V/0038/2021
Sachstandsbericht sowie Vorgehen Kommunikation an neu einzurichtenden Fahrradstraßen
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Anlage 3_Impressionen der Fahrradstraßen 2.0 in Münster
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Fahrradstraßen 2.0 Fahrradstraßen mit Qualität in Münster Bismarckallee Goldstraße Annette-Allee Dieckstraße Dingstiege Hittorfstraße BismarckalleeAnnette-Allee Lütckenbecker Weg / LindberghwegKirschgarten Fotos: Stadt Münster
Berichtsvorlage
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V/0038/2021 V/0038/2021 Öffentliche Berichtsvorlage Betrifft Fahrradstraßen 2.0 Sachstandsbericht sowie Leitlinien bei der Kommunikation Beratungsfolge 25.02.2021 Ausschuss für Verkehr und Mobilität Bericht 22.04.2021 Bezirksvertretung Münster-Hiltrup Bericht 22.04.2021 Bezirksvertretung Münster-Ost Bericht 22.04.2021 Bezirksvertretung Münster-West Bericht 27.04.2021 Bezirksvertretung Münster-Nord Bericht 27.04.2021 Bezirksvertretung Münster-Südost Bericht 04.05.2021 Bezirksvertretung Münster-Mitte Bericht Bericht: Ausgangslage Münster ist ohne Frage eine Fahrradstadt: 40 % der Wege erledige n die Münsteranerinnen und Münsteraner täglich mit dem Fahrrad. Erklärtes Ziel der Stadt Münster ist es, den Radverkehrsanteil mittelfristig auf 50 % zu steigern. Hierfür ist es nötig, die heutige Infrastruktur den aktuellen und zu- künftigen Herausforderungen und Ansprüchen anzupassen. Zu nennen sind beispielweise die dyna- mische Bevölkerungsentwicklung, gestiegene Nutzungsansprüche, Klima - und Umweltschutz sowie die technische Weiterentwicklung des Fahrrads als Verkehrsmittel (E -Bikes, Lastenräder). Ein wichti- ger infrastruktureller Baustein sind die Fahrradstraßen. Fahrradstraßen gibt es in Münster schon seit drei Jahrzehnten: 1990 wurde im Rahmen des Modell- vorhabens "Fahrradfreundliche Städte und Gemeinden in Nordrhein -Westfalen" die Schillerstraße als erste Fahrradstraße in Münster ausgewiesen. Fahrradstraßen sind Anliegerstraßen, bei denen der Radverkehr Vorrang vor jeder anderen Verkehrsart hat. Laut Straßenverkehrsordnung ist der Kfz - Verkehr in Fahrradstraßen nur ausnahmsweise zulässig. In Münster sind a ber nahezu alle Fahr- radstraßen über ein Zusatzschild für den Kfz -Verkehr freigegeben, die Radfahrenden teilen sich die Fahrradstraße mit Pkw und Lkw. Amt für Mobilität und Tiefbau 11.01.2021 Ihr/e Ansprechpartner/in: Frau Thomalla Telefon: 492-7212 Thomalla@stadt- muenster.de - 2 - V/0038/2021 Um das ehrgeizige Ziel, den Radverkehrsanteil weiter zu erhöhen und den Mobilitätswandel aktiv zu gestalten zu erreichen, hat der Rat der Stadt Münster Mitte 2019 Qualitätsstandards für Fahrradstra- ßen beschlossen. Denn Fahrradstraßen hatten oft keine qualifizierte Ausgestaltung, die neuen Stan- dards schaffen diese klar erkennbar. Fahrradstraßen haben Vorrang gegenüber einmündenden Nebenstraßen. Die Bevorrechti- gung ermöglicht durchgängig flüssiges Radfahren, sodass Radfahrende schnell an ihr Ziel kommen. Eine Fahrgasse von 4 -5 m Breite plus 0,5 -0,75 m Sicherheitstrennstreifen zu parkenden Kfz. Parkraum wird deutlich reduziert oder entfällt. Komfort und Sicherheit der Radfahrenden profi- tieren – das Risiko von Unfällen durch Dooring oder ein - und ausparkende Kfz