3038/2023
Urban Sports. - Gesamtkonzept
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Mitteilung Ausschuss
9758 Zeichen
Dezernat, Dienststelle IV/51/512 51 Vorlagen-Nummer 22.09.2023 3038/2023 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Bezirksvertretung 2 (Rodenkirchen) 25.09.2023 Bezirksvertretung 4 (Ehrenfeld) 25.09.2023 Jugendhilfeausschuss 26.09.2023 Bezirksvertretung 6 (Chorweiler) 27.09.2023 Sportausschuss 28.09.2023 Bezirksvertretung 1 (Innenstadt) 19.10.2023 Bezirksvertretung 5 (Nippes) 19.10.2023 Bezirksvertretung 7 (Porz) 19.10.2023 Bezirksvertretung 3 (Lindenthal) 23.10.2023 Bezirksvertretung 9 (Mülheim) 30.10.2023 Bezirksvertretung 8 (Kalk) 23.11.2023 Ausschuss Klima, Umwelt und Grün 23.11.2023 Bedarfsplanung von öffentlichen BMX-, Skate- und Parkour-Anlagen Im Kontext der Spielraumplanung für die Stadt Köln, die derzeit fortgeschrieben wird und in einer der nächsten Gremienfolgen der Politik vorgestellt wird, legt die Jugendverwaltung ergän- zend erstmalig ein eigenes Gesamtkonzept für urbane Bewegungspraktiken bzw. Sportarten wie Skateboard, BMX, Parkour vor. Die Nachfrage und damit auch die Bedeutung dieser Sportarten wächst stetig an. Um dem ge- recht zu werden und informelle Trendsportarten im Stadtraum sinnvoll und nachhaltig zu ver- ankern, setzt sich die Verwaltung proaktiv und konzeptionell mit dem Thema Urban Sports aus- einander. Jugend- und Sportverwaltung arbeiten hierbei in enger Abstimmung mit dem Amt für Landschaftspflege und Grünflächen, wobei vor dem Hintergrund der besonderen Historie zur Schaffung von Skateparks in Köln, die von einem sensiblen Vertrauensverhältnis der Nutzer*in- nen-Gruppen (Kölner Skate- und BMX-Szene) zum Amt für Kinder, Jugend und Familie geprägt ist, die Gesamtkoordination beim Amt für Kinder, Jugend und Familie liegt. Dies ergibt sich auch aus der engen Verknüpfung dieser Konzeption mit der gesamtstädtischen Spiel - und Bewe- gungsraumplanung. 2 Das als Anlage zu dieser Mitteilung beigefügte Urban Sports Gesamtkonzept wurde partizipativ von den lokal aktiven Sportlern unter der Federführung von Dr. Veith Kilberth entwickelt und ausgearbeitet. Mit der Implementierung des Konzeptes in die Fortschreibung der städtischen Spielraumplanung 2023 bis 2028, die auf dieses Konzept an verschiedenen Stellen Bezug neh- men wird, wird zum einen die Sicherung von Aufenthaltsflächen- und Räumen für Jugendliche im städtischen Umfeld verfolgt, und zu anderen Gelingensbedingungen für die Schaffung von qualitativ hochwertigen Angeboten von Urban Sports beschrieben. Es handelt sich bewusst um ein aus der Wahrnehmung aktiver Skater*innen erstelltes Papier, das die von dieser Nutzergruppe ermittelten Bedarfe aufzeigt und die vorhandenen Anlagen aus deren Innensicht bewertet. Im Folgenden zu den Hintergründen und Inhalten: Der fortlaufende Wandel von Sport- und Bewegungskulturen ist allgegenwärtig und insbeson- dere im städtischen Raum wahrnehmbar. Parallel zum organisierten Sport wächst eine Kultur des selbstbestimmten Sports, der enormen Zulauf insbesondere von jungen Mensch en ver- zeichnet. Diese informellen Sportarten lassen sich durch Individualität, Eigenmotivation, flexible Ausübungszeiten und Ortsunabhängigkeit charakterisieren. Unter dem Begriff „Urban Sports“ werden hier vorrangig Skateboarding, BMX und Parkour als die drei zentralen Bewegungsprak- tiken zusammengefasst, Scooter und Inline als sekundäre Urban Sports. Ursprung und Aktionsfeld sind im städtischen Raum verortet. In der Literatur firmieren diese Sportarten auch häufig als „Trendsport“, „Funsport“, „Extreme Sp orts“ oder auch „Action Sports“. Mit der wachsenden Verbreitung dieser neuen Bewegungspraktiken im urbanen Raum gehen oftmals Konflikte mit der Stadtgesellschaft in Bezug auf Lärmbelästigung oder Sachbeschädi- gung einher, bis hin zum Vorwurf von Verkehrsgefährdungen oder Hausfriedensbrüchen. Eine Kriminalisierung der Sportler*innen ist die Folge, ebenso Raum- und Nutzungskonflikte im städ- tischen Raum (Beispiel Domplatte). Angesichts des nachweislichen Bedarfes aus Sicht der jugendlichen Nutzergruppen und d er wachsenden Teilnehmerzahlen ist ein Umdenken erforderlich. Es werden spezielle und vor al- len Dingen legale und akzeptierte Zweckräume zur Ausübung dieser „neuen“ Sportarten auch in Köln benötigt. Bei Urban-Sports-Anlagen handelt es sich um Sonderräume, deren Gestaltung an die befahr- baren architektonischen Elemente im städtischen Raum angelehnt sind. Auf einer kompakten Fläche stellen diese Anlagen also „Nachbauten“ von Elementen aus dem Stadtbild zur Verfü- gung, die funktional für den urbanen Sport optimiert sind. Sie sind daher keine Spielflächen oder Spielplätze im klassischen Sinne und bedürfen ihrer eigenständigen planerischen Auseinander- setzung. Das oberste Ziel besteht darin, dass der Betrieb und die Art der Nutzung als offenes und jederzeit zugängliches Freizeitangebot gestaltet werden, um den Bedürfnissen und sozial- kulturellen Praxis-Gewohnheiten der Nutzer*innen zu entsprechen. Auf diese Weise wird eine hohe Nutzerakzeptanz und Auslastung der Anlagen mit möglichst geringen Folge - bzw. Be- triebskosten erreicht. Die Gestaltung der Anlagen kann anhand der Beschaffenheit und Ausstattung auf bestimmte Urban-Sport-Disziplinen zugeschnitten werden. Dabei können auch die lokalen Bedürfnisse der Nutzer spezifisch mit einfließen. Jede Anlage kann und sollte ein Unikat im gesamtstädtischen Anlagen-Angebot darstellen, um im Ergebnis eine möglichst große Anlagen-Diversität zu errei- chen. Weiterhin sind diese Anlagen mehr als reine Sportplätze für selbstbestimmte Betätigun- gen, sondern auch Treffpunkt zur sozialen Interaktion. In diesem Zusammenhang sind sie au- ßerschulische Lernorte und erfüllen für jugendliche Nutzergruppen verschiedene soziale Funk- tionen über den Sport hinaus. Die persönliche Bedeutung der Urban-Sports-Bewegungsprakti- ken für viele Akteure ist oftmals wesentlich mehr als eine in der Freizeit ausgeführte Sportart oder ein Spiel, sondern kann zu einem Lebensstil werden. Als Mittel zum Ausdruck persönlicher Fähigkeiten und Stilvorlieben stellen diese jugendkulturellen Praktiken ein alternatives und er- gänzendes Bewegungsangebot zu den traditionellen Sportarten dar. Öffentliche Skatepark-Ein- richtungen im Raum Köln haben gezeigt, dass derartige Anlagen stark genutzt werden und es zu den gewünschten sozialen, demografischen und kulturellen Vermischungen kommt. Mittler- weile bieten diese „neuen Sportarten“ ein Bewegungsangebot nicht nur für Kinder, Jugendliche 3 und Erwachsene, sondern für ganze Familien. Wie eingangs beschrieben, liegt ein großer Vorteil der Umsetzung des Gesamtkonzeptes aus stadtpolitischer Sicht in der Entschärfung häufig auftretender Raum- und Nutzungskonflikte. Zu- dem können Urban-Sports-Anlagen einen wesentlichen Teil zur interkulturellen Verständigung und Integration beitragen, was auch an der enormen Heterogenität der Nutzergruppen ablesbar ist. Auf kaum einem anderen „Sportplatz“ treffen derart viele verschiedene Gruppen hinsichtlich des Können-Niveaus (von Anfängern bis Profis), sozialer Schicht, kultureller Herkunft, unter- schiedlichen Alters und zunehmend auch unterschiedlicher Geschlechter gleichzeitig aufeinan- der. Somit tragen sie zur Lebensqualität aller Bürgerinnen und Bürgern jeden Alters bei und sind von großer Bedeutung für die soziale Infrastruktur eines Stadtteils und dam it der Stadt insgesamt. Das vorliegende Urban Sports Konzept zeigt für die Stadt Köln Handlungsoptionen für die Ge- staltung von zukunftsfähigen Bewegungsangeboten im Diskurs der Urbanisierung des Sports auf, um die vorab genannten Vorteile greifbar und ums etzungsfähig zu machen. Im ersten Schritt wird der aktuelle Bestand der Anlagen mittels quantitativer und qualitativer Erhebungen analysiert, um in darauffolgenden Schritten Handlungsoptionen zur Sicherstellung eines zu- kunftsfähigen Anlagenangebots abzuleiten. Die Bestandsaufnahme der bezirksorientierten Pla- nung zeigt den Handlungsbedarf durch Faktoren wie: Sanierungsbedürftigkeit der Anlagen, Mangel an beleuchteten, überdachten und/oder beheizten Anlagen, Bedarfe an Parkour-Anla- gen sowie quantitative Unterrepräsentation von Urban-Sports-Anlagen im stadtweiten Vergleich zu sonstigen Spiel- und Bewegungsangeboten. Die empfohlenen Handlungsoptionen zur Schaffung eines zukunftsfähigen Anlagenangebotes basieren auf dem Wunsch zur Sicherung einer Grundversorgung mit qualitätvollen Anlagen un- terschiedlicher Größe und zur Verbesserung des Angebotes in Richtung Stadtzentrum. Dies kann u.a. durch die Aktivierung von Potentialflächen erfolgen, die als Multi-Funktions-Flächen bzw. als sogenannte „Shared Spots“ qualifiziert werden. Das hier vorgelegte Urban Sports Konzept soll als Handlungsempfehlung, als Instrument für die Stadt Köln verstanden werden, um zukunftsträchtige Angebote für die urbanen Bewe- gungskulturen proaktiv gestalten zu können. Die Jugendverwaltung beabsichtigt hiermit, den Blick auf eine für einige Teile der Bevölkerung bislang unentdeckte Sportwelt zu richten. Das Urban Sports Gesamtkonzept stellt eine Ergänzung und ein besonderes Streiflicht der Spielraumplanung dar, die sich bei der Jugendverwaltung derzeit in der Fortschreibung befin- det. Durch die hier aufgezeigten Perspektiven soll sich keine Konkurrenz zu den bereits von der Bezirkspolitik beschlossenen Maßnahmenplanung herausbilden. Es geht darum, Angebote für die urbanen Bewegungskulturen proaktiv und dynamisch zu gestalten und auf erhöhte Nach- frage transparent mit einem abgestimmten Konzept einzugehen. Diese Information erfolgt aus fachlichen Gesichtspunkten und berücksichtigt noch keine Res- sourcenaspekte und Finanzierungsoptionen für die Umsetzung. Gez. Voigtsberger
Urban Sports Konzept für die Stadt Köln Gremienfassung
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1
Urban Sports-Gesamtkonzept für die Stadt Köln 2023
Kommunale Planung von öffentlichen Skate-, BMX-, Pumptrack-, Parkour- und Dirt-
Anlagen
Veith Kilberth, Wouter Mikmak
April 2023
Zusammenfassung
Der Wandel von Sport- und Bewegungskulturen ist allgegenwärtig und insbesondere
im urbanen Raum wahrnehmbar. Parallel zum organisierten Sport und der gesell-
schaftlichen Entwicklung folgend wächst eine Kultur des selbstbestimmten Sports, der
enormen Zulauf verzeichnet, insbesondere von jungen Menschen. Unter dem Begriff
„Urban Sports“ werden hier Skateboarding, BMX und Parkour als die drei zentralen
Bewegungspraktiken gefasst, deren Aktionsfeld im städtischen Raum verortet ist. Als
Reaktion auf gestiegene Teilnehmerzahlen und der ordnungsrechtlichen Verdrängung
dieser Bewegungspraktiken aus dem städtischen Raum werden weltweit spezielle
Zweckräume zur Ausübung von Urban Sports geschaffen. Diese Anlagen sind nicht
nur Sportplätze für selbstbestimmte Betätigungen, sondern auch Treffpunkte zur sozi-
alen Interaktion. In diesem Zusammenhang erfüllen sie für jugendliche Nutzer*innen-
Gruppen verschiedene soziale Funktionen, über den Sport hinaus.
Das vorliegende Gesamtkonzept liefert Einblicke in die neuen Bewegungskulturen der
Urban Sports, analysiert den aktuellen Bestand der Anlagen und zeigt Handlungsopti-
onen auf, um ein zukunftsfähiges Bewegungsangebot für Kinder, Jugendliche und Er-
wachsene in der Stadt Köln sicherzustellen. Das Ergebnis ist ein städtisches Gesamt-
konzept für Urban Sports-Anlagen in Köln, mit dem die zuständigen Fachabteilungen
proaktiv handeln können, und eine Vision, inwieweit Urban Sports-Angebote in
den städtischen Raum integriert werden können.
Das Dokument umfasst die Planung beschlossener Projekte und den Anlagenbestand
bis zum 31.03.2023.
Titelfoto: Skatepark Höhenberg. Quelle: Landskate.
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Inhaltsverzeichnis
ZUSAMMENFASSUNG ....................................................................................................... 1
1 HINTERGRUND UND ZIELSETZUNG ............................................................................. 4
1.1 Hintergrund: Jugendliche Bewegungskulturen im Wandel ..................................................................... 4
1.2 Aufenthalts- und Bewegungsflächen für Kinder und Jugendliche im öffentlichen Raum ............. 6
1.3 Indikatoren für eine gestiegene Nachfrage und dem Bedarf nach Räumen für Urban Sports in
Köln ............................................................................................................................................................................... 6
1.4 Ziele des Urban Sports-Gesamtkonzepts ......................................................................................................... 7
2 AUFBAU DES GESAMTKONZEPTS / METHODISCHES VORGEHEN ................................. 8
2.1 Systematik des Anlagen-Gesamtkonzepts ...................................................................................................... 8
2.2 Aufbau der Studie ..................................................................................................................................................... 9
2.3 Untersuchungsmethode ......................................................................................................................................... 9
2.4 Ergebnisse der Sportentwicklungsplanung ................................................................................................ 11
2.5 Befragungen von Vereinsvertreter*innen und Spielplatzpaten*innen ............................................ 12
3 URBAN SPORTS ....................................................................................................... 13
3.1 Begriffsdefinition „Urban Sports“ ................................................................................................................... 13
3.2 Konstitutive Merkmale von Urban Sports ................................................................................................... 14
3.3 Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Spielplätzen, Sportstätten und Urban Sports-
Anlagen ..................................................................................................................................................................... 16
3.4 Quantität der Nutzer*inne-Gruppen .............................................................................................................. 19
3.5 Das Geschlechter-Verhältnis und die Entwicklungstendenzen ........................................................... 22
3.6 Bedeutung und Nutzen von Urban Sports-Anlagen .................................................................................. 23
3.6.1 Sportliche Aspekte ......................................................................................................................................................... 23
3.6.2 Soziale Aspekte ................................................................................................................................................................ 24
3.7 Nutzer*innen-Beteiligungen und die gestalterische Freiheit bei der Planung von Urban
Sports-Anlagen ....................................................................................................................................................... 26
3.8 Anlagen-Typen (Klassifizierung nach Art des Urban Sport) ................................................................. 27
3.8.1 Skateparks ......................................................................................................................................................................... 28
3.8.2 BMX-Parks ......................................................................................................................................................................... 29
3.8.3 Parkour-Anlagen ............................................................................................................................................................ 30
3.8.4 Dirt-Anlage und Pumptracks..................................................................................................................................... 31
3.8.5 WCMX-inklusive Skateparks ..................................................................................................................................... 32
3.9 Parameter für das Anlagen-Gesamtkonzept ............................................................................................... 32
3
4 URBAN SPORTS-ELEMENTE ZUR MULTIFUNKTIONALEN NUTZUNG IM ÖFFENTLICHEN
RAUM ............................................................................................................................. 36
4.1 „Shared-Spot“-Ansatz ........................................................................................................................................... 36
4.1.1 Shared-Spot, Rahmenbedingungen ........................................................................................................................ 37
4.1.2 Shared-Spots, Beispiele ............................................................................................................................................... 39
5 BESTANDSANALYSE ................................................................................................. 40
5.1 Bewertung des Anlagen-Angebots in Köln ................................................................................................... 40
5.1.1 Darstellung der Ist-Situation aus gesamtstädtischer Sicht .......................................................................... 43
5.1.2 Darstellung der Ist-Situation aus Sicht der Bezirke ........................................................................................ 45
5.2 Aktuelle Planung ................................................................................................................................................... 60
5.2.1 Skateparks ......................................................................................................................................................................... 60
5.2.2 Pumptrack ......................................................................................................................................................................... 61
5.2.3 Parkour-Anlagen ............................................................................................................................................................ 61
5.2.4 Dirt-Anlagen ..................................................................................................................................................................... 61
5.3 Gesamtbewertung der Urban Sports-Anlagen-Ist-Situation ................................................................. 61
6 MAßNAHMEN UND HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN................................................... 62
6.1 Diskussion der Ergebnisse ................................................................................................................................. 62
6.2 Handlungsempfehlungen aus gesamtstädtischer Sicht .......................................................................... 63
6.3 Handlungsempfehlungen aus Sicht der Bezirke ........................................................................................ 66
6.4 Ausblick .................................................................................................................................................................... 71
LITERATURVERZEICHNIS .................................................................................................. 73
AUTOREN ....................................................................................................................... 76
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1 Hintergrund und Zielsetzung
1.1 Hintergrund: Jugendliche Bewegungskulturen im Wandel
Der Wandel von Sport- und Bewegungskulturen ist allgegenwärtig und insbesondere
im urbanen Raum wahrnehmbar. Parallel zum organisierten Sport wächst eine Kultur
des selbstbestimmten, informellen Sports, der enormen Zulauf in Städten verzeichnet,
insbesondere von jungen Menschen, (vgl. Bindel 2008, S. 35; 2015, S. 44) und
zunehmend auch das Sportengagement der Kölner Bevölkerung kennzeichnet (vgl.
Kähler, Thieme, Brandl-Bredenbeck & Fischer, 2019). Spätestens seit den
ausgehenden 1990er-Jahren erfreuen sich innerhalb des informellen Sports neue
urbane Bewegungspraktiken, die häufig u. a. mit dem Oberbegriff „Trendsport“ oder
„Fun Sport“ gelabelt werden, großer Beliebtheit (vgl. Kähler 2014, S. 47; Derecik
2015b, S. 20). Die hier betrachteten jugendlichen Bewegungspraktiken: wie BMX,
Skateboarding, Stunt-Scooter, Inline-Skating, WCMX (Wheelchair Mototcross bzw.
Skating) und Parkour/ Freerunning, sollen aufgrund ihres im städtischen Raum
verorteten Aktionsfeldes mit dem Begriff „Urban Sports“ gefasst werden. Diese ‚neuen
Sportarten‘ sind durch Eigeninitiative, Selbstorganisation, Selbstbestimmung,
Individualität, flexible Ausübungszeiten und einen hohen Grad an Mobilität
gekennzeichnet. Ein wesentlicher Unterschied zum traditionellen Wettkampf-Sport be-
steht darin, dass es innerhalb der Urban Sports nicht primär um Gewinnen und Verlie-
ren geht (vgl. Kilberth, 2021b, S. 81). Die hier beschriebenen Praktiken als „Stil-Kultu-
ren“ (Stern, 2010) bieten für junge Menschen ein breites Spektrum an Möglichkeiten,
sich in sinn- und identitätsstiftentenden Gemeinschaften zusammenzuschließen und
ihre Individualität in kreativer Art und Weise – und nicht ausschließlich in Form von
sportlicher Leistung – auszudrücken.
Mit der wachsenden Verbreitung von Urban Sports im städtischen Raum gehen
oftmals „unvermeidliche“ Konflikte einher, wie Lärmbelästigung, Verkehrsgefährdung,
Sachbeschädigung, bis hin zu Hausfriedensbruch. Infolge werden immer mehr
„natürliche“ Skate- / BMX-Gelegenheiten („Street Spots“) durch bauliche Maßnahmen
vereitelt oder mit Verboten belegt (siehe Beispiel Kölner Domplatte). Als Reaktion auf
den zunehmenden Bedarf, aufgrund gestiegener Teilnehmerzahlen an urbanen
Bewegungspraktiken, insbesondere seit Mitte der 1990er-Jahre, werden weltweit
vermehrt spezielle Zweckräume, etwa in Form von Skateanlagen, zur Ausübung dieser
5
neuen Sportarten gebaut (vgl. Whitley 2009: 10; Schwier 2020: 33) und auch in Köln
geschaffen.
Stellvertretend für die gesellschaftliche Etablierung und Akzeptanz der neuen
Sportpraktiken steht die Bekanntgabe des Internationalen Olympischen Comitées
(IOC), Skateboarding zu den Spielen 2020 (verschoben nach 2021) in Tokio als
Wettkampf-Sportart mit den Disziplinen Street und Park erstmalig in das Programm
der Olympischen Spiele aufzunehmen (vgl. Jones 2016). Auch BMX ist mit den Dis-
ziplinen Race und seit 2021 auch mit Freestyle Park offiziell Teil des Olympischen
Programms in Tokio. Ebenso besteht bereits seit einiger Zeit die Diskussion, Parkour
als weitere „junge Lifestyle-Sportart[…]“ in die Olympischen Spiele zu integrieren (vgl.
