V/0621/2015
Maßnahmenprogramm einer kind- und jugendbezogenen Armutsprävention in Münster - Umsetzung weiterer Maßnahmen 2015 - 2017 -
KI-Zusammenfassung
Klicken Sie, um eine KI-Zusammenfassung dieses Vorgangs zu erstellen.
KI-Analyse läuft...
vergangen
Was passiert gerade?
- 📄 Dokumente werden analysiert...
- 🤔 KI denkt nach (Reasoning-Modell)...
- ✍️ Zusammenfassung wird geschrieben...
- ⏳ Das dauert etwas länger bei komplexen Dokumenten...
Dieser Vorgang kann 1-3 Minuten dauern. Bitte lassen Sie die Seite geöffnet.
Beschlussvorlage
15529 Zeichen
V/0621/2015
DER OBERBÜRGERMEISTER
Amt für Kinder, Jugendliche und Familien
Betrifft
Maßnahmenprogramm einer kind- und jugendbezogenen Armutsprävention in Münster
- Umsetzung weiterer Maßnahmen 2015 – 2017 -
Beratungsfolge
26.08.2015 Ausschuss für Soziales, Stiftungen, Gesundheit, Verbraucherschutz und
Arbeitsförderung Vorberatung
02.09.2015 Ausschuss für Kinder, Jugendliche und Familien Vorberatung
09.09.2015 Haupt- und Finanzausschuss Vorberatung
16.09.2015 Rat Entscheidung
Beschlussvorschlag:
I. Sachentscheidung:
1. Im Rahmen der Mittelerhöhung für das „Maßnahmenprogramm einer kind - und jugendbezo-
genen Armutsprävention in Münster“ für die Jahre 2015 – 2017 von 152.000 EUR jährlich auf
375.000 EUR (2015), 400.000 EUR (2016) und 300.000 EUR (2017) wird der Maßnahmenka-
talog unter Berücksichtigung neuer Angebote und Projekte für die Zielgruppe der Kinder und
Jugendlichen ab dem schulpflichtigen Alter und unter Berücksichtigung der besonderen Situa-
tion von jungen Flüchtlingen erweitert.
2. Die Verwaltung wird den politischen Gre mien rechtzeitig zu den Haushaltsberatungen für das
Jahr 2018 einen Fachbericht vorlegen, der auch weitere Handlungs - und Finanzierungsbedar-
fe formuliert.
Vorlagen-Nr.:
V/0621/2015
Auskunft erteilt:
Frau Pohl
Frau Herdes
Ruf:
492 51 01
492 58 08
E-Mail:
PohlA@stadt-muenster.de
Herdes@stadt-muenster.de
Datum:
06.08.2015
Öffentliche Beschlussvorlage
- 2 -
V/0621/2015
II. Finanzielle Auswirkungen:
Im Rahmen der Haushaltsberatungen zum Haushaltsjahr 2015 hat der Rat der Stadt Münster f ür
das Maßnahmenprogramm einer kind- und jugendbezogenen Armutsprävention in der Stadt Müns-
ter folgende Ansätze beschlossen:
Teilergebnisplan
Nr. Bezeichnung Haush.-
jahr
Betrag
€
Bemerkungen
Produktgruppe 0604 Familienförderung 2015
2016
2017
375.000 €
400.000 €
300.000 €
Zeile 16 Sonstige ordentliche Auf-
wendungen
Summe: 1.075.000 €
Die zur Finanzierung erforderlichen Ermächtigungen sind im Haushaltsplan 2015 ff bei o. g. Pro-
duktgruppe veranschlagt bzw. vorgesehen.
Begründung:
1. Bisherige Beschlusslage:
Am 25. Mai 2011 hat der Rat der Stadt Münster das „Maßnahmenprogramm einer kindbezog e-
nen Armutsprävention in Münster“ (V/0239/2011 und V/0239/2011/1.Erg) b eschlossen und die
Verwaltung beauftragt, die in den Han dlungsfeldern formulierten Maßnahmen umzusetzen. Für
die Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen hat der Rat der Stadt Münster von 2011 bis
2014 jährlich Mittel in Höhe von 152.000 Euro bereitgestellt und auf Grundlage eines 1. Zw i-
schenberichts in 2013 (V/0158/2013) die Mittel auf Empfehlung des Ausschusses für Kinder,
Jugendliche und Familien auf insgesamt 202.000 Euro erhöht.
Im Rahmen dieser Mittelerhöhung wurden 2014 zwei weitere Stadtteilkoordinatoren Frühe Hi l-
fen im Bezirk Mitte und Bezirk Nord (Kinderhaus) eingesetzt (V/0144/2014).
Mit dem 2. Sachstandsbericht im 4. Quartal 2014 (V/0642/2014) wurde aufgezeigt, dass in den
verschiedenen Handlungsfeldern planmäßig alle Angebote bzw. Maßnahmen erfolgreich umg e-
setzt wurden und diese einen wesentlichen Bestandteil innerhalb einer gesamtstädtischen Pr ä-
ventionskette bilden. Auf dieser Grundlage hat der Rat der Stadt Münster am 10. Dezember
2014 die Fortführung des Maßnahmenprogramms für drei weitere Jahre beschlossen und im
Rahmen der Ha ushaltsberatungen die Mittel von jährlich 152.000 Euro auf insgesamt 375.000
in 2015, auf 400.000 Euro in 2016 und 300.000 Euro in 2017 erhöht (vgl. II. Finanzielle Auswi r-
kungen).
Im Rahmen dieser Mittelerhöhung hat die Verwaltung mit der Vorlage V/0190/20 15 eine Erwei-
terung des Maßnahmenprogramms vorgelegt. Mit Beschluss des Rates vom 06.05.2015
(V/0190/2015/E1) und entsprechend der Empfehlung des AKJF vom 29. April 2015 wurde die
Verwaltung beauftragt, das Maßnahmenprogramm insbesondere für die Zielgruppe der Kinder
ab dem schulpflichtigen Alter und für Jugendliche weiter auszubauen bzw. die Präventionskette
bis zum Übergang Schule-Beruf weiterzuentwickeln und dabei die Flüchtlinge dieser Zielgruppe
in konkreter Weise zu berücksichtigen.
- 3 -
V/0621/2015
2. Ausgangslage:
Mit der Vorlage V/0190/2015 wurden zum Maßnahmenprogramm einer kind - und jugendbezo-
genen Armutsprävention in Münster folgende grundlegende Ausführungen vorangestellt:
Ausgehend von einem multidimensionalen Armutsverständnis, bei dem Armut als eine Leb ens-
lage verstanden wird, die vielfältige einschränkende Auswirkungen bei den betroffenen Kindern
und Jugendlichen in verschiedenen Bereichen wie Gesundheit, Bildung und gesellschaftliche
Teilhabe haben kann, hat die Stadt Münster mit dem kommunalen Maßnahmenprogramm ress-
ortübergreifend wichtige Handlungsfelder von Jugendhilfe, Gesundheitswesen, Schule und S o-
zialem für Kinder mit Armutsrisiko aufgezeigt und in den vergangenen drei Jahren entsprechen-
de Angebote entwickelt und umgesetzt.
Handlungsleitend fü r das Maßnahmenprogramm ist eine kindbezogene Armutsprävention.
