V/0639/2024
Kommunaler Pflegebedarfsplan 2024-2027
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Anlage 1: Pflegebedarfsplan 2024-2027
208760 Zeichen
Kommunale Pflegeplanung
Sozialamt
Kommunaler
Pflegebedarfsplan
2024 - 2027
Publication name: Broschüre DIN A4 hoch - KOPIE generated:
2022-09-01T14:27:46+02:00
Impressum
Herausgeberin: Stadt Münster, Sozialamt
Oktober 2024
Redaktion: Karin Stritzke, Kommunale Pflegeplanung
Kontakt: StritzkeK@stadt-muenster.de
Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027 | 3
Inhalt
1 Grundlagen und Ziele der Pflegebedarfsplanung ............................................................. 5
2 Aspekte der Bevölkerungsentwicklung in Münster .......................................................... 6
Altersstruktur der Bevölkerung ........................................................................................ 6
Gesellschaftliche Entwicklungen ...................................................................................... 9
Alterung von Menschen mit Migrationsvorgeschichte .................................................. 10
Lesbische, schwule, bisexuelle und trans*, inter* und queere Menschen (LSBTIQ*) ... 11
3 Inanspruchnahme von Leistungen der Pflegeversicherung ........................................... 12
4 Pflegende An- und Zugehörige ....................................................................................... 20
5 Pflegeinfrastruktur in Münster ....................................................................................... 22
Einrichtungen und Dienste in Münster ........................................................................... 23
5.1.1 Vollstationäre Pflegeeinrichtungen ................................................................... 23
5.1.2 Kurzzeitpflege ..................................................................................................... 29
5.1.3 Ambulant betreute Pflege-Wohngemeinschaften ............................................. 34
5.1.4 Tagespflege ........................................................................................................ 39
5.1.5 Ambulante Pflege ............................................................................................... 44
5.1.6 Service-Wohnen (Betreutes Wohnen) ............................................................... 47
5.1.7 Angebote zur Unterstützung im Alltag nach § 45a SGB XI ................................. 51
Wohn- und Betreuungsangebote für spezifische Zielgruppen ....................................... 55
5.2.1 Junge (erwachsene) Pflegebedürftige ................................................................ 55
5.2.2 Menschen mit außerklinischem Intensivpflegebedarf ...................................... 57
5.2.3 Personen mit Bedarf an geschützter Unterbringung ......................................... 57
5.2.4 Ältere Menschen mit Behinderung .................................................................... 58
5.2.5 Wohnungslose Menschen mit Pflegebedarf ...................................................... 59
6 Pflege(fach)kräfte in Münster ......................................................................................... 61
7 Bedarfsfeststellung für die vollstationäre Dauerpflege 2024-2027 ............................... 64
Auslastung der Angebote mit umfassender Pflege in Münster ..................................... 64
Vorausberechnung der zukünftigen Inanspruchnahme von Pflegeleistungen .............. 66
Bewertung ....................................................................................................................... 70
8 Ausblick ........................................................................................................................... 72
4 | Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027
Anhang
1 Beratung des Kommunalen Pflegebedarfsplan 2024-2027 in der Sitzung der Konferenz
Alter und Pflege am 26.09.2024 ............................................................................................... 76
2 Sozialräumliche Darstellung der Angebote .................................................................... 78
Pflegeinfrastruktur im Stadtbezirk Münster-Mitte ........................................................ 80
Pflegeinfrastruktur im Stadtbezirk Münster-West ......................................................... 87
Pflegeinfrastruktur im Stadtbezirk Münster-Nord ......................................................... 92
Pflegeinfrastruktur im Stadtbezirk Münster-Ost ............................................................ 95
Pflegeinfrastruktur im Stadtbezirk Münster-Südost ...................................................... 98
Pflegeinfrastruktur im Stadtbezirk Münster-Hiltrup .................................................... 102
Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027 | 5
1 Grundlagen und Ziele der Pflegebedarfsplanung
Die kommunale Pflegebedarfsplanung ist verankert im § 7 des Alten- und Pflegegesetzes NRW
(APG NRW). Sie umfasst eine Bestandsaufnahme, die Feststellung ob quantitativ und qualita-
tiv ein ausreichendes Angebot besteht und ob und gg f. welche Maßnahmen zur Herstellung,
Sicherung und Weiterentwicklung von Angeboten notwe ndig sind. Die verbindliche Bedarfs-
planung gemäß § 7 Abs. 6 gibt den Kommunen zusätzlich dazu eine Steuerungsmöglichkeit mit
dem Instrument der Bedarfsbestätigung. Hat sich die Kommune für diese Möglichkeit ent-
schieden, ist eine solche Bedarfsbestätigung Voraus setzung für die Landesförderung der be-
treffenden Einrichtungen bzw. zusätzlich geschaffen er Plätze. Mit diesem Zusatzinstrument
können Kommunen in den Ausbau der lokalen Pflegeinfrastruktur regulierend eingreifen, was
die weiteren Möglichkeiten wie die Information und Beratung von Trägern ergänzt.
Der Rat der Stadt Münster hat im Jahr 2015 die Einführung der verbindlichen Bedarfsplanung
für die vollstationäre Dauerpflege nach dem APG NRW beschlossen. Seitdem ist die öffentliche
Förderung von zusätzlichen stationären Plätzen von einer kommunalen Bedarfsbestätigung
abhängig. Mit dem Ratsbeschluss zur Vorlage „Kommun aler Pflegebedarfsplan 2023-2026“
(V/0402/2023) wurde im Dezember 2023 der Bedarf an 101 zusätzlichen vollstationären Pfle-
geplätze festgestellt. Auf die darauffolgende Bedarfsausschreibung nach § 27 Abs. 1 APG DVO
bewarben sich Träger mit einem Interesse an der Sch affung von insgesamt 29 zusätzlichen
Plätzen, die alle durch eine Erweiterung bestehende r Angebote geschaffen werden sollen.
Aufgrund der geringen Zahl angezeigter Plätze gelin gt es nicht, eine Bedarfsdeckung im Be-
reich der stationären Pflege zu erreichen. In diesem Pflegebedarfsplan 2024-2027 erfolgt eine
Aktualisierung der Bedarfsfeststellung unter Berück sichtigung der Ergebnisse der erfolgten
Ausschreibung.
Die Kurzzeitpflege sowie die Tagespflege sind von d er verbindlichen Bedarfsplanung explizit
ausgenommen und Teil der allgemeinen Pflegeplanung. Über Investitionsvorhaben für diese
Bereiche berät die Konferenz Alter und Pflege und trifft eine entsprechende Einschätzung zum
Bedarf. Hierfür bietet der vorliegende Bericht eine Grundlage, indem er einen Überblick über
die bestehenden Angebote der pflegerischen Versorgung insgesamt sowie deren Entwicklung
und Inanspruchnahme gibt.
Im Rahmen der Quartiersentwicklung sollen mittel- bis langfristig in allen Teilgebieten Müns-
ters Bedingungen geschaffen werden, die die Anforde rungen an altengerechte Quartiere er-
füllen. Ziel sind individuelle Unterstützungsangebote für das Leben zu Hause sowie quartiers-
bezogene Wohn- und Pflegeangebote. Dazu gehören neb en barrierefreiem Wohnraum, An-
geboten des Service Wohnens, ambulanten Pflege-Wohngemeinschaften und Tagespflegeein-
richtungen auch das Bauen und Wohnen in Gemeinschaf t. Die für ein lebenslanges Wohnen
im Quartier relevante Infrastruktur soll in Zusamme narbeit von Trägern und Anbietern von
Dienstleistungen, der zivilgesellschaftlichen Akteure und der Stadt vor Ort gestaltet werden.
Leitbild ist eine vielseitige, bedarfs- wie nachfra gegerechte Angebotslandschaft, die den ver-
schiedenen Präferenzen pflegebedürftiger Menschen Rechnung trägt, gegenüber geänderten
Bedarfen, Struktur- und Qualitätsanforderungen anpa ssungsfähig ist und deren Angebote fi-
nanzierbar sind. Durch die Verzahnung des Pflegebed arfsplans mit dem Masterplan altenge-
rechte, inklusive Quartiere für Münster soll die Pf legeplanung kleinräumigere Betrachtungen
einbeziehen und langfristig die Pflege mit allen Se ktoren in die altengerechte Quartiersent-
wicklung eingebunden werden.
6 | Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027
Der Pflegebedarfsplan gibt einen Überblick über die Situation von pflegebedürftigen Men-
schen in Münster und das Angebot von pflegerischen Leistungen. Die Kapitel 2 und 3 stellen
Aspekte der Bevölkerungsentwicklung in Münster sowi e die Statistik zur bisherigen Inan-
spruchnahme von Leistungen der Pflegeversicherung d ar. In Kapitel 4 geht es um pflegende
An- und Zugehörige, bevor in Kapital 5 die aktuellen professionellen Angebote dargestellt so-
wie der Bedarf und die Möglichkeit des Ausbaus betrachtet werden. Auch wenn zur besseren
Übersicht die einzelnen Angebotsformen separat betr achtet werden, sind diese miteinander
verzahnt. Die Angebotsformen können zum Teil nebeneinander in Anspruch genommen wer-
den, um eine bestmögliche Betreuung und pflegerisch e Versorgung zu organisieren. Gleich-
zeitig gibt es auch Schnittstellen, Wechselwirkungen und Synergien. Bei Veränderungen in ei-
nem Bereich, hat dies immer auch Auswirkungen auf die anderen Bereiche, z.B. bei Personal-
veränderungen oder bei hohen Auslastungen.
Der Personalmangel im Bereich Pflege wird in den kommenden Jahren alle Kommunen weiter
beschäftigen und Auswirkungen auf die Entwicklung der Pflegeinfrastruktur haben. Das Kapi-
tel 6 geht auf die Situation der Pflege(fach)kräfte und die Ausbildungssituation in Münster ein.
Das Kapitel 7 zeigt anhand unterschiedlicher Parameter den Bedarf im Bereich der vollstatio-
nären Dauerpflegeplätze auf. Aufgrund der ersten Er fahrungen mit einer Bedarfsausschrei-
bung und den Entwicklungen auch in anderen Kommunen , empfiehlt die Verwaltung, diese
Planung bis auf Weiteres nicht mehr zur Grundlage f ür eine verbindliche Entscheidung über
eine bedarfsabhängige Förderung zusätzlicher vollstationärer Pflegeeinrichtungen zu machen
und damit die verbindliche Pflegebedarfsplanung aufzuheben.
Der Ausblick (Kapitel 8) benennt die Gewährleistung einer pflegerischen Versorgung als zent-
rale gesellschaftliche Herausforderung und zeigt Handlungsfelder auf, die in den Fokus rücken.
Im Anhang erfolgt eine sozialräumliche Darstellung der Angebote in Münster mit Informatio-
nen zur Bevölkerungsstruktur und -entwicklung.
Aktuelle Bedarfseinschätzungen und konkrete Projekte/Entwicklungen werden in dem Pflege-
bedarfsplan durch diesen Rahmen hervorgehoben.
2 Aspekte der Bevölkerungsentwicklung in Münster
Es gibt viele verschiedene Aspekte der Bevölkerungs entwicklung, die Einfluss auf das Leben,
die Versorgung und die Unterstützung pflegebedürftiger Menschen haben. Im Folgenden geht
der Pflegebedarfsplan auf die Alterung der Bevölker ung, einzelne wesentliche gesellschaftli-
che Entwicklungen sowie auf Bedürfnisse besonderer Zielgruppen wie Seniorinnen und Seni-
oren mit Migrationsvorgeschichte und lesbische, sch wule, bisexuelle und trans*, inter* und
queere Menschen (LSBTIQ*) ein.
Altersstruktur der Bevölkerung
Münsters Bevölkerungszahl ist in den vergangenen Jahren stetig angewachsen. Die städtische
Statistik weist zum Stichtag 31.12.2023 rund 321.50 0 Einwohnerinnen und Einwohner aus.
Das sind etwa 2000 Personen mehr als ein Jahr zuvor.
Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027 | 7
Auch die Ergebnisse des Zensus 2022, die im Juni 20 24 bekannt gegeben wurden, bestätigen
eine Steigerung der Einwohnzahlen. Diese lag demnach am 15.05.2022 bei 303.772 Personen;
ein Plus von 14.196 Einwohnerinnen und Einwohnern g egenüber dem Zensus 2011. Die Be-
völkerungszahl ist also weiter angestiegen, aber ni cht um 10,1 Prozent wie auf Basis der Be-
völkerungsfortschreibung ermittelt, sondern um 4,9 Prozent in 11 Jahren.
In der Betrachtung der verschiedenen Altersgruppen, auf Basis der städtischen Daten aus dem
Melderegister, wird deutlich, dass Münster eine vergleichsweise junge Stadt ist. Dennoch gibt
das durchschnittliche Alter einen ersten Hinweis au f den Fortschritt des Alterungsprozesses
der Bevölkerung. Vor 30 Jahren lag das durchschnittliche Alter der Münsteraner Bevölkerung
bei 37,9 Jahren; am Jahresende 2023 lag es bei 41,6 Jahren. Der jüngste Stadtteil ist Bahnhof
mit 33 Jahren und der älteste Stadtteil ist Hiltrup-Ost mit 48,6 Jahren.
Obwohl hohes Alter nicht gleichzusetzen ist mit Pfl egebedürftigkeit, nimmt dennoch das Ri-
siko, pflegebedürftig zu werden, mit dem Alter deut lich zu. Aktuell macht die Generation 80
plus 6,1 Prozent der gesamtstädtischen Bevölkerung aus. In den 45 Stadtteilen Münsters va-
riiert der Bevölkerungsanteil im Alter von 80 und mehr Jahren zwischen 1,5 Prozent im Bahn-
hofsviertel und 13,1 Prozent im Stadtteil Buddenturm. Aber auch in Hiltrup-Mitte, Hiltrup-Ost,
Schloss, Aegidii und Herz-Jesu ist jede zehnte Person 80 Jahre oder älter.
Quelle: Stadt Münster, Stadtplanungsamt
Das Geschlechterverhältnis in den Altersgruppen ver ändert sich mit steigendem Alter. In der
folgenden Grafik ist erkennbar, dass es bis zum 70. Lebensjahr keine signifikanten Unter-
schiede bei der Anzahl der Männer und Frauen gibt. Anschließend nimmt der Anteil der Frauen
in der jeweiligen Altersklasse spürbar zu. Mit 71 P rozent leben deutlich mehr hochbetagte
Frauen (90 Jahre und älter) in Münster als Männer.
0-19 Jahre
17,4%
20-39 Jahre
34,2% 40-59 Jahre
24,0%
60-79 Jahre
18,3%
80 und mehr Jahre
6,1%
Wohnberechtigte Bevölkerung am 31.12.2023 in Münster nach
Altersgruppen
8 | Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027
Quelle: Stadt Münster, Stadtplanungsamt
Das Verhältnis der Altersgruppen zueinander ist im Rahmen der Pflegeplanung ein wichtiger
Indikator, da dieses einen maßgeblichen Einfluss au f die Versorgungsmöglichkeiten hat. Der
sogenannte Altenquotient, der die Anzahl der über 65- Jährigen ins Verhältnis zur erwerbstä-
tigen Bevölkerung (20-64 Jahre) setzt, liegt in 2023 bei 28,1. Dies bedeutet, dass auf 100 Per-
sonen im Alter von 20 bis 64 Jahren in Münster rechnerisch 28 Personen im Alter ab 65 Jahre
entfallen. Der geringste Altenquotient liegt im Sta dtteil Bahnhof mit 7,8 und der höchste in
Hiltrup-Ost mit 58,0 vor.
Bei einem Blick auf die letzten zehn Jahre ist eindeutig, dass sich die Anzahl der älteren Men-
schen und ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung kontinuierlich erhöht hat. Betrachtet man die
zahlenmäßige Entwicklung, lässt sich dabei ein Unte rschied zwischen den Altersgruppen be-
obachten.
Quelle: Stadt Münster, Stadtplanungsamt
49 48 45 39
29
51 52 55 61
71
0
10
20
30
40
50
60
70
80
50 - 59 Jahre 60 - 69 Jahre 70 - 79 Jahre 80 - 89 Jahr e 90 Jahre und älter
Prozentualer Anteil der Männer und Frauen in einer Altersgruppe am
31.12.2023
Männer Frauen
-
5 000
10 000
15 000
20 000
25 000
30 000
35 000
40 000
2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023
Wohnberechtigte Bevölkerung in Münster ab 60 Jahre
60 - 69 Jahre 70 - 79 Jahre 80 - 89 Jahre 90 Jahre und älter
Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027 | 9
Die obenstehende Grafik zeigt, dass einzig die Anzahl der Menschen in den Altersgruppen 70
bis 79 Jahren seit 2014 gesunken ist und seit 2022 wieder leicht ansteigt. Hier sind die Auswir-
kungen des 2. Weltkrieges zu erkennen, die sich in den kommenden Jahren, siehe nachfol-
gende Abbildung, in der Gruppe der 80 bis 89-Jährig en weiter fortsetzen werden. Seit 2022
verringert sich ebenfalls die Gruppe der 90-Jährigen und älter (von 3312 Personen in 2021 auf
3154 Personen in 2023). Die gesamte Gruppe der Seni orinnen und Senioren in Münster wird
jedoch in den kommenden Jahren weiter deutlich anwachsen.
Quelle: Stadt Münster, Stadtplanungsamt (2024), Kleinräumige Bevölkerungsprognose der Stadt Münster 2022-2033
Die zahlenmäßig sehr starke Generation der Babyboom er, aktuell zwischen 55 und 69 Jahre
alt, wird zu einem deutlichen Anstieg der Bevölkeru ng zwischen 60 und 79 Jahren führen. In
2030 erreicht die Gruppe der 60 bis 69-Jährigen den Höhepunkt, anschließend wird sich die
Anzahl in dieser Altersgruppe wieder reduzieren. Di e Generation der Babyboomer wird die
Gruppe der Seniorinnen und Senioren mit einer größe ren Vielfalt an Lebensformen und Le-
bensstilen als die vorherigen Generationen prägen. Der Anteil der über 90-Jährigen steigt
ebenfalls weiter an.
Gesellschaftliche Entwicklungen
Neben der sich verändernden Altersstruktur der Bevö lkerung wirken sich auch Veränderun-
gen der strukturellen Merkmale einer Gesellschaft auf die Versorgung und Unterstützung pfle-
gebedürftiger Menschen aus. Dazu zählt, dass die informelle Pflege nach wie vor weitgehend
von Frauen übernommen wird. Der VDK kommt in seiner Studie zur „Nächstenpflege“ (2022)
zu dem Ergebnis, dass 72 Prozent der Pflegenden wei blich sind. Die Rolle der Frau hat sich in
den vergangenen Jahren jedoch stark verändert. Frau en gehen immer häufiger und in höhe-
rem Umfang einer Erwerbstätigkeit nach, so dass die Care-Arbeit (Kinderbetreuung, Pflege,
familiäre Unterstützung) oftmals neu verteilt wird. Gleichzeitig ist die Mobilität deutlich ge-
stiegen. Kinder ziehen aus beruflichen oder private n Gründen immer häufiger in andere
Städte, so dass dadurch auch die räumliche Nähe zur Unterstützung der Eltern nicht mehr
gegeben ist. Die „Pflege auf Distanz“ wird eine wachsende Rolle einnehmen.
Die starke Bedeutung der individuellen Unabhängigkeit und Autonomie sowie niedrigere Ge-
burtenraten und veränderte Familienstrukturen sind einige der Faktoren, die landesweit zu
einer Zunahme der Ein-Personen-Haushalte führt. Nac h einer städtischen Auswertung liegt
dieser insgesamt bei 55 Prozent. Der Anteil der Sen ioren-Single-Haushalte (Personen ab 75
0
5000
10000
15000
20000
25000
30000
35000
40000
45000
60 - 69 Jahre 70 - 79 Jahre 80 - 89 Jahre 90 Jahre und älter
Kleinräumige Bevölkerungsprognose der Stadt Münster 2022-2033
2023
2025
2030
2033
10 | Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027
Jahre) liegt bei 11 Prozent. Dabei reicht der Anteil von 2,2 Prozent im Stadtteil Bahnhof bis zu
26 Prozent in Hiltrup-Ost (Stadt Münster, SMS, Bevö lkerungsindikatoren – Haushalte, 2023).
Zwar lässt die Tatsache, dass eine Person im Alter allein lebt, an sich noch keinen Rückschluss
darauf zu, ob soziale Unterstützungsnetzwerke vorhanden sind. Gleichwohl kann dies aber ein
Hinweis auf einen steigenden Bedarf an haushaltsnahen Dienstleistungen und professioneller
Pflege sein.
Die Generation der Babyboomer setzt sich aktuell vorrangig in der Rolle als pflegende An- und
Zugehörige mit dem Thema Pflege auseinander. Wenn sie im Laufe der Jahre selbst betroffen
sein wird, tritt eine Generation in die pflegerisch e Versorgung, die sich deutlich von den vor-
herigen unterscheidet. Viele Babyboomer haben wenig er Kinder und leben häufiger alleine
oder in kinderlose Partnerschaften. Das familiäre U nterstützungspotential wird dadurch ab-
nehmen. Es ist davon auszugehen, dass die Zielgruppe der alleinlebenden Menschen mit Hilfe-
und Unterstützungsbedarf weiter anwachsen wird. Die informelle Pflege von Freunden und
eine begleitende Unterstützung durch Nachbarschaft wird wichtiger. Gleichzeitig ist aber auch
davon auszugehen, dass die Lebensphase mit Unterstützungs- und Pflegebedarf zukünftig ak-
tiver und bewusster durch die betroffenen Personen selbst gestaltet wird.
Alterung von Menschen mit Migrationsvorgeschichte
2,4 Prozent der münsterschen Bevölkerung im Alter v on 80 und mehr Jahren sind Ausländer,
über eine Migrationsvorgeschichte verfügen 20 Prozent (Stand 31.12.2023).
Die Bevölkerungsgruppe mit Migrationsvorgeschichte ist nach wie vor jünger als der Bevölke-
rungsdurchschnitt. Gleichwohl ist auch hier eine Steigerung der Anzahl älterer Menschen, ins-
besondere in der Altersgruppe 60 - 69 Jahre und 80 - 89 Jahre zu verzeichnen. Damit steigt
auch hier die Wahrscheinlichkeit, pflegebedürftig z u werden, kontinuierlich an. In dieser
Gruppe sind inzwischen fünf Prozent der Menschen 80 Jahre und älter.
Quelle: Stadt Münster, Stadtplanungsamt
Dabei lässt sich feststellen, dass die Menschen, di e über das Anwerbeabkommen zwischen
der Bundesregierung Deutschland und der Türkei aus dem Jahr 1961 eingewandert sind, in
-
1 000
2 000
3 000
4 000
5 000
6 000
7 000
31.12.2019 31.12.2020 31.12.2021 31.12.2022 31.12.2023
Wohnberechtigte Bevölkerung mit Migrationsvorgeschichte in Münster
ab 60 Jahre
60 - 69 Jahre 70 - 79 Jahre 80 - 89 Jahre 90 Jahre und älter
Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027 | 11
höherem und in stärkerem Maße als die deutschstämmi ge Bevölkerung von Pflegebedürftig-
keit betroffen sind. Zu den Ursachen gehören u.a. e ine hohe Arbeits- und Lebensbelastung,
niedriges Einkommen, weniger Gesundheitsvorsorge und schlechtere Wohnverhältnisse (vgl.
K. Jacobs et al. (Hrsg.), Pflege-Report 2022). Es l iegen derzeit allerdings keine Erkenntnisse
darüber vor, wie viele Menschen mit Migrationsvorge schichte in Münster pflegerische Ange-
bote benötigen bzw. in Anspruch nehmen. Es ist davo n auszugehen, dass nach wie vor Zu-
gangshürden und Informationsbarrieren bestehen, die die Inanspruchnahme von Unterstüt-
zungsangeboten erschweren. Öffentliche Angebote der Beratung oder Veranstaltungen wer-
den in der Regel wenig von dieser Zielgruppe genutzt. Wichtig ist eine direkte Ansprache bzw.
eine Ansprache durch Multiplikatorinnen und Multipl ikatoren. Ein wichtiges Thema für Ein-
richtungen und Dienste bei der Gestaltung von Wohn- und Betreuungsangeboten sind feh-
lende sprachliche Verständigungsmöglichkeiten. Gerade im Verlauf von demenziellen Erkran-
kungen können auch bei zugewanderten Personen, die vorher gut Deutsch gesprochen haben,
erlernte Sprachkenntnisse verloren gehen. Viele Trä ger profitieren hier von der Vielfalt im
Team der Pflegenden. Hinzu kommen Themen wie der Umgang mit Diskriminierung und Ras-
sismuserfahrungen, denen diese Personengruppe vermehrt ausgesetzt war und ist. Es gilt, sys-
tematisch einen Prozess der interkulturellen Öffnung zu gestalten und mögliche Zugangshür-
den zu identifizieren und abzubauen.
Das Regionalbüro Alter, Pflege und Demenz, Region Münster und das westliche Münsterland,
wird gefördert vom Land NRW und den Trägern der Pflegeversicherung NRW. Eine der Aufga-
ben ist die Förderung von Angebotsstrukturen für Zi elgruppen mit besonderen Bedarfen. In
diesem Rahmen haben verschiedene Infostände u.a. bei der interkulturellen Woche oder dem
Tag der Migrantenselbstorganisationen (MSO) stattgefunden. Außerdem gab es einzelne Kon-
taktaufnahmen zu verschiedenen Vereinen und Communities. Durch einen Austausch mit der
kommunalen Seniorenvertretung und dem Integrationsrat soll der Zugang zur Zielgruppe über
Multiplikator*innen weiter verbessert werden.
Lesbische, schwule, bisexuelle und trans*, inter* und queere Menschen (LSBTIQ*)
Ein Großteil der heute alten und hochaltrigen lesbi schen und schwulen, trans- und interge-
schlechtlichen Menschen haben in jungen Jahren ständige Kriminalisierung, Ausgrenzung und
Gewalt aufgrund ihrer sexuellen oder geschlechtlichen Identität erfahren. Bis 1994 waren se-
xuelle Handlungen zwischen Männern – unter wechseln den Tatbestandsvoraussetzungen –
nach Paragraf 175 des Strafgesetzbuchs (StGB) in De utschland strafbar. Erst am 22. Juli 2017
trat das Gesetz zur strafrechtlichen Rehabilitation der nach dem 8. Mai 1945 wegen einver-
nehmlicher Handlungen verurteilten Personen in Kraf t. Homosexualität wurde von der WHO
erst 1992 aus dem Verzeichnis der psychischen Erkra nkungen gestrichen. Trans*Personen
mussten bis 2022 auf diesen Schritt warten. Erst seit 2021 schützt ein Gesetz Kinder mit soge-
nannten „Varianten der Geschlechtsentwicklung“ vor geschlechtsverändernden operativen
Eingriffen. Organisationen intergeschlechtlicher Menschen bemängeln, dass das Gesetz noch
nicht ausreichend Schutz und zu viel Spielraum für operative Behandlungen (z. B. im Ausland)
bietet.
Bei vielen LSBTIQ*-Personen, die im Laufe ihres Leb ens z.T. traumatisierende Diskriminie-
rungs- und Gewalterfahrungen gemacht haben, bestehen Sorgen und Ängste, im Alter mit ih-
ren Bedürfnissen nicht ernst genommen zu werden, so dass sie ihre sexuelle und geschlecht-
liche Identität (wieder) verbergen. In der Pflege b efürchten sie z.B. Ablehnung und Diskrimi-
nierung aufgrund „nicht normgerechter“ Körperlichke it oder eine Ansprache, die nicht ihrer
12 | Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027
geschlechtlichen Identität entspricht. Um sexuelle und geschlechtliche Minderheiten in die
Konzeption von Pflegeangeboten einzubeziehen, haben freie Träger (z. B. in Berlin, Dortmund,
Frankfurt und München) Konzepte für ein queersensible Pflege entwickelt. In Münster hat ein
erstes Fachgespräch mit Beteiligung des Vereins „Starke Pflege in Münster“ deutlich gemacht,
dass es weiteren Fortbildungsbedarf für Pflegekräfte gibt.
Die Stadt Münster erarbeitet unter Berücksichtigung von Beteiligungsverfahren einen LSB-
TIQ*-Aktionsplan. Ziel ist ein kommunales Handlungskonzept zum Abbau von Diskriminierun-
gen und zur Stärkung der Selbstbestimmung von lesbi schen, schwulen, bisexuellen, trans*,
inter* und queeren Menschen. Teil des Aktionsplans ist u. a. das Handlungsfeld „Selbstbe-
stimmtes Älterwerden und Pflege“. Im Rahmen der Bedarfserhebung fanden qualitative Inter-
views mit queeren Senior*innen - auch in Kooperatio n mit der Fachhochschule Münster und
dem Studiengang Public Health - statt. Darüber hina us wurden Fragen zum Thema Alter und
Pflege in die stadtweite Befragung der queeren Comm unity integriert. Die Auswertung der
Ergebnisse fließt in die Entwicklung von Zielen und Maßnahmen ein. Die Verabschiedung des
Aktionsplans durch den Rat der Stadt Münster ist für Sommer 2025 geplant.
3 Inanspruchnahme von Leistungen der Pflegeversicherung
Der Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein -Westfalen, IT.NRW, erstellt alle zwei
Jahre eine Statistik der Leistungsempfängerinnen un d Leistungsempfänger der Pflegeversi-
cherung. Im Oktober 2022 erfolgte die Veröffentlich ung der neuesten Zahlen auf Basis der
Datenerhebung zum 15. bzw. 31.12.2021.
Für den aktuellen Pflegebedarfsplan liegen keine ne uen Zahlen vor und damit auch keine
neuen Erkenntnisse im Vergleich zum Pflegebedarfsplan 2023-2026.
In Münster erhielten Ende Dezember 2021 insgesamt 1 2.336 Menschen Leistungen der Pfle-
geversicherung. Aus der nachfolgenden Abbildung ist zu erkennen, dass die Inanspruchnahme
von Leistungen der Pflegeversicherung in Münster in den vergangenen Jahren insgesamt deut-
lich gestiegen ist. Dabei ist die Steigerung fast a usschließlich auf den ambulanten Bereich zu-
rückzuführen. Insbesondere die Zahl der Empfängerinnen und Empfänger von Pflegegeld und
der Inanspruchnahme von Unterstützung im Alter für Menschen mit Pflegegrad 1 haben sich
in Münster deutlich erhöht.
Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027 | 13
Quelle: Information und Technik NRW (2022), Pflegestatistik über die Pflegeversicherung am 31.12.2021
Ursächlich für die deutliche Ausweitung der ambulanten Leistungen sind im Wesentlichen die
Effekte des dritten Pflegestärkungsgesetzes, das im Jahr 2017 in Kraft getreten ist. Die damit
verbundene Einführung des neuen Pflegebedürftigkeit sbegriffs führte insbesondere zu einer
Verbesserung des Leistungsanspruches für Menschen m it Demenz. Seitdem wird die Perso-
nengruppe mit Pflegegrad 1 und anderen Leistungen ( landesrechtlich anerkannte Angebote
zur Unterstützung im Alltag und Tagespflegeangebote) erfasst. Im Jahr 2021 ist hier eine deut-
liche Steigerung erkennbar, die zum einen auf eine bestehende Untererfassung aus dem Jahr
2019 zurückzuführen ist, zum anderen aber auch an d em starken Ausbau und auch an der
steigenden Akzeptanz der Angebote liegt.
Die nachfolgende Tabelle zeigt zusammenfassend die Auswertung für das Land NRW, den Re-
gierungsbezirk und die Stadt Münster. Insgesamt leb en 78,5 Prozent der pflegebedürftigen
Menschen in der eigenen Wohnung und 21,52 Prozent in einer stationären Pflegeeinrichtung.
Die Pflege-Wohngemeinschaften gelten als ambulante Angebote, so dass die Bewohnerinnen
und Bewohner dieser Wohnform im Bereich der ambulanten Pflege erfasst werden. Die stati-
onäre Versorgungsquote in Münster liegt weiter deut lich über dem Durchschnitt des Landes
und des Regierungsbezirkes Münster. Umgekehrt verhält es sich beim ausschließlichen Bezug
von Pflegegeld. Hier liegt Münster mit einer Quote von 43,58 Prozent nahezu zwölf Prozent
unter dem landesweiten Durchschnitt.
0
2.000
4.000
6.000
8.000
10.000
12.000
14.000
2011 2013 2015 2017 2019 2021
Entwicklung der Zahl der Leistungsempfänger/-innen nach Leistungsart
2011-2021
mit Pflegegrad 1 und andere Leistungen Pflegegeld
ambulante Pflege stationäre Pflege
14 | Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027
Tabelle: Leistungsempfänger/-innen der Pflegeversicherung in Nordrhein-Westfalen
(im Dezember 2021)
Verwaltungsbezirk
–––––––––––––––
Pflegegrad
Leistungsempfänger/-innen der Pflegeversicherung
insgesamt
davon
in ambulan-
ter Pflege
in voll-
stationärer
Pflege
mit
Pflegegeld
mit Pflege-
grad 1 und
anderen
Leistungen 1
Nordrhein-Westfalen
Pflegegrad 1 153 444 18 517 355 - 134 568
Pflegegrad 2 498 226 103 606 26 161 368 459 -
Pflegegrad 3 338 203 73 220 60 109 204 874 -
Pflegegrad 4 143 969 28786 52 988 62 195 -
Pflegegrad 5 57 909 10 936 27 247 19 726 -
noch keine Zuordnung 234 - 234 - -
Insgesamt 1 191 981 235 065 167 094 655 254 134 568
100 % 19,72 % 14,02 % 54,97 % 11,29 %
Reg.-Bez. Münster
Pflegegrad 1 24 678 3 474 69 - 21 135
Pflegegrad 2 70 734 17 754 4 746 48 234 -
Pflegegrad 3 42 423 10 578 9 147 22 698 -
Pflegegrad 4 17 811 3 936 7 260 6 615 -
Pflegegrad 5 7 047 1 374 3 474 2 199 -
noch keine Zuordnung 33 - 33 - -
Insgesamt 162 726 37 113 24 729 79 746 21 135
100 % 22,81 % 15,20 % 49,01 % 12,99 %
Münster, Stadt
Pflegegrad 1 1 869 249 21 - 1599
Pflegegrad 2 4 899 1 278 543 3 078 -
Pflegegrad 3 3 402 780 984 1 641 -
Pflegegrad 4 1 557 294 771 492 -
Pflegegrad 5 606 105 333 165 -
noch keine Zuordnung 3 - 3 - -
Insgesamt 12336 2709 2655 5376 1599
100 % 21,96 % 21,52 % 43,58 % 12,96 %
Quelle: Information und Technik NRW (2022), Pflegestatistik über die Pflegeversicherung am 31.12.2021
1) Personen mit Pflegegrad 1 und teilstationärer Pflege plus Personen mit Pflegegrad 1 und ausschließlich lan-
desrechtlichen bzw. ohne Leistungen
Ende 2021 lebten 2.655 pflegebedürftige Menschen - und damit etwa genauso viele Personen
wie im Jahr 2019 - in einer vollstationären Pflegee inrichtung. Ihr Anteil an allen Pflegeleis-
tungsempfängerinnen und -empfängern ist allerdings von 24,87 Prozent auf 21,52 Prozent ge-
sunken. Dies ist allein auf die massive Steigerung der Zahl der Leistungsempfängerinnen und
Leistungsempfänger im ambulanten Bereich zurückzuführen. In NRW insgesamt gibt es in der
Tendenz die gleiche Entwicklung; die stationäre Versorgung reduzierte sich von 17,53 Prozent
auf 14,02 Prozent.
Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027 | 15
Zur Begründung der besonders hohen stationären Vers orgungsquote in Münster gibt es ver-
schiedene Ansätze: Ein möglicher Grund liegt in der Bevölkerungsstruktur der Stadt. Es leben
viele gut qualifizierte Menschen in Münster, die Ab iturientenquote ist hoch und ein hoher
Bevölkerungsanteil verortet sich im linken und grünen politischen Spektrum. In dieser Gruppe
gibt es überwiegend das Verständnis, dass Pflege ei ne staatliche Fürsorgeaufgabe ist und
keine rein private Sorgeaufgabe. Auch Spiegel, Klie und Rischard weisen in ihrer Forschung auf
den Zusammenhang zwischen den Wertevorstellungen der Bevölkerung und der Inanspruch-
nahme professioneller Hilfe bei der Pflege hin. Prä ferenzen für eine umfassende Versorgung
als gemeinwesenorientierte, öffentliche Sorgeaufgabe seien vor allem in Bevölkerungskreisen
mit eher modernen Wertvorstellungen und hohem sozio ökomischen Status zu finden. Hier
sehen Angehörige ihre Aufgabe in der Begleitung und in der Organisation der Versorgung, sel-
tener in der pflegerischen Unterstützung selbst (vg l. Spiegel, J., Klie,T. & Rischard, P. (2021).
Monitoring Pflegepersonalbedarf in Bayern: Langzeitpflege in den Landkreisen und kreisfreien
Städten; Pflegekulturelle Orientierungen und ihre B edeutung für Pflegearrangements. Frei-
burg im Breisgau, FIFAS e.V. und FIVE e.V.).
Durch eine Erhebung der Aufnahmeanlässe in der stationären Pflege im Jahr 2022 wurde fest-
gehalten, dass Menschen dann in die stationäre Pflege wechseln, wenn aufgrund des steigen-
den Pflegebedarfs, mit hohen Versorgungsintervallen , nächtlichem Bedarf oder erheblichen
kognitiven Einschränkungen, die ambulante Versorgun g nicht mehr sichergestellt werden
kann. Ein fehlendes soziales Umfeld sowie fehlende An- und Zugehörige vor Ort erschweren
die ambulante Versorgung, die unter Umständen auch durch die Wohnsituation der pflegebe-
dürftigen Menschen an ihre Grenzen kommt.
Die Zurückführung der hohen Quote auf die Rolle Mün sters als Oberzentrum für die angren-
zenden Landkreise, konnte durch die Auswertung von IT.NRW zu der Leistungsinanspruch-
nahme nach Postleitzahlen widerlegt werden, aus der die Wanderungsbewegungen in die sta-
tionäre Pflege sichtbar werden. Hieraus ergibt sich für den Stichtag 31.12.2021, dass 19 Pro-
zent der Nutzerinnen und Nutzer einer stationären P flegeeinrichtung vor Aufnahme nicht in
Münster gewohnt haben und somit zugezogen sind. Es ist anzunehmen, dass dabei in vielen
Fällen verwandtschaftliche Bezüge nach Münster auss chlaggebend sind. Bei einem Vergleich
mit den Nachbarkreisen wird deutlich, dass auch der Anteil der Münsteranerinnen und Müns-
ter, die in eine stationäre Pflege außerhalb von Mü nster gezogen sind, nicht unerheblich ist.
Im direkten Vergleich sind im Jahr 2021 357 Münsteranerinnen und Münsteraner in stationäre
Einrichtungen der Nachbarkreise gezogen und 246 Per sonen wurden in die stationäre Pflege
in Münster aufgenommen. Der Saldo ist demnach negat iv und kann die hohe stationäre Ver-
sorgungsquote nicht erklären.
Die Altersstruktur der Leistungsempfängerinnen und Leistungsempfänger veranschaulicht
deutlich, dass das Risiko einer Pflegebedürftigkeit mit dem steigenden Alter zunimmt. Nahezu
60 Prozent der Leistungsempfängerinnen und Leistungsempfänger sind älter als 80 Jahre. Be-
trachtet man die Empfängerinnen und Empfänger von Pflegeversicherungsleistungen nach Al-
tersstufen (siehe nachfolgende Abbildung), so zeigt sich, dass die absolute Zahl der Menschen
mit Pflegebedarf zwischen 80 und 90 Jahren am größten ist.
16 | Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027
Quelle: Information und Technik NRW (2022), Pflegestatistik über die Pflegeversicherung am 31.12.2021
Die Zahl der Pflegebedürftigen unter 60 Jahre wirkt auf den ersten Blick sehr hoch. Gemessen
am Anteil an der Bevölkerung, ist der Anteil pflege bedürftiger Menschen in diesem Alter mit
0,8 Prozent jedoch am niedrigsten. Die Berechnung d er Pflegequote veranschaulicht den An-
teil der pflegebedürftigen Menschen an ihrer jeweiligen Altersgruppe in Münster.
Quelle: Information und Technik NRW (2022), Pflegestatistik über die Pflegeversicherung am 31.12.2021;
Bevölkerungsdaten der Stadt Münster, Stadtplanungsamt
0
500
1000
1500
2000
2500
unter 60
Jahre
60 -64
Jahre
65 - 69
Jahre
70-74
Jahre
75-79
Jahre
80 - 84
Jahre
85 - 89
Jahre
90 - 95
Jahre
95 Jahre
und älter
Leistungsempfänger/-innen nach Alter
0,8% 3,1%
9,2%
29,7%
73,5%
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
Unter 60 Jahre 60-69 Jahre 70-79 Jahre 80-89 Jahre 90 J ahre und
älter
Pflegequote nach Alter
Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027 | 17
Vom 70. bis zum 79. Lebensjahr ist die Wahrscheinlichkeit, pflegebedürftig zu werden, mit 9,2
Prozent noch eher gering. In der Altersgruppe 80 - 89 Jahre ist dann bereits nahezu ein Drittel
der Menschen betroffen. Bei Personen ab 90 Jahren e rhöht sich die Wahrscheinlichkeit
sprunghaft auf 73,5 Prozent.
Bei der Differenzierung der Leistungsarten nach Alt er in der nachfolgenden Abbildung wird
deutlich, dass sich der Anteil der stationären Vers orgung mit steigendem Alter stark erhöht.
Hier ist davon auszugehen, dass Angehörige selbst aufgrund des eigenen Alters oft die Versor-
gung nicht mehr leisten können oder die Partner ber eits verstorben sind. Gleichzeitig steigt
der Grad der Pflegebedürftigkeit. Nichtsdestowenige r werden auch in der Gruppe der Men-
schen über 95 Jahre noch immer 57 Prozent der Menschen im häuslichen Umfeld versorgt.
Quelle: Information und Technik NRW (2022), Pflegestatistik über die Pflegeversicherung am 31.12.2021
Die meisten Leistungsempfängerinnen und Leistungsem pfänger der Pflegeversicherung wa-
ren, wie der nachfolgenden Grafik zu entnehmen ist, dem Pflegegrad 2 zugeordnet.
0
200
400
600
800
1000
1200
60 -64
Jahre
65 - 69
Jahre
70-74
Jahre
75-79
Jahre
80 - 84
Jahre
85 - 89
Jahre
90 - 95
Jahre
95 Jahre
und älter
Leistungsarten nach Altersstufen
vollstationäre Pflege ambulante Pflege
Pflegegeld Pflegegrad 1 und andere Leistungen
18 | Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027
Quelle: Information und Technik NRW (2022), Pflegestatistik über die Pflegeversicherung am 31.12.2021
Bei einer Betrachtung der Inanspruchnahme von Leistungen nach Pflegegraden wird deutlich,
dass insbesondere die ausschließliche Nutzung des P flegegeldes und die stationäre Pflege
durch die Höhe der Pflegebedürftigkeit beeinflusst wird. Bei Pflegegrad 2 ist der Anteil derje-
nigen, die ausschließlich Pflegegeld in Anspruch ne hmen, mit rund 63 Prozent sehr hoch und
mit elf Prozent die Inanspruchnahme von stationärer Pflege gering. Umgekehrt verhält es sich
bei Pflegegrad 5. Dort nehmen rund 55 Prozent der pflegebedürftigen Personen die stationäre
Pflege in Anspruch und 27 Prozent das Pflegegeld. D ie ambulante Pflege und die Tagespflege
sind Angebote, die durchgängig weniger abhängig vom bestehenden Pflegegrad in Anspruch
genommen werden.
Quelle: Information und Technik NRW (2022), Pflegestatistik über die Pflegeversicherung am 31.12.2021
0
1000
2000
3000
4000
5000
6000
Pflegegrad 1 Pflegegrad 2 Pflegegrad 3 Pflegegrad 4 Pfl egegrad 5
Leistungsempfänger/-innen nach Pflegegraden
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
Pflegegrad 1 Pflegegrad 2 Pflegegrad 3 Pflegegrad 4 Pfl egegrad 5
Inanspruchnahme nach Leistungsarten und Pflegegraden
in Prozent
Ambulante Pflege Stationäre Pflege Pflegegeld Tagespflege
Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027 | 19
Es ist ein Trend zu erkennen, dass pflegebedürftige Personen länger ambulant zu Hause ge-
pflegt werden und immer später, mit zunehmender Pflegebedürftigkeit, in eine stationäre Ein-
richtung umziehen. Es zeigt sich in den stationären Einrichtungen kontinuierlich eine Abnahme
der Zahl der Personen mit Pflegegrad 2 seit 2017 un d eine Steigerung bei den Personen mit
Pflegegrad 3 und 4. Die Struktur der Bewohnerinnen und Bewohner, welche Auswirkungen
auf das Zusammenleben und das Angebot in den statio nären Einrichtungen hat, hat sich
dadurch in den letzten Jahren verändert.
Quelle: Information und Technik NRW (2022), Pflegestatistik über die Pflegeversicherung am 31.12.2021
Bei der Betrachtung der Inanspruchnahme von Leistun gen der Pflegeversicherung nach Ge-
schlecht gibt es bei dem Vergleich der absoluten Za hlen deutliche Unterschiede. Mit insge-
samt 7.791 pflegebedürftigen Frauen ist deren Antei l deutlich höher als der der Männer mit
4.545 Personen. Dies setzt sich fort bei der Auswertung der einzelnen Leistungsangebote. Der
Anteil der Frauen überwiegt.
In der nachfolgenden Tabelle wird die prozentuale I nanspruchnahme verschiedener Leistun-
gen nach Männern und Frauen differenziert dargestellt. Die Angebote der Tagespflege (m=3,5;
w= 4,3) und der ambulanten Pflege (m=20; w=23) werden anteilsmäßig nahezu gleichermaßen
von beiden Geschlechtern in Anspruch genommen. Rund die Hälfte aller pflegebedürftigen
Männer nutzen ausschließlich Pflegegeld, bei den Frauen sind es mit 40 Prozent deutlich we-
niger. In der stationären Pflege ist es umgekehrt. Mit 23,5 Prozent der pflegebedürftigen
Frauen ist der Anteil deutlich höher als bei den Männern mit 16 Prozent.
0
100
200
300
400
500
600
700
800
900
1000
Pflegegrad 1 Pflegegrad 2 Pflegegrad 3 Pflegegrad 4 Pfl egegrad 5
Leistungsempfänger/-innen in der vollstationären Dauerpflege nach
Pflegegrad
2017 2019 2021
20 | Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027
Quelle: Information und Technik NRW (2022), Pflegestatistik über die Pflegeversicherung am 31.12.2021
*Personen mit der Geschlechtsangabe „divers“ oder „ ohne Angabe“ (Geschlecht nach § 22 Abs. 3 PStG) sin d
zufällig auf männlich oder weiblich verteilt.
Es ist anzunehmen, dass Frauen, aufgrund eines oftm als geringeren Alters und höheren Le-
benserwartungen, ihre Partner bei zunehmender Pfleg ebedürftigkeit unterstützen und pfle-
gen, so dass die Inanspruchnahme von Pflegegeld bei Männern höher ausfällt und die Nutzung
der stationären Dauerpflege seltener notwendig wird . In der stationären Pflege leben mit 72
Prozent deutlich mehr Frauen als Männer.
4 Pflegende An- und Zugehörige
Ein Großteil der pflegerischen Versorgung und der Betreuung von pflegebedürftigen Personen
wird nicht von Pflegefachkräften, sondern von An- u nd Zugehörigen geleistet. Sie sind die
zentrale Säule zur Sicherstellung der Pflege und Ve rsorgung von pflege- und hilfsbedürftigen
Menschen. In Münster beziehen mehr als 5.350 Personen ausschließlich Pflegegeld, das heißt,
sie werden im eigenen Haushalt alleine von An- und Zugehörigen versorgt. Dies entspricht
einem Anteil von 42,5 Prozent aller pflegebedürftig en Personen. Im Vergleich zum Jahr 2019
(4.500 Personen) kam es zu einer Steigerung von rund 20 Prozent. Zum Teil ist diese Entwick-
lung immer noch auf die Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs in 2017 zurückzu-
führen, mit der Ausweitung von Leistungsansprüchen für Personen mit geringer Beeinträchti-
gung der Selbstständigkeit (Pflegegrad 1). Anteiliges Pflegegeld erhalten zudem Personen, die
Pflegegeld als Kombination von Geld- und Sachleistung erhalten (1.365 Personen) oder ergän-
zend Leistungen der Verhinderungs- bzw. Kurzzeitpflege (381 Personen) in Anspruch nehmen.
Der nachfolgenden Abbildung kann man entnehmen, das s mehr als die Hälfte der Personen
über 60 Jahre, die ausschließlich von An- und Zugehörigen versorgt wird, den Pflegegrad 2 hat.
Es werden jedoch auch noch schwer pflegebedürftige Personen der Pflegegrade 4 und 5 aus-
schließlich von An- und Zugehörigen versorgt. Ihr Anteil beträgt immerhin noch zehn Prozent
der Pflegegeldempfängerinnen und Pflegegeldempfänger.
0% 10% 20% 30% 40% 50% 60%
Ambulante Pflege
stationäre Dauerpflege
Pflegegeld
Tagespflege
Inanspruchnahme von Leistungen nach Geschlecht*
in Prozent
Frauen Männer
Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027 | 21
Quelle: Information und Technik NRW (2022), Pflegestatistik über die Pflegeversicherung am 31.12.2021
Zur Unterstützung der Pflege im häuslichen Umfeld sieht die Pflegeversicherung unterschied-
liche Leistungen vor. Ein wichtiges begleitendes An gebot kann neben der ambulanten Pflege
durch Pflegedienste die Tagespflege darstellen, die eine Betreuung tagsüber ermöglicht und
einen Fahrdienst bereitstellt. Auch Angebote der Ve rhinderungs- und Kurzzeitpflege sind be-
sonders für Pflegebedürftige, die von An- und Zugehörigen gepflegt werden, notwendig. Dort
kann die pflegerische Versorgung sichergestellt werden, wenn die pflegende Person für einen
begrenzten Zeitraum abwesend ist oder plötzlich aus fällt. Hinzu kommen Angebote zur Ent-
lastung im Alltag oder niedrigschwellige Betreuungsgruppen nach § 45a SGB XI (siehe Kapitel
5.1.7).
Über das Pflegezeitgesetz und das Familienpflegezeitgesetz gibt es unterschiedliche Möglich-
keiten zur Vereinbarung von Familie, Pflege und Ber uf. Arbeitnehmende können an zehn Ar-
beitstagen der Arbeit fernbleiben, um auf akut auft retende Pflegesituationen zu reagieren.
Die Zeit kann genutzt werden, um bedarfsgerechte Pf lege zu organisieren oder selbst sicher-
zustellen. Für diese Zeit besteht nach § 44a SGB XI Anspruch auf Pflegeunterstützungsgeld.
Bundesweit gibt es verschiedene Studien zum Thema, die u.a. Aussagen dazu machen, dass
pflegende An- und Zugehörige größtenteils weiblich und zum Teil sehr hoch belastet sind so-
wie bestehende Entlastungsangebote wenig genutzt we rden (z.B. VDK Studie, 2022, Nächs-
tenpflege).
Um einen Einblick in die Situation dieser Zielgruppe in Münster zu erhalten, wurde im Rahmen
der repräsentativen Umfrage „Pflege und Unterstützung im Alter“, in rund 5.000 Fragebögen,
die per Zufallsstichprobe aus dem Melderegister an Münsteranerinnen und Münsteraner ab
60 Jahre verschickt wurden, das Thema mit aufgenomm en. Durch die verschiedenen Frage-
stellungen sollen Erkenntnisse dazu gewonnen werden, wie die Netzwerke der pflegenden An-
62%
28%
8% 2%
Pflegegeldempfänger/-innen ab 60 Jahre
nach Pflegegrad in Prozent
Pflegegrad 2
Pflegegrad 3
Pflegegrad 4
Pflegegrad 5
22 | Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027
und Zugehörigen aufgebaut sind, welche Unterstützun g sie kennen und nutzen beziehungs-
weise welche Angebote ihnen fehlen. Die Ergebnisse dieser Umfrage werden im 4. Quartal
2024 über eine Berichtsvorlage an den Rat der Stadt Münster veröffentlicht.
In Zusammenarbeit mit den Beratungs- und Unterstützungsangeboten vor Ort, sollen aktuelle
Angebote dem Bedarf angepasst und bekannter gemacht werden, damit möglichst viele Men-
schen davon profitieren können.
5 Pflegeinfrastruktur in Münster
In Münster gibt es ein ausdifferenziertes Angebot a n pflegerischen und pflegeergänzenden
Angeboten. Im Folgenden werden die vorhandenen stationären, teilstationären und ambulan-
ten Angebote sowie deren Entwicklung dargestellt. D ie benannten Angebote sind der Daten-
bank PfAD.wtg, dem elektronischen Anzeigeverfahren für Wohn- und Betreuungsangebote
nach dem Wohn- und Teilhabegesetz Nordrhein-Westfalen, sowie der Datenbank des Infobü-
ros Pflege des Sozialamtes (www.stadt-muenster.de/pflege) entnommen.
In der folgenden Tabelle erfolgt einleitend die Dar stellung der Entwicklung der Pflegeinfra-
struktur je 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner ab 80 Jahren. Der Anteil der Plätze im stati-
onären Bereich an der hochaltrigen Bevölkerung ist seit dem Jahr 2016 kontinuierlich auf jetzt
133 Plätze pro 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner ab 80 Jahren gesunken. Dies ist zurück-
zuführen auf den Anstieg der Bevölkerung ab 80 Jahre, während die Anzahl der bestehenden
Plätze nahezu gleichgeblieben sind. Bei der Kurzzei tpflege stagniert der Anteil bei rund 14
Plätzen. Im Bereich der ambulanten Pflege-Wohngemei nschaften sowie der Tagespflege
kommt es in diesem Jahr erstmalig zu einem gleichbl eibenden Wert bzw. einer Reduzierung
des Anteils der Plätze. Eine sozialräumliche Darste llung auf Ebene der Stadtbezirke befindet
sich in der Anlage.
Tabelle: Pflegeinfrastruktur je 1.000 Einwohner/-innen ab 80 Jahre
Am
31.12.
Bevölkerung
ab 80 Jahre
Plätze pro 1.000 Einwohner/-innen ab 80 Jahre
Stationäre
Pflegeplätze
Ambulant betreute
Wohngemein-
schaften
Tages-
pflegeplätze
Kurzzeit-
pflegeplätze
2016 16.262,00 162,71 12,67 11,87 14,33
2017 16.808,00 157,43 13,56 11,48 15,83
2018 17.394,00 152,12 12,94 11,21 16,10
2019 18.178,00 145,40 13,75 10,73 15,79
2020 18.908,00 138,51 13,22 13,49 15,18
2021 19.410,00 135,34 14,99 13,45 14,89
2022 19.448,00 134,98 15,89 15,07 14,50
2023 19.571,00 133,82 15,79 14,05 14,41
Quelle: Bevölkerungsdaten: Stadt Münster, Stadtplan ungsamt; eigene Berechnung
Ziel der Weiterentwicklung der Pflegeinfrastruktur ist es, dass alle Pflegebedürftigen einen
Zugang zu den bestehenden Versorgungsformen erhalte n, unabhängig von der Herkunft, so-
zialer Stellung, dem Geschlecht und der sexuellen bzw. geschlechtlichen Orientierung. Nur so
kann eine gute Versorgungslösung, individuell und abgestimmt auf den tatsächlichen Bedarf,
organisiert werden.
Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027 | 23
Im Jahr 2024 hat die Arbeitgeberinitiative „Starke Pflege in Münster“ einen Verein gegründet,
um die bewährte Zusammenarbeit fortzuführen. Der Verein erhält eine auf zwei Jahre befris-
tete städtische Förderung. Aktuell macht der Verein insbesondere auf die schwierige finanzi-
elle Situation der Träger aufmerksam, ausgelöst dur ch einen Verhandlungsstau bei den Kos-
tenträgern bezüglich der Vergütungsvereinbarungen u nd die verzögerte Refinanzierung der
Investitionskosten. Im Januar 2024 gab es unter anderem dazu eine öffentliche Veranstaltung
mit einem 360 Grad Blick auf die Pflege mit Vertreter*innen aus der Politik und der Kommune.
Außerdem beteiligte sich der Verein an Protestaktio nen vor dem LWL und den Pflegekassen
und machte durch Pressemitteilungen auf die aktuelle Situation der Träger aufmerksam.
Auch für die Nutzerinnen und Nutzer sind die steigenden Preise in allen Sektoren spürbar. Die
Preissteigerungen durch die höheren Energie- und Ve rpflegungskosten und auch die Anhe-
bung der Löhne durch die Tarifbindung bzw. -steigerung werden nur zum geringen Teil durch
die Pflegeversicherung übernommen und führen somit auch zu einer höheren Eigenbeteili-
gung für die pflegebedürftigen Personen. Nicht selten wird dadurch die Inanspruchnahme von
Versorgungsleistungen eingeschränkt und auf ein Minimum reduziert.
Des Weiteren wirkt sich gerade im Pflegesektor der Fachkräftemangel immer spürbarer aus.
Im Jahr 2023 gab es keinen Ausbau von stationären Einrichtungen, ambulanten Pflege-Wohn-
gemeinschaften oder Tagespflegeeinrichtungen. Neue Angebote werden, neben der Frage der
Wirtschaftlichkeit für die Träger, auch von der Fra ge begleitet, ob die erforderlichen Fach-
kräfte für ein Angebot gewonnen werden können.
Einrichtungen und Dienste in Münster
5.1.1 Vollstationäre Pflegeeinrichtungen
Aktuell stehen in Münster 32 vollstationäre Pflegee inrichtungen mit insgesamt 2.601 Dauer-
pflegeplätzen zur Verfügung. Ergänzend kommt eine stationäre Einrichtung für Menschen mit
Intensivpflegebedarf mit 18 Plätzen hinzu.
Viele der stationären Pflegeeinrichtungen bieten auch Kurzzeitpflege (siehe Kapitel 5.1.2) und
weitere Unterstützungsleistungen für Pflegebedürfti ge und ihre Angehörigen an. Hierzu ge-
hören unter anderem offene Angebote wie ein Mittags tisch oder ein Café, das auch Bewoh-
nerinnen und Bewohnern des Stadtteils zur Verfügung steht. Unterstützt werden die Einrich-
tungen oftmals von Ehrenamtlichen und Angehörigen, die einzelne Personen betreuen und/o-
der weitere Freizeitangebote in der Einrichtung oder im Quartier ermöglichen.
Das Martin-Luther-Haus und das Haus vom guten Hirte n werden aktuell über das Landespro-
gramm „Miteinander - Digital“ gefördert. Im Fokus s teht ein Aufbau von bedarfsgerechten
digitalen Angeboten durch den Aufbau von Strukturen, Kooperationen mit anderen Akteuren
und Verbindungen im Quartier.
Der nachstehenden Abbildung ist zu entnehmen, dass die Zahl der vorhandenen Plätze nach
einem zunächst kontinuierlichen Anstieg seit dem Ja hr 2012 nahezu stabil geblieben ist. Dies
ist u.a. damit zu begründen, dass in der verbindlic hen Pflegebedarfsplanung vom Jahr 2015
bis 2023 keine Bedarfsbestätigungen für die Errichtung neuer Pflegeeinrichtungen erteilt wur-
den. Eine erste Bedarfsausschreibung erfolgte für 1 01 zusätzliche vollstationäre Pflegeplätze
24 | Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027
im Januar 2024. Es bewarben sich vier Träger mit einem Interesse an der Schaffung von insge-
samt lediglich 29 Plätzen. Aufgrund der geringen An zahl der Angebote gelingt es nicht, eine
Bedarfsdeckung zu erziehen (siehe auch Kapitel 7).
Im Jahr 2023 verringerte sich die Anzahl der statio nären Pflegeplätze um insgesamt sechs
Plätze. Das Haus Augustinus, ein Angebot für Menschen mit Intensivpflegebedarf, verringerte
die Platzzahl aufgrund fehlender Pflegefachkräfte mit der Weiterbildung zur Fachkraft für au-
ßerklinische Beatmungspflege von 24 auf 18 Plätze.
Quelle: Stadt Münster, Sozialamt, Pflegeplanung
Einrichtungen stehen immer mehr unter finanziellem Druck, da die Anpassung durch die in
der Regel nur jährliche Verhandlung der Vergütungsv ereinbarungen aufgrund des bestehen-
den Verhandlungsstaus extrem zeitverzögert erfolgt.
Nachdem im Jahr 2022 die tarifliche Bezahlung umgesetzt wurde und im Jahr 2023 steigende
Energiepreise sowie inflationsbedingte Kostensteigerungen die Eigenanteile der pflegebedürf-
tigen Menschen erhöhte, wird es in diesem Jahr unte r anderem durch die Umsetzung des
neuen Personalbemessungsinstruments, mit verändertem Personalbedarf, und steigenden In-
vestitionskosten zu weiteren Erhöhungen kommen. Da die Leistungen der Pflegeversicherung
gedeckelt sind und nicht alle Aufwendungen der stat ionären Versorgung umfassen, steigen
die Eigenanteile der pflegebedürftigen Menschen weiter an.
Eine Einschätzung zum Bedarf an vollstationären Dauerpflegeplätzen in den kommenden
drei Jahren erfolgt, aufgrund der Besonderheit der verbindlichen Planung, in Kapitel 7.
Tabelle: Vollstationäre Pflegeeinrichtungen, Stand: 30.07.2024
Nr. Einrichtung Träger Stadtbe-
zirk
Stadtteil Plätze
1 Achatius -Haus
(inkl. Junge Pflege)
Alexianer Haus Heidhorn
GmbH
Südost Wolbeck 66
2 Altenheim Friedrichsburg Stiftung der Schwestern
von der Göttlichen Vorse-
hung
Mitte Pluggendorf 138
-
500
1 000
1 500
2 000
2 500
3 000
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
2013
2014
2015
2016
2017
2018
2019
2020
2021
2022
2023
Anzahl der vollstationären Pflegeplätze in Münster
(jeweils am 31.12.)
Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027 | 25
Nr. Einrichtung Träger Stadtbe-
zirk
Stadtteil Plätze
3 Altenheim Haus
Heidhorn
Alexianer Haus Heidhorn
GmbH
Hiltrup Amelsbüren 52
4 Altenheim St. Elisabeth Missionsschwestern von
Hiltrup gGmbH
West Gievenbeck 92
5 Altenhilfe -Zentrum
Haus Franziska
Missionsschwestern von
Hiltrup gGmbH
Hiltrup Hiltrup -
Mitte
60
6 Altenwohnheim
Maria-Hötte-Stift
Caritas -Betriebsführungs -
und Trägergesellschaft
Münster mbH
Mitte Düesberg 123
7 Altenzentrum Klarastift
Altenzentrum Klarastift
gGmbH
Mitte Herz -Jesu 10 1
8 Altenzentrum
St. Lamberti
Caritas -Betriebsführungs -
und Trägergesellschaft
Münster mbH
Mitte Pluggendorf 83
9 Alwine -Lauterbach -
Seniorenzentrum
AWO Bezirk Westliches
Westfalen e.V.
West Albachten 66
10 Cohaus -Vendt -Stift Cohaus -Vendt -Stiftung Mitte Aegidii 82
11 DKV -Residenz am
Tibusplatz
DKV -Residenz am Tibus-
platz gGmbH
Mitte Buddenturm 49
12 Ev. Seniorenzentrum
Meckmannshof
Evangelische Perthes -Stif-
tung e.V.
West Mecklen-
beck
171
13 Friederike -Fliedner -Haus Diakonissenmutterhaus
Münster gGmbH
Mitte Kreuz 80
14 Fritz -Krüger -Senioren-
zentrum
AWO Bezirk Westliches
Westfalen e.V.
West Gievenbeck 81
15 Handorfer Hof -
Seniorenzentrum
Diakonie Münster - Statio-
näre Seniorendienste
GmbH
Ost Handorf 78
16 Haus Simeon Diakonie Münster - Statio-
näre Seniorendienste
GmbH
Hiltrup Berg -Fidel 146
17 Haus Thomas Alexianer Münster GmbH Hiltrup Amelsbüren 54
18 Haus vom Guten Hirten -
Pflegebereich
Guter Hirte Münster
gGmbH
Mitte Herz -Jesu 20
19 Haus Wilkinghege Haus Wilkinghege
Wirbelauer KG
Nord Kinderhaus
West
65
20 Johanniter -Stift Münster Johanniter Seniorenhäu-
ser GmbH Regionalzent-
rum West
Mitte Geist 80
21 Kardinal -von -Galen -Stift Caritas -Betriebsführungs -
und Trägergesellschaft
Münster mbH
Südost Angelmodde 66
26 | Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027
Nr. Einrichtung Träger Stadtbe-
zirk
Stadtteil Plätze
22 LWL -Pflegezentrum
Münster "Ernst-Kirchner-
Haus"
Landschaftsverband
Westfalen-Lippe
Mitte Uppenberg 80
23 Marienheim Altenhilfe -Zentrum
St. Clemens Münster
Hiltrup
Hiltrup Hiltrup -
Mitte
83
24 Martin -Luther -Haus Diakonie Münster - Statio-
näre Seniorendienste
GmbH
West Sentrup 151
25 Meyer -Suhrheinrich -Haus Altenhilfe -Zentrum
St. Clemens Münster-
Hiltrup gGmbH
Hiltrup Hiltrup -
Mitte
42
26 Papst -Johannes -Paul -Stift Caritas -Betriebsführungs -
und Trägergesellschaft
Münster mbH
Nord Coerde 72
27 Perthes -Haus Evangelische Perthes -Stif-
tung e.V.
Mitte Uppenberg 87
28 Residenz Aaseehof Alloheim Senioren -Resi-
denzen Zehnte SE & Co.
KG
Mitte Schloss 80
29 Seniorenresidenz
Kastanienhof
Residenz Kastanienhof
GmbH
Mitte Mauritz -
Mitte
59
30 Seniorenzentrum
Haus Maria Trost
Genossenschaft der Kran-
kenschwestern nach der
III Regel des hl. Franziskus
Mitte Herz -Jesu 80
31 Wohnen in Pastors
Garten
Stift Tilbeck GmbH West Roxel 40
32 Wohnstift am Südpark Caritas -Betriebsführungs -
und Trägergesellschaft
Münster mbH
Mitte Schützenhof 74
Plätze in vollstationären Einrichtungen gesamt 2.60 1
Quelle: PfAD.wtg
Tabelle: Vollstationäre Pflegeeinrichtungen für Menschen mit Intensivpflegebedarf
Nr. Einrichtung Träger Stadtbe-
zirk
Stadtteil Plätze
33 Haus Augustinus Alexianer Münster GmbH Hiltrup Amelsbüren 18
Tabelle: geplante Erweiterungen von stationären Plätzen in Bestandseinrichtungen (Ergeb-
nisse der Bedarfsausschreibung im Januar 2024)
Nr. Stationäre Einrichtung Träger Stadt-
bezirk
Stadtteil Plätze
1 Alwine -Lauterbach -Senioren-
zentrum
AWO Bezirk Westliches
Westfalen e.V.
West Albachten 12
2 DKV -Residenz am Tibusplatz DKV -Residenz am Tibus-
platz gGmbH
Mitte Budden-
turm
4
Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027 | 27
Nr. Stationäre Einrichtung Träger Stadt-
bezirk
Stadtteil Plätze
3 Haus vom Guten Hirten –
Pflegebereich
Guter Hirte Münster
gGmbH
Mitte Herz -Jesu 4
4 Kardinal -von -Galen -Stift Caritas -Betriebsführungs -
und Trägergesellschaft
Münster mbh
Südost Angel-
modde
9
Geplante Plätze stationären Einrichtungen insgesamt 29
Quelle: Stadt Münster, Sozialamt, Pflegeplanung
28 | Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027
Vollstationäre Pflegeeinrichtungen in Münster
Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027 | 29
5.1.2 Kurzzeitpflege
Das Angebot der Kurzzeitpflege ermöglicht eine vorü bergehende stationäre Versorgung und
ist damit ein wichtiger Baustein zur Sicherung der häuslichen Pflege. Sie bietet pflegenden An-
und Zugehörigen die Möglichkeit, für einige Tage de n Pflegealltag zu verlassen und die pfle-
gebedürftige Person gut versorgt zu wissen. Die Kur zzeitpflege ist jedoch auch ein Angebot,
das bei Akutsituationen zum Einsatz kommt, wenn z.B . die pflegende Person ad hoc ausfällt
oder die gesundheitliche Situation des Betroffenen eine Rund-um-die-Uhr Betreuung erfor-
derlich macht. Langzeit-Pflegeplätze stehen oftmals nicht direkt zur Verfügung, so dass für die
Suche Zeit benötigt wird. Nach Krankenhausaufenthalten, wenn eine stationäre medizinische
Behandlung nicht weiter notwendig ist, ein erhöhter Versorgungsbedarf jedoch weiterhin
über einen befristeten Zeitraum besteht, bietet die Kurzzeitpflege eine Überbrückung bis zur
Rückkehr ins eigene Zuhause.
Solitäre und eingestreute Kurzzeitpflegeplätze sind voneinander zu unterscheiden. Solitäre
Kurzzeitpflegeplätze stehen ausschließlich zu diesem Zweck zur Verfügung. Eingestreute Kurz-
zeitpflegeplätze können variabel für die Dauer- ode r Kurzzeitpflege genutzt werden. Sie wer-
den von den meisten Pflegeeinrichtungen angeboten. Eingestreute Kurzzeitpflegeplätze ste-
hen jedoch nur dann zur Verfügung, wenn die Plätze nicht im Rahmen der Dauerpflege belegt
sind. Vorrangig werden sie dafür genutzt, Leistungsansprüche gegenüber der Pflegekasse gel-
tend zu machen, bevor die Dauerpflege beginnt. Der eigentliche Zweck der Kurzzeitpflege wird
durch dieses Angebot nur nachrangig erfüllt.
