V/0121/2023
Starkregen- und Hochwasserrisikomanagement Stadt Münster - Veröffentlichung
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Anlage A
2272 Zeichen
Anlage A zur V/0121/2023
Kurzüberblick
Im Zuge eines ganzheitlichen Starkregen- und Hochwasserrisikomanagements wurden durch das
Amt für Mobilität und Tiefbau sogenannte Starkregengefahrenkarten für das gesamte Stadtgebiet
erstellt. Die Veröffentlichung des Kartenwerks soll über ein umfangreiches Kommunikationskon-
zept erfolgen. So ist neben der Bereitstellung von Hintergrundinformationen und der Starkregen-
gefahrenkarten über eine neu entwickelte Website als besondere Serviceleistung geplant, alle
circa 48.000 Grundstückseigentümer:innen per Anschreiben über die Überflutungsgefährdung zu
informieren.
Ziele/Teilziele/Zielerreichung
Mit der Vorlage wird das Ziel „ordnungsgemäße, sichere, umweltgerechte und wirtschaftliche Ab-
leitung und Reinigung von Abwasser“ verfolgt.
Das Starkregen- und Hochwasserrisikomanagement trägt zur Umsetzung der Ziele zur Klimaan-
passung und Nachhaltigkeitsstrategie der Stadt Münster bei.
Insbesondere die Maßnahmen S (Starkregen) aus dem Handlungskonzept Klimaanpassung 2030
zur Umsetzung des Klimaanpassungskonzeptes der Stadt Münster werden hiermit umgesetzt.
Nach heutigem Stand ist eine Realisierung des Kommunikationskonzeptes im Jahr 2023 vorgese-
hen.
Zur Erreichung des Zieles ist mit einem finanziellen Bedarf von 200.000 € zu kalkulieren.
Finanzierung
Produktgruppe: 1101 Abwasserbeseitigung
Auswirkungen auf den Ergebnisplan x Ja Nein
Auswirkungen auf den Finanzplan Ja x Nein
Im Haushaltsplan 2023 enthalten? x Ja Nein teilw.
Belastungen in zukünftigen HH-Jahren? Ja x Nein
Die Kosten für die noch umzusetzenden Maßnahmen werden
in gesonderten Beschlussvorlagen mitgeteilt.
Pflichtigkeitsgrad
Die Maßnahme/Leistung ist vollständig
pflichtig
überwiegend
pflichtig
x überwiegend
freiwillig
vollständig
freiwillig
Rechtliche Grundlagen:
Europäische Wasserrahmenrichtlinie (WRRL), Wasserhaushaltsgesetz (WHG), Landeswasserge-
setz NW (LWG), Entwässerungssatzung (EWS), Abwasserbeseitigungskonzept (ABK)
Beeinflussbarkeit der finanziellen Auswirkungen:
Eine Reduzierung der finanziellen Auswirkungen ist nicht möglich.
Unmittelbare, grundsätzliche Relevanz für Querschnittsthemen
(Demographie, Gleichstellung, Inklusion, Klimaschutz, Migration)
-
RAT_V_0121_2023_Starkregen_und_Hochwasserrisikomanagement_Veroeffentlichung_Anlage_1_Stadt_gesamt_60min_30a_DIN_A_4 - Kopie
564 Zeichen
T e x t ± Maßstab: Albersloher Weg 33 48127 Münster Tel. : 0251 492 - 6945 Fax.: 0251 492 - 7779 Mail: kanalauskunft@stadt-muenster.de Servicezeiten: Deckelhöhen nicht als Straßenendausbauhöhen verwend en! Alle Angaben sind in der Örtlichkeit zu prüfen! Starkregengefahrenkarte Stadt Münster Szenario 1: 60min 30a 1:25.000 Datum: Mo-Mi: 08.00 - 16.00 Uhr Do : 08.00 - 18.00 Uhr Fr : 08.00 - 12.00 Uhr Legende Maximaler Wasserstand [m] 0 - 0,02 0,02 - 0,1 0,1 - 0,3 0,3 - 0,5 0,5 - 1 > 1 0 2 4 1 Kilometer VORABZUG - nur für den die nstlich en Ge brauch -
Rat_V_0121_2023_Starkregen_und_Hochwasserrisikomanagement_Veroeffentlichung_Anlage_2_Stadt_gesamt_60min_100a_DIN_A_4 - Kopie
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T e x t ± Maßstab: Albersloher Weg 33 48127 Münster Tel. : 0251 492 - 6945 Fax.: 0251 492 - 7779 Mail: kanalauskunft@stadt-muenster.de Servicezeiten: Deckelhöhen nicht als Straßenendausbauhöhen verwend en! Alle Angaben sind in der Örtlichkeit zu prüfen! Starkregengefahrenkarte Stadt Münster Szenario 2: 60min 100a 1:25.000 Datum: Mo-Mi: 08.00 - 16.00 Uhr Do : 08.00 - 18.00 Uhr Fr : 08.00 - 12.00 Uhr Legende Maximaler Wasserstand [m] 0 - 0,02 0,02 - 0,1 0,1 - 0,3 0,3 - 0,5 0,5 - 1 > 1 0 2 4 1 Kilometer VORABZUG - nur für den die nstlich en Ge brauch -
Beschlussvorlage
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V/0121/2023 V/0121/2023 Öffentliche Beschlussvorlage Betrifft Starkregen- und Hochwasserrisikomanagement Stadt Münster - Veröffentlichung Starkregengefahrenkarten, Kommunikationskonzept Beratungsfolge 14.03.2023 Ausschuss für Umweltschutz, Klimaschutz und Bauwesen Vorberatung 16.03.2023 Ausschuss für Stadtplanung und Stadtentwicklung Vorberatung 22.03.2023 Hauptausschuss Vorberatung 22.03.2023 Rat Entscheidung Beschlussvorschlag: 1. Der Rat der Stadt Münster nimmt den Bericht und die Karten zur Kenntnis. 2. Der Rat beauftragt die Verwaltung, aktiv Informationen und Beratungsangebote zu den Stark- regengefahrenkarten vorzubereiten. II. Finanzielle Auswirkungen: Es wird zur Kenntnis genommen, dass für das Kommunikationskonzept zur Veröffentlichung der Starkregengefahrenkarten Kosten in Höhe von ca. 200.000 € anfallen. Einnahmen aus Zuschüssen werden nicht erwartet. Die v.g. Sachentscheidung ist wie folgt zu finanzieren: Teilergebnisplan Nr. Bezeichnung Haush.