V/0200/2025
Stadtklimaanalyse Münster 2025 mit Planungshinweiskarte
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Anlage A
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Anlage A zur V/0200/2025 Kurzüberblick Die Stadtklimaanalyse Münster 2025 beschreibt die lokalen Klimabedingungen und gibt Auf- schluss über die klimatische Situation in der Stadt. Die erarbeiteten Klimakarten sind eine zentra- le Planungsgrundlage für eine hitzeangepasste Siedlungsentwicklung. Aus ihnen lässt sich bei Planungen oder Projekten der konkrete Handlungs- oder Schutzbedarf ableiten. Ziele/Teilziele/Zielerreichung Mit der Vorlage wird das Ziel „Wir werden Münster zu einer Stadt mit höchster Lebens- und Er- lebnisqualität und hoher Umwelt- und Naturqualität weiterentwickeln“ verfolgt. Das Teilziel lautet, die Herausforderungen des Klimawandels, insbesondere gegenüber der steigenden Hitzebelas- tung in der Stadt anzunehmen und mit der Analyse aktiv Prioritätensetzung für Maßnahmen zu ermöglichen. Finanzierung Produktgruppe: Nr. der PG Bezeichnung der PG Auswirkungen auf den Ergebnisplan Ja X Nein Auswirkungen auf den Finanzplan Ja X Nein Im beschlossenen (Nachtrags-)Haushaltsplan JJJJ enthalten? Ja X Nein teilw. Im Entwurf des (Nachtrags-)Haushaltsplan JJJJ enthalten? Ja X Nein teilw. Belastungen in zukünftigen HH-Jahren? Ja X Nein Bereits veranschlagt? Ja X Nein Es entstehen keine finanziellen Auswirkungen. Pflichtigkeitsgrad Die Maßnahme/Leistung ist vollständig pflichtig überwiegend pflichtig X überwiegend freiwillig vollständig freiwillig Gemäß Beschlussvorlage V/0799/2019 inkl. V/0799/2019/E1 wird das Handlungskonzept Klima- anpassung 2030 mit der Klimaanalyse der Stadt Münster weiter verfolgt. Unmittelbare, grundsätzliche Relevanz für Querschnittsthemen (Demographie, Gleichstellung, Inklusion, Klimaschutz, Migration) In 2017 hat die Stadt Münster mit der Verabschiedung des Klimaanpassungskonzeptes für die Stadt Münster die Grundlagen für die zukünftige Klimaanpassungsstrategie der Stadt zur Kennt- nis genommen und damit auch die städtischen Zielsetzungen für eine resiliente Stadt bekräftigt. Klimaschutz und Klimaanpassung wirken als Querschnittsaufgabe in alle städtischen Bereiche und haben daher eine hohe Priorität in allen Entscheidungen (V/0482/2019).
Anlage 2: Planungshinweiskarte
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Anlage 2 zu V/0200/2025
Anlage 1: Zusammenfassung und Lesehilfe zu den Ergebnissen der Stadtklimaanalyse
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Anlage 2 zu V/0200/2025
ZUSAMMENFASSUNG UND LESEHILFE ZU DEN ERGEBNISSEN DER
STADTKLIMAANALYSE MÜNSTER
Vorwort
Dieses Dokument ist eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse der Stadtklimaanalyse von Müns-
ter. Außerdem ist es eine Lesehilfe für den Abschlussbericht, der eine detaillierte Beschreibung des Projekts
liefert (Projektstruktur siehe Abbildung 1). Der Abschlussbericht (hier abrufbar) umfasst dabei die Themen:
Hintergrund und Anlass der Analyse; fachliche Grundlagen, Beschreibung des Bearbeitungs- und Beteili-
gungsprozesses; Erkenntnisse zum heutigen und zukünftigen Klima in Münster aus externen Quellen; de-
taillierte Beschreibung der Methoden und Ergebnisse von den Modellrechnungen und der Messkampagne;
Beschreibungen zu den Zwischenprodukten (Klimaanalysekarte und Sensitivitätsanalyse) und zu den End-
produkten (Bewertungskarten und Planungshinweiskarte); ein Kapitel zum Thema Maßnahmen und ihren
Wirkungen; sowie einen Anhang mit Steckbriefen für jeden Stadtbezirk.
Abbildung 1: Vorgehen der Stadtklimaanalyse
MODELLERGEBNISSE UND KLIMAANALYSEKARTEN
Mit voranschreitender Klimaveränderung werden Tage und Nächte mit großer Hitzebelastung in Zukunft
immer häufiger und extremer (vgl. Kapitel 4 im Abschlussbericht). Insbesondere im Siedlungsraum tragen
eine, infolge dichter Bebauung eingeschränkte Windzirkulation, die fehlende Beschattung und die fehlen-
den Grünflächen, die Absorption der einfallenden Sonnenstrahlung durch die vielen versiegelten Flächen
sowie die Abwärme von Industrie, Gebäuden und Verkehr zum Wärmeinsel-Effekt bei. Tagsüber heizen sich
Siedlungen stärker auf und nachts kühlen sie deutlich langsamer ab als das Umland. Die Hitzebelastung im
2
Siedlungsraum ist eine Herausforderung, welche in der Raumplanung miteinbezogen werden muss (vgl.
Kapitel 1 & 2 im Abschlussbericht). Die Raumentwicklung erfordert jedoch genaue Kenntnisse über die lo-
kalen Klimabedingungen. Vor diesem Hintergrund wurde die heutige klimatische Situation flächendeckend
und hochaufgelöst für Münster modelliert. Die Modellergebnisse und die daraus resultierenden Klimakar-
ten (Klimaanalyse- und Planungshinweiskarten) geben Aufschluss über die klimatische Situation in der
Stadt. Vor allem die Planungshinweiskarte (PHK) wurde dabei in enger Abstimmung mit den Fachämtern
der Stadt Münster angefertigt (vgl. Kapitel 3 im Abschlussbericht).
Die Klimakarten sind eine zentrale Planungsgrundlage für eine hitzeangepasste Siedlungsentwicklung. Aus
ihnen lässt sich bei Planungen oder Projekten der konkrete Handlungs- oder Schutzbedarf ableiten und sie
sollten daher bei zukünftigen Stadtentwicklung- und Projektplanungen Berücksichtigung finden. Dabei gilt
es, in hitzebelasteten Gebieten mittels Maßnahmen zur Hitzeminderung (Begrünung, Entsiegelung, Beach-
tung der Gebäudestellung etc.) das Lokalklima zu verbessern und in weniger belasteten Gebieten ein funk-
tionierendes klimatisches System zu erhalten.
Das zukünftige Stadtklima in Münster
Neben dem aktuellen Stadtklima wurde dem Vorsorgeprinzip folgend mittels der Modellrechnungen auch
das zukünftige Stadtklima für die Jahre 2035 und 2045 simuliert. Die Stellschrauben zur Bestimmung des
zukünftigen Stadtklimas bestehen in Landnutzungsänderungen (Eingangsdaten der Modellierung) sowie
klimatischer Änderungen infolge des Klimawandels (Rahmenbedingungen des Modells; Überblick über die
Methoden siehe Kapitel 5 im Abschlussbericht).
Für das Zukunftsszenario 2035 wurde vorrangig die bauliche Umsetzung von Projekten aus dem Bauland-
programm und dem Gewerbeflächenentwicklungskonzept angenommen. Für das Szenario 2045 kamen
Flächen aus dem Integrierten Flächenmanagement hinzu, außerdem wurden heute bekannte Baulücken
geschlossen. Für diese Entwicklungsflächen lagen keine konkreten Planungen vor, sodass die zukünftige
Bebauung in den Flächen über eine zufällige Verteilung der Landnutzung anhand bestimmter Vorgaben
umgesetzt wurde (sogenannter Mischpixel-Ansatz). Dabei wurden sogenannte „Zwillingsflächen“ als Refe-
renz zur Ermittlung des prozentualen Anteils der Nutzungsklassen verwendet und so ein prozentualer An-
teil an Gebäuden, Versiegelung, Bäumen und Rasenflächen vergeben.
