V/0203/2019
Aktualisiertes Migrationsleitbild 2019
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Anlage A
2148 Zeichen
Anlage A zur V/0203/2019 Kurzüberblick Der Rat der Stadt Münster hat in den Jahren 2008 (Vorlage V/0026/2008) und 2014 (Vorlage V/0193/2014) beschlossen, das Migrationsleitbild alle fünf Jahre systematisch fortzuschreiben. Mit dieser Vorlage soll dementsprechend das überarbeitete Migrationsleitbild beschlossen wer- den. Ziele/Teilziele/Zielerreichung Mit dem aktualisierten Migrationsleitbild wird die Migrations- und Integrationsarbeit in Münster neu ausgerichtet. Dies betrifft die Ziele des Kommunalen Integrationszentrums in der Produktgruppe 0116 und er- fordert auch eine Überprüfung der Ziele verschiedener Fachämter in anderen Produktgruppen. Folgende Leitorientierung aus dem ISM-Prozess wird verfolgt: Wir werden Münster auf der Basis unserer Geschichte und des Prinzips von „Toleranz durch Dialog“ zu einer weltoffenen Stadt weiterentwickeln. Finanzierung Produktgruppe: 0116 Migrations- und Integrationsmanagement Auswirkungen auf den Ergebnisplan Ja x Nein Auswirkungen auf den Finanzplan Ja x Nein Im beschlossenen (Nachtrags-)Haushaltsplan JJJJ enthalten? Ja x Nein teilw. Im Entwurf des (Nachtrags-)Haushaltsplan JJJJ enthalten? Ja x Nein teilw. Belastungen in zukünftigen HH-Jahren? Ja x Nein Bereits veranschlagt? Ja Nein Pflichtigkeitsgrad Die Maßnahme/Leistung ist x vollständig pflichtig überwiegend pflichtig überwiegend freiwillig vollständig frei- willig Das Teilhabe- und Integrationsgesetz NRW fordert für den Bestand des Kommunalen Integrations- zentrums ein gültiges Integrationskonzept. Diese Pflicht wird über das Migrationsleitbild erfüllt. Laut Ratsbeschluss (Vorlage V/0193/2014) ist eine Aktualisierung erforderlich. Unmittelbare, grundsätzliche Relevanz für Querschnittsthemen (Demographie, Gleichstellung, Inklusion, Klimaschutz, Migration) Mit dem aktualisierten Migrationsleitbild wird die Migrations- und Integrationsarbeit in Münster an die aktuellen Herausforderungen angepasst. Die Handlungsfelder beziehen sich auf alle Querschnittsthemen. Die Umsetzung der formulierten Ziele hat eine unmittelbare positive Wirkung auf die Perspektiven.
Beschlussvorlage
6364 Zeichen
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V/0203/2019
Öffentliche Beschlussvorlage
Betrifft
Aktualisiertes Migrationsleitbild 2019
Beratungsfolge
20.03.2019 Integrationsrat Anhörung
03.04.2019 Haupt- und Finanzausschuss Vorberatung
03.04.2019 Rat Entscheidung
Beschlussvorschlag:
I. Sachentscheidung:
1. Das 2. aktualisierte Migrationsleitbild (Anlage 1 der Vorlage) wird als Handlungsgrundla-
ge der Migrationsarbeit in Münster beschlossen.
2. Die Verwaltung wird beauftragt, das Migrationsleitbild in fünf Jahren erneut zu überarbei-
ten.
II. Finanzielle Auswirkungen:
Es wird zur Kenntnis genommen, das mit dieser Vorlage unmittelbar keine Kosten
entstehen.
Begründung:
Seit über zehn Jahren ist das Leitbild „Migration und Integration“ (Migrationsleitbild) Grundlage und
Zielsetzung der Migrationsarbeit in Münster. Das ist zugleich auch Voraussetzung für die Landesfö r-
derung des Kommunalen Integrationszentrums.
Die systematische Fortschreibung des Leitbildes alle 5 Jahre wurde 2008 (Vorlage V/0026/2008) und
2014 (Vorlage V/0193/2014) einstimmig im Rat beschlossen. Entsprechend wurde der zweite Überar-
beitungsprozess 2018 unter Federführung des Kommunalen Integrationszentrums in Zusammena r-
beit mit dem Integrationsrat gestaltet. Eingeladen waren alle dem Rat angehörenden Parteien, Vertre-
Dezernat IV/Kommunales
Integrationszentrum
05.03.2019
Ihr/e Ansprechpartner/in:
Frau Reckfort
Telefon: 492-7080
Reckfort@stadt-muenster.de
Frau Quasinowski
Telefon: 492-7089
Quasinowski@stadt-
muenster.de
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terinnen und Vertreter des Integrationsrates, der Freien Wohlfahrtspflege, Glaubensgemeinschaften,
Wohnungsgesellschaften, aus Sportvereinen, Ehrenamtsinitiativen, Migrantenselbstorganisationen,
Polizei, Wohnungsunternehmen, Bildungseinrichtungen, Schulen, Kinder tagesstätten, Hochschulen
sowie Vertreterinnen und Vertreter der öffentlichen Verwaltungen und interessierte Bürgerinnen und
Bürger der Stadt. Mit dieser breiten stadtgesellschaftlichen Beteiligung soll sichergestellt werden,
dass das Leitbild einen aktuel len, relevanten und vielfältige Blickwinkel berücksichtigenden Beitrag
liefert.
In fünf intensiven Sitzungen von Oktober 2018 bis Januar 2019 trafen insgesamt 200 Akteure z u-
sammen und diskutierten über die Veränderungen und gegenwärtigen Herausforderungen im Bereich
der Migration in Münster. An den einzelnen Veranstaltungen haben jeweils über 70 Akteure teilg e-
nommen. Moderiert wurde der Prozess durch Prof. Dr. Reuber und Imme Lindemann, Institut für G e-
ographie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Prof. Dr. Reuber hat bereits die vorherigen
Leitbildprozesse begleitet.
Die in Münster bewährten Standards wie der potentialorientierte Ansatz als auch das Integrationsve r-
ständnis der Stadt Münster mit einem gemeinsamen „Wir“ bleiben im aktuellen Leitbild erhalten.
Stärker als in der Vorlage von 2014 wird Integration aber als Querschnittsaufgabe betrachtet . Ent-
sprechend wird das Handlungsfeld „Presse- und Öffentlichkeitsarbeit“ aufgelöst und als Aufgabe aller
Handlungsfelder in die übergeordneten Leitz iele einbezogen. In diesen ist außerdem neu , dass die
„Überwindung von Rassismus und Diskriminierung “ und der „Abbau von Vorurteilen“ als zentrale ge-
meinsame Aufgabe wahrgenommen werden. Dies wird bestärkt durch den vom Rat am 12. Dezember
2018 beschlossenen Beitritt der Stadt Münster zur „Europäischen Städtekoalition gegen Rassismus
(ECCAR)“ (Vorlage V/0799/2018).
Die Aktualisierung umfasst zudem passendere Titel für einzelne Handlungsfelder. Beispielsweise
stehen im Handlungsfeld „Bildung und Sprachen“ auch Mehrsprachigkeit sowie die Mutter -, He r-
kunfts- und Familiensprachen im Mittelpunkt.
Das Handlungsfeld „Rechtliche Integrationsbegleitung“ wurde in „Rechtliche Beratung und Integrat i-
onsbegleitung“ umbenannt, um Beratung in rechtlichen Fragen und die A kteure in der Integrationsbe-
gleitung stärker voneinander abzugrenzen. Auch haben neue Themen Eingang in das Leitbild gefun-
den. Erst malig werden „(Politische) Partizipation und zivilgesellschaftliches Engagement“, „Fr eizeit“
und „Religion“ genannt. Im Hand lungsfeld „(Politische) Partizipation und zivil gesellschaftliches Enga-
gement“ spiegelt sich der große Stellenwert der Arbeit von Ehrenamtlichen in Initiativen, Vereinen und
Migrantenselbstorganisationen seit den Zuwanderungen 2015 wider. Die Mitwirkenden h aben viele
kreative Wege gefunden, um die Neuzugewanderten zu unterstützen und gemeinsam für ein welto f-
fenes solidarisches Zusammenleben einzutreten. Das Thema „Religion“ wurde aufgegriffen, da durch
die wachsende Vielfalt der Glaubensgemeinschaften eine verstärkte Sensibilität für das Thema sowie
die Förderung von Begegnungsmöglichkeiten bedeutsam sind. Mit dem Bereich „Freizeit“ wird die
Unterstützung gesellschaftlicher Teilhabe und des solidarischen Zusammenlebens auch in den info r-
mellen Angeboten der Zivilgesellschaft anerkannt.
Das Handlungsfeld „Interkulturelle Öffnung der öffentlichen Verwaltungen“ wird inhaltlich ausgeweitet.
Es bezieht sich nicht nur auf die Stadtverwaltung, sondern auf alle öffentlichen Verwaltungen.
Insgesamt soll in allen Bere ichen eine verbesserte Teilhabe von Menschen mit Migrationsvorg e-
schichte ermöglicht werden.
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Die strategischen allgemeinen Leit- und Teilziele des Leitbildes ermöglichen es, passgenau und flexi-
bel auf die veränderten Anforderungen in der kommunalen Migrat ions- und Integrationsarbeit zu rea-
gieren. Um die Umsetzung dieser Ziele zu gewährleisten, sollen spezifische, messbare, aktuelle, re a-
listische und terminierte Handlungsziele sowie Indikatoren für ein Integrationsmonitoring (zuletzt
2017) erarbeitet und weiterentwickelt werden. In diesen Prozess werden nicht nur städtische, sondern
auch externe Akteure der Freien Wohlfahrtspflege, aus Vereinen, Organisationen und der Zivilgesel l-
schaft einbezogen. Das Kommunale Integrationszentrum ist mit der Koordination de s Prozesses als
„Impulsgeber“ beauftragt.
I.V.
gez.
Thomas Paal
Stadtdirektor
Anlagen:
Anlage A
Leitbild Migration und Integration Münster 2019
Migrationsleitbild 2019
68982 Zeichen
Leitbild
Fortschreibung 2019
Migration und Integration
19-KI-2_Titel-Migrationsleitbild.indd 1 05.03.19 12:56
Leitbild
Migration und Integration Münster
Überarbeitete Auflage des
Leitbildes Migration und Integration Münster
3. Fassung 2019
Herausgeber
Kommunales Integrationszentrum Münster
Andrea Reckfort und Alina Quasinowski
in Zusammenarbeit mit dem Integrationsrat der Stadt Münster
Moderation und Redaktion
Institut für Geographie der WWU Münster
Prof. Dr. Paul Reuber
Imme Julia Lindemann, M.Sc.
