V/0461/2021
Konzeptstudie Münster Klimaneutralität 2030 - Kurzfassung
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V_0461_2021_Anlage 1_Münster Klimaneutralität 2030 - Kurzfassung
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Jung Stadtkonzepte mit Gertec Konzeptstudie Münster Klimaneutral 2030 1 / 3 9 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Konzeptstudie Münster Klimaneutralität 2030 Ergebnisdokumentation Kurzfassung Jung Stadtkonzepte mit Gertec Konzeptstudie Münster Klimaneutral 2030 2 / 3 9 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Inhalt 1. Präambel: Das nächste Jahr zehnt ist entscheidend! 3 2. Die Aufgabenstellung – Konzepts tudie Münster Klimaneutral 2030 4 3. Die Ausgangssituation 5 4. Der Zielpfad 8 4.1. Ziele des Pariser Klimaschutza bkommen auf Münster übertragen 8 4.2. Den Zielentwicklungspfad für Münster herleiten 10 4.3. Netto-Null-Emissionen: Lokale und re gionale Kompensation einbeziehen 12 4.4. Definition Klimaneutralität für Münster 13 4.5. Leitziele für die Klimaneutralität 2030 14 Klimaschonend Bauen und Sanieren 16 Klimaschonend Arbeiten und Wirtschaften 17 Klimaschonende Entscheidungen 17 Klimaschonende Energieversorg ung und Erneuerbare Energien 18 Klimaschonende Mobilität 18 5. Die Herausforderungen 20 6. Handlungsspielräume 28 6.1. Unmittelbar umsetzbarer kommunaler Einflussbereich 29 6.2. Zusätzlicher kommunaler Einflussbereich 29 7. Zeithorizonte 34 7.1. Einflussfaktoren 34 7.2. Szenarien zur Berechnung von Zeithorizonten 37 8. Fazit 38 Jung Stadtkonzepte mit Gertec Konzeptstudie Münster Klimaneutral 2030 3 / 3 9 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1. Präambel: Das nächste Jahr zehnt ist entscheidend! Der Klimawandel hat uns bereits erreicht: Auch in Münster sind die Auswirkungen der globalen Erwär- mung schon seit einigen Jahren deutlich zu spüren. Die zu heißen und trockenen Sommer sowie Starkregenereignisse hinterlassen bereits jetzt merkliche Schäden. Der Klimawandel ist keine abs- trakte Bedrohung mehr, sondern findet vor unserer Haustür statt. Die menschengemachte globale Er- wärmung bedroht zukünftig die Lebensqualität, den Wohlstand und die Zukunftsperspektiven der Men- schen in Münster, aber auch weltweit. Schaut man auf die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse und Prognosen zum fortschreitenden Klimawandel, wird deutlich, dass die heutige Gesellschaft schon auf Kosten zukünftiger Generationen lebt. Der „point of no return“ ist schon bald überschritten – das Abschmelzen des Eises in der Arktis, das Auftauen von Permafrostböden am Polarkreis und die Ver- nichtung der Regenwälder sind drohende Kipppunkte für die Erderwärmung und das Klima. Schon in der näheren Zukunft werden die durch den Klimawandel bedingten Veränderungen auch in Münster für weitere wirtschaftliche Schäden und soziale Verwerfungen sorgen. Der Konzern Stadt Münster, aber auch die Stadtgesellschaft haben daher eine große Verantwortung, rasch zu handeln und ihre Möglichkeiten zum Klimaschutz umfassend auszuschöpfen. Schon seit Jah- ren setzt sich die Stadt aktiv für den Schutz des Klimas ein – nun ist es notwendig, dieses Engage- ment schnell auszubauen und eine Koalition zwischen der Verwaltung, der Politik und der gesamten Stadtgesellschaft zu schmieden. Dabei sind die Herausforderungen für die Kommune und Politik, aber auch für die Menschen in der Stadt gewaltig, wenn die Transformation der Stadt Münster hin zur Kli- maneutralität in den nächsten Jahren gelingen soll. Das Jahrzehnt bis 2030 ist dabei entscheidend, diesen Wandel einzuleiten und rasch ins Handeln zu kommen, um das Klima und die Ressourcen vor Ort zu schützen, aber auch dem Anteil Münsters an der globalen Verantwortung für den Klimaschutz gerecht zu werden. Wo kann die Stadt Münster in dieser Dekade handeln und wo liegen die Grenzen dieses Handelns? Wo muss die Zusammenarbeit mit Partnern und Akteuren außerhalb Münsters in- tensiviert werden, und wo ist die Stadt angewiesen auf zukünftige technologische, gesellschaftliche und politische Entwicklungen? Methodisch ist dabei der Paradigmenwechsel von einem Fokus eines globalen 1,5 Grad-Ziels und damit verbundenen lokalen Einsparzielen hin zu einer CO 2- Restbudgetbe- trachtung (vergl. Kap. 4.1) relevant – die positiven Auswirkungen des Handelns des Konzerns Stadt Münster und der Stadtgesellschaft sind direkter für Menschen nachvollziehbar und motivieren zum Kli- maschutz vor Ort. Die nun vorliegende Kurzfassung der Konzeptstudi e nennt die großen Herausforderungen für den Kli- maschutz in Münster und zeigt mögliche Pfade zur Klimaneutralität auf. Die Ergebnisse machen deut- lich: Das nun begonnene Jahrzehnt bis 2030 wird entscheidend sein, um Münsters Beitrag für den Schutz des globalen Klimas zu leisten und die Zukunftsperspektive kommender Generationen zu sichern. Münster, Essen, Köln im Mai 2021 Jung Stadtkonzepte mit Gertec Konzeptstudie Münster Klimaneutral 2030 4 / 3 9 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2. Die Aufgabenstellung – Konzeptstudie Münster Klimaneutral 2030 Mit der Ratifizierung des Klimaabkommens von Paris hat sich die Bundesrepublik Deutschland völker- rechtlich bindend zu den darin festgelegten Klimazielen bekannt. Danach soll die Erderwärmung im Ver- gleich zum vorindustriellen Niveau deutlich unter 2°C begrenzt werden. Die Empfehlung lautet, den Anstieg möglichst nicht über 1,5°C steigen zu lassen. Auch wenn es für Deutschland und demzufolge für die kom- munale Ebene noch keinen verbindlichen Transformationspfad zur Umsetzung gibt, ist es eindeutig, dass die Frage der kommunalen Klimaschutzziele neu verhandelt und ausgerichtet werden muss. Die Stadt Münster hat daher am 11.12.2019 beschlossen, Klimaneutralität bis 2030 anzustreben. Ein Schritt auf diesem Weg ist die Erarbeitung einer Fachstudie. Die vorliegende Kurzfassung ist ein Auszug und fasst die Kernergebnisse zusammen - sie behandelt folgende zentrale Fragestellungen: Zielpfad: Wie sieht ein möglicher Weg zur Klimaneutralität 2030 für die Stadt Münster aus, um das 1,5° Ziel des Pariser Klimaabkommens zu erreichen? Herausforderungen: Was muss hierfür geschehen und welche Herausforderungen für die Stadtge- sellschaft sind damit verbunden? Handlungsspielräume: Welche Potenziale zur Einsparung gibt es und welche direkten und indirek- ten Einflussmöglichkeiten hat der Konzern Stadt Münster, dass diese gehoben werden? Welchen Beitrag müssen Bund und Marktakteure leisten? Zeithorizonte: Welche Zeithorizonte für die Klim aneutralität Münster sind unter Berücksichtigung der kommunalen Handlungsspielräume und den übergeordneten Rahmenb edingungen erreichbar? Laufende Arbeitsschritte, deren Ergebnisse dann mit dem finalem Gutachten nach der Sommerpause vorgelegt werden, sind: Welchen Nutzen für die regionale Wertschöpfung zieht die Stadt Münster aus der umfassenden Transformation? Mit welchen Ad-Hoc-Maßnahmen kann der Konzern Stadt Münster sofort handeln, und mit welchen Maßnahmen muss das Handlungsprogramm Klimaschutz 2030 ergänzt und erweitert werden? Die Konzeptstudie beschreibt – vom Ziel her gedacht - mögliche Pfade auf dem Weg zur Klimaneutralität 2030 und die damit verbundenen Herausforderungen und Handlungsspielräume. Der Korridor zur Zielerrei- chung ist eng und lässt kaum Abweichungen vom berechneten Zielpfad zu. Auch wenn der Spielraum für Abweichungen gering ist, wird die Umsetzung ohne die Auseinandersetzung mit konkreten Einzelfallbe- trachtungen nicht auskommen. Insofern beantwortet die Studie nicht die Frage der Machbarkeit. Diese muss im Rahmen der Einzelfallbetrachtungen in einem sich dem Gutachten anschließenden, verwaltungs- internen Prozess des Konzerns Stadt Münster beantwortet werden. Dies soll dann nach Vorlage des fina- len Gutachtens erfolgen. Die Erarbeitung einer umsetzungsbezogenen Transformationsstrategie über alle Handlungsfelder ist aus gutachterlicher Sicht ein geeignetes Format und wird für die weitere Umsetzung empfohlen. Jung Stadtkonzepte mit Gertec Konzeptstudie Münster Klimaneutral 2030 5 / 3 9 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3. Die Ausgangssituation Politische Beschlussfassung und konzeptionelle Grundlagen Die Stadt Münster hat 2017 mit dem Masterplan 100% Klimaschutz einen Weg aufgezeigt, wie und unter welchen Voraussetzungen sie bis 2050 weitge hend klimaneutral werden kann und welche stra- tegischen Weichen hierfür gestellt werden müssen. 2019 hat die Stadt den Klimanotstand ausgerufen und mit Beschluss des Handlungsprogramms Klimasch utz 2030 Ende des Jahres die Zielsetzung da- hin gehend geschärft, möglichst bis 2030 klimaneutral zu werden. Wie und unter welchen Voraussetzungen und Rahme nbedingungen die Stadt Münster dieses Ziel be- reits 2030 erreichen kann, soll über die vorliegende Konzeptstudie über eine gutachterliche Leistung dargestellt werden. Als Grundlagen der vorliegenden Konzeptstudie dienen insbesondere: der Master- plan 100% Klimaschutz 2050, das Handlungsprogramm Klimaschutz 2030 sowie die städtischen Energie- und CO 2-Bilanzen. Zentrales Element ist der Masterplan mit den darin empfohlenen Klima- schutzstrategien für die Stadt Münster. Die Strategi e formuliert Leitlinien und Leitplanken über alle Handlungsfelder des kommunalen Klimaschutzes hinweg und bildet damit den Überbau für alle Klima- schutzaktivitäten der Stadt Münster. Handlungsprogramm Klimaschutz 2030 für Münster Der Rat hat mit Beschluss vom 13.12.2017 (V/0689/2017) die Verwaltung beauftragt, auf Basis des Masterplan 100% Klimaschutz ein konkretes Hand lungsprogramm für den Klimaschutz bis 2030 in Münster zu erarbeiten Dieses wurde im Septembe r 2019 vorgelegt und am 11.12.2019 vom Rat der Stadt Münster beschlossen. Im Handlungsprogramm 2030 wurden 86 Maßnahmen (inkl. Teilmaßnahmen) in einem gemeinsamen Prozess mit der Koordinierungsstelle für Klima und Energie (KLENKO) und den beteiligten Fachämtern und Tochtergesellschaften der Stadt Münster entwickelt. Angelehnt an den Masterplan 100% Klima- schutz sind diese den thematischen Handlungsfeldern Arbeiten und Wirtschaften, Bauen und Sanie- ren, Energieversorgung und Erneuerbare Energien, Klimafreundliche