V/0082/2021/1
Gedenken an die verfolgten Homosexuellen und vergessene Opfergruppen der NS-Zeit
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Ergänzungsvorlage Beschluss
6723 Zeichen
V/0082/2021/1
V/0082/2021/1
Öffentliche Beschlussvorlage
Betrifft
Gedenken an die verfolgten Homosexuellen und vergessene Opfergruppen der NS-Zeit sowie den
Internationalen Tag gegen Homophobie (IDAHOT) in der Stadtgesellschaft sichtbarer machen
Beratungsfolge
Ausschuss für Gleichstellung Vorberatung
Kulturausschuss Vorberatung
Ausschuss für Personal, Digitalisierung, Organisation, Sicherheit
und Ordnung
Vorberatung
17.03.2021 Hauptausschuss Vorberatung
17.03.2021 Rat Entscheidung
Beschlussvorschlag:
I. Sachentscheidung:
Der Rat beschließt, dass
1.
a)
die Stadt Münster ein Forschungsprojekt beauftragt
zur Verfolgung homosexueller Münsteranerinnen und Münsteraner während der NS-Zeit und
zur strafrechtlichen Belangung homosexueller Münsteranerinnen und Münsteraner und
zur Emanzipations- und Bürger/-innenrechtsbewegung von lesbischen, schwulen, bisexuel-
len, trans, inter und queeren Menschen (LSBTIQ*) in Münster.
b)
die Stadt Münster an die Namen der während der NS-Zeit verschleppten und getöteten homosexu-
ellen Münsteranerinnen und Münsteraner erinnert,
c)
die Stadt Münster der nach §§175, 175a StGB strafrechtlich belangten Homosexuellen gedenkt.
1. (neu) die Stadt Münster in den kommenden Jahren die Diskriminierung, Stigmatisie-
rung, Verfolgung und Ermordung von Homosexuellen und weiteren LSBTIQ*- Men-
schen sowie Sinti und Roma, Zeugen Jehovas, „Euthanasie“-Opfern, Deserteuren als
Amt für Gleichstellung
15.03.2021
Ihr/e Ansprechpartner/in:
Herr Chmielorz
Telefon: 492-1706
Chmielorz@stadt-
muenster.de
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auch damals als „Asoziale“ Bezeichneter und weiterer „vergessener Opfergruppen“
während des NS-Regimes (1933-45) und in den darauffolgenden Jahrzehnten historisch
erforschen, aufarbeiten und der Opfer gedenken wird.
Sie deckt damit unerforschte und bislang wenig beleuchtete Schicksale von Münstera-
ner*innen auf und spricht Empfehlungen aus, wie die Erkenntnisse im kollektiven Be-
wusstsein der münsterischen Stadtgesellschaft verankert werden können.
a) Dazu wird in einem ersten Schritt ein Forschungsprojekt (mit dem Schwerpunkt Archivar-
beit) beauftragt
zur Verfolgung von Münsteraner*innen der oben aufgeführten Opfergruppen während
der NS-Zeit
zur strafrechtlichen Belangung homosexueller Münsteraner*innen (§§175, 175 a StGB)
und zur Emanzipations- und Bürger*innenrechtsbewegung von LSBTIQ*-Menschen
zur Benachteiligung, Stigmatisierung, Diskriminierung und Emanzipation von in Müns-
ter lebenden Sinti und Roma, Zeugen Jehovas, „Euthanasie“-Opfern, Deserteuren als
auch damals als „Asoziale“ Bezeichneter und weiterer „vergessener Opfergruppen“
während der Nachkriegsjahrzehnte
Hierbei wird auch geprüft, in wieweit private Nachlässe zu Forschungszwecken nutzbar ge-
macht werden können.
b) Zur Unterstützung, Begleitung und weiterführenden Beratung d es Prozesses und zur Dis-
kussion der (Zwischen-) Ergebnisse wird eine Arbeitsgruppe wahlweise ein Runder Tisch ge-
bildet, an der/dem die beteiligten Ämter und Einrichtungen sowie zivilgesellschaftliche Grup-
pen beteiligt sind.
c) Die Ergebnisse werden dem R at in einer ausführlichen schriftlichen Dokumentation bereit-
gestellt, die nach Abschluss dieses Forschungsprojekts für weitere öffentliche Präsentationen
genutzt werden kann.
2.