wird signifikant gesenkt. Gleichzeitig ergibt sich ein Mehr an Lebens - und Aufenthaltsqualität für die Anwoh- nerschaft. Tlw. Einschränkung des Kfz -Verkehrs: Freigabe für Anliegerverkehr oder Sackgassen sowie Einbahnstraßenregelungen. Flächige Roteinfärbung der Fahrgasse (exkl. Sicherheitstrennstreifen und Parkstände): Sie signalisiert den Vorrang des Radverkehrs und erhöht die Aufmerksamkeit. Fahrradstraße Bismarckallee in Münster (Foto: Patrick Schulte) In 2020 konnten 8 Fahrradstraßen mit den neuen Qualitätsstandards auf einer Länge von 5,5 km und einer Fläche von knapp 22.000 m² realisiert werden. In diesen Bereichen gehört es der Vergangen- heit an, dass keine qualifizierte Ausgestaltung und keine ausreichenden Fahrbahnbreiten vorliegen. Hierdurch werden Gefahrensituationen minimiert sowie die Aufenthaltsqualität des Straßenraumes enorm gesteigert. - 3 - V/0038/2021 Mit der Umsetzung erhalten die Münsteraner Fahrradstraßen einen spürbaren Gewinn an Sicherheit, Komfort, Reisezeit und Aufenthaltsqualität. Der Radverkehr als nachhaltige Mobilitätsform wird so noch weiter gestärkt und ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz geleistet. Fahrradstraßen Bismarckallee und Goldstraße in Münster (Foto: Patrick Schulte) Aktuelle Umsetzung Fahrradstraße Länge [m] Fläche [m²] Verfahren Fertigstellung Parken im öffentlichen Raum Annette-Allee 600 2.400 Epoxidharz- beschichtung Juli 2020 wie bislang Bismarckallee 750 3.000 Epoxidharz- beschichtung u. Asphalt Juni 2020 einseitig möglich Dieckstraße 200 800 Epoxidharz- Beschichtung Juni 2020 einseitig möglich Dingstiege 850 3.400 Heißasphalt September 2020 wie bislang Goldstraße 620 2.480 Kaltplastik- beschichtung Juni 2020 einseitig möglich Hittorfstraße 530 2.120 Kaltplastik- beschichtung Umbau ausgesetzt Parkverbote ausgesetzt Kirschgarten 850 3.400 Heißasphalt September 2020 bislang kaum genutzt Lindberghweg 800 3.200 Heißasphalt August 2020 bislang kaum genutzt Lütkenbeckerweg 800 3.200 Heißasphalt August 2020 bislang kaum genutzt Max-Winkelmann- Str. 700 2.800 Epoxidharz- beschichtung Umbau ausgesetzt Parkverbote ausgesetzt Veränderungen der Nutzung Ein erklärtes Ziel der Einrichtung sicher, schnell und komfortabel zu befahrender Fahrradstraßen ist die Erhöhung des Radverkehrsanteils. Zudem profitieren insbesondere Kinder, Jugendliche und Fa- milien aufgrund ihres Nutz ungsverhaltens von autoarmen und damit „geschützten“ Straßenräumen. Eine Erhebung von Nutzendenzahlen ist aufgrund der Anfang 2020 aufgetretenen Covid -19- Pandemie nicht möglich gewesen, da sich das Mobilitätsverhalten infolgedessen dieser Situation an- gepasst hat. - 4 - V/0038/2021 Beobachtungen zeigen, dass sich durch die Umgestaltung von Fahrradstraßen mit den neuen Quali- tätsstandards Radfahrende selbstbewusster im Straßenraum fortbewegen. Durch die Fahrgassen- breite, die Bevorrechtigung an einmündenden Straßen sowie das ve rringerte Kfz-Aufkommen ist der Gewinn v. a. für Menschen hoch, die unsicher im Radfahren sind und / oder dies erst erlernen. Zu- dem wird auch den Zufußgehenden mehr Platz eingeräumt (s. Anlage 2 – Bismarckallee vor und nach der Umgestaltung). Insgesamt ist die Aufenthaltsqualität in den Fahrradstraßen 2.0 für Zufußge- hende und Radfahrende gestiegen. Erste