0409/2021
Respektvoll, diskriminierungsfrei und zugewandt: Leitfaden für eine wertschätzende Kommunikation bei der Stadt Köln
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Anlage II Praxistipps für eine geschlechterumfassende Sprache und wertschätzende Kommunikation
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Die Oberbürgermeisterin Praxistipps für eine geschlechterumfassende Sprache und wertschätzende Kommunikation Seite 3 Inhaltsverzeichnis VOrFWOFE ...nueennsnnesnensnensnnnsnennnnsnnnsnensnnnsnnnsennnensnnsnnnsnensnnnsnensnan 4 Zum Leitfaden ..................204202040nsnnennennnsnnnnnonnnnnnnnnnnnnnnnnnnnnen 6 1. Geschlechterumfassende Formulierungen ...................... 12 1.1 Verb oder Adjektiv statt Substantiv... 12 1.2 Pronomen ...u.nueesnersnessessnssnensnnesnensnnnnnensnnsnnnsnensnensnennnn 13 1.3 Pluralformen ........urscssssesensensnsensnsensonnnnnnnnnennnnennnnennennnne 13 2. Geschlechterumfassende Endungen..................n 14 3. Alternativen zur Bildung umfassender Sprachformen ..... 15 4. Geschlecht von Institutionen ................eeeene 16 5. Wenn Frau von sich redet..... ...........200020n0nnnnennennnennn 17 6. Die Alternative: der Genderstern ...............nenn 18 7. Anträge, Formulare, Bewerbungsverfahren..................... 21 8. Anrede in Briefen / Mails und Begrüßungen ..................... 22 9. Exkurs: Geschlecht und Geschlechtsidentitäten .............. 24 Seite 4 Vorwort Liebes Kollegium, Sprache ist ein Spiegel unseres Denkens und unseres Bewusstseins. Mit ihr beschreiben wir Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Menschen und nehmen dabei auch Einfluss auf die persönlichen Entfaltungsmöglichkeiten. Für die Stadt Köln als Dienstleisterin und Partnerin sowie für die Kölner*innen ist es wichtig, unsere Kommunikation so zu gestalten, dass sich möglichst ALLE angesprochen und wertgeschätzt fühlen. In unserer täglichen Arbeit sind wir Expert*innen. Allerdings stehen wir immer wieder vor gesellschaftlichen Veränderungen, die wir sowohl inhaltlich als auch sprachlich neu angehen müssen. So ist es auch mit unserer Verwaltungssprache. Alte Sprachgewohnheiten und Redensarten zu ändern ist nicht Seite 5 leicht und bedeutet für uns alle, die eigenen Gewohnheiten zu überprüfen. Mit diesem Leitfaden erhalten Sie eine gelungene Anleitung für eine wertschätzende und gendergerechte Sprache. Wir sind die Stadt der Vielfalt. Lassen Sie uns diese Vielfalt auch in unserer Kommunikation deutlich sichtbar machen und unseren Kolleg*innen, den Kölner*innen und auch unseren Gästen eine gute Partnerin in allen Lebenssituationen sein! Ihre Henvete Pest Henriette Reker Oberbürgermeisterin der Stadt Köln Seite 6 Zum Leitfaden Mit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Einführung eines dritten positiven Geschlechtseintrags wurden die Rechte von Menschen gestärkt, die sich nicht als weiblich oder männ- lich beschreiben oder einem der beiden Geschlechter zugehörig fühlen. Mit der Anpassung des Personenstandsrechts ist die Stadt Köln angehalten, diesen dritten positiven Geschlechtsein- trag auch sprachlich umzusetzen. Das Amt für Integration und Vielfalt und das Amt für Gleich- stellung von Frauen und Männern wurden vom Verwaltungsvor- stand beauftragt, einen mit dem internen Diversity Arbeitskreis Seite 7 abgestimmten Handlungsleitfaden „geschlechterumfassende Sprache und wertschätzende Kommunikation“ zu erstellen. Auch in der Verwaltungssprache ist die Verwendung des „generischen Maskulinums“ weit verbreitet. Dabei handelt es sich um die ausschließlich männliche Form, bei der Frauen gleichermaßen eingeschlossen und mitgemeint werden. Tatsächlich zeigen sprachwissenschaftliche Studien, dass solche Formulierungen ausgrenzend wirken und Frauen selten auch „mitgedacht“ werden. Dies zeigt, dass Sprache nicht nur unsere Wahrnehmung prägt, sondern Auswirkungen auf unser Denken und Handeln hat. Seite 8 Dass Menschen lediglich mitgemeint, aber nicht mitgedacht werden, begegnet uns jedoch nicht nur in Bezug auf Frauen und Männer, sondern ist im Kontext von Diversity ein wiederkehrendes Phänomen. Für eine Kommunikation, bei der sich alle Menschen ange- sprochen fühlen, ist die Verwaltung der Stadt Köln zukünftig dazu aufgefordert, intern wie auch extern, geschlechterum- fassende Formulierungen oder, wenn dies nicht möglich ist, den Genderstern anzuwenden. Dabei werden wir von der Idee geleitet, dass Sprache lebendig und nicht starr oder unveränderlich festgeschrieben ist. So können auch wir keinen „idealen Weg“ der Kommunikation aufzeigen, daKommunikation personen-, kontext- und situationsabhängiig ist. Durch einen sensiblen Sprachgebrauch tragen Sie aktiv zur Gleichberechtigung der Geschlechter bei, agieren respektvoll Ihrer Kundschaft gegenüber und sorgen dafür, dass sich ALLE in ihrer Vielfalt wahrgenommen und angesprochen fühlen. Wichtig ist zudem im Sinne einer „bürgerfreundlichen Seite 9 Verwaltungssprache“ Sachverhalte verständlich, empathisch und in einfachen Sätzen zu formulieren. Mit den vorliegenden Praxistipps möchten wir Ihnen einige Anregungen und Empfehlungen an die Hand geben, mit denen Sie Ihre Kommunikation überprüfen und wertschätzend gestalten können. Bettina Mötting } Amtsleitung, Amt für Gleichstellung von Frauen und Männern, Gleichstellungsbeauftragte Hans Oster Amtsleitung, Amt für Integration und Vielfalt Seite 10 Bitte beachten Sie - Die Nennung nur eines Geschlechtes in geschriebenen Tex- ten ist grundsätzlich zu vermeiden, sofern es sich nicht um wörtliche Zitate, beispielsweise aus der Literatur, handelt. Die Generalklausel, „dass aus Gründen der Lesbarkeit nur die männliche Form verwendet wird und alle anderen Geschlech- ter mitgemeint sind“, sollte nicht mehr verwendet werden. - Um alle Personen, auch diejenigen, die sich dauerhaft weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zuordnen lassen, zu berücksichtigen, ist zur diskriminierungsfreien Ansprache eine geschlechterumfassende Formulierung oder der Genderstern zu verwenden. - Verhindern Sie Rollenklischees und Stereotypen wie beispiels- weise Mutter- und Kind Parkplatz sowie Sprachbilder „Not am Mann“ oder „Milchmädchenrechnung‘“. - Achten Sie bei der Verwendung von Bildern auf eine gezielte Auswahl unter der Fragestellung, wen Sie erreichen möchten und wie alle Geschlechter berücksichtigt werden können. Seite 11 - Fach- und Rechtsbegriffe sowie Bezeichnungen von Gegenständen bleiben von den Regelungen dieses Leitfadens ausgenommen. Bitte beachten Sie, dass diese Wörter eine feststehende juristische Definition tragen und somit nicht verändert werden dürfen. - Beispiele genderumfassender Formulierungen finden Sie im Internet unter www.geschicktgendern.de. Seite 12 1. Geschlechterumfassende Formulierungen Nutzen Sie geschlechterumfassende und sprachlich einfache Formulierungen, damit sich möglichst alle Menschen direkt angesprochen fühlen. Hier einige Praxisbeispiele. 1.1 Verb oder Adjektiv statt Substantiv Ein Substantiv lässt sich einfach in ein Verb in eine direkte Ansprache umwandeln oder durch ein Adjektiv ersetzen und ist dadurch geschlechterumfassend. Rollstuhlgerechter Zugang statt Zugang für Rollstuhlfahrer Studentische Mitarbeit statt Mitarbeit von Studenten Ärztliche Schweigepflicht statt Arztgeheimnis Stimmberechtigtes Mitglied statt der Stimmberechtigte Wer sich bewirbt, sollte ... statt Bewerber sollten ... Teilgenommen haben 20 Personen statt es gab 20 Teilnehmer Auskunft gibt statt Ansprechpartner Seite 13 1.2 Pronomen Die männliche Form wird häufig bei Pronomen verwendet, hier- für gibt es unkomplizierte geschlechterumfassende Alternativen. Alle statt Jeder Niemand statt Keiner Gewählt ist, wer ... statt gewählt ist ein Bewerber, der... 1.3 Pluralformen Die Verwendung des Plurals ist eine weitere Möglichkeit, alle Geschlechter einzubeziehen. Die Fraktionsvorsitzenden statt der Fraktionsvorsitzende Alle Ehrenamtlichen, die ... statt jeder Ehrenamtliche, der... Die Beschäftigten statt der Beschäftige Die Auszubildenden statt der Auszubildende Die Antragstellenden statt der Antragsteller Die Mitarbeitenden statt der Mitarbeiter Seite 14 2. Geschlechterumfassende Endungen Durch die Verwendung von geschlechterumfassenden Endungen oder Hinzufügen eines geschlechterumfassenden Substantivs können alle Geschlechter angesprochen werden. Endungen mit -ung Vertretung statt Vertreter Leitung statt Leiter Endungen mit -schaft,-kraft, -person Kundschaft statt Kunden Lehrperson statt Lehrer Führungskraft statt Chef, Vorgesetzter Vertrauensperson statt Vertrauensmann Die erwerbstätige Person statt Der Erwerbstätige Seite 15 3. Alternativen zur Bildung umfassender Sprachformen Je nach Text oder Zusammenhang bieten sich verschiedene Formulierungen an. So besteht die Möglichkeit, Synonyme zu verwenden, Institutions- und Kollektivbezeichnungen zu wählen oder Personen direkt anzusprechen. Synonyme Kosten für die Rechtsvertretung statt Anwaltskosten Promotionsstellen statt Doktoranden Institution Praktikumsstelle statt Praktikanten Direktion statt Direktor*in Persönliche Ansprache Sie müssen Ihren Arbeitsplatz sauber halten statt Die Mitarbeiter müssen ihren Arbeitsplatz sauber halten Wenn Sie Praxiserfahrung haben, melden Sie sich bei uns statt Wir suchen einen praxiserfahrenen Mitarbeiter! Seite 16 4. Geschlecht von Institutionen Institutionen, die einen weiblichen Artikel haben, sollten grammatikalisch korrekt behandelt werden. Die Kirche als Arbeitgeberin statt Die Kirche als Arbeitgeber Die Stadt Köln als Herausgeberin statt die Stadt Köln als Herausgeber Die Organisation ist eine langjährige Partnerin statt Die Organisation ist ein langjähriger Partner Seite 17 5. Wenn Frau von sich redet ... Manchmal passiert es, dass Frauen von sich in der männlichen Form reden. Oft reicht es auf Kleinigkeiten zu achten: Ich bin Mitarbeiterin / Kollegin / Lehrerin / Angestellte /Beamtin / Teilnehmerin / Geschäftspartnerin / Teamleiterin / Abteilungs- leiterin / Politikerin In bin eine, die ... statt Ich bin jemand, der ... Ich bin eine Verfechterin von ... statt Ich bin ein Verfechter von ... Vom Typ her gehöre ich zu ... statt Ich bin ein Typ, der... Seite 18 6. Die Alternative: der Genderstern Eine geschlechterumfassende Ansprache ist nicht immer möglich. In diesen Fällen gilt es den Genderstern zu nutzen. Die Schreibweise, dargestellt durch einen Stern* zwischen masku- liner und femininer Endung, dient als sprachliches Darstellungs- mittel aller sozialen Geschlechter und Geschlechtsidentitäten. Der Stern ist als ein Platzhalter für alle Begriffe zu interpretieren, die an die Vorsilbe „trans-“ (lat. = jenseits von, über ... hinaus) oder angehängt werden können, um die verschiedenen geschlechtlichen Identitäten zu beschreiben. Aussprache Der Stern wird durch den sogenannten „glottalen Stopp“ ausgedrückt. Dabei handelt es sich um eine kurze Sprech- pause, die für den Stern beim Sprechen angewandt wird. Statt Student, Mitarbeiter, Leiter, Teilnehmer etc. sollten entweder die geschlechterumfassende Formulierung oder Genderstern genutzt werden. Beide Formulierungen sind möglich! Antragstellende Assistenz Bewerbende Einwohnende Fachkundige Handelnde / Agierende Interessierte Kollegium Kundschaft Leitende Lernende Mitarbeitende Sachbearbeitung Studierende Teilnehmende Seite 19 Antragsteller*in, Antragsteller*innen Assistent *in, Assistent*innen Bewerber*in, Bewerber*innen Einwohner*in, Einwohner*innen Experte*Expertin, Expert*innen Akteur*in, Akteur*innen Interessent*in, Interessent*innen Kollege* Kollegin, Kolleg*innen Kund*in, Kund*innen Leiter*in, Leiter*innen Schüler*in, Schüler*innen Mitarbeiter*in, Mitarbeiter*innen Sachbearbeiter”in, Sachbearbeiter*innen Student*in, Student*innen Teilnehmer*in, Teilnehmer*innen Seite 20 Im Singular ist auf die korrekte Angabe der Artikel zu achten. Zum Beispiel der*die Einwohner”in, ein*e Erzieher*in Möglich ist auch die Umformulierung mithilfe von „Person“, „Mensch“ oder „Mitglied“. Beide Formulierungen sind möglich! die betroffene Person der*die Betroffene die stimmberechtigte Person der*die Stimmberechtigte ältere Menschen Senior*innen Personen mit Migrant*innen Migrationshintergrund Ansprechperson Ansprechpartner*in Die antragstellende Person Antragsteller*in Seite 21 7. Anträge, Formulare, Bewerbungsverfahren Der Auftrag, eine geschlechterumfassende Sprache in der Verwaltung umzusetzen, betrifft die gesamte Kommunikation sowie auch Stellenausschreibungen. Durch direkte Ansprache lässt sich geschlechterumfassend formulieren zum Beispiel: Ihr Name statt Name des Antragstellers oder Betreuers. Beide Formulierungen sind möglich. (Ihr) Name (Ihre) Unterschrift Sozialpädagogisch beraten durch Die antragsstellende Person hat den Antrag vollständig auszufüllen Name Antragsteller*in Unterschrift Antragssteller*in Sozialpädagogische/r Berater*in Der*Die Antragsteller*in hat den Antrag vollständig auszufüllen Seite 22 Bitte beachten Sie, dass es Wörter gibt, die eine feststehende juristische Definition tragen und somit nicht verändert werden dürfen. Beispiele: gesetzlicher Vertreter / Betreuer. Sie können diese Begriffe jedoch beschreibend verwenden: „gesetzlich vertreten / betreut durch ...