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V/0113/2007/1

Erstes Münsteraner Zukunftsgespräch (08.09.2006) "Münster - Mit Wissen erfolgreich im Standortwettbe

Vorlagen 11.06.2007

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Nächste Beratung: Rat, Sitzung am 13.06.2007, TOP 16

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Hauptvorlage V/0113/2007 inkl. Anlagen

100116 Zeichen

OBERBÜRGERMEISTER Say \s}4 ||| MÜNSTER
Münster Marketing

Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung, Verkehrsplanung

Vorlagen-Nr.:

V/0113/2007

Öffentliche Beschlussvorlage Auskunft erteilt:

Betrifft

Erstes Münsteraner Zukunftsgespräch (08.09.2006) "Münster - Mit Wissen
erfolgreich im Standortwettbewerb" - Ergebnisse und Konsequenzen

Frau Spinnen
Herr Dr. Hauff

Ruf:
492 27 00
492 61 35

E-Mail:
spinnen@stadt-muenster.de

haufftho@stadt-muenster.de
Datum:

20.04.2007

Beratungsfolge

23.05.2007 Werksausschuss Münster-Marketing Vorberatung
31.05.2007 Ausschuss für Stadtplanung, Stadtentwicklung, Verkehr und Wirtschaft Vorberatung
31.05.2007 Kulturausschuss Vorberatung
06.06.2007 Ausschuss für Soziales, Gesundheit und Arbeitsförderung Vorberatung
13.06.2007 Hauptausschuss Vorberatung
13.06.2007 Rat Entscheidung

Beschlussvorschlag:

Sachentscheidung

1.

Der Rat nimmt die Ergebnisse des „Ersten Münsteraner Zukunftsgespräches“ zur Kenntnis
(Anlagen 2 und 3).

Die Verwaltung wird beauftragt, mit der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und
der Fachhochschule Münster Gespräche zur Gründung einer „Konzertierten Aktion Wis-
senschaftsstadt Münster“ zu führen, die perspektivisch alle Hochschulen und auch die au-
Beruniversitären Forschungseinrichtungen sowie die Wirtschaft einbeziehen soll (Anlagen 3
und 4).

Der Rat nimmt zur Kenntnis, dass die Ergebnisse des Projektes „Kompetenzfeldentwick-
lung Münster“ der Wirtschaftsförderung Münster GmbH die bei der Vorbereitung des Zu-
kunftsgesprächs identifizierten Zukunftsfelder „Gesundheit/Life Science“ und „Nanotechno-
logie“ auch aus Sicht der wirtschaftlichen Entwicklung bestätigen und weiterqualifizieren.

Der Rat beauftragt die Verwaltung, das Themenfeld „Gesundheit/Life Science“ in den von
der Prognos AG vorgeschlagenen Spezifizierungen „Medizintechnik und Pharma“ und „Prä-
ventivmedizin‘ gemeinsam mit den Hochschulen, der münsterschen Wirtschaft und der
Wirtschaftsförderung Münster sowie den städtischen Fachdienststellen (v.a. Gesundheits-
planung) zu einem Marken- und Profilierungsthema für Münster zu entwickeln.

V/0113/2007

5. Die Verwaltung wird beauftragt, das Markenthema „Westfälischer Friede“ als Teil der Kon-
zertierten Aktion Wissenschaftsstadt Münster und mit geeigneten Partnern aus der Stadt
mit dem Ziel der überregionalen Positionierung und Profilierung weiterzuentwickeln (Anlage
6).

6. Die Verwaltung wird beauftragt, Projekte zu entwickeln und umzusetzen, die die Verbin-
dung zwischen Wissenschaft und Kultur als Teil des Zukunftsprofils „Wissenschaft und Le-
bensart“ für breite Bevölkerungsschichten sichtbar machen und die Stadt auch international
positionieren.

7. Die Verwaltung wird beauftragt, die von den Beschlussvorschlägen 2 - 6 nicht erfassten
Projektvorschläge des Zukunftsgesprächs unter Berücksichtigung ihrer Vernetzungs- und
Profilbildungspotenziale in Rückkopplung zu den Mitgliedern des Beirats Münster Marketing

zu prüfen und entsprechend den Prüfergebnissen Vorschläge zu ihrer Realisierbarkeit in öf-
fentlich-privater Partnerschaft zu entwickeln (Anlage 5).

Kosten/Folgekosten
Durch die vorstehenden Beschlusspunkte entstehen unmittelbar keine Kosten und Folgekosten.

Bei Bedarf werden den Ratsgremien entsprechende Beschlussvorschläge in gesonderten Vorla-
gen vorgelegt.

Begründung:

Zu 1. Münsteraner Zukunftsgespräch „Mit Wissen erfolgreich im Standortwettbewerb“

Unmittelbar nach der Gründung des Eigenbetriebs Münster Marketing hat die Stadt Münster be-
gleitet vom Beirat Münster Marketing unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Heribert Meffert
eine Zukunftsdebatte unter breitem Einbezug der Stadtgesellschaft geführt mit dem Ziel, die zent-
ralen Stadtentwicklungs- und Profilierungsfelder Münsters zu identifizieren. Das einstimmige Vo-
tum des Rates hob die Themenfelder „Wissenschaft“ und „Lebensart“ als diejenigen hervor, an
denen sich die zukünftige Stadtentwicklung vorrangig orientieren und in denen eine überregionale
bis internationale Reichweite und Wahrnehmbarkeit Münsters angestrebt werden sollte und auch
erreichbar erscheint.

Zusätzlich sind die zentralen Qualitäten der Stadtentwicklung definiert und für alle wichtigen The-
menfelder wie die soziale Balance, Kultur, Sport, etc. Leitorientierungen formuliert worden, nach
denen die einzelnen Verwaltungsressorts ihre Arbeit im Sinne eines Orientierungsrahmens und
Prüfrasters ausrichten sollen (vgl. Vorlage Nr. 118/2004 + 118/2004 E1 und Anlage 1).

Der konsequente Integrierte Stadtentwicklungs- und Stadtmarketingprozess (ISM) und vor allem
sein Ergebnis - eine klare Marken- und Positionierungsstrategie für Münster - hat bundesweit An-
erkennung gefunden. Der ganzheitliche Ansatz, der strategisch orientiert ist, und der Profilierung
vor Werbung setzt, gilt inzwischen als einzig erfolgversprechender Weg, wie die Bewertung des
ISM-Prozesses und des Münsteraner Stadtmarketings durch das Deutsche Institut für Urbanistik
(Berlin) 2006 zeigt.

Gleichwohl ist zu bemerken, dass Münster längst nicht mehr die einzige Stadt ist, die diesen Profi-
lierungsweg als „Stadt der Wissenschaft‘ geht. Städte und Regionen wie etwa Bremen und Braun-

V/0113/2007

schweig machen vor, wie mit Hilfe einer klaren Positionierungs- und Entwicklungsstrategie über
Bildung und Wissenschaft der Struktur- und Imagewandel der Städte nachhaltig bewältigt und er-
folgreich gestaltet werden können.

Die 2005 gestartete Exzellenz-Initiative, bei welcher sich die Universität Münster bislang nicht in
der Förderlinie „Zukunftskonzepte“ (in den Medien als „Eliteuniversitäten“ tituliert) durchsetzen
konnte, aber in der zweiten Wettbewerbsrunde mit insgesamt drei Initiativen in den Förderlinien
Exzellenzcluster und Graduiertenschulen in der Endauswahl vertreten ist, wirft zudem die drän-
gende Frage nach der Intensivierung und der zukünftigen Ausrichtung der Zusammenarbeit von
Stadt und Hochschulen auf.

Der Beirat Münster Marketing hat aus diesen Gründen und als Fortsetzung des Integrierten Stadt-
entwicklungs- und Stadtmarketingprozesses (ISM) beschlossen, ein erstes Münsteraner Zukunfts-
gespräch zum Thema „Münster - Mit Wissen erfolgreich im Standortwettbewerb“ durchzuführen,
um den bisherigen Umsetzungsprozess des Profils „Wissenschaft und Lebensart‘ von Stadtgesell-
schaft und Experten bewerten und Vorschläge zur Weiterentwicklung erarbeiten zu lassen. Dieses
Gespräch hat der Beirat Münster Marketing in verschiedenen Arbeitsgruppen in der ersten Jahres-
hälfte 2006 intensiv vorbereitet (siehe Anlage 5). Das Gespräch hat mit ca. 300 Teilnehmern am
08.09.2006 stattgefunden und eine Reihe von Handlungsempfehlungen formuliert (vgl. Bericht
über die Veranstaltung - Anlage 3).

Im Ergebnis wurde die Profilentscheidung aus dem Integrierten Stadtentwicklungs- und Stadtmar-
ketingprozess von allen Seiten nachdrücklich als zukunftsweisend und richtig unterstrichen. Müns-
ter hat auf dem Weg in die Wissensgesellschaft beste Voraussetzungen; allerdings konstatierte
das Zukunftsgespräch noch erkennbare Umsetzungsschwächen, die vor allem aus einer unzurei-
chenden Vernetzung der zahlreichen Akteure resultieren. Viele machen vieles richtig; aber: stärker
und klarer profilieren könnte sich Münster, wenn die zahlreichen Aktivitäten zu schlagkräftigen und
erkennbaren Projekten verknüpft würden.

Dies gilt insbesondere für die Kooperation von Stadt und Wirtschaft mit den Hochschulen. Sie hat
sich seit dem Integrierten Stadtentwicklungs- und Stadtmarketingprozess, seit den gemeinsamen
Bewerbungsprozessen „Stadt der Wissenschaft“ und der Einrichtung des Wissenschaftsbüros bei
Münster Marketing deutlich verbessert, muss aber jetzt in eine organisierte Form der Zusammen-
arbeit überführt werden.

Im Anschluss an das Zukunftsgespräch wurde Herrn Prof. Meffert aufgrund seiner großen Ver-
dienste die Paulus-Plakette durch den Oberbürgermeister verliehen. In seiner Dankesrede setzte
sich Herr Prof. Meffert mit zentralen Herausforderungen und Aufgaben für die erfolgreiche Profilie-
rung von Münster als europäischer Wissenschaftsstadt auseinander (vgl. Anlage 4).
Als wichtige Aufgaben für die Umsetzung des Zukunftsprofils „Wissenschaft und Lebensart“ wer-
den benannt:

e Die Sicherung und Weiterentwicklung der leitbildkonformen Positionierung von Münster

e Die Profilierung von Münster als Marke durch eine identitätsorientierte Markenführung

» Die Vernetzung und Institutionalisierung der Zusammenarbeit von Stadt, Wirtschaft und

Hochschulen.

Diese Anstöße unterstreichen die zentralen Ergebnisse des Zukunftsgespräches und zeigen dar-
über hinaus Instrumente zu deren Umsetzung auf.

Zu 2. Konzertierte Aktionen Wissenschaftsstadt Münster

Der entscheidende und weitreichendste Vorschlag aus dem Zukunftsgespräch ist die Initiierung
einer „Konzertierten Aktion Wissenschaftsstadt Münster“ - eine mit festen Strukturen versehene

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strategische „Allianz für Münster“, gemeinsam getragen von Stadt, Hochschulen, weiteren Wissen-
schaftsakteuren und der Wirtschaft (vgl. Ausführungen von Prof. Gerhard W. Wittkämper Anlage 3,
Seite 5). Damit soll das seit der Bewerbung zur Stadt der Wissenschaft entstandene Netzwerk der
verschiedenen Akteure zu einer Plattform weiterentwickelt werden, um langfristig die strategische
Entwicklung und Profilierung der Wissenschaftsstadt Münster zu verbessern. Dazu gehören

e die Definition von Themenfeldern, in denen Münster wissenschaftlich exzellent ist, der Wirt-
schaftsstandort über ein Zukunftspotenzial verfügt und die zum Zukunftsprofil der Stadt
passen. Die Definition und Entwicklung dieser Themenfelder ist eng mit dem Projekt „Kom-
petenzfeldentwicklung“ der Wirtschaftsförderung Münster GmbH verbunden (vgl. Be-
schlusspunkt 3 und 4).

«  geisteswissenschaftliche Kompetenzfelder und Alleinstellungsmerkmale, die die Kompe-
tenzen der Wissenschaftsstadt Münster nutzen und mit möglichst großer Reichweite wahr-
nehmbar machen, wie z.B. die Aktivitäten zur Markenbildung „Westfälischer Friede“ (vgl.
Beschlusspunkt 5).

«  Schlüsselprojekte, die geeignet sind, den Transfer zwischen Wirtschaft und Wissenschaft
zu optimieren und zu forcieren.

«e die Entwicklung eines gemeinsamen Marketingkonzeptes.

Die Hochschulen und die Wirtschaft haben bereits ihrerseits zu dieser Art der Kooperation ihre
Bereitschaft erklärt, zu der sowohl eine strategische als auch eine operative Ebene gehört. Bei den
Vorbereitungen zum Zukunftsgespräch und den Vorgesprächen zur Konzertierten Aktion Wissen-
schaftsstadt haben sich zunächst „Gesundheit/Life sciences“, „Nanotechnologie“ und der „Westfä-
lische Friede“ als tragfähige Profilierungsthemen herausgestellt.

Wie bereits vorstehend beschrieben, ist es Ziel der Konzertierten Aktion Wissenschaftsstadt Müns-
ter, die Austauschprozesse zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu intensivieren. In engem Dia-
log zwischen Wissenschaft und Wirtschaft sollen moderiert und unterstützt durch die Wirtschafts-
förderung Lösungen entwickelt werden, die eine Professionalisierung des Wissenstransfers errei-
chen sollen.