Erkenntnisse zu Verfahren der Roteinfärbung Es kommen unterschiedliche Bauverfahren zum Einsatz, abhängig von den örtlichen Gegebenheiten und dem Straßenzustand: Kaltplastikbeschichtung Herstellungskosten ca. 17 €/m², Nutzungsdauer etwa 5 bis 10 Jahre Schichtstärke: 2-3 Millimeter verhältnismäßig hoher Rollwiderstand, der auf die angewandte Auftragstechnik zurückzufüh- ren ist zu Beginn geruchsbildend (keine Gesundheitsgefährdung), dieser Zustand vergeht jedoch. Bei hoher Sonneneinstrahlung kann sich dieser Prozess verlängern Epoxidharzbeschichtung Herstellungskosten ca. 37 €/m², Nutzungsdauer etwa 10 bis 15 Jahre Schichtstärke: 2-3 Millimeter komfortabel, geringer Rollwiderstand zu Beginn geruchsbildend (keine Gesundheitsgefährdung), dieser Zustand vergeht jedoch Heißasphalt Herstellungskosten ca. 46 €/m², Nutzungsdauer etwa 20 bis 30 Jahre Schichtstärke bis 4 Zentimeter komfortabel, sehr geringer Rollwiderstand zu Beginn geruchsbildend (keine Gesundheitsgefährdung), dieser Zustand vergeht jedoch Die Intensität des Rottons unterscheidet sich je nach Verfahren. Die Kaltplastik weist nach Auftrag die höchste Farbintensität auf. Hier wird davon ausgegangen, dass die Farbe im Verlauf der Zeit ver- blasst (ähnlich wie bei markierten Radfahrstreifen). Dies ist nach mehreren Monaten zu bewerten. Epoxidharzbeschichtung und Heißasphalt weisen einen etwas blasseren Rotton auf, da hierbei größ- tenteils das zugefügte Ges teinsmaterial für die Farbgebung verantwortlich ist. Sie werden dem Ziel der besseren Wahrnehmbarkeit dennoch gerecht. Das kurze rot asphaltierte Stück der Bismarckallee (Höhe Erich -Klausener-Schule) wird bereits jetzt als zu dunkel erachtet. Hier wurde im Gegensatz zum Lindberghweg zwar mit rotem Gestein, allerdings mit herkömmlichem, schwarzem Bindemittel gearbeitet. Zurzeit wird durch das Amt für Mobilität und Tiefbau eine Evaluation der Verfahren vorgenommen. Hierbei werden Oberflächeneigenschaften, wi e z. B. Griffigkeit, weitergehend untersucht. Dafür sind längerfristige Untersuchungen notwendig, sodass diese Ergebnisse noch nicht vorliegen. Münster nimmt eine Vorreiter -Rolle bei der flächigen Roteinfärbung ganzer Straßenzüge ein. Nach der Pilotprojekt-Umsetzung in Münster kommen die beschriebenen Bauverfahren nun auch bundes- weit vermehrt zum Einsatz. Es ist zu erwarten, dass mit weiterer Umsetzung der Wissensschatz zu- nimmt. Durch das Know -how aus Münster und anderen Kommunen sowie übergeordneter Insti tutio- nen (wie z. B. der Bundesanstalt für Straßenwesen BAST) können dann weitere fundierte Aussagen zu den Eigenschaften der verwendeten Baustoffe getroffen werden. Alle Verfahren zeichnen sich durch den Einsatz von speziell für den Straßenbau zugelassener Baustoffe aus. - 5 - V/0038/2021 Kommunikation Die Umverteilung von Straßenraum, insbesondere der durch die Umgestaltung verbundene Wegfall von Pkw-Abstellmöglichkeiten hat in der Bürgerschaft für kontroverse Diskussionen gesorgt. Auch die z. T. erst kurz vor dem Umbau erfolgte Kommunikation mit der Anwohnerschaft ist bemängelt worden. Dies führte an mehreren Stellen zu Unverständnis und berechtigter Kritik, die die fachlich fundierten und wissenschaftlich begründeten Vorteile (u. a. der Gewinn an Sicherheit und Bewegung sraum für