Schmidt, 2017). Allerdings muss angemerkt werden, dass diese Form der Versportli-
chung dieser jugendkulturellen Stilpraktiken innerhalb der Szene stark umstritten ist,
nur einen marginalen Teil der Akteur*innen anspricht und nach wie vor nicht dem Leit-
bild der Szene entspricht (vgl. Schmidt, 2017; Kilberth, 2021b, S. 77 ff.).
Die technologische Entwicklung des Internets, die Digitalisierung und das veränderte
Mediennutzungs-Verhalten verstärken den Bedarf an Urban Sports-Nutzungsmöglich-
keiten seit der Jahrtausendwende weiter, da sich die „neuen“ Bewegungspraktiken im
Internet verbreiten, vor allem durch die Selbst-Medialisierung, d. h. die Akteur*innen
filmen sich bei der Ausübung ihrer Praktik gegenseitig und publizieren diese Inhalte
mittels Social Media (vgl. Schwier, 2016, S. 115).
Bewegungsorientierte Jugendkulturen können für zahlreiche Heranwachsende und
junge Erwachsene attraktiv sein und prägen auch weiterhin immer stärker den öffent-
lichen Raum (vgl. Schwier & Kilberth 2018: 48 ff.). Es ist anzunehmen, dass dieser
Entwicklung folgend die Zahl von Urban Sports-Akteur*innen weiter steigen wird. Nicht
zuletzt potenziert durch die Corona-Pandemie, die für einen kurzzeitigen Boom der
Teilnahme an vereins- und orts-ungebundenen Outdoor-Individualsportarten während
dieser zwei Pandemie-Jahre sorgte. Inzwischen zeichnet sich ab, dass der enorme
Anstieg der Nutzer*innenzahlen zwar nicht dauerhaft auf diesem hohen Niveau
geblieben ist, doch auch hier könnte sich durch die Pandemie ein Vorgriff auf eine
anstehende Entwicklung abzeichnen, dass sich der Bedarf an verfügbaren Räumen
dauerhaft signifikant erhöhen wird.
6
So entstehen fortwährend Begehrlichkeiten von jungen Menschen, Räume für diese
Bewegungspraktiken in Städten zu nutzen, und für Kommunen die Aufgabe, ein
entsprechendes Angebot bereitzustellen.
1.2 Aufenthalts- und Bewegungsflächen für Kinder und Jugendliche im
öffentlichen Raum
Mit der anhaltenden Tendenz zur Urbanisierung und dem damit einhergehenden ho-
hen Flächendruck innerhalb von städtischen Räumen – vor allem im Vergleich zu länd-
lichen Regionen – wächst für Heranwachsende die Bedeutung von Aktions- und Be-
wegungsräumen, die im städtischen Raum zur Verfügung stehen. Auch die
zunehmende Kommerzialisierung der Innenstädte sowie die intensive Bebauung städ-
tischer Räume tragen zur Verringerung des Angebots von Aufenthalts- und Bewe-
gungsräumen für Jugendliche bei. Aus jugend- und sportpolitischer Sicht bekräftigt das
die Forderung, mehr Räume für den informellen Sport zu schaffen (vgl. Bindel, 2008,
S. 265) und diese proaktiv zu gestalten1.
1.3 Indikatoren für eine gestiegene Nachfrage und dem Bedarf nach Räu-
men für Urban Sports in Köln
Die Nachfrage und der Bedarf nach Räumen für Urban Sports lässt sich, analog zur
Erfassung der Teilnehmer*innen, nicht ohne Weiteres empirisch dingfest machen (vgl.
Kap 3.5). Allerdings lassen sich einige Indikatoren für den zunehmenden Bedarf an
Räumen für Urban Sports in Köln heranziehen. Die folgenden drei Faktoren werden
dazu als ausschlaggebend angesehen:
1. Raum-Konflikte: Konflikte (Lärmbelästigungen, Sachbeschädigungen,
Verkehrsgefährdungen etc.), die im Zusammenhang mit der Ausübung von Ur-
ban Sports an architektonischen Gegebenheiten im städtischen Raum entste-
hen und in der verdichteten Großstadt Köln zunehmend durch bauliche
Maßnahmen vereitelt und mit Verboten belegt werden (Stichwort: Skateboard-
Verbot auf der Domplatte).
1 Das Bereitstellen von Bewegungsangeboten für diese neuen Praktiken ist allgemein als ergänzendes
Angebot zu verstehen, und keinesfalls als eine ausschließende Alternative zum traditionellen Sport-
anlagenangebot und den klassischen Spielplätzen.
7
2. Starke Nutzung moderner Urban Sports-Anlagen: Die starke Nutzung und
Überlastungen von modernen Urban Sports-Anlagen in Köln sind ein wichtiger
Hinweis für weiteren Raum-Bedarf. Vor allem durch zusätzliche Angebote und
Verlängerung der Nutzungszeiten (Stichwort: Beleuchtung, Indoor-Möglichkei-
ten siehe Kap. 5.1.1) kann die zum Teil angespannte Lage entzerrt werden.
3. Bürger*innen-Begehren: Seit dem „Domplatten-Verbot“ und der Eröffnung
des Ersatz-Angebots „Kap 686“ stiegen Häufigkeit, Frequenz und Varianz von
Anfragen, durch Einzelpersonen und / oder Initiativen aus ganz Köln, nach Räu-
men für Urban Sports rapide an. Diese Anfragen werden dezentral an Bezirks-
vertretungen oder zentral an Fachämter der Stadtverwaltung gerichtet sowie
durch Online-Petitionen und / oder im Rahmen von größeren Bauvorhaben
kommuniziert, denen häufig eine Bürger*innen-Beteiligung voraus gegangen
ist. Der Großteil dieser Anfragen wird jedoch an das Amt für Kinder, Jugend und
Familie adressiert.
Diese drei signifikanten Indikatoren unterstreichen die zunehmende Bedeutung und
den verstärkten Raum-Bedarf von Urban Sports in Köln.
1.4 Ziele des Urban Sports-Gesamtkonzepts
Die Zielsetzung dieses Urban Sports-Gesamtkonzepts für die Stadt Köln ist es, ein
attraktives, zeitgemäßes Angebot entsprechend der lebensweltlichen Bedürfnisse von
Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen sinnvoll zu gestalten. Es wird ein
städtisches Gesamtkonzept entwickelt, in dem Bewegungsräume in Form von Skate-,
Bike-, und Parkour-Anlagen flächendeckend zur Verfügung gestellt werden.
Über das Minimalziel hinaus, einen Mindest-Bestand an qualitativ hochwertigen Urban
Sports-Anlagen bereitzustellen, folgt die Zielsetzung einem drei-stufigen Konzept, bei
dem (1) die Sicherung und Gewährung eines kommunalen flächendeckenden Min-
dest-Anlagen-Angebots systematisch erfasst und bewertet wird. Als nächster Schritt
(2) folgen Überlegungen und Handlungsempfehlungen zur Aufwertung und Sanierung
bestehender Anlagen. Drittens (3) sollen mögliche Erweiterungen durch neue Anla-
gen, und darüber hinaus als zusätzliche Räume (Spots), aufgezeigt werden.
Nach der Maxime: ‚sichern, aufwerten und erweitern‘ soll das Angebot an Urban
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Sports-Anlagen quantitativ und qualitativ erfasst, bewertet, erweitert und verbessert
werden, um der aktuellen und künftigen Nachfrage entsprechen zu können. Darüber
hinaus wird eine Vision entwickelt, wie Räume für Urban Sports geschaffen werden
können, die über das Anlagen-Konzept hinaus gehen.
2 Aufbau des Gesamtkonzepts / Methodisches Vorgehen
2.1 Systematik des Anlagen-Gesamtkonzepts
Der systematische Ansatz der vorliegenden Studie folgt weder einer rigiden top-down-
Planung, ‚von oben‘, noch handelt es sich um ein ausschließliches bottom-up-Vorge-
hen, ‚von unten‘. Es ist weder möglich, einen ‚Masterplan‘ zu erstellen, der sich an-
maßt, die Bedarfe jetzt und in Zukunft abzudecken, noch erscheinen Anleitungen zu
einem Handeln als wünschenswert, das auf die unterschiedlichen Urban Sports-An-
fragen aus den verschiedenen Bezirken der Stadt lediglich reaktionär eingehen kann
und dann innerhalb städtischer Prozesse versuchen muss umzusetzen, was ‚noch‘
möglich ist. Vielmehr besteht die Idee in einem proaktiven Hybrid-Ansatz. Eine geo-
grafisch quantitativ-zentrale partizipative Planung, die infrastrukturell ein flächende-
ckendes Mindest-Angebot bereitstellt, welches dann dezentral-qualitativ, zusammen
mit den lokalen Interessen-Gruppen gestaltet und weiterentwickelt wird. Aus dieser
Systematik sollen sich, in enger Kollaboration mit den Nutzer*innen-Gruppen, im ge-
samten Stadtraum Anknüpfungspunkte für weitere Urban Sports-Raum-Projekte erge-
ben.
Diese Herangehensweise wurde bewusst gewählt, um die zum Teil seit den 1990er
Jahren bestehenden Flächen zu sichern und weiterzuentwickeln sowie der Dynamik
der Nachfrage von Kölner Bürger*innen nach Räumen für Urban Sports mit Blick auf
die gesamte Stadt begegnen zu können. Ein zentrales Gesamtkonzept in Kombination
mit einer flexiblen dezentralen Gestaltung erscheint zielführend, um die spezifischen
Wünsche und Bedürfnisse der lokalen Nutzer*innen und die Schwerpunkte der be-
troffenen Anlage berücksichtigen zu können.
Die vorliegende Studie ist als Zwischenstand zu verstehen, als Ergebnis eines Pro-
zesses.Eine Planung, die konstitutiv niemals fertig ist und in bestimmten Intervallen
aktualisiert wird.
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2.2 Aufbau der Studie
Der Aufbau ist entsprechend der Zielsetzung: ‚sichern, aufwerten, erweitern‘ struktu-
riert. Vorweg werden wesentliche Informationen zu den Urban Sports dargelegt und
die wichtigsten Anlagen-spezifischen Merkmale herausgestellt, an denen sich das vor-
liegende Gesamtkonzept inhaltlich orientiert. Zunächst wird das bestehende Anlagen-
Angebot systematisch erfasst und nach bestimmten Parametern qualitativ bewertet
(vgl. Kap. 3.10). Aufgrund des allgemeinen Mangels an Freiflächen in der verdichteten
Großstadt Köln werden bestehende Anlagen bzw. Flächen nicht zur Disposition ge-
stellt.
In einem zweiten Schritt wird die Bestandsaufnahme quantitativ bewertet, indem die
Abdeckung an Urban Sports-Räumen auf gesamtstädtischer und Bezirksebene über-
prüft wird.
Die Ergebnisse der Analyse der Ist-Situation auf Basis einer Primär- und Sekundärda-
tenerhebung bilden den Ausgangspunkt für Überlegungen bezgl. der Handlungsemp-
fehlungen. Auf dieser Grundlage werden dann konkrete Empfehlungen für die ge-
samte Stadt und die einzelnen Bezirke abgeleitet, in denen: (1) die Qualität von
bestehenden Anlagen verbessert und aufgewertet wird (reparieren, Instand setzen,
sanieren etc.); (2) das Gesamtangebot durch neue Anlagen ergänzt wird und (3) mög-
liche Erweiterungen durch neue Raum-Angebote als Urban Sports-Gelegenheiten
(Spots) eruiert werden.
2.3 Untersuchungsmethode
Zur Analyse der Ist-Situation und der darauf aufbauenden Konzeption des Urban
Sports-Gesamtkonzepts werden verschiedene Untersuchungsmethoden kombiniert:
Mittels der systematischen Informationsgewinnung durch eine Expert*innen-Befra-
gung der Vereinsvertreter*innen und Spielplatzpaten*innen wurden Primärdaten erho-
ben, die nicht nur Aufschluss über den aktuellen Stand der Anlagen und Bedürfnisse
der Nutzer*innen, sondern auch Hinweise auf Optimierungsmöglichkeiten und weitere
Potentiale geben. Die Expert*innen-Interviews wurden mittels eines Gesprächsleitfa-
dens durchgeführt. Außerdem wurde ein Befragungsbogen genutzt, um die jeweilige
Anlage zu bewerten. Die Auswertung und die relevanten Ergebnisse der Befragung
10
fließen durch wörtliche und sinngemäße Zitate an verschiedenen Stellen in das Ge-
samtkonzept ein. Mittels mehrfacher Begehungen der Anlagen durch das Autoren-
Team wurden die Ergebnisse der Bewertungen der Befragungen verifiziert und mitun-
ter angepasst. Die persönlichen Bestandsaufnahmen dienen zusätzlich als Grundlage
bei all jenen Urban Sports-Anlagen, denen kein(e) Ansprechpartner*in zugeordnet
werden konnte. Darüber hinaus wurden auch Beobachtungen und Erfahrungen der
Mitarbeiter*innen des Amts für Kinder, Jugend und Familie der Stadt Köln einbezogen,
die bereits seit vielen Jahren für alle öffentlichen Urban Sports-Anlagen zuständig sind.
Aus dieser Quelle stammen auch die Informationen bezgl. des aktuellen Planungs-
stands von Urban Sports-Anlagen in Köln, der in Kapitel 5 dargestellt wird.
Methodologisch besteht eine Herausforderung darin die individuellen, vielfältigen Be-
dürfnisse und Wünsche der hier anvisierten Urban Sports-Sportler*innen zu erfassen.
Dafür erscheint jedoch weder eine repräsentative Bürger*innen-Befragung angemes-
sen, noch ist der Rückgriff auf Daten des organisierten Sports von Verbänden und
Vereinen aussagkräftig. Anstatt quantitativ möglichst viele Urban Sports-Akteur*innen
zu befragen, erscheint die Expertenbefragung als qualitative Methode zielführend. Für
die Vorgehensweise dieses Gesamtkonzepts ist es wichtig zu verstehen, dass insbe-
sondere die qualitativen Faktoren in den Urban Sports schwer wiegen, da der Grad
der persönlichen Involvierung der Akteur*innen ein entscheidender ‚Kompetenz-Fak-
tor‘ ist. Urban Sports sind generell nicht von quantitativen Mehrheiten bestimmt, son-
dern innerhalb dieser Stil-Kulturen herrschen für Außenstehende nicht identifizierbare
soziokulturelle Leitbilder, die sich vor allem in bestimmten körperpraktischen Stil-For-
men ausdrücken (vgl. Kilberth, 2021b, S. 77 ff.). Diese ‚weichen Faktoren’ einiger we-
niger können als ‚Quelle der Inspiration’ einen erheblichen Einfluss auf die Nutzungs-
Präferenz von vielen haben und für weniger Involvierte attraktiv und aktivierend sein.
Selbstverständlich sollten grundsätzlich möglichst viele Nutzer*innen und Interessierte
in die Gestaltung von Urban Sports-Projekten involviert und ihre Stimmen gehört wer-
den. Neben der Möglichkeit, persönliche Interessen eigeninitiativ an die Stadt zu rich-
ten, erscheint der Weg über die ‚Expert*innen‘ zu gehen und dann öffentlich zur Teil-
nahme an Planungsprozessen aufzurufen, als besonders nutzbringend. Die Exper-
t*innen, mit denen als Initiativen, Paten*innen und Betreiber*innen der Urban Sports-
Ablagen in Köln Interviews geführt wurden, können zum Teil auch als Szene-Vertreter
11
angesehen werden. Mit ihnen soll innerhalb der verschiedenen „Veedels“ in Köln kol-
laborativ zusammengearbeitet werden, und über deren Netzwerke sollen weitere Nut-
zer*innen in die konkreten Projekte eingebunden werden.
Zusätzlich zur Primärdaten-Erhebung wurde eine Sekundärdaten-Analyse durchge-
führt. Neben der Expertise der Mitarbeiter des Skatepark-Planungsbüros Landskate
GmbH und der beiden weiteren Autoren wurde mittels Literaturrecherche im Bereich
der Sportwissenschaften, speziell im Fachbereich der Sportpädagogik, Sportsoziolo-
gie sowie der städtischen Raumplanung, und spezifischer Fachzeitschriften der aktu-
elle sozialwissenschaftliche Kenntnisstand untersucht. Innerhalb der wissenschaftli-
chen Literatur bezieht sich die vorliegende Studie immer wieder auf die gerade
veröffentlichte Dissertationsschrift: „Skateparks. Räume für Skateboarding zwischen
Subkultur und Versportlichung“ von Co-Autor Veith Kilberth. Besonders hervorzuhe-
ben ist auch das Gutachten der Sportentwicklungsplanung (Kähler et al., 2019), auf
das im Folgenden eingegangen wird.
2.4 Ergebnisse der Sportentwicklungsplanung
Ein wichtiger Teil der Sekundärdaten-Erhebung sind die Urban Sports-relevanten Er-
gebnisse des Gutachtens der Sportentwicklungsplanung (Kähler et al., 2019), die in
einem zweijährigen Prozess von 2017 bis Ende 2018 in Köln durchgeführt wurde.
Die inhaltliche Schnittmenge dieser Sportentwicklungsplanung mit dem vorliegenden
Urban Sports-Gesamtkonzept ist im informellen Jugendsport der sportreibenden Be-
völkerung Kölns und den ganz konkreten Planungsempfehlungen zu Räumen für Ur-
ban Sports des Gutachtens zu sehen. Besonders interessant scheint auf den ersten
Blick die empirische Erhebung von Wünschen und Bedürfnissen des Sportengage-
ments als Teil der Bestandaufnahme dieser integrativen Sportentwicklungsplanung.
Innerhalb der Probanden des informellen Sports muss jedoch der Anspruch auf Re-
präsentativität (vgl. ebd. S. 29) dieser Untersuchung (Stichprobe n = 2.406) im Hinblick
auf Urban Sports im Speziellen relativiert werden, da der Zugang zu Primärdaten er-
heblich über die Kölner Vereine erfolgte, von denen sich Urban Sports-Akteur*innen
zumeist konstitutiv abgrenzen2, und daher die Teilnahme von Vereinssportlern*innen
2 Für Urban Sports ist eine Vereins-Organisation zur Ausübung des Sports meistens nicht nötig. So
organisieren sich beispielsweise Skateboarder*innen lediglich als Notbehelf in Vereinen (vgl. Peters
2016, S. 43, 222 und 279; Kilberth, 2021b, S. 148).
12
überrepräsentiert ist (ebd. S. 31). Ebenso scheint auch das Alter der Befragten mit
durchschnittlich 43 Jahren (ebd. S. 34) die Repräsentativität für die Akteur*innen der
Urban Sports weiter einzuschränken. Dennoch liefert dieses Gutachten folgende inte-
ressanten Befunde:
- Grundsätzlich zeigt sich ein hoher Bedarf an zusätzlichen Räumen für den selbst-
organisierten Sport (ebd. S. 41), jenem Anlage-Typ, zu dem auch Urban Sports-
Anlagen zählen.
- Bemerkenswert ist, dass zwar die Quantität der Teilnehmer*innen von Skateboar-
ding bei unter 5 % der Einwohner*innen von Köln liegt, jedoch Skateboarding mit
einem Umfang bzw. einer Ausübungsdauer von durchschnittlich fast 10 Std. pro
Woche die Sportart ist, die am intensivsten praktiziert wird (ebd. S. 38).
- In gleich drei der fünf Modellprojekte, die als Handlungskonsequenz der Sportent-
wicklungsplanung konzipiert wurden, sind auch Flächen für Urban Sports vorgese-
hen. In der Everhardstraße im Stadtteil Ehrenfeld ist der Bau einer Skateanlage in
Kombinationen mit einem Basketballplatz sowie eine Parkour-Anlage angedacht
(ebd. S. 104 ff.). Ebenso ist im Deutzer Hafen ein Skatepark geplant, zudem soll
dort auch in der Industrie-Halle u.a. eine Indoor-Skate-Möglichkeit eingerichtet wer-
den (ebd. S. 111). Auch am Rendsburger Platz in Mülheim treten Parkour, BMX
und Skaten in Erscheinung (ebd. S. 116).
Weitere Ergebnisse der Sportentwicklungsplanung fließen an verschiedenen Stellen
in die vorliegende Studie ein.
2.5 Befragungen von Vereinsvertreter*innen und Spielplatzpaten*innen
Für die Analyse des aktuellen Urban Sports-Anlagen-Bestands bzw. deren Nutzung
wurden Experten „ihrer“ Anlagen zu „ihrem“ jeweiligen Urban Sport (Skateboard, BMX,
oder Parkour) befragt3. Bei den interviewten Personen handelt es sich um Spielplatz-
paten*innen, Vereinsvertreter*innen oder Ansprechpartner*innen verantwortlicher Ju-
gendeinrichtungen:
3 Die Befragung wurde bereits Ende 2017 durchgeführt.
13
3 Urban Sports
3.1 Begriffsdefinition „Urban Sports“
Die Bezeichnung „Urban Sports“ fasst im vorliegendem Gesamtkonzept u. a. die Sport-
arten Skateboarding, BMX und Parkour unter einem Oberbegriff zusammen. In der
Literatur firmieren diese Bewegungspraktiken auch häufig als „Trendsport“, „Funsport“,
„Extreme Sports“ oder auch „Action Sports“. In Abgrenzung zu anderen Sportarten,
die auch im urbanen Raum praktiziert werden, wie etwa Jogging, Rennradfahren oder
Fitnesssport, nimmt hier der Begriff „Urban Sports“ vorwiegend Bezug auf die urbane
Herkunft und das explizit städtische Ausübungsumfeld dieser Sportpraktiken. BMX,
Skateboarding, Stunt-Scooter, Inline-Skating, WCMX und Parkour/ Freerunning sind
4 Die North Brigade e. V. ist von den aufgeführten, Gemeinwohl-orientierten Anlagen die Einzige, die
als klassisches Vereinsgelände mit Lage innerhalb der Bezirkssportanlage Weidenpesch an das
Sportamt angeschlossen ist.
