V/0438/2017
Weiterentwicklung des schulischen Lernortes Pro-B-Klasse – Sek I
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Beschlussvorlage
13183 Zeichen
Fehler! Verweisquelle konnte nicht gefunden werden. DER OBERBÜRGERMEISTER Amt für Kinder, Jugendliche und Familien Amt für Schule und Weiterbildung Betrifft Weiterentwicklung des schulischen Lernortes Pro-B-Klasse – Sek I Beratungsfolge 07.06.2017 Ausschuss für Kinder, Jugendliche und Familien Vorberatung 27.06.2017 Ausschuss für Schule und Weiterbildung Vorberatung 05.07.2017 Haupt- und Finanzausschuss Vorberatung 12.07.2017 Rat Entscheidung Beschlussvorschlag: I. Sachentscheidung: 1. Der Rat beschließt die konzeptionelle Weiterentwicklung und Anpassung des Kooperations- modells Schule - Jugendhilfe / Pro-B-Klasse – Sek I entsprechend dem beschriebenen Kon- zept. 2. Der Rat nimmt zur Kenntnis, dass zur Sicherstellung der sozialpädagogischen Arbeit in der Pro-B-Klasse der Beratungsstelle Südviertel e.V. weiterhin Mittel in Höhe von 61.919,00 € zur Verfügung gestellt werden. Zusätzliche Mittel werden derzeit nicht benötigt. 3. Mit dem absehbaren Auslaufen der Geistschule wird die Pro -B-Klasse zum Schuljahr 2017/2018 organisatorisch an die Hauptschule Coerde angebunden. 4. Die Verwaltung wird beauftragt, gemeinsam mit den integrierten Schulen (hier insbesondere Primusschule und Sekundarschule) Konzepte und Unterstützungsmöglichkeiten entspre- chend den dort bestehenden Bedarfen zu entwickeln. II. Finanzielle Auswirkungen: Vorlagen-Nr.: V/0438/2017 Auskunft erteilt: Frau Nees Frau Limmer Ruf: 492-5123 492-4080 E-Mail: Nees@stadt-muenster.de Limmer@stadt-muenster.de Datum: 11.05.2017 Öffentliche Beschlussvorlage - 2 - Fehler! Verweisquelle konnte nicht gefunden werden. Teilergebnisplan Nr. Bezeichnung Haush.- jahr Betrag € Bemerkun- gen Produktgruppe 0603 Förderung von benachteili g- ten jungen Menschen Zeile 15 Transferaufwendungen 2017ff. 61.919 Neutral Begründung: 1. Ausgangslage 2004 wurde das Kooperationsprojekt der Geistschule, der Erziehungsberatungsstelle Südvi ertel e.V. und des Diakonischen Werks Münster als „Kooperationsmodell Jugendhilfe - Schule im Sü dviertel“ verstetigt. Grundlage hierzu waren Beschlüsse zu den Vorlagen V/414/2001 und V/0366/2004 durch den Rat. Personell ausgestattet stehen dafür eine Lehr er*innenstelle (Vollzeit) der Geistschule und eine sozialpädagogischen Fachkraft (30 Std/Wo) der Jugendhilfe zur Verfügung. Allgemeine Rechtsgrundlage des Kooperationsprojektes sind der § 13 Jugendsozialarbeit SGB VIII und das Schulgesetz für das Land Nordrhein Westfalen. Die Kinder und Jugendlichen erfüllen mit der Teilnahme ihre Schulpflicht (§ 34 Schulgesetz). Die Umsetzung der schulischen und sozialpädagog i- schen Förderung basiert auf der individuellen Förderplanung. Die Pro-B-Klasse bietet schulmüden bzw. schulabsenten Jugendlichen, die Hauptschulen in Mün ster besuchen, einen schulischen Rahmen, innerhalb dessen sie unter Zuhilfenahme von sozialpädagog i- schen und lebenspraktischen Maßnahmen auf eine Reintegration ins Regelsystem vorbereitet we r- den. Die Pro-B-Klasse ist aktuell an der Geistschule angebunden. S chülerinnen und Schüler (SuS) aus anderen Hauptschulen werden zwecks Aufnahme in die Pro -B-Klasse in der bisherigen Schule abgemeldet und in der Geistschule angemeldet. Insgesamt stehen 1 0 Plätze