- jahr Betrag € Bemerkungen Produktgruppe 1101 Abwasserbeseitigung Zeile 16 Sonstige ordentliche Aufwen- dungen 2023 200.000 Die zur Finanzierung erforderlichen Ermächtigungen sind im Haushaltsplan 202 3 bei der o. g. Pro- duktgruppe veranschlagt. Die Kosten werden über die Abwassergebühren refinanziert. Amt für Mobilität und Tiefbau 06.03.2023 Ihr/e Ansprechpartner/in: Herr Kopietz Telefon: 492-6672 Kopietz@stadt-muenster.de - 2 - V/0121/2023 1. Veranlassung Bedingt durch die klimatischen Veränderungen werden in Zukunft häufiger Wetterextreme mit lokalen Starkregen und Sturzfluten auf der einen, langen und heißen Trockenperioden auf der anderen Seite auftreten. Das heißt, die Verteilung des niedergehenden Regenwassers über das Jahr wird zukünftig eine andere, ungleichere sein. Die Anpassungen an die Folgen dieser Klimaveränderungen stellen die gesamte Stadtentwicklung und damit in besonderem Maße auch die Wasserwirtschaft vor große Herausforderungen. In Städten ist der Wasserhaushalt infolge der Bebauung stark verändert. Natürlicherweise würden im Raum Münster im Jahresmittel ca. je ein Viertel des Niederschlagswassers auf der Oberfläche abflie- ßen und versickern. Etwa die Hälfte des Niederschlags würde über Pflanzen und offene Oberflächen verdunsten. Durch die zunehmende Versiegelung erhöht sich der Anteil des Oberflächenabflusses enorm, die Grundwasserneubildung und die Verdunstung hingegen werden extrem vermindert. Dies führt bei Niederschlägen zu beschleunigten, verstärkten Oberflächenabflüssen bis hin zu gewaltigen Sturzfluten. In heißen Sommermonaten trägt diese Entwicklung durch die reduzierte Verdunstungs- kühlung maßgeblich zur Bildung von Hitzeinseln bei. Die Auswirkungen der klimatischen Veränderungen waren auch in Münster bereits deutlich zu spüren. In den vergangenen Jahren wurde die Stadt sowohl von extremen Niederschlägen als auch von lang- andauernden Hitze- und Trockenperioden getroffen. Am 28.07.2014 ging das bislang stärkste in Deutschland gemessene Starkregenereignis auf die Stadt Münster nieder. Mit knapp 300 mm in ei- nem Zeitraum von nur sieben Stunden und einem zeitgleich auftretenden Sturmereignis wurde die Stadt erheblich getroffen, immense Schäden bis hin zu Personenschäden waren die Folge. Über die Bewältigung des Starkregenereignisses vom 28.07.2014 hat die Verwaltung über Berichtsvorlagen (Vorlagen V/0349/2017 und V/0925/2021) informiert. Diese klimatischen Randbedingungen erfordern im Zusammenspiel mit demographischen Entwick- lungen einen gezielten und umsichtigen Umgang mit der Ressource Wasser. Die wachsende Stadt erfordert außerdem maßgebliche Entwicklungen in Bereichen wie Wohnungsbau, Hochschulentwick- lung und gewerbliche Entwicklung. Diese soll nicht nur quantitativen Anforderungen genügen, son- dern vor allem qualitativ einen hochwertigen Anspruch an die Daseinsvorsorge und ein lebenswertes Umfeld bieten. Ziel bei allen urbanen Entwicklungen muss sein, langfristig zukunftssichere Städte gestalten und damit hochwertige und sichere Lebensräume darbieten zu können. Einen wesentlichen Beitrag kann und muss hier eine klimaangepasste Stadtentwicklung mit integrier- ter gezielter Bewirtschaftung des Regenwassers leisten. Ein entscheidender Bestandteil dieser Re- genwasserbewirtschaftung ist die Aufstellung eines stadtweiten Starkregen- und Hochwasserrisiko- managements. Die Stadt Münster hat sich zum Ziel gesetzt, das Risikobewusstsein der Bevölkerung für diese Gefahrenlagen zu schärfen und im Rahmen seiner Fürsorgepflicht diesbezüglich zu infor- mieren und insbesondere zu sensibilisieren. Durch die Möglichkeiten von spezifischen Risikoanalysen kann und wird dadurch der zukünftige Bevölkerungsschutz erheblich verbessert. Neben der Erarbeitung umfangreicher Analysen, Auswertungen und Informationen hat die Stadt Münster in den vergangenen Jahren bereits vielschichtige konkrete Maßnahmen zur Steigerung der Leistungsfähigkeit der wasserwirtschaftlichen Infrastruktur umgesetzt und für die bauliche Durchfüh- rung vorbereitet. Darunter fallen sowohl Maßnahmen an Gewässern als auch im Stadtentwässe- rungsnetz. Im Zeitraum zwischen 2015 und 2023 gehören dazu die folgenden Projekte: - 3 - V/0121/2023 Umgesetzt: Gewässer Canisiusgraben: Entrohrung und Vergrößerung Durchlass Mecklenbecker Str. Hunnebecke: Vergrößerung Durchlass B 54/ ökologische Verbesserung Edelbach: Vergrößerung Durchlässe, ökologische Verbesserung Igelbach: Hochwasserretention, ökologische Verbesserung, Optimierung Einlaufbauwerk Gas- selstiege Öffnung eines privat verrohrten Nebengewässers des Juffernbachs Westerholtsche Wiese: hochwassertechnische Optimierung, Ökologie, Stadtgestaltung, Mikro- klima, Aufenthaltsqualität Stadtentwässerung: Peter-Wust-Str. und Wilhelmstr.: Vergrößerung Regenwasserkanalisation Kinderhaus Ohmweg: Vergrößerung Regenwasserkanalisation und Bau von Notwasserwegen Kinderhaus Eimermacherweg: Vergrößerung Regenwasserkanalisation Kinderhaus Adolf-Reichwein-Str.: Vergrößerung Regenwasserkanalisation Kombinierte Maßnahme Kanalstraße: Neubau Pumpwerk für die Regenwasserkanalisation Hydraulische Sanierung der Regenwasserkanalisation Ring bis Wibbeltstr. Neubau der Brücke Wibbeltstraße Renaturierung und hochwassertechnische Optimierung der Münsterschen Aa (1,3 km) Deicherhöhung mit integriertem Radweg (bis zu 80 cm) In Vorbereitung Innenstadt Aa Gesamtkonzept für den Bereich zwischen Westerholtsche Wiese und Nevinghoff, be- reits integriert in die Maßnahmen des ISEK Bausteine der Zielsetzung: Hochwasserschutz, Ökologie, Stadtgestaltung, Mikroklima, Aufenthaltsqualität. Sanierung der