Copyright Stadt Münster, März 2019
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Leitbild Migration und Integration Münster – Fortschreibung 2019
Sehr geehrte Damen und Herren,
Nachdem das Leitbild „Migration und Integration“ 2008 ei n-
stimmig vom Rat verabschiedet worden ist, sechs Jahre später in
Zusammenarbeit mit vielen unterschiedlichen Gruppen und
Personen konkretisiert und aktualisiert wurde, ste llen wir uns
heute rund 10 Jahre später der aktuellen Ausgangslage mit vi e-
len, neuen Herausforderungen.
Auch zukünftig bleibt Integration eine der wichtigsten Aufgaben
unserer Stadtgesellschaft.
Was hat sich im vergangenen Zeitraum bewährt? Ohne Zweifel h aben das große Interesse und
die breite Beteiligung engagierter Bürgerinnen und Bürger zur weiteren Umsetzung des Leitbi l-
des beigetragen. Es ist sowohl dem innovativen Umgang mit Herausforderungen als auch der
Suche nach gemeinsamen Antworten geschuldet, d ass die Integrationsarbeit vorangetrieben
und konkretisiert werden konnte. Gute Strukturen in Münster ermöglichen die gemeinsame
Arbeit auf Grundlage des Leitbildes. Das ist sehr erfreulich.
Das Leitbild ist kein starres Konstrukt, sondern ein strategisches Papier, das es zulässt auf ko m-
plexe gesellschaftliche Prozesse flexibel zu reagieren. Durch die Arbeit mit dem Leitbild in Müns-
ter entwickeln sich die Handlungsfelder stetig weiter. Das Leitbild enthält weitere Konkretisi e-
rungen und neue Ziel e um die Integrationsarbeit konstruktiv umsetzen zu können. Dafür bra u-
chen wir stets die Unterstützung von allen Ämtern der Stadtverwaltung und von den vielen
Haupt- und Ehrenamtlichen in den verschiedenen Lebensbereichen.
In Münster leben ca. 71.000 Menschen mit Migrationsvorgeschichte. Sie oder ihre Eltern wurden
in einem anderen Land geboren. Das sind mehr als ein Fünftel aller Münsteranerinnen und
Münsteraner. Sie kommen aus mehr als 16 0 Ländern unserer Welt. Wir erkennen diese Vielfalt
an und schätzen sie wert. Es ist sehr wichtig gemeinsame Werte und Haltungen zu fixieren und
sich aktiv gegen rechtspopulistische oder rassistische Motivationen und Bewegungen zu richten.
Die Menschen in Münster leben den gesellschaftlichen Zusammenhalt, indem sie aktiv für eine
weltoffene Stadt eintreten. Es bleibt unser Anspruch auch zukünftig für gegenseitiges Verstän d-
nis und Toleranz einzustehen.
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Leitbild Migration und Integration Münster – Fortschreibung 2019
Ich möchte an dieser Stelle alldenjenigen danken, die sich unermüdlich an Integrationsarbeit
sowie Umsetzung und Weitere ntwicklung des Leitbildes beteiligen. Für die zukünftige Arbeit
wünsche ich alles Gute und erfolgreiches Wirken.
Ihr
Markus Lewe
Oberbürgermeister der Stadt Münster
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Leitbild Migration und Integration Münster – Fortschreibung 2019
Sehr geehrte Damen und Herren,
das vorliegende „Leitbild Migration und Integration Münster“
wurde zum dritten Mal erarbeitet und den Bedürfnissen und
Anforderungen der kommenden Jahre angepasst. An den Treffen
haben Vertreterinnen und Vertreter des Rates, der Politik und
Verwaltung, Mig rantenselbstorganisationen, Glaubensgemei n-
schaften, Ehrenamtsinitiativen, Wohlfahrtsverbände, Bildung s-
einrichtungen, Hochschulen und Zivilgesellschaften, zahlreiche
Persönlichkeiten und der Integrationsrat aktiv teilgenommen.
Bei den Arbeitstreffen haben w ir uns mit den früheren programmatischen Schwerpunkten, den
Zielen wie auch Ergebnissen des Integrationsmonitorings intensiv befasst. Wir haben all diese
Punkte ausgearbeitet um damit neue Wege wie auch Leitziele inhaltlich konkreter und realist i-
scher vorz ustellen. Es wurde darüber zum Teil kontrovers diskutiert. Erfreulicherweise konnte
man sich jedes Mal auf gemeinsame Formulierungen und Ziele einigen. Als Wichtigstes soll b e-
tont werden, dass die Muttersprachen, Herkunfts - und Familiensprachen eindeutig a nerkannt
und deren weitere Förderung zugesichert wurden.
Aus Sicht des Integrationsrates stellt u.a. die interkulturelle Zusammensetzung der Verwaltu n-
gen einen wichtigen Indikator für eine gelungene Integration dar. Um die interkulturelle Unte r-
besetzung der Verwaltungen zu überwinden, haben wir zahlreiche konkrete Vorschläge unte r-
breitet. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben gemeinsam die Ziele entwickelt und ve r-
abschiedet.
Münster ist eine Stadt der Vielfalt. Menschen aus allen Teilen der Welt leben hier, alle Weltrel i-
gionen sind vertreten und alle Sprachen werden gesprochen. Der Integrationsrat hält die inte r-
kulturelle Arbeit und insbesondere den interreligiösen Dialog für das Zusammenleben unserer
Stadt für sehr wichtig. Dazu finden sich im Handlun gsfeld „Kultur und Religion“ einige wesentl i-
che Eckpunkte.
Insbesondere im neuen Handlungsfeld „(Politische) Partizipation und zivilgesellschaftliches
Engagement“ wurde auf die Wichtigkeit des Integrationsrates im Leitbildprozess hingewiesen
und die Unter stützung für seine vielfältigen Aktivitäten zugesagt. Der Integrationsrat wird sich
für die Umsetzung des Migrationsleitbildes aktiv einsetzen. Die Verbesserung der Schulsitua tion
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Leitbild Migration und Integration Münster – Fortschreibung 2019
der Kin der mit Migrationsvorgeschichte stellt weiterhin eine große Herausfo rderung für die
Stadt Münster dar. Ebenfalls wird von der Stadt erwartet, Maßnahmen zu treffen, der zurückg e-
henden Anzahl der Einbürgerungen entgegenzutreten.
Nun beginnt die entscheidende Phase, nämlich sich für die in diesem Programm angesetzten
Ziele einzusetzen. Dies setzt voraus, mit allen Akteuren der Integrationsarbeit, vor allem mit Rat
und Verwaltung, konstruktiv zusammenzuarbeiten.
Ich bedanke mich bei allen, die bei der Erarbeitung des neuen Migrationsleitbildes mitgewirkt
haben.
Dr. Ömer Lütfü Yavuz
Vorsitzender des Integrationsrates
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Leitbild Migration und Integration Münster – Fortschreibung 2019
Ein Migrationsleitbild für Münster
Das Leitbild formuliert die gemeinsame weltoffene und solidarische Haltung der Münste raner Stad tgesellschaft.
Ganz bewusst wird dabei das „Wir“ verwendet. Das verdeutlicht, dass alle Menschen mit und ohne Mi grationsvor-
geschichte, die in Münster leben, das Zusammenleben g emeinsam gestalten. Unsere stra tegischen, allg emeinen
Leitziele ermöglichen den beteiligten Akte uren flexibel auf veränderte A nforderungen in der komm unalen Migra-
tions- und Integrationsarbeit reagieren zu k önnen. Um die Umsetzung dieser Ziele zu g ewährleisten, werden z u-
künftig spezifische, messbare, aktuelle, reali stische und terminierte Han dlungsziele erarbeitet. Dieser Prozess wird
vom Kommunalen Integrationszentrum koordiniert.
Inhaltsverzeichnis
1 Präambel ........................................................................................................................................ 7
2 Ein Leitbild für die gesamte Münsteraner Stadtgesellschaft ................................................ 10
3 Das Integrationsverständnis der Stadt Münster .................................................................... 12
4 Grundsätze der Integrationsarbeit in Münster ...................................................................... 13
5 Erfolgsfaktoren von Integrationsmanagement in Münster .................................................. 14
6 Integrationsleitziele Münsters .................................................................................................. 16
6.1 Übergeordnete Leitziele als Querschnittsaufgaben aller Handlungsfelder: Überwindung von
Rassismus und Diskriminierung, interkulturelle Kompetenz, Gendersensibilität und Abbau von
Vorurteilen ...................................................................................................................................................... 16
6.2 Rechtliche Beratung und Integrationsbegleitung ........................................................................ 18
6.3 (Politische) Partizipation und zivilgesellschaftliches Engagement ........................................... 19
6.4 Bildung und Sprachen ..................................................................................................................... 21
6.5 Kinder- und Jugendhilfe, soziale Leistungen und Dienste............................................................ 23
6.6 Wirtschaft und Arbeit ...................................................................................................................... 25
6.7 Wohnen und sozialräumliche Stadtentwicklung ......................................................................... 27
6.8 Gesundheit und Pflege ..................................................................................................................... 29
6.9 Kultur und Religion ........................................................................................................................... 31
6.10 Sport und Freizeit ............................................................................................................................. 33
6.11 Interkulturelle Öffnung der öffentlichen Verwaltungen ............................................................. 35
7 Am Überarbeitungsprozess des Leitbildes beteiligte Institutionen ................................... 37
7
Leitbild Migration und Integration Münster – Fortschreibung 2019
1 Präambel
Von den gut 309 .400 Einwohnerinnen und Einwohner n unserer Stadt haben mehr als 71.600
eine Migrationsvorgeschichte, jeweils zur Hälfte Frauen und Männer.1 Insgesamt sind in Münster
über 160 Nationalitäten vertreten. Die Zahlen verdeutlichen, dass wir in einer bunten, vie lfälti-
gen Stadt leben. Deshalb ist Integration für die Münsteraner Stadtgesellschaft ein zentrales
Thema. Seit Langem finden Menschen mit Migrationsvorgeschichte in Münster eine Heimat. Das
Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft, Weltanschau ung und Religion ist
eine Bereicherung und Chance für unsere Stadt , es trägt zu ihrer Internationalität und ihrer L e-
bensart bei. Gemeinsam wollen wir die Potenziale, die darin stecken, zum Wohl und zur nac h-
haltigen Entwicklung der Stadt und ihrer Menschen nutzen.
Wir2 leben in einer solidarischen Gemeinschaft und erkennen die verschiedenen Lebenslagen
und Bedürfnisse der Menschen an. Vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Herausforderungen
des Arbeitsmarktes und der Internationalisierung der Gesellschaft gilt es, die hier lebenden
Menschen mit Migrationsvorgeschichte aktiv und produktiv in das gesellschaftliche Leben ei n-
zubeziehen.