zur Verfügung. Die Teil- nehmenden haben bereits wesentliche Lerninhalte versäumt und benötigen eine spezielle Form der Hilfestellung, um eine Rückführung in das Bildungssystem zu ermöglichen. Hierzu zählen neben der didaktischen Wissensvermittlung auch pädagogisch-handwerkliche Angebote und ein systematisches Case-Management. Ziel der pädagogischen Maßnahmen ist es, die Integration in das Bildungssystem und den Erwerb des Schulabschlusses zu sichern. Hierzu gab es bis zum Jahr 2014 in der Pro -B-Klasse eine Le rngruppe für die Reintegration in das Schulsystem und eine weitere Gruppe für die Vorbereitung auf die Externenprüfung. Durch den E r- lass des Ministeriums für Schule und Weiterbildung NRW (Az: 223 -2.02.02-116891/13) vom 10.02.2014, war es nicht mehr möglich, schulpflichtige SuS für die Externenprüfung anzumelden. Die SuS konnten ab diesem Zeitpunkt ihren Hauptschulabschluss nach Klasse 9 oder 10 au sschließlich durch Rückführung zur Geistschule erwerben. Die Rückführung erwies sich in der Pr axis als äußerst schwierig. Nach über 15 -jähriger Tätigkeit hat sich die Pro -B-Klasse in der Schul - und Jugendhilfelandschaft etabliert. Die Hauptschulleitungen einschließlich Schulaufsicht, sowie Schulpsychologie und Jugen d- hilfe gehen weiterhin von einem hohen Bedarf für dieses Angebot aus. Durch den Wegfall der Exte r- nenprüfung als auch den absehbaren Wegfall der auslaufend gestellten Geistschule als Standort ist eine Neuausrichtung und Anpassung des Angebotes erforderlich. 2. Konzeptionelle Neuausrichtung - 3 - Fehler! Verweisquelle konnte nicht gefunden werden. Zentrale Eckpunkte der konzeptionellen Fortschreibung und Weiterentwicklung sind der Aufbau einer zentralen Zugangssteuerung und einer strukturierten Rückführung. Zielgruppe und Ziele Zielgruppe sind Schülerinnen und Schüler der Münsterschen Hauptschulen im Alter von 13-15 Jah- ren und im 7. bis 10. Jahr der Vollzeitschulpflicht. Sie haben über einen länger andauernden Zei t- raum den Schulunterricht verweigert. Schuleigene Maßnahmen, schulsozialarbeiterische B egleitung zur Integration ins Schulsystem als auch Ordnungsmaß nahmen wie polizeiliche Zuführung oder Buß- geldverfahren (§ 41 Abs. 4 SchulG) haben keine Veränderung bewirkt. Oberstes Ziel aller pädagogischen Maßnahmen ist die Reintegration in das Bildungssystem und die dauerhafte Beschulung der SuS an einer Hauptschu le einschließlich des Erwerbs des Schula b- schlusses. Hierzu stehen dann die auch über das Landesvorhaben KAoA etablierten bzw. zu etablie- renden Instrumente wie das Langzeitpraktikum (LZP) zur Verfügung. Das LZP ist ergä nzend zu den Berufsfelderkundungen und zum Betriebspraktikum ebenfalls für Schülerinnen und Schüler mit b e- sonderem Förderbedarf im Berufsorientierungsprozess vorgesehen. Zielsetzung ist, durch Praxisnähe und den betrieblichen Kontext die Chancen zu verbessern, einen Hauptschula bschluss und ein en direkten Übergang von der Schule in die Ausbildung zu erreichen. Das LZP findet auf freiwilliger B a- sis in der Regel schulbegleitend an einem Tag pro Woche statt. Die Teilnehmenden sollen befähigt werden, sukzessiv e eine tages - und lernbiographische Str uktur aufzubauen. Die Lernmotivierung steht dabei im Vordergrund. Hierbei werden in einem fest strukt u- rierten Tagesablauf Einheiten von Unterricht, Werkangebote und pädagogische