Entscheidungen, Mobilität und Übergreifende Projekte zugeordnet. Die Quantifizierung zur Abschätzung der durch das Handlungsprogramm 2030 eingesparten Treibhaus- gasemissionen hat ergeben, dass bei alleiniger konsequenter Umsetzung aller Maßnahmen im Rah- men der städtischen Handlungsmöglichkeiten bis zum Jahr 2030 eine CO 2- Reduzierung von ca. 38 % gegenüber 1990 erreicht werden kann. Das entspricht einer kumulierten Reduktion um ca. 250 Tau- send Tonnen CO 2 im Jahr 2030. Diese Reduktion wurde als Handlungspotenzial im Rahmen dieser Studie mit eingerechnet. Die Zuordnung der Reduktionspo tenziale folgt allerdings nicht immer der Lo- gik des Handlungsprogramms 2030. Zum Teil sind Potenziale bereits gehoben worden, sie tauchen daher im weiteren Text nicht mehr im Gesamtpotenzial auf. Zum anderen folgt die Zuordnung der Po- tenziale der Logik der dieser Studie zugrundeliegenden Faktoranalyse. Dies führt dazu, dass Maßnah- men in ihrer Wirkung teilweise mehreren Handlungsfeldern zugeordnet werden. Es kommt daher zu Jung Stadtkonzepte mit Gertec Konzeptstudie Münster Klimaneutral 2030 6 / 3 9 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Abweichungen in den Potenzialen je Handlungsfeld im direkten Vergleich zum Handlungsprogramm 2030. Energie- und Treibhausgasbilanz 2019 Die Treibhausgasbilanz und der Endenergiebedarf in Münster ist Ausgangspunkt für die Entwicklung des Zielszenarios Klimaneutralität 2030. Die Einsparziele beziehen sich auf das Referenzjahr 1990, das Basisjahr für die Fortschreibung und die Erarbeitung der Maßnahmen ist das Jahr 2019. Seit 1990 konnten die Treibhausgasemissionen bis 2019 um 28% gesenkt werden. Damit konnten die Emissionen im Schnitt um etwas mehr als ein Prozent pro Jahr bzw. ca. 25 Tt/a reduziert werden. Die Verteilung der Emissionen in Münster auf die Energi eträger und Verbrauchssektoren zeigt die folgende Abbildung. Abbildung 1: Die Entwicklung der Treibhausgasemissionen von 1990 bis 2019 Die Berechnung der Treibhausgasbilanz wird von der Stadt Münster in einem regelmäßigen Prozess durchgeführt. Die Bilanz ist fortschreibbar und dien t damit im weiteren Prozess als Controlling-Werk- zeug. Bilanziert wird nach dem sogenannten BI SKO-Standard (Bilanzierungssystematik Kommunal). Der Standard sieht eine Territorialbilanz vor. Durch diesen wissenschaftlich fundierten und etablierten Standard werden nur die im Projektgebiet anfallenden - und tatsächlich auch messbaren - Endenergie- verbräuche und Emissionen bilanziert. Die Verbrauchssektoren „Private Haushalte“, „Gewerbe, Handel, Dienstleistung (GHD)“, „Indust- rie“ sowie die „Mobilität“ benötigen im Bezugsjahr 2019 insgesamt circa 6.210 Gigawattstunden pro Jahr (GWh/a) (vergl. folgende Abbildung 2). 0 Tt/CO2 500 Tt/CO2 1.000 Tt/CO2 1.500 Tt/CO2 2.000 Tt/CO2 2.500 Tt/CO2 3.000 Tt/CO2 1990 1995 2000 2005 2010 2015 2019 Entwicklung der Treibhausgasemissionen Jung Stadtkonzepte mit Gertec Konzeptstudie Münster Klimaneutral 2030 7 / 3 9 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Abbildung 2: Verteilung der Endenergie nach Sektoren als Energieflussdiagramm Abbildung 3: Verteilung der Emissionen nach Sektoren als Flussdiagramm Jung Stadtkonzepte mit Gertec Konzeptstudie Münster Klimaneutral 2030 8 / 3 9 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Die Treibhausgasbilanz von Münster weist für das Jahr 2019 Gesamtemissionen von 1.891.000 Ton- nen CO 2eq auf. Die Emissionen entfallen mit ca. 30% und 582.000 Tonnen CO 2eq vor allem auf den Sektor Verkehr, gefolgt von den Priv aten Haushalten mit 534.000 Tonnen CO 2eq (ca. 28%). Gewerbe- Handel-und-Dienstleistungssektor machen zusammen mit den Industrieunternehmen in Münster einen Anteil von in Höhe von 42% aus (775.000 Tonnen CO 2eq). 4. Der Zielpfad Die Ziele des Pariser Klimaabkommens werden auf die Stadt Münster übertragen. Wie groß ist das verbleibende CO 2-Budget auf kommunaler Ebene um die Anforderungen des Klimaabkommens zu erfül- len? Wie muss ein Zielentwicklungspfad aussehen? Müssen auf kommunaler Ebene Kompensations- möglichkeiten berücksichtigt werden? Was bedeutet das für eine angepasste Definition des Begriffs Klimaneutralität? 4.1. Ziele des Pariser Klimaschutzab kommen auf Münster übertragen Um die Erderwärmung im Vergleich zum vorindustrie llen Niveau deutlich unter 2°C zu begrenzen, sind prozentuale Emissionsreduktionsziele allein kein ausreichender Beitrag. Zu der Erreichung der Ziele des Pariser Klimaabkommens ist es zusätzlich er forderlich, den absoluten Gesamtausstoß an Treib- hausgasen zu begrenzen. Der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) empfiehlt, ein mit dem Pa- riser Klimaabkommen kompatibles deutsches CO 2-Budget festzulegen und die Klimaziele entspre- chend zu verschärfen. Die Betrachtung des CO 2-Budgets soll dabei als übergreifende Bewertungs- grundlage zur Zielerreichung dienen. Die Grundlagen der CO2-Budgetierung Während das globale CO 2-Budget im Bericht des IPCC (Intergove rnmental Panel on Climate Change) im Jahr 2018 für unterschiedliche Temperaturanstiege und Wahrscheinlichkeiten vorgelegt wurde, ist die nationale Budgetverteilung zwischen den Ländern bi slang nicht verbindlich geklärt. Die Länder haben demnach freie Hand bei der Interpretation. Diskutiert werden unterschiedliche Ansätze, wie mit der Budgetbetrachtung in Bezug auf die eigene Zielformulierung umzugehen ist, bei der es vor allem um die Frage der gerechten Verteilung des verbleibenden Budgets geht. Der Sachverständigenrat für Umweltfragen empfiehlt für Deutschland ab 2020 ein Budget in Höhe von rd. 6,7 Gigatonnen CO 2 nach dem Einwohnerprinzip. Dem Prinzip liegen die Annahmen zugrunde, dass die zurückliegenden Emissionen nicht berücksichtig t werden, jedoch ein möglichst ambitioniertes 1 Budget angenommen wird. Weiterhin wird ein gleiches Pro-Kopf-Emissionsrecht für jede*n Bewoh- ner*in der Erde angenommen. Bei einer Zunahme der Bevölkerung würde sich das Budget entspre- chend erhöhen, bei einem Schrumpfungsprozess abnehmen. 1 Ambitioniert bedeutet hier eine Wahrscheinlichkeit der Zielerreichung des 1,5°- 1,75° Ziels von 67% anstatt 50%. Jung Stadtkonzepte mit Gertec Konzeptstudie Münster Klimaneutral 2030 9 / 3 9 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Das Münsteraner CO2-Budget herleiten Für die kommunale Ebene gibt es noch keine verbindlichen methodischen Vorgaben zur Behandlung des CO2-Budgets. Wird das oben beschriebene Prinzip auf die Verteilung innerhalb Deutschlands über- tragen, ergibt sich nach dem Einwohnerprinzip zur Einhaltung des 1,5° Ziels ein Anteil von rd. 47 Ton- nen pro Person. Auf Münster entfällt mit einer Einwohnerzahl von rd. 310.000 Personen ein Budget von rd. 14,6 Millionen Tonnen CO 2 bis zum Jahr 2050. Mit der Übernahme der Empfehlung des Sachverst ändigenrates für Umweltfragen folgt der Klimaplan 2030 einer Methodik, die die Gerechtigkeitsfrage 2 im Sinne einer ausgewogenen Betrachtung berück- sichtigt. Es handelt sich hierbei um eine plausible , gangbare Variante, das Budget auf diese Weise zu berechnen. Die fachliche Diskussion ist damit jedoch noch nicht abgeschlossen. Sofern in Zukunft einheitlichere Regeln zur Methodik der Budgetberechnung für Kommunen festgelegt werden, wird emp- fohlen, die vorliegende Betrachtung dementsprechend zu überprüfen und ggf. anzupassen. Das CO 2-Budget auf die Münsteraner Bilanzgrenzen übertragen Das oben beschriebene Budget bezieht sich au f die energetischen und die nicht energetischen CO ₂- Emissionen. Das CO 2-Budget berücksichtigt zudem nur CO 2 als Treibhausgas. Methan und Distickstof- foxid/Lachgas werden nicht berücksichtigt. Der in Münster eingesetzte BISKO-Standard bezieht sich nur auf die energetischen Emissionen, berücksichtigt dabei jedoch zusätzlich treibhausrelevante Gase als CO 2-Äquvalent. Zur Übertragung des CO 2-Budgets auf die Münsteraner Bilanzgrenzen werden daher folgende Annah- men getroffen: Aus dem Nationalen Inventarbericht zum Deutschen Treibhausgasinventar geht hervor, dass ca. 93% der Emissionen (CO 2, Methan und Lachgas) energiebedingt sind. Als Grundlage für die Budgetbetrachtung werden von den oben genannten 14,6 Millionen Tonnen CO 2 lediglich 13,7 Millio- nen Tonnen angenommen. Von diesem Budget werden im Sinne einer Restbudgetbilanz die jährlichen Emissionen der Stadt Münster aus der BISKO-Bilanz abgezogen. Sobald die Summe negativ wird, ist das Budget der Stadt Münster verbraucht und das 1,5° Ziel aus kommunaler Perspektive verfehlt. Da in der BISKO-Bilanz jedoch nicht nur CO 2 sondern CO 2-Äquvalente enthalten sind, handelt es sich hier um eine konservative Betrachtung. 2 Die Gerechtigkeitsfrage bezieht sich hier auf eine klimagerechte Emissionspolitik zwischen den Industrienationen mit hohem Treib- hausgas-Ausstoß und den Entwicklungsländern. Jung Stadtkonzepte mit Gertec Konzeptstudie Münster Klimaneutral 2030 10 /39 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4.2. Den Zielentwicklungspfad für Münster herleiten Die Herleitung des Zielentwicklungspfads für Münster baut auf Szenarien auf. Diese berücksichtigen die Potenziale, die im Masterplan 100% Klimaschutz der Stadt Münster ermittelt wurden, sowie neue Erkenntnisse zu den verfügbaren Potenzialen Erneuerbarer Energien in Münster. Der direkte Vergleich der Annahmen zur Szenarienberechnung zeigt Tabelle 4. Abbildung 4: Vom Masterplan Klimaneutral 2050 zur Klimaneutralität 2030 Für das Zielszenario wird von einer beschleunigten Potenzialumsetzung bis 2030 ausgegangen. Zwei Szenarien werden berechnet: Masterplanszenario: Das Masterplanszenario prüft die Einhaltung des Pariser Klimaabkommens in Be- zug auf das 1,5° - Ziel. In Abbildung 5 wird die Reduktion des jährlichen Treibhausgasniveaus sowie die Abnahme des CO 2-Budgets dargestellt. Das Budget ist in diesem Szenario ab 2030 verbraucht. Das Szenario erfüllt die Ziele des Pariser Abkommens nicht. Die Anstrengungen zum Einhalten des 1,5°-Ziels müssen also deutlich intensiviert und vor allem beschleunigt werden. Jung Stadtkonzepte mit Gertec Konzeptstudie Münster Klimaneutral 2030 11 /39 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Abbildung 5: Das Masterplanszenario