Bereits der Nationale Integrationsplan (2007 , 2012) und der Bericht der Kommunalen Gemei n-
schaftsstelle für Verwaltungsmanagement (2017) unterstreichen die Bedeutung der Komm u-
nen im Integrationsprozess . Sie sind die Orte, an denen Integration tatsächlich und tagtäglich
stattfindet. Beide empfehlen daher die Entwicklung von kommunalen Gesamtstrategien, die den
jeweiligen örtlichen Erf ordernissen angepasst sind. Auch die Stadt Münster, die als „Stadt des
Westfälischen Friedens“ dem Erhalt des sozialen Friedens in der Stadtgesellschaft seit jeher eine
zentrale Rolle zugeschrieben hat, folgte dieser Empfehlung mit der Erstellung des Leitb ildes
„Migration und Integration Münster“ im Jahr 2008, das – nach einer ersten Fortschreibung 2014
– nun in einer dritten überarbeiteten, aktualisierten Fassung vorliegt. Darin bearbeiten wir ziel-
orientiert unterschiedliche Handlungsfelder und entwickeln sie weiter. Dieses Leitbild ergänzt
den Zukunftsprozess „Münster Zukünfte 20|30|50“, der in einem breit angelegten partizipativen
1 Stadt Münster: Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung und Verkehrsplanung (2018): Jahresstatistik 2017 - Bevölke-
rung. Münster.
2 Wir, die Münsteraner Stadtgesellschaft als die Gemeinschaft aller Menschen mit und ohne Migrationsvorgeschichte.
Präambel
8
Leitbild Migration und Integration Münster – Fortschreibung 2019
Prozess versucht, Antworten auf verschiedenste Zukunftsfragen zu finden und Perspektiven auf-
zuzeigen.
Ziel ist es, Münster na ch den Prinzipien „Gelebte Akzeptanz“ und „Gleiche Chancen für ALLE“ zu
einer weltoffenen, internationalen Stadt weiterzuentwickeln, in der die Achtung der Mensche n-
rechte sowie die Wahrung des sozialen Friedens oberste Priorität besitzen, damit alle Bewohn e-
rinnen und Bewohner gleichermaßen gut in Münster leben können . Das Prinzip „Toleranz durch
Dialog“ ist eine wichtige Voraussetzung hierfür. Integration ist damit keine spezifische Aufgabe,
sondern eine Form des Miteinanders in der Stadtgesellschaft , die d as gesamte Leben umfasst .
Sie w ird dabei als dauerhafte Querschnittsaufgabe der gesamten Stadtgesellschaft angesehen.
Innerhalb der Verwaltung spielt sie als ressortübergreifende Aufgabe in jedem Handlungsb e-
reich und auf jeder Verwaltungsebene eine wichtig e Rolle, sodass eine Vielzahl von Fachbere i-
chen, Ämtern und Tochtergesellschaften an dieser wichtigen Aufgabe mitarbeiten. Eine zentrale
Rolle übernehmen auch die vielen anderen in der Integrationsarbeit engagierten Akteurinnen
und Akteure aus der Stadtgesellschaft: die Migrantenselbstorganisationen, die freien Träger , die
kulturellen Einrichtungen, die Frauenorganisationen, der organisierte Sport und die Sportverei-
ne, die Kirchen und religiösen Einrichtungen, die Kindertagesstätten und Bildungseinrichtungen
(Schulen, Berufskollegs, Hochschulen, VHS , Familienbildungsstätten ), die Medien , die politi-
schen Gremien , Kammern und Gewerkschaften , die Polizei, die Wirtschaft sowie nicht zuletzt
die gesamte Zivilgesellschaft.
Unter diesen Bedingungen ist ein kommunales Gesamtkonzept der Integration erforderlich, das
sämtliche gesellschaftliche Teilbereiche umfasst. Es reicht von der Stadtentwicklungsplanung
über die Bildung, den Arbeitsmarkt, soziale Aspekte, das Wohnen und die Chance auf ein sich e-
res und selbstbestim mtes Leben bis hin zur Freizeitgestaltung. Das Konzept stellt für alle Bete i-
ligten einen Orientierungsrahmen dar und soll Leitlinien für das politische Handeln schaffen.
Somit kann es als Grundlage für die Integrations arbeit dienen und dabei helfen, diese gezielter
zu steuern und zu optimieren. Unerwartete politische Herausforderungen in der jüngeren Ve r-
gangenheit (z.B. vermehrte Zuwanderung und Integration von Geflüchteten) haben gezeigt,
dass das Leitbild offen genug sein muss, um auch auf kurzfristige E ntwicklungen flexibel und
angemessen reagieren zu könn en. Die erforderliche Konkretisierung in der Umsetzung leisten
dann zahlreiche handlungsspezifische Konzepte und Maßnahmenkataloge, die auf den Zielen
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Leitbild Migration und Integration Münster – Fortschreibung 2019
des Leitbildes aufbauen. Ziel des Leitbildes ist e s darübe r hinaus, den Integrationsgedanken
dauerhaft in der Stadtgesellschaft als Selbstverständlichkeit zu verankern.
Federführend bei der Erarbeitung des „Leitbildes Migration und Integration Münster“ sowie bei
dessen Überarbeitung war das Kommunale Int egrationszentrum in Kooperation mit dem Integ-
rationsrat der Stadt. Dabei sind die Erfahrungen und Zielsetzungen vieler städtischer Ämter und
Institutionen und die Fachkenntnis und Kompetenz des Integrationsrates, der kontinuierlich
Impulse geliefert hat, eingeflossen.
Das in einem umfassenden partizipativen Prozess 2008 erstellte und 2014 erstmals überarbeite-
te Leitbild wurde auf Grundlage des Integrationsmonitorings 2017 erneut geprüft und ang e-
passt. Dabei wurden bewährte Ziele und Strategien beibehalten, gleichzeitig aber Aktualisierun-
gen und Konkretisierungen vorgenommen. Dieser Prozess geschah erneut gemeinsam mit Ak-
teurinnen und Akteuren aus den Religionsgemeinschaften, den Wohnungsgesellschaften, Verei-
nen, darunter auch Migrantenselbstorganisationen, mit Vertreterinnen und Vertretern aus Pol i-
tik, Verwaltung und Wirtschaft, den freien Wohlfahrtsverbänden, der Polizei, der Seniorenve r-
tretung Münster, den Flüchtlingsorganisationen und unter Einbindung der Zivilgesellschaft.3
Wir wünschen uns, dass das „Leitbild Migration und Integration Münster“ nicht nur Orientierung
für das Verwaltungshandeln und das Zusammenleben in der Münsteraner Stadtgesellschaft li e-
fert, sondern auch darüber hinaus eine Vorbildfunktion entwickelt.
3 Der Prozess der Leitbildüberarbeitung wurde von Prof. Dr. Paul Reuber unter der Mitarbeit von Imme Julia
Lindemann, M.Sc., vom Institut für Geographie der Westfälischen Wilhelms -Universität Münster moderiert, vor- und
nachbereitet sowie redaktionell unterstützt.
10
Leitbild Migration und Integration Münster – Fortschreibung 2019
2 Ein Leitbild für die gesamte Münsteraner Stadtgesellschaft
Vor dem Hintergrund des in Kapitel 3 formulierten Integrationsverständnisses richtet sich das
Leitbild an die gesamte Stadtgesellschaft, um Integration langfristig und nachhaltig zu ermögl i-
chen. Die Stadt Münster hat durch die Ve rwaltungsspitze und Politik vereinbart, Personen u n-
abhängig von ihrer Aufenthaltsdauer , ihrer Herkunft und ihrem Status an den Integrationsma ß-
nahmen teilhaben zu lassen. Denn in der kommunalen Lebenswirklichkeit führt eine Ausgre n-
zung von Personengruppen l angfristig zu Problemen der Chancenungleichheit und damit zu
sozialen Problemen, denen im Vorfeld entgegengewirkt werden soll.
Zu den Menschen mit Migrationsvorgeschichte zählen solche mit eigenen Migrationserfahru n-
gen sowie deren Nachfahren bis zur zweite n Generation. Einige Begriffe werden im Folgenden
definiert ( die Begriffe Zuwanderin und Zuwanderer werden dabei synonym zu den Begriffen
Migrantin und Migrant verwendet).
Zum Personenkreis mit Migrationsvorgeschichte zählen:
alle Personen mit ausländische r Staatsangehörigkeit, unabhängig davon, ob sie im Ausland
oder bereits in Deutschland geboren sind.
Spätaussiedlerinnen, Spätaussiedler und deren Nachfahren: Aussiedlerinnen und Aussiedler,
die heute überwiegend aus den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sow jetunion stammen
und Deutsche im Sinne des Art. 116 Abs. 1 des Grundgesetzes sind, werden in der
öffentlichen Wahrnehmung wie in der administrativen Praxis zu einer Migrantengruppe
unter anderen. Dies ist insofern nachvollziehbar, als dass sich ihre Einwan derungssituation
und ihre Integrationsprobleme nicht grundsätzlich von denen ausländischer Zuwanderer
unterscheiden. Da das Einwohnermelderegister keine Angaben zum Aussiedler -Status
enthält, wird die Identifizierung von Spätaussiedlerinnen und Spätaussied lern anhand
bestimmter Merkmale vorgenommen.
eingebürgerte Ausländer innen und Ausländer : Die Migrationsvorgeschichte bleibt auch
nach Annahme der deutschen Staatsbürgerschaft bestehen. Allerdings gehört das Merkmal
‚frühere Staatsangehörigkeit’ nicht zum I nhalt des Einwohnermelderegisters. Um trotzdem
eine Größenordnung abschätzen zu können, werden alle Deutschen mit einem
ausländischen Geburtsland als ‚eingebürgert’ klassifiziert. Gewisse Unschärfen bleiben
bestehen und müssen in Kauf genommen werden (etwa bei Deutschen, die ‚zufällig’ im
Ein Leitbild für die gesamte Münsteraner Stadtgesellschaft
11
Leitbild Migration und Integration Münster – Fortschreibung 2019
Ausland ge boren wurden , sowie bei eingebürgerten Ausländerinnen und Ausländern , die
bereits in Deutschland auf die Welt kamen).
Zu den Menschen mit Migrationsvorgeschichte gehören nach offiziellen Definitionen auch
die mit deutscher Staatsangehörigkeit geborenen Kinder von Personen mit ausländischer
Staatsangehörigkeit, von Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedlern, Eingebürgerten und
Personen, die die deutsche Staatsbürgerschaft durch Adoption durch einen deutschen
Elternteil erhalten haben.
Ein Leitbild für die gesamte Münsteraner Stadtgesellschaft
12
Leitbild Migration und Integration Münster – Fortschreibung 2019
3 Das Integrationsverständnis der Stadt Münster
Unter Integration verstehen WIR, die Münsteraner Stadtgesellschaft als die Gemeinschaft aller
Menschen mit und ohne Migrationsvorgeschichte, die gleichberechtigte Teilhabe ALLER an den
unterschiedlichen Bereichen der Gesellschaft. Neuzugewanderte und bereits ansässige Me n-
schen mit Migrationsvorgeschichte sollen die Möglichkeit haben, auf der Grundlage der Verfa s-
sung und der Gesetze unserer Demokratie gleichberechtigt am wirtschaftlichen, sozialen, kultu-
rellen und politischen Leben unter Gewährung gleicher Rechte und Pflichten teilzunehmen.