“. Dies gilt auch zum Beispiel, wenn Sie den Personalrat als Organ ansprechen und nicht eine Person in einem Personalrat, als Personalrät*in. 8. Anrede in Briefen/Mails und Begrüßungen Werden einzelne Personen im Schriftverkehr direkt angesprochen, kann die Nennung von Vor- und Nachnamen verwendet werden. Als Grußformel bieten sich hier je nach Kontext „Hallo“, Guten Tag, Sehr geehrte*r, Liebe*r oder Ähnliches an: - Guten Tag, Kim Schmitz - Sehr geehrte*r Kim Schmitz, - Hallo, Kim Schmitz - Liebe*r Kim Schmitz, Zur Anrede von Personengruppen sollte auf eine geschlechter- umfassende Personenbezeichnung oder den Genderstern zurückgegriffen werden. Seite 23 - Sehr geehrte Teilnehmer*innen - Liebes Planungsteam - Liebe Interessierte - Guten Tag! Durch die Nennung von Vor- und Nachnamen oder einer Per- sonengruppe lässt sich die Anrede mit Herr und Frau oder die Formulierung „Sehr geehrte Damen und Herren“ vermeiden. In manchen Kontexten ist es jedoch unangemessen, eine andere Anrede als „Sehr geehrte Damen und Herren“ zu ver- wenden. In solchen Fällen kann die Ansprache weiter genutzt werden, ebenso wie „Sehr geehrte Frau Musterfrau“ oder „Sehr geehrter Herr Mustermann“. Die persönliche Ansprache bleibt individuell. Wenn Sie unsicher sind, fragen Sie im Einzelfall die Person nach einer angemessenen Formulierung. - Haben Sie eine bevorzugte Anrede? - Mit welcher Anrede fühlen Sie sich wohl? - Bitte lassen Sie uns wissen, welche Anrede wir für Sie verwenden dürfen. Bis dahin werden wir eine geschlechtlich neutrale Form wählen. Seite 24 Zur genderumfassenden Begrüßung größerer Gruppen bieten sich Begriffe an wie beispielsweise Anwesende, Gäste, Pub- likum, Interessierte, Kollegium, Vorstand, Mitglieder des Rates. Aber auch die Verwendung des Gendersterns eignet sich bei einem größeren Publikum. Der Stern wird durch den „glottalen Stopp“ ausgedrückt. Dies ist eine kurze Sprechpause, die für den Stern beim Sprechen angewandt wird. 9. Exkurs: Geschlecht und Geschlechtsidentitäten Das Geschlecht eines Menschen ist unabhängig vom Körper, das heißt, man kann aufgrund der äußeren Erscheinung eines Menschen nicht auf das Geschlecht schließen. Dabei beschreibt das englische Wort „Gender“ das „soziale Geschlecht“, das sich unabhängig von biologischen Merkmalen äußern kann. Intergeschlechtlich / intersexuell bezeichnet Menschen, deren angeborene genetische, hormonelle oder körperliche Merkmale weder ausschließlich „männlich“ noch ausschließlich „weiblich“ sind. Als transgender werden Menschen bezeichnet, deren Geschlechtsidentität oder deren „soziales Geschlecht“ ein anderes ist als ihr biologisches Geschlecht. Die sexuelle Orientierung einer Person ist von der Geschlechtsidentität eines Menschens unabhängig. Seite 25 Genderbread Person' Geschlechtliche Identität Sexuelle Ausdruck Orientierung Biologisches Geschlecht + 17 Nicht binär Identität + Orientierung . Heterosexuell Bisexuell Homosexuell Biologisches — Geschlecht Männlich Intersexuell Weiblich DT rd Männlich Androgyn Weiblich Ausdruck ) Mögliche Einträge im Geburtenregister Männlich Weiblich Divers Keine Angabe 1 Der Name hat seinen Ursprung im „Gingerbread Man“ (engl. Lebkuchenmann), einem typischen englischen Gebäck. Dieser „Man“ wurde zur „Genderbread Person“ verändert. © Stadt Köln Seite 26 Kontakt Amt für Integration und Vielfalt Abteilung Vielfalt Kleine Sandkaul 5, 50667 Köln diversity@stadt-koeln.de Amt für Gleichstellung von Frauen und Männern Willy-Brandt-Platz 3, 50475 Köln I/1PoststelleGleichstellungsamt@stadt-koeln.de Erstellt in (genehmigter) Anlehnung an die Veröffentlichung „Leitfaden für gender- sensible Sprache bei der Stadt Dortmund. Stand: Mai 2020.“ Vielen Dank! Stadt Köln Die Oberbürgermeisterin Amt für Integration und Vielfalt Amt für Gleichstellung von Frauen und Männern Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Gestaltung Zentrale Dienste der Stadt Köln Bildnachweis Titel: www.istockphoto.com/cienpies; S. 6, 7: www.dreamstime.com/ Mykola Nisolovskyi, www.freepik.com/pch.vector Druck Druckhaus Süd 13-US/028-21/16/10.000/01.2021
Anlage I Leitfaden wertschätzende Kommunikation bei der Stadt Köln
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Leitfaden für eine wertschätzende Kommunikation Seite 3 Inhalt Vorwort 5 Zum Leitfaden 6 1. Was bedeutet wertschätzende Kommunikation in meinem Arbeitsalltag? 8 2. Praxistipps für eine wertschätzende Kommunikation bei der Stadt Köln 14 2.1 Dimension: Sexuelle Orientierung 16 2.2 Dimension: Alter 17 2.3 Dimension: Religion und Weltanschauung 18 2.4 Dimension: Kultur und ethnische Herkunft 18 2.5 Dimension: Menschen mit Behinderung 20 2.6 Dimension: Geschlecht und Geschlechtsidentität 21 3. Praxistipps für eine geschlechterumfassende Sprache bei der Stadt Köln 24 3.1 Geschlechterumfassende Formulierungen 27 3.1.1 Verb oder Adjektiv statt Substantiv 27 3.1.2 Pronomen 27 3.1.3 Pluralformen 27 3.1.4 Geschlechterumfassende Endungen 28 3.1.5 Alternativen zur Bildung umfassender Sprachformen 28 3.1.6 Geschlecht von Institutionen 28 3.1.7 Wenn Frau von sich redet... 29 3.2 Die Alternative: der Genderstern 29 3.3 Anträge und Formulare 30 3.4 Stellenausschreibungen 31 3.5 Anrede in Briefen/Mails und Begrüßungen 34 4. Wertschätzende Kommunikation bei der Erstellung von Präsentationen 36 4.1 Wort-Bild Zusammenhang 39 4.2 Alternativtexte für Bilder und Grafiken 40 5. Einfache Sprache und Barrierefreiheit 42 6. FAQ für eine wertschätzende Kommunikation bei der Stadt Köln 46 Literaturhinweise 52 Dank 53 Leitfaden für eine wertschätzende Kommunikation Seite 4 Leitfaden für eine wertschätzende Kommunikation Seite 5 Vorwort Liebes Kollegium, Sprache ist ein Spiegel unseres Denkens und unseres Bewusstseins. Mit ihr beschreiben wir Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Menschen und nehmen dabei auch Einfluss auf die persönlichen Entfaltungsmöglichkeiten. Für die Stadt Köln als Dienstleisterin und Partnerin sowie für die Kölner*innen ist es wichtig, unsere Kommunikation so zu gestalten, dass sich möglichst ALLE angesprochen und wertgeschätzt fühlen. In unserer täglichen Arbeit sind wir Expert*innen. Allerdings stehen wir immer wieder vor gesellschaftlichen Veränderungen, die wir sowohl inhaltlich als auch sprachlich neu angehen müssen. So ist es auch mit unserer Verwaltungssprache. Alte Sprachgewohnheiten und Redensarten zu ändern, ist nicht leicht und bedeutet für uns alle, die eigenen Gewohn- heiten zu überprüfen. Mit diesem Leitfaden erhalten Sie eine gelungene Anleitung für eine wertschätzende und gendergerechte Sprache. Wir sind die Stadt der Vielfalt. Lassen Sie uns diese Vielfalt auch in unserer Kommunikation deutlich sichtbar machen und unseren Kolleg” innen, den Kölner*innen und auch unseren Gästen eine gute Partnerin in allen Lebenssituationen sein! Ihre une Pelaf Henriette Reker Oberbürgermeisterin der Stadt Köln Leitfaden für eine wertschätzende Kommunikation Zum Leitfaden Mit dem Urteil des Bundesverfassungs- gerichts zur Einführung eines dritten Geschlechtseintrags wurden die Rechte von Menschen gestärkt, die sich nicht als weiblich oder männlich beschreiben oder einem der beiden Geschlechter zugehörig fühlen. Mit der Anpassung des Personen- standsrechts ist die Stadt Köln angehalten, diesen dritten positiven Geschlechtseintrag auch sprachlich umzusetzen. Das Amt für Integration und Vielfalt und das Amt für Gleichstellung von Frauen und Männern wurden vom Verwaltungsvor- stand beauftragt, einen mit dem internen Diversity Arbeitskreis abgestimmten Hand- lungsleitfaden „Geschlechterumfassende Sprache und wertschätzende Kommuni- kation“ zu erstellen. Seite 6 Auch in der Verwaltungssprache ist die Verwendung des „generischen Masku- linums“ weit verbreitet. Dabei handelt es sich um die ausschließlich männliche Form, bei der Frauen gleichermaßen eingeschlossen und mitgemeint werden. Tatsächlich zeigen sprachwissenschaftliche Studien, dass solche Formulierungen ausgrenzend wirken und Frauen selten auch „mitgedacht“ werden. Dies zeigt, dass Sprache nicht nur unsere Wahrnehmung prägt, sondern Auswirkungen auf unser Denken und Handeln hat. Dass Menschen lediglich mitgemeint, aber nicht mitgedacht werden, begegnet uns jedoch nicht nur in Bezug auf Frauen und Männer, sondern ist im Kontext von Diversity ein wiederkehrendes Phänomen. Leitfaden für eine wertschätzende Kommunikation Für eine Kommunikation, bei der sich alle Menschen angesprochen fühlen, ist die Verwaltung der Stadt Köln zukünftig dazu aufgefordert, intern wie auch extern geschlechterumfassende Formulierungen oder, wenn dies nicht möglich ist, den Genderstern anzuwenden. Dabei werden wir von der Idee geleitet, dass Sprache lebendig und nicht starr oder unver- änderlich festgeschrieben ist. So können auch wir keinen „idealen Weg“ der Kommunikation aufzeigen, da Kommunikation personen-, kontext- und situationsabhängig ist. Durch einen sensiblen Sprachgebrauch tragen Sie aktiv zur Gleichberechtigung der Geschlechter bei, agieren respektvoll Ihrer Kundschaft gegenüber und sorgen dafür, dass sich ALLE in ihrer Vielfalt wahrgenom- men und angesprochen fühlen. Seite 7 Wichtig ist zudem, im Sinne einer „bürger- freundlichen Verwaltungssprache“ Sach- verhalte verständlich, empathisch und in einfachen Sätzen zu formulieren. Mit den vorliegenden Praxistipps möchten wir Ihnen einige Anregungen und Emp- fehlungen an die Hand geben, mit denen Sie Ihre Kommunikation überprüfen und wertschätzend gestalten können. Bettina Mötting \/ Amtsleitung, Amt für Gleichstellung von Frauen und Männern, Gleichstellungsbeauftragte Hans Oster Amtsleitung, Amt für Integration und Vielfalt Was bedeutet wertschätzende Kommunikation in meinem Arbeitsalltag? Leitfaden für eine wertschätzende Kommunikation Als Stadtverwaltung sind wir für die Belange aller Einwohner*innen der Stadt zuständig und ansprechbar. Um alle Menschen in Köln zu erreichen und ihnen wertschätzend gegenüberzutreten, wollen wir Zuschreibun- gen, Ausgrenzungen und Diskriminierungen vermeiden. Eine Diskriminierung beschreibt die bewusste oder unbewusste soziale Benachteiligung von Menschen in einem unmittelbaren Zusammenhang mit der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe oder zu spezifischen Persönlichkeitsmerk- malen. Sie reicht von der unüberlegten, beleidigenden Äußerung über bewusstes Ignorieren, Herabsetzen und Willkür bis hin zu gewalttätigen Übergriffen. Gründe für Ausgrenzung und Diskriminie- rungen können zum Beispiel