Das Forschungsprojekt wird erweitert und arbeitet münsterische Schicksale aus weiteren bisher
unerforschten und damit vergessenen Opfergruppen des Nationalsozialismus (Sinti und Roma,
Zeugen Jehovas, Euthanasie“-Opfer, Deserteure, „Asoziale“) in Münster auf.
2. (neu) In einem weiterführenden zweiten Schritt werden unter Berücksich tigung der Ergeb-
nisse aus Punkt 1 Empfehlungen ausgesprochen, wie die Stadt Münster an die Namen homo-
sexueller Münsteraner*innen erinnert, die während der NS -Zeit verschleppt und getötet wur-
den oder nach §§ 175, 175a strafrechtlich belangt wurden.
3.
Die Stadt Münster verankert den Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie
(IDAHOBIT) in der Stadtgesellschaft und macht deutlich, dass lesbische, schwule, bisexuelle, trans,
inter und queere Menschen ein selbstverständlicher Teil der Stadtgesellschaft sind.
4. (neu) Ebenso werden Empfehlungen unter Berücksichtigung der Ergebnisse aus Punkt 1
erarbeitet, wie den weiteren oben aufgeführten „vergessenen Opfergruppen“ differenziert ge-
dacht werden kann und ihre Schicksale eine angemessene Würdig ung in der Stadt, in ihrer
Geschichtsschreibung und Gegenwart, erhalten können.
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5. (neu) Es wird geprüft, ob eine Zusammenarbeit mit externen Agenturen bzw. Projektlaboren
im Anschluss an die Forschungsarbeit zur Entwicklung öffentlichkeitswirksamer Präs entatio-
nen und Projekte wirtschaftlich und fachlich sinnvoll sein kann.
II. Finanzielle Auswirkungen:
Forschungsprojekt, Erinnerung und Gedenken (siehe Sachentscheidung 1. a)-c) und 2.)
Die Sachentscheidungen sind wie folgt finanziert:
Teilergebnisplan
Nr. Bezeichnung
Haush.-
jahr
Betrag
€
Bemer-
kungen
Produktgruppe 0406 Stadtarchiv
Zeile 11 Personalaufwendungen 2021 44.565
16 Sonstige ordentliche Aufwen-
dungen
2021 3.000
11 Personalaufwendungen 2022 44.565
16 Sonstige ordentliche Aufwen-
dungen
2022 7.500
gesamt 99.630
Nr. Bezeichnung Haush.-
jahr
Betrag
€
Bemerkungen
Produktgruppe 0104 Gleichstellung aller Geschlech-
ter
Zeile 16 Sonstige ordentliche Aufwen-
dungen
2022 10.000
Die zur Finanzierung erforderlichen Ermächtigungen sind im Haushaltsplan -Entwurf 2021 bei den
o.g Produktgruppen veranschlagt. Es wird zur Kenntnis genommen, dass die Beschlussausführung
unter dem Vorbehalt steht, dass der Rat im Rahmen der Haushaltssatzung 2021 bzw. der mittelfris-
tigen Ergebnisplanung die Ermächtigungen bereitstellt.
Die Personalaufwendungen werden im Personalbudget gedeckt.
(neu) Für 2022 müssen zusätzliche Mittel eingestellt werden.
Produktgruppen 0406 Stadtarchiv, 0104 Gleichstellung aller Geschlechter
Begründung:
Die Verwaltung schließt sich den vorgeschlagenen Anpassungen aus dem Änderungsantrag der
Fraktionen Bündnis90/Die Grünen, SPD, Volt, CDU, Freie Demokraten, Die Linke und der Gruppe Die
Partei / ÖDP an.
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gez.
