V/0529/2019
Bildungsbericht zum Stand der Indexbildung als Monitoringverfahren im Übergang Kindertageseinrichtung -Grundschule Startbedingungen von Kindern zu Beginn der Schullaufbahn
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Anlage A
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Anlage A zur V/0529/2019 Kurzüberblick Im Rahmen der integrierten Jugendhilfe – und Schulentwicklungsplanung legt die Stadt Münster den Bildungsbericht zum Stand der Indexbildung als Monitoringverfahren im Übergang Kinderta- geseinrichtung Grundschule vor. Ziele/Teilziele/Zielerreichung Mit der Vorlage werden folgende Ziele aus dem Integrierten Stadtentwicklungs- und Stadtmarke- tingkonzepts ( ISM – Prozess) verfolgt: Wir werden einer der führenden Bildungs-, Wissenschafts-, Forschungs- und Entwick- lungsstandorte in Europa Die Teilziele lauten: Durch die Einführung einer Bildungsberichterstattung und den Aufbau eines Bildungsmoni- torings wird in systematischer Form das Bildungsgeschehen beobachtet und analysiert. Ziel ist es, für alle Kinder und Jugendlichen in Münster die Bildungschancen zu verbessern und allen Kindern und Jugendlichen Bildungsteilhabe zu ermöglichen. Zielerreichung : Im Rahmen des Projektes „Bildung Integriert“ wird die Bildungsberichterstattung einge- führt. Durch den ersten Bildungsbericht zum Übergang Kindertageseinrichtung - Grundschule wurden Daten zur frühkindlichen Bildungsbeteiligung in Form eines Bildungsindexes auf- bereitet. Damit ist der Beschlusspunkt 2 aus der Vorlagen V/0888/2017 sowie der Beschlusspunkt 3 aus- der Vorlage V/0902/2017 erledigt. Finanzierung Produktgruppe: 0301 060101 060201 Leistungen für Schule Förderung von Kindern in Kindertageseinrichtungen und weiteren Gruppen Offene Kinder- und Jugendarbeit und Durchführung von OGS – Aufgaben Auswirkungen auf den Ergebnisplan Ja X Nein Auswirkungen auf den Finanzplan Ja X Nein Im beschlossenen (Nachtrags-)Haushaltsplan JJJJ enthalten? Ja X Nein teilw. Im Entwurf des (Nachtrags-)Haushaltsplan JJJJ enthalten? Ja X Nein teilw. Belastungen in zukünftigen HH-Jahren? Ja X Nein Bereits veranschlagt? Ja X Nein Pflichtigkeitsgrad Die Maßnahme/Leistung ist vollständig pflichtig X überwiegend pflichtig überwiegend freiwillig vollständig frei- willig Rechtsgrundlagen: § 80 SGB VIII (Jugendhilfeplanung) §§ 3, 5 Schulgesetz NRW Ratsbeschluss zur Einführung der Bildungsberichterstattung (V/0734/2015) Unmittelbare, grundsätzliche Relevanz für Querschnittsthemen (Demographie, Gleichstellung, Inklusion, Klimaschutz, Migration) Die Stadt Münster hat in den letzten Jahren kontinuierliche Bevölkerungszunahmen zu verzeich- nen. Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung und der wachsenden Heterogenität von Kindern und Schüler/-innen ist eine datenbasierte Analyse der Bildungslandschaft Grundlage für eine zielgerichtete, integrierte Bildungsplanung und -steuerung.
Berichtsvorlage
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V/0529/2019
V/0529/2019
Öffentliche Berichtsvorlage
Betrifft
Bildungsbericht zum Stand der Indexbildung als Monitoringverfahren im Übergang
Kindertageseinrichtung- Grundschule
Startbedingungen von Kindern zu Beginn der Schullaufbahn
Beratungsfolge
25.06.2019 Ausschuss für Schule und Weiterbildung Bericht
26.06.2019 Ausschuss für Kinder, Jugendliche und Familien Bericht
03.07.2019 Haupt- und Finanzausschuss Bericht
03.07.2019 Rat Bericht
Bericht:
1. Ausgangslage
Das Zusammenwirken der verschiedenen Bildungsprozesse in einer Bildungslandschaft sowie deren
Erfassung, Steuerung und Vernetzung ist Gegenstand der kommunalen Bildungssteuerung, welches
mit dem Projekt „Bildung Integriert“ des BMBF gefördert wird. Grundlage dieser Bildungssteuerung ist
die Einführung einer systematischen Bildungsberichterstattung.
In Münster hat der Rat der Stadt Münster mit der Beteiligung an „Bildung Integriert“ die integrierte
Jugendhilfe– und Schulentwicklungsplanung in den Fokus genommen (Vorlage V/0734/2015). Hinter-
grund für diese Bemühungen ist es, Kinder, Jugendliche und Familien in ihren Bildungsbiografien
frühzeitig und kontinuierlich zu unterstützen. Dabei setzt das Projekt maßgeblich auf die enge Koope-
ration zwischen Jugendhilfe und Schule.
Im Rahmen der Beschlussvorlage „Integrierte Jugendhilfe - und Schulentwicklungsplanung – Teilpro-
jekt: Weiterentwicklung der Kooperation zwischen Kindertageseinrichtungen und Grundschulen“ (Vor-
lage V/0888/2017) wurde die Verwaltung beauftragt, in ämter - und fachübergreifender Zusammenar-
Amt für Kinder, Jugendliche
und Familien
Amt für Schule und
Weiterbildung
31.05.2019
Ihr/e Ansprechpartner/in:
Frau Pohl
Telefon: 492-5100
PohlA@stadt-muenster.de
Herr Ehling
Telefon:492-4000
Ehling@stadt-muenster.de
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beit Daten zur frühkindlichen Bildungsbeteiligung aufzubereiten. Sie sollen eine Grundlage bieten,
neue Ansätze, Strukturen und Ideen zur Wei terentwicklung der Kooperation zwischen Kindertage s-
einrichtung und Grundschule zu erarbeiten. Gleichfalls erhielt die Verwaltung den Prüfauftrag , im
Rahmen eines steuerungsunterstützenden Bildungsmonitorings für das Handlungsfeld „Übergang
Kindertageseinrichtung-Grundschule“ weitere, spezifische Daten zu erheben und Indikatoren zu bi l-
den (Integrierte Jugendhilfe- und Schulentwicklungsplanung – Übergang von der Kindertageseinrich-
tung in die Grundschule am Beispiel der Sozialräume Coerde und Südviertel; Vorla ge V/0902/2017).
In diesem Bericht wird zur Bildungsplanung und Bildungssteuerung das Modell eines Bildungsindex
für den Übergang Kindertageseinrichtung- Grundschulen dargestellt.
Das Bildungsmonitoring als Teilaspekt der Bildungsberichterstattung verd eutlicht übergreifende fach-
liche Herausforderungen und bietet eine empirische Fundierung der Informationen durch eine ges i-
cherte, kontinuierlich nutzbare Datenbasis. Insbesondere werden Entwicklungen im Bildungswesen in
einer Zeitreihe oder im Vergleich si chtbar und vergrößern die Transparenz des Bildungsgeschehens
durch die Schaffung verlässlicher Grundlagen für bildungspolitische Entscheidungen.
2. Rahmenbedingungen zum Aufbau eines integrierten Bildungsmonitorings –
Bestandsanalyse
Das Amt für Kinder , Jugendliche und Familien und das Amt für Schule und Weiterbildung verfügen
über ein etabliertes und fundiertes Berichtswesen. Es liegen Berichtsstrukturen zugrunde, die u.a.
fortlaufend und systematisch Grundinformationen zur Bildung liefern.
Kinder- und Jugendhilfereporte
Berichte zur Tagesbetreuung
Kinder- und Jugendförderpläne
Berichte Hilfen zur Erziehung
Schulstatistiken
Diese Einzel- und Fachberichte liefern Kern– und Überblicksdaten und unterstützen dadurch die for t-
laufende Bestandserhebung, Steuerung und Maßnahmenplanung beider Ämter. Insbesondere we r-
den die Daten verstärkt in der Schnittstelle einer integrierten Jugendhilfe - und Schulentwicklungspla-
nung genutzt.
Darüber hinaus werden bei weiteren städtischen Ämtern relevante Daten erhoben. Von zentraler Be-
deutung sind hier die Daten des Amtes für Stadtentwicklung, Stadtplanung und Verkehrsplanung s o-
wie die Daten des Gesundheits - und Veterinäramtes zu nennen. Die Daten sind von entscheidender
Relevanz für integrierte Planungs - und Steuerungsaufgaben der integrierten Jugendhilfe - und Schul-
entwicklungsplanung. Planungs- und Steuerungsaufgaben können nur auf der Grundlage einer fu n-
dierten, umfassenden Datenlage erfolgen, die dadurch eine Versachlichung der Fragestellungen erst
ermöglicht. Dies i st in einem eigenständigen Prozess bei der Neuausrichtung der Schulsozialarbeit
erfolgt. Der Einsatz und die Ressourcenverteilung von Schulsozialarbeit folgten neben fachlichen Kr i-
terien messbaren Bedarfen.
3. Bildungsplanung und Steuerungsunterstützung mit dem Schwerpunkt der Bildung von Indi-
zes
Unter Berücksichtigung der bestehenden, fundierten Berichtsstruktur beider Ämter erfolgt der Aufbau
des Bildungsmonitorings als Operationalisierung kommunaler Fragestellungen.
Zu zentralen Fragestellungen der P lanung und Steuerung werden Indikatoren gebildet. Dieser Vo r-
gang vollzieht sich, indem aktuelle Zustände und zukünftige Herausforderungen unter datenschut z-
rechtlichen Vorgaben, in der abgeschotteten Statistikstelle der Stadt Münster zahlenmäßig dargestellt
und verrechnet werden. Die dann zur Verfügung gestellten Daten bieten ein fachpolitisch strateg i-
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sches Instrument zur Bestimmung und konzeptionellen Fundierung von Angeboten, Leistungen und
Verteilungsmodellen. Durch die Bildung von Indizes werden Grundlag en für tragfähige fachliche Di s-
kurse und Entscheidungen geschaffen.
Dies ist im oben genannten Beispiel der Schulsozialarbeit erfolgt. Es wurden Indizes gebildet, um die
die Bedarfe der „Neuausrichtung der Schulsozialarbeit“ messbar zu machen (vgl. Beschl ussvorlagen
V/0741/2016; V/0580/2017; V/0204/2018). Als ein weiteres Beispiel für indikatorengesteuertes Ha n-
deln ist das „Bedarfsorientierte Steuerungs- und Förderkonzept der offenen Kinder- und Jugendarbeit
und der aufsuchenden Jugendsozialarbeit inklusive der sozialen Gruppenarbeit in Münster“ genannt
(Vorlage V/0886/2017).
4. Bildungsindex zum „Übergang Kindertageseinrichtung - Grundschule“- Startbedingungen
von Kindern zu Beginn der Schullaufbahn
Es wurde geprüft, inwiefern die Entwicklung und der Aufbau eines steuerungsunterstützenden Bil-
dungsmonitorings den zentralen Übergang „Kindertageseinrichtung - Grundschule“ flankieren kann.
Unter Berücksichtigung von regionalen und überregionalen Erkenntn issen, wissenschaftlichen B e-
gleitforschungen und Handlungsempfehlungen wurde ein Bildungsindex für Münster entwickelt.
Der Bildungsindex gibt insbesondere einen Hinweis darauf, inwieweit Kinder in einem bildungsung e-
wohnten Umfeld aufwachsen bzw. familiäre Schwierigkeiten und Umfeldbelastungen die Bildungstei l-
habe erschweren. Die wichtigsten Faktoren, die ein Gelingen oder Nicht -Gelingen des Über gangs
beeinflussen, sind:
Bildung und Armut
Bildung und Besuchsdauer in Kindertageseinrichtungen
Bildung und Sprache
Bildung und Erziehungskompetenz von Eltern
Unter Berücksichtigung dieser Gelingensf aktoren, wurden für den Bildungsindex die vier folgenden
Teilindizes ausgewählt:
Wirtschaftliche Lage
Institutionelle Förderung
Sprache
Elterliche Förderung
Für diese Teilindizes wurden unterschiedliche Datenquellen aus der Stadtverwaltung genutzt und
passende Kennzahlen ausgewählt und verrechnet.
Datenbasis ist die „Anmeldedatenbank Primarstufe“ des Amtes für Schule und Weiterbildung. Diese
Daten werden im Rahmen der Schuleingangsuntersuchung des Gesundheits- und Veterinäramtes mit
Daten zur frühkindlichen Förderung – institutionelle Förderung, Sprache, elterliche Förderung – ange-
reichert. In einem weiteren Schritt wurden die Daten in der abgescho tteten Statistikstelle der Stadt
Münster mit Daten zur wirtschaftlichen Lage der einzuschulenden Kinder verschnitten. Als Ergebnis
liegt ein Bildungsindex vor, der die wichtigsten Teilindizes, die die Bildungschancen von Kindern
maßgeblich beeinflussen, in einen Gesamtkontext stellt.