das Geschlecht oder die Geschlechtsidentität, die soziale Seite 10 oder ethnische Herkunft, die Sprache, die Religion und die Weltanschauung, das Alter, die Behinderung oder die sexuelle Orientierung sein. Dieser Leitfaden soll Ihnen dabei helfen, Diskriminierungen zu vermeiden und frei von unbewussten Vor- eingenommenheiten und Zuschreibungen zu kommunizieren. Unbewusste Vorurteile beruhen auf Rollen- bildern, Erfahrungen und Meinungen, die unser Leben prägen und geprägt haben und sie sind oft nicht böse oder diskriminierend gemeint. Es sind vielmehr automatisierte Denkprozesse. Unser Gehirn hat gelernt, ressourcenschonend und effektiv durch den Alltag zu kommen und merkt sich Abläufe und Situationen, um diesen automatisch - ohne nachzudenken - zu begegnen. Fast 90 Prozent unseres Alltags geschieht Leitfaden für eine wertschätzende Kommunikation daher unbewusst und wir sortieren andere Menschen und Situationen im Alltag in Schubladen und Systeme. Dies geschieht in Alltagssituationen, wie bei der Begrüßung von Freund*innen und reicht bis hin zu Verhaltensweisen gegenüber Fremden, Bewertungen durch Türsteher*innen vor Clubs oder im Berufsleben, bei Bewerbungs- und Beurteilungsgesprächen. Entsprechend dieser unbewussten Voreingenommenheit greift das Gehirn auf die „abgespeicherte“ Kommunikation zurück. Unser Unter- bewusstsein spielt uns häufig einen Streich. Wir nutzen Worte, die uns in den Sinn kommen, die aber beleidigend oder verletzend wirken können („die Mädels von nebenan werden es schon erledigen“; „Oh, das ist zu technisch, das können die Alten im Amt sicher nicht“). Seite 11 Sprache wird im Alltag oft als neutrales Mittel verstanden, das man nutzt, um zu kommunizieren. Dabei gibt sie Orientierung und ordnet die Welt, in der wir uns bewegen. Sprache ist mächtig und hat Auswirkungen darauf, wie wir die Realität wahrnehmen. Sie beeinflusst unser Sprechen und unser Handeln. Was wir sagen und wie wir es sagen, hat demnach eine große Bedeutung für die Art und Weise, wie wir die Welt sehen und wie wir unsere Welt „erschaffen“. Sprache, ob über Worte, Bilder, durch Sprechen, Schrift oder Hände ist das Medium, mit dem wir alle kommunizieren. Daher ist es wichtig, dass insbesondere wir als Kommunal- verwaltung durch unsere Ansprache allen Einwohner*innen und Gästen offen und wertschätzend begegnen. Leitfaden für eine wertschätzende Kommunikation Sprachliche Diskriminierung und Zu- schreibungen können direkt sein und sich in Schimpfwörtern, sexistischen Witzen, rassistischen, homo- und transfeindlichen oder antisemitischen Bemerkungen oder abwertenden Äußerungen Menschen gegen- über äußern. Sprachliche Diskriminierung kann aber auch indirekt geschehen, indem Personengruppen systematisch nicht er- wähnt werden oder indem von ihnen nicht als Personen, sondern von „Objekten“ gespro- chen wird. Was wir sagen und was wir nicht sagen, kann somit diskriminierend wirken. Unsere Sprache unterliegt dabei einem ständigen Wandel. Dies zeigt sich in der vielfachen Übernahme von Begriffen aus anderen Sprachen wie zum Beispiel „Alkohol“ aus dem Arabischen, „Download“ aus dem Englischen, dem kölschen Wort „Parapluie“ für Regenschirm. L. iM Seite 12 Eine Sprache, die nicht offen für Wandel und Neuerungen ist, verfestigt längst überholte gesellschaftliche Vorstellungen und (Macht-) Verhältnisse. Deutlich zeigt sich dies in der Verwendung des „generischen Maskulinums“. Sprachwissenschaftliche und psychologische Studien zeigen, dass die Verwendung der ausschließlich männlichen Form Frauen zwar „mit meint“, sie jedoch selten mitgedacht werden. Es ist zu beachten, dass es Bezeich- nungen gibt, die geschlechtsunspezifisch (Person, Lehrkraft) sind und solche, die geschlechtsspezifisch (Diplomat, Kläger) sind. Wertschätzende Kommunikation bedeutet einen Perspektivwechsel vorzunehmen und sich zu fragen, ob Sie sich in einer konkreten Situation so ansprechen lassen würden? Kommunikation ist dann wertschätzend, wenn andere Personen sich wahrgenommen Leitfaden für eine wertschätzende Kommunikation und akzeptiert fühlen. Kommunikation kann gut gemeint sein, wird aber nicht immer als „gut“ wahrgenommen. Beispiele für nicht wertschätzende Kommunikation: Sprache wirkt respektlos und abwertend durch: - vereinfachten Sprachgebrauch („Musst du da qucken!“) - unangebrachtes Duzen von Personen - nicht zu Wort kommen lassen oder unterbrechen von Personen - Aussagen abwerten („Stellen Sie sich mal nicht so an.“) - Personen nicht direkt, sondern über Dritte zum Beispiel Begleitpersonen anzusprechen - lächerlich machen von Aussagen - sprachliche Verniedlichungen O Seite 13 - Nicht ernst nehmen von Lebensentwürfen (beispielsweise in Bezug auf homosexuelle Jugendliche: „Das ist doch nur so eine Phase.“) - Mehrdeutige Komplimente: „Für eine Mutter sind Sie wirklich gut in ihrem Job.“, „Toll, dass Sie trotz Ihrer Behinderung Sport treiben.“ tin Praxistipps für eine wertschätzende Kommunikation bei der Stadt Köln Leitfaden für eine wertschätzende Kommunikation Köln ist bunt, vielfältig, jung und alt. Menschen aus mehr als 180 Nationen prägen das Gesicht der Stadt. Rund 120 Glaubens- und Religionsgemeinschaften haben ihren Platz in Köln. Der Christopher Street Day (CSD) setzt jedes Jahr ein sichtbares Zeichen für eine offene Gesellschaft für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender und intersexuelle Menschen. Inklusion wird in der Stadt Köln gelebt. Die Menschen in Köln werden älter und gleichzeitig ist die Stadt ein Magnet für junge Menschen. Für eine Kommunikation ohne Benachteiligungen ist es wichtig, die eigene Voreingenommenheit zu hinterfragen. Denn in der Sprache spiegeln sich eigene Vorstellungen wider. Im Folgenden finden Sie unter den so genannten Diversity-Dimensionen, auch Vielfaltsmerkmale genannt, Formulierungs- und Bildbeispiele, die dabei helfen sollen, eine wertschätzende Kommunikation innerhalb der Stadtverwaltung umzusetzen und diese auszubauen. Darüber hinaus finden Sie im Intranet-Bereich des Amtes für Integration und Vielfalt ein Glossar mit einer Vielzahl an weiteren Informationen und Formulierungs- hilfen zu den einzelnen Themenbereichen. & Weitere Beispiele finden Sie bei: - Neue Deutsche Medienmacher*innen - Anders und Gleich - Leidmedien.de Seite 16 2.1 Dimension: Sexuelle Orientierung Im Gegensatz zu vielen anderen Dimen- sionen ist die sexuelle Orientierung von Menschen nicht sichtbar. Heterosexualität wird als „Normalität“ und akzeptierte Form der sexuellen Orientierung in unserer Gesell- schaft festgelegt und anerkannt. Es sollte sprachlich, zum Beispiel in Einladungen oder Ansprachen, nicht grundsätzlich davon ausgegangen werden, dass andere Personen heterosexuell sind. Die häufig verwendete Abkürzung „LSBTI“ steht für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender und intergeschlechtliche Menschen. Beispiele für wertschätzende Formulierungen: Frau X mit Partner*in statt Frau X mit ihrem Mann Herr Y mit Partner*in statt Herr Y mit seiner Frau schwul / lesbisch statt bekennend schwul / lesbisch Lesbe statt Lesbierin Eheleute statt Ehemann und Ehefrau /Mann und Frau Leitfaden für eine wertschätzende Kommunikation Um Familienkonstellationen wert- und hierarchiefrei zu berücksichtigen und der familiären Vielfalt unserer Gesellschaft wie zum Beispiel Regenbogenfamilien (Mutter / Mutter, Vater / Vater), Patchwork- Familien oder Pflegeeltern mit Kindern in Langzeitpflege, insbesondere in Formularen gerecht zu werden, nutzen Sie anstelle der Bezeichnungen „Mutter“ / „Vater“ jenach Kontext bitte die Formulierung „Eltern“, „Elternteil“ oder „Erziehungsberechtigte“. ... dass sich in Köln 10,6 % der Einwohner*innen als LSBTI bezeichnen?' ... dass das Suizidrisiko von Lesben und Schwulen zwischen 12 und 25 Jahren vier- bis siebenmal höher ist, als das von Jugendlichen im Allgemeinen?? 1 LSBTIQ als Wirtschaftsfaktor für Köln, 5/2019. Seite 17 2.2 Dimension: Alter Das Alter von Menschen wird oft stereo- typisch mit bestimmten Eigenschaften verbunden. In diesem Sinne werden Zuschreibungen getroffen, denen zufolge junge Menschen flexibel und dynamisch sind, während ältere Menschen über Erfahrung verfügen. Diese Zuschreibungen geschehen im Positiven wie auch im Negativen und werden der einzelnen Person nicht immer gerecht. Alte Menschen gelten als in ihren Ansichten festgefahren, junge Menschen als unerfahren und naiv. Auch werden Krankheiten oder körperliche Schwächen zu bestimmenden Themen für ältere Menschen erklärt. Ältere Menschen werden häufig als schwerfällig, langsam, unflexibel und mit Defiziten behaftet beschrieben. Junge Menschen als unzuverlässig, uninteressiert und gleichgültig. Eine wertschätzende Kommunikation vermeidet diese Zuschreibungen sowohl in Schrift und Bild und reproduziert keine Stereotypen. 2 http://www.coming-out-day.de/informationen/fakten.html (Aufruf 14.10.2020) Leitfaden für eine wertschätzende Kommunikation ... dass die Bevölkerung Deutschlands mit einem Medianalter von 45,7 Jahren die fünftälteste Bevölkerung der Welt ist?? ... dass die Bevölkerung in Köln im Durchschnitt 41,9 Jahre alt ist?* 2.3 Dimension: Religion und Weltanschauung In Köln leben Menschen vieler verschiedener religiöser Hintergründe zusammen. Ein wertschätzender Umgang miteinander spiegelt sich daher auch in der Behandlung religiöser Fest- und Feiertage wider. Formu- lieren Sie Festgrüße möglichst individuell. Zum Beispiel: - Frohe Weihnachten und schöne Feiertage. - Allen jüdischen Mitarbeitenden ein frohes Chanukka. - Allen muslimischen Kolleg*innen einen frohen Ramadan. - Ich wünsche Ihnen eine schöne (freie) Zeit. Seite 18 Ein Überblick über die Fest- und Feiertage bietet der Kölner Diversity Kalender. Dieser kann direkt im Amt für Integration und Vielfalt bestellt oder unter https://www.stadt-koeln.de/leben-in-koeln/ soziales/diversity/diversity-kalender heruntergeladen werden. ... dass in Köln über 120 Religions- gemeinschaften vertreten sind?® ... dass in Deutschland 96 % der Befragten angaben, dass jede*r die Freiheit haben sollte, seinen Glauben zu wechseln?® 2.4 Dimension: Kultur und ethnische Herkunft Köln ist geprägt durch Menschen unter- schiedlicher Kulturkreise und ethnischer Herkunft. Eine wertschätzende und offene Kommunikation vermeidet stereotypische Zuschreibungen oder Beschreibungen. 3 _ https://de.statista.com/statistik/daten/studie/242823/umfrage/laender-mit-dem-hoechsten-durchschnittsalter-der-bevoelkerung (Aufruf 14.10.2020). 4 Kölner Statistische Nachrichten - 182019, Statistisches Jahrbuch Köln 2018, 95. Jahrgang. 5 Harbecke, Ulrich: Das Kölner Buch der Religionen, 2009. 6 Religionsmonitor kompakt - Mai 2019, Bertelsmann Stiftung, 2019. Leitfaden für eine wertschätzende Kommunikation Hierzu zählen Verallgemeinerungen wie „Menschen aus ..., sind ...“, Beschreibungen die an vermeintlich kulturellen oder länderspezifischen Stereotypen anknüpfen. In diesem Sinne ist Afrika auch kein Land! Es gibt somit auch nicht die Herkunft eines Menschen an. Bitte beachten Sie, dass Menschen und Gruppen das Recht haben, sich selbst zu benennen und sich somit auch selbst zu definieren. Diese Selbstbenennung dient ihnen als wichtiges Identifikationsmerkmal. Nehmen Sie diese Selbstbenennungen ernst und versuchen Sie nicht, weil Sie sich damit unwohl fühlen, auf Ihnen bekannte und gegebenenfalls diskriminierende Bezeichnungen zurückzugreifen. Ein Beispiel ist hier die Verwendung von „Farbiger“ statt „Schwarzer“. Dies gilt auch für die Selbstbenennung, insbesondere bei der Anrede von weiteren Gruppen und Personen, wie trans- oder intergeschlecht- liche Menschen. Fragen Sie sich auch, ob zum Beispiel die Herkunft eines Menschen oder die Hautfarbe für den Sachverhalt relevant ist? Ein aus- ländisch klingender Name oder eine Haut- farbe gibt keine Auskunft über die Staats- angehörigkeit oder die Deutschkenntnisse. Seite 19 Zu einer wertschätzenden Kommunikation gehört auch die Beachtung von „Sonder- zeichen“ bei Eigennamen, Vornamen, Familiennamen etc. Diese Sonderzeichen können bei Word unter dem Reiter „Einfügen > Symbole“ eingefügt werden. Im Bereich „Weitere Symbole“ finden Sie unter „Lateinisch-1 (Ergänzungen)“ die gängigsten diakritischen Zeichen. Im Deutschen kennen wir diese diakritischen Zeichen als die Umlaut-Punkte (in ä, ö, ü). Tugba Cetinoglu-Yildiz Tugba Cetinoglu-Yıldız Stanislaw Rozanski Stanistaw Rözanski Natasa Duric-Dragicevic Natasa Duric-Dragicevic. ... dass Menschen aus über 180 Nationen Köln ihre Heimat nennen?” ... dass 2019 der Anteil der in Köln lebenden Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund 59% betrug?