Kinder, Jugendliche und Familien sowie der gestiegene Fahrkomfort für Menschen, die mit Lastenrä- dern, Kinderanhängern usw. unterwegs sind) der Maßnahmen in den Hintergrund rückten. Im Jahr 2020 sind bereits öffentlichkeitswirksame Kampagnen durchgeführt worden: Um Aufmerksamkeit zu erzeugen und den Vorrang für Radfahrende zu verdeutlichen, sind nach der Umgestaltung der Straßen großformatige Plakate aufgestellt worden. Hier wird die Botschaft „Hier sind Autos zu Gast“ thematisiert: Motiv der Banner (Quelle: Stadt Münster) Zusätzlich dazu sensibilisieren Plakate am Lütkenbecker Weg / Lindberghweg die Nutzenden auf die Geschwindigkeitsbegrenzung. Auf einer Fahrradstraße müssen sich Autofahrende hinsichtlich der Geschwindigkeit den Radfahrenden anpassen und es ist maximal Tempo 30 erlaubt. Auch bei dieser Kampagne ist bewusst eine lockere und auf Verständnis setzende Ansprache gewählt worden. Eingangssituation Lindberghweg / Heumannsweg (Foto: Stadt Münster) - 6 - V/0038/2021 Das Verkehrsverhalten wird in Zus ammenarbeit mit Polizei und Ordnungsamt weiter intensiv beo- bachtet. Bei allen Maßnahmen werden die Rückmeldungen der Bürgerschaft von der Verwaltung sehr ernst genommen. Leitlinien der Kommunikation an neu einzurichtenden Fahrradstraßen Die in 2020 gema chten Erfahrungen bei der Umsetzung von Fahrradstraßen mit den neuen Quali- tätsstandards zeigen, dass die Planungen sowie die zugrundeliegenden übergeordneten Ziele künftig deutlich frühzeitiger und bürgerfreundlicher kommuniziert werden müssen. Daher hat die Stadtverwal- tung Leitlinien für ein Kommunikationskonzept aufgestellt. Denn: Ein auf Qualität, Transparenz, Inter- aktion und Sachinformation setzendes Beteiligungskonzept kann langfristige Erfolge bzgl. Akzeptanz bringen. Nutzen des Fahrradstraßenkonzepts und der Qualitätsstandards vermitteln Münster ist Fahrradstadt und besitzt eine entsprechende Haltung zum Thema Mobilität. Ziel und Zweck der Einrichtung von Fahrradstraßen sowie Nutzen der Qualitätsstandards („Fahrradstraßen 2.0“) werden der Öffentlichkeit verständlich vermittelt. Dabei ist jede Fahrradstraße in Münster einge- bunden in den Gesamtprozess, findet jedoch mit auf die jeweilige örtliche Situation bzw. Planung an- gepassten teil-individuellen (Beteiligungs-)Elementen Berücksichtigung. Frühzeitige und transparente Kommunikation und Partizipation Sobald Vorplanungen vorliegen, kann bereits die Bürgerbeteiligung beginnen. Hier wird transparent der Planungsstand vorgestellt (politische Beschlussfassung, weiteres Vorgehen, etc.). Auch alle bis- herigen politischen Entscheidungen werden transparent kommuniziert. Die Bürgerinnen und Bürger erhalten somit eine Rückmeldung zu dem Arbeitsprozess . Die Informationen werden crossmedial, d. h. online und offline, zur Verfügung gestellt. Die Bürgerschaft erhält un terschiedliche Möglichkeiten, am Planungsprozess mitzuwirken: Neben (Präsenz -)Veranstaltungen, Vor-Ort-Begehungen und dem persönlichen Austausch haben die Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, Hinweise telefonisch und per Mail abzugeben. Zudem werden während der Bauphase regelmäßig Neuigkeiten über den Bau- fortschritt und mögliche baubedingte Einschränkungen an die Öffentlichkeit gegeben . Die Präsenz- formate werden selbstverständlich