V/0222/2022
Umsetzung Konzept zum weiteren Umgang mit Kriegerdenkmalen - Aufstellung Informations-Stelen an Kriegerdenkmalen und zur Erinnerung an das ehemalige Denkmal Westfälischer Frieden
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Beschlussvorlage
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V/0222/2022 V/0222/2022 Öffentliche Beschlussvorlage Betrifft Umsetzung Konzept zum weiteren Umgang mit Kriegerdenkmalen - Aufstellung Informations- Stelen an Kriegerdenkmalen und zur Erinnerung an das ehemalige Denkmal Westfälischer Frieden Beratungsfolge 24.05.2022 Bezirksvertretung Münster-Mitte Vorberatung 24.05.2022 Kulturausschuss Vorberatung 07.06.2022 Ausschuss für Umweltschutz, Klimaschutz und Bauwesen Vorberatung 08.06.2022 Ausschuss für Stadtplanung und Stadtentwicklung Vorberatung 14.06.2022 Hauptausschuss Vorberatung 14.06.2022 Rat Entscheidung Beschlussvorschlag: I. Sachentscheidung: 1. Der Rat nimmt den Stand der Umsetzung des Ratsbeschlusses vom 24.06.2020 (V/0275/2020) zur Kenntnis und stimmt der Aufstellung der Informations-Stelen in der geplanten Ausführung (Standorte, Gestaltung und T exte)an bis zu fünf Kriegerdenkmalen auf der Promenade zu. 2. Der Rat beschließt, a) dass die besondere Hervorhebung des Train-Denkmals und seines kolonialen Bezuges durch eine öffentliche Erklärung (Inschrift) von Rat, Stadt und Stadtgesellschaft zur deutschen Verantwortung für koloniales Unrecht erfolgt, die auf der entsprechenden Informations-Stele publiziert wird. b) die Verwaltung mit der Aufstellung einer Informations-Stele am ehemaligen Standort des Denkmals „Westfälischer Frieden“ von 1905 in der Promenade entsprechend dem Beschluss der BV-Mitte vom 08.02.2022 (A-M/0004/2022) zu beauftragen und dem Gestaltungsvorschlag und Standort zuzustimmen. Stadtarchiv 19.05.2022 Ihr/e Ansprechpartner/in: Frau Gussek T elefon:492-4702 Gussek@stadt-muenster.de - 2 - V/0222/2022 II. Finanzielle Auswirkungen: Teilfinanzplan Nr. Bezeichnung Haush.- jahr Betrag € Bemerkungen Produktgruppe 0406 Stadtarchiv Investitionsmaßnahm e 0010 Beschaffungen 2022 31.730 Für die Umsetzung des Ratsbeschlusses sind im Haushaltsplan 2022 bei der o. g. Investitionsmaßnahme 21.730 Euro veranschlagt. Der über den Haushaltsansatz hinausgehende Finanzierungsbedarf von 10.000 Euro wird überplanmäßig bereitgestellt. Basierend auf den Beschluss der Bezirksvertretung Münster-Mitte vom 08.02.2022 zum T agesordnungspunkt6.2 „Info- Stele zum ehemaligen Friedensdenkmal auf dem Hügel des Kanonengrabens“ (A-M/0004/2022) erfolgt die Deckung aus den frei verfügbaren Mitteln der Bezirksvertretung Münster-Mitte. Die Höhe des veranschlagten Budgets und die gestiegenen Rohstoffpreise ermöglichen im Jahr 2022 voraussichtlich nur eine Realisierung von drei der fünf geplanten Info-Stelen. Es wird versucht werden, für die beiden verbleibenden Stelen Spenden über die Plattform betterplace.org einzuwerben oder sie alternativ im Jahr 2023 aufzustellen. Begründung: Zu 1: Am 24. Juni 2020 entschied der Rat der Stadt mehrheitlich die Beauftragung der Verwaltung mit der Umsetzung der Beschlussvorlage V/0275/2020: Umsetzung des Konzepts zum zukünftigen Umgang mit Kriegerdenkmalen im öffentlichen Raum der Promenade in der Stadt Münster. Der Punkt 1a der Beschlussvorlage umfasste den Auftrag zur Gestaltung und Aufstellung von kritisch- historisch einordnenden Informations-Stelen