Stützwände in Planung: Abschnitt Zeppelinstraße bis Maximilianstraße Haferlandweg hydraulische Kanalsanierung ca. 400.000 € Bau ab 2023 Alfred-Krupp-Weg / Roddestraße hydraulische Kanalsanierung ca. 4 Mio € Bau ab 2023 / 2024 Gievenbeck Ortsmitte hydraulische Kanalsanierung Ca. 2,5 Mio € Bau ab 2023/2024 - 4 - V/0121/2023 Sukzessive Umsetzung der Maßnahmen aus dem Abwasserbeseitigungskonzept: Maßnah- menart A2 „hydraulische Sanierung“ Insgesamt wurden im Zeitraum von 2015 bis 2023 in diesem Zusammenhang ca. 7 Mio. € im Gewäs- serbereich und ca. 11 Mio. € in der Stadtentwässerung umgesetzt. Die Gewässermaßnahmen wur- den mit Hilfe von Landesmitteln in Höhe von 80% aus dem Programm „lebendige Gewässer“ finan- ziert. Die Verwaltung hat auf Grundlage der „Arbeitshilfe kommunales Starkregenrisikomanagement“ des Landes NRW Starkregengefahrenkarten und Risikoanalysen erstellt. Die Arbeitshilfe gibt für ganz NRW einheitliche Grundlagen zur Aufstellung eines Konzepts für den Umgang mit Starkniederschlä- gen vor. Sie beinhaltet Hinweise und Vorgaben zur Durchführung von Gefährdungsanalysen als Grundlage für ein Konzept zur Starkregenvorsorge und damit zur Risiko- und Schadensminimierung. Mittels dieser Konzepte sollen Risiken in jeglicher Form effektiv minimiert werden. Bauliche Maßnahmen vor und in Ortschaften werden ebenso wie Maßnahmen zum direkten Objekt- schutz benannt. Der Umgang mit Extremereignissen sowie eine Risiko- und Schadensminimierung kann dabei nur als kommunale Gemeinschaftsaufgabe, also von Kommune und privaten Grundstück- seigentümer:innen gleichermaßen gemeinsam durchgeführt werden. Es ist weder technisch möglich noch wirtschaftlich vertretbar, die öffentliche Infrastruktur für derartige Extremereignisse auszulegen. Das Starkregen- und Hochwasserrisikomanagement trägt zur Umsetzung der folgenden Ziele zur Klimaanpassung und Nachhaltigkeitsstrategie bei: "Global Nachhaltige Kommune in NRW (GNK)" - Nachhaltigkeitsstrategie Münster 2030 - Teil 3: "Maßnahmenprogramm 2019 - 2022" (Vorlage V/0669/2019) Kapitel 2.1 „In Münster bleiben die natürlichen Lebensgrundlagen erhalten und die bi- ologische Vielfalt ist verbessert“ Maßnahme U17 „Handlungskonzept Klimaanpas- sung“ Handlungskonzept Klimaanpassung 2030 zur Umsetzung des Klimaanpassungskonzeptes der Stadt Münster (Vorlage V/0799/2019) Maßnahme A2 Öffentlichkeitsarbeit „Klimawandel in Münster“ Maßnahme A3 Warn- und Informationssystem Maßnahme A5 a) und b) Schutz und Vorsorgemaßnahmen an städtischen Infrastruk- turen Maßnahme A5 c) Schutz und Vorsorgemaßnahmen an kritischen Infrastrukturen Maßnahme S2 a) Wassersensible Stadtentwicklung: Verbesserung des Nieder- schlagsrückhaltes im Siedlungsraum Maßnahme S2 b) Wassersensible Stadtentwicklung: Multifunktionale Flächen Maßnahme S2 c) Wassersensible Stadtentwicklung : Berücksichtigung von Notwas- serwegen Maßnahme S2 d) Wassersensible Stadtentwicklung: Vorsorgemaßnahmen Bereiche mit überfluteten Freiraumflächen Maßnahme S3 Überflutungsangepasste Bauweisen Maßnahme S5 Sicherung des Versorgungsnetzes der Rettungswege Maßnahme S6 Notfallregeln für Busverkehr im Starkregenfall - 5 - V/0121/2023 2. Starkregen- / Hochwasserrisikomanagement Stadt Münster Die Aufgabe des Starkregen- / Hochwasserrisikomanagements teilt sich grundsätzlich in zwei Berei- che: die wasserwirtschaftlichen und die kommunikativen Aufgaben. 2.1 Wasserwirtschaftliche Aufgaben Die wasserwirtschaftlichen Aufgabenstellungen im Zusammenhang mit dem Starkregen- und Hoch- wasserrisikomanagement der Stadt Münster gliedern sich wie folgt: Aufbau und laufende Pflege eines realitätsnahen, digitalen, georeferenzierten Stadtmodells als Grundlage für sämtliche Simulationsberechnungen, Risikoanalysen und Ergebnisdarstellun- gen. Betrachtung, Analyse und Einschätzung möglicher Extremwetterlagen wie urbane Sturzfluten durch Starkregen aber auch Überschwemmungen aus Gewässerhochwasser auf Basis unter- schiedlicher Niederschlagsszenarien für Starkregen und Eintrittswahrscheinlichkeiten bei Ge- wässerhochwassern. Analyse und Bewertung von Schadenspotentialen abhängig von der Art der Gebäude/- Flächennutzung und der Örtlichkeit Analyse und Bewertung von Risikopotentialen und Gefährdungsgraden in Abhängigkeit der Überflutungs-/Überschwemmungsgefährdung und der Schadenspotentiale Spezifische Risikoanalysen und Handlungsempfehlungen, z.B. digitales Verschneiden der Starkregengefahrenkarten mit z.B. - Gebäuden der kritischen Infrastruktur (technische, soziale, Gesundheit) - dem Vorbehaltsnetz der Feuerwehr - Flächen des Wohnbaulandprogramms - Öffentlichen Gebäuden, Schulen, Kitas - etc. Identifizierung von Potentialen zum Ausgleich extremer Auswirkungen von Überflutun- gen/Überschwemmungen (Notwasserwege, Wasserreservoirs, etc.) Weitergehende / detailliertere ggf. gekoppelte 1D/2D Simulationen (Kanal- netz/Gewässer/Oberfläche) und Analysen von Teilflächen, die - ein besonders hohes Risikopotential aufweisen - von einer gezielten (z.B. politischen) Anfrage betroffen sind - innerhalb oder angrenzend an einen Planungsbereich liegen Laufende Aktualisierung sämtlicher Simulationen und Analysen, um wasserwirtschaftlich rele- vante Veränderungen im Stadtgebiet berücksichtigen zu