Durch den Mischpixel-Ansatz entsteht folglich eine zufällig verteilte Landnutzung in den Entwicklungsflä-
chen, die in dieser Form nicht umgesetzt würde, aber über die gesamte Fläche gesehen das klimatische
Geschehen und ihre Wirkung auf das Stadtklima widerspiegelt. Auf dieser Basis können die einzelnen Ent-
wicklungsflächen hinsichtlich ihrer Stadtklimaverträglichkeit untersucht, bewertet und in der weiteren Ent-
wicklung aktiv gestaltet werden.
Die zweite Stellschraube für die Zukunftsszenarien betrifft die erwarteten Änderungen durch den Klima-
wandel (vgl. Kapitel 4 im Abschlussbericht). Die Auflösung regionaler Klimamodelle hat sich in den letzten
Jahren so weit erhöht, dass für Münster Aussagen getroffen werden können, wie sich der Klimawandel
etwa auf die Temperatur, Trockenheit oder den Niederschlag auswirkt. Dennoch besteht beim Blick in die
Zukunft zwangsläufig eine gewisse Unsicherheit, wie stark die jeweiligen Klimaänderungen tatsächlich auf-
treten1. In Münster wurde das zukünftige Stadtklima in einem Szenario „starker Klimawandel“ berechnet,
das als worst case-Variante, bzw. als „Weiter-wie-bisher-Szenario“ verstanden werden kann (RCP 8.5), des-
sen eintreten aber angesichts der aktuellen Temperaturentwicklung als wahrscheinlich gilt. Für das Jahr
1 Die Unsicherheit ergibt sich aus der Spannbreite der Ergebnisse verschiedener Klimamodelle. Insb. langfristig hängen die real eintretenden Klima-
änderungen zudem wesentlich vom zukünftigen globalen Treibhausgas-Ausstoß ab.
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2035 wird die Temperatur zu Beginn der Modellrechnung um 1,8 °C erhöht2, für das Jahr 2045 um 2,2 °C.
Zudem wird dem Modell eine geringere Bodenfeuchte infolge zunehmender sommerlicher Dürrephasen
vorgegeben3.
Grundlagen der Modellierung
Um Informationen zum Stadtklima in Münster zu gewinnen, wurden Modellrechnungen mit dem Stadt-
klimamodell FITNAH-3D durchgeführt, die flächendeckende Ergebnisse für das gesamte Münsteraner
Stadtgebiet bereitstellen4.
Die horizontale Auflösung der Modellierung beträgt 5 m, d.h. Münster wird in ein Raster mit einer Gitter-
weite von 5 m x 5 m zerlegt. Für jede Rasterzelle werden Informationen bspw. zur Geländehöhe und Land-
nutzung, zu Gebäudeumrissen und -höhen sowie zu Bäumen und dem Versiegelungsanteil bestimmt und
als Eingangsdaten für die Modellrechnung verwendet. Innerhalb der Stadtgrenze wurden zudem bereits in
der Modellierung des Status Quo geplante Gebäude berücksichtigt und in das Landnutzungsraster über-
führt. Das gewählte Untersuchungsgebiet geht mit einer Fläche von ca. 23 km x 26 km über die Stadtgrenze
hinaus, damit die im Umland gelegenen Höhen- und Landnutzungsunterschiede mit Einfluss auf das Müns-
teraner Stadtklima berücksichtigt werden. Dabei liegt der Modellierung eine sommerliche Hochdruckwet-
terlage mit wolkenlosem Himmel und einem sehr schwachen übergelagerten Wind zugrunde (Tageshöchst-
temperatur über 25 °C), die in der Stadtklimatologie typischerweise verwendet wird und im Raum Münster
im Sommer durchschnittlich etwa alle vier Tage auftritt.
Modellergebnisse
Das Stadtklimamodell liefert für jede Rasterzelle Ergebnisse zur nächtlichen Lufttemperatur, der Kaltluft-
produktion und dem Kaltluftströmungsfeld sowie zur Wärmebelastung am Tag (vgl. Kapitel 6.1 im Ab-
schlussbericht). Mit Ausnahme des Kaltluftvolumenstroms (Strömung über die komplette untere Luft-
schicht) gelten die Ergebnisse für den bodennahen Aufenthaltsbereich des Menschen und betrachten die
Zeitpunkte 04:00 Uhr für die Nachtsituation (maximale Abkühlung) bzw. 14:00 Uhr für die Tagsituation
(maximale Einstrahlung).
Die Ermittlung der bodennahen nächtlichen Lufttemperatur ermöglicht es, überwärmte städtische Bereiche
zu identifizieren (sogenannte städtische Wärmeinseln) und die räumliche Wirksamkeit von Kaltluftströmun-
gen abzuschätzen. Die aufgeführten Absolutwerte der Lufttemperatur sind exemplarisch für eine sommer-
liche Strahlungswetterlage zu verstehen. Die relativen Unterschiede innerhalb der Stadt bzw. zwischen ver-
schiedenen Landnutzungen gelten dagegen weitgehend auch während anderer Wetterlagen.
Die Topografie im Stadtgebiet übt nur einen geringen Einfluss auf die nächtliche Kaltluftströmung aus, da-
her treten nur selten Kaltluftabflüsse auf Grund der Geländeneigung auf. Genau wie Flurwinden kommt
diesen Kaltluftabflüssen eine besondere landschaftsplanerische Bedeutung zu: Größere Siedlungen wirken
als Strömungshindernis, sodass der Luftaustausch mit dem Umland und die Durchlüftung innerhalb von
2 Die Ergebnisse zum erwarteten Klimawandel stützen sich auf ein Modellensemble der EURO-CORDEX-Initiative, das die RCP-Szenarien des Welt-
klimarates (IPCC) als verschiedene Entwicklungspfade der Treibhausgas-Emissionen berücksichtigt.
Das für die Modellierung verwendete Klimaänderungssignal der Temperatur ergibt sich als Differenz der sommerlichen Temperaturen zwischen
den Zukunftsperioden 2021-2050 (Bezugsjahr 2035) und 2031-2060 (Bezugsjahr 2045) und der Referenzperiode 1971-2000. Das Änderungssignal
beruht auf dem 85. Perzentil aller Modelläufe des RCP 8.5.
3 In den Zukunftsszenarien sinkt die Bodenfeuchte von 60 % (Status quo) auf einen räumlich variablen Wert zwischen 30 und 58%, basierend auf
Daten aus der landesweiten Klimaanalyse NRW. Die Bodenfeuchte zählt zu den Antriebsgrößen des Modells, wird durch das Modell aber nicht
verändert – d.h. das Modell kann keine Ergebnisse zur zukünftigen Bodenfeuchte in Münster ausgeben.
4 Eine genauere Beschreibung des Modells befindet sich in Kapitel 5.1 des Abschlussberichtes.
4
Städten herabgesetzt sind. Vor allem die kleinräumigen Flurwinde sind in Münster wichtig, um dem Sied-
lungsraum durch Zufuhr von Kalt- und Frischluft eine wichtige klimaökologische Ausgleichsleistung zu er-
bringen.
Die Bedeutung einer Grün-/Freifläche bzw. eines Strömungssystems für den Kaltlufthaushalt ergibt sich
daraus, wie viel Kaltluft auf der Fläche entsteht (Kaltluftproduktionsrate) und wie schnell und in welche
Richtung die Kaltluft strömt (bodennahe nächtliche Windgeschwindigkeit). Zusätzlich spielt die Höhe der
Kaltluftschicht (ihre Mächtigkeit) eine Rolle, die durch den Kaltluftvolumenstrom erfasst wird5.
