V/0777/2008
Bürgerschaftliches Engagement / Neuausrichtung der Freiwilligenagentur
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Beschlussvorlage
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V/0777/2008 DER OBERBÜRGERMEISTER V/Stift Betrifft Bürgerschaftliches Engagement / Neuausrichtung der Freiwilligenagentur Beratungsfolge 23.10.2008 Stiftungskommission Vorberatung 29.10.2008 Ausschuss für Kinder, Jugendliche und Familien Vorberatung 02.12.2008 Ausschuss für Soziales, Gesundheit und Arbeitsförderung Vorberatung 03.12.2008 Ausländerbeirat Vorberatung 10.12.2008 Hauptausschuss Vorberatung 10.12.2008 Rat Entscheidung Beschlussvorschlag: I. Sachentscheidung: Die Freiwilligenagentur wird in Trägerschaft der Stiftung Siverdes mit der in der Begründung be- schriebenen Neuausrichtung und dort genannten Rahmenbedingungen fortgeführt. II. Kosten/Folgekosten Es wird zur Kenntnis genommen, dass der kommunal verwalteten Stiftung Siverdes jährlich Kosten in Höhe von 150.000,00 Euro entstehen. III. Finanzierung/Mittelbereitstellung Die Mittelbereitstellung erfolgt durch die jeweilige Beschlussfassung des Rates zu den Wirt- schaftsplänen der Stiftung Siverdes. Begründung: 1. Ausgangslage Mit der Vorlage V/0235/2007 „Fortführung und Weiterentwicklung der Freiwilligen- agentur Münster durch die Stiftung Siverdes“ beauftragte der Rat der Stadt Münster die Stiftung Siverdes, die Freiwilligenagentur Münster mit ihren Kernaufgaben bis Ende des Jahres 2008 fortzuführen. Darüber hinaus erhielt sie den Auftrag, ein Konzept zur Öff- nung und Erweiterung der Kernaufgaben der Freiwilligenagentur vorzulegen. Wesentli- ches Ziel des Ratsbeschlusses ist die Weiterentwicklung und die dauerhafte Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements in Münster. Vorlagen-Nr.: V/0777/2008 Auskunft erteilt: Herr Claahsen Frau Woldt Ruf: 492 59 03 492 59 07 E-Mail: Claahsen@stadt-muenster.de Woldt@stadt-muenster.de Datum: 16.09.2008 Öffentliche Beschlussvorlage - 2 - V/0777/2008 1.1 Gesellschaftliche Rahmenbedingungen Die Zukunftstrends in unserer Gesellschaft sind absehbar und werden das soziale Mit- einander verändern. Der Demografische Wandel, zu dem nicht nur das Älterwerden von Teilen unserer Gesellschaft und die steigende Lebenserwartung gehören, sondern auch die prognostizierten Geburtenziffern, die Zu- und Abwanderungen oder die Flexibilisie- rung der Arbeitswelt, wird Auswirkungen auf das bürgerschaftliche Engagement in unse- rer Gesellschaft haben. Bürgerschaftliches Engagement ist ein zunehmend wichtiger werdendes Bindeglied zum Zusammenhalt der Stadtgesellschaft, das Isolation und Seg- regation entgegenwirken kann. In vielen gesellschaftlichen Bereichen muss sich der Staat stärker auf den Grundsatz subsidiärer Gewährleistung beschränken. Angesichts dieser Herausforderungen ist bürgerschaftliches Engagement für die demokratische Ge- sellschaft und das Funktionieren des Staates unverzichtbar. Es geht darum, das Zu- sammenwirken von Staat und Bürger neu zu definieren. In den Kommunen können die Rahmenbedingungen für die Übernahme von mehr Ei- genverantwortung durch Bürgerinnen und Bürger verbessert werden. Bürgerschaftliches Engagement ist schon seit Langem kein Randthema mehr in Institutionen, Organisatio- nen und Verbänden. Es