unter Berücksichtigung des 1,5° Ziels Zielszenario: Das Zielszenario beschreibt den zeitlichen und absoluten Verlauf der Treibhausgasemis- sionen, um das Ziel der Klimaneutralität bis 2030 unter Einhaltung des 1,5° - Ziels zu erreichen. Die Darstellung macht die Notwendigkeit zur zeitlichen Beschleunigung nochmal besonders deutlich, in- dem sie zusätzlich den Verlauf der THG-Reduktion seit 1990 darstellt. Von 1990 bis 2019 sind die THG-Emissionen in Münster um ~28% gesunken. Das entspricht einer Reduktion von rd. 1% pro Jahr. Münster ist eine dynamisch wachsende Stadt. Die Einwohnerzahl hat sich im gleichen Zeitraum um 13% erhöht. Insofern konnte trotz steigender Einwohnerzahlen eine leichte Entkopplung von den THG- Emissionen erreicht werden und die THG-Emissionen absolut reduziert werden. Gleichwohl ist der bis- herige Reduktionspfad nicht geeignet, die Ziele des Klimaabkommens einzuhalten. Von 2020 bis 2030 muss das jährliche Emissionsniveau im Vergleic h zum Vorjahr um ~182 Tt pro Jahr reduziert werden - zum Vergleich: die durchschnittliche jährliche Reduktion seit 1990 beträgt ca. 25 Tt pro Jahr. Das Budget sinkt von 2020 bis 2030 um ca. 67% von ca. 13,7 Millionen Tonnen auf ca. 4,5 Millionen Tonnen. Das führt zu einer Verminderung des CO 2 - Budgets von ~ 67%. Weiter darf das Budget ab 2030 nicht mehr belastet werden! Erforderlich si nd daher neben Maßnahmen zur THG-Reduktion auch Maßnahmen zur Kompensation, um das Ziel der Netto-Null-Klimaneutralität zu erreichen. Jung Stadtkonzepte mit Gertec Konzeptstudie Münster Klimaneutral 2030 12 /39 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Abbildung 6: Der Zielentwicklungspfad Münster 4.3. Netto-Null-Emissionen: Lokale und regi onale Kompensation einbeziehen Die Vermeidung von THG-Emissionen steht im Sinne des Vorsorgeprinzips im Umwelt- und Klimaschutz an erster Stelle und wird für die Umsetzung einer Klimaneutralität bis 2030 deutlich priorisiert. Die Emissionen sinken im Zielszenario im Vergleich zum Jahr 1990 um mehr als 95%. Eine weitere Reduk- tion ist durch die Berücksichtigung der Vorketten (Vorkette bedeutet, dass auch Emissionen aus vor- und nachgelagerten Prozessen – z.B. Förderung, Vera rbeitung und Transport - enthalten sind) in der Bilanz nicht darstellbar. Um das CO 2-Budget einzuhalten, muss die Bilanz jedoch Netto-Null-Emissionen aufweisen. Netto-Null bedeutet, dass alle THG-Emissionen durch Redukti onsmaßnahmen wieder aus der Atmosphäre ent- fernt werden und somit die Klimabilanz nach Abzug durch natürliche oder künstliche Senken (Nega- tivemissionen) netto null ist. Auf kommunaler Ebene müssen daher zusätzlich Maßnahmen der Kom- pensation bzw. „Negative Emissi onen“ berücksichtigt werden. Von Kompensation wird gesprochen, wenn sich Treibhausgasemissionen nicht vermeiden lassen und diese durch die Reduktionseffekte anderer Klimaschutzprojekte kompensiert werden. Das Prinzip der „Negativ-Emissionen (Senken)“ geht davon aus, dass CO 2 der Atmosphäre entzogen und dauerhaft gespeichert wird (Kohlendioxidabscheidung oder englisch: Carbon Dioxide Removal Jung Stadtkonzepte mit Gertec Konzeptstudie Münster Klimaneutral 2030 13 /39 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . (CDR)). Dabei werden biologische (z.B. Aufforstung), technische (z.B. Abscheidung und Speicherung) und geochemische Verfahren (z.B. Verwitterung) unterschieden. Work in Progress: Im Rahmen dieser Konzeptstudie werden aktuell grundsätzliche Möglichkeiten identifi- ziert, um das jährliche Emissionsniveau der Stadt Münster um ca. 100.000 Tonnen pro Jahr durch Kom- pensations- oder CDR-Maßnahmen zu reduzieren. Hierzu werden aktuell Maßnahmenvorschläge erarbeitet. 4.4. Definition Klimaneut ralität für Münster Vor dem Hintergrund der Ziele des Pariser Klimaabkommens wird für die Stadt Münster folgende Defi- nition der Klimaneutralität empfohlen: Die Stadt Münster erzeugt bis 2030 bilanziell keine energiebedingten Treibhausgasemissionen mehr. Das energiebedingte CO ₂-Budget zum Erreichen des 1,5° Ziels wird eingehalten. Die Stadt Münster setzt hierzu vorrangig auf Vermeidung und Reduktion von Treibhausgasen auf dem Stadtgebiet. Treibhausgase werden kompensiert, sofern dies zum Erreichen des Ziels der Klimaneutralität bis 2030 erforderlich ist. Kompensation findet in dem erforderlichen Rahmen zuerst lokal und dann global statt. Bezugsrahmen für das laufende Controlling ist die regelmäßig fortzuschreibende Energie- und CO 2- Bilanz (BISKO-Standard) der Stadt Münster in ih rer aktuellen Fassung (aktueller Stand 2019) Jung Stadtkonzepte mit Gertec Konzeptstudie Münster Klimaneutral 2030 14 /39 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4.5. Leitziele für die Kliman eutralität 2030 Das vorangegangene Kapitel hat den Zielentwicklungspfad zur Klimaneutralität 2030 beschrieben. Vom Ziel her zu denken, ermöglicht die Bündelung von Ressourcen um schnell und gezielt zu handeln. Das Klimaschutzhandeln der Stadt Münster gliedert sich in sechs Handlungsfelder: Bauen und Sanie- ren, Arbeiten und Wirtschaften, Klimaschonende En tscheidungen, Energieversorgung und Erneuerbare Energien, Mobilität sowie Übergreifende Projekte. Letzteres Handlungsfeld bündelt vor allem Maßnah- men der übergreifenden Kommunikation, des Managements und der Prozessteuerung. Abbildung 7: Von der Bilanz zum Handlungsfeld: Ziele ableiten Jung Stadtkonzepte mit Gertec Konzeptstudie Münster Klimaneutral 2030 15 /39 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Die erforderlichen Gesamtreduktionsziele werden daher auf die „operativen“ Handlungsfelder der Stadt Münster übertragen und so die Maximalziele für das Klimaschutzhandeln in Münster definiert. Dabei handelt es sich jedoch nicht um die Ziele, die allein durch den Konzern Stadt Münster erbracht werden müssen: Sie beschreiben vielmehr die stadtgesellschaftlichen Ziele, die von allen Akteuren gemeinsam erreicht werden müssen. Die absolute Höhe der Einsparziele zeigt Abbildung 8. Abbildung 8: Die Ziele je Handlungsfeld Neben den quantitativen Zielen ist es zwingend erforderlich, die Qualitäten sowie strategische Eck- punkte für die Umsetzung zu definieren. Im Folgenden werden daher für jedes Handlungsfeld die stra- tegischen Leitziele für die Umsetzung formuliert. Jung Stadtkonzepte mit Gertec Konzeptstudie Münster Klimaneutral 2030 16 /39 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Klimaschonend Bauen und Sanieren Um das Ziel zu erreichen, müssen die jährlichen Treibhausgasemissionen in diesem Handlungsfeld bis 2030 um 226.000 Tonnen sinken. Das Handlungsprogramm 2030 beschreibt für dieses Hand- lungsfeld Maßnahmen mit einem jährlichen Reduktionspotenzial von rund 45.000 Tonnen. Das ent- spricht einem Anteil von rund 20% der erforderlichen Reduktionen. Im Neubau müssen flächende- ckend effiziente Standards wie das klimaneutrale Gebäude und/oder der Plus-Energie-Standard und ressourcenschonende Wohnformen etabliert werden. Nur so lassen sich Rebound-Effekte durch stei- gende Wohnflächenbedarfe vermeiden. Die Stadt Münster muss bei eigenen Vorhaben der Sanierung und des Neubaus mit klimaschonendem Beispiel vorangehen. Bestandssanierung: Das strategische Ziel der Sanierungsrate von 8% und einer Einsparung von 80% wird vor allem durch die übergeordneten Entschei dungsebene des Bundes sowie durch die Marktak- teure vor Ort bestimmt. Der Konzern Stadt Münster kann die Entscheidungsebenen des Bundes oder der Marktakteure nicht bestimmen oder in Gänze steuern, sondern nur durch direkte oder indirekte Handlungen im Sinne der Zielerreichung darauf einwirken. Faktoren mit einer besonders hohen Bedeu- tung für das Erreichen des Sanierungsziels Kliman eutral 2030 sind ökonomische Faktoren (Wirtschaft- lichkeitslücke), rechtliche Faktoren (unübersicht licher Rechtsrahmen mit zu geringen Standards) und organisatorische Faktoren (Fachkräftemangel). Neubau: Für die Erreichung der strategischen Ziele, mit Neubauten das CO 2-Restbudget nicht weiter zu belasten und Re-Bound-Effekte durch steigende Wohnfl ächen pro Einwohner zu vermeiden, stehen der Stadt Münster mehrere planerische und rechtliche In strumente zu Verfügung, so dass hier ein hoher kommunaler Handlungsspielraum gegeben ist. Hierzu zählen die weitere planerische Berücksichtigung der Anforderungen, die sich aus dem energieeffizi enten Bauen (insbesondere Plus-Energie-Bauweise) ergeben, auf der Ebene der Bauleitplanung eb enso wie die konsequente Umsetzung der Handlungs- möglichkeiten bei städtischen Grundstücken durch private Grundstückskaufverträge und städtebauli- che Verträge, um einen Plus-Energie-Standard bei Wohngebäuden und einen Null-Emissionsstandard bei Nicht-Wohngebäuden im Neubau durchzusetzen. Auch bei den flankierenden Maßnahmen, die auf eine Überwindung von Hemmnissen in den Bereichen Ökonomie, Wissen und Einstellungen zielen, ver- fügt die Stadt mit dem städtischen Förderprogra mm über ein Instrument, welches sowohl ökonomi- sche Hürden überwinden als auch Qualitäten sicherstellen und neue Themen (Baustoffe) in die Praxis bringen kann. Zudem runden Aktivitäten zur Netzwe rkbildung und Weiterbildung das indirekte Hand- lungspotenzial ab, ergänzt um eine Strategie zur Erprobung von flächenschonenden Wohnmodellen . Kommunale Gebäude und Anlagen: Im Bereich der eigenen Liegenschaften, sowohl im Zuständigkeits- bereich des Amtes für Immobilienmanagement als auch der Konzerntöchter, hat die Stadt Münster den höchsten direkten kommunalen Einflussbereich und muss vorbildhaft mit einem eigenen klima- neutralen Gebäudebestand bis 2030 voran gehen. Mit der in Erstellung befindlichen Strategie zur Be antwortung der Frage „Was brauchen wir, um die Zielsetzung Klimaneutralität 2030 zu erreichen?