Dementsprechend nehmen insbesondere eine gezielte Elternarbeit, frühe Förder -, Gesund-
heits- und Bildungsangebote im Zusammenspiel von Kinder- und Jugendhilfe, Gesundheitshilfe
und Schule einen zentralen Stellenwert ein, um so der Verfestigung von prekären Lebenslagen
so früh wie möglich entgegenzuwirken. Da insbesondere in den ersten Lebensjahren eines Ki n-
des wichtige Grundlagen für die gesamte weitere Entwicklung gelegt werden und Kinder im
Vorschulalter einem höheren Armutsrisiko ausgesetzt sind, standen in den vergangenen Jahren
zunächst möglichst früh einsetzende Hilfen und Präventionsangebote im Fokus des Maßna h-
menprogramms.
Mit einem Zwischenbericht im Frühjahr 2013 konnten erste Entwickl ungen der jeweiligen Ma ß-
nahmen bzw. Angebote nach 1 bis 1 ½ Jahren nachvollzogen werden. Zudem konnte aufg e-
zeigt werden, dass es gelingen kann, Kinder und Familien aus benachteiligten Bevölkerungs-
gruppen durch eine zugehende, aktive Ansprache und bedürfnis orientierte Angebotsvielfalt vor
Ort frühzeitiger zu erreichen und somit deren Zugangs - und Nutzungschancen zur sozialen In f-
rastruktur insgesamt zu erhöhen.
Mit dem 2. Sachstandsbericht im 4. Quartal 2014 wurde umfassend über die Umsetzung des
Maßnahmenprogramms insgesamt sowie der jeweiligen Angebote berichtet und aufgezeigt,
dass die in den verschiedenen Handlungsfeldern durchgeführten Maßnahmen erfolgreich for t-
geführt bzw. umgesetzt wurden. Zudem konnten einige erprobte bzw. bewährte und z. T. evalu-
ierte Ansätze aus dem Projektstatus in die Regelförderung überführt oder über andere Finanzie-
rungsstränge (z.B. Bundesmittel „Netzwerke Frühe Hilfen“) fortgeführt werden.
Sinnvoll ergänzt wird das kommunale Maßnahmenpr ogramm einer kind- und jugendbezogenen
Armutsprävention in Münster seit 2012 durch das auf drei Jahre angelegte Modellvorhaben des
Landes „Kein Kind zurück lassen! - Kommunen in NRW beugen vor“ und der Bundesinitiative
Netzwerke Frühe Hilfen. Mit den Mitteln aus der Landes- und Bundesinitiative wurden seit 2012
insbesondere die Qualifizierung und Zusammenarbeit der Akteure im Bereich Frühe Hilfen und
Prävention, der Einsatz von Familienhebammen und ehrenamtliche Strukturen gefördert. Die
Inhalte und Ziele der jeweiligen Arbeitsfelder haben große Gemeinsamkeiten und Überschne i-
dungen, die aktuell mit der Vorlage „Verwendung vorhandener Mittel aus dem Bundesmodel l-
projekt „Kein Kind zurücklassen!“ und der Bundesinitiative Frühe Hilfen“ (V/0628/2015) darg e-
stellt werden und einer aufeinander abgestimmte n Koordination und Maßnahmenplanung b e-
dürfen.
- 4 -
V/0621/2015
3. Maßnahmenprogramm 2015 bis 2017:
Die Stadt Münster hat in den vergangenen Jahren mit dem kommunalen Maßnahmenprogramm
einer kindbezogenen Armutsprävention und dem Selbstverständnis eines mehrdimension alen
Ansatzes entsprechende Maßnahmen bzw. Angebote hinterlegt, die geeignet sind, bestehende
Regelangebote sinnvoll zu ergänzen und frühzeitig auf die Entwicklung junger Menschen einen
positiven Einfluss zu nehmen.
Mit Ratsbeschluss vom 10.12.2014 wurde die Fortführung bzw. Umsetzung folgender bereits
erprobter Maßnahmen für den Zeitraum von 2015 bis Ende 2017 beschlossen:
3.1 Bereits beschlossene Maßnahmen 2015 – 2017:
Nr. Maßnahme Finanzierung pro Jahr
2015, 2016, 2017
1 Gesundes Frühstück in ausgewählten Kitas 20.000 €
2 Ausbau der Präventionskette für Kinder ab dem 1.
Lebensjahr mit einer Kinderkrankenschwester
25.000 €
3 Fallmanagement „Ernährung in Familien“ sowie Ernäh-
rungsschule in Kitas
15.000 €
4 Schulvorbereitung an der Eichendorffschule in
Angelmodde und Ludgerusschule in Hiltrup
12.000 €
5 „wellcome“ – praktische Hilfen für Familien nach der
Geburt
10.000 €
6 Stadtteilkoordination Frühe Hilfen: Bezirk Mitte und
Nord, Stadtteil Kinderhaus
70.000 €
Summe: 152.000 €
3.2 Neue Maßnahmen ab 2015 - 2017 ff:
Unter Berücksichtigung der bereits beschlossenen Maßnahmen (3.1) sowie vorhandener Re s-
sourcen bzw. Regelangebote und den Schwerpunkten, die innerhalb der Landes - und Bundes-
initiative umgesetzt werden, soll das Maßnahmenprogramm einer kind - und jugendbezogenen
Armutsprävention in Münster ab 2015 verstetigt bzw. sukzessive ausgebaut werden. Grundlage
für die Erweiterung des Maßnahmenkatalogs bilden bereits erprobte bzw. erfolgreiche Präventi-
onsansätze und Maßnahmen, die aufgrund ihrer positiven Wirkungen verstetigt bzw. ausgebaut
oder auf andere Standorte übertragen werden sollen.
Neben der Verstetigung dieser Maßnahmen lag aktuell e in besonderes Augenmerk auf den
Ausbau präventiver Angebote und Projekte für Kinder und Jugendliche ab dem schulpflichtigen
Alter, die in Ergänzung zu bestehenden Regelinfrastrukturangeboten geeignet sind, junge Men-
schen in ihrer Lebenswelt zu erreichen und ihnen erweiterte Handlungs - und Erfahrungsräume
bieten mit dem Ziel, ihre Selbstkompetenzen als Grundlage ihres persönlichen und berufl ichen
Fortkommens zu fördern. Hierbei wurden die von den Fachkräften formulierten Bedarfe und die
besondere Lebenssituation der Kinder und Jugendlichen, die sich in Flüchtlin gseinrichtungen
befinden, berücksichtigt. Leitorientierung hierfür ist die Sicherung des Aufwachsens im Wohle r-
gehen für alle Kinder und Jugendlichen, die jedoch den größeren Bedarfen sozial benachteili g-
ter junger Menschen entsprechend Rechnung trägt. Zu den Maßnahmen für diese Zielgruppe
gehören beispielsweise die konkrete Ansprache und Integration von Kindern und Jugendlichen
im Rahmen der bedarfsorientierten Erweiterung der pädagogischen Angebote in Flüchtlingsei n-
richtungen sowie ein individuelles Unterst ützungsangebot innerhalb einer berufsvorbereitenden
Maßnahme.
Die für die Zielgruppe der schulpflichtigen Kinder und Jugendlichen neu ausgewiesen Ma ß-
nahmen sind in der nachfolgenden tabellarischen Darstellung hervorgehoben und in der Anlage
1 ab Seite 6 in Form einer Kurzdarstellung beschrieben.
- 5 -
V/0621/2015
Mit der Erweiterung des Maßnahmenkatalogs ab 2015 ff stellt sich das Maßnahmenprogramm
einer kind- und jugendbezogenen Armutsprävention in Münster insgesamt wie folgt dar:
Nr.