hat sich ein breites Profil bürgerschaftlichen, ehrenamtlichen freiwilligen Engagements vor Ort entwickelt. In den Institutionen ist ein Umdenken er- kennbar, Freiwillige stärker in die Strukturen der Einrichtungen einzubinden. Hier müs- sen die Bürgerinnen und Bürger jeden Alters und jeder sozialen Herkunft Anknüpfungs- punkte finden, um ihr Engagement zu entwickeln und zu gestalten. Ein Diskussionspapier zu den „Zukunftstrends der Bürgergesellschaft“ (herausgegeben vom „Bundesnetzwerk Bürgerschaftlichen Engagements“ / 2007), beschreibt die Heraus- forderungen für die kommunale Ebene und Infrastruktur wie folgt: • Für die Organisationen gilt es, das Potential an Freiwilligen zu halten, bzw. weiter auszuschöpfen. • Unter den bürgerschaftlichen Einrichtungen, Verbänden und Organisationen wird der Wettbewerb um potentielle Freiwillige zunehmen. Deren Anforderungen an Beteiligung werden höher. • Die Spanne zwischen bürgerschaftlichem Engagement und den begrenzten ma- teriellen Ressourcen wird größer. • Das Bewusstsein und die Anstrengung für verstärkte organisationsübergreifende Kooperation und Vernetzung wächst. Der von der Bundesregierung in Auftrag gegebene Freiwilligensurvey zeigt eine deutli- che Steigerung des Engagementpotenzials bei den über 60-Jährigen. Dieses Potenzial gilt es für neue gesellschaftliche Herausforderungen zu nutzen. Zudem belegt der Frei- willigensurvey die Mitgestaltung der Gesellschaft als zentrale intrinsische Motivation der Freiwilligen. Die Ermöglichung von Selbstorganisation stärker zu gewährleisten, stellt ei- ne neue Aufgabe für die Gestaltung der Bürgergesellschaft dar. Dabei helfen örtliche Anlaufstellen, wie Freiwilligenagenturen, Seniorenbüros und Kon- taktstellen für Selbsthilfe. Ziel ist es, die Konzepte für die Unterstützung des Bürgeren- gagements weiter auszubauen und die Anerkennungskultur für ehrenamtlich erbrachte Leistungen kreativ zu fördern. 1.2 Förderung bürgerschaftlichen Engagements durch die Kommunalen Stiftungen Die Kommunalen Stiftungen in Münster arbeiten seit vielen Jahren mit unterschiedlichen Projekten an diesem Thema. Die Freiwilligenagentur in Trägerschaft der Stiftung Siverdes ist seit beinahe 10 Jahren Anlaufstelle und Vermittlungsagentur für an Ehrenamt interessierte Bürgerinnen und Bürger. Sie unterstützt Organisationen, die mit Ehrenamtlichen zusammenarbeiten - 3 - V/0777/2008 möchten, und hilft, die dortigen Bedingungen für den ehrenamtlichen Einsatz zu verbes- sern. Aber auch Projekte wie „Verantwortung Lernen“ – ein Gemeinschaftsprojekt der Stif- tung*Bürger für Münster, der Stiftung Westfalen-Initiative und der kommunalen Stiftung Bürgerwaisenhaus - verbessern die Rahmenbedingungen bürgerschaftlichen Engage- ments für Jugendliche. In der Schule wird im Unterricht ehrenamtliches Engagement „er- lernt“, gemäß des Mottos: Wer sich als Schüler für andere engagiert, wird es mit großer Wahrscheinlichkeit auch als Erwachsener tun. Das Projekt „Von Mensch zu Mensch“ der Stiftung Magdalenenhospital bietet in 23 Stadtteilinitiativen Einsatzfelder für ca. 400 Ehrenamtliche. Die dort geleisteten freiwilli- gen Dienste kommen vor allem Bürgerinnen und Bürgern zu Gute, die aufgrund nach- lassender Fähigkeiten im Alter auf die Hilfe Anderer angewiesen sind. Darüber hinaus sind es in zunehmendem Maße auch Menschen mit Behinderungen, aber auch Familien und Alleinerziehende, die diese Hilfen in Anspruch nehmen wollen. Dies sind Hilfen, die von professionellen Dienstleistern nicht angeboten werden oder für Viele gar nicht zu fi- nanzieren wären. 