Das Angebot an Kurzzeitpflegeplätzen hat sich in den letzten Jahren nur geringfügig geändert.
Aktuell gibt es in Münster insgesamt 282 Kurzzeitpflegeplätze, davon 69 solitäre und 213 ein-
gestreute Plätze.
Quelle: Stadt Münster, Sozialamt, Pflegeplanung
Die Kurzzeitpflege ist in Münster nicht von der ver bindlichen Bedarfsplanung umfasst. Die Fi-
nanzierung dieses Angebotes gestaltete sich jedoch aus Sicht der Träger bisher als unattraktiv,
-
50
100
150
200
250
300
350
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
2013
2014
2015
2016
2017
2018
2019
2020
2021
2022
2023
Anzahl der Kurzzeitpflegeplätze in Münster
(jeweils am 31.12.)
30 | Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027
so dass wenig Interesse an einem Ausbau dieses Ange botes bestand. Aufgrund der hohen
Fluktuation und der kurzen Verweildauer ergibt sich für die Einrichtungen ein hoher Koordi-
nations- und Verwaltungsaufwand durch Aufnahme, Pfl egeprozessplanung und die Überlei-
tung zurück in die häusliche Versorgung. Zudem ist die Nachfrage nach Kurzzeitpflegeplätzen
im Jahresverlauf starken Schwankungen unterworfen, so dass eine kontinuierliche Auslastung
nicht sichergestellt ist.
Entwicklungen auf Bundes- und Landesebene haben bis her nicht dazu geführt, dass sich Trä-
ger für einen Ausbau interessieren. Der Aufwand im Vergleich zur stationären Dauerpflege sei
wesentlich höher, sowohl in der Pflege, als auch in der Verwaltung, im sozialen Dienst, in der
Hauswirtschaft, bei der Reinigung und bei der Instandhaltung.
Die Auslastungsabfrage der solitären Kurzzeitpflege einrichtungen zeigt auch hier die Auswir-
kungen des Fachkräftemangels. 14 Plätze waren zum Stichtag 01.04.2024 nicht belegt. Zudem
gab es in den letzten Monaten erhebliche Auswirkungen durch Baumaßnahmen auf die Bele-
gung der zur Verfügung stehenden Plätze.
In Münster gibt es weiter einen zusätzlichen Bedarf an solitären Kurzzeitpflegeplätzen. Träger
werden in Beratungen auf die fehlenden Kapazitäten aufmerksam gemacht. Es wird gemein-
sam überlegt, wie ein Ausbau von Plätzen gelingen kann.
Tabelle: Eingestreute Kurzzeitpflege, Stand: 30.07.2024
Nr. Einrichtung Träger Stadtbe-
zirk
Stadtteil Plätze
1 Achatius -Haus
(inkl. Junge Pflege)
Alexianer Haus Heidhorn
GmbH
Südost Wolbeck 6
2 Altenheim Friedrichsburg Stiftung der Schwestern
von der Göttlichen Vorse-
hung
Mitte Pluggendorf 8
3 Altenheim Haus
Heidhorn
Alexianer Haus Heidhorn
GmbH
Hiltrup Amelsbüren 6
4 Altenheim St. Elisabeth Missionsschwestern vom
Hlst. Herzen Jesu von
Hiltrup
West Gievenbeck 5
5 Altenhilfe -Zentrum
Haus Franziska
Missionsschwestern vom
Hlst. Herzen Jesu von
Hiltrup
Hiltrup Hiltrup -
Mitte
2
6 Altenwohnheim
Maria-Hötte-Stift
Caritas -Betriebsführungs -
und Trägergesellschaft
Münster mbH
Mitte Düesberg 12
7 Altenzentrum Klarastift Altenzentrum Klarastift
gGmbH
Mitte Herz -Jesu 11
8 Altenzentrum
St. Lamberti
Caritas -Betriebsführungs -
und Trägergesellschaft
Münster mbH
Mitte Pluggendorf 8
9 Alwine -Lauterbach -
Seniorenzentrum
AWO Bezirk Westliches
Westfalen e.V.
West Albachten 10
10 Cohaus -Vendt -Stift Cohaus -Vendt -Stiftung Mitte Aegidii 3
11 DKV -Residenz am
Tibusplatz
DKV -Residenz am Tibus-
platz gGmbH
Mitte Buddenturm 5
Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027 | 31
Nr. Einrichtung Träger Stadtbe-
zirk
Stadtteil Plätze
12 Ev. Seniorenzentrum
Meckmannshof
Evangelische Perthes -Stif-
tung e.V.
West Mecklen-
beck
15
13 Friederike -Fliedner -Haus Diakonissenmutterhaus
Münster gGmbH
Mitte Kreuz 10
14 Handorfer Hof -
Seniorenzentrum
Diakonie Münster - Statio-
näre Seniorendienste
GmbH
Ost Handorf 8
15 Haus Simeon Diakonie Münster - Statio-
näre Seniorendienste
GmbH
Hiltrup Berg -Fidel 8
16 Haus Thomas Alexianer Münster GmbH Hiltrup Amelsbüren 4
17 Johanniter -Stift Münster Johanniter Seniorenhäuser
GmbH Regionalzentrum
West
Mitte Geist 10
18 Kardinal -von -Galen -Stift Caritas -Betriebsführungs -
und Trägergesellschaft
Münster mbH
Südost Angelmodde 6
19 LWL -Pflegezentrum
Münster
"Ernst-Kirchner-Haus"
Landschaftsverband West-
falen-Lippe
Mitte Uppenberg 2
20 Marienheim Altenhilfe -Zentrum St. Cle-
mens Münster Hiltrup
Hiltrup Hiltrup -
Mitte
9
21 Martin -Luther -Haus Diakonie Münster - Statio-
näre Seniorendienste
GmbH
West Sentrup 8
22 Meyer -Suhrheinrich -Haus Altenhilfe -Zentrum St. Cle-
mens Münster-Hiltrup
gGmbH
Hiltrup Hiltrup -
Mitte
5
23 Papst -Johannes -Paul -Stift Caritas -Betriebsführungs -
und Trägergesellschaft
Münster mbH
Nord Coerde 7
24 Perthes -Haus Evangelische Perthes -Stif-
tung e.V.
Mitte Uppenberg 6
25 Residenz Aaseehof Alloheim Senioren -Residen-
zen Zehnte SE & Co. KG
Mitte Schloss 15
26 Seniorenresidenz
Kastanienhof
Residenz Kastanienhof
GmbH
Mitte Mauritz -
Mitte
8
27 Seniorenzentrum
Haus Maria Trost
Genossenschaft der Kran-
kenschwestern nach der III
Regel des hl. Franziskus
Mitte Herz -Jesu 5
28 Wohnen in Pastors
Garten
Stift Tilbeck GmbH West Roxel 4
29 Wohnstift am Südpark Caritas -Betriebsführungs -
und Trägergesellschaft
Münster mbH
Mitte Schützenhof 7
Eingestreute Kurzzeitpflegeplätze gesamt 21 3
Quelle: PfAD.wtg
32 | Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027
Tabelle : Solitäre Kurzzeitpflege, Stand: 30.07.2024
Nr. Einrichtung Träger Stadtbe-
zirk
Stadtteil Plätze
30 Altenhilfe -Zentrum der Missi-
onsschwestern Kurzzeitpflege
"Haus Maria"
Missionsschwestern
von Hiltrup gGmbH
Hiltrup Hiltrup -
Mitte
20
31 Fritz -Krüger -Seniorenzentrum
Solitäre KZP
AWO Bezirk Westliches
Westfalen e.V.
West Gieven-
beck
15
32 Kurzzeitpflege Haus Ludgera Alexianer Haus Heid-
horn GmbH
Mitte Dom 34
Solitäre Kurzzeitpflegeplätze gesamt 69
Quelle: PfAD.wtg
Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027 | 33
Kurzzeitpflege in Münster
34 | Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027
5.1.3 Ambulant betreute Pflege-Wohngemeinschaften
Ambulant betreute Pflege-Wohngemeinschaften ermögli chen ein Leben in häuslicher Ge-
meinschaft mit umfassender Versorgungssicherheit. D ie Nutzerinnen und Nutzer mieten ein
Zimmer in einer Wohngemeinschaft und schließen eine n weiteren Vertrag über allgemeine
Betreuungsleistungen (Rund-um-die-Uhr-Betreuung) ab . Die gesondert zu vereinbarende
pflegerische Versorgung erfolgt über einen ambulanten Pflegedienst. Perspektivisch soll in je-
dem Quartier ein solches Wohn- und Versorgungsarran gement umgesetzt werden, um den
pflegebedürftigen Menschen einen Verbleib im vertrauten Sozialraum zu ermöglichen.
Das Angebot an Pflege-Wohngemeinschaften wurde in den vergangenen 20 Jahren stetig aus-
gebaut. Im Jahr 2023 gab es keine Neueröffnung.
Quelle: Stadt Münster, Sozialamt, Pflegeplanung
Die Kosten für eine ambulante Pflege-Wohngemeinschaft sind in den letzten Jahren, aus den
verschiedensten Gründen, kontinuierlich angestiegen . Für Bewohnerinnen und Bewohner
sind diese in der Regel nur bedingt kalkulierbar. Erhöht sich der Pflegebedarf, erhöht sich viel-
fach auch der Eigenanteil an den pflegerischen Leistungen. In dem Gesetz zur Weiterentwick-
lung der Gesundheitsversorgung (GVWG) wurde verankert, dass in der stationären Pflege ein
Zuschuss für die Pflege- und Ausbildungskosten gewä hrt wird, abhängig von dem Zeitraum
der Inanspruchnahme, während die Pflege-Wohngemeins chaften unberücksichtigt blieben.
Dadurch liegen die Eigenanteile, abhängig vom Pfleg ebedarf und der Verweildauer, mittler-
weile deutlich über den Eigenanteilen in der stationären Versorgung.
Aufgrund der Kostensteigerungen stehen insbesondere kleine Wohngemeinschaften mit we-
niger als 12 Plätzen vor erheblichen wirtschaftlich en Herausforderungen. Im April schlossen
die Pflege-Wohngemeinschaften der Caritas in Nienbe rge (zweimal 7 Plätze). Im November
2024 wird auch die Diakonie in der Schulstraße (8 und 10 Plätze) den Betrieb einstellen.
-
50
100
150
200
250
300
350
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
2013
2014
2015
2016
2017
2018
2019
2020
2021
2022
2023
Anzahl der Plätze in Pflege-Wohngemeinschaften in Münster
(jeweils am 31.12.)
Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027 | 35
Es besteht in Münster grundsätzlich ein Bedarf an w eiteren Pflege-Wohngemeinschaften. Ei-
nige Stadtteile und Stadtbezirke sind bereits gut versorgt, in anderen gibt es noch kein Ange-
bot. Bei der Planung ist eine individuelle Betracht ung der Situation vor Ort notwendig. Die
Darstellung der einzelnen Stadtbezirke im Anhang können bereits erste Hinweise geben.
Direkte Auswirkungen auf zukünftige Planungen werde n Entscheidungen auf Bundes- und
Landesebene haben, welche die Finanzierung der ambu lanten Pflege-Wohngemeinschaften
betreffen.
Zum Stichtag 30.07.2024 gibt es in Münster 28 Pflege-Wohngemeinschaften mit insgesamt
295 Plätzen.
Tabelle: Ambulant betreute Pflege-Wohngemeinschaften, Stand 30.07.2024
Pflege -Wohngemeinschaften
Nr. Pflege -Wohngemeinschaft Träger / Betreuungsdienst Stadt -
bezirk
Stadtteil Plätze
1 Demenz -Wohngemeinschaft
Mehrgenerationenhaus
Mathildenstift
DRK Schwesternschaft
Westfalen e.V.
Mitte Buddenturm 9
2 DRK -Wohngemeinschaft
Erphobogen
DRK Münster -
gemeinnützige Pflege und
Service GmbH
Mitte Schlachthof 12
3 Haus Elisabeth Alexianer Münster GmbH Südost Wolbeck 12
4 Haus Genius miCura Pflegedienste
Münster GmbH
Mitte Buddenturm 9
5 Hof Schultmann Alexianer Münster GmbH West Mecklen-
beck
12
6 Irmgard Buschmann Haus (1) Ambulante Dienste
Klarastift gGmbH
West Gievenbeck 11
7 Irmgard Buschmann Haus (2) Ambulante Dienste
Klarastift gGmbH
West Gievenbeck 8
8 Selbstverwaltete Senioren -
gemeinschaft Villa Kahmann
Cathamed Pflegedienst Südost Gremmen -
dorf-Ost
11
9 Taubenstraße Alexianer Münster GmbH Mitte Herz -Jesu 8
10 Villa Hittorfstraße Alexianer Münster GmbH Mitte Schloss 10
11 Villa Mauritz Alexianer Münster GmbH Mitte Mauritz -
Mitte
10
12 Wohngemeinschaft
Mitten in Mauritz (1)
Sander Pflege GmbH Ost Mauritz -Ost 10
13 Wohng emeinschaft
Mitten in Mauritz (2)
Sander Pflege GmbH Ost Mauritz -Ost 10
14 Wohngemeinschaft
Arche Noah
Ambulante Dienste
Klarastift gGmbH
Mitte Mauritz -
Mitte
12
36 | Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027
Pflege -Wohngemeinschaften
Nr. Pflege -Wohngemeinschaft Träger / Betreuungsdienst Stadt -
bezirk
Stadtteil Plätze
15 Wohngemeinschaft
Arche Sarah
Ambulante Dienste
Klarastift gGmbH
Mitte Mauritz -
Mitte
12
16 Wohngemeinschaft
Beim Erdelbach (1)
Sander Pflege GmbH Südost Angelmodde 8
17 Wohngemeinschaft
Beim Erdelbach (2)
Sander Pflege GmbH Südost Angelmodde 8
18 Wohngemeinschaft
Böckmannplatz
Sander Pflege GmbH Nord Sprakel 12
19 Wohngemeinschaft
Casa Mauritz
Ambulante Dienste
Klarastift gGmbH
Mitte Herz -Jesu 15
20 Wohngemeinschaft
Hüfferstraße (1)
DRK Münster - gemeinnüt-
zige Pflege und Service
GmbH
Mitte Schloss 11
21 Wohngemeinschaft
Hüfferstraße (2)
DRK Münster - gemeinnüt-
zige Pflege und Service
GmbH
Mitte Schloss 11
22 Wohngemeinschaft
Schulstraße (1)
Diakonie Münster -
Diakoniestation GmbH
Mitte Kreuz 10
Pflege -Wohngemeinschaften für junge Pflegebedürftige
23 Haus Margareta (1) Alexianer Münster GmbH Ost Mauritz -Ost 12
24 Haus Margareta (2) Alexianer Münster GmbH Ost Mauritz -Ost 12
25 Wohngruppe Leo - ISB Alexianer Münster GmbH Hiltrup Amelsbüren 6
Pflege -Wohngemeinschaften für Menschen mit Intensivpflegebedarf/Dauerbeatmung
26 Außerklinische Intensivpflege
Mehrgenerationenhaus
Mathildenstift
DRK Schwesternschaft
Westfalen e.V.
Mitte Buddenturm 9
27 Christopher Haus air vital Kranken - und
Intensivpflege GmbH
Hiltrup Hiltrup -Mitte 17
Pflege -Wohngemeinschaft für somatisch oder psychisch erkrankte ältere Menschen
28 Wohngemeinschaft
Schulstraße (2)
Diakonie Münster -
Diakoniestation GmbH
Mitte Kreuz 8
Plätze in Pflege -Wohngemeinschaften insgesamt 295
Quelle: PfAD.wtg
Aktuell sind fünf Pflege-Wohngemeinschaften in Plan ung. Darüber hinaus bringt die Pflege-
planung zusätzliche Bedarfe bei der Entwicklung von Baugebieten sowie im Zuge der Erstel-
lung der Vermarktungskonzepte städtischer Grundstücke mit ein.
Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027 | 37
Tabelle: Ambulant betreute Pflege-Wohngemeinschaften im Bau/in Planung,
Stand: 30.07.2024
Nr. Pflege -Wohngemeinschaft Träger Stadt-
bezirk
Stadtteil Plä tze
1 Lydia -Zentrum Diakonie Münster -
Diakoniestation GmbH
Nord Nienberge 12
2 Selbstverantwortete Wohn-
pflegegemeinschaft Grüner
Weiler
Grüner Weiler eG West Gievenbeck 9
3 Senioren -Wohngemeinschaft
Grevener Str. 248
Cathamed Pflege GmbH Mitte Uppenberg 12
4 Wohngemeinschaft
"Am Albersloher Weg" (1)
Pflegebote GmbH Südost Angel-
modde
8
5 Wohngemeinschaft
"Am Albersloher Weg" (2)
Pflegebote GmbH Südost Angel-
modde
8
Geplante Plätze in Pflege -Wohngemeinschaften ins gesamt 49
Quelle: Stadt Münster, Sozialamt, Pflegeplanung
Mit den Handlungsempfehlungen „Pflege und Versorgun gssicherheit im Quartier“ wurde an-
geregt, die Pflege-Wohngemeinschaften als Angebote mit umfassender Pflege in die Bedarfs-
ermittlung für vollstationäre Pflegeplätze einzubez iehen. Vor diesem Hintergrund wird die
Entwicklung beider Angebotsformen in der folgenden Abbildung gemeinsam betrachtet. Zum
Stichtag 31.12.2023 standen insgesamt 2.928 Plätze mit umfassender Pflege zur Verfügung.
Quelle: Stadt Münster, Sozialamt, Pflegeplanung
-
500
1 000
1 500
2 000
2 500
3 000
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
2013
2014
2015
2016
2017
2018
2019
2020
2021
2022
2023
Anzahl der Plätze in Angeboten mit umfassender Pflege
(jeweils am 13.12.)
Stationäre Pflegeplätze Ambulant betreute Wohngemeinschaften
38 | Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027
Ambulant betreute Pflege-Wohngemeinschaften in Münster
Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027 | 39
5.1.4 Tagespflege
In der Tagespflege werden pflegebedürftige und deme nziell erkrankte Menschen tagsüber
professionell betreut und gepflegt. Die Tagespflege ist ein wichtiges Angebot, welches den
Verbleib in der bekannten Häuslichkeit unterstützt. Pflegebedürftige Menschen erhalten die
Möglichkeit, den Tag in Gemeinschaft zu verbringen und sich an Freizeitaktivitäten zu beteili-
gen. Im eigenen Zuhause erfolgt die Betreuung und p flegerische Versorgung durch An- und
Zugehörige oder einen ambulanten Pflegedienst. Durc h die Betreuung am Tag ist es vielen
Personen möglich, ihre pflegebedürftigen Bezugspers onen zu pflegen und zu Hause zu be-
treuen und gleichzeitig weiter einer Erwerbstätigke it nachzugehen. An- und Zugehörige wer-
den durch dieses Angebot tageweise entlastet, was o ftmals einen längeren Verbleib in der
vertrauten Umgebung ermöglicht und die Selbstständi gkeit der Betroffenen stärkt. Alleinle-
bende Personen haben durch das Angebot der Tagespfl ege eine organisierte Form, um Ge-
meinschaft zu erleben und eine Tagesstruktur aufrecht zu erhalten.
Im Jahr 2023 kam es durch die Schließung der Tagespflege Böckmannplatz in Sprakel zu einem
Rückgang der Plätze.
Quelle: Stadt Münster, Sozialamt, Pflegeplanung
Im April 2024 eröffnete die Tagespflege Kirschgarte n der Diakonie mit 13 Plätzen. Das bishe-
rige Angebot des Trägers im Handorfer Hof mit 6 Plä tze wurde gleichzeitig beendet. Die Ta-
gespflege Mathildenstift (12 Plätze) hat ihr Angebo t aufgrund mangelnder Nachfrage zum
30.07.2024 geschlossen. Es gibt demzufolge in Münst er aktuell 18 Tagespflegeeinrichtungen
mit insgesamt 270 Plätzen.
Von 2019 bis 2021 ist die Anzahl der Pflegebedürfti gen, die eine teilstationäre Pflege in An-
spruch genommen haben, um rund 20 Prozent gestiegen . 2021 haben insgesamt 492 Perso-
nen von dem Angebot in Münster Gebrauch gemacht. Di e größte Altersgruppe war dabei die
Gruppe der 80 bis 89-Jährigen.
-
50
100
150
200
250
300
350
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
2013
2014
2015
2016
2017
2018
2019
2020
2021
2022
2023
Anzahl an Tagespflegeplätzen in Münster
(jeweils am 31.12.)
40 | Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027
Die jährliche Auslastungsabfrage macht deutlich, da ss die Tagespflege sich nur sehr langsam
von der zeitweisen Schließung und dem Auslastungsei nbruch während des Zeitraums der
Corona-Pandemie erholt. Gleichzeitig kam es in dem Zeitraum von 2019 bis 2022 zu einer
deutlichen Steigerung des Platzzahlangebotes.
Tabelle: Auslastung der Tagespflegeeinrichtungen in Prozent
zum 1. Quartal 2. Quartal 3. Quartal 4. Quartal
2019 90,8 92,3 91,1 90,6 91,2
2020 ./.* ./.* ./.* ./.* ./.
2021 ./.* ./.* 68,9 73,0 71,0
2022 72,2 69,0 76,5 76,5 73,6
2023 80,5 82,2 84,7 81,0 82,1
2024 80,6 ./. ./. ./. 80,6
Quelle: Stadt Münster, Sozialamt, Pflegeplanung, eigene Erhebung
* Die Datenerhebung wurde aufgrund der Corona-Pandemie für diesen Zeitraum ausgesetzt.
Acht Tagespflegeeinrichtungen haben mit über 90 Prozent wieder eine sehr gute Auslastung,
weitere drei Einrichtungen liegen über 80 Prozent. Zwei Einrichtungen haben mit unter 60
Prozent dagegen eine sehr schlechte Auslastung. Ein e Steigerung ist gegenüber den letzten
Jahren erkennbar, dennoch muss die Situation weiter beobachtet werden. Auch durch die
Schließungen wird deutlich, dass eine Sättigung des Bedarfs in den meisten Stadtgebieten ein-
getreten ist.
Offen ist, warum dieses Angebot der Unterstützung, insbesondere zur Entlastung von pfle-
gende An- und Zugehörige, wenig in Anspruch genommen wird. Denn grundsätzlich steigt die
Anzahl der pflegebedürftigen Menschen kontinuierlich an und gleichzeitig sind andere pflege-
rische Angebote, wie die ambulante Pflege und die s tationäre Pflege in ihren Kapazitäten
deutlich begrenzt.
Es ist davon auszugehen, dass die häusliche Versorg ung weiter zunimmt. Die Tagespflege ist
ein wirksames Mittel zur Entlastung von An- und Zug ehörigen sowie eine gute Möglichkeit,
den Verbleib im eigenen Zuhause zu fördern. Schluss folgernd müsste der Bedarf weiter an-
steigen. Diese Entwicklung spiegelt sich jedoch bis her nicht in den Auslastungszahlen der Ta-
gespflegeeinrichtungen vor Ort wieder. Gründe liege n voraussichtlich darin, dass die Ange-
botsform zu wenig in der Öffentlichkeit bekannt ist und an Kostensteigerungen, die dazu füh-
ren, dass in Summe weniger Tage durch die Pflegeversicherung refinanziert werden.
Aufgrund der Rückmeldungen der Tagespflegeeinrichtu ngen wird davon ausgegangen, dass
aktuell in den meisten Stadtgebieten kein Bedarf an zusätzlichen Plätzen besteht. Die Tages-
pflegeeinrichtungen sind gut verteilt, vereinzelt g ibt es aber noch räumliche Lücken. Bei An-
fragen zum Neubau von Tagespflegeeinrichtungen wird jeweils der konkrete Standort bewer-
tet.
Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027 | 41
Tabelle: Tagespflegeeinrichtungen, Stand: 30.07.2024
Nr. Einrichtung Träger Stadt-
bezirk
Stadtteil Plätze
1 Achatius -Haus, Tagespflege Alexianer Haus Heidhorn
GmbH
Südost Wolbeck 12
2 Altenheim St. Elisabeth -
Tagespflege
Missionsschwestern von
Hiltrup gGmbH
West Gievenbeck 15
3 Klaras Tagespflege Ambulante Dienste Klaras-
tift gGmbH
Mitte Herz -Jesu 13
4 pro.cura Tagespflege pro.cura Tagespflege GmbH Ost Mauritz -
Ost
16
5 Tageshaus St. Marien Altenhilfe -Zentrum St. Cle-
mens Münster-Hiltrup
gGmbH
Hiltrup Hiltrup -Ost 15
6 Tagespflege Akticom Tagespflege Akticom GmbH Südost Angel-
modde
14
7 Tagespflege Albachten Caritas -Betriebsführungs -
und Trägergesellschaft
Münster mbH
West Albachten 15
8 Tagespflege Altenzentrum
am Südpark
Caritas -Betriebsführungs -
und Trägergesellschaft
Münster mbH
Mitte Schützen-
hof
15
9 Tagespflege am
Friederike-Fliedner-Haus
Diakonissenmutterhaus
Münster gGmbH
Mitte Kreuz 12
10 Tagespflege an der Kreuz
Christi Kirche
Alexianer Münster GmbH Hiltrup Amelsbü-
ren
14
11 Tagespflege Haus Benteler Tagespflege e.V. Mitte Mauritz -
Mitte
12
12 Tagespflege im
Clemens-Wallrath-Haus
Alexianer Münster GmbH Mitte Josef 20
13 Tagespflege im
Meckmannshof
Ev. Perthes -Stiftung e.V. West Mecklen-
beck
24
14 Tagespflege Kirschgarten Diakonie Münster – Statio-
näre Seniorendienste GmbH
Ost Handorf 13
15 Tagespflege Miteinander
Friedrichsburg
Altenheim Friedrichsburg
gGmbH
Mitte Pluggen-
dorf
14
16 Tagespflege
Papst-Johannes-Paul-Stift
Caritas -Betriebsführungs -
und Trägergesellschaft
Münster mbH
Nord Coerde 15
17 Tagespflege Simeon Diakonie Münster -
Diakoniestation GmbH
Hiltrup Berg Fidel 16
42 | Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027
Nr. Einrichtung Träger Stadt-
bezirk
Stadtteil Plätze
18 Tagespflege St. Clemens Altenhilfe -Zentrum St. Cle-
mens Münster-Hiltrup
gGmbH
Hiltrup Hiltrup -
Mitte
15
Plätze in Tagespflegeeinrichtungen gesamt 270
Quelle: PfAD.wtg
Die Diakonie plant die Eröffnung der neuen Tagespfl ege im Lydia-Zentrum in Nienberge im
November 2024. Darüber hinaus gibt es Planungen der Caritas für eine Tagespflege in Kinder-
haus, auf dem ehemaligen Moldrickx-Gelände.
Tabelle: Tagespflegeeinrichtungen in Planung, Stand: 30.06.2024
Nr. Einrichtung Träger Stadt-
bezirk
Stadtteil Plätze
1 Tagespflege
Lydia-Zentrum
Diakonie Münster - Diako-
niestation GmbH
West Nienberge 13
2 Tagespflege Moldrickx Caritas -Betriebsführungs -
und Trägergesellschaft
Münster mbH
Nord Kinderhaus 17
Geplante Tagespflegeplätze gesamt 30
Quelle: Stadt Münster, Sozialamt, Pflegeplanung
Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027 | 43
Tagespflegeeinrichtungen in Münster
44 | Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027
5.1.5 Ambulante Pflege
Die ambulante Pflege ist die pflegerische Versorgun g Zuhause, welche durch einen ambulan-
ten Pflegedienst erbracht wird. Diese Versorgungsform wird von 22 Prozent der pflegebedürf-
tigen Menschen in Münster in Anspruch genommen (Pfl egestatistik IT NRW, 2022). Pflege-
dienste bieten darüber hinaus Unterstützung bei der hauswirtschaftlichen Versorgung, der
Behandlungspflege sowie Angebote zur Entlastung im Alltag nach § 45a SGB XI an.
Aktuell gibt es 41 ambulante Pflegedienste in Münst er. Hinzu kommen einzelne Dienste von
außerhalb, die auch Kundinnen und Kunden in Münster betreuen. Dabei ist das Einzugsgebiet
zum Teil auf bestimmte Stadtteile beschränkt. Einig e Pflegedienste verfügen über mehrere
Stützpunkte in der Stadt zur besseren Erreichbarkeit der Pflegebedürftigen. Im Jahr 2023 wur-
den insgesamt fünf ambulante Pflegedienste und in der ersten Jahreshälfte 2024 zwei ambu-
lanter Pflegedienste neu eröffnet. Seit dem letzten Bericht gab es jedoch auch drei Schließun-
gen von ambulanten Pflegediensten.
Die ambulante Pflege ist ein wachsender Sektor in d er pflegerischen Versorgung. Träger am-
bulanter Dienste berichten von der hohen Nachfrage und Beratungsstellen von den Schwie-
rigkeiten, eine pflegerische ambulante Versorgung z u organisieren. Die ambulante Pflege in
Münster hat die Kapazitätsgrenze erreicht. Einem Ausbau der ambulanten Pflege steht primär
der Fachkräftemangel entgegen. Gleichzeitig berichten die ambulanten Pflegedienste von er-
heblichen finanziellen Herausforderungen aufgrund g estiegener Preise und zeitverzögerter
Anpassung der Vergütungsvereinbarungen mit den Land esverbänden der Pflegekassen. Dies
ist besonders für die kleineren privaten Dienste eine hohe Belastung.
In Münster gibt es weiteren Bedarf an ambulanten Pf legeleistungen. Ein Ausbau der beste-
henden Kapazitäten der ambulanten Pflegedienste, so wie die Gründung neuer Pflegedienste
wird befürwortet.
Das Sozialamt entwickelt zurzeit gemeinsam mit dem städtischen IT-Dienstleister citeq den
„Marktplatz ambulante Pflege Münster“. Im Austausch mit der „Starken Pflege in Münster“
und dem Arbeitskreis der ambulanten Pflegedienste wurde die Idee erarbeitet und die Durch-
führung vorbereitet. Die Bevölkerung soll die Mögli chkeit erhalten, mit einer einmaligen An-
frage gleichzeitig alle Münsteraner Pflegedienste z u erreichen. Der „Marktplatz ambulante
Pflege Münster“ wird voraussichtlich ab Herbst 2024 auf der Homepage des Infobüros Pflege
zu finden sein. Die Stadt möchte so ihr Serviceange bot für pflegebedürftige Menschen und
deren An- und Zugehörige sowie für die professionel len Beratungskräfte ausbauen und die
ambulanten Pflegedienste durch einen zentralen Zugang zu Bedarfsmeldungen unterstützen.
Tabelle: Ambulante Pflegedienste, Stand: 30.07.2024
Nr. Name Straße PLZ Ort
1 ADVITALIS; Pflegedienst Hanses -Ketteler -Straße 2 48165 Münster
2 air vital Kranken - und Intensivpflege
GmbH
Westfalenstraße 176 48165 Münster
3 AK mobil Pflegedienst Münsterstr. 111 48155 Münster
Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027 | 45
Nr. Name Straße PLZ Ort
4 AL Münsterland Care GmbH An der Alten Ziegelei 30 48157 Münster
5 Alexianer Münster GmbH - Alexianer Am-
bulant
Achtermannstraße 11 48143 Münster
6 Ambulanter Pflegedienst Akticom GmbH Dirk -v. -Merveldt -Strasse 47 48167 Münster
7 Ambulante Dienste e.V. Grevener Str. 102 48159 Münster
8 Ambulante Dienste Klarastift GmbH Andreas -Hofer -Str . 72 48145 Münster
9 Ambulante Dienste Sander Pflege GmbH
Münster
Mondstr. 104 -106 48155 Münster
10 Ambulanter Dienst Füreinander Offenbergstraße 17 48151 Münster
11 Ambulanter Krankenpflegedienst Julia
GmbH
Rüschhausweg 149 48161 Münster
12 AP Lindenhof Idenbrockplatz 21 48159 Münster
13 Arbeiter -Samariter -Bund Regionalver-
band Münster e.V.; Pflegedienst
Gustav -Stresemann -Weg 62 48155 Münster
14 Böckis Pflegeteam An der Alten Ziegelei 20 48157 Münster
15 Caritas Betriebsführungs - und Trägerge-
sellschaft Münster mbH Ambulante
Pflege
Josefstr . 2 48151 Münster
16 Comfort -Pflege Ostviertel GmbH Hohenzollernring 67 48145 Münster
17 Cura Westfalia - Ambulanter Pflegedienst Drensteinfurtweg 31 48163 Münster
18 Diakonie Münster – Diakonie mobil
gGmbH
Wienburgstraße 171 a 48147 Münster
19 DRK -Pflegedienst Münster Hüfferstraße 20 481 49 Münster
20 Erste Hilfe Ambulanter Pflegedienst
GmbH
Kardinalstraße 26 48165 Münster
21 Everybody’s Care GmbH Antwerpener Str. 8 48163 Münster
22 Häusliche Pflege der DRK -Schwestern-
schaft; Westfalen e.V., Münster
Münzstraße 38 48143 Münster
46 | Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027
Nr. Name Straße PLZ Ort
23 Home Instead MW Betreuung und Pflege
Zuhause GmbH
Scheibenstraße 117 48153 Münster
24 Johanniter Pflege - und Gesundheits-
dienste
Geringhoffstraße 45/47 48163 Münster
25 KV Ambulanter Pflegedienst UG Zumbuschstr. 10 48167 Münster
26 LEBEN - ERLEBEN; Ambulante Kranken -
u. Altenpflege GmbH
Wolbecker Str. 140b 48155 Münster
27 MiCura Pflegedienste Münster GmbH 1 Tibusplatz 6 48143 Münster
28 NÄCHSTENLIEBE Betreuung & Pflege
GmbH
Marktallee 56 48165 Münster
29 Panda Pflege Warendorfer Str. 183 48145 Münster
30 Perthes -Pflegedienst Marktallee 19a 48165 Münster
31 Pflegebüro Bahrenberg Münster GmbH
& Co.KG
Augustastraße 34 48153 Münster
32 Pflegebüro Schmidt Marktallee 66 48165 Münster
33 Pflegedienst P3 GmbH Roxeler Str. 559 48161 Münster
34 Pflegedienst Strube GmbH Welsingheide 10 48161 Münster
35 Pflegefreunde GmbH Feldstiege 100 48161 Münster
36 Pflegelokal GmbH Steinkuhle 18 48163 Münster
37 Pflegeteam miteinander GmbH Gasselstiege 13 48159 Münster
38 RD Münster Pflege GmbH Gartenbreie 62 48161 Münster
39 Regenbogen Außerklinische Intensiv-
pflege und Heimbeatmung GbR
Coerdestiege 69 48157 Münster
40 VITA.Pflege! Rudolf -Diesel -Straße 40 48157 Münster
41 VITA -MED Pflegedienst GmbH Rudolf -Diesel -Str. 40 48157 Münster
Quelle: PfAD.wtg
Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027 | 47
5.1.6 Service-Wohnen (Betreutes Wohnen)
Service-Wohnen verbindet das eigenständige Wohnen mit einem Betreuungsangebot vor Ort.