Maßnahme
2015
2016
2017
Bereits beschlossen:
1 Gesundes Frühstück in ausgewählten Kitas 20.000 € 20.000 € 20.000 €
2 Ausbau der Präventionskette für Kinder ab dem 1.
Lebensjahr mit einer Kinderkrankenschwester 25.000 € 25.000 € 25.000 €
3 Fallmanagement „Ernährung in Familien“ sowie
Ernährungsschule in Kitas 15.000 € 15.000 € 15.000 €
4 Schulvorbereitung an der Eichendorffschule in
Angelmodde und Ludgerusschule in Hiltrup
12.000 € 12.000 € 12.000 €
5 „wellcome“ – praktische Hilfen für Familien
nach der Geburt
10.000 € 10.000 € 10.000 €
6 Stadtteilkoordination Frühe Hilfen: Bezirk Mitte und
Nord, Stadtteil Kinderhaus
70.000 € 70.000 € 70.000 €
Erweiterung des Maßnahmenprogramms ab
2015:
7 Weiterführung der Maßnahme „Safe“ in der Kita
Killingstr. und Übertragung auf weitere Familienzen-
tren
9.000 € 9.000 € 9.000 €
8 Vortragsreihe für Eltern „Was Kinder heute brau-
chen“
3.000 € 3.000 € 3.000 €
9 Resilienzkurs für Vorschulkinder: Weiterführung der
Maßnahme „Prik“ in der Kita Killingstr. und Übertra-
gung auf weitere Familienzentren
3.600 € 3.600 € 3.600 €
10 FEU-Kampagne im Bezirk Nord 5.000 € - -
11 Stadteilkoordination Frühe Hilfen, Bezirk Hiltrup 35.000 € 35.000 € 35.000 €
12 Qualifizierungsangebote für Fachkräfte in Kita,
OGS, Kinder- u. Jugendarbeit zu Armutsfragen und
Resilienzförderung
3.000 € 3.000 € 3.000 €
13 Einsatz von Kulturmittlerinnen in Kitas - 15.000 € 15.000 €
14 Präventionskonferenz Münster - 5.000 € -
15 Sure Start in Berg Fidel und Kinderhaus - 19.000 € 19.000 €
16 Aufwind – Gruppenangebot für seelisch belastete
Eltern
- 6.500 € 6.500 €
17 Familienpaten - 5.000 € 5.000 €
18 Starthilfe - 10.000 € 10.000 €
19 Erweiterung der pädagogischen Angebote für Kin-
der und Jugendliche in Flüchtlingseinrichtungen
Neu: Erweiterung eines Standorts (+ 13.520 EUR)
94.640 €
108.160 €
108.160 € -
Neu 20 „come on“ – ankommen – mitkommen - weiter-
kommen
6.600 € 6.600 € 6.600 €
Neu 21 Schuldenprävention für Jugendliche und junge Er-
wachsene
8.000 € 8.000 € 8.000 €
Neu 22 „Kompetent im Wir“ - 10.000 € 10.000 €
Neu 23 Boxprojekt - 20.000 € 20.000 €
Neu 24 Social Media - Medienkompetenz - 9.000 € 8.080 €
Summe: 333.360 € 427.860 € 313.780 €
Ansatz: 375.000 € 400.000 € 300.000 €
Übertrag: 41.640 € 13.780 € -----------
- 6 -
V/0621/2015
Ausblick:
Das Maßnahmenprogramm einer kind- und jugendbezogenen Armutsprävention in Münster un-
terstützt wesentlich die Bemühungen, Eltern, Kinder und Jugendliche in benachteiligten Lebens-
lagen mit konkreten Angeboten und direkter Ansprache in ihrem sozialen Umfeld so früh zeitig
wie möglich zu erreichen bzw. zu fördern und leistet damit positive Voraussetzungen für eine
gerechtere Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und für gelingende Entwicklungs - und Bi l-
dungsbiographien. Dementsprechend ist das Maßnahmenprogramm unmittel bar mit dem Au s-
bau und der Weiterentwicklung von präventiven Angeboten vor Ort verbunden und ein bede u-
tender Bestandteil innerhalb einer gesamtstädtischen Präventionsstrategie, die mit den Bestr e-
bungen auf Bundes- und Landesebene verknüpft und dauerhaft weiter entwickelt werden muss.
Dabei ist zu berücksichtigen, dass der Aufbau der gesamten Präventionskette entlang der L e-
bensphasen der Kinder/Jugendlichen über alle Altersphasen hinweg Jahre in Anspruch nehmen
kann.
Bei der zukünftigen Weiterentwicklung und Optimierung einer gesamtstädtischen Präventions-
kette kann die im Rahmen des Landesmodellprojektes „Kein Kind zurücklassen!“ durc hgeführte
Evaluation eine Grundlage sein. Ziel dieser Evaluation ist es, kommunale Netzwerke bzw. Pr ä-
ventionsketten zu untersuc hen, die für alle Kinder und Jugendlichen die Chance eines geli n-
genden Aufwachsens verfolgen und der Frage nach geht, wann, wie und wo in den Ko mmunen
was in die junge Generation als Prävention investiert werden muss, um größtmögliche Wirku n-
gen zu erzielen.
i.V.
gez.
Thomas Paal
Stadtrat
Anlagen:
Anlage 1: Kurzdarstellung der zusätzlichen Maßnahmen 2015 - 2017 nach Handlungsfeld
Anlage 1 _ Kurzdarstellung Maßnahmen
44997 Zeichen
Maßnahmenprogramm
einer kind- und jugendbezogenen Armutsprävention in
Münster
- Anlage 1 –
Kurzdarstellung der zusätzlichen Maßnahmen
2015 – 2017 nach Handlungsfeld
- 2 -
Handlungsleitend für das „Maßnahmenprogramm einer k indbezogenen Armutsprävention in
Münster“ ist es, Armutsfolgen bei Kindern so früh w ie möglich abzufedern, indem ihnen von
Anfang an gute Entwicklungs-, Bildungs- und Gesundh eitschancen zu teil werden. Vor die-
sem Hintergrund wurden mit dem Selbstverständnis ei nes mehrdimensionalen Ansatzes
insgesamt vier zentrale Handlungsfelder definiert u nd mit entsprechenden Maßnahmen hin-
terlegt, die für das Aufwachsen von Kindern in Armu tssituationen von großer Bedeutung
sind. Darüber hinaus wurden wesentliche strukturell e Maßnahmen definiert. Hierzu zählen
der Ausbau von ressortübergreifenden Vernetzungsstr ukturen, Qualifizierungsmaßnahmen
für die pädagogischen Fachkräfte sowie ehrenamtliche Unterstützungsmodelle.
Handlungsfeld 1 „Frühe Hilfen – Bindungen stärken“
Eltern nehmen eine Schlüsselposition zur Vermittlung von Bildung und Lebenskompe-
tenzen an ihre Kinder ein. Soll die Entwicklung und die soziale Teilhabe von Kindern
verbessert werden, so ist es erforderlich, Mütter u nd Väter durch spezifische Angebo-
te in ihrer Erziehungsfähigkeit zu stärken, damit s ie in die Lage versetzt werden, die
Entwicklung ihrer Kinder zu unterstützen.