Markus Lewe
Anlagen:
- Antrag an den Rat Nr.: A-R/0072/2018
- Anregung von Peter Schilling (Verein Spuren finden e.V.) mit Schreiben an den Oberbür-
germeister vom 15. August 2020
- Stellungnahmen des Stadtarchivs vom 21.02.2019 und Kopie des Antwortschreibens des Ober-
bürgermeisters an Peter Schilling vom 15. September 2020
- Änderungsantrag vom 02.03.2021, APDOSO
Anlage A
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Anlage A zur V/0082/2021 Kurzüberblick Beschlussvorlage zum Ratsantrag A-R/0072/2018 „Gedenken an die verfolgten Homosexuellen sowie den Internationalen Tag gegen Homophobie (IDAHOT) in der Stadtgesellschaft sichtbarer machen“ und zur Anregung von Peter Schilling (Verein Spuren finden e.V.) in einem Schreiben an den Oberbürgermeister, die Schicksale bisher vergessener Opfergruppen im Raum Münster wäh- rend der NS-Zeit aufzuarbeiten. Ziele/Teilziele/Zielerreichung Die Beschlussvorlage folgt den Zielen des Produktplans der beteiligten Ämter. Sie dient der Förderung der Gleichstellung von lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans, inter und queeren Menschen in Münster, der Erforschung, Dokumentation und Vermittlung der Stadtgeschichte, dem Aufbau, der Pflege und Erschließung von Archivgut sowie der Erforschung, Dokumentation und Vermittlung von Geschichte am authentischen Ort. Mit der Beschlussvorlage werden folgende Ziele umgesetzt: Die Erforschung der Verfolgung während der NS-Zeit mit dem Fokus auf homosexuelle Menschen in Münster und sog. vergessene Opfergruppen (Sinti und Roma, Zeugen Je- hovas, Euthanasie“-Opfer, Deserteure, „Asoziale“) im Raum Münster. Die Erforschung der strafrechtlichen Verfolgung homosexueller Männer in der jungen Bundesrepublik. Die Entwicklung eines entsprechenden Formats des Gedenkens. Die Sicherung von Quellen der Emanzipations- und Bürger/-innenrechtsbewegung von lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans, inter und queeren Menschen in Münster. Die Vorbereitung didaktischer Materialien für schulische Beträge im Rahmen des Stol- persteingedenkens oder vergleichbarer Formate. Sichtbarmachung von lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans, inter und queeren Le- benswelten in Münster jährlich am 17.05. aus Anlass des an diesem Tag begangenen „In- ternationalen Tages gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie“ (IDAHOBIT, vormals IDAHOT). Finanzierung Produktgruppe: 0406 und 0104 Stadtarchiv und Gleichstellung aller Geschlechter Auswirkungen auf den Ergebnisplan X Ja Nein Auswirkungen auf den Finanzplan X Ja Nein Im beschlossenen (Nachtrags-)Haushaltsplan 2021 enthalten? Ja X Nein teilw. Im Entwurf des (Nachtrags-)Haushaltsplan 2021 enthalten? X Ja Nein teilw. Belastungen in zukünftigen HH-Jahren? X Ja Nein Bereits veranschlagt? X Ja Nein Pflichtigkeitsgrad Die Maßnahme/Leistung ist vollständig pflichtig überwiegend pflichtig überwiegend freiwillig X vollständig freiwillig Unmittelbare, grundsätzliche Relevanz für Querschnittsthemen (Demographie, Gleichstellung, Inklusion, Klimaschutz, Migration) Die Entscheidung ist im Hinblick auf die Homosexuellenverfolgung während der NS-Zeit, im Hin- blick auf die strafrechtliche Verfolgung schwuler Männer in der jungen Bundesrepublik und im Hinblick auf die Sichtbarmachung von Lebenswelten von lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans, inter und queeren Menschen in Münster relevant für die Gleichstellung von Menschen aller sexuellen und geschlechtlichen Identitäten.