Grundsätzlich geht die „‚Konzertierte Aktion Wissenschaftsstadt Münster“ weit über die Intensivie-
rung der rein ökonomischen Austauschbeziehungen hinaus. Ziel ist die breite Verankerung des
Thema „Wissenschaft“ in allen Bereichen der Stadtgesellschaft.

Zu 3. und 4. _Kompetenzfeldentwicklung und Konzertierte Aktion Wissenschaftsstadt

Zeitgleich mit dem Prozess der „Konzertierten Aktion Wissenschaftsstadt Münster“ und inhaltlich
mit diesem verknüpft hat die Wirtschaftsförderung Münster gemeinsam mit Vertretern der münster-
schen Wirtschaft die Firma Prognos damit beauftragt, wachstumsstarke Zukunftsthemen für Müns-
ter und das Münsterland zu identifizieren, mit denen eine strategische Perspektive für Münsters
Wirtschaft entwickelt werden kann.

Dabei geht es darum, neben der flexiblen und breit angelegten Wirtschaftsförderung neue The-
menfelder aufzustellen, die in Münster

e bereits jetzt stark vertreten sind
e eine gewisse Alleinstellung versprechen
e und Zukunftspotenzial besitzen.

Die Vorschläge der Firma Prognos für eine Profilierung des Wirtschaftsstandortes Münster / Müns-
terland beziehen sich durchweg auf Wirtschaftsfelder, die eine große Nähe zur Wissenschaft auf-
weisen. Sie ergänzen und konkretisieren die Ergebnisse aus der „Konzertierte Aktion Wissen-

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schaftsstadt“ im Bereich Gesundheit/Life Sciences und Nanotechnologie, fokussieren auf die Po-
tenziale der zukünftigen wirtschaftlichen Entwicklung und bilden die Basis für eine zielgerichtete
Diskussion mit der Landesregierung NRW im Zuge der Neuorientierung der Wirtschafts- und Inno-
vationspolitik (Stärken stärken) und der Einwerbung von Mitteln aus dem Förderprogramm EFRE
2007-2013. Die Prognos AG schlägt vor, Projekte für die folgenden fünf Kompetenzfelder zu ent-
wickeln:

NanoBioAnalytik in Medizintechnik und Pharma
Medizinische Prävention

Coatings & Prozessstoffe

Geoinformation

Betriebliche Outsourcing-Dienstleistungen

apronn

Für die Profilierung Münsters als Wissenschaftsstadt und als Wirtschaftsstandort werden vor allem
zwei Cluster aus dem Medizinbereich vorgeschlagen. Dies ist zum einen das Themenfeld „Nano-
BioAnalytik in Medizintechnik und Pharma“, zum anderen das Kompetenzfeld „medizinische Prä-
vention“. In den nächsten Monaten sollen in speziellen Arbeitsgruppen aus Wirtschaft und Wissen-
schaft zu allen fünf Kompetenzfeldern besondere Umsetzungsprojekte entwickelt werden. Die
Markenthemen „medizinische Prävention“ und „NanoBioAnalytik in Medizintechnik und Pharma,
werden gemeinsam von Münster Marketing und der Wirtschaftsförderung mit Vertretern aus Wis-
senschaft und Wirtschaft weiterentwickelt und in eine Kommunikationsstrategie für verschiedene
Zielgruppen - nicht nur wirtschaftlich relevante - übersetzt.

Darüber hinaus soll das Thema „Gesundheit/Life Sciences“ mit dem Fokus auf der vorbeugenden
Medizin über die rein wirtschaftlich orientierte Kompetenzfeldentwicklung hinaus auch die Qualitä-
ten Münsters als Stadt mit funktionierenden Gesundheitsnetzwerken, mit einer gesundheitsbe-
wussten, sportlich aktiven und durch die Gesundheitsbildung ansprechbaren Bevölkerung umfas-
sen. In dieser Breite erfüllt das Themenfeld die Anforderungen an ein Markenthema, das Münsters
Profil als Wissenschaftsstadt mit Lebensart stärkt, für verschiedene Zielgruppen übersetzt und für
die Stadtentwicklung breit nutzbar macht.

Das Profilthema „Gesundheit/Live Sciences“ ist mit den Ratsbeschlüssen „Gesundheitsstadt Müns-
ter - Gesundheitswirtschaft als Standortfaktor“ (Vorlage Nr. 139/2003) und „Integriertes Stadtent-
wicklungs- und Stadtmarketingkonzept Münster (ISM). Münster-Profil, Leitorientierungen und Leit-
projekte“ (Vorlage Nr. 118/2004 E 1), Anlage 5, bereits vorbereitet.

Mit Beschluss 404/2003 hat die Stadt Münster ihre Bereitschaft zur Übernahme der Bundesge-
schäftsstelle des Gesunde Städte-Netzwerkes der Bundesrepublik Deutschland erklärt. Das Ge-
sunde Städte-Netzwerk, initiiert durch das WHO-Projekt Healthy Cities, ist ein Zusammenschluss
von derzeit 63 Städten und Kreisen bundesweit. Zu den Zielen des Netzwerkes gehört u.a. Ge-
sundheitsförderung und Prävention als gesellschaftspolitische Aufgabe im öffentlichen Bewusst-
sein zu verankern. Seit 2003 wird vom Gesundheitsamt Münster aus erfolgreiche bundesweite
Gesunde Städte-Arbeit geleistet. Sie bringt der Stadt nicht nur Anerkennung, sondern auch Wis-
senspotenzial. Kontakte werden auf unterschiedlichen Ebenen gepflegt.

Zu 5. Westfälischer Friede

Spätestens seit den Feierlichkeiten 1998 (350 Jahre Westfälischer Friede) ist deutlich geworden,
dass Münster als Stadt des Westfälischen Friedens in Europa eine erkennbare Alleinstellung hat
und in dieser auch wahrgenommen wird. Knapp 10 Jahre nach dem Jubiläum zeigt sich zudem,
wie politisch aktuell die Thematik und wie drängend die Probleme in der Welt angesichts drohen-
der Verteilungskämpfe um knapper werdende Ressourcen und neue ethnische und konfessionelle
Konflikte geworden sind.

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Im Integrierten Stadtentwicklungs- und Stadtmarketingprozess und erneut im Rahmen des Ersten
Münsteraner Zukunftsgespräches ist die Bedeutung des Westfälischen Friedens für die Stadtiden-
tität und das Stadtprofil Münsters hervorgehoben geworden. Dem Rat wird daher hiermit vorge-
schlagen, das Thema „Westfälischer Friede“ in einer offenen Programmatik zukunftsgerichtet und
auf aktuelle politische Situationen bezogen mit den Hochschulen und weiteren wichtigen Partnern
in der Stadt für eine Profilierung Münsters in Europa aufzubereiten und zu entwickeln. Der inhaltli-
che Fokus soll sich dabei weniger auf den Westfälischen Frieden als staats- oder völkerrechtliches
Vertragswerk richten, sondern vielmehr auf die Konfliktbewältigung und Friedenssicherung in den
Verhandlungen am Ende des 30jährigen Krieges. Schließlich soll es darum gehen, einen Beitrag
zur Entwicklung neuer Instrumentarien und Verfahren zur Konfliktvermeidung, Konfliktlösung und
Friedenssicherung zu entwickeln (Konzept siehe Anlage 6).

Wie richtig die Stadt mit diesem Konzept liegt, zeigt sich u.a. daran, dass der Deutsche Städtetag
und das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Wissenschaftsjahr 2007 als einen Pro-
jektpartner im Themenfeld „Freiheit der Religion - Freiheit der Entwicklung“ gemeinsam mit Kon-
stanz (Konstanzer Konzil) und Wittenberg (Luther) Münster mit dem „Westfälischen Frieden“ nomi-
niert hat. Die Kooperation mit den Partnerstädten im Rahmen der Initiative „Die Geisteswissen-
schaften. ABC der Menschheit“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, des Deut-
schen Städtetags und des Zentrums für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe (ZKM) in Karlsru-
he ist unbedingt dazu geeignet, Münster auch überregional mit diesem Konzept zum „Westfäli-
schen Frieden“ bekannt zu machen. Münster unterscheidet sich dabei auch von der Stadt Osna-
brück, die sich als „Friedensstadt“ eher allgemein profiliert. Gleichwohl ist auch mit dieser Koopera-
tion die Profilierung Münsters als „Stadt des Westfälischen Friedens“ noch nicht langfristig in der
europäischen Wahrnehmung verankert wie das etwa 1998 mit der Europaratsausstellung und dem
Besuch der europäischen Königshäuser in Münster gelungen ist oder wie es der Stadt Aachen mit
dem Karlspreis immer wieder gelingt. Die Anstrengungen der „Konzertierten Aktion“ müssen sich
daher in erster Linie darauf richten, ein Konzept für Münster zu entwickeln, das die Stadt auch in-
ternational zu einer der wichtigsten Adressen für die Fragen von Toleranz, Dialog und internationa-
ler Verständigung macht.

Neben der Durchführung einer jährlichen Veranstaltungswoche um den 24. Oktober (zum Konzept
siehe Anlage 6) und der im zweijährigen Rhythmus stattfindenden Verleihung des Friedenspreises
der Westfälischen Wirtschaft ist daher auch geplant, möglichst kurzfristig eine Internetplattform
„Westfälischer Friede - gestern.heute.morgen“ zu erstellen und das Profilthema prominent auf der
Startseite des städtischen Internetauftritts zu platzieren. Die Plattform wird das bestehende und auf
ständige Weiterentwicklung ausgerichtete Netzwerk „Westfälischer Friede“ darstellen und Verlin-
kungen zu allen anderen Partnern anbieten. Dadurch sollen diese ihrerseits auch von einer inten-
siven und gebündelten Öffentlichkeitsarbeit profitieren.

Im Fokus der Veranstaltungswoche zum „Westfälischen Friede“ 2006 stand das Netzwerk „Huma-
nitäre Hilfe“, das auf das „Kompetenzzentrum Humanitäre Hilfe“ der Fachhochschule Münster zu-
rückgeht. Das Netzwerk besteht aus Einrichtungen der Fachhochschule, der Universität, zahlrei-
chen Hilfsorganisationen (Deutsches Rotes Kreuz, Feuerwehr, Katastrophenschutz), dem 1.
Deutsch-Niederländischen Korps, dem Lufttransportkommando, münsterschen Schulen und Kul-
tureinrichtungen sowie freien, nicht institutionalisierten Akteuren.

Das in 2006 entwickelte Veranstaltungskonzept soll auf der beschriebenen Grundlage weiterentwi-
ckelt werden und auch in den Jahren zwischen der Friedenspreisverleihung möglichst überregional
wahrnehmbar sein. Die Arbeit des Netzwerkes „Westfälischer Friede“ wird als ein Projekt der
„Konzertierten Aktion Wissenschaftsstadt“ verstetigt und in enger Kooperation mit den Hochschu-
len und weiteren Partnern aus Münster weiterentwickelt. Die wissenschaftliche Projektleitung hat
der ehemalige Leiter des Stadtarchivs Prof. Dr. Franz-Josef Jakobi übernommen.

V/0113/2007

Das offene Veranstaltungsprogramm wird in diesem Jahr in enger Kooperation mit dem Team um
Prof. Dr. Barbara Stollberg-Rilinger und Prof. Dr. Hubert Wolf von der Westfälischen Wilhelms-
Universität durchgeführt, das sich gerade mit einem umfangreichen Forschungsprogramm zum
Thema „Religion und Politik in den Kulturen der Vormoderne und Moderne“ im Wettbewerb der
deutschen Hochschulen um die Bewilligung von Exzellenz-Clustern befindet.

Zu 6: Verbindung zwischen Wissenschaft und Lebensart / Wissenschaft und Kultur

Eine Wissenschaftsstadt mit Lebensart muss zwingend ein entsprechendes und vielfältiges
Kulturangebot vorhalten und dies auch in der Außenkommunikation darstellen, will sie in der Au-
Renwahrnehmung als solche glaubwürdig sein. Dies ist eine wichtige Grundlage für eine erfolgrei-
che Konzertierte Aktion Wissenschaftsstadt mit überzeugender Strahlkraft. Die Leitorientierung für
die Kultur im ISM-Prozess (Wir wollen als ein kulturelles Zentrum unseres Landes Projekte mit
internationaler Ausstrahlung entwickeln) gilt daher noch immer ausdrücklich als Zielvorgabe für
den Kulturstandort Münster.

Die Verbindung zwischen Wissenschaft und Kultur ist für Münster ausgesprochen prägend.

" Die studentische Kultur macht große Teile des kulturellen Lebens der Stadt aus. Institutionen
wie das Theater im Pumpenhaus oder die soziokulturellen Zentren Kreativhaus und cuba, aber
auch viele andere freie Kulturgruppen sind ohne die Hochschulen in Münster nicht denkbar.

" Das kulturell interessierte Publikum Münsters setzt sich in großen Teilen aus dem Umfeld der
Hochschulen zusammen. Ohne sie fehlten den nach wie vor hervorragenden und vielfältigen
kulturellen Angeboten schlichtweg die Abnehmer.

"= Die Hochschulen sind selbst Träger von zahlreichen Kultureinrichtungen, z.B. den wissen-
schaftlichen Museen. Die Musikhochschule und die Kunstakademie sind gar wichtige Ausbil-
dungsorte für junge Künstler und Künstlerinnen mit einer durchweg internationalen Klientel.