• SAFE-Kurs – Sichere Ausbildung für Eltern (Nr. 7)
Das Projekt „SAFE – Sichere Ausbildung für Eltern" ist ein Trainingsprogramm zur Förderung
einer sicheren Bindung zwischen Eltern und Kind. Bi ndungsstörungen und die Weitergabe
von traumatischen Erfahrungen über Generationen sollen durch das primäre und kostenlose
Präventionsprogramm verhindert werden. Durch die Te ilnahme an SAFE soll es Eltern er-
möglicht werden, die emotionalen Bedürfnisse ihrer Kinder - insbesondere im Hinblick auf die
Bindungsentwicklung - besser wahrzunehmen und durch feinfühliges Interaktionsverhalten
diese zu fördern. Das SAFE-Trainingsprogramm richtet sich an alle werdenden Eltern ab der
20. Schwangerschaftswoche und wird bis zum Ende des ersten Lebensjahres in einer ge-
schlossenen Gruppe durchgeführt. Einzelne Eltern kö nnen darüber hinaus bei Bedarf auch
weitere Hilfen im 2. und 3. Lebensjahr ihres Kindes erhalten. Schwerpunkte der Kursinhalte
sind die frühe und positive Bindung zwischen Mutter / Vater und Kind. Eigene Biographien
und Unsicherheiten werden reflektiert, die Zusammen hänge zwischen Zuwendung, Bindung
und Prävention werden aufgezeigt. In Einzelberatungen können eigene Stärken entdeckt und
ein Umgang mit „Babystress“ erlernt werden.
Das Trainingsprogramm wurde in den vergangen drei J ahren modellhaft in Kooperation von
der Ärztlichen Kinderschutzambulanz mit dem städtischen Familienzentrum Kita Killingstraße
in Kinderhaus vor Ort mit jeweils sechs bis acht Te ilnehmerinnen durchgeführt. Der Erfolg
des Kurses zeigte sich insbesondere darin, dass Äng ste und Unsicherheiten vor der Geburt
in der Gruppe ausgetauscht und abgebaut wurden und letztendlich alle Babys von ihren Müt-
tern emotional angenommen wurden. Dies wiederum bie tet eine wichtige Grundlage für die
weitere Entwicklung des Kindes und kann eine schütz ende Funktion vor Verhaltensproble-
men und seelischen Erkrankungen einnehmen.
Die ersten beiden SAFE-Kurse wurden über Stiftungsm ittel finanziert; 2014 konnte das An-
gebot über das Maßnahmenprogramm Kinderarmut fortge führt werden. Da der SAFE-Kurs
für werdende und junge Eltern eine wichtige Grundla ge für die Entwicklung einer sicheren
Eltern-Kind-Bindung bietet, soll das Trainingsprogramm auf weitere Familienzentren übertra-
gen werden. Die Auswahl erfolgt auf Grundlage klein räumiger Auswahlkriterien zur Förde-
rung von Kindertageseinrichtungen und Familienzentr en mit besonderem Unterstützungsbe-
darf und in Abstimmung mit den Trägern.
• Sure Start (Nr. 15)
Im Bereich der universellen Prävention bewegt sich das Angebot „Sure Start“ der Familien-
bildungsstätten Haus der Familie und Anna-Krückmann-Haus. Es richtet sich gezielt an Müt-
ter und ihre Babys bzw. Kleinkinder aus bildungs- u nd wirtschaftlich armen Milieus. Die För-
derung der Babys und Kleinkinder, die Sicherstellun g einer guten emotionalen und körper-
lichen Grundversorgung und letztendlich der Lern- u nd Entwicklungschancen der Kinder soll
über eine Stärkung der Mutter-Kind-Beziehung erreicht werden. Durch das Anwenden unter-
schiedlicher, leicht verständlicher Methoden bei di esem Gruppenangebot sowie der direkten
- 3 -
Unterstützung der Mutter beim angemessenen Umgang m it ihrem Kind, soll den Müttern
ermöglicht werden, die Kompetenzen und die Entwickl ungsmöglichkeiten ihres Kindes zu
erkennen und diese entsprechend zu fördern. Durchge führt werden diese Angebote in den
Stadtteilen Coerde, Gievenbeck, Angelmodde und Kind erhaus. In Kinderhaus wurde Sure
Start zunächst über Mittel aus dem Projekt „Soziale Stadt“ finanziert und ist mit einem Ei-
genanteil durch das ´Haus der Familie` hinterlegt. Ein zusätzlicher Standort für dieses Eltern-
Kind Programm konnte ab 2011 im Rahmen des Maßnahme nprogramms einer kindbezoge-
nen Armutsprävention in Berg Fidel umgesetzt werden . Da es sich bei dem Angebot um ein
sehr gut nachgefragtes, niedrigschwelliges Elterntr ainingsprogramm handelt, hat es im
Stadtteil einen großen Bekanntheitsgrad erreicht un d insbesondere auch Mütter mit Migrati-
onsvorgeschichte angesprochen.
Sure Start wurde 2005 - 2008 von der WWU Münster ev aluiert mit dem Ergebnis, dass die
positiven Effekte u.a. besonders darin liegen, dass die Erziehungskompetenzen der Mütter
insgesamt gefördert werden, die Mutter-Kind-Bindung gestärkt wird und Hilfestellungen für
den Umgang mit Alltagsproblemen vermittelt werden.
• Starthilfe (Nr. 18)
Das Starthilfe-Projekt des Caritasverbandes für die Stadt Münster e. V. bietet kostenfreie
entwicklungspsychologische Beratung und Unterstützu ng für Eltern von Säuglingen und
Kleinkindern und wendet sich in erster Linie an Fam ilien bei denen die Eltern-Kind-
Interaktion per Selbst- oder Fremdeinschätzung mit erheblichem Stress verbunden ist. Da
Familien mit stark unruhigen und extrem viel schrei enden Säuglingen häufig kaum die Kraft
finden sich angemessene Unterstützung zu suchen, fi ndet die Beratungsarbeit nicht nur in
der Beratungsstelle, sondern auch in dem jeweiligen Haushalt der betroffenen Familie statt.
Ziel ist es, manifeste Regulationsstörungen zu verh indern. Zu den häufigsten frühkindlichen
Regulationsstörungen gehören exzessives Schreien mi t Problemen der Schlaf-Wach-
Regulation (vor dem 6. Lebensmonat), Schlafstörunge n (nach dem 6. Lebensmonat) und
Fütterstörungen. Eltern können hierdurch im Zusammenleben mit ihrem Kind in eine eskalie-
rende Situation von Überforderung und Hilflosigkeit geraten. Das Baby kann seine Bedürf-
nisse nach Geborgenheit, Nahrung, Entspannung, Akti vität und positiver Beziehungs- und
Kommunikationserfahrung nicht ausreichend befriedig en, die Eltern scheinen zu versagen,
fühlen sich abgelehnt, inkompetent und alleingelassen.
Das Starthilfe-Projekt unterstützt Mütter und Väter darin, für die Ausdrucksmöglichkeiten ih-
res Kindes sensibilisiert zu werden und ihr eigenes Selbstwertgefühl zu stärken. Durch
Netzwerkarbeit soll gleichzeitig eine Entlastung in der Familie stattfinden, um Eltern die
Chance zu eröffnen, an eigene intuitive Kompetenzen anzuknüpfen. Evaluationsdaten zei-
gen, dass innerhalb von durchschnittlich fünf Sitzu ngen die Gesamtsituation der Familie we-
sentlich entspannter war. Das Projekt wird bis eins chl. 2015 über den Eigenanteil im Rah-
men des Bundesmodellprojektes Netzwerke Frühe Hilfen finanziert.