Zur Bewertung der Tagsituation wird die Physiologisch Äquivalente Temperatur (PET) herangezogen, die ein
Maß für die Wärmebelastung des Menschen im Außenraum ist und die Lufttemperatur, Luftfeuchte, Wind-
geschwindigkeit sowie kurz- und langwellige Strahlung berücksichtigt. Die Wärmebelastung wird in der Ein-
heit „°C“ angegeben und ist stark von der Strahlungstemperatur geprägt (insb. Sonnenstrahlung). Entspre-
chend fällt die Wärmebelastung unter der angenommenen sommerlichen Strahlungswetterlage (keine Be-
wölkung) auf Freiflächen ohne Verschattung sehr hoch aus.
Klimaanalysekarte
Die Klimaanalysekarte fasst die wesentlichen Aussagen der meteorologischen Parameter für die Nachtsitua-
tion in einer Karte zusammen und präzisiert das Kaltluftprozessgeschehen mit zusätzlichen Legendeninhal-
ten (vgl. Abbildung 2 und Kapitel 7.1 im Abschlussbericht). Für die Situation um 14:00 Uhr ist die PET der
einzige ausschlaggebende Parameter, sodass die Karte der PET als „Klimaanalysekarte für die Tagsituation“
verstanden werden kann.
In den Klimaanalysekarten der Nachtsituation sind für die Grün- und Freiflächen die Modellergebnisse des
Kaltluftvolumenstroms in abgestufter Flächenfarbe dargestellt. Bei den Siedlungs- und Verkehrsflächen
steht dagegen die nächtliche Lufttemperatur im Vordergrund. Weiterhin ist das bodennahe Strömungsfeld
ab einer als klimaökologisch wirksam angesehenen Windgeschwindigkeit von 0,1 m/s mit einer Pfeilsigna-
tur abgebildet. Das Strömungsfeld wurde für eine bessere Lesbarkeit der abgebildeten Karten auf eine Auf-
lösung von 200 m aggregiert, sodass kleinräumige Windsysteme aus der Karte nicht ersichtlich werden (z.B.
Kanalisierung von Winden in schmalen Straßenabschnitten). Neben dem modellierten Strömungsfeld sind
in der Karte besondere Kaltluftprozesse hervorgehoben, die in Münster eine wichtige Rolle spielen:
Kaltluftleitbahnen Die Kaltluftleitbahn verbindet die Kaltluftentstehungsgebiete mit den wär-
mebelasteten Bereichen im Siedlungsgebiet und erleichtert das Eindringen
der Kaltluft in die Bebauung (Kühlung). Kaltluftleitbahnen weisen eine li-
nienhafte Struktur auf, da sie in ihrer Breite durch Strukturen wie Bebau-
ung oder durch die Orographie begrenzt sind.
Kaltluftabflüsse Anders als die Kaltluftleitbahnen sind flächenhafte Kaltluftzuflüsse in ihrer
Breite nicht durch zusammenhängende Strukturen wie Siedlungen be-
grenzt. Der flächenhafte Kaltluftabfluss bezeichnet Gebiete mit hohem
Kaltluftvolumenstrom, ausgerichtet auf den Siedlungsraum. Begünstigt
werden Kaltluftabflüsse durch eine aufgelockerte Bauweise und hindernis-
arme Strukturen (Grünflächen, teilweise auch Straßen).
5 Vereinfacht ausgedrückt stellt der Kaltluftvolumenstrom das Produkt aus der Fließgeschwindigkeit der Kaltluft, ihrer vertikalen Ausdehnung
(Schichthöhe) und der horizontalen Ausdehnung des durchflossenen Querschnitts dar. Er beschreibt somit diejenige Menge an Kaltluft in der Ein-
heit m³, die in jeder Sekunde über eine bestimmte Fläche fließt.
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Parkwind In der Stadt Münster gibt es zudem eine Reihe von innerstädtischen Grün-
flächen, welche in der Nacht ihre kühle Luft in die bebaute Umgebung
transportieren, so dass hier von einem sogenannten Parkwind gesprochen
werden kann. Breite Straßenzüge bzw. rauigkeitsarme Strukturen und eine
strömungsparallele Ausrichtung der Gebäudekörper begünstigen ein wei-
tes Eindringen von kühlerer Luft in den Siedlungsbereich.
Kaltluftentstehungsgebiete Grün- und Freiflächen mit einer überdurchschnittlichen Kaltluftprodukti-
onsrate, d.h. einer stündlichen Kaltluftproduktion von über 30 Kubikmeter
Kaltluft pro Quadratmeter und Stunde [m³/m²*h].
Verwendung in der Planung
Die Klimaanalysekarte Nacht hilft beim Verständnis des nächtlichen Kaltluftaustausches. Beispielsweise las-
sen sich mit der Klimaanalysekarte wichtige Kaltluftleitbahnen identifizieren, die es zu sichern gilt.
Die Klimaanalysekarten geben eine quantitative Abschätzung: Wie hoch ist die nächtliche Überwärmung?
Wie groß ist der Kaltluftvolumenstrom? Welche Strömungsgeschwindigkeit haben die Winde? In der ras-
terbasierten Karte treten kleinräumige Unterschiede deutlich hervor und Einzelgebäude und Baumgruppen
sind gut erkennbar, weshalb sie sich für die Detailplanung eignet.
Abbildung 2: Ausschnitt aus der Klimaanalysekarte des Ist-Zustandes.
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BEWERTUNGSKARTEN UND PLANUNGSHINWEISKARTE
Die hochaufgelösten Ergebnisse der Modellrechnung und daraus abgeleiteten Klimaanalysekarten bilden
das klimatische Prozessgeschehen in Münster ab und stellen die Basis der Stadtklimaanalyse dar (s.o.). Da-
rauf aufbauend wird in der Planungshinweiskarte, als zentralem Produkt, eine Bewertung der Flächen hin-
sichtlich der bioklimatischen Belastung und damit dem Bedarf für Anpassungsmaßnahmen im Siedlungsraum
sowie des stadtklimatischen Schutzbedarfs von Grün- und Freiflächen vorgenommen (vgl. Kapitel 8.4 im Ab-
schlussbericht). Die Bewertungen beziehen dabei nicht nur die Ergebnisse des Ist-Zustandes, sondern auch
der Szenarien 2035 und 2045 mit ein. Die Bewertungen beruhen auf den stadtklimatischen Funktionen,
ohne die Belange weiterer Fachplanungen zu berücksichtigen, d.h. die Planungshinweiskarte stellt aus kli-
mafachlicher Sicht gewonnenes Abwägungsmaterial dar.
Bewertungskarten
Die Erstellung der Planungshinweiskarte (PHK) erfolgte schrittweise. Zunächst wurden sechs „Bewertungs-
karten“ erstellt, in denen für jedes Szenario sowie getrennt für die Tag- und Nacht-Situation jeweils eine
stadtklimatische Bewertung erfolgte (vgl. Kapitel 8.1 – 8.3 im Abschlussbericht).
In den Bewertungskarten zur Nacht-Situation orientiert sich die Bewertung der Grünflächen an ihrer Funktion
für den Kaltlufthaushalt in Münster, sodass besonders wichtigen Kaltluftprozessen die höchsten bioklimati-
schen Bedeutungen zugeschrieben werden (Kaltluftleitbahnen, Kaltluftabflüsse, etc.) (vgl. Abbildung 3).
Siedlungsferne Grünflächen ohne relevante Klimafunktionen sind aus stadtklimatischer Sicht von geringe-
rer Bedeutung.
Abbildung 3: Ausschnitt aus der Bewertungskarte Nacht des Ist-Zustandes.