Dennoch ist die Verbindung zwischen Wissenschaft und Kultur in Münster weiter ausbaufähig, was
ihre Sichtbarkeit und vor allem was die (internationalen) Reichweiten bei Kulturprojekten anbe-
langt.

Der Weiterentwicklung der kulturellen Infrastruktur in Münster durch die Investitionen von Land-
schaftsverband Westfalen-Lippe, Land Nordrhein-Westfalen, Universität und Stadt in den nächsten
Jahren kommt daher eine große Bedeutung für die Markenführung der Stadt mit Wissenschaft und
Lebensart zu. Vom Schlossplatz aus wird mit der geplanten Musikhalle und den Kongressfaszilitä-
ten für wissenschaftliche Kongresse eine städtebauliche Verbindung über die Pferdegasse herge-
stellt, wo sich die bedeutenden universitären Museen wie zum Beispiel das Archäologiemuseum,
das Bibelmuseum etc. konzentrieren werden. Die Museumszeile bindet das neue LWL-
Landesmuseum ein und führt über das Picasso-Museum in die Innenstadt.

Dass diese städtebauliche Verbindung keine zufällige und zudem hervorragend geeignet ist, die
Verbindung von Wissenschaft und Kultur sichtbar zu machen, soll durch ein gemeinsames Marke-
ting aller Einrichtungen und gegebenenfalls durch Kooperationsprojekte für Münsters Bürgerinnen
und Bürger und für seine Gäste erkennbar werden.

Auch das Konzept „Westfälischer Friede“ - entwickelt und bestätigt durch die Arbeitskreise Kultur
beim ISM-Prozess und im Zukunftsgespräch scheint geeignet, Münster als Kulturstadt international
zu positionieren und soll daher ein zentrales Profilierungsfeld der Wissenschaftsstadt Münster wer-
den (vgl. Begründung zu 2. und 5., Anlage 6).

V/0113/2007

Zu 7. Umsetzung der weitere Projektvorschläge aus dem Zukunftsgespräch

Zur Vorbereitung des Zukunftsgespräches sind in vier verschiedenen Arbeitskreisen des Beirats
Münster Marketing unter Hinzuziehung weiterer Fachleute unter einer klaren Fragestellung konkre-
te Projektvorschläge entwickelt worden (siehe Anlage 5). Sie sind als Ideenpool zu verstehen und
sollten daher auf ihre Umsetzbarkeit geprüft werden. Die Projektvorschläge verfügen über eine
sehr unterschiedliche Tiefenschärfe; einige befinden sich bereits in der Umsetzung.

Ein großer Teil der Projektvorschläge wird durch die Beschlussvorschläge zur „Gründung der Kon-
zertierten Aktion“, zur Entwicklung der Kompetenzfelder „Gesundheit/Life Science“ und „Westfäli-
scher Friede“ sowie durch die Hervorhebung und Sichtbarmachung der „Verbindung Wissenschaft
und Kultur“ aufgegriffen. Auch für hiermit noch nicht erfasste Projekte ist zu prüfen, ob sie geeignet
und umsetzbar sind, die Rolle Münsters als Stadt des Wissens und im Standortwettbewerb zu
stärken. In diesem Kontext sind beispielsweise Vorschläge zu thematisieren, die mit der Industrie-
und Handelskammer Nord-Westfalen und der Handwerkskammer Münster an der Spitze auf eine
Profilierung Münsters als exzellentem Ausbildungsstandort und auf die die Stärkung der Weiterbil-
dung und des lebensbegleitenden Lernens abzielen. Industrie- und Handelskammer Nord-
Westfalen und die Handwerkskammer Münster haben bereits ihre Bereitschaft signalisiert, sich in
diesem Themenfeld zu engagieren.

IV.

gez.
Schultheiß
Stadtdirektor

Anlagen

e Anlage 1: Zukunft macht Geschichte - Ziele und Leitorientierungen für die Zukunft von Müns-
ter (Beschluss des Rates 26.05.2004)

e Anlage 2: Vortrag von Herrn Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Meffert im Zukunftsgespräch

e Anlage 3: Bericht über das Zukunftsgespräch am 08.09.2006

e Anlage 4: Dankesrede von Herrn Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Meffert anlässlich der Verleihung der
Paulus-Plakette

e Anlage 5: Ergebnisse der Arbeitskreise des Beirats Münster Marketing zur Vorbereitung des
Zukunftsgesprächs

e Anlage 6: Jährliche Veranstaltungswoche zur Erinnerung an den Westfälischen Frieden

V/0113/2007

Anlage 1
zur Vorlage Nr. V/0113/2007

Unser Fundament

Wir sind eine Stadt mit hohem
Verantwortungsbewusstsein

« für gute Erziehungs-, Bildungs- und Lebensper-
spektiven unserer Kinder und Jugendlichen

*. für eine familienfreundliche und generationsge-
rechte Stadtentwicklung

« für eine umfassende Teilhabe von Menschen mit
Behinderungen am städtischen Leben

* für eine Gleichstellung von Mann und Frau in
allen Bereichen der Stadtgesellschaft

* für die Stärkung des Grundsatzes der
Subsidiarität und Förderung bürgerschaftlicher
Eigenverantwortung und der freien Träger

e für soziale Solidarität zwischen allen Teilen
der Bürgerschaft

« für eine gute Nachbarschaft von Menschen
deutscher und ausländischer Herkunft

* für die Pflege des interkulturellen Lebens.

e für die Notwendigkeit nachhaltiger Zukunfts-
gestaltung

» für lokale und globale Zusammenhänge
e für friedenssicherndes und humanitäres Handeln

Wir wissen um die besondere Bedeutung unserer
Stadtteile und werden auch in Zukunft für deren
Lebendigkeit und Funktionsfähigkeit Sorge tragen

Wir wissen um die enge Verbindung von Stadt,
Münsterland und Westfalen und werden daher
besondere Verantwortung für eine gemeinsame
Entwicklung übernehmen

Wir setzen weiterhin auf bürgerschaftliches
Engagement, auf ein vielfältiges städtisches Leben
und auf das besondere Münster-Gefühl all derer,
die sich mit unserer Stadt verbunden fühlen

Unser Profil
Wissenschaft und Lebensart

Unsere Leitorientierungen

Wir werden einer der führenden Bildungs-,
Wissenschafts-, Forschungs- und Entwicklungs-
standorte in Europa

Wir werden als Wirtschaftsstandort die Stadt
des dynamischen Mittelstandes in Nordrhein-
Westfalen

Wir werden als ein kulturelies Zentrum unseres
Landes Projekte mit internationaler
Ausstrahlung entwickeln

Wir wollen das Zentrum für Verwaltungen und
Institutionen sowie für öffentliche und private
Dienstleistungen in Westfalen bfeiben und an
ihrer Modernisierung aktiv mitwirken

Wir werden das unverwechselbare Stadtbild
bewahren und die City als Ort der Begegnung,
als Marktplatz und als Motor der Stadtent-
wicklung stärken

Wir werden Münster zu einer Stadt mit höchster
Lebens- und Erlebnisqualität weiterentwickeln:
e mit hoher Umwelt- und Naturqualität
e mit breitem Freizeit- und Sportangebot
® mit hohem Wohnwert, Familienfreundlichkeit
und sozialer Balance in der Stadtgeseilschaft

Wir werden Münster auf der Basis unserer
Geschichte und des Prinzips von „Toleranz
durch Dialog” zu einer weltoffenen Stadt
weiterentwickeln

Wir setzen uns weiterhin dafür ein,
dass Münster nachhaltig lebenswert bleibt -
als Stadt im Gleichgewicht!

Vom Rat der Stadt Münster am 26. Mai 2004 beschfossen,

(0

=

iD

Anlage 2
zur Vorlage V/0113/2007

1. Münsteraner Zukunftsgespräch

Warum muss Münster sich als
„regionale“ Wissenshauptstadt profilieren?

Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Heribert Meffert

Münster, 08.09.2006

(© Pror, Dr_Dr_n.c, mut, H_ Melten, Marketing Centrum Münster En

1. Bedeutung Stadtmarketing und Stadtentwicklung

2. Ziel und Vorgehensweise Beirat Münster Marketing

(© Prot. Dr. Or ne_mut_H. Meiten, Markeling Centrum Münster 2

Aktuelle Herausforderungen im Standortwettbewerb

Technologischer Fortschritt im
Transport-, Informations- und
Kommunikationssektor

Wettbewerb
der Städte

Internationale
Vernetzun -

Standortunabhängigkeit
vieler Unternehmen

Wandel von
„Ordnungs“- zur Wertewandel
„Dienstleistungs- und
verwaltung“ Demographischer
Wandel

Knappe finanzielle

Mittel

(© Prof_Dr.Dr_ he, mul, H_Meffert, Marketing Genirum Münster

Wi

Kulturhauptstadt 2010

Dresden. |

Stadt der |
issenschaft 2006 |

Bremen
FU Berlin

Würzburg
Heidelberg
Karlsruhe
Tübingen
teiburg TUm, LMU,

10 Hochschulen im Exzellenzcluster

11 Metropolregionen

(© Prot_Dr.Dr_he_ mu H_ Merten, Marketing Gentrum Münster

En

Strategische Ausrichtung der Stadtpolitik

wonssit

0 TT—

Wettbewerbsvorteile
im Standortwettbewerb
(KKV)

Märkte

Ressourcen

5Ps

mm " Perspektive

Position

» Plan
> = Programm

= Prozess

> Stadtentwicklung und Stadtmarketing

© Prot. Dr. Dr. he, mut, H, Meiterl, Markeling Centrum Münster ER

Meilensteine des Münsteraner Stadtmarketing

Integrierter Stadtmarketing (ISM) Prozess Pe.

LivCom Award
Bewerbung

Wissenschaftsstadt

/ Gründung der

\deenschmiede

Bewerbung
Kulturhauptstadt/

1. Münsteraner
Zukunftsgespräch |,

Symposium
„Stadtvisionen“ |

Workshop |
„Stadtmarketing“

Start
Lokale Agenda 21

Image Studie:
Selbstbild- und
Fremdbild

I
Leitbild- und

Markenentwicklung

Begleitung durch Politik (Anträge von CDU, FDP, GAL und SPD-Fraktionen) und Verwaltung
Y } \ I ! \ } II I
t
1987 1989 [ 1996 | | 1998 2001-02 2003 2004 2005 | | 2006

[Eerelpn Dune mann aren Varkeing Cena Münster =. |

Verständnis von Stadtentwicklung
und Stadtmarketing als...

...integrierter Prozess (ISM-Prozess)

Auerightuf une ee
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aller Aktivitäten ie Bedürfnis
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[ Profilierung als attraktive Stadt im Wettbewerb

Ergebnis des ISM-Prozesses: Leitbild für Münster

Humankapital

8 Lebensqualität |

“ | “
SA ESCE BELLE] | „Lebensart |
Unternehmen Bürger
Wissenschaftler ® Touristen
Humankapital als Lebensqualität als
Standortfaktor für Standortfaktor für
Unternehmen Humankapital

Profilierung der Stadt Münster
als attraktiven Standort im Wettbewerb

© Prot Dr. Dr_h.c, mul, N, Meiten, Marketing Centrum Münster

Agenda

1. Bedeutung Stadtmarketing und Stadtentwicklung

2. Ziel und Vorgehensweise Beirat Münster Marketin

(© Prot_ Dr Dr. n.c. mut, H_ Meier, Marketing Genirum Münster 8.

Ausgangsfrage und Ziel der Münsteraner

Zukunftsgespräche

Zentrale Fragestellung

» Was bedeutet die Wissensgesellschaft für die Zukunft der
Europäischen Stadt?

= Welche Maßnahmen sind erforderlich, um im internationalen
Städte- und Standortwettbewerb zu bestehen?

| Ziel

® Profilierung von Münster als regionale Wissenschaftshauptstadt

(© Prot. Dr. Dr.n.c mul, H_Metfert, Marketing Gentrum Münster

Vorgehensweise der Arbeitskreise

| Identifikation von Erfolgsbeispielen
| wissensbasierter Städtepolitik

Aachen Dresden Freiburg Maastricht

It

Ermittlung von Stärken und Schwächen der Stadt Münster

Ableitung von Chancen und Risiken der Stadt Münster

Strategieentwicklung und Handlungsempfehlungen

© Prol_Dr. Dr. hc, mult, N. Meilen, Markeling Gentrum Münster SIE

Best Practices im Stadtmarketing

A Freiburg” N Dresden. N

Elemente

Marke und Profil |
Uni Freiburg

Markenwerte
Stadt Freiburg

Wirtschaft. | Wissenschaft.) | Kultur | ;

% Stadt | [Bevötkerung

Erfolgreiche Verbindungen

Forschungsschwerpunkte und
Kompetenzzentren in

\ Universität und Wirtschaft

© Prot_ Dr Dr_ ne mut H, Velten, Marketing Centrum Münster

SWOT Stadt Münster - Gesamtüberblick

Stärken Schwächen

|
| ® Dichte und Qualitä Bildungs- " Vernetzung und Dialog zwischen Stadt, |
einrichtungen (insbes. Hochschulen) Hochschulen und Wirtschaft zu wenig

ürger ausgepräg
® Hochschulen: wenig profiliert
= Unternehmen: wenige Großkonzerne

und Unternehmenszentralen

ı = Hohe Lebensqualität
\ * Intakte Infrastrüktur
» Demographie unge Stadt)

|
\
| Chancen Risiken

| * Profilierung mit Allei nd Qualitätsverlust im

merkmalen (Exzelle

g5- " Bedeutungs

Lebensart Konsegrfent nutzen Wissenschaftler
sinkende Kaufkraft
Abwanderung von Betrieben

© Fret_ Dr, Dr. R.c_ mut, H, Meften, Marketing Gentrum Münster BER

Kriterien für Leuchttürme / Kompetenzfelder

\ Innovativ |

International |

‚Wirtschaftlich relevant
Wohlfühlen (Lebensart)

EEE RER |

J

(© Prot_ Dr. Dr he, mult_H. Meifer, Marketing Gentrum Munster 142

4 Arbeitskreise — 15 Sitzungen

Funsst

u

. . | \  Bildung/ | |  Urbanität/ |
Wissenschaft Wirtschaft | | Kultur | | Lebensart
| | |
| | | |
3 Sitzungen 4 Sitzungen | $ Sitzungen | | 3 Sitzungen
Hr. Bourichter | | | | Fr. Dr.
Rolle Zul Hr. Schulte- | | Hr. Dr. Armhold | | KanlErEBunkeiil
Hr. Dr. Jubelius Vebbing | | Hr. Dr. Winkler | Hr. Hölker
Hr.Viehofft | | | |
| |
Wissenschaft und Lebensart

(© Prot_Dr. Dr. he. mull_H. Meftert Marketing Centrum Münster 15.