47_Stellungnahme_Forschungsbedarf NS-Verfolgung Homosexueller in Münster
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Münster, 19.01.2021 Forschungsstand und Forschungsbedarf: NS-Verfolgung homosexueller Münsteranerinnen und Münsteraner Antrag A-R/0072/2018: Gedenken an die verfolgten Homosexuellen sowie den Internationalen Tag gegen Homo- phobie (IDAHOT) in der Stadtgesellschaft sichtbarer machen Über Münsteranerinnen und Münster, die in der NS-Zeit oder in der Nachkriegszeit als Homosexu- elle verfolgt wurden, ist bis auf eine Ausnahme nichts bekannt. Deshalb ist aus erinnerungskultu- reller und geschichtswissenschaftlicher Perspektive der Antrag der Ratsgruppe Piraten/ÖDP vom 27.11.2018 grundsätzlich zu unterstützen und das Gedenken an verfolgte homosexuelle Frauen und Männer in der Stadtgesellschaft zu stärken. Die Verwaltung wurde gebeten, „zu prüfen und zu berichten, […] welche Kosten für die Gedenktafel und die zuvor notwendige Forschung, um die Verfolgung von homosexuellen Frauen und Männern umfassend und historisch richtig darzustel- len, anfallen.“ Dafür muss erstmals umfassend die Verfolgung Homosexueller in Münster insbesondere in der NS-Zeit, aber auch in der frühen Bundesrepublik bis zur allmählichen Entkriminalisierung in den 1960er Jahren, dokumentiert werden. Denn zuverlässige Erkenntnisse zur Verfolgung homosexu- eller Münsteranerinnen und Münsteraner während der NS -Zeit liegen bisher nur begrenzt vor. Wir wissen durch Studierenden- Forschungsprojekte von Disziplinarmaßnahmen gegen sechs mit der Universität Münster verbundene Betroffene, und für eine „Stolperstein“-Verlegung konnte das Schicksal Fritz Robert Rippergers dokumentiert werden, der in das KZ Buchenwald verschleppt wurde und später starb. Schon hier finden sich Hinweise auf weitere Verfolgte. Erste Vorrecherchen und der Kontakt mit wissenschaftlichen Einrichtungen oder Initiativen wie dem Verein „Spuren finden“ oder dem Universitätsarchiv bestätigen abgesehen von diesen insge- samt sieben Einzelschicksalen die weitgehende Unkenntnis über die Lebenswege homosexueller Verfolgter und ihre Verfolgungsgeschichte. Insbesondere die Rolle kommunaler und staatlicher Behörden sowie der Stadtgesellschaft liegt noch im Dunkeln. Der Forschungsbedarf und zu erwar- tende Aufwand ist an diesem niedrigen Wissensstand anzusetzen. Weil diese Desiderate über das örtliche Beispiel hinausgehen, könnten neue Forschungen weg- weisend sein. Zwar gibt es Lokalstudien etwa zu Hamburg, Köln oder Berlin, doch ist Westfalen in DER OBERBÜRGERMEISTER STADTARCHIV An den Speichern 8 48157 Münster Bei weiteren Fragen: Anja Gussek (gussek@stadt-muenster.de) Philipp Erdmann (erdmann@stadt-muenster.de) dieser Hinsicht eine schlecht erforschte Region. Insbesondere die Kontinuitäten in der Verfolgung von Homosexuellen tief in die bundesrepublikanische Demokratie hinein erfordern umfassende Recherchen und Forschungen. Der zäsurübergreifende Zugriff hätte über die Region hinaus Pio- niercharakter. Homosexualität galt auch vor und nach der NS -Zeit als strafbar. Doch zwischen 1933 und 1945 nahm die Verfolgung drastische Dimensionen an. Von der zeitlichen Perspektive über diese Sys- temwechsel ausgehend gilt es zum einen konkret die Biographien Verfolgter wie auch von mögli- chen Täterinnen und Tätern zu erforschen. Zum anderen muss eine geschichtswissenschaftliche Einordnung der Ermittlungs-, Verfolgungs- und Bestrafungsstrukturen in Justiz, Polizei und Verwal- tung erfolgen. Gerade die Behördenseite und die Haltung der gesellschaftlichen Mehrheit mit dem Argument des „Scham- und Sittlichkeitsgefühls“ sind noch weitgehend unbekannt. Auf Feldern wie der Wehrmachtgerichtsbarkeit in der Garnisonsstadt Münster ist der Bedarf an Grundlagenforschung hoch. Völlig ungeklärt ist beispielsweise die Frage, ob es Verurteilungen von Homosexuellen