1.3 Relevante, kommunalpolitische Schwerpunktsetzungen Am 18. Juni 2008 hat der Rat der Stadt Münster das „Leitbild – Mirgration und Integrati- on Münster“ verabschiedet. Das Leitbild geht davon aus, dass Integration nicht ohne so- ziale Selbsthilfe und bürgerschaftliches Engagement möglich ist. Es weist die Bereit- schaft zum Bürgerengagement als einen Indikator für die Integration in unsere Gesell- schaft aus. Unter Beteiligung von Migrantinnen und Migranten und ihren Organisationen, sind neue Engagementformen in diesem Feld zu entwickeln. Ebenfalls am 18. Juni 2008 wurde das Handlungskonzept „demografischer Wandel in Münster“ in den Rat der Stadt Münster eingebracht. Ein Teilaspekt des demografischen Wandels ist die steigende Lebenserwartung, die einhergeht mit auf verhältnismäßig niedrigem Niveau stagnierenden Geburtenzahlen. Der Anteil älterer und hoch betagter Menschen an der Gesellschaft nimmt zu. Der Anstieg der Lebenserwartung ist eine er- freuliche und positive Entwicklung, die für den einzelnen Menschen, aber auch für die Gesellschaft große Chancen birgt. Wichtig ist, dass es gelingt, ein positives Bild vom Al- ter zu erzeugen, ein Bild, das nicht auf Beschwernisse und Einschränkungen sowie auf Belastungen fokussiert, sondern die Potentiale in Blick rückt. Hierbei spielt die Aktivie- rung eine wesentliche Rolle. Ehrenamtliches Engagement hat nicht nur eine fremdnützi- ge Ausrichtung, sondern positive Auswirkungen auf den Engagierten selbst. Dies gilt für die geistige, seelische und körperliche Gesundheit. Das Engagement beugt Vereinsa- mung vor und schafft Unterstützungs- und Hilfestrukturen im Alter jenseits von Familie und Nachbarschaft. Diese wichtigen gesamtstädtischen Handlungsfelder werden auch in der Neuausrichtung der Freiwilligenagentur Berücksichtigung finden. 1.4 Genese der Freiwilligenagentur (FA) Ziel eines 1998 durchgeführten Hearings mit Bürgerinnen und Bürgern und Fachleuten aus Wissenschaft und Politik war es, das traditionell ausgeprägte bürgerschaftliche En- gagement in Münster öffentlich noch mehr anzuerkennen und nachhaltig zu fördern und zu stärken. Die vorhandene örtliche Struktur sollte über die Einrichtung einer Kontakt- stelle zur Förderung des bürgerschaftlichen Engagements mit niederschwelligen und transparenten Angeboten stärker vernetzt und weiterentwickelt werden. 1999 beauftragte der Rat der Stadt Münster die kommunal verwaltete Stiftung Siverdes mit der Umsetzung von Maßnahmen zur Stärkung und Förderung des sozialen Ehren- amtes und des bürgerschaftlichen Engagements in Münster. Wesentlicher Bestandteil - 4 - V/0777/2008 der Maßnahmen war die Einrichtung der „Freiwilligenagentur“ (FA) in Trägerschaft der Stiftung. Kooperationspartner wurde die Münsteraner Informations- und Kontaktstelle für Selbsthilfe (miks). Kennzeichnend war die inhaltliche und organisatorische Ausrichtung auf soziale Enga- gementfelder. Dabei nehmen die Beratung von Engagementinteressierten einerseits sowie die Beratung und Begleitung von Nonprofit-Organisationen (NPOs) andererseits die zentrale Rolle ein. Der Aufbau und die Konsolidierung der Agentur sind gut verlau- fen, sodass ihr Konzept und einzelne Ideen in der Vergangenheit mit Preisen ausge- zeichnet wurden. Darüber hinaus hat die gelungene Vernetzung die Freiwilligenagentur zu einem kompetenten Partner für Engagementsuchende der Nonprofit-Organisationen und der Hochschulen gemacht. 