Der Indikator gibt schulbezogen Aufschluss über die Verteilung von Kindern mit ihren Bildungscha n-
cen im Übergang und lässt Rückschlüsse darauf zu, mit welchen Startbedingungen Kinder ihre Schul-
laufbahn beginnen.
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Der Bildungsindex zeigt auf, wie sich die ersten Klassen hinsichtlich der Startbedingungen ihrer Schü-
lerschaft zum Schuljahr 2017/18 zusammengesetzt haben. Dabei wird deutlich, dass Bedingungen
von Kindern beim Schuleintritt variieren.
Der Bildungsindex ist in fünf Kategorien eingeteilt:
1. Kategorie eins umfasst die Schulen mit sehr guten Startbedingungen vor Schuleintritt
2. Kategorie zwei umfasst die Schulen mit guten Startbedingungen vor Schuleintritt
3. Kategorie drei umfasst die Schulen mit zufriedenstellenden Startbedingungen vor Schuleintritt
4. Kategorie vier umfasst die Schulen mit belasteten Startbedingungen vor Schuleintritt
5. Kategorie fünf umfasst die Schulen mit sehr belasteten Startbedingungen vor Schuleintritt
4.1 Kernaussagen zum Bildungsindex
Durch den Bildungsindex werden die Startbedingungen der Schülerschaft mit ihren unterschiedlichen
Ausgangslagen für den Bildungserwerb an Münsteraner Grundschulen aufgezeigt. Es ist deutlich zu
erkennen, dass die weit überwiegende Zahl der Schulen mit sehr guten, guten bzw. zufriedenstellen-
den Ressourcen ihrer Schülerschaft starten kann. Dies sind mit 39 von 45 Grundschulen 86,6%. Die
restlichen sechs Grundschulen verteilen sich auf drei in der Kategorie belastet e Startbedingungen
(6,7%) und drei Grundschulen mit sehr belasteten Startbedingungen (6,7%).
Die Verteilung zeigt, dass für Münster insgesamt zu erwartende sehr gute Ergebnis. Allerdings macht
der Bildungsindex auch deutlich, dass einige wenige Grundschulen mit sehr belasteten Ausgangsl a-
gen konfront iert sind und dabei vom Mittelfeld abweichen. Diese wenigen Schulen sind bereits im
Fokus der integrierten Jugendhilfe - und Schulentwicklungsplanung. Für die Bildungslaufbahn der
Schülerschaft an diesen Schulen sind weitere besondere Maßnahmen zu ergreifen.
Der Bildungsindex ist der Anlage II zu entnehmen ( Bildungsbericht zum Stand der Indexbildung als
Monitoringverfahren im Übergang „Kindertageseinrichtung –Grundschule“ Startbedingungen von Ki n-
dern zu Beginn der Schullaufbahn)
Der Bildungsindex dient ein em Analyseprozess. Mit dem Index „Übergang Kindertageseinrichtung –
Grundschule“ wird die Grundlage gelegt, die Entwicklungsperspektiven von Jugendhilfe und Schule in
der Schnittstelle zum Übergang Kindertageseinrichtung – Grundschule dauerhaft zu optimieren. Er
eröffnet die Möglichkeit zur Verbesserung von Bildungsvoraussetzungen vor der Einschulung.
4.2 Auswertungsmöglichkeiten Teilindizes
Neben dem „Bildungsindex“ als Gesamtergebnis ist eine vertiefte Betrachtung auf Ebene der Tei l-
indizes möglich. Die Teilergebnisse können über die Gesamtsicht des Bildungsindex hinaus Auf -
schluss über Startbedingungen von Kindern im Übergang Kindertageseinrichtung – Grundschule ge-
ben.
Nach der deskriptiven Betrachtung der Teilindizes wird im Rahmen einer Korrelatio nsanalyse deut-
lich, dass sich bei der Ausprägung der Teilindizes hohe bzw. sehr hohe Übereinstimmungen auf -
zeigen. Eine Korrelationsanalyse beschreibt die wechselseitige Beziehung zwischen zwei oder me h-
reren Merkmalen. Diese „Wechselbeziehung“ zeigt sich a uch bei der Betrachtung aller Sch ulen. Die
Verteilung der Merkmale in den Teilindizes ist nicht zufällig, sondern folgt einem Muster. Ein gutes
Gesamtergebnis bedingt auch gute Werte in den Ausgangslagen der Teilindizes; ein schlechtes G e-
samtergebnis bedingt belastete Werte in den Ausg angslagen. Die Schulen, die aufgrund der Startbe-
dingungen beim Bildungsindex mit dem Gesamtergebnis belastet und sehr belastet abschließen, wei-
sen auch in den Teilindizes tendenziell belastete Werte auf.
Punktuell sind jedoch auch Abweichungen zu erkennen, die eine vertiefte Analyse und fachliche E x-
pertise erfordern. Deutlich wird schon im Rahmen einer punktuellen Erstbetrachtung, dass zwei Te i-
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lindizes mit hoher Wahrscheinlichkeit in Abhängigkeit zueinander stehen. Es handelt sich um die Tei-
lindizes „institutionelle Förderung durch Kindertageseinrichtungen“ und „Sprachstand im Rahmen der
Schuleingangsuntersuchung“. Schon diese Erstbetrachtung lässt den Schluss zu, dass der Besuch
einer Kindertageseinrichtung zu einem besseren Sprachstand im Rahmen der Schuleingangsunte r-
suchung führt. Damit macht der Bildungsindex datenbasiert deutlich, dass eine institutionelle Förd e-
rung herkunftsbedingte Benachteiligungen im Hinblick auf den Sprachstand ausgleichen könnte. Die-
se Erkenntnis wir d im Rahmen der Maßnahmen aufgegriffen. Insofern ist zu prüfen, welche bisher i-
gen Maßnahmen zur Sprachförderung in den Kindertageseinrichtungen als wirksam und nachhaltig
identifiziert werden können.
4.3 Auswertungsmöglichkeiten Sozialraumbetrachtung – Räumliche Ebenen
Für den Bildungsindex mit den Teilindizes kann neben der gesamtstädtischen Sicht auch eine Au s-
wertung auf Grundlage der kleinräumigen Gebietsgliederung auf Stadtteilebene erfolgen. Dad urch
werden Stadtteile und Quartiere im Hinblick auf bildungsbiografische Befunde und Unterschiede im
„Übergang Kindertageseinrichtung - Grundschule“ identifiziert.
Es ist festzustellen, dass eine Verteilung der Schulen mit sehr guten, guten und zufrieden stellenden
Ausgangslagen fast über das gesamte Stadtgebiet zu erkennen ist. Hiervon weicht der Stadtbezirk
Münster-Nord ab. Laut Auswertung des Bildungsindexes auf Grundschulebene wurden drei Sch ulen
mit sehr belasteten Startbedingungen vor Schuleintritt ermittelt. Diese Schulen befinden sich im
Stadtbezirk Münster -Nord. Zwei Grundschulen liegen im Stadtteil Coerde (Melanchthonschule und
Norbertschule) und eine im Stadtteil Kinderhaus-West (Grundschule Kinderhaus- West).
Damit stützt der Bildungsindex die bisher wahrgenommenen Problemlagen vor Ort und untermauert
die Notwendigkeit, den eingeschlagenen Weg für Quartiere mit besonderen Herausforderungen kon-
tinuierlich mit individuellen, kindbezogenen und strukturellen Maßnahmen zu begegnen. Beispielhaft
sind hier auch die Maxi-Plus-Gruppen zu nennen, welche den Übergang von Kindern in die Melanch -
thonschule durch besondere Maßnahmen für einzuschulende „Kitakinder“ flankieren.
5. Handlungsempfehlungen und Handlungsschritte
Grundlegend ist eine aus Sicht der Adressaten sinnvolle und notwendige konzeptionelle Verzahnung,
und Weiterentwicklung bisher oftmals noch getrennt agierender Institutionen und Einrichtungen. Die
Erkenntnis, dass es verschiedener Institutionen und Instanzen bedarf, um Kinder in einem umfas sen-
den Bildungsansatz zu fördern, erfordert den Aufbau verlässlicher und stabiler Angebots- und Koope-
rationsstrukturen.
Im Interesse einer bruchlosen Bildungsbiografie des Kindes ist die partizipative rechtzeitig beginne n-
de partnerschaftliche und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Elternhaus, Kindertageseinrich-
tung und Schule (und gegebenenfalls weitere Unterstützungssysteme) notwendig.
Im Kern zielt die Kooperation von Kindertageseinrichtungen, Grundschulen und Elternhaus darauf ab,
im Interesse gelingender Bildungswege der Kinder einen kindgemäßen Übergang vom vor-
schulischen Bereich in die Schule zu schaffen, der dem individuellen Lern- und Leistungsver-
mögen einer heterogen zusammengesetzten Schülerschaft gerecht wird
im Sinne einer qualifizierten Begleitung der individuellen Lernbiographie der Kinder einer
strukturell gesicherten und partnerschaftlichen Zusammenarbeit von Kindertageseirichtungen
und Grundschulen zu etablieren
zur Beförderung bruchloser Bildungsketten und erfolgreicher Bildungsbiografien verbindliche
Formen der koordinierten Zusammenarbeit mit und Beratung von Eltern zur Unterstützung der
sozialen und schulischen Entwicklung von Kindern zu entwickeln.
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Die im Weiteren vorgeschlagenen Maßnahmen (vgl. S. 7ff.) sind als mögliches Portfolio zu verstehen.
Diese Maßnahmen gilt es passgenau mit den bereits bestehenden Strukturen und Unterstützungsleis-
tungen für den jeweiligen Sozialraum zu verbinden.
5. 1 Strukturverbesserungen und Maßnahmen für die Stadtteile Coerde und Kinderhaus- West
Im Rahmen einer ressourcenorientierten Planung und zum Ausgleich herkunftsbedingter Benachteil i-
gungen ist auf der Verfahrensebene ein Maßnahmenprogramm in Kooperation zwischen dem Amt für
Kinder, Jugendliche und Familien und dem Amt für Schule und Weiterbildung entwickelt worden.
Auch die Ergebnisse der Dialogveranstaltung „Gelingende Übergänge von der Kindertagesstätte in
die Grundschule in den Sozialräumen Coerde und Südviertel“ und die Ergebnisse der 4. Präventions-
konferenz in Münster sind in die Handlungsempfehlungen eingeflossen. Hierbei ist die Schnittstelle
der integrierten Jugendhilfe - und Schulentwicklungsplanung besonders berücksichtigt worden. Im
Kontext der 4. Präventionskonferenz sind ebenfalls Empfehlungen des Schulamtes für die Stadt
Münster zur Verbesserung des Übergangs von der Kindertageseinrichtung in die Grundschule aufg e-
griffen worden.
Nach dem Bildungsindex besteht besonderer sozialräumlicher Handlungsbedarf für die Verbesserung
von Bi ldungschancen in Kinderhaus -West und Coerde mit den Grundschulen Kinderhaus -West,
Norbertschule sowie Melanchthonschule und den umliegenden Kindertageseinrichtungen.
Die dargestellten Handlungsempfehlungen richten sich an Kinder in der Altersspanne von 0-6 Jahren,
denn in dieser Alterspanne werden die grundlegenden Bildungspotentiale von Kindern im Vorfeld der
Einschulung entfaltet und erworben.
Wenn im Rahmen von Kommunaler Bildungs steuerung Bildungschancen verbessert werden sollen,
müssen die wirtschaftli che Lage, die institutionelle Förderung, die sprachliche Förderung und die el-
terliche Förderung verbessert und ausgebaut werden. Nur so kann es gelingen, dass die Startbedi n-
gungen von Kindern verändert werden und Kind er mit besseren Ausgangsbedingungen ihre Schu l-
laufbahn beginnen.
Die Handlungsempfehlungen sollen gezielt in den einzelnen Kategorien ansetzen und Änderungen
bewirken. Hierdurch soll die Einflussnahme auf die maßgeblichen Gelingensfaktoren für Bildungsg e-
rechtigkeit und Bildungsteilhabe optimiert werden. Dies bedeutet den Aufbau von Maßnahmen in fo l-
genden Bereichen:
Maßnahmen, die die wirtschaftliche Lage im Kontext gesellschaftlicher Teilhabe verbessern.
Maßnahmen, die Kinder institutionell fördern.
Maßnahmen, die die sprachliche Entwicklung von Kindern fördern.
Maßnahmen, die bildungsungeübte Eltern unterstützen ihre elterliche Verantwortung stärker
wahrzunehmen.