können (Neuerschließungen, Nach- verdichtungen, Umnutzung von Flächen, Gewässerrenaturierungen etc.) Das digitale Stadtmodell, sämtliche Simulationsberechnungen und Analysen bis hin zur finalen Auf- stellung der Starkregengefahrenkarten wurden vollumfänglich durch die Verwaltung aufgestellt. Ziel ist es, sowohl die fachliche Expertise als auch die langjährigen Ortskenntnisse, Kenntnisse über wei- tere Fachplanungen sowie die städtischen Ziele und Prioritäten zielgerichtet und wirtschaftlich umset- zen zu können. Dies führt dazu, dass die Verwaltung auch zukünftig zum Thema Überflutungsrisiko bei Bedarf unver- züglich reaktions- und sprachfähig ist und dementsprechend unmittelbar auf Anfragen oder neue - 6 - V/0121/2023 Entwicklungen wie z.B. Wohnbaulandentwicklungen, Flächenumnutzungen, Hinweise aus der Bür- gerschaft, andere Fachplanungen etc. reagieren kann. Im Vergleich mit anderen Großstädten in NRW ist Münster damit eine der wenigen Städte, die die komplexen Simulationen und Analysen sowie das daraus resultierende Kartenwerk ohne Unterstüt- zung von externen Planungsbüros realisiert hat und damit langfristig unabhängig handlungsfähig ist. 2.2 Ergebnis Starkregengefahrenkarten (Urbane Sturzflut / Oberfläche) Die Verwaltung hat die Gefährdungsanalyse gemäß den Anforderungen der "Arbeitshilfe kommunales Starkregenrisikomanagement und Hochwasserrisikomanagementplanung in NRW" aufgestellt. Das entstandene Kartenwerk steht über die neue Website (externe Kommunikation) und über das verwal- tungsinterne WebGIS (interne Kommunikation) zur Verfügung. Für das gesamte Stadtgebiet wurden Starkregengefahrenkarten (SRGK) aufgestellt. Dabei wurden mittels eines georeferenzierten Modells des Stadtgebiets die oberflächigen Überflutungsvorgänge bei definierten Starkregenszenarien simuliert und dargestellt. Gemäß der NRW-Arbeitshilfe sind die folgenden drei Regenszenarien verwendet worden: Szenario 1: Ein seltenes Regenereignis von einer Stunde Dauer, das statistisch gesehen alle 30 Jahre auftritt und die Bemessungsgrundlagen des öffentlichen Kanalnetzes deutlich über- schreitet. Szenario 2: Ein außergewöhnliches Regenereignis von einer Stunde Dauer, das statistisch gesehen alle 100 Jahre auftritt und zu einem außergewöhnlichen Oberflächenabflussereignis führt. Szenario 3: Ein extremes Regenereignis mit einer Regenmenge von 90mm in einer Stunde, welches zu einem extremen Oberflächenabflussereignis führt. Ergebnis der Simulationen sind Starkregengefahrenkarten, die die Überflutungsausdehnung, die Wasserspiegellagen und die Überflutungstiefen bei den oben genannten Regenszenarien darstellen. Dabei wird der maximale Wasserstand angezeigt, der über die Simulationsdauer an der jeweiligen Stelle erreicht wurde. - 7 - V/0121/2023 Abbildung 1: Ausschnitt aus Starkregengefahrenkarte Stadt Münster (Szenario III – 60min 90mm) Für das Land NRW wurden durch das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie in einem Pilotpro- jekt landesweite Starkregengefahrenhinweiskarten erstellt. Dieses Kartenwerk ist sehr grob und be- rücksichtigt im Gegensatz zu den kommunalen Starkregengefahrenkarten keine detaillierten lokalen Verhältnisse wie z.B. den aktuellen Gebäudebestand aus dem Liegenschaftskataster, Durchlässe oder andere kleinräumige abflussrelevante Gegebenheiten. Die Karten des Landes NRW bieten da- her lediglich einen ersten Überblick über die Gefahrenbereiche von Starkregenereignissen für das Land NRW. Das Bundesamt weist explizit darauf hin, dass dort, wo kommunale Starkregengefahren- karten vorhanden sind, diese zu verwenden sind, da die modelltechnischen Ansätze detaillierter ge- fasst werden und damit zu realitätsnäheren Ergebnissen führen. Im Übrigen gibt es keine Informatio- nen darüber, wann und in welchen Zeitabständen die Hinweiskarten aktualisiert und fortgeschrieben werden. Die jetzt vorliegenden kommunalen Starkregengefahrenkarten der Stadt Münster zeigen die Ergeb- nisse von Simulationen, die dem heutigen Stand der Technik entsprechen. Die stadtweiten Berech- nungen bilden den Oberflächenabfluss auf Basis eines digitalen Geländemodells ab. Zur Identifizierung spezifischer Objektschutzmaßnahmen sollten die Ergebnisse der Starkregengefah- renkarten weiter konkretisiert werden. Zum einen können dazu für Teilbereiche ergänzende aufwän- dige 1D/2D-gekoppelte Simulationsberechnungen durchgeführt werden, die das Kanalisationsnetz mit der Oberfläche des digitalen Geländemodells verbinden und so auch für zusätzliche, weniger intensi- ve Niederschläge wichtige Ergebnisse liefern. Weiterhin sollten die Modellergebnisse mittels Ortsbe- gehungen der betroffenen Bereiche und einer damit verbundenen Validierung des Schadensrisikos (z.B. Erkenntnisse über tiefliegende Gebäudeöffnungen, topographische Tiefpunkte) durchgeführt werden. Die Karten geben jeder/m Eigentümer:in, Unternehmen und Betroffenen die Möglichkeit, die Risiken für das jeweilige Eigentum einschätzen zu können, bedarfsweise Objektschutzmaßnahmen vorzuse- hen und sich auf ein bedarfsgerechtes Verhalten im Gefahrenfall einzustellen. Sie bilden damit eine wesentliche Grundlage für einen effektiven Bevölkerungsschutz. - 8 - V/0121/2023 2.3 Kommunikative Aufgaben Der zweite