IE

Zu beantwortende Fragen der Arbeitskreise

unge

q Warum ist das Thema „Wissen“ und „Wissenschaft“ aus
Sicht ihres Arbeitskreises relevant?

Wie schätzen Sie die Ausgangsposition Münsters ein?

2 1
@ Stärken Schwächen. Chancen Risiken

© Was schlagen Sie vor, um Münster weiter als „Wissensstadt

mit europäischer Ausstrahlung“ zu profilieren?

© Prot_Dr. Dr. b.c. mu H,Melfert Marketing Centrum Münster

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

(© Pro. Dr. Dr_he_mult_H_ Merten, Markt

Anlage 3
zur Vorlage Nr. V/0113/2007

Bericht über das Erste Münsteraner Zukunftsgespräch „Münster — Mit Wissen
erfolgreich im Standortwettbewerb“ (08.09.006, 13.00 h - 17.20 h, Rathausfest-
saal)

Herr OB Dr. Tillmann eröffnete das Zukunftsgespräch und begrüßte die Anwesen-
den. In seinen Ausführungen „Quo vadis Münster — Strategien für Münster“ ver-
deutlichte er, dass Münster sich mitten im Strukturwandel und in einem harten Städ-
tewettbewerb befindet. Auf Basis des Integrierten Stadtentwicklungs- und Stadtmar-
ketingprozesses (ISM-Prozess) ist in großem Konsens die Grundsatzentscheidung
getroffen worden, sich bei der weiteren Entwicklung an dem Zukunftsprofil „Wissen-
schaft und Lebensart“ zu orientieren.

OB Dr. Tilimann betonte, dass Wissenschaft ein entscheidender Motor für die Zu-
kunftsfähigkeit von Münster ist und dass die wirtschaftliche Entwicklung in allen
Branchen eng an die Nutzung des wissenschaftlichen Potenzials gebunden ist. Auf
dem Weg zur „Stadt des Wissens“ spielen Bildung, Kultur und Lebensqualität, aber
auch eine stabile soziale Balance wichtige Rollen.

Er machte deutlich, dass trotz der erreichten Fortschritte noch eine Reihe offener
Fragen bestehen, die handlungsorientiert diskutiert werden müssen. Beispielhaft
wies er auf die Chancen von Münster als Bildungs- und Wissenschaftsstadt im Wett-
bewerb, die Chancen der großen Milieupluralität in Münster und die Verbindung von
Tradition und Zukunft hin. OB Dr. Tillmann bedankte sich beim Beirat Münster Marke-
ting und insbesondere bei Professor Meffert für seine Initiative zum Zukunftsge-
spräch und bei der Bertelsmann Stiftung für ihre Unterstützung bei der Vorbereitung.

Die Ausführungen von Dr. Johannes Meier, Mitglied des Vorstands der Bertelsmann
Stiftung, standen unter dem Titel „Kommunen schaffen Zukunft“. Angesichts der
„Megatrends“ der Globalisierung und des demographischen Wandels sowie einer
zunehmenden Differenzierung von Bildungsbiographien hob er die zentrale Rolle von
Bildung und Erziehung hervor. Er machte deutlich, dass der globale Wettbewerb
„keine lokalen Befindlichkeiten“ kennt und forderte für die lokale Ebene mehr Ange-
botstransparenz, eine Vernetzung der Träger, ein ressortübergreifendes Prozessma-
nagement und eine Kultur der Prozessverantwortung.

Professor Walter Siebel, Stadtsoziologe an der Carl von Ossietzky Universität Ol-
denburg, setzte sich mit der Frage einer „Renaissance der Europäischen Stadt in
der Wissensgesellschaft“ auseinander. Dabei konzentrierte er sich auf die Kenn-
zeichen der europäischen Stadt, stadtrelevante gesellschaftliche Veränderungen
(z.B. Globalisierung, ökonomischer Strukturwandel, demographischer Wandel, ver-
ringerte kommunale Handlungsspielräume) und Tendenzen für eine neue Attraktivität
von Städten als Wohn- und Arbeitsorte.

Professor Siebel machte deutlich, dass die Wissensökonomie urbane Standorte be-
vorzugt, da Hintergrund- und Kontextwissen an urbane Milieus gebunden sind. Neue-

1

ren Untersuchungen zufolge wird die urbane Lebensqualität zunehmend zur Grund-
lage für die städtische Wirtschaftspolitik, da sich die hochqualifizierten Beschäftigten
in kreativen Berufen an urbanen Milieus orientieren, d.h. an Städten, deren Bildungs-
und Kulturangebot, deren Toleranz und deren differenzierte Szenen besonders aus-
geprägt sind. Unter den Bedingungen einer Wissensökonomie ziehen demnach nicht
mehr Arbeitskräfte zu den Betrieben, sondern die Betriebe ziehen dorthin, wo qualifi-
zierte Arbeitskräfte gerne leben möchten.

Dr. Rene Perillieux, Booz Allen Hamilton GmbH, konzentrierte sich in seinem Vor-
trag „Kompetenzfelder im Wettbewerb - Was kann Münster von erfolgreichen
Wirtschaftsregionen lernen“ anhand von Fallstudien auf Erfolgsfaktoren für regio-
nale Kompetenzzentren. Er machte deutlich, dass anstelle lose koordinierter Einzel-
maßnahmen ein integrierter Regionalentwicklungsansatz notwendig ist, der vorhan-
dene Fähigkeiten nützt, die einzelnen Aktivitäten eng abstimmt und ein starkes Ge-
wicht auf Innovationen und Zukunftstechnologien legt. Die Entwicklung des Kompe-
tenzprofils für Berlin und die Konzeptentwicklung für die Dubai Health Care City ver-
anschaulichten die Tragfähigkeit dieses Ansatzes.

Bezogen auf Münster stellte Dr. Perillieux die zahlreichen Aktivitäten zur Positionie-
rung, die Ansätze zur Identifizierung potentieller „Leuchttürme“ sowie das hohe En-
gagement der Akteure heraus. Er plädierte für die Identifikation und Auswahl von
„Leuchttürmen“ nach klaren Zielvorgaben mit einer professionellen Projektsteuerung
und klarer Realisierungsorientierung. Der Prozess zur Identifikation von „Leuchttür-
men“ wurde exemplarisch am Beispiel der Prävention behandelt.

Professor Dr. Dr. h.c. mult. Meffert, Vorsitzender des Beirats Münster Marketing,
beschäftigte sich mit der Frage „Warum muss Münster sich als regionale Wis-
senshauptstadt profilieren?“ (vgl. Anlage 2). Er stellte heraus, dass Münster dem
Wettbewerb in vielfältiger Weise begegnet und forderte daher als Antwort eine stra-
tegische Ausrichtung der Stadtpolitik, die im Spannungsfeld zwischen Ressourcen
und Märkten entsprechende Wettbewerbsvorteile erzielen muss. Ziel ist die Profilie-
rung von Münster als einem attraktiven Standort im Wettbewerb anhand des Leitpro-
fils „Wissenschaft und Lebensart“.

Im zweiten Teil des Vortrags skizzierte Professor Meffert das Vorgehen des Beirats
Münster Marketing bei der Vorbereitung des Zukunftsgesprächs. Ausgehend von
dem Ziel, Münster als „regionale“ Wissenshauptstadt im Wettbewerb zu profilieren,
hat der Beirat Münster Marketing vier Arbeitskreise gebildet, die Stärken-Schwächen-
Analysen und Chancen-Risiko-Analysen für Münster durchgeführt sowie Strategie-
und Handlungsempfehlungen abgeleitet haben.

Als Kriterien für Kompetenzfelder bzw. „Leuchttürme“ formulierte Professor Meffert
einerseits „innovativ“, „interaktiv“ im Sinne von kooperativ und „international“, ande-

rerseits stellte er deren Bezüge zur Wissenschaft und zum Wohlfühlen (Lebensart)

2

sowie deren wirtschaftliche Relevanz heraus. Hinsichtlich der Vorschläge zur Profilie-
rung von Münster als Wissenschaftsstadt mit regionaler Ausstrahlung verwies er auf
die folgenden Talkrunden.

In der Talkrunde „Wissen schafft Zukunft -— Wissenschaft und Wirtschaft“ wur-
den folgende Punkte diskutiert:

In Münster setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass Hochschulen und
Stadt einander brauchen. Die Hochschulen sind verantwortlich für die wissen-
schaftliche Profilbildung und benötigen hierfür ein hervorragendes Umfeld. Hier
ist die Stadt gefordert, entsprechende Standortdingungen zu bieten bzw. zu
schaffen. Die Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Stadt hat sich in den
letzten Jahren intensiviert und verstetigt. Im nächsten Schritt muss es darum ge-
hen, strategische Kompetenzfelder zu definieren und sich auf gemeinsam getra-
gene „Leuchttürme“ zu verständigen. Zudem muss noch stärker daran gearbeitet
werden, den Studierenden Chancen zu bieten, auch nach Abschluss des Studi-
ums in Münster zu bleiben (Fr. Dr. Böhm, Kanzlerin der Westfälischen Wil-
helms-Universität Münster).

Die wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität
Münster arbeitet an einer verstärkten Vernetzung mit der Wirtschaft in Münster
und im Münsterland. Hierzu werden gegenwärtig ein Netzwerk wissenschaftlicher
Expertinnen und Experten sowie ein professionelles Projektmanagement aufge-
baut. Die Herausforderung des Schnittstellenmanagements zwischen Wissen-
schaft und Praxis ist erkannt und wird mit diesem Projekt offensiv angegangen
(Fr. Prof.in Dr. Theurl, Dekanin der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät
der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster).

Im Rahmen der Exzellenzinitiative steht die Westfälische Wilhelms-Universität in
einem harten bundesweiten Wettbewerb mit den anderen Hochschulen. Der An-
trag „Religion und Politik“ vereint wissenschaftliche Exzellenz mit der Kompetenz
von Münster als historischem Erinnerungsort (z.B. Stadt des Westfälischen Frie-
des). Damit bestehen gute Chancen, diese Stärken von Münster zu einem identi-
täts- und profilbildenden Faktor weiterzuentwickeln (Fr. Prof.in Dr. Stollberg-
Rilinger, Koordinatorin des Antrags „Religion und Politik“ der Westfäli-
schen Wilhelms-Universität im Rahmen der „Exzellenzinitiative“).

Zwischen Handwerk und Wissenschaft bestehen bereits vielfältige Verbindungen
(z.B. Zentrum für Handwerk und Wissenschaft). Gleichwohl muss die Kommuni-
kation intensiviert und die Vernetzung verstärkt werden. Ziel muss es sein, den
gegenseitigen Austausch zwischen Wissenschaft und Unternehmen zu verbes-
sern und hierfür geeignete Plattformen zum Beziehungsmanagement zu entwi-
ckeln (Hr. Eiling, Stellvertr. Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer
Münster).

Die Wissenschaft muss sich mehr für die Unternehmen öffnen. Daher wird die
Initiative der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät, einen Expertinnen- und Ex-

pertenpool einzurichten, sehr begrüßt. Konkret wird es Gespräche zu einer weite-
ren Vernetzung geben. Die in den Wirtschaftswissenschaften gut entwickelten
Ehemaligennetzwerke sind um andere Fachbereiche zu ergänzen. Dann können
sie von der Wirtschaftsförderung als zusätzliches Angebot für anzusiedelnde Un-
ternehmen pro Münster und Münsterland genutzt werden, gleichzeitig können die
Hochschulen mit dem Plus einer guten Wirtschaftsvernetzung Studenten werben
(Hr. Schulte-Uebbing, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handels-
kammer Nord Westfalen).