vor Kriegsgerichten mit Sitz in Münster während des Zweiten Weltkriegs gab. Aus- zuwerten sind außerdem Gerichtsakten, Akten der Strafermittlung, kommunale Überlieferungen und die Recherchen von Suchdiensten wie dem ITS aus der Nachkriegszeit. Inwieweit sich von den dokumentierten Fällen von Ausgrenzungen an der Universität Münster weitere Verfolgten- schicksale ermitteln lassen, ist in Zusammenarbeit mit dem Universitätsarchiv ebenfalls zu klären. Dazu sind umfassende Recherchen in kommunalen Archiven in der Region, im Universitätsarchiv und im Bundesarchiv sowie den Landesarchiven notwendig. Gerade die Akten der Gerichte und Ermittlungsbehörden sind dabei auszuwerten. Die Überlieferung zivilgesellschaftlicher I nitiativen wie der Schwulenverbände ist ebenso hinzuzuziehen. Hier ist in erster Linie an das schwul - lesbische Archiv Münster und das KCM Münster oder auch das Centrum Schwule Geschichte e.V. mit Sitz in Köln zu denken. Auch ist Kontakt aufzunehmen mit möglichen Zeitzeuginnen und Zeit- zeugen oder Expertinnen und Experten, die seit Jahrzehnten mit großem Engagement Einzel- schicksale verfolgt und dokumentiert haben. Handlungsempfehlung: Der Rat der Stadt Münster beauftragt das Stadtarchiv Münster mit einer detaillierten Prüfung des Forschungsbedarfs und mit einer Dokumentation erster Hinweise auf weitere Opfer der Verfolgung homosexueller Männer und Frauen in der NS -Zeit und in der jungen Bundesrepublik . Hierfür müs- sen temporär etwa für sechs Monate Mittel für Werkverträge und /oder eine zeitweise Stellenauf- stockung bereitgestellt werden. [Kostenvoranschlag: Wissenschaftliche Mitarbeit (TVÖD - E 13) mit 19,5 Stunden über 6 Monate inkl. Sonderzuwendungen: ca. 17.275 €, alternativ eine wissenschaftliche Honorar kraft mit 60 Stunden/Monat über 6 Monate (25 €/Stunde): ca. 9 .000 €, zusätzlich 1.000 € Reise- und Kopier- kostenbudget] Anschließend ließe sich auf Grundlage dieser Arbeit ein konkretes erinnerungskulturelles Format entwickeln. Der Vorschlag einer Gedenktafel ist dabei aufzugreifen. Auch der Aufwand, den eine umfassende wissenschaftliche Erarbeitung des Themas erfordern würde, lässt sich dann detailliert beziffern. Da es sich um ein weitgehendes Desiderat auch in der gesamten Region handelt, ist eine inter- kommunale Kooperation denkbar – möglich über die geschichtswissenschaftlichen Einrichtungen des LWL wie das Institut für westfälische Regionalgeschichte oder das Landesarchiv NRW. Gera- de die Wehrmachtjustiz lässt sich in diesem regionalen Rahmen mit Münster als Kommandositz des ehemaligen Wehrkreis VI untersuchen und auch auf Ebene der Strafgerichtsbarkeit endeten Zuständigkeiten Münsteraner Akteure sowohl vor als nach 1945 Funktionen nicht an der Stadt- grenze.
Antrag_Schilling_Vergessene Opfer
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Der Oberbürgermaisier Münster Eing: 17, AUG. u) =stopersteine Se SPUREN FINDEN EV. I Peter Schilling a Verein Spuren Finden | Dezernat V Fasanenweg 13 | 46 Alle 48155 Münster jeing 19 AUS. 2020 Münster, den 15.08.2020 Stadtarchiv A ga a It Sehr geehrter Herr Lewe! Am 13. Februar 2020 hat der Deutsche Bundestag die Anerkennung der sogenannten „Asozialen“ als Opfergruppe des Nationalsozialismus beschlossen. (Drucksache 19/14342) Zu dieser Gruppe wurden „Obdachlose“, „Landstreicher‘; Arbeitsscheue‘, “Alkoholiker, „Zigeuner“ gezählt, die als vermeintliche „Ballastexistenzen“ nicht zur Volksgemeinschaft gehören würden. In den Konzentrationslagern erhielten sie die Kennzeichnung mit einem schwarzen Winkel. Ziel dieser späten Anerkennung ist es, den zum großen Teil Vergessenen einen angemessenen Platz in der Erinnerungskultur zukommen zu lassen. Auch die Stadt Münster sollte diese vergessenen Opfergruppen und Einzelpersonen im Raum Münster recherchieren und ihrer Diskriminierung und Verfolgung in angemessener