• Vortragsreihe für Eltern „Was Kinder heute brauchen – Lebenswelten von Kinder, Ju-
gendlichen“ (Nr. 8)
Die Vortragsreihe des Amtes für Kinder, Jugendliche und Familien der Stadt Münster mit
dem Titel „Was Kinder heute brauchen“ soll Mütter und Väter aufklären und Verunsicherun-
gen im Erziehungsalltag ausräumen. Um möglichst vie le Mütter und Väter zu erreichen, sind
die Veranstaltungen zu verschiedenen Erziehungsthem en i. d. R. kostenfrei. Aktuelle The-
men wie zum Beispiel die Vermittlung von Werten und Grenzen in der Erziehung, Kommuni-
kation im Alltag mit Kindern, die Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen oder auch die
Pubertätsphase stehen dabei im Mittelpunkt. Seit 20 10 wurden pro Jahr fünf bis sechs
Abendveranstaltungen durchgeführt. In 2014 wurden im Rahmen des fünfjährigen Jubiläums
insgesamt acht Veranstaltungen, davon zwei Großvera nstaltungen, durchgeführt. Die konti-
nuierlich hohe Inanspruchnahme von durchschnittlich 540 Teilnehmerinnen und Teilnehmern
bzw. die rund 1.600 Teilnehmenden in 2014 und die durchweg positiven Resonanzen zeigen
auf, dass Mütter und Väter ein hohes Interesse habe n über aktuelle Erziehungsthemen früh-
zeitig informiert und aufgeklärt zu werden. Die Vortragsreihe wurde in den vergangenen Jah-
ren über Spenden bezuschusst.
- 4 -
• Aufwind - Gruppenangebot für seelisch belastete Eltern (Nr. 16)
Die Gruppe für seelisch belastete Eltern im Bezirk Mitte wird von der Beratungsstelle Süd-
viertel e. V. Münster in Kooperation mit dem Förder kreis Sozialpsychiatrie durchgeführt. Das
Angebot richtet sich an Eltern, die psychisch erkra nkt oder hoch belastet sind. Die Eltern
haben in der Gruppe die Möglichkeit, sich über Frag en und Erfahrungen zur eigenen Belas-
tung sowie zur Entwicklung und Erziehung ihrer Kind er auszutauschen. Ferner arbeiten sie
an wichtigen Themen wie z.B. dem Umgang mit Krisen oder dem Ausbau des sozialen Un-
terstützungssystems. Grundsätzliches Ziel ist es ps ychisch erkrankte oder psychisch belas-
tete Eltern bei der Erziehung und Versorgung ihrer Kinder zu unterstützen. Durch unter-
schiedliche Methoden sollen die Eltern emotional en tlastet, ihre Ressourcen und ihr Selbst-
wertgefühl aufgebaut, ihr soziales Netzwerk erweite rt, ihre adäquaten elterlichen Reaktionen
auf die Signale des Kindes gefördert und letztendli ch ihre elterliche Erziehungskompetenz
sowie die Eltern-Kind-Beziehung gestärkt werden. Im Krisenfall werden die Kinder versorgt
bzw. die Versorgung durch Hilfekoordination sichergestellt. Die Gruppe für seelisch belastete
Eltern wird sehr gut in Anspruch genommen und stell t ein notwendiges und niedrigschwelli-
ges Angebot für diese Zielgruppe in Münster dar.
Handlungsfeld 2 „Frühe Förderung – Kinder stärken“
Die Bedeutung der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung für die Entwick-
lung von Kindern ist unumstritten. Je früher und je länger der Kitabesuch wahrge-
nommen wird, desto eher können positive Effekte für die gesamte Entwicklung des
Kindes erwartet werden. Frühkindliche Bildung ist d eshalb ein immens wichtiger Bau-
stein in der gesamten Präventionskette.
• Resilienzkurs für Vorschulkinder (PRiK) (Nr. 9)
Für ihre soziale Entwicklung brauchen Kinder verläs sliche, kontinuierliche Beziehungen zu
Erwachsenen und zu anderen Kindern. Das wird unters tützt durch Institutionen, in denen
eine wertschätzende Kultur herrscht, Werte vermitte lt werden und Halt gegeben wird. Die
Bedeutung positiver Emotionen für erfolgreiches und nachhaltiges Lernen muss im Entwick-
lungs- und Bildungsprozess besonders beachtet werde n. Kinder lernen am besten durch
eine Umwelt, die sie anregt und durch Unterstützung sangebote, die ihre Interessen, ihre Fä-
higkeiten und ihre Kreativität zur Entfaltung bringen. Das wird unterstützt durch eine ressour-
cenorientierte Lernkultur, in der die Potenziale de r Kinder im Mittelpunkt stehen. Dazu ge-
hört, Fähigkeiten, die bisher zu wenig wertgeschätz t oder unentdeckt waren, zu entdecken
und zu stärken. Neben entsprechen Fachvorträgen und Qualifizierungsangeboten für die
pädagogischen Fachkräfte, spielen die Integration v on Konzepten in den Einrichtungen von
Kita, Schule und Jugendhilfe eine wesentliche Rolle.
Als Pilotprojekt hat das städt. Familienzentrum Kita Killingstraße in Kinderhaus 2013 erstma-
lig einen Resilienzkurs für acht Vorschulkinder nac h dem PRiK-Konzept (Prävention und
Resilienzförderung) in Kindertageseinrichtungen mit einer nach dem PRiK-Konzept ausge-
bildeten Sozialpädagogin durchgeführt. Vorhandene F ertigkeiten von Kindern im Alter von
vier bis sechs Jahren werden gezielt gefördert und ihre psychische Widerstandsfähigkeit
gestärkt. Bei den Kita-Kindern zeigte sich nach ein er Trainingseinheit von 16 Wochen, dass
sich ihre sozialen Kompetenzen verbesserten und sie in die Lage versetzt wurden, mit Miss-
erfolgen und Krisen umzugehen. Der Resilienzkurs wird von den Fachkräften als sehr positiv
und nachhaltig wahrgenommen, dieser soll 2015 fortg eführt und auf weitere Familienzentren
übertragen werden.
• Einsatz von Kulturmittlerinnen in Kitas (Nr. 13)
Für die Weiterentwicklung der kommunalen Prävention sketten steht gegenwärtig u. a. die
Konzeption von Angeboten für Menschen mit Migration svorgeschichte bzw. aus Flüchtlings-
einrichtungen im Mittelpunkt.
Ein neuer Ansatz für diese Zielgruppe stellt die Au sbildung und der Einsatz von Kulturmittle-
rinnen im Bereich der Kindertagesbetreuung dar. Der Einsatz der Kulturmittlerinnen sieht vor,
dass Familien mit Migrationsvorgeschichte oder aus Flüchtlingseinrichtungen von geschulten
- 5 -
Frauen mit mehrsprachigem Bildungshintergrund systematisch begleitet und unterstützt wer-
den. Die Kulturmittlerinnen unterstützen die Kommun ikation mit zugewanderten Eltern und
Kindern und bilden so wichtige sprachliche und kult urübergreifende Brücken und Orientie-
rungshilfen. Bei den Kulturmittlerinnen handelt es sich um Frauen unterschiedlicher Herkunft
und Religionen. Die Teilnehmerinnen verfügen über g ute Deutschkenntnisse und bringen
aus ihrem Herkunftsland einen hoch qualifizierten Bildungshintergrund mit. Die Qualifizierung
der Kulturmittlerinnen erfolgt im „Lernhaus für Fra uen“ vom Haus der Familie mit dem Ziel,
Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Vorerfah rungen miteinander in einen Dialog zu
bringen. Die Qualifizierung und der Einsatz der Kul turmittlerinnen werden 2015 aus Mitteln
des Landesmodellprojektes „Kein Kind zurücklassen!“ übernommen und in enger Kooperati-
on mit der Abteilung Kindertagesbetreuung abgestimm t. So werden z. B. auch die Fortbil-
dungsmodule durch eine Referentin des Hauses der Fa milie sowie einer Fachkraft aus der
Abteilung Kindertagesbetreuung gemeinsam durchgefüh rt. Zudem wird ein Modul durch die
Abteilung Kinder- und Jugendgesundheit des Amtes fü r Gesundheit, Veterinär- und Lebens-
mittelangelegenheiten angeboten. Die Kulturmittleri nnen bieten eine sinnvolle Ergänzung zu
der Arbeit in der Kindertagesbetreuung im Sinne ein er gleichberechtigten Erziehungspart-
nerschaft. In 2014 wurden die „Sprach- und Kulturmittlerinnen“ vom Haus der Familie in Ko-
operation mit dem Amt für Schule und Weiterbildung erfolgreich im Schulbereich eingesetzt
und erprobt.