Die bestehenden Strukturen, Leistungen und Angebote des öffentlichen Trägers und der freien Träger
der Jugendhilfe werden einbezogen und bedarfsorientiert weiterentwickelt. Auf der Grundlage der
Empfehlungen wird eine differenzierte, quartiersbezogene Implementierung der Maßnahmen mit den
Akteuren vor Ort aufgebaut. Dabei sind die vorhandenen Strukturen und Programme zu berücksichti-
gen. Im Hinblick auf Coerde ist das „Integrierte Handlungskonzept Coerde“ ein wichtiger Partner in
der Umsetzung der Handlungsempfehlungen. Eine sinnvolle Verschränkung und eine abgestimmte
Vorgehensweise sind geplant.
Gemeinsam mit den Akteuren vor Ort - Kindertageseinrichtungen, Grundschulen sowie freie Träger
der Jugendhilfe wird patizipativ auf der Grundlage der Handlungsempfehlungen für die jeweiligen
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Stadtteile / Quartiere ein individuell zugeschnittenes Maßnahmeprogramm aufgebaut. Dazu werden in
den entsprechenden Stadtteilen Beteiligungsverfahren durchgeführt. Dies erfolgt zum Schuljahr
2019/2020.
HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN
Maßnahmen
Alter der
Kinder in
Jahren
Verantwortlich
Integrierte Jugendhilfe- und
Schulentwicklungsplanung
Maßnahmen, die die wirtschaftliche
Lage im Kontext „gesellschaftlicher
Teilhabe“ verbessern.
Zugänge zu BuT qualifizieren in den
Bereichen Sport , Musik, Lernen
5 - 6
Amt für Kinder, Jugendliche und
Familien/ Amt für Schule und We i-
terbildung/ Freie Träger der J u-
gendhilfe
Maßnahmen, die Kinder institutio-
nell fördern.
Familienbesuch für Neugeborene
Zugänge zu Angeboten der Familien-
bildung systematisch sichern
0 - 1
Amt für Kinder, Jugendliche und
Familien ( 51.4 Team Familienbesu-
che) und Hebammen
Mindestens zweijähriger Besuch der
Kindertageseinrichtung von Schulbe-
ginn
4 - 6 Amt für Kinder, Jugendliche und
Familien, Amt für Schule und We i-
terbildung
Neuausrichtung „ Flexibles Jugendhil-
feangebot an Grundschulen“-
Systematische Übergangsgestaltung
einführen
5 - 6 Amt für Kinder, Jugendliche und
Familien (Abteilung 51.2 Kinder -
und Jugendarbeit/ Jugendsoziala r-
beit)
Maßnahmen, die die sprachliche
Entwicklung von Kindern fördern.
Familienbesuch für Neugeborene
Handreichung „Deutsch als Zweitspra-
che“ für die Fachkräfte der Familien-
besuche entwickeln
0 - 1 Tea Amt für Kinder, Jugendliche und
Familien (Familienbesuche) in Z u-
sammenarbeit mit dem Schulamt für
die Stadt Münster
Umsetzung der alltagsintegrierten
Sprachbildung in den Kindertagesein-
richtungen durch das Bundespro-
gramm Sprachkitas unterstützen
2 - 6 Han Amt für Kinder, Jugendliche und
Familien (Abteilung 51.1 Kindert a-
geseinrichtungen) und freie Träger
- 8 -
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HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN
Maßnahmen
Alter der
Kinder in
Jahren
Verantwortlich
Integrierte Jugendhilfe- und
Schulentwicklungsplanung
Sprachförderung für Kinder vor Schul-
eintritt in den Sommerferien Programm
„MitSprache-Schulferien“ systematisch
durchführen
5 - 6 Amt für Schule und Weiterbildung
Erweiterung des „Mulingula Projektes“
(mehrsprachiges Vorleseprojekt in
Grundschulen )
Ausweitung auf weitere Kindertages-
einrichtungen
2 – 6
Amt für Kinder, Jugendliche und
Familien
in Zusammenarbeit mit dem Schu l-
amt für die Stadt Münster
Handreichung „Deutsch als Zweitspra-
che“ für die Fachkräfte des Elemen-
tarbereichs (Kindertageseinrichtungen)
entwickeln
2 - 6
Amt für Kinder, Jugendliche und
Familien
in Zusammenarbeit mit dem Schu l-
amt für die Stadt Münster
Maßnahmen, die bildungsungeübte
Eltern unterstützen ihre elterliche
Verantwortung stärker wahrzune h-
men.
Weiterentwicklung der Info-
Veranstaltung der 4jährige
Formate für bildungsungeübte Eltern
systematisch durchführen
4 Amt für Schule und Weiterbildung /
Amt für Kinder, Jugendliche und
Familien
Angebote der Elternwerkstatt Instru-
mentenkoffer, Formate für bildungsun-
geübte Eltern systematisch einführen
5 - 6 Amt Amt für Schule und Weiterbildung
Elternveranstaltung der Schulpsycho-
logie
„Mein Kind kommt in die Schule“- For-
mat für bildungsungeübte Eltern entwi-
ckeln und systematisch durchführen
5 - 6 Amt Amt für Schule und Weiterbildung
Meldeverfahren zu den Früherken-
nungsuntersuchungen U5-U9 qualifi-
zieren
0 - 5 Kj> Amt für Kinder, Jugendliche und
Familien / Landeszentrum Gesun d-
heit NRW
6. Qualitätsentwicklung- und Sicherung
Im Rahmen der Bildungsplanung und Bildungssteuerung erfolgt eine entsprechende quantitative und
qualitative Auswertung der Maßnahmen für die Stadtteile/ Quartiere mit sehr belasteten Startbedin-
gungen vor Schuleintritt.
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Jede Maßnahme wird in ihrer Leistung schriftlich fixiert. Die Zielgruppe wird definiert und Leistungs-
maßstäbe festgelegt. Für die Durchführung der Einzelmaßnahmen wird eine Evaluation angelegt, die
untersucht, inwieweit sich die modellhafte Implementierung der Maßnahmen bewährt. Die Evaluation
soll darüber hinaus auch Aussagen dazu treffen, ob eine systematische Verzahnung zwischen den
Fachkräften nachweisbar ist. Dazu sind schriftliche Dokumentationen zum Fallmanagement erforder-
lich. Erfasst wird, welche Zielgruppen erreicht werden, aber auch welche Zielgruppen nicht im ersten
Ansatz erreicht werden.
Die angelegte Evaluation fokussiert dabei nicht nur die Zielerreichung, sondern identifiziert auch zent-
rale Faktoren zur Verbesserung der Praxis.
Folgende Gelingensfaktoren werden in Kontext der Maßnahmen untersucht:
Erreichbarkeit der Eltern
Erreichbarkeit der Kinder
Passgenauigkeit der Angebote
Ausbau von systematischer Teilhabe
Die Übertragbarkeit von Maßnahmen auf weitere Stadteile / Quartiere mit belasteten Startbedingun-
gen vor Schuleintritt erfolgt entsprechend der Wirksamkeit der Maßnahmen.
6.3 Ausblick
Der Bildungsindex bietet eine systematische Grundlage für neue Ansätze, Strukturen und Ideen zur
Weiterentwicklung der Kooperation zwischen Kindertageseinrichtungen und Grundschule und ist ein
wichtiger Beitrag, Chancengerechtigkeit in Münster auszubauen und gelebte gesellschaftliche Teilha-
be zu fördern. Damit unterstützt der Bildungsindex die Nachhaltigkeitstrategie Münster 2030. Es er-
folgt eine weitere Berichterstattung in den politischen Gremien der Stadt Münster.
In Vertretung
Thomas Paal
Stadtdirektor
Anlagen:
I. Anlage A
II. Bildungsbericht zum Stand der Indexbildung als Monitoringverfahren im Übergang
Kindertageseinrichtung- Grundschule
Microsoft Word - 20190531__Bildungsbericht_Veröffentlichung_mit Codierung Druckfassung (2).docx
59351 Zeichen
Bildungsbericht
zum Stand der Indexbildung
als Monitoringverfahren im Übergang
„Kindertageseinrichtung – Grundschule“
Startbedingungen von Kindern zu Beginn der Schullaufbahn
2
Impressum
Herausgeberin: Stadt Münster
Amt für Kinder, Jugendliche und Familien
Amt für Schule und Weiterbildung
Redaktion: Silke Thesing, Amt für Kinder, Jugendlic he und Familien
Rita Peters, Amt für Schule und Weiterbildung
Daten/Grafiken/Tabellen Dr. Axel Iseke, Gesundheits - und Veterinäramt
Uwe Noetzel, Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung und
Verkehrsplanung
Druck: Stadt Münster, Expedition und Druck
Stand: 31.05.2019
3
Inhalt
1. Einführung ....................................................................................................................... 5
1.1. Ziele des Berichtes und thematische Einführung .................................................................. 5
1.2. Rechtliche Einordnung ........................................................................... .............................. 6
1.3. Standortbestimmung .............................................................................. .............................. 6
1.3.1. Arbeitsgemeinschaft „Kooperation Kita – Grundschule“ ................................................ 7
1.3.2. Sprachstandsfeststellung zwei Jahre vor der Einschulung ............................................. 7
1.3.3. Anerkennungsjahr in der Offenen Ganztagsschule ................................................ ........ 8
1.3.4. Elternbefragung ............................................................................... .............................. 8
1.3.5. Datenquellen – Berichtsstruktur ............................................................... ...................... 9
2. Übergang im Kontext der kindlichen Bildungsbiografie .................................................... 9
2.1. Übergänge im Entwicklungsverlauf ................................................................ ....................... 9
2.2. Bewältigungsstrategien – Das Kind als Akteur seiner Lebens- und Bildungsbiografie ........ 10
2.3. Bildungsbegleiter – Rolle der Erzieher/Erzieherinnen und Lehrkräfte ................................. 10
2.4 Unterschiedliche Voraussetzungen – Chancen und Risiken ................................................ 11
3. Bildungsindex – Entwicklung und Aufbau ...................................................................... 11
3.1. Chancen und Risiken im Verlauf der Bildungsbiografie............................................. .......... 11
3.1.1. Bildung und Armut.............................................................................. .......................... 11
3.1.2. Bildung und Besuchsdauer in Kindertageseinrichtungen .............................................. 12
3.1.3. Bildung und Sprache ........................................................................... ......................... 12
3.1.4. Bildung und Erziehungskompetenz von Eltern .................................................... ......... 12
3.2. Bildungsindex – Kennzahlenbeschreibung .......................................................... ............... 13
3.2.1. Armut (Sozioökonomischer Status) .............................................................. ................ 13
3.2.2. Institutionelle Förderung (Dauer des Besuchs einer Kindertageseinrichtung vor der
Einschulung) ......................................................................................... ................................. 13
3.2.3. Sprache (Sprachkompetenz/Sprachfähigkeit im Kontext der
Schuleingangsuntersuchung) ........................................................................... ...................... 14
3.2.4. Erziehungskompetenz (Elterliche Förderung im Kontext der
Schuleingangsuntersuchung) ........................................................................... ...................... 14
3.3. Bildungsindex – Methodische Umsetzung ........................................................... ............... 14
3.3.1. Datennormierung / Datenherkunft ............................................................... ................. 15
3.3.2. Muster der Datenberechnung .................................................................... ................... 16
4. Bildungsindex – Auswertung .......................................................................................... 17
4.1. Kernaussagen zum Bildungsindex .................................................................. .................... 19
4.2. Auswertungsmöglichkeiten Teilindizes ............................................................ ................... 20
4.3. Auswertungsmöglichkeiten Sozialraumbetrachtung – Räumliche Ebenen .......................... 20
4.4. Qualitätsentwicklungsprozess auf der Verfahrensebene............................................. ........ 22
4
Abbildungen
Abbildung 1: Konzept Bildungsindex ................................................................... .......................... 15
Tabellen
Tabelle 1: Beispielschule ............................................................................ .................................. 16
Tabelle 2: Legende Bildungsindex ..................................................................... ........................... 17
Tabelle 3: Bildungsindex der Grundschulen in Münster ................................................. ............... 19
Tabelle 4: Bildungsindex, sozialräumliche Auswertung ................................................................. 22
5
1. Einführung
1.1. Ziele des Berichtes und thematische Einführung
Bildung ist ein lebenslanger Prozess und die Voraus setzung für gesellschaftliche Teilhabe und
Integration. Der individuelle, lebenslange Bildungs weg ist gekennzeichnet durch vielfältige Über-
gänge und bedarf der wohlwollenden und strukturiert en Kooperation aller an Bildung, Erziehung
und Betreuung beteiligten Institutionen, Einrichtun gen und Akteure. Der vorliegende Bericht be-
leuchtet den grundlegenden Übergang von der Kindertageseinrichtung in die Grundschule.
