V/0863/2011
Münster als Stadt des Friedens weiter profilieren: Bericht und Empfehlungen des Arbeitskreises Friedenskultur
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Beschlussvorlage
11510 Zeichen
V/0863/2011 DER OBERBÜRGERMEISTER Sozialamt Betrifft Münster als Stadt des Friedens weiter profilieren: Bericht und Empfehlungen des Arbeitskreises Friedenskultur Beratungsfolge 30.11.2011 Integrationsrat Anhörung 14.12.2011 Hauptausschuss Vorberatung 14.12.2011 Rat Entscheidung Beschlussvorschlag: I. Sachentscheidung: 1. Die Verwaltung wird beauftragt, die weitere Prüfung, Konkretisierung und Umsetzung der im Bericht des Arbeitskreises Friedenskultur formulierten Empfehlungen (Anlage 1) nach Maßga- be der personellen Kapazitäten und finanziellen Möglichkeiten zu koordinieren. 2. Zur Unterstützung der Aufgabenwahrnehmung durch die Verwaltung wird ein Fachbeirat einge- richtet, der sich wie in der Begründung dargestellt zusammensetzt. 3. Über die Umsetzung der Empfehlungen berichtet die Verwaltung dem Rat im 2. Halbjahr 2013. 4. In der Überzeugung, dass sich die Katastrophen von Hiroshima und Nagasaki nirgendwo wie- derholen dürfen, tritt die Stadt Münster für eine friedliche Welt ohne Atomwaffen ein. Zum Zei- chen der Solidarität mit den Städten dieser Welt in ihrem gemeinsamen Wunsch nach einer vollständigen nuklearen Abrüstung wird die Stadt Münster dem internationalen Netzwerk May- ors for Peace beitreten. II. Finanzielle Auswirkungen: Der Beitritt zum Netzwerk Mayors for Peace ist mit keinen finanziellen Verpflichtungen für die Stadt Münster verbunden. Der Umfang der in Ziffer 1 der Beschlussempfehlung bezeichneten Aufgabenwahrnehmung ist von den hierfür verfügbaren Personalkapazitäten abhängig. Die Verwaltung macht darauf aufmerksam, dass sich die Aufgabenwahrnehmung bei gegebenen Kapazitäten auf wenige Schwerpunkte be- schränken muss. Besondere Einzelvorhaben und Projekte im Aufgabenzusammenhang können Vorlagen-Nr.: V/0863/2011 Auskunft erteilt: Herr Treutler Ruf: 492 50 26 E-Mail: Treutler@stadt-muenster.de Datum: 07.11.2011 Öffentliche Beschlussvorlage - 2 - V/0863/2011 nur insoweit durchgeführt werden, als verfügbare Haushaltsmittel hierfür eingesetzt oder Drittmittel erschlossen werden können. Begründung: 1. Antrags- und Beschlusslage Mit ihrem gemeinsamen Antrag „Münster als Stadt des Friedens weiter profilieren“ (A- R/0023/2008) vom 21.04.2008 hatten die Fraktionen von CDU, SPD, FDP, Bündnis 90/Die Grü- nen/GAL und UWG-MS/ödp sowie das Einzelmitglied im Rat angeregt, die Verwaltung mit der Prü- fung zu beauftragen, welche Maßnahmen und Veranstaltungen Beiträge leisten, das Profil Müns- ters als Stadt des Friedens weiter zu stärken; der Antrag stützt sich auf einen ihm vorangegange- nen Meinungs- und Gedankenaustausch zwischen den Fraktionen, dem Friedensforum und dem damaligen Ausländerbeirat. Konkret schlägt der Antrag vor, • einen Bericht über die bisherigen Aktivitäten der Stadt und der Zivilgesellschaft zu erstellen; • falls möglich, diese Aktivitäten zu bündeln, z. B. durch einen gemeinsamen Internetauftritt; • Perspektiven zu entwickeln und aufzuzeigen, wie eine Profilschärfung konzeptionell erreicht werden kann; • Perspektiven aufzuzeigen, wie die bestehenden Friedensgruppen koordiniert in diesen Prozess eingebunden werden können. Nach einer Reihe von Vorgesprächen zwischen der Verwaltung und den Initiatorinnen bzw. Initiatoren des Antrags hat der Hauptausschuss mit Beschluss vom 09.06.2010 (zur Vorlage V/0234/2010) den „Arbeitskreis Friedenskultur“ eingerichtet und ihn beauftragt, die mit dem Ratsantrag formulierten Überlegungen zu vertiefen und mit Blick auf ihre Umsetzungsmöglichkeiten aufzubereiten: Neben Informationen über bisherige städtische und zivilgesellschaftliche Aktivitäten hatte der Arbeitskreis kommunale Handlungsansätze für eine weitere Profilschärfung Münsters als Stadt des Friedens zu entwickeln, in deren Rahmen Aktivitäten unterschiedlicher Institutionen und Gruppen eingebunden werden, ihr Eigenprofil gleichwohl sichtbar bleibt. Schließlich sollte der Arbeitskreis Vorschläge zur organisatorischen Umsetzung seiner inhaltlichen Empfehlungen entwickeln. Der Arbeitskreis Friedenskultur hat sich am 17.10.2011 einvernehmlich verständigt, seinen Bericht in der vorliegenden Fassung (Anlage 1), ferner den, ihn aus der Warte des Arbeitskreises 1648 – Dialoge zum Frieden ergänzenden, Beitrag (Anlage 2) dem Rat im Rahmen dieser Vorlage zu überreichen. 2. Bericht und Empfehlungen des Arbeitskreises Friedenskultur Im Anschluss an eine zusammenfassende Skizze des Entstehungszusammenhangs entwirft der Bericht zu Beginn des Hauptteils einen vorläufigen programmatischen Rahmen, der einerseits in Anknüpfung an bestehende städtische Aktivitäten, zumal im Rahmen des Konzepts „1648 – Dialoge zum Frieden“, „Dialog“ als Orientierungsmarke für einen friedensbezogenen Profilierungsprozess identifiziert; insbesondere mit Blick auf die Identifikation der Stadtgesellschaft mit dem Thema Frieden nach innen schlägt der Bericht darüber hinaus „Kultur“ als weiteren, „Dialog“ ergänzenden Fixpunkt vor. Um einen Überblick über Aktivitäten und Aufgabeninhalte im Themenfeld Frieden zu erhalten, gliedert Ziffer 3 des Berichts das Aufgabenfeld in fünf Handlungsbereiche, denen Skizzen mit Befunden und Perspektivempfehlungen zugeordnet sind. Ziffer 4 verdichtet daraufhin die zuvor formulierten Vorschläge zu einigen bereichsübergreifenden Handlungsempfehlungen. Ziffer 5 des Berichts benennt unterschiedliche Modelle zur organisatorischen Umsetzung, ohne jedoch eines von ihnen ausdrücklich zu favorisieren. Der Bericht schließt mit dem Vorschlag, die inhaltlichen Empfehlungen des Berichts zunächst in einer bis Ende 2013 befristeten Pilotphase zu konkretisieren und weiterzuentwickeln, und skizziert die betreffenden Rahmenbedingungen. - 3 - V/0863/2011 Der Arbeitskreis Friedenskultur hat sich einvernehmlich dafür ausgesprochen, die Empfehlungen des Berichts als Ergänzungsbeiträge zu den bestehenden, insbesondere den städtischen Aktivitäten im Konzeptzusammenhang „1648 - Dialoge zum Frieden“ zu werten; der Arbeitskreis „1648 - Dialoge zum Frieden“ solle seine bisherige Aufgabenwahrnehmung weiterhin in gleicher Ausrichtung und gewohnter Qualität eigenverantwortlich fortführen. Mit Abschluss seiner 10. Sitzung am 08.11.2011 hat der Arbeitskreis Friedenskultur seine Tätigkeit beendet. 3. Fachbeirat ‚Friedenskultur’ Die Verwaltung teilt die Einschätzung des Arbeitskreises, dass ein Fachbeirat als Vermittlungsin- stanz zwischen Stadt und zivilgesellschaftlichen bzw. nichtstädtischen Akteuren im Aufgabenfeld Frieden die Aufgabenwahrnehmung der Verwaltung bei der weiteren Prüfung, Konkretisierung und Umsetzung der Empfehlungen wirksam unterstützen kann. Abgesehen von Vermittlungsaufgaben kann ein solcher Beirat insbesondere konsultative Funktionen (als Impulsgeber und Resonanz- spender) wahrnehmen und beratend bei eventuellen Projektförderungen mitwirken. Ein Fachbeirat mit dieser Aufgabenstellung muss einerseits der Anforderung einer angemessenen Repräsentationsbreite begegnen, andererseits aber vor allem arbeitsfähig sein. Der Arbeitskreis Friedenskultur hat keine ausdrückliche Empfehlung zur Größe des Fachbeirats abgegeben; aller- dings haben einzelne Mitglieder die Bedeutung einer breiteren Repräsentation hervorgehoben. Die Verwaltung empfiehlt gleichwohl, den Fachbeirat mit 12 stimmberechtigten Mitgliedern zu beset- zen, davon • jeweils ein von den Fraktionen des Rates benanntes Mitglied, • ein vom Integrationsrat benanntes Mitglied, • drei Mitglieder aus dem Kreis zivilgese llschaftliche Friedensorganisationen/-gruppen sowie • drei Mitglieder aus dem Kreis der Friedensgruppen im Bereich der Kirchen und Religionsge- meinschaften. Sofern der Rat die Vorlage beschließt, wird die Verwaltung die Besetzung des Fachbeirats mit Mit- gliedern aus den Kreisen der zivilgesellscha ftlichen Institutionen/Gruppen sowie der Gruppen aus Kirchen und Religionsgemeinschaften koordinieren. Die Geschäftsführung für den Fachbeirat nimmt die Verwaltung wahr. Einvernehmlich kann der Fachbeirat weitere Personen beratend hin- zuziehen. Seine innere Organisation regelt der Fachbeirat in seiner konstituierenden Sitzung mög- lichst im 1. Quartal 2012. 4. Netzwerk Mayors for Peace Zu dem 1982 auf Initiative des damaligen Bürgermeisters der Stadt Hiroshima, Araki Takeshi, gegründeten Netzwerk gehören heute mehr als 5.000 Städte in 150 Staaten. Ziel des Netzwerks ist es, Einfluss gegen die weltweite Verbreitung atomarer Massenvernichtungswaffen zu nehmen. Im Rahmen der von der „Konferenz der Bürgermeister für den Frieden“ im Jahr 2003 initiierten „Kampagne Vision 2020“ strebt das Netzwerk mit konkreten Schritten die weltweite Abschaffung aller Atomwaffen bis zum Jahr 2020 an (weitere Informationen unter http://www.mayorsforpeace.de/ ). Mayors for Peace Deutschland ist ein (echtes) Netzwerk, keine formale Organisation und damit auch keine juristische Person. Die Geschäftsführung nimmt die Landeshauptstadt Hannover, Part- nerstadt Hiroshimas, wahr. Das Büro der Geschäftsführung hat bestätigt, dass die Mitgliedschaft mit keinen finanziellen Verpflichtungen der betreffenden Stadt verbunden ist, auch nicht mit Erwar- tungen an freiwillige Beiträge. Zurzeit stellen die beiden Städte Hiroshima und Nagasaki die Finan- zierung des Netzwerks sicher, ergänzt um freiwillige Spenden einiger Mitgliedsstädte, darunter Hannover. Angesichts des Zuwachses an Mitgliedern plant das Netzwerk gegenwärtig ein Fundraisingkonzept, um die Finanzierung auf eine breitere Basis zu stellen. Obligatorische Beiträ- ge der Mitgliedsstädte seien gleichwohl nicht vorgesehen. Wichtiger für die Mitgliedschaft sei ein, wie auch immer ausgestaltetes, Engagement der betreffenden Stadt für den Frieden. In Deutschland gehören dem Netzwerk 385 Städte und Gemeinden an, darunter Berlin, Hamburg - 4 - V/0863/2011 und München. Im Netzwerk sind ferner mehrere NRW-Großstädte vertreten. In Münsters Nachbar- schaft sind die Städte Osnabrück und Greven, ferner die Gemeinden Havixbeck und Nottuln dem Netzwerk beigetreten. Von Münsters Partnerstädten nehmen Fresno, Kristiansand und Rjasan am Netzwerk teil. 5. Empfehlung der Verwaltung und weiteres Verfahren Die Verwaltung empfiehlt, dem Vorschlag des Arbeitskreises Friedenskultur folgend, die weitere Prüfung, Konkretisierung und Umsetzung der Empfehlungen des Abschlussberichts in enger Ab- stimmung mit einem Fachbeirat zu koordinieren, zunächst im Rahmen einer auf zwei Jahre ange- legten Pilotphase. Die Aufgabenwahrnehmung des Arbeitskreises „1648 - Dialoge zum Frieden“ auf der Grundlage des Ratsbeschlusses vom 13.06.2007 zur Vorlage V/0113/2007 (s. auch Anlage 6 zur Vorlage) bleibt hiervon unberührt. Der Umfang der Aufgabenwahrnehmung inkl. Häufigkeit der Sitzungen des Fachbeirats ist von den hierfür verfügbaren Personalkapazitäten, die Realisierung von Vorhaben und Projekten von hierfür einsetzbaren Finanzmitteln abhängig. Zwischen dem Arbeitskreis Friedenskultur und der Verwal- tung ist allerdings verabredet, in die Bürgerumfrage 2012 Fragen zum Thema Frieden aufzuneh- men. Über Verlauf und Ergebnisse der Vertiefung und Umsetzung der Empfehlungen des Arbeitskreises Friedenskultur berichtet die Verwaltung dem Rat im 2. Halbjahr 2013. gez. Markus Lewe Anlagen: Anlage 1: Bericht und Empfehlungen des Arbeitskreises Friedenskultur Anlage 2: Beitrag des Arbeitskreises „1648 - Dialoge zum Frieden“
Anlage 1.4
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Anlage 1 zur Vorlage V/0863/2011
Bericht und Empfehlungen des AK Friedenskultur - Anhang 7.4
Seite 1
Sozialamt 15.10.2010
5909
Kommunale Friedensarbeit in den Städten Osnabrück und Graz
Auszug aus der Niederschrift über die Sitzung des A rbeitskreises Friedenskultur am
28.09.2010
Informationen über die kommunale Friedensarbeit in anderen Städten
TOP 4
Herr Treutler teilte einleitend mit, dass die gepla nte Videokonferenz mit dem Friedensbüro der
Stadt Ypern leider nicht zustande gekommen ist, und fasste die Informationen über die Arbeit des
Friedensbüros zusammen, die dessen Leiter der Stadt Münster zur Verfügung gestellt hat.