Corona-konform organisiert und die entsprechenden Hygiene- und Schutzvorschriften eingehalten. Gestaltungsspielräume im Rahmen der Bürgerbeteiligung Bei zukünftigen Planungen geht es insbesondere um die frühzeitige Einbindung und Beteiligung der Bürgerschaft. In einem ersten Schritt sollen die fachlich fundierten und wissenscha ftlich begründeten Standards für Fahrradstraßen der Öffentlichkeit erläutert werden. Hierbei soll deutlich werden, warum diese Standards sinnvoll sind. In einem zweiten Schritt wird die konkrete Anwendung dieser Stan- dards im Einzelfall – d.h. für die jeweilige Fahrradstraße – dargestellt und mit den betroffenen Bürge- rinnen und Bürger besprochen. Die individuellen Konsequenzen werden diskutiert und ggf. Einwände erfasst. Die gewonnenen Erkenntnisse werden abgewogen und ggf. mit in die Planung aufgenom- men. Diese wird dann der Politik zu Entscheidung vorgelegt . Auch bei der Einrichtung und Nutzung von alternativen Mobilitätsangeboten im öffentlichen Raum ((E) -Car-Sharing, Bike -Sharing, Lasten- radstellplätze, Fahrradabstellanlagen, etc.) wird die Öffentlichkeit eingebunden Beratungsangebote für Grundstückseigentümer In Zusammenarbeit mit den verantwortlichen Abteilungen der Stadt Münster wird ein Beratungsange- bot für die Grundstückseigentümer und -eigentümerinnen eingerichtet, soweit bauordnungs- und pla- nungsrechtlich möglich (u. a. zum Thema Einrichtung von PKW -Stellplatzflächen auf den eigenen Grundstücken). Dadurch kann den durch Flächenumverteilungen Beteiligten eine adäquate Hilfestel- lung gegeben werden. Die Verwaltung setzt die hier gesetzten Leitlinien bereits in bestehenden Prozessen um ( siehe V/0041/2021). - 7 - V/0038/2021 Finanzielle Auswirkungen Die neuen Leitlinien bei der Kommunikation von neu einzurichtenden Fahrradstraßen haben zum jetzigen Zeitpunkt keine unmittelbaren finanziellen Auswirkungen. Die Kosten werden über die je- weiligen Baumaßnahmen gedeckt. In Vertretung Robin Denstorff Stadtbaurat Anlagen: Anlage A Anlage 1 – Informationen zu Fahrradstraßen mit Qualität Anlage 2 – Die Bismarckallee vor und nach dem Umbau Anlage 3 – Impressionen der Fahrradstraßen 2.0 in Münster
Anlage 1_Informationen zu Fahrradstraßen mit Qualität
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Stand: Januar 2021
Informationen zu Fahrradstraßen mit Qualität
Abbildung 1: Fahrradstraße Bismarckallee nach der Umgestaltung (Foto: Patrick Schulte)
Gliederung
1. Münsters Fahrradstraßen im Wandel
2. Die Standards
3. Die Vorteile auf einen Blick
4. Hintergrund der Maßnahmen: Strategische Radverkehrsförderung
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1. Münsters Fahrradstraßen im Wandel
Fahrradstraßen gibt es in Münster
schon seit drei Jahrzehnten: 1990
wurde im Rahmen des Modellvorha-
bens Fahrradfreundliche Städte und
Gemeinden in Nordrhein -Westfalen
die Schillerstraße als erste Fahr-
radstraße in Münster ausgewiesen. In
Fahrradstraßen hat der Radverkehr
Vorrang vor jeder a nderen Verkehrs-
art. Laut Straßenverkehrsordnung ist
der Kfz -Verkehr in Fahrradstraßen
nur ausnahmsweise zulässig.
In Münster sind aber nahezu alle
Fahrradstraßen über ein Zusatzschild
für den Kfz-Verkehr freigegeben. D ie
Radfahrenden teilen sich die Fahr-
radstraße mit Pkw und Lkw.