wesentliche Bestandteil dieses ganzheitlichen Managementkonzeptes ist eine zielgerichte- te Kommunikation. Die umfangreichen wasserwirtschaftlichen Fachinformationen, Risikoanalysen und Auswertungen sollen an die unterschiedlichen Zielgruppen angepasst und gut verständlich kommuni- ziert werden. Um die fachlich komplexe Thematik gut verständlich zu übersetzen, innovative Kanäle umfänglich zu bedienen, die Thematik in ein ganzheitliches Bild der digitalen Angebote der Stadt Münster einzubetten und allen Beteiligten leicht zugänglich zu machen, wurde gemeinsam mit der Stabstelle Smart City und dem Vermessungs- und Katasteramt ein Kommunikationskonzept erarbei- tet, das sich an dem Vorgehen zur Kommunikation der Ergebnisse der Thermografiebefliegunggeb- nisse orientiert. Das Kommunikationskonzept beinhaltet die Bereitstellung der Starkregengefahrenkarten für das Stadtgebiet Münster inklusive der notwendigen Hilfestellungen zum Verständnis der Karten und Er- gebnisse, zur Bedeutung der kommunalen Gemeinschaftsaufgabe, Informationen zu Handlungsfel- dern seitens der Kommune und der Privateigentümer:innen sowie gezielte Hilfestellungen zur Erar- beitung von Handlungsempfehlungen, Verbesserungsmaßnahmen und korrektem Verhalten im Ge- fahrenfall. Die Strategie gliedert sich auf in die interne und in die externe Kommunikation. Art, Inhalt und Wege der Kommunikation werden jeweils auf die entsprechende Adressatengruppe ausgerichtet, aufbereitet und durchgeführt. Zielgerichtet sind dafür Kanäle wie z.B. die Presse, eine neue Website, Social Me- dia Plattformen, eine klassisch analoge Bereitstellung der Informationen sowie persönliche Gesprä- che vorgesehen. Die Formate werden je nach Adressatengruppe, Bedarf und Möglichkeit digital, ana- log oder als Hybridveranstaltungen angeboten, um möglichst allen Personen den Zugang zu Informa- tionen und Hilfestellungen zu ermöglichen. Zu den Zielgruppen gehören im ersten Schritt die politischen Entscheidungsträger sowie diverse Fachbereiche, die die gewonnenen Erkenntnisse in ihre planerischen Arbeiten oder in die Beurteilung von Arbeits- und Vorgehensweisen z.B. bei Entwicklungen im Stadtgebiet wie Nachverdichtungen oder Neuerschließungen einfließen lassen. Auch die Sicherstellung und Aufrechterhaltung der kriti- schen Infrastruktur sowie eine angepasste, optimierte Einsatzplanung der Rettungskräfte sind unab- dingbarer Teil des ganzheitlichen Konzepts. Des Weiteren sollen sämtliche Informationen auch Ex- ternen wie z.B. Interessensverbänden oder Betreibern kritischer Infrastruktur zur Verfügung werden. Darüber hinaus stellt die Bürgerschaft eine ganz wesentliche und vielschichtige Adressatengruppe dar. Die Kommunikation verfolgt an dieser Stelle mehrere Ziele: Nutzung eines breiten Spektrums an Kommunikationsformen- und wegen (digital und ana- log), um möglichst allen Personen die Informationen und Unterstützungsangebote zur Ver- fügung stellen zu können Bereitstellung aktueller, interaktiver Starkregengefahrenkarten Bereitstellung umfassender aktueller Hintergrundinformationen zu den Starkregengefah- renkarten sowie langfristig zur Gesamtthematik „Wasser“ (Starkregen, urbane Sturzfluten, Gewässerhochwasser, Hitze, Trockenheit) Hilfestellung zum Verständnis über die Zuständigkeiten und Handlungsfelder innerhalb der kommunalen Gemeinschaftsaufgabe im Starkregen- und Hochwasserrisikomanagement: Was ist Aufgabe der Kommune, was ist Aufgabe der Privateigentümer:innen? Hilfestellung zur Einschätzung des eigenen Risikos Hilfestellung zur Optimierung des eigenen Objektschutzes Hilfestellung zur Sensibilisierung und für ein angepasstes Verhalten im Gefah- renfall direkte Kontaktmöglichkeit als besonderer Service: Vereinbarung von telefonischen oder persönlichen Beratungsgesprächen, Antworten auf FAQs, etc. - 9 - V/0121/2023 Die Bereitstellung der Informationen für die Grundstückseigentümer:innen erfolgt zunächst durch die Veröffentlichung der Starkregengefahrenkarten und der zugehörigen Hintergrundinformationen. Dazu wurde unter www.stadt-muenster.de/wasser eine neue Website vorbereitet und freigeschaltet. Ein Hinweis zur Veröffentlichung der Kartenwerke wird über eine Pressemitteilung bekannt gegeben. Damit stehen sowohl die Starkregengefahrenkarten der Stadt Münster als auch umfangreiches Infor- mationsmaterial zur Unterstützung und Selbsthilfe bereits frei zugänglich zur Verfügung. Abbildung 2: Startseite des neuen Internetauftritts Analog zum Projekt „Thermografiebefliegung“ werden individuelle Anschreiben an die privaten Grundstückseigentümer:innen versandt und ein Beratungsangebot als besonderer Service für die Bürgerschaft eingerichtet. Diese zusätzliche analoge Serviceleistung soll sicherstellen, dass die In- formationen möglichst alle Eigentümer:innen erreichen. Der Start der Versandaktion ist für Anfang April 2023 geplant. Zunächst erhalten diejenigen Eigentümer:innen ein Schreiben, deren Grundstück ein erhöhtes Risiko durch urbane Sturzfluten aufweist. Dafür wurde auf Basis des außergewöhnlichen Regenereignisses (Szenario 2, 100-jähriges Regenereignis) eine GIS-Auswertung mit dem Ergebnis durchgeführt, dass im gesamten Stadtgebiet circa 7.600 Grundstücke bei diesem 100-jährigem, außergewöhnlichen