Form gedenken. : Dies wären: Zeugen Jehovas Zwangsarbeiter und ihre UnterstützerInnen „Euthanasie“-Opfer Sinti und Roma Fahnenflüchtige und Deserteure Homosexuelle „asoziale Volksschädlinge“ Dazu sind die folgenden Schritte notwendig: 1. Recherche und Dokumentation der Fälle im Raum Münster 2. Erstellung einer Ausstellung mit exemplarischen Fällen 3. Maßnahmen zur Vermittlung ihrer Geschichte in schriftlicher und pädagogischer Form Das Stadtarchiv, der Geschichtsort Villa ten Hompel, die Universität Münster und das Landes- archiv Münster könnten die Forschungen und Vermittlungen unterstützen. Sicher muss auch in weiteren Archiven und Dokumentationen nach Münster betreffenden Fällen gesucht werden. Erste Hinweise auf einzelne Lebensgeschichten belegen, dass mit diesem Projekt Licht in den Bereich der vergessenen Opfer gebracht werden kann. Eine wichtige Voraussetzung, um ihrer angemessen gedenken zu können. Mit freundlichen Grüßen
A_R_0072_2018_a_r_0072_2018_Tag_gegen_Homophobie
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Antrag an den Rat Nr.: A-R/0072/2018
Münster, den 27.11.2018
Ratsantrag der Ratsgruppe Piraten/ÖDP
Gedenken an die verfolgten Homosexuellen sowie den Internationalen Tag gegen
Homophobie (IDAHOT) in der Stadtgesellschaft sichtbarer machen
Der Rat möge beschließen:
Der Verwaltung wird gebeten,
1. zu prüfen und zu berichten,
a) ob und wie es möglich ist, an die Namen der wäh rend der NS-Zeit verschleppten
und getöteten homosexuellen Münsteranerinnen und M ünsteraner auf einer
Gedenktafel zu erinnern,
b) ob und wie es möglich ist, den nach §§ 175, 175 a StGB strafrechtlich belangten
Homosexuellen namentlich zu gedenken,
c) welche Kosten für die Gedenktafel und für die z uvor notwendige Forschung, um
die Verfolgung von homosexuellen Frauen und Männer n umfassend und historisch
richtig darzustellen, anfallen.
2. Zu prüfen und berichten, wie der „Internationale Tag gegen Homophobie“ (IDAHOT) in
der Stadtgesellschaft verankert werden kann.
Begründung:
Die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus haben bislang in der Gedenkkultur der
Stadt Münster wenig Beachtung gefunden. Mit einer zentralen Gedenktafel in der Stadt
soll das Gedenken an diese, auch nach dem Ende des Nationalsozialismus noch vielfach
Verfolgungen und Diskriminierungen ausgesetzte Opfergruppe, einen würdigen Ort finden.
Auch in der Bundesrepublik Deutschland wurden über 20 Jahre lang zehntausende
Männer in der Bundesrepublik noch nach dem Paragraphen 175 verhaftet, verurteilt und
eingesperrt.
Der Internationale Tag gegen Homophobie am 17. Mai eines jeden Jahres sollte zukünftig
stärker in die Stadtgesellschaft wirken. Der IDAHOT bietet die Gelegenheit, sowohl an die
Homosexuellenverfolgung während der NS-Zeit zu erinnern, als auch auf die in extremen
Randbereichen der deutschen Bevölkerung wieder sichtbar werdenden Homophobie
hinzuweisen.
Fast täglich liest man selbst im vermeintlich aufgeklärtem Deutschland von Übergriffen auf
LGBTTIQ-Menschen und -Paaren. Ganz abgesehen davon, dass in 77 Ländern der Welt
Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung verfolgt werden und in einigen davon sogar
ihr Leben verloren haben.
Mit einem Gedenken an die verfolgten Homosexuellen wird auch gemahnt, dass sich die
Geschichte nicht wiederholen darf. Gerade in Zeiten, wo Rechtspopulisten unsere
Demokratie angreifen und die Erfolge bei der Gleichstellungen der queeren Community
rückgängig machen wollen, dürfen wir nicht einfach still danebenstehen, sondern müssen
rechtzeitig aufwachen und ganz besonders auch deutliche Zeichen setzen.
Gerade in Münster, die Stadt, in der am 29. April 1972 die erste Schwulen-Demo in
Deutschland überhaupt stattfand, stünde eine angemessene Form des Gedenkens gut zu
Gesicht. Denn da ist Münster nicht der Vorreiter, wie die Stadt es 1972 war.
Gez.