• Stadt Osnabrück - Büro für Friedenskultur •
Anschließend stellte sich Frau Opladen als Leiterin des Büros für Friedenskultur der Stadt
Osnabrück kurz vor. Das Büro für Friedenskultur is t als Teil des Fachbereichs Kultur eine zentrale
Schnittstelle zwischen Politik, Verwaltung und den Akteuren der Friedensarbeit. Die vorrangigen
Aufgaben des Büros sind Entwicklungs- und Projektma nagement sowie Beratung und
Bereitstellung von Serviceangeboten für die in der Friedensarbeit engagierten Osnabrückerinnen
und Osnabrücker. Das Büro für Friedenskultur ist fe derführend für die Umsetzung des im Jahr
1992 entstandenen "Handlungskonzeptes Förderung der Friedenskultur in Osnabrück"
verantwortlich. Das Handlungskonzept wird zurzeit a ktualisiert und enthält im wesentlichen zwei
Schwerpunkte:
Die Förderung der friedenskulturellen Aktivitäten innerhalb der Stadt Osnabrück.
Überregionale friedenskulturelle Programme und Entwicklung der Zusammenarbeit mit
internationalen Organisationen.
Die Infrastruktur für Friedenskultur in Osnabrück basiert auf zwei Säulen:
dem institutionellen Bereich: Die Friedenskultur wird wesentlich geprägt durch
Einrichtungen wie das Felix-Nussbaum-Haus, das Erich Maria Remarque-
Friedenszentrum, die Deutsche Stiftung Friedensforschung, die Osnabrücker
Friedensgespräche, den Friedenstag, die Verleihung des Erich Maria Remarque-
Friedenspreises und die Partnerschaft mit terre des hommes.
dem zivilgesellschaftlichen Bereich: korrespondierend und gleichbedeutend mit den
öffentlichen Einrichtungen bildet die Arbeit der Vereine, Initiativen und Einzelpersonen
einen weiteren strukturellen Schwerpunkt der Friedensarbeit.
Die Osnabrücker friedenspolitische Arbeit orientiert sich an folgenden Leitlinien:
Förderung einer Kultur der Toleranz
Ökologische Ressourcenverantwortung
Ausgleich des sozialen Gefälles zwischen armen und reichen Ländern
sowie auch innerhalb der eigenen Gesellschaft.
Weitere Informationen können aus der Anlage 2 (Präs entation von Frau Opladen) und unter
folgendem Link entnommen werden: http://www.osnabrueck.de/7290.asp
Bericht und Empfehlungen des AK Friedenskultur - Anhang 7.4
Seite 2
• Grazer Büro für Frieden und Entwicklung •
Frau Jutta Dier stellte sich als Geschäftsführerin des Büros für Frieden und Entwicklung in Graz
kurz vor. Die Stadt Graz hat im Jahr 1988 das Büro für Frieden und Entwicklung auf Vereinsbasis
eingerichtet. Ausgangspunkt war weniger eine retros pektive Sicht der Aufarbeitung sondern
vielmehr die Übereinkunft verschiedener Akteure (in sbesondere der Politik), dass (internationale)
Friedensarbeit einen besonderen Stellenwert habe un d besonderem Engagement bedürfe. In dem
Verein sind die politischen Parteien, die evangelische und die katholische Kirche, Menschenrechts-
, Entwicklungs- und Friedensorganisationen und andere vertreten.
Die Arbeit des Büros für Frieden und Entwicklung ha tte in den ersten Jahren insb. folgende
Schwerpunkte:
• „Gewalt in der Stadt, Stadt ohne Gewalt“
• Interreligöser Friedensdialog Sarajevo
• Neutralität
• Interkulturelles Zusammenleben
Die
Stadt Graz ist seit dem Jahr 2000 die erste und bisher einzig e Menschenrechtsstadt Europas
und eine von mittlerweile rund zwei Dutzend weltweiten Menschenrechtsstädten . Die Idee der
Menschenrechtsstädte geht auf die UNO nahestehende Menschenrechtsorganisation People´s
Movement for Human Rights Learning PDHRE zurück, di e von der angesehenen
Menschenrechtsaktivistin Shulamith Koenig gegründet wurde. Im Februar 2001 wurde vom Grazer
Gemeinderat einstimmig eine Menschenrechtserklärung abgegeben, die damit die Grundlage für
die Menschenrechtsstadt Graz darstellt.
Im Zuge dieser Aktivitäten, wurden in Graz vier thematische Säulen eingerichtet:
• Menschenrechte: Koordinator Europäisches Trainings zentrum für Demokratie und
Menschenrechte (gegründet 1999)
• Interreligiöse Zusammenarbeit: Koordinator Afro-As iatisches Institut Graz
• Integration: koordiniert durch das Integrationsref erat (eingerichtet 03.11.2005)
• Friedens- und Konfliktarbeit: Koordinator Friedens büro Graz
Beispiele von Aktivitäten aus den einzelnen Bereichen/Säulen:
Menschenrechte:
• Menschenrechtspreis für kommunale Leistungen wird alle 2 Jahre verliehen
• Wahlkampfbeobachtung seit 2008 mit Ampelsystem
• 10 Punkte Programm im Rahmen der Europäischen Städ tekoalition gegen
Rassismus
Integration:
• Zusammenarbeit mit dem Ausländerbeirat
• Förderabwicklung für Integrationsprojekte
• Interkulturelle Leitbilder entwickelt
Interkultureller Beirat
• Vertrauensbildung unter den Religionsgemeinschafte n
• Informationen über Religionsgemeinschaften
Frieden- und Konfliktbearbeitung:
• Gewaltprävention im Umfeld Schule
• Gemeinwesenarbeit und
Bericht und Empfehlungen des AK Friedenskultur - Anhang 7.4
Seite 3
• Schulungen: Konfliktkompetenzen
• Koordination der Woche der Menschenrechte
• Publikation: Friedenszeit mit Veranstaltungskalend er
• Meine Menschenrechte – Führer für die Beratungsein richtungen in Graz mit
Darstellung des Menschenrechtsbezugs
Weitere Informationen über das Büro für Frieden und Entwicklung in Graz können Sie dem
folgenden Link entnehmen:
www.friedensbuero-graz.at/set
Im Auftrag
gez.
Robert
Schriftführung
Friedensaktivitäten in Ypern (Ieper), Belgien
Der Leiter des Friedensbüros (Dienst vrede en ontwi kkeling) Ypern schreibt mit Email vom
27.09.2010:
Dear Mr Treutler,
I will try to give you an explanation on your the questions.
First of all I would like to point out that my office is not an office that has links with the municipality but is one
of the services within the city administration. That means that I'm working for and paid by the city. That
means as well that every year the city provides the Peace Service with a budget to work with. I'm the only
person working for this service, but of course I do co-operate with other city services to realise things, to
work out programmes, etc... (Cultural centre, Technical service of the city, Youth Service, the environmental
service), but next to the cooperation with colleague-services I do work together with schools ( primary and
secondary schools in Ypres).
The history of my office:
My office was installed in 2001 after is became clear that some decisions made by the city council really
needed a follow up by specific service. In 1998 the Peace Fund was installed to organise the Peace Prize of
the city, to support local initiatives, a cooperation was set up with a city in Kosovo,.... It became clear that this
was not longer something for volunteers or to be done by people working in the city in other services. The
city needed a Peace service to follow up these things.
Since then the service has been working on different levels:
- local: working with schools on projects (exhibitions for schools, lectures, together with primary schools we
planted 5000 trees ( the link between peace and climate change),....
- regional: the city tries to facilitate things: we were asking al Belgian cities to become members of Mayors
for Peace, to become cities of peace, linked to the decade for peace and non-violence (2000 - 2010), the
Peace Prize invites all schools in Flanders to work on it. Last year I organised together with an artist an
exhibition called Mayors against Violence (85 cities participated)
- international: the co-operation with Gjilan (Kosovo), the 2020 Vision Campaign Mayors for Peace (housing
and chairing the international Campaign secretariat), co-operation with a city in Ghana (Wa), ....
One of the projects taking most of my time now is the Peace Prize of Ypres
www.vredesprijs-ieper.be
You can find all information on this website.
I hope this helps you a bit.