In der Regel handelt es sich um mehrere altengerech te Wohnungen in einem Gebäudekom-
plex, die von Seniorinnen und Senioren angemietet w erden können. Das Wohn- und Teilha-
begesetz versteht unter Service-Wohnen ausschließli ch solche Angebote, bei denen die Mie-
terinnen und Mieter bestimmte Serviceleistungen als Grundleistungen abnehmen müssen.
Hierzu gehören z. B. allgemeine Unterstützungsleist ungen wie die Vermittlung von Betreu-
ungsleistungen, Beratung, Notrufdienste oder kleinere Freizeitangebote. Wahlleistungen wie
z. B. Reinigungsdienst, Wäscheservice, Mahlzeitendienst oder Pflegeleistungen können in der
Regel je nach Bedarf dazu gebucht werden.
Diese Wohnform ermöglicht es vielen Seniorinnen und Senioren, frühzeitig einen guten Aus-
gangspunkt zu wählen, indem eine einsetzende Pflege bedürftigkeit aufgefangen werden
kann. Eine selbstständige Lebensführung ist dort au fgrund der räumlichen Gegebenheiten,
der Ausstattung und natürlich der Unterstützungsstrukturen ggf. länger möglich als in anderen
Wohnungen.
Anbieter von Service-Wohnen sind nach dem Wohn- und Teilhabegesetz verpflichtet, das An-
gebot in dem elektronischen Anzeigeverfahren PfAD.wtg zu registrieren. Die nachfolgende Ta-
belle zeigt die bestehenden Angebote in Münster. Üb er die Angebote des Service-Wohnens
hinaus gibt es in Münster weitere altengerechte und barrierefreie Wohnungen, bei denen die
Abnahme von Serviceleistungen jedoch nicht mit dem Mietvertrag gekoppelt ist. Ein vollstän-
diger Überblick über alle seniorengerechten Wohnang ebote kann hier leider nicht geleistet
werden.
Das Amt für Wohnungswesen und Quartiersentwicklung berät mit dem Team „Hilfen zum Um-
zug“ Menschen ab 60 Jahren, Menschen mit Behinderungen und ihre Angehörigen allgemein
über verschiedene Wohnformen, wie Seniorenwohnungen , Betreutes Wohnen und Service-
Wohnen.
Bestehende Angebote sind in der Regel gut ausgelast et und werden oft nachgefragt. Es be-
steht Bedarf für einen weiteren Ausbau.
Tabelle: Service-Wohnen, Stand: 30.07.2024
Nr. Name Anbieter der Service leistun-
gen
Stadt-
bezirk
Stadtteil Anzahl der
Wohnun-
gen
1 Achatius -Haus /
Servicewohnen
Alexianer Haus Heidhorn
GmbH
Südost Wolbeck 35
2 Altenheim St. Elisabeth -
Heimverbundenes
Wohnen
Missionsschwestern von
Hiltrup gGmbH
West Gieven-
beck
15
3 Altenwohnungen am
Meckmannshof
Evangelische Perthes -Stif-
tung e.V.
West Mecklen-
beck
38
4 AWO Münster Gievenbeck Arbeiterwohlfahrt Bezirks-
verband Westliches Westfa-
len e.V.
West Gieven-
beck
32
48 | Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027
Nr. Name Anbieter der Service leistun-
gen
Stadt-
bezirk
Stadtteil Anzahl der
Wohnun-
gen
5 Betreutes Wohnen am
Marienheim
Altenhilfe -Zentrum St. Cle-
mens Münster-Hiltrup
gGmbH
Hiltrup Hiltrup -
Mitte
3
6 Betreutes Wohnen beim
Erdelbach
Sander Pflege GmbH Südost Angel-
modde
21
7 Betreutes Wohnen Böck-
mannplatz
Sander Pflege GmbH Nord Sprakel 34
8 Betreutes Wohnen
Hofmann von Fallersle-
bens Weg
Altenhilfe -Zentrum St. Cle-
mens Münster-Hiltrup
gGmbH
Hiltrup Hiltrup -
Mitte
25
9 Betreutes Wohnen Werse-
winkel 1+2
Diakonie Münster -Statio-
näre Seniorendienste GmbH
Ost Handorf 22
10 Brüningheide /Killingstr. AWO Nord Kinder-
haus West
80
11 Domicil Aaseehof Kirchliche Zusatzversor-
gungskasse Rheinland-
Westfalen
Mitte Schloss 76
12 Domicil im Kreuzviertel Diakonissenmutterhaus
Münster GmbH
Mitte Kreuz 40
13 Handorfer Hof /
Servicewohnen
Diakonie Münster - Statio-
näre Seniorendienste GmbH
Ost Handorf 24
14 Haus Simeon /
Servicewohnen - Bunga-
low
Diakonie Münster - Statio-
näre Seniorendienste GmbH
Hiltrup Berg Fidel 48
15 Johanniter Stift Münster Johanniter Seniorenhäuser
GmbH Regionalzentrum
West
Mitte Geist 13
16 Martin -Luther -Haus / Ser-
vicewohnen
Diakonie Münster - Statio-
näre Seniorendienste GmbH
West Sentrup 10
17 Pankokstr. 14 / Service-
wohnen
Diakonie Münster - Statio-
näre Seniorendienste GmbH
Hiltrup Berg Fidel 15
18 Paulinum Zentrum Nord
Münster – Service Woh-
nen
AWO Mitte Rump -
horst
35
19 Residenz Aaseehof Service
Wohnen
Alloheim Senioren -Residen-
zen Zehnte SE & Co.KG
Mitte Schloss 48
20 Rottkamp AWO West Albachten 35
21 Seniorenzentrum
"Mitten in Mauritz"
Sander Pflege GmbH Ost Mauritz
Ost
20
22 Service Wohnen im Zent-
rum Kinderhaus
H+S Wohnkonzept GmbH &
Co. KG
Nord Kinder-
haus West
10 0
23 Servicewohnen DKV -Resi-
denz am Tibusplatz
DKV -Residenz am Tibusplatz
gGmbH
Mitte Budden-
turm
258
24 Servicewohnen Lukas
Zentrum
Diakonie Münster – Diako-
niestation GmbH
West Gieven-
beck
52
25 Servicewohnen
Tönne-Vormann-Weg
Ambulanter Pflegedienst
Akticom; GmbH
Südost Wolbeck 16
Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027 | 49
Nr. Name Anbieter der Service leistun-
gen
Stadt-
bezirk
Stadtteil Anzahl der
Wohnun-
gen
26 Wohnen am Lohausbach pro.cura Service Wohnen
GmbH
Ost Mauritz
Ost
50
27 Wohnen im Klarapark Ambulante Dienste Klaras-
tift gGmbH
Mitte Herz -Jesu 81
28 Wohnen mit Service an
der Meyerbeerstraße
H+S Wohnkonzept GmbH &
Co. KG
West Mecklen-
beck
44
29 Wohnpark Mecklenbeck H+S Wohnkonzept GmbH &
Co. KG
West Mecklen-
beck
57
30 Wohnresidenz Gassel-
stiege
Wohnresidenz Sentruper
Höhe GmbH
Mitte Uppen-
berg
26
31 Wohnresidenz Sentruper
Höhe
Wohnresidenz Sentruper
Höhe GmbH
West Sentrup 56
32 Wohnresidenz Yorkhouse Wohnresidenz Sentruper
Höhe GmbH
Mitte Uppen-
berg
16
33 Wohnungseigentümerge-
meinschaft Junker-Jörg-
Platz 17/18
Diakonie Münster – Diako-
niestation GmbH
Südost Angel-
modde
23
Quelle: PfAD.wtg
50 | Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027
Service-Wohnen (Betreutes Wohnen) in Münster
Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027 | 51
5.1.7 Angebote zur Unterstützung im Alltag nach § 45a SGB XI
Angebote zur Unterstützung im Alltag sollen dazu be itragen, Pflegebedürftigen dabei zu hel-
fen, möglichst lange in ihrer häuslichen Umgebung zu bleiben, soziale Kontakte aufrechtzuer-
halten und ihren Alltag weiterhin möglichst selbstä ndig bewältigen zu können. Hierzu zählen
Gruppen- und Einzelbetreuung, Hilfen im Haushalt, B egleitung zum Einkauf, Begleitung bei
Behörden-, Arzt- oder Kirchgängen, Pflege von Sozialkontakten und Begleitung zu Kultur- und
Freizeitangeboten.
Die Unterstützungsangebote können von Menschen mit einem anerkannten Pflegegrad in An-
spruch genommen werden. Für anerkannte Angebote nac h der Anerkennungs- und Förde-
rungsverordnung (AnFöVO) kann der Entlastungsbetrag in Höhe von maximal 125 Euro im Mo-
nat eingesetzt werden. Der Betrag kann zweckgebunden zur eigenen Entlastung oder zur Ent-
lastung der pflegenden Angehörigen eingesetzt werde n. Darüber hinaus besteht eine bis zu
40-prozentige Umwidmungsmöglichkeit des ambulanten Pflegesachleistungsanspruchs. Dies
bedeutet, dass bis zu 40 Prozent der ambulanten Pflegesachleistungen für zusätzliche Entlas-
tungsleistungen eingesetzt werden können.
Die meisten ambulanten Pflegedienste bieten solche Unterstützungsleistungen an. Daneben
gibt es auch andere Angebote durch gewerbliche und gemeinnützige Anbieter und Einzel-
kräfte im unmittelbaren Beschäftigungsverhältnis.
In diesem Sektor gewinnen die Angebote durch Einzel personen, die im Bereich Nachbar-
schaftshilfe tätig sind, immer mehr an Bedeutung. Die Regionalbüros Alter, Pflege und De-
menz, auch in Münster, bieten regelmäßig Qualifizie rungskurse für Nachbarn, Freunde oder
andere, die der pflegebedürftigen Person nahestehen. Dadurch ist auch deren Unterstützung
durch den Entlastungsbetrag der Pflegekassen erstat tungsfähig. Auf der Seite des Ministeri-
ums für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW (https://angebotsfinder.nrw.de) gibt
es einen Angebotsfinder, in dem anerkannte Unterstützungsangebote angezeigt werden.
Im Folgenden sind die Angebote aus der Datenbank de s Infobüros Pflege aufgelistet. Über
diese Angebote hinaus, gibt es im gesamten Stadtgebiet ehrenamtliche Angebote und Unter-
stützungsformen, die keine Förderung bzw. Refinanzi erung durch die Pflegeversicherung er-
halten, jedoch auch eine Unterstützung für die Betr offenen und Angehörigen darstellen. Die
Selbsthilfe und das bürgerschaftliche Engagement sp ielen bei der Unterstützung eine große
Rolle. Beispiele für diese Angebote sind die Initia tive „Von Mensch zu Mensch“ oder „Anti-
Rost Münster e.V.“.
Tabelle: Häusliche Besuchs- und Unterstützungsdienste nach § 45a SGB XI,
Stand: 30.07.2024
Nr. Angebot Straße PLZ Ort
1 24h -Hilfe.de; Schindler Pflege und Haushalts-
hilfen UG
Wiengarten 32 48147 Münster
2
All -we -you Hohenzollernring 30 48145 Münster
3 Alltagsbetreuung, hauswirtschaftliche Hilfen
Senay Berisha
Am Rüschhaus 14a 48161 Münster
4 Alltagshelfer Münster, Gemeinsam durch den
Alltag
Flensburger Str. 26 48147 Münster
52 | Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027
Nr. Angebot Straße PLZ Ort
5 Alltagshilfe Suna Wolbecker Wind-
mühle 16
48 167 Münster
6 Andrea Miske – Lotse und Begleitung Königsberger Str. 131 48157 Münster
7 Anne Posner -Kraus Rikeweg 2 48155 Münster
8 Be.Be.K Begleitung und Kompetenz durch
Bettina Berger-Kersting
Schöppingenweg 84 48149 Münster
9 BED Besuchs - und Entlastungsdienst,
Malteser Hilfsdienst e.V.
Daimlerweg 33 48163 Münster
10 Beratung, Betreuung und Förderung
Safieh Jailani Seite an Seite
Drensteinfurtweg 5 48163 Münster
11 Betreuung und Begleitung, Mobiler Alltagsser-
vice für Senioren und hilfsbedürftige Men-
schen, Dietmar Preuß
Mecklenbecker Str.
133
48151 Münster
12 Betreuungsdienst Brita Weßling Weißenburgstr. 22 48151 Münster
13 Betreuungsdienst Marie mobil,
Meyer-Suhrheinrich-Stiftung
Patronatsstr. 2 48165 Münster
14 Carpecura Annette -Allee 20 48149 Münster
15 Chance e.V. – Haushaltsnahe Dienstleistungen Friedrich -Ebert -Str. 17 48153 Münster
16 Christine Schröder – Unterstützung im Alltag Mierendorffstraße 26 48151 Münster
17 Corina Niculae, Freiberufliche ambulante Al-
tenpflegerin
Oberschlesier Str. 86 48151 Münster
18 Die Gute Laune Fee Sabriye Kadife An der Kleimannbrü-
cke 13a
48157 Münster
19 Dienstleistungen mit Kopf, Herz und Hand,
Marc Würfel-Elberg
Am Berler Kamp 146 48167 Münster
20 Dienstleistungs - und Reinigungsservice Schlot-
mann GmbH DRS
Sprakeler Str. 47 48159 Münster
21 fb -pflege: Freiberufliche Pflege,
Fernanda Bogado
Otto -Hersing -Weg 48167 Münster
22 Fixclean -Care, Wir reinigen mit Herz Rudolf -Diesel -Str. 61 48157 Münster
23 Frank Wolf Holtmannsweg 41a 48157 Münster
24 Gut betreut mit Herz und Seele,
Heike Kaiser-Blömker
Rüschhausweg 152 48161 Münster
25 HaDi Handwerk & Dienstleistung,
Foppe GmbH & Co.KG
Mecklenbecker Str.
387
48163 Münster
26 Haushaltshilfe im Alltag Ludgeriplatz 2 48151 Münster
27 Häusliche Kreativbetreuung "mein Poesieal-
bum", Brigitte Kraneburg
Lühnstiege 2 48151 Münster
28 Heuermann Seniorendienste, Rolf Heuermann Auf der Horst 34 48147 Münster
29 Homeplus.Münster Sessendrupweg 54 48161 Münster
30 Ihre Haushaltsmanagerin Elisabeth Kramer Augustastr. 30 48153 Münster
31 Imi -Ich mit Ihnen, Eva -Maria Posner Rikeweg 2 48155 Münster
32 Jakö – gemeinsam eigenständig
Jana Körschkes
Jahnstr. 67 48147 Münster
33 Lebenshilfe Münster e.V. Windthorststr. 7 48143 Münster
34 Linkech Dienstleistung c/o Wiafe Im Moorhock 56 48159 Münster
Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027 | 53
Nr. Angebot Straße PLZ Ort
35 LWL -Pflegezentrum Münster,
Ernst-Kirchner-Haus
Kinderhauser Str. 92 48147 Münster
36 Kathrins Seniorendienst GmbH, Eli die Fee Dülmener Str. 20 a 48163 Münster
37 Martina Weitzenbürger Piusallee 154 a 48147 Münster
38 Musiktherapie, Marlis Marchand Haus Angelmodde 2 48167 Münster
39 PAGU Betreuungsservice GmbH Gropiusstr. 7 48163 Münster
40 Pällmann Soziale Dienste – Hilfen im Alltag Kriegerweg 34 48153 Münster
41 Pferdegestützte Betreuung für pflegebedürf-
tige Personen, Claudia Augenstein
Roxeler Str. 466 48161 Münster
42 Projekt LichtBlick, Alexianer Münster GmbH Josefstr. 4 48151 Münster
43 SeHt Münster e.V., Ambulanter Dienst Bohlweg 10 48147 Münster
44 Seniorenassistenz Berkenheide, Wiltrud Ber-
kenheide
Carossastraße 36 48161 Münster
45 Seniorenbetreuung Strube GbR Knufenkamp 53 48163 Münster
46 Seniorenservice Münster, Johannes Gorschlü-
ter
Hafenweg 19 48155 Münster
47 Udo Stier Schüttorfweg 19 48161 Münster
48 Unterstützung im Alltag – Atia Hussein Gustav -Freytag -Str. 2 48161 Münster
49 Wabe – Veränderung begleiten
Petra Sokolowsky
Eichenweg 11 a 48161 Münster
50 Zauberfrau Münster Alter Fischmarkt 16 48143 Münster
Quelle: Stadt Münster, Sozialamt, Infobüro Pflege
Tabelle: Wohnortnahe niedrigschwellige Betreuungsgruppen nach § 45a SGB XI,
Stand: 30.07.2024
Nr. Angebot Träger Stadtbezirk Stadtteil
1 Betreuungsgruppe Marie Meyer -Suhrheinrich Stiftung Hiltrup Hiltrup -
Mitte
2 „Café Wigbold“ ein Ange-
bot für Menschen mit De-
menz in Wolbeck
Katholische Kirchengemeinde St.
Nikolaus Münster, Alexianer Haus
Heidhorn GmbH
Südost Wolbeck
3 Gruppe D ,
Im Haus der Begegnung
St. Ida
Katholische Kirchengemeinde St.
Nikolaus Münster
Südost Gremmen-
dorf-Ost
4 Pferdegestützte Bet reu-
ung für pflegebedürftige
Personen in Kleingruppen
Claudia Augenstein West Gievenbeck
5 Tagesbetreuung ,
Gruppenangebot nach
Wochenplan
DKV Residenz am Tibusplatz Mitte Budden-
turm
Quelle: Stadt Münster, Sozialamt, Infobüro Pflege
54 | Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027
Wohnortnahe niedrigschwellige Betreuungsgruppen nach § 45a SGB XI in Münster
Kommunaler Pflegebedarfsplan Münster 2024 - 2027 | 55
Wohn- und Betreuungsangebote für spezifische Zielgruppen
Die Gruppe der pflegebedürftigen Menschen ist so vielfältig wie die übrige Bevölkerung. Pfle-
gebedürftigkeit kann grundsätzlich in allen Altersg ruppen auftreten, auch wenn die Wahr-
scheinlichkeit mit steigendem Alter deutlich zunimmt. Pflegebedürftigkeit kann alle Menschen
betreffen, unabhängig von Herkunft, sozialer Stellung, Geschlecht und sexueller Orientierung.
Angebote der Pflege, aber auch schon vorpflegerische Angebote, müssen sich an die gesamte
Bevölkerung richten und für alle zugänglich und nutzbar sein. Um das zu erreichen, ist es not-
wendig, dass sich Träger und Mitarbeitende mit der Vielfalt an Lebenswelten auseinanderset-
zen und ihre Konzepte, Arbeitsabläufe und Strukturen regelmäßig überprüfen.
Unter den pflegebedürftigen Personen gibt es aber auch Zielgruppen, die eine besondere pfle-
gerische Versorgung oder speziell ausgerichtete Kon zepte benötigen. In den folgenden Ab-
schnitten werden die Besonderheiten dargestellt und die pflegerischen Angebote in Münster
aufgelistet.
5.2.1 Junge (erwachsene) Pflegebedürftige
Die Wahrscheinlichkeit pflegebedürftig zu werden, ist in der Altersgruppe unter 60 Jahren sehr
gering (siehe Kapitel 3). Dennoch gibt es vielfälti ge Situationen in denen auch jüngere Men-
schen aufgrund von Erkrankungen oder Unfällen von P flegebedürftigkeit betroffen sein kön-
nen, sei es vorübergehend oder auf Dauer. Multiple Sklerose, Querschnittslähmungen, neu-
rologische Erkrankungen oder erworbene Hirnschädigu ngen können dazu führen, dass eine
umfängliche Betreuung und pflegerische Versorgung erforderlich wird.
In der folgenden Grafik ist die Inanspruchnahme der verschiedenen Leistungen der Pflege-
kasse (SGB XI) am 31.12.2021 in den Altersgruppen ab 20 Jahren bis zu den 50 bis 59- Jährigen
dargestellt:
Quelle: Information und Technik NRW (2022), Pflegestatistik über die Pflegeversicherung am 31.12.2021
0
50
100
150
200
250
300
350
20-29 Jahre 30-39 Jahre 40-49 Jahre 50-59 Jahre
Inanspruchnahme von Pflegeleistungen von jungen Pflegebedürftigen
Pflegegeld PG 1 und andere Leistungen
Ambulante Pflege Stationäre Dauerpflege
56 | Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027
Im Jahr 2021 waren insgesamt 1.278 Personen zwische n 20 und 60 Jahre in Münster pflege-
bedürftig. 94,4 Prozent dieser Personengruppe nutzten zum Stichtag Angebote der ambulan-
ten Versorgung. Neben der Unterstützung von An- und Zugehörigen, gibt es Angebote an
Pflege- und Assistenzdiensten, die ein selbstbestimmtes Leben in der eigenen Wohnung mög-
lich machen. Die Kapazitäten der ambulanten Dienste stoßen jedoch aktuell an ihre Grenzen.
Hier wären eine Stärkung und ein Ausbau der Kapazitäten für die Bedürfnisse der jungen Pfle-
gebedürftigen dringend notwendig. Wo der Verbleib in der eigenen Häuslichkeit nicht möglich
oder sinnvoll ist, werden Angebote benötigt, in den en eine umfassende Pflege sichergestellt
ist. 2021 lebten 72 Personen (5,6 Prozent) der jung en Pflegebedürftigen in einer stationären
Pflegeeinrichtung. Hauptsächlich nimmt die Gruppe der 50 bis 59-Jährigen das Angebot in An-
spruch (57 Personen). Durch einen Vergleich mit dem bestehenden Angeboten (18 stationäre
Plätze) wird deutlich, dass ein Großteil kein bedar fsgerechtes stationäres Angebot erhalten
hat. Personen, die in ambulanten Wohngemeinschaften (30 Plätze) leben, fallen in der Statis-
tik unter die Kategorie „Ambulante Pflege“.
Die Versorgung in einer regulären vollstationären P flegeeinrichtung entspricht in der Regel
nicht den Wünschen und dem Bedarf der Menschen unte r 65 Jahren. Eigene Wohngruppen
oder Wohnbereiche können sich sowohl räumlich als auch konzeptionell besser an die Bedürf-
nisse der Zielgruppe anpassen. Neben einem pflegerischen Bedarf haben junge pflegebedürf-
tige Menschen oftmals zusätzlich einen Anspruch auf Teilhabeleistungen der Eingliederungs-
hilfe (SGB IX).
Aktuell stehen 48 Plätze mit umfassender Versorgung für junge pflegebedürftige Personen zur
Verfügung.
Tabelle: Junge Pflege in Münster, Stand 30.07.2024
Nr. Einrichtung Angebotsform Stadtbe-
zirk
Stadtteil Plätze
1 Achatius -Haus ,
Alexianer Münster
stationäre Dauerpflege Südost Wolbeck 18
2 Haus Margareta (EG) ,
Alexianer Münster
ambulante Wohngemein-
schaft
Ost Mauritz -Ost 12
3 Haus Margareta (OG) ,
Alexianer Münster
ambulante Wohngemein-
schaft
Ost Mauritz -Ost 12
4 Wohngruppe Leo ISB ,
Alexianer Münster
ambulante Wohngemein-
schaft
Hiltrup Amelsbüren 6
Gesamt 48
Quelle: PfAD.wtg
Über die bestehenden Plätze hinaus gibt es einen we iteren Bedarf an Angeboten mit einer
umfassenden Versorgung für junge pflegebedürftige Menschen in Münster. In Gesprächen mit
interessierten Trägern wird dieser Bedarf benannt u nd beraten, ob und in welcher Form ein
Ausbau erfolgen kann. Darüber hinaus ist auch eine Stärkung der ambulanten Versorgungs-
möglichkeiten erforderlich.
Kommunaler Pflegebedarfsplan Münster 2024 - 2027 | 57
5.2.2 Menschen mit außerklinischem Intensivpflegebedarf
Die außerklinische Intensivpflege wurde im Jahr 2023 mit dem Intensivpflege- und Rehabilita-
tionsstärkungsgesetz (GKV-IPReG) neu geregelt. Ziel ist es, die pflegerische und medizinische
Begleitung zu verbessern und das Potenzial einer mö glichen Entwöhnung von der Beatmung
oder der Kanülierung besser auszuschöpfen. Vor Ausstellung einer Verordnung muss eine Er-
hebung des Entwöhnungspotenzials vorliegen und ein Behandlungsplan erstellt werden. Dies
kann jedoch nur von Ärztinnen und Ärzten mit besonderer Qualifikation durchgeführt werden.
Es besteht die Sorge, dass den bundesweit ca. 18.00 0 beatmeten oder trachealkanülierten
Personen nicht genügend Fachpersonal gegenübersteht, welche die Verordnungen alle sechs
Monate ausstellen können. Aktuell gibt es noch die Möglichkeit, mit einer Begründung in der
Verordnung ausnahmsweise davon abzusehen. Ab dem 01 .01.2025 wird diese Regelung ver-
bindlich.
In Münster gibt es aktuell 44 Plätze in Wohnformen für Menschen mit einem Intensivpflege-
bedarf.
Tabelle: Angebote für Menschen mit außerklinischem Intensivpflegebedarf,
Stand: 30.07.2024
Nr. Einrichtung Angebotsform Stadt -
bezirk
Stadtteil Plätze
1 Außerklinische Intensivpflege
Mehrgenerationenhaus Mat-
hildenstift,
DRK Schwesternschaft
Westfalen e.V.
Ambulante betreute
Wohngemeinschaft
Mitte Budden-
turm
9
2 Christopher Haus,
air vital Kranken- und Inten-
sivpflege GmbH
Ambulant betreute
Wohngemeinschaft
Hiltrup Hiltrup -
Mitte
17
3 Haus Augustinus,
Alexianer Münster
Vollstationäre
Pflegeeinrichtung
Hiltrup Amelsbüren 18
Gesamt 44
Quelle: PfAD.wtg
In Münster besteht aktuell kein Bedarf am Ausbau weiterer Plätze der außerklinischen Inten-
sivpflege mit umfassender Versorgungssicherheit. Dieser Bereich ist durch die Notwendigkeit
einer Zusatzqualifikation und des hohen Personalbedarfs insbesondere vom Fachkräfteman-
gel betroffen. Vorhandene Plätze konnten im letzten Jahr durch die personelle Situation
nicht durchgehend betrieben werden. Vorrang sollte die Auslastung der bestehenden Plätze
haben, bevor Träger zu einem weiteren Ausbau beraten werden.
5.2.3 Personen mit Bedarf an geschützter Unterbringung
Einige gerontopsychiatrisch erkrankte Menschen benö tigen aufgrund selbst- und fremdge-
fährdender Verhaltensweisen eine geschützte (geschlossene) Unterbringung. In Münster gibt
es aktuell drei stationäre Pflegeeinrichtungen, die einzelne Wohnbereiche geschlossen füh-
ren. Voraussetzung für die Aufnahme in geschützte W ohnbereiche ist jeweils das Vorliegen
58 | Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027
einer richterlichen Genehmigung für die Unterbringung. Grundsätzlich ist hier eine hohe Nach-
frage zu verzeichnen.
Tabelle: Geschützte Plätze, Stand: 30.07.2024
Nr. Einrichtung Angebotsform Stadt -
bezirk
Stadtteil Ge-
schützte
Plätze
1 LWL -Pflegezentrum Münster
“Ernst-Kirchner-Haus“
Vollstationäre
Pflegeeinrichtung
Mitte Uppenberg 20
2 Martin -Luther -Haus ,
Diakonie Münster
Vollstationäre
Pflegeeinrichtung
West Sentrup 19
3 Wohnstift am Südpark ,
Caritas-Betriebsführungs- und
Trägergesellschaft Münster
mbH
Vollstationäre
Pflegeeinrichtung
Mitte Schützen-
hof
14
Gesamt 53
Am 18.01.2024 fand ein Austausch mit den Trägern der drei Pflegeeinrichtungen, Vertreterin-
nen und Vertretern von Kliniken und Ansprechpersonen des LWL und der Pflegekassen für den
Bereich der Pflegesatzverhandlungen sowie der Kommu ne statt. Es wurde festgestellt, dass
der Bedarf an geschlossener Unterbringung weiter an steigt und die Kapazitäten bereits jetzt
nicht ausreichen, um insbesondere Menschen mit psychischen Erkrankungen bzw. neurologi-
schen Veränderungen und schweren Verhaltensstörungen bedarfsgerecht zu versorgen. Eine
Ausweitung der Platzzahl wird derzeit aufgrund der schwierigen Refinanzierungsbedingungen
und der extrem hohen Anforderungen an das Personal als unrealistisch erachtet. Es bräuchte
deutliche zusätzliche Anreize für die Leistungserbringer, damit neue Plätze entstehen können.
Bevor entsprechende Einzelverhandlungen geführt werden können, sind noch Grundsatzent-
scheidungen auf Landesebene abzuwarten.
5.2.4 Ältere Menschen mit Behinderung
Immer mehr Menschen, die mit einer Beeinträchtigung geboren worden sind oder diese sehr
früh im Leben erworben haben, erreichen heute ein hohes Lebensalter. Die erste Generation
von Menschen mit Behinderung, die nach den Verbrech en des Nationalsozialismus geboren
wurde, ist ins Rentenalter gekommen. Die Lebenserwa rtung von Menschen mit Behinderung
steigt zudem insbesondere aufgrund der verbesserten medizinischen Versorgung sowie der
verbesserten Lebensbedingungen.
Personen, die in ihrer Fähigkeit an der Gesellschaft teilzuhaben, eingeschränkt oder von einer
solchen wesentlichen Behinderung bedroht sind, erha lten bei Bedarf Leistungen der Einglie-
derungshilfe nach dem Neunten Sozialgesetzbuch (SGB IX). Die entsprechenden Einrichtungen
und Dienste sind im vorliegenden Pflegebedarfsplan, der den Bereich der Pflege und pflege-
ergänzenden Hilfen nach dem Elften Sozialgesetzbuch (SGB XI) abbildet, nicht enthalten.
Der Anstieg an älteren, pflegebedürftigen Bewohnerinnen und Bewohnern stellt die Angebote
der Eingliederungshilfe vor Herausforderungen, da für eine angemessene Betreuung und Ver-
sorgung zunehmend pflegefachliche Qualifikationen u nd Ressourcen erforderlich sind. Um-
züge in reguläre Pflegeeinrichtungen sind oftmals k eine adäquate Lösung, da diese nicht auf
die besonderen Bedarfe von Menschen mit psychischen Erkrankungen und/oder kognitiven
Kommunaler Pflegebedarfsplan Münster 2024 - 2027 | 59
Einschränkungen ausgerichtet sind. Ziel sollte es s ein, eine pflegerische Versorgung im Zu-
hause der Menschen umzusetzen, sei es in der eigene n Wohnung, in ambulanten Versor-
gungsformen der Eingliederungshilfe oder in besonderen Wohnformen. Dennoch gibt es ver-
mehrt Bedarf an Plätzen in stationären Einrichtunge n der pflegerischen Versorgung (SGB XI),
wenn ambulante Versorgungsformen an ihre Grenzen stoßen.
Aktuell gibt es in Münster drei stationäre Einrichtungen mit insgesamt 154 Plätzen für pflege-
bedürftige Menschen mit einer geistigen Behinderung bzw. einem erhöhten psychosozialen
Hilfebedarf.
Tabelle: Angebote für Menschen mit Behinderung und Pflegebedarf, Stand 30.07.2024
Nr. Einrichtung Angebotsform Stadtbezirk Stadtteil Plätze
1 Haus Thomas ,
Alexianer Münster
Stationäre
Dauerpflege
Hiltrup Amelsbüren 54
2 Haus vom Guten Hirten –
Pflegebereich,
Guter Hirte Münster gGmbH
Stationäre
Dauerpflege
Mitte Herz -Jesu 20
3 LWL -Pflegezentrum Münster
"Ernst-Kirchner-Haus"
Stationäre
Dauerpflege
Mitte Uppenberg 80
Gesamt 154
Quelle: PfAD.wtg
Im ambulanten und teilstationären Bereich ist für B etroffene individuell die Frage zu klären,
welche Ansprüche eine Person gegenüber der Pflegeve rsicherung (SGB XI) geltend machen
kann und welcher Teilhabeanspruch (SGB IX) besteht. Die Schnittstelle ist fließend und durch
die verschiedenen Sozialgesetzbücher und Zielrichtungen nicht einfach zu erfassen. Trägerun-
abhängige Beratung erhalten Betroffene z.B. durch d ie Ergänzende unabhängige Teilhabebe-
ratung (EUTB) Lebens(t)raum Münster.
Es besteht ein Bedarf an weiteren Angebote für dies e Zielgruppe. Die bestehenden Einrich-
tungen sind durchgehend ausgelastet und führen lange Wartelisten.
5.2.5 Wohnungslose Menschen mit Pflegebedarf
Der Nationale Aktionsplan gegen Wohnungslosigkeit „Gemeinsam für ein Zuhause“ vom Bun-
desministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen vom 24.04.2024 kommt zu dem
Ergebnis, dass der Gesundheitszustand für wohnungsl ose, insbesondere obdachlose Men-
schen häufig schlecht ist. In dieser Zielgruppe gib t es nachweislich eine höhere Anzahl von
psychischen Erkrankungen sowie Gewalterfahrungen. D ie unzureichende gesundheitliche Si-
tuation kann sowohl Ursache als auch Auswirkung der Wohnungslosigkeit sein. Zudem steigt
die Anzahl älterer wohnungsloser Menschen an. Laut dem Statistischem Bundesamt ist in
Nordrhein-Westfalen eine Zunahme der Betroffenen in sbesondere in den Altersgruppen „40
bis 60 Jahre“ und „60 Jahre und mehr“ zu verzeichne n (Statistisches Bundesamt, Statistik zur
Anzahl untergebrachter wohnungsloser Personen, Stic htage 31.12.2022; 31.12.2023). In der
Fachstelle „Sozialdienst Alter, Pflege und Teilhabe“ des Sozialamtes steigt die Anzahl der Per-
sonen dieser Zielgruppe an, für die ein Hilfe- und Pflegebedarf festgestellt und eine Organisa-
tion von Hilfs- und Unterstützungsangeboten begleitet wird.
60 | Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027
Stationäre Angebote der Wohnungslosenhilfe (Langzeitwohnen) sind nicht auf einen steigen-
den Pflegebedarf ausgerichtet. Im Fokus stehen hier die Tagesstrukturierung, Freizeitange-
bote und eine hauswirtschaftliche Versorgung. Eine krankenpflegerische Versorgung ist bei
Bedarf möglich, umfasst jedoch nicht die regelmäßige Körperpflege oder eine nächtliche Ver-
sorgung. Rückt die pflegerische Versorgung der dort Lebenden in den Vordergrund, ist ein
Übergang in eine Anschlussversorgung notwendig.