In der Talkrunde „Wissen schafft Münster -— Bildung/Kultur und Urbani-
tät/Lebensart“ wurden folgende Punkte thematisiert:

Investitionen in Bildung sind wichtige Voraussetzungen für wirtschaftlichen Erfolg
in der Wissensgesellschaft. Kultur ist weit mehr als nur ein weicher Standortfak-
tor. Der Freizeit- und Kulturbereich sind zudem wichtige Wirtschaftszweige mit
sehr positiven Zukunftsprognosen. Münster soll weiterhin auf seine Kompetenzen
im Vordenken setzen. Münster bietet sich aufgrund seiner Stärken für Modellpro-
jekte an: für interkulturelles Lernen, für Lernen im Generationenverbund und für
Begabtenförderung. Insgesamt ist Vernetzung im Bildungs- und Kulturbereich zu
verstärken, in dem Netzwerkknoten ausgebildet und gefördert werden (Hr. Dr.
Winkler, Vorstandsvorsitzender Westfälische Provinzial Versicherung).

Die Skulpturen-Ausstellungen, die in Münster alle 10 Jahre stattfinden, sind der
beste Beweis für die hohe Relevanz von Kunst- und Kulturausstellungen mit in-
ternationaler Orientierung. Sie verleihen Münster enorme überregionale Strahl-
kraft, verstärken die Attraktivität und bilden die Grundlage für Wertschöpfung in
der Hotellerie und im Gastgewerbe. Es wurde vorgeschlagen, zur „temporären
Entprovinzialisierung von Münster“ auch zwischen den Skulptur.Projekten inter-
nationale Kunst- und Kulturprojekte (z.B. in einem Abstand von drei Jahren) zur
überregionalen Profilierung von Münster zu entwickeln und zu realisieren (Hr. Dr.
Arnhold, Direktor des Westfälischen Landesmuseums für Kunst und Kul-
turgeschichte).

Münster bietet bereits eine hohe Lebensqualität und eine vielfältige Lebensart.
Münster kann aber noch mehr Weltoffenheit und Internationalität vertragen. Bei-
spielhaft hierfür stände eine internationale Schule. Die bisherigen Schritte auf
dem Weg zur „Internationalisierung des Bildungswesens“ in Münster stellen ei-
nen Schritt in die richtige Richtung dar. Auf dem Weg zu einer europäischen
Wissenschaftsstadt müssen die Bürgerinnen und Bürger mitgenommen werden.
Die Chancen für Münster aus dieser Entwicklung sollten an praktischen Beispie-
len verdeutlicht werden. Hier ist eine verbesserte Kommunikation und die Arbeit
in Netzwerken anzustreben (Fr. Dr. Kahlert-Dunkel, Unternehmerin).

Münster steht im Wettbewerb und muss sich auf seine Stärken besinnen. Es gilt,
gemeinsam langfristige Ziele zu vereinbaren und diese gemeinsam anzustreben.
Die Kräfte müssen auf das Wesentliche konzentriert werden. Münster muss den

Willen haben, die „Nummer Eins“ zu werden. Die Menschen in Münster identifi-
zieren sich stark mit ihrer Stadt. Es muss den Menschen Mut gemacht werden,
sich zu engagieren. Gleichzeitig verdienen diejenigen, die sich bereits für Müns-
ter engagieren, zusätzliche Unterstützung. Das Engagement sollte zudem stärker
gewürdigt werden (Hr. Hölker, Coppenrath Verlag).

Die abschließende Talkrunde „Ist Münster auf dem richtigen Weg?“ kam zu fol-
genden Ergebnissen:

Der Standortwettbewerb wird zunehmend davon bestimmt, welche Qualität der
Zugang zu Wissen und zur Wissenschaft hat. Hier ist die Wissenschaftsstadt
Münster bereits auf gutem Wege. Beispielsweise hat sich im Rahmen des Wett-
bewerbs „Stadt der Wissenschaft“ ein „Netzwerk für die Zukunft“ gebildet, dem
Hochschulen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und relevante Instituti-
onen angehören. Mit dem Wissenschaftsbüro hat die Stadt Münster bereits einen
Netzwerkknoten eingerichtet.

Angesichts des zunehmenden Wettbewerbs bedarf es einer systematischen Wei-
terentwicklung der Kooperationsstrukturen. Münster braucht dringend eine „Kon-
zertierte Aktion Wissenschaftsstadt‘, d.h. eine Allianz für Münster, die gemein-
sam von Stadt, Hochschulen, Wissenschaftsakteuren und Wirtschaft getragen
wird. In der Allianz muss nicht nur an einem gemeinsamen Marketing für die
Wissenschaftsstadt gearbeitet werden, sondern es müssen ebenso gemeinsam
Exzellenzfelder identifiziert und gemeinsam realisiert werden. Um die Entwick-
lung von Exzellenz in der Wissenschaftsstadt zu fördern, wird darüber hinaus die
Gründung einer gemeinnützigen Wissenschaftsstiftung vorgeschlagen (Hr. Prof.
Dr. Dr. h.c. Wittkämper, Vorsitzender des Wirtschaftsbeirats der Arbeitsstel-
le Forschungstransfer der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster).

Die Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Stadt hat sich in den letzten
Jahren intensiviert und verstetigt. Im nächsten Schritt muss es darum gehen,
strategische Kompetenzfelder zu definieren und sich auf gemeinsam getragene
„Leuchttürme“ zu verständigen. Aus dieser Erkenntnis muss gemeinsames Han-
deln aller Akteure erwachsen. Die Universität hat die Aufgabe, ihre Stärken aus-
zubauen. Alle gesellschaftlichen Gruppen müssen sich bemühen, „kreative“ Köp-
fe in Münster zu halten und neue „Köpfe“ zu gewinnen (Fr. Dr. Böhm, Kanzlerin
der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster).

Münster bietet als Wissenschaftsstadt großes Potenzial für die Wirtschaft. Es gilt,
dieses „schlummernde Potenzial zu wecken“ und es besser für die Wirtschaft
nutzbar zu machen. Notwendig sind eine weitere Professionalisierung des Wis-
sensaustauschs sowie die Vernetzung und der Ausbau bestehender Initiativen
(z.B. Gründungsinitiative, Technologieinitiative). In gemeinsamer Anstrengung
muss die Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft intensiviert werden
(Hr. Viehoff, Vorsitzender der Wirtschafts-Initiative Münster).

e Münster lebt vom Erfolg der Wissenschaft. Die Profilierung von Münster als Wis-
senschaftsstadt - verbunden mit der Betonung von Lebensart und Wirtschaft - ist
der Dreh- und Angelpunkt für den Erfolg Münsters im Wettbewerb der Städte.
Diese Strategie hat bereits Erfolge gebracht, die Umsetzungsgeschwindigkeit
muss aber erhöht werden, da die Wettbewerber im Inland und Ausland sehr aktiv
sind.

Von der Profilierung Münsters als Wissenschaftsstadt profitiert die gesamte
Stadt. Nicht nur die Wissenschaft selber und die Wirtschaft, sondern allen Bürge-
rinnen und Bürger kommt die Wissenschaftsstadt zu gute (z.B. Arbeitsplätze,
qualifizierte Arbeitskräfte, Nachfrage, ehrenamtliches Engagement). Wichtig ist
es daher, die Münsteranerinnen und Münsteraner zu Botschaftern der Wissen-
schaftsstadt zu machen und den Wandel von einer „Verwaltungsstadt‘ zu einer
„Wissenschaftsstadt“ zu leben (Hr. Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Meffert, Vorsitzen-
der des Beirats Münster Marketing).

e Münster hat sich nach einem bürgerschaftlichen Prozess für das Zukunftsprofil
„Wissenschaft und Lebensart“ entschieden. Dieser Weg hat sich in den letzten
Jahren als richtig erweisen. Das Ziel muss gemeinsam mit entsprechender Ar-
beitsteilung zwischen den relevanten Akteuren weiter intensiv verfolgt werden.
Der Wettbewerbsdruck erfordert verstärkte Kräfte in der Umsetzung (OB Dr. Till-
mann).

Herr OB Dr. Tillmann beendete das Zukunftsgespräch mit einem herzlichen Dank an
allen Mitwirkenden und hob die gelungene Moderation durch Herrn Dr. Bielstein
(Pressesprecher der NRW.Bank) hervor. In seinem Schlusswort betonte Dr. Till-
mann, dass die Profilierung als Wissenschaftsstadt keineswegs die Vernachlässi-
gung sozialer oder kultureller Qualitäten bedeutet. Die soziale Balance ist das abso-
lut notwendige „Standbein“ für die Entwicklung der Wissenschaftsstadt mit dem
„Spielbein“. Er appellierte an die Anwesenden, ihren Teil zur weiteren Entwicklung
von Münster als Stadt der Wissenschaft und als Stadt des Wissens beizutragen.

Stadt Münster
Beirat Münster Marketing
Bertelsmann Stiftung

Erstes Münsteraner Zukunftsgespräch:

Münster -
Mit Wissen erfolgreich im Standortwettbewerb

08. September 2006, 13.00 Uhr
Festsaal im Historischen Rathaus zu Münster
Prinzipalmarkt 8/9, 48143 Münster

e Musikalische Eröffnung

®@ Quo vadis Münster - Strategien für Münster
(Oberbürgermeister Dr. Berthold Tillmann)

© Kommunen schaffen Zukunft
(Dr. Johannes Meier, Mitglied des Vorstandes der Bertelsmann Stiftung)

® Renaissance der Europäischen Stadt in der Wissensgesellschaft?
(Prof. Dr. Walter Siebel, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg)

® Kompetenzfelder im Wettbewerb - Was kann Münster von erfolgreichen
Wirtschaftsregionen lernen?
(Dr. Rene Perillieux, Booz Allen Hamilton GmbH)

Pause (14.40 - 15.10 Uhr)

© Warum muss Münster sich als "regionale" Wissenshauptstadt profilieren?
(Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Heribert Meffert, Vorsitzender des Beirates Münster Marketing)

© Talkrunde:
Wissen schafft Zukunft - Wissenschaft und Wirtschaft
° Dr. Bettina Böhm
(Kanzlerin der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster)
° Karl-Friedrich Schulte-Uebbing
(Hauptgeschäftsführer der IHK Nord Westfalen)
®e Hermann Eiling
(Stellv. Hauptgeschäftsführer der HWK Münster)
° Prof. Dr. Barbara Stollberg-Rilinger
(Koordinatorin des Antrages "Religion und Politik“ im Rahmen der "Exzellenzinitiative")
« Prof. Dr. Theresia Theurl
(Dekanin der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster)

© Talkrunde:
Wissen schafft Münster - Bildung/Kultur und Urbanitäl/Lebensart
e Dr. Hermann Arnhold
(Direktor des Westfälischen Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte)
° Dr. Heiko Winkler
(Vorstandsvorsitzender der Westfälische Provinzial Versicherung)
® Dr. Gabriele Kahlert-Dunkel
(Unternehmerin)
e Wolfgang Hölker
(Coppenrath Verlag)

© Schlusstalk:

Ist Münster auf dem richtigen Weg?

° Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Heribert Meffert
(Vorsitzender des Beirates Münster Marketing)

° Dr. Berthold Tillmann
(Oberbürgermeister der Stadt Münster)

° Dr. Bettina Böhm
(Kanzlerin der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster)

° Prof. Dr. Dr. h.c. Gerhard W. Wittkämper
(Vorsitzender des Beirates der Arbeitsstelle Forschungstransfer der Westf. Wilhelms-Universität)

° Tobias Viehoff
(Vorsitzender der Wirtschafts-Initiative Münster)

Moderation:
Dr. Klaus Bielstein (Pressesprecher der NRW.BANK)

Dankesrede anlässlich der Überreichung der Paulus Plakette

Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Heribert Meffert

Stadtentwicklung und Stadtmarketing
Münster im Spannungsfeld zwischen Tradition und Fortschritt

08. September 2006, 18:00 Uhr
Münster, Stadthaus |

[Es gilt das gesprochene Wort]

Anlage 4
zur Vorlage V/0113/2007

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Dr. Tillmann, sehr geehrte Damen und
Herren des Rates der Stadt Münster, liebe Mitglieder des Beirates Münster Mar-
keting, liebe Freunde und Weggefährten, sehr geehrte Damen und Herren,

es ist heute für mich ein großer Tag, ein Tag, der die Zukunftsgespräche für un-
sere Stadt mit meiner persönlichen Ehrung verbindet. Die Tatsache, dass mich
die Stadt Münster aus Ihren Händen, Herr Oberbürgermeister Dr. Tillmann, mit
der Paulus-Plakette auszeichnet, erfüllt mich mit Freude und Dankbarkeit. Ich
danke Ihnen und dem Rat der Stadt für die hohe Anerkennung, die Sie mir mit
dieser Ehrung zuteil werden lassen. Ich bin mir bewusst, dass die Paulus-
Medaille die höchste Auszeichnung ist, welche die Stadt außer der Ehrenbürger-
schaft verleiht. Ich bin mir ebenso bewusst, dass ich als erster Wirtschaftswis-
senschaftler diese Ehrung entgegen nehmen darf. Ich möchte diese Ehrung aber
auch stellvertretend für die Vielzahl von Münsteranern, die sich für unsere Stadt
engagiert und ehrenamtlich verdient gemacht haben, entgegen nehmen.

In Ihrer Laudatio, lieber Herr Dr. Tillmann, heben Sie hervor, dass ich mit meinen
wissenschaftlichen Initiativen und Leistungen auf dem Gebiet der marktorientier-
ten Unternehmensführung zur Entwicklung und Profilierung der Stadt Münster
beigetragen und mich als Botschafter und Berater für das Stadtmarketing enga-
giert habe. Es war dies mit der Gründung des ersten Instituts für Marketing an
unserer Universität im Jahre 1969 in der Tat ein langer Weg, der mich im konse-
quenten Dialog mit der Wirtschaftspraxis auch und insbesondere den Anliegen
der Stadtentwicklung von Münster näher brachte. Es waren für mich nicht nur die
Herausforderungen, als Marketingwissenschaftler neue Wege zu gehen, sondern
auch ein echtes persönliches Anliegen, das einem inneren Bedürfnis auf Zuwen-
dung und Zuneigung zu dieser Stadt entspricht.