Best Regards,
Filip Deheegher
Anlage 1.3
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Bericht und Empfehlungen des AK Friedenskultur Fried ensaktivitäten in Münsters Partnerstädten (Überblick) Anlage 1 zur Vorlage V/0863/2011 Anhang 7.3 Name der Stadt Organisation Universitäre Programme und Studiengänge Begriffsverständnis Aktivitäten Gedenktage Kundgebunge n Braniewo (Braunsberg) alle Organe der Stadt Toleranz, zwischenmenschl. Verständigung, UNESCO: Frieden schaffen in Köpfen und Herzen Fresno Abteilung für Kriminalität: Interdisziplinäres Programm „Friedens- und Konfliktforschung“; Bachelor in Friedens- und Konfliktforschung Kristiansand Stiftelsen Arkivet - Stiftung (historische Aufklärung, Demokratie und Menschenwürde, Dialog und Konfliktprävention) Herausgabe von Büchern, Theater- und musikalische Aufführungen, Festivals und Ausstellungen viele Gedenktage, z.B. Holocaust- Gedenktag, Befreiungstag, Tag der Todesstrafe diverse Veranstaltungen zu den Gedenktagen Monastir Vereine für soziale Integration, Solidarität und Unterstützung von Minderheiten, karitative Verbände wissenschafticher Lehrstuhl für den Dialog der Zivilisationen und der Religionen mit staatl. Ausprägung sozialer und politischer Frieden, Terrorismusprävention, Tourismus fördert Frieden Verfechter der Unabhängigkeit werden geehrt 8. Dezember Sammeln von Solidaritätsgeldern für Minderheiten Seite 1 Bericht und Empfehlungen des AK Friedenskultur Fried ensaktivitäten in Münsters Partnerstädten (Überblick) Anlage 1 zur Vorlage V/0863/2011 Anhang 7.3 Name der Stadt Organisation Universitäre Programme und Studiengänge Begriffsverständnis Aktivitäten Gedenktage Kundgebunge n Mühlhausen/Th. Verein "Miteinander e.V." "Mühlhäuser Aktionsbündnis gegen Rechts" Demokratiegedanken fördern gegen Rechtsextremismus, Förderung friedl. Konfliktlösungen, Verständigung zwischen Deutschen und ausl. Mitbürgern Erarbeitung von Kommunikationsstrategien Beratungsangebote für Spätaussiedler, Pädagogen, Behörden und Einzelpersonen Veranstaltungen, Workshops, Ausstellungen, Lesungen Kurfürstentag von 1627: Ende des dänisch- niedersächs. Krieges Interkulturelle Wochen Orléans Bewegung für gewaltfreie Alternative Orleans; Koordinationsstelle Orleans für ein gewaltfreies, friedl. Jahrzehnt; Club A 45: friedl. & ökonomische Aktivitäten fördern Rishon LeZion fruchtvoller, friedlicher Dialog, Frieden zwischen Bewohnern und Minderheiten, Respekt, Toleranz, Dialog Programm: "Stadt ohne Gewalt" Rjasan verschiedene Organisationen mit sehr unterschiedlicher Ausrichtung sowie städtische Verwaltung Freundschaft und Verständigung zwischen den Völkern, Wohltätigkeit, Menschenrechte internationaler Austausch mit anderen Städten, 2011 - Jahr der Partnerstädte Heimatlieder- Festival, Wohltätigkeitsveran staltungen, Festival nationaler Kulturen York "sicheres York Partnerschaft" mit Rat, Polizei FB Politik: Abteilung für den Wiederaufbau nach dem Krieg und Entwicklung Seite 2
Anlage 1
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Anlage 1 zur Vorlage V/0863/2011
Bericht und Empfehlungen des AK Friedenskultur
1
Münster als Stadt des Friedens weiter profilieren
Bericht und Empfehlungen des Arbeitskreises Friedenskultur
Vorbemerkung
1. Das Grundanliegen
2. Profilformulierung
2.1 Notwendigkeit und Ziel einer Profilformulierun g
2.2 Vorschlag für eine Profilformulierung
3. Handlungsbereiche im Themenfeld Frieden
3.1 Öffentliche Veranstaltungen
3.2 Bildungsarbeit und Forschung
3.3 Ortsbezogene Erinnerungsarbeit und Gedenken
3.4 Internationale Friedensarbeit
3.5 Kommunale Entscheidungskultur und lokale Partiz ipation
4. Bewertung / Auswertung
5. Institutionalisierungsmodelle
6. Empfehlung: Pilotphase 2012-2013
7. Anhänge
Anlage 1 zur Vorlage V/0863/2011
Bericht und Empfehlungen des AK Friedenskultur
2
Vorbemerkung
Frieden setzt die Freiheit des Gewissens, der Religion und der persönlichen
Überzeugung aller Menschen, den Verzicht auf Gewalt und die Herrschaft des
Rechts voraus. Im Rahmen einer internationalen Friedensordnung, eines
freiheitlichen Verfassungsstaates und einer offenen Gesellschaft konnte die Stadt
Münster sich seit 1945 in Frieden, Freiheit und Wohlstand entwickeln. Die Stadt
wurde dabei von der Zustimmung und vom Engagement ihrer Bürgerinnen und
Bürger getragen.
Ein Spezifikum für die Stadt Münster lag und liegt darin, als Ort des Westfälischen
Friedens von 1648 wahrgenommen zu werden. U. a. daran anknüpfend richtet sich
ein Teil des Engagements der Stadtgesellschaft darauf, Münster als Stadt des
Friedens zu verstehen und durch konkretes Handeln zu profilieren. 2007 rangierte
bei einer Bürgerumfrage der Wunsch der Bürgerinnen und Bürger, dass Münster
eine Stadt des Friedens werden solle, auf Platz 7 - sogar ohne dass diese Wahl als
Antwortmöglichkeit vorgegeben war. Auf diesem Hintergrund will Münster sich auch
in Zukunft im Friedenssektor weiter profilieren und dazu insbesondere das
bürgerschaftliche Engagement stärken.
Mit Beschluss vom 09.06.2010 (V/0234/2010) hat der Hauptausschuss einen
„Arbeitskreis Friedenskultur“ eingerichtet und ihn, unter Bezugnahme auf den unter
Mitwirkung des damaligen Ausländerbeirats vorbereiteten interfraktionellen Antrag
„Münster als Stadt des Friedens weiter profilieren“ (A-R/0023/2008) u. a. beauftragt,
- einen Bericht über die bisherigen Aktivitäten der Stadt und zivilgesellschaftlicher
Organisationen und Gruppen/Initiativen zu diesem Anliegen zu erstellen;
- kommunalpolitische Handlungsansätze (Empfehlungen) für eine weitere
Profilschärfung Münsters als Stadt des Friedens (Frieden als
Querschnittsaufgabe) zu erarbeiten und dabei auch Möglichkeiten aufzuzeigen,
die betreffenden Aktivitäten unterschiedlicher Institutionen und Gruppen sichtbar
zu machen;
- Koordinations- und Beratungsbedarfe für die künfti ge Friedensarbeit, alternative
organisatorische Rahmen und ggf. Ressourcenbedarfe für die Umsetzung der
Handlungsempfehlungen zu benennen.
Auf der Grundlage eines breit angelegten Berichtsprozesses über Aktivitäten im
Themenfeld Frieden (s. Sitzungsniederschriften) legt der Arbeitskreis Friedenskultur
dem Rat im Folgenden Empfehlungen für die inhaltliche Ausgestaltung sowie für die
organisatorische Umsetzung des weiteren Profilierungsprozesses vor.
1. Das Grundanliegen
Die Stadt Münster ist in ihrem Selbstverständnis eine Stadt mit reicher
Friedenstradition. Politik, Rechtsprechung, Verwaltung, öffentliche Institutionen in
Wirtschaft und Wissenschaft, die Kirchen sowie zahlreiche Gruppen,
Gemeinschaften und Persönlichkeiten tragen ein vielfältiges Friedensengagement.
Zu dessen Förderung sollte ein kommunalpolitischer Handlungsrahmen das
Grundanliegen verfolgen,
• dieses Selbstverständnis Münsters als Stadt des Fr iedens zu stärken und die
Entwicklung einer nachhaltigen Kultur des Friedens zu fördern,
• dabei möglichst alle gesellschaftlichen Akteursber eiche zur Geltung kommen zu
lassen, insbesondere die zivilgesellschaftlichen Initiativen und Institutionen
sowie die Kirchen und Religionsgemeinschaften aktiv zu beteiligen,
Anlage 1 zur Vorlage V/0863/2011
Bericht und Empfehlungen des AK Friedenskultur
3
• das Selbstverständnis Münsters als Stadt des Fried ens inhaltlich gefüllt und
lebendig zu vertreten, um Münster mit dem Thema Frieden auch über regionale
Grenzen hinaus noch deutlicher erkennbar werden zu lassen.
Strukturell geht es dabei im Kern darum, die zahlreichen gegenwärtigen
Friedensengagements in einem Gesamtkonzept zusammenfließen zu lassen und
zugleich deren Lebendigkeit und Vielfalt zu fördern. Die Umsetzung dieses
Grundanliegens legt es nahe, eine inhaltliche Profilierung vorzunehmen, relevante
Handlungsbereiche zu benennen und organisatorische Schlussfolgerungen
auszuweisen.
2. Profilformulierung
2.1 Notwendigkeit und Ziel einer Profilformulierung
Das formulierte Grundanliegen wirft an erster Stelle die Frage auf: Wofür steht
Münster inhaltlich, wenn es um das Thema ‚Frieden’ geht? In diesem Sinne bedarf
es als Ausgangspunkt für einen ‚Handlungsrahmen Frieden’ einer Impuls gebenden
und die Akteure zusammenführenden Profilformulierung, unter der in der Stadt
Münster und für die Stadt Münster die gemeinschaftliche Friedensarbeit entwickelt
wird.
Es geht dabei um eine Formulierung,
• mit der die Stadt Münster als politische Größe, al s Ort und als Gemeinschaft
von Menschen identifiziert werden kann – d. h. die Aussage muss zu Münster,
seiner Geschichte und seiner gegenwärtigen Prägung passen und nach innen
wie außen verständlich und kommunizierbar sein,
• mit der sich möglichst alle Akteure identifizieren und dem sie zumindest Teile
ihrer Arbeit zuordnen können,
• die dazu herausfordert, im Miteinander etwas zu tu n, was über das
hinausgeht, was die Akteure als Einzelne tun,
• die trotz dieses verknüpfenden Grundansatzes in ei nem zuspitzenden Sinne
profiliert.
Wenn mit einer solchen Formulierung gearbeitet wird, entsteht dadurch weder die
geordnete Summe des Tuns aller Akteure im Friedensbereich noch ein kleinster
gemeinsamer Nenner – sondern wirklich etwas verbindendes Neues, indem
Teilaspekte des Engagements zusammengeführt und neue gemeinsame Aktivitäten
generiert werden.
2.2. Vorschlag für eine Profilformulierung
Mit der Formulierung „Dialoge zum Frieden“ liegt für die Stadt Münster ein Ansatz zu
einer klaren Profilierung vor, die in aktualisierender Anknüpfung an den
Verhandlungsprozess 1643-1648 Friedenssicherung, Krisenprävention und
Konfliktlösung durch Verhandlung und Vermittlung in den Mittelpunkt stellt. Diesem
Signum ist vor allem das seit 2004 im Rahmen der Allianz für Wissenschaft/AK
„Westfälischer Frieden“ entwickelte und in jährliche Veranstaltungsprogramme
umgesetzte Konzept „1648 – Dialoge zum Frieden“ verpflichtet. Es knüpft u. a. an
den alle zwei Jahre von der Wirtschaftlichen Gesellschaft für Westfalen und Lippe in
Münster verliehenen Westfälischen Friedenspreis an und erzeugt durch renommierte
Veranstaltungen und Aktionen hohe überregionale Aufmerksamkeit.
Aus Sicht des Arbeitskreises ist es – u. a. in Bezug auf die Identifikation der
Stadtgesellschaft mit dem Thema Frieden nach innen – angezeigt, eine weitere,
Anlage 1 zur Vorlage V/0863/2011
Bericht und Empfehlungen des AK Friedenskultur
4
Frieden als Lebensart betreffende Dimension zu erschließen, in der sich alle
beteiligten gesellschaftlichen Akteursbereiche wiedererkennen können und für die
sich jener Begriff anbietet, den der Arbeitskreis im Namen führt: Friedens-Kultur –
und zwar zuspitzend verstanden im Sinne einer Kultur des Dialoges.
In dieser Zuspitzung verbindet sich diese vorgeschlagene perspektivische
Erweiterung dann auch mit der bisher etablierten Profilierung.
Das Profil der zukünftigen gemeinsamen Friedensarbeit in Münster sollte folglich
unter der Begriffstrias
Frieden – Dialog – Kultur
entwickelt und im Zusammenhang der Ausarbeitung eines konkreten
Handlungsrahmens Frieden zukünftig auch in eine ausformulierte „Spitzmarke“
überführt werden.
Die Begriffstrias Frieden – Dialog – Kultur bringt in knapper und assoziativer
Weise folgende Aspekte zum Ausdruck:
• Es geht bei der Profilschärfung Münsters als Stadt des Friedens um die
Entwicklung einer grundlegenden ‚Kultur des Friedens’.
• ‚Frieden’ wird dabei mit einer klaren Strategie ve rbunden – der Strategie
‚Dialog’. Die Betonung dieser Strategie bietet einen Anknüpfungspunkt, sich
auch auf das geschichtliche Datum des Westfälischen Friedens von 1648 zu
beziehen.
• Zugleich benennt die ‚Strategie Dialog’ eine Grund satzentscheidung für eine
bestimmte politische Kultur der Stadt Münster: Der „Kultur des Dialogs“.
Gemeinsames Ziel ist es, diese Kultur sichtbar werden zu lassen auch in
politischen Entscheidungsprozessen oder dem Umgang mit kommunalen und
sozialen Konflikten.
• Der Dialog der unterschiedlichen Kulturen und kult urellen Prägungen der
Stadt Münster stellt dabei einen wesentlichen Aspekt dar.
• Die Herausstellung des Stichwortes ‚Kultur’ unters treicht, dass der
Handlungsansatz, Frieden als Dialog zu entwickeln in Münster besonders
auch als Aufgabe der kulturellen Szene der Stadt verstanden wird.
3. Handlungsbereiche im Themenfeld Frieden
Seine konkrete Gestalt bekommt der Frieden in einer Stadt durch das konstruktive
Zusammenwirken zwischen Politik, Kirchen, gesellschaftlichen Gruppen und allen
Bürgerinnen und Bürgern. Der hier beschriebene Profilierungsprozess ist diesem
Zusammenwirken verpflichtet und verfolgt insbesondere das Ziel, das
bürgerschaftliche Friedensengagement in verschiedenen Handlungsbereichen,
gestützt durch eine anregende und tragende Struktur, zu fördern. Da es dabei darum
geht, vorhandenes Tun zusammenzuführen und in dieser Verknüpfung zugleich
zuzuspitzen, sollte man in allen strukturellen Überlegungen ganz pragmatisch von
der Frage ausgehen, in welchen Bereichen eine Zusammenarbeit im Themenfeld
Frieden entweder schon stattfindet oder im Sinne der Profilformulierung sinnvoll
erscheint.