Johannes Schmanck
Franz Pohlmann
210302_ÄA_V00822021_APDOSO
4032 Zeichen
02.03.2021 Änderungsantrag zur öffentlichen Beschlussvorlage V/0082/2021 Gedenken an die verfolgten Homosexuellen und vergessene Opfergruppen der NS-Zeit sowie den Internationalen Tag gegen Homophobie (IDAHOT) in der Stadtgesellschaft sichtbarer machen. I. Sachentscheidung: Der Rat möge beschließen, dass 1.(alt) entfällt 1. (neu) die Stadt Münster in den kommenden Jahren die Diskriminierung, Stigmatisierung, Verfolgung und Ermordung von Homosexuellen und weiteren LSBTIQ*- Menschen sowie Sinti und Roma, Zeugen Jehovas, „Euthanasie“-Opfern, Deserteuren als auch damals als „Asoziale“ Bezeichneter und weiterer „vergessener Opfergruppen“ während des NS-Regimes (1933-45) und in den darauffolgenden Jahrzehnten historisch erforschen, aufarbeiten und der Opfer gedenken wird. Sie deckt damit unerforschte und bislang wenig beleuchtete Schicksale von Münsteraner*innen auf und spricht Empfehlungen aus, wie die Erkenntnisse im kollektiven Bewusstsein der münsterischen Stadtgesellschaft verankert werden können. a) Dazu wird in einem ersten Schritt ein Forschungsprojekt (mit dem Schwerpunkt Archivarbeit) beauftragt zur Verfolgung von Münsteraner*innen der oben aufg eführten Opfergruppen während der NS-Zeit zur strafrechtlichen Belangung homosexueller Münst eraner*innen (§§175, 175 a StGB) und zur Emanzipations- und Bürger*innenrechtsbewegung von LSBTIQ*-Menschen zur Benachteiligung, Stigmatisierung, Diskriminier ung und Emanzipation von in Münster lebenden Sinti und Roma, Zeugen Jehovas, „Euthanasie“-Opfern, Deserteuren als auch damals als „Asoziale“ Bezeichneter und weiterer „vergessener Opfergruppen“ während der Nachkriegsjahrzehnte Hierbei wird auch geprüft, in wieweit private Nachlässe zu Forschungszwecken nutzbar gemacht werden können. b) Zur Unterstützung, Begleitung und weiterführenden Beratung des Prozesses und zur Diskussion der (Zwischen-) Ergebnisse wird eine Arbeitsgruppe wahlweise ein Runder Tisch gebildet, an der/dem die beteiligten Ämter und Einrichtungen sowie zivilgesellschaftliche Gruppen beteiligt sind. c) Die Ergebnisse werden dem Rat in einer ausführlichen schriftlichen Dokumentation bereitgestellt, die nach Abschluss dieses Forschungsprojekts für weitere öffentliche Präsentationen genutzt werden kann. 2. entfällt 2. (neu ) In einem weiterführenden zweiten Schritt werden unter Berücksichtigung der Ergebnisse aus Punkt 1 Empfehlungen ausgesprochen, wie die Stadt Münster an die Namen homosexueller Münsteraner*innen erinnert, die während der NS-Zeit verschleppt und getötet wurden oder nach §§ 175, 175a strafrechtlich belangt wurden. 3. wie Vorlage 4. (neu) Ebenso werden Empfehlungen unter Berücksichtigung der Ergebnisse aus Punkt 1 erarbeitet, wie den weiteren oben aufgeführten „vergessenen Opfergruppen“ differenziert gedacht werden kann und ihre Schicksale eine angemessene Würdigung in der Stadt, in ihrer Geschichtsschreibung und Gegenwart, erhalten können. 5. (neu) Es wird geprüft, ob eine Zusammenarbeit mit externen Agenturen bzw. Projektlaboren im Anschluss an die Forschungsarbeit zur Entwicklung öffentlichkeitswirksamer Präsentationen und Projekte wirtschaftlich und fachlich sinnvoll sein kann. 6. (neu) Die Verwaltung wird beauftragt, zu den Haushaltsberatungen zum Haushalt 2022 die durch die Erweiterung notwendigen finanziellen und personellen Ressourcen darzustellen. II Finanzielle Auswirkungen Für 2022 müssen zusätzliche Mittel eingestellt werden. Produktgruppen 0406 Stadtarchiv, 0104 Gleichstellung aller Geschlechter Begründung : mündlich gez. gez. gez. Andrea Blome Marius Herwig Helene Goldbeck Petra Dieckmann Lia Kirsch Tim Pasch Anne Herbermann Doris Feldmann Josef Bergmann Sylvia Rietenberg Ludger Steinmann und Fraktion und Fraktion gez gez. gez. Tobias Jainta Jörg Berens Ulrich Thoden und Fraktion und Fraktion und Fraktion gez. Lars Nowak Franz Pohlmann
