V/0268/2012
Freie Szene Am Hawerkamp -Selbstverwaltungsmodell-
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Berichtsvorlage
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V/0268/2012 DER OBERBÜRGERMEISTER Kulturamt Betrifft Freie Szene Am Hawerkamp -Selbstverwaltungsmodell- Bestandsaufnahme Beratungsfolge 24.04.2012 Bezirksvertretung Münster-Mitte Bericht 03.05.2012 Kulturausschuss Bericht 08.05.2012 Ausschuss für Finanzen, Beteiligungen und Liegenschaften Bericht 09.05.2012 Hauptausschuss Bericht 09.05.2012 Rat Bericht Historie und Beschlusslagen: Bedingt durch den Konkurs der Betonbaufirma Büscher und der anschließenden Vermietung der entsprechenden Räumlichkeiten durch die Konkursverwaltung wurde bereits im Jahr 1989 die Grundlage für den derzeitigen spez ifischen Nutzungsmix a uf dem Hawerkampgelände gelegt. Insbesondere Kleingewerbetreibende, Clubs und eine Vielzahl von freischaffenden Künstlern konnten sich mit den Unsicherheiten der jeweils nur auf ein Jahr angelegten Mietverträgen arran- gieren. Sie prägen bis heute die kreativwirtschaftliche und kulturelle Ausrichtung des Areals. D a- bei boten und bieten die Gegebenheiten der außergewöhnlichen Liegenschaft mit ihren Hallen, Büroräumen und ehemaligen Werkstätt en für diese Nutzer nicht nur ideale Arbeitsbedin gungen, sondern auch den Reiz eines durch urbane Brüche gekennzeichneten Ambientes. Bereits seit dem Jahr 1992 öffnete die Künstlergemeinschaft am Hawerkamp – anfangs unter dem Titel „Werksgelände“ – einmal im Jahr ihre Ateliertüren und gewährte Einblick in ihre Arbei- ten. Sie stellt damit heute nicht nur eine der ältesten und „traditionsreichsten“ Ausstellungen aller Künstlergemeinschaften in Münster dar, sondern trug u. a. auch damit dazu bei, zunehmend die Anerkennung in der Öffentlichkeit zu finden. Um diesen Standort, der aufgrund seiner speziellen Qualitäten Existenzgrundlage dieser Kunst - und Kulturszene geworden ist, in geeigneter Weise für diesen Zweck zu sichern, hat der Rat in seiner Sitzung vom 14.07.2004 beschlossen, eine Teilfläche des Grundstücks Hawerkamp 31 mit aufstehender Bebauung an die Kulturszene, vertreten durch den Verein „Erhaltet den Hawe rk- amp e.V.“, für zunächst 5 Jahre zu übergeben (V/0606/2005). Mit Beschluss des Rates vom 05.01.2006 wurde die Vertragslaufzeit auf zunächst 10 Ja hre ver- längert (V/0012/2006). Zentrale Eckpunkte des zugrundeliegenden Realisierungskonzeptes war neben der Verträglic h- keit mit dem am 04.02.2004 beschlossenen Masterplan/integriertem Handlungskonzept Stadth ä- fen Münster die Beschließung des Selbstverwaltu ngs- und Selbstbewirtschaftungsmodell. Der entsprechende Selbstverwaltungs- und Überlassungs vertrag mit einer Laufz eit von 10 Jahren Vorlagen-Nr.: V/0268/2012 Auskunft erteilt: Frau Schnell Ruf: 492-4100 E-Mail: Schnell@stadt-muenster.de Datum: 12.04.2012 Öffentliche Berichtsvorlage 2 V/0268/2012 (bis 31.12.2015) wurde am zwischen der Stadt Münster und dem Verei n „Erhaltet den Hawe rk- amp e. V.“ am 09.03.2006 abgeschlossen. Aktueller Stand und Bedeutung des Hawerkampareals Der Hawerkamp beherbergt (bis) heute eine Kombination aus Künstlern, Kleinkunst - und Gewer- betreibenden, Kulturschaffenden, Clubs und Diskotheken, die - in diesem Umfang im Rahmen eines Selbstverwaltungs- und -bewirtschaftungsmodells betrieben - in Nordrhein-Westfalen, wenn nicht bundesweit, beispiellos ist. Über 40 Ateliers bieten Arbeitsraum für Absolventen bzw. Studierende der hiesigen Fachhoc h- schule und Kunstakademie, für regional bis auch inte rnational agierende Künstler. Die besond e- ren räumlichen Voraussetzungen tragen mit dazu bei, dass die Künstlergemeinschaft sich ä u- ßerst heterogen zusammensetzt