Im Rahmen des Projektes „Bildung Integriert“ finden der Aufbau eines systematischen Bildungs-
monitorings und die Einführung der Bildungsberichte rstattung statt. Hintergrund für diese Bemü-
hungen ist das Ziel, Kinder, Jugendliche und Famili en in ihren Bildungsbiografien frühzeitig und
kontinuierlich zu unterstützen. Dabei setzt das Pro jekt maßgeblich auf die enge Kooperation zwi-
schen Jugendhilfe und Schule.
Die Entwicklung eines Bildungsindex für den Übergan g von der Kindertageseinrichtung in die
Grundschule stellt ein Arbeitsergebnis der Kooperat ion zwischen dem Amt für Schule und Weiter-
bildung und dem Amt für Kinder, Jugendliche und Fam ilien dar. Im Rahmen des integrierten
Bildungsmonitorings ist der Bildungsindex weiterhin in Kooperation mit dem Gesundheits- und Ve-
terinäramt sowie dem Amt für Stadtentwicklung/-planung und Verkehrsplanung realisiert worden.
Die vorhandenen Daten über die Schul- und Bildungssituation wurden mit Schuleingangsdaten und
Daten zur Bevölkerung in Beziehung gesetzt, um für Münster einen datengestützten „Bildungsin-
dex Übergang Kita – Grundschule“ zu realisieren. Dieser Bildungsindex zeigt differenzierte, sozio-
ökonomische Rahmenbedingungen auf, innerhalb derer Bildung im Übergang Kita – Grundschule
stattfindet. Mithilfe des Bildungsindexes könnten s ich im Rahmen einer regelmäßigen Fortschrei-
bung Bildungsdaten und Bildungsteilhabe langfristig verfolgen lassen.
Ziele dieses Berichtes sind:
• Stadtteile und Quartiere im Hinblick auf bildungsb iografische Befunde im
„Übergang Kindertageseinrichtung und Schule“ zu identifizieren,
• entscheidungsrelevante Kennzahlen aus der Breite d es Datenfeldes zu
einem steuerungsrelevanten Bildungsindex zu verarbeiten,
• Entwicklungsperspektiven von Jugendhilfe und Schul e in der Schnittstelle
zum „Übergang Kindertageseinrichtung – Grundschule“ zu optimieren,
• eine vernetzte Planung und ergebnisorientierte Zus ammenarbeit aller am
Übergang Beteiligter zu fördern und
• Grundlagen für gemeinsame Lösungsvorschläge und Ma ßnahmenplanungen zu liefern.
Der Bericht „Bildungsübergänge Kindertageseinrichtung
1– Grundschule“ strebt ein ausgewogenes
Verhältnis zwischen der Generierung von Daten sowie deren Analyse und Interpretation an.
So beleuchtet er datenbasiert, was Bildungsverläufe fördert oder gefährdet. Dies geschieht durch
einen für Münster neu entwickelten Bildungsindex, f ür den in der Entstehung regionale und über-
regionale Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen be rücksichtigt wurden. Die aufbereiteten
Daten können im Diskurs mit den Fachämtern die geli ngenden Bedingungen von Bildung akzentu-
ieren, Erkenntnisse ableiten und als Grundlage für die Entwicklung von Maßnahmen, Zielen und
Aufgaben genutzt werden.
1 Kindertageseinrichtung = Kita
6
Des Weiteren dient der vorliegende Bildungsindex de n Fachplanern/Fachplanerinnen und Fach-
controller/Fachcontrollerinnen der Ämter zur Steuerung und Maßnahmenplanung für den institutio-
nellen Übergang Kita – Grundschule. Er soll einer n otwendigen, differenzierten Diskussion eine
faktische Grundlage geben, um eine fachliche Expert ise und entsprechende Handlungsempfeh-
lungen abzuleiten. Auch eröffnet der Bildungsindex die Möglichkeit, Kennzahlen zu Leistungsmes-
sungen zu liefern und im Rahmen von Qualitätsentwic klung und -sicherung zu nutzen. Darüber
hinaus bietet der Bildungsindex eine datengestützte Grundlage, um fachpolitische Entscheidungen
zu treffen.
Der Bildungsindex erfüllt den Auftrag, datenbasierte Grundlagen für die pädagogischen Herausfor-
derungen des Übergangs von der Kindertageseinrichtu ng in die Grundschule zu liefern. Derzeit
beziehen sich die fachlichen Notwendigkeiten aus de r Beschlussvorlage „Weiterentwicklung der
Kooperation zwischen Kindertageseinrichtungen und G rundschulen“ (V/0888/2017), der
Beschlussvorlage „Übergang von der Kita in die Grundschule am Beispiel der Sozialräume Coerde
und Südviertel“ (V/0902/2017) und den Ratsbeschluss zur Vorlage Qualitätsoffensive „Offene
Ganztagsschule“, Zwischenbericht und weiteres Verfahren (V/0366/2017).
1.2. Rechtliche Einordnung
Im folgenden Abschnitt werden die rechtlichen Rahme nbedingungen, unter denen der Übergang
von der Kindertageseinrichtung zur Grundschule erfo lgen soll, dargestellt. Der Gesetzgeber hat
diesbezüglich sowohl im Kinderbildungsgesetz (KiBiz ) als auch im Schulgesetz NRW entspre-
chende Regelungen getroffen. Beide Gesetze schaffen die Grundlage für eine integrierte Über-
gangsgestaltung zwischen Kindertageseinrichtung und Grundschule.
Im § 14 KiBiz sind Ausführungen zu Kooperationen un d zum Übergang geregelt. Der Gesetzgeber
formuliert dabei insbesondere eine gemeinsame Verantwortung von Kindertageseinrichtungen und
Grundschule für die beständige Förderung des Kindes und seinen Übergang in die Grundschule.
Diese Zusammenarbeit gestaltet sich unter anderen ü ber eine kontinuierliche gegenseitige Infor-
mation, eine fortlaufende Förderung der Entwicklung der Kinder, gegenseitige Hospitationen, feste
Ansprechpersonen in beiden Institutionen, gemeinsam e (Informations-)Veranstaltungen für die
Eltern und Familien der Kinder, gemeinsame Konferen zen zur Gestaltung des Übergangs in die
Grundschule und gemeinsame Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen der Fach- und Lehrkräfte.
Weitere Ausführungen zum Übergang sind im Schulgese tz den §§ 5 Abs. 1, 11 Abs. 1 und 36 für
das Land Nordrhein-Westfalen (Schulgesetz NRW, Schu lG) dargelegt. Die Bildungsinstitution
Schule kooperiert zur Erfüllung des schulischen Bil dungs- und Erziehungsauftrages und bei der
Gestaltung des Übergangs von den Tageseinrichtungen für Kinder in die Grundschule miteinander.
Bedeutsam für die Übergangsgestaltung ist auch, das s der Schulträger gemeinsam mit den
Tageseinrichtungen für Kinder und den Grundschulen eine Informationsveranstaltung für Eltern
durchführt. Diese Veranstaltung richtet sich an Elt ern, deren Kinder in zwei Jahren eingeschult
werden und informiert unter anderem über Fördermöglichkeiten und Bildungsprozesse.
Insbesondere wird der Förderung der Sprachkompetenz der Kinder ein größeres Gewicht beige-
messen (vgl. 1.3.2 Sprachstandsfeststellung).
1.3. Standortbestimmung
Im Rahmen der integrierten Jugendhilfe- und Schulen twicklungsplanung wird seit vielen Jahren
intensiv an der Schnittstelle zum Übergang gearbeit et. Die frühzeitige und kontinuierliche Beglei-
tung der Bildungsbiografie ist ein wesentliches Lei tziel. Darüber hinaus werden ressourcenorien-
tiert Rahmenbedingungen geschaffen und Maßnahmen in itiiert, die jedem Kind und jedem/jeder
Jugendlichen die Möglichkeit geben sollen, das indi viduelle Bildungspotential, unabhängig von der
sozialen Herkunft, auszuschöpfen.
7
Eine Kooperation zur Übergangsgestaltung der Kinder tageseinrichtungen und Grundschulen in
Münster hat sich überall entsprechend der sozialräu mlichen Strukturen und Gegebenheiten entwi-
ckelt. Durch die unterschiedlichen Strukturen und G egebenheiten sind die Fachkräfte vor Ort fort-
laufend gefordert, ihr Übergangsmanagement weiter z u entwickeln. Es liegen zahlreiche gute Bei-
spiele für die Übergangsgestaltung vor.
Der gesetzliche Auftrag an Kindertageseinrichtungen und Grundschulen, im Interesse der Förde-
rung von Kindern zusammenzuarbeiten, zeigt sich in Münster in verschiedenen Kooperationsstruk-
turen, Arbeitsgremien, sowie Arbeitsmitteln, die im Folgenden dargestellt werden.
1.3.1. Arbeitsgemeinschaft „Kooperation Kita – Grundschule“
Die Arbeitsgemeinschaft (AG) Kooperation Kita – Grundschule setzt sich aus einem interdisziplinä-
ren Team zusammen.
Amt für Kinder, Jugendliche und Familien:
• Abteilungsleitung Tagesbetreuung für Kinder
• Konzeptionelle Grundsatzangelegenheiten Kindertage seinrichtungen
• Fachberatung der Offenen Ganztagsschulen
• Leiter/Leiterin einer Kindertageseinrichtung
Amt für Schule und Weiterbildung:
• Abteilungsleitung Integration, Bildungsberatung un d Schulsozialarbeit
• Zentrale Anlauf-, Beratungs- und Clearingstelle/Bi ldungsberatung
• Vertreter/Vertreterinnen der Grundschulen
• Schulpsychologie
Schulamt für die Stadt Münster:
• Schulamtsdirektor/Schulamtsdirektorin
1.3.2. Sprachstandsfeststellung zwei Jahre vor der Einschulung
Durch das zum 01.08.2014 in Kraft getretene „Gesetz zur Änderung des Kinderbildungsgesetzes
und weiterer Gesetze“, mit dem auch der § 36 Abs. 2 Schulgesetz NRW angepasst worden ist,
liegt die Feststellung der sprachlichen Entwicklung und die sich daraus ergebende Förderung der
Kinder, die eine Kindertageseinrichtung besuchen, i n der Verantwortung der Kindertageseinrich-
tung selbst.
Die Änderungen im Kinderbildungsgesetz führten zu e iner wesentlichen Weiterentwicklung der
vorherigen Maßnahmen zur Feststellung der Förderung von kindlichen Sprachkompetenzen. An
die Stelle punktueller Sprachstandserhebungen (Delfin 4) für alle Kinder dieser Altersgruppe traten
Verfahren zu entwicklungs- und prozessbegleitenden Beobachtungen der Sprachkompetenzen.
Die Sprachbildung orientiert sich seitdem sowohl an der Lebenserfahrung als auch an den indivi-
duellen Lebenslagen der Kinder und findet integriert im pädagogischen Alltag statt.
Für Kinder, die keine Kita besuchen, und Kinder, de ren Eltern der Bildungsdokumentation in der
Kita nicht zugestimmt haben, wird die sprachliche Entwicklung mit dem Verfahren „Delfin 4“ durch-
geführt. Wird auf der Grundlage der durchgeführten Tests zum Sprachstand bei einem der be-
schriebenen Kinder ein Bedarf an Sprachförderung festgestellt, wird den Eltern empfohlen, ihr Kind
in einer Kita anzumelden. Kommen die Eltern dieser Empfehlung nicht nach, so werden sie vom
Schulamt verpflichtet, ihr Kind an einer vorschulischen Sprachfördermaßnahme in einem Familien-
zentrum teilnehmen zu lassen.
8
Zur Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben zur Feststellung des Sprachstandes habe sich seit Jah-
ren verlässliche Kooperationsstrukturen zwischen dem Amt für Schule und Weiterbildung, dem
Amt für Kinder, Jugendliche und Familien und dem Schulamt für die Stadt Münster etabliert.
1.3.3. Anerkennungsjahr in der Offenen Ganztagsschule
Als weitere Maßnahme sind in den Offenen Ganztagssc hulen der Stadt Münster für Erzie-
her/Erzieherinnen im Anerkennungsjahr 16 Stellen zu m Schuljahr 2018/2019 eingerichtet. In die-
sen Ausbildungsstellen werden Nachwuchskräfte spezi ell für das erzieherische Handlungsfeld im
Kontext Jugendhilfe und Schule ausgebildet.
Der Schwerpunkt ihrer Tätigkeit ist auf den „Übergang Kita – Grundschule“ gerichtet.
