V/0484/2006
3. Entwicklungspolitischer Nord-Süd-Preis der Stadt Münster 2006
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Berichtsvorlage
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V/0484/2006 DER OBERBÜRGERMEISTER Amt des Rates und des Oberbürgermeisters Betrifft 3. Entwicklungspolitischer Nord-Süd-Preis der Stadt Münster 2006 Beratungsfolge 21.06.2006 Hauptausschuss Bericht 21.06.2006 Rat Bericht Bericht: Der Haupt- und Finanzausschuss hat in seiner Sitzung am 20.06.2001 beschlossen, dass die Stadt Münster jedes zweite Jahr einen “Entwi cklungspolitischen Nord-Süd-Preis” verleiht. Die Preissumme beträgt jeweils insgesamt 5000 Euro und kann auf mehrere Preisträger aufgeteilt werden. Der Preis wurde erstmalig im Jahr 2002 vergeben. Die Kosten für die Vorbereitung und Vergabe des Preises werden aus der Haushaltsstelle 0020.718.5000.4 (kommunale Entwick- lungszusammenarbeit) finanziert. Ein aus fünf unabhängigen Personen des öffentlichen Lebens bestehendes Preisgericht hat aus den eingegangenen 14 Bewerbungen die diesjährigen Preisträger ausgewählt. Gemäß Ziffer 7 der “Bestimmungen über die Auslobung des Entwicklungspolitischen Nord-Süd- Preises der Stadt Münster” vom 20.06.2001, zuletzt geändert durch Beschluss des Hauptaus- schusses vom 29.06.2005, sind die preisgekrönten Arbeiten und die Namen der Preisträger dem Rat bekannt zu geben. Die Preisträger sowie deren ausgezeichneten Arbeiten sind als Anlage beigefügt. Dr. Tillmann Vorlagen-Nr.: V/0484/2006 Auskunft erteilt: Frau Rietkötter Ruf: 492 60 43 E-Mail: RietkoeS@stadt-muenster.de Datum: 07.06.2006 Öffentliche Berichtsvorlage
Anlage
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Anlage Preisträger des 3. Entwicklungspolitsichen Nord-Süd-Preises der Stadt Münster 2006 Preisträger: Solar Net International e.V. und das Schillergymnasium Ausgezeichnetes Projekt und Begründung: Solar Net International e.V. geht aus einer im Jahr e 2000 begonnenen Spendenaktion des Schil- lergymnasiums in Münster hervor. Daraus entwickelte sich eine Schulpartnerschaft mit einem Schulkomplex in Namibia, einem Land also, welches i n der Vergangenheit unter deutscher Koloni- alherrschaft gelitten hat. Im Jahr 2005 wurde dann der Verein Solar Net International e.V. gegrün- det, der eine mehrfache Zielsetzung verfolgt: den A ustausch Jugendlicher auf internationaler Ebe- ne, die weltweite kommunikative Vernetzung Jugendli cher mithilfe der neuen Medien und die För- derung erneuerbarer Energien. Seit 2004 haben drei Schülergruppen des Schillergymnasiums das namibische Farmschuldorf Baumgartsbrunn besucht. Gl eichzeitig haben Abiturienten des Münste- raner Gymnasiums ihren Zivildienst in Baumgartsbrun n geleistet. Darüber hinaus haben weitere Austauschbegegnungen zwischen Gruppen dieser Schule mit Jugendlichen in Ghana und Polen stattgefunden. Bei diesen internationalen Treffen b ildete die Entwicklung erneuerbarer Energiege- winnung den Schwerpunkt. Daneben sollte in diesen Begegnungen die Fähigkeit gefördert werden, mit neuen Medien umzugehen. Die deutschen Schülerin nen und Schüler veranstalten verschiede- ne Spendenaktionen für ihre afrikanischen Partner u nd verbinden diese mit einer gezielten Öffent- lichkeitsarbeit, mit der sie über die Lebensbedingu ngen ihrer Partner informieren möchten. Das Preisgericht kam einstimmig zu dem Urteil, dass die se Bewerbung mit ihrem innovativen Ansatz und breit gefächerten Aktionen aus den anderen – un bestritten auch sehr wertvollen – Bewerbun- gen herausragt. Solar Net International e.V. ist me hr als eine Schulpartnerschaft, die durch Spen- den und Kontakt internationale Verbindungen initiie rt. Über die breite