Münster setzt als Wissenschaftsstadt auf Zukunft und kann dies mit Geschichte
und Tradition verbinden. Ich möchte deshalb mit dem Blick des Wissenschaftlers
einige Anmerkungen zum Spannungsfeld zwischen Tradition und Fortschritt aus
der Perspektive und den Erfahrungen mit der Stadtentwicklung und dem Stadt-
marketing machen. Doch lassen Sie mich zuvor kurz einiges zu meiner persönli-
chen Geschichte, zu meinen Begegnungen mit und Erfahrungen in Münster als
Stadt des Wissens und der Lebensart sagen.

Als Bayer lag Münster für mich weit hoch im Norden und war eine geschichts-
trächtige Stadt, deren Silhouette ich erstmals auf großer Abiturfahrt nur vom Zug
aus kurz wahrnahm. Als ich 12 Jahre später in den unruhigen 68er Jahren von
München auf einen Lehrstuhl für Betriebswirtschaft an die Universität Münster
berufen wurde, verabschiedete mich mein damaliger Chef mit den Worten: „Mün-
chen und Münster haben nur die ersten drei Buchstaben gemeinsam, Sie finden
dort eine andere Welt: Provinzhauptstadt mit preußischer Tradition und strengen
akademischen Sitten, katholische Stadt mit konservativem Bürgertum, in der es
häufig regnet.“

Und was habe ich damals vorgefunden? Eine attraktive, überschaubare und wohl
geordnete Stadt, in der die Universität eine moderne, mitbestimmte Verfassung
einführte, Professoren keine Talare mehr trugen und eine aufgeschlossene Fa-
kultät, die einem jungen Nachwuchswissenschaftler den Vertrauensvorschuss für
die Gründung des ersten Marketinginstituts in Deutschland gab. Ich fühlte mich in

1

dieser Stadt mit den vielen jungen Menschen, den zahlreichen Kneipen, histori-
schen Gebäuden und niveauvollen Geschäften schnell wohl, vermisste allerdings
bei zahlreichen unerwarteten Sonnentagen die Straßencafes mit lebensfrohen
Bürgern.

Es hieß also Vorurteile korrigieren, die Arbeitsatmosphäre und Freiräume an der
Hochschule nutzen und sich mit der Lebensart der Stadt für einen überschauba-
ren Zeitraum zwischen 3 und 5 Jahren zu arrangieren. Was ich damals nicht vor-
hersehen konnte war, dass Münster - trotz zahlreicher Lockrufe anderer Hoch-
schulen und Städte — zur unzertrennlichen Wahlheimat werden würde. Aus-
schlaggebend hierfür war einmal die kooperative Fakultätskultur mit dem zu-
kunftsweisenden Lehr- und Forschungsbetrieb (man spielt gern auf vorderen
Plätzen in der 1. Liga) und die inzwischen lieb gewonnene Lebensart mit der in
jeder Hinsicht gedeihlichen Atmosphäre Münsters. Aus dem gebürtigen Rhein-
länder und im Allgäu aufgewachsenen Bayer ist also ein überzeugter Münstera-
ner geworden.

Vor diesem persönlichen Erfahrungshintergrund stellte sich mit dem Auf- und
Ausbau des Instituts für Marketing auch die Frage, was diese Disziplin für die
Entwicklung und Profilierung der Heimatstadt leisten kann. Dies umso mehr, als
sich in den USA meine Fachdisziplin längst mit der Frage beschäftigte, wie man
erfolgreiches Marketing aus dem Konsumgüterbereich (Waschmittel, Automobile)
auch auf den öffentlichen und Non-Profit-Bereich übertragen und einsetzen kann.

So entwickelte sich angesichts des wachsenden Standortwettbewerbs bereits in
den 70er Jahren das so genannte Regionen- und Städtemarketing, verstanden
als Ausrichtung stadtpolitischer Aktivitäten und Maßnahmen auf die Bedürfnisse
von Zielgruppen zur Sicherung von Wettbewerbsvorteilen bei der Gewinnung von
Touristen, der Ansiedlung von Wirtschaftsbetrieben und Sicherung der Bürgerzu-
friedenheit.

In diese Zeit fallen auch die ersten Projektarbeiten meines Instituts zur Einstel-
lung der Studierenden und Münsteraner Bevölkerung zur Universität, zum Stadt-
theater, dem Stadtmuseum und dem Zoo. Später folgte die Moderation der |-
deenschmiede, eine Gruppe aktiver junger Bürger, die sich für die Zukunft Müns-
ters als Dienstleistungs-Stadt engagierte und gemeinsam mit der zuständigen
Stadtpolitik 1989 das Symposium „Stadtvisionen“ initiierte. Was folgte ist be-
kannt: Der Start der lokalen Agenda 21, zahlreiche Workshops zum Stadtmarke-
ting, die unter aktiver Bürgerbeteiligung Anfang des Jahres 2002 im integrierten
Stadtentwicklung- und Stadtmarketingprozess mündete und in konsequenter
Weiterentwicklung des Dialoges mit der Politik und den Bürgern dieser Stadt zum
heutigen 1. Münsteraner Zukunftsgespräch führte.

Es ist dies in der Tat eine lange, bisweilen auch beschwerliche Wegstrecke ge-
wesen, in der ich - unabhängig von politischen und bürgerschaftlichen Strömun-
gen — diesen Prozess als moderierender Wissenschaftler begleiten durfte. Es
stellen sich mir heute vor allem drei Fragen:

1. Wo steht Münster heute im Konzert des deutschen Städtemarketing?
Was hat der integrierte Marketing- und Stadtentwicklungsprozess ge-
bracht?

3. Welche zentralen Herausforderungen und Aufgaben hat die Stadt für eine
erfolgreiche Profilierung als europäische Wissenschaftsstadt zu bewälti-
gen?

IV.

Es besteht kein Zweifel, dass das Städtemarketing im deutschsprachigen Bereich
in der Wissenschaft zwar zögerlich, in der Praxis jedoch rasche Verbreitung ge-
funden hat. Eine aktuelle, vergleichende Studie des Deutschen Instituts für Urba-
nistik bestätigt diese Entwicklung, zeigt jedoch ein viel schillerndes Bild vom Mar-
ketingverständnis und heterogenen Ausgestaltungsformen des Städtemarketing.
Im Wesentlichen können folgende drei Versionen unterschieden werden:

1. Eine nicht unerhebliche Zahl der Städte will mit Marketing „die Stadt be-
kannt machen und verkaufen“. Dementsprechend stehen der Einsatz aus-
gewählter Marketinginstrumente, insbesondere die Werbung, Promotions
und das Sponsoring zur Steigerung des Bekanntheitsgrades und Verbesse-
rung des Images im Mittelpunkt. Aktionsbezogene Maßnahmen und Events
beherrschen die Szene.

2. Andere wiederum verstehen Stadtmarketing als mehr oder weniger gleich-
berechtigte Funktion. Man hat einen Marketingverantwortlichen, eine neue
Planstelle für einen City-Manager oder gar eine Marketing GmbH. Das Auf-
gabenspektrum umfasst auch Fragen der strategischen Positionierung und
reicht über kommunikative Maßnahmen hinaus. Etwa ein Drittel deutscher
Städte hat sich in diese Richtung entwickelt.

3. Dem eigentlichen Marketingverständnis als Leitidee und umfassende
marktorientierte Führungsphilosophie hat sich nur jede fünfte Stadt ver-
schrieben. Diese Städte verfügen nicht nur über eine Marketingabteilung
oder GmbH, sondern verstehen und praktizieren Städtemarketing als Quer-
schnittsfunktion, d.h. Bündelung der strategischen und operativen Maß-
nahmen auf die Bedürfnisse ausgewählter Zielgruppen. Durch eine bessere
Gestaltung des Kunden- bzw. Bürgernutzens sollen Wettbewerbsvorteile
(KKV) geschaffen werden. Besonders erfreulich ist, dass vom Institut für
Urbanistik die Stadt Münster in dieser Kategorie mit ihrem integrierten
Stadtmarketing Prozess (ISM) als hervorstechendes Best Practice-Beispiel
genannt wird.

V.

Damit komme ich zu meiner zweiten Frage: Was hat der integrierte Stadtentwick-
lungsprozess gebracht? Welche Erfolge wurden damit erzielt? Es ist nahe lie-
gend, zunächst auf zahlreiche Aktionen und Maßnahmen zu verweisen, die seit
Beginn des Jahrtausends die Szene der Stadt belebt haben. Als Highlight sind
hier zum einen die Auszeichnung durch den LivCom Award im Jahr 2004 als le-
benswerteste Stadt der Welt zu nennen sowie die durchaus erfolgreichen Bewer-
bungen der Stadt Münster als Kulturhauptstadt und Wissenschaftsstadt mit dem
beispiellosen Bürgerengagement auf dem Prinzipalmarkt. Als weiteres sind auch
die Gründung der Wirtschaftsförderung und der Start des Stadtteilmarketing als
erfolgreiche Schritte zu werten.

Doch eine solche Betrachtung bleibt an der Oberfläche, denn der Beitrag des
Marketing zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit der Stadt muss sich an den erziel-
ten psychographischen Größen — Bekanntheitsgrad, Image, Zufriedenheit — und
an den ökonomisch erzielten Effekten — wie dem Return on Investment - messen
lassen. Wie die Marketingeffekte insgesamt so ist auch der wirtschaftliche Rol für

3

einen Standort als Ganzes nur schwer nachweisbar. Dies umso mehr, weil man
Städtemarketing als längerfristige Investition, als Einsatz von Ressourcen zur
Akquisition und Bindung von Zielgruppen versteht.

Ein Blick in die vorliegenden aktuellen Befragungen lässt jedoch über die erfreu-
liche Medienresonanz und wachsendes Sponsorenengagement hinaus folgende
positive Tendenzen erkennen:

® Die Zufriedenheit der Bürger mit der Stadt Münster ist leicht gestiegen; die
Zufriedenheit bei der Wissenschaft und den Kaufleuten bewegt sich auf ho-
hem Niveau.

. Das Selbst-Image der Bürger ist im Bereich traditioneller Werte relativ sta-
bil; Veränderungen im Bekanntheitsgrad und des Fremdimages werden
derzeit analysiert.

" Im Bereich Touristik sind ein positiver Trend in den Besucherzahlen (knapp
10 %) und eine leicht gestiegene Zahl der Übernachtungen feststellbar.

" Auch die Wirtschaftsförderung vermeldet Erfolge (2005: 347 neu geschaf-
fene Arbeitsplätze; 10 realisierte Neuansiedlungen), wenngleich Münster —
trotz eines insgesamt guten Rankings (Platz 8) — bei den relevanten Struk-
tur- und Wirtschaftsdaten Einbußen zu verzeichnen hat. Hervorzuheben ist
hier insbesondere der hohe Schuldenberg je Einwohner.

Es liegt mir fern als Vorsitzender des Beirats Münster Marketing die Ergebnisse
des ISM-Prozesses zu beschönigen oder gar meine Rolle als wissenschaftlicher
Moderator zu rechtfertigen. Der ISM-Prozess wird im Hinblick auf seine Qualität
im nächsten Monat einer externen Evaluation unterworfen. An dieser Stelle
möchte ich zur Qualitätsbeurteilung des Prozesses auf 10 Kriterien eingehen,
deren Erfüllung Professor Armin Töpfer als Voraussetzung für ein erfolgreiches
Stadtmarketing nennt. Im Einzelnen sind dies:

Stadtmarketing ist mehr als nur Werbung

Professionelle Planung, Durchführung und Kontrolle

Analyse der Ist-Situation

Strategische Positionierung mit Alleinstellungsmerkmalen

Stadtmarketing als Ausdruck einer City Identity (innen und außen)
Stadtmarketing muss früh den Bürgern nahe gebracht werden
Stadtmarketing muss alle wichtigen (auch Ziel-)Gruppen berücksichtigen
Bürgerorientiertes Verhalten der Verwaltung

City-Management als Bestandteil eines umfassenden Stadtmarketing
Konzeptes

Stadtmarketing kann nicht allein vom Rathaus gemacht werden, sondern
ist ein organischer Prozess der Stadtentwicklung

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Nicht nur die Insider der Stadtpolitik und Stadtverwaltung werden mir zustimmen,
dass diese Erfolgsvoraussetzungen für den ISM-Prozess weitestgehend erfüllt, ja
bisweilen auch übererfüllt wurden. Es bleiben aber auch einige wichtige, offene
und dringlich zu lösende Zukunftsaufgaben.