Die Stellen sind unter folgenden Rahmenbedingungen eingerichtet:
• Vollzeitstelle, 39 Wochenstunden (vormittags Unter richt, ab 11.30 Uhr in der OGS)
• Anleitung erfolgt i. d. R. durch die Koordination der OGS
1.3.4. Elternbefragung
Das Amt für Schule und Weiterbildung hat 2017 im Ra hmen der Schulentwicklungsplanung (SEP)
eine Elternumfrage durchgeführt. Zielgruppe dieser Befragung waren u. a. die Eltern, die ihr Kind
zum Schuljahr 2017/2018 an einer Grundschule in Mün ster angemeldet haben. Es wurden somit
dezidiert Daten zum „Übergang Kindertageseinrichtun g – Grundschule“ in Bezug auf das Anmel-
deverfahren an der Grundschule und die darüber hina us bestehenden Einschätzungen und Wün-
sche der Eltern erhoben. Weiterhin wurden auch qual itative Aspekte der SEP sowie Angebote der
Jugendhilfe in Schulen im Sinne einer integrierten Jugendhilfe und Schulentwicklungsplanung ab-
gefragt.
Ziel ist es, die Ergebnisse der Elternbefragung ver knüpft mit der fortlaufend aktualisierten Schüler-
prognose, der kleinräumigen Bevölkerungsprognose 20 25 sowie der Entwicklung in den Umland-
gemeinden in die quantitative und qualitative Schulentwicklungsplanung einfließen zu lassen.
Mit einer Rücklaufquote von 44,8 % zum Fragebogen „ Übergang Kindertageseinrichtung –
Grundschule“ stellt die Elternumfrage 2017 eine valide und repräsentative Datengrundlage dar. Zu
den grundlegenden Ergebnissen lässt sich in Auszügen kurz zusammengefasst Folgendes festhal-
ten:
• Das Grundschulangebot in Münster wird im Durchschn itt mit „gut“ bewertet.
• Nahezu alle Eltern haben angegeben, dass das Kind an der gewünschten Grundschule
aufgenommen werden konnte. Der wichtigste Aspekt be i der Grundschulauswahl war die
fußläufige Entfernung, als Informationsquellen wurd en von einem Hauptteil der Befragten
Freunde und Bekannte sowie der Tag der offenen Tür an Grundschulen genannt.
• Der überwiegende Teil der Eltern wünscht sich als Betreuungsangebot für ihr Kind die
Offene Ganztagsschule (OGS). Diesem Wunsch konnte n ach Angabe der Befragten auch
in fast allen Fällen nachgekommen werden.
Ca. 1/3 der Eltern benötigt für das Kind weiterhin wochentags eine Randzeitenbetreuung vor 08:00
Uhr oder nach 16:00 Uhr. Auch die Ferienzeitbetreuu ng, ob mit bereits bestehendem OGS-
Betreuungsangebot oder ohne, wird von einem großen Teil der Eltern nachgefragt.
Bezüglich weitergehender Ausführungen wird auf den Bericht zur Elternumfrage 2017 verwiesen
(einsehbar im Ratsinformationssystem der Stadt Müns ter, Vorlage V/0072/2018 „Schulentwick-
lungsplanung – Bericht zur Elternumfrage 2017“).
9
1.3.5. Datenquellen – Berichtsstruktur
Das Amt für Kinder, Jugendliche und Familien und das Amt für Schule und Weiterbildung verfügen
über ein etabliertes, fundiertes und jährlich erscheinendes Berichtswesen.
Es erscheinen jährlich der „Bericht zur Tagesbetreuung“ und die „Schulstatistik“. Hierbei handelt es
sich um Berichtsstrukturen, die fortlaufend und sys tematisch Grundinformationen zur Bildung lie-
fern. Die Einzel- und Fachberichte liefern Kern- un d Überblicksdaten und unterstützen die fortlau-
fende Bestandserhebung, Steuerung und Maßnahmenplan ung beider Ämter. Insbesondere wer-
den die Daten verstärkt in der Schnittstelle einer integrierten Jugendhilfe- und Schulentwicklungs-
planung genutzt.
2. Übergang im Kontext der kindlichen Bildungsbiografie
Das folgende Kapitel beschreibt Grundlagen des Über gangs (auch Transition genannt) aus der
Perspektive des Kindes und der Eltern. Das Kapitel dient dem Verständnis dieser Entwicklungs-
phase, insbesondere im Kontext der Bildungsbiografi e und der Herleitung des in Kapitel 4 darge-
stellten Bildungsindex.
2.1. Übergänge im Entwicklungsverlauf
Kinder durchlaufen in ihrer Entwicklung eine Vielzahl von Übergängen. Klassische Übergänge sind
der erste Wechsel von der Familie in die Tagespfleg e oder Kindertageseinrichtung, der Übergang
von der Kindertageseinrichtung in die Grundschule u nd danach in die weiterführende Schule. Als
kritisches Lebensereignis kann sich dieser Übergang positiv oder negativ auf die Entwicklung und
Bildungsbiografie eines Kindes auswirken.
Ein Meilenstein in der Bildungsbiografie von Kinder n ist der Übergang von der Kindertageseinrich-
tung in die Grundschule. Diese gesellschaftlich ini tiierte Entwicklungsaufgabe ist für Kinder und
ihre Eltern eine besondere Herausforderung. Der Übe rgang vom Kindergarten in die Grundschule
ist ein länger andauernder Prozess. Der zeitliche Korridor beginnt weit vor Beginn der Einschulung
und reicht individuell lang in die Schulzeit hinein.
Für jedes Kind im Übergang von der Kita in die Grundschule stellen sich individuelle Entwicklungs-
aufgaben. Diese Entwicklungsaufgaben werden von ver schiedenen Emotionen begleitet. Neben
Stolz, Freude und Neugier gehören auch Befürchtungen und Ängste zum Erleben von Kindern.
Das Kind muss sich mit neuen Anforderungen auseinandersetzen. So steht es vor der Aufgabe, im
Rahmen des Schulalltags Leistungsanforderungen, neu e Regeln und Verhaltensweisen in einem
veränderten Tagesablauf zu erfüllen. In diesem Zusammenhang werden vielfältige Erwartungen an
das Kind gestellt, die sich deutlich vom Kindergart enalltag unterscheiden. Weiterhin gilt es, ver-
schiedene Lebenskontexte miteinander in Einklang zu bringen. Familie, Schule und Freizeit müs-
sen neu aufeinander abgestimmt werden.
Wo die Lebenswelt Kindergarten eher mit Freiräumen und Entscheidungsspielräumen verknüpft
war, ist das Kind in der Lebenswelt Schule mit der Einhaltung von Vorgaben, Regeln und
Leistungsanforderungen konfrontiert. So ist im Erle ben von Kindern die Kindergartenzeit eher mit
„können“ besetzt und die Schulzeit mit „müssen“.
Neben diesen individuellen Veränderungen verändert sich auch maßgeblich das Beziehungsgefü-
ge des Kindes. Es muss sich zwangsweise von wichtig en Bezugspersonen verabschieden, die es
häufig über mehrere Jahre begleitet haben.
Vielleicht wird das Kind mit Kindern aus dem eigene n Kindergarten eingeschult, was im Über-
gangsprozess unterstützend sein kann. Darüber hinaus wird das Kind jedoch vor der Aufgabe ste-
hen, neue soziale Beziehungen zu Mitschülern/Mitsch ülerinnen zu knüpfen, die es noch nicht
kennt.
10
Auch für Eltern ist der Übergang ihres (ersten) Kin des vom Kindergarten in die Grundschule ein
besonderes Ereignis und mit Anforderungen verknüpft . Eltern sind für Kinder eine enorme Res-
source, denn sie bleiben dem Kind auch im Übergang eine Konstante. Trotzdem ist zu berücksich-
tigen, dass auch Eltern in dieser Phase des Übergangs mit vielfältigen Emotionen konfrontiert sind.
Sie befinden sich in einer Art Doppelrolle, denn si e begleiten ihr Kind im Übergang und müssen
den Übergang auch selbst bewältigen. Für sie selbst vollzieht sich dabei unter anderem eine Ver-
änderung im Hinblick auf Identität und Rollenbild. Sie stehen zukünftig in der Verantwortung für
den Schulerfolg ihres Kindes und müssen lernen, ihr e Leistungserwartungen an das Lernvermö-
gen ihres Kindes anzupassen. Auch die Vereinbarkeit von Familie, Schule und Erwerbsleben stellt
Eltern vor neue Aufgaben (vgl. Griebel und Niesel 2 013; Übergänge verstehen und begleiten;
Struktur der Entwicklungsaufgaben; S.119).
Zusammenfassend erschließt sich, dass der Übergang für das Kind (und seine Eltern) eine an-
spruchsvolle Entwicklungsaufgabe ist, für die angem essene Bewältigungsstrategien erforderlich
sind, um diese Phase kompetent zu bewältigen.
Im Folgenden werden entsprechende Bewältigungsstrategien des Kindes im Übergang dargestellt.
2.2. Bewältigungsstrategien – Das Kind als Akteur seiner Lebens- und Bildungsbiografie
Kinder verfügen für die Gestaltung ihrer vielschich tigen Lebenswelten über enorme Stärken. Die
Herausforderungen im Hinblick auf den Übergang von der Kindertageseinrichtung in die Schule
können dabei entwicklungsfördernd wirken, aber auch als beängstigend und beunruhigend erlebt
werden.
Die Bewältigung des Übergangs in die Grundschule un d die dabei zu lösenden Entwicklungsauf-
gaben sind wegweisend für den Umgang mit späteren U mbrüchen. Ob Entwicklungsaufgaben als
Chance begriffen oder aber als bedrohlich erlebt un d verarbeitet werden, hängt maßgeblich davon
ab, welche Rahmenbedingungen Kinder vorfinden. Die individuellen Ressourcen des Kindes, wie
zum Beispiel eine positive Einstellung zur Schule, eine erkennbare Anstrengungsbereitschaft und
Freude, etwas Neues zu lernen, können den Übergang positiv beeinflussen. Bedeutend ist eben-
falls das Selbstkonzept des Kindes, welches Hinweis e darauf gibt, wie ein Kind sich sieht und ob
es sich als wertvoll und selbstwirksam einschätzt. Die Familie stellt eine bedeutende Ressource
dar, sofern sie dem Kind einen stabilen, emotionale n Rückhalt gibt. Die Befunde der Bindungsfor-
schung flankieren die These, dass die Familie ein b edeutender Schutzfaktor auf interaktionaler
Ebene ist (vgl. Eckert und Hanke; Übergänge ressour cenorientiert gestalten: Von der Kita in die
Grundschule; S.65).
Das Wissen um die Chancen und Risiken im Bewältigun gsverhalten eröffnet vielfältige Anknüp-
fungspunkte, um Kinder in der aktiven Lebensbewälti gung dieses Übergangs zu unterstützen und
zu stärken sowie einen Beitrag zu leisten, Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit zu fördern.
Die Kindertageseinrichtung und die „neue“ Grundschule können die Bewältigung des Übergangs
positiv beeinflussen und gestalten, wenn Erzieherin nen und Erzieher sowie Lehrkräfte den Unter-
stützungsbedarf im Übergang erkennen und anschlussf ähige, gemeinsame Maßnahmen des
Übergangs für das Kind bereitstellen.
Die in diesem Zusammenhang bestehende Rolle der päd agogischen Fachkräfte als „Bildungsbe-
gleiter“ wird im nächsten Kapitel beleuchtet.
2.3. Bildungsbegleiter – Rolle der Erzieher/Erzieherinnen und Lehrkräfte
Erzieher/Erzieherinnen und Lehrkräfte können in Kooperation und Ko-Konstruktion einen wesentli-
chen Beitrag dazu leisten,dass Übergänge gelingen, Kindergartenkinder zu Schulkindern und El-
tern eines Kindergartenkindes zu Eltern eines Schul kindes werden. (vgl. Griebel und Niesel 2013;
Übergänge verstehen und begleiten; Struktur der Entwicklungsaufgaben; S.116).
11
Erzieher/Erzieherinnen und Lehrkräfte sind bedeuten de Ressourcen, denn sie müssen den Über-
gang nicht selbst bewältigen und können das Kind un d dessen Eltern aktiv bei diesem Übergang
aus ihrer Profession heraus unterstützen. Die zentr ale Kompetenz aller beim Übergang beteiligten
Bildungsbegleiter/-begleiterinnen liegt darin, die Stärken des Kindes zu sehen, die Risiken des
Aufwachsens zu erkennen und die Umgebungsressourcen so zu erzeugen, dass der Übergang
gelingt.
2.4 Unterschiedliche Voraussetzungen – Chancen und Risiken
Jedes Kind steht vor der Aufgabe, den Übergang zu b ewältigen. Neben den bereits beschrieben
Anforderungen an einen gelingenden Übergang, bringt jedes Kind unterschiedliche Voraussetzun-
gen mit. Soziale, emotionale und leistungsbezogene Fähigkeiten und Kompetenzen der einzuschu-
lenden Kinder sind heterogen.