zunächst am Train-, Dreizehner-, Kürassier-, Stalingrad- und Mauritztor-Kriegerdenkmal. In der Sitzung des Kulturausschusses am 05.10.2022 stellte das Stadtarchiv den von einer fachkundigen Jury ausgewählten Gestaltungsvorschlag der Firma Arndt & Seelig (Bielefeld): Version B vor. Dieser überzeugte in seiner Ausführung als versetzte anthrazit farbige metallene Blöcke, die optisch einen bewussten Gegenpol zu den historischen Denkmalen darstellen sollen (Anlage 1: Gestaltung Informations-Stelen Kriegerdenkmale) Die kritisch-historische Einordnung leisten entsprechende T exteauf den Stelen. Zusammen mit dem Büro für Geschichte & historische Kommunikation von Dr. Alexandra Bloch Pfister hat das Stadtarchiv T exteerarbeitet, mit denen die Stelen beschriftet werden sollen. Eine englische Version wird auf den Rückseiten der Stelen aufgebracht werden (in Vorbereitung). (Anlage 2: T exte Informations-Stelen Kriegerdenkmale) Auf Empfehlung der Kommission zur Förderung der Inklusion von Menschen mit Behinderungen (KIB) ist die Anbringung eines taktilen (ertastbaren) QR-Codes auf der Vorderseite der Stelen geplant, der zur (vorlesbaren) Webseite “Erinnern im öffentlichen Raum” mit weiterreichenden Informationen weiterleitet. Beispielhaft sei hier auf die Seite zum Train-Denkmal (Königlich Preußische Westfälische Train-Abteilung Nr. 7) verwiesen: https://www.stadt-muenster.de/kriegerdenkmale/zum-ersten-weltkrieg/traindenkmal Es ist außerdem geplant, ein Faltblatt mit Informationen zu den Kriegerdenkmalen in einfacher Sprache zu erstellen. Es richtet sich an Menschen, die Schwierigkeiten beim Lesen oder beim Verstehen eines T exteshaben. - 3 - V/0222/2022 Die Endversion der Informations-Stelen-T exte wurde den kulturpolitischen Sprecherinnen und Sprechern der im Kulturausschuss vertretenen Parteien Ende April 2022 zur Kenntnis gegeben. Am 27.04.2022 konnten bei einem Vor-Ort-T ermin mit dem Stadtarchiv, dem Stadtplanungsamt/Denkmalpflege, dem Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit und dem beauftragten Grafikbüro geeignete Standorte für die geplanten Stelen an den Kriegerdenkmalen gefunden werden. Die Stelen werden in Sichtachse der Kriegerdenkmale so aufgestellt, dass sich optisch ein direkter Bezug ergibt. Zu 2a. Hervorhebung des Train-Denkmals Das Train-Denkmal und insbesondere zwei danebenliegenden T afeln,die auf ein Mitwirken einzelner Soldaten an deutschen Kolonialkriegen hinweisen, provozieren in den letzten Jahrzehnten bis heute intensive Diskussionen um die deutsche Kolonialgeschichte. Gefordert wurde eine angemessene Erinnerung an die deutsche Verantwortung für Kolonialverbrechen, insbesondere am Train-Denkmal. Im Bewusstsein der lokalen Auseinandersetzungen schlug Punkt 1c der Beschlussvorlage (V/0275/2020) die Hervorhebung des Train-Denkmals durch die Verlegung der Gedenktafel des Arbeitskreises Afrika (AKAFRIK) von 1984 vor. Sie wies auf den Völkermord an den Herero und Nama im heutigen Namibia hin. Diese Gedenktafel steht nicht für eine Verlegung zur Verfügung. Als Alternative wird vorgeschlagen, die Hervorhebung des Train-Denkmals und seine besondere erinnerungspolitische Bedeutung durch eine öffentliche Würdigung der deutschen Verantwortung für koloniales Unrecht auf der lokalen Ebene in Münster vorzunehmen. Es wird in diesem Sinne vorgeschlagen, die Informations-Stele am Train-Denkmal durch