Integration kann dabei nicht verordnet werden. Sie erfordert Anstrengungen vom Staat und von
der Gesellschaft. Da es sich dabei um einen beidseitigen Pr ozess handelt, ist sowohl die Mitwi r-
kung der Zugewanderten als auch die der ansässigen Bevölkerung notwendig. In diesem Ve r-
ständnis kann Integration kein fixer Status sein, sondern ein immerwährender Aushandlung s-
prozess zwischen den neu hinzukommenden und den bereits am Ort lebenden Menschen. Der
Integrationsprozess und seine Grundlagen befinden sich also in einem ständigen Wandel, bei
dem es auch zu Konflikten kommt. Dies erfordert Offenheit, Respekt und Anerkennung unte r-
schiedlicher Lebensweisen. Fremdenhass und Diskriminierung jeglicher Art werden geächtet
und sanktioniert. Ein gelungener Integrationsprozess setzt die Bereitschaft der ansässigen B e-
völkerung voraus, Bedingungen zu schaffen, die es Neuzugewanderten ermöglichen, in Münster
Fuß zu fassen. Von ihnen wird gleichzeitig erwartet, entsprechende Angebote wahrzunehmen
und sich in das gesellschaftliche Leben nach ihre n jeweiligen Möglichkeiten einzubringen. Ziel
ist es, die Menschen nicht auf ihre Herkunft reduziert, sondern mit ihren individuellen Potenzia-
len wahrzunehmen. Die Stadt Münster verfolgt in diesem Sinne die Vision, ein Klima zu schaffen,
in dem vielfältige – auch neue und unbekannte – Lebensweisen ihre Berechtigung haben und
unterstützt werden.
Das Integrationsverständnis der Stadt Münster
13
Leitbild Migration und Integration Münster – Fortschreibung 2019
4 Grundsätze der Integrationsarbeit in Münster
Integration erfordert einen permanenten Verständigungs- und Aushandlungsprozess für das
Zusammenleben in einem Gemeinwesen. Das Fundament bildet das Grundgesetz mit der
Anerkennung der Menschenrechte, der demokratischen und der freiheitlichen Ordnung
sowie der Gleichstellung von Mann und Frau. Weitere Vereinbarungen des
Zusammenlebens sind jedoch in einem ständigen Dialog neu auszuhandeln. Dies bedeutet,
dass die Aufnahmegesellschaft Möglichkeiten zur Veränderung zulassen muss.
Notwendige Voraussetzung en für die Integration von Menschen mit
Migrationsvorgeschichte sind einerseits ihre uneingeschränkte Akzeptanz sowie das
entschiedene Vorgehen gegen Diskriminierung und Rassismus. Dies gilt unabhängig von der
Herkunft und davon, ob ihr Aufenthalt juristis ch befristet oder auf Dauer angelegt ist.
Andererseits muss die Bereitschaft der Migrantinnen und Migranten gegeben sein, sich auf
ein Leben in ihrer neuen Gesellschaft einzulassen.
Die soziokulturelle Vielfalt des Gemeinwesens ist von allen Bewohner innen und Bewohnern
anzuerkennen. Dies bedeutet auch, die Heterogenität und damit die unterschiedlichen
Bedürfnisse sowohl innerhalb der Aufnahmegesellschaft als auch von Seiten der
Zuwanderinnen und Zuwanderer zu berücksichtigen. Der einzelne Mensch steht hier im
Vordergrund.
Integration im Sinne des Potenzialansatzes versucht, gezielt die individuellen Begabungen,
Fähigkeiten, Bedürfnisse und das Engagement der einzelnen Menschen zu erkennen, zu
fördern und für die weitere Entwicklung der Gesellschaft zu nutzen.
Integration ist eine Aufgabe der gesamten Gesellschaft. Eine aktive Zivilgesellschaft, in der
Menschen Verantwortung übernehmen und Eigeninitiative entwickeln, ist ebenso wichtig
wie das Engagement des Staates. Integration ist damit auch eine Querschnitt saufgabe aller
gesellschaftlichen Bereiche und aller politischen Ebenen.
Da Integration ein d ynamischer Prozess ist, gilt es, immer wieder auch neue Perspektiven
und Handlungsansätze zur Förderung der Integration in den Blick zu nehmen und
umzusetzen. I ntegrationsfördernde Projekte, die sich bewährt haben, sollen im Sinne von
Best Practice -Konzepten weitergeführt , finanziell abgesichert und soweit möglich in eine
integrationsfördernde Struktur überführt werden.
Grundsätze der Integrationsarbeit in Münster
Grundsätze der Integrationsarbeit in Münster
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Leitbild Migration und Integration Münster – Fortschreibung 2019
In allen Kooperationen und Prozessen werden auch Aspekte der geschlechterdifferenzierten
Arbeit berücksichtigt.
5 Erfolgsfaktoren von Integrationsmanagement in Münster
Für ein erfolgreiches Integrationsmanagement in Münster lassen sich in Anlehnung an die bishe-
rigen Erfahrungen in der Integrationsa rbeit vor Ort und an die Berichte der KGSt zum Manag e-
ment kommunaler Integrationsarbeit (2005) und zum kommunalen Integrationsmanagement
(2017)4 stichpunktartig folgende Punkte benennen:
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor für das Gelingen einer Integrationspol itik ist das verbindliche
und persönliche Engagement der Akteurinnen und Akteure aus Verwaltung und Politik,
insbesondere aus den Leitungsfunktionen. Die Aufgabe der Integration von Migrantinnen
und Migranten berührt viele Lebensbereiche. Integration wird damit zur kommunalen
Querschnitts- und Dauer aufgabe. Deshalb braucht es eine zentrale Steuerung, um alle
Aktivitäten erfolgsorientiert und ressourcenschonend an den Integrationszielen
auszurichten. Gleichzeitig bedarf es einer gewissen Offenheit, um auf si ch ändernde
Rahmenbedingungen reagieren zu können.
Integrationsarbeit erfordert eine breit angelegte strategische Steuerung. Dazu sind auch
Bestandsaufnahmen, Potenzialanalysen und Monitorings (z.B. Sozialmonitoring) notwendig,
bei denen insbesondere die k leinräumlichen Betrachtungen und die Betrachtung einzelner
Zielgruppen notwendig sind (soziale Differenzierung).
Die überwiegende Zahl öffentlicher Dienstleistungen wird von kommunalen Diensten
erbracht. Dass diese Angebote wirklich alle Menschen erreichen, ist eine Frage sozialer
Gerechtigkeit und Gleichbehandlung. Die interkulturelle Öffnung der Verwaltung und ihrer
Regelversorgung verfolgt das Ziel, eine Nutzung der Angebote ohne Einschränkungen
möglich zu machen. Sie ist deshalb in ganz besonderem Maß e in Erfolgsfaktor für
kommunales Integrationsmanagement.
4 vgl. KGSt -Berichte Nr. 7/2005 „Management kommunaler Integrationspolitik: Strategie und Organisation“ und Nr.
7/2017 „Kommunales Integrationsmanagement: Managementansätze und strategische Konzeptionierung“.
Erfolgsfaktoren von Integrationsmanagement in Münster
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Leitbild Migration und Integration Münster – Fortschreibung 2019
Integration ist ohne zivilgesellschaftliches Engagement und Selbsthilfe nicht möglich. Die
Menschen in Münster sind aktive Mitgestalterinnen und Mitgestalter des Gemeinwesens, die
bereit sind, Verant wortung zu übernehmen und sich auch für die Belange Anderer zu
engagieren. Dies gilt sowohl für Einheimische wie für Zugewanderte. Geleitete Begegnungen
und gegenseitiges Kennenlernen zwischen Menschen mit und ohne
Migrationsvorgeschichte bringen die Bewoh nerinnen und Bewohner einander näher. Eine
Vielzahl von Migrantinnen und Migranten engagiert sich bereits in Vereinen und Verbänden.
Diese erbringen eine Reihe von Leistungen . Sie unterstützen und ergänzen die Maßnahmen
der Verwaltung. Es gilt, das Engagem ent zu fördern und Kooperationsbeziehungen auf
Augenhöhe zu gestalten.
Um ein starkes politisches und gesellschaftliches Engagement aller Bevölkerungsgruppen zu
gewährleisten, bedarf es einer angemessenen Weiterentwicklung der vorhandenen
(politischen) Interessensvertretungen (wie dem Integrationsrat und weiteren).
Integration beginnt dort, wo die Menschen leben und wo sie ihre sozialen Verbindungen
haben. Eine sozialräumliche Orientierung im kommunalen Handeln gehört als Erfolgsfaktor
dazu. Die Planung und Steuerung von Angeboten der Kommune und anderer Träger müssen
sich auf dieses konkrete Lebensumfeld einlassen und es unterstützen . Dabei sind die
individuellen Stärken, die nachbarschaftlichen Netze , die Sachkenntnis der Bewohnerinnen
und Bewohner und die sozialen Einrichtungen produktiv zu nutzen.
Dabei gilt es, genau hinzuschauen, denn so verschieden wie Nachbarschaften und Quartiere
sind, gibt es für die dortige Integrationsarbeit keine Patentlösung. Vielmehr müssen die
Bedürfnisse und Prioritäten vor Ort berücksichtigt werden.
Transparenz, Engagement, Beteiligung und Zusammenarbeit sind Schlüsselfaktoren für eine
gelingende Integrationsarbeit.
16
Leitbild Migration und Integration Münster – Fortschreibung 2019
6 Integrationsleitziele Münsters
Die folgenden Leitziele bilden das Ergebnis eines mehrjährigen partizipativen Arbeitsprozesses,
in dem Angehörige aller an diesem wichtigen Thema beteiligten Gruppen der Münsteraner
Stadtgesellschaft mitgewirkt haben (Rat der Stadt Münster sowie Vertreterinnen und Vertreter
aus Politik, Wirtschaft, Integrationsrat, Glaubensgemeinschaften, Migrantenselbstorganisati o-
nen, Wohnungsgesellschaften, (Sport-)Vereinen, Seniorenvertretung en, freie n Wohlfahrtsver-
bänden, kulturellen Einrichtungen, Flüchtlingsorganisationen, Kommunalem Integrationszent-
rum sowie Ämter n und Institutionen der Stadt Münster, Polizei und weitere Bürgerinnen und
Bürger aus der Münsteraner Zivilgesellschaft ). Eingeflossen in diese Arbeit sind ganz besonders
auch die unverzichtbaren Ergebnisse einer Reihe grundlegende r Initiativen zur Integration von
Menschen mit Migrati onsvorgeschichte in Münster. Vor diesem Hintergrund stellt der vorli e-
gende Entwurf eine Zusammenstellung aller Integrationsleitziele der Stadt Münster dar.