“ werden sowohl die Faktoren der Einstellungen und Werte wie auch der Organisation (Personalausstattu ng) und Ökonomie (benötigte Investitionsmittel) bedient, die Neudefinition von Standards im Neubau wie auch in der Sanierung schafft die Jung Stadtkonzepte mit Gertec Konzeptstudie Münster Klimaneutral 2030 17 /39 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . erforderlichen technisch-infrastrukturellen Rahme nbedingungen, die Erstellung von gebäudespezifi- schen Energiegutachten und eine Neuorganisation von Planungsabläufen berücksichtigt den erforderli- chen Faktor Wissen. Wichtig ist im Zusammenhang mit einem möglichen neuen Flächenbedarf in einer wachsenden Stadt auch hier die konzeptionelle Betrachtung von Optimierungspotenzialen bei der Flächennutzung im Bestand. Klimaschonend Arbeiten und Wirtschaften Um das Ziel der Klimaneutralität 2030 zu erreichen, müssen die Treibhausgasemissionen in diesem Handlungsfeld bis 2030 um ca. 409.000 Tonnen pro Jahr sinken. Das Handlungsprogramm Klima- schutz 2030 ermittelt lediglich ein CO 2-Einsparpotenzial durch kommunale Maßnahmen in Höhe von rund 27.000 Tonnen CO 2 pro Jahr. Dieser Wert entspricht 6,5% des formulierten Ziels zur Einsparung. Dieser geringe Beitrag der kommunalen Maßnahmen im Handlungsprogramm weist bereits darauf hin, dass dieses Handlungsfeld mit Blick auf die Handlungsspielräume der Stadt Münster besonders an- spruchsvoll ist. Die Analyse zeigt, dass der Konzern Stadt Münster nur einen vergleichsweise geringen direkten Einfluss hat. Ökologische Zielsetzungen und wirtschaftspolitischen Strategien müssen daher als kommunale Strategie für mehr Klimaschutz und guten Rahmenbedingungen für die Unternehmen überein gebracht werden. Klimaschonende Entscheidungen Um das Ziel der Klimaneutralität 2030 zu erreichen, müssen die Treibhausgasemissionen in diesem Handlungsfeld bis 2030 um etwa 115.000 Tonnen pro Jahr sinken. Das Handlungsprogramm Klima- schutz 2030 der Stadt Münster ermittelt bereits ein CO 2-Einsparpotenzial durch kommunale Maßnah- men in Höhe von ca. 64.000 Tonnen CO 2 pro Jahr. Dieser Wert entspricht 55% des formulierten Ziels zur Einsparung von ca. 115.000 Tonnen pro Jahr. In Handlungsfeld „Klimaschonende Entscheidungen“ wird es daher darum gehen, die bereits identifi- zierten Potenziale in Gänze zu heben sowie durch die Hebelwirkung ausgewählter Maßnahmen und die unterstützende Wirkung neuer Maßnahmen das Treibhausgasreduktionsziel zu erreichen. Vor dem Hintergrund der angestrebten Klimaneutralität ergeben sich zwei strategische Ziele: Die Transformation der Stadtgesellschaft muss als eine systemische Aufgabe des Konzerns Stadt Münster und der Stadtgesellschaft begriffen werden . Ziel dieses Transformationsprozesses ist die Verringerung des Pro-Kopf-Verbrauchs von Mate rial- und Energiemengen durch eine Änderung des Verhaltens bei gleichzeitig hoher Lebensqualität durch die Aktivierung, Qualifizierung und Multipli- kation klimaschonenden Verhaltens in der Gesamtgesellschaft. Hierzu müssen bis 2030 mindestens 25% der Münsteraner Bürger*innen in Bezug auf klimascho- nendem Verhalten aktiviert und qualifiziert werden. Jung Stadtkonzepte mit Gertec Konzeptstudie Münster Klimaneutral 2030 18 /39 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Klimaschonende Energieversorgung und Erneuerbare Energien Um das Ziel zu erreichen, müssen die Treibhausgasemissionen in diesem Handlungsfeld bis 2030 um 639.000 Tonnen pro Jahr sinken. Das Handlungsprogramm Klimaschutz 2030 weist ein kommunales Reduktionspotenzial von 41.816 Tonnen pro Jahr aus. Das macht einen Anteil von 6,5% aus. Bezogen auf die Herausforderung die Ziele in diesem Handlungsfeld zu erreichen, müssen demnach erhebliche zusätzliche Anstrengungen erbracht werden. Vor dem Hintergrund der angestrebten Klimaneutralität ergeben sich drei strategische Ziele: Stromversorgung: Der Stromverbrauch muss bilanziell zu 100% aus erneuerbaren Energien gedeckt werden. Münster hat mit 2.400 MW grundsätzlich ein hohes PV-Potenzial auf Dächern und ausgewähl- ten Freiflächen. Von diesem lokalen Potenzial muss möglichst viel genutzt und der verbleibende Strombedarf möglichst regional importiert werden. Wärmeversorgung auf Objektebene: Die Wärmeversorgung muss zu 100% auf erneuerbare Energien umgestellt werden. Ölheizungen müssen zu 100% durc h effiziente Systeme mit erneuerbaren Energien ersetzt werden. Fossiles Erdgas muss bis 2030 durch synthetisches Erdgas aus erneuerbaren Ener- gien („Power to Gas“) ersetzt werden. Fernwärme: Fernwärme muss als Infrastruktur zur Vertei lung von Wärme aus erneuerbaren Energien gestärkt und ausgebaut werden. Der Anteil am Wärmemix muss auch bei sinkenden Verbräuchen mit ca. 33% konstant gehalten werden. Die Fernwärm e muss bis 2030 zu 100% dekarbonisiert werden. Klimaschonende Mobilität Das Ziel der Klimaneutralität bis 2030 stellt die Ak tivitäten im Handlungsfeld Mobilität vor besondere Herausforderungen. Um das Ziel zu erreichen, müssen die Treibhausgasemissionen in diesem Hand- lungsfeld bis 2030 um 416.000 Tonnen pro Jahr sinken. Münster hat in diesem Handlungsfeld als dynamisch wachsende Stadt mit hohem Pendlerauf kommen vor dem Hintergrund der Zielerreichung bis 2030 besondere Herausforderungen zu bewältigen. Insbesondere ist das Handlungsfeld Mobilität durch autonomes Handeln der Bürgerinnen und Bürger, durch vergleichsweise dynamische Trends und Produkt- bzw. technologische Lebenszyklen geprägt. Die Emissionen aus dem noch weitestgehend auf fossilen Energieträger fußenden, motorisierten Individualverkehr müssen zukünftig umfassend sinken. Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf der konsequ enten Stärkung des Umweltverbunds durch den Aus- bau der Radinfrastruktur und des klimafreundlichen ÖPNV – beide Teilstrategien bedingen sich im Sinne von Push-Pull-Faktoren gegenseitig. Der Konzern Stadt Münster muss ebenfalls die eigenen Handlungsmöglichkeiten in Bezug auf die Transformation der Antriebstechnik hin zu klimaschonenden Antreiben und Treibstoffen konsequent ausschöpfen. Die Stadt Münster muss darüber hinaus beim eigenen Mobilitätsverhalten konsequent klimaneutrale Mobilität in der Stadtverwaltung Münster etablieren: Auch wenn die bilanzielle Größenordnung des Energieverbrauchs und der Treibhausgasemissionen für die Mobilität der Stadtverwaltung vergleichs- weise gering ist, so ist die Vorbildfunktion der Kommune von strategischer Bedeutung. Es ist daher Jung Stadtkonzepte mit Gertec Konzeptstudie Münster Klimaneutral 2030 19 /39 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . sinnvoll, Maßnahmen und Projekte für eine klimaneutrale Mobilität der Verwaltung und ihrer Mitarbei- terinnen und Mitarbeiter weiter auszubauen. Abbildung 9: Die Leitziele zum Erreichen der Klimaneutralität 2030 Jung Stadtkonzepte mit Gertec Konzeptstudie Münster Klimaneutral 2030 20 /39 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5. Die Herausforderungen Nachdem die strategischen Ziele in den Handlungsfelde rn deutlich geworden sind, skizziert dieses Ka- pitel einen möglichen Weg zur Zielerreichung in den Handlungsfeldern. Dabei geht es nicht um den „einen richtigen Weg“, sondern darum, einen Eindruck für die Herausforderungen der nächsten 10 Jahre zu vermitteln. Wie kann ein Weg zum Ziel von 2020 bis 2030 aussehen? An welchen Stellen muss gehandelt werden, und was würde das konkret für die Realisierung bedeuten? Das Ergebnis die- ser Analyse bieten eine Grundlage Hindernisse und Chancen einzuschätzen sowie Maßnahmen zur Zielerreichung zu skizzieren 3. Die aufgezeigte Weg wird im Folgenden am Beispiel von sieben Hand- lungsschwerpunkten beschrieben. Um zu verdeut lichen, an welchen Stellen gehandelt werden muss, sind die Handlungsschwerpunkte in der folgenden Darstellung gekennzeichnet. 3 In diesem Kapitel werden ökonomische Eckpunkte der Transformation anhand von Annahmen skizziert. Hier ist nicht der Anspruch einer „Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung“ der Transformation. Es geht darum schlaglichtartig ökonomische Faktoren auf dem Weg zur Klimaneutralität 2030 einzuschätzen.. Jung Stadtkonzepte mit Gertec Konzeptstudie Münster Klimaneutral 2030 21 /39 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Abbildung 10: Den Weg zur Klimaneutralität 2020 skizzieren: Energieflussdiagramme Ausgangssituation und Zielszenario 2030 Jung Stadtkonzepte mit Gertec Konzeptstudie Münster Klimaneutral 2030 22 /39 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1. 100% Klimaneutralität im Wohngebäudebestand: Um das Ziel der Klimaneutralität zu erreichen, müssen annähernd 100% des Wohnungsbestandes bis 2030 energetisch saniert werden. Das ent- spricht bei einer Sanierungsrate von 8-9%, einer zu sanierenden Wohnfläche von circa 1.210.000 m2 pro Jahr. Zurzeit liegt der Wert geschätzt bei 13.500 m2/a unter der Annahme einer Energiebedarfsre- duktion von ca. 80% und damit in etwa dem KfW-40-Standard. Die überschlägigen Vollkosten der ener- getischen Sanierung (inklusive Sowieso-Kosten) summieren sich bis 2030 auf geschätzte 9,5 Milliar- den Euro bei angenommenen Sanierungskosten von 710 €/m2. Die Sanierungskosten fallen dabei überwiegend für die Wohnungswirtschaft und private Hauseigentümer an. Abbildung 11: Szenario zur Entwicklung der sanierten Wohnflächen und der Treibhausgasemissionen im Wohnbereich 2. Der Neubau darf die CO 2-Bilanz nicht weiter belasten: Münster ist eine dynamisch wachsende Groß- stadt. Es werden bis 2030 circa 2.000 Wohneinheiten pro Jahr zusätzlich benötigt. Damit der Woh- nungsneubau das Budget nicht überlastet, muss mi ndestens der KfW-40 Standard eingeführt und der Plusenergiestandard schrittweise angestrebt werden. Die Erstellung im KfW-40-Standard kann dabei durch weitere Entwicklungen im Bereich Kosteneffizienz sowie durch die Amortisation durch Energie- einsparung grundsätzlich kostenneutral dargestellt werden. Jung Stadtkonzepte mit Gertec Konzeptstudie Münster Klimaneutral 2030 23 /39 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Abbildung 12: Szenario zur Entwicklung der Treibhausgasemissionen im Neubaubereich 3. Klimaneutralität muss zum wirtschaftspolitischen Ziel werden: Die Emissionen müssen so weit wie möglich von der Arbeitsplatzentwicklung entkoppelt werden, um ökonomische, soziale und ökologi- sche Belange in Münster gleichermaßen im Blick zu halten. Hierzu müssen die THG-Emissionen je Ar- beitsplatz um 80-90% sinken – was eine klimaneutralen Wirtschaft bedeutet. Ein Beispiel ist die ver- pflichtende Nutzung von geeigneten Gewerbe(neu)bauten für die Erzeugung von Photovoltaik – hier be- steht ein direktes kommunales Handlungspotenzial. Die Kosten dieser umfassenden Transformation sind schwer einzuschätzen. Anhand branchenspe zifischer Vermeidungskosten ergeben sich Kosten von ca. 120 - 140 Millionen € (kumuliert, inkl. positiver Kosteneffekte durch Effizienzvorteile und Technologieentwicklung). Abbildung 13: Szenario zur Entwicklung des Treibhausgasemissionen in den Sektoren GHD und Industrie Jung Stadtkonzepte mit Gertec Konzeptstudie Münster Klimaneutral 2030 24 /39 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4. 