® 7 Kölner Statistische Nachrichten - 182019, Statistisches Jahrbuch Köln 2018, 95. Jahrgang. 8 Kölner Statistische Nachrichten, Ausgabe 3/2020. Leitfaden für eine wertschätzende Kommunikation Beispiele für wertschätzende Formulierungen: Mensch mit Zuwanderungsgeschichte, Zuwander*in statt Ausländer, Gastarbeiter asylbegehrender Mensch statt Asylant Unterkunft für asylbegehrende Menschen statt Asylantenunterkunft Geflüchteter / Geflüchtete / geflohener Mensch statt Flüchtling Sinti und Roma / Sintiza und Sinto / Romni und Rom statt Zigeuner Schwarze Menschen, People of Color (PoC) [Black and People of Color (BPoC) (Selbstbezeichnungen) statt Farbiger, Schwarzafrikaner Schwarz wird großgeschrieben, um zu verdeutlichen, dass es sich um ein konstruiertes Zuordnungsmuster handelt und keine reelle „Eigenschaft“, die auf die Farbe der Haut zurückzuführen ist. 2.5 Dimension: Menschen mit Behinderung Für eine wertschätzende Kommunikation ist es wichtig, Menschen immer als handelnde Personen zu begreifen. Einige Behinderungen sind sichtbar, andere wiederum nicht. Mehr als 90% der Behinderungen entwickeln sich erst in einem späteren Lebensabschnitt. Manche Alltagsformulierungen schließen Menschen mit Behinderung einfach aus. Seite 20 Menschen mit Sehbehinderung: In der Anlage finden Sie ... statt Wie Sie in der Anlage sehen ... Blind statt Mit Blindheit geschlagen Blinde Menschen statt Die Blinden Menschen mit Mobilitäts- einschränkungen: Begeben Sie sich zum Ausgang statt Gehen Sie zum Ausgang Einen Rollstuhl verwenden statt An den Rollstuhl gefesselt Menschen mit Hörschädigung: Treten Sie an uns heran statt Rufen Sie uns an gehörlos statt taub Menschen mit einer geistigen Behinde- rung, Menschen mit Lernschwierigkeiten, Menschen mit kognitiver Behinderung statt geistig zurückgeblieben Menschen mit Depressionen statt Depressive Pflegebedürftiger Mensch statt Pflegefall Heimbewohner*in statt Heiminsasse Berufliche Integration statt Resozialisation in die Arbeitswelt Leitfaden für eine wertschätzende Kommunikation ... dass 8,8% der Menschen in Köln mit einem Grad der Behinderung von mehr als 50% leben? ... dass die Schwerbehindertenquote in der Kölner Stadtverwaltung bei 8,6% liegt?'° 2.6 Dimension: Geschlecht und Geschlechtsidentität In unserem Alltag ist uns die Unterteilung in Mann-Frau männlich-weiblich gut bekannt. Es gibt auch Menschen, die sich weder dem einen noch dem anderen Geschlecht zuordnen lassen oder sich zugehörig fühlen. Seit 2019 gibt es in Deutschland die Mög- lichkeit eines dritten positiven Geschlecht- seintrags im Geburtsregister. Dieser ist als „divers“ bekannt. Daneben kann „keine Angabe“ für intergeschlechtlich geborene Kinder unter 18 Jahre angeben werden. Vorab ist es wichtig, zwischen dem,bio- logischen Geschlecht“ und dem „sozialen Geschlecht“ zu unterscheiden. Das Seite 21 „biologische Geschlecht“ definiert sich durch die Geschlechtsorgane und körperlichen Merkmale. Das „soziale Geschlecht“ kann sich unabhängig von biologischen Merk- malen äußern. Das „soziale Geschlecht“ muss also nicht dem „biologischen Geschlecht“ entsprechen. Die Geschlechterforschung (Genderstudies) geht davon aus, dass das Geschlechterverhalten vor allem kulturell bedingt ist und erlernt wird. Welches Aus- sehen, welches Verhalten und welche Rolle eine Gesellschaft als „typisch männlich“ oder „typisch weiblich“ betrachtet und einfordert, kann demnach je nach Epoche, Kultur und Lebensraum sehr unterschiedlich sein. Das Geschlecht eines Menschen ist demnach unabhängig vom Körper. Das bedeutet, dass aufgrund der äußeren Erscheinung eines Menschen nicht auf das Geschlecht geschlos- sen werden kann. Als Inter* werden Menschen bezeichnet, deren genetische, hormonelle oder körperliche Merkmale weder ausschließlich „männlich“ noch ausschließlich „weiblich“ sind. Intersexualität bezeichnet einen medizinischen Sammelbegriff, der betont, dass es bei der Ausbildung der menschlichen Geschlechtsmerkmale viele Zwischenstufen zwischen „weiblich“ und „männlich“ gibt. Als Transgender werden Menschen bezeichnet, deren „soziales Geschlecht“, also die geschlechtliche Identität oder der 9 Kölner Statistische Nachrichten - 182019, Statistisches Jahrbuch Köln 2018, 95. Jahrgang. 10 Personalbericht der Stadt Köln 2019/2020. Leitfaden für eine wertschätzende Kommunikation Ausdruck, ein anderes ist als ihr biologisches Geschlecht.“ Die Bezeichnung Transgender betont nicht den körperlichen, sondern den sozialen Aspekt. Transgender bezeichnet auch all diejenigen, die keine operative Geschlechtsanpassung vollzogen haben. Daher wird der Begriff auch oft als Ab- grenzung zu Transsexualität verwendet. Transsexuelle Menschen empfinden ihr biologisches Geschlecht als falsch und fühlen sich selbst einem anderen oder keinem Geschlecht zugehörig und haben oftmals einen operativen Eingriff vor- nehmen lassen. Die sexuelle Orientierung (Hetero-, Bi- oder Homosexualität) eines Menschen ist von den oben beschriebenen Geschlechts- identitäten unabhängig. Seite 22 ... dass 51,1 % der Menschen in Köln Frauen sind?"! ... dass der Anteil der Frauen im Deutschen Bundestag heute bei gerade mal 31 % und der im Landtag NRW bei 27,6 % liegt?" ... dass die Stadt Köln eine Frauenquote von insgesamt 62,6 % hat?"? 11. Kölner Statistische Nachrichten - 182019, Statistisches Jahrbuch Köln 2018, 95. Jahrgang. 12 https:/[www.landtag.nrw.de/home/abgeordnete-fraktionen/statistiken/statistik-frauenanteil-17wp.html, https:/[www.bundestag.de/abgeordnete/biografien/mdb_zahlen_19/frauen_maenner-529508 13 Personalbericht der Stadt Köln 2019/2020 Leitfaden für eine wertschätzende Kommunikation Seite 23 Genderbread Person' Geschlechtliche Identität Ausdruck Sexuelle Orientierung Biologisches Geschlecht + Identität Mann Nicht binär Frau Bu + 9) Orientierung Heterosexuell Bisexuell Homosexuell (0% Biologisches ——— Geschlecht Männlich Intersexuell Weiblich KR ir Ausdruck Männlich Androgyn Weiblich Mögliche Einträge im Geburtenregister [[] Männlich [[] Weiblich [[] Divers [[] Keine Angabe ı Der Name hat seinen Ursprung im „Gingerbread Man“ (engl. Lebkuchenmann), einem typischen englischen Gebäck. Dieser „Man“ wurde zur „Genderbread Person“ verändert. © Stadt Köln Praxistipps für eine geschlechterumfassende Sprache bei der Stadt Köln Leitfaden für eine wertschätzende Kommunikation Im nachfolgenden Kapitel geben wir Ihnen einige Empfehlungen und Beispiele, die Ihnen eine wertschätzende Kommunikation im Verwaltungsalltag ermöglichen. Wir möchten Sie dazu ermutigen, die Vielfalt unserer Stadt in Ihrer täglichen Kommuni- kation in den Blick zu nehmen. Fehler- toleranz ist dabei sehr wichtig. Deshalb gilt immer: Wenn Sie sich unsicher fühlen, wie Sie eine Person anreden sollen, fragen Sie die Person im Einzelfall nach einer ange- messenen Formulierung. Bitte beachten Sie: - Die Nennung nur eines Geschlechtes in geschriebenen Texten ist grundsätzlich zu vermeiden, sofern es sich nicht um wörtliche Zitate, beispielsweise aus der Literatur, handelt. Die Generalklausel, „dass aus Gründen der Lesbarkeit nur die männliche Form verwendet wird und alle anderen Geschlechter mitgemeint sind“, sollte nicht mehr verwendet werden. - Um alle Personen, auch diejenigen, die sich dauerhaft weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zu- ordnen lassen, zu berücksichtigen, ist zur diskriminierungsfreien Ansprache eine geschlechterumfassende Formulierung oder der Genderstern zu verwenden. - Verhindern Sie Rollenklischees und Stereotypen wie beispielsweise Mutter- Kind-Parkplatz sowie Sprachbilder „Not am Mann“ oder „Milchmädchen- rechnung“. Seite 26 - Achten Sie bei der Verwendung von Bildern auf eine gezielte Auswahl unter der Fragestellung, wen Sie erreichen möchten und wie alle Geschlechter berücksichtigt werden können. Fach- und Rechtsbegriffe sowie Bezeich- nungen von Gegenständen bleiben von den Regelungen dieses Leitfadens aus- genommen. Bitte beachten Sie, dass diese Wörter eine feststehende juristische Definition tragen und somit nicht ver- ändert werden dürfen. Viele Beispiele geschlechterumfassender Formulierungen finden Sie im Internet unter www.geschicktgendern.de Leitfaden für eine wertschätzende Kommunikation Seite 27 3.1 Geschlechterumfassende 3.1.2 Pronomen Formulierungen Nutzen Sie geschlechterumfassende und sprachlich einfache Formulierungen, damit sich möglichst alle Menschen direkt ange- sprochen fühlen. Hier einige Praxisbeispiele. 3.1.1 Verb oder Adjektiv statt Substantiv Ein Substantiv lässt sich einfach in ein Verb, in eine direkte Ansprache umwandeln oder durch ein Adjektiv ersetzen und ist dadurch geschlechterumfassend. Rollstuhlgerechter Zugang statt Zugang für Rollstuhlfahrer Studentische Mitarbeit statt Mitarbeit von Studenten Ärztliche Schweigepflicht statt Arztgeheimnis Stimmberechtigtes Mitglied statt der Stimmberechtigte Wer sich bewirbt, sollte ... statt Bewerber sollten ... Teilgenommen haben 20 Personen statt es gab 20 Teilnehmer Auskunft gibt statt Ansprechpartner Die männliche Form wird häufig bei Pronomen verwendet, hierfür gibt es unkomplizierte, geschlechterumfassende Alternativen. Alle statt Jeder Niemand statt Keiner Gewählt ist, wer ... statt gewählt ist ein Bewerber, der... 3.1.3 Pluralformen Die Verwendung des Plurals ist eine weitere Möglichkeit, alle Geschlechter einzubeziehen. Die Fraktionsvorsitzenden statt der Fraktionsvorsitzende Alle Ehrenamtlichen, die... statt jeder Ehrenamtliche, der ... Die Beschäftigten statt der Beschäftige Die Auszubildenden statt der Auszubildende Die Antragstellenden statt der Antragsteller Die Mitarbeitenden statt der Mitarbeiter Leitfaden für eine wertschätzende Kommunikation 3.1.4 Geschlechterumfassende Endungen Durch die Verwendung von geschlechter- umfassenden Endungen oder Hinzufügen eines geschlechterumfassenden Substantives können alle Geschlechter angesprochen werden. Endungen mit -ung Vertretung statt Vertreter Leitung statt Leiter Endungen mit -schaft, -kraft, -person Kundschaft statt Kunden Lehrkraft statt Lehrer Führungskraft statt Chef, Vorgesetzter Vertrauensperson statt Vertrauensmann Die erwerbstätige Person statt Der Erwerbstätige 3.1.5 Alternativen zur Bildung umfassender Sprachformen Je nach Text oder Zusammenhang bieten sich verschiedene Formulierungen an. So besteht die Möglichkeit, Synonyme zu verwenden, Institutions- und Kollektiv- bezeichnungen zu wählen oder Personen direkt anzusprechen. Seite 28 Synonyme Kosten für die Rechtsvertretung statt Anwaltskosten Promotionsstellen statt Doktoranden Institutionen Praktikumsstelle statt Praktikanten Direkte Ansprache Sie müssen Ihren Arbeitsplatz sauber halten statt Die Mitarbeiter müssen ihren Arbeitsplatz sauber halten Wenn Sie Praxiserfahrung haben, melden Sie sich bei uns statt Wir suchen einen praxiserfahrenen Mitarbeiter! 