Die Leitziele bilden den Überbau der Integrationsarbeit und Integrationspolitik . Sie sind die
großen Leitlinien des Handelns für die Münsteraner Stadtgesellschaft. Deshalb können und dü r-
fen sie nicht zu speziell sein, da sie in der Lage sein müssen, den konkreten Handlungsfeldern
einen allgemeinen Rahmen zu geben. In den Handlungsfeldern selbst kommen dann konkretere
Teilziele hinzu, die die allgemeinen Ziele der Integrationsarbeit etwas genauer umschreiben und
sie dadurch auch präziser umsetzbar machen.
Die im Folgenden aufgeführten Ziele bilden somit die Basis der Integrationsarbeit in und durch
die Stadt Münster. Die Überprüfung der Umsetzung der Ziele erfolgt im Rahmen eines Integrati-
onsmonitorings.
6.1 Übergeordnete Leitziele als Querschnittsaufgabe n aller Handlungsfelder:
Überwindung von Rassismus und Diskriminierung , interkulturelle Kompetenz,
Gendersensibilität und Abbau von Vorurteilen
Die Münsteraner Stadtgesellschaft macht sich gegen jedwede Stigmatisierung ,
Diskriminierung und Benachteiligung von Menschen mit Migrationsvorgeschichte in allen
Bereichen und auf allen Ebenen stark und setzt sich für die Gleichstellung von Menschen mit
Migrationsvorgeschichte ein.
Integrationsleiziele Münster
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Leitbild Migration und Integration Münster – Fortschreibung 2019
WIR erkennen im Bereich der Integration die Vielfalt 5 der Bevölkerung an. Wir
berücksichtigen die daraus resultierenden individuellen Bedürfnisse im Umgang
miteinander.
Wir stärken in der I ntegrationsarbeit ehrenamtliche Initiativen und zivilgesellschaftliches
Engagement aus der Stadtgesellschaft heraus und unterstützen diese durch hauptamtliche
Kräfte und entsprechende Stellen. Das freiwillige Engagement der Menschen mit
Migrationsvorgeschichte wird wertgeschätzt und durch gezielte Qualifizierung gefördert.
Wir sehen die Stadtteile als eine wichtige Ebene der Integration an , vernetzen daher
Integrationsangebote vor Ort unter Einbeziehung der Bewohnerinnen und Bewohner in den
Quartieren und bauen diese aus.
Wir fördern die interkulturelle Öffnung der Ve rwaltungen und der Regelsysteme
(Bildungssystem, Arbeitsmarkt etc.).
Im Sinne einer aktiven Öffentlichkeitsarbeit sollen Anliegen aus dem Bereich Migration und
Integration regelmäßig mit der Bevölkerung kommuniziert werden.
Öffentlichkeitsmaterialien werden gezielt zum Abbau von Vorurteilen gegenüber Menschen
mit Migrationsvorgeschichte eingesetzt.
Öffentliche Informationsmaterialien werden auf die Vielfalt der Zielgruppen ausgerichtet.
Strukturelle Barrieren für Menschen mit Behinderung, die eine Migrationsvorgeschichte
haben, werden abgebaut. Die Ziele, Grundsätze und Maßnahmen der UN -
Behindertenrechtskonvention sowie des Aktionsplans der Stadt Münster zu deren
Umsetzung werden in allen Handlungsfeldern berücksichtigt.
5 Vielfalt wird hier verstanden als die Summe aller Unterschiede und Gemeinsamkeiten, die in der Gesellschaft
hinsichtlich verschiedenster Aspekte existieren wie zum Beispiel Alter, Geschlecht, sexuelle Orientierung, Herkunft,
Beeinträchtigung, Religion und Weltanschauung. In Wissenschaft und Planung findet sich dafür auch der Fachbegriff
des „Diversity“-Ansatzes.
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Leitbild Migration und Integration Münster – Fortschreibung 2019
6.2 Rechtliche Beratung und Integrationsbegleitung
Leitziele
Wir informieren und beraten Menschen mit Migrationsvorgeschichte unabhängig von ihrem
Aufenthaltsstatus über ihre Rechte und Pflichten.
Wir sichern und/oder verbessern i m Rahmen der Möglichkeiten den rechtlichen Status von
Menschen mit Migrationsvorgeschichte.
Wir nutzen die Instrumente und Ermessensspielräume der Integrationsbegleitung
bestmöglich im Sinne der Menschen.
Teilziele
Wir entwickeln im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten Strukturen weiter, um Betroffene
so gut wie möglich informieren und beraten zu können.
o Wir verbessern den Zugang zu Informationsmöglichkeiten über das deutsche
Rechtssystem und die rechtliche Beratung für Menschen, die in Deutschland
ankommen.
o Wir erarbeiten mehrsprachige einführende Informationsangebote über das
deutsche Rechtssystem und die rechtlichen Beratungsangebote.
Wir nutzen alle rechtlichen Möglichkeiten für ein integriertes Bleibemanagement, das
Humanität und Integration gleichermaßen umfasst.
o Wir unterstützen den Runden Tisch „Münster für ein humanitäres Bleiberecht“ 6. Die
Empfehlungen des Runden Tisches sind besonders zu berücksichtigen.
Wir verbessern die Beratungsmöglichkeiten und -zeiten in der Ausländerbehörde.
Wir verbessern die Beratungsmöglichkeiten zu rechtlichen Fragen und
Unterstützungsangeboten für spezifische Zielgruppen und Themen (z.B. Gruppe der
6 Der Runde Tisch „Münster für ein humanitäres Bleiberecht“ ist ein vom Rat der Stadt eingerichtetes Gremium, das
mit Vertreterinnen und Vertretern wichtiger Institutionen besetzt ist (siehe auch Vorlage im
Ratsinformationssystem https://www.stadt -
muenster.de/sessionnet/sessionnetbi/vo0050.php?__kvonr=2004036020).
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Leitbild Migration und Integration Münster – Fortschreibung 2019
ausländischen Studierenden, rechtliche Aspe kte alltagsrelevanten Themen wie
Einbürgerung, Heirat, Kinder und Familie, Wohnen).
Die mit rechtlichen Aspekten von Integration betrauten Institutionen und Einrichtungen
werden sich zukünftig noch stärker als bisher miteinander vernetzen.
6.3 (Politische) Partizipation und zivilgesellschaftliches Engagement
Leitziele
Wir, als die gesa mte Münsteraner Stadtgesellschaft (vgl. Kapitel 3), fördern die politische
Mitbestimmung und Partizipation von Menschen mit Migrationsvorgeschichte auf allen
inhaltlichen und administrativen Ebenen der Stadt.
Menschen mit Migrationsvorgeschichte sollen in den politischen und administrativen
Gremien und Institutionen der Stadt, insbesondere in der Stadtverwaltung , gemäß ihre m
Anteil an der Bevölkerung proportional vertreten sein.
Wir verpflichten uns in allen Bereichen und Institutionen der Stadtgesellschaf t zu einer
gleichberechtigten Teilnahme am Wirtschaftsleben von Menschen mit
Migrationsvorgeschichte.
Wir ermöglichen gleichberechtigte/n Zugang und Beteiligung für Menschen mit
Migrationsvorgeschichte zu und an gesellschaftlich relevanten Gruppen und Vereinen.
Wir erkennen an, dass Menschen mit Migrationsvorgeschichte die Stadtgesellschaft Münster
maßgeblich positiv mitgestaltet haben und gestalten.
Teilziele (Politische) Partizipation
Wir fördern und erhöhen den Anteil und damit die Mitbestimmungs - und
Mitgestaltungsmöglichkeiten von Menschen mit Migrationsvorgeschichte in den politischen
Parteien, Dachverbänden und anderen demokratischen Organisationen.
Wir fördern die Einbindung von Menschen mit Migrationsvorgeschichte in politische
Gremien, Entscheidungen und Entwicklungsprozesse.
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Leitbild Migration und Integration Münster – Fortschreibung 2019
Wir konzipieren und veranstalten Informationsangebote über politische
Partizipationsmöglichkeiten für und mit Menschen mit Migrationsvorgeschichte (Politische
Bildung).
Wir erkennen den Integrationsrat als demokratisch ge wähltes und legitimiertes Organ der
Migrantinnen und Migranten an. Der Integrationsrat ist für die Stadtgesellschaft wichtig und
wir unterstützen seine vielfältige soziale, politische und kulturelle Arbeit.
Wir unterstützen Kandidatinnen und Kandidaten für die Organe der kommunalen
Migrantenvertretungen in NRW auf allen Ebenen (NRW, Stadt Münster, ggf. Stadtbezirke).
Wir unterstützen Qualifizierungsmaßnahmen für Neueinsteigerinnen und Neueinsteiger mit
Migrationsvorgeschichte in die politische Arbeit.
Teilziele Zivilgesellschaftliches Engagement
Wir entwickeln sprach- und kultursensible Formen der Aktivierung und Information, um alle
Menschen zu erreichen und zur gesellschaftlichen Teilhabe und Mitgestaltung zu ermutigen.
Die Förderung des Zusammenlebens steht i m Mittelpunkt, deswegen fördern wir
Begegnungsmöglichkeiten und Netzwerke und unterstützen sie.
Wir erkennen das ehrenamtliche Engagement als wichtigen Bestandteil von Integration,
Verständigung und Gemeinschaftsleben an.
Wir fördern ehrenamtliches Engage ment, die Vernetzung und die (Weiter-)Qualifizierung
von Ehrenamtlichen durch entsprechende Angebote und infrastrukturelle Unterstützung
(z.B. finanzielle Unterstützung durch Förderprogramme, Unterstützung bei der
Antragstellung, Zurverfügungstellung von R äumlichkeiten, hauptamtliche Strukturen zur
Unterstützung des Ehrenamtes).
Wir unterstützen die haupt - und ehrenamtliche Arbeit der in der Integrationsarbeit tätigen
Organisationen und Vereine, v.a. auch die Migrantenselbstorganisationen.
21
Leitbild Migration und Integration Münster – Fortschreibung 2019
6.4 Bildung und Sprachen
Leitziele
Wir erkennen und fördern die Potenziale und Qualifizierungen von Menschen mit
Migrationsvorgeschichte unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus. Dafür werden gezielt
Angebote im Bereich Sprache n und Bildung geschaffen. Es werden Förderprogramme
konzipiert und umgesetzt , die mit dem frühkindlichen Alter beginnen und sich bis zu
Angeboten für Erwachsene und Seniorinnen und Senioren fortsetzen.
Unser Ziel ist das Erreichen gleicher Anteile an den Bildungsabschlüssen bei Menschen mit
Migrationsvorgeschichte wie in der Aufnahmegesellschaft.
Wir setzen uns für die Anerkennung von Sprach - und Bildungskompetenzen aus den
Herkunftsländern ein.
Wir fördern den gesamten Spracherwerbsprozess, die Grundbildung und Alphabetisierung,
von der Alltagssprache z ur Bildungssprache sowohl im Deutschen wie auch in den
Herkunftssprachen („Muttersprachen“, Familiensprachen).
Teilziele
Wir schaffen neben den ergänzenden Förderprogrammen gute Rahmenbedingungen für die
systematische Vermittlung bildungssprachlicher Kompe tenzen sowohl im Bereich der
deutschen Sprache als auch in den Herkunftssprachen.