Grundsätzlich ist die Ausweisung von
Fahrradstraßen ein geeignetes In-
strument zur Radverkehrsförderung.
Fahrradstraßen bündeln bei wah r-
nehmbarem Design und konsequen-
ter Netzplanung die Radverkehrs-
ströme. Sie erhöhen die objektive sowie subjektive Sicherheit und sind eine attraktive Alternative ab-
seits der Radverkehrsanlagen an Hauptverkehrsstraßen.
Bundesweit – und so auch in der Fahrradstadt Münster – hatten Fahrradstraßen bislang aber oft kei-
ne qualifizierte Ausgestal tung. Viele von Münsters Fahrradstraßen waren nicht von anderen Er-
schließungsstraßen zu unterscheiden. Darüber hinaus fehlte häufig eine ausreichend breite Fahr-
bahn, um Begegnungsverkehr zu ermöglichen.
Im bisherigen Zustand bieten die Fahrradstraßen in Münster den Radfahrenden wenig Komfort. Das
soll sich ändern, auch durch eine Umverteilung der öffentlichen Verkehrsfläche zu Lasten des ruhen-
den Kfz-Verkehrs.
Deshalb wurden neue Qualitätsstandards für Münsters Fahrradstraßen erarbeitet, die seit Juli 2019
gelten.
vorher
nachher
Abbildung 2: Fahrradstraße Bismarckallee (Fotos: Stadt Münster)
3
2. Die Standards
1. komfortable und sichere Breiten
2. rot eingefärbte Fahrgasse
3. eingeschränkter Kfz-Durchgangsverkehr und reduziertes Kfz-Parken
4. Bevorrechtigung gegenüber einmündenden Nebenstraßen
Abbildung 3: Fahrradstraße Dieckstraße (Foto Stadt Münster)
Die Münsteraner Qualitätsstandards für Fahrradstraßen beruhen auf aktuellen wissenschaftlichen
Erkenntnissen und Regelwerken1 und werden durch folgende Faktoren definiert/geprägt:
Die geforderte Breite der Fahrgasse von 4 - 5 m ist Grundlage dafür , dass die Fahrradstraße
ihre Funktion für Radfahrende erfüllen kann:
Komfort (Nebeneinander fahren, Fahren ohne Hindernisse) und Verkehrssicherheit
Die Parkmöglichkeiten im öffentlichen Straßenraum werden eingeschränkt, wenn dies für die
genannte Fahrgassenbreite (zzgl. Sicherheitsabstand) nötig ist.
1 deutsche RASt 06, niederländische CROW, Gesamtverband deutscher Versicherer, Graf, T. (2018): Einrich-
tung von Fahrradstraßen (Hrsg. Institut für innovative Städte)
4 bis 5 m
Fahrgasse
0,5 bis 0,75 m
Sicherheitsabstand
4
Die Unfallgefahr, bspw. sogenannter Dooring -Unfälle, wird durch die breite Fahrgasse in Ver-
bindung mit einem ausreichenden Sicherheitstrennstreifen (0,5 - 0,75 m) deutlich gesenkt
Die Unfallgefahr durch ein - und ausparkende Kfz wird gesenkt, wenn das Parken in einer
Fahrradstraße reduziert wird. Zeitgleich kann durch den Raumgewinn das Fahrradparken oder
der Fußverkehr begünstigt werden.
Rote Farbe wird mit Radfahren assoziiert: Die Roteinfärbung verdeutlicht somit den Vorrang
des Radverkehrs, erhöht die Aufmerksamkeit und die Straße ist eindeutig als Radverkehrsinf-
rastruktur wahrnehmbar.
Bevorrechtigung ermöglicht durchgängiges flüssiges Fahren
Insgesamt macht es Spaß auf den neuen Fahrradstraßen Rad zu fahren.
3. Die Vorteile auf einen Blick
Die neuen Fahrradstraßen in Münster …
1. … verdeutlichen den Vorrang für Radfahrende
2. … ermöglichen kommunikatives Nebeneinanderfahren
3. … vereinfachen Begegnungs- und Überholverkehre
4. … erhöhen die Verkehrssicherheit und das individuelle Sicherheitsgefühl
5. … bieten Radfahrenden mehr Komfort und Platz
6. … zeigen Wertschätzung gegenüber Radfahrenden
7. … laden zum Radfahren ein!