Die Bewertung des Siedlungsraums basiert auf der nächtlichen Überwärmung, so dass dicht bebaute (z.B.
die Innenstadt) und/oder hochversiegelte Bereiche (z.B. Gewerbegebiete) (sehr) ungünstigste Bedingun-
gen aufweisen. Dank der Kaltluftabflüsse und einer meist weniger dichten Bebauung herrschen in einigen
Wohngebieten und Siedlungsagglomerationen (z.B. in Sprakel) heute größtenteils günstige bioklimatische
Situationen vor. Die besondere Rolle, die die Kaltluftströmung spielt, findet sich auch in der Bewertung der
Siedlungsflächen wieder: Herrscht auf Siedlungsflächen ein überdurchschnittlicher Kaltluftvolumenstrom,
ist dieser Bereich durch eine blaue Schraffur als Kaltlufteinwirkbereich ausgewiesen.
Bei der Bewertung des Siedlungsraums ist zu beachten, dass damit die relativen Unterschiede in Münster
wiedergegeben werden. Auch in den als günstig eingestuften Flächen können bei bestimmten Wetterlagen
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hohe nächtliche Temperaturen auftreten, die jedoch weiterhin geringer ausfallen als in den ungünstig be-
werteten Flächen. Der Fokus in den Karten liegt auf Wohngebieten, doch werden auch Gewerbegebiete
mit einer Bewertung versehen, da es sich meist um große Flächen handelt, die teilweise in direkter Nach-
barschaft zu Wohngebieten liegen (oder es handelt sich um Mischgebiete mit beiden Nutzungen). Der Stra-
ßenraum bzw. Plätze werden, wie der Schienenverkehr nicht bewertet und daher ausgeblendet (graue
Farbgebung). Die klimatischen Effekte von Verkehrsräumen (etwa die Wärmespeicherung am Tag und -ab-
gabe in der Nacht) wird trotzdem durch das Modell berücksichtigt (d.h. ein Wohngebiet neben einer großen
Straße ist wärmer als ein Wohngebiet an einer Grünfläche).
Die Bewertungskarten zur Tag-Situation betrachten die Wärmebelastung außerhalb von Gebäuden (vgl. Ab-
bildung 4). Dabei sind Wohn- und Gewerbegebiete gleichermaßen von Bedeutung, zudem rücken der Stra-
ßenraum für Wegebeziehungen sowie die Aufenthaltsqualität auf Plätzen und Grünflächen in den Vorder-
grund.
Abbildung 4: Ausschnitt aus der Bewertungskarte Tag des Ist-Zustandes.
Die Wärmebelastung hängt wesentlich von der Verschattung ab, sodass sich gerade bei Grün- und Freiflä-
chen teilweise konträre Bewertungen zur Nacht-Situation ergeben. Eine Freifläche kühlt in der Nacht stark
aus, weist an Sommertagen (ohne Bewölkung) aber eine hohe Wärmebelastung auf, wenn keine Bäume
vorhanden sind. Demgegenüber ist die Aufenthaltsqualität in Wäldern und (baumbestandenen) Parks auch
an Sommertagen sehr hoch.
Im Siedlungsraum zeigt sich eine heterogene Verteilung der Wärmebelastung. Die ungünstigsten Bedin-
gungen treten über versiegelten Orten ohne Verschattung auf, wie sie teils innerstädtisch in der Kernstadt
sowie in Gewerbegebieten zu finden sind. Auffällig ist die teilweise hohe Wärmebelastung in den Einfami-
lienhaussiedlungen wie z. B. in Amelsbüren. Die Wohngebiete bieten zwar zum Teil einen hohen Grünanteil
(daher in der Nacht überwiegend günstige Bedingungen), doch gibt es gerade in den Gärten einen gerin-
geren Bestand alter, großkroniger (und damit schattenspendender) Bäume als in Teilen der Kernstadt, in
denen die Wärmebelastung geringer ausfällt (bspw. Stadtteil Kreuzviertel). Bei der Interpretation der Er-
gebnisse ist jedoch zu beachten, dass in den Gärten der Einfamilien- und Reihenhausgebiete in den äußeren
Stadtteilen ein kleiner Baum und/oder eine Markise ausreichen können, um den Bewohnenden kleinräumig
Verschattung zu bieten. Daraus ergibt sich jedoch mitunter ein nur geringer Effekt auf die Modellergebnisse
bzw. können Markisen und Bäume mit einer kleinen Krone nicht durch das Modell erfasst werden (weil sie
„durch“ das 5 m-Raster „fallen“).
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Verwendung in der Planung
Die Bewertungskarten geben eine Einschätzung der klimatischen Situation auf einer bestimmten Fläche für
den Tag und die Nacht im Status quo sowie in den Zukunftsszenarien und zeigen dadurch die komprimierte
Information der Planungshinweiskarte aufgeteilt auf sechs Karten. So können Handlungsbedarfe im Wirk-
raum oder Schutzbedarfe im Ausgleichsraum (s. Folgekapitel) festgelegt werden und so zielgerichtete Maß-
nahmen in Bezug auf das Kaltluftprozessgeschehen (Nacht) und den Aufenthaltskomfort im Freien (Tag)
entwickelt werden.
Planungshinweiskarte Stadtklima
Die Planungshinweiskarte Stadtklima fasst die Ergebnisse der Bewertungskarten zusammen, sodass auf den
ersten Blick ersichtlich wird, welche Flächen einen hohen Schutzbedarf haben und wo in Münster Maßnah-
men zur Anpassung vorrangig umgesetzt werden sollten (vgl. Abbildung 5).
Abbildung 5: Ausschnitt aus der Planungshinweiskarte Stadtklima für das Stadtgebiet von Münster.
Im sogenannten Wirkraum (Wohn- und Gewerbeflächen sowie öffentlicher Verkehrsraum) wird die biokli-
matische Belastung dargestellt. Die Bewertung beruht zu gleichen Teilen auf den Schlafbedingungen
(nächtliche Überwärmung und Kaltluftfunktion) und auf der Aufenthaltsqualität im Außenraum am Tage.
Die Belastungsklassen sollen eine Hilfestellung geben, in welchen Flächen Maßnahmen zur stadtklimati-
schen Anpassung besonders wichtig und bevorzugt anzugehen sind, ohne dass dadurch eine Reihenfolge
der Maßnahmenumsetzung in den einzelnen Flächen vorgeschrieben wird (siehe Tabelle 1). Mit „klimaöko-
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logischen Mindeststandards“ sind u.a. eine geringe Versiegelung, das Einplanen von Bäumen mit ausrei-
chend Wurzelraum und eine Dachbegrünung gemeint (Weitere mögliche Maßnahmen siehe Kapitel 8.5 im
Abschlussbericht).
Tabelle 1: Bewertungsklassen des Wirkraumes und die dazugehörigen Planungshinweise.
Bewertung im Wirkraum Planungshinweise
sehr hohe oder hohe bioklimatische
Belastung ≙ Klimatischer Handlungs-
bereich mit vorrangiger Priorität
Maßnahmen zur Verbesserung der bioklimatischen Situation sind hier
notwendig und prioritär. Es besteht ein hoher Bedarf an Anpassungsmaß-
nahmen. Im Rahmen baulicher Entwicklungen / Überplanung soll eine
Verbesserung der klimatischen Situation erzielt werden. Eine Verschlech-
terung der klimatischen Situation im direkten Umfeld ist auszuschließen.
Ein planerisches Konzept zur Klimaanpassung ist erforderlich. Die Wirk-
samkeit der Maßnahmen ist in der Regel durch ein mikroklimatisches Gut-
achten nachzuweisen. Die sehr hohe Belastung bedeutet eine sehr un-
günstige thermische Situation bereits in der Bestandsituation, die hohe
Belastung eine sehr ungünstige Situation ab dem Zukunfts-Szenario 2035.
erhöhte oder mittlere bioklimatische
Belastung ≙ Klimatischer Optimie-
rungsbereich
Maßnahmen zur Verbesserung der bioklimatischen Situation sind zu emp-
fehlen. Es besteht ein mittlerer Bedarf an Anpassungsmaßnahmen. Bauli-
che Entwicklungen sollten mindestens zum Erhalt, möglichst aber zu einer
Verbesserung der klimatischen Situation auf der Fläche führen. Eine Ver-
schlechterung der klimatischen Situation im direkten Umfeld ist zu ver-
meiden. Die Wirksamkeit der Maßnahmen ist durch eine qualitative Stel-
lungnahme zur klimaangepassten Optimierung der Planung nachzuwei-
sen. Die erhöhte Belastung entspricht einer sehr ungünstigen Situation ab
dem Zukunfts-Szenario 2045.
geringe bioklimatische Belastung ≙
Klimatischer Erhaltungsbereich
Maßnahmen zur Verbesserung der bioklimatischen Situation werden bei
größeren Projekten empfohlen.