100% Stromversorgung mit erneuerbaren Energien: Münster hat für eine Großstadt vergleichsweise große technische Potenziale zur Stromerzeugung au s erneuerbaren Energien. Das theoretisch auf Dä- chern und Freiflächen installierbare Photovoltaik Potenzial liegt bei 2.400 Megawatt (MW). Die Her- ausforderung besteht darin, dieses Potenzial auch ta tsächlich zu heben (vergl. Kapitel 6.2). Die erfor- derliche Gesamtfläche von 2500 ha ist grundsätzlich vorhanden, die Lösung von Problemen bei Flä- chenkonkurrenz muss jedoch vordringliches Ziel sein. Die Kosten des PV-Ausbaus liegen kumuliert ge- schätzt bei 3,6 Milliarden Euro (bei 1.500 €/kWp). 90 Megawattstunden (MW) an Windkraft fließen in die energetische Bilanz ein. Das entspricht 30 Anlagen mit einer Leistung von jeweils 3 Megawatt. Die kumulierten Investitionskosten lassen sich auf 117 Millionen Euro schätzen (bei 1,3 Mio. €/MW). Ge- rade der Windkraftausbau ist mit den Widerständen Beispiel für Zielkonflikte auf dem Weg zur Kli- maneutralität 2030 (vergl. Kapitel 6.2). Diese müssen auf politischer und gesellschaftlicher Ebene gelöst werden, soll das Ziel erreicht werden. Sollte es gelingen, die Potenziale im gesetzten Zeitraum zu heben, kann Münster einen Großteil des erforderlichen Strombedarfs auf dem eigenen Stadtgebiet erzeugen. Der zusätzliche bilanzielle Stromimport aus der Region würde unter den getroffenen Annah- men circa 16% des Strombedarfs decken. Dabei kann der Bezug von Ökostrom aus Anwendersicht be- reits heute kostenneutral im Vergle ich zur Grundversorgung erfolgen. Abbildung 14: Szenario zur Entwicklung des Stromversorgungsmix und der Anteile Erneuerbarer Energien 5. 100% Wärmeversorgung mit erneuerbaren Energien: Die Umstellung auf die klimaneutrale Wärme- versorgung findet im Heizungskeller, der kommunal en Fernwärmeinfrastruktur und der übergeordneten Transformation des Gasmarktes statt. Die Fernwärme in Münster muss bis 2030 zu 100% klimaneut- ral sein. Die „Grüne Fernwärme“ kann nur wirtschaftlich erfolgen, wenn bei abnehmendem spezifi- schen Verbrauch und damit der sinkenden Wärmedichte die Zahl der versorgten Menschen steigt. Jung Stadtkonzepte mit Gertec Konzeptstudie Münster Klimaneutral 2030 25 /39 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Geschätzte 6.600 Haushalte müssen bis 2030 an die Fernwärme neu angeschlossen werden. Der Umbau zur „Grünen Fernwärme“ erfordert den Umbau der zentralen Wärmeerzeugung, die Temperatur- absenkung im Leitungssystem sowie die Nachverdichtung und den Ausbau der Netzstruktur. Die Inves- titionskosten werden überschlägig mit kumuliert 445 Millionen Euro geschätzt. Neben dem Umbau der Fernwärme müssen Heizöl und Erdgas aus dem Wärmemix verdrängt werden. Geschätzte 165.000 Wohnungen sind davon betroffen. Die Investitionskosten der Umrüstung werden kumuliert mit 221 Millionen Euro (ohne Sowieso-Austausch) geschätzt. Ohne gasförmige Brennstoffe wird die Wärmeer- zeugung in Münster voraussichtlich nicht funktionieren. Bis 2030 muss daher synthetisches Erdgas aus erneuerbaren Energien das fossile Erdgas ve rdrängen. Bei einem Anteil von 38% am Wärmemix liegt der Endenergieanteil des synthetischen Erdgases bei ca. 780.000 MWh/a. Für die Endverbrau- cher werden damit wahrscheinlich Mehrkosten im Energiebezug verbunden sein. Aktuelle Schätzungen würden bei der oben genannten Energiemenge ca. 11 Millionen €/a Mehrkosten für den Energiebezug bedeuten. Im Jahr 2030 würde das einer Mehrbelastung von ca. 60 € pro Haushalt und Jahr entspre- chen (bei geschätzten 175.000 Haushalten im Jahr 2030). Abbildung 15: Szenario zur Entwicklung des Wärmemix und der Anteile Erneuerbarer Energien 6. Klimaschonende Entscheidungen ohne erhobenen Zeigefinger fördern: Der gesellschaftliche Wandel hin zu mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz erhält einen wesentlichen Antrieb, wenn Menschen eine Selbstwirksamkeit empfinden: Sie müssen konkret er fahren, dass sie etwas tun können. Dabei geht es nicht darum, zu belehren, sondern auf sich selbst zu achten und so einen positiven Impuls für an- dere zu schaffen. Aus dieser individuellen Erfahrung wird ein gesellschaftlicher Prozess, wenn eine kritische Masse von Menschen erreicht wird. Um ein dauerhaft stabiles klimaschonendes Verhalten im Alltag zu erreichen, müssen ca. 25% der Münsteraner Bürgerinnen und Bürger durch konkrete An- gebote aktiviert und qualifiziert werden. Die Erfa hrungen aus laufenden Projekten der Stadt Münster (z.B. Reallabor Klimaschonende Entscheidungen) zeigen ein konkretes energiebedingtes Jung Stadtkonzepte mit Gertec Konzeptstudie Münster Klimaneutral 2030 26 /39 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Reduktionspotenzial zwischen 1 und 1,5 Tonnen pro Person und Jahr. Die Kosten für die erforderli- chen Transformationsbegleitenden Maßnahmen werden mit 7 Millionen Euro für Qualifizierungs-, Mit- mach- und Kommunikationsmaßnahmen (kumuliert) geschätzt. Abbildung 16: Prinzipdarstellung Transformation 7. Die Mobilität klimaschonend gestalten: Vermeidung, Verlagerung und Verbesserung (im Sinne von höherer Effizienz und/oder Einsatz von Erneuerbaren Energien) ist der Dreiklang für die klimascho- nende Mobilität. Der Anteil des motorisierten Indivi dualverkehrs am Energieverbrauch muss ca. 5 % pro Jahr sinken. Hierzu ist eine Verlagerung auf de n Radverkehr und den ÖPNV zwingend erforderlich. Die Mehrkosten für den weiteren Ausbau des ÖPNV und des Radwegenetztes werden überschlägig mit 265 Millionen Euro (kumuliert) angesetzt. Dabei geht die Schätzung davon aus, dass die spezifische Radwegelänge pro Einwohner um 25% gesteigert wird . Gleichzeitig müssen mineralische Kraftstoffe zu 100% verdrängt werden. Der motorisierte Individua lverkehr ist 2030 zu 100% elektrisch. Ausgehend von der heutigen Zahl an zugelassenen Fahrzeugen in Münster muss die Flotte komplett ausgetauscht werden. Das entspricht ca. 13.000 neuen Elektroautos pro Jahr. Die Annahme geht vereinfachend da- von aus, dass die absolute Zahl konstant bleibt, der spezifische Wert PKW pro Person durch Zuzug nach Münster sinkt. Durch den Austausch würden ü berschlägig kumuliert 1,2 Milliarden Euro Mehr- kosten überwiegend bei privaten Fahrzeugbesitzern entstehen. Jung Stadtkonzepte mit Gertec Konzeptstudie Münster Klimaneutral 2030 27 /39 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Abbildung 17: Szenario Entwicklung des Energieverbrauchs im Bereich Mobilität und Anteil des Stroms aus erneuerbaren Energien Jung Stadtkonzepte mit Gertec Konzeptstudie Münster Klimaneutral 2030 28 /39 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6. Handlungsspielräume Wie ein Weg zur Zielerreichung aussehen kann und welche Herausforderungen für die Stadtgesell- schaft damit verbunden sind, ist in den vorherigen Kapiteln deutlich geworden. Aber welche Handlungsspielräume bestehen jetzt konkret, um den Weg zur Zielerreichung zu gestal- ten: Welche Potenziale zur Einsparung gibt es und welche direkten und indirekten Einflussmöglichkei- ten hat der Konzern Stadt Münster, dass diese gehoben werden? Welchen Beitrag müssen Bund und Land, aber insbesondere die Stadtgesellschaft (B ürgerInnen und Haushalte, Unternehmen, Institutio- nen) in Münster leisten? In einem nächsten methodis chen Schritt geht es darum, diese Verteilung der Einsparpotenziale und der Einflussbereiche der unterschiedlichen Akteure genauer zu untersuchen. Abbildung 18: Handlungsspielräume: Prinzipdarstellung Zentral ist dabei die Fragestellung, welchen Einfluss bereich hat dabei der Konzern Stadt Münster, um – neben der Umsetzung eigener Maßnahmen – v.a. die Stadtgesellschaft zu bewegen und zu unter- stützen, Maßnahmen zur Treibhausgaseinsparung umzusetzen, da diese für den weit überwiegenden Teil der Emissionen verantwortlich sind. Wir unterscheiden dabei zwischen: Direkter Einflussbereich: Dies bezeichnet die Möglichkeiten des Konzerns Stadt Münster, direkt und unmittelbar Einfluss zu nehmen, dass Maßnahmen (v.a. von Dritten) umgesetzt werden. Zum direkten Einflussbereich zählen wir z.B. verbindliche energetische Standards, Jung Stadtkonzepte mit Gertec Konzeptstudie Münster Klimaneutral 2030 29 /39 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Festsetzungen in Bebauungsplänen, spezifische Förderprogramme oder die Sanierung der ei- genen Liegenschaften. Indirekter Einflussbereich: Damit werden Möglichkeiten der kommunalen Einflussnahme be- zeichnet, die eine mittelbare Wirkung entfalten, indem sie Maßnahmen der Stadtgesellschaft (Unternehmen, Bürger, Zivilgesel lschaft) initiieren oder unterstützen. Sie bergen eine begrün- dete Wahrscheinlichkeit zur Reduktion der Treibh ausgasemissionen, sind jedoch von der Um- setzung Dritter (Unternehmen, Bürger, Zivilgesellschaft) abhängig. 6.1. Unmittelbar umsetzbarer kommunaler Einflussbereich Hierunter fallen alle Maßnahmen, die im Zuge des Handlungsprogramms Klimaschutz 2030 bereits politisch beschlossen wurden (und die in einem direkten oder indirekten Einflussbereich des Konzerns Stadt Münster v.a. hinsichtlich der Stadtgesellschaf t liegen) sowie weitere bereits laufende Aktivitäten (z.B. „Münster fährt ab – auf klimafreundliche Mobilität“, das „Förderprogramm klimafreundliche Wohngebäude“ oder die kostenlose „S tartberatung Energieeffizienz“). 