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Exkurs: Sicherheit in Fahrradstraßen
Grundsätzlich sind Fahrradstraßen verhältnismäßig sicher . Wenn sich Unfälle ereignen, ste-
hen diese jedoch sehr häufig in Verbindung mit Kreuzungsbereichen oder dem parkenden
Verkehr, insb. Dooring. Diese beiden Faktoren gilt es bei der Neugestaltung der Fahrradstra-
ßen zu vermeiden. Aufgrund dessen wird Wert darauf gelegt, Sichtbehinderungen durch par-
kende Kfz in Einmündungsbereichen zu vermeiden und einen ausreichenden Sicherheitsab-
stand zu parkenden Kfz anzulegen. Eine aktuelle Studie der UDV2 hat ermittelt, dass fast jeder
fünfte innerörtliche Unfall unter Fuß - bzw. Radverkehrsbeteiligung mit Personenschaden in
Zusammenhang mit Kfz-Parken steht. Dooring-Unfälle machten in der Stichprobe einen Anteil
von knapp 20 % aus.
Exkurs: Effiziente Nutzung des Stadtraums
Ist für Radfahrende keine Radverkehrsinfrastruktur vorhanden oder wird diese nicht als solche
wahrgenommen – wie die Fahrradstraßen bislang – fühlen sie sich häufig unsicher. Die Anla-
ge einer separaten Infrastruktur für Kfz- und Radverkehr ist jedoch mit einer hohen Flächenin-
anspruchnahme verbunden.
Fahrradstraßen sind ein vergleichsweise platzsparendes Infrastrukturelement , d enn die Ver-
kehrsfläche wird von Kfz und Radfahrenden gemeinsam gen utzt. Es eignet sich damit gerade
im verdichteten urbanen Raum zur flächenhaften Erschließung, indem es eine Wegeführung
durch bewohnte Gebiete ermöglicht.
2 Unfallforschung der Versicherer (UDV) (2020): Unfallrisiko Parken für Fußgänger und Radfahrer
6
4. Hintergrund der Maßnahmen: Strategische Radverkehrsförderung
„Radverkehr zukunftsgerecht entwickeln, um mehr Radverkehr zu generieren.“
Dieses Ziel formuliert das 2016 vom Rat der Stadt Münster beschlossene Radverkehrskonzept Müns-
ter 2025.
Als ein wichtiger Baustein wurde bereits die Planung bzw. die Umsetzung verschiedener Velorouten
beschlossen, die häufig über Fahrradstraßen verlaufen sollen. Zuletzt beschloss der Ausschuss für
Stadtplanung, Stadtentwicklung, Verkehr und Wohnen mit großer Mehrheit die Planung eines hierar-
chischen, zusammenhängenden Fahrradnetzes. Ein besonders wichtiger Tei l dieses Netzes werden
die Fahrradstraßen sein.
Diese strategisch beschlossene Radverkehrsförderung findet in der Umgestaltung der Fahrradstra-
ßen nun eine wichtige konkrete Umsetzung. Denn Radverkehrsförderung bedeutet nicht nur, heutigen
Radfahrenden meh r Komfort und Sicherheit zu bieten, sondern vor allem auch diejenigen für das
Radfahren zu gewinnen, die noch andere Verkehrsmittel (v. a. Pkw) nutzen. Gerade deshalb ist eine
neue Gestaltung der Infrastruktur als Anreiz so wichtig.
Fahrradstraßen haben – richtig gestaltet – ein großes Potenzial, Mobilitätsverhalten zu verändern.
Denn letztlich entscheiden sich Menschen stets für die Möglichkeit, die ihnen subjektiv den höchsten
Nutzen verspricht. Dies trifft auch auf die Verkehrsmittelwahl zu. Die Beweggr ünde dafür, Fahrrad zu
fahren, können durchaus unterschiedlich sein.