folgende Inschrift zu ergänzen: Die Stadt Münster bekennt sich zur deutschen Verantwortung für koloniales Unrecht und den Völkermord an den Herero und Nama zwischen 1904 und 1908. Münster, 2022. Nach eingehender Prüfung unterschiedlicher Alternativen für eine Hervorhebung des Train-Denkmals wurde der Vorschlag entwickelt, die öffentliche Würdigung direkt auf der Informations-Stele anzubringen. Dies bietet den Vorteil, dass das gestalterische Konzept einer bewussten Intervention durch die Stele nicht unterbrochen werden muss. Auch inhaltlich schlägt die gemeinsame Präsentation sämtlicher T exteden Bogen von der Denkmalsgründung über den Diskussionsprozess seit den 1980er Jahren hin zum heutigen Stand einer Anerkennung und Würdigung kolonialen Unrechts durch Rat, Stadt und Stadtgesellschaft Münsters. Eine Zusatztafel am Denkmal hätte sich der Aufmerksamkeit entzogen und die Denkmalssituation verändert. (Anlage 3: Ausführung Informations-Stele Train-Denkmal)1 Zu 2b: Der Punkt 4 des Ratsbeschlusses vom 24.06.2022 (V/0275/2020) beauftragte die Verwaltung mit der Prüfung eines SPD-Antrags, ob zum Friedensjahr 2023 am „historischen Standort des ersten Münsterischen Friedensdenkmals auf der Aegidiischanze ein modernes Denkmal für Frieden und zur Erinnerung an den besonderen Charakter Münsters als Friedensstadt errichtet werden kann“. Die Prüfung mündete in dem Vorschlag, statt einer neuen künstlerischen Auseinandersetzung alternative Formen des Gedenkens aufzugreifen und als Alternative an die Existenz des Friedensdenkmals zu erinnern und/oder den ehemaligen Standort aufzuwerten. Den Vorschlag zur Schaffung einer Erinnerung an das ehemalige Friedensdenkmal griff die Bezirksvertretung Mitte auf. Am 08.02.2022 stimmte sie mit dem Antrag A-M/0004/2022 der Errichtung einer Informations-Stele zum ehemaligen Friedensdenkmal auf dem Hügel des 1 Zusätzlich widmet sich eine neue Webseite des Stadtarchivs Kolonialen Spuren in Münster und widmet sich darin intensiv dem kolonialismuskritischen Protest, der am Train-Denkmal seinen Anfang nahm. https://www.stadt-muenster.de/kolonialspuren/oeffentlicher-raum/train-cluster - 4 - V/0222/2022 Kanonengrabens einstimmig zu und beauftragte die Verwaltung mit Planung und Realisierung. Eine Information des Kulturausschusses erfolgte entsprechend. Die Informations-Stele am Friedensdenkmal soll in ihrer Gestaltung mit denen an den Kriegerdenkmalen korrespondieren. Deshalb erhielt die Firma Arndt & Seelig (Bielefeld) am 01.03.2022 den Auftrag zur Erstellung eines Gestaltungsvorschlags. Der Vorschlag einschließlich des vom Stadtarchiv verfassten Informationstextes liegt der Vorlage als Anlage bei. Da das Friedensdenkmal seit 1942 nicht mehr im Stadtbild durch eine historische Fotografie vorhanden ist, soll mit der geraden Form an seine Existenz erinnert und das frühere Aussehen verdeutlicht werden. Der Farbwechsel symbolisiert den positiv besetzten Friedensgedanken. Der T ext verweist auf die Initiatoren und erläutert die Gestaltung des Denkmals. Ein taktiler QR-Code verweist auf die Informationen der Webseite „Erinnern im öffentlichen Raum“, hier: „Verschwundene Denkmäler“. https://www.stadt-muenster.de/kriegerdenkmale/verschwundene-denkmaeler (Anlage 4a: Gestaltung Informations-Stele Friedensdenkmal, Anlage 4b: Ausführung Informations-Stele Friedensdenkmal) In Vertretung gez. Cornelia Wilkens Stadträtin Anlagen Anlage A Anlage 1: Gestaltung Informations-Stelen Kriegerdenkmale Anlage 2: T exteInformations-Stelen Kriegerdenkmale Anlage 3: Ausführung Informations-Stele Train-Denkmal Anlage 4a: Gestaltung Informations-Stele Friedensdenkmal Anlage 4b: Ausführung Informations-Stele Friedensdenkmal