Fünf Handlungsbereiche sollten dabei auf jeden Fall berücksichtigt werden:
• Öffentliche Veranstaltungen (z. B. Rahmenprogramm Friedenspreisverleihung,
Interkulturelle Wochen mit Friedenskulturmonat September, Pflege und
Bewerbung von Gedenktagen)
Anlage 1 zur Vorlage V/0863/2011
Bericht und Empfehlungen des AK Friedenskultur
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• Bildungsarbeit und Forschung (z. B. Anti-Gewalt-Programme in Schulen und
Kindergärten, Streitschlichterprojekte; Aufarbeitung von Geschichte)
• Ortsbezogene Erinnerungsarbeit und Gedenken (z. B. Benennung von Plätzen,
Umgang mit Denkmälern und Gedenkorten, Stolpersteine, Ort der Kulturen und
Religionen, Friedenssaal)
• Internationale Friedensarbeit (z. B. Städtepartnerschaften, Mayors for Peace,
Zivile Konfliktbearbeitung und Friedensdiplomatie)
• Kommunale Entscheidungskultur und lokale Partizipation (z. B. Konversion,
Bürgerhaushalt, Mediation und stadtteilbezogene Friedensarbeit)
In jedem dieser Bereiche sollten Strukturen geschaffen bzw. bestehende Strukturen
so weiterentwickelt werden, dass ein gemeinsam abgestimmtes Handeln im Sinne
der Profilformulierung ermöglicht oder erleichtert wird. Im Einzelnen verbinden sich
damit folgende Vorschläge:
3.1 Öffentliche Veranstaltungen
Im Bereich ‚Öffentliche Veranstaltungen’ ist eine Vielzahl von Akteuren tätig, die ihre
Arbeit z. T. schon in einer Ausrichtung gestalten, die einer Konkretisierung der
Profilformulierung nahe kommt:
• Der alle zwei Jahre von der Wirtschaftlichen Gesel lschaft für Westfalen und
Lippe in Münster verliehene ‚Westfälische Friedenspreis‘. Der Preisverleihung
waren seit 2008 Veranstaltungen der Sequenz ‚Dialoge zum Frieden‘
zugeordnet, die thematisch auf das Profil und die Arbeitsschwerpunkte der
Preisträger ausgerichtet waren.
• Das im Rahmen der Allianz für Wissenschaft/AK „Wes tfälischer Frieden“
entstandene und seit 2004 in jährliche Veranstaltungsprogramme umgesetzte
Konzept „1648 – Dialoge zum Frieden“, das inhaltlich stringent auf den
Problemhorizont „Friedenssicherung, Krisenprävention und Konfliktlösung
durch Verhandlung und Vermittlung“ ausgerichtet ist; vor allem für die Jahre
zwischen den Preisverleihungen soll dadurch die Stadt unter Berufung auf die
Verhandlungen zur Beendigung des Dreißigjährigen Krieges als Ort des
Verhandelns, der Mediation und der „Dialoge zum Frieden“ profiliert werden.
• Die vielfältigen und seit Jahren gestalteten Angeb ote des vormaligen
Ausländerbeirates und jetzigen Integrationsrates mit dem Schwerpunktaspekt
„Dialog der Kulturen“, auch und insbesondere in den Interkulturellen Wochen.
• Der Friedenskulturmonat September, der es sich auf der Grundlage eines
breiten Bündnisses zivilgesellschaftlicher Akteure zur Aufgabe gemacht hat,
das Thema des Friedens einmal im Jahr gebündelt in den Fokus der
Stadtöffentlichkeit zu bringen und dabei Dialoge über politische, religiöse,
soziale und kulturelle Grenzen hinweg zu initiieren.
Die durch diese Akteure und Initiativen erfolgten Bemühungen um die Profilierung
Münsters als Stadt des Friedens gilt es koordiniert fortzuführen (ohne die bisher
erreichten Standards und Kooperationen zu gefährden) und in ein Gesamtkonzept im
Sinne der Profilformulierung einzubringen. Dabei sollten folgende Grundsätze gelten
bzw. Ziele angesteuert werden:
• Steigerung der Identifikationswerte nach innen und nach außen durch
Kontinuitätslinien in den Veranstaltungsprogrammen über mehrere Jahre;
• Kooperationsmöglichkeiten über die verschiedenen E benen und die
grundsätzliche Offenheit der Programme für die Beteiligung Interessierter –
unter Einhaltung entsprechender Qualitätskriterien;
Anlage 1 zur Vorlage V/0863/2011
Bericht und Empfehlungen des AK Friedenskultur
6
• koordiniertes inhaltliches Ausgestalten einer geme insam verabredeten Liste
von Gedenk- und Friedenstagen (s. Anhang 7.5).
Um diese Ziele und Grundsätze zu verwirklichen, sollten folgende Schritte eingeleitet
werden:
1. Benennung relevanter Akteure, die in der Umsetzu ng des Handlungsrahmens
Frieden / Handlungsbereich ‚Öffentliche Veranstaltungen’ auf jeden Fall zu
berücksichtigen sind.
2. Festschreibung des erweiterungsoffenen Charakter s einer solchen Liste von
relevanten Akteuren.
3. Institutionalisierung eines jährlichen Abstimmun gstreffens aller Akteure im
Handlungsfeld ‚Öffentliche Veranstaltungen’ mit zwei Zielen:
Koordination der Planung von Veranstaltungen mit Relevanz für die
Schlüsselformulierung Frieden der Stadt Münster;
Festlegung von Veranstaltungen, die offiziell als Angebote im Rahmen der
Schlüsselformulierung Frieden der Stadt Münster auftreten.
4. Etablierung eines Online-Planungskalenders, in d em alle Akteure im
Handlungsbereich ‚Öffentliche Veranstaltungen’ auch vorläufige
Veranstaltungsplanungen sehr frühzeitig wechselseitig offen legen.
5. Einrichtung eines Think-Tanks von wenigen Person en, die nicht zu dem Kreis der
relevanten Akteure gehören (z. B. Künstlerinnen und Künstler,
Friedensforscherinnen und Friedensforscher, Eventmanagerinnen und
Eventmanager), die die Entwicklung im Handlungsbereich ‚Öffentliche
Veranstaltungen’ jährlich prüfen und für Stadt und Zivilgesellschaft
Empfehlungen formulieren.
6. Offene Einladung an alle Münsteraner Bürgerinnen und Bürger, Institutionen,
Einrichtungen und Verbände, sich die Profilformulierung des Handlungsrahmens
Frieden zu Eigen zu machen und sie durch eigene Aktivitäten zu konkretisieren.
3.2 Bildungsarbeit und Forschung
Münster besitzt zahlreiche Bildungs- und Forschungseinrichtungen, die sich mit dem
Themenfeld Frieden auseinandersetzen:
So kann auf eine Vielzahl an Veranstaltungen der Volkshochschule verwiesen
werden, die den Frieden als zentrales Thema gesellschaftlicher Weiterbildung in
verschiedenen Veranstaltungsformaten und inhaltlichen Schwerpunktsetzungen
aufnehmen: Veranstaltungen der politischen Bildung, Lesungen, Ausstellungen,
Schulungen von Schülerinnen und Schülern zu ausstellungsrelevanten Themen und
zur Förderung des fairen Miteinanders von Menschen mit unterschiedlichen
Kulturerfahrungen sowie Qualifizierungsmaßnahmen zur Förderung der
Interkulturellen Kompetenz. Angebote im Bereich Friedenskultur / Kultur des Dialogs
finden sich auch bei weiteren Bildungsträgern wie ‚Die Brücke’ – Internationales
Zentrum der WWU, der Ev. Familienbildungsstätte, dem Haus der Familie –
Katholisches Bildungsforum im Stadtdekanat Münster, dem Sozialpädagogischen
Bildungswerk Münster, dem Verein Ethnologie in Schule und Erwachsenenbildung
(ESE) am Institut für Ethnologie, dem Franz-Hitze-Haus, dem Geschichtsort Villa ten
Hompel und einigen mehr.
Um die Stadt Münster als Stadt des Friedens regional wie überregional und
international zu profilieren, spielen Hochschulen und Fachhochschulen eine
herausragende Rolle. Das Exzellenzcluster „Religion und Politik in den Kulturen der
Vormoderne und Moderne“, das seit 2007 an der Westfälischen Wilhelms-Universität
Münster (WWU) tätig und der einzige der 37 bundesweiten Cluster zum Thema
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Bericht und Empfehlungen des AK Friedenskultur
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Religionen ist, beschäftigt sich u. a. mit dem Thema „Beiträge der Religionen zum
Frieden“. An der Universität gibt es am Fachbereich 2 einen Lehrstuhl für Ökumene
und Friedensforschung. Einen bedeutenden Aktivitätenschwerpunkt mit
internationaler Reichweite markiert in diesem Zusammenhang ferner das
Kompetenzzentrum ‚Humanitäre Hilfe’ der Fachhochschule Münster.
In den Schulen spielen friedensthematische Aktivitäten ebenfalls eine profilierte
Rolle. Zu nennen sind hier Mediationsprojekte, Streitschlichterprogramme, das
Projekt ‚Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage’, das Kinder-Friedenstreffen
der Münsteraner Grundschulen und Förderschulen auf dem Domplatz oder die Arbeit
der schulpsychologischen Beratungsstelle.
Darüber hinaus wurden von der Stadtbücherei Literaturlisten zum Beitrag der
Weltreligionen am Frieden sowie zum 1. September als Antikriegstag miterstellt bzw.
herausgegeben.
Viele dieser ausgewiesenen positiven Aktivitäten stehen gegenwärtig eher additiv
nebeneinander. Was im Sinne eines Handlungsrahmens Frieden der Stadt Münster
ausgebaut werden kann und sollte, und dann nicht nur der Stadt, sondern den
Akteuren selbst dienen würde, ist die Etablierung eines Bereiches, in dem ein
gemeinsames Selbstverständnis des friedenspädagogischen und friedenspolitischen
Handelns im Bildungs- und Forschungsfeld formuliert wird. Ausgewählte Angebote
könnten in diesem Bereich als inhaltliche Konkretisierung der Profilformulierung
Frieden der Stadt Münster verstanden und offensiv vermittelt werden wie umgekehrt
die Profilformulierung dazu anregen kann, gezielt Beiträge auf dem Hintergrund der
je spezifischen Kompetenzen in Abstimmung mit weiteren Partnern im
Handlungsbereich zu generieren.
Bevor aus diesem Grundanliegen mögliche strukturelle Konsequenzen abgeleitet
werden, ist es aufgrund der inhaltlichen Bandbreite friedensthematischer
Forschungs- und Bildungsarbeit in Münster angezeigt, in einem ersten Schritt einen
orientierenden Überblick herzustellen.
Im Zielfokus sollte dabei intendiert sein,
• den Forschungs- und Bildungsbereich enger aufeinan der zuzuführen, indem
Projekte an Schulen oder Erwachsenenbildungseinrichtungen zur Stärkung
einer Friedenskultur / Kultur des Dialogs wissenschaftlich begleitet und
ausgewertet werden - bzw. indem vorliegende Forschungsergebnisse für
lokale Bildungseinrichtungen praxistauglich und anwendbar aufgearbeitet
werden;
• wissenschaftliche Forschungsergebnisse für lokale Friedensarbeit zu nutzen –
aber auch: lokale Fragen wissenschaftlich aufzugreifen. So könnten z. B. der
Umbau der Bundeswehr in seiner lokalen Auswirkung wissenschaftlich
untersucht und Fragen der (Rüstungs-) Konversion bearbeitet werden. Ein
erfolgreiches Beispiel in diesem Bereich ist die gerade erfolgte
Auseinandersetzung mit Straßenbenennungen in Münster;
• zivilgesellschaftlichen Friedensinitiativen einen zumindest gleichwertigen
Zugang zu Bildungseinrichtungen zu ermöglichen wie der Bundeswehr und
insgesamt eine Kultur des Dialogs zwischen zivilgesellschaftlicher
Friedenspolitik und staatlichem Militär zu fördern;
• durch eine Forschungs- und Bildungsprofilierung Mü nster attraktiv zu machen
für Kongresse im Themenfeld Frieden;.
• einen Wettbewerb zur Idee des Westfälischen Friede ns zu etablieren (z. B. mit
den Zielgruppen Studierende sowie Schülerinnen und Schüler).