Handlungsfeld 3 „Gesunde Kindheit – Gesundes Aufwachsen“
Eine stabile psychische und physische Gesundheit is t Grundvoraussetzung dafür,
dass Kinder sich gut entwickeln. Die Begleitung, Un terstützung und Förderung einer
gesunden Entwicklung, insbesondere der Kinder mit b esonderen Bedürfnissen und
die notwendige Unterstützung ihrer Eltern ist daher umfassend und nicht in Alleinzu-
ständigkeit einzelner Bereiche zu sehen. Wichtige W eichen für eine gesunde Entwick-
lung müssen daher im Zusammenwirken der beteiligten Professionen und möglichst
früh gestellt werden.
• FEU-Kampagne im Bezirk Nord (Nr. 10)
Für die gesunde Entwicklung eines Kindes sind die F rüherkennungsuntersuchungen (FEU)
besonders wichtig, um die kindliche Entwicklung zu beobachten und Probleme wie z.B. Er-
krankungen oder Entwicklungsstörungen so früh wie möglich zu erkennen und zu behandeln.
Durch das Meldeverfahren zu den Früherkennungsunter suchungen nimmt der Kommunale
Sozialdienst seit 2010 Kontakt zu Familien auf, die die Vorsorgeuntersuchung ihrer Kinder
versäumen oder nicht in Anspruch genommen haben und prüft dann in eigener Zuständig-
keit, „ob gewichtige Anhaltspunkte für die Gefährdu ng des Wohls eines Kindes vorliegen“.
Die Auswertungen der FEU-Daten der Stadt Münster zeigen auf, dass sich die erforderlichen
Überprüfungen durch den KSD in den vergangen vier J ahren im stadtweiten Durchschnitt
zwischen 7,1 und 8,5 Prozent bewegt haben. 2014 lag der Durchschnittswert bei 8 Prozent.
Der Bezirk Nord weicht deutlich von diesen Durchsch nittswerten ab und erfordert Nachgän-
ge, die zwischen 10,5 Prozent (2010) und 13,1 Proze nt (2013) bzw. 12,8 Prozent in 2014
liegen. Deshalb soll speziell für den Bezirk Nord i n Kooperation mit den Stadtteilkoordinato-
ren Frühe Hilfen, dem Kommunalen Sozialdienst und d em Amt für Gesundheit, Veterinär-
und Lebensmittelangelegenheiten eine zielgruppenger echte und niedrigschwellige Kampag-
ne mit folgenden Zielen entwickelt werden:
- Eltern für die gesundheitlichen Belange ihres Kindes zu sensibilisieren und zu motivieren.
- Die Bereitschaft der Sorgeberechtigten zur Teilnahme des Kindes an der FEU zu fördern.
- Die Abklärung möglicher Hilfebedarfe vorzunehmen.
- Ggf. an weitere Unterstützungsangebote zu vermitteln.
- Die Vernetzung zu den Kinderärzten vor Ort zu optimieren.
Für Sachkosten bzw. die Entwicklung z. B. von Flyer n, Plakaten, Broschüren und weiteren
zielgruppengerechten Informationsmaterialien, erhal ten die Stadtteilkoordinatoren 2015 ein
Budget von einmalig 5.000 Euro. Die Umsetzung der Kampagne selbst wird sich auf die Jah-
re 2016 und 2017 erstrecken.
- 6 -
Handlungsfeld 4 „Bildung ermöglichen – Leben lernen“
Kinder- und Jugendarmut geht häufig einher mit Bild ungsarmut. Bildung verstanden
als der Erwerb von Wissen, sozialen Kompetenzen sow ie geistigen und kulturellen
Fähigkeiten. Bildung eröffnet Lebenschancen und ist Voraussetzung für Chancenge-
rechtigkeit. Deshalb gilt es, soziale oder herkunft sbedingte Nachteile durch gezielte
Maßnahmen oder Förderprogramme auszugleichen, damit Kinder und Jugendliche so
unterstützt werden, dass sie ihre individuellen Pot enziale voll entfalten können und
schwierige Bildungsverläufe vermieden werden.
• Erweiterung der pädagogischen Angebote für Kinder und Jugendliche in Flüchtlings-
einrichtungen (Nr. 19)
Die Zahl der nach Münster ziehenden Flüchtlinge ist seit 2012 deutlich ansteigend. Im Okto-
ber 2014 lebten 546 Kinder und Jugendliche, im Juni 2015 bereits 771 Kinder und Jugendli-
che von 0 bis 18 Jahren entsprechend dem Unterbring ungskonzept der Stadt Münster in
verschiedenen Flüchtlingseinrichtungen im gesamten Stadtgebiet. Darunter rd. 448 junge
Menschen im Alter von 6 bis 18 Jahren.
Diese Entwicklung verlangt nach neuen Konzepten und Zugängen, um den Kindern und Ju-
gendlichen auch außerhalb der institutionellen Anbi ndung an Schule in ihrem Sozialraum
entsprechende Lern- und Erfahrungsräume sowie aktiv e Integrations- und gesellschaftliche
Teilhabechancen zu ermöglichen.
Mit der Vorlage „Ausbau und Weiterentwicklung der pädagogischen Angebote für Kinder und
Jugendliche in Flüchtlingseinrichtungen“ (V/0700/2014) im November 2014 hat sich die öf-
fentliche Jugendhilfe gemeinsam mit den freien Träg ern der offenen Kinder- und Jugendar-
beit den Auftrag gegeben, die Neuausrichtung der An gebote für Kinder und Jugendliche aus
den Flüchtlingseinrichtungen im Rahmen einer Modellphase zu initiieren. Ziel ist es, den jun-
gen Menschen aus den Flüchtlingseinrichtungen den Z ugang zur offenen und mobilen Ju-
gendarbeit zu ermöglichen bzw. den Übergang von der Flüchtlingseinrichtung in die Jugend-
einrichtung durch aktive Ansprache und Angebote so zu gestalten, dass die Kinder und Ju-
gendlichen von den Angeboten im Stadtteil partizipi eren und sich in ihrem Lebensumfeld
integrieren können. Die Träger der Angebote der off enen Kinder- und Jugendarbeit erhalten
für Ihre Gruppenangebote eine einmalige Zuwendung in Höhe von 13.520 € pro Standort pro
Jahr. Im Rahmen der Modellphase können 2015 von die sem Ansatz die jungen Menschen
bereits in sieben Sozialräumen, in denen eine neue, durch Umbau oder in Pavillonbauweise
realisierte Flüchtlingseinrichtung entstanden ist, von den kinder- und jugendpädagogischen
Angeboten profitieren.