Die unterschiedlichen Kompetenzen und Lebenskontext e haben deutlichen Einfluss auf die Bil-
dungschancen und die Bildungsteilhabe von einzuschulenden Kindern. Der in Kapitel 4 entwickelte
Bildungsindex stellt den Zusammenhang zwischen Star tbedingungen vor der Einschulung und
entsprechenden Daten her und liefert messbare Ergebnisse über die Stärken und Risiken von Kin-
dern im Übergang zwischen Kindertageseinrichtung un d Schule. Aufgrund dieser Erkenntnisse
können zielgerichtete Maßnahmen für Bildungsbegleiter entwickelt und umgesetzt werden.
3. Bildungsindex – Entwicklung und Aufbau
Im folgenden Kapitel wird der für Münster entwickel te Bildungsindex in seiner Notwendigkeit, Her-
leitung und Zusammensetzung erläutert.
Der Bildungsindex gibt insbesondere einen Hinweis d arauf, inwieweit Kinder in einem bildungsun-
gewohnten Umfeld aufwachsen bzw. familiäre Schwieri gkeiten und Umfeldbelastungen die Bil-
dungsteilhabe erschweren. Ein Index, der kennzahlengestützt die Chancen und Risiken im Verlauf
der Bildungsbiografie von Kindern darstellt, kann d abei insbesondere die bereits in Kapitel 1.3.
beschriebenen, integrierten Arbeitsebenen unterstüt zen und Hinweise auf weitere Handlungs-
schritte geben. Die Steuerung des Übergangs von der Kindertageseinrichtung zur Grundschule
kann mit Hilfe des Bildungsindexes zielgerichteter erfolgen.
3.1. Chancen und Risiken im Verlauf der Bildungsbiografie
„Die Zukunfts-Chancen der Kinder und Familien werde n zunehmend und systematisch entlang
sozialer, räumlicher und institutioneller Barrieren verteilt. Die „Platzkarten“ für die Gesellschaft
werden sehr früh vergeben! Von diesen sind in benac hteiligten Quartieren, Kitas und Schulen nur
wenig vorhanden.“
2
Die wichtigsten Faktoren, die über ein Gelingen ode r Nicht-Gelingen des Übergangs entscheiden,
sind in den folgenden Abschnitten beschrieben.
3.1.1. Bildung und Armut
Als ein entscheidender Faktor für Chancenungleichhe it ist die Armut von Kindern zu sehen. Der
Bericht „Kinderarmut in Deutschland: Eine drängende Handlungsaufforderung an die Politik“ des
2 Volker Kersting (Ruhr-Universität Bochum, interdisziplinäre Ruhrgebietsforschung (ZEFIR),-
http://www.transferagentur-nordrhein-westfalen.de/fileadmin/Dateien/TransferJournal/2-
Transferjournal/Transferjournal2-klein_Internet.pdf
12
Bundesjugendkuratoriums3 hebt hervor, dass arme Kinder in zentralen Lebensb ereichen überpro-
portional von Einschränkungen betroffen sind, und v erweist hierbei auf die AWO/ISS-Studie „Gute
Kindheit – schlechte Kindheit“ 4. Kinder in Armutslagen verfügen über geringere Ges taltungsspiel-
räume und Entfaltungschancen als Kinder, die nicht in armen Familien leben. Dies zeigt sich ins-
besondere in der Einschränkung an der Teilnahme an außerinstitutionellen Angeboten wie
Schwimm-, Sport- und Musikkurse, der Ausstattung mi t neuen Medien (Computer, Lernsoftware)
bis hin zu Nachhilfeangeboten. All dies kostet Geld. Gerade für Kinder aus bedürftigen Familien ist
jedoch eine fundierte Bildung wichtig, denn sie ist der zentrale Weg aus der Armut.
Um Armutslagen abzumildern und Teilhabechancen von Kindern zu verbessern, hält Münster ein
umfangreiches Maßnahmenprogramm zur kinder- und jug endbezogener Armutsprävention
(V/0638/2017) vor.
3.1.2. Bildung und Besuchsdauer in Kindertageseinrichtungen
Chancengleichheit wird vor allem unter dem Fokus Bi ldungsgleichheit oder -gerechtigkeit themati-
siert. Dabei wird in erster Linie von der sozialen Ungleichheit von Bildungschancen ausgehend von
der sozialen Herkunft argumentiert. Demnach hängen die Bildungschancen für Kinder zu einem
Großteil von Erziehung, Ausstattung und Förderung im Elternhaus ab.
Die Relevanz des Besuchs einer Kindertageseinrichtu ng liegt in Bezug auf die Chancengleichheit
darin, als erste Bildungsinstitution dazu beizutrag en, herkunftsbedingte Benachteiligungen in den
frühen Lebensjahren – so weit möglich – auszugleich en. Es sollen die Chancen jener Kinder, die
im häuslichen Umfeld wenig Förderung erfahren, verbessert werden.
3.1.3. Bildung und Sprache
Sprache wird als ein Schlüssel zum Bildungserfolg v on Kindern verstanden. Sprache kommt hier-
bei als Transportmittel von Bildungsinhalten eine g rundlegende Bedeutung zu. So hat die
Bildungsforschung unter anderem bei den PISA-Studie n herausgestellt, dass die Fähigkeit, natur-
wissenschaftliche oder mathematische Aufgaben erfol greich zu lösen, zu weiten Teilen von der
Lesekompetenz abhängt. Beinahe jeder Lerngegenstand wird sprachlich vermittelt; Aufgaben und
ihre Lösungen werden in Texte gefasst. Ohne sprachl iches Verstehen ist also ein Verständnis der
Sache fast nicht möglich. Ohne die Fähigkeit zur mü ndlichen und schriftlichen Verständigung, oh-
ne ausreichende Lese- und Schreibkompetenz sind wed er ein qualifizierter Schulabschluss noch
eine zukunftsfähige Berufsausbildung zu erreichen.
3.1.4. Bildung und Erziehungskompetenz von Eltern
Bildung beginnt in der Familie und die Familie präg t die Bildung ihrer Kinder. Gerade als Ort infor-
meller Bildung kommt der Familie trotz einer zunehmenden institutionellen Betreuung in den ersten
Jahren eine Schlüsselrolle zu und bleibt der zentra le Erziehungs- und Bildungsort von Kindern.
Eltern sind die ersten und die wichtigsten Impulsgeber ihrer Kinder.
Sie entscheiden über die Wahl der Kindertageseinric htung, der Grundschule sowie der weiterfüh-
renden Schule. Sie wählen aus der Angebotsvielfalt weitere Bildungsangebote aus.
Sie sind die entscheidende Triebfeder bei der Verzahnung von Bildung und Bindung. Eltern sorgen
für ein anregungsreiches Lebensumfeld. Die Entwicklung der Kinder wird also wesentlich durch die
Eltern bestimmt und gefördert.
3 Analyse des Bundesjugendkuratoriums (BJK) im August 2009,
https://www.bundesjugendkuratorium.de/assets/pdf/press/bjk_2009_3_stellungnahme_kinderarmut.pdf
4 Vgl. Hock, Beate / Holz, Gerda / Simmedinger, Renate / Wüstendörfer, Werner (2000): Gute Kindheit –
schlechte Kindheit? Armut und Zukunftschancen von Kindern in Deutschland. Abschlussbericht zur Studie
im Auftrag des Bundesverbandes der Arbeiterwohlfahrt. Frankfurt/Main;
13
Können Eltern diese entscheidende Rolle nicht oder nur begrenzt ausfüllen, geraten Kinder immer
mehr ins Abseits. Diese ständig wachsende Lücke hem mt das benachteiligte Kind im gesamten
weiteren Bildungsprozess.
3.2. Bildungsindex – Kennzahlenbeschreibung
Die theoretischen Einführungen zum Übergang Kita – Grundschule und die Beleuchtung von
Startbedingungen im Bildungsverlauf zeigen auf, das s Bildungsteilhabe in einem multifaktoriellen
Bedingungsgefüge steht. Die dargelegten Zusammenhän ge lassen die Schlussfolgerung zu, dass
Bildungschancen in einem hohen Maße von den soziale n Bedingungen abhängen, in denen Kin-
der aufwachsen. Um die sozialen Zusammenhänge trans parent sowie objektivierbar zu machen
und bedarfsgerechte Maßnahmen zu ergreifen, ist die Entwicklung einer Messgröße notwendig.
Der entwickelte Bildungsindikator für Münster aggre giert die Startbedingungen zu einer vergleich-
baren Messgröße und liefert datenbasierte Informati onen als Grundlage für eine fachliche Exper-
tise. Der Index lässt sich als quantitative Messgrö ße verstehen, der komplexe, mehrdimensionale
Zusammenhänge möglichst einfach und verständlich be schreibt. Er bildet einen thematisch ein-
deutigen, mehrdimensional definierten Aspekt von Bi ldung mit verschiedenen statistischen Kenn-
ziffern ab.
Der Bildungsindex für Münster zeigt soziale und öko nomische Zusammenhänge auf und kann be-
zogen auf ein systematisches Übergangsmanagement da zu beitragen, gezielt Maßnahmen zu
ergreifen und die Bildungsgerechtigkeit und Bildungsteilhabe zu fördern.
Unter Berücksichtigung der o. g. Faktoren, die den Übergang maßgeblich beeinflussen, haben das
Amt für Schule und Weiterbildung und das Amt für Ki nder, Jugendliche und Familie in Kooperation
mit dem Gesundheits- und Veterinäramt sowie dem Amt für Stadtentwicklung/-planung und Ver-
kehrsplanung im Wissen um die unterschiedlichen Sta rtbedingungen im Verlauf der Bildungsbio-
grafie die folgenden Kennzahlen für Münster ausgewählt:
3.2.1. Armut (Sozioökonomischer Status)
Um Armutslagen von Kindern datenbasiert erfassbar z u machen, wird auf den „Sozioökonomi-
schen Status“
5 zurückgegriffen. Er umfasst folgende Transferleistungen:
• SGB II Leistungen
• Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz
• SGB XII Hilfen zum Lebensunterhalt
Der Sozioökonomische Status wurde im Rahmen der int egrierten Jugendhilfe- und Schulentwick-
lungsplanung im Teilprojekt Schulsozialarbeit entwickelt (V/0204/2018).
3.2.2. Institutionelle Förderung (Dauer des Besuchs einer Kindertageseinrichtung vor der Einschu-
lung)
Der Besuch einer Kindertageseinrichtung vor Einschu lung als institutionelle Förderung ist eine
sinnvolle Maßnahme zur Entwicklungsunterstützung bei Kindern aus belasteten Elternhäusern.
Da die Förderung vor allem von tragfähigen Beziehun gen abhängt, gilt ein mindestens 2-jähriger
Kindergartenbesuch als effektiv.
6
5 Der Sozioökonomische Status ist mit Daten des Sozialamtes und des Jobcenters realisiert worden
6 Jens Kratzmann, Thorsten Schneider, soziale Ungleichheiten beim Schulstart: empirische Untersuchungen
zur Bedeutung der sozialen Herkunft und des Kindergartenbesuchs auf den Zeitpunkt der Einschulung,
Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, 2008 -
www.diw.de/documents/publikationen/73/82423/diw_sp0100.pdf
14
Die Datenerfassung zur Besuchsdauer in den Kinderta geseinrichtungen erfolgt im Rahmen der
Schuleingangsuntersuchung. Für den Bildungsindex wi rd die mindestens zweijährige Besuchs-
dauer vor Einschulung als Kennzahl erfasst.
3.2.3. Sprache (Sprachkompetenz/Sprachfähigkeit im Kontext der Schuleingangsuntersuchung)
Das frühzeitige Erkennen individueller Sprachdefizi te ist eine wesentliche Voraussetzung dafür,
diese schon vor Eintritt in die Schule durch entspr echende Fördermaßnahmen möglichst weitge-
hend ausgleichen zu können. Alle Kinder, die im Fol gejahr schulpflichtig werden, müssen bis zum
15. November zur Schule angemeldet werden. Im Rahme n des Anmeldeverfahrens ist bei allen
Kindern der individuelle Sprachstand zu erfassen (§ 36 Abs. 3 SchulG NRW).
Die Datenerfassung zur Sprachfähigkeit erfolgt im R ahmen der Schuleingangsuntersuchung. Für
den Bildungsindex werden die zukünftigen Erstklässl er, die Sprachauffälligkeiten aufweisen, als
Kennzahl erfasst.
3.2.4. Erziehungskompetenz (Elterliche Förderung im Kontext der Schuleingangsuntersuchung)
Das Elternhaus bestimmt maßgeblich das anregungsrei che Lebensumfeld von Kindern, um eine
frühkindliche Förderung zu gestallten.
Die Datenerfassung zur elterlichen Förderung erfolg t ebenfalls im Rahmen der Schuleingangs-
untersuchung. Für den Bildungsindex werden die zukü nftigen Erstklässler, die von ihren Eltern
weder in Sport noch durch Schwimmen oder Musik gefördert werden, erfasst.