So wird niemand bezweifeln, dass der Prozess unter Einbeziehung aller wichti-
gen Gruppen, frühzeitiger und umfassender Bürgerbeteiligung professionell ge-
plant und organisatorisch in geeigneter Form verankert worden ist. Zusätzlich
wurde die Bürgerschaft auch über regelmäßig stattfindende Umfragen repräsen-
tativ einbezogen. Auch ist das Zusammenspiel mit der Stadtentwicklung beispiel-
gebend, wenngleich der Marketingbegriff bei Bürgern und in der Verwaltung im-
mer noch auf Vorbehalte stößt. Was die Herausarbeitung der Ist-Situation betrifft,

4

so wurde mit zahlreichen Stärken- und Schwächen-, Chancen- und Risikoanaly-
sen fast zu viel des Guten getan. Dabei haben sich Prognosen und Szenarien in
der Gruppendiskussion mit Bürgern als schwierig erwiesen, weil es sich dabei
bekanntlich um die Zukunft handelt und Zielfestlegungen ja letztlich auch Sache
des Führungsverantwortlichen und der Stadtpolitiker sind. Die Integration der
Bürger in diese Prozesse stärkt zweifellos deren Identifikation mit den geplanten
Vorhaben. Ein zu breiter basisdemokratischer Bürgerdialog birgt aber die Gefahr
in sich, dass zwar viele gute Ideen eingebracht, ebenso viele zerredet werden
und dass am Ende eines langen Prozesses relativ wenige davon umgesetzt wer-
den.

Nachdem Münster spät mit dem Stadtmarketing begonnen hat, hätte ich mir bei
der oft beschworenen Devise „Der Weg ist das Ziel“ etwas mehr Beschleunigung
und etwas stärkere Konzentration auf die Weiterentwicklung und Umsetzung von
Kernkompetenzen gewünscht. Damit komme ich zu den Herausforderungen der
Zukunftsaufgaben der Stadtentwicklung und des Stadtmarketing in Münster.

V.

Wie zahlreiche europäische Wissenschaftsstädte steht auch Münster mit dem
Führungsanspruch im regionalen Raum vor zahlreichen Herausforderungen.

Es sind dies einmal die bekannten, sich überlagernden Megatrends

demographischer Wandel

Übergang zur Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft
Intensivierung des internationalen und globalen Wettbewerbs
veränderte Rolle des staatlichen bzw. öffentlichen Sektors

und zum anderen spezifische Standortbedingungen, insbesondere
" regionaler Wettbewerb mit den Ruhrmetropolen.

Ich kann mich hier mit diesen Herausforderungen für Münster nicht im Einzelnen
auseinandersetzen. Für die Sicherung und den Ausbau von Wettbewerbsvortei-
len erscheinen mir für die Strategieentwicklung dieser Stadt jedoch folgende An-
nahmen besonders wichtig:

1. Wenngleich Münster sich angesichts des sich im demographischen Wandel
abzeichnenden Alterungsprozesses der Bevölkerung in einer relativ günsti-
gen Position befindet (Bertelsmann-Studie 2050: aufstrebendes De-
mographiecluster), so wäre Optimismus fehl am Platze. Die Altersstruktur
der Stadt wird wesentlich von den Studierenden, dem — wie Oberbürger-
meister Tillmann treffend bemerkt hat — „geliehenen Jungbrunnen“ und der
Zuwanderung bestimmt. Hinzu kommt, dass wir mit Städten wie München,
Freiburg, Aachen, Hamburg, Stuttgart oder Düsseldorf im gleichen Cluster
stehen, von deren wirtschaftlicher Dynamik wir im internationalen Wettbe-
werb lernen können.

2. Münster hat zwar als Dienstleistungsstadt mit hohem Wissenspotenzial als
Wissenschaftsstandort Wachstumschancen, diese lassen sich aber nur mit
einer gesunden Wirtschaftsentwicklung auch und insbesondere im verarbei-
tenden Gewerbe langfristig erfolgreich realisieren.

3. Der im Zuge der Globalisierung sich weiter abzeichnende Wettbewerbs-
druck um finanzielle, personelle und sachliche Ressourcen macht auch vor
traditionsreichen Wissenschaftsstädten wie Münster nicht halt. Die Siche-
rung von Vorteilen in diesem Standortwettbewerb erfordert mehr Offenheit
und Abbau von Zutrittsbarrieren (ausländische Studierende, Migranten).

4. Die sich abzeichnenden Engpässe im Finanzhaushalt Münsters müssen zur
Sicherung der sozialen Balance durch ein stärkeres bürgerschaftliches En-
gagement ausgeglichen werden.

5. Der Wettbewerb mit den wirtschaftlich potenten Metropolregionen des
Ruhrgebiets bedingt eine stärkere Vernetzung Münsters mit seiner Region
und die Entwicklung neuer regionenübergreifender Kooperationsformen.

Was bedeutet dies für die strategische Positionierung der Stadt Münster? Zu-
nächst einmal nicht — wie kürzlich gefordert wurde —, dass man mit der „Breite an
die Spitze“ kommt. Im Zuge des Haushaltskonsolidierungsprozesses zwingt dies
zur Konzentration auf Kernkompetenzen in dem durch städtepolitischen Konsens
im Leitbild Münsters festgelegten Orientierungsrahmen: Wissenschaft und Le-
bensart. Es erfordert unter Konzentration auf angestammte Stärken die Festle-
gung von Prioritäten und die Umsetzung solcher Kompetenzfelder in einem Stu-
fenplan. Freilich lässt sich dies nur erreichen, wenn damit auch eine Stärkung der
vornehmlich mittelständischen Wirtschaftskraft und im Zuge des Wandels sozial
ausgewogene bzw. verträgliche Lösungen gefunden werden.

In diesem Sinne sollte eine auf die Zukunftsfähigkeit abzielende strategische
Stadtentwicklung im gemeinsamen Dialog mit der Verwaltung und den relevanten
Anspruchsgruppen den Handlungsrahmen für ein leistungsfähiges Marketing der
Stadt Münster abstecken. Dabei erachte ich die Lösung und Weiterführung fol-
gender Aufgaben als besonders wichtig:

1. Sicherung und Weiterentwicklung der leitbildkonformen Positionierung von
Münster

Profilierung von Münster als Marke

Kontinuierliche Umsetzungs- und Erfolgsnachweise Stadtentwicklungs- und
Stadtmarketingprozesses

4. Vernetzung und insbesondere Institutionalisierung der Zusammenarbeit
Lassen Sie mich auf diese Zukunftsaufgaben kurz eingehen.

2.
©

Die Sicherung und Weiterentwicklung einer leitbildkonformen Positionierung ist
im Spannungsfeld zwischen Tradition und Fortschritt eine permanente und zur
Sicherung der Alleinstellung — im Vergleich zum Produkt- oder Firmenmarketing
- sehr viel schwierigere Aufgabe. Mit den zentralen Merkmalen unseres Leitbil-
des „Wissenschaft und Lebensart“ ist Münster nicht nur eine klare Abgrenzung
von vielen mit Allgemeinplätzen werbenden Städten gelungen, sondern auch zu
zahlreichen Wissenschaftsstädten. Die heutigen Zukunftsgespräche machten
aber deutlich, dass wir im Standortwettbewerb neben Wissen und Wohlfühlen im
engen Zusammenspiel zwischen Wissenschaft und Bürgern auf Wandel,
Wachstum und erfolgreiches Wirtschaften setzen müssen (3 große „W’s“). Als
Beispiele sei hier auf Freiburg, Dresden und Aachen verwiesen. Das bedeutet —
wie in den Arbeitsgruppen des Beirats Münster Marketing herausgearbeitet wur-
de -, dass die Stadt bei der Gestaltung künftiger Handlungsfelder innovativer,
internationaler und interaktiver werden muss (3 große „l’s“). Dies ist bei Wahrung
der Identität leichter gesagt als getan und nur in einem längerfristigen Prozess
der Schärfung des Profils zu erreichen.

6

Damit ist die zweite Aufgabe, die Profilierung der Stadt als Marke angesprochen.
Seit geraumer Zeit wird der aus dem kommerziellen Bereich (Produkte, Unter-
nehmen) stammende Gedanke der Markenführung auf den Non-Profit-Bereich
und hierbei auf Städte, Regionen und Nationen (Made in Germany) übertragen.
Ziel ist es, in Verbindung mit einem Zeichen oder Symbol in den Köpfen der Ziel-
gruppen einer Stadt ein klares Vorstellungsbild fest zu verankern. Es ist nachge-
wiesen, dass im Städtebereich starke Marken auf Menschen Faszination aus-
üben (New York, Paris), dass sie emotional aktivieren, damit Verhaltenswirkun-
gen auslösen und Bindung bzw. Verbundenheit bewirken. So gesehen stehen
Marken für gleich bleibende oder verbesserte Qualität und reduzieren so bei den
Zielgruppen den Suchaufwand und das Risiko. Sie fungieren bei den Nachfra-
gern als Orientierungs- und Vertrauensanker und stärken damit die Identität und
sichern die Loyalität.

In diesem Sinne sollte Münster über die nationalen Grenzen hinaus die Marken-
bekanntheit steigern und durch eine identitätsorientierte Führung das Markenpro-
fil schärfen und im Hinblick auf die erwähnten drei großen I’s, d. h. innovativ, in-
ternational und interaktiv weiter ausbauen. Identitätsorientierte Markenführung ist
dabei wesentlich mehr als werbliche Imagepolitur. Es gilt, nicht nur die anvisier-
ten Veränderungen im Fremdbild und Korrekturen im Selbstbild, sondern auch
eine weitgehende Übereinstimmung dieser Vorstellungsbilder und Images zu
erreichen.

Studien, die wir in diesem Zusammenhang mit meinem Institut durchgeführt ha-
ben, zeigen, dass wir mit der in vielen Dimensionen weitgehend übereinstim-
menden Wahrnehmung von Wissenschaft und Lebensart über eine gute Aus-
gangsposition verfügen, aber in der Gestaltung des Leistungsprofils und dessen
Bekanntmachung ebenso wie in der Veränderung von Einstellungen und Verhal-
tensweisen der Bürger unserer Stadt im Sinne einer zukunftsweisenden und
weltoffenen Stadtkultur noch einiges zu tun bleibt. Ein authentisches und glaub-
würdiges Markenprofil unserer Stadt wird eben nicht nur und in erster Linie durch
aufmerksamkeitsstarke Werbung, sondern vor allem auch durch Leistungen und
durch eine entsprechend gelebte Stadtkultur geprägt.

Dies macht nochmals deutlich, dass die Umsetzung und der Erfolgsnachweis des
Städtemarketing weit schwieriger als bei Seife, Zigaretten und Automobilen sind.
Die Umsetzung der strategischen und operativen Maßnahmen muss nicht nur
entlang des im politischen Willensbildungsprozess festgelegten Handlungskorri-
dors konsequent, koordiniert und wirksam erfolgen. Damit spreche ich die dritte
Herausforderung des Städtemarketing an.

Auch Münster Marketing muss die Investitionen durch überzeugende Leistungs-
nachweise rechtfertigen. Dazu bedarf es eines systematischen Marketing-
Controlling, das Aufschluss über die Effizienz der vielgestaltigen Maßnahmen in
den Bereichen Touristik, Wirtschaft, Wissenschaft und Bürgerschaft gibt. Diese
Notwendigkeit wurde erkannt und führte zur Entwicklung maßgeschneiderter Mo-
nitoring-Systeme.

Weitaus schwieriger ist die letzte Aufgabe, die Vernetzung der internen und ex-
ternen Akteure der Stadtentwicklung. Es kann dies — wie meine Ausführungen
deutlich gemacht haben - nicht nur und alleinige Aufgabe von Münster Marketing
sein. Münster Marketing kann für die notwendige Intensivierung der Zusammen-
arbeit der Akteure in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik in der Stadtentwicklung
nur die Rolle als Katalysator und integerer Moderator übernehmen. Zur besseren

7

Ausschöpfung der in unserer Stadt reichlich vorhandenen Potenziale bedarf es —
wie das unsere Wettbewerbsstädte erfolgreich praktizieren - einer stärkeren In-
stitutionalisierung der Zusammenarbeit und einer damit verbundenen inneren
Verpflichtung der Akteure.

v1.

Damit werden auch die Grenzen des Stadtmarketing sichtbar. Es muss sich in
den größeren Zusammenhang der Stadtpolitik und Stadtentwicklung einordnen
und den sich verändernden Rahmenbedingungen im härter werdenden Stand-
ortwettbewerb anpassen. In den Diskussionen um New Public Management ist
von neuen Paradigmen und Konzepten der Stadtentwicklung die Rede, die ein
erfolgreiches Stadtmarketing aufgreifen und praktizieren müssen. Dies ist in
Münster der Fall, und das heutige Zukunftsgespräch zeigt, dass die Stadt im Dia-
log mit den Bürgern auf dem richtigen Weg ist. Die Sicherung der Zukunftsfähig-
keit unserer Stadt wird vor allem dann gelingen, wenn

® Konsens in Stadtpolitik und Stadtverwaltung über die anzustrebenden Ziele
besteht,

® eine Konzentration auf die angestammten Kompetenzen und deren Weiter-
entwicklung erfolgt,

u ein innovatives Klima und Offenheit für Kooperationen besteht,

" die auf die Zielmärkte gerichteten Maßnahmen koordiniert und in ihren Wir-
kungen kontrolliert werden sowie

" die notwendige Kontinuität beachtet und bei den verantwortlichen Entschei-
dungsträgern ein Commitment besteht.