Durch weiter ansteigende Flüchtlingszahlen sind im Laufe des Jahres 2015 weitere, zeitlich
befristete Flüchtlingseinrichtungen für Familien in Pavillonbauweise an verschiedenen
Standorten im Stadtgebiet entstanden. Vor diesem Hi ntergrund sind die pädagogischen An-
gebote für Kinder und Jugendliche aus den Flüchtlin gseinrichtungen an sechs weiteren
Standorten (davon 2 Standorte mit doppelter Belegun g) entsprechend zu erweitern und inte-
rimsweise über das „Maßnahmenprogramm einer kind- u nd jugendbezogenen Armutsprä-
vention“ zu finanzieren.
„Kompetent im Wir“ (Nr. 22)
Die Jugendtheater-Werkstatt Münster e.V. möchte ein 3-jähriges Projekt zur Förderung von
Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit und ohne Mi grationsvorgeschichte von Januar
2016 bis Ende 2018 durchführen. Der Verein tritt an , um die soziale Kompetenz und Integra-
tion verschiedener sozialer Gruppen durch kommunika tive Maßnahmen kultureller Sozialar-
beit auszubauen. Dies geschieht insbesondere mit Hilfe der Medien Spiel und Theater.
Der Förderschwerpunkt liegt auf Empowerment. Hauptz iel der "Kompetenzwerkstatt" ist es
dementsprechend, die Selbstermächtigung bzw. den Gr ad an Autonomie und Selbstkompe-
tenz von jungen Menschen, unabhängig von Herkunft u nd Status, zur kulturellen und demo-
kratischen Teilhabe zu fördern und damit einen Beitrag zu leisten zur Sorgeselbstständigkeit,
zum Verantwortungsbewusstsein für sich und das Gemeinwesen und somit zur Integration.
- 7 -
Mit dem Projekt „Kompetent im Wir“ werden Strukture n entwickelt und aufgebaut für das
"Fitmachen" junger Heranwachsender zu Multiplikator en, zu Verantwortungsträgern mit ho-
her Identifikation und Teilhabern / Mitgestaltern unserer Gesellschaft.
Neu und ein Schwerpunkt in diesem Projekt ist zudem der Aufbau eines Stützpunktes bzw.
einer Anlaufstelle für Jugendliche im Bezirk Nord, Stadtteil Kinderhaus, um in Kooperation
mit dem ATRIUM e.V. eine Anlaufstelle und ein niedr igschwelliges Angebot für die Jugendli-
chen vor Ort vorzuhalten und sie mit ihren Belangen aufzufangen. Dabei sollen ein oder
mehrere ausgewählte jugendliche Coaches mit Vorerfa hrungen in kleinen Projekten mitwir-
ken und die Schnittstelle bzw. Kommunikation zu and eren Stützpunkten in Münster liefern.
Ziel des Projektes ist es, die Selbstkompetenz der jungen Menschen unabhängig von ethni-
scher Herkunft und sozialem Status, zur gesellschaf tlichen, kulturellen und demokratischen
Teilhabe, mittels Qualifikation und Partizipation z u stärken. Mit dem Projekt sollen bei den
beteiligten Jugendlichen die sozialen, interkulture llen und integrativen Kompetenzen ent-
deckt, gefördert und weiter entwickelt werden. Um d en beteiligten Jugendlichen, die Mög-
lichkeit zu geben, ihre eigenen Wünsche, Vorstellun gen und Pläne formulieren zu können,
werden Kommunikations- und Ausdrucksfähigkeit geschult und trainiert. Durch verschiedene
Aufgabenstellungen erlernen und erwerben sie Eigenv erantwortung. Die Arbeit bzw. Ausei-
nandersetzung in den Gruppen oder Teams betraut und befähigt die jungen Erwachsenen
auch Verantwortung für Andere zu übernehmen. Diejenigen, die bereits über Vorerfahrungen
verfügen und sich besonders engagieren, bilden ihre multiplikatorische Kompetenz aus, weil
sie ihre eigenen Kompetenzen an andere Jugendliche vermitteln. Grundsätzlich soll das ge-
samte Vorhaben die Persönlichkeitsentwicklung aller Beteiligten über die Erfahrung von
Selbstwirksamkeit, Identifikation über Sprache und gemeinsamem Gestalten/Handeln stär-
ken und die Lebenstüchtigkeit der jungen Menschen a uf verschiedenen Ebenen vertiefen
und verbessern:
- Lernen, um Wissen/Bildung zu erwerben,
- Lernen zu handeln: Kompetenzen praktisch anwenden in Schule/Arbeit/Leben,
- Lernen zusammenzuleben: Teamfähigkeit, Verständnis und Verantwortung für Andere,
Konfliktbewältigung,
- Lernen, um sich zu entfalten: die Fähigkeit, die persönliche und gesellschaftliche Entwick-
lung zu gestalten.
• „Come on“: ankommen – mitkommen - weiterkommen (Nr. 20)
Das Projekt „Come on“ ist ein individuell begleiten des Förderangebot für Jugendliche mit
Migrations- bzw. Fluchthintergrund innerhalb der Ju gendwerkstatt des Jugendausbildungs-
zentrums (JAZ gGmbH). In der berufsvorbereitenden M aßnahme der Jugendwerkstatt erhal-
ten junge Menschen aus Münster, die zwischen 16 Jah re und 20 Jahre alt sind und i. d. R.
ihre Schulpflicht erfüllt haben, die Möglichkeit, s ich beruflich zu orientieren, verschiedene
Arbeitsbereiche kennen zu lernen und in weiter qual ifizierende Maßnahmen (Schule oder
Ausbildung) vermittelt zu werden.
Unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Jugen dwerkstatt befinden sich i. d. R. drei
bis vier Jugendliche mit Migrationsvorgeschichte bzw. junge Menschen aus Flüchtlingsgebie-
ten, die in Münster z. T. gerade Fuß gefasst haben, häufig mit geringer oder fehlender Quali-
fikation aus dem Schulsystem ausgeschieden sind und sich in einem schwierigen Über-
gangsprozess von der Schule in den Beruf befinden.
Ein zentraler Erfolgsfaktor, um diese Jugendlichen an weiterführende (Aus-) Bildungsmaß-
nahmen heranzuführen und ihnen berufliche und persö nliche Zukunftsperspektiven zu eröff-
nen, ist eine individuelle Begleitung, Beratung und Förderung. Unter diesem Leitgedanken
setzt das neue und im Alltag der Jugendwerkstatt integrierte Angebot „come on“ an: Jugend-
liche mit Migrationsvorgeschichte sollen im Rahmen einer individuellen Unterstützung, Be-
gleitung und Beratung durch eine erfahrene sozialpä dagogische Fachkraft ihre persönlichen
Kompetenzen und beruflichen Perspektiven im Zusamme nhang mit Fragen von Berufsorien-
tierung, Ausbildung und Berufstätigkeit weiterentwi ckeln können. Ziel ist es, die Potentiale
der jungen Menschen auszuloten und stärker zu förde rn, um ihnen die Chance einer berufli-
chen Teilhabe in unserer Gesellschaft zu geben. Die Begleitung der Jugendlichen soll – aus-
gerichtet an den individuellen Voraussetzungen und Bedürfnissen – aktiv, handlungsorien-
tiert und praxisbezogen erfolgen. Dabei sollen die jungen Menschen ihre Ziele mitbestimmen
- 8 -
und Selbständigkeit, Selbstsicherheit und Selbstver antwortung als Grundlage für ein selbst-
bestimmtes Leben erwerben.
Die sozialpädagogische Begleitung der Jugendlichen umfasst im Wesentlichen folgende
Punkte:
- Förderung der Sprachkompetenzen in einer Lerngruppe (Deutsch und Englisch) als
Voraussetzung für weiterführende berufliche Qualifizierungsmaßnahmen
- Erlernen lebenspraktischer Fertigkeiten wie z. B. gesund und günstig einkaufen, Verträge
richtig lesen und abschließen etc.
