohe Fluktuationsquoten, Belastung durch Unordnung, Schulen mit er-
höhtem Polizeieinsatz und Rangplätze im polizeilichen Vorgangsbear-
beitungssystem nach statistischen Quartieren in Köln – sortiert nach ei-
ner Raumtypologie
85
MaKoS à Masterplan Kommunale Sicherheit
Verzeichnisse 277
15 Prozentuale Verteilung von Delikten der Straßenkriminalität in den be-
lasteten Kölner Quartieren im Jahr 2023 105
16 Demographisches Profil der Untersuchungsquartiere in den Stadtteilen
Ehrenfeld, Kalk und Merheim im Jahr 2023
126
17 Sozialleistungen in den Untersuchungsquartieren der Stadtteile Ehren-
feld, Kalk und Merheim im Jahr 2023
127
18 Bildungssituation in den Untersuchungsquartieren der Stadtteile Ehren-
feld, Kalk und Merheim im Jahr 2023
129
19 Verteilung von Delikten der Straßenkriminalität über die Straßen der
Kalker Quartieren Vorster- und Trimbornstraße im Jahr 2023
131
20 Audits der städtebaulichen Kriminalprävention in den Kalker Veedel
Trimbornstraße und Vorsterstraße
135
21 Passantenbefragung in den Kalker Veedel im Umfeld des S-Bahnhofs
Trimbornstraße
156
22 Ergebnisse der Befragung im Umfeld des Kalker S-Bahnhofs Trimborn-
straße
164
23 Passantenströme zwischen dem S-Bahnhof Trimbornstraße und Kalk Post
an drei Zeitpunkten
174
24 Verteilung von Delikten der Straßenkriminalität über die Straßen der Eh-
renfelder Quartiere Leo-Amann-Platz und Hansemannstraße im Jahr
2023
186
25 Audits der städtebaulichen Kriminalprävention in den Ehrenfelder Vee-
del Leo-Amann-Park und Hansemannstraße
189
26 Ergebnisse der Befragung von Passanten in den Veedel im Umfeld des
Bahnhofs Ehrenfeld
228
27 Ergebnisse der Befragung im Umfeld des Bahnhofs Ehrenfeld 234
28 Verteilung von Delikten der Straßenkriminalität über die Straßen des
Quartiers Siedlung Madaus – Auf dem Eichenbrett im Jahr 2023
256
Beratungsverlauf (9)
Beschluss: ungeändert beschlossen
Zur SitzungBeschluss: ohne Votum behandelt
Zur SitzungBeschluss: ohne Votum behandelt
Zur SitzungBeschluss: ohne Votum behandelt
Zur SitzungBeschluss: ungeändert beschlossen
Zur SitzungBeschluss: ohne Votum behandelt
Zur SitzungBeschluss: ohne Votum behandelt
Zur SitzungBeschluss: endgültig abgelehnt
Zur SitzungBeschluss: geändert beschlossen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 3700/2024
- Typ
- Beschlussvorlage Ausschuss
- Datum
- 31.01.2025
- Erstellt
- 20.11.2024 09:53