Anlage 1 Gestaltung Infostele Kriegerdenkmale
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Arndt + Seelig Kommunikationsdesign fon 05 21.9 66 67-7 post@arndt-seelig.de Markgrafenstraße 5 33602 Bielefeld Infostelen an Kriegerdenkmalen in Münster Entwurf 04.04. 2022 Ausführung: 3 Hohkörper Aluminiumblech innen ausgesteift (jeweils B 40 x H 60 x T 12 cm), fest miteinander innen verschraubt mittleres Modul axial im 20°-Winkel versetzt Grafik: vollflächiger Digitaldruck auf Hochleistungsfolie, kalibriert auf RAL 7016 Fuß mit ca. 20 cm verlängerten Stand- beinen unter GOK und Flanschplatte zur Verschraubung auf Fundament Farbe Sockel: DB 704, pulverbeschichtet Versiegelung: Antigraffiti-Schutzlaminat (matt) alternativ Antigraffiti-Schutzlack (matt) Zweisprachig: A-Seite – deutsch B-Seite – englisch taktiler QR-Code Anlage 1: Gestaltung Infostele Kriegerdenkmale
Anlage A
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Anlage A zur V/0222/2022 Kurzüberblick Mit dem Ratsbeschluss vom 24. Juni 2020 erhielt das Stadtarchiv den Auftrag, das beschlossene Konzept zum zukünftigen Umgang mit Kriegerdenkmalen umzusetzen. Die Beschlussvorlage informiert abschließend über den Stand der Umsetzung zur Aufstellung von fünf Informations- Stelen mit kritischen historisch-einordnenden T extenan fünf Kriegerdenkmalen auf der Promenade. Sie bereitet die Beschlussfassung zur geplanten Hervorhebung des Train-Denkmals durch eine Erklärung/Inschrift von Rat, Stadt und Stadtgesellschaft zur deutschen Verantwortung für koloniales Unrecht vor und erläutert die geplante Aufstellung einer weiteren Informations-Stele am ehemaligen Standort des Denkmals „Westfälischer Frieden“ Ziele/Teilziele/Zielerreichung Die Beschlussvorlage trägt bei zur Erreichung des Zieles des Produktes 04.06.02: Erforschung, Dokumentation und Vermittlung der Stadtgeschichte. Ziele: 1. Die Nutzung des Stadtarchivs soll gefördert und stadthistorische Bildung vermittelt werden. Die Maßnahme bietet die sachliche Grundlage für die kritische Auseinandersetzung mit dem historischen Erbe der Stadt und schafft einen historischen Erinnerungsort an den Westfälischen Frieden. Finanzierung Produktgruppe: 04.06 Stadtarchiv Auswirkungen auf den Ergebnisplan Ja X Nein Auswirkungen auf den Finanzplan X Ja Nein Im beschlossenen Haushaltsplan 2022 enthalten? Ja Nein X teilw. Belastungen in zukünftigen HH-Jahren? X Ja Nein Bereits veranschlagt? Ja Nein X teilw. Pflichtigkeitsgrad Die Maßnahme/Leistung ist vollständig pflichtig X überwiegend pflichtig überwiegend freiwillig vollständig freiwillig Satzung für das Stadtarchiv Münster einschließlich Benutzungs- und Gebührenordnung (Achivsatzung) Amtsblatt Nr. 23 vom 2. Juli 2021 Unmittelbare, grundsätzliche Relevanz für Querschnittsthemen (Demographie, Gleichstellung, Inklusion, Klimaschutz, Migration)
Anlage 3 Ausführung Train-Denkmal