Sportart Anlage Organisation Ansprechpartner
Skate Kap 686 Dom Skateboarding e. V. Patrick Bös
Skate und BMX Lohserampe Lohserampe e. V Tim Dohnke
Skate Lentpark Dom Skateboarding e. V. Oliver Tielsch
BMX Salatschüssel Takufeld Ride e. V. Kay Beutling
BMX Salatschüssel Takufeld Ride e. V. Ingo Bräutigam-Kraus
Skate und BMX Freizeitpark Zoobrücke Jugendpark JUGZ Petra Zachmann
Skate Mülheim Dom Skateboarding e. V. Oliver Tielsch
Skate und BMX Halle59 JUGZ Köln GmbH Carola Wewer
Skate Stadtwald Minirampe Dom Skateboarding e. V. Carsten Krieg
Skate DIY Mülheimer Brücke Dom Skateboarding e. V. Simon Kramer
Skate North Brigade e. V. 4 North Brigade e. V. Phillip Ortsiefer
Parkour Move Artistik Dome Kommerzieller Anbieter Alex Pach
Parkour Keine eigene Anlage Parkour Movement e. V. Finn Kölzer
14
Urban Sports im engeren Sinne und beanspruchen daher als urbane Bewegungsprak-
tiken die Kennzeichnung ‚Urban‘ für sich. Innerhalb der Urban Sports haben Skate-
boarding, BMX und Parkour aufgrund der historischen Kontinuität, des überdurch-
schnittlich starken Involvements der Akteur*innen und der jugendkulturellen
Bedeutung einen besonderen Stellenwert, an den sich viele andere Praktiken in ihrem
Stil und Raum-Bedürfnis anlehnen.
Eine Ausnahme stellt hierbei die noch recht kleine, aber stetig wachsende Szene der
Rollstuhlfahrer*innen in Skateparks – auch WCMX-Fahrer*innen genannt – dar. Bis-
lang werden bei der baulichen Ausführung von Urban Sports-Anlagen entsprechende
Standards bezüglich Inklusion nur vereinzelt umgesetzt. Durch eine verstärkte inklu-
sive Gestaltung der Urban Sports-Anlagen kann zukünftig auch die Teilhabe von
WCMX-Nutzer*innen ermöglicht werden.
3.2 Konstitutive Merkmale von Urban Sports
Urban Sports stellen Bewegungspraktiken in städtischer Umgebung dar. Als informelle
Sportarten sind sie vor allem für Heranwachsende relevant, und können daher auch
als „gesellschaftliche […] Artikulationsfeld[er] der Jugend“ angesehen werden (Bindel,
2008, S. 257). Im Kontext der allgemeinen Individualisierung der Gesellschaft stehen
diese neuen Sportpraktiken nicht für den Verlust von Gemeinschaftsbildung. Sie sind
vielmehr als moderne, neuartige Gemeinschaftsform zu verstehen (vgl. Schürmann,
Mittag, Stibbe, Nieland & Haut 2016, S. 11) bzw. können gar als „moderne Gemein-
schaft“ gesehen werden (vgl. Bock, 2017, S. 193). Ein gemeinsamer Stil ist das maß-
gebliche Kriterium der Vergemeinschaftung. Sie folgen dabei lediglich einer anderen
sozialen Regulierung: „Informell organisiert, aber nicht minder bindend, wird auf mithin
subtile Weise Präsenz und Engagement eingefordert“ (vgl. Stern, 2010, S. 33).
Urban Sports haben einen selbstbestimmenden Charakter und bieten den Protago-
nist*innen große Freiräume, ihren persönlichen Stil kreativ auszudrücken, wobei hier
eher der Spaß als ausschließlich der Leistungsvergleich im Vordergrund steht (vgl.
Beal, 2013). Das zentrale Wesensmerkmal dieser informellen Bewegungspraktiken ist,
dass es sich, im Vergleich zum klassischen Wettkampfsport, um Stil-Kulturen handelt
(vgl. Stern 2010), die nicht dem Leitbild objektivierter Leistung und keinem Sieg-Nie-
derlage-Kodex folgen. Die soziokulturelle Eigenlogik dieser Praktiken gewichtet ein
15
subjektives Still-Können besonders hoch, welches bei vielen Akteur*innen mit einem
hohen Grad an Selbstverpflichtung einhergeht und als ein „totales Engagement“
(Stern, 2010, S. 100) weite Teile des Lebens von Jugendlichen einnehmen kann. D. h.
für viele Akteur*innen bedeuten diese Bewegungspraktiken wesentlich mehr als nur
eine Sportart, die ausschließlich in der Freizeit ausgeführt wird. Die jeweiligen Urban
Sports können so zu einem Lebensstil reifen und ihre Ausübung kann das Lebensge-
fühl der Akteur*innen ausdrücken (vgl. Schwier, 1998, S. 20). Die Haltung vieler Urban
Sports-Akteur*innen zeigt ein auffällig starkes Involvement in ihre Bewegungspraktik
und dem immanenten Lifestyle. Es gibt keine klare Grenzlinie zwischen Sport und All-
tag (vgl. Stern, 2010, S. 261). Nicht Skateboard / BMX ‚Fahren‘, sondern Skateboar-
der*in / BMXer*in ‚Sein‘ ist hier der paradigmatische Unterschied.
Unter den Urban Sports kommt dem Skateboarding, als eine der sichtbarsten und be-
ständigsten urbanen Bewegungspraktik, eine Schlüsselposition zu, da sich andere art-
verwandte Praktiken in ihren Bewegungsabfolgen (Manövern) und stilistischen Aus-
drucksweisen an Skateboarding orientieren (vgl. Schäfer 2020: 127 ff.). Das
Skateboard-Fahren bildet dabei die vermutlich lauteste, im wörtlichen wie im übertra-
genden Sinne, und am weitesten verbreitete jugendliche Bewegungskultur im öffentli-
chen Raum (vgl. Schwier & Kilberth 2018, S. 49). Zudem ist Skateboarding das bisher
wissenschaftlich am umfangreichsten untersuchte Phänomen innerhalb des Felds der
Urban Sports (vgl. Kilberth, 2021b, S. 25 ff.). Vieles spricht dafür, dass sich andere
Stil-Kulturen, wie BMX und Parkour, in ihrer soziokulturellen Eigenlogik sehr eng an
Skateboarding anlehnen und daher vieles, was für Skateboarding gilt, auch für die
anderen hier behandelten Praktiken angenommen wird.
In der folgenden Kontrast-Darstellung werden die konstitutiven Merkmale von Urban
Sports denen des traditionellen Wettbewerb-Sports polarisierend gegenübergestellt
(ausführlicher dazu vgl. Kilberth, 2021b):
16
Urban Sports Traditioneller Wettkampsport
Fokus auf Spaß, Erleben und Erfahrung Fokus auf physische Leistung
Ästhetik, Spiel mit Risiko und Technik Fitness und Ausdauer
Autodidaktisches Lernen Didaktik, methodische Übungsreihen
Kreativität, Stil und Innovation Physischer Körper und Taktiken
Sportart als „Rund-um-die-Uhr“-Lifestyle Sport unterteilt in Training und „Ernstfall“
Non-konform Konform
Selbstorganisiert Fremdorganisiert
Selbstbestimmte Ziele Fremdbestimmte Vorgaben
Anti-autoritär Hierarchisch (Trainer, Kapitän etc.)
Subjektive Leistung, Stil nicht messbar Objektiv messbar: höher, schneller, weiter
Neumachen und Erfinden von Bewegung Befolgen von Bewegungsidealen
Wildes, freies Spiel (sog. „Paidia“) Geordnetes, strukturiertes Spiel (Sog. „Ludus“)
Quelle: Eigene Darstellung.
3.3 Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Spielplätzen, Sportstätten
und Urban Sports-Anlagen
In der im Jahr 2018 erstellten Spielplatzbedarfsplanung der Stadt Köln sind 700 Spiel-
flächen im öffentlichen Raum aufgeführt (vgl. S. 6), wobei 12 Angebote in sehr unter-
schiedlicher Ausstattung und Größe für „Skater“ genannt sind. Skateanlagen bzw. Ur-
ban Sports-Anlagen sind jedoch keine Spielflächen oder Spielplätze im klassischen
Sinne und bedürfen daher ihrer eigenständigen planerischen Betrachtung. Die Stadt-
verwaltung der Stadt Köln hat aus diesem Grund im Spielplatzbedarfsplan 2018 ein
eigenständiges Kapitel „Trendsport“ eingeführt und auf die Erarbeitung des nun vorlie-
genden „Urban Sports-Gesamtkonzept der Stadt Köln 2023“ (alter Titel: „Urban Sports
Masterplan Köln“ [USMPK] hingewiesen (vgl. ebenda, S. 26). Um ihre Eigenart inner-
halb des infrastrukturellen Bewegungsangebots der Stadt Köln besser verständlich zu
machen, werden im Folgenden einige zentrale Unterschiede und Gemeinsamkeiten
im Vergleich zu Spielplätzen und Sportstätten dargelegt. Die Unterschiede resultieren
u. a. aus dem intentionalen Nutzungszweck, und der damit zusammenhängende Aus-
stattung der Anlage, dem Betriebsmodus sowie den Merkmalen der Nutzer*innen.
17
Intentionaler Nutzungszweck
Während Spielplätze, vor allem für Kinder, ein Angebot für die spielerische Bewe-
gungserziehung in einem geschützten Raum in der verdichteten Stadt ist, ihre motori-
schen Fähigkeiten zu entwickeln (Klettern, Schwingen, Balancieren, Springen etc.),
sind Sportstätte normierte Funktionsräume, die zumeist Flächen für den sportlichen
Wettkampf bieten. Die Bewegung ist zielgerichtet und folgt objektiven Bewertungs-
maßstäben. Urban Sports-Anlagen wiederum sind weitestgehend die Nachbildung von
architektonischen Gegebenheiten des städtischen Raums, allgemein und im spezifi-
schen optimiert für die Nutzung der unterschiedlichen Urban Sports. Es ist kein sport-
licher Wettkampf, sondern ein subkulturell geprägtes Körper-Raum-Spiel (vgl. Eichler
& Peters, 2012). Die Gestaltung dieser Anlagen unterliegt, außer sicherheitstechni-
schen Anforderungen, keiner Normierung oder Standardisierung, denn es handelt sich
um (Spiel)Räume zur ‚kreativen Performance‘. Anders als in Sportstätten ist das Leit-
bild nicht der direkte, objektive Leistungs-Vergleich, sondern das körperpraktische Zei-
gen von Stil in Form von Fahrstilen, Tricks und Fahr- bzw. Laufwege durch das Terrain.
Es ist wichtig zu verstehen, dass aus soziokultureller Sicht Urban Sports-Anlagen
keine Trainingsplätze für Wettkämpfe in Zweckräumen sind. Sie stellen durchaus ein
alternatives Bewegungs-Angebot zum traditionellen Sport dar, indem flow-artige Be-
wegungs-Erlebnisse für die Akteur*innen nach innen (auf den Körper) wirken und
durch Stil-Praktiken expressiv nach außen gezeigt werden. Der wesentliche Unter-
schied zum funktionalen und Wettkampfsport liegt vor allem in der Lust am individuel-
len Erleben dieser spezifischen Bewegungsformen als Selbstzweck. Dadurch unter-
scheiden sie sich fundamental von der Logik des funktionalen Sports (Fitness, Jogging
usw.) bzw. des Wettkampfsports. Ob mit einem Skateboard, BMX-Rad, Stunt Scooter,
Inline-Skates, WCMX-Wheel Chair oder als Parkour-Läufer*in, letztendlich geht es im-
mer um das Ausreizen des Terrains, entsprechend der eigenen Kompetenz, inklusive
des individuellen Stils. Mit zunehmenden Freiheitsgraden des Urban Sports-Anlagen-
Typs geht ein größeres Kreativitätsspektrum der Nutzung einher, das eine verstärkte
kulturelle Prägung zum Ausdruck bringt, die in der Planung berücksichtigt werden
muss.
18
Planungs-Verfahren / Gestaltung der Anlage
Spielplätze und Urban Sports-Anlagen stimmen vor allem in der spielerischen Nutzung
und einem subjektiven Bewegungserlebnis überein, statt eines konkreten objektiven
Ergebnisses auf Sportplätzen. Aufgrund der nicht-normativen Vorgabe der Nutzung
haben Spielplätze und Urban Sports-Anlagen auch wesentlich höhere Freiheitsgrade
der Gestaltung als Sportstätten. Die Involvierung der Nutzer*innen in die spezifische
Planung des Nutzungsraumes ist daher von großer Bedeutung.
Nutzungszeiten und Qualität der Aufenthaltsbereiche
Die Bedeutung von Skateparks geht weit über die rein materielle Bedeutung als Raum
für informelle Bewegung hinaus, da sie in besonderer Weise von sozialen Aspekten
geprägt ist. Sie sind Szenetreffpunkte und Rückzugsorte für Jugendliche. Spielplätze
und Urban Sports-Anlagen stellen in besonderem Maße Orte außerschulischen Ler-
nens5 dar, der entscheidend zur Lebensqualität aller in den Stadtteilen lebenden Bür-
ger*innen beiträgt und somit für die soziale Infrastruktur eines Stadtteils, oder einer
Stadt insgesamt, von großer Bedeutung ist (vgl. Stadt Köln, 2018). Dafür sprechen
auch die ‚sport-untypischen', durchschnittlich sehr langen Nutzungs- und Aufenthalts-
zeiten der Nutzer*innen, die sowohl für Spielplätze als auch für Urban Sports-Anlagen
besondere Anforderungen an die Aufenthaltsqualität stellen.
Betriebsmodus
Aus gutem Grund werden deutschlandweit Urban Sports-Anlagen meistens selbstre-
guliert im Betriebsmodus ‚umsonst-frei-und-draußen‘ als öffentliche Anlagen – wie
Spielplätze – betrieben. Anders als der Großteil der Sportstätten, die historisch veran-
kert als vereinsgebundene regulierte Anlagen betrieben werden, stimmt die freie,
selbstbestimmte Nutzung konstitutiv mit den Merkmalen von Urban Sports überein.
Eine Regulierung des Zugangs von Urban Sports-Anlagen könnte dann ihre Relevanz
haben, wenn es besondere Bedarfe gibt, die nah an klassischen Sport-Themen sind,
wie etwa eine gezielte Nachwuchsförderung und / oder Wettbewerbe / Leistungssport,
5 Öffentliche Skateparks als Sozialräume können als pädagogische (Frei-)Räume dienen, die Selbstbil-
dungsprozesse ermöglichen (vgl. Kilberth, 2021b, S. 155).
19
die sich vereinzelt im Rahmen der ‚Olympiasierung‘ ergeben könnten (Regional-Stütz-
punkte, Bundes-Stützpunkt etc.), sowie die Nutzung auf eine bestimmte bzw. ausge-
wählte Bewegungspraktiken zu reduzieren. Bezüglich des Betriebsmodus spielt das
Verhältnis der betreibenden Personen bzw. der Paten*innen zur Stadt eine Rolle. Eine
soziokulturell geprägte Schwierigkeit besteht erfahrungsgemäß darin, lokale Skate-
park-Initiativen als BMX- und Skateboard-Vereine in die Pflicht nehmen zu können, die
verlässliche Betreiber*innen bzw. Pächter*innen von Skateparks sind, wie es für klas-
sische Sportanlagen üblich ist. Dies sollte auch in der städtischen Zuständigkeit für
Urban Sports-Anlagen und deren Betrieb berücksichtigt werden (vgl. Kilberth, 2021a).
Alter der Nutzer*innen-Gruppen
Ein deutlicher Unterschied besteht in der Altersstruktur von Kindern als Nutzer*innen
von Spielplätzen und Jugendlichen als Kernnutzer*innen-Gruppe von Urban Sports-
Anlagen. Mit einem höheren Alter der Nutzer*innen geht auch eine erhöhte Mobilität
bzw. ein erweiterter Bewegungsradius in der Stadt einher, sodass Urban Sports-Anla-
gen, anders als Spielplätze, keine enge geografische Bindung an Wohnquartiere ha-
ben.
Zusammenfassend zeigen der große nicht-normierte Gestaltungsspielraum für die
spezifische Planung, die partizipativen Planungsverfahren der Anlagen, der Betriebs-
modus, die freie Nutzungsstruktur und die Bedeutung als Aufenthaltsbereich eine we-
sentlich stärkere Nähe von Urban Sports-Anlagen zu Spielplätzen als zu vereinsbe-
triebenen Sportstätten.
3.4 Quantität der Nutzer*innen-Gruppen
Genaue Kenntnisse über die Anzahl der in Urban Sports-aktiven Jugendlichen zu er-
langen, ist schwierig. Dahinter steht ein konstitutives Problem des informellen Sports,
da sich dieser per se nicht institutionell organisiert, und diesbezüglich keine Mitglieder-
zahlen erfasst werden, wie im Vereinssport. Zudem liegen im deutschsprachigen
Raum keine Studien vor, die gesicherten Aufschluss über die Quantität der Nutzer*in-
nen-Gruppen der Urban Sports liefern. Die Schwierigkeiten der Umsetzung einer ent-
sprechenden Studie liegen im methodologischen Ansatz, des allgemeinen Kosten-
20
Nutzen-Verhältnisses der Datengewinnung sowie der ‚Haltbarkeit‘ der Ergebnisse die-
ser dynamischen Sportpraktiken. Eine Repräsentativstudie, die zum „Sportkonsum pri-
vater Haushalte in Deutschland“ durchgeführt und 2012 veröffentlicht wurde, zählt
734.735 aktiv Skateboard-fahrende Menschen in ihrer Hochrechnung (vgl. Preuß, Alfs
& Ahlert 2012, S. 98). Hitzler & Niederbacher (2010, S. 133) bezeichnen die Skate-
board-Szene als größte sportzentrierte Jugendszene und schätzen die Zahl der Skate-
boarder*innen in Deutschland auf rund eine Million, von denen 200.000 ihren Sport
(fast) täglich ausüben. Selbst wenn diese Zahl spekulativ erscheint, kann mit Blick auf
das Herkunftsland von Skateboarding, die Vereinigten Staaten, eine Studie der Spor-
ting Goods Manufacturers Association (SGMA) aus dem Jahre 2008 herangezogen
werden, welche die Dimension der Verbreitung der Urban Sports am Beispiel von
Skateboarding deutlich macht. Diese Studie geht in den USA von 13 Millionen Skate-
boarder*innen im Alter von 5 - 24 Jahren aus. Im Bezug auf die demographische Struk-
tur der Vereinigten Staaten ist das ein Bevölkerungsanteil von 16% im Alters-Segment
der 5- bis 24-Jährigen (vgl. Whitley, 2009). Würde man dieses Verhältnis unkritisch auf
die Bürger*innen von Köln übertragen, wären das fast 32.000 Skater*innen [Alters-
gruppe: 6 - 24 Jahre: 197.725, Stand: 31.12.2015 (vgl. Statistisches Bundesamt,
2015)]. Aufgrund der Unterschiede, die sich aus den kulturellen, demographischen und
klimatischen Verhältnissen sowie der grundsätzlichen Vorreiterrolle der USA, insbe-
sondere Kaliforniens, ergeben, stellt das Ergebnis dieser Studie angewandt auf
Deutschland eine etwas hochgegriffene Anzahl dar. Es liefert dennoch eine grobe Aus-
sage über das Ausmaß der Etablierung.
Die relativ geringe Anzahl der aktiven Teilnehmer*innen in den Urban Sports-Praktiken
im Verhältnis zu einigen Breitensportarten darf jedoch nicht den Blick für den
tatsächlichen Raum-Bedarf verstellen. Wie bereits erwähnt ist ein konstitutives
Merkmal von Urban Sports das hohe Involvement bzw. die starke Intensität vieler
Akteur*innen (vgl. Kap. 3.2). Für dieses innerhalb der Sozialwissenschaften bereits
erforschte und als “totales Engagement” (Stern, 2010) auf den Begriff gebrachte
Phänomen findet sich in Kapitel 2.4 der erwähnte empirische Beleg, den die
Sportentwicklungsplanung hervorgebracht hat. So ist Skateboarding, mit einer durch-
21
schnittlichen Ausübungsdauer von knapp 10 Std. pro Woche, die von den Kölner*in-
nen vergleichsweise am intensivsten betriebene Sportart (vgl. Kähler et al., 2019, S.
38)6.
Demnach sind Urban Sports zwar quantitativ, von der Anzahl der Teilnehmer*innen
her, nicht mit Breitensportarten, wie Jogging oder Fußball, zu vergleichen. In der
qualitativen Intensität und Häufigkeit der Ausübung beanspruchen die Nutzer*innen in
der Summe jedoch erhebliche Nutzungszeiten und Auslastungen von Urban Sports-
Anlagen, die das Verhältnis der Anzahl der Nutzer*innen zur durchschnittlichen
Nutzungszeit im Vergleich mit einer Sportanlage des Breitensports – beispielsweise
Bolz- und Streetballplätze – bei Weitem überschreiten können und eine eigene
Betrachtungsweise an die Richtwerte des Flächenbedarfs der Nutzer*innen pro
Quadratmeter erfordern. Zudem haben beispielsweise Skateparks eine besondere
Qualität, da sie über die sportliche Nutzung hinaus häufig auch als Aufenthaltsräume
und Szenetreffpunkte genutzt werden.
Auch ohne konkrete Teilnehmerzahlen empirisch fassen zu können, kann im Hinblick
auf die Nutzungskapazitäten und Auslastungen von Skate-, BMX-, Pumptrack-, Par-
kour- und Dirt-Anlagen von einer beträchtlichen Anzahl an Akteur*innen ausgegangen
werden. Bereits die Nutzer*innen von Skateparks sind vielfältig und umfassen Skate-
boarder*innen, Stunt-Scooterfahrer*innen, Inline-Skater*innen, BMX- und WCMX-
Fahrer*innen. Diese Nutzer*innen verfügen über unterschiedliches Können, von An-
fänger*innen bis Profis, sind jung bis alt, stammen aus allen sozialen Schichten und
mittlerweile vermehrt aus verschiedenen Geschlechtern. Ein Indikator für den Bedarf
an Urban Sports-Anlagen in Köln ist die sehr gute Annahme durch die Nutzer*innen
und die tägliche Auslastung von modernen Skate- und BMX-Anlagen, (z. B. Takufeld,
Kap 686, Lentpark, Höhenberg), die innerhalb der letzten fünf Jahren neu gebaut bzw.
modernisiert wurden.