Angebote durchg e- führt. Unterrichtliche Angebote als auch Einzel - und Gruppenangebote erfolgen in der Zeit von 8:00 bis 12:30 Uhr. Darüber hinaus sind spezifische Angebote im Nachmittagsbereich möglich. Die SuS haben die Möglichkeit, eine realistische Perspektive für ihre weitere Schulkarriere zu entwickeln, Int e- resse an schulischen und außerschulischen Lerninhalten (wieder) zu entdecken. Im Rahmen einer individuellen Förderplanung können die SuS die Einhaltung von notwendigen Zeitstrukturen erlernen, Lernblockaden abbauen und positive Lernerfolgserlebnisse zu schaffen und ein positiv es Selbstbild aufbauen. Inhaltliche Ausgestaltung Mit allen am Prozess beteiligten Fachleuten (untere Schulaufsicht, Schulleitungen, Beratungsstelle Südviertel e.V., Mitarbeiter*innen der Pro -B- Klasse, Amt für Kinder, Jugendliche und Familien, Amt für Schule und Weiterbildung - Schulpsychologie) wurde das sozialpädagogische und unte rrichtliche Konzept, das der Arbeit in der Pro -B-Klasse zugrunde liegt, auf einen neuen Stand gebracht. Es bi l- det die Grundlage für die pädagogische Umsetzung. Aufnahmeverfahren und Rückführung Der Zugang zur Maßnahme wird mittels eines systematischen Aufnahmeverfahrens durch ein Fac h- gremium aus Vertretungen der Schulaufsicht, des Amtes für Kinder, Jugendliche und Fam ilien, der schulpsychologischen Beratungsstelle, der Beratungsstelle Südviertel e.V. und der jeweils falleinbri n- genden Schule gesteuert. Die Anfragen werden mittels schriftlicher Fallunterlagen von den Beteiligten fachlich eingeschätzt, gemeinsam beraten, bewertet und entschieden. Ziel ist die passgenaue Bel e- gung der Plätze vor dem Hintergrund der begrenzten Kapazitäten. Hier können auch erste Hinweise zur Förderung innerhalb der Maßnahme erfolgen. Auch sollte in diesem Rahmen bereits die notwe n- dige und praktische Einbindung der Eltern in den Prozess vereinbart werden. Die SuS werden mit Aufnahme in das Angebot Pro B SuS der Hauptschule Coerde. Da der Weg zu einem externen Hauptschulabschluss nicht mehr gangbar ist, beginnt von Beginn des Aufen thaltes in - 4 - Fehler! Verweisquelle konnte nicht gefunden werden. der Pro-B-Klasse an sukzessive die Planung der Rückschulung. Je nach Motivation kann dies schnel- ler gelingen oder mehr Zeit in Anspruch nehmen. In jedem einzelnen Fall ist das oberste Ziel die Rückschulung in Regelklassen und dadurch die Möglichkeit, einen Schulabschluss zu erreichen. Dies kann die Herkunftsschu le sein; es sind aber auch Fallkonstellationen denkbar, in denen eine Rüc k- kehr an die Herkunftsschule ausgeschlossen ist. In diesen Fällen erfolgt die Prüfung, welche Schule im Interesse des /r Jugendlichen zukünftig die aufnehmende sein wird und wie die k onkreten Schritte der Rückführung aussehen können. Diese Vereinbarungen werden schriftlich festgehalten und in der individuellen Förderplanung berücksichtigt. An dieser Stelle kann es auch hilfreich sein, den komm u- nalen sozialen Dienst des Amtes für Kinder, Jugendliche und Familien als Unterstützung in Bezug auf Hilfen zur Erziehung mit einzubeziehen. Die genauen Indikatoren für die Aufnahme und Rückführung in die Regelschule werden mit den betei- ligten Institutionen im dialogischen Verfahren erarbeitet. Ziel ist die Rückführung nach 12 Monaten. Die Steuerungsgruppe kann im Rahmen einer Einzelfal l- entscheidung