3.3. Bildungsindex – Methodische Umsetzung
Der Bildungsindex gibt an Hand verschiedener Kennza hlen einen Hinweis darauf, mit welchen
Grundvoraussetzungen, bezogen auf eine Bildungsteilhabe, Kinder in die Grundschule übergehen.
Die nachfolgende Abbildung visualisiert die Zusammensetzung und das Konzept des Bildungsindi-
kators.
15
Abbildung 1: Konzept Bildungsindex
In dem folgenden Abschnitt wird auf der Grundlage d er Zusammensetzung die Normierung sowie
die Gewichtung des Indexes erläutert.
3.3.1. Datennormierung / Datenherkunft
Datenbasis für den entwickelten Bildungsindex ist die „Anmeldedatenbank Primarstufe“ des Amtes
für Schule und Weiterbildung mit dem Datenbestand f ür das Schuljahr 2017/2018. Dieser Daten-
bestand wurde dem Gesundheits- und Veterinäramt zum Zwecke der Durchführung der Schulein-
gangsuntersuchung übermittelt. Das Gesundheits- und Veterinäramt lieferte der abgeschotteten
Statistikstelle die für den Bildungsindex auswählte n Daten zur frühkindlichen Förderung (institutio-
nelle Förderung, Sprache, elterliche Förderung). In einem weiteren Schritt wurden die Daten in der
abgeschotteten Statistikstelle der Stadt Münster mi t Daten zur wirtschaftlichen Lage der einzu-
schulenden Kinder verschnitten. Als Ergebnis liegt ein Bildungsindex vor, der die wichtigsten Teil-
indizes, die die Bildungschancen von Kindern maßgeb lich beeinflussen, in einen Gesamtkontext
stellt.
•sozioökonomischer Status wirtschaftliche
Lage
•Besuchsdauer der
Kindertageseinrichtung
institutionelle
Förderung
•Sprachfähigkeit im Kontext der
Schuleingangsuntersuchung Sprache
•Elterliche Förderung im Kontext der
Schuleingangsuntersuchung
elterliche
Förderung
Bildungsindex
16
3.3.2. Muster der Datenberechnung
Um eine Vergleichbarkeit der Schulen trotz untersch iedlicher Größe zu gewährleisten, wurde eine
Anteilsberechnung vorgenommen, die im folgenden Beispiel erläutert wird:
An einer Beispielschule fangen 15 Erstklässler an. In einem ersten Schritt wird die Betroffenheit
dieser Kinder in Bezug auf die genannten Teilindize s mit Hilfe der Schuleingangsuntersuchung
bzw. Identifizierung in den entsprechenden Bereichen die Betroffenheit geprüft, soweit diese Daten
vorhanden sind. Je Teilindex werden die realisierten Punkte in den einzelnen Indizes aufaddiert. In
der Beispielschule sind 5 Kinder in ihrer wirtschaf tlichen Lage eingeschränkt. Insofern wurden im
Bereich wirtschaftlicher Lage 5 Punkte erzielt. Die se Berechnung wird mit jedem Teilindex vorge-
nommen, so dass die Beispielschule insgesamt 11 Punkte erzielt. In einem zweiten Schritt wurden
die erzielten Punkte ins Verhältnis mit der maximal möglichen Gesamtpunktzahl der Schule ge-
setzt. Auf die Beispielschule bezogen bedeutet dies , wenn alle Schülerinnen und Schüler in allen
Teilindizes punkten würden, würde die Beispielschule 60 Punkte erzielen. Da sie jedoch insgesamt
nur 11 Punkte erzielt, realisiert die Schule 18,3 P rozent der möglichen Gesamtpunkte. Der Bil-
dungsindex beträgt für die Beispielschule somit 18,3.
Da bei den Schulen für über 95 % aller Schülerinnen und Schüler diese Daten verfügbar sind,
können die Anteilsaussagen als hinreichend genau angesehen werden.
Der Rückschluss auf ein einzelnes Kind ist auf Grun d der evtl. fehlenden Daten von einzelnen
Kindern (Zuzug von außerhalb; keine Daten aus Schuleingangsuntersuchung) aber nicht möglich.
Schulanfänger der Beispielschule
Wirtschaftliche
Lage
institutionelle
Förderung Sprache
elterliche
Förderung
Schüler/Schülerin 1 Eingeschränkt
Schüler/Schülerin 2 auffällig
Schüler/Schülerin 3 Eingeschränkt
Schüler/Schülerin 4 nein
Schüler/Schülerin 5 auffällig
Schüler/Schülerin 6
Schüler/Schülerin 7 Eingeschränkt
Schüler/Schülerin 8 nein
Schüler/Schülerin 9
Schüler/Schülerin 10 Eingeschränkt nein
Schüler/Schülerin 11
Schüler/Schülerin 12
Schüler/Schülerin 13 nein Schüler/Schülerin 14 Eingeschränkt Schüler/Schülerin 15 realisierte Punkte insgesamt
[Anzahl der Kinder mit
Untersuchungsergebnis
im genannten Bereich]
5 3 2 1 11
maximal mögliche
Punkte insgesamt
[Anzahl der Kinder
insgesamt] 15 15 15 15 60
Anteilsberechnung insgesamt
%-Anteil der erreichten
Punkte an der mögli-
chen Gesamtpunkte-
zahl
33,3 20,0 13,3 6,7 18,3
Tabelle 1: Beispielschule
Im nächsten Kapitel erfolgt eine Auswertung des Bildungsindex.
17
4. Bildungsindex – Auswertung
Der Bildungsindex liefert datenbasiert Erkenntnisse über die Startbedingungen von Kindern vor
ihrer Einschulung in der Bildungslandschaft.
Diese Startbedingungen werden in fünf Kategorien eingeteilt:
1. Kategorie eins umfasst die Schulen mit sehr gute n Startbedingungen vor der Einschulung
2. Kategorie zwei umfasst die Schulen mit guten Sta rtbedingungen vor der Einschulung
3. Kategorie drei umfasst die Schulen mit zufrieden stellenden Startbedingungen vor der Ein-
schulung
4. Kategorie vier umfasst die Schulen mit belastete n Startbedingungen vor der Einschulung
5. Kategorie fünf umfasst die Schulen mit sehr bela steten Startbedingungen vor der Einschu-
lung
Die folgende Tabelle erläutert die Spannweite der einzelnen Kategorien:
sehr geringer Indexwert
geringer Indexwert
mittlerer Indexwert
hoher Indexwert
sehr hoher Indexwert
Sehr geringer Indexwert –
bezogen auf den städtischen
Durchschnitt…
Sehr hoher Indexwert - bezo-
gen auf den städtischen
Durchschnitt…
Sicherung Lebensunterhalt
durch Transferleitungen
…erhalten hier die wenigsten
Kinder eine Transferleistung.
…erhalten hier die meisten
Kinder eine Transferleistung.
Dauer des Kindertageseinrich-
tungsbesuchs von unter 2
Jahren vor der Einschulung
…sind hier die wenigsten
Kinder weniger als 2 Jahre vor
der Einschulung in einer Kin-
dertageseinrichtung.
…sind hier die meisten Kinder
weniger als 2 Jahre vor der
Einschulung in einer Kinderta-
geseinrichtung.
Fehlende Sprachkompetenz
Schuleingangsuntersuchung
…weisen hier die wenigsten
Kinder Sprachauffälligkeiten
im Rahmen der Schulein-
gangsuntersuchung auf.
…weisen hier die meisten
Kinder Sprachauffälligkeiten
im Rahmen der Schulein-
gangsuntersuchung auf.
Elterliche Förderung und Unter-
stützung
…werden hier die meisten
Kinder in Sport, Schwimmen
oder Musik gefördert.
…werden hier die wenigsten
Kinder in Sport, Schwimmen
oder Musik gefördert.
Tabelle 2: Legende Bildungsindex
18
Startbedingungen der Kinder vor Beginn der Schullaufbahn
Grund -
schule
(G01-G45)
Anteil der erreichten Punkte an der möglichen Gesamt-
punktezahl im untersuchten Bereich
Anteil der
erreichten
Punkte
an der
möglichen
Gesamt-
punktezahl
Wirtschaftliche
Lage
institutionelle
Förderung
Sprache elterliche
Förderung
Schulen mit sehr belasteten Startbedingungen vor der Einschulung
(Kategorie E)
G01 57,1 20,0 34,3 80,0 47,9
G02 34,7 16,7 36,1 59,7 36,8
G03 50,0 2,0 28,0 64,0 36,0
Schulen mit belasteten Startbedingungen vor der Einschulung
(Kategorie D)
G04 21,3 12,8 34,0 51,1 29,8
G05 30,5 15,3 22,0 44,1 28,0
G06 45,8 8,5 13,6 40,7 27,1
Schulen mit zufriedenstellenden Startbedingungen vor der Einschulung
(Kategorie C)
G07 25,4 8,5 27,1 37,3 24,6
G08 28,6 11,9 26,2 31,0 24,4
G09 12,9 22,6 29,0 32,3 24,2
G10 23,1 15,4 23,1 30,8 23,1
G11 16,4 16,4 12,7 25,5 17,7
G12 19,6 5,4 17,9 26,8 17,4
G13 28,6 1,6 6,3 30,2 16,7
G14 9,9 6,2 23,5 24,7 16,0
G15 19,7 3,9 10,5 28,9 15,8
G16 19,6 10,7 10,7 21,4 15,6
Schulen mit guten Startbedingungen vor der Einschulung
(Kategorie B)
G17 20,6 1,6 9,5 27,0 14,7
G18 9,5 12,7 6,3 30,2 14,7
G19 14,6 5,2 14,6 21,9 14,1
G20 16,3 7,0 14,0 18,6 14,0
G21 17,0 5,7 7,5 24,5 13,7
G22 19,8 5,0 5,0 18,8 12,1
G23 10,1 8,1 8,1 20,2 11,6
G24 20,9 0,0 6,0 19,4 11,6
G25 12,0 5,4 7,6 20,7 11,4
G26 14,5 5,5 5,5 20,0 11,4
G27 19,6 3,9 3,9 17,6 11,3
G28 10,3 3,4 3,4 27,6 11,2
G29 7,4 7,4 7,4 22,2 11,1
G30 8,8 2,9 8,8 23,5 11,0
G31 8,2 5,1 9,2 20,4 10,7
G32 7,6 6,5 12,0 16,3 10,6
19
G33 6,7 2,2 8,9 22,2 10,0
G34 6,8 2,3 4,5 25,0 9,7
G35 0,0 14,8 7,4 14,8 9,3
G36 8,0 4,0 6,0 18,0 9,0
G37 4,9 7,3 4,9 17,1 8,5
G38 7,7 5,1 2,6 15,4 7,7
G39 2,9 5,7 2,9 17,1 7,1
G40 9,4 3,1 3,1 10,9 6,6
G41 7,3 3,6 1,8 10,9 5,9
G42 3,7 5,6 1,9 11,1 5,6
G43 5,0 0,0 0,0 15,0 5,0
Schulen mit sehr guten Startbedingungen vor der Einschulung
(Kategorie A)
G44 0,0 3,4 3,4 10,3 4,3
G45 1,8 1,8 3,6 3,6 2,7
Kategorie
Kategoriegrenzen
Kategorie A:
bis unter
5 5 5 5 5
Kategorie B:
bis unter
15 15 15 15 15
Kategorie C:
bis unter
25 25 25 25 25
Kategorie D:
bis unter
35 35 35 35 35
Kategorie E:
größer/gleich
35 35 35 35 35
Tabelle 3: Bildungsindex der Grundschulen in Münster
Der Bildungsindex liefert datenbasiert Erkenntnisse über Chancen und Risiken von Kindern in der-
Bildungslandschaft. Er unterstützt und flankiert da mit auch die bereits für Münster umgesetzte
Neuausrichtung Schulsozialarbeit, die indikatorgest ützt Ressourcen bereitstellt.
7 Der Bildungsindi-
kator zeigt stadtweit auf, welche Grundschulen vor besondere Herausforderungen gestellt sind,
wenn sie Bildungschancen und Bildungsteilhabe ermöglichen wollen.
4.1. Kernaussagen zum Bildungsindex
Durch den Bildungsindex werden die Startbedingungen der Schülerschaft mit ihren unterschiedli-
chen Startbedingungen vor der Einschulung für den B ildungserwerb an Grundschulen aufgezeigt.
Der Bildungsindex bietet einen Rahmen, um mit Fachk räften aus Jugendhilfe und Schule die Er-
gebnisse zu analysieren, zu interpretieren eine Fachexpertise zu liefern.
Es ist deutlich zu erkennen, dass die weit überwieg ende Zahl der Schulen mit sehr guten, guten
bzw. zufriedenstellenden Ressourcen ihrer Schülersc haft starten kann. Dies sind mit 39 von 45
Grundschulen 86,6 %. Die restlichen sechs Grundschu len verteilen sich auf drei in der Kategorie
belastet (6,7 %) und drei Grundschulen mit sehr bel asteten Startbedingungen vor der Einschulung
(6,7 %).