Es ist anzunehmen, dass dieser Entwicklung folgend die Zahl von Urban Sports-Ak-
teur*innen weiter steigen wird, nicht zuletzt potenziert durch die Corona-Pandemie, die
6 Wenn wir bedenken, dass die hohe Nutzungshäufigkeit und -dauer besonders für die jüngeren
Skateboarder*innen gelten, die in der aufgrund des hohen Durchschnittalters von 43 Jhren der
Befragten unterrepräsentiert sind, müsste die durchschnittliche Ausübungsdauer pro Woche noch
deutlich nach oben korrigiert werden.
22
die Teilnahme an vereins- und orts-ungebundene Outdoor-Individualsportarten in er-
heblichem Maße steigerte. Folglich ist anzunehmen, dass sich der Bedarf an verfüg-
baren Räumen signifikant erhöhen wird.
3.5 Das Geschlechter-Verhältnis und die Entwicklungstendenzen
Die bisher stark vom männlichen Geschlecht dominierten Urban Sports befinden sich
derzeit im Wandel, der große Potentiale für eine Teilhabe von weiteren Geschlechtern
an diesen Sportpraktiken bietet. Die Versportlichung von Skateboarding als Leit-Sport-
art innerhalb der Urban Sports und die Aufnahme in das Olympische Programm in
Tokio führen auch zur expliziten Förderung von Skateboarderinnen, BMXer*innen und
evtl. perspektivisch auch zu Traceure*innen. Auf Grundlage der Olympischen Charta
gingen 2021 beispielsweise in beiden Skateboard-Disziplinen (Street und Park) jeweils
40 Männer und 40 Frauen an den Start. Da Skateboarding als Olympische Sportart
gefördert wird, profitieren nun auch Skateboarderinnen in besonderem Maße von die-
ser Sportförderung. Seitens der Skateboard-Kommission des DRIV (Deutscher Roll-
sport und Inline Verband e. V.) wurde seit 2017 ein Frauen-Kader aufgestellt, der
deutschlandweit Mädchen bzw. Frauen fördert. Der Kader hat ein spezielles Pro-
gramm zum landesweiten Austausch unter den Aktiven und wird u. a. auch von einer
eigenen Trainerin betreut.
Doch nicht nur die sportliche Seite von Skateboarding mit der Einbeziehung von weib-
lichem Skateboarding in die bestehenden großen, internationalen Wettbewerbsfor-
mate, wie etwa Olympischen Spiele, X Games, Street League, Dew Tour und Vans
Park Series, sondern auch die kulturelle Seite ist über eine binäre Sichtweise hinaus
für Geschlechterdiversität offener denn je. Die soziale Anerkennung und der Respekt
innerhalb der Skate-Szene gegenüber LGBTQ+ bzw. FLINTA-Skater*innen war in der
Geschichte von Skateboarding seit Ende der Siebzigerjahre nie größer. Heutzutage
sind Skater*innen fester Bestandteil von gesponserten Teams und Marketing-Kam-
pagnen der großen Skateboard-Marken, allen voran die Schuhfirmen. Aber auch klei-
nere, image-trächtige Hartware-Firmen der Szene lancieren sogenannte „Pro-Models“
ihrer Teamfahrer*innen und schaffen so eine nie dagewesene professionelle Ebene
eines geschlechterdiversen Skateboardings. Zur Aneignung von Urban Sports können
die spezifischen Anlagen als „geschützte Räume“ (Stichwort: „Safe Space“) im Ver-
gleich zur Straße eine besonders wichtige Rolle spielen. Diese Anlagen können als
23
infrastrukturelle Voraussetzung für eine geschlechterdiverse Teilhabe einen bedeuten-
den Beitrag leisten.
Einiges spricht dafür, dass in der Geschichte von Skateboarding die aktuelle Akzep-
tanz und die Möglichkeiten von Geschlechterdiversität im Skateboarding bisher nie
besser waren als heute. Mit dem Fortschreiten dieser Entwicklung könnte sich das Bild
von Urban Sports als männlich dominiertes Metier schon sehr bald ändern, was bei
der perspektivischen Planung bezüglich der Anzahl der Nutzer*innen unbedingt be-
rücksichtigt werden sollte.
3.6 Bedeutung und Nutzen von Urban Sports-Anlagen
3.6.1 Sportliche Aspekte
Der Nutzen von Skate-, BMX-, Pumptrack-, Parkour und Dirt-Anlagen, als Freizeitbe-
schäftigung vor allem für Jugendliche, kann allgemein in sportliche und soziale Funk-
tionen eingeteilt werden. Bezüglich der sportlichen Funktionen bieten diese Anlagen
als Bewegungsangebote Räume zur freien und selbstbestimmten sportlichen Nutzung.
Skate-, BMX- und Pumptrack-Anlagen können mit verschiedenen Vehikeln, wie zum
Beispiel mit Skateboards, Stunt-Scootern, BMX-Rädern, Inline-Skates und WCMX, be-
fahren werden. Je nach Größe der Anlage und des Umfangs des funktionalen Ange-
bots an Rampen und Elementen lassen sich Skate- und BMX-Parks in ganz unter-
schiedlicher Intensität, mit völlig verschiedenen Motiven der Akteur*innen, sportlich
angenommen. Von Gelegenheits- und Freizeit- bis hin zu Profi-Sportler*innen werden
diese Anlagen auf allen Können-Niveaus genutzt. Die Bandbreite der Anlagen reicht
von künstlerisch-kreativen Bewegungsräumen bis zu olympischen Trainingsplätzen.
Auch innerhalb der jeweiligen Intensitätsausprägungen besteht ein großes Spektrum
an Ausdrucksformen und Stilmitteln, die weit über die faktische Ausführung von Bewe-
gungsabläufen (Manövern) hinausgehen. Die unterschiedlichen Konzepte vor allem
von Skatepark-, BMX- und Parkour-Anlagen spiegeln nicht nur die Vielseitigkeit von
Urban Sports im Allgemeinen wider, sondern sind auch Sinnbild für das große Distink-
tions-Potential, das diese Sportpraktiken ihren Akteur*innen als Ausdrucksmöglichkeit
bieten.
24
3.6.2 Soziale Aspekte
Urban Sports-Anlagen als Bewegungsangebote sind nicht nur Sportplätze für selbst-
bestimmte Betätigungen, sondern auch Treffpunkte zur sozialen Interaktion. Sie bieten
auch verschiedene soziale Funktionen für die zumeist jugendlichen Nutzer*innen-
Gruppen (vgl. Bradley, 2010). Da Urban Sports von den Akteur*innen häufig als Life-
style gelebt werden, der weit über die Ausübung von Sport hinausgeht (vgl. Kapitel
3.2), ist zu beobachten, dass diese Anlagen auch als Aufenthaltsraum für Jugendliche
genutzt werden, wodurch der Aufenthaltsqualität und den angeschlossenen Aufent-
haltsbereichen eine besondere Bedeutung zukommt.
Ein weiterer Nutzen bezieht sich auf die psycho-sozialen Bedürfnisse, die aus der Le-
bensphase „Jugend“ resultieren. Urban Sports-Anlagen werden häufig zum Treffpunkt
der Peergroup7. Sie bieten eine Plattform zum Austausch unter Gleichgesinnten und
sind Orte der Szene-Bildung. Sie können für ihre Nutzer*innen sinn- und identitätsstif-
tend sein. Urban Sports-Anlagen konstituieren einen Raum für die physische Praxis
und bieten dadurch gleichzeitig eine Bühne zur juvenilen Selbstinszenierung und
Selbstermächtigung (vgl. Schwier, 1998). Vor diesem Hintergrund sind Urban Sports-
Anlagen als sozialer Raum besonders zweckdienlich, um allgemeine entwicklungspsy-
chologische Bedürfnisse von Jugendlichen zu befriedigen und können somit einen po-
sitiven Beitrag zur sozialen Entwicklung liefern (vgl. Kilberth, 2021b, S. 155).
Eine Besonderheit ist die Heterogenität der Nutzer*innen-Gruppen. Auf kaum einem
anderen „Sportplatz“ treffen so verschiedene Gruppen hinsichtlich ihres Können-Ni-
veaus (von Anfänger*innen bis Profi), sozialen Status‘, kulturellen Hintergrunds und
Alters aufeinander. Häufig kommt den älteren Nutzer*innen eine Vorbildfunktion zu, an
der sich jüngere orientieren. So kommt es nicht selten dazu, dass ältere Nutzer*innen
im Kontext der gemeinsamen Anlagen-Nutzung das Sozialverhalten von Heranwach-
senden en passant positiv beeinflussen und in gewisser Weise unbewusst erzieherisch
fungieren. Als weiteres Beispiel für das soziale Potential von Urban Sports-Anlagen
kann die Initiative des 1. Berliner Skateboard Verein e. V. zur Integration junger Flücht-
linge durch Umsetzung von Skateboard-Workshops genannt werden (vgl. Berliner
Skateboardverein e. V., 2017). Als zweites Beispiel dient das Projekt „Skateistan“, das
u. a. in Afghanistan durch Bau von Skateparks und Angebot von Trainings dabei hilft,
7 Freundesclique von zumeist gleichaltrigen primären sozialen Bezugspersonen.
25
gesellschaftliche Abgrenzung aufgrund von Stammeszugehörigkeit oder sozialer Her-
kunft zu überwinden. Skateboarding bietet dabei ein besonderes Medium, da es Mäd-
chen in Afghanistan ermöglicht, eine Bewegungspraktik auszuüben, obwohl Sport für
Frauen dort verboten ist (vgl. Skateistan, 2017).
Als weiterer sozialer Aspekt ist zu nennen, dass immer häufiger Skateparks auch von
Rollstuhlfahrer*innen genutzt werden. Die Initiative „SIT ‘N’ SKATE“ veranstaltet
deutschlandweit regelmäßig Shows und Workshops in Urban Sports-Anlagen, um be-
hinderte und nicht-behinderte Menschen zu inspirieren, bei gemeinsamer Nutzung ste-
reotypische Barrieren und Denkmuster abzulegen (vgl. SIT 'N' SKATE, 2017). Dem-
nach können Urban Sports-Anlagen auch Angebote für den Behindertensport
enthalten.
Um den sozialen Nutzen von Urban Sports-Anlagen für die Allgemeinheit zu maxi-
mieren, sollen in der Gestaltung die drei folgenden Merkmale berücksichtigt werden:
1. Viele unterschiedliche Nutzer*innen-Gruppen (Diversität)
Urbans Sports-Anlagen (hier Skate- und BXM-Anlagen) sollen für eine möglichst breite
Gruppe verschiedener urbaner Bewegungspraktiken (Skateboarding, Inlineskating,
Stunt-Scooter, BMX, WCMX etc.) konzipiert werden.
2. Für jedes Alter (Intergenerationalität)
Viele Urban Sports-Anlagen bieten heute durch entsprechendes Design der Aktions-
flächen, Aufenthaltsqualität usw. ein alternatives, ergänzendes Bewegungsangebot für
Kinder, Jugendliche und Erwachsene, sodass die einst zum Teil subkulturellen jugend-
lichen Bewegungspraktiken mittlerweile zu einem Angebot für die ganze Familie avan-
cieren (vgl. Atencio et al. 2018, S. 28; Schäfer 2020, S. 164).
3. Von Anfänger*innen bis Profis (Interperformativität)
Urban Sports-Anlagen werden heute zumeist für unterschiedliche Könnenniveaus
gestaltet, damit sie sowohl für Anfänger*innen und Freizeitsportler*innen als auch für
Fortgeschrittene geeignet sind.
26
Insgesamt ist festzustellen, dass die Praktiken der Urban Sports und die entsprechen-
den Anlagen vielfältige soziale Potentiale bereithalten (vgl. ausführlicher dazu Kilberth,
2021b, S. 152 ff.).
3.7 Nutzer*innen-Beteiligungen und die gestalterische Freiheit bei der
Planung von Urban Sports-Anlagen
Die Nutzer*innen-Beteiligung bei der Planung von Urban Sports-Anlagen ist grund-
sätzlich ein kritischer Erfolgsfaktor für die Akzeptanz der Anlagen in der Urban Sports-
Community. Diese Anlagen bieten eine besonders große gestalterische Freiheit für die
Beteiligungsgruppe, da es bis dato keine genormten Vorgaben für die Abmessungen
und die Geometrie der Anlagen gibt, außer der Berücksichtigung von rechtlichen Si-
cherheitsaspekten (DIN). Seitdem sich auch hierzulande insbesondere für Skateparks
die Ort-Beton-Bauweise8 nach US-amerikanischem Vorbild durchgesetzt hat, können
Urban-Sport-Anlagen individuell unter Planungs-Beteiligung der Endnutzer*innen ge-
formt werden. Die gestalterische Dimension der Ort-Beton-Bauweise ist somit theore-
tisch nur durch das bereitgestellte Budget und die rechtlichen Rahmenbedingungen
begrenzt. Gleiches gilt auch für BMX- und Parkour-Anlagen. Die Gestaltung der Anla-
gen kann auf die lokalen Bedürfnisse der Nutzer*innen abgestimmt werden und jede
Anlage kann und soll für sich ein Unikat im gesamtstädtischen Anlagen-Angebot dar-
stellen. Dies führt zu einer großen Anlagen-Vielfalt, die ganz im Sinne der Kultur der
Urban Sports ist. Dieser Ansatz bedeutet eine enorme Weiterentwicklung im Vergleich
zur modularen „Katalog-Skatepark“-Bauweise aus vorgefertigten Beton- oder Holz-
Elementen auf Asphalt-Boden, wie sie in den Neunzigerjahren dominant war. Diese
standardisierten Fertigbau-Betonelemente, die zumeist in Herstellerkatalogen von Fir-
men ohne Bezug zu Urban Sports angeboten werden, erfüllen die Ansprüche der Fah-
rer*innen kaum und wurden in den allermeisten Fällen völlig an den Bedürfnissen
vorbei geplant (vgl. Kleinschmidt 2005, Mikmak 2014, 35 ff.; Eichler & Peters 2015, 25;
Peters 2016: 125; Schäfer 2020: 153; Kilberth 2021b, S. 191). Als Beispiele für diese
Fehlplanungen sind in Köln aktuell noch die folgenden sechs Anlagen zu nennen, die
zusammen etwa ein Drittel des Gesamt-Skateanlagen-Angebots darstellen: Blumen-
berg, Klingelpütz, Vorgebirgspark, Neuehrenfeld (Rektor-Schmitz-Str.), Longerich
8 Beton, der vor Ort im Nassspritzverfahren mit Transportbeton auf eine armierte Tragschicht
modelliert verarbeitet wird.
27
(Bielefelder Str.) und Holweide (vgl. Kapitel 5).
Es muss festgehalten werden, dass jede Planung einer Urban Sports-Anlage einer
eigenständigen planerischen Auseinandersetzung und der Beteiligung der lokalen
Nutzer*innen bedarf. Sonst ist nicht gewährleistet, dass die Anlage überhaupt ihren
Nutzen erfüllt. Nur die Kombination von theoretischem und praktischem Fachwissen
bei der Planung und der Bauausführung von Urban Sports-Anlagen kann sicherstellen,
dass alle notwendigen Details zur ‚sehr guten Befahrbarkeit‘ berücksichtigt werden,
die wiederum eine hohe Nutzer*innen-Akzeptanz sicherstellen.
Aus städtepolitischer Sicht besteht ein weiterer Vorteil in der Möglichkeit, junge Bür-
ger*Innen direkt in die bauliche Stadtentwicklung zu involvieren. Unter Leitung erfah-
rener Planungsbüros können bei der Planung von Urban Sports-Anlagen auch die
Ideen von Kindern und Jugendlichen in die Planung einfließen und in der Umsetzung
später verwirklicht werden. Das fördert den persönlichen Bezug der Nutzer*innen, be-
kräftigt ihre wahrgenommene Selbstwirksamkeit und kann zu einer starken Identifika-
tion mit der jeweiligen Anlage führen (vgl. ausführlicher dazu Kilberth 2021b, S. 202
ff.).
3.8 Anlagen-Typen (Klassifizierung nach Art des Urban Sport)
Generell handelt es sich bei Urban Sports-Anlagen um Sonderräume, deren Gestal-
tung an die befahrbaren bzw. nutzbaren architektonischen Elemente im städtischen
Raum angelehnt ist. Auf einer kompakten Fläche stellen diese Anlagen also „Nach-
bauten“ von Objekten aus dem Stadtbild zur Verfügung (etwa Treppenstufen und Ge-
länder), die funktional für den urbanen Sport optimiert sind.
Die im Gesamtkonzept unter dem Begriff Urban Sports zusammengefassten „Sportar-
ten“: Skateboarding, BMX und Parkour, nutzen den urbanen Raum gemeinsam. Ihre
Nutzer*innen haben jedoch jeweils spezifische Präferenzen bezüglich Formen, Mate-
rial, Höhe und Anordnung von Elementen in Urban Sports-Anlagen. Grundsätzlich sind
Skateparks sowohl von BMXer*innen als auch von Skateboarder*innen nutzbar. Von
der Befahrbarkeit durch diese beiden Nutzer*innen-Gruppen, die sich rollend fortbe-
wegen, profitieren zudem noch andere Nutzer*innen-Gruppen mit ähnlich rollenden
28
Fahrzeugen und Sportgeräten, wie z. B. Rollstuhlfahrer*innen, Stunt-Scooter-Fah-
rer*innen oder Inline-Skater*innen.
Traceure*innen (Parkour-Läufer*innen) haben eigene Ansprüche an Urban Sports-An-
lagen, die sich zwar mit denen anderer Nutzer überschneiden können, jedoch nicht in
Gänze kompatibel sind zu BMX- und Skateboard-Anlagen. Je nach Gestaltung ist eine
Urban Sports-Anlage, unabhängig von persönlichen Präferenzen der Nutzer*innen, für
eine bestimmte Urban Sports-Gruppe besser befahrbar bzw. nutzbar als für andere.
Entsprechend der inhaltlichen Ausrichtung werden bestimmte Nutzer*innen-Gruppen
die Anlage als attraktiver für ihren jeweiligen Urban Sport empfinden als andere Nut-
zer*innen-Gruppen.
Generell ist die Nutzung von Anlagen im Freien („Outdoor-Anlagen“) stark wetterab-
hängig. Sie können ausschließlich bei Trockenheit genutzt werden, da die Oberflächen
bei Nässe unkontrollierbar rutschig werden. Zudem sind sie auch auf das Tageslicht
angewiesen, falls keine künstliche Beleuchtung betrieben wird.
3.8.1 Skateparks
Der Begriff „Skatepark“ beschreibt zunächst generalisierend eine Anlage, auf der meh-
rere Elemente für die Nutzung mit dem Skateboard zusammengestellt sind. Im Verlauf
der Entwicklung von Urban Sports, insbesondere dem Skateboarding, passte sich die
Gestaltung von Skateparks an die jeweils zum Zeitpunkt der Errichtung vorherr-
schende Art des Skatens an. So entwickelten sich im Laufe der Jahre zum einen „Tran-
sition“-Anlagen9 wie Pools, Bowls, Halfpipe- und Minirampen, und zum anderen
„Street“-Anlagen (eckige, urbane Elemente) wie Skateplazas. Bei Skateplazas liegt
der Gestaltungsschwerpunkt auf der Nachahmung von Objekten aus dem urbanen
Raum, wodurch nur wenige oder keine gerundeten Transition-Elemente verbaut sind.
Ein deutschlandweit bekanntes Beispiel für einen Street-Skateplaza ist das Kap 686
am Kölner Rheinufer. In diesem Skateplaza sind keine Transition-Elemente verbaut.
9 „Transition“ ist der Oberbegriff, unter dem sämtliche Skate-Elemente, Rampen und ganze Terrains
subsumiert werden können, die aus gerundeten Formen bestehen und ursprünglich den gerundeten
Formen leerer Schwimmbecken nachempfunden waren.
29
Daraus resultiert eine entsprechende und auch beabsichtigte Abgrenzung zu bestimm-
ten Nutzer*innen-Gruppen, zugunsten der Berücksichtigung besonderer lokaler Vor-
lieben, Begebenheiten und Interessen.
Bei der Gestaltung moderner Skateparks wird die historische Entwicklung von Urban
Sports – und damit auch beim Design von Skateparks – berücksichtigt. In der Form-
sprache spiegelt sich diese Tatsache in einer Mischung aus Transition- und Street-
Elementen wider. Ein solcher Mix macht Urban Sports-Anlagen auch für andere Urban
Sports-Nutzer*innen attraktiv. So sind die eckigen, den Objekten auf der Straße nach-
empfundenen Elemente einer Street-Anlage teilweise auch als Sitzbänke oder Sockel
für Skulpturen verwendbar. Ob die Gewichtung eines Skateparks auf Transition oder
Street ausgerichtet ist, hängt jedoch immer vom Einzelfall und den Wünschen der lo-
kalen Nutzer*innen ab.
Allgemein ist darauf zu achten, dass im gesamtstädtischen Angebot ein möglichst brei-
tes Spektrum an verschieden ausgerichteten Skateparks geschaffen wird. Jede An-
lage soll einen einzigartigen Charakter haben, um die Vielfältigkeit von Skateboarding
widerzuspiegeln und so eine größtmögliche Nutzer*innen-Akzeptanz zu erreichen.
3.8.2 BMX-Parks
Die Nutzungsmöglichkeiten eines BMX-Rads sind vielfältig und der BMX-Sport kann
auf unterschiedlichen Untergründen und auf Böden mit verschiedener Beschaffenheit
durchgeführt werden. Für den Urban Sports-Plan werden mit der Bezeichnung „BMX-
Parks“ hier lediglich diejenigen Anlagen-Typen genannt, die auf die „urbanen“ BMX-
Fahrstile, bestehend aus BMX-Freestyle-Park und BMX-Freestyle-Street, ausgerichtet
sind. Diese Fahrstile finden in urbanen Räumen – also auf harter Fahrfläche, anstatt
auf Schlamm oder Naturboden – statt, was sich im Design der Parks widerspiegelt. In
BMX-Parks sind die Rampenelemente spezifisch auf die Nutzung für BMX-(20-
Zoll)Räder ausgelegt. Daher sind im Vergleich zu Skateparks in BMX-Anlagen (auch
„Bike-Parks“ genannt) alle Rampen und Hindernisse zumeist etwas größer dimensio-
niert und bestehen größtenteils aus Transition-Elementen. In der Disziplin BMX-
Freestyle stehen vor allem verschiedene Konstellationen von „Jump Lines“ im Vorder-
grund, also Absprung- und Landerampen, die eine Vielzahl an kombinatorischen Mög-
30
lichkeiten zulassen. Im modernen BMX-Freestyle bzw. BMX-Street nutzen Fahrer*in-
nen allerdings auch vermehrt eckige Elemente und Geländer im urbanen Raum für
Tricks. In modernen Skateparks gibt es eine gewisse Schnittmenge an Obstacles
(Rampen bzw. Hindernisse), sowohl an Transition-Elementen als auch an eckigen
Street Features, die auch für BMX-Fahrer*innen attraktiv sein können.