aus den Sparten Malerei, Bildhauerei, Siebdruck, Hochdruck, Radierung, Fotografie, Grafikdesign, Illustration und Kinderbuchautoren bis hin zum Figurenbau und zur Graffitikunst. Verschiedene Vereine, Musikbands und -studios sowie Theatermacher tra- gen weiter zu diesem seltenen und inspirierenden Gefüge bei. Im Bereich der Dienstleister und Gewerbetreibenden stehen Architekturbüro und Verlag, Galerie und Siebdruckerei neben Auto - und Motorradwerkstätten und Handwerksbetrieben sowie Clubs und Diskotheken. Der Hawerkamp ist damit nicht nur Ort künstlerischen Schaffens, sondern generiert auch A r- beitsplätze für ca. 60 Angestellte und mehrere Auszubildende. Das Selbstverwaltungs- und Selbstbewirtschaftungsmodell beinhaltet Möglichkeit und Pflicht, den Erhalt sowie die Gestaltung des Areals und künstlerisch/kulturelle Schwerpunktsetzung weites t- gehend selbstbestimmt zu realisieren und weiterzuentwickeln. Nach einmaliger Anschubfinanzi e- rung zur Durchführung dringlicher Instandsetzungsarbeiten finanziert sich der Verein autark und entscheidet selbständig, welche Maßnahmen über das bauordnungs-rechtlich Unabdingbare hin- aus durchgeführt werden. Der Verein agiert somit nicht nur als Vermieter, sondern plant die no t- wendigen und auch strategisch sinnvollen Sanierungs - und Baumaßnahmen und setzt diese großteils auch in Eigenleistung um. In Bezug auf Mittelverwendung sowie der Maßnahmen zur Verkehrssicherheit, zum Erhalt der Bausubstanz und der gesamten Betriebssicherheit bestehen laut Vertrag eine Informations -, Do- kumentations- und Nachweispflicht gegenüber der Stadt Münster, welcher der Verein jährlich nachgekommen ist (s. V/277/2012). Gerade in den vergangen Jahren ist es dem Verein gelungen, die bauliche und kulturelle Profili e- rung des Areals erfolgreich voranzutreiben. Die großteils in Eigenleistung im April 2010 fertig gestellte, 235 qm große Ausstellungshalle bo t bereits einige viel beachtete Ausstellungen. Der Umbau des Lehrateliers im Haus A bietet Raum für Künstlerworkshops und -arbeiten mit Studie- renden, Jugendlichen und Menschen mit Behinderungen. Dem Ziel einer engeren Kooperation mit Universitäten und Fach hochschulen dient auch die Ausschreibung eines einjährigen Atelie r- stipendiums pro Jahr, welches zusätzliche künstlerische Impulse gibt. Wöchentliche Konzerte unterschiedlichster Musikrichtungen, Literatur - und Filmprogramme und immer wieder exper i- mentelle neue Veranstaltungsformate erreichen eine breite Zielgruppe. Dabei sucht der Verein auch bewusst und erfolgreich die Kooperation mit der Stadt und anderen kulturellen Akteuren. Er beteiligt sich mit den offenen Ateliers und der Halle an der „Nacht der Museen und Galerien“ und seit 2009 – als erster Partner aus der feien Szene – an dem Pr o- gramm „Kulturstrolche“, mit dem möglichst vielen Grundschulkindern der frühe und systemat i- sche Kontakt zu möglichst allen Kunstsparten eröffnet werden soll. Mit seiner ko stenfreien Ange- botspalette von Kinderbücher selber machen, Hoch/Tiefdruck -Verfahren erlernen, Künstlerg e- sprächen und Figurentheater hat sich der Hawerkamp im Reigen der weiteren kommunalen A n- gebote bei Schüler/innen wie auch Lehrer/innen schnell eine Spit zenposition erworben. Mit einer eigenen Lesereihe bereicherte der Verein erstmalig im Jahr 2011 das Programm „poetry“, we l- ches vom Kulturamt mit verschiedenen weiteren Partnern im Vorfeld des Internationalen Lyrike r- treffens durchgeführt wurde. 