Für bauliche Entwicklungen sind klimaökologische Mindeststandards zu
beachten. Die bioklimatische Situation ist zu erhalten und nach Möglich-
keit zu verbessern.
keine bioklimatische Belastung ≙
klimatisch resilienter Bereich
Maßnahmen zur Verbesserung der bioklimatischen Situation haben keine
Priorität, sollten jedoch bei größeren Vorhaben geprüft werden. Bei Nach-
verdichtungen oder neuer Bebauung sind mögliche Auswirkungen auf
Luftleitbahnen oder flächenhafte Kaltluftabflüsse zu beachten.
Grün- und Freiflächen, landwirtschaftliche Flächen und Wälder werden als stadtklimatischer Ausgleichs-
raum bezeichnet. Die Planungshinweiskarte gibt den stadtklimatischen Schutzbedarf dieser Flächen an-
hand ihrer Funktion für den Kaltlufthaushalt bzw. als Rückzugsorte an heißen Tagen wieder. In Abhängigkeit
vom Schutzbedarf der Flächen ist deren stadtklimatische Funktion bei geplanten Entwicklungen zu prüfen
– bei einem sehr hohen Schutzbedarf wird eine Entwicklung bspw. nur dann als stadtklimaverträglich ge-
wertet, wenn ein Nachweis über die Erhaltung der jeweiligen Funktion erfolgt (vgl. Tabelle 2).
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Tabelle 2: Bewertungsklassen des Ausgleichsraumes und dazugehörige Planungshinweise.
Bewertung im Ausgleichsraum Planungshinweise
Sehr hoher Schutzbedarf
Bei Eingriffen in die Flächen ist als erstes eine Vermeidung zu prüfen und in
den Vordergrund zu stellen. Ansonsten ist die Erhaltung der jeweiligen
stadtklimatischen Funktion nachzuweisen (bspw. Kaltlufttransport, Ver-
schattung). Bauliche Entwicklungen sind klimafachlich zu begleiten. Je nach
Art, Lage und Größe des Vorhabens kann dies über eine fachliche Stellung-
nahme oder modellhafte Untersuchung erfolgen.
Hoher Schutzbedarf
Bei Eingriffen in die Flächen ist als erstes eine Vermeidung zu prüfen und in
den Vordergrund zu stellen. Ansonsten ist auf die Erhaltung der jeweiligen
stadtklimatischen Funktion zu achten (bspw. Kaltlufttransport, Verschat-
tung). Bei baulichen Entwicklungen ist eine klimafachliche Einschätzung vor-
zunehmen, bei größeren Vorhaben kann eine modellhafte Untersuchung
erforderlich sein.
Erhöhter Schutzbedarf
Bei Eingriffen in die Flächen auf die Erhaltung der jeweiligen stadtklimati-
schen Funktion zu achten (bspw. Kaltlufttransport, Verschattung). Bei grö-
ßeren Vorhaben ist eine klimafachliche Begleitung anzustreben.
Geringer
Schutzbedarf
Die Flächen weisen aktuell für den derzeitigen Siedlungsraum keine beson-
dere stadtklimatische Funktion auf.
Verwendung in der Planung
Aus der Planungshinweiskarte lassen sich planerische Maßnahmen zur Verbesserung oder Sicherung der
klimatischen Situation eines Gebiets ableiten6. Die Karte ermöglicht eine Einschätzung, wo die Überwär-
mung besonders hoch ist und dementsprechend Maßnahmen zur Hitzereduktion notwendig sind (Begrü-
nung, Entsiegelung, Beachtung der Baukörperstellung, Beschattung durch Bäume etc.). Die Karte hilft zu-
dem dabei, Grün- und Freiflächen zu identifizieren, die aufgrund ihrer Funktion für das nächtliche Kaltluft-
geschehen (z.B. Teil einer Kaltluftleitbahn) und der Hitzeminderung am Tage und in der Nacht planerisch
gesichert werden sollten. Außerdem kann die Karte die Planung und Entwicklung neuer Wohn- und Gewer-
begebiete unterstützen. In den Zukunftsszenarien wurden beispielsweise Flächen aus dem integrierten Flä-
chenmanagement in vereinfachter Weise mit modelliert und bewertet. Daraus ist eine Ersteinschätzung
dieser Gebiete hinsichtlich ihrer klimaökologischen Auswirkungen möglich. Zur Anwendung passgerechter
Maßnahmen wird die hierarchische Nutzung des Gesamtkartenwerks von der PHK über die Bewertungs-
karten, die Klimaanalysekarten und die Einzelparameterkarten empfohlen.
6 Für die PHK und auch die Bewertungskarten werden die Ergebnisse als bewertete Information für Referenzflächen
ausgewiesen. Die Referenzflächen wurden, abhängig von der Landnutzungskategorie aus den Daten der amtlichen
Vermessung (GIS-basiert) abgeleitet. Dies kann unter Umständen dazu führen, dass kleinere Freiflächen in der Karte
nicht als solche ausgewiesen sind, oder Überbauungen mit einem hohen Grünanteil nicht als Siedlungsflächen ausge-
wiesen sind. Im Falle zusätzlicher Bebauung auf Grün- und Freiflächen kann sich deren Funktion ändern und muss
gegebenenfalls neu bewertet werden.
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ERGÄNZENDE THEMEN(-KARTEN)
Begleitende Messkampagne zur Stadtklimaanalyse
Im Rahmen der Stadtklimaanalyse Münster wurde zusätzlich zur Modellierung mit FITNAH 3D eine umfas-
sende Messkampagne durchgeführt (vgl. Kapitel 5.8 und 6.2 im Abschlussbericht). Analog zu den modell-
gestützten Untersuchungen sollten insbesondere die temporären Messungen möglichst zu hochsommerli-
chen Belastungssituationen durchgeführt werden, um eine Aussage zur nächtlichen Kaltluftproduktion und
zu nachts besonders belasteten Quartieren treffen zu können. Hierfür fanden in zwei Nächten im Sommer
2024 jeweils an einem ruralen und einem urbanen Messstandort im Stadtgebiet Vertikalsondierungen und
Wärmebildaufnahmen mit Drohnen und in einer weiteren Nacht eine mobile Messfahrt statt. Zusätzlich
wurden im Vorfeld an denselben Standorten stationäre Klimamessstationen installiert. Das Ziel dieser Lang-
zeitmessungen war es, die Hauptwindrichtungen zu autochthonen und nicht-autochthonen Wetterlagen
zu ermitteln und Klimakenntagstatistiken des Sommers 2024 anzufertigen. Gleichzeitig ermöglichen die
Langzeitmessungen die Einbettung der temporären Messkampagnen in einen meteorologischen Rahmen.
Sensitivitätsanalyse
Die Sensitivitäts- und Vulnerabilitätsanalyse soll als Ergänzung zur Klimaanalyse die Betroffenheit der Müns-
teraner Bevölkerung in Bezug auf eine anzunehmende Wärmebelastung aufzeigen (vgl. Kapitel 7.2 im Ab-
schlussbericht). Auf der Basis von sozialen und demographischen Daten wurden verschiedene vulnerable
Bevölkerungsgruppen identifiziert, die eine im besonderen Maße physiologische Empfindlichkeit (Vulnera-
bilität) gegenüber Hitzeextremen aufweisen. Außerdem wurde die Lage verschiedener Einrichtungen be-
rücksichtig, an denen sich vulnerable Bevölkerungsgruppen tagsüber oder nachts aufhalten. Das zusam-
mengefasste Ergebnis ist in der Sensitivitätsanalysekarte in 5 Kategorien dargestellt. Die vier sensitiven
Klassen wurden in zwei Gruppen zusammengefasst (Extrem oder sehr hoch sensitives Gebiet / Hoch sensi-
tives oder sensitives Gebiet) und als zusätzliche Signatur in die PHK überführt. Dort wo ein sensitives Gebiet
und ein belasteter Siedlungsraum zusammentreffen steigt der Bedarf zur Anpassung an den Klimawandel.