Re- gen durch eine rechnerischen Überflutungstiefe von > 0,30 m betroffen sind. Die Kontaktdaten der entsprechenden Grundstückseigentümer:innen werden über die Gebührenempfängeradressdatei ermittelt. Das Anschreiben für diese Personengruppe beinhaltet neben allgemeinen Informationen zum Projekt auch einen individuellen Kartenausschnitt mit dem Ergebnis der Berechnungen und Ana- - 10 - V/0121/2023 lysen für das jeweilige Grundstück sowie eine Interpretationshilfe und erste Hinweise für Handlungs- empfehlungen und mögliche Objektschutzmaßnahmen. Anschließend erhalten alle übrigen Grundstückseigentümer:innen (circa 40.500) ein allgemeines In- formationsschreiben mit Verweis auf die neue Internetpräsenz. Hier sollen weitere ca. 40.500 An- schreiben verschickt werden. Der Versand erfolgt in 4 Wellen mit etwa 2-3 Wochen Abstand. Ein wichtiger Bestandteil der Kommunikation ist die Angabe einer Servicehotline und die Bereitstel- lung einer Terminbuchungsmöglichkeit. Rückläufer und Anfragen aus der Bürgerschaft, die sich aus den Anschreiben ergeben, werden analog zur Thermografiebefliegung in einem ersten Schritt durch ein Call- bzw. Beratungscenter angenommen. Sollte die Notwendigkeit nach einer detaillierteren Be- ratung bestehen, so ist dafür auf der neuen Internetseite ein Online-Terminbuchungsportal eingerich- tet worden. Über dieses kann bei Bedarf ein Beratungsgespräch bei den Fachleuten der Haus- und Grundstücksentwässerung gebucht werden. Um eine qualifizierte Abarbeitung aller Beratungswün- sche mit den vorhandenen Kapazitäten zu gewährleisten werden entsprechende Zeitfenster im Onli- ne-Buchungsportal angeboten. Die folgende Grafik stellt das abgestufte Vorgehen schematisch dar: Abbildung 3: Abgestufte Vorgehensweise von Information und Beratung 3. FAQs Im Zusammenhang der Aufstellung der Starkregengefahrenkarten und den daraus resultierenden Informationen ergeben sich verschiedene wiederkehrende Fragestellungen. Die maßgeblichsten wer- den im Folgenden aufgeführt und finden sich auch auf der Internetpräsenz wieder: 1. Wie sind die in den Karten dargestellten Starkregenereignisse einzuordnen? Die Einordnung und Bewertung von Niederschlägen erfolgt über die statistische Wiederkehrzeit der einzelnen Ereignisse. Diese hängt von Intensität und Dauer des jeweiligen Regenereignisses ab. Um diese komplexen Zusammenhänge allgemein verständlich auszudrücken, wurde der sogenannte „Starkregenindex“ entwickelt. Diese Darstellung ist an die verbreitet bekannte Einordnung von Erdbe- ben mittels der „Richterskala“ angelehnt. Der Starkregenindex bildet moderate, häufig auftretende - 11 - V/0121/2023 Regenereignisse im Index 1 bis hin zu extremen, sehr seltenen Starkregenereignissen im Index 12 ab. Die Starkregengefahrenkarten wurden nach Vorgabe der Arbeitshilfe des Landes NRW erstellt und stellen folgende drei Starkregenszenarien dar: Starkregen mit einer statistischen Wiederkehrzeit von 30 Jahren: o Intensität ca. 37 – 40 mm/Stunde über eine Dauer von 60 min o häufiger Starkregen o Starkregenindex 5 Starkregen mit einer statistischen Wiederkehrzeit von 100 Jahren: o Intensität ca. 44 – 48 mm/Stunde über eine Dauer von 60 min o außergewöhnlicher Starkregen o Starkregenindex 7 Starkregen mit einer statistischen Wiederkehrzeit von >100 Jahren: o Intensität ca. 70 – 105 mm/Stunde über eine Dauer von 60 min o extremer Starkregen o Starkregenindex 10 Abbildung 4: Einordnung der unterschiedlichen Starkregen anhand des "Starkregenindexes" Zum Vergleich: das Starkregenereignis in Münster vom Juli 2014 wird eindeutig dem Starkregenindex 12 zugeordnet. 2. Ist die Kommune für Risiko- und Schadensminimierung verantwortlich? Die Zuständigkeiten zur Bewältigung der Auswirkungen von Niederschlagsereignissen hängt von In- tensität und Dauer und damit von der zu Frage 1 genannten statistischen Einordnung ab. Diese Grundlagen finden sich in den technischen Regelwerken der Wasserwirtschaft wieder und wurden in die rechtlich gültigen und behördlich verbindlichen Regelungen übersetzt. Nach diesen Vorgaben muss die Kommune dafür Sorge tragen, dass alle Regenereignisse, die in den Bereich Starkregenindex 1 – 3 fallen, durch die Kanalnetze abgeleitet werden können, ohne dass Wasser aus den Schächten austritt. Niederschläge vom Index 4 – 5 dürfen aus der Kanalisation aus- treten, sofern sie keine Schäden verursachen können (z.B. auf Grünflächen). Für alle darüber hin- ausgehenden Starkregenereignisse vom Index 5 – 12 muss eine Risiko- bzw. Schadensminimierung durch Kommune und private Grundstückseigentümer:innen gleichermaßen als kommunale Gemein- schaftsaufgabe gewährleistet werden. - 12 - V/0121/2023 Abbildung 5: Abgrenzung der Zuständigkeiten Kommune - kommunale Gemeinschaftsaufgabe f ür Kommune und Privateigentümer:innen 3. Inwiefern wird das Kanalnetz in den Berechnungen berücksichtigt? Starkregensimulationen und -analysen betrachten grundsätzlich nur die Abflüsse auf der Oberfläche. Bei diesen Niederschlagsmengen sind Kanalnetze bereits voll gefüllt und haben keine Rückhaltewir- kung mehr, die Niederschläge fließen vollständig auf der Oberfläche ab (sog. „urbane Sturzflut“). Das Starkregensimulationsmodell der Stadt Münster ist daher ein reines georeferenziertes Oberflächen- modell. Das vorhandene Oberflächenmodell kann für die Betrachtung und Analyse kleinerer Niederschläge, in denen das Netz noch Rückhaltewirkung hat mit dem Kanalnetz gekoppelt und simuliert werden, z.B. für Sanierungs- und Neuplanungen des Kanalnetzes oder zur Analyse und Bewertung der Auswir- kungen von Nachverdichtungen und Erschließungen neuer Gebiete (Plan- und angrenzende Be- standsgebiete). 