2. Zukünftige Aufgabenfelder der Freiwilligenagentur (FA) Die zitierten gesellschaftlichen Veränderungen erfordern eine Neuausrichtung der Freiwilligenagentur als Moderator und Plattform bürgerschaftlichen Engagements in Münster. Gerade aktive Seniorinnen und Senioren möchten sich oft in den Bereichen Soziales, Kultur oder Bildung engagieren. Über soziale Engagementfelder, die nach wi e vor den Schwerpunkt in der FA bilden, hinaus öffnet sich die Agentur beispielsweise für Engagementfelder wie Kultur, Umwelt, Naturschutz und Bildung. Die seit Jahren zu beobachtenden Nachfrage in der FA nach diesen Engagementfeldern zeigt, dass sich die Bürgerinnen und Bürger auch hier stär- ker engagieren möchten. 2.1 Ziele und Zielgruppen der Freiwilligenagentur (FA) Wesentliches Ziel und bedeutsame Aufgabe der FA ist es, Transparenz zwischen den Wünschen der vielen Menschen, die an ehrenamtlicher Tätigkeit interessiert sind, und den immer zahlreicher werdenden Einsatzfeldern und den entsprechenden Bedarfen zu verbessern. Die FA soll eine zentrale Vermittlungsfunktion in Bezug auf die Ansprache neuer Zielgruppen haben. 2.1.1 Ehrenamtlich Engagierte und Engagementinteressierte Die Information, die Beratung und die Vermittlung sowie die Qualifizierung von Bürgerin- nen und Bürgern, die an der Übernahme eines Ehrenamtes interessiert sind, gehören zu den Aufgaben der FA. Dabei soll insbesondere die Beratung und Vermittlung in geeigne- te Ehrenamtsfelder stärker standardisiert werden. Bewährt hat sich die Datenbank mit unterschiedlichsten Profilen der in Münster angebotenen Ehrenamtsfelder, die dem En- gagementinteressierten einen ersten Überblick verschaffen soll. Ziel der Beratung in der FA ist es, über eine differenzierte Adaption der Vorstellungen und Bedingungen, die der Ehrenamtliche für sein beabsichtigtes Engagement zugrunde legt, und den Erfordernis- sen, die das Ehrenamtsfeld vorgibt, eine hohe „Passgenauigkeit“ zu erreichen. Die NPOs müssen auf ihre Aufgaben hinsichtlich der Einbindung Ehrenamtlicher gut vorbe- reitet werden. In den Prozess der Vermittlung von Alltagshilfen im Einzelfall sollen zukünftig die Helfe- rinnen und Helfer des Projektes „Von Mensch zu Mensch“ verstärkt einbezogen werden. Sie kennen die Bedarfe der Menschen in den Wohnquartieren genauer und können ge- zielter ehrenamtliche Helferinnen und Helfer vermitteln. Ehrenamtliche Leistungen sind angemessen zu würdigen als „Lohn“ für die „Arbeit“. Eh- renamt braucht eine eigene Anerkennungskultur. Formen der Anerkennung kreativ wei- ter zu entwickeln, daran wird sich auch die FA gemeinsam mit anderen Akteuren in der Stadtgesellschaft beteiligen. - 5 - V/0777/2008 2.1.2 Bürgerschaftliche Initiativen Die FA ist offen für Gruppen von Bürgerinnen und Bürgern, die sich zusammenschlie- ßen, um gemeinsam etwas für Andere zu tun. Die Beratung und