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Bericht und Empfehlungen des AK Friedenskultur
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3.3 Ortsbezogene Erinnerungsarbeit und Gedenken
Münster beherbergt neben dem Friedenssaal als weltkultureller Stätte für Gäste bzw.
für Besucherinnen und Besucher vielfältige Erinnerungsorte, Gedächtnisstätten und
ortsbezogene Vergegenwärtigungen der Notwendigkeit einer Kultur des Friedens.
Im Stadtteil Gievenbeck erinnert die Krieggräberstätte Haus Spital an das Leid der
Gefangenen und Internierten im 1. Weltkrieg. Architektinnen bzw. Architekten haben
frühere preußische Kasernen zu einem Hochschulzentrum und Begegnungsort am
Leonardo-Campus umgebaut. Zurzeit werden mögliche Standorte für eine Installation
geprüft, die auf den Beitrag aller Kulturen und Religionen zum Frieden hinweisen
wird. Die Chillida-Skulptur im Innenhof des Rathauses wird bereits von Gruppen
einbezogen, um auf Bewirtung als Ausdruck des Friedens hinzuweisen.
Insbesondere der Zwinger als Ort und mit seiner Inneninstallation ist Erinnerungsort
und Stätte von Bekundungen für den Frieden durch Friedensgruppen zugleich. An
einem Kriegerdenkmal an der Promenade wurde kürzlich eine Ergänzungstafel
angebracht, um auf die Beteiligung von deutschen Truppen an Morden in den
Früheren Kolonien hinzuweisen. Stolpersteine stellen sich gegen das Vergessen der
Opfer des Nationalsozialismus.
Im Loddenheider Friedenspark wird an Friedennobelpreisträgerinnen und –träger
erinnert. Mit privaten Mitteln wurde dort eine ehemalige Garnisonskirche zu einer
Friedenkapelle umgebaut, in der Begegnungen, Vorträge und musikalische
Kulturveranstaltungen stattfinden. Seit einigen Jahren gibt es zudem Initiativen in
Münster wie die des vormaligen Ausländerbeirates zur Errichtung eines „Friedens-
und Kulturparks“ mit einem „Haus der Kulturen“.
Diese sehr ausschnitthafte Beschreibung friedensrelevanter Orte zeigt, wie sehr
Orte, Zeichen und symbolhafte Handlungen dafür geeignet sind, an den Frieden als
unteilbare und vordringliche Aufgabe zu erinnern und das Friedensprofil Münsters
anschaulich werden zu lassen.
In diesem Sinne sollten in dem Handlungsbereich „Ortsbezogene Erinnerungsarbeit
und Gedenken“ als Ziele verfolgt bzw. als Vorhaben konkretisiert werden,
• bestehende Orte des Friedensgedenkens in einem Han dlungsrahmen Frieden
integriert zu betrachten und unter dem Profil ‚Kultur des Friedens – Frieden
durch Dialog’ zu nutzen und nach außen zu vermitteln,
• eine Karte mit Stätten, Plätzen und Naturorten ein er Kultur des Friedens in
Münster zu erstellen,
• nach Möglichkeiten zu suchen, Stadtführungen unter dem Themenaspekt
historischer und gegenwärtiger Friedensherausforderungen im Sinne des
Friedensprofils in das Angebot zu nehmen,
• bestehende kulturelle Ereignisse wie die Skulptur. Projekte oder die Triennale
Münster dafür zu gewinnen, auch den Dialog mit friedensrelevanten Orten zu
suchen,
• die aufgenommene Spur der Überprüfung des Umgangs mit Straßen- und
Platzbenennungen weiter zu verfolgen und bei der Neubenennung von
Straßen und öffentlichen Plätzen das Friedensprofil Münsters verstärkt zu
berücksichtigen,
• die Idee der Aufnahme des Friedenssaales Münster i n das Weltkulturerbe
beharrlich zu verfolgen,
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Bericht und Empfehlungen des AK Friedenskultur
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• regelmäßig ein Forum von Kulturschaffenden, Archit ektinnen bzw.
Architekten, Stadtplanerinnen und Stadtplanern, Historikerinnen und
Historikern u. a. einzuberufen, um sich in der Weiterentwicklung einer
„Topografie des Friedens“ für Münster beraten zu lassen,
• einen herausgehobenen „Ort des Dialoges“ in Münste r auszuweisen, der
sowohl als Symbol des Dialoges zu stehen kommt als auch für Dialoge der
Gegenwart genutzt werden kann.
3.4 Internationale Friedensarbeit
Frieden durch Dialog im Sinne der Friedenssicherung, Krisenprävention und
Konfliktlösung durch Verhandlung und Vermittlung ist ein Auftrag auf europäischer
und internationaler diplomatischer Ebene. Dieser Ansatz braucht jedoch den
Rückhalt in der Zivilgesellschaft und damit regionale Verortung.
Damit ist Münster in der Frage einer Profilierung der Friedensarbeit auch hier
gefordert – und auf unterschiedliche Weise längst schon aktiv. Vornehmlich zu
nennen sind die Städtepartnerschaften - die übrigens neben ausgewiesenen
Friedensstädten wie Graz und Ypern auch befruchtende Gesprächspartner im
Prozess der Entwicklung eines Handlungsrahmens Frieden waren (Anhang 7.4). Ein
Beitritt zum Netzwerk „Mayors for Peace“ wird gegenwärtig erwogen. Im Bereich
„Humanitäre Hilfe“ wird der Ansatz verfolgt, Kompetenzen zu bündeln und damit
profiliert nach außen zu treten. Ein politisch in großem Konsens getragenes Eintreten
für einen menschenfreundlichen Umgang mit Flüchtlingen vor Ort (z. B. in der Frage
des Bleiberechtes für Roma) ist auch als ein Beitrag Münsters zu einer
internationalen Friedensprävention zu verstehen. Kirchen und friedenspolitische
Gruppen setzen sich seit vielen Jahren für eine inhaltliche Ausgestaltung der
inzwischen politisch anerkannten Prämisse des Vorrangs der zivilen
Krisenprävention und Konfliktbewältigung ein und unterstützen dabei besonders das
Instrument des Zivilen Friedensdienstes.
In einem Handlungsrahmen Frieden sollten diese Ansätze aufgenommen und
besonders dahingehend verfolgt werden:
• den Beitritt zu dem Netzwerk Mayors for Peace tats ächlich zu vollziehen,
nachhaltig in Münster zu etablieren und u. a. mit den Partnerstädten
gemeinsam hierfür einzutreten;
• in der Zusammenarbeit mit den Partnerstädten das w echselseitige Lernen von
vorhandene Ansätzen der Friedensarbeit stärker in den Mittelpunkt zu rücken;
• die Tatsache, traditionell Garnisonsstadt und aktu ell Sitz des Deutsch-
Niederländischen Korps zu sein, kritisch-konstruktiv zu begleiten und dabei
die Konsequenzen der Prämisse des Vorrangs ziviler Krisenprävention und
Konfliktbewältigung zu reflektieren;
• mit Flüchtlingen aus politischen Konfliktgebieten, die in Münster leben,
begleitende Dialogprozesse zu initiieren und zu fördern;
• sich der Aufgabe zu stellen, Konfliktparteien mit kommunalem oder
zivilgesellschaftlichem Hintergrund zum Friedensdialog nach Münster
einzuladen oder von Münster aus zum Dialog anzuhalten;
• auf dem Hintergrund der Verortung der geschichtlic hen Prozesse von 1648 in
Münster und Osnabrück im Handlungsbereich Internationale Friedensarbeit
die Zusammenarbeit dieser beiden Städte zu suchen;
• und durch diese Aktivitäten Münster als möglichen Ort internationaler
Friedenskongresse und als Verhandlungsort von Friedensdiplomatie in den
Fokus zu rücken.
Anlage 1 zur Vorlage V/0863/2011
Bericht und Empfehlungen des AK Friedenskultur
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3.5 Kommunale Entscheidungskultur und lokale Parti zipation
Der Handlungsrahmen Frieden muss eine sichtbare Wirkung nach innen, in die
Stadtgesellschaft hinein entfalten. Erst dann wird er als Außendarstellung
glaubwürdig und erkennbar. Seine Ernsthaftigkeit und die Relevanz entscheiden sich
mit anderen Worten daran, ob es gelingt, das inhaltliche Profil ‚Kultur des Friedens –
Frieden durch Dialog’ durch eine Kultur des Dialoges und damit der Transparenz und
Partizipation in der Praxis des kommunalpolitischen Handelns sichtbar werden zu
lassen.
Münster ist in dieser Hinsicht auf einem guten Weg, wird doch die Bürgerinnen- und
Bürgerbeteiligung groß geschrieben.
Mit der Einführung des Bürgerhaushalts können die Bürgerinnen und Bürger direkt
ihre Einschätzung und eigene Vorschläge zur Haushaltskonsolidierung unterbreiten.
Aus Betroffenen werden Beteiligte.
Gleiches gilt für den Bereich der Stadtentwicklung. Das Hafenforum zählte auf seinen
insgesamt sieben Veranstaltungen Hunderte von Beteiligten und Interessierten.
Diese waren keineswegs nur Anlieger oder direkt von möglichen Baumaßnahmen
Betroffene. Unterschiedliche Sichtweisen und Planungen konnten im moderierten
Dialog konstruktiv erörtert werden.
Auf Bürgerinnen und Bürger, die ihren Stadtteil entwickeln, kommt es nach dem
Abzug der britischen Streitkräfte auch in Gremmendorf und Gievenbeck an, wenn
großflächige Konversionsgebiete neu genutzt werden können. Hier trifft sich die
friedenspolitische Zielsetzung der Abrüstung und Konversion mit der Partizipation der
an Stadt(teil)entwicklung interessierten Bürgerinnen und Bürger.
Auch die Benennung von friedenspolitischen Sprecherinnen und Sprechern durch die
Fraktionen und Gruppen im Rat der Stadt Münster stellt ein Signal der Offenheit der
Kommunalpolitik für friedenspolitische Fragen dar und ist ein Beipiel für andere
Städte. Insbesondere in der konkreten Arbeit gegen den Rechtsextremismus
bewährte sich dieser Dialog- und Gesprächskreis.
Münster hat sich am Projekt „Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie“ und am
Nachfolgeprojekt „Vielfalt tut gut“ der Bundesregierung beteiligt. Zahlreiche
zivilgesellschaftliche Projekte im Stadtgebiet konnten mit dem Ziel der Förderung von
Toleranz, zur friedlichen Konfliktlösung und u. a. dem Kennenlernen und Akzeptieren
von Anderssein gefördert und ermöglicht werden. Die unter Beteiligung von
Sportvereinen, kirchlichen Trägern und Schulen entwickelten Angebote dienten
unmittelbar der Förderung einer Kultur des Dialoges.
2004 schon wurde Münsters Stadtnetz publikom (
www.muenster.de ) in einer
Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung bescheinigt, zu den besten Ansätzen der
Bürgerbeteiligung per Internet zu gehören. Dabei wurde besonders auch die
Verknüpfung von städtischer Ressource (Presseamt) und Zivilgesellschaft (Verein
Bürgernetz) positiv gewürdigt.
• Die hier benannten Ansätze sollten als integrative Teilaspekte eines
Handlungsrahmens Frieden verstanden, ferner auch in diesem Sinne gepflegt
und weiterentwickelt werden. Dazu gehört auch ihre nachhaltige finanzielle und
institutionelle Absicherung.
• In Zusammenarbeit mit Schulen und Bildungseinricht ungen sollten Bürgerinnen
und Bürger darin gestärkt und dazu befähigt werden, die Instrumente der
Bürgerbeteiligung konstruktiv zu nutzen.
Anlage 1 zur Vorlage V/0863/2011
Bericht und Empfehlungen des AK Friedenskultur
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• Der zu benennende Fachbeirat Frieden sollte die Au fgabe übertragen
bekommen, die Entwicklung im Feld der Bürgerbeteiligung zu beobachten,
ungenutzte Potentiale zu benennen und dem Rat der Stadt in regelmäßigen
Abständen zu berichten. Dabei sollten Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit
den Hochschulen gesucht und genutzt werden.
• Die Arbeit der friedenspolitischen Sprecherinnen u nd Sprecher sollte aufgewertet
werden, indem ihnen bei Bedarf die Entwicklung gemeinsamer Initiativen des
Rates der Stadt Münster übertragen werden. Bürgerinnen und Bürgern sollte
aktiv verdeutlicht werden, dass sie sich in Bezug auf das Themenfeld Frieden
über die friedenspolitischen Sprecherinnen und Sprecher an den Rat mit ihren
Anliegen wenden können.
