2214/2021
Verbraucherberatungsstelle Köln: Jahresbericht 2020
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Jahresbericht 2020
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Was kennzeichnete die Verbraucherarbeit im Corona-Jahr? Auch uns hat die Pandemie mit besonderen Herausforderungen konfrontiert. Wir haben unsere Zugänge und Angebote struktu- rell und inhaltlich bedarfsgerecht erweitert und waren verlässlich ansprechbar, sowohl für Ratsuchende als auch für Kooperations- partner und Multiplikatoren. Ob Information, Beratung, Bildung oder Veranstaltungen — Präsenz- und Publikumsformate wurden kurzfristig auf digitale und telefonische Alternativen umgestellt. Zudem wurden Konzepte für „Verbraucherarbeit mit Abstand“ entwickelt und umgesetzt. Wie waren Sie für die Menschen da? Service und Unterstützung für übervorteilte und verunsicherte Menschen standen im Vordergrund. Durch die Einführung einer niederschwelligen entgeltfreien Erstberatung vor Ort und im lan- desweiten Servicecenter via Telefon und Kontaktformular war schneller und unbürokratischer Zugang zu Rat und Recht mög- lich. Durch eine Hotline zu pandemie-bedingten rechtlichen und wirtschaftlichen Fragen und ausgeweitete Möglichkeiten zur On- line-Kontaktaufnahme konnte die Welle der Anfragen zum verän- derten Verbraucheralltag zeitnah und fundiert bearbeitet werden. Verbraucherthemen mit Corona-Bezug wurden aktuell im Internet aufbereitet und Hilfen zur Selbsthilfe gegeben. Davon haben viele Bürgerinnen und Bürger auch vor Ort profitiert. Nordrhein Lerlate Bedarf es überhaupt noch persönlicher Beratung? Nicht nur im Lockdown haben wir erfahren, dass wir nach wie vor auf zielgruppenspezifische Ansätze setzen müssen und dass das persönliche Beratungsangebot für viele Gruppen unverzichtbar bleibt: Für Menschen mit Sprachbarrieren und geringen Kennt- nissen unseres Wirtschaftslebens, für digital weniger affine Rat- suchende - aber auch bei sensiblen Fragestellungen, die eine Vertrauensbasis erfordern. Zum Beispiel bei Beratungen zur Exis- tenzsicherung sowie bei Schuldenproblemen ist der persönliche Austausch wichtig. War Digitalisierung auch ein Stichwort in der Verbraucherarbeit? Die Ergänzung klassischer Angebote durch digitale Ansätze haben wir schon länger im Blick. Die Pandemie hat diesem Vorhaben wei- teren Schub gegeben. Neben Videoberatung oder einer Kombina- tion aus Online- und Telefonberatung gehörten Onlinevorträge zu Verbraucherfragen, Impulse bei virtuellen Thementreffs oder digi- tale Bildungsangebote für Schulen und geflüchtete Menschen zum Portfolio pandemiefester Instrumente. Weitere digitale Schritte sind geplant. Jenseits von Corona: Was ist 2020 besonders hervorzuheben? Die Beratungsstelle wurde 65 Jahre alt. Zum Jubiläum berichtete die Sendung „WDR2 Stichtag“, wie sich Verbraucherarbeit über die Zeit entwickelt hat: Vom praktischen Ratgeber für „preisbewusste Hausfrauen“ hin zu einer gefragten Ansprechpartnerin für verbrau- cherrechtliche Fragen. Eine Entwicklung, die wir der Unterstützung durch die Stadt und dem Vertrauen der Ratsuchenden in unsere Arbeit verdanken. FÜR SIE DA! VERBRAUCHERRECHTE NICHT IN QUARANTÄNE Vertrag ist Vertrag — dieser Grundsatz gilt auch in Coronazeiten. Doch ob ausgefallene Konzerte und Veranstaltungen, abgesagte Kurse, ungenutzte Dauerkarten, nicht einzulösende Gutscheine für Dienstleistungen oder Abos von Fitnessstudios: Bei der Verbrau- cherzentrale war Rat rund um Verbraucherrechte im Lockdown so- wie angesichts von Öffnungen unter Auflagen gefragt. Wann gibt es Geld zurück? Verlängern sich Verträge automatisch um die Monate der Schließung? Muss ich einen angebotenen Gutschein akzeptie- ren? Wer schützt die Ansprüche des Kunden dann bei einer Unter- nehmensinsolvenz? Am Telefon oder per E-Mail