Unterstützung von Bür- gergruppen und Initiativen bei der Gründung und während der ersten Etablierungsphase rücken stärker in das Aufgabenfeld der FA. Organisationsentwicklung, Vernetzung, Coa- ching und die Ausbildung von Freiwilligenkoordinatoren sind hier die künftigen Leis- tungsmerkmale der FA. Hinzu kommt die Information und Beratung über geeignete Wei- terbildungsmaßnahmen für die dort Engagierten. Beispiele für diese oder ähnliche Formen des Bürgerengagements sind die Stadtteiliniti- ativen des Projektes „Von Mensch zu Men sch“ und das Projekt „Patengroßeltern“, bei denen die FA bereits begleitend tätig war oder ist. 2.1.3 Organisationen und Verbände Die Vermittlung Ehrenamtlicher in Organisationen, die Tätigkeitsfelder anbieten, bleibt wichtiger Bestandteil der Aufgaben der FA. Die Merkmale des hierzu praktizierten Quali- tätsmanagements liegen auch künftig dieser Aufgabe zugrunde. Darüber hinaus auch die Entwicklung von Fort- und Weiterbildungsangeboten für Ehrenamtliche in Organisa- tionen und deren hauptamtliche Kräfte, die den Einsatz Ehrenamtlicher koordinieren. 2.1.4 Unternehmen Mit zunehmender Häufigkeit treten Unternehmen an die FA heran und erkundigen sich als „gute Unternehmensbürger“ nach Feldern für ihr beabsichtigtes finanzielles oder Mit- arbeiterengagement. Es ist erkennbar, dass auch in Münster Unternehmen deutlicher ih- re „Sozialverträglichkeit“, ihr Engagement für die Kommune unter Beweis stellen wollen. Soziales und ökologisches Engagement v on Unternehmen kann sich zu einem ent- scheidenden Wettbewerbsfaktor entwickeln. Auf die Nachfrage von Unternehmen nach Engagementmöglichkeiten soll die FA sow ohl mit der konkreten Beschreibung von Einsatzfeldern als auch mit umsetzbaren Konzepten und Dienstleistungen beispielswei- se für sogenannte Engagementtage (social days) reagieren. 3. Voraussetzungen für die Umsetzung der Aufgaben • Die FA wird als Infrastruktureinrichtung für das bürgerschaftliche Engagement in Münster dauerhaftes Aufgabenfeld im Stiftungshandeln der Kommunalen Stiftun- gen durch die Stiftung Siverdes. • Die Umsetzung der neuen Ziele und Aufgaben der FA ist durch die Einbeziehung neuer strategischer Partner zu sichern. Ein zu konstituierender Beirat ermöglicht die Vernetzung zur Wirtschaft, den Hochschulen, den NPOs und den bisherigen Kooperationspartnern und Interessenvertretern. • Die FA öffnet sich für Engagementfelder wie Kultur, Umwelt, Naturschutz und Bildung, wobei das Engagement im sozialen Bereich der Hauptschwerpunkt bleibt. • Die FA entwickelt geeignete Veranstaltungsformen und Aktionen zur Hebung des vorhandenen Potentials für bürgerschaftliches Engagement. Dazu wird das Konzept für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit überarbeitet. Damit sollen neue Zielgrup- pen innerhalb der Bürgerschaft erreicht werden. Dabei spielt die Entwicklung neuer Formate mit den Akteuren und Multiplikatoren vor Ort eine große Rolle, um dezen- tral Bürgerinnen und Bürger in den Stadtteilen anzusprechen. Das Marketingkonzept beinhaltet auch die Entwicklung neuer Instrumente zur Wert- schätzung des Ehrenamtes. Beispiele für eine ausgeprägtere Anerkennungskultur wären Preise, Dankeschön-Veranstaltungen oder auch die Einführung einer Ehren- - 6 - V/0777/2008 amtskarte. Die