4. Bewertung / Auswertung
Aus den unter Ziffer 3 skizzierten Befunden und Perspektiven ergeben sich nach
Einschätzung des Arbeitskreises Friedenskultur insbesondere die folgenden
Aufgaben für die kommenden Jahre:
(1) Um Münsters Friedensprofil im Sinne eines möglichst alle relevanten Akteurs-
und Handlungsbereiche umfassenden Gesamtkonzepts zu konturieren und
fortzuentwickeln, ist zunächst die vom Arbeitskreis begonnene Bestandsaufnahme
der vielfältigen Aktivitäten sowohl in den zivilgesellschaftlichen Bereichen, in den
Kirchen und Religionsgemeinschaften sowie im Sektor Wissenschaft als auch in
städtischen Aufgabenfeldern zu vervollständigen. Auf ihrer Grundlage wird es
möglich sein, einen umfassenden „Handlungsrahmen Frieden“ für Münster zu
konkretisieren.
(2) Um die Gestalt des künftigen Münster-Profils ‚Frieden’ und den ‚roten Faden’
seiner Aktivitäten wiederzuerkennen, müssen über informelle Vernetzung und
projektbezogene Zusammenarbeit hinaus Koordinierungs- und Planungsbedarfe
bezeichnet und in abgestimmten Verfahren bearbeitet werden. Ferner ist zu
erwarten, dass sich im Zuge der weiteren Konkretisierung des Handlungsrahmens
Perspektiven für neue Handlungsansätze abzeichnen, deren Umsetzung im Kontext
bestehender Aktivitäten koordiniert entwickelt werden muss. Eine dazu passende
institutionalisierte Koordinierungs- und Planungsstruktur ist zu entwickeln.
(3) Um die Öffentlichkeitsarbeit aufzuwerten, Abstimmung zwischen Akteuren zu
ermöglichen, aber auch um Münster in Europa und der Welt als Stadt des Friedens
kenntlich zu machen, ist die Darstellung Münsters bezogen auf alle
Handlungsbereiche im Sinne der Werbung für den Friedensgedanken zu
verbessern. Diesem Ziel soll die Einrichtung einer Internet-Plattform dienen: „Frieden
online“ sollte nicht nur als Veranstaltungsterminkalender eingerichtet werden,
sondern auch wichtige Aspekte und Dimensionen einer Arbeit am Frieden enthalten
und kommunizieren sowie über die Friedensansätze anderer Städte informieren. Alle
Veranstaltungen zur Verwirklichung der Profilformulierung sollten durch eine
Öffentlichkeitsarbeit, die die Vielfalt der Aktivitäten und die Vielstimmigkeit der
Akteure wiedergibt, nach innen und nach außen hin allgemeinverständlich
kommuniziert werden.
(4) Um ein künftiges Münster-Profil Frieden zu konkretisieren, sollten ferner, soweit
möglich und sachgerecht, über die Beteiligung der Institutionen und Gruppen hinaus,
die Friedensthemen bearbeiten, weitere Formen bürgerschaftlicher Beteiligung
Anlage 1 zur Vorlage V/0863/2011
Bericht und Empfehlungen des AK Friedenskultur
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sondiert und ggf. angewandt werden. So hat sich der Arbeitskreis bereits dafür
ausgesprochen, „Frieden“ als sachlichen Themenabschnitt im Rahmen der
Bürgerumfrage 2012 zu bearbeiten.
(5) Um die Koordination, die Vernetzung und die weitere Profilierung insgesamt zu
befördern, sollte ein Fachbeirat Frieden eingerichtet werden. Dieser soll nicht das
Handeln von Gruppen und Organisationen ersetzen, sondern städtische und
stadtgesellschaftliche Friedensaktivitäten beratend und unterstützend begleiten.
Aufgrund der Zielperspektive, die unterschiedlichen Akteursbereiche in den
Handlungsrahmen Frieden ungeachtet ihrer Eigenständigkeiten einzubeziehen, sollte
sich der Beirat mit Blick auf Verbindlichkeit und Akzeptanz seiner Tätigkeit aus
Vertreterinnen bzw. Vertretern der Kommunalpolitik auf der einen und
nichtstädtischen Akteuren im Aufgabenfeld ‚Frieden’ auf der anderen Seite
zusammensetzen.
(6) Um die Stadt im Sinne der oben genannten Aufgaben zu profilieren, sind
personelle Ressourcen erforderlich. Aus der Sicht des Arbeitskreises ist es in dem
Zusammenhang wichtig, die Entscheidung über die Ansiedlung dieser Dienststelle
innerhalb der Stadtverwaltung mit Rücksicht darauf zu treffen, dass eine
Querschnittsaufgabe wahrgenommen wird; für eine erfolgreiche
Aufgabenwahrnehmung muss darüber hinaus das Tätigwerden dieser Stelle über
sachliche Fachbereichsgrenzen hinaus möglich und verbindlich sein. Die Stelle sollte
öffentlich ausgeschrieben werden.
(7) Konkreter Ort – Sichtbare Begegnungsstätte
In welcher Form die Arbeit am Thema Frieden auch etabliert wird: Münster benötigt
einen erkennbaren, repräsentativen und für alle zugänglichen Ort , einen
Kristallisationspunkt der jetzt begonnenen Arbeit für eine kommunale und stadtweite
“Kultur des Friedens in Münster“. (Kultur des Friedens – Frieden durch Dialog.)
5. Institutionalisierungsmodelle
Der Arbeitskreis Friedenskultur hat folgende Modelle zur organisatorischen
Umsetzung erörtert:
(1) Friedenskulturzentrum Münster:
Dieses Modell umfasst ein Raumangebot für
Friedensaktivitäten unterschiedlicher Inhalte und Zuschnitte sowie ein Friedensbüro
(Modell 2). Nicht nur durch dauerhafte Ausstellungen, die Einladung von
Künstlerinnen bzw. Künstlern und Gastwissenschaftlerinnen und
Gastwissenschaftlern, erst insbesondere in der Begegnung zwischen
Mitarbeiterinnen bzw. Mitarbeitern und Gästen, im Dialog aller Promotoren des
Friedens aus Politik, Kunst, Wissenschaft, zwischen Alt und Jung würde dieser Ort
friedenskulturelle Aktivitäten, Begegnung, Dialog und eine demokratische Streitkultur
zusammenfügen. Wünschenswert wäre auch, dass sich Volkshochschule,
Stadtbücherei und die Hochschulen an dem Zentrum beteiligten.
(2) Gesamtstädtisches Friedensbüro: Ein für alle Bürgerinnen und Bürger gut
erreichbares Büro mit einem angeschlossenen Gruppenraum und zwei
Büroarbeitsplätzen, die vom städtischen und vom zivilgesellschaftlichem Sektor
genutzt werden. Diese Variante erfordert ein klar konturiertes Raumkonzept und eine
einvernehmlich getroffene Nutzungsordnung.
Anlage 1 zur Vorlage V/0863/2011
Bericht und Empfehlungen des AK Friedenskultur
13
(3) Arbeitsstelle Friedenskultur: Ein/e städtische/r Mitarbeiter/in setzt die vom
Arbeitskreis formulierten Empfehlungen zur Konkretisierung und Weiterentwicklung
des Handlungsrahmens Frieden in Abstimmung mit dem Fachbeirat Frieden um.
Soweit möglich, können im Aufgabenzusammenhang auch Praktikantinnen und
Praktikanten (z. B. aus Münsters Partnerstädten), mitwirken.
Die skizzierten Modelle unterscheiden sich vor allem im Hinblick auf ihre
Angebotsbreite bzw. Angebotskonzentration an einem Ort; ihre Realisierung
korrespondiert zugleich mit unterschiedlichen Finanzierungsbedarfen. Unabhängig
von der Entscheidung für eine der Varianten sollte bei allen drei Modellen die Lage
folgende Gesichtspunkte berücksichtigen:
- innerstädtisch und zentral gelegen,
- leichte Erreichbarkeit und barrierefreier Zugang,
- Arbeitsstelle für zwei Büroarbeitsplätze,
- mitnutzbare Gruppen- und Medienräume.
6. Empfehlung: Pilotphase 2012-2013
Im Laufe der nächsten Jahre müssen der Inhalt, die Bedeutung und der Stellenwert
der Friedensprofilierung weiter entwickelt und konkretisiert werden. Diese Arbeit wird
vom zukünftigen Fachbeirat Frieden begleitet.
Der Arbeitskreis spricht sich dafür aus, den Handlungsrahmen Frieden nach
Maßgabe der unter Ziffer 4 skizzierten Empfehlungen zunächst in einer auf zwei
Jahre angelegten Pilotphase in den Jahren 2012 und 2013 zu konkretisieren und
weiterzuentwickeln. Dazu sollten der Fachbeirat Frieden eingerichtet, eine Stelle in
der Stadtverwaltung geschaffen sowie Sach- und Projektmittel in angemessenem
Umfang bereitgestellt werden
1. Fachbeirat Frieden
Der vom Oberbürgermeister der Stadt Münster zur konstituierenden Sitzung
einzuladende Fachbeirat Frieden wird zunächst auf zwei Jahre gebildet.
Er entwickelt gemeinsam mit der neu einzurichtenden Stelle für Friedensarbeit in
Münster den konkret auszuarbeitenden Handlungsrahmen Frieden und initiiert oder
benennt Projekte, die als Umsetzung der Profilformulierung gemeinsam verantwortet
oder offiziell beworben werden.
Er wird auf der Grundlage eines Ratsbeschlusses im ersten Quartal 2012
eingerichtet und besetzt. Bei der Auswahl der Mitglieder sind die in den
Empfehlungen beschriebenen Handlungsfelder sowie die friedenspolitischen
Sprecherinnen und Sprecher der Ratsfraktionen zu berücksichtigen, sodass damit
zugleich die im AK Friedenskultur beteiligten Organisationen möglichst repräsentativ
beteiligt sind. Vorschläge für die Besetzung können von allen im Arbeitskreis
Friedenskultur beteiligten Organisationen vorgelegt werden. Der Fachbeirat wird eine
Geschäftsordnung entwickeln, die auch die künftigen Besetzungsmodalitäten regelt.
Den Vorsitz übernimmt ein Vertreter bzw. eine Vertreterin aus dem
zivilgesellschaftlichen oder kirchlich-religiösen Bereich; die Geschäftsführung liegt
bei der neu einzurichtenden Stelle für Friedensarbeit.
2. Koordinierungsstelle
Für die Aufgabenwahrnehmung wird eine städtische Stelle, möglichst eine
Vollzeitstelle, vorerst bis Ende 2013 befristet eingerichtet. Auf die unter Ziffer 4
Anlage 1 zur Vorlage V/0863/2011
Bericht und Empfehlungen des AK Friedenskultur
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genannten Anforderungen im Hinblick auf die organisatorische Ansiedlung und
Funktion wird verwiesen. Sie wird in einem innerstädtischen Gebäude und offen
zugänglich eingerichtet.
3. Projektmittel
Neben den Mitteln zur sächlichen Ausstattung der neu einzurichtenden Stelle in
Höhe von etwa 7.500 Euro pro Jahr sollten für konkrete Vorhaben und Projekte Mittel
von ca. 20.000 € pro Jahr zur Verfügung stehen, über deren Verwendung der
Fachbeirat auf Vorschlag der Verwaltung entscheidet
4. Berichterstattung
Bis zum Jahresende 2012 erhält der Hauptausschuss einen Zwischenbericht, der die
bis dahin erreichte Konkretisierung des Handlungsrahmens sowie weitere
Arbeitsergebnisse skizziert. Der Bericht wird auch dem Integrationsrat zur Verfügung
gestellt.
Bis zum Jahresende 2013 fertigt die Verwaltung in Abstimmung mit dem Fachbeirat
einen Ergebnisbericht an den Rat über die Pilotphase mit Empfehlungen zur weiteren
Arbeitskonzeption; Bericht und Empfehlungen werden zuvor dem Integrationsrat, den
vom Berichtsinhalt berührten Ausschüssen bzw. Gremien und dem Hauptausschuss
zur Vorberatung vorgelegt.