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Zur Einordnung Das Denkmal ehrt die zwischen 1914 und 1918 gefallenen Soldaten der Train-Abteilung als „Helden“. Angesichts des großen Kriegsleids wirken die verwendeten Symbole Adler, Eisernes Kreuz, Schwert und Stahlhelm heute befremdlich. Sie verkörpern soldatische Werte wie Siegeswille und Wehrhaftigkeit. Auch zwei später verlegte Bodenplatten bezeichnen drei Soldaten als „Helden“, die sich an brutalen Kolonialkriegen in China und im heutigen Namibia beteiligt hatten. Die unschuldigen Kriegsopfer fanden keine Erwähnung. Friedensgruppen beanstandeten ab den 1980er Jahren die fehlende Erinnerung an die Opfer der Kolonialkriege und die Leugnung der deutschen Verantwortung für den Völkermord in Namibia. Aus Protest verhüllte der „Arbeitskreis Afrika“ 1982 das Denkmal und verlegte eine Gedenkplatte für die Opfer des Völkermords in Namibia. Die Stadt Münster räumte die Tafel ab. Zwar erwähnte ein städtisches Schild ab 2010 die Opfer der Kolonialkriege, allerdings ohne die Täter zu benennen. Die Anerkennung des Völkermords durch die Bundes- regierung 2021 erleichterte auch in Münster den kritischen Umgang mit dem Denkmal. Train-Denkmal Von 1925 Anlage 3 Ausführung Infostele Train-Denkmal Zur Geschichte Der Traditionsverein der Königlich Westfälischen Train- Abteilung Nr. 7 finanzierte das Denkmal zur Erinnerung an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Regimentsangehörigen. Zwei nach 1925 zugefügte Bodenplatten gedenken einem 1901 in China an Krankheit und zwei 1905 und 1906 in Deutsch-Südwestafrika (heute Namibia) bei Kämpfen verstorbener Train-Angehöriger. Die für die Truppenversorgung verantwortliche Train- Abteilung war in Münster von 1856 bis 1919 in zwei Kasernen im Geist- und Südviertel stationiert. Sie wurde im Ersten Weltkrieg auf die Einheiten der 7. Armee verteilt. Die vor 1914 in den Kolonien kämpfenden Train-Angehörigen waren freiwillige Soldaten. Architekt A. Buchs entwarf die vom Bildhauer Franz Rüther gefertigte Stele. Weitere Informationen zu diesem Kriegerdenkmal und zur Erinnerungskultur im öffentlichen Raum finden Sie hier. DIE STADT MÜNSTER BEKENNT SICH ZUR DEUTSCHEN VERANTWORTUNG FÜR KOLONIALES UNRECHT UND DEN VÖLKERMORD AN DEN HERERO UND NAMA ZWISCHEN 1904 UND 1908. Münster, 2022
Anlage 2 Texte Infostelen Kriegerdenkmale
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Anlage 2: Texte Infostelen Kriegerdenkmale [ohne Traindenkmal] Dreizehner-Denkmal Von 1925 Zur Einordnung Das Denkmal hinterfragt den Krieg nicht. Es ehrt einseitig die Gefallenen des Dreizehner-Regimentes als „Helden“ und gedenkt nicht der unschuldigen Kriegsopfer. Der auf sein Schwert gestützte Soldat und der ruhende Löwe stehen für Stärke, Siegeswillen und den Wunsch nach Vergeltung für die 1918 erlittene militärische Niederlage. Die Inschrift „Treue um Treue“ verpflichtet auch zukünftige Generationen zu weiterer kriegerischer Stärke und zur Revanche. Das Dreizehner-Denkmal diente ab 1963 der Stadtgesellschaft als Ort offiziellen Gedenkens zum Volkstrauertag. Seit den 1980er Jahren protestierte unter anderem die Friedensbewegung gegen die Ehrung der Gefallenen als Helden durch das kriegsverherrlichende Denkmal. Seit 2016 finden die Veranstaltungen zum Volkstrauertag auf dem Platz des Westfälischen Friedens hinter dem Rathaus statt. ____________________________________ Zur Geschichte Ehemalige Offiziere des Infanterie-Regiments Herwarth von Bitterfeld Nr. 13 gründeten nach der Auflösung des Regimentes 1919 einen Traditionsverein. Dieser stiftete das Denkmal 1925 im Gedenken an die über zehntausend im Weltkrieg gefallenen Regimentsangehörigen. 