Verein Spuren Finden Peter Schilling
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3 EE & nr EIRR Er BE SEE EN FOR RS & HD TR IS Ss Herrn Peter Schilling Verein Spuren Finden Fasanenweg 13 48155 Münster Münster, 15.09.2020 Aufarbeitung von vergessenen Opfergruppen während der NS-Zeit im Raum Münster Sehr geehrter Herr Schilling, vielen Dank für Ihre Anregung zur wissenschaftlichen Aufarbeitung der Schicksale bisher vergessener Opfer des Nationalsozialismus im Raum Münster. In den letzten Jahrzehnten hat die Stadt Münster zahlreiche Forschungsaufträge erteilt, die der Aufarbeitung der Lebenswege während der NS-Zeit verfolgter, diskriminierter und ermordeter Münsteranerinnen und Münsteraner dienten. Daraus entstanden etwa das Biographische Lexikon der jüdischen Familien in Münster oder eine Aufarbeitung der Zwangsarbeit in Münster und Umgebung. Mir ist auch durchaus bewusst, welche wichtige Arbeit der Verein Spuren finden e.V. in Bezug auf das Stolperstein-Projekt in Münster geleistet hat. Nach Aussage des Stadtarchivs und des Geschichtsortes Villa ten Hompel erscheint Ihre Anregung zu einer historisch-wissenschaftlichen Aufarbeitung der Schicksale und einer angemessenen Erinnerung an diese vergessenen Personengruppen als durchaus berechtigt. Die Anerkennung der sog. „Asozialen“ durch den Deutschen Bundestag unterstreicht die Notwendigkeit einer entsprechenden Aufarbeitung zusätzlich. Hier gibt es sicher Nachholbedarf und eventuell eine erhöhte Akzeptanz in der Gesellschaft sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Es herrscht in der Tat noch große Unkenntnis über die Lebenswege, der von Ihnen genannten Personenkreise. Es ist davon auszugehen, dass ein hoher Forschungsbedarf besteht und auch durchaus langwierige umfangreiche Recherchearbeiten zu leisten sind. Hilfreich wäre es außerdem, sich der Unterstützung der Universität sowie weiterer Archive und Geschichtsinstitute zu vergewissern. STADT || MÜNSTER Markus Lewe Oberbürgermeister Stadthaus 1, Klemensstraße 10 Telefon: 0251/4.92-60 00 Fax: 0251/492-77 01 lewe@stadt-muenster.de www.stadt-muenster.de Es wäre aus meiner Sicht sinnvoll, sich in einem ersten Schritt an einem operativen ‚runden Tisch‘ zusammenzusetzen, um das weitere Vorgehen, Finanzierungs- und Personalbedarfe sowie mögliche Arbeitsformen abzustimmen. Dabei kann mit Sicherheit auf die Kompetenzen und Ressourcen im Stadtarchiv und im Geschichtsort Villa ten Hompel zurückgegriffen werden. Mir ist bekannt, dass die Erforschung einiger der von Ihnen angesprochenen „vergessenen Opfergruppen“, etwa die homosexuellen NS-Opfer, auch in Initiativen aus dem Rat und aus der Verwaltung bereits thematisiert wurden. Dies wäre bei den weiteren Planungen zu berücksichtigen und gegebenenfalls zu integrieren. Zunächst möchte ich daher vorschlagen, über das zuständige Kulturdezernat durch Stadtarchiv und Geschichtsort Villa ten Hompel ein Arbeitstreffen bzw. einen ‚runden Tisch‘ mit Ihnen und allen involvierten Akteuren zur Abstimmung der weiteren Planungen zu organisieren und durchzuführen. Die in diesem Gremium entwickelten Überlegungen und Vorschläge zur Umsetzung eines entsprechenden Forschungs- und Erinnerungsprojektes sollten dann dem Rat der Stadt Münster zur Entscheidung gestellt werden. Mit freundlichen Grüßen u Markus Lewe
Beratungsverlauf (5)
Beschluss: ohne Beschlussfassung geschoben
Zur SitzungBeschluss: ohne Beschlussfassung geschoben
Zur SitzungOrte (3)
- Klemensstraße 10
- Fasanenweg 13
- An den Speichern 8
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Aktenzeichen
- V/0082/2021/1
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 04.03.2021
- Erstellt
- 04.03.2021 13:55