Da sich die meisten Skateparks, Dirt-Anlagen und Pumptracks ebenso an BMX rich-
ten, und es in Köln bisher weder BMX-exklusive Anlagen gibt noch in Planung sind,
sei hier nur theoretisch auf diesen Anlage-Typ hingewiesen. Es wäre denkbar, dass
zukünftig verstärkt der Wunsch und die Initiative nach exklusiven BMX-Anlagen aus
der BMX-Community kommen könnte.
3.8.3 Parkour-Anlagen
Parkour-Anlagen unterscheiden sich in ihren Ansprüchen deutlich von Anlagen für
BMX und Skateboard, da die Akteur*innen kein Sportgerät (BMX-Rad und Skateboard)
zur Ausübung benötigen. Umgekehrt können Skate- und BMX-Anlagen zwar auch von
Parkour-Läufer*innen genutzt werden, jedoch nur aufgrund des inhärenten Anspruchs
des Sports, alle im urbanen Raum vorkommenden baulichen Strukturen nutzen zu
wollen. Eine auf Parkour zugeschnittene Anlage, welche die Ansprüche von Parkour-
Läufer*innen mit unterschiedlichen Leistungsniveaus befriedigen kann, weist neben
Elementen aus Stein auch Metallstangenkonstruktionen auf, die wiederum aufgrund
ihrer Formen und Höhe nicht für die Nutzung mit dem Skateboard und dem BMX-Rad
in Frage kommen. Ein grundlegender Unterschied zu Skateboard und BMX liegt zu-
dem darin, dass beim Parkour-Lauf der Untergrund oftmals nicht berührt wird. Voraus-
setzung ist hierbei, die Elemente so anzuordnen, dass die Bewegung im fließenden
Übergang zwischen ihnen stattfinden kann, ohne den Boden zu berühren. Eine Par-
kour-Anlage muss aus Sicherheitsgründen auf weichem Untergrund verortet werden,
der als Fallschutz die Verletzungsgefahr bei Stürzen verringert.
Eine moderne Parkour-Anlage sollte unterschiedliche Baumaterialien, Formen und
Möglichkeiten bieten, wie sie auch im urbanen Raum zu finden sind. Ebenso groß ist
der Nutzer*innen-Wunsch nach kreativem Freiraum. Hierin liegt ein grundlegender Un-
terschied zur Gestaltung von Outdoor-Fitness-Anlagen (wie z. B. im Grüngürtel), der
den Nutzer*innen die Bewegungen mehr oder minder durch Verlauf und Abgrenzun-
gen vorgibt (vgl. Kölzer, 2017).
31
3.8.4 Dirt-Anlage und Pumptracks
Innerhalb der Urban Sports bilden Dirt-Anlagen und Pumptracks als Anlage-Typen
eine Ausnahme, da ihre Herkunft von Trails (hügelige Waldwege) nicht im städtischen
Raum, sondern in der Natur liegt. Dirt-Anlagen sind aus Lehmboden modellierte Hügel,
als Absprünge, Landungen und Steilkurven angelegte Strecken, die an naturgegebene
Topografien von Wäldern und hügelige Landschaften angelehnt sind und von Nut-
zer*innen mit BMX, Mountain und Dirt Bikes als Jump Line (mehrere Sprünge hinter-
einander) befahren werden.
Der Pumptrack hingegen ist eine urbanisierte Modifikation der Trails bzw. der Dirt-
Anlage. Als Miniatur-Variante bieten Pumptracks statt großer Hügel und Absprünge
enger konzipierte, komprimierte, bahnähnlich geschlossene ‚Rundkurse‘, die auf einer
schmalen Fahrfläche mit relativ dicht aufeinander folgenden Speed Bumps (kleiner
Hügel bzw. Welle) und Steilkurven gestaltet werden. Beim Pumpen („Pump“) wird
durch dynamische Gewichtsverlagerung auf einer Strecke („Track“) Schwung geholt.
Ihr Reiz liegt für die Nutzer*innen weniger in der Varianz einer kreativen Nutzung mit
stilistischem Ausdruck, wie bei Skate-, BMX-Parks und Parkour-Anlagen, oder von
Trick-Variationen der aufeinanderfolgenden Sprünge bei Dirt-Anlagen, sondern in der
Steigerung von Geschwindigkeits- und physischen Gleit/Rausch-Erlebnissen. Im Ver-
gleich zu Dirt-Anlagen werden Pumptracks in der Stadt vor allem mit festen und witte-
rungsresistenten sowie formstabilen Materialien ausgeführt (permanente Anlagen i. d.
R. aus Asphalt und mobile aus Holz und Kunststoffen) und mit verschiedenen Roll-
Geräten (BMX, Skateboard, Stunt-Scooter, Inline-Skates, Longboards etc.) befahren
(vgl. Siebert, Ehlen, & Schmidt, 2020). Pumptracks werden in ihren Dimensionen häu-
fig als besonders niederschwellige Angebote konzipiert, wodurch sie eher für Kinder
und weniger für Urban Sports-involvierte Zielgruppen ein attraktives Angebot darstel-
len (vgl. ebd.). Größere Pumptrack-Areale können auch Sektionen mit höher dimensi-
onierten Wellen haben, die als Jump Tracks für Sprünge genutzt werden können und
dadurch in ihrer Struktur und Fahrbarkeit relativ nah an Dirt-Anlagen bzw. Jump Lines
angrenzen.
Die im Allgemeinen bei Pumptracks festzustellende hohe Auslastung der Anlagen
wurde durch das 2020 durchgeführte Pilotprojekt „Pumptrack in Köln“ auch in Köln
empirisch belegt. Das Projekt hat anhand einer Zählanlage eine Auslastung des mo-
dularen Pumptracks von 227 durchschnittlich gefahrenen Kilometern pro Tag bei
32
durchschnittlich 10 gleichzeitigen Besuchern gemessen. In einer begleitenden Um-
frage zum Pilotprojekt wurde zudem ein deutlicher Bedarf an einer fest installierten
Anlage verzeichnet (vgl. ebd., S. 47).
3.8.5 WCMX-inklusive Skateparks
Wie bereits erwähnt wird bei der Gestaltung moderner Skateparks die historische Ent-
wicklung von Urban Sports im Design von Skateparks berücksichtigt. Eine relativ neue,
aber auch wachsende Gruppe von Urban Sports-Nutzern*innen in Skateparks stellen
die Sportrollstuhlfahrer*innen (WCMX) dar (vgl. Naschold, 2021). Die Optimierung des
Designs von öffentlichen Skateparks für Rollstuhlfahrer*innen ist ebenso neu und in
Köln bislang nur innerhalb der Skateanlage ‚Höhenberg‘ realisiert (vgl. Kap. 5.2.1). Um
den Anforderungen an einen WCMX-inklusiven Skatepark gerecht zu werden, muss
die Barrierefreiheit differenziert betrachtet und umgesetzt werden. So sollte das direkte
räumliche Umfeld mit in die Planung einbezogen werden, um die Gestaltung der Wege,
der konkreten Zufahrt in den Skatepark und die Zuschauerflächen barrierefrei - Zu-
gänglichkeit barrierefrei im DIN-Sinn bis zur Fläche des Skatepark-Terrains - gestalten
zu können. Das Design innerhalb des Skateparks sollte jedoch nicht in Gänze barrie-
refrei ausgerichtet sein, da die WCMX-Nutzer*innen, genau wie die übrigen Nutzer*in-
nen auch, gewisse Barrieren für ihre Tricks benötigen. Entscheidend ist vielmehr, dass
die Zuwegungen zu den erhöhten Bereichen eines Skateparks für WCMX-
Skater*innen aus eigener Kraft vom Boden aus erreichbar sind, die Standflächen in-
nerhalb des Skateparks eine rollstuhlgerechte Größe aufweisen und die Aufenthalts-
bereiche befestigt sind10.
3.9 Parameter für das Anlagen-Gesamtkonzept
Kriterien von Urban Sports-Anlagen
Über den Erfolg oder den Misserfolg einer Urban Sports-Anlage entscheidet eine Kom-
bination aus grundlegenden Merkmalen. Diese ergeben sich aus der Lage, der Umge-
10 Weitere Informationen zur Teilhabe und den entsprechenden räumlich-strukturellen Anforderungen von WCMX-
gerechten Skateparks lassen sich der Studie: „Zur Teilhabe von WCMX-Skater*innen in Skateparks. Eine erste
Annäherung an eine inklusivere Planung von Skateanlagen“ (Kilberth, Lebuser & Lebuser, 2023) entnehmen, die
sich gerade im Erscheinen befindet.
33
bung und der Ausstattung. Für das Urban Sports-Gesamtkonzept werden diese Merk-
male als Bewertungskriterien im Detail definiert. Die Parameter, mit denen die „Ist-
Situation“ von Urban Sports in Köln ermittelt wird, werden im Folgenden beschrieben.
Zu den hierbei beachteten Kriterien zählen:
Urban Sports-Anlagentyp – Urban Sports-Anlagen unterscheiden sich in ihrer Aus-
stattung und Beschaffenheit. Dadurch sind sie für einige Disziplinen besonders geeig-
net oder auch ungeeignet. Teilweise werden Nutzer*innen-Gruppen auch von vornhe-
rein durch die physischen Merkmale einer Anlage ausgeschlossen. So haben diese
Anlagen einen spezifischen Schwerpunkt, der sich vor allem nach den lokalen Bedürf-
nissen und Wünschen richtet. Allgemein kann Skateboard, BMX und Parkour inner-
halb der Urban Sports eine stärkere Bedeutung zugeschrieben werden, trotz der quan-
titativ vermutlich größten Nutzer*innen Gruppe von Stunt-Scooter, aufgrund der
historischen Kontinuität, jugendkulturellen Bedeutung und des Engagements der Ak-
teur*innen, sich aktiv an städteplanerischen Prozessen zu beteiligen, im Vergleich zu
Stunt-Scooter und Inline-Skating. WCMX stellt hier eine Ausnahme dar, da eine Be-
rücksichtigung von Bedürfnissen dieser Nutzer*innengruppe oftmals in Abhängigkeit
mit einer grundsätzlichen Teilhabe von WCMX in Skateparks steht (vgl. Kilberth, Le-
buser & Lebuser, 2023). Ebenso wird im Gesamtkonzept innerhalb des Mindest-Anla-
genangebots eine Gewichtung zu Gunsten von Skate-,BMX-Anlagen im Verhältnis zu
Parkour-, Dirt-Anlagen und Pumptracks vorgenommen. Das sollte jedoch keineswegs
die Chance von Interessensgruppen mindern, sich eigeninitiativ für spezifische Anla-
gen-Wünsche einzubringen und diese auch durchzusetzen.
Größe / Fläche – Die Flächen der Anlagen dienen als quantitativer Maßstab. Da die
Größe allein jedoch nur bedingt etwas über eine Urban Sports-Anlage aussagt, wur-
den die Flächen mit qualitativen Aspekten kombiniert, um sie einer Reichweite in den
Dimensionen Stadtviertel, Bezirk, Stadt bis hin zur Region zuzuordnen. Verdeutlicht
wird dieser Aspekt beispielsweise im direkten Vergleich der Anlage in Blumenberg mit
dem Lentpark: Die Anlage in Blumenberg ist mit 1.000 m2 flächenmäßig größer, aber
im aktuellen Zustand maximal für das umliegende Viertel relevant. Der flächenmäßig
kleinere Lentpark entfaltete hingegen mit einer Fläche von 800 m2 eine überregionale
Relevanz und ist ein Anziehungspunkt für Urban Sports-Teilnehmer*innen aus ganz
Deutschland.
34
Anfänger*innen- / Wettbewerbstauglichkeit – Im Idealfall bietet eine Urban Sports-
Anlage durch einen stufenweisen Aufbau von unterschiedlich großen Elementen aus-
reichend Möglichkeiten und Raum sowohl für Anfänger*innen als auch für Profis. Da
das Urban Sports-Anlagen-Spektrum jedoch von einer Anfänger*innen-Anlage bis zu
besonders anspruchsvollen Anlagen sehr breit gefächert sein kann, wurden die An-
fänger*innen- und die Wettbewerbstauglichkeit der Kölner Urban Sports-Anlagen als
Einzelkriterien bewertet. Dabei bezieht sich die Wettbewerbstauglichkeit nicht im en-
geren Sinne auf das „Anforderungsprofil. Trainings- und Wettkampfstätten im Skate-
boarding“ (Barabas, 2021) des Deutschen Rollsport und Inline Verbands e. V. (DRIV),
sondern die Wettbewerbstauglichkeit wurde hier etwas vereinfacht mit dem Charakte-
ristikum gleichgesetzt, dass die jeweilige Anlage lediglich auf das Terrain bezogen
herausfordernde Elemente bereithält, die sich im besonderen Maße für einen ‚Wettbe-
werbsvergleich‘ eignen. Diesem Gedanken folgend wurde das Kriterium der Wettbe-
werbstauglichkeit plakativ der Eignung für „Profis“ gleichgesetzt bzw. diesen Anlagen
ein tendenziell hoher Schwierigkeitsgrad zugeschrieben.
Infrastrukturelle Anbindung / Lage – Viele Urban Sports-Teilnehmer*innen wollen
Teil des städtischen Geschehens und Lebens sein. Das urbane Flair und eine zentrale
Präsenz in der Stadt sind für Nutzer*innen von Urban Sports-Anlagen essenziell. Die
infrastrukturelle Anbindung und städtische Integration einer Urban Sports-Anlage sind
somit enorm wichtige Qualitätsmerkmale. Hierzu zählen Aspekte wie die Erreichbar-
keit der Anlage mit öffentlichen Verkehrsmitteln und eine fußläufige Erreichbarkeit (un-
ter 15 Minuten) aus den umliegenden Bezirken. Zusätzlich zählen Versorgungsmög-
lichkeiten durch Supermärkte, Kioske und / oder Restaurants sowie der Zugang zu
öffentlichen Toiletten zu den infrastrukturellen Erfolgskriterien einer Urban Sports-An-
lage, aufgrund der durchschnittlich langen Aufenthaltszeiten der Nutzer*innen.
Modernität / Ausstattung / Zustand – Ein besonders wichtiger Punkt für eine erfolg-
reiche Urban Sports-Anlage betrifft ihr Design, ihre Ausstattung und ihren Zustand.
Hier wurde zum einen die Modernität der Anlage, insbesondere die Attraktivität des
Designs bewertet, welche sich an der Kreativität, Individualität und Innovationsstärke
des Konzeptes ablesen lässt. Das Gegenteil zu modernen Urban Sports-Anlagen sind
die sogenannten „Katalog-Anlagen“ (mit Standardkomponenten aus dem Katalog ei-
nes Fertigteil-Herstellers zusammengestellt), die zum Großteil weder individuell noch
35
konzeptionell hochwertig sind. Darüber hinaus wurde der objektiv funktionale Zustand
geprüft, insbesondere die Beschaffenheit der Urban Sports-Hindernisse und des Bo-
dens. Als erweiterte Ausstattung wurde die Positionierung des Aufenthaltsbereichs an
den Aktions-Flächen, die allgemeine Aufenthaltsqualität mit Sitzgelegenheiten sowie
Müllentsorgungs-Möglichkeiten, sichere Ablageflächen für persönliche Gegenstände
und Schutz vor Regen und Sonne bewertet.
Schutz vor Witterung
Aufgrund der jahreszeitlich unterschiedlichen Lichtverhältnisse und wechselhaften
Wetterlage in Deutschland werden Angebote, Urban Sports auch bei Regen, Kälte und
Dunkelheit auszuüben, als notwendig angesehen. Hierfür bieten Außenanlagen mit
professioneller, sportspezifischer Beleuchtung sowie Hallen („Indoor Parks“) die ent-
sprechenden Möglichkeiten.
Fokus auf zentrale Lage
Der perspektivische Fokus wurde im Gesamtkonzept jeweils auf die Bezirks-Zentren
gelegt. Das sind aus gesamtstädtischer Sicht der Bezirk Innenstadt und auf Bezirks-
ebene die zentralen Stadtviertel (wie z. B. die Viertel Porz oder Deutz und die Viertel
Altstadt-Nord und -Süd in der Innenstadt), die an den Hauptversorgungspunkten an-
geschlossen sind. Die Stadt Köln wird zusätzlich aus links- und rechtsrheinischer Sicht
beleuchtet. Da sich Urban Sports im urbanen Raum tendenziell auf Innenstädte bezie-
hen, wo sie von den Nutzern*innen präferiert praktiziert werden, erhält der Bezirk In-
nenstadt einen gesonderten Fokus in diesem Gesamtkonzept und wird stärker gewich-
tet.
Urban Sports-Anlagen für ‚alle‘
Ein weiterer Aspekt ist das Motto „Eine Stadt für alle“, welches auch die Grundlage
des 2016 vom Rat der Stadt Köln beschlossenen Handlungskonzeptes zur Kölner Be-
hindertenpolitik darstellt. Die beschlossenen Maßnahmen sollen dazu beitragen, Bar-
rieren abzubauen, die einer gleichberechtigten Teilhabe aller Menschen am Leben in
Köln im Weg stehen, und werden dabei nicht nur Menschen mit Behinderung zugute-
kommen (vgl. Stadt Köln und SoVD, 2019). In diesem Sinne wird mithilfe des vorlie-
genden Urban Sports-Plans die Umsetzung möglichst inklusiver Urban Sports-Anla-
gen in Köln angestrebt.
36
4 Urban Sports-Elemente zur multifunktionalen Nutzung im öffent-
lichen Raum
Das vorliegende Urban Sports-Gesamtkonzept legt den Schwerpunkt auf die Betrach-
tung von eigens konzipierten Urban Sports-Zweckräumen. Urban Sports-Teilneh-
mer*innen nutzen jedoch auch über spezifisch geplante Urban Sports-Plätze hinaus –
herkunftsgemäß – den gesamten urbanen Raum zur Ausübung ihrer Bewegungsprak-
tik. Sie erschließen dabei auch nicht ursprünglich für sportliche Zwecke konzipierte
Objekte, was aufgrund deren Beschaffenheit mit höherem Schwierigkeitsgrad verbun-
den sein kann. Im Gegensatz zu den oftmals nicht perfekten Plätzen im urbanen Raum
können Urban Sports-Anlagen als Übungsgelände ‚unter perfekten Laborbedingun-
gen‘ verstanden werden. Beide Optionen entfalten einen besonderen Reiz auf ihre je-
weilige Art und Weise: Aufgrund der perfekten Bedingungen einer Urban Sports-An-
lage sind die Nutzer*innen befähigt, sich in Gänze auf die Ausführung des Tricks zu
konzentrieren und diesen dadurch entsprechend zu verbessern und zu variieren. Für
andere Nutzer*innen kann wiederum die Entdeckung der Vielfalt unterschiedlicher
Spots (erschlossene Plätze) im urbanen Raum, die oftmals mit zu überwindenden Wi-
derständen bezüglich der Befahrbarkeit oder auch der Zugänglichkeit des Ortes ver-
bunden ist, ein entscheidendes Kriterium für die Attraktivität von Urban Sports sein.
Da Urban Sports-Anlagen das Bedürfnis nach Nutzung des „echten“ öffentlichen
Raums konstitutiv niemals vollständig kompensieren können (vgl. Kilberth, 2018, S.
76-77), ist es sinnvoll, im zweiten Schritt des Gesamtkonzepts, weitere Urban Sports-
Räume in Form von „Shared Spots“ im öffentlichen Raum zu integrieren.
4.1 „Shared-Spot“-Ansatz
Im Rahmen von Urban Sports wird die gesamte Stadt und ihr Mobiliar als Bewegungs-
raum genutzt. Die Nutzung von nicht zweckmäßig bestimmten Urban Sports-Elemen-
ten kann zu Abnutzungserscheinungen an den Objekten und zu Konflikten mit Nicht-
Urban-Sports-Nutzer*innen führen. Mit dem Wissen um das konstitutive Bedürfnis von
Urban Sports-Akteur*innen, die „natürlichen“ Gegebenheiten im städtischen Raum zu
37
nutzen, und der damit verbundenen potentiellen Konflikte, ist das „Shared-Spot“-Kon-
zept eine proaktive Problemlösung. Dieser Ansatz beruht auf dem bewussten Schaffen
von multifunktionalen Stadtmöbeln und Räumen. Urban Sports-Akteur*innen und an-
dere Bürger*innen „teilen“ (Share) sich die Nutzung von ausgewählten Stellen (Spots)
in der Stadt. Shared Spots haben z. B. als Stadtmobiliar die Funktion einer Sitzbank,
eines Geländers, einer Treppe oder einer Skulptur. Die Nutzung als Spot für Urban
Sports oder beispielsweise als Sitzgelegenheit für allgemeine Nutzer*innen regelt sich
entsprechend der Verfügbarkeit. Ist die Sitzbank als Sitzbank in Benutzung, besteht
kein Anspruch, diese als Urban Sports-Objekt zu nutzen, und umgekehrt. Das Objekt
wird dadurch zum Shared Spot. Diese Multifunktions-Räume können grundsätzlich auf
zwei Wegen initiiert werden: Entweder werden die Objekte von vorneherein durch ent-
sprechende Materialwahl und Form so gestaltet, dass eine Urban Sports-Nutzung
möglich ist. Oder ein vorhandenes Objekt wird teilweise umgewidmet und modifiziert
bzw. nachgerüstet, um es konfliktärmer für die Urban Sports-Nutzung zu qualifizieren.