1954 weiteten Inschriften das Andenken auf die im Zweiten Weltkrieg gefallenen Angehörigen des 79. Artillerie-Regiments der Wehrmacht aus. Es stand in der Nachfolge des Infanterie- Regiments Nr. 13. Das 1813 in Preußen gegründete Regiment war seit 1816 in einer Kaserne an der Aegidiistraße stationiert. Zahlreiche Bürger der Stadt und des Umlands dienten in den Einigungskriegen 1864-1871 und im Ersten Weltkrieg bei den „Dreizehnern“. Die Angabe der Anzahl Gefallener ist überhöht. Der Bildhauer Heinrich Bäumer sen. nutzte für das pyramidenförmige Denkmal Symbole für Krieg und Sieg. Mauritz-Denkmal Von 1909 Zur Einordnung Das monumentale Siegesdenkmal hebt den „Heldentod“ der Gefallenen aus drei Kriegen des preußischen Königs um die Vorherrschaft in Mitteleuropa hervor. An ihrem Ende entstand mit der Gründung des Deutschen Kaiserreichs 1871 ein deutscher Nationalstaat. Als Zeichen für den Kampf und Sieg stehen Krieger und Löwen mit Kranz, Schwertern, Helm und Fackeln. Das Denkmal ehrt alle Gefallenen der Einigungskriege aus Münster. Das Fachpublikum bewertete das Denkmal als „eines der besten Kriegerdenkmale“. Münsters Bevölkerung bezeichnete es wegen der nackten Körper abwertend als „Schinkendenkmal“. Nach den verlorenen Weltkriegen verlor dieses Sieges- und Nationaldenkmal in der Bevölkerung an Bedeutung. Zur Geschichte Im katholischen Münster wurde das Sieges- und Nationaldenkmal erst über 30 Jahre nach dem Ende des Kulturkampfes zwischen katholischer Kirche und evangelisch ausgerichteter Reichsregierung möglich. Ab 1900 sammelte ein Komitee unter Vorsitz des Kriegervereins Münster in der Bürgerschaft Spenden. Die Stadt Münster beteiligte sich maßgeblich an der Finanzierung, hätte mit dem Geld aber lieber eine Stiftung zugunsten der Kriegsopfer errichtet. Der Bildhauer Bernhard Frydag schuf das Denkmal mit einem Sockel im Umfang von 23 Metern. Ursprünglich krönten Adler als Wappentier des preußischen Königs das Denkmal. Kürassier-Denkmal Von 1964 Zur Einordnung Die dargestellten Kampfszenen verherrlichen und verklären die Schrecken des Krieges. Das nach der Erfahrung der Millionen Opfer des deutschen Angriffskriegs von 1939-45 wiederaufgebaute Denkmal erinnert kritiklos an Soldaten als „gefallene Helden“. Ab 1930 stand an dieser Stelle bereits ein Vorgänger- Denkmal mit annähernd gleichem Aufbau und Bildprogramm. Die Metallplatten wurden 1942 für Kriegszwecke eingeschmolzen. Seit den 1980er Jahren stieß das einseitige Heldengedenken auf Unverständnis. Heute steht die Erinnerung an die Opfer von Krieg und Gewalt im Vordergrund. Zur Geschichte Ehemalige Mitglieder des Westfälischen Kürassier- Regiments Nr. 4 von Driesen gaben 1964 den Anstoß für die Wiedererrichtung des Denkmals. Private Spenden und städtische Zuschüsse ermöglichten die Aufstellung. Kürassiere waren mit Brustpanzern (Kürassen) und Pferden ausgestattet. Das 1717 gegründete preußische Dragoner-Regiment wurde 1819 zum Westfälischen Kürassier-Regiment Nr. 4. Viele Angehörige stammten aus Adel und Oberschicht. Im Ersten Weltkrieg löste neue Kriegstechnik das Pferd ab. Kurz nach der Teilnahme an der Niederschlagung der revolutionären Kämpfe in Berlin 1919 löste sich das Regiment auf. Der im Nationalsozialismus erfolgreiche Künstler Bernhard Graf von Plettenberg schuf das Denkmal 1964 ähnlich