zeigten die Bera- tungskräfte, dass und wie Verbraucherrechte auch in der Pandemie nicht auf der Strecke bleiben. UNLAUTERE GESCHÄFTEMACHER VIRULENT Kontaktbeschränkungen, geschlossene Geschäfte, Sorge vor An- steckungen - der Verbraucheralltag 2020 war durch ein veränder- tes Konsumklima geprägt. Hochkonjunktur meldeten daher Liefer- dienste von Lebensmitteln, Onlineshops und Paketdienste — was sich auch in der Beratungsstelle in Anfragen rund um Verbraucher- rechte, mögliche Fallstricke sowie Beschwerden niederschlug. Mal war die Sofortlieferung wochenlang unterwegs, mal lockten Online- shops mit unschlagbar günstigen Preisen für Waren, die dann nicht geliefert wurden. Betrugsversuche mit gefälschten Internetseiten, Fake-Shops und Phishing-Mails - unseriöse Anbieter entdeckten die Pandemie, um unlautere Geschäfte anzubahnen. Und mit irreführender Werbung für einen schufafreien Sofortkredit gelockt, suchten Ratsuchende in der Rechtsberatung einen Aus- weg: Statt der unproblematischen Finanzspritze hatten sie nur eine kostenpflichtige Prepaid-Kreditkarte erhalten, auf die erst Geld auf- geladen werden musste. Die Kreditanfrage war hingegen lediglich an ein Kreditinstitut weitergeleitet worden. Die Anbieter traten als reine Vermittler auf, hatten auf die Vergabe des Darlehens aber kei- nen Einfluss und konnten somit auch keine Zuteilung sicherstellen. UNSERIÖSE NOTDIENSTE IN DER ZANGE Zum Weltverbrauchertag zeigte die Verbraucherzentrale, wie Rech- nungen der „Retter in der Not“ im Lot bleiben. Denn weit überzo- gene Forderungen von Schlüsseldiensten, Rohrreinigungs- oder etwa Schädlingsbekämpfungs-Notdiensten sind nach wie vor ein Dauerärgernis. Unseriöse Firmen nutzen ihre Soforthilfe in missli- cher Lage, um vor Ort Wucherpreise zu kassieren. Unter dem Motto „Notdienste: Ärger und Abzocke vermeiden“ gab die Beratungs- stelle von der Anbietersuche bis zur Notfallkarte das passende „Werkzeug“ an die Hand, um vor unliebsamen Überraschungen ge- feit zu sein. Hinweise zum Check von Rechnungsposten und zum sicheren Bezahlen rundeten das Infopaket ab. d UNSERIÖSE NOTDIENSTE Wir haben Tipps gegen Abzocke! 'verbraucherzentrale MACH DEIN PASSWORT STARK! Wer ein unsicheres Passwort als Login für Online-Accounts verwen- det, eröffnet Cyberkriminellen damit leichtes Spiel. So sind Pass- wort-Codes mit gängigen Zahlenreihen quasi eine „Einladung“, persönliche Daten abzugreifen, Bankkonten zu plündern, auf frem- de Rechnung auf Online-Shopping-Tour zu gehen oder Fake-Profile in sozialen Medien anzulegen. Im Rahmen der vom Landeskrimi- nalamt NRW initiierten Kampagne „Mach Dein Passwort stark!“ machte sich die Verbraucherzentrale gemeinsam mit der Kreispoli- zeidienststelle dafür stark, Hacker auf Distanz zu halten. Ein Pass- wortsicherheits-Check und Eselsbrücken zu sicheren Codes waren der Schlüssel, um Datenklau und -missbrauch mit Sicherheit einen Riegel vorzuschieben. REISEN: HOTSPOT DER ANFRAGEN Reisewarnungen für beliebte Ferienziele, Ungewissheit über Qua- rantäneregeln und Testpflichten. Absagen, Umbuchungen, schlep- pende oder verweigerte Rückzahlungen, Vertrösten mit Reisegut- scheinen - und oft monierten Ratsuchende, dass Reiseveranstalter auf ihre Anfragen nicht oder erst nach Wochen reagieren. In der Pandemie rangierten Fragen rund ums Thema Reise in der Statis- ik der Beratungsstelle ganz oben. Neben Informationen rund um Buchung und Stornierung sowie der rechtlichen Vertretung, um Er- stattungen zu veranlassen, war auch Hilfestellung gefragt, wenn rechtswidrig Gebühren für die Bearbeitung von Erstattungen ver- angt wurden. Und wenn die Reise bereits vorsorglich storniert wurde, war Klarheit gefragt, ob bei einer tatsächlichen späteren Absage die Beträge der Stornokostenstaffel erstattet werden. Nicht zuletzt wollten