März 2025, GEO-NET Umweltconsulting (Hannover)
Beschlussvorlage
18383 Zeichen
V/0200/2025
V/0200/2025
Öffentliche Beschlussvorlage
Betrifft
Stadtklimaanalyse Münster 2025 mit Planungshinweiskarte
Beratungsfolge
13.05.2025 Ausschuss für Umweltschutz, Klimaschutz und Bauwesen Vorberatung
15.05.2025 Ausschuss für Stadtplanung und Stadtentwicklung Vorberatung
21.05.2025 Hauptausschuss Vorberatung
21.05.2025 Rat Entscheidung
Beschlussvorschlag:
I. Sachentscheidung:
1. Der Rat der Stadt Münster bekräftigt die Bedeutung einer klimaangepassten (baulich -
räumlichen) Entwicklung für eine klimagerechte und lebenswerte Stadt Münster.
2. Der Rat der Stadt Münster nimmt die Ergebnisse der Stadtklimaanalyse in Form des Berichts
und der Karten (Anlage 1) zur Kenntnis.
3. Die Verwaltung wird beauftragt, die Planungshinweiskarte (Anlage 2) sowie die weiteren Er-
kenntnisse und Ergebnisse der Stadtklimaanalyse bei allen zukünftigen planerischen, bauli-
chen und gestalterischen Prozessen und Projekten anzuwenden.
II. Finanzielle Auswirkungen:
Es entstehen keine unmittelbaren finanziellen Auswirkungen.
Dezernat OB/Stabsstelle
Klima
25.04.2025
Ihr/e Ansprechpartner/in:
Herr Muddemann /
Frau Scherer
Telefon: 492-7157 / 7154
MuddemannV@stadt-
muenster.de
Schereri@stadt-muenster.de
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V/0200/2025
Begründung:
Vorbemerkung
Aufgrund der massiven klimatischen Veränderungen durch den Klimawandel ist der Umgang mit „Hit-
ze in der Stadt“ eines der relevanten Themen für Münster, da in Teilen des Stadtgebietes bereits heu-
te hohe Wärmebelastungen auftreten und sich in Zukunft steigende Temperaturen sowie häufigere
Hitzeereignisse deutlich abzeichnen. Diese Entwicklungen haben direkte Auswirkungen auf die Bür-
gerinnen und Bürger in der Stadt. Um Strategien sowie Maßnahmen zur Minderung der Belastung
und Anpassung an die zu erwartenden Klimaveränderungen zu entwickeln, bedarf es räumlich ge-
nauer Informationen zur bioklimatischen Situation in Münster, die mit der vorliegenden Stadtklimaana-
lyse1 gegeben werden. Dem Stand der Technik gemäß wurde eine mikroskalige Rechnung (Raster-
auflösung in alle Raumrichtungen von 5 m) mit dem Stadtklimamodell FITNAH 3D durchgeführt, um
hochaufgelöste, flächendeckende Ergebnisse für das gesamte Stadtgebiet zu erh alten. Durch die
kleinräumige Erfassung von Gebäuden und Grünstrukturen, insbesondere Bäumen, samt deren indi-
vidueller Strukturhöhe, können detaillierte Aussagen zum Einfluss des Stadtkörpers auf das Mikrokli-
ma und insbesondere die Kaltluftentstehung und -ausbreitung getroffen werden.
Die Fortschreibung und Detaillierung der Stadtklimaanalyse ist eine wesentliche Maßnahme des
Handlungskonzepts Klimaanpassung 2030 der Stadt Münster (V/0799/2019/1) und grundlegend für
die Berücksichtigung und Bewertung des Stadtklimas. Eine besondere Bedeutung haben Klimaszena-
rien und die daraus abgeleiteten Planungsempfehlungen für die zukünftige Stadtentwicklung. Die letz-
te umfassende Stadtklimaanalyse für Münster lag für 1992 vor. Im Zuge der Erstellung des Klimaan-
passungskonzepts wurde 2015 eine weitere Analyse des Stadtklimas durchgeführt. Seitdem haben
sich auf Grund des anthropogenen Klimawandels stadtklimatische Parameter insbesondere die Luft-
temperatur verändert. Darüber hinaus hat sich auch die Stadtstruktur in Bezug auf Nutzungen, gebau-
te Struktur, Wohndichten sowie Grün- und Freiflächen geändert.
Auch die Klimatologie mit ihren Methoden und zugrundeliegenden Normen für Klimaanalysen haben
sich in den letzten Jahren weiterentwickelt (siehe u. a. VDI 3785 und VDI 3787 ). Dies liegt unter an-
derem an der zunehmenden Bedeutung (stadt -)klimatischer Belange und dem damit verbundenen
steigenden Anspruch an Klimaanalysen, der sich auch im Klimaanpassungsgesetz des Bundes
(KAnG), sowie des Landes NRW (KlAnG NRW) zeigt.
Die Stad tklimaanalyse 2025 ermöglicht eine evidenzbasierte Konkretisierung und Verortung von
Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel mit dem Ziel die städtische Wärmebelastung zu
reduzieren und die Belüftung zu verbessern. Sie bietet somit neben der Starkregengefahrenkarte der
Stadt Münster (V/0121/2023) eine wichtige Grundlage für die Umsetzung von Maßnahmenprogram-
men, u. a. dem Handlungskonzept Klimaanpassung 2030 (V/0799/2019/1) oder auch dem Hitzeakti-
onsplan der Stadt Münster mit nicht -baulichen Maßnahmen (V/0480/2024), sowie für die Anwendung
städtischer Leitfäden, wie dem Leitfaden „Klimagerechte Bauleitplanung Münster“ (V/0123/2023) und
Planwerken wie dem Integrierten Freiflächen Konzept (IFM) (V/0192/2024), sowie der Weiterentwick-
lung der Grünordnung (V/0182/2025).
zu 1. und 2.
Im Fokus der Stadtklimaanalyse 2025 stand die bioklimatische Betrachtung, also die Wirkung des
Klimas auf den Menschen. Insbesondere der städtische Kaltlufthaushalt sowie die kleinräumige
sommerliche thermische Belastungssituation der Stadtbevölkerung sowohl am Tag als auch in der
Nacht wurden untersucht. Ergänzend wurde 2024 eine begleitende sommerliche (Intensiv -
)Messkampagne durchgeführt, um die Modellierung mit Messdaten in Beziehung setzen zu können.
Der Abschlussbericht zur St adtklimaanalyse 2025 gibt einen umfassenden Überblick zu den fachli-
chen Grundlagen, den Datengrundlagen, dem methodischen Vorgehen, sowie den Analyseergebnis-
sen und Bewertungen der Ergebniskarten mit Empfehlungen für die Planung. Der Bericht ist hier oder
online unter www.klima.muenster.de abrufbar.
1 Synonyme Verwendung der Stadtklimaanalyse zu Klimaanalyse der Stadt Münster
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V/0200/2025
Eine fundierte Zusammenfassung sowie eine Lesehilfe zu den wichtigsten Informationen und Karten
der Stadtklimaanalyse Münster bietet die Anlage 1 dieser Vorlage. Von Bedeutung sind dabei insbe-
sondere die Erläuterungen zur Verwendung der Ergebniskarten für planerische Prozesse.