7. Anhänge
7.1 Mitglieder des AK Friedenskultur
7.2 Aufgabenprofil: Koordinatorin/Koordinator kommunale Friedensarbeit
7.3 Partnerstädte Münsters – Übersicht über Friedensaktivitäten
7.4 Osnabrück, Graz und der Hiroshima-Städtebund (Ypern/Hannover)
7.5 Liste der Erinnerungs- und Friedenstage für Münster
Anlage 2
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Anlage 2 zur Vorlage V/0863/2011 Beitrag des Arbeitskreises 1648 – Dialoge zum Frieden 1 Prof, Dr. Franz-Josef Jakobi Münster , September 2011 Vorschlag für einen Ratsbeschluss „Münster als Stadt der ‚Dialoge zum Frieden‘ weiter profilieren“ Der Hauptausschuss hat mit Beschluss vom 09.06.2010 (V/0234/2010) einen „Arbeitskreis Friedenskultur“ eingerichtet und ihn, unter Bezugnahme auf den Interfraktionellen Antrag „Münster als Stadt des Friedens weiter profilieren“ (A- R/0023/2008) u.a. beauftragt, - einen Bericht über die bisherigen Aktivitäten der Stadt und zivilgesellschaftlicher Organisationen und Gruppen/Initiativen zu diesem Anliegen zu erstellen; - kommunalpolitische Handlungsansätze (Empfehlungen) für eine weitere Profilschärfung Münsters als Stadt des Friedens (Frieden als Querschnittsaufgabe) zu erarbeiten und dabei auch Möglichkeiten aufzuzeigen, die betreffenden Aktivitäten unterschiedlicher Institutionen und Gruppen sichtbar zu machen; - Koordinations- und Beratungsbedarfe für die künftige Friedensarbeit, alternative organisatorische Rahmen und ggf. Ressourcenbedarf für die Umsetzung der Handlungsempfehlungen zu benennen. Auf der Grundlage der von den beteiligten Institutionen und Personen eingebrachten Informationen wird zunächst die gewünschte Übersicht über die bisherigen Aktivitäten (s. Anlagen 1 - 3) vorgelegt. Die darin aufgelisteten Programmsequenzen und Veranstaltungen lassen sich drei Ebenen zuordnen und haben unterschiedliche Zielrichtungen und Reichweiten: 1. Der alle zwei Jahre von der Wirtschaftlichen Gesellschaft für Westfalen und Lippe in Münster verliehene ‚Westfälische Friedenspreis‘ (Preisträger s. Anlage 1) wird – vor allen nach der Preisverleihung an den ehemaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan und den Dirigenten Daniel Barenboim und sein West-Eastern-Divan-Orchestra – überregional und international wahrgenommen und hat eine hohe Medienaufmerksamkeit erreicht. Der Preisverleihung waren seit 2008 Veranstaltungen der Sequenz ‚Dialoge zum Frieden‘ zugeordnet, die thematisch auf das Profil und die Arbeitsschwerpunkte der Preisträger ausgerichtet waren (s. Anlage 2). 2. Das im Rahmen der Allianz für Wissenschaft/AK „Westfälischer Frieden“ entstandene und seit 2004 in jährliche Veranstaltungsprogramme umgesetzte Konzept „1648 – Dialoge zum Frieden“ wird mit besonders Anlage 2 zur Vorlage V/0863/2011 Beitrag des Arbeitskreises 1648 – Dialoge zum Frieden 2 qualifizierten externen Partnern realisiert (zu den jährlichen Veranstaltungssequenzen s. Anlage 2) und richtet sich mit seinen Veranstaltungsformaten und Themenschwerpunkten außer an die Stadtöffentlichkeit auch an die Hochschulen und Bildungsinstitutionen in der Stadt und an einen überregionalen Interessentenkreis. Inhaltlich ist es stringent auf den Problemhorizont „Friedenssicherung, Krisenprävention und Konfliktlösung durch Verhandlung und Vermittlung“ ausgerichtet; vor allem für die Jahre zwischen den Preisverleihungen soll dadurch die Stadt unter Berufung auf die Verhandlungen zur Beendigung des Dreißigjährigen Krieges als Ort des Verhandelns, der Mediation und der „Dialoge zum Frieden“ profiliert werden. 3. Die vielfältigen Initiativen und Aktivitäten unterschiedlichster Institutionen, Gruppen und Foren in der Stadt zum Problemhorizont „Frieden als Aufgabe“ (Nachweise im Einzelnen s. Anlage 3) werden weitgehend in Eigenregie und mit Eigenmitteln realisiert und richten sich vorrangig an die Stadtöffentlichkeit und jeweils andere spezielle Adressatenkreise. Der AK hat sich in 9 Plenums-Sitzungen mit intensiven Beratungen und durch zahlreiche vorbereitende und begleitende Besprechungen seit Juni 2010 bemüht, für die anderen Bereiche der ihm gestellten Aufgabe Lösungsvorschläge zu erarbeiten. Als Ergebnis ist festzuhalten: Es ist zu empfehlen , die durch die verschiedenen Akteure und Initiativen bislang erfolgten Bemühungen um die Profilierung Münsters im Sinne des o.a. Ratsauftrags koordiniert fortzuführen und in ein Gesamtkonzept einzubringen. Dabei sollten folgende Grundsätze gelten: - oberstes Ziel ist die nachhaltige Profilierung Münsters als Stadt der „Dialoge zum Frieden“; - sich steigernde Identifikationswerte nach innen und nach außen durch Kontinuitätslinien in den Veranstaltungsprogrammen über mehrere Jahre sind anzustreben; - Kooperationsmöglichkeiten über die verschiedenen Ebenen und die grundsätzliche Offenheit der Programme für die Beteiligung Interessierter – unter Einhaltung entsprechender Qualitätskriterien – sind zu gewährleisten. Die Koordination der Veranstaltungsprogramme und die Unterstützung der freien Träger sowie die Planung und Organisation der jährlichen „Dialoge zum Frieden“ im Rahmen der ‚Allianz für Wissenschaft‘ erfordert entsprechende personelle und finanzielle Ressourcen.
Anlage 1.2
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Anlage 1 zur Vorlage V/0863/2011
Bericht und Empfehlungen des AK Friedenskultur - Anhang 7.2
Aufgabenprofil: Koordinator/in ‚Kommunale Friedensarbeit’
Hintergrund
Die Stadt Münster hat in einem 1,5-jährigen partizi pativen Prozess mit den Bürgerinnen und
Bürgern der Stadt und ihren zivilgesellschaftlichen Gruppen im hierfür eingerichteten
‚Arbeitskreis Friedenskultur‘ ein vorläufiges Konze pt für kommunale Friedensarbeit
erarbeitet. Es umfasst die folgenden 5 Handlungsfel der: Öffentliche Veranstaltungen,
Bildungsarbeit und Forschung, ortsbezogene Erinneru ngsarbeit und Gedenken,
internationale Friedensarbeit sowie kommunale Entscheidungskultur und lokale Partizipation.
Hierbei wird das Themenfeld ‚kommunale Friedensarbe it‘ als ressortübergreifende
Querschnittsaufgabe verstanden.
Zur angemessenen Umsetzung der hiermit beschriebene n umfangreichen und inhaltlich
anspruchsvollen Aufgabe hat der AK verschiedene Mod elle erörtert. Erforderlich scheint die
Einrichtung einer städtischen Vollzeitstelle für ei ne/n Koordinatorin/Koordinator. Um sowohl
dem städtisch-zivilgesellschaftlichen Charakter des bisherigen Engagements als auch der
Vielfalt des Aufgabenspektrum Rechnung zu tragen, i st eine Doppelbesetzung
empfehlenswert: Paritätisch jeweils eine Person als Vertreter/in des städtischen sowie des
zivilgesellschaftlichen Bereichs. Die Kompetenzen u nd Erfahrungshintergründe sollten der
jeweiligen Aufgabe und Rolle hierbei entsprechen un d sich ergänzen. Hierdurch können die
multi-dimensionalen Anforderungen der Koordinierung sstelle optimal wahrgenommen und
integrativ zusammengeführt werden.
Die Stelle ist in einem thematisch relevanten Dezer nat angesiedelt (vorzugsweise
Oberbürgermeister). Dienstort ist ein städtisches B üro (Friedenskulturzentrum/
Friedensbüro), welches als Koordinierungsstelle fun giert. Die Koordinatorin/der Koordinator
nimmt alle Aufgaben in enger Abstimmung mit dem ‚Fachbeirat Frieden‘ wahr.
Aufgaben
Die wesentlichen Aufgabengebiete der/des Koordinatorin/Koordinators sind:
- Erarbeitung eines ‚Kommunalen Handlungsrahmens Frieden‘ 1 zur Schärfung des Profils
Münsters als Stadt des Friedens/europäische Frieden skulturstadt durch Erweiterung
des bisherigen, vom AK Frieden erarbeiteten Konzept es, sowie neue innovative
Ansätze; hierzu gehört u.a. eine Bestandsaufnahme b ereits existierender Aktivitäten im
Bereich kommunaler Friedensarbeit, sowohl von Seite n der städtischen Ämter und
Institutionen als auch der zivilgesellschaftlichen Gruppen;
- Bündelung und Koordination bereits existierender Ak tivitäten zum Themenfeld Frieden
und Friedenskultur;
- Umsetzung einzelner Maßnahmen wie Planung und Organ isation öffentlicher
Veranstaltungen und Veranstaltungsreihen;
- Funktion als Ansprechpartner zum Themenfeld kommuna le Friedensarbeit für die
Bürgerinnen und Bürger der Stadt Münster, städtisch e Institutionen sowie
zivilgesellschaftliche Gruppen.
Anforderungen:
- Hochschulabschluss vorzugsweise Sozialwissenschaft mit thematischer Ausrichtung auf
friedens- bzw. konfliktrelevante Themen;
- mehrjährige Berufserfahrung im Bereich zivile Konfliktbearbeitung im In- oder Ausland;
- nachgewiesene Kenntnisse der Konzepte und Ansätze z iviler
Konfliktbearbeitung/Friedensarbeit;
- Erfahrungen im Bereich der Zusammenarbeit mit zivil gesellschaftlichen Gruppen
und/oder partizipativen Prozessen der Bürgerbeteiligung;
- ausgeprägte soziale Kompetenz und Eigeninitiative;
- Computerkenntnisse.
1 Der zu erarbeitende ‚Handlunsgrahmen Frieden‘ wird hierbei nicht als statisches, sondern als
ein sich stets im Wandel und der Weiterentwicklung befindliches Konzept verstanden, welches
fortlaufend aktuelle, kommunale sowie gesamtgesellschaftliche Themen und Bedarfe
berücksichtigt.
Anlage 1.1
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Anlage 1 zur Vorlage V/0863/2011 Bericht und Empfehlungen des AK Friedenskultur - Anhang 7.1 Mitglieder des Arbeitskreises Friedenkultur Münster 1 Friedensgruppen Gruppe/Initiative Ordentliches Mitglied Stellvertretendes Mi tglied Friedensforum Münster Herr Dingerkus Frau Englert Friedenskapelle Herr Eberhardt Frau Severin Pax Christi Herr Prof. Dr. Ockel Herr Dertmann Deutsche Initiative für den Nahen Osten (DINO) Msgr. Hülskamp Frau Paschke Deutsche Friedensgesellschaft (DFG- VK) Münster Herr Hülsken-Fermer Herr Kuhn Förderverein Friedensinitiativen in Münster e.V. Herr Dr. Kinkelbur Frau Brüggemann Stadtheimatbund Herr Schneider Herr Dreßen Anlage 1 zur Vorlage V/0863/2011 Bericht und Empfehlungen des AK Friedenskultur - Anhang 7.1 Mitglieder des Arbeitskreises Friedenkultur Münster 2 Kirchen, Religionsgemeinschaften Kirche/Gemeinschaft/Gruppe Ordentliches Mitglied Stellvertre tendes Mitglied Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kir- chen, Gemeinden und Gemeinschaf- ten Frau Schweder Stadtkomitee der Katholiken Herr Kersken Herr Schuh macher Evangelischer Kirchenkreis Münster Herr Dr. Dechow Buddhistische Initiativen und Zentren Herr Kerklau DITIB Münster Herr Seven Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Münster e.V. Herr Determann Jüdische Gemeinde Münster Herr Fehr Herr Kaatz Hindu-Tempelgemeinde Herr Thiruselvam Herr Vasnatha rasan Anlage 1 zur Vorlage V/0863/2011 Bericht und Empfehlungen des AK Friedenskultur - Anhang 7.1 Mitglieder des Arbeitskreises Friedenkultur Münster 3 Bildung und Wissenschaft Hochschule/Arbeitskreis/Institution Ordentliches Mitglied Stellvertretendes Mitglied Katholische Hochschule NRW Herr Prof. Dr. Albers Westfälische Wilhelms-Universität Herr Prof. Dr. Br emer Frau Maria Wernsmann Arbeitskreis "1648 - Dialoge zum Frieden" Herr Prof. Dr. Jakobi Frau Dr. Blanc Fachhochschule Münster Herr Prof. Dr. Wickel Bezirksschülervertreter Herr Brinkmann Fachhochschule für öffentliche Ver- waltung - Abteilung Münster Herr Prof. Dr. Bruns Herr Brosthaus Anlage 1 zur Vorlage V/0863/2011 Bericht und Empfehlungen des AK Friedenskultur - Anhang 7.1 Mitglieder des Arbeitskreises Friedenkultur Münster 4 Politik Gremium/Funktion Ordentliches Mitglied Stellvertretendes Mitgl ied Integrationsrat Herr Marinos Herr Dr. Ibrahim Friedenspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion Herr Otte Herr Halberstadt Friedenspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion Herr Bürgermeister Wigger Herr Heuer Friedenspolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen/GAL Herr Ratsherr Peters Herr Ratsherr Dr. Schipmann Friedenspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion Herr Gerhardy Friedenspolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE. Herr Brämswig Herr Ratsherr Köhn Friedenspolitischer Sprecher der Ratsgruppe UWG/ödp Münster Herr Kersting Herr Ratsherr Pfau Friedenspolitischer Sprecher der Piraten in Münster Herr Barenhoff Herr Ratsherr Powroznik
Anlage 1.5
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Anlage 1 zur Vorlage V/0863/2011
Bericht und Empfehlungen des AK Friedenskultur - Anhang 7.5
1
Liste der Erinnerungs- und Friedenstage für Münster in Westfalen (Ansatz für eine
JahresFriedensAgenda 2011-2012)
Unterthema: Ortsbezogene Erinnerungsarbeit und Gedenken
Beschlussempfehlung AK Friedenskultur
In der Stadt Münster findet eine vielfältige und au sdifferenzierte Erinnerungsarbeit an die
Schrecken und Gräuel des Krieges statt – durch die Stadt, von Vereinen und Gruppen, in
den Stadtteilen. Die Dekade „Kultur des Friedens“ mahnt dazu, Brücken zur Zukunft und zur
Förderung des Friedensgedankens gleichfalls zu bede nken sowie stadtöffentlich und in
verschiedenartigen Formen auszudrücken. In Münster selbst bieten sich u. a. die folgenden
Gedenktage an, das Nachdenken über Frieden zu pfleg en und im Zusammenwirken von
Politik, Verwaltung und Stadtgesellschaft und Friedensgruppen zu entfalten.