Es ist offenkundig, dass unter den veränderten finanziellen und wettbewerblichen
Rahmenbedingungen zur Sicherung einer ausgewogenen Balance zwischen
wissenschaftlichen, wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Belangen Eigenver-
antwortung und bürgerschaftliches Engagement besonders gefragt sind. Auch
hier ist Münster auf dem richtigen Weg. Ich selbst habe im ISM-Prozess und im
Beirat Münster Marketing erfahren, mit wie viel Herzblut, guten Ideen und innerer
Verpflichtung sich die Beteiligten für die Zukunft unserer Stadt engagiert haben.
Hierfür und für die stets kooperative Zusammenarbeit möchte ich mich an dieser
Stelle ebenso wie bei den für die Umsetzung dieses Prozesses Verantwortlichen,
Frau Spinnen und Herrn Dr. Hauff, herzlich bedanken.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, es war mir das Glück beschieden, in
meinem Leben, besonders jetzt im Alter, verschiedene Ehrungen und Auszeich-
nungen entgegennehmen zu dürfen. Bei meiner ersten Begegnung mit Münster
hätte ich mir nicht träumen lassen, dass ich diese Stadt so sehr ins Herz schlie-
ßen würde. Heute macht diese Tatsache jedoch die mir verliehene Paulus-
Plakette zur wertvollsten aller Auszeichnungen.

Lassen Sie mich mit einem Zitat des in diesen Tagen Deutschland besuchenden
Papstes Benedikt XVI. schließen. Er hat als in dieser Stadt lebender und wirken-
der Theologie-Professor gesagt: „Eine schöne, ja geradezu vornehme Stadt. Hier
korrespondiert große Vergangenheit mit dynamischer Gegenwart. Beeindru-
ckend.“ Ich wünsche, dass diese Dynamik erhalten bleibt und sich zum Wohle für
die Zukunft der Stadt weiter verstärkt.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!

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Anlage 6
zur Vorlage V/0113/2007

Franz-Josef Jakobi

Jährliche Veranstaltungswoche zur Erinnerung an der Westfälischen Frieden

Der Friedensschluss von 1648, durch den in Münster der 30jährige Krieg beendet
wurde, und seine Umsetzung in Vertragsform sind als „Westfälischer Frieden“ bis
heute im regionalen, überregionalen und internationalen Geschichtsbewusstsein tief
verankert. Der Name der Stadt, in der in einer Kette von Staatsakten und
Festveranstaltungen vom Sommer 1648 bis zum Frühjahr 1649 die Beendigung der
Kriegshandlungen, der Abschluss der Friedensverträge und ihre öffentliche
Verkündigung feierlich begangen wurde, ist für immer damit verbunden. In Münster
ist dem durch Jubiläumsfeiern mit Ausstellungen, Vortragsveranstaltungen und
Publikationen seit Generationen immer wieder Rechnung getragen worden. Dabei
standen vor allem das Vertragswerk selbst mit seinen neuen staats- und
völkerrechtlichen Bestimmungen und seine bis in die Gegenwart reichenden
Wirkungen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.

Nicht weniger von Bedeutung für unsere Zeit erscheint — angesichts drohender
Verteilungskämpfe um knapper werdende Ressourcen und neuer ethnischer und
konfessioneller Konflikte auf allen Kontinenten — der lange und mühsame Prozess,
der zu diesem Ergebnis geführt hat. Fünf Jahre lang ist in Münster — und parallel
dazu auch in Osnabrück - unter schwierigsten Bedingungen verhandelt worden: es
gab keinen Waffenstillstand und die Kriegshandlungen gingen ununterbrochen
weiter; ebenso wenig gab es international anerkannte und erprobte Regeln für solche
Verhandlungen, sie mussten vielmehr in aufwendigen Prozeduren von den
Gesandten der kriegführenden europäischen Mächte und der deutschen
Fürstentümer und Städte zugleich mit der Auseinandersetzung über die Inhalte neu
entwickelt werden. Die Stadt mit ihrer noch intakten Infrastruktur bot dafür den
ganisatorischen und logistischen Rahmen, sie war \Verhandlungsforum mit
zahlreichen über den gesamten Stadtraum verteilten Orten und Ebenen.

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s bietet sich an, ein jährlich zu wiederholendes Veranstaltungsprogramm auf diese
istorische Situation zu beziehen, in der es möglich war, in einer ausweglos
scheinenden Konflikt- und Kriegssituation Problemlösungen zu erreichen, indem
man den mühsamen Verhandlungsweg beschritten und allen verfügbaren kreativen
und innovativen Sachverstand dafür mobilisiert hat. Mehr noch als der Westfälische
Frieden als staats- und völkerrechtliches Vertragswerk, das sich trotz seiner bis
heute reichenden Wirkungen in seiner Bedeutung nicht von selbst erschließt, bietet
so das historische Themenfeld „Münster 1643 - 1648. Konfliktbewältigung und
Friedenssicherung am Ende des 30jährigen Krieges“ Anknüpfungs- und
Orientierungspunkte, wenn es darum geht, für die Krisenherde unserer Zeit neue
Instrumentarien und Verfahren zur Konfliktvermeidung, Konfliktlösung und
Friedenssicherung zu entwickeln oder um einen Konsens durch Verhandlungen zu
ringen.

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Durch das bereits im Jahr 2006 entwickelte und in einer Veranstaltungssequenz vom
18. - 27. Oktober mit großem Zuspruch und positivem Echo umgesetzte offene
Programm-Konzept „Westfälischer Friede — gestern, heute, morgen“ wird deshalb —
unter Beibehaltung der generellen Würdigung des historischen Ereignisses und
seiner Wirkungsgeschichte — in erster Linie der Gegenwarts- und Zukunftsbezug

thematisiert. Die Leitlinie „Münster - Kompetenz für Friedenssicherung,
Krisenprävention und Konfliktlösung durch Dialog“ kennzeichnet so eine auf heute
und morgen gerichtete offene Programmatik mit direktem Bezug auf 1648, die der
Positionierung Stadt in der regionalen und nationalen wie der europäischen und
globalen Städtelandschaft dienen kann.

Dauerhaft einzurichten wäre also eine jährlich um den 24. Oktober stattfindende
Veranstaltungswoche mit diesem Rahmenkonzept. Sie soll mit wechselnden
Schwerpunkten in den vier Aufgabenfeldern „erinnern und gedenken - forschen,
lehren und lernen — helfen, Frieden sichern, Krisen bewältigen - ausstellen,
darstellen, dokumentieren‘ die vielfältigen in der Stadt dafür vorhandenen
Kompetenzen einer breiten Öffentlichkeit vorstellen und bewusst machen. Die
wissenschaftlichen und organisatorischen Potenziale, über die Münster als Schul-
und Hochschul-, als Wirtschafts- und Verwaltungsstandort sowie als Garnison
verfügt, sollen in ihrer ganzen Vielfalt in jeweils wechselnden Konstellationen darin
einbezogen werden.

Im Oktober 2006 stand im Mittelpunkt der Veranstaltungswoche die Präsentation des
„Netzwerks Humanitäre Hilfe” mit seinen Partnern an Universität und
Fachhochschule, in Einrichtungen der Bundeswehr, des Katastrophenschutzes und
des Deutschen und Internationalen Roten Kreuzes sowie zahlreichen privaten
Initiativen. Das Netzwerk hat seine Organisationsbasis in dem 2001 an der
Fachhochschule gegründeten „Kompetenzzentrum Humanitäre Hilfe“, das seither
zahlreiche Projekte in Forschung und Lehre mit einem inhaltlichen und dezidiert
praktischen Bezug zur Soforthilfe und Daseinsvorsorge im In- und Ausland
durchgeführt und koordiniert hat.

In diesem Jahr soll die Veranstaltungswoche in enger Kooperation mit dem Team um
Prof. Dr. Barbara Stollberg-Rilinger und Prof. Dr. Hubert Wolf von der WWU
durchgeführt werden, das gerade im Wettbewerb der deutschen Hochschulen um die
Bewilligung von Exzellenz-Clustern mit einem umfangreichen Forschungsprogramm
zum Thema „Religion und Politik in den Kulturen der Vormoderne und Moderne“ in
die entscheidende letzte Runde gegangen ist. Es ist vorgesehen, diesen
Problembereich, der ja auch im Mittelpunkt der Auseinandersetzungen im
Dreißigjährigen Krieg und des Ringens um den Westfälischen Frieden stand, unter
den oben genannten Prämissen zum Leitthema zu machen.

Münster, Februar 2007

Ergänzungsvorlage Beschluss

3675 Zeichen

V/0113/2007/1 
DER OBERBÜRGERMEISTER 
Münster Marketing 
Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung, Verkehrsplanung 
 
 
 
 
 
 
 
 
Betrifft 
 
Erstes Münsteraner Zukunftsgespräch (08.09.2006) "Münster - Mit Wissen erfolgreich im 
Standortwettbewerb" - Ergebnisse und Konsequenzen 
 
 
 
Beratungsfolge 
 
 
13.06.2007 Hauptausschuss Vorberatung 
13.06.2007 Rat Entscheidung
 
 
Beschlussvorschlag: 
 
Sachentscheidung 
 
1. Der Rat nimmt die Ergebnisse des „Ersten Münsteraner Zukunftsgespräches“ zur Kenntnis 
(Anlagen 2 und 3).  
 
2. Die Verwaltung wird beauftragt, mit der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und 
der Fachhochschule Münster Gespräche zur Gründung einer „Konzertierten Aktion Wis-
senschaftsstadt Münster“ zu führen, die perspektivisch alle Hochschulen und auch die au-
ßeruniversitären Forschungseinrichtungen sowie die Wirtschaft einbeziehen soll (Anlagen 3 
und 4). 
 
3. Der Rat nimmt zur Kenntnis, dass die Ergebnisse des Projektes „Kompetenzfeldentwick-
lung Münster.land“ der Wirtschaftsförderung Münster GmbH die bei der Vorbereitung des 
Zukunftsgesprächs identifizierten Zukunftsfelder „Gesundheit/Life Science“ und „Nanotech-
nologie“ auch aus Sicht der wirtschaftlichen Entwicklung bestätigen und weiterqualifizieren.  
 
Bei der Entwicklung der Kompetenzfelder soll in geeigneter Weise auch das Müns-
terland eingebunden werden. 
 
4. Der Rat beauftragt die Verwaltung, das Themenfeld „Gesundheit/Life Science“ in den von 
der Prognos AG vorgeschlagenen Spezifizierungen „Medizintechnik und Pharma“ und 
„Präventivmedizin“ gemeinsam mit den Hochschulen, der münsterschen Wirtschaft und der 
Wirtschaftsförderung Münster sowie den städt ischen Fachdienststellen (v.a. Gesundheits-
planung) zu einem Marken- und Profilierungsthema für Münster zu entwickeln. 
 
Vorlagen-Nr.: 
V/0113/2007/1. Erg.
Auskunft erteilt: 
Frau  Spinnen 
Herr Dr. Hauff 
Ruf: 
492 27 00 
492 61 35 
E-Mail: 
spinnen@stadt-muenster.de  
Datum: 
11.06.2007 
Öffentliche Beschlussvorlage

- 2 - 
V/0113/2007/1 
5. Die Verwaltung wird beauftragt, das Markenthema „Westfälischer Friede“ als Teil der Kon-
zertierten Aktion Wissenschaftsstadt Münster und mit geeigneten Partnern aus der Stadt 
mit dem Ziel der überregionalen Positionierung und Profilierung weiterzuentwickeln (Anlage 
6).  
 
6. Die Verwaltung wird beauftragt, Projekte zu entwickeln und umzusetzen, die die Verbin-
dung zwischen Wissenschaft und Kultur als Teil des Zukunftsprofils „Wissenschaft und Le-
bensart“ für breite Bevölkerungsschichten sichtbar machen und die Stadt auch international 
positionieren.  
 
7. Die Verwaltung wird beauftragt, die von den Beschlussvorschlägen 2 – 6 nicht erfassten 
Projektvorschläge des Zukunftsgesprächs unter Berücksichtigung ihrer Vernetzungs- und 
Profilbildungspotenziale in Rückkopplung zu den Mitgliedern des Beirats Münster Marketing 
zu prüfen und entsprechend den Prüfergebnissen Vorschläge zu ihrer Realisierbarkeit in öf-
fentlich-privater Partnerschaft zu entwickeln (Anlage 5). 
 
 
Kosten/Folgekosten 
 
Durch die vorstehenden Beschlusspunkte entstehen unmittelbar keine Kosten und Folgekosten. 
 
Bei Bedarf werden den Ratsgremien entsprechende Beschlussvorschläge in gesonderten Vorla-
gen vorgelegt.  
 
 
 
Begründung: 
 
Der Werksausschuss Münster Marketing hat in seiner Sitzung am 23.05.2007 die Ergänzung des 
Beschlusspunktes 3 beschlossen. Die Verwaltung schließt sich diesem Beschluss an und schlägt 
dem Rat vor, die Vorlage in der geänderten Fassung zu beschließen. 
 
Bei der weiteren Änderung im Punkt 3 (Zeile 2) der Vorlage handelt es sich lediglich um eine re-
daktionelle Anpassung. 
 
 
 
I.V. 
 
 
Schultheiß 
Stadtdirektor

Beratungsverlauf (2)

13.06.2007 Hauptausschuss
TOP 16 Vorberatung Entscheidung

Beschluss: ohne Beschlussfassung geschoben

Zur Sitzung
13.06.2007 Rat
TOP 16 Entscheidung Entscheidung

Beschluss: einstimmig beschlossen

Zur Sitzung

Orte (4)

  • Pferdegasse
  • Prinzipalmarkt 8
  • Schlossplatz
  • In der Au

Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.

Details

Vorlagen-Nr.
V/0113/2007/1
Typ
Vorlagen
Datum
11.06.2007
Erstellt
06.10.2020 14:37