3.1.6 Geschlecht von Institutionen Institutionen, die einen weiblichen Artikel haben, sollten grammatikalisch korrekt behandelt werden. Die Kirche als Arbeitgeberin statt Die Kirche als Arbeitgeber Die Stadt Köln als Herausgeberin statt die Stadt Köln als Herausgeber Die Organisation ist eine langjährige Partnerin statt Die Organisation ist ein langjähriger Partner Leitfaden für eine wertschätzende Kommunikation 3.1.7 Wenn Frau von sich redet ... Manchmal passiert es, dass Frauen von sich in der männlichen Form reden. Oft reicht es auf Kleinigkeiten zu achten: Ich bin Mitarbeiterin / Kollegin / Lehrerin / Angestellte /Beamtin / Teilnehmerin / Geschäftspartnerin / Teamleiterin / Abteilunggleiterin / Politikerin. In bin eine, die statt Ich bin jemand, der Ich bin eine Verfechterin von statt Ich bin ein Verfechter von Vom Typ her gehöre ich zu ... statt Ich bin ein Typ, der 3.2 Die Alternative: der Genderstern Eine geschlechterumfassende Ansprache ist nicht immer möglich. In diesen Fällen gilt es den Genderstern zu nutzen. Die Schreibweise, dargestellt durch einen Stern* zwischen maskuliner und femininer Endung, dient als sprachliches Darstellungsmittel aller sozialen Geschlechter und Geschlechtsidentitäten. Der Stern ist ein Platzhalter für alle Begriffe zu interpretieren, die an die Vorsilbe „trans-“ (lat. = jenseits von, über ... hinaus) angehängt werden können, um die ver- schiedenen geschlechtlichen Identitäten zu beschreiben. Seite 29 Aussprache Der Stern wird durch den sogenannten „glottalen Stopp“ ausgedrückt. Dabei handelt es sich um eine kurze Sprech- pause, die für den Stern beim Sprechen angewandt wird. Statt Student, Mitarbeiter, Leiter, Teilnehmer etc. sollten entweder die geschlechter- umfassende Formulierung (links) oder Genderstern (rechts) genutzt werden. Beide Formulierungen sind möglich! Antragstellende Antragsteller*in, Antragsteller* innen Assistenz Assistent*in, Assistent*innen Bewerbende Bewerber*in, Bewerber*innen Einwohnende Einwohner*in, Einwohner*innen Fachkundige Experte* Expertin, Expert*innen Handelnde/ Akteur”in, Agierende Akteur*innen Interessierte Interessent”in, Interessent*innen Kollegium Kollege *Kollegin, Kolleg*innen Leitfaden für eine wertschätzende Kommunikation Kundschaft Leitende Lernende Mitarbeitende Sachbearbeitung Studierende Teilnehmende Kund*in, Kund*innen Leiter”in, Leiter*innen Schüler*in, Schüler*innen Mitarbeiter*in, Mitarbeiter*innen Sachbearbeiter*in, Sachbearbeiter* innen Student*in, Student*innen Teilnehmer*in, Teilnehmer* innen Im Singular ist auf die korrekte Angabe der Artikel zu achten. Zum Beispiel der*die Einwohner*in, ein*e Erzieher”in Seite 30 Möglich ist auch die Umformulierung mithilfe von „Person“, „Mensch“ oder „Mitglied“. Beide Formulierungen sind möglich! die betroffene Person der*die Betroffene die stimmberechtigte der* die Stimm- Person berechtigte ältere Menschen Senior*innen Personen mit Migrationshinter- grund Migrant*innen Ansprechperson Ansprechpartner” in die antragstellende Antragsteller*in Person 3.3 Anträge und Formulare Der Auftrag, eine geschlechterumfassende Sprache in der Verwaltung umzusetzen, betrifft die gesamte Kommunikation sowie auch Stellenausschreibungen. Durch direkte Ansprache lässt sich geschlechterumfassend formulieren zum Beispiel: Ihr Name statt Name des Antrag- stellers oder Betreuers. Leitfaden für eine wertschätzende Kommunikation Beide Formulierungen sind möglich. (Ihr) Name Name Antrag- steller*in Unterschrift Antragssteller*in (Ihre) Unterschrift Sozialpädagogisch beraten durch Sozialpäda- gogische/r Berater*in Die antragsstellende Person hat den Antrag vollständig auszufüllen Der*Die Antrag- steller*in hat den Antrag vollständig auszufüllen Bitte beachten Sie, dass es Wörter gibt, die eine feststehende juristische Defini- tion tragen und somit nicht verändert werden dürfen. Beispiele: Gesetzlicher Vertreter / Gesetzlicher Betreuer. Sie können diese Begriffe jedoch beschrei- bend verwenden: „gesetzlich vertreten / betreut durch“. Dies gilt auch zum Beispiel, wenn Sie den Personalrat als Organ ansprechen und nicht eine Person in einem Personalrat als Personalrät*in. Der dritte positive Geschlechtseintrag (divers) ist ein Adjektiv und wird als solches verwen- det. Wenn bei Formularen bisher eine Mann- Frau-Angabe notwendig war, sollte diese in männlich, weiblich, divers geändert werden. Seite 31 Achten Sie in Formularen darauf, dass diese alle Geschlechter und Geschlechtsidentitäten umfassen. Nutzen Sie statt der Frage nach der Anrede die Frage nach dem Geschlecht. Statt „Herr“ und „Frau“ haben Sie die Möglichkeit, „männlich“, „weiblich“, „divers“ und „keine Angabe“ anzugeben. Schreiben Sie bei den letztgenannten Varianten Ihr Gegenüber mit Vor- und Nachname an, statt eine geschlechts- bezogene Anrede (Herr/ Frau) zu nutzen. In städtischen Formularen, in denen das Ge- schlecht abgefragt wird, sollten zukünftig bei der Neufassung der Formulare und Vordrucke die Formularfelder „weiblich“, „männlich“, „divers“, „keine Angabe“ angeboten werden. Bei Abfragen der Anrede sollten sukzessive die Formularfelder: Frau, Herr, Guten Tag + Vornamen und Nachnamen oder nur Guten Tag angeboten werden. 3.4 Stellenausschreibungen Die beste Absicherung bei einer Stellenaus- schreibung ist eine inklusive, geschlechter- umfassende Formulierung. Wählen Sie daher geschlechterumfassende Jobtitel. Dafür genügt es, einfach im Plural zu denken. Im Singular werden Teamleiterin und Teamleiter zur Teamleitung. Kaufmänner und Kauffrauen sind Kaufleute. Die Redaktions- assistenten werden zur Assistenz und die Sekretärin zur Bürofachkraft. Wenn sich keine geschlechterumfassenden Titel finden lassen, können Sie sich mit dem Genderstern und Leitfaden für eine wertschätzende Kommunikation einem in Klammer geführten Zusatz (m/w/d) behelfen. In Bezug auf Stellenausschreibungen zeigen Untersuchungen, dass Geschlechterzu- schreibungen sich nachhaltig auf das Verhalten der Bewerbenden auswirken. Stellenausschrei- bungen werden oft in „männlich-codierter“ Sprache verfasst. Die Forschung zeigt, dass Frauen in ihrem Bewerbungsverhalten durch den Wortlaut einer Anzeige stark beeinflusst werden und somit eher auf „weiblich“ oder „neutral“ codierte Stellenausschreibungen ansprechen. Männer hingegen werden von der Gendercodierung kaum beeinflusst. Während laut Studien Bewerber die Anforderungen einer Stellenausschreibung überfliegen, gehen die meisten Bewerbe- rinnen die Stellenanzeige Punkt für Punkt durch und bewerben sich nur, wenn sie die Anforderungen hundertprozentig erfüllen können. Um alle Zielgruppen zu erreichen, ist es wichtig, Stellenausschreibungen zu verfassen, die alle ansprechen. Wenn wir Stellenausschreibungen erstellen, haben wir unbewusst oft eine genaue Vor- stellung von einer geeigneten Person. Diese Tendenz zu stereotypisieren führt häufig zu positiven oder negativen Zuschreibungen und zur unbewussten Bevorzugung oder Benachteiligung anderer Menschen. Es ist notwendig, Stellen durch ihren Inhalt zu definieren. Es bringt uns dazu, zu reflektieren und zu lernen, unsere unbewussten Zu- schreibungen zu erkennen. Darüber hinaus ist auf geschlechterspezifische Klischees und Stereotype bei Formulierungen zu verzichten. Einer Person sollten nicht aufgrund ihres Seite 32 Geschlechtes bestimmte Eigenschaften zugeordnet werden. Im deutschen Kulturkreis typische Geschlechter-Zuschreibungen sind: Bei Frauen zum Beispiel: „sorgsam“, „be- dienen“, „kümmern sich“, sind „hilfsbereit“, „empathisch“, „beziehungsorientiert“, „nett“, „anpassungsfähig“, „tüchtig“, „ele- gant“, haben eine „angenehme Erscheinung“ Bei Männern zum Beispiel: „rational“, „beherrschen“, „packen zu“, sind „zielstre- big“, „offensiv“, „durchsetzungsstark“, „analytisch“, „leistungsorientiert“, „durch- setzungsfähig“, „ehrgeizig“, „konsequent“ Vermeiden Sie bei Stellenausschreibungen Formulierungen, die für Menschen unver- ständlich sind, unnötig Druck aufbauen oder Personengruppen unbewusst ausschließen können. Verwenden Sie möglichst „inklusi- ve“ Formulierungen und verzichten Sie auf männlich-codierte Sprache. Vermitteln Sie stets auf verständliche Art und Weise den Zweck sowie die Bestimmung der Stelle. Gestalten Sie ... statt Herausforderungen meistern Sie arbeiten mit XYZ zusammen, um gemeinsam ... statt Junges, leistungsorientiertes Umfeld Motivieren Sie Ihre Teammitglieder, in dem Sie sie unterstützen statt anspruchsvolle Position Ihre Kern- / Hauptverantwortung ist... statt Hohes Gestaltungspotenzial Leitfaden für eine wertschätzende Kommunikation Seite 33 Textbeispiel Referent*in (m/w[d) Ihr Aufgabengebiet umfasst: 1. Grundsatzangelegenheiten 2. Ausweitung und Anpassung von Zielen und Inhalten des Landesprogrammes auf nachgeordneten Behörden und landeseigenen Betriebe 3. Aufbau und Pflege von Netzwerken in nachgeordneten Behörden und landesweiten Betrieben 4. Entwicklung von Informationsmaterialien und Instrumenten zur Unterstützung nachgeordneter Behörden und landeseigener Betriebe in ihrem Umgang mit dem Thema Wir bieten Ihnen eine interessante, abwechslungsreiche und anspruchsvolle Tätigkeit, in der Sie wichtige Lebensbereiche der Stadt mitgestalten können, die Möglichkeit, Ihre persönlichen Kompetenzen weiterzuentwickeln, indem Sie unsere vielfältigen Angebote fachlich und außerfachlicher Fort- und Weiterbildung nutzen und so Karrierechancen für sich eröffnen, ein betriebliches Gesundheitsmanagement, dessen Angebote (zum Beispiel durch vielfältige sportliche Aktivitäten) Ihre Gesundheit erhalten sollen, ein kollegiales Arbeitsklima in einer vielfältigen, toleranten und weltoffenen Verwaltung, in der wir uns für Chancengerechtigkeit und Diskriminierungsfreiheit einsetzen. Die Stadt fördert aktiv die Vielfalt und Gleichstellung aller Mitarbeitenden. Sie begrüßt deshalb Bewerbungen von People of Color, Menschen aller Nationalitäten, Religionen und Weltanschauungen, sexueller Orientierung und geschlechtlicher Identitäten sowie aller Altersgruppen. Frauen und Personen mit familiärer Migrations- und Flucht- geschichte werden besonders ermutigt, sich zu bewerben. Anerkannte Schwerbehinderte und diesem Personenkreis gleichgestellte Bewerbende werden bei gleicher Eignung besonders berücksichtigt. Leitfaden für eine wertschätzende Kommunikation 3.5 Anrede in Briefen / Mails und Begrüßungen Werden einzelne Personen im Schriftverkehr direkt angesprochen, kann die Nennung von Vor- und Nachnamen verwendet werden. Als Grußformel bieten sich hier je nach Kontext „Hallo“, Guten Tag, Sehr geehrte*r, Liebe*r oder ähnliches an: - Guten Tag, Kim Schmitz - Sehr geehrte*r Kim Schmitz, - Hallo, Kim Schmitz - Liebe*r Kim Schmitz, Zur Anrede von Personengruppen sollte auf eine geschlechterumfassende Personenbe- zeichnung oder den Genderstern zurückge- griffen werden. - Sehr geehrte Teilnehmer*innen - Liebes Planungsteam - Liebe Interessierte - Guten Tag! Durch die Nennung von Vor- und Nach- namen oder einer Personengruppe lässt sich die Anrede mit Herr und Frau oder die Formulierung „Sehr geehrte Damen und Herren“ vermeiden. In manchen Kontexten ist es jedoch unan- gemessen, eine andere Anrede als „Sehr geehrte Damen und Herren“ zu verwenden. In solchen Fällen kann die Ansprache weiter genutzt werden, ebenso wie „Sehr geehrte Seite 34 Frau Musterfrau“ oder „Sehr geehrter Herr Mustermann“. Die persönliche Ansprache bleibt individuell. Wenn Sie unsicher sind, fragen Sie im Ein- zelfall die Person nach einer angemessenen Formulierung. - Haben Sie eine bevorzugte Anrede? - Mit welcher Anrede fühlen Sie sich wohl? - Bitte lassen Sie uns wissen, welche Anrede wir für Sie verwenden dürfen. Bis dahin werden wir eine geschlechterumfassende Form wählen. Zur genderumfassenden Begrüßung größerer Gruppen bieten sich Begriffe an wie beispielsweise Anwesende, Gäste, Publikum, Interessierte, Kollegium, Vorstand, Mitglieder des Rates. Aber auch die Verwendung des Gender- sterns eignet sich bei einem größeren Publikum. Der Stern wird durch den „glottalen Stopp“ ausgedrückt. Dies ist eine kurze Sprech- pause, die für den Stern beim Sprechen angewandt