27. Januar: Tag des Gedenkens an die Opfer des Na tionalsozialismus
Am Rathaus erinnert ein dauerhaftes Friedenszeichen an die Schrecken der vom
nationalsozialistischen Staat in Deutschland ausgeh enden Barbarei im Zweiten Weltkrieg.
Das Erinnern an die Verbrechen des Nationalsozialis mus und die heute gebotene
Versöhnungsarbeit zwischen Staaten und über Grenzen hinweg stellt im Jahresverlauf einen
ersten Gedenktag dar. Insbesondere Neubürgerinnen u nd Neubürger sollten die Möglichkeit
erhalten, sich mit diesem Teil der jüngeren deutsch en Zeitgeschichte zukunftseröffnend
auseinandersetzen.
8. Mai: Das Ende des Zweiten Weltkrieges
An den Tag der Befreiung Deutschlands wird in Münst er mit Kranzniederlegungen, stillem
Gedenken und der Anteilnahme von Politik und Stadtö ffentlichkeit erinnert. Veranstaltungen
am Zwinger und an anderen Orten sind nötig, um die Absage an Diktatur und Unterwerfung
wach zu halten. Auf den damaligen Umgang mit Minder heiten und die Wahrnehmung von
Minderheitenrechten heute wird dabei einzugehen sein.
15. Mai: Die Staatswerdung der Vereinigten Niede rlanden und die deutsch-
niederländischen Beziehungen heute
Die Anerkennung der Vereinigten Niederlande durch S panien stellt ein europäisches
Ereignis dar . Der Frieden in den Niederlanden von 1648 stellt sic h heute als eine besondere
Verpflichtung dar, den Weg der niederländisch-deuts chen Aussöhnung nach dem zweiten
Weltkrieg weiterzugehen. Was bewegt in diesem Nachb arland die Menschen, wenn sie über
Krieg oder Frieden nachdenken? Wie könnte die Pfleg e des Friedens in Europa in Münster
und der Euregio gefördert werden? Ein Tag, der auf die Konstituierung der Niederlande
verweist, sollte auch eine Begegnung zwischen Bürgerinnen und Bürgern der beiden Staaten
in Europa sein.
6.- 8. August: Hiroshimagedenken
Insbesondere der 6. August ist bislang ein meist st illes Gedenken an die beiden
Atombombenabwürfe in Japan 1945. Allein die Traditi on eines Blumenkreuzes in Münster ist
nicht hinreichend, um die Zäsur des Atomzeitalters zu bedenken. Mayors for Peace - das auf
eine Initiative der Bürgermeister von Hiroshima und Nagasaki zurückgehende Bündnis von
Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern aller Staaten der Welt setzt sich für eine
Reduzierung der Atomwaffenarsenale bis 2020 ein. Zu ermitteln ist, welches erkennbare
Zeichen in Münster von Politik und Friedensgruppen für eine Atomwaffenfreiheit gesetzt
werden kann, welche die Sorge um die Logik und den Geist von Atomwaffen angemessen
aufnimmt.
Anlage 1 zur Vorlage V/0863/2011
Bericht und Empfehlungen des AK Friedenskultur - Anhang 7.5
2
1. September: AntiKriegsTag
Der Antikriegstag wird in Münster seit mehr als zwe i Jahrzehnten von den Gewerkschaften
begangen, wobei auch aktuelle Sicherheits- und frie denspolitische Fragen im Mittelpunkt
stehen. Auch weil der von Deutschland ausgehende Zw eite Weltkrieg mit dem Überfall auf
Polen begann, ist die Verständigungsarbeit in eine m gesamteuropäischen Horizont
wesentlich.
21. September: Weltfriedenstag der Vereinten Natio nen
Seit einigen Jahren finden auch in Münster zum Wel tfriedenstag Veranstaltungen statt. Zu
prüfen ist, ob der Tag, der seit einem Beschluss de r Generalversammlung der Vereinten
Nationen 2001 begangen wird, mit einer besonderen Veranstaltung in ein breiteres
Bewusstsein gerückt werden könnte.
Ende September: Friedensmahl auf dem Platz des Wes tfälischen Friedens und in
Münsters Stadtteilen
Ende September hat in den letzten vier Jahren jewei ls ein Friedensmahl mit Gästen aus
verschiedenen Bevölkerungsgruppen Münsters im Zusam menhang mit dem Interkulturellen
Fest stattgefunden. In Gesprächen und bei Begegnung en wurde in dieser Zusammenkunft
auf die Notwendigkeit eines allgemeinen wie öffentl ichen Friedens als ein zentraler Beitrag
während der Interkulturellen Wochen hingewiesen; 20 12 soll das Friedensmahl auch in
Stadtteilen Münsters stattfinden.
9. Oktober: Leipziger Revolution – deutsch-deutsc her Tag der Gewaltfreiheit
Die Montagsdemonstrationen in der früheren DDR entw ickelten sich zu einer
Massenbewegung. Die Sprüche und Forderungen „Wir si nd das Volk“ und „Keine Gewalt!“
verfehlten ihre Wirkung nicht. Ein zentrales Datum der friedlichen Revolution im
bevormundenden DDR-Staat war der 9. Oktober 1989 – eine Protestdemonstration mit
unerwartet hoher Massenbeteiligung. Auch im westfäl ischen Münster ist an die gewaltfreie
Revolution in der früheren DDR mehrfach erinnert wo rden. Gemeinsam mit den
Städtepartnerschaftsvereinen in Münster und den Par tnerstädten Münsters sollte überlegt
werden, in welcher Weise dauerhaft an diesen Umbruc h und den gewaltfreien Wandel
erinnert werden kann. Der internationale Tag der Ge waltfreiheit findet am 2. Oktober statt.
Auch am 3. Oktober (Tag der deutschen Einheit) ist mehrfach an die Bedeutung der
Leipziger Revolution für Deutschland und ganz Europa erinnert worden.
24.- 25. Oktober: Tage des Westfälischen Friedens
Die beiden Tage der Unterzeichnung und Verkündung d es europäischen Friedensvertrages
von 1648 bieten für Münster die Möglichkeit, sowohl für den Friedensgedanken überregional
zu werben als auch Friedensaktionen durchzuführen u nd gemeinsame Initiativen in den
Nachbarstädten Münster und Osnabrück zu fördern. Da s Historienspiel in Münster, welches
seit einigen Jahren kontinuierlich durchgeführt wir d, ist auch eine genutzte Gelegenheit bei
alt und jung, auf die Bedeutung des Westfälischen F riedens heute hinzuweisen. Die
Bewerbung der beiden Nachbarstädte um das EU-Kultur erbe 2011 für die beiden
historischen Vertragsorte stellt dabei einen ersten, Nachbarstädte übergreifenden, Beitrag für
mehr gemeinsame Aktivitäten in den Kommunen dar.
Im November: Ökumenische Friedenswoche
In einzelnen Stadtteilen Münsters finden Veranstalt ungen im Rahmen der ökumenischen
Friedenwochen (2011: ''Gier Macht Krieg''; 13.11.20 12 neues Leitmotto) statt. Die
Erfahrungen der christlichen Friedensgruppen sind i nsbesondere gefragt, um Konzepte zu
Anlage 1 zur Vorlage V/0863/2011
Bericht und Empfehlungen des AK Friedenskultur - Anhang 7.5
3
entwickeln, wie am Volkstrauertag, in den Stadtteil en und in einem interreligiösen Horizont
heute angemessen an die Opfer von Kriegen erinnert werden kann. Auch sollte 2012 an die
Ergänzungstafel zum sogenannten Herero-Denkmal in e inem Informationsblatt der Stadt
erinnert werden. Katholische Jugendverbände und Pfa dfindergruppen weisen in Münster
Anfang Dezember jährlich auch auf die Notwendigkeit einer politischen Lösung im Nahen
Osten im Zusammenhang der Aktion Friedenslicht für Bethlehem hin.
9. November und 13. Dezember: Pogromnacht 1938 und Deportation aus Münster
Auch in Münster markiert der 9. November 1938 den e ndgültig allen bewusst gewordenen
öffentlichen Terror gegen Juden und jüdische Gemein den, die fortschreitende Entrechtung
und Ausgrenzung, die im Holocaust endete. Am 13. De zember 1941 wurden von Münster
aus Jüdinnen und Juden deportiert. Ein münsterbezog enes Gedenken hat dabei auch die
vom Güterbahnhof ausgehende, mit der Stele an der K reuzung Warendorfer Str./Kaiser-
Wilhelm-Ring in Erinnerung gehaltene Deportation mü nsterländischer Juden nach Riga in
den Blick zu nehmen.
Auch wenn diese Liste der Erinnerungs- und Gedenkta ge zum Thema Frieden nicht
vollständig sein kann und nur auf eine Jahresagenda Frieden verweisen kann, so bietet sie
doch die Möglichkeit einer kontinuierlichen Wahrnehmung der Verantwortung für den Frieden
in der Kommune und auch durch die Kommune selbst.
Im Profil Münsters als Stadt des Friedens werden di ese und weitere Gedenktage im
fortzuschreibenden Handlungsrahmen Frieden zu berücksichtigen sein.
Für die friedenspolitische Bildungsarbeit müssen Organisationen, Gruppen und Initiativen zur
Unterstützung von Aktivitäten in diesem Handlungsfe ld Fördermöglichkeiten seitens der
Stadt eröffnet werden; ein Teilansatz von 7.500 Eur o pro Jahr erscheint hierfür sachgerecht.
Unverzichtbar ist ferner die unterstützende Begleit ung seitens der Stadt. Als ein wichtiger
Schritt wird angesehen, dass auf Einladung des Ober bürgermeisters und aller
Bezirksbürgermeister/innen Friedensgruppen, alle en gagierten Organisationen und
interessierte Bürgerinnen und Bürger in 2012 eingel aden werden, die Arbeit für den Frieden
und die Förderung des Friedensgedankens zu intensiv ieren. Fassen wir zusammen: Leitend
müsste für alle städtischen Ämter und das bürgersc haftliche Engagement dabei stets und in
diesem Jahrzehnt der Gedanke sein: An den Krieg zu erinnern, heißt für den Frieden zu
werben.
Beratungsverlauf (3)
Beschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungBeschluss: ohne Beschlussfassung geschoben
Zur SitzungBeschluss: mehrheitlich geändert beschlossen
Zur SitzungOrte (5)
- Warendorfer Straße
- Kaiser-Wilhelm-Ring
- Leonardo-Campus
- Domplatz
- Haus Spital
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Vorlagen-Nr.
- V/0863/2011
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 16.11.2011
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37