Ratsuchende wissen, wie sich eine vorsorglich vor- genommene Stornierung rechtlich auswirken kann. KNAPPE KASSEN: HILFSPAKETE GESCHNÜRT Kurzarbeit oder Jobverlust. Unsichere Perspektiven, weil Unter- nehmen bei Auftragslage und Beschäftigung auf Sicht fahren. Die Beratungsstelle war gefragt, wenn es Pandemie-bedingt zu finan- ziellen Engpässen und existenziellen Problemen kam: Ob Konto- pfändungen oder drohende Energiesperren zu managen waren, wenn Kreditraten über den Kopf wuchsen oder Inkassounterneh- men drohten. Welche Überbrückungsmöglichkeiten Stundungs- pakete für Ratenkredite oder Versicherungsprämien boten, wie Unpfändbares auf dem Konto geschützt blieb, wo sich kurz und mittelfristig Einsparpotenziale eröffneten oder wie mit unseriösen Kreditvermittlern umzugehen war - per E-Mail, am Telefon oder, unter Einhaltung von Abstands- und Hygienevorgaben, auch in der persönlichen Beratung waren die Beratungskräfte gefragt, um den finanziellen Lockdown für viele Haushalte abzuwenden. RETTUNGSANKER BEI ROTEN ZAHLEN Wenn sich Schulden auftürmten oder Zwangsvollstreckungsmaß- nahmen drohten - in der Schuldner- und Insolvenzberatung fan- den Ratsuchende trotz aller Kontaktbeschränkungen stets zeitnah und wirkungsvoll Hilfe: Zugang zu einem Basiskonto, Schutz vor Kontopfändungen, rechtliche Prüfung von Gläubigerforderungen. Denn auch in der Pandemie setzten viele Inkassobüros auf den Einschüchterungseffekt. Es wurden für Schuldner individuell tragfähige Pläne erarbeitet, um Verbindlichkeiten abzuzahlen. Wenn eine außergerichtliche Einigung mit den Gläubigern nicht möglich war, wurden Verbrau- cher bei der Antragstellung bis zur Eröffnung eines Verbraucher- insolvenzverfahrens unterstützt. Insbesondere Familien sicherte die Schuldnerberatung existenziell notwendige Beträge, indem sie zeitnah und unbürokratisch Bescheinigungen für deren höheren Basisschutz auf dem Pfändungsschutzkonto ausstellte. FAIR STATT MEHR Fair handeln für ein gutes Leben - mit dieser Botschaft warb die Verbraucherzentrale zur Fairen Woche im September, fair statt mehr zu kaufen. Mit einer „Siegelkunde“ wies sie den Weg durch den Label-Dschungel. Denn weil der Begriff „fair“ rechtlich nicht geschützt ist, bleibt Hilfestellung gefragt, um Lebensmittel, Blu- men oder Textilien zu erkennen, die tatsächlich den Anforderungen an gerechten Handel entsprechen und sozial verträglich produziert wurden. Textilsiegel zu verstehen, damit es mit fairer Kleidung passt, stand dabei ebenso auf dem Programm wie die Erkennungs- zeichen der etablierten Handelshäuser für fairen Kaffee & Co. an Logo, Farbe und Schriftzug herauszufiltern. AUF DEM BALKON: STECK DIE SONNE EIN! Photovoltaik, also die Umwandlung von Sonnenlicht mittels Solar- zellen in elektrische Energie, wird zumeist nur auf Hausdächern verortet. Weniger im Blick sind hingegen Stecker- oder Balkonso- argeräte, die etwa an der Brüstung eines Balkons montiert werden önnen. Von diesen fließt Strom über eine Außensteckdose direkt in die Wohnung und wird dort verbraucht. Mit der Aktion „Steck die Sonne ein!“ informierte die Verbraucherzentrale, wie diese kleinen raftwerke bei Mietern wie Immobilieneigentümern Einzug hal- ten können. Was rechtlich und technisch zu beachten ist, wie der Strombedarf eines Haushalts aus dem Netz spürbar gesenkt wird und wann sich die Anschaffung finanziell durchaus lohnt - dazu gab es Wissenswertes bei (Online-)Vorträgen und Infoständen. UNSERE ARBEIT IN ZAHLEN RECHTSBERATUNGEN UND -VERTRETUNGEN 5.094 « davon erfolgten 28% entgeltfrei 22% abhängig vom Einkommen (Sozialklausel) u 24% [) 10% 12% VERANSTALTUNGEN 85 = © E 5 3 5 zZ * Eine zusätzliche Kontaktmöglichkeit für die Kölner Bürgerinnen und Bürger AUSGEWÄHLTE ERFOLGE 2020 Durchschnittlich 1.000 Euro an Erstattungen bei stornierten oder abgebrochenen Reisen geltend gemacht „Ich bin so froh, dass es Sie gibt, als Einzelperson steht 3 man ja so machtlos den Unternehmen gegenüber!