Angesichts der großen Vielfalt der Menschen mit Migrationsvorgeschichte fördern wir als
Basis einer erfolgreichen Integration die Deutschkenntnisse intensiv und
zielgruppenspezifisch.
o Dabei berücksichtigen wir die verschiedenen Bedürfnisse der Menschen . Bildungs -
und Sprachangebote werden in einer speziellen Form sowohl für Kinder und
Jugendliche als auch für Erwachsene und Seniorinnen und Senioren konzipiert.
o Die Konzepte sin d geschlechtersensibel , nach Vorkenntnissen differenziert und
beinhalten spezifische Fördermaßnahmen für einzelne Zielgruppen (z.B. gut
ausgebildete Menschen mit anerkannten Abschlüssen).
22
Leitbild Migration und Integration Münster – Fortschreibung 2019
o Wir ermöglichen durch die Einrichtung einer kur sbegleitenden Kinderbetreuung die
gleichberechtigte Teilnahme an Sprachkursen für beide Eltern oder andere
Betreuungspersonen.
Wir betrachten Mehrsprachigkeit als erstrebenswerte Qualifikation in modernen
Gesellschaften und unterstützen jede Form von Mehrsprachigkeit.
o Dabei unterstützen wir die vorhandenen Initiativen der haupt- und ehrenamtlichen
Arbeit von Migrantenselbstorganisationen stärker und bauen diese aus.
Wir setzen uns für eine bessere Eingliederung von Kindern und Jugendlichen mit
Migrationsvorgeschichte in das Re gelschulsystem ein und unterstützen zugleich alle
Maßnahmen, die im Sinne einer interkulturellen Öffnung Formen struktureller
Benachteiligung7 im Schulwesen überwinden.
o Dabei unterstützen und gestalten wir gezielt den Seiteneinstieg, die
Bildungsübergänge und die Weiterbildung.
o Wir fördern eine diskriminierungssensible Kommunikation in den Einrichtungen von
Schule und Bildung sowie entsprechende Fortbildungen von Lehrkräften und
pädagogischen Fachkräften (z.B. Fortbildungen zur wertschätzenden Einbindung der
Kinder, Fortbildungen im Bereich der lernbezogenen Diagnostik).
Wir fördern die Entwicklung von Erziehungs - und Bildungspartnerschaften zur besseren
Zusammenarbeit der verschiedenen Institutionen mit den Eltern bzw.
Erziehungsberechtigten und mit weiteren Akteurinnen und Akteuren im Sozialraum entlang
der gesamten Bildungskette.
Um die Vielzahl an bereits bestehenden Maßnahmen und Angeboten im Bildungs - und
Sprachbereich effizienter nutzen, miteinander verknüpfen und aufeinander abstimmen zu
können, vernetzen wir die bereits existierenden Maßnahmen und machen die Angebote
mehrsprachig transparent.
Wir verbreitern und verbessern spezifische Angebote für Menschen mit
Migrationsvorgeschichte im Bereich der beruflichen Bildung (siehe auch Handlungsfeld
„Wirtschaft und Arbeit“)
7 In der allgemeinen wissenschaftlichen und politischen Debatte können zu den Formen struktureller Benachteiligung
je nach Fall beispielsweise Aspekte der institutionellen Diskriminierung, der allgemeinen gesellschaftlich -
strukturellen Benachteiligungen durch vorhandene Normen und Wertvorstellungen und weitere zählen.
23
Leitbild Migration und Integration Münster – Fortschreibung 2019
6.5 Kinder- und Jugendhilfe, soziale Leistungen und Dienste
Leitziele
Wir bauen bedarfs gerechte und zielgruppenspezifische, kultur-, geschlechter- und
alterssensible Unterstützungs- und Fördermöglichkeiten professioneller und ehrenamtlicher
Art aus.
Wir fördern die gleichberechtigte Teilhabe aller Kinder und Jugendlichen in allen
gesellschaftlichen Bereichen.
Wir entwickeln und finanzieren Strategien zur Verbesserung des Zusammenlebens und für
das Aushandeln von Konflikten.
Teilziele
Besondere Fördermaßnahmen der interkulturellen Erziehung setzen bereits in den
Kindergärten, im frühen Bildungsbereich und in den Schulen an. Durch Erziehungs - und
Bildungspartnerschaften wird die Zusammenarbeit der verschiedenen Institutionen und mit
den Eltern verbessert.
Die offene Kinder- und Jugendarbeit richtet sich an alle Kinder und Jugendlichen unabhängig
von ihrer Religion, Herkunft, Kultur, Weltanschauung und ihrem Geschlecht. Sie hält
bedarfsgerechte Angebote zur Förderung ihrer Entwicklung bereit.
Wir qualifizieren junge Menschen, unterstützen sie beim Übergang von der Schule in den
Beruf und bauen Zugangsbarrieren ab. Ziel ist es , allen Jugendlichen eine berufliche
Perspektive zu bieten.
Für Kinder und Jugendliche, die mit besonderen Problemen und Her ausforderungen
konfrontiert sind, entwickeln wir Angebote weiter, die helfen, diese aufzuarbeiten. Hierbei
gehen wir auch auf die spezifischen Bedürfnisse geflüchteter Jugendlicher ein und
unterstützen Organisationen, die in diesem Bereich arbeiten.
Wir fö rdern die interkulturelle Öffnung der Quartiers- und Sozialraumarbeit und der
sozialen Dienste.
o Wir fördern interkulturelle Begegnungsmöglichkeiten für unterschiedliche Gruppen.
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Leitbild Migration und Integration Münster – Fortschreibung 2019
o Wir unterstützen in diesem Zusammenhang besonders die
Migrantenselbstorganisationen, die im Bereich Kinder und Jugendarbeit tätig sind,
sachlich, finanziell und ideell.
o Wir verbessern die Vernetzung der entsprechenden Einrichtungen in der Quartiers -
und Sozialraumarbeit.
o Auf diese Weise wirken wir Segregationsprozessen entgegen.
Wir entwickeln neue Ansprache - und Angebotsformen für bestimmte Zielgruppen und
fördern den Einsatz von Kulturmittlerinnen und Kulturmittlern in der Kinder - und
Jugendarbeit als Brückenpersonen.
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Leitbild Migration und Integration Münster – Fortschreibung 2019
6.6 Wirtschaft und Arbeit
Leitziel
Wir erkennen die Kompetenzen und Leistungen von Menschen mit Migrationsvorgeschichte
an. Wir fördern diese individuell und setzen uns dafür ein, dass die Rahmenbedingungen so
gestaltet werden, dass ihre Fähigkeiten für die berufliche Entwicklung nutzbar gemacht
werden.
Teilziele Arbeit
Wir streben in allen Bereichen und Institutionen eine Beschäftigung von Menschen mit
Migrationsvorgeschichte proportional zu ihrem Anteil an der Stadtgesellschaft an und
entwickeln hierfür entsprechende kompensatorische Maßnahmen (z.B. Sprachausbildung,
berufliche Qualifizierung). Wir unterstützen dabei Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber (z.B.
durch Beratungsangebote hinsichtlich rechtlicher Vorgaben) sowie Arbeitnehmerinnen und
Arbeitnehmer gleichermaßen.
o Dazu verbessern wir die Teilhabechancen von Menschen mit
Migrationsvorgeschichte an der Erwerbsarbeit quantitativ und qualitativ.
Wir verfolgen das Ziel, (Teil-)Anerkennungen von im Ausland erworbenen Qualifikationen
systematisch zu erfassen und darauf aufbauende Qualifizierungen, die zur vollständigen
Anerkennung der Qualifikation führen, zu entwickeln.
Wir bauen zielgruppenspezifische Maßnahmen weiter aus, um den Zugang zum
Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Dabei berücksichtigen wir die Heterogenität der Zielgruppe
und ihre vielfältigen Bedürfnisse.
Wir fördern die Aus- und Weiterbildung und die berufliche Qualifizierung sowie den Zugang
zu entsprechenden Angeboten.
o Die Erweiterung des Berufsspektrums von Jugendlichen mit
Migrationsvorgeschichte, insbesondere von jungen Frauen, wird stärker gefördert.
o Zur berufl ichen Beratung und Orientierung werden insbesondere im Bereich des
Übergangs Schule -Beruf auch die örtlichen Migrantenselbstorganisationen
einbezogen.
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Leitbild Migration und Integration Münster – Fortschreibung 2019
o Wir fördern die Qualifizierung und Sensibilisierung von Ausbildungsleiterinnen und -
leitern.
Wir erkennen diesbezüglich die Leistungen von Ausbildungsbetrieben und Berufskollegs an.
Teilziele Wirtschaft
Wir fördern und begleiten Existenzgründungen von Menschen mit Migrationsvorgeschichte.
Migrantische Unternehmen werden stärker für die Etablierung einer dual en Ausbildung
motiviert.
Unternehmerinnen und Unternehmer mit Migrationsvorgeschichte sowie deren Netzwerke
werden in bestehende Strukturen einbezogen.
Wir gestalten in Zusammenarbeit mit den Münsteraner Hochschulen und institutionellen
Akteuren der Münst eraner Wirtschaft Angebote für ausländische Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler, für ausländische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie für
ausländische Unternehmen, so dass Münster gegenüber anderen Städten
Wettbewerbsvorteile gewinnt. Dabei erkennen wir das Engagement der Unternehmen an.
Im Hinblick auf die Fachkräftesicherung werden die Kompetenzen und Leistung en der in
Münster lebenden Menschen mit Migrationsvorgeschichte anerkannt und genutzt.
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Leitbild Migration und Integration Münster – Fortschreibung 2019
6.7 Wohnen und sozialräumliche Stadtentwicklung
Leitziele
Die Stadtentwicklung berücksichtigt die Bedürfnisse der Menschen mit und ohne
Migrationsvorgeschichte.
Ziel ist es dabei, eine ausgeglichene Mischung in allen Stadtteilen zu fördern, um aktiv gegen
Ausgrenzungsprozesse zu arbeiten.
Wir setzen uns für Chancengleichheit aller auf dem Wohnungsmarkt ein und wirken
jeglicher Diskriminierung und Segregation entgegen.
Wir setzen uns dafür ein, dass alle Menschen ein Obdach haben.
Teilziele
Ziel ist es, den sozialen Zusammenhalt in den Quartieren zu stärken und insbesondere auch
in den Nachbarschaften Kontakt- und Begegnungsmöglichkeiten für Menschen mit und
ohne Migrationsvorgeschichte zu fördern . Dabei sollen die bereits existierenden
Begegnungsorte – im öffentlichen und nichtöffentlichen Raum – geöffnet und n eue
Begegnungsräume geschaffen werden, die für alle zugänglich und barrierefrei sind.
o Die ehrenamtliche Integrationsarbeit im Stadtteil und damit auch der Beitrag der
einzelnen Menschen erfahren eine st arke Berücksichtigung, Wertschätzung und
Förderung (vgl. Kapitel 6.3).
o Die Aktivitäten von Menschen mit Migrationsvorgeschichte in Vereinen,
Bürgerinitiativen etc. werden auf eine Weise gefördert, die ihre soziale Teilhabe
verbessert und ihre eigenen Kompetenzen in das städtische Gemeinwesen einbringt.
o Auch i n Zukunft werden vorhandene und neue Angebote für die verschiedenen
Zielgruppen im Sinne des Diversity -Ansatzes gefördert bzw. entwickelt (z.B.