6.2. Zusätzlicher kommunaler Einflussbereich Der zusätzliche kommunale Einflussbereich wird durch Maßnahmen beschrieben, die der Konzern Stadt Münster direkt oder indirekt mit der Stadtgesellschaft umsetzen kann. Die Umsetzung hängt da- bei insbesondere bei den indirekten Einflussbereichen im hohen Maß von der Mitwirkung der Stadtge- sellschaft ab. Bauen und Sanieren: Das strategische Ziel der Sanierungsrate von 8% und einer Einsparung von 80% wird vor allem durch die übergeordneten Entschei dungsebene des Bundes sowie durch die Marktak- teure vor Ort bestimmt. Der Konzern Stadt Münster kann die Entscheidungsebenen des Bundes oder der Marktakteure nicht bestimmen oder in Gänze steuern, sondern nur durch direkte oder indirekte Handlungen im Sinne der Zielerreichung darauf einw irken. Die Stadt Münster hat z.B. direkte Einfluss- möglichkeiten, indem sie Gebiete, in dem eine städtebauliche Sanierungsmaßnahme durchgeführt werden soll, durch Beschluss förmlich als Sanierungs gebiet festlegt. Versteht man dies als eine örtli- che Maßnahme, die einen energetischen Missstand beseitigt und damit zum globalen Klimaschutz beiträgt, besteht ein enger Bezug zum Gemeindeg ebiet und den betroffenen Eigentümern und Bewoh- nern mit hoher Wirkung. Indirekt kann sie z.B. du rch zielgruppengerechte Beratungs- und Unterstüt- zungsangebote eine Wirkung entfalten. Eine Zielgruppe sind z.B. die Bestandsgebäude mit hohem baukulturellem Wert. Der Neubau darf das CO 2-Budget nicht zusätzlich belasten. Hier hat die Stadt direkte Einflussmöglichkeiten. Der bestehende Stan dard "Münsters Energiesparhaus 55" im privaten Neubau von Wohn- und Nichtwohngebäuden kann du rch den Plus-Energie-Standard bei Wohngebäuden und der Anforderung Klimaneutralität bei Nicht- Wohngebäuden ersetzt und durch verbindliche städte- bauliche und privatrechtliche Instrumente abgesichert werden. Jung Stadtkonzepte mit Gertec Konzeptstudie Münster Klimaneutral 2030 30 /39 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Arbeiten und Wirtschaften: Das Handlungsfeld ist im Hinblick auf die Einflussbereiche des Konzerns Stadt besonders anspruchsvoll. Energiekosten spielen für viele energieextensive Unternehmen in Münster keine besonders große Rolle: Sie machen oft weniger als 5% der Gesamtkosten aus. Die flä- chendeckende Einführung einer internen CO 2-Bepreisung ist ein wichtiges Steuerungsinstrument zur Förderung des Klimaschutzes in Unternehmen. Hier kann die Stadt Münster mit gutem Beispiel voran gehen, aktiv beraten und den internen CO 2-Preis als Leitindikator für kommunale Förderungen einfüh- ren – hier sind jedoch externe Akteure am Zug, da die verbindliche CO 2-Bepreisung Bundessache ist. Der Trend zum nachhaltigen Wirtschaften ist ein weiterer Treiber. Unternehmen, die Verantwortung für die Umwelt übernehmen und deren Produkte so umweltschonend wie möglich entstehen, haben ein besseres Image bei Kunden und Mitarbeitern. Nachhaltigkeit als Standortvorteil ist ein Argument für die Entwicklung bestehender Unternehmen sowie die Neuansiedlung klimaneutraler Firmen. Das erfor- dert eine aktive Kommunikation, über die Grenzen der Stadt Münster hinaus. Wesentlich stärker als bisher muss die räumliche Ebene der Gebietskulisse bestehender und ggf. neuer Gewerbegebiete als Chance genutzt werden, sowohl bei der Unterstützung von Unternehmen bei der Umsetzung eigener Maßnahmen durch die Dienstleistung eines Gebietsmanagements als auch bei der Umstrukturierung von Versorgungsoptionen. Der Konzern Stadt Münster hat eine Reihe von Instrumenten zur Beeinflus- sung des Wirtschaftsstandortes im Bereich Energie und Infrastruktur. Durch die verbindliche Fest- schreibung der Klimaneutralität bei der Vergabe von gewerblich genutzten Grundstücken, der PV- Pflicht auf Gewerbeflächen (vergl. Tabelle) und de r Sicherstellung der Versorgung mit EE-Strom (PPA- Plattform) könnte die Stadtverwaltung Münster zusammen mit den Stadtwerken Münster direkt und indirekt einwirken. Klimaschonende Entscheidungen: Die Transformation der Stadtgesellschaft ist eine systemische Auf- gabe von Stadt, Bürgern und Unternehmen. Durch die Querschnittsorientierung (Energie, Wohnen, Mo- bilität, Konsum, Ernährung) kann die Stadt Münster diesen Prozess direkt und indirekt fördern. Der Transformationsprozess kann eine große Wirkung entfalten. Die Stadt verfügt bereits mit dem, auf dem Marktplatzgedanken aufbauenden „Dreiklang“ von aufeinander abgestimmten Formaten (Punkte sammeln, KlimaTraining, Reallabor) über ein flex ibles Instrumentarium mit großer Hebelwirkung zur Aktivierung, Qualifizierung und Mu ltiplizierung klimaschonenden Handelns. Dieses gilt es auszubauen und zu skalieren. Dabei sollten jedoch insbesondere Aspekte der sozialen Ausgewogenheit noch stär- ker berücksichtigt werden. Für die Akzeptanz in der Gesamtgesellschaft ist die „Gerechtigkeits- frage“ von großer Bedeutung. Durch geeignete sozialgerechte Maßnahmen und Maßnahmen zur Förde- rung der Solidargemeinschaft kann die Stadt Münster ausgleichend wirken. Hierzu werden neue Maß- nahmenvorschläge formuliert, die teilweise auch eine Schnittstelle zu anderen Handlungsfeldern ha- ben (z.B. kostenlosen ÖPNV um den niedrigschw elligen Zugang zur Mobilität zu fördern). Energieversorgung und Erneuerbare Energien: Das strategische Ziel den Stromverbrauch Münsters möglichst regional bilanziell zu 100% mit erneuerbaren Energien zu decken wird vor allem durch die übergeordneten Entscheidungsebene des Bundes bestimmt. Die rechtlichen Rahmenbedingungen hemmen den Ausbau der erneuerbaren Energien auf überregionaler und lokaler Ebene. Der bundes- deutsche Strommix wird mit hoher Wahrscheinlichkeit bis 2030 nicht CO 2-neutral sein. Auf Jung Stadtkonzepte mit Gertec Konzeptstudie Münster Klimaneutral 2030 31 /39 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . kommunaler Ebene sind insbesondere dezentrale PV- Lösungen (Mieterstrom, Quartierslösungen) von den Hemmnissen betroffen, die die Einbindung der erforderlichen Marktakteure (Wohnungswirtschaft, Private Hauseigentümer etc.) und den PV-Ausbau trotz vorhandener Dachflächenpotenziale massiv hemmen. Der Ausbau von Windenergie in Münster wird insbesondere durch übergeordnete rechtliche Rahmenbedingungen (z.B. Abstandsregeln) und durch f ehlende Akzeptanz (Marktakteure) deutlich ge- hemmt. Der Konzern Stadt Münster kann die Entscheidungsebenen des Bundes, des Landes oder der Marktakteure nicht bestimmen. Mit stadtplanerischen Instrumenten können die Rahmenbedingungen für den Einsatz von PV-Anlagen jedoch teilweise ve rbessert werden. Ein großes Handlungspotenzial haben z.B. die Stadtwerke Münster, die als Versorgungsnetzbetreiber und als Anbieter von Strompro- dukten direkten Einfluss ausüben können (z.B. „100% Erneuerbarer Strom für 100% der Münsteraner Haushalte„). Die Wärmeversorgung muss zu 100% auf erneuerbare Energien umgestellt werden. Ölheizungen müs- sen zu 100% durch effiziente Systeme mit erneuer baren Energien ersetzt werden. Der Konzern Stadt Münster hat keine Möglichkeit, den Betrieb von Ölhe izungen flächendeckend in Münster zu verbieten, da der Betrieb übergeordnet durch das Gebäudeenergiege setz (GEG) geregelt ist. Dieses schränkt den Einsatz von neuen Ölheizungen ab 2026 lediglich ei n. Weitere Verschärfungen werden voraussichtlich ab 2030 zu einem kompletten Verbot führen – Ölheizungen werden demnach voraussichtlich auch über 2030 in Münster betrieben. Hier hat die Stadt Einflussmöglichkeiten im Rahmen kommunaler Satzungen z.B. bei Neubaugebieten den Betrieb von Ölheizungen auszuschließen bzw. differenzierte Beratungen und Anreize für den Umstieg anzubieten („CO 2-Wechselprämie“, „Preismodelle mit Ener- giesparanreiz“). Fossiles Erdgas muss bis 2030 durch synthetisches Erdgas aus erneuerbaren Ener- gien („Power to Gas“) ersetzt werden. Die Weichen für die Transformation des Erdgasmarktes werden durch die Entscheidungsebenen Bund und die Marktakteure gestellt. Die gesetzlichen Rahmenbedin- gungen zur Umstellung auf synthetisches Erdgas so wie die Umstellung auf die großtechnologische Er- zeugung liegen nicht im Entscheidungsrahmen des Konz erns Stadt Münster. Der Konzern Stadt Müns- ter hat lediglich beim Aufbau eigener Erzeugungs- und Versorgungsanlagen durch die Stadtwerke Münster direktes Einflusspotenzial. Fernwärme muss als Infrastruktur zur Verteilung von Wä rme aus erneuerbaren Energien gestärkt und ausgebaut werden. Der Konzern Stadt Münster mi t den Stadtwerken Münster verfügt mit der vorhan- denen leitungsgebundenen Wärmeversorgung über ein wirkungsvolles Instrument mit eigener Ent- scheidungsebene und hohem direkten Einflusspotenzial um das Leitziel für die Klimaneutralität zu er- reichen. Hemmend wirken die rechtlichen Rahmenbe dingungen des Bundes, nicht ausreichende Förde- rung und sich daraus ergebende Wirtschaftlichkeitslücken. Voraussetzung ist, dass die Fernwär- mestrategie konsequent auf das Ziel der Klimaneu tralität 2030 ausgerichtet wird. Dazu muss die Fernwärmeentwicklung noch intensiver mit der Stad tentwicklung verknüpft we rden. Dazu gehört insbe- sondere die Priorisierung der Flächenverwendung durch eine kommunale Wärmeplanung. Der Erzeu- gungsmix muss schnell dekarbonisiert und optimiert werden. Die spezifischen Emissionen der Fern- wärmeerzeugung müssen bereits bis 2030 den Ziel en der Klimaneutralität entsprechen. Strom aus erneuerbaren Energien ist dabei wertvoll und nur begrenzt verfügbar. Er sollte im Fernwärmemix Jung Stadtkonzepte mit Gertec Konzeptstudie Münster Klimaneutral 2030 32 /39 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . möglichst effizient für die Wärmeerzeugung einges etzt werden. Die Absenkung der Netztemperatur muss beschleunigt und der Netzumbau vorgezogen werden. Sektorkopplung ist als Querschnittstechnologie Grundvor aussetzung zum Erreichen der Ziele im Handlungsfeld Energieerzeugung und erneuerbar e Energien. Ohne den konsequenten Einsatz der Sektorkopplung ist nach jetzigem Wissensstand das Ziel der Klimaneutralität bis 2030 nicht erreichbar. Der Ausbau der Sektorenkopplung wird maßgeblich durch die übergeordneten Entscheidungsebene des Bundes und relevante Marktakteure bestimmt. Unterstützende regulatorische Rahmenbedingungen müssen geschaffen werden (Bund), um Unsicherheiten zu reduzieren und Investitionen zu fördern (Marktakteure). Entschei dungsträger (Marktakteure) müssen Knowhow in den komplexen Themenfeldern der Sektorenkopplung aufb auen. Sektorkopplung ist Forschungsintensiv Strom aus erneuerbaren Energien