wird. Leitfaden für eine wertschätzende Kommunikation Seite 35 Textbeispiel Negativbeispiel: Mitarbeiterversammlung Liebe Mitarbeiter der Stadt Höhenrath, sehr geehrte Damen und Herren, verehrte Besucher, lassen Sie mich zunächst einmal Ihnen allen meinen Dank dafür aussprechen, dass ich als neu gewählter Bürgermeister in „diese funktionierende Mannschaft“ gut aufgenommen worden bin. (...) Ich freue mich schon sehr auf den bevorstehenden „Tag des offenen Rathauses“, bei dem Mitarbeiter der Stadt Höhenrath dem Bürger als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Auch Besitzer von Privateigentum können sich an dem Tag über aktuelle Fördermöglichkeiten informieren. Die Geschäftsführer der Stadtwerke laden zudem interessierte Bürger zu einer Führung durch ausgewählte Objekte ein. (...) Zu guter Letzt wende ich mich an alle neuen Mitarbeiter, die seit der letzten Personalversammlung eingestellt wurden: Ihnen als Berufseinsteiger wünsche ich von Herzen nur das beste und eine gute Zeit in unserer Verwaltung. Bei Fragen stehen Ihnen die Kollegen des Personalrates als Experten in Sachen Personalrecht zur Verfügung. Positivbeispiel: Versammlung aller Mitarbeitenden der Stadt Höhenrath Liebe Mitarbeitende der Stadt Höhenrath, sehr geehrte Anwesende, verehrte Gäste, lassen Sie mich zunächst einmal Ihnen allen meinen Dank dafür aussprechen, dass Sie mich als neu gewählter Bürgermeister so gut in dieses tolle Team aufgenommen haben. (...) Ich freue mich schon sehr auf den bevorstehenden „Tag des offenen Rathauses“, bei dem Mitarbeitende der Stadt Höhenrath interessierten Menschen als Ansprechpersonen zur Verfügung stehen. Auch Personen mit Privateigentum können sich an dem Tag über aktuelle Fördermöglichkeiten informieren. Die Geschäftsführung der Stadtwerke lädt zudem Interessierte zu einer Führung durch ausgewählte Objekte ein. (...) Zu guter Letzt wende ich mich an alle neuen Mitarbeitenden der Stadt Höhenrath, die seit der letzten Personalversammlung eingestellt wurden: Ihnen als Neue im Team wünsche ich von Herzen nur das beste und eine gute Zeit in unserer Mitte. Bei Fragen stehen Ihnen die Kolleg” innen der Personalvertretung als Fachkundige in Sachen Personalrecht gerne zur Verfügung. Wertschätzende Kommunikation bei der Erstellung von Präsentationen Leitfaden für eine wertschätzende Kommunikation Mit Blick auf die Barrierefreiheit sind beim Erstellen von Präsentationen wie PowerPoint neben der Verwendung von Bildern und Grafiken noch weitere Vorgaben zur wert- schätzenden Kommunikation zu beachten. Um diese zu gewährleisten, sollten Sie sich fragen, welche Präsentationsart Sie wählen. Handelt es sich um einen ausschließlich mündlichen Vortrag, so sollten Sie diesen an die Bedürfnisse von nicht hörenden Menschen anpassen, beispielsweise indem Sie Gebärden- und/oder Schriftdolmetscher* innen hinzu- ziehen. Nutzen Sie für Ihren Vortrag Projektio- nen von Texten, Grafiken oder Bildern, sollten Sie die Vorgaben der Barrierefreiheit für blinde und sehbehinderte Menschen befolgen. Blinden und sehbehinderten Menschen sollte der Vortrag bereits vorab zur Verfügung gestellt werden, damit Sie sich gut vorbereiten und ihm folgen können. Zudem sind alle durch Projektion gezeigten Bilder, Grafiken oder Texte vom Vortragenden während des Vortrags beschreibend zu erläutern. Verwenden Sie für Ihre Präsentationen stets die Musterseiten beziehungsweise Foliendesigns für PowerPoint, die durch das Corporate Design der Stadt Köln vorgege- benen sind. Bitte verwenden Sie die ange- gebenen Schriften, Farben und Größen. Dies trägt zum einheitlichen Erscheinungsbild der Stadt Köln und der Barrierefreiheit bei. Nutzen Sie kontrastreiche Schriftfarben, die sich vom Hintergrund abheben und somit eine gute Lesbarkeit der Folien zulassen. Hierzu zählen folgende Kombinationen: schwarz-weiß, weiß auf rot, blau auf Seite 38 weiß, gelb auf blau und gelb auf schwarz. Vermeiden Sie „rot-grün“ Kombinationen. Achten Sie auf ausreichenden Kontrast: Vordergrund und Hintergrund sollten sich klar voneinander abheben. Zum Hervorheben von Textpassagen vermeiden Sie Unterstreichungen, kursiv oder schräggestellte Schrift, einen größeren Zeichenabstand oder nur Großbuchstaben. Markieren Sie Wörter stattdessen fett, nehmen Sie eine andere dunkle Schriftfarbe oder hinterlegen Sie den Text mit einer hellen Farbe. Sie können Sätze auch mit einem Rahmen versehen, um sie hervor- zuheben. Nutzen Sie als Aufzählungszeichen bitte immer den vollflächigen Kreis (+) oder den hohlen Punkt (0). Bitte vermeiden Sie Striche als Aufzählungszeichen. Vermeiden Sie zu viel Text auf einer Folie, sodass die Schriftgröße zu klein wird und die Lesbarkeit dadurch eingeschränkt wird. Nutzen Sie bei PowerPoint die Schriftgröße 24 für den Text und die Schriftgröße 28 für Überschriften. Alle Informationen über die Vorgaben zur Erstellung von PowerPoint- Präsentationen finden Sie in der ausführlichen Masterfolie bei den PowerPoint-Vorlagen. Verwenden Sie stets eine Schriftart ohne Buchstabenstrich am Ende (serifenfrei) wie zum Beispiel: ARIAL, Calibri, in PowerPoint ausschließlich Verdana. Diese verbessert die Lesbarkeit von Texten. Verzichten Sie auf Blocksatz, da die veränderten Abstände zwischen den Buchstaben die Lesbarkeit erschweren. Leitfaden für eine wertschätzende Kommunikation Achten Sie bei der anschließenden Er- stellung der Dokumentation ebenfalls darauf, barrierefreie Dokumente bereit- zustellen. Es ist zu empfehlen, bereits bei der Erstellung von Word, Excel oder PowerPoint-Dokumenten von Anfang an auf die Barrierefreiheit zu achten. Eine gute Schritt-für-Schritt Anleitung gibt Microsoft Support: Word / Excel / PowerPoint 4.1 Wort-Bild Zusammenhang Die Verwendung von Bildern in Publi- kationen, der Öffentlichkeitsarbeit sowie bei Präsentationen verstärkt Aussagen und kann Texte verständlicher machen. Im Sinne einer wertschätzenden Kommunikation sollten jedoch verschiedene Hinweise berücksichtigt werden. Vermeiden Sie Bilder, die Personen auf bestimmte Rollen, Klischees oder Eigen- schaften reduzieren. Die Vielfalt der Stadt soll auch in der Bildsprache abgebildet sein und frei von Stereotypen und Diskriminierungen aufgrund von geschlechtlicher Identität, Alter, ethnischer Zugehörigkeit, Migrations- erfahrung, Religion, Behinderung, Krankheit, Armut oder sexueller Orientierung sein. Achten Sie bei der Auswahl von Bildern auf Ausgewogenheit und gleichrangige Darstellungen. Stellen Sie sich die Frage, ob die Bildauswahl Klischees reproduziert oder Seite 39 verfestigt. Welche Aussage wollen Sie mit einem Bild hervorheben und kann dies zur Sichtbarkeit einer Gruppe beitragen? Bilder sollen Menschen und Gruppen repräsen- tieren und nicht markieren. Es ist durchaus schwierig, geeignete Bilder zu finden, die diesen Ansprüchen gerecht werden. Ausgewogenheit Negativbeispiel Leitfaden für eine wertschätzende Kommunikation Gleichrangige Darstellung Negativbeispiel Seite 40 4.2 Alternativtexte für Bilder und Grafiken Bilder und Grafiken in einem Textdokument benötigen einen Alternativtext. Dieser Text ermöglicht sehbehinderten oder blinden Menschen, den Inhalt von Bildern zu erfassen. Alternativtexte werden durch Textausgabegeräte vorgelesen. Bilder sollten aufgrund ihrer Bedeutung zum Verstehen des Textes beschrieben werden. Um ein Bild oder eine Grafik mit einem Alter- nativtext zu beschreiben, wählen Sie das gewünschte Bild oder die gewünschte Grafik aus, klicken mit der rechten Maustaste auf das Bild oder die Grafik und wählen Sie den Eintrag „Grafik formatieren“. Im Dialogfenster wählen Sie abschließend den Menüpunkt Alternativtext und be- schreiben das Bild oder die Grafik. Leitfaden für eine wertschätzende Kommunikation Seite 41 Schritt 1 Ausschneiden Kupieren Einfüyeupliuners: Sie um einen Tisch sten. ya Zar Als Grafik speichern... Sch ritt 2 E37 Bild ändern... 18] Grafik formatieren ‘u, Inden Vordergrund » „me ur 4, Inden Hintergrund > TEXTFELO. rn # ALTERNATIVTEXT !ink Ta | Beschriftung einfügen... ey Beschreibung 2 Zeilenumbruch > Zu sahen ist alna Grupps untarschiachicher Personan, Du; Größc und Position... &y Grafik formatieren... Einfache Sprache und Barrierefreiheit Leitfaden für eine wertschätzende Kommunikation Die Belange von Menschen mit Behinde- rung bei der Gestaltung von schriftlichen Bescheiden, Allgemeinverfügungen, öffentlich-rechtlichen Verträgen, Vor- drucken und amtlichen Informationen sind nach 8 9 Behindertengleichstellungsgesetz NRW (BGG NRW) zu berücksichtigen. Die Verwaltung hat die schriftliche und mündliche Kommunikation rechtssicher zu gestalten. Gleichzeitig sollte sie verständlich, nachvollziehbar und bürgernah sein und möglichst von allen Menschen in Köln verstanden werden. Einfache Sprache erhöht die Verständlichkeit von Texten, insbesondere für Menschen mit Lern- schwierigkeiten, wie auch für Menschen, die Deutsch nicht als Erstsprache erlernt haben. Die Beachtung folgender Punkte kann als Orientierung helfen: Seite 44 Wortebene - Verzichten Sie auf Fremdwörter, finden Sie Synonyme - Nutzen Sie geläufige, bekannte Wörter und bevorzugen Sie kurze Wörter - Bezeichnen Sie Gleiches immer gleich - Wörter sollten nicht getrennt werden, sondern innerhalb einer Zeile stehen - Bei Zahlen die Ziffer und nicht das ausgeschriebene Wort verwenden - Vermeiden Sie Abkürzungen - Vermeiden Sie Verneinungen - Verwenden Sie aktive statt passive Aussagen - Nutzen Sie den Indikativ (Erzählform / Wirklichkeitsform) anstelle des Konjunktivs (Möglichkeitsform) - Persönliche Ansprache verstärkt den Lesebezug und erhöht die Lesemotivation Leitfaden für eine wertschätzende Kommunikation Satz- und Textebene - Formulieren Sie verständliche, kurze Sätze, unterteilen Sie lange Sätze in kurze Hauptsätze und verwenden Sie einfache Zeichensetzung — Strukturieren Sie Sätze klar und deutlich, vermeiden Sie Verschachtelungen - Strukturieren Sie den Inhalt mit Absätzen für jeden neuen Gedankenabschnitt - Stellen Sie wichtige Inhalte zuerst dar, streichen Sie überflüssige Informationen Im Intranet der Stadt Köln finden Sie eine Anleitung zu Erstellung von barrierefreien Dokumenten. Seite 45 FAQ für eine wertschätzende Kommunikation bei der Stadt Köln Leitfaden für eine wertschätzende Kommunikation Als viertgrößte Kommune und Hauptstadt des bunten und vielfältigen Lebens möchten wir als Stadtverwaltung alle Menschen in Köln gleichermaßen wertschätzend und sichtbar ansprechen. Dafür ist eine gemeinsame, einheitliche Wort-, Schrift- und Bildsprache wichtig. Der Verwaltungsvorstand hat das Amt für Integration und Vielfalt und das Amt für Gleichstellung von Frauen und Männern beauftragt, einen Leitfaden für wert- schätzende Kommunikation bei der Stadt Köln zu erarbeiten. Der Leitfaden soll Ihnen zur Orientierung und Unterstützung bei einer wertschätzenden und geschlechter- umfassenden Kommunikation dienen. „Warum ist eine wertschätzende und geschlechterumfassende Kommunikation wichtig?“ Kommunikation kann gut gemeint sein, wird aber nicht immer als „gut“ wahr- genommen. Sie ist dann wertschätzend, wenn andere Personen sich wahrgenommen und akzeptiert fühlen. Sprache wirkt beispielsweise respektlos und abwertend durch einen vereinfachten Sprachgebrauch („Musst du da gucken!“), unangebrachtes Duzen von Personen, nicht zu Wort kommen lassen oder unterbrechen von Personen, Abwertung von Aussagen („Stellen Sie sich mal nicht so an.“), Ansprache über Dritte (z. B. Begleitperso- nen), lächerlich machen von Aussagen oder sprachliche Verniedlichungen. Darüber hinaus können auch das nicht ernst nehmen Seite 48 von Lebensentwürfen, (beispielsweise in Bezug auf homosexuelle Jugendliche: „Das ist doch nur so eine Phase.“) oder mehr- deutige Komplimente („Für eine Mutter sind Sie wirklich gut in ihrem Job.“, „Toll, dass Sie trotz Ihrer Behinderung Sport treiben.