dem Vorgängermodell. Unter einem bronzenen Brustpanzer stellen drei Reliefs Kürassiere mit Handgranaten gegen Panzer kämpfend, am Grab eines Soldaten stehend und auf Erkundung dar. „Stalingrad“-Denkmal Von 1961 Zur Einordnung Das Denkmal erinnert an Soldaten der 16. Panzer- und 16. Infanterie-Division, die am Überfall der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion und auf Stalingrad beteiligt waren. Dabei starben weit mehr als 20 Millionen Menschen aus der Sowjetunion. Bei der Einweihung betonten die Redner Opferbereitschaft und Pflichterfüllung der Soldaten. Der sinnlose Tod vieler Zivilopfer fand keine Erwähnung. Mehr als 15 Jahre nach dem Kriegsende 1945 blieb die Erinnerung einseitig. In dieser Zeit verhinderte die Wiederbewaffnung Deutschlands im Kalten Krieg die Aufarbeitung der militärischen Vergangenheit. Seit den 1990er Jahren setzte mit der Ausstellung „Verbrechen der Wehrmacht“ eine Neubewertung ein. Die Mitschuld der Wehrmacht an Holocaust, Massenerschießungen und Verschleppungen rückte in den Vordergrund. Zur Geschichte Der „Kameradschaftsbund der 16. Panzer- und 16. Infanterie-Division“ sammelte Spenden für die Denkmalerrichtung. Die Stadt Münster stellte das Grundstück kostenlos bereit und lieferte den Gestaltungsentwurf. Die 16. Infanterie-Division wurde 1934 zunächst geheim in Münster aufgestellt. Sie nahm 1940 am Angriff auf Frankreich teil. Die 16. Panzer-Division entstand im gleichen Jahr durch Teilung der 16. Infanterie-Division. Als Speerspitze im Vernichtungskrieg wurde die Division 1943 in Stalingrad fast vollständig vernichtet und anschließend neu aufgestellt. Oberbaurat Edmund Scharf entwarf das vom Bildhauer Heinrich Sievers jun. gefertigte Denkmal. Der schlichte Obelisk aus Quadersteinen zeigt unter der Gravur „Stalingrad“ die Regimentsnamen und das Divisionsabzeichen. Auf weiteren Seiten stehen drei Schlachtorte.
Anlage 4b Ausführung Infoststele Friedensdenkmal
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Weitere Informationen zu diesem Kriegerdenkmal und zur Erinnerungskultur im öffentlichen Raum finden Sie hier. Auf dem Hügel am Kanonengraben wurde am 1. Juli 1905 ein Denkmal zur Erinnerung an den Abschluss des Westfälischen Friedens 1648 eingeweiht. Zum 250jährigen Jubiläum des Friedensschlusses im Jahr 1898 schlug der Verschönerungsverein seine Aufstellung vor. Der Bildhauer Wilhelm Bolte gewann den anschließenden Gestaltungswettbewerb. Es dauerte weitere sieben Jahre, bis genügend Spenden für den Bau eingeworben werden konnten. Das fast fünf Meter hohe Denkmal zeigte die aus der griechi - schen Sagenwelt entlehnte Friedensgöttin Eirene mit einem Ölzweig als Zeichen des Friedens. Zu ihren Füßen hat ein „Pappenheimer“, wie die Reitersoldaten aus der Zeit des 30jährigen Kriegs genannt wurden, seine Waffen niedergelegt. Auf dem Sockel stand die Inschrift PAX (lateinisch für „Frieden“). Darüber befanden sich Wappen des Deutschen Reichs und der Städte Münster und Osnabrück, in denen der Westfälische Friede 1648 geschlossen wurde. Das Denkmal stellte eine Besonderheit dar, denn nirgendwo im deutschen Kaiserreich wurde in dieser Zeit ein Friedensdenkmal errichtet. Es fand als „herrliche Zierde unserer Promenade“ all - gemeine Anerkennung. Bereits 1942 wurde das Bronzedenkmal abgebaut, um als „Metallspende“ für die Rüstungsproduktion im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen zu werden. Erinnerung an das Denkmal ›Westfälischer Friede‹ Von 1905 bis 1942 Anlage 4b Ausführung Infostele Friedensdenkmal