Streuung der Kontakte mit Jugendlichen in Namibia, Ghana und Polen wird gleic hzeitig die Möglichkeit geschaffen, dass die- se auch untereinander Beziehungen aufbauen. Nichts baut so effektiv Vorurteile ab wie persönli- che Begegnungen und Kooperationen. Zum anderen ist die inhaltliche Ausgestaltung der internati- onalen Beziehungen mit Bewusstseinsbildung über ern euerbare Energien und dem Erlernen des Umgangs mit neuen Medien vorbildlich und zukunftswe isend. Bemerkenswert ist weiterhin, dass Solar Net International e.V. sich zwar den Initiati ven einzelner Protagonisten an der Schule ver- dankt, mittlerweile aber von einer breiten Basis an der Schule und darüber hinaus getragen wird, auch von vielen ehemaligen Schulangehörigen. Damit ist auf absehbare Zeit eine Kontinuität des Vereins und seines Engagements gewährleistet. Preisträger: Richard Nawezi Ausgezeichnetes Projekt und Begründung: Richard Nawezi lebt und arbeitet seit 1985 als Lehrer für traditionellen und modernen afrikanischen Tanz in Münster. Aufgewachsen ist er in Lubumbashi in der Demokratischen Republik Kongo, die früher, zu seiner Jugendzeit noch Zaire hieß. Richa rd Nawezi hat eine Vielzahl von Projekten, Ak- tivitäten und Programmen angestoßen und selbst orga nisiert. Beeindruckend ist die Bandbreite seiner künstlerischen, kulturellen und entwicklungs politischen Aktivitäten, die er in zahlreichen, unterschiedlichen Kooperationen und Netzwerken umsetzt: - mit seinem Tanz- und Musikensemble „Mutuashi“, - im „Radio Soukous“, das monatlich im Bürgerfunk Mü nster ausgestrahlt wird, - in Theaterproduktionen z.B. zusammen mit „Cactus. Junges Theater e.V.“, - im entwicklungspolitischen Projekt „Mutoto e.V.“, welches mit sozialem und künstlerischem Schwerpunkt in Münster und Lubumbashi arbeitet, - und mit dem eigenen Label „kitunga.projekte“, über das verschiedene Theater-, Musik- und Kulturprojekte als Brücke zwischen dem Kongo und Deutschland realisiert werden. Richard Nawezi ist kreativer Künstler und Gestalter . Vor allen Dingen die Theaterstücke „Agathas Kind“ und „Anton Wilhelm Amo: Eine dramatische Spur ensuche“ sind in der breiten Münsteraner Öffentlichkeit wahrgenommen worden. Richard Nawezi ist Mitbegründer und Vorsitzender von Mu- toto e.V. „Mutoto“ heißt übersetzt „Kind“. Der Verein unterstützt und finanziert verschiedene Sozi- al- und Kulturprojekte in Lubumbashi, z.B. Unterric ht für blinde Kinder, ein Internat für geistig be- hinderte Kinder und eine Einrichtung für Straßen- und Flüchtlingskinder. Mutoto e.V. hat 2005 „Mu- toto Chaud“, eine nichtprofessionelle Akrobatik- und Theatergruppe von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen aus Lubumbashi, nach Deutschland eingeladen, wo sie nicht nur ihr Können zeigten, sondern hier mit Kindern Gemeinsames erarbeiteten. Die gemeinsamen Vorführungen im Pum- penhaus fanden ein begeistertes Publikum. Mit dem N ord-Süd-Preis für Richard Nawezi möchte das Preisgericht die originelle Verknüpfung von Kul tur, Politik und Pädagogik, von Bewusstseins- bildung, Öffentlichkeitsarbeit und Projektunterstützung auszeichnen. Dabei möchten wir besonders die Zusammenarbeit von Afrikanern bzw. Afrikanerinn en und Deutschen in seinen Projekten her- vorheben. Richard Nawezi durchbricht mit seinem Eng agement das gängige Afrikabild in der me- dialen Öffentlichkeit: Während in der aktuellen Ber ichterstattung der Medien über sein Herkunfts- land, die Dem. Rep. Kongo, vorwiegend ein Bild eine s Landes gezeichnet wird, in dem Mörder- banden herrschen, die nur mit militärischen Mitteln zu stoppen sind, zeigt uns Richard Nawezi ein anderes Bild: Hier geht es um Menschen, die sich be mühen, ihr