“) respektlos sein. Wenn geschlechterumfassende Sprache so kompliziert, umständlich und miss- verständlich ist, warum machen wir das denn?“ Sprache hat eine große Bedeutung für die Art und Weise, wie die Welt gesehen und damit auch „erschaffen“ wird. Sie unterliegt einem ständigen Wandel. Begriffe aus anderen Sprachen werden übernommen, wie zum Beispiel „Alkohol“ aus dem Arabischen, „Download“ aus dem Englischen, das kölsche Wort „Parapluie“ aus dem Französischen für Regenschirm. Gleichzeitig werden Worte nicht mehr gebraucht, deren Sprachgebrauch nicht mehr zeitgemäß erscheint wie das Wort „Fräulein“. Die Stadtverwaltung ist Vorbild in ihren Funktionen als Arbeitgeberin, Dienstleisterin und Partnerin. Aus diesem Grund ist es unerlässlich, dass durch die genutzte Wort- und Bildsprache allen Menschen in Köln offen und wertschätzend begegnet wird. Auch wenn es vielleicht so wirkt, geschlechter- umfassende Sprache ist nicht missverständ- lich. Es verhält sich im Gegenteil so, dass eher das generische Maskulinum - also die durchgängige Nutzung der männlichen Leitfaden für eine wertschätzende Kommunikation Form - zu Missverständnissen führen kann. Geschlechterumfassende und diskriminie- rungsfreie Sprache kann immer dann kom- pliziert sein, wenn sie kompliziert angewen- det wird. Durch die Wahl geeigneter Formen bleibt der Lesefluss jedoch ungestört. „Es gibt doch bereits Schreibweisen, um die weibliche Form deutlich zu machen. Wieso nun der Genderstern?“ Im Unterschied zu den bisher bekannten und zum Teil verwendeten Formen, wie z.B. das Binnen-I (LehrerInnen), die weib- liche Form in Klammern (Lehrer(innen)), der Schrägstrich (Lehrer /-innen) oder die Beidnennung (Lehrerinnen und Lehrer), macht der sogenannte Genderstern nicht nur Männer und Frauen sichtbar. Durch die Nutzung des Gendersterns steht das extra Zeichen, ein hochgestellter Stern, der Asterisk, für die vielen unterschiedlichen Geschlechtsidentitäten zwischen männlich und weiblich. „Kann man das überhaupt sprechen?“ Geschlechterumfassende Sprache lässt sich nicht nur schreiben, sondern auch sprechen. Der Stern wird durch einen sogenannten „glottalen Stopp“ ausgedrückt. Dabei handelt es sich um eine kurze Sprechpause, die für den Stern beim Sprechen ange- wandt wird. Die Pause ist ähnlich wie die kurzen Pausen bei den Wörtern beinhaltet (be-inhaltet) oder Theater (The-ater). Seite 49 „Ist der Genderstern barrierefrei? Mittlerweile lesen viele Screenreader den Genderstern als glottalen Stopp mit. Dies entspricht auch der Aussprache. Es gibt jedoch auch weiterhin Geräte, die den Genderstern nicht richtig vorlesen, dies gilt jedoch auch für viele weitere Sonderzeichen und Emojis. Generell gilt, dass ein möglichst vertrautes Zwischenzeichen die beste Lösung für eine geschlechtergerechte Schreibweise ist. Der Genderstern hat sich hierbei als die gängigste Form heraus- gestellt. „Frauen sind doch mitgemeint?“ Auch in der Verwaltungssprache ist die Ver- wendung des „generischen Maskulinums“ weit verbreitet. Dabei handelt es sich um die ausschließlich männliche Form, bei der Frauen gleichermaßen eingeschlossen und mitgemeint werden. Sprachwissenschaft- liche Studien haben gezeigt, dass die Ver- wendung des „generischen Maskulinums“ jedoch ausgrenzend wirkt und Frauen nur selten auch „mitgedacht“ werden. Ebenso verhält es sich, wenn wir zukünftig nicht auf den zusätzlichen Geschlechtseintrag „die dritte Option (divers)“ aufmerksam machen, durch die Nutzung des Gendersterns. „Hat Köln nichts Wichtigeres zu tun?“ Die Stadt Köln nimmt eine Vielzahl von wichtigen Aufgaben wahr. Eine davon ist, das Leben in Köln für alle Menschen weiterhin positiv zu gestalten. Als Dienstleiterin und Partnerin ist es wichtig, mit unserer Kommunikation möglichst alle Menschen Leitfaden für eine wertschätzende Kommunikation in Köln anzusprechen. Darüber hinaus wollen wir unbewusste Zuschreibungen, Ausgrenzungen und Diskriminierungen vermeiden. Als Stadtverwaltung sind wir Vorbild und zuständig und ansprechbar für die Belange aller Einwohner*innen der Stadt. „Darf ich „Sehr geehrte Damen und Herren“ nicht mehr als Anrede schreiben?“ Wie in dem „Leitfaden wertschätzende Kommunikation bei der Stadt Köln“ beschrieben, ist es in manchen Kontexten unangemessen, eine andere Anrede als „sehr geehrte Damen und Herren“ zu verwenden. In solchen Fällen kann die allgemeine Ansprache genauso wie die persönliche Ansprache mit „Sehr geehrte Frau Musterin“ weiter genutzt werden. Insbesondere wenn es sich um größere Gruppen handelt, sollte jedoch darauf geachtet werden, dass Ihnen bekannt ist, dass Sie es mit einer homogenen Gruppe zu tun haben. Ist Ihnen dies nicht bekannt, versuchen Sie bei der Anrede zum Beispiel bei Veranstaltungen, Grußworten oder Ähnlichem wertschätzende Alternativen zu finden und damit geschlechterumfassend zu begrüßen. Als Beispiele könnten Sie: Sehr geehrte Gäste, Publikum, Anwesende, Interessierte verwenden. „sehr geehrte Gäste“ - passt zu einem Dankesschreiben nach einer Veranstaltung, „sehr geehrte Interessierte“ - zum Beispiel beim Verschicken einer Einladung. Seite 50 „Müssen die Begriffe aus den Publika- tionen verwendet werden?“ Alle in den Publikationen vorgeschlagenen Begriffe sind als Beispiele zu verstehen. Wenn sich aus der konkreten Praxis oder ihrem Arbeitsalltag andere geschlechterum- fassende Formulierungen anbieten, können diese sehr gerne verwendet werden. „Wie verbindlich sind die Empfehlungen?“ Mit dem Beschluss des Verwaltungs- vorstands vom 26.01.2021 Ist der Leitfaden „für eine wertschätzende Kommunikation bei der Stadt Köln“ das Regelwerk für die Verwaltungskommunikation. „Bis wann müssen die Empfehlungen umgesetzt werden?“ Die Umsetzung erfolgt für das gesprochene Wort und im Schrift- und Bildverkehr sukzessive ab dem 01.03.2021. Vorhandene Materialien und Ausstattungen werden zuerst aufgebraucht bzw. weitergenutzt, bei sämtlichen Erneuerungen, Neubestellungen oder Nachdrucken sind die Änderungen zu berücksichtigen. Analoge und digitale Formulare, Vordrucke, Datenbanken und Akten [ e-Akten etc. werden sukzessive bis Ende 2022 entsprechend des Beschlusses neu gestaltet. Ebenso wird das zukünftig zu verwendende Bildmaterial von städtischen Veröffentlichungen bis Ende 2022 der Vielfalt des gesellschaftlichen Lebens in der Stadt angepasst. Leitfaden für eine wertschätzende Kommunikation „Wo bekomme ich Unterstützung bei der Umsetzung?“ Wenn Sie Unterstützung bei der Umsetzung der Empfehlungen brauchen, wenden Sie sich gerne an die Kolleg*innen im Amt für Integration und Vielfalt (diversity@stadt-koeln.de) oder im Amt für die Gleichstellung von Frauen und Männern (1/1 PoststelleGleichstellungsamt@stadt-koeln.de). Seite 51 Leitfaden für eine wertschätzende Kommunikation Literaturhinweise Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG) www.gesetze-im-internet.de/agg/ | www.antidiskriminierungsstelle.de/DE/ Home/home_node.html Fairlanguage www.fairlanguage.com Geschlechtergerechte Sprache Empfehlungen der Gleichstellungsbeauf- tragten der Universität zu Köln: www.hf.uni-koeln.de/file/7466 Informationen zu LGBTIQ Themen www.proutatwork.de Informationen zum Gesetz zur dritten Geschlechtsoption und deren Umsetzung in Unternehmen www.proutatwork.de/nr-2-die-dritte- option-und-ihre-umsetzung-in- unternehmen/ Internetseite für Journalist*innen, die über Menschen mit Behinderungen berichten www.leidmedien.de Fotodatenbank mit Bildmaterial von Menschen mit Behinderungen, LSBTI, Menschen mit Migrationshintergrund in verschiedenen Alltags- | Arbeitssituationen www.gesellschaftsbilder.de Neue Deutsche Medienmacher https://www.neuemedienmacher.de/ Seite 52 Alle Werbebeispiele stammen aus dem Internet: von den Internetseiten der werben- den Firmen, von Verkaufsportalen wie z. B. Amazon oder von Internetseiten aus Online- Magazinen. Zum Teil handelt es sich um Werbekampagnen, die aktuell nicht mehr verwendet werden. Sie wurden dennoch im Leitfaden abgebildet, da sie plakativ deutlich machen, worum es bei sexistischer und sexualisierter Werbung geht. Es kann daher nicht ausgeschlossen werden, dass einzelne Unternehmen bei Drucklegung nicht mehr hinter der von ihnen in der Vergangenheit gezeigten Werbung stehen. Leitfaden für eine wertschätzende Kommunikation Dank Wir danken Boehinger-Ingelheim, die mit ihrer Broschüre „Empfehlungen zur wertschätzenden Kommunikation“ einen wichtigen Beitrag zur Entstehung des vorliegenden Leitfadens geleistet haben. https:/[www.boehringer-ingelheim.de/ sites/de/files/unternehmensprofil/ diversity_inclusion/empfehlungen_ wertschaetzende_kommunikation.pdf Wir danken der Stadt Dortmund, dass wir uns an deren Veröffentlichung „Leitfaden für gendersensible Sprache bei der Stadt Dort- mund Stand: Mai 2020“ orientieren durften. Seite 53 Leitfaden für eine wertschätzende Kommunikation Seite 54 Kontakt Amt für Integration und Vielfalt Abteilung Vielfalt Kleine Sandkaul 5, 50667 Köln diversity@stadt-koeln.de Amt für Gleichstellung von Frauen und Männern Willy-Brandt-Platz 3, 50475 Köln I/1PoststelleGleichstellungsamt@stadt-koeln.de Die Oberbürgermeisterin Amt für Integration und Vielfalt Amt für Gleichstellung von Frauen und Männern ‚Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Gestaltung Zentrale Dienste der Stadt Köln Bildnachweis Titel: v.istockphoto.com/cienpies; S. 10, 11: www.dreamstime.com/Mykola Nisolovskyi, www.freepik.com/pch.vector; S. 12, 13: www.dreamstime.com/Mykola Nisolovskyi, www.freepik.com/macrovector, www.freepik.com/pikisuperstar; S. 39: www.stock.adobe.com/Jacob Lund, www.shutterstock.com/Robert Kneschke; S. 40: allianz.de; S. 41: www.shutterstock.com/ Robert Kneschke; S. 44, 45: www. shutterstock.com/Kachka, www.freepik.com/pch.vector Druck Druckhaus Süd 13-US/028-21/16/1.000/01.2021
Mitteilung Ausschuss
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Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle OB/16/161/1 Vorlagen-Nummer 0409/2021 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Bezirksvertretung 5 (Nippes) 18.03.2021 Ausschuss Schule und Weiterbildung 01.03.2021 Liegenschaftsausschuss 01.03.2021 Digitalisierungsausschuss 19.04.2021 Gesundheitsausschuss 02.03.2021 Verkehrsausschuss 02.03.2021 Ausschuss Klima, Umwelt und Grün 04.03.2021 Bezirksvertretung 6 (Chorweiler) 04.03.2021 Bezirksvertretung 7 (Porz) 04.03.2021 Bezirksvertretung 8 (Kalk) 04.03.2021 Ausschuss Allgemeine Verwaltung und Rechtsfragen / Vergabe / Internationales 08.03.2021 Bauausschuss 08.03.2021 Ausschuss Kunst und Kultur 09.03.2021 Jugendhilfeausschuss 09.03.2021 Bezirksvertretung 1 (Innenstadt) 11.03.2021 Stadtentwicklungsausschuss 11.03.2021 Sportausschuss 11.03.2021 Ausschuss für Bürgerbeteiligung, Anregungen und Beschwerden 15.03.2021 Bezirksvertretung 2 (Rodenkirchen) 15.03.2021 Bezirksvertretung 3 (Lindenthal) 15.03.2021 Bezirksvertretung 4 (Ehrenfeld) 15.03.2021 Bezirksvertretung 9 (Mülheim) 15.03.2021 2 Finanzausschuss 15.03.2021 Ausschuss für die Gleichstellung von Frauen und Männern 28.05.2021 Stadtarbeitsgemeinschaft Seniorenpolitik 25.03.2021 Integrationsrat 13.04.2021 Ausschuss Soziales und Senioren 15.04.2021 Wirtschaftsausschuss 15.04.2021 Stadtarbeitsgemeinschaft Lesben, Schwule und Transgender 21.04.2021 Stadtarbeitsgemeinschaft Behindertenpolitik 23.04.2021 Respektvoll, diskriminierungsfrei und zugewandt: Leitfaden für eine wertschätzende Kommunikation bei der Stadt Köln Als viertgrößte Kommune und Hauptstadt des bunten und vielfältigen Lebens möchte Köln all ihre Einwohner*innen, Gäste, Kund*innen sowie Mitarbeitende gleichermaßen wertschätzen und sichtbar ansprechen. Hierzu bedarf es einer einheitlichen Schrift- und Bildsprache. In ihrer Funktion als Ar- beitgeberin, Dienstleisterin und Partnerin ist die Stadtverwaltung Vorbild. Daher ist es unerlässlich, durch die verwendete Wort- und Bildsprache