Stadtteilmütter, Angebote für Frauen , Seniorinnen und Senioren ,
Qualifizierungsmaßnahmen, kulturelle Angebote etc.).
Die Partizipation aller Bewohnerinnen und Bewohner an der Gestaltung des Wohnumfeldes
und neuer Quartiere wird gefördert.
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Leitbild Migration und Integration Münster – Fortschreibung 2019
o Dazu bedarf es neuer kreativer Aktivierungs- und Beteiligungsformen , um die
Vorschläge und Initiativen der Menschen mit Migratio nsvorgeschichte
einzubeziehen.
Die Integrationsleistung der Stadtteile mit einem hohen Maß an Vielfalt wird anerkannt.
Diese Stadtteile erfahren unter anderem durch Stadtteilerneuerungsprojekte,
Stadtteilarbeit und Stadtteilkonferenzen eine besondere Unterstützung.
Wir geben Menschen mit und ohne Migrationsvorgeschichte bei Bedarf gezielt
Unterstützung bei der Wohnungssuche. Dazu intensivieren wir u.a. die Zusammenarbeit von
Kommune, Wohnungsunternehmen und Vermieterinnen und Vermietern in Bezug auf die
Integration und die Ansprüche von Menschen mit Migrationsvorgeschichte.
o Wir setzen uns für einen bedarfsorientierten Wohnungsbau und bezahlbaren
Wohnraum ein.8
o Auf der Basis des sehr guten kommunalen Netzwerkes wohnungsrelevanter
Akteurinnen und Akteure (AK „ Wohnen in Münster“ ) werden situations- und
bedarfsorientierte Konzepte sowie unterschiedliche Wohnformen für eine
langfristige Verbesserung der Situation von Menschen mit Migrationsvorgeschichte
auf dem Wohnungsmarkt diskutiert.
o Wir informieren und beraten Mieterinnen und Mieter sowie Vermieterinnen und
Vermieter über Wohnformen, Rechte und Pflichten.
Wir wirken Prozessen und Auswirkungen der Wohnsegregation entgegen.
Wir entwickeln die Konzepte für die Flüchtlingseinrichtungen weiter, sodass die Integrati on
von Geflüchteten in den Stadtteilen und Nachbarschaften vereinfacht wird. Dazu sollen die
vorhandenen Standards beibehalten werden und die solidarische Verantwortung auch in
Zukunft sozialräumlich austariert bleiben.
8 Dieses Ziel entspricht auch zentralen Ergebnissen der Bürgerumfrage 2018, die mit ihren übergreifenden
Fragenkomplexen „Leben in Münster“ und „Stadtentwicklung“ u.a. das Handlungsfeld „Wohnen und
sozialräumliche Stadtentwicklung“ thematisiert.
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Leitbild Migration und Integration Münster – Fortschreibung 2019
6.8 Gesundheit und Pflege
Leitziele
Wir setzen uns für einen gleichwertigen Zugang zum Gesundheits- und Pflegesystem für alle
ein und ermöglichen entsprechende Gesundheitsförderung, Prävention und Vorsorge.
Wir setzen uns dafür ein, dass alle Menschen die gebotene Hilfe zur seelischen und
körperlichen Gesundheit erhalten, unabhängig davon, ob ihr Aufenthaltsstatus gesichert ist
oder nicht.
Wir setzen uns für den Zugang von Menschen mit Migrationsvorgeschichte zum
Arbeitsmarkt im Gesundheits - und Pflegebereich ein , erkennen bereits erworbene
Qualifikationen an und ermöglichen entsprechende Ausbildungs - und
Weiterqualifizierungschancen.
Teilziele Gesundheit
Wir erkennen und differenzieren Gruppen mit besonderem Bedarf (Kinder, Menschen mit
seelischer, körperlicher und geistiger Behinderung, Senio rinnen und Senioren, von Gewalt
betroffene Menschen etc.).
Wir analysieren, benennen , differenzieren und berücksichtigen die Bedürfnisse der
Menschen mit Migrationsvorgeschichte und migrationsspezifischen Gesundheitsrisiken.
Wir fördern gesundheitliche , therapeutische und interkulturelle seelsorgerische
Hilfsangebote.
Wir fördern spezielle gesundheitliche Hilfsangebote für traumatisierte Geflüchtete.
Wir erkennen, analysieren und minimieren Zugangsbarrieren, entwickeln Maßnahmen zu
ihrem Abbau und setzen diese um.
Wir ermöglichen eine kultursensible Gesundheitsfürsorge und Hospiz- und
Palliativversorgung.
Wir fördern und finanzieren Sprach- und Kulturmittlerinnen und Kulturmittler, die
Migrantenselbstorganisationen und die Dolmetscherdienste zur Verbesse rung der
Kommunikation zwischen Nutzerinnen und Nutzern sowie Akteurinnen und Akteuren im
Gesundheitswesen und der Teilhabe.
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Leitbild Migration und Integration Münster – Fortschreibung 2019
Informationen zum Gesundheitssystem erfolgen zielgruppenspezifisch, mehrsprachig und in
leichter Sprache.
o Wir nutzen vorhandenes Informationsmaterial.
o Wir setzen uns den Ausbau an Kooperationen und Dialogen mit
Migrantenselbstorganisationen zum Ziel. Auf diese Weise wird eine stärkere
Einbindung in die Gesundheitsaufklärung ermöglicht.
Wir berücksichtigen besonders die Quartiere und Sozialräume der Stadt. Wir fördern und
entwickeln ggf. aufsuchende Gesundheitshilfen (z.B. Familienhebammen).
Wir fördern gleichzeitig die strukturen- und trägerübergreifende Arbeit und intensive
Vernetzung.
Teilziele Pflege
Wir verbessern den Zugang von M enschen mit Migrationsvorgeschichte zu
Pflegeeinrichtungen und Angeboten der Hospiz- und Palliativversorgung.
Wir unterstützen die interkulturelle Öffnung von Wohn - und Betreuungsangeboten für
ältere und pflegebedürftige Menschen sowie Menschen mit Behinderung.
Wir fördern die stadtweite sowie quartiers - und sozialraumorientierte Vernetzung von
Beratungseinrichtungen und Begegnungsstätten für Menschen mit
Migrationsvorgeschichte.
Wir fördern die Bereitstellung von mehrsprachige m und in leichter Sprache verf asstem
Informationsmaterial über Wohn- und Betreuungsangebote für ältere und pflegebedürftige
Menschen sowie Menschen mit Behinderung.
Wir fördern die kultursensible Ausrichtung von Informations -, Beratungs - und
Betreuungsangeboten im Pflegesystem.
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Leitbild Migration und Integration Münster – Fortschreibung 2019
6.9 Kultur und Religion
Leitziele
Wir fördern kulturelle Vielfalt, internationale Impulse und die interkulturelle Begegnung in
Münster. Wir ermöglichen eine gleichberechtigte Teilhabe für Menschen aller
Altersgruppen, insbesondere Kinder und Jugendliche , an den ku lturellen Angeboten sowie
am Austausch und Dialog.
Wir fördern den interreligiösen Dialog und eine gleichberechtigte, respektvolle und offene
Begegnung und Zusammenarbeit.
Wir fördern und ermöglichen religiöse Vielfalt.
Teilziele Kultur
Wir setzen uns zum Ziel, durch konkrete (Förder -)Maßnahmen der kulturellen,
künstlerischen und musischen Bildungsarbeit zum interkulturellen und interreligiösen
Dialog beizutragen.
Wir unterstützen und fördern die Eigeninitiative von Menschen mit Migrationsvorgeschichte
in der Kulturarbeit.
Die in Münster existierende (inter)kulturelle Vielfalt spiegelt sich entsprechend im
Kulturbereich wider.
o Die städtisch geförderten Kultureinrichtungen öffnen sich in ihrem Programm und
ihren Angeboten weiterhin und ggf. stärker interkulturell.
o Bei den bereits existierenden Förderungen kultureller Arbeit finden internationale
Münsteraner Kulturschaffende weiterhin und angemessen Berücksichtigung. Wir
beraten und unterstützen Menschen mit Migrationsvorgeschichte und deren
Organisationen bei entsprechenden Förderanträgen.
o Wir unterstützen die bestehenden migrantischen Kulturvereine darin, ihre
kulturellen Veranstaltungen stärker für ein breiteres Publikum zu öffnen.
o Die Netzwerke von Partnerinnen und Partnern innerhalb und außerhalb des Bereichs
Kultur werden optimiert.
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Leitbild Migration und Integration Münster – Fortschreibung 2019
Für den Austausch und das offene Kennenlernen im Rahmen (inter)kultureller Begegnungen
werden konkrete Möglichkeiten, Begegnungsräume und Angebote ohne Sprachbarriere
beibehalten, stärker publik gemacht und ggf. ausgebaut.
Wir unterstützen internationale Begegnungsmaßnahmen, Jugendaustausch und Kontakte
mit den Partnerstädten.
Teilziele Religion
Wir fördern und organisieren Veranstaltungen und Begegnungsmöglichkeiten, bei denen
wir wechselseitig Weltanschauungen, Religionen und Religionsgemeinschaften kennen- und
ihre Gemeinsamkeiten in existenziellen Fragen verstehen lernen.
Wir fördern diesbezüglich die Sensibilisierung der Zivilgesellschaft und der städtischen
Institutionen.
Wir erkennen die Arbeit entsprechender Initiativen an und fördern sie.
Wir bauen durch einen vielfältigen und kontinuierlichen interreligiösen Dialog Vorurteile ab
und sensibilisieren für Religionsfreiheit und Gleichberechtigung der Religionen.
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Leitbild Migration und Integration Münster – Fortschreibung 2019
6.10 Sport und Freizeit
Leitziele
Wir fördern und nutzen d ie Integrationskraft von Sport und Freizeit in allen Dimensionen
(soziale, kulturelle, gesundheitliche und Bildungsdimension).
Wir schaffen für alle Menschen einen offenen und gleichwertigen Zugang zu sämtlichen
Bereichen des Sports, der Bewegungs - und der Freizeitkultur. Toleranz , gegenseitige
Wertschätzung, Teilhabe und Interkulturalität sind dabei handlungsleitend.
Teilziele Sport
Die Mitwirkung und -gestaltung von Menschen mit Migrationsvorgeschichte sowohl in
Sportvereinen als auch im nicht institutionalisierten Sport werden gefördert. Interessen und
Sportarten von Menschen mit Migrationsvorgeschichte fließen in die Angebotsgestaltung
ein.