Im Folgenden wird der Fokus auf die wichtigs ten Analyse- und Bewertungsergebnisse der Stadt-
klimaanalyse mit Hinweis auf lokalklimatische Gegebenheiten und Besonderheiten gelegt mit Verwei-
sen auf die Kapitel im Abschlussbericht.
Hitzeentwicklung: Münster ist zunehmend von sommerlicher Hitze betroffen, insbesondere in
dicht bebauten Gebieten. Alle Klima (RCP) - Szenarien prognostizieren bis 2100 einen (deutli-
chen) Temperaturanstieg mit mehr heißen Tagen und tropischen Nächten. Im RCP 8.5 -
Szenario („Worst-Case“) steigen heiße Tage bis zum Jahrhundertende auf durchschnittlich 19
pro Jahr (1971 –2000: 6). Auch Hitzeperioden werden häufiger und länger. Die klimatische
Wasserbilanz verschlechtert sich im Sommer, was u.a. zu mehr Trockenheitsstress für die
Vegetation und weniger Verdunstungskühle führt - insbesondere im RCP 8.5 -Szenario (vgl.
Kap. 4.4).
Wärmeinseleffekt: Messungen und Modellrechnungen bestätigen eine starke städtische
Überwärmung. In dicht bebauten Gebieten liegen nächtliche bodennahe Lufttemperaturen um
bis zu 8°C höher als auf Freiflächen. Besonders von Überwärmung betroffen sind das Hafen-
gebiet, Straßenräume (z. B. Hammer Straße) sowie Gewerbegebiete mit hoher Versiegelung.
Unter den Grün- und Freiflächen zählen die Freiflächen in höheren Lagen wie z. B. nördlich
von Nienberge (~13°C) zu den kältesten Bereichen. Verglichen dazu weisen innerstädtische
Grünflächen etwas höhere Temperaturen auf (~14 - 15,5°C). Bis 2045 ist eine flächendecken-
de Erwärmung zu erwarten, der Wärmeinseleffekt bleibt bestehen (vgl. Kap. 6.1.1.1).
Kaltluftsystem: Kaltluftströme bieten Kühlung, können aber durch Bebauung beeinträchtigt
werden. Eine zentrale Kaltluftleitbahn verläuft zwischen Gievenbeck und Roxel, parallel zur
Münsterschen Aa entlang der Grünflächen bis zum Aasee. Zusätzlich existieren Kaltluftabflüs-
se (z. B. südlich von Häger) und Flurwinde (u. a. in Amelsbüren). Vor allem die kleinräumigen
Flurwinde sind in Münster wichtig. Parkwinde sorgen in Grünflächen und angrenzender Be-
bauung für Kühlung, z. B. im Südpark oder am Friedhof St. Clemens. Wichtige Kaltluftentste-
hungsgebiete finden sich im Umland und in großen Grünflächen in der Stadt (z. B. viele der
Parks). Insgesamt bleiben die Kaltluftprozesse trotz Klimawandels stabil (Kap. 6.1.1.2 und
Kap. 7.1).
Aus diesen wissenschaftlich basierten Modellergebnissen ergeben sich für Münster folgende gut-
achterliche Bewertungen:
Bioklimatische Belastung der bebauten Flächen (Wirkraum): Die Planungshinweiskarte
zeigt für 0,9 % der bebauten Flächen eine sehr hohe thermische Belastung, insbesondere in
stark versiegelten Stadt- und Gewerbegebieten. Besonders betroffen sind schlecht durchlüfte-
te Innenstadtbereiche (u.a. nördl. Wolbecker Str. zw. Gleisen u. Hohenzollernring). Weitere
8,9 % des Stadtgebiets weisen eine hohe Belastung auf (u. a. in der Loddenheide). Während
die sehr hohe Belastung bereits heute eine ungünstige thermische Situation darstellt, erreicht
die hohe Belastung dieses Niveau erst ab 2035. Insgesamt sind 69 % der Flächen von einer
erhöhten bioklimatischen Belastung betroffen, die ab 2045 als sehr ungünstig eingestuft wird.
18,3 % der Flächen haben eine geringe, 3,2 % bislang keine stadtklimatische Belastung (vgl.
Kap. 8.4.2).
Schutzbedürftige Grün - und Freiflächen (Ausgleichsraum): Laut Planungshinweiskarte
sind 9 % des Ausgleichsraums aus stadtklimatischer Perspektive für die Siedlungsräume be-
sonders schutzbedürftig, darunter die Kaltluftleitbahn sowie innerstädtische Grünflächen und
Parks wie der Schlossgarten. Sie wirken ähnlich wie Wälder als fußläufig erreichbare Klima-
komforträume. Waldgebiete bieten vor allem tagsüber thermischen Ausgleich, während Kalt-
luftleitbahnen und Abflussbereiche nachts für Kühlung sorgen. 28,5 % der Ausgleichsflächen
haben einen hohen stadtklimatischen Schutzbedarf, darunter auch siedlungsnahe Agrarflä-
chen. Ein Drittel (34 %) b enötigt einen erhöhten Schutz, während 28,5 % der Flächen derzeit
keine bedeutende stadtklimatische Funktion haben, da sie außerhalb des Einflussbereichs für
bebaute Gebiete liegen (vgl. Kap. 8.4.2).
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Vulnerable Einrichtungen: Von rund 990 untersuchten Ort en mit hitzesensiblen Personen-
gruppen (u.a. Kitas, Pflegeheime, Krankenhäuser) sind acht Orte (0,8 %) bereits heute stark
belastet. 8 bzw.12 % der Orte zeigen eine hohe oder erhöhte Belastung. 67 % der Orte haben
eine mittlere Belastung. All diese Einricht ungen sollten sowohl kurz - wie langfristig auf ihre
Resilienz gegenüber Hitze geprüft werden (vgl. Kap. 7.1.2).
Weitere stadtklimatische Effekte:
Verschattung und Aufenthaltsqualität: Verschattung, insbesondere durch Bäume aber auch
durch Gebäude, reduziert die thermische Belastung erheblich. Besonders Flächen mit hoher
Aufenthaltsqualität (25,3 % mit sehr hoher, 8,6 % mit hoher Qualität) profitieren von geringe-
ren Temperaturen und reduziertem Hitzestress (vgl. Kap. 8.3.4).
Bedeutung von blau -grüner Infrastruktur („Schwammstadt“): Wasserflächen in Verbin-
dung mit Stadtgrün sowie Grünflächen mit hoher Bodenfeuchte kühlen die Umgebung effektiv
durch Verdunstung, etwa in renaturierten Gewä sserbereichen (u.a. Westerholtsche Wiese),
Kleingärten (u.a. Stiller Friede), Innenhöfen (u.a. nördl. u. südl. Melcherstr. im Kreuzviertel),
Quartieren mit Schwammstadtelementen (u.a. Oxford Quartier) (vgl. Kap. 6.2.3 und Kap. 8.3).
Alle Karten der Stadtklimaanalyse (Einzelergebniskarten, Klimaanalysekarten, Bewertungskarten und
Planungshinweiskarte) sind in einem Geographischen Informationssystem (GIS) aufbereitet und ein-
sehbar. Die Ergebnisse der Stadtklimaanalyse Münster 2025 werden darüber hinaus der Stadtgesell-
schaft über die städtischen Internetseiten sowie die OpenData Plattform der Stadt Münster bereitge-
stellt.
Zukünftig wird ein regelmäßiger Fortschreibungsturnus für die Analyse von ca. 5 - 10 Jahren ange-
strebt. Dabei empfiehlt es sich, den Zeitpunkt der Fortschreibung an die Aktualisierung zentraler Ein-
gangsdaten zu koppeln.
zu 3.
Die Planungshinweiskarte Stadtklima fasst die Ergebnisse der Bewertungskarten (s. Anlage 1) zu-
sammen, sodass auf den ersten Blick ersichtlich wird, welche Flächen einen hohen Schutzbedarf
haben und wo in Münster Maßnahmen zur Anpassung vorrangig umgesetzt werden sollten2 (s. Anla-
ge 2).