Bereitstellung leicht abrufbarer Informationen zu geeigneten Fort- und Weiterbildungsangeboten in und um Münster gehört ebenfalls dazu. • Das vorhandene Qualitätsmanagement ist Grundlage für die Vermittlung in Orga- nisationen. Über ein noch zu entwickelndes Controlling soll die Wirksamkeit der FA-Angebote gemessen und gesichert werden. • Die neuen Aufgaben erfordern zum Teil neue Qualifikationen in der FA. Experten- wissen wird das vorhandene Know now ergänzen (Honorar- oder Werkverträge); die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der FA erweitern kontinuierlich ihre Fähigkeiten und ihr Wissen durch geeignete Fort- und Weiterbildungen. • Die Stiftung Siverdes stellt der FA künftig für die Realisierung der oben beschriebe- nen Aufgaben jährlich ein Budget von 150.000 € zur Verfügung. Darin sind wie bisher die Finanzierung für den Einsatz von 1,6 Personalstellen sowie sämtliche Sach- und Nebenkosten enthalten. Die Neuausrichtung der FA und die Übernah- me zusätzlicher Aufgaben erfordern jedoch, z. B. für den Einsatz von Honorar- oder Werkvertragsleistungen, eine Anhebung des Budgets von bisher ca. 120.000 € auf 150.000 €. 4. Fazit und Ausblick „Bürgerschaftliches Engagement ist zwar eine freiwillige gemeinwohlorientierte Tätigkeit, aber sie ist für Kommunen keinesfalls gratis zu haben“, heißt es im Fazit des zitierten Diskussionspapiers zu den „Zukunftstrends der Bürgergesellschaft“. Jeder in bürgerschaftliches Engagement investierte Euro erbringt einen Nutzen von sie- ben Euro. Das ist das Ergebnis eines aktuellen Gutachtens zum Wert des bürgerschaft- lichen Engagements in Bayern. Das Gutachten wurde durch die Katholische Stiftungs- fachhochschule München im Auftrag des Bayrischen Sozialministeriums erstellt. Unter- sucht wurden vielfältige Bereiche des Engagements, von der Nachbarschaftshilfe und Beratungsdiensten über Selbsthilfegruppen bis hin zu kulturellem Engagement und frei- williger Feuerwehr. Das Gutachten empfiehlt u. a. den weiteren Ausbau von verlässli- chen Infrastrukturen zur Engagementförderung von Ort, wie sie beispielsweise die Frei- willigenagenturen darstellen. Mit der FA hat die Stadt Münster eine zentrale und verlässliche Infrastruktureinrichtung um das bürgerschaftliche, freiwillige, ehrenamtliche Engagement in Münster zu heben, zu unterstützen und zu fördern. Es ist Kernaufgabe Kommunaler Stiftungen, an der Seite der Städte und Gemeinden, zusätzlich zu gesetzlichen Leistungen der öffentlichen Hand, Angebote zu entwickeln und zu fördern, die dem Gemeinwohl und somit den Bürgerinnen und Bürgern in der Stadt zu Gute kommen. Die Stiftung Siverdes rechtfertigt vor diesem Hintergrund künftig die jährlichen Ausgaben für die Förderung bürgerschaftlichen Engagements durch den Betrieb der Freiwilligen- agentur. I. V. gez. Thomas Paal Stadtrat
Beratungsverlauf (6)
Beschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungBeschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungBeschluss: ohne Beschlussfassung geschoben
Zur SitzungBeschluss: ohne Beschlussfassung geschoben
Zur SitzungBeschluss: einstimmig geändert beschlossen
Zur SitzungDetails
- Vorlagen-Nr.
- V/0777/2008
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 26.09.2008
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37