allen Menschen in Köln offen und wertschätzend zu be- gegnen. Die Verwaltung wird ab dem 01. März 2021 ihre Kommunikation geschlechterumfassend und damit wertschätzender und diskriminierungsfrei im Wort-, Schrift- und Bildverkehr gestalten. Zukünftig wer- den Formulierungen verwendet, die alle Geschlechter einbeziehen (z.B. Studierende), statt wie bisher die vorgeschriebene binäre Nennung (z.B. Studentinnen und Studenten). Wo diese geschlechterum- fassende Formulierung nicht möglich ist, wird der sog. Gender-Stern, der Asterisk, verwendet (z.B. Bürger*innen). Von dieser Regelung ausgenommen sind Begriffe, die eine feststehende juristische Definition tragen (z.B. Personalrat als Organisation) und somit nicht verändert werden dürfen, um eine rechtssichere Kommunikation nicht zu gefährden. Für die Umsetzung und als Orientierung für die Mitarbeitenden der Stadtverwaltung wurde der „Leit- faden für eine wertschätzende Kommunikation bei der Stadt Köln“ durch das Amt für Integration und Vielfalt und das Amt für Gleichstellung von Frauen und Männern erarbeitet. Dieser Leitfaden zeigt verschiedene Möglichkeiten auf, geschlechterumfassend zu kommunizieren. Hintergrund für die Erarbeitung und Einführung des Leitfadens ist der Beschluss des Bundesverfas- sungsgerichts (Az. 1 BvR 2019/16). Durch diesen Beschluss ergeben sich für die Stadt Köln ver- schiedene Handlungsbedarfe, die sowohl die interne als auch die externe Kommunikation betreffen. Mit der Entscheidung des Verwaltungsvorstandes zur Umsetzung kommt die Stadt Köln diesen Be- darfen nach. Mit dem Diversity Konzept der Stadt Köln „Köln l(i)ebt Vielfalt“ hat sich die Stadtverwaltung zur Ge- staltung eines diskriminierungsfreien Arbeits- und Lebensumfeldes verpflichtet. Die Einführung einer geschlechterumfassenden Sprache ist eine Maßnahme aus dem Konzept. Hiermit werden Standards für eine diskriminierungsfreie Sprache innerhalb und außerhalb der Verwaltung definiert. Die Verwal- tung hat sich zudem bewusst entschlossen, über das Thema geschlechterumfassende Formulierung hinaus, einen Leitfaden zu erarbeiten, der alle Diversity Dimensionen gleichwertig behandelt. Aus diesem Grund bietet der „Leitfaden für eine wertschätzende Kommunikation bei der Stadt Köln“ ne- ben Praxistipps für eine geschlechterumfassende Sprache auch Hinweise zum sprachlichen und bild- lichen Umgang mit den Themen sexuelle Orientierung, Alter, Behinderung, Herkunft, Religion und Weltanschauung, die bei einer diskriminierungsfreien Sprache und wertschätzenden Kommunikation zukünftig in der täglichen Verwaltungspraxis Beachtung finden müssen. 3 Im Alltag wird Sprache meist als neutrales Mittel verstanden. Dabei gibt sie Orientierung, ist Teil un- serer Kommunikationsfähigkeit und ordnet unsere reale Welt, in der wir uns täglich beruflich und pri- vat bewegen. Sprache hat Auswirkungen darauf, wie die eigene Realität wahrgenommen und die Welt gesehen und gebildet wird. Sprache unterliegt einem ständigen Wandel. Dies zeigt sich in der vielfachen Übernahme von Begriffen aus anderen Sprachen wie zum Beispiel „Alkohol“ aus dem Ara- bischen, „Download“ aus dem Englischen, dem kölschen Wort „Parapluie“ aus dem französischen Wort für Regenschirm. Auch wurden und werden Bezeichnungen dem zeitlichen Kontext angepasst. So beispielsweise die Bezeichnung „Fräulein“, die erst 1972 aus dem offiziellen bundesdeutschen Wortschatz gestrichen wurde. Die geschlechterumfassende Sprache wird sukzessive umgesetzt. Dies umfasst unter anderem sämt- lichen Schriftverkehr, Formulare, Präsentationen, Beschilderungen und Veröffentlichungen der Stadt- verwaltung. Es wird darauf geachtet, dass vorhandene Materialien und Ausstattungen zunächst wei- tergenutzt und aufgebraucht werden. Bei sämtlichen Erneuerungen, Neubestellungen oder Nachdru- cken sind die Änderungen zu berücksichtigen. Analoge und digitale Formulare, Vordrucke, Datenban- ken und Akten/e-Akten und ähnliches, die nicht in Abhängigkeit zu externen (IT-) Dienstleistern ste- hen, werden sukzessive bis Ende 2022 neu gestaltet. Dort wo solche Abhängigkeiten bestehen, ach- ten die Fachdezernate und -ämter gegenüber Dritten mit Nachdruck auf die Umsetzung. Bei neuen Auftragserteilungen werden die Grundsätze berücksichtigt. Das zukünftig zu verwendende Bildmate- rial von städtischen Veröffentlichungen wird bis Ende 2022 der Vielfalt des gesellschaftlichen Lebens in der Stadt angepasst. Barrierefreiheit: Die Verwaltung ist sich der Herausforderung bewusst, das dritte Geschlecht sprachlich sichtbar und gleichzeitig barrierefrei zu gestalten. Bisher gibt es dafür keine allgemeingültige Lösung. Die Verwal- tung folgt dem Beispiel anderer (Kommunal)-Verwaltungen in Deutschland und hat sich ebenfalls für die Verwendung des Gender-Sterns entschieden. Gleichzeitig favorisiert die Verwaltung die Verwen- dung geschlechterumfassender Formulierungen vor der Verwendung des Gender-Sterns. Sie folgt damit der Empfehlung des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes. Generell gilt, dass heute bereits viele orthografische Zeichen durch gängige Screenreader (Vorlesegeräte) unterstützt werden. Der Doppelpunkt ist nicht barrierefreier oder -armer als der Stern. Der Doppelpunkt steht ebenfalls auf einer Liste nicht empfohlener Gender-Kurzformen des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenver- bandes. Gründe sind Probleme beim Vorlesen – sei es durch einen Computer oder durch eine Person – und bei der Darstellung in Blindenschrift. Der Doppelpunkt wird von Screenreadern standardmäßig nicht vorgelesen, weil er im Gegensatz zu Stern und Unterstrich kein Sonderzeichen, sondern ein Interpunktionszeichen ist. Anhang (alle Anlagen sind im Ratsinformationssystem der Stadt Köln einzusehen): Anlage I: Leitfaden für eine wertschätzende Kommunikation bei der Stadt Köln Anlage II: Praxistipps für eine geschlechterumfassende Sprache und wertschätzende Kommunikation bei der Stadt Köln Anlage III: Kurz und knapp: Praxistipps für eine geschlechterumfassende Sprache bei der Kölner Stadtverwaltung
Anlage III Flyer Kurz und Knapp
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Die Oberbürgermeisterin Praxistipps für eine geschlechterumfassende Sprache Tipps für geschlechterumfassende Formulierungen Verb oder Adjektiv statt Substantiv Rollstuhlgerechter Zugang statt Zugang für Rollstuhlfahrer Studentische Mitarbeit statt Mitarbeit von Studenten Ärztliche Schweigepflicht statt Arztgeheimnis Stimmberechtigtes Mitglied statt der Stimmberechtigte Wer sich bewirbt, sollte ... statt Bewerber sollten ... Teilgenommen haben 20 Personen statt es gab 20 Teilnehmer Auskunft gibt statt Ansprechpartner Pronomen Alle statt Jeder Niemand statt Keiner Gewählt ist, wer ... statt gewählt ist ein Bewerber, der Pluralformen Die Fraktionsvorsitzenden statt der Fraktionsvorsitzende Alle Ehrenamtlichen, die ... statt jeder Ehrenamtliche, der... Die Beschäftigten statt der Beschäftige Die Auszubildenden statt der Auszubildende Die Antragstellenden statt der Antragsteller Die Mitarbeitenden statt der Mitarbeiter Geschlechterumfassende Endungen Vertretung statt Vertreter Leitung statt Leiter Kundschaft statt Kunden Lehrkraft statt Lehrer Führungskraft statt Chef, Vorgesetzter Vertrauensperson statt Vertrauensmann Direktion statt Direktor Alternativen zur Bildung umfassender Sprachformen Es besteht die Möglichkeit, Synonyme zu verwenden, Institutions- und Kollektivbezeich- nungen zu wählen oder direkt anzusprechen. Kosten für die Rechtsvertretung statt Anwaltskosten Promotionsstellen statt Doktoranden Praktikumsstelle statt Praktikanten Sie müssen Ihren Arbeitsplatz sauber halten statt Die Mitarbeiter müssen ihren Arbeitsplatz sauber halten Wenn Sie Praxiserfahrung haben, melden Sie sich bei uns statt Wir suchen einen praxiserfahrenen Mitarbeiter! Geschlecht von Institutionen Institutionen, die einen weiblichen Artikel haben, sollten grammatikalisch korrekt behandelt werden. Die Kirche als Arbeitgeberin statt Die Kirche als Arbeitgeber Die Stadt Köln als Herausgeberin statt die Stadt Köln als Herausgeber Die Organisation ist eine langjährige Partnerin statt Die Organisation ist ein langjähriger Partner Die Alternative: der Genderstern Statt Student, Mitarbeiter, Leiter, Teilnehmer etc. wird entweder die geschlechterumfassende Formulierung (links) oder der Genderstern (rechts) genutzt. Antragstellende Antragsteller*in, Antragsteller*innen Bewerbende Bewerber*in, Bewerber*innen Fachkundige Experte” Expertin, Expert*innen Interessierte Interessent *in, Interessent* innen Kollegium Kollege* Kollegin, Kolleg*innen Leitende Leiter*in, Leiter*innen Lernende Schüler*in, Schüler*innen Mitarbeitende Mitarbeiter”in, Mitarbeiter*innen Sachbearbeitung Sachbearbeiter”in, Sachbearbeiter*innen Teilnehmende Teilnehmer*in, Teilnehmer*innen Studierende Student*in, Student*innen Umformulierung mithilfe von „Person“, „Mensch“ oder „Mitglied“. Die betroffene Person oder Der*Die Betroffene Die stimmberechtigte Person oder Der*Die Stimberechtigte Ältere Menschen oder Senior*innen Ansprechperson oder Ansprechpartner*in Die antragstellende Person oder Antragsteller*in Anträge, Formulare, Bewerbungsverfahren Der Auftrag, eine geschlechtersensible Sprache in der Verwaltung umzusetzen, betrifft die gesamte Kommunikation. (Ihr) Name oder Name Antragsteller*in (Ihre) Unterschrift oder Unterschrift Antragssteller*in Sozialpädagogisch beraten durch oder sozialpädagogische/r Berater”*in Die antragsstellende Person oder Der*Die Antragsteller*in Bitte beachten Sie, dass es Wörter gibt, die eine fest- stehende juristische Definition tragen und somit nicht verändert werden dürfen. Beispiele: Gesetz- licher Vertreter/Betreuer. Sie können diese Begriffe beschreibend verwenden: „gesetzlich vertreten/ betreut durch ...“. Dies gilt auch zum Beispiel, wenn Sie den Personalrat als Organ ansprechen. Anrede in Briefen / Mails und Begrüßungen Werden einzelne Personen im Schriftverkehr direkt angesprochen, kann die Nennung von Vor- und Nachnamen verwendet werden. Als Grußformel bieten sich hier „Hallo“, guten Tag, Sehr geehrte*r, Liebe*r oder Ähnliches an: - Guten Tag, Kim Schmitz - Sehr geehrte*r Kim Schmitz, - Hallo, Kim Schmitz - Liebe*r Kim Schmitz, Zur Anrede von Personengruppen sollte auf eine genderumfassende Personenbezeichnung oder den Genderstern zurückgegriffen werden. - Sehr geehrte Teilnehmer*innen - Liebes Planungsteam - Liebe Interessierte - Guten Tag! Hinweis: In manchen Kontexten ist es unange- messen, eine andere Anrede als „Sehr geehrte Damen und Herren“ zu verwenden. Genderumfassende Anrede in größeren Gruppen: Anwesende, Gäste, Publikum, Interessierte, Kollegium, Vorstand, Rat etc. oder Verwendung des Gendersterns. Der Stern wird durch den „glottalen Stopp“ ausgedrückt. Dies ist eine kurze Sprechpause, die für den Stern beim Sprechen angewandt wird. Kontakt |Impressum Amt für Integration und Vielfalt Abteilung Vielfalt Kleine Sandkaul 5, 50667 Köln diversity@stadt-koeln.de Amt für Gleichstellung von Frauen und Männern Willy-Brandt-Platz 3, 50475 Köln I/1PoststelleGleichstellungsamt@stadt-koeln.de Erstellt in (genehmigter) Anlehnung an die Veröffentlichung „Leitfaden für gendersensible Sprache bei der Stadt Dortmund.“ Vielen Dank! Weitere Beispiele: www.geschicktgendern.de Stadt Köln Die Oberbürgermeisterin Amt für Integration und Vielfalt Amt für Gleichstellung von Frauen und Männern Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Gestaltung Zentrale Dienste der Stadt Köln Bildnachweis www.istockphoto.com/cienpies Druck Druckhaus Süd 13-US/028-21/16/10.000/01.2021
Beratungsverlauf (30)
Beschluss: Kenntnis genommen
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Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 0409/2021
- Typ
- Mitteilung Ausschuss
- Datum
- 05.05.2021
- Erstellt
- 04.02.2021 15:44