Die folgende Grafik stellt die Gründe für das Radfahren in Deutschland und in der Fahrradstadt Ko-
penhagen gegenüber (Daten aus dem Fahrradmonitor und dem Copenhagen Bicycle Account) (vgl.
Abbildung 1).
Abbildung 4: Gründe für das Radfahren in Deutschland und Kopenhagen,
Quelle: Graf, T (2018): Einrichtung von Fahrradstraßen (Die Blaue Reihe – Praxiswissen kompakt)
7
Offensichtlich führen die Nutzervorteile hinsichtlich Zeit, Einfachheit und Komfort in Kopenhagen da-
zu, dass viele Menschen mit dem Fahrrad fahren, während die Kommunikation moralischer Gründe in
Deutschland kaum zum Erfolg führen konnte.
In der Konsequenz bedeutet dies, dass die wichtigen und richtigen Argumente wie Gesundheit, Kos-
tenersparnis, Umwelt- und Klimaschutz um den Bau einer einladenden Infrastruktur zu ergänzen sind.
Als einen Baustein dieser einladenden Infrastruktur setzt die Stadt Münster deshalb seit dem Frühjahr
2020 die Qualitätsstandards in Fahrradstraßen um und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Mobi-
litätswende und zum Mobilitätswandel in Münster.
„Verändern wir die (bebaute) Umwelt, verändern wir auch das (Mobilitäts -)Verhalten“
(Graf 2018).
Anlage 2_Die Bismarckallee vor und nach der Umgestaltung
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VOR der Umgestaltung NACHHER: Fahrradstraße 2.0 Fahrradstraßen 2.0 in Münster hier: Bismarckallee Fotos: Stadt Münster
Anlage A
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Anlage A zur V/0038/2021 Kurzüberblick Die Stadtverwaltung hat Leitlinien für ein Kommunikationskonzept aufgestellt, die an zukünftig einzurichtenden Fahrradstraßen Anwendung finden sollen. Denn: Ein auf Qualität, Transparenz, Interaktion und Sachinformation setzendes Beteiligungskonzept kann langfristige Erfolge bzgl. Akzeptanz in der Bürgerschaft bringen. Ziele/Teilziele/Zielerreichung Mit der Vorlage wird folgendes Ziel aus dem ISM-Prozess verfolgt: Wir werden Münster zu einer Stadt mit höchster Lebens- und Erlebnisqualität weiterentwi- ckeln: mit hoher Umwelt- und Naturqualität mit breitem Freizeit- und Sportangebot mit hohem Wohnwert, Familienfreundlichkeit und sozialer Balance in der Stadtgesellschaft Finanzierung Produktgruppe: Nr. der PG Bezeichnung der PG Auswirkungen auf den Ergebnisplan Ja X Nein Auswirkungen auf den Finanzplan Ja X Nein Pflichtigkeitsgrad Die Maßnahme/Leistung ist vollständig pflichtig überwiegend pflichtig überwiegend freiwillig X vollständig freiwillig Unmittelbare, grundsätzliche Relevanz für Querschnittsthemen (Demographie, Gleichstellung, Inklusion, Klimaschutz, Migration) Die Querschnittsthemen Klimaschutz und Demographie werden maßgeblich berührt. Denn durch eine positiv geführte Kommunikation mit der Bürgerschaft bei der Neueinrichtung von Fahr- radstraßen kann das Fahrrad nachhaltig als Verkehrsmittel gestärkt und somit ein entscheidender Beitrag zum Klimaschutz bei gleichzeitig steigenden Bevölkerungszahlen geleistet werden.
Beratungsverlauf (7)
Beschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungOrte (12)
- Schillerstraße
- Bismarckallee 750
- Annette-Allee 600
- Dieckstraße 200
- Goldstraße 620
- Hittorfstraße 530
- Lindberghweg 800
- Lütkenbecker Weg
- Heumannsweg
- Max-Winkelmann-Straße 700
- Kirschgarten 850
- Dingstiege 850
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Aktenzeichen
- V/0038/2021
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 13.01.2021
- Erstellt
- 11.01.2021 10:41