Die Nutzung von bestehenden architektonischen Gegebenheiten und existierender Inf-
rastruktur für Urban Sports ist zudem ein kostengünstiger Weg, Bewegungsräume für
junge Menschen als Sportgelegenheit im direkten städtischen Umfeld zu installieren
und gewissermaßen auch eine Möglichkeit, Aktions- und Bewegungsräume für Heran-
wachsende in der Stadt „zurückzugewinnen“.
4.1.1 Shared-Spot, Rahmenbedingungen
Bei der Planung von Shared Spots bzw. bei der Integration von Urban Sports-Räumen
in den öffentlichen Raum können zunächst die für Urban Sports-Anlagen geltenden
Bewertungskriterien zur Identifikation idealer Standorte herangezogen werden. In die-
sem Zusammenhang trägt ein gutes Umfeld-Setting zur Attraktivität eines Standortes
bei: Faktoren sind eine gute verkehrs-technische Anbindung und fußläufige Erreich-
barkeit (vgl. Kapitel 3.10), umliegende Versorgungsmöglichkeiten (vgl. ebd.), soziale
Aspekte (vgl. Kapitel 3.7.2) sowie das architektonische Umfeld. Da es sich hier nicht
um geschlossene Zweckräume, sondern um multifunktionale Nutzräume handelt, die
mit anderen Passanten „geteilt“ werden, sind drei Aspekte besonders zu berücksichti-
gen:
38
a) Sicherheit – Shared Spots sind grundsätzlich so zu konstruieren, dass bei der Nut-
zung weder für die Nutzer*innen selbst noch für Passanten direkte oder indirekte Ge-
fährdungen entstehen. Neben der in § 1 Straßenverkehrsordnung formulierten Grund-
regel der ständigen Vorsicht und gegenseitigen Rücksicht im öffentlichen Straßen-
verkehr schafft ein Sicherheitsabstand bzw. eine bewusste Gestaltung und Kenntlich-
machung von Wegen durch Material- und / oder Farbwahl die nötige Sicherheit für alle
Nutzer*innen.
Die Anbringung von Hinweisschildern und / oder Markierungen veranschaulicht die
Legalisierung der Nutzung für Urban Sports. Diese ist notwendig, um die Gleichbe-
rechtigung der Nutzungsarten für alle Nutzer*innen gleichermaßen sichtbar zu machen
und potentiellen Konflikten zuvorzukommen. Passanten können so klar erkennen,
dass es sich bei gekennzeichneten Flächen um einen Bereich für Urban Sports han-
delt. Markierungen und Bodenbeläge können je nach Bedarf und Umfeld idealerweise
subtil lenkend gestaltet sein. Bestimmte Bereiche eines öffentlichen Platzes können
zum Beispiel durch die Auswahl des Bodenbelags, wie beispielweise einer Anlage in
Innsbruck (vgl. Kapitel 4.1.2), mit befahrbarem oder nicht befahrbarem Belag ausge-
stattet sein oder aber auch farblich hervorgehoben werden.
Der Nachteil und die Gefahr bestehen darin, dass durch die intensive farbliche Kenn-
zeichnung eines Objektes der Charakter eines Shared Spots, und damit die Attraktivi-
tät für einen Teil der Urban Sports-Nutzer*innen, verloren gehen kann. In der Einzel-
fallbetrachtung ist daher stets abzuwägen, ob auf eine farbliche Kennzeichnung
gänzlich verzichtet werden kann und eine nachvollziehbare Lenkung der Nutzer*innen
ausschließlich durch die Auswahl unterschiedlichen Bodenbelags umsetzbar ist. Auch
die Kombination beider Vorgehensweisen kann sinnvoll sein.
b) Beschädigung / Abnutzung – Der bauliche Zustand bzw. die Qualität des Materi-
als, etwa einer Sitzbank aus Stein oder Holz, kann sehr unterschiedlich ausfallen und
möglicherweise für die Nutzung durch Urban Sports nicht geeignet sein. Wenn alle
Merkmale für einen geeigneten Shared Spot gegeben sind, und lediglich das Material
des Objektes als nicht geeignet erscheint, ist eine Modifizierung oder ein Umbau not-
wendig, um die nachhaltige Funktionstüchtigkeit in allen Aspekten sicherzustellen.
39
c) Lärm – Genau wie bei der Planung von Urban Sports-Anlagen ist auch bei der
Standortwahl der Lärm ein sensibler Faktor für das langfristige Bestehen des Shared
Spots. Da von der Nutzung, insbesondere bei Skate- und BMX-Spots, erheblicher
Lärm ausgehen kann, sind z. B. Mindestabstände zu Wohnraum durch Schallschutz-
gutachten genau zu prüfen. Shared Spots können beispielsweise in der Nähe von Ver-
kehrsknotenpunkten platziert werden, mit einem ohnehin hohen Lärm-Pegel (vgl. Mik-
mak, 2014, S. 82), soweit sie auch in den Geräuschspitzen die zulässigen Richtwerte
des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (BImSchG) nicht überschreiten.
Durch die bewusst geplante Platzierung und Gestaltung von Shared Spots, unter Be-
rücksichtigung der genannten Rahmenbedingungen, lassen sich die Sicherheit bei der
Ausübung von Urban Sports im öffentlichen Raum entscheidend verbessern, Konflikte
verhindern und Kosten für nachträgliche Reparaturen vermeiden.
4.1.2 Shared-Spots, Beispiele
Landhausplatz Innsbruck, Foto: Günter Richard Wett, Quelle: Landezine.com.
Ebenso wie ein Shared Spot als singuläres Objekt funktionieren kann, besteht auch in
größerem Maßstab die Möglichkeit einer geplanten Agglomeration von durch Urban
40
Sports-nutzbaren Objekten mit nicht-nutzbaren Objekten, was die Vorteile für alle Ar-
ten von Nutzern*innen erhöht. Als eines der bekanntesten Beispiele ist der Landhaus-
platz in Innsbruck, Österreich, zu nennen. Das zentral gelegene Areal vereint auf ar-
chitektonisch hochwertige Weise städtebauliche Aspekte eines ansprechenden und
nutzungsdiversen öffentlichen Platzes. Um die Trennung der Nutzer*innen möglichst
organisch umzusetzen, ist die Textur des Oberflächenbelages in teils fließenden, teils
abrupten Übergängen je nach Nutzungsanforderung von rau bis zu hochglanzpoliert
gegliedert (vgl. Landezine, 2011). Auf diese Weise entstehen vielfältig nutzbare Frei-
flächen, Hügel, Brunnen, „Podeste“ für Denkmäler und Sitzgelegenheiten. Die Sitz-
bänke sind unter den zahlreichen Baumgruppen verteilt, zusätzlich kann Standard-
Mobiliar je nach Bedarf frei aufgestellt werden. Die Sitzbänke aus Holz und Metall sind
aufgrund der unterschiedlichen Materialien besonders hochwertig und deshalb weni-
ger geeignet für Urban Sports. So kann die Nutzung für Urban Sports in bestimmten
Bereichen eingeschränkt oder verhindert werden. Dadurch, dass der Platz im Gesam-
ten ausreichend weitere Flächen und Objekte zur Verfügung stellt, entsteht eine aus-
gewogene Verteilung und Mischung von Nutzungen, die einen hohen Grad an Aufent-
haltsqualität für alle Nutzer*innen-Gruppen bei gleichzeitiger Entschärfung von
Konflikträumen sicherstellt. Die entsprechende Materialauswahl wurde konsequent
umgesetzt und kommt daher ohne farbliche Markierungen für die Wegführung aus. In
Köln wäre ein derartiges integratives Konzept für Flächen wie den Ebertplatz, den
Platz am Media Park, den Deutzer Hafen, Vorplatz der Oper bzw. alle städtischen
Neubau- und Entwicklungsgebiete denkbar. Es ist zu überlegen, ob Vertreter der Ur-
ban Sports nicht grundsätzlich in die Planung von städtebaulichen Neuvorhaben invol-
viert werden (vgl. Bock, 2017, S. 199).
Das Konzept der Shared Spots ist eine konkrete Handlungsoption für Urban Sports,
die dem in der Sportentwicklungsplanung eruierten allgemeinen Bedürfnis der Kölner
Bevölkerung, nach mehr ‚Sport-Gelegenheiten‘ im öffentlichen Raum zu nutzen, ent-
spricht (vgl. Kähler et al., 2019, S. 79), im Besonderen auch für den Trendsport (ebd.
S. 20).
5 Bestandsanalyse
5.1 Bewertung des Anlagen-Angebots in Köln
Im Laufe der letzten Jahre konnte die Stadt Köln, in Zusammenarbeit mit Nutzer*innen-
41
Initiativen und Vereinen, Urban Sports-Projekte mit hoher Resonanz der Nutzer*innen
in Form moderner Anlagen umsetzen. Köln hat dadurch eine Vorreiterposition im Ver-
gleich zu anderen Städten in Deutschland einnehmen können. Um über die Gesamt-
situation der Urban Sports-Anlagen in der Stadt Köln urteilen zu können, dient zum
einen ein Blick auf die Stadtkarte, um die quantitative Situation zu veranschaulichen,
und zum anderen eine genauere Betrachtung der Anlagen vor Ort, um deren Qualität
zu bewerten.
Wie bereits erwähnt wurden zur Erstellung des Urban Sports-Gesamtkonzepts durch
primäre und sekundäre Methoden Informationen gesammelt, um den aktuellen Be-
stand möglichst differenziert evaluieren zu können. Die Ergebnisse dieser Erhebung
werden im weiteren Verlauf dieses Kapitels aufgeführt. Dabei wurde zum einen der
Fokus auf die Stadt Köln im gesamten gelegt, zum anderen die Anlagen aus der Per-
spektive der Bezirke betrachtet. Auf die Ergebnisse wird in Kapitel 6 näher eingegan-
gen, indem Handlungsempfehlungen abgeleitet werden.
42
Karte der Urban Sports-Anlagen in Köln
43
Die Karte visualisiert die gesamtstädtische Abdeckung von bestehenden und geplan-
ten Urban Sports-Anlagen mit ihren jeweiligen geographischen Einzugsgebieten vom
Stadtviertel, Stadtbezirk bis zur gesamtstädtischen und regionalen Reichweite.
5.1.1 Darstellung der Ist-Situation aus gesamtstädtischer Sicht
Wie in Kapitel 3.10 beschrieben, können Urban Sports-Anlagen nicht auf Grundlage
von reinen Quantitätsangaben auf Bezirks- und gesamtstädtischer Ebene bewertet
werden. Mithilfe der in Kapitel 3.10 festgelegten Kriterien und relevanten Qualitäts-
merkmalen wurden daher Reichweiten für die Qualität von Anlagen ermittelt. So kann
sich eine Anlage, nach diesen Kriterien betrachtet, als Einzugsgebiet auf das Stadt-
viertel, den Bezirks, die gesamte Stadt oder über die Stadtgrenzen hinaus auf die Re-
gion beziehen.
Im Rahmen der Datenerhebung haben sich neben positiven Ergebnissen, für u. a. den
Lentpark oder das Kap 686, auch qualitative Mängel und Bedürfnisse herausgestellt,
die sich unter den übergeordneten Kriterien subsumieren lassen:
1. „Flächendeckendes Angebot“,
2. „Alters- und Nutzer*innen-Gruppen“ und
3. „Kälte, Regen und Dunkelheit“.
Unter diesen drei Gesichtspunkten wird die „Ist-Situation“ der Urban Sports-Anlagen
der Stadt Köln im Weiteren beschrieben.
1. Flächendeckendes Angebot – Zunächst kann mit Blick auf die Karte festgestellt
werden, dass die linke Rheinseite, trotz vieler neu errichteten Anlagen auf der rechten
Seite, nach wie vor besser ausgestattet ist als ihr Gegenüber. Die größten Versor-
gungslücken weisen die außenliegenden Kölner Stadtteile Porz, Rodenkirchen und
Chorweiler auf. Diese Lücken ergeben sich aus teilweise komplett fehlenden Urban
Sports-Angeboten oder im Laufe der Zeit marode gewordenen „Katalog“-Anlagen, die
für Urban Sports-Nutzer*innen ihren Reiz verloren haben bzw. teilweise nie sonderlich
interessant waren (vgl. Kapitel 3.8).
Mit Blick auf den Stadtbezirk Innenstadt fällt auf, dass die vorhandenen Urban Sports-
44
Anlagen ausnahmslos am Rand der Innenstadt angelegt und somit nicht im innerstäd-
tischen Raum integriert sind. Im Detail bieten die Stadtviertel Köln-Deutz und Altstadt-
Nord und -Süd keinerlei Urban Sports-Angebote. Die Viertel Neustadt-Nord und -Süd
bieten mit dem Lentpark und Kap 686 zwar hochwertige und reichweitenstarke Urban
Sports-Angebote, sind aber, streng auf Bezirksebene gesehen, eher dezentral gele-
gen.
2. Alters- und Nutzer*innen-Gruppen – Für die Nutzer*innen-Gruppen Stunt-Scoo-
ter, BMX, Skateboard und Inline bietet die Stadt unterschiedliche Anlagen im gesamt-
städtischen Raum. Für Parkour sind jüngst die ersten öffentlichen Anlagen in Köln
(Buchheim und Gremberg) gebaut worden.
Von BMXer*innen dürfen die bestehenden Skateanlagen größtenteils mitgenutzt wer-
den, es gibt jedoch nur die Fläche in Ehrenfeld (im Takufeld), die gezielt für BMX ge-
plant und ausgelegt ist. Als mögliche Erweiterungen und Aufwertung der „Salatschüs-
sel“ werden von den Nutzer*innen ein Pumptrack und / oder ein Bowl als Ergänzung
zum bestehenden Angebot gewünscht (vgl. Bräutigam-Kraus, 2017).
Konflikte zwischen den Alters- und Nutzer*innen-Gruppen kommen flächendeckend
an allen Urban Sports-Anlagen vor. Kinder mit Scootern und deren Eltern nutzen Ur-
ban Sports-Anlagen ähnlich wie einen Kinderspielplatz. Gleichzeitig sehen besonders
Jugendliche bzw. junge Erwachsene, die Ihre Praktik intensiv ausüben und evtl. sogar
von den Skate-Verboten an anderen Stellen in der Stadt betroffen sind, diese Anlagen
als ‚ihre‘ Räume an, mit einem entsprechenden Selbstverständnis des Raum-An-
spruchs und der Nutzung. Dadurch kann es gelegentlich zu typischen Konflikten zwi-
schen Eltern mit Kindern und anderen Nutzer*innen kommen.
3. Kälte, Regen und Dunkelheit – Als drittes Kriterium wurde in den Experteninter-
views mehrheitlich die schlechte Situation in Bezug auf beleuchtete, überdachte und /
oder beheizte Urban Sports-Anlagen genannt.
Bei Einbruch der Dunkelheit, bei Regen und im Winter bietet das Urban Sports-Anla-
gen-Angebot der Stadt nicht ausreichende und teilweise gar keine Optionen, Urban
45
Sports auszuüben. Trotz der Erweiterung und Modernisierung gibt es in der Abenteu-
erhalle Kalk (Halle59), in der Hauptsaison (Oktober bis März), weiter regelmäßige Ein-
lassstopps, die viele potentielle Besucher abschrecken und einige Angereiste ohne
Alternative sprichwörtlich in der Kälte stehen lassen (vgl. Wewer, 2017). Die Halle59
hat in Köln und der Region eine Art Monopolstellung, da keine andere Anlage ausrei-
chend Beleuchtung, Regenschutz oder gar Wärme bietet. Die Halle kann aber dem
Bedarf der Gesamtheit der Urban Sports-Nutzer*innen aufgrund ihrer Überlastung
nicht gerecht werden. Zu berücksichtigen ist auch, dass aufgrund der allgemeinen Si-
tuation in der Region die bis dato einzige Skatehalle über die Stadtgrenzen von Köln
hinaus Nutzer*innen anzieht, was den Nutzungsdruck weiter erhöht. Auch in der Urban
Sports-Hauptsaison von April bis September bestehen in Köln nur sehr wenige Optio-
nen, an Regentagen und nach Sonnenuntergang aktiv zu sein. Dieser Mangel an In-
door-Optionen und beleuchteten Anlagen ist als nicht ausgeschöpftes Raum-Potential
anzusehen.
5.1.2 Darstellung der Ist-Situation aus Sicht der Bezirke
Um ein flächendeckendes Urban Sports-Angebot in der Stadt Köln zu schaffen, müs-
sen in den Stadtbezirken ansprechende, sich gegenseitig ergänzende und qualitativ
hochwertige Anlagen angeboten werden, die den Bedarf des jeweiligen Bezirks de-
cken und den Bedürfnissen der lokalen Nutzer*innen gerecht werden. Im Folgenden
werden die jeweiligen Stadtbezirke im Hinblick auf die festgelegten Kriterien aus Kapi-
tel 3.10 diskutiert und die Skateparks bewertet (5 = Bestnote; 0 = schlechteste Bewer-
tung).
Innenstadt
Die Innenstadt bietet mit dem Kap 686 und dem Lentpark zwei sehr gute Urban Sports-
Anlagen, die aus gesamtstädtischer Sicht die relativ besten Lagen haben und mit ihrer
Qualität überzeugen können. Anders sieht es bei der Anlage im Klingelpütz-Park aus:
Sie besticht zwar durch eine sehr gute Lage und infrastrukturelle Anbindung, ist aber
aufgrund der Maße der platzierten Rampe (zu hoch und schmal) uninteressant für alle
Alters- und Nutzer*innen-Gruppen.
Im inneren Bereich der Innenstadt wurde über die letzten Jahre das inklusive Urban
Sports-Angebot beispielsweise durch ein Skateboard-Verbot auf der Kölner Domplatte
wesentlich geschmälert. Besonders Skateboarder*innen, aber auch BMXer*innen und
46
Parkour-Läufer*innen, wünschen sich weiterhin zentrale Plätze im Innenstadtbereich,
um ihre Urban Sports öffentlich auszuüben. Das können moderne Skateparks oder
Urban Sports-Anlagen sein, aber auch Plätze, die für Urban Sports genutzt werden
dürfen (vgl. Kap. 4.1 „Shared Spots“-Ansatz). Neben der Zentrumnähe ist ein authen-
tisches, urbanes Flair zu beachten, das den Bewegungsraum für die Nutzer*innen so
attraktiv und natürlich wie möglich gestaltet. Solche zentralen, öffentlichen Flächen
könnten etwa, wie bereits erwähnt, auf dem Ebertplatz, dem Vorplatz der Oper oder
anderen öffentlichen Plätzen geschaffen werden (vgl. Tielsch, 2017).
47
Parkour wurde bisher vor allem an „Spots“ ausgeübt, die sich recht gut für die Bewe-
gungskultur eignen, wie beispielsweise Amtsgericht, Media Park und Universitätsge-
lände. Auch hier ist eine zentrale Lage in der Innenstadt von großer Bedeutung (vgl.
Kölzer, 2017).
Lindenthal
Die Minirampe im Stadtwald ist bei ihren Nutzern*innen sehr beliebt. An der Anlage
wurden aber nur 60 der 700 versiegelten Quadratmeter genutzt. Um eine relevante
Anlage für den gesamten Bezirk zu schaffen, sollten auch die restlichen 640 m2 genutzt
werden.
Rodenkirchen
48
Der modulare Skatepark im Vorgebirgspark in Rodenkirchen ist lediglich für Kinder und
Jugendliche aus dem umliegenden Viertel interessant, da es sich hier um einen veral-
teten „Katalog-Skatepark“ handelt. Die Skateanlage wird hauptsächlich als Aufent-
haltsraum und Treffpunkt von Jugendlichen genutzt. Sportlich-funktional leistet sie kei-
nen Beitrag, den Bedarf für den Bezirk Rodenkirchen zu decken.
Ehrenfeld
49
Die Anlage „Salatschüssel“ / Takufeld in Ehrenfeld ist auf die Bedürfnisse von
BMXer*innen und für sie ideale Abmessungen ausgelegt. Die Anlage wird vom ge-
samten Bezirk genutzt, insbesondere mit Stunt-Scootern.
Auf dem Spielplatz an der Rektor-Schmitz-Straße gibt es lediglich zwei Elemente
(Quarter Ramps), die sich mit vielen Metern Abstand auf einer viel zu schmalen Fläche
gegenüberstehen. Insgesamt ist die Anlage veraltet, kann nicht als Skateangebot ge-
nutzt werden und stellt lediglich ein Spiel-Angebot dar.
Auf einer ungenutzten Fläche innerhalb der Bezirksportanlage (BSA) in Ehrenfeld an
der Everhardstraße wurde zur Zwischennutzung, bis der Skatepark gebaut wird, ein
mobiler Pumptrack aufgestellt. Als niedrigschwelliges Angebot erfreut sich die Anlage
großer Beliebtheit und wird entsprechend stark genutzt.
Nippes
Der Bezirk Nippes hat mit der North Brigade, der Fläche unter der Mülheimer Brücke
und der Lohse Rampe gleich drei Urban Sports-Anlagen. Die grundsätzliche Proble-
matik bei der North Brigade besteht darin, dass die Nutzung des Skateparks, als Ver-
einsgelände, eine Vereinsmitgliedschaft voraussetzt bzw. alle Gäste Eintrittsgeld zah-
len müssen, was mit einem Tagesticket von 3 € keine besonders hohe, aber dennoch
eine gewisse soziale Barriere darstellt. Da die Nutzung nahezu identisch zu der von
öffentlichen Skateparks ist, die Anlage quasi wie ein öffentliches Angebot frequentiert
wird und zudem das Gelände regelmäßig eintrittsfrei zur Verfügung steht, wird der
Skatepark im Gesamtangebot inkludiert.
Die Lohse Rampe ist durch ihre in weiten Teilen große Höhe für viele Nutzer*innen
weniger interessant. Anfänger*innen kommen lediglich im niedrigen Segment der
Rampe auf ihre Kosten.
Der DIY-Skatepark („DIY“ für „Do-It-Yourself“ oder selbstgebaut) unter der Mülheimer
Brücke ist durch eine Baustelle zurzeit für Nutzer*innen nicht zugänglich.