ist Voraussetzung. Der Konzern Stadt Münster kann die Entscheidungsebenen des Bundes oder der Markta kteure dabei nicht bestimmen oder in Gänze steuern, sondern nur durch direkte oder indirekte Handlungen im Sinne der Zielerreichung darauf einwirken. Die Stadt kann dienlich flankieren indem sie relevante Akteure vernetzt, Rahmenbedingungen schafft und eine koordinierende Funktion einnimmt. Mit Innovationsräumen und Experimentierklauseln (geht nur mit Unterstützung des Landes NRW) kann die Stadt Münster z.B. einen direkten Einfluss zur Entwicklung praxisreifer Lösungen über die Grenzen Münsters hinaus nehmen. Im Handlungsfeld Mobilität ist sich die Stadt Münster Ihrer Verantwortung bewusst: Aktuell wird ein Masterplan Mobilität 2035+ erarbeitet. Parallel zur Erarbeitung des Masterplans werden die Maßnah- men zur Stärkung des Umweltverbunds vorangetrieb en. Die bisherigen Maßnahmenvorschläge sind in diesen Analyseschritt gemäß aktuellem Kenntnisstand eingearbeitet. Dabei wird deutlich, dass der Konzern Stadt Münster bereits handelt, jedoch noch Potenzial besteht, die Handlungsansätze und Mo- dellprojekte in die Breite zu bringen und umfassende Wirkung im Sinne einer Verkehrswende zu erzie- len. Beispielhaft zeigt Abbildung 19 eine Auswahl von 10 Maßnahmen mit besonders hoher Wirkung (vor- läufige gutachterliche Einschätzung). Jung Stadtkonzepte mit Gertec Konzeptstudie Münster Klimaneutral 2030 33 /39 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Abbildung 19: Maßnahmen mit hoher Wirkung (vorläufige gutachterliche Einschätzung) Jung Stadtkonzepte mit Gertec Konzeptstudie Münster Klimaneutral 2030 34 /39 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Abbildung 20: Überblick Handlungsspielräume Münster (vorläufig) 7. Zeithorizonte 7.1. Einflussfaktoren Die Faktoranalyse beleuchtet das Umfeld, in dem das Ziel Klimaneutralität 2030 erreicht werden soll. Bestimmt wird dieses Umfeld durch Entscheidungsebenen sowie Faktoren, die das Erreichen der spe- zifischen Leitziele (vergleiche Kapitel 4.5) stark beeinflussen. Unterschieden werden drei Entschei- dungsebenen: Bund (inklusive EU und Land NRW), K onzern Stadt Münster mit seinen Töchtern und die Stadtgesellschaft (Anbieter und Konsumenten). Die Entscheidungsebenen zeigen auf, wer konkrete Entscheidungen trifft und damit den Handlungsrahmen für alle Akteure mitbestimmt. Mit den Jung Stadtkonzepte mit Gertec Konzeptstudie Münster Klimaneutral 2030 35 /39 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Entscheidungen auf den jeweiligen Ebenen können die Faktoren hemmend oder fördernd wirken. Bei den Faktoren werden folgende Cluster unterschieden: Abbildung 21: Analysecluster der Faktoranalyse A. Technik und Infrastruktur: Um das Ziel der Klimaneutralität 2030 zu erreichen, sind technische Lö- sungen zur Treibhausgasreduktion er forderlich. Die Faktoren beschreiben, ob und in welcher Weise die Lösungen verfügbar und einsetzbar sind, welche Chancen sie bieten und welche Hindernisse beim Einsatz bestehen. Das Vorhandensein und die niedrigs chwellige Zugänglichkeit zu einer Infrastruktur ist die Grundvoraussetzung um Lösungen und Angebote für die Klimaneutralität nutzen zu können. (z.B. Vorhandensein einer Infrastruktur zur Erzeug ung und Verteilung von synthetischem Erdgas aus erneuerbaren Energien) B. Ökonomie und Soziales: Gutes Wirtschaften ist eine Grundvoraussetzung um das Ziel der Kli- maneutralität zu erreichen. Die wirtschaftlic hen Rahmenbedingungen beeinflussen Investitionsent- scheidungen in Technologien und Infrastrukturen (z.B. Wirtschaftlichkeitslücken bei der Investition in Sanierungsmaßnahmen), Tarife und Förderungen ha ben eine steuernde Wirkung auf klimaschonende Entscheidungen (z.B. CO 2-Bepreisung). Ansätze der Gemeinwohlökonomie liefern neue Ansätze unter Jung Stadtkonzepte mit Gertec Konzeptstudie Münster Klimaneutral 2030 36 /39 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Berücksichtigung sozialer Aspekte. Die Bewahrung der Würde und die freie Entfaltung sind Grundvo- raussetzungen für die gesellschaftliche Akzeptanz de r erforderlichen Transformation (z.B. Umgang mit Einkommenssuffizienz). C. Recht und Organisation: Gesetze und Verordnungen setzen den rechtlichen Rahmen für das Han- deln. Sie beeinflussen die Strukturen, in denen Menschen und Organisationen handeln können (z.B. Gegensätzliche Lenkungswirkung ordnungsrechtlicher Instrumente). Die organisatorischen Faktoren sind entscheidend für die Effizienz bei der Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen (z.B. ausreichende Verfügbarkeit von Fachkräften, insbesondere im Bereich Bauen und Sanieren). D. Wissen und Konsequenzen: Das Wissen um klimaschonende Lösungen und das direkte Erfahren von Konsequenzen des eigenen Handelns sind Grundvoraussetzungen für das individuelle und organi- satorische Lernen (z.B. Handlungswissen zum richtigen Heizen und Lüften). Faktoren in diesem Clus- ter beeinflussen direkt das Ausbilden von klimaschonenden Handlungsroutinen und sind damit ein we- sentlicher Treiber für die Transformation. E. Einstellungen und Werte: Faktoren in diesem Cluster beschreiben die Einflüsse gesellschaftlicher Transformation auf die Zielerreichung mit eher langfristiger Wirkung (Werteebene) und kurzfristiger Wirkung (Einstellungen). Werte und Einstellungen beeinflussen auf individueller Ebene das persönli- che Handeln und auf gesellschaftlicher Ebene das Handeln von Gruppen und Organisationen (z.B. Konsummuster) Die Faktoranalyse wurde für jedes Handlungsfeld in den genannten Clustern durchgeführt. Insgesamt 157 Einzelfaktoren beschreiben umfassend das aktuelle Umfeld zum Erreichen des Ziels zur Klimaneutralität 2030. Die Faktoranalyse über alle Cluster gibt wichtige Hinweise für gezielte Maßnahmen im Sinne einer Transformation der Stadtgesellschaft und fließt dezidiert in die Bewertung der Rahmenbedingungen zur Be- rechnung der Zeithorizonte ein. Es wird empfohlen, die Faktoranalyse als Teil eines kontinuierlichen Monito- rings fortzuführen. Jung Stadtkonzepte mit Gertec Konzeptstudie Münster Klimaneutral 2030 37 /39 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7.2. Szenarien zur Berechnung von Zeithorizonten Kann die Klimaneutralität bis zum Jahr 2030 erreicht werden? Drei Szenarien beschreiben die zeitli- chen Korridore zur Klimaneutralität in Münster. Die Szenarien berücksichtigen die oben beschriebenen Handlungsspielräume mit den Potenzialen und Einflussmöglichkeiten des Konzerns Stadt Münster auf die Faktoren zur Zielerreichung, den Einfluss der übergeordneten Ebene des Bundes und des Landes sowie der Stadtgesellschaft und externer Markta kteure. Die Szenarien gehen davon aus, dass die Kommunale Wirkung und die direkten Einflussbereiche des Konzerns Stadt Münster immer vollum- fänglich ausgenutzt werden. Bei den indirekten Einflussbereichen ist der Konzern Stadt Münster im stärkeren Maß davon abhängig, dass die Stadtgesel lschaft sowie externe Marktakteure aktiv unter- stützen und eigene Potenziale heben. Hier berücksichtigen die Szenarien unterschiedliche Grade des Engagements. Bei den Faktoren, die nur vom Bund, dem Land oder den externen Marktakteuren be- einflusst werden können (z.B. Bundesgesetzgebungen, Aufbau überregionale Infrastrukturen zur Ener- gieversorgung etc.) gehen die Szenarien von unterschiedlichen Wahrscheinlichkeiten zur zeitlichen Beschleunigung und qualitativen Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Transformation aus. Abbildung 22: Annahmen Szenarien Zeithorizonte Die Berechnung der Zeithorizonte zeigt: Die Klimaneutr alität 2030 ist möglich, sofern alle Akteure ihre Potenziale zum Erreichen des Ziels mit höchstem Engagement heben und sich die Jung Stadtkonzepte mit Gertec Konzeptstudie Münster Klimaneutral 2030 38 /39 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Rahmenbedingungen der Transformation deutlich verb essern (Szenario 1: Klimaneutral 2030 – hoch ambitioniert – optimistisch). In diesem Szenario ergibt sich ein Zeithorizont von 5 Jahren ab 2030 zum Erreichen des Ziels. ……. Abbildung 23: Zeithorizonte der Klimaneutralität 8. Fazit Im Folgenden sind die Kernergebnisse der Studie zusammengefasst: Das Ziel einer Klimaneutralität im Jahr 2030 für Münster ist bei reiner Betrachtung der techni- schen Potenziale zur Treibhausgasreduktion grundsätzlich erreichbar. Die Umsetzung des dafür notwendigen gesellschaftlichen Transformationsprozesses ist mit gravierenden Herausforderungen für die Stadtgesellschaft verbunden. Der Konzern Stadt Münster hat erhebliche direkte und indirekte Einflussbereiche, um v.a. die Stadtgesellschaft (Unternehmen, Private etc. ) zu bewegen, Maßnahmen zur Treibhausgasre- duktion umzusetzen. Mit diesen direkten und indirekten Einflussbereichen des Konzerns Stadt hinsichtlich der Stadtgesellschaft können aber nur ca. 50% der erforderlichen Treibhausgaseinsparungen ma- ximal adressiert werden. Jung Stadtkonzepte mit Gertec Konzeptstudie Münster Klimaneutral 2030 39 /39 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Die anderen ca. 50% der Potenziale liegen nicht im städtischen sondern Einflussbereich von EU, Bund, dem Land und den externen Marktakteuren. Die Umsetzung aller vorhandenen Treibhausgaseinsparpotenziale ist von zahlreichen Faktoren abhängig, die nur zum Teil vor Ort durch den Konzern Stadt beeinflusst werden können. Je nachdem, in welchem Umfang die Akteure Konzern Stadt Münster, Stadtgesellschaft, EU, Bund und Land ihre Einflussbereiche ausschöpfen und Faktoren auf übergeordneter Ebene verändert werden, ist das Ziel einer Klimaneutralität bis 2030 grundsätzlich erreichbar. Aus Sicht der vorliegenden Konzeptstudie ist eine Weichenstellung hin zur Klimaneutralität für Müns- ter im nächsten Jahrzehnt grundsätzlich möglich – dies gilt jedoch nur, wenn alle lokalen und auch überregionalen Handlungsspielräume ausgenutzt werd en. Die in dieser Kurzfassung dargestellten ana- lytischen Ergebnissen der Konzeptstudie dienen nun im nächsten Schritt dazu, Handlungsoptionen und Ad-Hoc-Maßnahmen für den Klimaschutz in Münster zu priorisieren und den Umsetzungsprozess hin zur städtischen Klimaneutralität zu beschleunigen.