4. Inwiefern werden Gewässer in den Berechnungen berücksichtigt? Urbane Sturzfluten entstehen auf der Oberfläche durch lokal begrenzte, intensive Starkregen auch dort, wo keine Gewässer in der Nähe sind. Gewässerhochwasser entstehen i.d.R. durch lang anhal- tende Niederschläge im Einzugsgebiet. Lediglich in sehr kleinen Einzugsgebieten kleiner Fließgewäs- sern sind die Ansätze zur Entstehung der jeweiligen Überflutungsflächen annährend vergleichbar. Bei Gewässern mit sehr großen Einzugsgebieten (z.B. der Rhein bei Köln) müssen Auswirkungen durch urbane Sturzfluten völlig unabhängig von Gewässerhochwassern betrachtet werden. Urbane Sturzfluten und Gewässerhochwasser entstehen demnach durch unterschiedliche wasser- wirtschaftliche Prozesse und werden dementsprechend unterschiedlich simuliert. Daher können die Modellansätze zur Simulation von Gewässerhochwassern nicht an das vorhandene Modell gekoppelt werden. Die Kopplung solcher Modelle befindet sich aktuell in der wissenschaftlichen Erprobung. In Münster gibt es vorrangig Fließgewässer mit kleinen bis mittleren Einzugsgebieten. Für die örtli- chen sogenannten „Risikogewässer“ (Münstersche Aa, Werse, Angel, Kinderbach) liegen offizielle, frei zugängliche Hochwassergefahren- und risikokarten der Bezirksregierung vor. Kleinere Gewässer werden durch die Verwaltung in einzelnen Modellen im Zuge von Planungen betrachtet und bewertet. Die gemeinsame Bewertung der Risiken durch urbane Sturzfluten und Gewässerhochwasser erfolgt derzeit vereinfacht durch die computergestützte Überlagerung beider Gefährdungsbereiche. - 13 - V/0121/2023 5. Welche Konsequenzen haben die Informationen für die privaten Eigentümer:innen? Nutzungs-/ Baurestriktionen Erkenntnisse über Gewässerhochwasser haben die offizielle Ausweisung von Überschwemmungsge- bieten zur Folge und führen somit zu Nutzungs- und baurechtliche Restriktionen. Erkenntnisse über Auswirkungen von Starkregenereignissen haben aktuell keine offizielle Ausweisung von Über- schwemmungsgebieten zur Folge und ziehen dementsprechend keine Nutzungs- und baurechtlichen Restriktionen nach sich. Die Informationen dienen lediglich als Basis zur Einschätzung und Bewertung der vorhandenen Risi- ken, zur Unterstützung für die Entwicklung und Umsetzung von kommunalen Bau- und privaten Ob- jektschutzmaßnahmen sowie zur Sensibilisierung der Stadtgesellschaft hinsichtlich Vorsorge und korrektem Verhalten im Gefahrenfall. Datenschutz / Nachbarschaftsfragen Die Informationen stellen im Gegensatz zur energetischen Bewertung der Privathäuser im Zuge der Thermografiebefliegung keine Auswertung ausschließlich individueller Belange dar. Die zugrundelie- genden Daten des Stadtgebietsmodells sind allesamt frei zugänglich und fallen unter das „Geodaten- zugangsgesetz NRW“ (GeoZG NRW). Das Gesetz dient dem Aufbau der Geodateninfrastruktur NRW, in der der Zugang und die Nutzung von Geodaten, Metadaten und Diensten verbessert werden sollen. Es richtet sich an die Behörden des Landes und der Kommunen. Bei den Starkregengefahrenkarten handelt es sich damit lediglich um eine visuelle Darstellung frei zugänglicher topographischer Informationen. Versicherungsschutz / Elementarschadensversicherungen Die Versicherungen verfügen bereits seit einigen Jahren über eigene Auswertungen und die entspre- chenden Informationen und Karten. Zur Einschätzung des Risikos von Starkregenschäden verwen- den die Versicherer die Einteilung in sogenannte Starkregengefährdungsklassen (SGK). Die Zuord- nung eines Grundstückes in die jeweilige Gefährdungsklasse erfolgt mittels eines Zonierungssystems für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen, kurz ZÜRS. 4. Ausblick Durch die Bearbeitung und Simulation im eigenen Haus ist es der Verwaltung zukünftig möglich, spe- zifische Risikoanalysen und Kartenaufbereitungen zu erstellen und für zukünftige Planungsprozesse zielgerichtet zu verwenden. Die Starkregengefahrenkarten wurden den Katastrophenschutz-relevanten Behörden wie Feuerwehr, Polizei, Wasserbehörden (Untere Wasserbehörde, Bezirksregierung Münster), THW, Stadtwerken Münster und Krankenhausbetreibern zur Verfügung gestellt, verbunden mit dem Angebot eines fach- lichen Austausches und einer weitergehenden Beratungsunterstützung. Des Weiteren werden die Karten im verwaltungsinternen WebGIS allen Fachämtern als Grundlage für ihre Planungen und Prüfprozesse zugänglich gemacht. Die spezifischen Risikoanalysen in Bezug auf z.B. Anlagen der kritischen Infrastruktur, Vorbehalts- netz der Feuerwehr, öffentliche Gebäude können je nach Bedarf erstellt und zur Verfügung gestellt werden. Nach Identifikation von besonders durch Überflutung gefährdeten Stadtteilen oder Teilgebie- ten wird für die Erarbeitung eines hydraulischen Sanierungskonzeptes