Anlage 4a Gestaltung Infoststele Friedensdenkmal
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Arndt + Seelig Kommunikationsdesign fon 05 21.9 66 67-7 post@arndt-seelig.de Markgrafenstraße 5 33602 Bielefeld Entwurf 04.05.2022 Ausführung: Monolith Aluminium-Hohlkörper, 40 x 192 x 12 cm (B x H x T) innen mehrfach versteift Sockel ca 1 cm rückversetzt Grafik: Druck auf metallisch anmutender Hochleistungsfolie (≈ RAL 820-M) Alternativ Siebdruck einbrennlackiert auf lackiertem Korpus (RAL 820-M) Versiegelung: Antigraffiti-Schutzlaminat (matt) alternativ Antigraffiti-Schutzlack (matt) Sockel: DB 703, pulverbeschichtet Fuß mit ca. 10-20 cm verlängerten Stand- beinen unter GOK und Flanschplatte zum anschrauben / Fundament: minimal invasiv dimensioniert, (Bodendenkmal / Baumwurzel gerecht) nach Möglichkeit Bodenanker oder Erdanker mit Schraubgewinde verwenden! Ausführung entsprechend Erfordernissen bzgl. Statik und Standsicherheit (prüfen!) Infostele am Standort des verschwundenen Denkmals zum Abschluss des Westfälischen Friedens von 1648 40 cm 180 cm12 Weitere Informationen zu diesem Kriegerdenkmal und zur Erinnerungskultur im öffentlichen Raum finden Sie hier. Auf dem Hügel am Kanonengraben wurde am 1. Juli 1905 ein Denkmal zur Erinnerung an den Abschluss des Westfälischen Friedens 1648 eingeweiht. Zum 250jährigen Jubiläum des Friedensschlusses im Jahr 1898 schlug der Verschönerungsverein seine Aufstellung vor. Der Bildhauer Wilhelm Bolte gewann den anschließenden Gestaltungswettbewerb. Es dauerte weitere sieben Jahre, bis genügend Spenden für den Bau eingeworben werden konnten. Das fast fünf Meter hohe Denkmal zeigte die aus der griechi - schen Sagenwelt entlehnte Friedensgöttin Eirene mit einem Ölzweig als Zeichen des Friedens. Zu ihren Füßen hat ein „Pappenheimer“, wie die Reitersoldaten aus der Zeit des 30jährigen Kriegs genannt wurden, seine Waffen niedergelegt. Auf dem Sockel stand die Inschrift PAX (lateinisch für „Frieden“). Darüber befanden sich Wappen des Deutschen Reichs und der Städte Münster und Osnabrück, in denen der Westfälische Friede 1648 geschlossen wurde. Das Denkmal stellte eine Besonderheit dar, denn nirgendwo im deutschen Kaiserreich wurde in dieser Zeit ein Friedensdenkmal errichtet. Es fand als „herrliche Zierde unserer Promenade“ all - gemeine Anerkennung. Bereits 1942 wurde das Bronzedenkmal abgebaut, um als „Metallspende“ für die Rüstungsproduktion im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen zu werden. Erinnerung an das Denkmal ›Westfälischer Friede‹ Von 1905 bis 1942 Anlage 4a: Gestaltung Infostele Friedensdenkmal
Beratungsverlauf (6)
Beschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungBeschluss: mehrheitlich beschlossen
Zur SitzungBeschluss: ohne Beschlussfassung geschoben
Zur SitzungBeschluss: ohne Beschlussfassung geschoben
Zur SitzungBeschluss: ohne Beschlussfassung geschoben
Zur SitzungBeschluss: mehrheitlich geändert beschlossen
Zur SitzungOrte (5)
- Aegidiistraße
- Platz des Westfälischen Friedens
- Am Kanonengraben
- Promenade
- Mauritztor
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Details
- Aktenzeichen
- V/0222/2022
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 09.05.2022
- Erstellt
- 24.03.2022 10:09