Die Angebote des Pflegesystems mit den ambulanten, teilstationären und stationären Ange-
boten kommen jedoch auch an ihre Grenzen, insbesond ere bei wohnungslosen Personen
ohne Unterkunft, die in den Strukturen der Wohnungslosenhilfe untergebracht sind und/oder
aufgrund ihrer individuellen Lebenslagen Angebote n icht oder nur teilweise annehmen kön-
nen. Ein erhöhter Bedarf an sozialer Betreuung sowie notwendige Aushandlungsprozesse zur
pflegerischen Versorgung sind unter den bestehenden Rahmenbedingungen nur vereinzelt zu
leisten. Notwendig sind spezialisierte Einrichtunge n die sich auf die Bedürfnisse von woh-
nungslosen und/oder suchterkrankten Personen mit zu nehmendem Pflegebedarf einstellen
können, wie z.B. das Haus Maria Veen und das St. Antoniusheim im Kreis Borken.
In Münster gibt es bislang keine spezialisierten An gebote für wohnungslose Menschen mit
Pflegebedarf. Mit den Wohngemeinschaften „Wohnen 60 plus“ stehen jedoch Wohnangebote
für ältere wohnungslose und hilfebedürftige Menschen in Trägerschaft der Bischof-Hermann-
Stiftung zur Verfügung. Es handelt sich dabei um betreute Wohnformen zur Überwindung be-
sonderer sozialer Schwierigkeiten gem. §§ 67 ff. SG B XII. Zielgruppe sind Personen aus den
Strukturen der Wohnungslosenhilfe, die einen Bedarf an sozialer Betreuung sowie einen haus-
wirtschaftlichen und/oder gesundheitsfördernden Bedarf haben. Bei Bedarf erfolgt im Einzel-
fall eine ergänzende pflegerische Versorgung über einen ambulanten Pflegedienst. Anders als
in ambulanten Pflege-Wohngemeinschaft ist keine 24-Stunden-Betreuung vorgesehen.
Tabelle: Angebote für ältere wohnungslose Menschen, Stand 30.07.2024
Nr. Einrichtung Angebotsform Stadtbezirk Stadtteil Plätze
1 Dreifaltigkeitskirche
Wohnen 60 Plus
Ambulant Mitte Uppenberg 8
2 Yorkhöfe
Wohnen 60Plus
Ambulant Mitte
Neutor 11
Gesamt 19
Die Anzahl älterer wohnungsloser Personen mit Hilfe- und Pflegebedarf steigt tendenziell auch
in Münster weiter an. Um eine Versorgung sicherzustellen, werden pflegerische Angebote be-
nötigt, die konzeptionell und personell auf diese Zielgruppe ausgerichtet sind.
Das Projekt „Cared.Wende – neue Wege in der Versorgung schwer kranker und pflegebedürf-
tiger wohnungsloser Menschen in Münster“ ist ein vo m Ministerium für Arbeit, Gesundheit
und Soziales des Landes NRW gefördertes Projekt der Bischof-Hermann-Stiftung. Es ist am
01.04.2024 gestartet und hat eine Laufzeit von 2,5 Jahren. Im Projekt sind vier Mitarbeitende,
verteilt auf zwei Vollzeitstellen, tätig. Das übergeordnete Ziel ist die Verbesserung des Zugangs
schwer kranker und pflegebedürftiger wohnungsloser Menschen zu (palliativ-)pflegerischen
Angeboten in Münster. In einem ersten Schritt geht es um eine Situationsanalyse, wofür u.a.
relevante Personen (von Wohnungslosigkeit betroffen e Personen, Akteurinnen und Akteure
im Gesundheitswesen und in der Pflege, die Wohnungs losenhilfe und Verwaltung) befragt
Kommunaler Pflegebedarfsplan Münster 2024 - 2027 | 61
werden sollen. Im zweiten Schritt geht es in die praktische Umsetzung durch Wissensvermitt-
lung, Gestaltung von Lebensorten und die Verbesserung der Zugänge für die Zielgruppe.
6 Pflege(fach)kräfte in Münster
Der Personalmangel in der Pflege beschäftigt nicht nur Münster, sondern auch die Landes-
und Bundesebene, da es sich um eine bundesweite und auch sektorenübergreifende Heraus-
forderung handelt. Weiterhin wird auf die Erhöhung des Ausbildungspotenzials hingearbeitet
sowie der Zuzug von Fachkräften aus dem Ausland in den Blick genommen. Es wird aktuell
außerdem verstärkt diskutiert, wie die bestehende Kompetenzen und Ressourcen der vorhan-
denen Fachkräfte effizienter eingesetzt werden könn en. Hintergrund ist die Erkenntnis, dass
perspektivisch die altersbedingten Austritte aus dem Pflegeberuf nicht mehr durch Absolven-
tinnen und Absolventen der Pflegeschulen ersetzt we rden können (DAK Pflegereport 2024).
Weitere Unterstützungsmöglichkeiten bietet die Digitalisierung, die in den verschiedenen Be-
reichen weiter ausgebaut werden muss.
Zum 01.01.2024 ist das Pflegestudiumstärkungsgesetz in Kraft getreten, welches zum Ziel hat,
den Anteil Studierender in der Pflege zu steigern. Studierende in der Pflege erhalten nun für
die Dauer des Studiums eine angemessene Vergütung, welche in das Finanzierungssystem der
Pflegeausbildung integriert wurde. Gleichzeitig wur den die Anerkennungsverfahren von aus-
ländischen Berufsabschlüssen auf Bundesebene vereinheitlicht und insgesamt vereinfacht. Im
Frühjahr 2024 wurden durch das Bundesministerium für Gesundheit außerdem die Eckpunkte
zum Kompetenzstärkungsgesetz vorgelegt, welches die Befugnisse der verschiedenen Berufs-
gruppen neu strukturieren soll. Insbesondere in der ambulanten Pflege könnte dies zu einer
Vereinfachung der Prozesse und Optimierung der Schnittstellen führen.
Auf Landesebene wurde im Oktober 2023 die „Landesberichterstattung der Gesundheitsfach-
berufe NRW 2023“ veröffentlicht. Dieser Bericht der Dienstleistung, Innovation, Pflegefor-
schung GmbH, der alle zwei Jahre für das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des
Landes NRW erstellt wird, gibt neue Anhaltspunkte z ur aktuellen Situation der
Pflege(fach)kräfte und zur Versorgungssituation in NRW. Pflege(fach)kräfte sind demnach im
hohen Maße berufstreu, sektorentreu und ortstreu. Der oftmals beschriebene „Pflexit“ (Aus-
stieg aus der Pflege) konnte empirisch nicht belegt werden, ebenso wenig ein Wechsel von
der Altenpflege hin zur Krankenpflege, aufgrund bes serer Bezahlung. Berufseinsteigerinnen
und Berufseinsteiger waren jedoch kein Bestandteil dieser Analyse. Rückmeldungen von Aus-
bildenden in der Altenpflege in Münster lassen vermuten, dass nach erfolgreichem Abschluss
der Ausbildung durchaus eine Sogwirkung besteht. Au s dem Bericht geht außerdem hervor,
dass Pflege grundsätzlich regional zu betrachten ist. Nicht nur die pflegebedürftigen Personen
möchten ortsnah versorgt werden, auch das Personal ist nicht bereit, lange Strecken zum Ar-
beitsplatz zurückzulegen.
Zur Versorgungssituation kommt der Bericht zu dem E rgebnis, dass bis 2030 weiterhin ein
Aufbau von Pflegekräften, jedoch in deutlich reduzi erter Form, erfolgen wird. Ein Aufbau der
Pflegeinfrastruktur könne dadurch weder aktuell noc h perspektivisch realisiert werden. Die
Zulassung von Pflegenden aus Drittstaaten spiele ak tuell noch eine untergeordnete Rolle. In
den Städten nehme die Relevanz zu, insbesondere in der Krankenpflege.
62 | Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027
Fachkräfte in Münster
Im Oktober 2022 wurden die neusten Daten der Pflege statistik (SGB XI) mit dem Stichtag
15.12.2021 vom Landesbetrieb Information und Techni k Nordrhein-Westfalen (IT.NRW) für
die Stadt Münster veröffentlicht. Bei der Betrachtung der pflegenden Berufsgruppen, die un-
ter der neuen Ausbildung zur Pflegefachkraft und Pflegefachassistenzkraft zusammengeführt
wurden, waren insgesamt 825 Personen in Angeboten der ambulanten Altenpflege und 1.203
Personen im Bereich der teilstationären- und stationären Altenpflege tätig. Die Anzahl ist na-
hezu gleich geblieben gegenüber der letzten Erhebun g mit Daten zum Stichtag 15.12.2019
(Ambulant: 834 Personen; Stationär: 1.185 Personen) . 36 Prozent von ihnen sind älter als 50
Jahre und rund jede/r Zehnte der Pflegenden in Münster wird in den kommenden fünf Jahren
in Rente gehen. Neben dem aktuellen Fachkräftemange l, der in allen Bereichen der Pflege in
Münster bereits Auswirkungen zeigt, wird die Berufs demographie die Situation in den kom-
menden Jahren weiter verschärfen.
Aus der Pendlerstatistik der „Landesberichterstattung der Gesundheitsfachberufe NRW 2023“
wird deutlich, dass ein Großteil, rund 60 Prozent, der versicherungspflichtig beschäftigten Al-
ten-, Gesundheits- und (Kinder)Krankenpflegenden in Münster wohnt. Damit verbleiben rund
40 Prozent auf Pendelnde aus dem Kreis Coesfeld (13 Prozent), Kreis Warendorf (9 Prozent),
Kreis Steinfurt (14 Prozent) und sonstiges. Bei der Versorgung der pflegebedürftigen Personen
besteht demzufolge eine Abhängigkeit zu den benachb arten Kreisen, aus denen das
Pflege(fach)personal kommt.
Neben dem bestehenden Mangel an Personal, entsteht durch die Umsetzung des neuen Per-
sonalbemessungsverfahren in der vollstationären Pflege ein zusätzlicher personeller Mehrbe-
darf, ganz überwiegend im Bereich der Assistenzkräf te. In den Pflegesatzverhandlungen der
Einrichtungsträger mit den Landesverbänden der Pflegekassen wird seit dem 01.07.2023 zwi-
schen Hilfspersonal (ohne Ausbildung), Pflegefachas sistenzpersonen (ein Jahr Ausbildung)
und Pflegefachpersonen (drei Jahre Ausbildung) unte rschieden. Dabei sollen Pflegende vor-
rangig die Aufgaben übernehmen, die ihrer jeweiligen Qualifikation entsprechen. Ziel ist eine
Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Langzeitpflege mit dem Einsatz der tatsächlichen
Fähigkeiten ohne Über- und Unterforderung. Das Personal wird für jede Einrichtung individu-
ell anhand des Pflegegradmixes der Bewohnerinnen und Bewohner errechnet. Die Einrichtun-
gen haben eine Übergangsfrist bis zum 31.12.2025. In dieser Zeit werden die Pflegesätze suk-
zessive neu verhandelt und die Träger haben Zeit die zusätzlichen Stellen zu besetzen.
Auswirkungen des Fachkräftemangels in der stationären Pflege
In diesem Jahr erfolgte erneut eine Abfrage der sta tionären Einrichtungen zum bestehenden
Fachkräftemangel. Neun von 35 Einrichtungen gaben a n, dass sie innerhalb der letzten sechs
Monate aufgrund von Fachkräftemangel nicht alle Plä tze belegen konnten. Das sind rund 25
Prozent der Münsteraner Pflegeeinrichtungen. Im ver gangenen Jahr waren es 8 Einrichtun-
gen.
Bei der Summierung der freien Plätze der neun betro ffenen Einrichtungen zum Stichtag
01.04.2024 waren im Ergebnis 97 Plätze leer. Dies e ntspricht mehr als einer vollstationären
Einrichtung und rund vier Prozent der Gesamtplätze.
Kommunaler Pflegebedarfsplan Münster 2024 - 2027 | 63
Ausbildung
Seit dem Jahr 2020 gibt es die generalistische Pfle geausbildung zur Pflegefachfrau oder zum
Pflegefachmann, welche die Ausbildungen der ehemali gen Krankenpflegeschulen, Kinder-
krankenpflegeschulen und der Fachseminare für Altenpflege zusammenfasst.
Im Jahr 2023 haben in Nordrhein-Westfalen 4,5 Prozent mehr Personen mit einer Ausbildung
zur Pflegefachkraft begonnen. Auch in Münster ist die Anzahl der neuen Auszubildenden von
522 (2022) auf 582 (2023) gestiegen. Die Gesamtzahl der Auszubildenden im Jahr 2023 ist
dagegen deutlich gesunken. Insgesamt absolvieren 1.497 Personen eine Ausbildung zur Fach-
kraft, davon sind 24 Prozent männlich und 76 Prozen t weiblich. Eine Auswertung der Alters-
struktur zeigt deutlich, dass die Pflegeausbildung auch für Menschen attraktiv ist, die bereits
einen anderen Bildungsweg bestritten haben. 2023 wa ren rund 35 Prozent der Auszubilden-
den in Münster älter als 24 Jahre.
Die Zahlen der Auszubildenden in Münster werden in zwei verschiedenen Statistiken erfasst,
was eine Gesamtauswertung erschwert. Die Statistik der Schulen des Gesundheitswesens mit
den Fachseminaren für Altenpflege und den (Kinder-)Krankenpflegeschulen dokumentiert die
Entwicklung der ehemaligen Ausbildungsberufe bis 2022. Die neue Statistik für Auszubildende
nach dem Pflegeberufegesetz enthält die Angaben zu den Auszubildenden zur Pflegefach-
frau/Pflegefachmann seit dem Jahr 2020. In der folg enden Tabelle werden die unterschiedli-
chen Ausbildungsgänge addiert, um eine Entwicklung für Münster abzuleiten.
Tabelle: Auszubildende zur Pflegefachkraft in Münster
Schulen des Gesundheitswesens 1: 2019 2020 2021 2022 2023
Krankenpflegeschule 816 485 245 135 ./.
Kinderkrankenpflegeschule 212 130 70 40 ./.
Fachseminar für Altenpflege 591 423 220 85 ./.
Auszubildende nach dem Pflegeberu-
fegesetz 2:
Pflegefachfrau/Pflegefachmann - 573 1086 1500 1497
Gesamt 1.619 1.611 1.621 1.760 1.497
Quellen:
1) Information und Technik NRW, „Schulen, Klassen, Auszubildende und neu belegte Ausbildungsplätze nach Typ
an Schulen des Gesundheitswesens“, Stichtag: 15.10.
2) Information und Technik NRW, Statistik nach der Pflegeberufe-Ausbildungsfinanzierungsverordnung, „A uszu-
bildende nach dem Pflegeberufe-Gesetz in Münster nach Geschlecht“, Stichtag: 31.12.
Insbesondere vor dem Hintergrund des neuen Personalbemessungsinstruments in der statio-
nären Pflege erhöht sich der Bedarf an Pflegefachas sistenten. Im Jahr 2022 ist in Nordrhein-
Westfalen die generalistische Ausbildung zur Pflegefachassistenzkraft eingeführt worden. Für
diesen Ausbildungsgang ist zudem die sogenannte „Ex ternenprüfung“ möglich, wenn Berufs-
erfahrung im pflegerischen Bereich vorliegt. Die Prüfung erfolgt bei den Pflegeschulen, die u.a.
Vorbereitungskurse anbieten. Während im ersten Jahr 110 Personen ausgebildet wurden, wa-
ren es 2023 nur noch 100 Personen. NRW insgesamt ve rzeichnet einen gegenläufigen Trend
mit einer Steigerung von rund 30 Prozent.
64 | Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027
Tabelle: Auszubildende zur Pflegefachassistenz
Schule für Pflegefachassistenz 2022 2023
Münster 110 100
NRW 2.155 2.805
Quellen:
1) Information und Technik NRW, „Schulen, Klassen, Auszubildende und neu belegte Ausbildungsplätze nach Typ
an Schulen des Gesundheitswesens“, Stichtag: 15.10.
Aktuell wird an einer bundeseinheitlichen Pflegeass istenzausbildung gearbeitet mit dem Ziel
eines Ausbildungsbeginns zum 01.01.2026.
Münster bildet mit neun Pflegeschulen im Stadtgebie t, im Vergleich zu anderen Regionen,
überdurchschnittlich viele Pflegekräfte aus. Ein gr oßes Hemmnis zum weiteren Ausbau der
Kapazitäten stellen auch hier die fehlenden pädagogisch geeigneten Lehrkräfte nach dem Pfle-
geberufegesetz (PflBG) dar.
Unter dem Titel „Starke Pflege - starke Ausbildung“ wurde von dem Verein „Starke Pflege in
Münster“ ein Konzept entwickelt, welches den Schulen als Element zur Berufsorientierung an-
geboten wird. Es haben bereits mehrere Informationsveranstaltungen in Form einer „Doppel-
stunde Pflege“ in Haupt-, Real- und Gesamtschulen s owie in Gymnasien und Berufskollegs
stattgefunden. Die Schülerinnen und Schüler werden über das Arbeitsfeld „Pflege“ sowie über
die Entwicklungs- und Verdienstmöglichkeiten informiert. Außerdem werden z.B. Simulations-
brillen oder ein Tremor-Simulator eingesetzt, um Ei nschränkungen erlebbar zu machen. Die
Stunde wird durch die Anbieter an die jeweilige Zie lgruppe individuell angepasst. Neben An-
geboten für einzelne Klassen wurde auch schon ein S tationslauf zum Berufsfeld Pflege für ei-
nen gesamten Jahrgang organisiert.
Die Akteure betonen, dass der Zusammenschluss innerhalb der Altenpflege dieses Projekt erst
möglich gemacht hat. Es ginge nicht darum, dass ein zelne Träger Auszubildende gewinnen,
sondern darum, die Pflege als mögliches Berufsfeld insgesamt zu bewerben.
Darüber hinaus werden Praktikumsplätze zum Beispiel im Rahmen der Betriebsrallye der „Stif-
tung Bürger für Münster“ oder des Girls-/Boysday angeboten. Insbesondere Praktika und Bun-
desfreiwilligendienste geben die Möglichkeit, das B erufsfeld zu präsentieren und Menschen
dafür zu begeistern. Der Erfolg von guten Praktikumskonzepten ist spürbar, da von den Erfah-
rungen in den eigenen Kreisen berichtet und Empfehlungen auf die nachrückenden Jahrgänge
weitergegeben werden.
7 Bedarfsfeststellung für die vollstationäre Dauerpflege 2024-2027
In diesem Kapitel soll die Frage beantwortet werden, ob das bestehende Angebot an vollsta-
tionären Pflegeeinrichtungen den örtlichen Bedarf abdeckt bzw. ob und in welcher Höhe zu-
sätzliche Kapazitäten erforderlich sind.
Auslastung der Angebote mit umfassender Pflege in Münster
Personen, die eine stationäre Pflegeeinrichtung suc hen, schildern nach wie vor, dass es sehr
schwierig ist, einen geeigneten Platz zu finden. Vi ele Einrichtungen führen Wartelisten und
kontaktieren die Interessentinnen und Interessenten, sobald freie Kapazitäten zur Verfügung
Kommunaler Pflegebedarfsplan Münster 2024 - 2027 | 65
stehen. Ein Verbleib in dem vertrauten Quartier ode r eine Unterbringung in der Wunschein-
richtung ist in dieser Situation nur möglich, wenn Wartezeiten durch andere Versorgungsfor-
men überbrückt werden können. Träger, Beratungsstellen und auch pflegende An- und Zuge-
hörige machen auf Grundlage ihrer Erfahrungen gegen über der kommunalen Pflegeplanung
deutlich, dass sie einen zusätzlichen Bedarf an weiteren Plätzen mit umfassender Versorgung
sehen.
Durch die Stadt Münster wird seit dem Jahr 2011 regelmäßig die Auslastung der vollstationä-
ren Pflegeeinrichtungen abgefragt. Diese Daten waren in der Vergangenheit ein Anhaltspunkt
dafür, inwieweit das bestehende Platzangebot vollum fänglich genutzt wurde oder ob ggf.
Überkapazitäten bestanden. Die aktuellen Rückmeldun gen bestätigen jedoch, dass freie Ka-
pazitäten in der Regel nicht (mehr) mit fehlender Nachfrage zu begründen sind.
Tabelle: Auslastung der vollstationären Pflegeeinrichtungen in Prozent
zum 1.1. 1.4. 1.7. 1.10.
2011 93,9 97,0 97,3 95,6 96,0
2012 93,6 96,3 96,8 96,7 95,9
2013 96,0 96,0 93,7 95,5 95,3
2014 96,7 95,7 96,5 95,8 96,2
2015 96,7 96,2 96,4 96,5 96,5
2016 96,5 96,0 96,8 96,5 96,5
2017 95,8 95,9 96,1 95,8 95,9
2018 95,7 96,3 95,2 96,0 95,8
2019 94,5 96,5 96,0 96,1 95,8
2020 ./.* ./.* ./.* ./.* ./.*
2021 ./.* ./.* 96,4 96,2 96,3
2022 95,7 95,3 95,6 95,7 95,6
2023 93,5 95,0 95,5 94,9 94,7
2024 93,5 93,7 ./. ./. 93,6
Quelle: Stadt Münster, Sozialamt, Pflegeplanung, eigene Erhebung
*Die Datenerhebung wurde aufgrund der Corona-Pandemie für diesen Zeitraum ausgesetzt.
Mit einer Auslastung von durchschnittlich 94,7 Proz ent für das Jahr 2023 ist die Auslastung
seit 2021 weiter rückläufig. Bei der Betrachtung der durchschnittlichen Auslastung der einzel-
nen Einrichtungen der letzten Abfrage wird erkennbar, dass 18 der 32 Einrichtungen mit min-
destens 98 Prozent voll ausgelastet waren und weite re vier Einrichtungen mit 97 Prozent na-
hezu ausgelastet waren. Zwei Einrichtungen haben in dem abgefragten Zeitraum Baumaßnah-
men durchgeführt, die zu einer verminderten Belegun g geführt haben. Insgesamt neun Ein-
richtungen gaben an, dass sie aufgrund des Fachkräf temangels innerhalb der letzten sechs
Monate Plätze nicht belegen konnten. Hier sind die Auswirkungen des Fachkräftemangels be-
reits deutlich erkennbar. Zum Stichtag 01.04.2024 w aren in diesen Einrichtungen insgesamt
97 Plätze frei. Das sind rund 4 Prozent der Gesamtplätze in Münster, die aufgrund von Perso-
nalmangel nicht belegt werden konnten.
66 | Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027
Die Belegung der ambulanten Pflege-Wohngemeinschaft en wird seit Mitte 2021 abgefragt
und fließt in die Bewertung des Bedarfs an Angeboten der umfassenden Versorgung mit ein.
Tabelle: Auslastung der Pflege-Wohngemeinschaften in Prozent
zum 1.1. 1.4. 1.7. 1.10.
2021 ./.* ./.* 88,3 88,3 88,3
2022 90,7 90,0 92,8 88,3 90,5
2023 89,6 92,5 91,5 92,9 91,6
2024 93,9 94,9 ./. ./. 94,4
Quelle: Stadt Münster, Sozialamt, Pflegeplanung, eigene Erhebung
*Die Datenerhebung wurde aufgrund der Corona-Pandemie für diesen Zeitraum ausgesetzt.
Mit einer durchschnittlichen Auslastung von 91,6 Pr ozent im Jahr 2023 und einer bisherigen
Auslastung im Jahr 2024 von 94,4 Prozent steigt die Auslastung der Pflege-Wohngemeinschaf-
ten weiter an. Bei der Betrachtung der einzelnen Pf lege-Wohngemeinschaften ist erkennbar,
dass insgesamt 18 von 30 Angeboten voll ausgelastet waren (maximal ein freier Platz zum
Stichtag). Das Angebot der Diakonie an der Schulstr aße wird aufgrund der angekündigten
Schließung im November nicht neu belegt, so dass hi er die Auslastung bereits rückläufig ist.
Zwei ambulante Pflege-Wohngemeinschaften begründen die niedrigere Auslastung mit Per-
sonalmangel. Zum Stichtag 01.04.2024 waren dort insgesamt 4 Plätze frei.
Die Auslastungsabfrage sowohl der stationären Einri chtungen als auch der Pflege-Wohnge-
meinschaften macht deutlich, dass viele der bestehe nden Angebote in der Regel ausgelastet
sind. Die Anzahl der Träger mit geringerer Auslastung, welche angaben, dass Plätze durch Um-
baumaßnahmen und Personalmangel dem Markt für eine bestimmte Zeit nicht zur Verfügung
standen, ist im Vergleich zum letzten Jahr nahezu gleichgeblieben.
Auch wenn die freien Kapazitäten in stationären Einrichtungen und Pflege-Wohngemeinschaf-
ten nicht auf den Mangel an potenziellen Bewohnerinnen und Bewohnern zurückzuführen ist,
bleibt dennoch festzustellen, dass die freien Zimme r perspektivisch, nach Beendigung von
Baumaßnahmen oder Einstellung der fehlenden Arbeitskräfte, wieder zur Verfügung stehen.
Es lässt sich jedoch festhalten, dass die Auslastungsabfrage nur noch sehr eingeschränkt als
Indikator für den Bedarf an Pflegeplätzen herangezogen werden kann, die Aussagekraft des
Indikators ist aufgrund des Fachkräftemangels deutlich gesunken.
Vorausberechnung der zukünftigen Inanspruchnahme von Pflegeleistungen
IT.NRW hat im Juni 2023 eine neue Modellrechnung zu r Entwicklung der Pflegebedürftigkeit
in NRW, eine Statistik zur Einschätzung der zukünftigen Nachfrageentwicklung, zur Verfügung
gestellt. Die Berechnung beruht auf Daten aus der P flegestatistik 2019 und 2021 und der Be-
völkerungsvorausberechnung für NRW 2021 bis 2050/2070.
Die Modellrechnung bezieht sich auf die verschiedenen Arten der Pflegeleistungen nach Alter,
Geschlecht und Pflegegrad. Es erfolgt eine konstant e Hochrechnung bis 2050 in den Kreisen
und kreisfreien Städten. Für die ambulante sowie st ationäre Pflege wurde die durchschnittli-
che Pflegequote von 2019 und 2021 verwendet. Für die Berechnung der Pflegegeldleistungen
wurde ausschließlich die Pflegequote aus 2021 genut zt, um den Einführungseffekten des
Kommunaler Pflegebedarfsplan Münster 2024 - 2027 | 67
neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs entgegenzuwirken. Das Ergebnis stellt keine fest zu erwar-
tende Entwicklung dar. Es wird eine „Wenn-dann-Aussagen“ getroffen, die eine Orientierung
für die Kommunen darstellt.
In Münster steigt nach der Pflegemodellrechnung die Anzahl der pflegebedürftigen Menschen
bis 2050 überdurchschnittlich stark an mit 48,8 Prozent (NRW: 30,4 Prozent). Neben Münster,
haben auch die Münsterlandkreise Kreis Steinfurt, Kreis Borken und Kreis Coesfeld einen sehr
hohen Anstieg an pflegebedürftigen Personen zu erwa rten. In der nachfolgenden Grafik ist
der prozentuale Anstieg in NRW, Münster und den Nachbarkreisen in den einzelnen Leistungs-
arten dargestellt.
Quelle: IT.NRW 2023: Pflegemodellrechnung NRW 2021-2050
0
20
40
60
80
100
NRW Münster Steinfurt Coesfeld Warendorf Borken
Prozentuale Veränderung der Inanspruchnahe von Pflegeleistungen im
Vergleich (2050 gegenüber 2021)
Ambulante Pflege Stationäre Pflege Pflegegeld
68 | Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027
Pflegemodellrechnung von IT.NRW
Die nachfolgende Grafik stellt die Entwicklung der stationären Pflege laut der Modellrechnung
von IT.NRW in Münster bis zum Jahr 2050 dar:
Quelle: IT.NRW 2023: Pflegemodellrechnung NRW 2021-2050
Die konstante Hochrechnung berücksichtigt nur die d emographische Entwicklung der Bevöl-
kerung. Die Weiterentwicklung und Veränderung von Angeboten, Auswirkungen durch Ände-
rungen der gesetzlichen Regelungen sowie Annahmen z ur Personalentwicklung werden hier
nicht berücksichtigt. Langfristige Prognosen sind a us diesem Grund nur bedingt aussagekräf-
tig.
Für die Bedarfsfeststellung werden die kommenden dr ei Jahre in den Blick genommen. Die
Modellrechnung kommt in den Jahren 2024-2025 zu einem Bedarf in Höhe von 2.700 und im
Jahr 2026-2027 in Höhe von 2.800 Plätzen in der sta tionären Pflege
1. Dem gegenüber steht
ein aktuelles Angebot an 2.619 Plätzen in stationären Einrichtungen.
Vorausberechnung der Pflegeplanung
Seit dem Jahr 2020 wird für die Ermittlung des Bedarfs an stationären Dauerpflegeplätzen zu-
sätzlich eine eigene Berechnung auf der Grundlage der Daten der Pflegestatistik (IT.NRW) und
der kleinräumigen Bevölkerungsprognose der Stadt Mü nster durchgeführt, die die Bevölke-
rungsentwicklung erfahrungsgemäß genauer abbildet. Dabei wird ebenfalls eine konstante
Entwicklung unterstellt, indem die Inanspruchnahme der Pflegeleistungen auf dem Niveau des
Referenzjahres verbleibt (Status-Quo-Berechnung).
Seit dem Pflegebedarfsplan 2023-2026 werden hierbei auch die Pflege-Wohngemeinschaften
berücksichtigt. Dazu werden die Belegungsdaten der Pflege-Wohngemeinschaften zum Stich-
tag 31.12. durch das Sozialamt abgefragt und zu Gru nde gelegt. Eine Berechnung der Pflege-
quoten nach Alter und Geschlecht erfolgt analog zum Vorgehen bei der Inanspruchnahme der
stationären Pflege. Ausgangspunkt für die Hochrechnung ist also die Anzahl der Personen, die
1 Die Daten werden jeweils auf Hunderter auf- bzw. abgerundet.
0
1000
2000
3000
4000
5000
2025 2030 2035 2040 2045 2050
Entwicklung der Inanspruchnahme von stationärer Pflege
Kommunaler Pflegebedarfsplan Münster 2024 - 2027 | 69
tatsächlich Angebote mit umfassender Pflege in Ansp ruch nehmen. Wie bereits oben be-
schrieben, können aber bereits heute nicht alle Per sonen mit einem entsprechenden Bedarf
stationär bzw. in Pflege-Wohngemeinschaften versorg t werden, sodass sich hierdurch eine
Unterschätzung des zu erwartenden Bedarfes ergibt.
Die Pflegequoten reichen im Bereich der ambulanten Pflege-Wohngemeinschaften von 0,02
bei den Personen unter 60 Jahren bis hin zu 2,09 Prozent bei den über 90-jährigen Frauen. Im
stationären Bereich ist die Pflegequote - und damit die Inanspruchnahme des Angebotes -
deutlich höher. Es leben 28,29 Prozent der Frauen ü ber 90 Jahre in einer stationären Pflege-
einrichtung.
Tabelle : Prozentualer Anteil (Pflegequoten) der Pflegebedürftigen in ambulanten Pflege-
Wohngemeinschaften und in der stationären Dauerpflege nach Alter und Geschlecht*
Alter Pflegequote
ambulante Pflege-WGs
Pflegequote stationäre Dauer-
pflege
Männlich Weiblich Männlich Weiblich
unter 60 Jahre 0,02% 0,02% 0,04% 0,03%
60 - 69 Jahre 0,07% 0,07% 0,60% 0,42%
70 - 79 Jahre 0,20% 0,33% 1,65% 2,18%
80 - 89 Jahre 0,25% 0,89% 4,87% 8,08%
90 Jahre und älter 1,22% 2,09% 13,45% 28,29%
Gesamt 0,05% 0,13% 0,48% 1,12%
Quelle: Pflegestatistik IT.NRW; Bevölkerungsdaten der Stadt Münster; eigene Erhebung und Berechnung
*Personen mit Geschlechtsangabe „divers“ o. „ohne Angabe“ sind zufällig auf männlich oder weiblich verteilt.
Die Pflegequoten wurden auf der Grundlage der klein räumigen Bevölkerungsprognose der
Stadt Münster 2022-2033 bis zum Jahr 2027 hochgerec hnet (siehe nachfolgende Tabelle).
Während die Anzahl der pflegebedürftigen Personen unter 60 Jahren mit Bedarf an umfassen-
der Pflege stabil bleiben wird, zeichnet sich bei den über 90-Jährigen der größte Zuwachs mit
insgesamt 117 Personen ab.
Tabelle: Vorausberechnung der Pflegebedürftigen in ambulanten Pflege-WGs und stationären
Einrichtungen nach Altersgruppen (Status-Quo-Modell)
Alter Pflegebedürftige in Pflege -WGs Pflegebedürftige in stationären Ein-
richtungen
2024 2025 2026 2027 2024 2025 2026 2027
unter 60 Jahre 42 42 42 42 76 76 75 75
60 - 69 Jahre 27 27 28 28 191 195 199 202
70 - 79 Jahre 61 65 67 69 441 464 481 498
80 - 89 Jahre 103 99 95 93 1.104 1.054 1.022 995
90 Jahre und älter 62 66 70 74 817 862 916 966
Gesamt 296 298 302 306 2.629 2.651 2.694 2.736
Quelle: Pflegestatistik IT.NRW; Bevölkerungsdaten: Stadt Münster, Stadtplanungsamt, Kleinräumige Bevölke-
rungsprognose der Stadt 2022-2033; eigene Berechnung
70 | Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027
Im Ergebnis dieser Status-Quo-Berechnung benötigen 3.042 Pflegebedürftige im Jahr 2027 ein
Angebot mit umfassender Versorgungssicherheit, d.h. einen Platz in einer stationären Einrich-
tung oder einer ambulanten Pflege-Wohngemeinschaft.
Im nächsten Schritt wird die Zahl der demnach insgesamt erforderlichen Pflegeplätze der Zahl
der zur Verfügung stehenden Pflegeplätze mit umfass ender Versorgung gegenübergestellt.
Das sind 2.619 vollstationäre Dauerpflegeplätze und 295 Plätze in ambulanten Pflege-Wohn-
gemeinschaften. Es wird dabei davon ausgegangen, dass das eine Vollauslastung bei den sta-
tionären Einrichtungen mit einer durchschnittlichen Belegung von 98 Prozent erreicht wird.
Aufgrund der niedrigeren Platzzahl wird bei den Pflege-Wohngemeinschaften bereits bei einer
durchschnittlichen Belegung von 90 Prozent von einer Vollauslastung ausgegangen.