Auch im Bezirk Nippes befindet sich in Longerich, in der Bielefelder Straße, ein „Kata-
log-Skatepark“, bestehend aus zwei Elementen, die willkürlich auf einer asphaltierten
50
Fläche positioniert wurden und als Skateanlage in diesem Zustand keinerlei Aufforde-
rungscharakter für Nutzer*innen hat.
Sehr viel attraktiver ist hingegen die neue Dirt-Anlage für BMX, Dirt- und Mountainbike
in Longerich, die vom Trails59 e.V. betrieben wird. Auf dem riesigen 8.000 m2-Areal
am Autobahnkreuz Köln-Nord soll sukzessive ein großer Dirt-Park mit Trails für Anfän-
ger*innen bis Profis entstehen. Die Wurzeln der Initiative stammen von der ehemaligen
Dirt-Anlage des Außengeländes der Abenteuerhalle Kalk. Der Verein ist besonders
bemüht, ein Angebot bereitzustellen, das so nah wie möglich am Betrieb einer öffent-
lichen Anlage ist, von dem möglichst viele profitieren sollen.
51
Chorweiler
Bei dem Skatepark in Blumenberg handelt es sich wieder um eine Anlage aus der
Kategorie „Katalog-Skatepark“, die den Ansprüchen der Nutzer*innen nicht gerecht
wird. Die infrastrukturelle Lage und Anbindung hat jedoch das Potential, den Bezirk
Chorweiler abzudecken und mit einem Urban Sports-Angebot zu beleben.
52
Kalk
In Höhenberg wurde eine kleine, kaum genutzte „Katalog-Skatepark“-Fläche zu einem
state-of-the-art Skatepark entwickelt. Das Projekt wurde durch die rechtsrheinische
Initiative „The Wave“ initiiert und unter enger Beteiligung verschiedener lokaler Nut-
zer*innen-Gruppen gestaltet. Bestehend aus einer Street Flow Area und einer Mini
Bowl Section findet hier eine besonders große Nutzer*innengruppe interessante Fea-
tures inklusive einer räumlich-materiellen Gestaltung, die die Teilhabe von WCMX be-
rücksichtigt. Um die Skateanlage auf die Wünsche und Bedürfnisse für WCMX abzu-
stimmen, wurde der Deutsche Behinderten Sportverband (DBS) und Akteur*innen der
WCMX-Szene in die Planung involviert. Der neue Skatepark ist Kölns erster ‚WCMX-
inklusiver‘ Skatepark.
Die Anlage in Höhenberg ist infrastrukturell sehr gut an den ÖPNV angeschlossen und
leistet einen großen Beitrag, den Bezirk zu versorgen.
Die Skatehalle wird aufgrund des übergeordneten Bedarfs an Indoor-Angeboten aus
gesamtstädtischer Sicht, statt aus Bezirkssicht, betrachtet (vgl. Kapitel 5.1.1).
53
Im Park an der Lenzwiese in Gremberg wurde vor kurzem eine ca. 190 m2-Parkour-
Anlage errichtet, die Features für Anfänger*inne und Profis bietet.
Zudem befindet sich an der Lenzwiese eine neue Dirt-Anlage, die von der AHK quasi
als neues Außengelände betrieben wird, da die Anlage am Standort in der Christian-
Sünner-Straße in Kalk dem Schulbau weichen musste. Beispielsweise bietet die AHK
auf dem neuen Gelände weiter gemeinsames Fahren und Bauen für BMX-, Dirt, und
Mountain-Biker*innen als offene Angebote an.
Mülheim
54
Als Ergänzung zum kleinen Skatepark am Stammheimer Ufer wurde am Spielplatz an
der Keupstraße ein weiterer, top-moderner Skatepark in Köln eröffnet. Trotz der eben-
falls kleinen Fläche von ca. 450 m2 ist die Anlage durch die kreative Gestaltung, des
verwendeten Materials und der Ausstattung, ein Gewinn für den Bezirk und eine gute
Erweiterung des Kölner Gesamtangebots.
In Holweide befindet sich eine Skateanlage nach dem Ehrenfelder Beispiel an der Rek-
tor-Schmitz-Straße – zwei gegenüberstehende „Katalog-Skatepark“-Elemente auf ei-
ner gepflasterten Fläche. Trotz dieser lieblosen Gestaltung haben die Fläche und der
Standort großes Potential.
Mit Ausnahme der Skateanlage in Holweide decken die drei anderen Skateparks im
Bezirk Mülheim (Keupstraße, Stammheimer Ufer und unter der Zoobrücke) den Be-
reich Stunt-Scooter, BMX, Skate und Inline relativ gut ab, im Vergleich zu den anderen
Bezirken. Insbesondere der Skatepark unter der Zoobrücke ist ein besonders nied-
rigschwelliges Angebot, das für Anfänger*innen sehr gute Einstiegmöglichkeiten bie-
tet, aber auch von fortgeschritteneren Urban Sport-Akteur*innen genutzt wird.
2019 wurde in Buchheim Kölns erste, öffentliche Parkour-Anlage auf ca. 250 m2 eröff-
net, die mit ihrer Ausstattung für jedes Können-Niveau Elemente bereithält.
55
Porz
In Porz besteht noch keine festinstalliertes Urban Sports-Angebot. Dort klafft derzeitig
eine der größten Versorgungslücken. In Annährung an eine permanente Urban Sports-
Anlage wurde neben dem Bewegungsparcours am Rheindamm an der Groov in Zün-
dorf einer der beiden mobilen Pumptracks als temporäres Angebot platziert. Die Maß-
nahme soll auch Aufschluss über den grundsätzlichen Bedarf einer solchen Anlage in
Porz liefern.
Urban Sports-Anlagen Köln
Auswertung Skateparks
Rheinseite Bezirk Anlage AusrichtungLage/InfrastrukturModernität ZustandNutzung/AuslastungAufenthalts-bereichWettbewerbs-tauglichkeitAnfänger-tauglichkeitReichweite Gesamt LentparkSkate, Inline, Scooter4 4 4 5 4 3 4 44,0KlingelpützSkate, BMX, Inline, Scooter4 1 3 1 3 1 2 12,0Kap 686Skate, Inline, Scooter4 4 4 5 4 2 3 43,8Rodenkirchen (2)VorgebirgsparkSkate, BMX, Inline, Scooter2 1 3 2 2 1 2 11,8Lindenthal (3)Stadtwald MinirampeSkate, Inline, Scooter3 3 3 4 2 1 3 32,8Skateanlage Rektor.Str.Skate, BMX, Inline, Scooter2 1 2 1 3 1 1 11,5Takufeld/SalatschüsselSkate, BMX, Inline, Scooter3 4 4 4 3 3 2 33,3North BrigadeSkate, BMX, Inline3 5 5 3 4 4 4 44,0Skateanlage LongerichSkate, BMX, Inline, Scooter2 1 2 1 2 1 1 11,4Lohse RampeSkate, BMX, Inline, Scooter4 3 4 3 3 3 2 33,1DIY Mülheimer BrückeSkate, BMX, Inline, Scooter3 2 1 1 2 1 3 21,9Chorweiler (6)Skatepark BlumenbergSkate, BMX, Inline, Scooter3 1 2 2 3 1 2 11,9Porz (7)-- - - - - - - - --Halle 59Skate, BMX, Inline, Scooter4 5 5 5 4 4 5 44,5Skatepark HöhenbergSkate, BMX, Inline, Scooter3 5 5 5 4 2 5 44,1Skatepark MülheimSkate, Inline, Scooter2 3 3 3 2 2 3 22,5Skatepark KeupstraßeSkate, BMX, Inline, Scooter3 5 5 5 3 1 3 33,5Skateanlage HolweideSkate, BMX, Inline, Scooter2 1 2 1 2 1 1 11,4Skatepark ZoobrückeSkate, BMX, Inline, Scooter3 4 4 4 2 2 4 33,33,0 2,9 3,4 3,1 2,9 1,9 2,8 2,52,8
1 schlecht - 5 sehr gut
DurchschnittswertelinksrechtsNippes (5)Innenstadt (1)Kalk (8)Mülheim (9)Ehrenfeld (4)
56
Pumptrack
Köln verfügt mittlerweile über zwei mobile Pumptracks, die als öffentliche Pop-Up-An-
lagen auf befestigter Fläche aufgestellt werden und durch die Stadtbezirke wandern.
Als temporäre Angebote richten sie sich primär an Einstiger*innen und jüngere Nut-
zer*innen (vgl. Kap. 3.9.4).
Pumptrack-Anlage Everhardstraße in der BSA Ehrenfeld. Quelle: Landskate.
Pumptrack-Anlage „Speedring“ an der Groov in Porz-Zündorf. Quelle: Landskate.
57
Die Pumptracks sind Teil des Modellprojekts der Sportentwicklungsplanung „Kölle ak-
tiv – Das Sportlabor“, welches vom Sportamt initiiert wurde und weiter betreut wird.
Aktuelle Informationen zu den Standorten finden sich auf: https://koelle-ak-
tiv.de/events/pumptrack-koeln/
58
Parkour-Anlagen
Mit den neuen Parkour-Anlagen in Buchheim (von 2019) und Gremberg (2020 eröff-
net) wurden gleich zwei Bewegungs-Räume für Parkour-Läufer*innen auf der rechten
Rheinseite gebaut, die dem jahrelangen Mangel an öffentlichen Anlagen in Köln ent-
gegentreten.
Parkour-Anlage Buchheim in der Wichheimer Straße. Quelle: Landskate.
Parkour-Anlage an der Lenzwiese in Gremberg. Quelle: Landskate.
59
Dirt-Anlage
Mit den beiden neuen Dirt-Anlagen in Longerich (Trails59) und Gremberg (AHK) sind
auf beiden Rheinseiten große Anlagen für eine öffentlich zugängliche Nutzung von
BMX, Dirt- und Mountainbike geschaffen worden. Beide Anlagen bieten mit verschie-
denen Sprüngen und Lines ein Angebot für unterschiedliche Können-Niveaus.
Dirt-Anlage Trails59 im Bau in Longerich. Quelle: Trails59 Instagram.
60
Dirt-Anlage AHK an der Lenzwiese in Gremberg. Quelle: Landskate.
Zu erwähnen ist auch die Dirt-Anlage des Rollsportfreunde e.V., der ein Areal von
3.200 m2 unter der Autobahnbrücke am Flehbach in Köln-Merheim als klassisches
Vereinsgelände betreibt.
Insgesamt scheint der Bedarf an Dirt-Anlagen in Köln weitestgehend gedeckt zu sein.
5.2 Aktuelle Planung
Im Folgenden sollen die ‚spruchreifen‘ Projekte aufgeführt werden, die bereits be-
schlossen worden sind, sich in der Planung bzw. im Bau befinden und entsprechend
als beschlossene Maßnahmen gedanklich als ‚im Bestand‘ berücksichtigt werden.
5.2.1 Skateparks
Aktuell befinden sich die folgenden Skatepark-Projekte in verschiedenen Bezirken der
Stadt Köln in der Planung:
- Das derzeit umfangreichste Bauvorhaben ist die Planung des Skateparks in der
Everhardstraße in der BSA Ehrenfeld (siehe 6.3).
- Im Beethovenpark in Klettenberg ist ein kleiner Skatepark in Planung.
61
- Zudem soll das „Shared Spot“-Projekt „Zollstöcke für Zollstock“ im Vorge-
birgspark umgesetzt werden.
- Schließlich wurde bereits zu einem Informations-Workshop für die Planung ei-
nes Skateparks in Deutschlands größtem Wohnneubaugebiet – in Köln-Wid-
dersdorf – aufgerufen.
5.2.2 Pumptrack
Mit den beiden mobilen Pumptracks, die durch die Kölner Stadtbezirke touren, beste-
hen erste Pumptrack-Angebote, und das Bewusstsein, dass auch feste Pumptracks
auf beiden Rheinseiten benötigt werden. Empfehlungen zu den Standorten werden in
Kapitel 6 gegeben.
5.2.3 Parkour-Anlagen
Am Eifelwall in der Kölner Innenstadt ist ein Leuchtturm-Projekt in Planung – eine der
größten Parkour-Anlagen Deutschlands zu errichten.
5.2.4 Dirt-Anlagen
Zum bestehenden Anlagen-Angebot soll die Legalisierung von weiteren naturnahen
Trails vorangebracht werden.
5.3 Gesamtbewertung der Urban Sports-Anlagen-Ist-Situation
In der Gesamtbetrachtung der Urban Sports-Anlagen der Stadt Köln bleibt festzuhal-
ten, dass die Stadt bereits einige Stadtviertel und Nutzer*innen-Gruppen mit hochwer-
tigen Anlagen versorgt. Andererseits gibt es Viertel, Bezirke und auch Nutzer*innen-
Gruppen, wie Parkour-Läufer*innen, deren Bedürfnisse nicht ausreichend oder gar
nicht abgedeckt sind. Hier kommen die zuvor genannten Kriterien zusammen:
Flächendeckendes Angebot – Neben vereinzelten reichweitenstarken Anlagen gibt
es in Köln weiterhin Bereiche, die aktuell keinen optimalen Zugang zu oder keine ei-
genen Urban Sports-Anlagen haben. Diese Lücken im Angebot bestehen besonders
in den äußeren Stadtbezirken auf der rechten Rheinseite und in der Innenstadt.
62
Alters- und Nutzer*innen-Gruppen – Neben dem Ausbau zeitgemäßer Skateanla-
gen müssen eine zentrale Parkour-Anlage und alternative Möglichkeiten für BMX ge-
schaffen werden. Aus gesamtstädtischer Sicht sollen dabei die Anfänger*innen- und
Profimöglichkeiten in einem angemessenen Verhältnis stehen.
Kälte, Regen und Dunkelheit – In der Erhebung war ein großer Bedarf an Urban
Sports-Räumen mit Überdachung und Beleuchtung festzustellen, die auch bei Kälte,
Regen und Dunkelheit Urban Sports ermöglichen. Nur so können Urban Sports ganz-
jährig, bei jedem Wetter und zu jeder Tageszeit ausgeübt werden.
Im nächsten Kapitel werden Handlungsempfehlungen aufgeführt, um die Urban
Sports-Anlagen-Situation zu optimieren, zu erweitern und zu ergänzen.
6 Maßnahmen und Handlungsempfehlungen
6.1 Diskussion der Ergebnisse
Es ist wichtig, noch einmal darauf hinzuweisen, dass das vorliegende Gesamtkonzept
kein fertiges Endergebnis darstellt, sondern als prozessorientiertes Konzept gelesen
werden muss. Das Schaffen von individuellen Räumen für Urban Sports setzt ein ho-
hes Maß an Flexibilität voraus und bietet ein enormes Potential, die Nutzer*innen in
die großen Gestaltungs-Spielräume während der Planungsphase einzubeziehen. Wie
die Erfahrung erfolgreich umgesetzter Anlagen zeigt, leben die konkreten Handlungs-
empfehlungen von den Ideen und Anregungen der Urban Sports-Akteur*innen, also
den Endnutzer*innen. Genauso sind die nachfolgenden Handlungsempfehlungen
nicht als starrer Plan zu sehen, sondern als Lösungsansätze, die für die konkrete Um-
setzung mit den lokalen Nutzer*innen erst noch gestaltet werden müssen.
Die in diesem Kapitel aufgeführten Handlungsempfehlungen leiten sich aus den Er-
gebnissen der Bestandsanalyse und der Befragung ab. Zielsetzung ist dabei, ein flä-
chendeckendes, qualitativ hochwertiges Angebot an Urban Sports-Anlagen sicherzu-
stellen. Grundsätzlich lässt sich die Zielsetzung erreichen, indem der Bestand, also
die bestehenden Anlagen, verbessert wird und / oder indem der Bestand um zusätzli-
che Räume erweitert wird. Da die Aufwertung einer Anlage zumeist auch gleichzeitig
63
ihre Reichweite erhöht, können diese beiden Ansätze nicht isoliert voneinander be-
trachtet werden. Die Handlungsempfehlungen orientieren sich am inhaltlichen Bedarf,
der in der Bestandsanalyse und der Befragung ermittelt wurde. Die herausgearbeite-
ten Kriterien werden zunächst aus gesamtstädtischer Perspektive auf ganz Köln be-
zogen, bevor Handlungsempfehlungen für die einzelnen Bezirke aufgezeigt werden.
Für eine konkrete Empfehlung einer Anlage müssen die individuellen Wünsche der
lokalen Nutzer*innen im Rahmen einer professionellen Planung eingearbeitet werden.
Die empfohlenen Maßnahmen werden, ausgehend von ihrer Notwendigkeit, in fol-
gende drei Kategorien priorisiert:
A) Grundversorgung durch entsprechendes Angebot von Urban Sports-Anlagen
sicherstellen (gesamtstädtisch und auf Bezirksebene Versorgungslücken
schließen; bestehende Flächen sichern)
B) Zusätzlich Aufwertung des bestehenden Angebots entsprechend der dargeleg-
ten Bewertungskriterien
C) Angebot in Richtung des Zentrums ausweiten / verbessern (neue Potentialflä-
chen erschließen und spezielle Projekte, wie Shared Spots, initiieren)
Analog zur Vorgehensweise der Sportentwicklungsplanung (vgl. Kähler et al., 2019, S.
43) soll auch im Urban Sports-Gesamtkonzept grundsätzlich die Sanierung bestehen-
der Anlagen einem Neubau vorgezogen werden.
6.2 Handlungsempfehlungen aus gesamtstädtischer Sicht
Wie im Vorherigen Kapitel erwähnt werden die Handlungsempfehlungen aus der Sicht
der gesamten Stadt unter den Punkten „Flächendeckendes Angebot“, „Alters- und Nut-
zer*innen-Gruppen“ und „Kälte, Regen und Dunkelheit“ ausgesprochen.
Flächendeckendes Angebot – Auf Abhilfe bei den Versorgungslücken der einzelnen
Stadtbezirke wird im nachfolgenden Kapitel 6.3 gesondert eingegangen. Aus gesamt-
städtischer Sicht soll durch die dort genannten Maßnahmen ein flächendeckendes An-
gebot für die gesamte Stadt sichergestellt werden. Das bedeutet: Zugang zu qualitativ
hochwertigen Urban Sports-Anlagen für alle Bezirke und eine Verbesserung des An-
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gebots von Anlagen auf der rechten Rheinseite im süd-östlichen Bereich. Darüber hin-
aus soll die Innenstadt als besonders attraktiver Hauptaktionsraum der Urban Sports
ein Stück weit zurückerobert werden. Hier müssen in Köln neue Flächen erschlossen
werden, um Anlagen zu errichten oder Projekte im Rahmen des Shared-Spot-Prinzips
umzusetzen.
Mit den Projekten des neuen Skateparks in Höhenberg, des Skateparks an der Keup-
straße, dem Um- und Ausbau der Halle59 in Kalk, dem Neubau von Parkour-Anlagen
in Buchheim und Gremberg sowie der neuen Dirt-Anlage ebenfalls in Gremberg, ist
bereits ein verstärkter Ausbau eines flächendeckenden Urban Sports-Angebots auf
der rechten Rheinseite geschehen. Nur der Bezirk Porz stellt einen weißen Fleck auf
der Karte dar.
Entsprechend der Erfahrungswerte (vgl. Siebert et al., 2020) mit den mobilen
Pumptracks sollte zusätzlich mindestens jeweils ein fest installierter Pumptrack als öf-
fentliche Anlage nach dem Motto: ‚umsonst-frei-und-draußen‘, auf jeder Rheinseite in
das städtische Angebot integriert werden.
Was für Street Skater*innen und Street BMXer*innen der Shared Spot in der Stadt ist,
könnten für BMX, Mountain und Dirt Bike legale Trails in natürlicher Umgebung am
Stadtrand von Köln sein. Eine solche Anlage könnte beispielsweise im Stadtwald oder,
der Sportentwicklungsplanung gemäß, im Inneren Grüngürtel (Kähler, et a., 2019, S.
103) geschaffen werden.
Hier könnte es sich als besonders sinnvoll erweisen, das Sportamt und das Institut für
Outdoor Sport und Umweltforschung der Sporthochschule Köln einzubeziehen. In en-
ger Zusammenarbeit mit der Kölner Trail-Szene wäre es wünschenswert, wenn die
Ämter der Stadtverwaltung Köln Lösungen finden, die Frage des Betriebs, vor allem
der Verkehrssicherungspflicht und auch genehmigungsrechtliche Aspekte, etwa des
Naturschutzes, zu bewerkstelligen, um ein solches natürliches Areal zu ermöglichen.
Alters- und Nutzer*innen-Gruppen – Mit der geplanten Parkour-Anlage am Eifelwall
in den beiden bestehenden Anlagen auf der rechten Rheinseite würde der große Be-
darf für Parkour-Nutzer*innen in der gesamten Stadt erst einmal gedeckt sein.
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Für BMXer*innen bietet Köln als einzige BMX-Park-Anlage die „Salatschüssel“ in Eh-
renfeld, die exklusiv nach ihren Wunschmaßen errichtet wurde, sowie die Jumpline als
Teil des Skateparks der Halle59. Zudem sind BMXer*innen wichtige Initiatoren*innen
und Nutzer*innen von Dirt-Anlage in Köln. Die Wünsche der BMXer*innen sollten wei-
ter bei Neuplanungen von Skateparks, zum Beispiel in Köln Porz, berücksichtigt wer-
den.
Um einem Konflikt zwischen Kindern auf Stunt-Scootern und älteren Nutzern weiter
vorzubeugen, soll die Anlage am Takufeld um eine Anfänger*innenfläche erweitert
werden. Zukünftig könnten auch an anderen klassischen Spielplätzen anfänger*innen-
geeignete Urban Sports-Bereiche, wie ein Pumptrack, angebunden werden. Somit
können Kinder die Grundbewegungen von Urban Sports bereits am Spielplatz erler-
nen, bevor sie beispielsweise auf Skateanlagen fahren.
Im Sinne des Inklusionsgedankens und der Teilhabe sollen in Köln zukünftig verstärkt
vor allem WCMX-inklusive Skateparks entstehen. So erfolgte bereits die in Höhenberg
umgesetzte Komplett-Sanierung und Erweiterung unter besonderer Berücksichtigung
der WCMX-Nutzer*innen (vgl. Kap. 5.2.1).