Alltagsleben zu organisieren, in Würde zu überleben, obwohl sie zu Spielbällen kolon ialistischer und ökonomischer Weltmarktinte- ressen gemacht werden. Preisträger: Eine Welt Netz NRW e.V. Ausgezeichnetes Projekt und Begründung: Das Eine Welt Netz NRW e.V. wurde 1991 als LAG3W (L andesarbeitsgemeinschaft Dritte Welt) von Eine-Welt-Zentren und Initiativen aus mehreren Städten Nordrhein Westfalens gegründet. Heute sind im Eine Welt Netz NRW über 140 Gruppen u nd Personen der Eine-Welt-Arbeit aus ganz Nordrhein Westfalen zusammengeschlossen. Das N etzwerk organisiert Fortbildungen und Fundraising-Tagungen für die assoziierten Gruppen, koordiniert überregionale Arbeitsschwerpunk- te, leistet Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit wie etwa auf Konferenzen, in entwicklungspolitischen Kampagnen oder durch Schulbesuche mit dem sogenannten „Eine Welt Mobil“. Nicht zuletzt ist die entwicklungspolitische Lobby-Arbeit auf Landesebene ein bedeutender Arbeitsbereich des Eine Welt Netzes NRW. Beworben hat sich das Eine Welt Ne tz mit seiner Wanderausstellung „Unsere Zukunft – Eine Welt“, die im Februar 2005 in Münste r im Stadthaus III eröffnet wurde. Dem Preis- gericht gefiel die anschauliche und übersichtliche Behandlung so zentraler entwicklungspolitischer Themen wie Fairer Handel, Gerechtigkeit und Frieden , Klima und Energie sowie Globales Lernen und Interkultureller Dialog. Der Ausstellung geling t es, durch ihre verschiedenen Stilelemente, durch informative Texte und mit bedacht eingesetzter verbaler Provokation das eigene Verhalten in der Einen Welt zu reflektieren. Das Preisgericht wü rdigt besonders die bewusst konzipierte Flexibi- lität der Ausstellung, da auf diese Weise nicht nur kurzfristig auf politische Aktualität reagiert wer - den kann, sondern auch den ausleihenden Gruppen Rau m gelassen wird, ihre lokale Arbeit vorzu- stellen. Bislang wurde an elf Standorten davon Gebr auch gemacht. Als überzeugend möchte das Preisgericht die durchdachte Benutzerfreundlichkeit der Wanderausstellung hervorheben. Neben der konkreten Ausstellung stehen Öffentlichkeitsmat erialien wie Faltblätter, Plakate, Einladungs- karten und Muster-Presseerklärungen zur Verfügung. Auf Anfrage wird ein Medienkoffer mitgelie- fert. Die Buchungsgebühren decken neben Transportko sten auch das Auf- und Abbauen der Aus- stellung ab. Das Preisgericht ist sich bewusst, das s das Eine Welt Netz NRW aufgrund seiner hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sow ie dem zur Verfügung stehenden finanziellen Rahmen, der eine Gestaltung der Wanderausstellung u nter professioneller Beratung erlaubte, nicht vergleichbar ist mit den Bewerbungen von Basi sgruppen aus Münster. Deshalb hat sich das Preisgericht entschlossen, keinen Preis zu vergeben , sondern dem Eine Welt Netz NRW eine be- sondere Auszeichnung zuzuerkennen. Ausgezeichnet we rden soll das Eine Welt Netz NRW für seine Verdienste um entwicklungspolitische Basisarb eit. Das Preisgericht schätzt das Bestreben, mit der Wandersausstellung „Unsere Zukunft – Eine W elt“ entwicklungspolitische Themen im Öf- fentlichen Raum zur Selbstverständlichkeit werden z u lassen, hoch ein. Angesichts allenthalben vorgenommener Kürzungen von öffentlichen Mitteln, d ie die Eine Welt Arbeit überproportional tref- fen und in den Hintergrund drängen, will das Preisg ericht mit der Auszeichnung seine Anerken- nung entwicklungspolitischer Lobbyarbeit zum Ausdru ck bringen und die Bewusstseinsarbeit des Eine Welt Netzes NRW würdigen.
Beratungsverlauf (2)
Details
- Vorlagen-Nr.
- V/0484/2006
- Typ
- Vorlage
- Datum
- 07.06.2006
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37