7 Beschlussvorlage V/0741/2016 Integrierte Jugendhilfe- und Schulentwicklungsplanung -
Teilprojekt Neuausrichtung Schulsozialarbeit zum Schuljahr 2017/2018
20
Die Verteilung zeigt das für Münster insgesamt zu e rwartende sehr gute Ergebnis. Allerdings
macht der Bildungsindex auch deutlich, dass einige wenige Grundschulen mit sehr belasteten
Startbedingungen vor der Einschulung konfrontiert sind und dabei vom Mittelfeld abweichen. Diese
wenigen Schulen sind bereits im Fokus der integrier ten Jugendhilfe- und Schulentwicklungspla-
nung. Für die Bildungslaufbahn der Schülerschaft an diesen Schulen sind weitere besondere
Maßnahmen zu ergreifen. Der Bildungsindex liefert w eitere differenzierte Ansatzpunkte, um eine
zielgerichtete kita- und schulbezogene Maßnahmeplan ung in enger Kooperation mit diesen
Grundschulen zu entwickeln und umzusetzen.
4.2. Auswertungsmöglichkeiten Teilindizes
Neben dem „Bildungsindex“ als Gesamtergebnis ist eine vertiefte Betrachtung auf Ebene der Tei-
lindizes möglich. Die Teilergebnisse können über di e Gesamtsicht des Bildungsindex hinaus Auf-
schluss über Startbedingungen von Kindern im Überga ng Kindertageseinrichtung – Grundschule
geben.
Nach der deskriptiven Betrachtung der Teilindizes wird im Rahmen einer Korrelationsanalyse deut-
lich, dass sich bei der Ausprägung der Teilindizes hohe bzw. sehr hohe Übereinstimmungen auf-
zeigen. Eine Korrelationsanalyse beschreibt die wec hselseitige Beziehung zwischen zwei oder
mehreren Merkmalen. Diese „Wechselbeziehung“ zeigt sich auch bei der Betrachtung aller Schu-
len. Die Verteilung der Merkmale in den Teilindizes ist nicht zufällig, sondern folgt einem Muster.
Die Schulen, die aufgrund der Startbedingungen beim Bildungsindex mit dem Gesamtergebnis
belastet und sehr belastet abschließen, weisen auch in den Teilindizes tendenziell belastete Werte
auf. Dies lässt sich beispielhaft an der Melanchthon- und Norbertschule nachvollziehen. Ein großer
Anteil der Kinder lebt von Transferleistungen, habe n die Kindertageseinrichtung weniger als zwei
Jahre vor der Einschulung besucht, weisen Sprachauf fälligkeiten im Rahmen der Schuleingangs-
untersuchung auf und werden wenig in Sport, Schwimm en oder Musik gefördert. Ein schlechtes
Gesamtergebnis bedingt belastete Werte in allen Startbedingungen vor der Einschulung.
Punktuell sind jedoch auch Abweichungen zu erkennen , die eine vertiefte Analyse und fachliche
Expertise erfordern. Deutlich wird schon im Rahmen einer punktuellen Erstbetrachtung, dass zwei
Teilindizes mit hoher Wahrscheinlichkeit in Abhängi gkeit zueinander stehen. Es handelt sich um
die Teilindizes „institutionelle Förderung durch Ki ndertageseinrichtungen“ und „Sprachstand im
Rahmen der Schuleingangsuntersuchung“. Dies lässt sich beispielhaft an der Grundschule Kinder-
haus West nachvollziehen. Die zukünftigen Erstkläss ler haben in dem Index „Institutionelle Förde-
rung durch Kita“ einen sehr guten Wert, d. h. dass sehr viele Kinder mindestens zwei Jahre vor
Einschulung die Kindertageseinrichtung besucht habe n. Obwohl die „wirtschaftliche Lage“ sowie
die „elterliche Förderung“ sehr belastete Werte ergeben ist die sprachliche Entwicklung nicht sehr
belastet, sondern belastet und weicht damit von den Vergleichsschulen Melanchthon- und Norbert-
schule ab.
Schon diese Erstbetrachtung lässt den Schluss zu, d ass der Besuch einer Kindertageseinrichtung
zu einem besseren Sprachstand im Rahmen der Schulei ngangsuntersuchung führen kann. Damit
macht der Bildungsindex datenbasiert deutlich, dass eine institutionelle Förderung herkunftsbe-
dingte Benachteiligungen im Hinblick auf den Sprachstand ausgleichen könnte.
4.3. Auswertungsmöglichkeiten Sozialraumbetrachtung – Räumliche Ebenen
Für den Bildungsindex mit den Teilindizes kann neben der gesamtstädtischen Sicht auch eine Aus-
wertung auf Grundlage der kleinräumigen Gebietsglie derung auf Stadtbezirksebene erfolgen.
Dadurch werden Stadtteile und Quartiere im Hinblick auf bildungsbiografische Befunde und Unter-
schiede im „Übergang Kindertageseinrichtung – Grundschule“ identifiziert.
Es ist festzustellen, dass eine Verteilung der Schu len mit sehr guten, guten und zufriedenstellen-
den Startbedingungen vor der Einschulung fast über das gesamte Stadtgebiet zu erkennen ist.
Hiervon weicht der Stadtbezirk Münster-Nord ab. Lau t Auswertung des Bildungsindexes auf
21
Grundschulebene wurden drei Schulen mit sehr belast eten Startbedingungen vor der Einschulung
ermittelt. Diese Schulen befinden sich im Stadtbezi rk Münster-Nord. Zwei Grundschulen liegen im
Stadtteil Coerde und eine im Stadtteil Kinderhaus-W est. Damit stützt der Bildungsindex die bisher
wahrgenommenen Problemlagen der Schulen vor Ort und untermauert die Notwendigkeit, dem
eingeschlagenen Weg für Schulen mit besonderen Hera usforderungen auch weiterhin mit indivi-
duellen Maßnahmen zu begegnen.
Stadtteil Anteil der erreichten Punkte an der möglichen
Gesamtpunktezahl im untersuchten Bereich
Anteil der
erreichten Punkte
an der möglichen
Gesamtpunkte-
zahl
Wirtschaftliche
Lage
institutionelle
Förderung
Sprache elterliche
Förderung
Münster -Mitte
(Altstadt, Innenstadt-
ring, Münster-Süd,
Münster-Nordost)
11 Aegidii 2,9 5,7 2,9 17,1 7,1
15 Martini 19,6 3,9 3,9 17,6 11,3
22 Josef 14,5 5,5 5,5 20,0 11,4
24 Hansaplatz 12,9 22,6 29,0 32,3 24,2
25 Mauritz-West 7,3 3,6 1,8 10,9 5,9
27 Kreuz 1,2 6,1 4,9 7,3 4,9
31 Aaseestadt 6,8 2,3 4,5 25,0 9,7
32 Geist 28,6 11,9 26,2 31,0 24,4
33 Schützenhof 8,8 2,9 8,8 23,5 11,0
34 Düesberg 19,6 5,4 17,9 26,8 17,4
45 Mauritz-Mitte 12,4 10,5 9,5 21,9 13,6
46 Rumphorst 19,7 3,9 10,5 28,9 15,8
47 Uppenberg 20,9 0,0 6,0 19,4 11,6
Münster-West
51 Gievenbeck 15,7 6,4 20,8 26,7 17,4
52 Sentrup 7,7 5,1 2,6 15,4 7,7
54 Mecklenbeck 16,3 7,0 14,0 18,6 14,0
56 Albachten 7,6 6,5 12,0 16,3 10,6
57 Roxel 4,9 7,3 4,9 17,1 8,5
58 Nienberge 6,7 2,2 8,9 22,2 10,0
Münster-Nord
61 Coerde 42,1 17,8 35,5 66,4 40,4
62 Kinderhaus-Ost 28,6 1,6 6,3 30,2 16,7
63 Kinderhaus-West 47,7 5,5 20,2 51,4 31,2
68 Sprakel 10,3 3,4 3,4 27,6 11,2
Münster-Ost
71 Mauritz-Ost 12,9 8,2 8,2 17,6 11,8
76 Gelmer-Dyckburg 7,4 7,4 7,4 22,2 11,1
77 Handorf 6,8 9,4 4,3 21,4 10,5
82 Gremmendorf-Ost 12,0 5,4 7,6 20,7 11,4
86 Angelmodde 24,1 10,7 15,2 34,8 21,2
87 Wolbeck 10,1 8,1 8,1 20,2 11,6
Münster-Hiltrup
22
91 Berg Fidel 21,3 12,8 34,0 51,1 29,8
95 Hiltrup-Ost 8,2 5,1 9,2 20,4 10,7
96 Hiltrup-Mitte 21,1 3,9 11,8 27,6 16,1
97 Hiltrup-West 19,8 5,0 5,0 18,8 12,1
98 Amelsbüren 8,3 2,4 2,4 11,9 6,3
Kategorie Kategoriegrenzen
Kategorie A: bis unter
(Stadteile mit sehr gu-
ten Startbedingungen
vor der Einschulung)
5 5 5 5 5
Kategorie B: bis unter
(Stadteile mit guten
Startbedingungen vor
der Einschulung)
15 15 15 15 15
Kategorie C: bis unter
(Stadtteile mit zufrie-
denstellenden Startbe-
dingungen vor der Ein-
schulung)
25 25 25 25 25
Kategorie D: bis unter
(Stadtteile mit belaste-
ten Startbedingungen
vor der Einschulung)
35 35 35 35 35
Kategorie E: grö-
ßer/gleich
(Stadtteile mit sehr be-
lasteten Startbedingun-
gen vor der Einschu-
lung)
35 35 35 35 35
Tabelle 4: Bildungsindex, sozialräumliche Auswertung
4.4. Qualitätsentwicklungsprozess auf der Verfahrensebene
Die Ergebnisse des Bildungsindexes werden fachlich diskutiert, analysiert und interpretiert. Dies
bezieht sich sowohl auf die Verfahrensebene als auc h auf die Ebene der Maßnahmenplanung.
Dazu wird ein differenziertes, quartiers- und schul bezogenes Maßnahmenprogramm zur Weiter-
entwicklung der Kooperation zwischen Kindertageseinrichtungen und Grundschulen aufgelegt.
Die Entwicklung des Maßnahmenprogramms erfolgt in e nger Kooperation zwischen dem Amt für
Kinder, Jugendliche und Familien, dem Amt für Schul e und Weiterbildung und unter Einbeziehung
des Schulamtes für die Stadt Münster.
Gemeinsam mit den Akteuren vor Ort - Kindertagesein richtungen, Grundschulen sowie freie Trä-
ger der Jugendhilfe wird partizipativ auf der Grundlage der Handlungsempfehlungen für die jeweili-
gen Stadtteile/Quartiere ein individuell zugeschnittenes Maßnahmenprogramm aufgebaut.
23
Dazu werden in den entsprechenden Stadtteilen Betei ligungsverfahren durchgeführt. Diese Betei-
ligungsverfahren richten sich an Fachkräfte und Elt ern. Auch für die Kinder ist vorgesehen, sie
entsprechend ihres Entwicklungstandes bei der Ausge staltung der Maßnahmen zum Übergang
von der Kindertageseirichtung in die Grundschule zu beteiligen und kindgemäße Formen der Parti-
zipation umzusetzen.
Unter Berücksichtigung des entwickelten Bildungsind exes erfolgt der weitere strategische Bil-
dungsplanungsprozess in folgenden Schritten:
• Analyse und Erstellung der Fachexpertise
• Festlegung operativer Ziel- und Handlungsfelder
• Entwicklung Maßnahmenprogramm / Bildungsplan
• Umsetzung
• fortlaufendes Controlling
Die Entwicklung des Bildungsindexes für den Übergan g Kindertageseinrichtung - Grundschule
stellt ein Arbeitsergebnis der integrierten Jugendhilfe- und Schulentwicklungsplanung dar.
Die Realisierung erfolgte in enger Zusammenarbeit m it dem Gesundheits- und Veterinäramt im
Rahmen der Schuleingangsuntersuchung sowie dem Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung und
Verkehrsplanung als abgeschottete Statistikstelle.
Mit dem Bildungsindex Kindertageseinrichtung – Grun dschule können Entwicklungsperspektiven
von Jugendhilfe und Schule in der Schnittstelle zum Übergang Kindertageseinrichtung – Grund-
schule optimiert werden. Eine vernetze Planung und ergebnisorientierte Zusammenarbeit wird un-
terstützt.
Beratungsverlauf (4)
Beschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungOrte (3)
- Hansaplatz 12
- Kinderhaus
- Düesberg 19
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Aktenzeichen
- V/0529/2019
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 21.05.2019
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37