zusätzlich eine gekoppelte 1D/2D-Simulation, also die Simulation des Oberflächenabflusses zusammen mit dem Abfluss in der öffentlichen Kanalisation, durchgeführt. Diese sehr aufwändigen Risikoanalysen mit entsprechenden - 14 - V/0121/2023 Sanierungskonzepten können jedoch nur nach ermittelten Prioritäten sukzessive nach und nach für das gesamte Stadtgebiet erfolgen. Zusätzlich zu den Starkregengefahrenkarten wird ein Gesamtrisiko für Schäden durch Wasser ermit- telt. Dazu sollen Überlagerungen der Überflutungsflächen der Starkregensimulationen mit den Über- schwemmungsflächen der Gewässer aus den Hochwassergefahrenkarten der Bezirksregierung und aus weiteren hydraulischen Berechnungen ermittelt werden. Diese Überlagerungen können derzeit lediglich vereinfacht auf Basis der voneinander unabhängig ermittelten Starkregengefahren- und Hochwassergefahrenkarten durchgeführt werden. Gekoppelte Simulationen von Überflutungsgesche- hen aus urbanen Sturzfluten auf der Oberfläche und aus Gewässern in einem gemeinsamen hydrau- lischen Modell werden derzeit wissenschaftlich erprobt. Das Amt für Mobilität und Tiefbau beteiligt sich dabei aktiv im Rahmen von wissenschaftlichen Arbeiten der FH Münster und ist aktives Mitglied in zwei neu geschaffenen Arbeitsgruppen der DWA (Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Ab- wasser und Abfall e.V.), die aktuell die entsprechenden Regelwerke zu diesem Thema erarbeitet. Des Weiteren wird zukünftig eine Identifizierung von wasserwirtschaftlich sinnvoll nutzbaren Flächen (Potential- und Tabuflächen) angestrebt. Ziel ist es, im Starkregenfall größtmöglichen Schutz zu bie- ten und das überschüssige Wasser zurück zu halten, zu nutzen oder verlangsamt zum Abfluss zu bringen. Um einen bestmöglichen Ausgleich der eingangs beschriebenen Wetterextreme zu errei- chen, soll Wasser gespeichert werden, wenn zu große Mengen vorhanden sind, um es bereitzustel- len, wenn in heißen und trockenen Phasen Wasser fehlt. Um sowohl für Neubaugebiete als auch ins- besondere für Bestandssituationen ganzheitliche Bewirtschaftungssysteme etablieren zu können, arbeitet die Verwaltung sukzessive an planerischen und organisatorischen Lösungen, die einen effek- tiven und gezielten Umgang mit der wertvollen Ressource gewährleisten sollen. Darüber hinaus plant die Verwaltung zusätzlich eine laufende Weiterentwicklung der notwendigen Grundlagendaten, um z.B. Planungs- und Messdaten fortlaufend zu optimieren, Bestandsanlagen gezielt bewirtschaften zu können oder Möglichkeiten für Prognosen und Frühwarnungen zu verbes- sern. Neben einer stetigen Entwicklung der bestehenden Simulationsmodelle wird derzeit beispiels- weise das Management von Radarregendaten erarbeitet. Grundsätzlich hat die Verwaltung mit den Starkregengefahrenkarten und dem aktuellen zugehörigen Kommunikationskonzept einen wesentlichen Schritt zum Umgang mit Wetterextremen angestoßen. Das Nutzen von Daten und Digitalisierungsmöglichkeiten im Sinne einer Smart City spielt dabei eine wichtige Rolle. Sowohl die wasserwirtschaftlichen als auch die kommunikativen Aufgaben werden zukünftig stetig optimiert, erweitert und fortgesetzt. Durch die Expertise im eigenen Haus besteht auch zukünftig die Möglichkeit der verschiedensten Analysen und Auswertungen. Eine schnelle Handlungs- und Sprachfähigkeit bleibt dadurch gewährleistet. Ziel ist es, den Ansatz zum Umgang mit Wetterextremen fortzusetzen und eine gezielte Bewirtschaftung der wertvollen Ressource „Was- ser“ ganzheitlich zu erreichen. Aufgrund des großen Umfangs des Kartenwerks sind die Anlagen dieser Beschlussvorlage lediglich digital in Session hinterlegt und nicht in Papierform angefügt. Bei Bedarf und auf Anfrage können Un- terlagen als Ausdruck nachgereicht werden. Die Bezirksvertretungen werden mittels Berichtsvorlage V/0006/2023 informiert. i. V. gez. Robin Denstorff Stadtbaurat
Rat_V_0121_2023_Starkregen_und_Hochwasserrisikomanagement_Veroeffentlichung_Anlage_3_Stadt_gesamt_60min_90mm_DIN_A_4 - Kopie
565 Zeichen
T e x t ± Maßstab: Albersloher Weg 33 48127 Münster Tel. : 0251 492 - 6945 Fax.: 0251 492 - 7779 Mail: kanalauskunft@stadt-muenster.de Servicezeiten: Deckelhöhen nicht als Straßenendausbauhöhen verwend en! Alle Angaben sind in der Örtlichkeit zu prüfen! Starkregengefahrenkarte Stadt Münster Szenario 3: 60min 90mm 1:25.000 Datum: Mo-Mi: 08.00 - 16.00 Uhr Do : 08.00 - 18.00 Uhr Fr : 08.00 - 12.00 Uhr Legende Maximaler Wasserstand [m] 0 - 0,02 0,02 - 0,1 0,1 - 0,3 0,3 - 0,5 0,5 - 1 > 1 0 2 4 1 Kilometer VORABZUG - nur für den die nstlich en Ge brauch -
Beratungsverlauf (4)
Beschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungBeschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungBeschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungOrte (17)
- Peter-Wust-Straße
- Wilhelmstraße
- Kanalstraße
- Wibbeltstraße
- Maximilianstraße
- Roddestraße
- Haferlandweg
- Alfred-Krupp-Weg
- Albersloher Weg 33
- Mecklenbecker Straße
- Eimermacherweg
- Zeppelinstraße
- Edelbach
- Kinderhaus
- Nevinghoff
- Ohmweg
- Werse
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Aktenzeichen
- V/0121/2023
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 23.02.2023
- Erstellt
- 21.02.2023 15:16