Beschlussvorlage
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V/0461/2021 V/0461/2021 Öffentliche Beschlussvorlage Betrifft Konzeptstudie Münster Klimaneutralität 2030 - Kurzfassung Beratungsfolge 15.06.2021 Ausschuss für Umweltschutz, Klimaschutz und Bauwesen Vorberatung 23.06.2021 Hauptausschuss Vorberatung 23.06.2021 Rat Entscheidung Beschlussvorschlag: I. Sachentscheidung 1. Der Rat nimmt die Kurzfassung zur Konzeptstudie Münster Klimaneutralität 2030 (siehe Anlage 1) zur Kenntnis. 2. Der Rat beauftragt die Verwaltung, die weiteren Abstimmungs- und Beteiligungsschritte zur Ge- staltung der Umsetzungsstrategie einzuleiten. II. Finanzielle Auswirkungen keine Begründung: Der Klimawandel hat Münster bereits erreicht und die Auswirkungen der globalen Erwärmung sind auch in unserer Stadt deutlich zu spüren. Die zu heißen und trockenen Sommer sowie Starkregenereignisse der letzten Jahre hinterlassen bereits jetzt merkliche Schäden. Die menschengemachte globale Erwärmung bedroht zukünftig die Lebensqualität, den Wohlstand und die Zukunftsperspektiven der Menschen in Münster und weltweit. Schaut man auf die aktuellen wissenschaftlichen Erk enntnisse und Prognosen zum fortschreitenden Klimawandel, wird deutlich, dass die heutige Gesellschaft auf Kosten zukünftiger Generationen lebt. Deswegen hat der Rat der Stadt Münster mit dem Beschluss zum Handlungsprogramm Klimaschutz 2030 (V/0770/2019/1) vom 11.12.2019 über das Ziel des Masterplan 100% Klimaschutz hinaus das Ziel, möglichst bis 2030 klimaneutral zu werden, beschlossen und hat die Verwaltung beauftragt, hier- für Gestaltungsmöglichkeiten für sämtliche mittelbaren und unmittelbaren städtischen Handlungsfel- Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit 01.06.2021 Ihr/e Ansprechpartner/in: Herr Schütte Telefon: 492-6851 SchuetteJ@stadt- muenster.de - 2 - V/0461/2021 der auszuloten. Diese sollen zu einer konkreten Umsetzungsstrategie für die nächsten Jahre geführt werden. Zu 1.: Konzeptstudie Münster Klimaneutralität 2030 - Kurzfassung Zusammen mit einem Gutachter-Konsortium (Jung Stadtkonzepte, Köln & Gertec, Essen) hat die Stadtverwaltung den „Masterplan 100% Klimaschutz 2050“ überarbeitet und die Potenziale, Szenari- en und die Strategie auf die vorgezogene Zielsetzung herunter gebrochen. Dabei werden einerseits die Herausforderungen transparent und offen dargestellt und andererseits die Handlungsspielräume des Konzerns Stadt Münster zur Zielerreichung herausgearbeitet. Aufbauend auf der Strategie und den Handlungsspielräumen hat das Gutachter-Konsortium Zielszenarien zum Erreichen der Kli- maneutralität dargestellt. Die Konzeptstudie zeigt auf, was in den verschiedenen Handlungsfeldern und Sektoren (Mobilität, Privathaushalte, Gewerbe, Industrie) in den kommenden Jahren an CO2-Reduktion passieren muss, um das Ziel der Klimaneutralität zu erreichen. Dabei wurden die Berechnungen von der Zielsetzung der Klimaneutralität 2030 abgeleitet. Die Darstellungen dieses gewählten Ansatzes zeigen nicht die Machbarkeit auf, vielmehr werden die Herausforderungen und die notwendigen Veränderungen in allen Bereichen des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens in Münster im Rahmen einer Sze- nariobetrachtung veranschaulicht. Über die Analyse der kommunalen Handlungsspielräume können die besondere Dimension der Herausforderung aufgezeigt werden und gleichzeitig die weiteren Ge- staltungsmöglichkeiten der Stadt Münster verdeutlicht werden. Als Grundlagen der Konzeptstudie dient der Masterplan 100% Klimaschutz, das bisherige Hand- lungsprogramm Klimaschutz 2030 sowie die städtische Energie- und CO2 Bilanz. Unter der Maßgabe einer Klimaneutralität 2030 und dem daraus abgeleiteten Bearbeitungsauftrag für das Gutachter-Konsortium handelt es sich um ein äußerst umfassendes und komplexes Unterfangen. Um gleichzeitig aber der Dringlichkeit Rechnung zu tragen, soll mit dieser Vorlage in einem vorgezo- genen Schritt bereits eine Kurzfassung mit den ersten zentralen Ergebnissen der Konzeptstudie „Münster Klimaneutralität 2030“ in die politische Beratung eingebracht und zur Diskussion gestellt werden. Der Fokus liegt dabei auf der Darstellung der Dimension der Herausforderung im Rahmen einer Szenariobetrachtung (diese hat keinen Anspruch auf Machbarkeit), die vom Ziel her gedacht die notwendigen Veränderungen darstellt, auf die sich alle Menschen in Münster einstellen müssen. Der vollständige Bericht zur Konzeptstudie wird in einem zweiten Schritt nach der Sommerpause vorge- legt. Zu 2.: Der weitere Prozess Der vollständige Bericht wird auch ausgewählte zentrale Adhoc-Maßnahmen umfassen. Zusätzlich wird der Bericht weitere gutachterliche, perspektivische Maßnahmenvorschläge enthalten, die das Handlungsprogramm Klimaschutz 2030 (V/0770/2019/1) erweitern und ergänzen. Diese gutachterlichen Maßnahmenvorschläge sollen in einem nächsten Schritt in einem verwaltungs- internen Prozess des Konzerns Stadt Münster im Rahmen von Einzelfallbetrachtungen geprüft wer- den. Dies erfolgt nach Vorlage des vollständigen Berichts zur Konzeptstudie. Zur Veranschaulichung des Prozesses sind an dieser Stelle die nächsten Schritte chronologisch und in tabellarischer Form zusammenfassend aufgeführt: - 3 - V/0461/2021 Q2 2021 Vorstellung und Veröffentlichung der Kurzfassung zum Gutachten mit dieser Vorlage. Q3 2021 Vorstellung und Veröffentlichung der finalen, vollständigen Fassung zum Gutachten mit ausgewählten Adhoc-Maßnahmen und den maßnahmenorientierten Erweite- rungsvorschlägen für das Handlungsprogramm Klimaschutz 2030 - im Rahmen der politischen Beratung. Q3 2021 - Q1 2022 Prüfung der Vorschläge und Ergänzung um eigens entwickelte und geplante Maß- nahmen durch die Fachämter und Tochtergesellschaften des Konzerns Stadt Münster und Einbringung der Maßnahmen in die politische Beratung. Q3 2021 - Q1 2022 Erarbeitung einer städtischen Klimaschutz-Kommunikationsstrategie zur Begleitung des gesamtstädtischen Transformationsprozesses. ab Q2 2022 fff Beginn des Transformationsprozesses unter einer Einbindung der Stadtgesellschaft (Bürger-Innen, Unternehmen, Verbände, Vereine, Institutionen, Politik, etc.). Fazit und Zusammenfassung Die Ergebnisse der Kurzfassung machen deutlich, dass es eines enormen Kraftakts aller Beteiligten der Stadtgesellschaft (private Haushalte, Unternehmen, Verwaltung, Institutionen, etc.) bedarf, um sich der Zielsetzung einer Klimaneutralität maßgeblich zu nähren. Die dargestellten Absenkungspfade in den einzelnen Handlungsfeldern machen die Herausforderung deutlich und zeigen auf, dass es in allen Bereichen grundlegender Systemumbrüche bedarf, die umgehend eingeleitet werden müssen. Dabei ist zu beachten, dass die Darstellungen nicht im Sinne einer Machbarkeitsstudie zu verstehen sind, sondern dass es sich um eine Szenariobetrachtung handelt, die auf Basis von zu treffenden Annahmen darlegt, was passieren muss, damit das Ziel der Klimaneutralität bis 2030 erreicht werden kann. Die Darstellungen stellen also den absoluten Best-Case-Fall dar. Auch wenn ersichtlich wird, dass die Ausschöpfung des kommunalen Handlungsspielraums allein für eine Zielerreichung nicht ausreichend ist, muss es darum gehen, seitens des Konzerns Stadt Münster einen begleitenden Rahmen für die Zielerreichung aufzustellen und dabei sowohl fördernde, als auch fordernde bzw. restriktive Maßnahmen in die Wege zu leiten und diese permanent weiter auszubauen und zu intensivieren. Die nächsten Schritte auf diesem Weg werden mit dem finalen Bericht zur Konzeptstudie dargelegt und zur weiteren politischen Beschlussfassung durch die Verwaltung vorbereitet. i.V. gez. Matthias Peck Stadtrat Anlage 1: Konzeptstudie Münster Klimaneutralität 2030 - Kurzfassung
Anlage A
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Anlage A zur V/0461/2021 Kurzüberblick Konzeptstudie Münster Klimaneutralität 2030 - Kurzfassung Ziele/Teilziele/Zielerreichung Bezugsrahmen ist die städtische Zielsetzung zur Klimaneutralität 2030. Finanzierung Produktgruppe: 1401 Übergreifender Umweltschutz, Klima, Immission, Bo- den, Abfall Auswirkungen auf den Ergebnisplan Ja Nein x Auswirkungen auf den Finanzplan Ja Nein x Belastungen in zukünftigen HH-Jahren? Ja Nein x Keine Aufwendungen und keine finanziellen Auswirkungen. Pflichtigkeitsgrad Die Maßnahme/Leistung ist vollständig pflichtig überwiegend pflichtig überwiegend freiwillig x vollständig freiwillig Grundlage: Ratsbeschluss zur Klimaneutralität V/0770/2019 Unmittelbare, grundsätzliche Relevanz für Querschnittsthemen (Demographie, Gleichstellung, Inklusion, Klimaschutz, Migration) Der kommunale Klimaschutz ist ein grundsätzliches Querschnittsthema.
Beratungsverlauf (3)
Beschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungBeschluss: ohne Beschlussfassung geschoben
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- V/0461/2021
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 26.05.2021
- Erstellt
- 26.05.2021 09:49