einen erneut befristeten Zeitraum für Schülerinnen und Schüler in der Pro -B-Klasse ermöglichen. Organisatorische und räumliche Anbindung Die organisatorische Anbindung wechselt mit Beginn des Schuljahres 2017/18 von der Geistschule auf die Hauptschule Coerde. Ein positiver Beschluss der Schulkonferenz dazu liegt vor. Die Ber a- tungsstelle Südviertel e.V. hat wie bisher als Kooperationspartner die Dienst- und Fachaufsicht für die Personalressource der Jugendhilfe. Die Geistschule läuft zwar zum Schuljahresende noch nicht aus, verfügt aber bereits ab Beginn des kommenden Schuljahres über keine 8. Klasse mehr, sodass b e- reits dann Achtklässler nicht mehr au fgenommen werden können. Die Verwaltung schlägt deshalb in Abstimmung mit den Schulen und der Schulaufsicht eine organisatorische Anbindung an die Haup t- schule Coerde vor. Der jetzige Standort der Pro -B-Klasse an der Nieberdingstraße hat sich für die Besc hulung der SuS als besonderer Lernort sehr gut bewährt und soll dort verbleiben. Personelle Ausstattung und Platzzahl Die Platzzahl bleibt weiterhin bei insgesamt 10 Schülerinnen und Schülern. Für die Pro-B-Klasse stehen wie bisher eine Lehrerstelle de s Landes in Vollzeit und eine sozialpäda- gogische Fachkraft mit 30 Wochenstunden, welche weiterhin an die Beratungsstelle Südviertel e.V. angebunden ist, zur Verfügung. Die Beratungsstelle Südviertel e.V. als Jugendhilfeträger zeichnet sich durch eine hohe Fachkompe- tenz in der Beratung und Förderung von Familien aus, die Unterstützung in der Erziehungshilfe ben ö- tigen. Dieser Unterstützungsbedarf geht bei den Kindern z.T. mit erheblichen Schulschwieri gkeiten einher. Der gemeinsame Erfolg von Jugendhilfe und Schule im bisherigen Projektverlauf mit einem sehr hohen Anteil von über ca. 90% an Schulabschlüssen bestätigt diese Arbeit. Die Jugendhilfetr ä- gerschaft durch die Beratungsstelle Südviertel e.V. soll daher fortgeführt werden. 3. Ausblick - 5 - Fehler! Verweisquelle konnte nicht gefunden werden. Die Pro -B-Klasse ist ein wichtiger Baustein, um Schulabsentismus entgegenzuwirken. Im Rahmen der weiteren integrierten Schul - und Jugendhilfeplanung wird diese Maßnahme dokumentiert und evaluiert. Darüber hinaus gilt es, das bestehende Hilfesystem für Schulverweigerer weiter zu ve r- schränken, um möglichst früh passgenaue Hilfen vorhalten zu können. Dazu gehört auch ein vertiefender Blick auf die integrierten Schulen (hier insbesondere die Seku n- darschule und die Primusschule). Die Sekundarschule Roxel begegnet der Problematik aktuell mit dem Ansatz „Der nächste Schritt“, in dessen R ahmen versucht wird, schulmüden bzw. schulverwei- gernden SuS ein besonderes Angebot zu unterbreiten und sie auf diese Art und Weise vor Ort zu halten. Auch mit der Primusschule gilt es zu überlegen und abzuwägen, ob und welche ergänzenden Unterstützungsbedarfe für die Schülerklientel bestehen und wie diese realisiert werden können. In Vertretung Gez. Thomas Paal Stadtdirektor
Beratungsverlauf (4)
Beschluss: ohne Beschlussfassung geschoben
Zur SitzungBeschluss: einstimmig geändert beschlossen
Zur SitzungOrte (1)
- Nieberdingstraße
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Details
- Aktenzeichen
- V/0438/2017
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 17.05.2017
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37