“ IHR TEAM IN KÖLN Leitung und Verbraucherberatung 5,00 Zusätzlich zu diesen kommunal geförderten Angeboten bietet die Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatung 1,00 Verbraucherzentrale NRW auch in Köln weitere Spezialberatungen Beratung Energiearmut 0,50 und Bildungseinheiten für verschiedene Zielgruppen. Energieberatung 1,00 Eingangsbearbeitung Verbraucheranfragen 0,60 Büroassistenz Verbraucherberatung 0,50 Büroassistenz Energieberatung 0,35 WIR SIND FÜR SIE DA Verbraucherzentrale NRW | Beratungsstelle Köln Tel.: 0221 846188 01 - Fax: 0221 846188 33 Frankenwerft 35 - 50667 Köln www.verbraucherzentrale.nrw/koeln
Mitteilung Ausschuss
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Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle V/503/1 Vorlagen-Nummer 06.08.2021 2214/2021 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Ausschuss für Soziales, Seniorinnen und Senioren 26.08.2021 Ausschuss Klima, Umwelt und Grün 02.09.2021 Verbraucherberatungsstelle Köln: Jahresbericht 2020 Die Verwaltung gibt in der Anlage den Jahresbericht 2020 der Verbraucherberatungsstelle Köln in Trägerschaft der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen e.V. zur Kenntnis (Download unter https://www.verbraucherzentrale.nrw/beratungsstellen/koeln/koeln-jahresbericht2020). Der Jahresbericht zur Verbraucherberatung im Quartier für 2020 wird als gesonderte Mitteilung vorge- legt (2246/2021). Im Jahr 2020 hat die Verbraucherzentrale NRW 370.474,00 € aus dem städtischen Haushalt für die laufende Arbeit der Kölner Beratungsstelle vom Amt für Soziales, Arbeit und Senioren erhalten. Ebenso beteiligte sich das Land Nordrhein-Westfalen an der Finanzierung der dort stattfindenden allgemeinen Kölner Verbraucherschutzarbeit sowie an der Schuldner- und Verbraucherinsolvenzbera- tung. Außerdem förderte die Koordinationsstelle Klimaschutz der Stadt Köln 2020 das Projekt „Energiebe- ratung in Privathaushalten“ mit 57.500,00 €. Der Jahresbericht 2020 ist in allen 62 Kommunen als kompakter Vierseiter entworfen worden. In kur- zer knapper Form wurden rückblickend lokale und kommunale Highlights dargestellt, damit sie in der heutigen Informationsflut wahrgenommen werden. Auf Seite 4 des Jahresberichtes 2020 wird für Köln über „Unsere Arbeit in Zahlen“ berichtet. Bei „Verbraucheranliegen“ und „Rechtsberatungen und Vertretungen“ ist die Anschlussfähigkeit an die Statistikdaten der Vorjahre durch eine bundesweit einheitliche Veränderung in der Erfassungssys- tematik nicht gegeben. Der Gesamtbericht 2020 der Verbraucherzentrale NRW greift eine ausführlichere Darstellung der relevanten Verbraucherthemen auf und ist flankierend zu den Jahresberichten der Beratungsstellen zu verstehen. Dieser kann im Internet auf der Homepage der Verbraucherzentrale NRW eingesehen und heruntergeladen werden: https://www.verbraucherzentrale.nrw/. Auch aktuelle Informationen werden auf der Seite regelmäßig eingestellt und zu inhaltlichen Themen gibt es ausführliche Texte, Verbrauchertipps, verbraucherpolitische Forderungen etc. Im Beirat der Beratungsstelle Köln berichtet die Verbraucherzentrale darüber hinaus in der Regel zweimal jährlich zu aktuellen Themenschwerpunkten und/oder lokalen verbraucherpolitischen Beson- derheiten. Die erste Beiratssitzung in 2021 hat Ende Mai als Videokonferenz stattgefunden. Insbesondere wurden die Themen Verbraucherarbeit während der Corona-Pandemie und die struktu- relle Problemlage Energiearmut erläutert. Gez. Dr. Rau
Beratungsverlauf (2)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 2214/2021
- Typ
- Mitteilung Ausschuss
- Datum
- 06.08.2021
- Erstellt
- 08.06.2021 13:04