Tabelle: Bedarfsermittlung für Angebote mit umfassender Versorgungssicherheit (Status-
Quo-Modell) unter Berücksichtigung des Bestands
Jahr Prognose
Pflegebedürftige
mit umfassendem
Versorgungsbe-
darf
Bestand statio-
näre Pflege (Aus-
lastung 98%)
Bestand Pflege -
Wohngemein-
schaften (Auslas-
tung 90%)
Bedarf an
umfassen-
der Pflege
2024 2925 2567 266 92
2025 2949 2567 266 116
2026 2996 2567 266 163
2027 3042 2567 266 209
Quelle: eigene Berechnung
Auf Grundlage dieser Berechnung ergibt sich bis 202 7 ein Bedarf an 209 zusätzlichen Plätzen
mit umfassender Pflege in ambulant betreuten Pflege-Wohngemeinschaften und/oder zusätz-
lichen stationären Pflegeeinrichtungen.
Bewertung
Der Bedarf an Angeboten der umfassenden Versorgung steigt stetig an. Die Gründe liegen im
Wesentlichen im demographischen Wandel. Gleichzeiti g verändern sich die Landschaft rund
um die vorpflegerischen und pflegerischen Angeboten , die leistungsrechtlichen Rahmenbe-
dingungen sowie die Vorstellungen der Menschen, wie eine Unterstützung bei Pflegebedarf
aussehen soll. Ziel ist es, dass alle Münsteranerinnen und Münsteraner bei Pflegebedarf eine
passende Unterstützung erhalten.
Bis zum Jahr 2027 werden 209 zusätzliche Plätze mit umfassender Versorgungssicherheit be-
nötigt. Gestützt wird das Ergebnis durch die Pflege modellberechnung von IT.NRW und die
Aussagen der Träger von stationären Einrichtungen und Beratungsstellen.
Es ist davon auszugehen, dass 60 Plätze des festges tellten Bedarfs durch neue Angebote ge-
deckt werden können. Wie in Kapitel 5.1.1. beschrie ben, sollen vier stationäre Einrichtungen
um insgesamt 29 Plätze erweitert werden. Außerdem b efinden sich, siehe Kapitel 5.1.2, 49
Plätze in ambulanten Pflege-Wohngemeinschaften in d er Umsetzung. Gleichzeitig wurde je-
doch bereits eine Schließung der Pflege-Wohngemeins chaften in der Schulstraße mit insge-
samt 18 Plätzen für November 2024 angekündigt.
Kommunaler Pflegebedarfsplan Münster 2024 - 2027 | 71
Darüber hinaus ist bekannt, dass mehrere Träger grundsätzlich Interesse an einem Ausbau des
Angebotes haben. Die Umsetzung wird jedoch seit ein iger Zeit durch den angespannten Im-
mobilien- und Grundstücksmarkt sowie die schwierige n Bedingungen in der Baubranche ge-
bremst. Dennoch erscheint es realistisch die Annahme zu treffen, dass bis zum Jahr 2027 min-
destens zwei weitere Pflege-Wohngemeinschaften mit insgesamt 24 Plätzen realisiert werden
können, für die aktuell noch keine konkreten Planungen vorliegen.
Legt man diese Annahme zugrunde, könnten insgesamt 84 Plätze des festgestellten Bedarfs
durch aktuelle Planungen im ambulanten und stationären Bereich gedeckt werden. In der sta-
tionären Pflege verbleibt dadurch ein zusätzlicher Bedarf in Höhe von 125 Plätzen.
Vorschlag der Verwaltung:
Ziel der Einführung der verbindlichen Pflegeplanung im Jahr 2015 war die Abkehr von einem
weiteren Ausbau großer Einrichtungen und die Hinwen dung zu quartiersbezogenen Wohn-
und Pflegeangeboten. Dieses Instrument konnte in Ze iten der Bedarfsdeckung seinen Zweck
erfüllen, da hiermit der Ausbau neuer stationärer E inrichtungen verhindert werden konnte.
Es besteht nun jedoch auf absehbare Zeit ein Bedarf an zusätzlichen stationären Plätzen, so
dass Anfang des Jahres 2024 erstmalig die gesetzlich geforderte Bedarfsausschreibung erfolgt
ist. Im Ergebnis sind nicht einmal für ein Drittel der ausgeschriebenen Plätze Interessensbe-
kundungen eingegangen. Eine kommunale Steuerung dur ch eine kriteriengeleitete Auswahl
zwischen verschiedenen Angeboten war damit nicht ge geben und ist auch für künftige Aus-
schreibungsverfahren eher nicht zu erwarten. Bereit s mit der Einführung des APG NRW im
Jahr 2014 haben sich die Refinanzierungsbedingungen für den Neubau stationärer Einrichtun-
gen deutlich verschlechtert; zwischenzeitlich wird die Neuerrichtung von Einrichtungen insbe-
sondere auch durch den massiven und weiter zunehmenden Fachkräftemangel begrenzt.
Die verbindliche Bedarfsplanung erschwert den erfor derlichen Ausbau zusätzlicher stationä-
rer Plätze unnötig und verursacht einen hohen bürokratischen Aufwand. Neben der jährlichen
Erstellung und Beratung des Pflegebedarfsplans ist hier insbesondere die Durchführung des
Ausschreibungsverfahrens zu nennen, welches vorauss ichtlich ebenfalls jährlich erforderlich
wird.
Die Stadt Münster bekennt sich weiterhin zu ihrer Verantwortung im Rahmen der Daseinsvor-
sorge und dem Ziel, eine koordinierende und steuernde Rolle bei der Planung präventiver und
pflegerischer Versorgungsstrukturen in den Sozialrä umen zu übernehmen. Daher soll auch
weiterhin eine regelmäßige Pflegebedarfsplanung durchgeführt und kontinuierlich weiterent-
wickelt werden, die über das gesetzlich geforderte Mindestmaß einer örtlichen Planung im 2-
Jahres-Rhythmus hinausgeht.
Die Möglichkeit, durch das Instrument der verbindli chen Pflegebedarfsplanung auf die Ent-
wicklung der Angebotsstruktur Einfluss zu nehmen, b esteht im Falle eines Bedarfs an zusätz-
lichen Angeboten, wie es in Münster seit dem vergan genen Jahr der Fall ist, allerdings nicht
mehr. Aus diesem Grund schlägt die Verwaltung vor, die Förderung zusätzlicher stationärer
Pflegeplätze bis auf Weiteres nicht mehr von einer kommunalen Bedarfsbestätigung abhän-
gig zu machen und damit die verbindliche Pflegebeda rfsplanung für die stationäre Pflege
zunächst wieder aufzuheben.
72 | Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027
Interessierte Träger könnten damit direkt in ein Ab stimmungsverfahren mit der Verwaltung
zum Neubau zusätzlicher Plätze eintreten, ohne im V orfeld an einem Ausschreibungsverfah-
ren teilzunehmen. Grundsätzlich könnte dann jeder T räger, der die rechtlichen Vorgaben er-
füllt, eine neue Einrichtung errichten. Mit einem u ngesteuerten Bauboom wäre jedoch auf-
grund der genannten Rahmenbedingungen derzeit nicht zu rechnen.
In enger Abstimmung mit der Konferenz Alter und Pfl ege sowie den politischen Gremien soll
regelmäßig im Zusammenhang mit der Vorlage der Pfle geberichterstattung geprüft werden,
ob die o.g. Voraussetzungen weiter vorliegen oder ob die Pflegeplanung erneut durch den Rat
für verbindlich erklärt werden soll. Darüber hinaus soll ein enger Austausch zwischen der Ver-
waltung, den Trägern der bestehenden Einrichtungen und den Wohlfahrtsverbänden stattfin-
den.
Erforderlich wäre eine rechtliche Stärkung der Rolle der Kommunen, die eine tatsächliche Ein-
flussnahme auf die pflegerische Infrastruktur gewährleistet, wie dies auch der Deutsche Städ-
tetag in seinem Positionspapier „Zukunftsfeste Vers orgung älterer und pflegebedürftiger
Menschen in den Städten“, das im Juni 2024 beschlossen wurde, fordert.
Eine Entscheidung des Rates zum Vorschlag der Verwaltung erfolgt mit der Vorlage zum Pfle-
gebedarfsplan 2024-2027, voraussichtlich am 11.12.2024.
8 Ausblick
Münster ist eine vergleichsweise junge Stadt mit ei nem hohen Anteil Studierender. Die Zahl
älterer und hochaltriger Menschen steigt aber auch hier stetig an. Perspektivisch wird diese
Entwicklung noch durch die zahlenmäßig starke Gener ation der Babyboomer, die aktuell ins
Rentenalter kommt, an Dynamik gewinnen. Selbst wenn davon auszugehen ist, dass zukünftig
immer mehr Menschen im Alter immer länger gesund un d selbstständig bleiben, wird die In-
anspruchnahme von Pflegeleistungen dadurch weiter steigen. Die Pflegemodellrechnung von
IT.NRW kommt zu dem Ergebnis, dass Münster die höch ste Steigerung bei der Zahl der pfle-
gebedürftigen Personen unter den kreisfreien Städten in NRW verzeichnen wird. Bis zum Jahr
2050 werde die Zahl der pflegebedürftigen Personen gegenüber dem Jahr 2021 um 48,8 Pro-
zent ansteigen. In Nordrhein-Westfalen ist insgesam t mit einem Anstieg von 30,4 Prozent zu
rechnen.
Gleichzeitig ist bereits bekannt, dass die Ausbildu ng von Nachwuchskräften die altersbeding-
ten Austritte der Pflegenden nicht mehr lange kompensieren wird. Der DAK-Pflegereport 2024
sagt erste Kipppunkte ab Ende der 2020er Jahre vora us. Es gibt einen kontinuierlich steigen-
den Bedarf an Pflege- und Betreuungskräften bei gleichzeitig stagnierenden Personalressour-
cen.
Die professionelle pflegerische Versorgung kommt dadurch zunehmend an ihre Grenzen.
Bereits heute können nicht mehr alle Bedarfe bedient werden. Es ist davon auszugehen, dass
gewohnte Versorgungsstandards perspektivisch nicht mehr aufrechterhalten werden können.
Erschwerend kommen aus Sicht der Träger insbesondere ein extremer wirtschaftlicher Druck
- bedingt u.a. durch den Verhandlungsstau in den Pflegesatzverhandlungen - sowie ein hoher
bürokratischer Aufwand hinzu. Die Schaffung zusätzl icher Angebote gestaltet sich auch
dadurch zunehmend unattraktiv. Darüber hinaus stell en die steigenden Kosten der pflegeri-
schen Versorgung bei gedeckelten Sachleistungen der Pflegekassen eine Herausforderung für
Betroffene und Kommunen gleichermaßen dar.
Kommunaler Pflegebedarfsplan Münster 2024 - 2027 | 73
Es braucht eine breite gesellschaftliche und politi sche Diskussion darüber, wie die erforderli-
che Pflege und Unterstützung insbesondere bei der steigenden Zahl älterer Menschen zukünf-
tig noch gewährleistet werden kann. Dies kann nur i m Zusammenwirken unterschiedlicher
staatlicher und zivilgesellschaftlicher Akteure und ein Bündel an präventiven Maßnahmen ge-
lingen.
Auch wenn die wesentlichen Rahmenbedingungen für di e pflegerische Versorgung auf Lan-
des- und Bundesebene gestaltet werden, können und m üssen auf kommunaler Ebene insbe-
sondere im Bereich der Prävention, Beratung und Qua rtiersentwicklung weiterhin Anstren-
gungen unternommen werden:
Effizienter Einsatz von pflegerischen Ressourcen
Der Ausbau der pflegerischen Infrastruktur beginnt zu stagnieren. Es ist davon auszugehen,
dass der Fachkräftemangel und die steigenden Kosten den Ausbau von Angeboten auch per-
spektivisch weiter begrenzen wird. Aus diesem Grund ist es notwendig zu prüfen, wie ein ef-
fizienter Einsatz der begrenzten personellen Ressourcen erfolgen kann.
Hier sind die Träger der Altenpflege bereits aktiv und entwickeln im Rahmen des neuen Per-
sonalbemessungsverfahrens in der stationären Pflege neue Organisationsstrukturen, bei de-
nen sich die Übernahme von Aufgaben noch stärker an den jeweiligen Kompetenzniveaus und
Qualifikationen der Beschäftigten orientiert.
Auch die Entwicklung des digitalen „Marktplatzes am bulante Pflege Münster“ soll zu einer
Verbesserung beitragen, indem die ambulanten Pflege dienste die Möglichkeit erhalten, ver-
schiedene Bedarfsmeldungen auf einen Blick zu sehen und passgenau auszuwählen. Durch
den neuen Zugang sollen außerdem telefonische Anfra gen reduziert werden, die aktuell viel
Personal binden.
Ein effizienter Einsatz von pflegerischen Ressourcen beinhaltet ebenso, dass sie nur dort ein-
gesetzt werden, wo diese tatsächlich benötigt werde n, ganz nach dem Prinzip „so viel wie
nötig, so wenig wie möglich“. Die Einbeziehung von zusätzlichen Akteuren in dem Sozialraum
kann dies unterstützen. Es ist ein Bewusstsein für die gemeinsame Verantwortung notwendig,
hin zu einer „sorgenden Gemeinschaft“, in der informelle und familiäre Netzwerke gemeinsam
mit professionellen Anbietern Strukturen schaffen, die pflegebedürftige Personen unterstüt-
zen.
Beratungsangebote
Beratungsangebote haben das Ziel, die Situation von pflegebedürftigen Personen und ihre An-
und Zugehörigen zielorientiert zu verbessern. In einem individuellen Gespräch wird der Hilfe-
und Unterstützungsbedarf ermittelt und nach Möglichkeiten gesucht, das häusliche Pflegesys-
tem zu unterstützen. Verschiedene pflegerische Ange bote, aber auch niedrigschwellige Un-
terstützung durch Entlastungsangebote und Nachbarsc haftshilfe können thematisiert wer-
den.
Mit dem „Infobüro Pflege“ bietet die Kommune eine t rägerneutrale Anlaufstelle an. Sie stellt
Informationsmaterial zu bestehenden Angeboten zur Verfügung, übernimmt jedoch vorrangig
auch eine fachliche Beratung der betroffenen Person en mit dem Ziel, diese bei dem Aufbau
von Pflege- und Unterstützungsnetzwerken zu unterstützen.
74 | Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027
Daneben gibt es weitere Fachberatungen zum Thema Pflege oder zu konkreten Krankheitsbil-
dern durch die Pflegekassen, die Wohlfahrtsverbände, Vereine, das Regionalbüro Alter, Pflege
und Demenz aber auch durch ambulante Pflegedienste. Die „Sozialarbeit im Stadtteil“ ergänzt
das Angebot durch einen niedrigschwelligen Zugang in Wohnortnähe. Sie übernimmt eine Art
Lotsenfunktion und hilft Ratsuchenden weiter, die zum Teil noch gar nicht sicher sind, an wen
sie sich mit ihrem Anliegen wenden müssen bzw. welche Hilfe sie überhaupt benötigen. Dem-
zufolge gibt es ein breites Beratungsangebot mit un terschiedlichen Schwerpunkten und
Rechtsgrundlagen. Die kommunale Herausforderung bes teht darin, einen Überblick über die
verschiedensten Angebote mit unterschiedlichen Aufg abenschwerpunkte zu erhalten, diese
zu vernetzen und für die Bürgerinnen und Bürger zugänglich zu machen.
In Beratungsgesprächen spielt neben dem Wunsch pfle gebedürftiger Personen auch die not-
wendige Entlastung von pflegenden An- und Zugehörigen eine Rolle. Hier können Möglichkei-
ten der stundenweisen Betreuung sowie der Austausch mit anderen betroffenen Personen in
einer Selbsthilfegruppe aufgezeigt werden. Diese Zi elgruppe gilt es perspektivisch zu stärken
und neue Möglichkeiten der Unterstützung für sie zu finden.
Unabdingbar für eine Beratungsannahme ist, dass die Beratungsstellen bekannt sind und von
den betreffenden Personen auch genutzt werden. Die präventiven Hausbesuche, welche von
der Kommune koordiniert und in Zusammenarbeit mit d er „Sozialarbeit im Stadtteil“ durch-
geführt werden, bieten eine sehr gute Möglichkeit, um frühzeitig auf Unterstützungsmöglich-
keiten aufmerksam zu machen. Neben Informationen zu ersten Unterstützungsleistungen ist
es auch möglich, Informationen zur sozialen Teilhab e über Themen wie Begegnung, soziale
Kontakte oder ehrenamtliches Engagement zu erhalten.
Eintritt von Pflegebedürftigkeit hinauszögern und informelle Netzwerke stärken
Um die Belastung der betroffenen Personen, deren An- und Zugehörigen sowie der Angebots-
strukturen in der Pflege insgesamt zu reduzieren und die Versorgungssicherheit gewährleisten
zu können, sind Strategien gefragt, um Pflegebedürf tigkeit zu vermeiden, hinauszuzögern
bzw. zu reduzieren. Dafür eignen sich insbesondere präventive Maßnahmen.
Auf der Organisationsebene befassen sich insbesonde re das Gesundheitsamt und das Sozial-
amt mit diesem Handlungsfeld. Das Gesundheitsamt zi elt mit dem Kooperationsprojekt „Ge-
sundheit in der nachhaltigen Stadt“ von Stadt (Gesundheitsamt; Wissenschaftsbüro bei Müns-
ter Marketing) und Universität Münster darauf ab, s trukturelle Gesundheitsförderung in der
Stadtentwicklung zu verankern und gesundheitliche C hancengleichheit zu fördern. Hierbei
stehen vulnerable Personengruppen im Fokus. Darüber hinaus wurde der Hitzeaktionsplan
erarbeitet. Ältere Menschen werden als eine von dre i vulnerablen Personengruppen beson-
ders in den Blick genommen. Im Sinne eines fortlauf enden Prozesses werden künftig weitere
Maßnahmen entwickelt und umgesetzt. Des Weiteren un terstützt das Gesundheitsamt klei-
nere Projekte, Maßnahmen und Aktionstage wie der jä hrliche Aktionstag „Gesund & aktiv –
älter werden in Münster“.
Im Sozialamt werden präventive Maßnahmen vor allem durch die Altenhilfeplanung und die
altengerechte, inklusive Quartiersentwicklung unterstützt. In diesem Feld kooperiert die Stadt
ebenfalls mit verschiedenen freien Trägern, um viel fältige Angebote in Wohnortnähe vorzu-
halten, die zu einem gesunden Altern beitragen. So fungieren beispielsweise Seniorenbegeg-
Kommunaler Pflegebedarfsplan Münster 2024 - 2027 | 75
nungsstätten und Quartierstreffs als Orte der Begeg nung. Hier können ältere Menschen ge-
meinsam mit anderen ihre Freizeit gestalten und mit ihrer Nachbarschaft ins Gespräch kom-
men. Daraus können informelle Netzwerke entstehen, die zum einen Unterstützung bei ersten
Einschränkungen in der alltäglichen Lebensführung leisten und zum anderen Einsamkeit redu-
zieren können. Sport- und Bildungsangebote helfen, körperlich und mental fit zu bleiben. Zu-
dem bestehen in den Treffs Möglichkeiten, sich ehre namtlich für andere ältere Menschen zu
engagieren, was ebenfalls entlastende Auswirkungen auf das System haben kann.
Über diese Angebote hinaus besteht die Möglichkeit, auch ohne eigenen Unterstützungsbe-
darf, in Kontakt mit engagierten Netzwerken und Ans prechpersonen im eigenen Viertel zu
kommen. Falls dann zu einem späteren Zeitpunkt Unte rstützungsbedarfe auftreten, können
die Quartiersbewohnerinnen und -bewohner auf eine g ewachsene Vertrauensbeziehung zu-
rückgreifen und haben eine Anlaufstelle.
Grundsätzlich ist es anzustreben, die Projekte der altengerechten, inklusiven Quartiersent-
wicklung, die Begegnungsstätten, die Beratung der Sozialarbeit im Stadtteil sowie die präven-
tiven Hausbesuche als bewährte Angebotsstrukturen z u sichern und sukzessive auszubauen,
um im Dreiklang von Pflegeplanung, Altenhilfeplanun g und altengerechter, inklusiver Quar-
tiersentwicklung den Herausforderungen einer älter werdenden Bevölkerung in den nächsten
Jahren gerecht zu werden.
Die familiäre Pflege wird aufgrund niedrigerer Gebu rtenraten und höherer Mobilität weiter
zurückgehen, so dass Netzwerke durch Freunde und Na chbarschaften oder organisierte Ge-
nossenschaften an Bedeutung gewinnen. Das so genann te Mikro-Engagement (alltäglich, ge-
meinwohlorientiert, sozialraumnah, ohne institutionelle Bindung) findet an vielen Stellen be-
reits statt, ist jedoch nicht für jeden zugänglich. Innovative Lösungen für verlässliche Struktu-
ren werden notwendig, die eine Zusammenarbeit der p rofessionellen, ehrenamtlichen und
informellen Pflege ermöglichen.
Eine weitere Möglichkeit bietet der Arbeitsmarkt fü r Rentnerinnen und Rentner. Es gibt Per-
sonen, die auch während des Rentenbezug weiter beruflich aktiv bleiben möchten oder einen
Hinzuverdienst zur Rente benötigen. Der Markt wächst und bietet neue Möglichkeiten für Un-
ternehmen, auch für Träger der Altenpflege.
Die Notwendigkeit von externer Unterstützung kann a uch durch geeigneten Wohnraum ver-
zögert werden. Der Ausbau an barrierefreien Wohnungen sowie der Umbau von Bestandsge-
bäuden ist wichtig, um die ambulante pflegerische V ersorgung und damit einen Verbleib in
der eigenen Häuslichkeit zu ermöglichen. Denkbar si nd auch Angebote wie Mehrgeneratio-
nenhäuser oder genossenschaftliches Wohnen, in denen das Zusammenleben und die gegen-
seitige Unterstützung in Gemeinschaft organisiert wird.
76 | Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027
Anhang
1 Beratung des Kommunalen Pflegebedarfsplans 2024-202 7 in der 74. Sit-
zung der Konferenz Alter und Pflege am 26.09.2024
Die Niederschrift der Konferenz Alter und Pflege is t online zu finden im Ratsinformationssys-
tem der Stadt Münster ( https://www.stadt-muenster.de/sessionnet/session-
netbi/si0057.php?__ksinr=13771 ).
Hier ein Auszug aus der Niederschrift:
Punkt 7 der Tagesordnung
Pflegebedarfsplans 2024-2027
Frau Arnkens-Homann schlug vor, die Tagesordnungspunkte 7.1 und 7.2 zu tauschen und da-
mit den Bericht zum Pflegebedarfsplan 2024-2027 vorzuziehen und anschließend die zukünf-
tige Vorgehensweise bei der Bedarfsfeststellung für die vollstationäre Pflege zu diskutieren.
Die Mitglieder der Konferenz stimmten dem Vorgehen zu.
Die Beratung zu TOP 7.1 und 7.2. wird als Anlage 1 in den Pflegebedarfsplan 2024-2027 auf-
genommen, um die Einschätzungen und Forderungen der Konferenz transparent zu machen.
Punkt 7.1 der Tagesordnung
Vorstellung und Beratung der wesentlichen Inhalte
Frau Stritzke stellte wesentliche Inhalte des Pflegebedarfsplan 2024-2027 vor ( Anlage 9).
Einzelne Änderungsvorschläge wurden entgegengenommen und Nachfragen beantwortet.
Herr Ratzki wies darauf hin, dass besonders im Bereich der informellen Netzwerke Angebote
zur Stärkung der Gesundheitskompetenz sinnvoll wären.
Punkt 7.2 der Tagesordnung
Beratung zur zukünftigen Vorgehensweise bei der Be-
darfsfeststellung für die vollstationäre Pflege (Kapitel
7)
Frau Schulte-Siebeck erläuterte den Vorschlag der Verwaltung, die Förderung zusätzlicher
stationärer Pflegeplätze bis auf Weiteres nicht mehr von einer kommunalen Bedarfsbestäti-
gung abhängig zu machen und somit die verbindliche Pflegebedarfsplanung für die statio-
näre Pflege zunächst wieder aufzuheben. Sie erläuterte insbesondere, dass die mit der Ein-
führung der verbindlichen Bedarfsplanung beabsichtigte Steuerungswirkung, angesichts des
absehbar bestehenden Bedarfs an zusätzlichen stationären Plätzen bei gleichzeitig – auf-
grund schwieriger Rahmenbedingungen – fehlendem Interesse der Trägerlandschaft an der
Schaffung neuer Einrichtungen, nicht mehr gegeben sei. Dieser Aspekt wurde intensiv disku-
tiert. Aus der Konferenz wurde darauf hingewiesen, dass neben dem Fachkräftemangel an
Kommunaler Pflegebedarfsplan Münster 2024 - 2027 | 77
den hohen Grundstücks- und Baukosten auch die hohen baulichen und bürokratischen Aufla-
gen zu einer Verzögerung bzw. Verhinderung von Bauprojekten führten.
Der Vorschlag der Verwaltung, die verbindliche Pflegebedarfsplanung bis auf Weiteres aus-
zusetzen, wurde einstimmig angenommen, unter der Voraussetzung, dass folgende Inhalte
berücksichtigt werden:
Die Stadt Münster bekennt sich weiterhin zu ihrer Verantwortung im Rahmen der Da-
seinsvorsorge und dem Ziel, eine koordinierende und steuernde Rolle bei der Planung
präventiver und pflegerischer Versorgungsstrukturen in den Sozialräumen zu überneh-
men. Das Positionspapier des Städtetages „Zukunftsfeste Versorgung älterer und pfle-
gebedürftiger Menschen in den Städten“, das eine St ärkung der Rolle der Kommunen
in der Pflegeplanung fordert, wird ausdrücklich mitgetragen.
Die Pflegebedarfsplanung wird weiterhin regelmäßig durchgeführt und kontinuierlich
weiterentwickelt. Eine Berichterstattung soll über das gesetzlich geforderte Mindest-
maß einer „Örtlichen Planung“ im 2-Jahres-Rhythmus hinausgehen.
In enger Abstimmung mit der Konferenz Alter und Pfl ege sowie den politischen Gre-
mien soll regelmäßig im Zusammenhang mit der Vorlag e zur Pflegeberichterstattung
geprüft werden, ob die Pflegebedarfsplanung wieder für verbindlich erklärt werden
soll. Diese Fragestellung soll fester Bestandteil des Pflegebedarfsplans werden.
Die Verwaltung sagte zu, die o.g. Punkte in den Pflegebedarfsplan 2024-2027 aufzunehmen.
Der Pflegebedarfsplan 2024-2027 wurde daraufhin einstimmig angenommen.
78 | Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027
2 Sozialräumliche Darstellung der Angebote
In den nachfolgenden Kapiteln wird auf Stadtbezirks ebene die prognostizierte Bevölkerungs-
entwicklung bis 2027 sowie die bestehende Pflegeinf rastruktur dargestellt. Dadurch ist ein
erster Überblick über die Versorgungsstruktur und a uch die Versorgungsbedarfe in den ein-
zelnen Bezirken möglich. Die ambulante Pflege kann nicht mit abgebildet werden, da nicht alle
Pflegedienste eine Einteilung nach Stadtbezirk bzw. Stadtteil vornehmen.
Für den Überblick folgt hier die Übersicht über die städtische Bevölkerungsentwicklung nach
Altersstruktur von 2024-2027 insgesamt.
Tabelle: Bevölkerungsprognose von 2024-2027
Altersgruppe 2024 2025 2026 2027
0-59 Jahre 242.398 241.860 240.774 240234
60-69 Jahre 37.643 38.517 39.223 39916
70-79 Jahre 22.818 23.989 24.880 25775
80-89 Jahre 16.170 15.452 15.002 14627
Über 90 Jahre 3.404 3.598 3.846 4060
Gesamt 322.434 323.416 323.724 324612
Quelle: Stadt Münster, Stadtplanungsamt, Kleinräumige Bevölkerungsprognose der Stadt Münster 2022-2033
Die folgende Grafik gibt einen Überblick über die prozentualen Veränderungen in den einzel-
nen Altersgruppen von 2024 bis 2027 auf Stadtbezirksebene.
Quelle: Stadt Münster, Stadtplanungsamt, Kleinräumige Bevölkerungsprognose der Stadt Münster 2022-2033
Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht über die bestehenden Pflegeangebote in den einzel-
nen Stadtteilen. Anschließend folgt eine Darstellun g der Angebote je 1.000 Einwohnerinnen
und Einwohner ab 80 Jahren.
-15,00
-10,00
-5,00
0,00
5,00
10,00
15,00
20,00
25,00
30,00
Gesamt Mitte West Nord Ost Südost Hiltrup
Prognostizierte Bevölkerungsentwicklung in Prozent
von 2024 bis 2027 nach Stadtbezirken
0-59 Jahre 60-69 Jahre 70-79 Jahre 80-89 Jahre Über 90 Jahre
Kommunaler Pflegebedarfsplan Münster 2024 - 2027 | 79
Tabelle: Pflegeinfrastruktur nach Stadtbezirken, Stand: 30.07.2024
Stadtbe-
zirk
Vollstationäre
Pflege
Kurzzeit-
pflege
ambulant betreute
Wohngemeinschaften
Tages-
pflege
Mitte 1216 144 146 86
West 601 57 31 54
Nord 137 7 12 15
Ost 78 8 44 29
Südost 132 12 39 26
Hiltrup 455 54 23 60
Gesamt 2619 282 295 270
Quelle: Stadt Münster, Sozialamt, Pflegeplanung
Tabelle: Pflegeinfrastruktur je 1.000 Einwohner/-innen ab 8 0 Jahre je Stadtbezirk,
Stand 30.07.2024
Bezirk Einwohner/ -
innen
ab 80 Jahre
(31.12.2023)
Plätze pro 1.000 Einwohner/ -innen ab 80 Jahre
Vollstationäre
Pflege
Kurzzeit -
pflege
ambulant betreute
Pflege-Wohngemein-
schaften
Tages -
pflege
Mitte 6.983 174,1 20,6 20,9 12,3
West 3.514 171,0 16,2 8,8 15,4
Nord 2.022 67,8 3,5 5,9 7,4
Ost 1.821 42,8 4,4 24,2 15,9
Südost 2.101 62,8 5,7 18,6 12,4
Hiltrup 3.130 145,4 17,3 7,3 19,2
Gesamt 19.571 133,8 14,4 15,1 13,8
Quelle: Bevölkerungsdaten: Stadt Münster, Stadtplan ungsamt; eigene Berechnung
80 | Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027
Pflegeinfrastruktur im Stadtbezirk Münster-Mitte
Zum Stadtbezirk Mitte gehören insgesamt 23 Stadttei le (statistische Bezirke). Allein die Alt-
stadt hat fünf Stadtteile: Aegidii, Überwasser, Dom, Buddenturm und Martini. Der Innenstadt-
ring setzt sich aus neun Stadtteilen zusammen: Pluggendorf, Josef, Bahnhof, Hansaplatz, Mau-
ritz-West, Schlachthof, Kreuz, Neutor und Schloss. Mitte-Süd umfasst die Stadtteile Aasee-
stadt, Geist, Schützenhof und Düesberg. Der Teilbereich Innenstadt-Nordost besteht aus den
Stadtteilen Hafen, Herz-Jesu, Mauritz-Mitte, Rumphorst und Uppenberg.
Die folgende Tabelle zeigt die Bevölkerungsprognose für die Jahre 2024 bis 2027 des Stadtbe-
zirkes Mitte. Mit einer Zunahme von rund 1100 Perso nen vergrößert sich die Gruppe der 70
bis 79-Jährigen bis 2027 am meisten.
Tabelle: Bevölkerungsprognose im Stadtbezirk Mitte von 2024 – 2027
Altersgruppe 2024 2025 2026 2027
0-59 Jahre 102.432 102.106 101.701 100901
60 -69 Jahre 13.519 13.826 14044 14241
70 -79 Jahre 7.950 8.375 8695 9045
80 -89 Jahre 5.661 5.448 5273 5162
Über 90 Jahre 1.376 1.477 1582 1638
Quelle: Stadt Münster, Stadtplanungsamt, Kleinräumige Bevölkerungsprognose der Stadt Münster 2022-2033
Bei der Betrachtung des prozentualen Anstiegs, lieg t die größte Steigerung bei den über 90-
Jährigen, siehe nachfolgende Grafik.
Quelle: Stadt Münster, Stadtplanungsamt, Kleinräumige Bevölkerungsprognose der Stadt Münster 2022-2033
In Münster-Mitte finden sich alle Pflegeformen wieder. Das Angebot ist hier im Vergleich mit
den anderen Stadtteilen am dichtesten.
-15,00
-10,00
-5,00
0,00
5,00
10,00
15,00
20,00
25,00
0-59 Jahre 60-69 Jahre 70-79 Jahre 80-89 Jahre Über 90 Jahre
Bevölkerungsentwicklung in % von 2024 bis 2027
Stadtbezirk Mitte
Gesamt Mitte
Kommunaler Pflegebedarfsplan Münster 2024 - 2027 | 81
Tabelle: Pflegeinfrastruktur in Münster-Mitte, Stand: 30.07.2024
Vollstationäre Pflegeeinrichtungen
Einrichtung Träger Straße PLZ Stadtteil Plätze
Altenheim Friedrichs-
burg
Stiftung der Schwes-
tern von der Göttlichen
Vorsehung
Offenberg-
straße 19
48151 Pluggendorf 138
Altenwohnheim
Maria-Hötte-Stift
Caritas -Betriebsfüh-
rungs- und Trägerge-
sellschaft Münster
mbH
Düesberg-
weg 143
48153 Düesberg 123
Altenzentrum
Klarastift
Altenzentrum Klarastift
gGmbH
Andreas -Hofer -
Str. 70
48145 Herz -Jesu 101
Altenzentrum
St. Lamberti
Caritas -Betriebsfüh-
rungs- und Trägerge-
sellschaft Münster
mbH
Scharnhorst-
str. 4-8
48151 Pluggendorf 83
Cohaus -Vendt -Stift Cohaus -Vendt -Stiftung Krumme Str.
39/40
48143 Aegidii 82
DKV -Residenz am
Tibusplatz
DKV -Residenz am
Tibusplatz gGmbH
Tibusplatz 1 48143 Budden-
turm
49
Friederike -Fliedner -
Haus
Diakonissenmutter-
haus Münster gGmbH
Coerdestr. 56 48147 Kreuz 80
Haus vom Guten Hir-
ten - Pflegebereich
Guter Hirte Münster
gGmbH
Mauritz -Linden-
weg 61
48145 Herz -Jesu 20
Johanniter -Stift Müns-
ter
Johanniter Senioren-
häuser GmbH Regio-
nalzentrum West
Weißenburgstr.
48
48151 Geist 80
LWL Pflegezentrum
Münster "Ernst-Kirch-
ner-Haus"
Landschaftsverband
Westfalen-Lippe
Kinderhauser
Str. 92
48147 Uppenberg 80
Perthes -Haus Evangelische Perthes -
Stiftung e.V.