3 V/0268/2012 Im Fazit und Perspektivisch Mit Blick auf Stadtentwicklung und kultureller Differenzierung dieser Stadt stellt der Hawerkamp mit seinem „narbigen Charme“ und seinem unverwechselbaren Nutzungsmix einen spannenden Kontrapunkt zur historischen Innenstadt. In seiner k ulturellen Ladung und mit seinen kreativwir t- schaftlichen Potentialen stärkt er nicht nur die innovative kultur - und kreativwirtschaftliche Au s- richtung des Stadthafenareals, sondern ergänzt und bereichert die Kulturlandschaft Münsters in attraktiver Weise. Aufgrund seiner speziellen Qualitäten schafft er Existenzgrundlage und A r- beitsplätze für eine alternative und dynamische Szene. Mit seinem umfangreichen Atelierang e- bot, alternativen Arbeitsräumen und der Halle trägt er zudem zu dem kulturpolitisch bedeutsamen Ziel bei, insbesondere auch Studierende und Absolventen der hiesigen Kunstakademie an den Standort Münster zu binden und die für Münster äußerst relevante „junge Kunst“ zu stärken. Das Management im Sinne eines Selbstverwaltungs- und Selbstbewirtschaftungsmodells hat sich hinsichtlich der Festigung und Weiterentwicklung des Baubestands und der kulturellen Profili e- rung bewährt und wird zudem dem Anspruch einer auf Kreativität, Veränderung und Dynamik ausgerichteten Gemeinschaft am besten gerecht. Dem Verein gehören derzeit durch den Abschluss immer neuer Mietverträge über 120 Mitglieder an. Viele dieser Mitglieder sind mittlerweile allerdings nicht mehr vor Ort, stehen nicht mehr im Kontakt mit dem Verein und sind schlimmstenfalls gar nicht mehr zu erre ichen. Einer Verwaltung und Gestaltung im Sinne der verantwortlichen Gemeinschaft steht dies kontraproduktiv gege n- über, zumal bestimmte Beschlussfassungen (z. B. Satzungsänderungen) laut geltender Satzung einen einstimmigen Beschluss voraussetzen, der unter gegebenen Umständen nicht zu erreichen ist. Die von dem Verein „Erhaltet den Hawerkamp e. V.“ vorgesehene Optimierung der Tr ä- gerstruktur im Sinne der Neugründung eines Vereins, der sich nur noch aus den tatsächlichen Mietern zusammensetzt, ist im Juli 20 11 bereits umgesetzt worden. Der „Hawerkamp 31 e. V.“ tritt als reiner Mieterverein zum 01. Januar 2013 die Nachfolge des „Erhaltet den Hawerkamp e. V.“ bezüglich der Vermietung und Verwaltung des Geländes an. Vor dem Hintergrund des engen finanziellen Sp ielraums des Vereins und dem Inve stitionsstau, steht der Verein perspektivisch weiterhin vor großen Herausforderungen. Der Anschluss der G e- bäude an das Fernwärmenetz der Stadtwerke Münster im Frühjahr 2012 gewährleistet einen öko- logisch sinnvollen Umbau de r veralteten Heizungsanlagen. Die Investitionen von Seiten der Stadtwerke wie auch des Vereins machen aber nur längerfristig Sinn. Das Gleiche gilt auch für die jetzt fälligen umfangreichen Umbauarbeiten gemäß eines gerade erstellten Brandschutzko n- zeptes zur erhöhten Sicherheit auf dem Gelände, die Erneuerung eines Teils der elek trischen Anlage und erforderliche Maßnahmen zur Energieeinsparung. Eine Energieeffizienzber atung wurde bereits 2010 durchgeführt und ein entsprechendes Gutachten liegt seitdem – auch beim Amt für Immobilienmanagement – vor. Alle Maßnahmen setzen jedoch eine mittel - bis langfristige Planung und Planbarkeit voraus. Im Sinne einer zukunftsorientierten und perspektivisch ausgerichteten Weiterentwicklung des Areals ist eine vorzeitige Vertragsverlängerung und entsprechende Vertragslaufzeit notwendig. Die konkrete Ausgestaltung des Vertrages wird in der parallel zu beratenden nicht öffentlichen Vorlage V/0280/2012 beschrieben. I. V. gez. Dr. Hanke Stadträtin
Beratungsverlauf (5)
Beschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungOrte (1)
- Am Hawerkamp
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Details
- Vorlagen-Nr.
- V/0268/2012
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 30.03.2012
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37