Kälte, Regen und Dunkelheit – Ein weiterer Punkt, der sich aus den Ergebnissen in
Kapitel 5 ableiten lässt: In Köln herrscht gravierender Mangel an ausreichenden Mög-
lichkeiten, Urban Sports in beleuchteten, überdachten oder auch warmen Räumen
auszuüben. Damit sind Urban Sports-Teilnehmer*innen angesichts der jahreszeitli-
chen Witterungsbedingungen im Kölner Raum enorm eingeschränkt und können be-
sonders von Oktober bis März nur bedingt ihrem Sport und ihrer Leidenschaft nachge-
hen. Für trockene und wärmere Tage könnte man beliebte Anlagen, wie das Kap 686,
die Salatschüssel / Takufeld, die North Brigade oder den Lentpark, grundsätzlich mit
Beleuchtung ausstatten, vorausgesetzt die baurechtliche Situation lässt dies zu, um
ganzjährig die Nutzungszeit zu verlängern und eine Ausübung von Urban Sports dort
bis mindestens 22 Uhr zu ermöglichen.
Der erfolgte Umbau und die Erweiterung der Halle59 war eine dringend notwendige
Maßnahme, um die Überlastung in den Wintermonaten zumindest etwas zu entspan-
nen. Die Fläche wurde um Rund ein Drittel vergrößert und die Ausstattung mit einem
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Ort-Beton Bowl, BMX-Jumpline und Street Area zu einem state-of-the-art Indoor-Ska-
tepark modernisiert. Die Halle59 ist momentan die einzige öffentliche Urban Sports-
Möglichkeit der Stadt Köln, die Überdachung und Beleuchtung gleichzeitig bietet. Trotz
des vergrößerten Indoor-Angebots zeichnet sich ab, dass eine zweite überdachte Ur-
ban Sports-Alternative aufgrund des großen Kapazitäten-Engpasses zusätzlich erfor-
derlich ist. In Ergänzung zur Halle59 wäre eine zweite Halle auf der linken Rheinseite,
z. B. im Bezirk Ehrenfeld, eine Lösung.
6.3 Handlungsempfehlungen aus Sicht der Bezirke
Wie im vorangegangenen Kapitel angedeutet werden im Folgenden die Handlungs-
empfehlungen für die einzelnen Stadtbezirke abgeleitet:
Innenstadt – Mit dem Lentpark und dem Kap 686 befinden sich zwei sehr beliebte
Skateanlagen im äußeren Bezirk Innenstadt. Für die rar gesäten und nicht vorhande-
nen Urban Sports-Möglichkeiten in Richtung der Kölner Altstadt bietet die Fläche am
Klingelpütz ein enormes Potential. Die große versiegelte Fläche ist momentan weitge-
hend ungenutzt und bietet durch ihre zentrale Lage einen speziellen Anreiz für Urban
Sports-Nutzer*innen. Für die gesamte Fläche wäre ein Urban Sports-Konzept ideal,
das auch die vorhandenen Basketballplätze einbezieht und das Spektrum der beteilig-
ten Nutzer*innen-Gruppen um weitere Sportarten erweitert.
Allgemein besteht enormer Bedarf, weitere Urban Sports-Möglichkeiten für BMX,
Skate und Parkour im Bereich der Innenstadt zu schaffen. Nicht zu vergessen ist im
Bezirk Innenstadt die Kölner Domplatte, die einst das Wahrzeichen der Kölner-Street-
Skateboard-Szene als identitätsstiftender Treffpunkt war. Es gilt daher, für die Dom-
platte nicht nur einen technisch-funktionalen Ausgleich zu finden, was z. B. durch das
Kap 686 geschehen ist, sondern auch Urban Sports-Räume zu schaffen, die den so-
zial-kulturellen Aspekt bzw. das beschriebene „Urban-Flair“ bieten. Solche Räume
könnten Teilbereiche von öffentlichen Plätzen bieten.
Als Modell für eine mögliche zusätzliche Handlungsoption kann ein Projekt in Berlin
dienen: Hier wurde bereits im Jahr 2013 das Projekt „1.000 Plateaus“ unter Einbindung
von Urban Sports auf dem Tempelhofer Flugfeld umgesetzt. Zum Bau der Urban
Sports-Anlage, die bestens von der ansässigen Skateboard-Community angenommen
67
wurde, dienten die eingelagerten Granit-Platten des Palasts der Republik (vgl. Place,
2013). Ein ähnliches „authentisches“ Projekt ist auch für die Stadt Köln mit den einge-
lagerten Granitplatten des Domvorplatzes denkbar (vgl. Tielsch, 2017). Optimal geeig-
net wäre hierfür eine Fläche im Bezirk Innenstadt, evtl. sogar mit Blick auf den Dom.
Rodenkirchen – Es ist geplant, die Anlage in Zollstock in Kürze durch das nahe gele-
gene Projekt „Zollstöcke“ zu erweitern. Dabei handelt es sich um Sitzblöcke aus Stein,
die nach dem Prinzip Shared Spot am Radweg installiert werden. Damit wird eine wei-
tere interessante Street-Möglichkeit im Bezirk Rodenkirchen geschaffen. Ergänzend
zum nahegelegenen Kap 686 würde ein zentrales Transition- und Anfänger*innen-An-
gebot das Skateanlagen-Angebot in Rodenkirchen abrunden. Ein zusätzlicher Skate-
park in Rodenkirchen könnte sich als überflüssig erweisen, wenn im gegenüberliegen-
den Stadtbezirk Porz eine zentrale, reichweitenstarke Urban Sports-Anlage gebaut
würde.
Der Rodenkirchener „Katalog-Skatepark“ kann auf kurz oder lang entsorgt werden. Die
derzeit geplanten „Zollstöcke“ im Vorgebirgspark sind ein Beispiel für einen geplanten
Shared Spot. Dieses Projekt kann als Testballon dienen, um die Akzeptanz der Urban
Sports-Nutzer*innen und anderer Nutzer*innen-Gruppen zu erproben.
Lindenthal – Als weiteres großes Umbauprojekt zur Steigerung des Angebots kann
die flächenmäßige Erweiterung der Minirampe im Stadtwald dienen. Durch die dortige
Minirampe werden lediglich 60 der 700 versiegelten Quadratmeter der Anlage genutzt.
Diese Fläche ist ausreichend, um einen kleinen Bowl oder einen sogenannten Flow-
Skatepark mit Ortbeton zu errichten. Solch ein Flow-Park bietet eine perfekte Ergän-
zung zu einem großen Bowl, wie er an der North Brigade zu finden ist. Eine 700 m2
große Anlage würde den Bedarf für den Bezirk Lindental abdecken.
Ehrenfeld – Neben kompletten Um- und Neubauten liegt ein weiterer Fokus des Ge-
samtkonzepts auf der Ergänzung und Erweiterung der vorhandenen Anlagen im An-
fänger*innen-Bereiche, da diese auch Konflikte zwischen Kindern und erwachsenen
Nutzern*innen vorzubeugen helfen. Eine solche Erweiterung ist z. B. an der Anlage
„Salatschüssel“ in Ehrenfeld denkbar. Direkt neben dem Skatepark könnte hier der
erste festinstallierte Pumptrack in Köln realisiert werden.
68
Aufgrund der erstklassigen Lage der Freifläche hinter der Sportanlage an der Moschee
/ Innere Kanalstraße besteht hier ein enormes Potential mit dem geplanten Skatepark
in der BSA an der Everhardstraße ein Angebot für Urban Sports-Nutzer*innen zu
schaffen, ähnlich wie es als Modellprojekt der Sportentwicklungsplanung im Stadtteil
Ehrenfeld angedacht ist (Kähler, et a., 2019, S. 104 ff.).
Nippes – Ergänzend zu der Skatehalle könnte im Winter die Anlage der North Brigade
mit ihrem Bowlbereich, vielseitigen Lernmöglichkeiten für Anfänger*innen und Trai-
ningsbedingungen für Profis mit einer modernen Beleuchtungsanlage an trockenen
Tagen den linksrheinischen Gegenpol darstellen. Um den Skatepark in das öffentliche
Urban Sports-Angebot der Stadt aufnehmen zu können, wird eine Kooperation zwi-
schen dem Sportverein North Brigade e. V. und dem Amt für Kinder, Jugend und Fa-
milie der Stadt Köln nahegelegt, die z. B. einen kostenfreien Eintritt für alle Nutzer*in-
nen zu bestimmten Zeiten gewährt. Dieses Hybrid-Modell einer vereinsbetriebenen
Anlage, die auch eine öffentliche (Mit-)Nutzung ermöglicht, würde das Potential des
North-Brigade-Skateparks für das öffentliche Urban-Sport-Anlagen-Angebot nutzbar
machen11.
Großes Potential birgt ebenfalls die Fläche unter der Mülheimer Brücke, wo derzeitig
eine Baustelle vorzufinden ist. Dieses bisher als DIY-Skatepark genutzte Gelände ist
überdacht, beleuchtet und bietet eine große Fläche. Der erste Schritt sollte darin be-
stehen, die Fläche als genehmigten Raum für ein DIY-Projekt zu sichern. Sobald die
Sanierungsarbeiten an der Brücke abgeschlossen sind, wäre es denkbar, hier einen
DIY-Skatepark zu bauen. Als Vorbild zur Vorgehensweise könnte der Lentpark Skate-
park dienen, also ein kooperatives DIY-Projekt mit großer Beteiligung und tatkräftiger
Hilfe der lokalen Nutzer*innen, jedoch unter professioneller Anleitung einer Skatepark-
Firma und mit finanzieller Unterstützung der Stadt. Auf diese Weise könnte hier ein
großer Flow-Skatepark mit Bowl und Street-Elementen entstehen. Eine derart kosten-
günstig umzusetzende Urban Sports-Anlage mit hohem Identifikationswert für die
Szene könnte den leeren Raum unter der Brücke mit Leben füllen.
11 Dieser Ansatz könnte Modell-Charakter haben im Hinblick auf die veränderten Wünsche und Be-
dürfnisse sporttreibender Menschen und die Sicherstellung eines hochwertigen, öffentlichem Sport-
angebots.
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Für die Anlage „Lohse Rampe“ wäre es sinnvoll, eine zusätzliche, separate niedrige
Miniramp speziell für Anfänger*innen zu integrieren, welche die Nutzer*innen auf den
erhöhten Schwierigkeitsgrad der bestehenden Rampe vorbereitet.
Chorweiler – Die Urban Sports-Anlage in Blumenberg bietet das flächenmäßige Po-
tential, die Versorgungslücke im Bezirk Chorweiler zu schließen. Sie verfügt mit den
S-Bahn-Haltestellen Blumenberg und Chorweiler Nord in fußläufiger Reichweite eine
zumutbare infrastrukturelle Anbindung. Eine grundlegende Neuplanung der Anlage mit
Möglichkeiten für alle Nutzer*innen-Gruppen ist hierfür zweifelsohne notwendig.
Porz – Es bleibt abzuwarten, welche Resonanz der mobile Pumptrack zum Bedarf
einer Urban Sports-Anlage im Bezirk Porz zu Tage fördern wird. Denkbar wäre, eine
relativ große Anlage für einen reichweitenstarken Skate- und BMX-Park in Kombina-
tion mit einem permanenten Pumptrack zu schaffen. Die Groov in Zündorf scheint als
Standort eine gute Option zu sein.
Kalk – Der Bezirk Kalk bietet mit dem Um- und Ausbau der Halle59, dem neuen Ska-
tepark in Höhenberg, der neuen Parkour- und Dirt-Anlage ein umfassendes Angebot
für Urban Sports-Nutzer*innen. Standorte für weitere Anlagen wären noch in den
Stadtvierteln am Stadtrand in Brück und Rath/Heumar zu sehen.
Mülheim – Mit den bestehenden Skateparks in Mülheim am Stammheimer Ufer und
unter der Zoobrücke in Kombination mit der neuen Parkour-Anlage in Buchheim und
dem ebenfalls neuen Skatepark an der Keupstraße ist der Bezirk Mülheim aktuell gut
versorgt. Die Skateanlage unter der Zoobrücke bietet leider keinerlei Aufenthaltsberei-
che und Ablageflächen. Hier gilt es zu prüfen, ob diese noch hinzugefügt werden kön-
nen.
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Handlungsempfehlungen Übersicht
In dieser Übersicht sind nur diejenigen Projekte aufgeführt, für die eine Empfehlung
ausgesprochen wurde, die jedoch bisher noch nicht beschlossen wurden.
Über die oben empfohlenen Handlungsmaßnahmen hinaus würden weitere, in den
Modellprojekten der Sportentwicklungsplanung angedachten Urban Sports-Anlagen
eine sehr gute Ergänzung des Urban Sports-Gesamtkonzepts darstellen: Eine Indoor
Skate-Möglichkeit im Deutzer Hafen (Kähler et al., 2019, S. 111), eine Fläche für Urban
Sports und weitere Parkour-Möglichkeiten am Rendsburgerplatz (ebd. S. 116) und im
Rhein-seiteBezirk Anlage AusrichtungArt der EmpfehlungKategorie HandlungsempfehlungPrio.A-B-CLentparkSkate, InlineErweiterungKälte, Regen & DunkelheitErgänzung einer Beleuchtungsanlage BKlingelpützSkate, BMX, Inline, Scooter, WCMXNeubau/UmbauFlächendecken-des AngebotNeuplanung der gesamten Fläche AKap 686Skate, Inline, ScooterErweiterungKälte, Regen & DunkelheitErgänzung einer Beleuchtungsanlage BParkour-AnlageParkourNeubauFlächendecken-des AngebotNeubau einer 2.Parkour Anlage linksrheinisch, z.B. am GrüngürtelAShared SpotSkate, BMX, Inline, ScooterUmbauFlächendeckendes AngebotIntegration von Urban Sports auf öffentlichen PlätzenCShared SpotSkateNeubauAlters- und NutzergruppenErrichtung eines Skateplatzes mit den eingelagerten Platten der alten DomunterführungCVorgebirgsparkSkate, BMX, Inline, Scooter, WCMXUmbau/NeubauFlächendecken-des Angebot Neuplanung / Umbau der Anlage BZollstöckeSkate, BMX, Inline, ScooterBeobachtungFlächendecken-des AngebotTestballon Shared SpotCLindenthal (3)Stadtwald MinirampSkate, Inline, ScooterNeubau/UmbauFlächendeckendes AngebotUmplanung der Fläche BPumptrack TakufeldSkate, BMX, Inline, ScooterErweiterungAlters- und NutzergruppenErweiterung des Skateparks um einen Pumptrack und eine BeleuchtungsanlageAEverhard-straßeSkate, BMX, Inline, Scooter, WCMXNeubau/UmbauFlächendecken-des AngebotNeubau einer Urban Sports Anlage an der Sportanlage hinter der MoscheeASkatehalleSkate, BMX, Inline, Scooter, WCMXNeubauFlächendecken-des AngebotLinksrheinische Skatehalle ANorth BrigadeSkate, BMX, Inline, WCMXUmstrukturierungFlächendecken-des AngebotKooperation ohne Eintrittsgelder BNorth BrigadeSkate, BMX, Inline, WCMXErweiterungKälte, Regen & DunkelheitErgänzung einer Beleuchtungsanlage ALohse RampeSkate, BMX, Inline, ScooterErweiterungAlters- und NutzergruppenErgänzung um eine Anfänger*innen-Miniramp BTrails / Dirt-Anlage BMX, Dirt-Bike, MTBUmbau / ErweiterungFlächendecken-des AngebotEinrichtung von offiziell nutzbaren Trails bzw. einer 2. Dirt-AnlageBDIY Mülheimer BrückeSkate, BMX, Inline, ScooterUmbauFlächendecken-des AngebotGrundrahmen für DIY-Projekt schaffen CChorweiler (6)Skatepark BlumenbergSkate, BMX, Inline, Scooter, WCMXNeubau/UmbauFlächendecken-des AngebotUmbau/Neuplanung der Anlage APorz (7)Skate- und BMX-ParkSkate, BMX, Inline, Scooter, WCMXNeubauFlächendecken-des AngebotNeubau einer zentralen Anlage BKalk (8)Skatepark ZoobrückeSkate, BMX, Inline, ScooterErweiterungFlächendecken-des AngebotErgänzung eines Aufenthaltsbereichs C
Innenstadt (1)LinksEhrenfeld (4)Rechts
Roden-kirchen (2)Nippes (5)
71
Inneren Grüngürtel die „[b]ehutsame, naturschonende Integration einer Dirt-Bike Stre-
cke“ (ebd. S. 103).
6.4 Ausblick
Um die Handlungsempfehlungen des vorliegenden Gesamtkonzepts weiter zu konkre-
tisieren und zu priorisieren, müssen die einzelnen Maßnahmen inhaltlich verifiziert,
budgetiert und zeitlich terminiert werden. Selbstverständlich müssen vorher sämtliche
baurechtlichen Aspekte geklärt sein. Für die Umsetzung ist dann wichtig, die jeweilige
Maßnahme mit allen entsprechenden Ämtern der Stadtverwaltung (Jugend-, Sport-,
Stadtplanungsamt etc.), den Bezirksvertretungen und – ganz wichtig – den lokalen
Nutzern*innen abzustimmen.
Nach der erfolgreichen Installation und Etablierung des Urban Sports-Anlagen-Ge-
samtkonzepts ist der naheliegende nächste Schritt auch eine stärkere Einbindung die-
ser neuen Bewegungskulturen in den innerstädtischen Raum, im Sinne des in Kapitel
4.1 beschriebenen Shared-Spot-Ansatzes. Als innovative Maßnahme wird die vorhan-
dene architektonische Infrastruktur für Urban Sports nutzbar gemacht und somit die
Aktions- und Bewegungsräume in der Stadt erweitert. Perspektivisch können dann die
einzelnen Shared Spots geographisch vernetzt werden, sodass sie als organisches
„Spot-Netz“ im Ballungsraum der Stadt flächendeckend verortet sind (vgl. Mikmak,
2014). Die langfristige Vision besteht darin, ein gesamtstädtisches Urban Sports-An-
lagen-Konzept und speziell im Zentrum ein „Shared-Spot-Netz“ zu installieren. Dieser
visionäre Ansatz kann in einem dreistufigen Prozess in die Stadt integriert werden:
1. Urban Sports-Anlagen-Konzept – Urban Sports-Anlagen flächendeckend und
hochwertig
2. Shared-Spot-Ansatz – Multifunktionale Nutzung von ausgewählten, einzelnen
Stadtmöbeln / Stellen
3. Spot-Netz – Shared-Spot-Konzept als Vernetzung von mehreren Shared Spots im
Stadtzentrum
Ein erstes Shared-Spot-Modellprojekt in Richtung dieser Vision ist die Handlungsemp-
fehlung der „Zollstöcke“ im Bezirk Rodenkirchen. Unter der Voraussetzung, dass die-
ser „Test“ erfolgreich verläuft, und die Stadt hinter dem grundsätzlichen Ansatz steht,
72
ist die nächste Evolutions-Stufe ein Shared-Spot-Gesamtkonzept als Erweiterung der
vorliegenden Studie. In diesem Konzept werden dann potentielle Standorte in der
Stadt identifiziert und nach speziellen Kriterien qualifiziert, insbesondere bezüglich der
Sicherheit.
Weiter ist zu überlegen, ob nicht alle zukünftigen Urban Sports-Anlagen behinderten
gerecht, über eine barrierefreie Zugänglichkeit hinaus, im Sinne einer inklusiven
WCMX-Nutzung gestaltet werden. Auf diese Weise könnten investive Maßnahmen für
Urban Sports zu einer gleichberechtigten Teilhabe aller Menschen am Leben in Köln
beitragen (vgl. Stadt Köln und SoVD, 2019).
Als letzte Idee könnten künftig, nach skandinavischem Vorbild, grundsätzlich auch Be-
reiche von Schulfreiräumen in Köln mit Urban Sports-Raum-Angeboten ausgestattet
werden. Besonders interessant könnte dies für Ganztagsschulen mit entsprechend ge-
eignetem Außengelände sein, sollten doch laut Kähler et al. moderne Schulhöfe auch
Flächen für Skaten bieten (vgl. 2019, S. 134). Evtl. könnte das Schulamt in Koopera-
tion mit dem Amt für Kinder, Jugend und Familie und z. B. der Gesamtschule Holweide
ein exemplarisches Modell-Projekt starten. Diese Handlungsoption würde dann in be-
sonderem Maße an Relevanz gewinnen, sollte es einmal dazu kommen, Schulhöfe
außerhalb der Schulzeiten für die Kommune zu öffnen und zugänglich zu machen (vgl.
Derecik, 2015a, S. 71 ff.).
Mit dem vorliegenden Urban Sports-Gesamtkonzept verfügt die Stadt Köln nunmehr
über ein geeignetes Instrument, zukunftsträchtige Angebote für die urbanen Bewe-
gungskulturen proaktiv zu gestalten und dynamisch auf Nachfragen einzugehen.
73
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Autoren
Kilberth, Veith, Dr. (phil.) ist Diplom-Sportwissenschaftler, ehemaliger professioneller Skateboar-
der, Mitinhaber des Planungsbüros für Skateparks, Landskate GmbH, und geschäftsführender Mit-
inhaber der fine lines marketing GmbH. Promovierte an der Europa-Universität Flensburg zum
Thema Skateparks. Seine Arbeits- und Forschungsschwerpunkte sind Jugendmarketing, Trend-
sport, Stadt-Raumplanung, Skateboarding und Skateparks. Wohnhaft in Köln.
Mikmak, Wouter, Master of Science (M. Sc.) Raumplanung, Stadtplaner im Stadtplanungsamt
Nettetal, Freiberuflicher Referent mit dem Themenschwerpunkt Skateboarding und Raumplanung.
Skateboarder. Wohnhaft in Mönchengladbach.
Mitwirkung bei der Manuskripterstellung
Isbrecht, Stefan, Bachelor of Arts (B. A.) International Business & Social Sciences und Skateboar-
der (Mitarbeit im Zeitraum von 2017 bis 2018).
Beratungsverlauf (12)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
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- Aktenzeichen
- 3038/2023
- Typ
- Mitteilung Ausschuss
- Datum
- 30.10.2023
- Erstellt
- 20.09.2023 15:33