Wir fördern die Umsetzung von zielgruppenspezifischen Sportangeboten und
berücksichtigen dabei auftretende Bedürfnisse.
Wir erkennen und fördern die sprachbildende Wirkung von Bewegung und Sport und
gestalten Angebote, die diese gezielt nutzen.
Zugangsbarrieren zu Angeboten des institutionalisierten und nicht institutionalisierten
Sports werden abgebaut und bereits bes tehende Angebote optimiert. Menschen mit
Migrationsvorgeschichte werden ermutigt, die Angebote zu nutzen.
Das freiwillige Engagement aller Menschen im organisierten Sport wird wertgeschätzt und
durch eine aktive Ansprache gefördert. Durch gezielte Qualifiz ierungen zur Übernahme von
Aufgaben und Tätigkeiten im organisierten Sport (z.B. durch lizensierte allgemeine Aus- und
Fortbildungen zu Übungsleiterinnen und -leitern) und Anerkennung von bereits
qualifizierten Personen werden ihre Fähigkeiten für alle gewinnbringend eingesetzt.
Die besondere Bedeutung des Schulsports wird anerkannt. Zur zielgerichteten Integration
von Kindern und Jugendliche n mit Migrationsvorgeschichte werden
Weiterbildungsangebote für Lehrerinnen und Lehrer geschaffen.
Die Netzwerke im Bereich Sport werden ausgebaut.
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Leitbild Migration und Integration Münster – Fortschreibung 2019
In Kooperation mit dem Stadtsportbund und den Münsteraner Sportvereinen werden
Maßnahmen zur Förderung der interkulturellen Kompetenz im Verein geplant , umgesetzt
und fortgeführt.
Teilziele Freizeit
Wir fördern leicht verständliche Informationsmöglichkeiten über bestehende Freizeit - und
Ferienangebote in der Stadt.
Wir schaffen im Bereich Freizeit zielgruppenspezifische Angebote auf unterschiedlichen
Ebenen der Stadt (Gesamtstadt, Quartier, Nachbarschaft, Sozialraum).
Wir ermutigen Menschen mit Migrationsvorgeschichte zur Teilhabe an und Gestaltung von
Freizeitangeboten und erkennen das Engagement an.
Wir fördern und entwickeln gesellschaftliche Treffpunkte sowie öffentliche Freizeiträume als
Interaktionsorte für Menschen mit und ohne Migrationsvorgeschichte.
Wir fördern Treffpunkte und Feste der Begegnung unterschiedlicher Menschen mit ihren
unterschiedlichen Sprachen, Nationalitäten, Religionen und Geschichten.
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Leitbild Migration und Integration Münster – Fortschreibung 2019
6.11 Interkulturelle Öffnung der öffentlichen Verwaltungen
Leitziele
Die Leistungen, Prozesse und Strukturen der öffentlichen Verwaltung werden interkulturell
geöffnet. Die Verwaltung ist für die Themen und Probleme im Bereich der Integration
aufgeschlossen.
Die Zahl der Beschäftigten mit Migrationsvorgeschichte muss in al len Verwaltungen einen
Anteil von mindestens 20% erreichen. Dies gilt für alle Beschäftigungsebenen bis hin zur
Leitungsebene.
Eine gleichberechtigte Teilhabe und Integration aller Menschen in verwaltungsbezogenen
Kommunikations- und Arbeitsprozessen werden gewährleistet.
Teilziele
Die Verwaltungen fördern die verstärkte Beschäftigung von Menschen mit
Migrationsvorgeschichte.
o Die öffentlichen Verwaltungen in der Stadt Münster erhöhen den Anteil der
Menschen mit Migrationsvorgeschichte schon bis zum nächsten Evaluierungsprozess
in messbarer Weise.
o Menschen mit Migrationsvorgeschichte sollen in allen Ämtern bei gleicher
Qualifikation bevorzugt eingestellt werden.
o Die Verwaltungen weisen erforderliche Mehrsprachigkeit und notwendige
interkulturelle Kompetenzen in Stellenausschreibungen aus.
Die öffentliche n Verwaltungen verpflichten sich zu einer vereinfachten Sprache in ihren
Informationsbroschüren, Formularen und Bescheiden. Sie stellt deren Kernpunkte nach
Möglichkeit in mehreren Sprachen zur Verfügung.
Die Verwaltungen unterstützen ihre Beratungs- und Dienstleistungsangebote für Menschen
mit Migrationsvorgeschichte bei Bedarf durch Sprachmittlerinnen und Sprachmittler.
Wir finanzieren Maßnahmen zur Förderung der interkulturellen Kompetenz und führen
diese dur ch. Die Stadtverwaltung erstellt dazu Qualitätsstandards für eine interkulturelle
Personalentwicklung.
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Leitbild Migration und Integration Münster – Fortschreibung 2019
Die Verwaltungen bieten ein permanentes Angebot an Fortbildungen zu Grun dlagen und
zur Vertiefung interkultureller Kompetenzen für alle Mitarbeiterinne n und Mitarbeiter an.
Für neue Führungskräfte und Führungsnachwuchskräfte wird das Thema „Interkulturelle
Kompetenz“ zum Bestandteil der verpflichtenden Schulungen.
Wir etablieren eine Struktur für interkulturelle Belange in jedem Bereich der öffentlichen
Verwaltung.
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Leitbild Migration und Integration Münster – Fortschreibung 2019
7 Am Überarbeitungsprozess des Leitbildes beteiligte Institutionen
AFAQ e.V.
Ahmadiyya Muslim Gemeinde
Amt für Bürger- und Ratsservice, Stadt Münster
Amt für Gleichstellung, Stadt Münster
Amt für Kinder, Jugendliche und Familien, Stadt Münster
Amt für Schule und Weiterbildung, Stadt Münster
Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung, Verkehrsplanung, Stadt Münster
Amt für Wohnungswesen und Quartiersentwicklung, Stadt Münster
Anne-Frank-Berufskolleg Münster
Arabisch-deutscher Literaturkreis | ArDeLit.net
Arbeitskreis International e.V.
ASB RV Münsterland e.V. – Flüchtlingshilfe, Integration und Beschäftigung
AWM Münster
AWO Kita Marderweg
AWO Kita Trauttmansdorffstraße
Beirat für kommunale Entwicklungszusammenarbeit
Bezirksbürgermeisterin Münster-Ost
Stellv. Bezirksbürgermeister Münster-Nord
Bezirksvorstand BSV Münster
Bildungsinstitut Münster e.V.
Bündnis 90/Die Grünen/GAL
Cactus Junges Theater
Caritasverband für die Stadt Münster e.V.
CDU-Ratsfraktion
Center for African Culture NRW e.V.
CVJM - Christlicher Verein Junger Menschen Münster
Am Überarbeitungsprozess des Leitbildes beteiligte Institutionen
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Leitbild Migration und Integration Münster – Fortschreibung 2019
Darfur-Hilfe e.V.
Deutsch-russische akademische Gesellschaft e.V.
DFG, Tibet-Initiative
DGB-Region Münsterland
Diakonie Münster – Beratungs- und BildungsCentrum
DITIB Münster
DRK Kreisverband Münster e.V.
Eine-Welt-Forum e.V.
Elbén Münster
Ethnologie in Schule und Erwachsenenbildung (ESE) e.V.
Europa.Brücke.Münster plus
Ev. Forum Münster e.V. (efm)
Evangelischer Kirchenkreis Münster
Flüchtlinge Willkommen Münster
Flüchtlingshilfe Münster-Ost (FlüMO)
Flüchtlingsinitiative Münster Nord
Förderverein Arabische Sprache e.V.
Frauensportverein Münster e.V.
FreiwilligenAgentur Münster
Fürstin-von-Gallitzin-Schule Münster
GAV, Werkstatt für MediationOrganistions-Projektentwicklung und Supervision Münster
Geschwister-Scholl-Gymnasium Münster
Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV), Regionalgruppe Münster
Gesundheits- und Veterinäramt, Stadt Münster
GGUA Flüchtlingshilfe
Handwerkskammer Münster
Haus der Familie Münster – Katholisches Bildungsforum im Stadtdekanat Münster e.V.
Institut für Geographie, WWU Münster
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Leitbild Migration und Integration Münster – Fortschreibung 2019
Institut für Soziologie, WWU Münster
Integrationsagentur Caritasverband für die Stadt Münster e.V.
Integrationsagentur DRK-Kreisverband Münster e.V.
Integrationsforum Münster e.V.
Integrationsrat der Stadt Münster
Integrationsverein „Treffpunkt Waldsiedlung e.V.“
Interkultureller Arbeitskreis Nienberge
interkulturelle Arbeitsstelle (c)culturaine - culture africa in Europa
Johann-Conrad-Schlaun-Gymnasium Münster
Jobcenter Münster
KAI e.V.
Kaktus Münster e.V.
Katholische Hochschule NRW, Abt. Münster
Kamerunische Verein Münster e.V. (MSCAE)
Kommunale Bildungskoordination - Sport, Sprache, Integration der Stadt Münster
Kommunales Integrationszentrum Münster
Kompetenzzentrum für Humanitäre Hilfe der FH Münster
Kommunale Seniorenvertretung Münster
Kulturamt, Stadt Münster
Lebenshilfe Münster e.V., Projekt WeitWinkel
MuM Mehrgenerationenhaus und Mütterzentrum e.V.
Münster – Eine Welt ohne Grenzen e.V.
Münster Marketing, Stadt Münster
Netzwerk Solidarität mit Afrin
Odak e.V.
Personal- und Organisationsamt, Stadt Münster
Polizeipräsident Münster
Persisch-deutsche Kulturbrücke "Poll" e.V.
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Leitbild Migration und Integration Münster – Fortschreibung 2019
Ratsgymnasium Münster
Rechts- und Ausländeramt, Stadt Münster
Shotokan-Karate-Dojo Münster e.V.
Sozialamt, Stadt Münster
Sozialdienst katholischer Frauen e.V. Münster
SPD-Ratsfraktion
Stadtdekanat Münster
Stadtdirektor, Stadt Münster
Stadtsportbund Münster e.V.
Stadtwerke Münster GmbH
SV Concordia Albachten 1955 e.V.
Verein Bürgernetz e.V.
Volkshochschule Münster
Werkstatt für Bildung und Kultur e.V.
Westfalenfleiß GmbH Arbeiten und Wohnen
Wir Erzählen
Wissenschaftliche Internationale Partnerschaften Deutsch als Fremdsprache e.V.
Wirtschaftsförderung Münster GmbH
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Wohn + Stadtbau Wohnungsunternehmen der Stadt Münster GmbH
Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung Münster
www.stadt-muenster.de/zuwanderung/migrationsleitbild
19-KI-2_Titel-Migrationsleitbild.indd 2 05.03.19 12:58
Beratungsverlauf (3)
Beschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungBeschluss: ohne Beschlussfassung geschoben
Zur SitzungOrte (2)
- Trauttmansdorffstraße
- Marderweg
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Aktenzeichen
- V/0203/2019
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 28.02.2019
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37