Im sogenannten Wirkraum (Wohn - und Gewerbeflächen sowie öffentlicher Verkehrsraum) wird die
bioklimatische Belastung dargestellt. Die Bewertung beruht zu gleichen Teilen auf den Schlafbedin-
gungen (nächtliche Überwärmung und Kaltluftfunktion) und auf der Aufenthaltsqualität im Außenraum
am Tage. Die Belastungsklassen sollen eine Hilfestellung geben, in welchen Flächen Maßnahmen
zur stadtklim atischen Anpassung besonders wichtig und bevorzugt anzugehen sind , ohne dass
dadurch eine Reihenfolge der Maßnahmenumsetzung in den einzelnen Flächen vorgeschrieben wird.
Grün- und Freiflächen, landwirtschaftliche Flächen und Wälder werden als stadtklimat ischer Aus-
gleichsraum bezeichnet. Die Planungshinweiskarte gibt den stadtklimatischen Schutzbedarf dieser
Flächen anhand ihrer Funktion für den Kaltlufthaushalt bzw. als Rückzugsorte an heißen Tagen wie-
der. In Abhängigkeit vom Schutzbedarf der Flächen ist deren stadtklimatische Funktion bei geplanten
Entwicklungen zu prüfen – bei einem sehr hohen Schutzbedarf wird eine Entwicklung bspw. nur dann
als stadtklimaverträglich gewertet, wenn ein Nachweis über den Erhalt der jeweiligen Funktion erfolgt.
Die Planungshinweiskarte zum Stadtklima übernimmt eine herausragende Bedeutung für eine wach-
sende Stadt. Sie ermöglicht eine frühzeitige Berücksichtigung stadtklimatischer Belange bei allen zu-
künftigen planerischen, baulichen und gestalterischen Prozessen und Projekten. Denn Kernaufgabe
der Stadt ist es, mit Blick auf die Lebensqualität und die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger die
Stadt klimaresilient und lebenswert zu gestalten. Die Planungshinweiskarte (PHK) erfüllt dabei im
Wesentlichen drei Funktionen für die Planung:
2 Die Planungshinweiskarte in reduzierter Auflösung ist in Anlage 2 dargestellt. Die hochauflösende Version der
Planungshinweiskarte ist unter www.klima.muenster.de abrufbar.
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1. Verbesserung von Bestandsgebieten durch Maßnahmen zur Hitzevorsorge
2. Sicherung von Grün- und Freiflächen
3. Planungsgrundlage für neue Flächen und Quartiere.
Je nach Fragestellung lassen sich planerische Maßnahmen zur Verbesserung oder Sicherung de r
klimatischen Situation eines Gebiets ableiten. Die Karte ermöglicht eine Einschätzung, wo die Über-
wärmung besonders hoch ist und dementsprechend Maßnahmen zur Hitzereduktion notwendig sind
(Begrünung, Entsiegelung, Beachtung der Baukörperstellung, Bescha ttung durch Bäume etc.). Die
Karte hilft zudem dabei, Grün - und Freiflächen zu identifizieren, die aufgrund ihrer Funktion für das
nächtliche Kaltluftgeschehen (z.B. Teil einer Kaltluftleitbahn) und der Hitzeminderung am Tage und in
der Nacht planerisch gesichert werden sollten. Darüber hinaus ist die Planungshinweiskarte im Rah-
men der Bauleitplanung Grundlage für alle klimaökologischen Stellungnahmen und planerischen Ab-
wägungsprozesse.
Der Planungshinweiskarte wurde zudem ein Maßnahmenkatalog mit 20 Maßnah men zur Seite ge-
stellt, welche insbesondere die baulichen Schwerpunkte in der Ausrichtung des Handlungskonzepts
Klimaanpassung 2030 (V/0799/2019/1) untermauern. Die Maßnahmen finden sowohl Anwendung im
Bestand als auch bei der Entwicklung neuer Flächen und Quartiere und gliedern sich in folgende drei
Kategorien:
Thermisches Wohlbefinden im Außenraum
Verbesserung der Durchlüftung
Reduktion der Wärmebelastung im Innenraum
Zur Anwendung passgerechter Maßnahmen wird die hierarchische Nutzung des Gesamtkartenwerks
von der Planungshinweiskarte über die Bewertungskarten, die Klimaanalysekarten und die Einzelpa-
rameterkarten empfohlen.
Die Klimakarten stellen somit eine zentrale Planungsgrundlage für eine hitzeangepasste Siedlungs-
entwicklung dar. Aus i hnen lässt sich bei Planungen oder Projekten der konkrete Handlungs - oder
Schutzbedarf ableiten und sollte daher bei allen zukünftigen Stadtentwicklungs - und Projektplanun-
gen Verwendung finden.
Ausblick
Mit der Stadtklimaanalyse 2025 liegt die erste hochaufgelöste Analyse des Münsteraner Stadtklimas
nach heutigem Stand der Technik vor. Im Fokus stehen dabei insbesondere der städtische Kaltluft-
haushalt sowie die kleinräumige sommerliche thermische Belastun gssituation der Stadtbevölkerung
sowohl am Tag als auch in der Nacht (Schutzgut der „Menschlichen Gesundheit“).
Primäres Anwendungsfeld der Klimaanalyse im Allgemeinen sowie der Planungshinweiskarte im
Speziellen ist die Bereitstellung von hochwertigem Ab wägungsmaterial für Planungs- und Entschei-
dungsprozesse im Rahmen der Bauleitplanung. Aufgrund des erreichten Detaillierungsgrades der
Analyse kann neben der vorbereitenden auch die verbindliche Bauleitplanung hinreichend gut bedient
werden.
Die Ergebnisse der Klimaanalyse ermöglichen darüber hinaus die Berücksichtigung detaillierter kli-
maökologischer Erkenntnisse unter anderem in folgenden Bereichen:
Klimagerechte Quartierssanierung
Sanierung des öffentlichen Raums und städtischer Gebäude
Verkehrswegeplanung
Grünflächenentwicklung
Gesundheitsvorsorge
Stadtweite Leitbildprozesse (u.a. Global Nachhaltige Kommune (GNK), Aktionsplan für Klima-
und Geschlechtergerechtigkeit, Wirtschaftsstandortstrategie)
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Umweltgerechtigkeit und Sozialplanung
Münster wird Klimastadt. Unter dem Motto „weil es uns alle braucht“ gestaltet die Stadt Münster ge-
meinsam mit zivilgesellschaftlichen Akteuren, Unternehmen sowie Bürgerinnen und Bürgern den Pro-
zess auf dem Weg zu einer klimagerechten Stadt. Mit der Planungshinweiskarte und der Starkregen-
gefahrenkarte liegen jetzt zwei wesentliche Grundlagen für die Gestaltung einer klimaresilienten und
zukunftsorientierten Stadt Münster vor, die sowohl für die Planungs - und Gestaltungsprozesse der
Stadtverwaltung, als auch den Unternehmen und Bürgerinnen und Bürgern als wichtige Informations-
und Grundlagenquelle dienen.
Gez.
Markus Lewe
Oberbürgermeister
Anlagen:
Anlage 1: Zusammenfassung und Lesehilfe zu den Ergebnissen der Stadtklimaanalyse
Münster
Anlage 2: Planungshinweiskarte
Beratungsverlauf (4)
Beschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungBeschluss: einstimmig geändert beschlossen
Zur SitzungBeschluss: ohne Beschlussfassung geschoben
Zur SitzungBeschluss: mehrheitlich geändert beschlossen
Zur SitzungOrte (5)
- Hammer Straße
- Wolbecker Straße
- Hohenzollernring
- Schlossgarten
- Loddenheide
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Aktenzeichen
- V/0200/2025
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 07.04.2025
- Erstellt
- 07.04.2025 14:28