Wienburgstr. 60 48147 Uppenberg 87
Residenz Aaseehof Alloheim Senioren -Re-
sidenzen Zehnte SE &
Co. KG
Pottkamp 25 48149 Schloss 80
Seniorenresidenz
Kastanienhof
Residenz Kastanienhof
GmbH
Ostmarkstr. 9 48145 Mauritz -
Mitte
59
Seniorenzentrum
Haus Maria Trost
Genossenschaft der
Krankenschwestern
nach der III Regel des
hl. Franziskus
Sankt -Mauritz -
Freiheit 52
48145 Herz -Jesu 80
Wohnstift am Südpark Caritas -Betriebsfüh-
rungs- und Trägerge-
sellschaft Münster
mbH
Clevornstr. 5 48153 Schützenhof 74
Gesamt
1.216
82 | Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027
Eingestreute Kurzzeitpflege
Altenheim
Friedrichsburg
Stiftung der Schwes-
tern von der Göttlichen
Vorsehung
Offenbergstraße
19
48151 Pluggendorf 8
Altenwohnheim
Maria-Hötte-Stift
Caritas -Betriebsfüh-
rungs- und Trägerge-
sellschaft Münster
mbH
Düesbergweg
143
48153 Düesberg 12
Altenzentrum
Klarastift
Altenzentrum Klarastift
gGmbH
Andreas -Hofer -
Str. 70
48145 Herz -Jesu 11
Altenzentrum
St. Lamberti
Caritas -Betriebsfüh-
rungs- und Trägerge-
sellschaft Münster
mbH
Scharnhorststr.
4-8
48151 Pluggendorf 8
Cohaus -Vendt -Stift Cohaus -Vendt -Stiftung Krumme Str.
39/40
48143 Aegidii 3
DKV -Residenz am
Tibusplatz
DKV -Residenz am
Tibusplatz gGmbH
Tibusplatz 1 48143 Buddenturm 5
Friederike -Fliedner -
Haus
Diakonissenmutterhaus
Münster gGmbH
Coerdestr. 56 48147 Kreuz 10
Johanniter -Stift Müns-
ter
Johanniter Senioren-
häuser GmbH Regional-
zentrum West
Weißenburgstr.
48
48151 Geist 10
LWL Pflegezentrum
Münster "Ernst-Kirch-
ner-Haus"
Landschaftsverband
Westfalen-Lippe
Kinderhauser
Str. 92
48147 Uppenberg 2
Perthes -Haus Evangelische Perthes -
Stiftung e.V.
Wienburgstr. 60 48147 Uppenberg 6
Residenz Aaseehof Alloheim Senioren -Re-
sidenzen Zehnte SE &
Co. KG
Pottkamp 25 48149 Schloss 15
Seniorenresidenz
Kastanienhof
Residenz Kastanienhof
GmbH
Ostmarkstr. 9 48145 Mauritz -
Mitte
8
Seniorenzentrum Haus
Maria Trost
Genossenschaft der
Krankenschwestern
nach der III Regel des
hl. Franziskus
Sankt -Mauritz -
Freiheit 52
48145 Herz -Jesu 5
Wohnstift am Südpark Caritas -Betriebsfüh-
rungs- und Trägerge-
sellschaft Münster
mbH
Clevornstr. 5 48153 Schützenhof 7
Gesamt
110
Solitäre Kurzzeitpflege
Kurzzeitpflege Haus
Ludgera
Alexianer Haus
Heidhorn GmbH
Loerstr. 23 48143 Dom 34
Kommunaler Pflegebedarfsplan Münster 2024 - 2027 | 83
Ambulant betreute Pflege -Wohngemeinschaften
Außerklinische Inten-
sivpflege Mehrgenera-
tionenhaus Mathilden-
stift
DRK Schwesternschaft
Westfalen e.V.
Münzstr. 38 48143 Buddenturm 9
Demenz -Wohnge-
meinschaft Mehrgene-
rationenhaus Mathil-
denstift
DRK Schwesternschaft
Westfalen e.V.
Münzstr. 38 48143 Buddenturm 9
DRK -Wohngemein-
schaft Erphobogen
DRK Münster - gemein-
nützige Pflege und Ser-
vice GmbH
Bohlweg 55 48147 Schlachthof 12
Haus Genius miCura Pflegedienste
Münster GmbH
Tibusplatz 6 48143 Buddenturm 9
Taubenstraße Alexianer Münster
GmbH
Taubenstraße
12
48145 Herz -Jesu 8
Villa Hittorfstraße Alexianer Münster
GmbH
Hittorfstraße
10
48149 Schloss 10
Villa Mauritz Alexianer Münster
GmbH
Kaiser -Wil-
helm-Ring 34
48145 Mauritz -
Mitte
10
Wohngemeinschaft
Arche Noah
Ambulante Dienste Kla-
rastift gGmbH
Manfred -von -
Richthofen-Str.
45
48145 Mauritz -
Mitte
12
Wohngemeinschaft
Arche Sarah
Ambulante Dienste Kla-
rastift gGmbH
Manfred -von -
Richthofen-Str.
45
48145 Mauritz -
Mitte
12
Wohngemeinschaft
Casa Mauritz
Ambulante Dienste Kla-
rastift gGmbH
Andreas -
Hofer-Str. 86
48145 Herz -Jesu 15
Wohngemeinschaft
Hüfferstraße (1)
DRK Münster - gemein-
nützige Pflege und Ser-
vice GmbH
Hüfferstr. 20 48149 Schloss 11
Wohngemeinschaft
Hüfferstraße (2)
DRK Münster - gemein-
nützige Pflege und Ser-
vice GmbH
Hüfferstr. 20 48149 Schloss 11
Wohngemeinschaft
Schulstraße (1)
Diakonie Münster - Dia-
koniestation GmbH
Schulstr. 47 48149 Kreuz 10
Wohngemeinschaft
Schulstraße (2)
Diakonie Münster - Dia-
koniestation GmbH
Schulstr. 47 48149 Kreuz 8
Gesamt
146
Tagepflegeeinrichtungen
Klaras Tagespflege Ambulante Dienste Kla-
rastift gGmbH
Manfred von
Richthofen Str.
45 a
48145 Herz -Jesu 13
Tagespflege Altenzent-
rum am Südpark
Caritas -Betriebsfüh-
rungs- und Trägergesell-
schaft Münster mbH
Clevornstr. 5 48153 Schützen -
hof
15
84 | Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027
Tagepflegeeinrichtungen
Tagespflege am Frie-
derike-Fliedner-Haus
Diakonissenmutterhaus
Münster gGmbH
Coerdestr. 56 48147 Kreuz 12
Tagespflege Haus Ben-
teler
Tagespflege e.V. Prozessions-
weg 54
48145 Mauritz -
Mitte
12
Tagespflege im Cle-
mens-Wallrath-Haus
Alexianer Münster
GmbH
Josefstr. 4 48151 Josef 20
Tagespflege Miteinan-
der Friedrichsburg
Altenheim Friedrichs-
burg gGmbH
Offenbergstr.
15 a
48151 Pluggen -
dorf
14
Gesamt
86
Service -Wohnen
Domicil Aaseehof Kirchliche Zusatzversor-
gungskasse Rheinland-
Westfalen
Pottkamp 15 -
19
48149 Schloss 76
Domicil im Kreuzvier-
tel
Diakonissenmutterhaus
Münster GmbH
Tannenberg -
str. 1-11
48147 Kreuz 40
Johanniter Stift
Münster
Johanniter Senioren-
häuser GmbH Regional-
zentrum West
Weißenburg -
str. 48
48151 Geist 13
Paulinum Zentrum
Nord Münster
AWO Anton -Bruch-
hausen-Str. 10
48147 Rumphorst 35
Residenz Aaseehof
Service Wohnen
Alloheim Senioren -Resi-
denzen Zehnte SE &
Co.KG
Robert -Koch -
Str. 55
48149 Schloss 48
Servicewohnen
DKV-Residenz am
Tibusplatz
DKV -Residenz am Tibus-
platz gGmbH
Tibusplatz 1 -7 48143 Budden-
turm
258
Wohnen im Klarapark Ambulante Dienste Kla-
rastift gGmbH
Andreas -
Hofer-Str. 72-
76
48145 Herz -Jesu 81
Wohnresidenz Gassel-
stiege
Wohnresidenz Sentru-
per Höhe GmbH
Prins -Claus -
Str. 56
48159 Uppenberg 26
Wohnresidenz York-
house
Wohnresidenz Sentru-
per Höhe GmbH
York -Ring 1 -3 48159 Uppenberg 16
Gesamt
593
Quelle: PfAD.wtg, Stand 30.07.2024
Wohnortnahe niedrigschwellige Betreuungsgruppen nach § 45a SGB XI
Tagesbetreuung,
Gruppenangebote
nach Wochenplan
DKV -Residenz am Tibus-
platz
Tibusplatz 1 -7 48143 Buddenturm
Quelle: Stadt Münster, Sozialamt, Infobüro Pflege, Stand: 30.07.2024
Kommunaler Pflegebedarfsplan Münster 2024 - 2027 | 85
Tabelle: Geplante Einrichtungen/Erweiterungen, Stand 30.07.2024
Stationäre Einrichtung
DKV -Residenz am Tibus-
platz
DKV -Residenz am Ti-
busplatz gGmbH
Tibusplatz 1 48143 Budden -
turm
4
Haus vom Guten Hirten –
Pflegebereich
Guter Hirte Münster
gGmbH
Mauritz -Linden-
weg 61
48145 Herz -Jesu 4
Gesamt 8
Ambulant betreute Pflege -Wohngemeinschaften
Senioren -Wohngemein-
schaft Grevener Str. 248
Cathamed Pflege
GmbH
Grevener Str.
248
48159 Uppen -
berg
12
Quelle: Stadt Münster, Sozialamt, Pflegeplanung
86 | Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027
Pflegerische Infrastruktur im Stadtbezirk Münster-Mitte
Kommunaler Pflegebedarfsplan Münster 2024 - 2027 | 87
Pflegeinfrastruktur im Stadtbezirk Münster-West
Der Stadtbezirk Münster-West besteht aus den sechs Stadtteilen Gievenbeck, Sentrup, Meck-
lenbeck, Albachten, Roxel und Nienberge. Der Stadtteil Sentrup grenzt direkt an den Stadtbe-
zirk Mitte an und orientiert sich auch in diese Ric htung. Die Stadtteile Albachten, Roxel und
Nienberge liegen im Außenbereich.
Die folgende Tabelle zeigt die Bevölkerungsprognose für die Jahre 2024 bis 2027 des Stadtbe-
zirkes West. Die am stärksten wachsende Gruppe ist mit 686 Personen die Gruppe der 60 bis
69-Jährigen.
Tabelle: Bevölkerungsprognose im Stadtbezirk West von 2024 – 2027
Altersgruppe 2024 2025 2026 2027
0-59 Jahre 49.513 49.389 49.386 49700
60 -69 Jahre 7.058 7.297 7548 7744
70 -79 Jahre 4.387 4.581 4725 4911
80 -89 Jahre 2.987 2.852 2791 2745
Über 90 Jahre 612 607 657 696
Quelle: Stadt Münster, Stadtplanungsamt, Kleinräumige Bevölkerungsprognose der Stadt Münster 2022-2033
Im Vergleich zur Gesamtentwicklung in Münster steig t überdurchschnittlich die Bevölkerung
im Alter zwischen 60 bis 69 Jahren.
Quelle: Stadt Münster, Stadtplanungsamt, Kleinräumige Bevölkerungsprognose der Stadt Münster 2022-2033
Im Stadtbezirk Münster-West sind alle Pflegeformen vertreten, jedoch ungleichmäßig verteilt.
Durch die Schließung von zwei Pflege-Wohngemeinscha ften mit insgesamt 14 Plätzen in Ni-
enberge, steigt dort weiter der Bedarf an Angeboten mit umfassender Versorgungssicherheit.
Entwicklungen sind im den kommenden Baugebieten in Nienberge, Albachten und dem
Oxford-Quartier zu erwarten. Außerdem werden aktuel l die Modellquartiere Steinfurter
Straße und Busso-Peus-Straße entwickelt.
-15,00
-10,00
-5,00
0,00
5,00
10,00
15,00
20,00
25,00
0-59 Jahre 60-69 Jahre 70-79 Jahre 80-89 Jahre Über 90 Jahre
Bevölkerungsentwicklung in % von 2024 bis 2027
Stadtbezirk West
Gesamt West
88 | Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027
Tabelle: Pflegeinfrastruktur in Münster-West, Stand: 30.07.2024
Vollstationäre Pflegeeinrichtungen
Einrichtung Träger Straße PLZ Stadtteil Plätze
Altenheim St. Elisabeth Missionsschwestern
vom Hlst. Herzen Jesu
von Hiltrup
Südlohnweg 1 48161 Gieven -
beck
92
Alwine -Lauterbach -Senio-
renzentrum
AWO Bezirk Westli-
ches Westfalen e.V.
Rottkamp 49 48163 Albachten 66
Ev. Seniorenzentrum
Meckmannshof
Evangelische Perthes -
Stiftung e.V.
Meckmannweg
74
48163 Mecklen -
beck
171
Fritz -Krüger -Senioren-
zentrum
AWO Bezirk Westli-
ches Westfalen e.V.
Gartenbreie 1 48161 Gieven -
beck
81
Martin -Luther -Haus Diakonie Münster -
Stationäre Senioren-
dienste GmbH
Fliednerstr. 17 48149 Sentrup 151
Wohnen in Pastors Gar-
ten
Stift Tilbeck GmbH Alte Dorfstr. 10 48161 Roxel 40
Gesamt
601
Eingestreute Kurzzeitpflege
Altenheim St. Elisabeth Missionsschwestern
vom Hlst. Herzen Jesu
von Hiltrup
Südlohnweg 1 48161 Gieven -
beck
5
Alwine -Lauterbach -Senio-
renzentrum
AWO Bezirk Westli-
ches Westfalen e.V.
Rottkamp 49 48163 Albachten 10
Ev. Seniorenzentrum
Meckmannshof
Evangelische Perthes -
Stiftung e.V.
Meckmannweg
74
48163 Mecklen -
beck
15
Martin -Luther -Haus Diakonie Münster -
Stationäre Senioren-
dienste GmbH
Fliednerstr. 17 48149 Sentrup 8
Wohnen in Pastors Gar-
ten
Stift Tilbeck GmbH Alte Dorfstr. 10 48161 Roxel 4
Gesamt
42
Solitäre Kurzzeitpflege
Fritz -Krüger -Senioren-
zentrum Solitäre KZP
AWO Bezirk Westli-
ches Westfalen e.V.
Gartenbreie 1 48161 Gieven -
beck
15
Kommunaler Pflegebedarfsplan Münster 2024 - 2027 | 89
Ambulant betreute Pflege -Wohngemeinschaften
Hof Schultmann Alexianer Münster
GmbH
Stratmannweg
23
48163 Mecklen -
beck
12
Irmgard Buschmann Haus
(1)
Ambulante Dienste
Klarastift gGmbH
Am Küchen-
busch 15
48161 Gieven -
beck
11
Irmgard Buschmann Haus
(2)
Ambulante Dienste
Klarastift gGmbH
Am Küchen-
busch 15
48161 Gieven -
beck
8
Gesamt
31
Tagepflegeeinrichtungen
Altenheim St. Elisabeth -
Tagespflege
Missionsschwestern
von Hiltrup gGmbH
Südlohnweg 1 48161 Gieven -
beck
15
Tagespflege Albachten Caritas -Betriebsfüh-
rungs- und Trägerge-
sellschaft Münster
mbH
Dülmener Str. 9 48163 Albachten 15
Tagespflege im Meck-
mannshof
Ev. Perthes -Stiftung
e.V.
Meckmannweg
74
48163 Mecklen -
beck
24
Gesamt
54
Service -Wohnen
Altenheim St. Elisabeth -
Heimverbundenes Woh-
nen
Missionsschwestern
von Hiltrup gGmbH
Südlohnweg 1 48161 Gieven -
beck
15
Altenwohnungen am
Meckmannshof
Evangelische Perthes -
Stiftung e.V.
Mecklenbecker
Str. 421-423
48163 Mecklen -
beck
38
AWO Münster Gieven-
beck
Arbeiterwohlfahrt Be-
zirksverband Westli-
ches Westfalen e.V.
Gartenbreie 3 48161 Gieven -
beck
32
Martin -Luther -Haus / Ser-
vicewohnen
Diakonie Münster -
Stationäre Senioren-
dienste GmbH
Fliednerstr. 17 -
19
48149 Sentrup 10
Rottkamp Parea gGmbH Rottkamp 53 -57
a
48163 Albachten 35
Servicewohnen Lukas
Zentrum
Diakonie Münster - Di-
akoniestation GmbH
Rüschhausweg
17-19
48161 Gieven -
beck
52
Wohnen mit Service an
der Meyerbeerstraße
H+S Wohnkonzept
GmbH & Co. KG
Meyerbeerstr.
37-51
48163 Mecklen -
beck
44
Wohnpark Mecklenbeck H+S Wohnkonzept
GmbH & Co. KG
Dingbängerweg
31-49
48163 Mecklen -
beck
57
Wohnresidenz Sentruper
Höhe
Wohnresidenz Sentru-
per Höhe GmbH
Schmeddingstr.
115-121
48149 Sentrup 56
Gesamt
339
Quelle: PfAD.wtg
90 | Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027
Tabelle: Geplante Einrichtungen/Erweiterungen, Stand: 30.07.2024
Stationäre Einrichtung
Alwine -Lauterbach -Senio-
renzentrum
AWO Bezirk West -li-
ches Westfalen e.V.
Rottkamp 49 48163 Albachten 12
Tagespflegeeinrichtungen
Lydia -Zentrum Diakonie Münster Plettendorf -
straße 1
48161 Nien -
berge
13
Ambulant betreute Pflege -Wohngemeinschaften
Lydia -Zentrum Diakonie Münster - Di-
akoniestation GmbH
Plettendorf -
straße 1
48161 Nien -
berge
12
Selbstverantwortete
Wohnpflegegemeinschaft
Grüner Weiler
Grüner Weiler eG Gumprich-
straße/Henny-
Uhlmann-
Weg/Edith-Mil-
tenberg-Weg
48161 Gieven-
beck
9
Gesamt 21
Quelle: Stadt Münster, Sozialamt, Pflegeplanung
Kommunaler Pflegebedarfsplan Münster 2024 - 2027 | 91
Pflegerische Infrastruktur im Stadtbezirk Münster-West
92 | Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027
Pflegeinfrastruktur im Stadtbezirk Münster-Nord
Der Stadtbezirk Münster-Nord besteht aus den Stadtt eilen Coerde, Kinderhaus-Ost, Kinder-
haus-West und Sprakel. Bis auf Sprakel grenzen alle Stadtteile an den Stadtbezirk Mitte an.
Der Stadtteil Sprakel verfügt über die größten Flächen, diese sind aber ländlicher Struktur mit
dem verhältnismäßig kleinen Ort Sprakel. Der Stadtteil Sprakel hat mit 24 Prozent einen über-
durchschnittlichen Anteil an Senioren-Single-Haushalte.
Die folgende Tabelle zeigt die Bevölkerungsprognose für die Jahre 2024 bis 2027 des Stadtbe-
zirkes Nord.
Tabelle: Bevölkerungsprognose im Stadtbezirk Nord von 2024 – 2027
Altersgruppe 2024 2025 2026 2027
0-59 Jahre 22.744 22.770 22.793 22791
60 -69 Jahre 4.046 4.064 4067 4081
70 -79 Jahre 2.462 2.617 2757 2871
80 -89 Jahre 1.642 1.544 1475 1419
Über 90 Jahre 315 328 353 386
Quelle: Stadt Münster, Stadtplanungsamt, Kleinräumige Bevölkerungsprognose der Stadt Münster 2022-2033
Es ist mit einem Anstieg der Bevölkerung zwischen 7 0-79 Jahren, sowie der über 90-Jährigen
zu rechnen. Die Anzahl der Bevölkerung ab 80 Jahren verringert sich überdurchschnittlich.
Quelle: Stadt Münster, Stadtplanungsamt, Kleinräumige Bevölkerungsprognose der Stadt Münster 2022-2033
-20,00
-15,00
-10,00
-5,00
0,00
5,00
10,00
15,00
20,00
25,00
0-59 Jahre 60-69 Jahre 70-79 Jahre 80-89 Jahre Über 90 Jahre
Bevölkerungsentwicklung in % von 2024 bis 2027
Stadtbezirk Nord
Gesamt Nord
Kommunaler Pflegebedarfsplan Münster 2024 - 2027 | 93
Einen Überblick über die bestehende Pflegeinfrastruktur in Stadtbezirk Nord gibt die nachfol-
gende Tabelle. Es gibt weiterhin einen Bedarf an An geboten mit umfassender Versorgung im
Stadtbezirk Nord. Geplant ist eine neue Tagespflegeeinrichtung in Kinderhaus.
Tabelle: Pflegeinfrastruktur in Münster-Nord, Stand: 30.07.2024
Vollstationäre Pflegeeinrichtungen
Einrichtung Träger Straße PLZ Stadtteil Plätze
Haus Wilkinghege Haus Wilkinghege
Wirbelauer KG
Wilkinghege 55 48159 Kinder -
haus
West
65
Papst -Johannes -Paul -
Stift
Caritas -Betriebsfüh-
rungs- und Trägerge-
sellschaft Münster
mbH
Culmer Str. 16 48157 Coerde 72
Gesamt
137
Eingestreute Kurzzeitpflege
Papst -Johannes -Paul -
Stift
Caritas -Betriebsfüh-
rungs- und Trägerge-
sellschaft Münster
mbH
Culmer Str. 16 48157 Coerde 7
Ambulant betreute Wohngemeinschaften
Wohngemeinschaft
Böckmannplatz
Sander Pflege GmbH Böckmannplatz
2-4
48155 Sprakel 12
Tagepflegeeinrichtungen
Tagespflege Papst -Jo-
hannes-Paul-Stift
Caritas -Betriebsfüh-
rungs- und Trägerge-
sellschaft Münster
mbH
Culmer Str. 16 48157 Coerde 15
Service -Wohnen
Betreutes Wohnen
Böckmannplatz
Sander Pflege GmbH Böckmannplatz
1
48159 Sprakel 34
Brüningheide /Killingstr. AWO Brüningheide
75-77 /
Killingstr. 1-7
48159 Kinder-
haus
West
80
Service -Wohnen Zent-
rum Kinderhaus
Pflegeteam miteinan-
der GmbH
Westhoffstr.
140
48159 Kinder-
haus
West
103
Gesamt
217
Quelle: PfAD.wtg
94 | Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027
Tabelle: Geplante Einrichtungen/Erweiterungen, Stand: 30.07.2024
Tagespflegeeinrichtungen
Tagespflege Moldrickx Caritas Münster Moldrickx Allee,
Grd. 05
48149 Kinder -
haus
17
Pflegerische Infrastruktur im Stadtbezirk Münster-Nord
Kommunaler Pflegebedarfsplan Münster 2024 - 2027 | 95
Pflegeinfrastruktur im Stadtbezirk Münster-Ost
Der Stadtbezirk Münster-Ost besteht aus den drei St adtteilen Mauritz-Ost, Gelmer-Dyckburg
und Handorf. Dieser Stadtbezirk ist sehr ländlich g eprägt. Der Stadtteil Mauritz-Ost grenzt an
den Bezirk Mitte, der Kanal bildet die Grenze. Dies er Stadtteil weist durch die Nähe und di-
rekte Anbindung an Münster-Mitte noch städtische St rukturen auf und die Orientierung der
Bewohnerinnen und Bewohner richtet sich auch vorwiegend auf die Innenstadt aus. Im Stadt-
teil Gelmer-Dyckburg finden sich die Orte Gelmer, S udmühle und Mariendorf. Der Stadtteil
Handorf umfasst neben einem großen Anteil ländliche r Flächen auch den Ort Handorf. Dort
gibt es mit 26 Prozent zudem überdurchschnittlich viele Senioren-Single-Haushalte.
Die folgende Tabelle zeigt die Bevölkerungsprognose für die Jahre 2024 bis 2027 des Stadtbe-
zirkes Ost.
Tabelle: Bevölkerungsprognose im Stadtbezirk Ost von 2024 – 2027
Altersgruppe 2024 2025 2026 2027
0-59 Jahre 16.635 16.454 16.227 16001
60-69 Jahre 3.228 3.303 3401 3470
70-79 Jahre 1.978 2.062 2110 2148
80-89 Jahre 1.480 1.383 1335 1281
Über 90 Jahre 288 312 323 334
Quelle: Stadt Münster, Stadtplanungsamt, Kleinräumige Bevölkerungsprognose der Stadt Münster 2022-2033
Im Stadtbezirk Ost liegt die prozentuelle Entwicklung der Altersgruppe, bis auf die Gruppe der
60 bis 69-Jährigen, zum Teil deutlich unter dem Gesamtdurchschnitt.
Quelle: Stadt Münster, Stadtplanungsamt, Kleinräumige Bevölkerungsprognose der Stadt Münster 2022-2033
-20,00
-15,00
-10,00
-5,00
0,00
5,00
10,00
15,00
20,00
25,00
0-59 Jahre 60-69 Jahre 70-79 Jahre 80-89 Jahre Über 90 Jahre
Bevölkerungsentwicklung in % von 2024 bis 2027
Stadtbezirk Ost
Gesamt Ost
96 | Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027
Nachfolgend eine Übersicht der Pflegeinfrastruktur im Stadtbezirk Ost. In Handorf, im Bauge-
biet Kirschgarten, plant die Wohn- und Stadtbau ein e neue ambulante Pflege-Wohngemein-
schaft mit ein. Sobald die Planungen konkreter werden, wird diese in dem nächsten Pflegebe-
darfsplan mit aufgenommen.
Tabelle: Pflegeinfrastruktur in Münster-Ost, Stand: 30.07.2024
Vollstationäre Pflegeeinrichtungen
Einrichtung Träger Straße PLZ Stadt-
teil
Plätze
Handorfer Hof - Senioren-
zentrum
Diakonie Münster -
Stationäre Senioren-
dienste GmbH
Handorfer Str.
24
48157 Handorf 78
Eingestreute Kurzzeitpflege
Handorfer Hof - Senioren-
zentrum
Diakonie Münster -
Stationäre Senioren-
dienste GmbH
Handorfer Str.
24
48157 Handorf 8
Ambulant betreute Pflege -Wohngemeinschaften
Wohngemeinschaft
"Mitten in Mauritz" (1)
Sander Pflege GmbH Mondstr. 104 48155 Mauritz -
Ost
10
Wohngemeinschaft
"Mitten in Mauritz" (2)
Sander Pflege GmbH Mondstr. 104 48155 Mauritz -
Ost
10
Haus Margareta (1) Alexianer Münster
GmbH
Hegerskamp 5 48155 Mauritz -
Ost
12
Haus Margareta (2) Alexianer Münster
GmbH
Hegerskamp 5 48155 Mauritz -
Ost
12
Gesamt
44
Tagespflegeeinrichtungen
pro.cura Tagespflege pro.cura Tagespflege
GmbH
Wolbecker Str.
226
48155 Mauritz -
Ost
16
Tagespflege
„Am Kirschgarten“
Diakonie mobil GmbH Kirschgarten
28a
48157 Handorf 13
Gesamt
29
Service -Wohnen
Betreutes Wohnen
Wersewinkel 1+2
Diakonie Münster -Sta-
tionäre Senioren-
dienste GmbH
Handorfer Str.
28-30
48157 Handorf 22
Handorfer Hof / Service-
wohnen
Diakonie Münster -
Stationäre Senioren-
dienste GmbH
Handorfer Str.
20-24
48157 Handorf 24
Seniorenzentrum "Mitten
in Mauritz"
Sander Pflege GmbH Mondstr. 104 -
106
48155 Mauritz
Ost
20
Kommunaler Pflegebedarfsplan Münster 2024 - 2027 | 97
Service -Wohnen
Wohnen am Lohausbach pro.cura Service Woh-
nen GmbH
Wolbecker
Straße 224
48155 Mauritz
Ost
50
Gesamt
116
Quelle: PfAD.wtg
Pflegerische Infrastruktur im Stadtbezirk Münster-Ost
98 | Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027
Pflegeinfrastruktur im Stadtbezirk Münster-Südost
Der Stadtbezirk Münster-Südost besteht aus den vier Stadtteilen Gremmendorf-West, Grem-
mendorf-Ost, Angelmodde und Wolbeck, wobei einzig Wolbeck als solitärer Stadtteil gesehen
werden kann. Die anderen drei Stadtteile gehen inei nander über, ausgenommen Alt-Angel-
modde, welcher mit dörflicher Struktur zwischen Gre mmendorf/Angelmodde und Wolbeck
liegt. Im Stadtteil Wolbeck gibt es mit 22 Prozent überdurchschnittlich viele Senioren-Single-
Haushalte.
Die folgende Tabelle zeigt die Bevölkerungsprognose für die Jahre 2024 bis 2027 des Stadtbe-
zirkes Südost.
Tabelle: Bevölkerungsprognose im Stadtbezirk Südost von 2024 – 2027
Altersgruppe 2024 2025 2026 2027
0-59 Jahre 24.389 24.654 24.340 24686
60 -69 Jahre 4.404 4.556 4631 4710
70 -79 Jahre 2.548 2.677 2808 2958
80 -89 Jahre 1.768 1.703 1644 1610
Über 90 Jahre 325 336 360 376
Quelle: Stadt Münster, Stadtplanungsamt, Kleinräumige Bevölkerungsprognose der Stadt Münster 2022-2033
Der Anstieg der Personenanzahl erfolgt überdurchsch nittlich in den Altersgruppen bis 79
Jahre.
Quelle: Stadt Münster, Stadtplanungsamt, Kleinräumige Bevölkerungsprognose der Stadt Münster 2022-2033
-15,00
-10,00
-5,00
0,00
5,00
10,00
15,00
20,00
25,00
0-59 Jahre 60-69 Jahre 70-79 Jahre 80-89 Jahre Über 90 Jahre
Bevölkerungsentwicklung in % von 2024 bis 2027
Stadtbezirk Südost
Gesamt Südost
Kommunaler Pflegebedarfsplan Münster 2024 - 2027 | 99
Einen Überblick über die bestehende Pflegeinfrastru ktur im Stadtbezirk Südost gibt die fol-
gende Tabelle. In Angelmodde werden derzeit zwei we itere ambulante Pflege-Wohngemein-
schaften und die Erweiterung des Kardinal-von-Galen-Stifts geplant mit insgesamt 25 Plätzen.
Tabelle: Pflegeinfrastruktur in Münster-Südost, Stand: 30.07.2024
Vollstationäre Pflegeeinrichtungen
Einrichtung Träger Straße PLZ Stadtteil Plätze
Achatius -Haus
(inkl. Junge Pflege)
Alexianer Haus Heid-
horn GmbH
Münsterstr. 24 b 48167 Wolbeck 66
Kardinal -von -Galen -Stift Caritas -Betriebsfüh-
rungs- und Trägerge-
sellschaft Münster
mbH
Clemens -August -
Platz 8a
48167 Angel -
modde
66
Gesamt
132
Eingestreute Kurzzeitpflege
Achatius -Haus (inkl.
Junge Pflege)
Alexianer Haus Heid-
horn GmbH
Münsterstr. 24
b/c
48167 Wolbeck 6
Kardinal -von -Galen -Stift Caritas -Betriebsfüh-
rungs- und Trägerge-
sellschaft Münster
mbH
Clemens -August -
Platz 8a
48167 Angel -
modde
6
Gesamt
12
Ambulant betreute Wohngemeinschaften
Haus Elisabeth Alexianer Münster
GmbH
Herrenstr. 10 48167 Wolbeck 12
Selbstverwaltete Senio-
rengemeinschaft Villa
Kahmann
Cathamed Pflege-
dienst
Gremmendorfer
Weg 44
48167 Grem-
mendorf-
Ost
11
Wohngemeinschaft
Beim Erdelbach
Sander Pflege GmbH Schlesienstr. 1 -27 48167 Angel -
modde
8
Wohngemeinschaft
Beim Erdelbach
Sander Pflege GmbH Schlesienstr. 1 -27 48167 Angel -
modde
8
Gesamt
39
Tagepflegeeinrichtungen
Achatius -Haus, Tages-
pflege
Alexianer Haus Heid-
horn GmbH
Münsterstr. 24 b 48167 Wolbeck 12
Tagespflege Akticom Tagespflege Akticom
GmbH
Twenhövenweg
18
48167 Angel -
modde
14
Gesamt
26
100 | Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027
Service -Wohnen
Achatius -Haus / Service-
wohnen
Alexianer Haus Heid-
horn GmbH
Münsterstr. 24 c -
d
48167 Wolbeck 35
Betreutes Wohnen beim
Erdelbach
Sander Pflege GmbH Schlesienstr. 1 48167 Angel -
modde
24
Servicewohnen Tönne -
Vormann-Weg
Ambulanter Pflege-
dienst Akticom;
GmbH
Tönne -Vormann -
Weg 5
48167 Wolbeck 16
Wohnungseigentümer-
gemeinschaft Junker-
Jörg-Platz 17/18
Diakonie Münster -
Diakoniestation
GmbH
Junker -Jörg -Platz
17/18
48167 Angel -
modde
23
Gesamt
98
Quelle: PfAD.wtg
Wohnortnahe niedrigschwellige Betreuungsgruppen nach § 45a SGB XI
„Café Wigbold“ ein An-
gebot für Menschen mit
Demenz in Wolbeck
Katholische Kirchen-
gemeinde St. Niko-
laus Münster, Alexia-
ner Haus Heidhorn
GmbH
Herrenstr. 17 48167 Wolbeck
Haus der Begegnung St.
Ida, Gruppe D
Katholische Kirchen-
gemeinde St. Niko-
laus Münster
Nachtigallenweg
25
48167 Gremmendorf -Ost
Quelle: Stadt Münster, Sozialamt, Infobüro Pflege
Tabelle: Geplante Einrichtungen/Erweiterungen, Stand: 30.07.2024
Stationäre Einrichtung
Kardinal -von -Galen -Stift Caritas -Betriebsfüh-
rungs- und Trägerge-
sellschaft Münster
Clemens -August -
Platz 18 a
48167 Angel -
modde
9
Ambulant betreute Pflege -Wohngemeinschaften
Wohngemeinschaft "Am
Albersloher Weg" (1)
Pflegebote GmbH Albersloher Weg
619b
48167 Angel -
modde
8
Wohngemeinschaft "Am
Albersloher Weg" (2)
Pflegebote GmbH Albersloher Weg
619b
48167 Angel -
modde
8
Gesamt 16
Quelle: Stadt Münster, Sozialamt, Pflegeplanung
Kommunaler Pflegebedarfsplan Münster 2024 - 2027 | 101
Pflegerische Infrastruktur im Stadtbezirk Münster-Südost
102 | Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027
Pflegeinfrastruktur im Stadtbezirk Münster-Hiltrup
Der Stadtbezirk Münster-Hiltrup besteht aus den fün f Stadtteilen Berg Fidel, Hiltrup-Ost,
Hiltrup-Mitte, Hiltrup-West und Amelsbüren. Der Stadtteil Berg Fidel grenzt an die Innenstadt
und erfährt durch die durchgehende Bebauung eine direkte Anbindung und auch Orientierung
der Bewohnerinnen und Bewohner in diese Richtung. O rganisatorisch erfolgt diese verwal-
tungsseitig allerdings in Richtung Hiltrup. Hiltrup selbst ist aufgrund seiner Größe in drei sta-
tistische Bezirke (Stadtteile) eingeteilt. Amelsbür en ist von ländlicher Struktur umgeben. Der
Anteil der Senioren-Single-Haushalte ist in den Sta dtteilen Hiltrup Ost (26 Prozent), Hiltrup
Mitte (19 Prozent) und Amelsbüren (21 Prozent) überdurchschnittlich hoch.
Die folgende Tabelle zeigt die Bevölkerungsprognose für die Jahre 2024 bis 2027 des Stadtbe-
zirkes Hiltrup. Bei der Gruppe der über 90-Jährigen gibt es einen überdurchschnittlichen An-
stieg mit rund 140 Personen.
Tabelle: Bevölkerungsprognose im Stadtbezirk Hiltrup von 2024 – 2027
Altersgruppe 2024 2025 2026 2027
0-59 Jahre 26.683 26.487 26.327 26154
60-69 Jahre 5.387 5.472 5531 5671
70-79 Jahre 3.495 3.677 3784 3842
80-89 Jahre 2.632 2.523 2484 2410
Über 90 Jahre 488 538 571 629
Quelle: Stadt Münster, Stadtplanungsamt, Kleinräumige Bevölkerungsprognose der Stadt Münster 2022-2033
Quelle: Stadt Münster, Stadtplanungsamt, Kleinräumige Bevölkerungsprognose der Stadt Münster 2022-2033
Der Stadtbezirk Hiltrup verfügt über eine vielfältige Pflegeinfrastruktur, die sich hauptsächlich
im Ortsteil Hiltrup befindet. Der Schwerpunkt liegt hier im vollstationären Pflegebereich.
-15,00
-10,00
-5,00
0,00
5,00
10,00
15,00
20,00
25,00
30,00
35,00
0-59 Jahre 60-69 Jahre 70-79 Jahre 80-89 Jahre Über 90 Jahre
Bevölkerungsentwicklung in % von 2024 bis 2027
Stadtbezirk Hiltrup
Gesamt Hiltrup
Kommunaler Pflegebedarfsplan Münster 2024 - 2027 | 103
Tabelle: Pflegeinfrastruktur in Münster-Hiltrup, Stand: 30.07.2024
Vollstationäre Pflegeeinrichtu ngen
Einrichtung Träger Straße PLZ Stadtteil Plätze
Altenheim Haus
Heidhorn
Alexianer Haus
Heidhorn GmbH
Westfalenstr. 490 48165 Amels -bü-
ren
52
Altenhilfe -Zentrum
Haus Franziska
Missionsschwestern
vom Hlst. Herzen Jesu
von Hiltrup
Westfalenstr. 109 48165 Hiltrup -
Mitte
60
Haus Augustinus Alexianer Münster
GmbH
Alexianerweg 9 48163 Amels -bü-
ren
18
Haus Simeon Diakonie Münster - Sta-
tionäre Seniorendienste
GmbH
Am Berg Fidel 70 48153 Berg -Fidel 146
Haus Thomas Alexianer Münster
GmbH
Alexianerweg 8 48163 Amels -bü-
ren
54
Marienheim Altenhilfe -Zentrum St.
Clemens Münster
Hiltrup
An der Alten Kirche
5
48165 Hiltrup -
Mitte
83
Meyer -Suhrhein-
rich-Haus
Altenhilfe -Zentrum St.
Clemens Münster-
Hiltrup gGmbH
Marktallee 42 48165 Hiltrup -
Mitte
42
Gesamt
455
Eingestreute Kurzzeitpflege
Altenheim Haus
Heidhorn
Alexianer Haus
Heidhorn GmbH
Westfalenstr. 490 48165 Amels -bü-
ren
6
Altenhilfe -Zentrum
Haus Franziska
Missionsschwestern
vom Hlst. Herzen Jesu
von Hiltrup
Westfalenstr. 109 48165 Hiltrup -
Mitte
2
Haus Simeon Diakonie Münster - Sta-
tionäre Seniorendienste
GmbH
Am Berg Fidel 70 48153 Berg -Fidel 8
Haus Thomas Alexianer Münster
GmbH
Alexianerweg 8 48163 Amels -bü-
ren
4
Marienheim Altenhilfe -Zentrum St.
Clemens Münster
Hiltrup
An der Alten
Kirche 5
48165 Hiltrup -
Mitte
9
Meyer -Suhrhein-
rich-Haus
Altenhilfe -Zentrum St.
Clemens Münster-
Hiltrup gGmbH
Marktallee 42 48165 Hiltrup -
Mitte
5
Gesamt
34
104 | Kommunaler Pflegebedarfsplan für Münster 2024 - 2027
Solitäre Kurzzeitpflege
Altenhilfe -Zentrum
der Missions-
schwestern Kurz-
zeitpflege "Haus
Maria"
Missionsschwestern
von Hiltrup gGmbH
Westfalenstr. 109 48165 Hiltrup -
Mitte
20
Ambulant betreute Pflege -Wohngemeinschaften
Christopher Haus air vital Kranken - und
Intensivpflege GmbH
Westfalenstr. 176 48165 Hiltrup -
Mitte
17
Wohngruppe Leo -
ISB
Alexianer Münster
GmbH
Alexianerweg 9 48163 Amels -bü-
ren
6
Gesamt 23
Tagespflegeeinrichtungen
Tageshaus St. Ma-
rien
Altenhilfe -Zentrum St.
Clemens Münster-
Hiltrup gGmbH
Loddenweg 10 48165 Hiltrup -
Ost
15
Tagespflege an der
Kreuz Christi Kirche
Alexianer Münster
GmbH
Leisnerstr. 17 48163 Amels -bü-
ren
14
Tagespflege
Simeon
Diakonie Münster - Di-
akoniestation GmbH
Am Berg Fidel 78 48153 Berg -Fidel 16
Tagespflege St. Cle-
mens
Altenhilfe -Zentrum St.
Clemens Münster-
Hiltrup gGmbH
Kortumweg 56 48165 Hiltrup -
Mitte
15
Gesamt
60
Service -Wohnen
Betreutes Wohnen
am Marienheim
Altenhilfe -Zentrum St.
Clemens Münster-
Hiltrup gGmbH
An der alten Kirche 5 18165 Hiltrup -
Mitte
3
Betreutes Wohnen
Hofmann von Fal-
lerslebens Weg
Altenhilfe -Zentrum St.
Clemens Münster-
Hiltrup gGmbH
Hofmann von Fallers-
lebens Weg 30-32
48165 Hiltrup -
Mitte
25
Haus Simeon / Ser-
vicewohnen - Bun-
galow
Diakonie Münster -
Stationäre Senioren-
dienste GmbH
Am Berg Fidel 70 48153 Berg Fidel 48
Pankokstr. 14 / Ser-
vicewohnen
Diakonie Münster -
Stationäre Senioren-
dienste GmbH
Pankokstr. 14 48153 Berg Fidel 15
Gesamt
91
Quelle: PfAD.wtg
Kommunaler Pflegebedarfsplan Münster 2024 - 2027 | 105
Wohnortnahe niedrigschwellige Betreuungsgruppen nach § 45a SGB XI
Betreuungsgruppe
Marie
Meyer -Suhrhein-
rich Stiftung
Patronatsstr. 3 48165 Hiltrup -Mitte
Quelle: Stadt Münster, Sozialamt, Infobüro Pflege
Pflegerische Infrastruktur im Stadtbezirk Münster-Hiltrup
Anlage A
1562 Zeichen
Anlage A zur V/0639/2024 Kurzüberblick Der kommunale Pflegebedarfsplan 2024-2027 gibt einen Überblick über den Bestand der Pfle- geinfrastruktur in Münster und bewertet den kommenden Bedarf. Ziele/Teilziele/Zielerreichung Mit dem kommunalen Pflegebedarfsplan 2024-2027 wird folgendes Ziel aus dem ISM-Prozess verfolgt: Wir werden Münster zu einer Stadt mit höchster Lebens- und Erlebnisqualität weiterentwi- ckeln: mit hoher Umwelt- und Naturqualität mit breitem Freizeit- und Sportangebot mit hohem Wohnwert, Familienfreundlichkeit und sozialer Balance in der Stadtgesellschaft Das Teilziel lautet: Sicherstellung einer dem örtlichen Bedarf entsprechenden pflegerischen Angebotsstruktur Finanzierung Produktgruppe: 0503 Sicherung besonderer sozialer Bedarfe Auswirkungen auf den Ergebnisplan Ja x Nein Auswirkungen auf den Finanzplan Ja x Nein Im beschlossenen (Nachtrags-)Haushaltsplan JJJJ enthalten? Ja x Nein teilw. Im Entwurf des (Nachtrags-)Haushaltsplan JJJJ enthalten? Ja x Nein teilw. Belastungen in zukünftigen HH-Jahren? Ja x Nein Bereits veranschlagt? Ja x Nein Pflichtigkeitsgrad Die Maßnahme/Leistung ist vollständig pflichtig x überwiegend pflichtig überwiegend freiwillig vollständig freiwillig § 7 APG NRW Unmittelbare, grundsätzliche Relevanz für Querschnittsthemen (Demographie, Gleichstellung, Inklusion, Klimaschutz, Migration) Die Sicherstellung der pflegerischen Infrastruktur steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der demographischen Entwicklung der Gesellschaft.
Beschlussvorlage
16736 Zeichen
V/0639/2024 V/0639/2024 Öffentliche Beschlussvorlage Betrifft Kommunaler Pflegebedarfsplan 2024-2027 Beratungsfolge 13.11.2024 Ausschuss für Soziales, Gesundheit, Verbraucherschutz und Arbeitsförderung Vorberatung 14.11.2024 Ausschuss für Gleichstellung Vorberatung 20.11.2024 Kommission zur Förderung der Inklusion von Menschen mit Behinderungen Vorberatung 25.11.2024 Kommunale Seniorenvertretung Vorberatung 27.11.2024 Integrationsrat Vorberatung 11.12.2024 Hauptausschuss Vorberatung 11.12.2024 Rat Entscheidung Beschlussvorschlag: I. Sachentscheidung: 1. Der Rat nimmt den Kommunalen Pflegebedarfsplan 2024-2027 (Anlage 1) zur Kenntnis. 2. Der Rat beschließt, dass die Förderung zusätzlicher Plätze in vollstationären Pflegeeinrichtun- gen nach dem Alten- und Pflegegesetz Nordrhein-Westfalen (APG NRW) bis auf Weiteres nicht mehr von einer kommunalen Bedarfsbestätigung abhängig gemacht wird. Die verbindliche Be- darfsplanung nach § 7 Abs. 6 APG NRW wird damit zunächst wieder aufgehoben. 3. Der Rat beschließt, dass zukünftig jährlich im Zusammenhang mit der Vorlage zur Pflegebe- richterstattung - nach Vorberatung in der Konferenz Alter und Pflege - darüber entschieden wird, ob die Pflegebedarfsplanung erneut Grundlage für eine verbindliche Entscheidung über eine be- darfsabhängige Förderung zusätzlicher vollstationärer Pflegeeinrichtungen sein soll und die ver- bindliche Bedarfsplanung damit wieder eingeführt wird. 4. Die Verwaltung wird beauftragt, im Rahmen ihrer Daseinsvorsorge auch weiterhin eine koordi- nierende und steuernde Rolle bei der Planung präventiver und pflegerischer Versorgungsstruk- turen in den Sozialräumen zu übernehmen. Das Positionspapier des Städtetages „Zukunftsfeste Versorgung älterer und pflegebedürftiger Menschen in den Städten“, das eine Stärkung der Rol- le der Kommunen in der Pflegeplanung fordert, wird ausdrücklich mitgetragen. Es s oll daher Sozialamt 24.10.2024 Ihr/e Ansprechpartner/in: Frau Stritzke Telefon: 492-5988 StritzkeK@stadt- muenster.de - 2 - V/0639/2024 auch weiterhin eine jährliche Pflegeberichterstattung durchgeführt und kontinuierlich weiterent- wickelt werden. 5. Der Antrag A -R/0048/2023 „Quartiersbezogene Pflege stärken und ausbauen“ der CDU - Ratsfraktion (Anlage 2) wurde inhaltlich im Pflegebedarfsplan 2024-2027 aufgegriffen. II. Finanzielle Auswirkungen: Es entstehen keine zusätzlichen Kosten und Folgekosten. Begründung: 1. Ausgangslage Die Zahl älterer und hochaltriger Menschen steigt stetig an. Perspektivisch wird diese Entwicklung noch durch die zahlenmäßig starke Generation der Babyboomer, die aktuell ins Rentenalter kommt, an Dynamik gewinnen. Selbst wenn davon auszugehen ist, dass zukünftig immer mehr Menschen im Alter immer länger gesund und selbstständig bleiben, wird die Inanspruchnahme von Pflegeleistun- gen dadurch weiter steigen. Die Pflegemodellrechnung von IT.NRW kommt zu dem Ergebnis, dass bis zum Jahr 2050 die Zahl der pflegebedürftigen Personen in Münster gegenüber dem Jahr 2021 um 48,8 Prozent ansteigen wird. Gleichzeitig ist bereits bekannt, dass die Ausbildung von Nachwuchskräften die altersbedingten Aus- tritte der Pflegenden nicht mehr lange kompensieren wird. Der DAK -Pflegereport 2024 sagt erste Kipppunkte ab Ende der 2020er Jahre voraus. Es gibt einen kontinuierlich steigenden Bedarf an Pfle- ge- und Betreuungskräften bei gleichzeitig stagnierenden Personalressourcen. Die professionelle pflegerische Versorgung kommt dadur ch zunehmend an ihre Grenzen. Bereits heute können nicht mehr alle Bedarfe bedient werden. Es ist davon auszugehen, dass gewohnte Versorgungsstandards perspektivisch nicht mehr aufrechterhalten werden können. Erschwerend kommen aus Sicht der Träger von Pflegeleistungen insbesondere ein extremer wirt- schaftlicher Druck - bedingt u.a. durch den Verhandlungsstau in den Pflegesatzverhandlungen - so- wie ein hoher bürokratischer Aufwand hinzu. Aus der Konferenz Alter und Pflege wurde darauf hin- gewiesen, dass neben dem Fachkräftemangel und den hohen Grundstücks- und Baukosten auch die hohen baulichen und bürokratischen Auflagen zu einer Verzögerung bzw. Verhinderung eines Aus- baus der Pflegeinfrastruktur führten. Die Schaffung zusätzlicher Angebote gestalte sich zune hmend unattraktiv. Darüber hinaus stellen die steigenden Kosten der pflegerischen Versorgung bei gedeckelten Sach- leistungen der Pflegekassen eine Herausforderung für Betroffene und Kommunen gleichermaßen dar. 2. Zentrale Ergebnisse der kommunalen Pflegeplanung Die kommunale Pflegeplanung hat zu bewerten, inwieweit quantitativ und qualitativ ausreichende Angebote zur Verfügung stehen. In Münster besteht ein breites Angebot an pflegerischen Angeboten, das jedoch zunehmend an seine Grenzen gerät. Der aktuell e Pflegebedarfsplan kommt zu den fol- genden Ergebnissen: In Münster besteht aktuell und perspektivisch ein deutlicher Bedarf an zusätzlichen Angeboten mit umfassender Pflege. Hier ist für die Jahre 2024 bis 2027 mit einem zusätzlichen Bedarf in Höhe von 125 Plätzen zu rechnen. Dieser Zahl liegt die Annahme zugrunde, dass 84 Plätze durch bereits geplante bzw. noch zu erwartende neue Angebote realisiert werden können. Bedarf besteht dabei auch für Zielgruppen mit besonderen Versorgungsbe darfen wie junge - 3 - V/0639/2024 Pflegebedürftige, pflegebedürftige Personen mit Bedarf an geschützter Unterbringung sowie ältere Menschen mit Behinderung. Die Versorgung mit T agespflegeeinrichtungen wird, die Umsetzung geplanter Einrichtungen eingeschlossen, als überwiegend gedeckt angesehen. Es bestehen nur noch vereinzelt räum- liche Lücken. Es gibt weiterhin einen Bedarf an ambulanten Pflegeleistungen. Die bestehenden ambulanten Pflegedienste können die Nachfrage nicht decken. Im Bereich des Service-Wohnens wird ein weiterer Ausbau befürwortet. 3. Temporäre Aussetzung der verbindlichen Bedarfsplanung Der Rat der Stadt Münster hat im Jahr 2015 die Einführung der verbindlichen Bedarfsplanung nach § 7 Absatz 6 APG NRW für die vollstationäre Dauerpflege beschlossen. Die Förderung zusätzlicher stationärer Pflegeplätze wurde damit an das Vorliegen einer kommunalen Bedarfsbestätigung gekop- pelt. Ziel war es, hierdurch eine zusätzliche Steuerungsmöglichkeit zu gewinnen und die kommunale Gestaltungsrolle zu stärken. Leitend war die Intention, einen weiteren Ausbau großer stationärer Ein- richtungen zu verhindern und den Ausbau kleinteiliger, quartiersnaher Versorgungsangebote zu för- dern. In der Folge wurden in den vergangenen Jahren keine zusätzlichen stationären Pflegeplätze geschaffen. Die kommunale Pflegebedarfsplanung kam dann jedoch im Jahr 2023 erstmals seit Einführung der verbindlichen Bedarfsplanung zum Ergebnis, dass ein Bedarf an (insgesamt 101) zusätzlichen statio- nären Plätzen besteht. In diesem Fall besteht die rechtliche Verpflichtung, innerhalb von drei Monaten nach dem entsprechenden Rats beschluss eine Bedarfsausschreibung zu veröffentlichen (§ 27 APG DVO NRW). Dies ist mit Veröffentlichung im Amtsblatt vom 26.01.2024 erfolgt. Im Ergebnis haben vier Träger ihr Interesse an de r Schaffung von insgesamt lediglich 29 zusätzlichen Plätzen erklärt. Eine kriteriengeleitete Auswahl zwischen den Anbietern war nicht möglich und erforderlich, da die Zahl der Interessenbekundungen die Zahl der ausgeschriebenen Plätze bei Weitem nicht erreicht hat. Eine kommunale Steuerungsmöglichkeit ist in einem solchen Fall nicht gegeben. Alle Träger, die ihr Interesse bekunden und die rechtlichen Vorgaben erfüllen, erhalten auch eine Bedarfsbestätigung. Es wird nach jetziger Einschätzung auf absehbare Zeit ein Bedarf an zusätzlichen stationären Pflege- plätzen bestehen, sodass bei Beibehaltung der verbindlichen Bedarfsplanung jährlich eine neue Aus- schreibung erfolgen müsste. Es ist jedoch auch für künftige Ausschreibungsverfahren zu erwarten, dass das In teresse an der Schaffung zusätzlicher stationärer Plätze aufgrund der schwierigen Rah- menbedingungen insgesamt eher gering sein wird. Diese Erfahrungen haben auch andere Kommu- nen gemacht. Bereits mit der Einführung des APG NRW im Jahr 2014 haben sich die Re finanzie- rungsbedingungen für den Neubau stationärer Einrichtungen deutlich verschlechtert. Zwischenzeitlich wird die Neuerrichtung von Einrichtungen insbesondere aber durch den massiven und weiter zuneh- menden Pflege(fach)kräftemangel begrenzt. Die ursprüngliche Intention der kommunalen Steuerung läuft damit ins Leere. Die im Rahmen der verbindlichen Pflegebedarfsplanung zwingend erforderliche Durchführung eines Ausschreibungsverfahrens erschwert den notwendigen Ausbau zusätzlicher stationärer Plätze unnö- tig und verursacht sowohl aufseiten der Verwaltung als auch der Träger einen hohen bürokratischen Aufwand. Die Verwaltung schlägt daher vor, den erforderlichen Ausbau zusätzlicher stationärer Plätze bis auf Weiteres nicht mehr an das Vorliegen einer Bedarfsbestätigung zu koppeln und damit die örtli- che Planung nicht mehr zur Grundlage für eine bedarfsabhängige Förderung zu machen. Die Res- sourcen der kommunalen Pflegeplanung könnten damit wieder zielgerichteter eingesetzt werden. Sollte sich die Ausgangslage pe rspektivisch wieder verändern und ein Überangebot an stationären Plätzen drohen oder sich angesichts geänderter rechtlicher Rahmenbedingungen eine andere Ein- schätzung ergeben, so kann und sollte die verbindliche Pflegebedarfsplanung wieder eingeführt wer- den. - 4 - V/0639/2024 Grundsätzlich wird eine kommunale Steuerung der pflegerischen Angebotsstruktur weiterhin für sinn- voll und erforderlich erachtet. Hierfür müssten jedoch die Einflussmöglichkeiten der Kommunen ent- sprechend gestärkt werden. 4. Beratung in der Konferenz Alter und Pflege am 26.09.2024 In der Sitzung der Konferenz Alter und Pflege am 26.09.2024 wurde eingehend über die Frage der kommunalen Steuerungsmöglichkeiten beraten (siehe Anlage 1 des Pflegebedarfsplans). Die Mitglie- der stimmten dem von der Verwaltun g vorgeschlagenen Vorgehen zur Aussetzung der verbindlichen Bedarfsplanung unter der Voraussetzung zu, dass folgende Inhalte bei dem Ratsbeschluss berück- sichtigt werden: Die Stadt Münster bekennt sich weiterhin zu ihrer Verantwortung im Rahmen der Daseinsvor- sorge und dem Ziel, eine koordinierende und steuernde Rolle bei der Planung präventiver und pflegerischer Versorgungsstrukturen in den Sozialräumen zu übernehmen. Das Positionspa- pier des Städtetages „Zukunftsfeste Versorgung älterer und pflegebedürftige r Menschen in den Städten“, das eine Stärkung der Rolle der Kommunen in der Pflegeplanung fordert, wird ausdrücklich mitgetragen. Die Pflegebedarfsplanung wird weiterhin regelmäßig durchgeführt und kontinuierlich weiter- entwickelt. Eine Berichterstattung soll über das gesetzliche geforderte Mindestmaß einer „Ört- lichen Planung“ im 2-Jahres-Rhythmus hinausgehen. In enger Abstimmung mit der Konferenz Alter und Pflege sowie den politischen Gremien soll regelmäßig im Zusammenhang mit der Vorlage zur Pflegeberichterstattung geprüft werden, ob die Pflegebedarfsplanung wieder für verbindlich erklärt werden soll. Diese Feststellung soll fester Bestandteil des Pflegebedarfsplans werden. Der Pflegebedarfsplan 2024-2027 wurde daraufhin einstimmig angenommen. 5. Antrag A-R/0048/2023 „Quartiersbezogene Pflege stärken und ausbauen“ Der Ratsantrag „Quartiersbezogene Pflege stärken und ausbauen“ greift im wesentlichen Bereiche auf, die im Rahmen der jährlichen Pflegebedarfsplanung thematisiert und diskutiert werden. Die Siche rstellung einer bedarfsgerechten Pflegeinfrastruktur zählt grundsätzlich zu den Aufgaben der kommunalen Pflegeplanung. Diese prüft daher kontinuierlich, ob und gegebenenfalls welche Maßnahmen zur Weiterentwicklung von Angeboten erforderlich sind. Zu den Instrumenten der Pfle- geplanung gehören im Wesentlichen die regelmäßige Bestandsaufnahme und Bedarfsfeststellung im Rahmen der Pflegebedarfsplanung, die Beratung von Investoren und Trägern sowie die Zusammen- arbeit mit der Kommunalen Konferenz Alter und Pflege. Darüber hinaus wird das Sozialamt bei der Entwicklung von Baugebieten vom Stadtplanungsamt so- wie im Zuge der Erstellung der Vermarktungskonzepte städtischer Grundstücke durch das Amt für Immobilienmanagement beteiligt und bringt frühzeitig soziale Bedarfe ein. Die Schaffung jeglicher zusätzlicher Pflegeangebote ist jedoch davon abhängig, dass diese nach Ein- schätzung der Träger*innen wirtschaftlich zu betreiben sind und absehbar genug Personal zur Verfü- gung stehen wird, um die Leistungen umzusetzen. Insbesondere der bestehende und sich noch wei- ter verschärfende Pflege(fach)kräftemangel stellt den entscheidenden limitierenden Faktor beim Aus- bau der Pflegeinfrastruktur dar. Bereits heute können die bestehenden Plätze in den pflegerischen Einrichtungen nicht immer voll belegt werden und auch die ambulante Versorgung ist an ihre Kapazi- tätsgrenze gestoßen. Ziel der kommunalen Pflegeplanung ist und bleibt es, eine sozialräumlich orientierte pflegerische Ver- sorgung der Bürgerinnen und Bürger zu ermöglichen. Die für ein lebenslanges Wohnen im Quartier relevante Infrastruktur soll in Zusammenarbeit mit Träger und Anbieter von Dienstleistungen, den zivilgesellschaftlichen Akteuren und der Stadt vor Ort gestaltet werden. Dem gewünschten und erfor- - 5 - V/0639/2024 derlichen Ausbau der Pflegeinfrastruktur sind jedoch aufgrund der oben beschriebenen Faktoren en- ge Grenzen gesetzt. 6. Ausblick Das gemeinsame Ziel aller Akteure ist eine bedürfnisgerechte, wohnortnahe Versorgung mit Pflege- leistungen, die ein weitgehend selbstbestimmtes Leben ermöglichen. Es ist eine breite gesellschaftli- che und politische Diskussion darüber erforderlich, wie die notwendige Pflege und Unterstützung ins- besondere bei der steigenden Zahl älterer Menschen zukünftig noch gewährleistet werden kann. Dies kann nur im Zusammenwirken unterschiedlicher staatlicher und zivilgesellschaftlicher Akteure und ein Bündel an präventiven Maßnahmen gelingen. Auch wenn die wesentlichen Rahmenbedingungen für die pflegerische Versorgung auf Landes- und Bundesebene gestaltet werden, können und müssen auf kommunaler Ebene insbesondere im Be- reich der Prävention, Beratung und Quartiersentwicklung weiterhin Anstrengungen unternommen werden: Ein Ansatz ist der effiziente Einsatz von pflegerischen Ressourcen . Dies beinhaltet neue Organi- sationsstrukturen, die Verbesserung von Zugängen, z.B. durch den „Marktplatz Ambulante Pflege Münster“, sowie die Einbeziehung von zusätzlichen Akteuren im Sozialraum, hin zu einer gemeinsa- men Verantwortung, in der informelle und familiäre Netzwerke gemeinsam mit professionellen Anbie- tern Strukturen schaffen, um die pflegebedürftigen Personen zu unterstützen. Ein weiteres Instrument sind Beratungsangebote und niedrigschwellige Zugänge zu pflegebedürfti- gen Personen sowie ihren An - und Zugehörigen, um sie über Versorgungsmöglichkeiten aber auch Entlastungsangebote zu informieren. Neben dem „Infobüro Pflege“ und weiteren Fachberatungsstel- len sind hier insbesondere die Sozialarbeit im Stadtteil und die präventiven Hausbesuche zu nennen. Eine weitere Herangehensweise ist das Hinauszögern der Pflegebedürftigkeit und die Stärkung von informellen Netzwerke. Hiermit sind insbesondere präventive Maßnahmen gemeint, die z.B. über Projekte der altengerechten, inklusiven Quartiersentwicklung und die Begegnungsstätten orga- nisiert und angeboten werden. Die familiäre Pflege wird aufgrund niedrigerer Geburtenraten und hö- herer Mobilität weitere zurückgehen, so dass Netzwerke durch Freunde und Nachbarschaften oder organisierte Genossenschaften an Bedeutung gewinnen. Hier gilt es, verlässliche Strukturen zu stär- ken bzw. aufzubauen, die eine Zusammenarbeit der professionellen, ehrenamtlichen und informellen Pflege ermöglichen. Die Verwaltung strebt an, die Projekte der altengerechten, inklusiven Quartiers- entwicklung, die Begegnungsstätten, die Beratung der Sozial-arbeit im Stadtteil sowie die präventiven Hausbesuche als bewährte Angebotsstrukturen zu sichern und sukzessive auszubauen sowie weitere innovative Ansätze zu entwickeln, um im Dreiklang von Pflegeplanung, Altenhilfeplanung und altenge- rechter, inklusiver Quartiersentwicklung den Herau sforderungen einer älter werdenden Bevölkerung in den nächsten Jahren zu begegnen. In Vertretung gez. Cornelia Wilkens Stadträtin Anlagen: Anlage A Anlage 1: Kommunaler Pflegebedarfsplan 2024-2027 Anlage 2: Antrag A-R/0048/2023
Anlage 2: Antrag A-R/0048/2023
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Antrag an den Rat Nr. A-R/0048/2023 Münster, 26. Oktober 2023 Ratsantrag Quartiersbezogene Pflege stärken und ausbauen Der Rat der Stadt Münster möge beschließen: Pflegebedürftige Menschen sollen in Münster so lange wie möglich zuhause bleiben können. Um den Verbleib in der gewohnten Umgebung zu ermöglichen, werden passgenaue Pflegeangebote entwickelt und individuelle Unterstützungsmodelle gestärkt. Auf Grundlage einer quartiersbezogenen Bestandsaufnahme über das vorhandene Angebot an Pflegediensten, Pflegeeinrichtungen, Tagespflege, Kurzzeitpflege und Servicewohnen (Betreutes Wohnen) werden kleinteilige Versorgungskonzepte entwickelt, um die dezentrale Pflege zu stärken. Die so ermittelten Bedarfe an relevanter Infrastruktur sollen in Zusammenarbeit der Träger und Anbieter von Dienstleistungen, der bürgerschaftlichen Akteure und der Stadt vor Ort gestaltet werden. Eine Bestandsanalyse zeigt eine Überversorgung mit Vollstationären Pflegeplätzen im Stadtbezirk Mitte bei gleichzeitigen Defiziten in den Außenstadtbezirken (v.a. in den Bezirken Nord, Ost und Südost). Vom weiteren Ausbau zentral gelegener Pflegeeinrichtungen wird zugunsten von Einrichtungen in den Stadtteilen vorerst abgesehen. Trotz einer ausreichenden Versorgung in Stadtbezirken gibt es auch Stadtteile, die bisher über keine oder nur geringe Vollstationären Pflegeplätze verfügen (z.B. Nienberge, Gremmendorf und Roxel). Die Verwaltung prüft, wie diese Stadtteile in die Versorgungslösung mit einbezogen werden können. Die statistische Wahrscheinlichkeit einer Pflegebedürftigkeit bei über 80jährigen liegt bei 30 %, bei über 90jährigen bei 74 %. Nach der Kleinteiligen Bevölkerungsprognose 2030 gibt es Stadtteile mit einem besonders hohen Anteil von über 80jährigen Menschen (z.B. Stadtteile Hiltrup-Mitte, Kinderhaus-West und Handorf). Die Verwaltung prüft hier eine angemessene Versorgungssicherheit und macht Vorschläge. Die „Verbindliche Bedarfsplanung“ gibt den Kommunen Steuerungsmöglichkeiten, um in die Gestaltung der lokalen Pflegeinfrastruktur regulierend eingreifen zu können. Die Verwaltung zeigt Wege auf, wie das Ziel von kleinteiligen stadtweit ausgeglichenen quartiersbezogene Wohn- und Pflegeangebote über die Ausschreibung als qualitatives Kriterium erreicht werden kann. Für ein lebenslanges Wohnen im Quartier werden weitere Maßnahmen zur Stärkung des Ehrenamts in der Pflege entwickelt. Im Alter nimmt das Quartier für die Menschen aufgrund körperlicher Einschränkungen, fehlender finanzieller Mittel und geringerer Aktionsradien an Bedeutung zu. Die „altersgerechte Quartiersgestaltung“, d.h. die aktuelle und künftige Wohnsituation, das Wohnumfeld, die soziale Einbettung sowie die bedarfsgerechten sozialen und pflegerischen Unterstützungsangebote in den Quartieren sollten ermittelt und der Veränderungsbedarf dargestellt, Konzepte entworfen werden. Zusammen mit den Anbietern vor Ort werden Sport und Bewegungsangebote in den Quartieren entwickelt, die zu einem aktiven und gesunden Leben bis ins hohe Alter beitragen können. Die Verwaltung legt ein Finanzierungskonzept zur Umsetzung der beantragten Maßnahmen vor. Begründung Der Anteil der älteren Menschen in Deutschland wächst. Ein besonders starkes Wachstum verzeichnet die Gruppe der über 85-Jährigen. Im steigenden Alter nehmen chronische Erkrankungen, Multimorbidität und in der Folge auch Pflegebedürftigkeit zu. So wächst die Anzahl jener Menschen, die auf pflegerische Unterstützung angewiesen sind. Dies stellt erhebliche Anforderungen an die Gestaltung der sozialen Infrastruktur, insbesondere an die Qualität und Quantität der Angebote zur Versorgung und Unterstützung älterer Menschen, sowie pflegebedürftiger Menschen, unabhängig von ihrem Alter und ihren Angehörigen. Ziel ist ein möglichst selbstbestimmtes Leben mit einer hohen Versorgungssicherheit bis zum Lebensende. Dies bedeutet nicht nur die individuelle Lebenssituation in der Wohnung in den Blick zu nehmen. Genauso wichtig sind der Erhalt sozialer Teilhabe am Leben der Gemeinschaft und die Vermeidung sozialer Ausgrenzung, insbesondere in Folge von Altersarmut oder Vereinsamung. Es bedarf zukunftssicherer Lösungen, die in allen Bereichen von den Menschen hergedacht und gemeinsam mit ihnen gestaltet werden müssen. Eine Analyse der Versorgungssituation in den einzelnen Stadtbezirken zeigt, dass die stationäre Versorgungsquote in Münsters Stadtbezirken extrem unterschiedlich ist. Im Bezirk Mitte ist sie sehr gut (> 45%), in den Bezirken Nord, Ost und Südost hingegen nicht angemessen. Die CDU will die Quartiere entsprechend der gegebenen Bedarfe, Strukturen und Ressourcen so weiterentwickeln und ausgestalten, dass die Lebensqualität und die Gesundheit der dort lebenden Menschen gesichert und gesteigert werden. Der Weg geht von großen stationären Einrichtungen hin zu kleinteiligen und stärker auf die individuellen Bedarfe älterer Menschen angepassten Wohnformen, die in Quartiersstrukturen integriert sind, wozu auch neue Wohnformen zählen. Die für ein lebenslanges Wohnen im Quartier relevante Infrastruktur soll in Zusammenarbeit der Träger und Anbieter von Dienstleistungen, der bürgerschaftlichen Akteure und der Stadt vor Ort gestaltet werden. Gez. Stefan Weber und Fraktion
Beratungsverlauf (7)
Beschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungBeschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungBeschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungBeschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungBeschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungBeschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungOrte (138)
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- Mierendorffstraße 26
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- Kortumweg 56
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- Am Berg Fidel 70
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- Mecklenbecker Straße 133
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- Wersewinkel 1
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Details
- Aktenzeichen
- V/0639/2024
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 22.10.2024
- Erstellt
- 11.10.2024 12:56