- Entwicklung sozialer Kompetenzen u. a. mit sportlichen Aktivitäten
- Training kognitiver Fähigkeiten in Einzel- und Gruppenarbeit
- Lebenswelterkundung bezogen auf die Behörden- und Bildungslandschaft in Münster
Flankierend findet eine Einzelbegleitung der Jugend lichen statt, um die individuellen Förder-
bedarfe bzw. Ziele und Perspektiven zu erörtern und Unterstützungsmaßnahmen zu initiie-
ren. Darüber hinaus sollen in Kooperation mit dem A mt für Schule und Weiterbildung bei
Bedarf die Angebote aus dem Programm „Kein Abschluss ohne Anschluss“ wie z. B. für eine
individuelle Potentialanalyse genutzt werden, Überg änge zu Fachdiensten oder Bildungsan-
geboten eingeleitet und begleitet und zwischen den Systemen vermittelt werden.
• Schuldenprävention für Jugendliche und junge Erwachsene (Nr. 21)
Überschuldung im Jugendalter ist eine ernstzunehmen de Problematik, die nicht mit Jugend-
armut gleichzusetzen ist. Gleichwohl aber kann Über schuldung zu Armut führen. Viele junge
Leute verschulden sich heute durch Internet- und Te lefonrechnungen. Ursachen der Ver-
oder Überschuldung liegen dabei häufig in der Intra nsparenz der Verträge und der Unwis-
senheit bzw. wirtschaftlichen Unerfahrenheit der Ju gendlichen und jungen Erwachsenen.
Aber auch die Definition der eigenen Persönlichkeit über Statussymbole, unbedachter Kon-
sumerwerb oder der in der Familie praktizierte Lebe nsstil tragen oftmals dazu bei, dass jun-
ge Menschen gerade auch dann, wenn sie mit 18 Jahre n die volle Geschäftsfähigkeit erhal-
ten oder sich verselbstständigen, d. h. ihren erste n eigenen Haushalt gründen wollen, in fi-
nanziell schwierige Situationen geraten. So verzeic hnet z. B. die Verbraucherzentrale Müns-
ter oder auch die Rechts- und Schuldenhilfe des stä dtischen Jugendinfomations- und –
bildungszentrums (Jib) in Münster seit Jahren einen konstanten Beratungsbedarf bei jungen
Menschen zu Schulden und deren rechtliche Auswirkungen.
Entsprechende Beratungsangebote liegen grundsätzlic h eher im nachsorgenden Bereich.
Wenn Jugendliche Beratung in Anspruch nehmen, sind sie häufig bereits verschuldet.
An dieser Stelle setzt das Konzept des präventiv au sgerichteten Bildungs- und Beratungs-
projektes „Schuldenprävention für Jugendliche und j unge Erwachsene in Münster“ an, wel-
ches unter der Gesamtkoordination des Jib in Kooper ation mit den freien Trägern des AK
Schuldnerberatungsstellen bzw. der AG`s gem. § 78 S GB VIII entwickelt und durchgeführt
werden soll. Ziel des auf verschiedenen Modulen auf bauenden Präventionsprojektes ist es,
Jugendlichen und jungen Erwachsenen frühzeitig allg emeine Finanzkompetenzen zu vermit-
teln und so deren Ver- oder Überschuldung zu vermei den. Dies verlangt eine aktive Anspra-
che der Zielgruppe der 16- bis 27-jährigen. Das Pro jekt umfasst dementsprechend stadtweit
unterschiedliche Orte, Lebens- und Freizeitbereiche (Jugendhilfe, Schulen, Berufskollegs).
Um die Zielgruppe zu erreichen, sollen zudem Beiträ ge für soziale Medien wie z. B. Video-
kurzfilme, YouTube, Facebook mit den jungen Mensche n gemeinsam entwickelt und einge-
setzt werden. Zudem werden Informationsmaterialien erarbeitet und Präventionsstunden für
weiterführende Schulen bzw. Berufskollegs oder Juge ndgruppen mit entsprechendem me-
thodisch-didaktischem Unterrichtsmaterial entwickel t. Weitere Bausteine beinhalten einen
Vortragsabend für Eltern sowie eine Fachtagung für Multiplikatoren aus Schule und Jugend-
hilfe zum Thema Schuldenprävention bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen.
- 9 -
• Boxprojekt „Farids QualiFighting“ (Nr.23)
Das Projekt Farids QualiFighting wurde 2006 von Her rn Prof. Dr. Vatanparast und Herrn Dr.
Ulrich Thelen ins Leben gerufen. Träger ist die Telekom-Post SV Münster 1930 e.V.
Das Angebot bietet täglich für Kinder und Jugendlic he aus dem Stadtteil Coerde, aber auch
aus dem Stadtgebiet, ein Box- und Nachhilfetraining an. Der Stadtteil Coerde, in dem das
Projekt durchgeführt wird, zeichnet sich durch eine n hohen Anteil von Menschen mit Migrati-
onsvorgeschichte und Hauhalten aus, die von SGB II leben. Die Lebenslage vieler der hier
lebenden Jugendlichen ist u. a. geprägt durch die A rbeitslosigkeit der Eltern, wirtschaftliche
Armut, Perspektiv- und Hoffnungslosigkeit im Hinblick auf das Erreichen von guten Bildungs-
abschlüssen.
Das Boxprojekt bietet Jugendlichen in dieser Situat ion eine wertvolle Unterstützung, klare
Strukturen und erleichtert es ihnen sich in Regelwerke und in die Gesellschaft zu integrieren.
So erhalten die Jugendlichen einen umfassenden Nach hilfeunterricht, dessen erfolgreicher
Besuch Voraussetzung dafür ist anschließend das Box training in der Sporthalle nebenan
aufzusuchen. Zum pädagogischen Konzept gehört es, d ass nur Boxen darf, wer vorab seine
schulischen Hausaufgaben/ Leistungen erbracht hat. An der Planung und Durchführung bei-
der Bereiche (schulisch und sportlich) sind die Jugendlichen intensiv beteiligt.
Das Konzept zeichnet sich durch das Prinzip „förder n und fordern“ aus. Nur wer schulische
Fortschritte macht, darf als Belohnung am Boxtraini ng teilnehmen. Die Möglichkeit, mit deut-
schen und europäischen Meistern und Dr. F. Vatanpar ast (ehemaliger Olympionike und
Hochleistungsboxer) gemeinsam zu trainieren, ist eine extrem hohe Motivation für die jungen
Menschen auch gute Leistungen in der Schule anzustr eben, dort pünktlich zu erscheinen
und sich nicht nur im schulischen, sondern auch im privaten Rahmen nach gesellschaftlich
akzeptierten Werten und Normen und Regeln zu verhal ten bzw. sich zu bemühen, Konflikte
anders zu lösen.
Ziel des Angebotes ist es, die Persönlichkeitsentwi cklung der Kinder und Jugendlichen
ganzheitlich zu fördern: So wird den jungen Mensche n in Zusammenarbeit mit anderen Or-
ganisationen vor Ort beispielsweise die Gelegenheit geboten, ihre eigenen Talente zu entde-
cken und zu entwickeln. Gleichzeitig wird die Orien tierung an für alle geltenden Regeln
(Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Respekt etc.) gefo rdert. Zudem werden auch die Eltern der
Teilnehmenden in die Aktivitäten des Projekts, wie beispielsweise Fahrten zu Wettkämpfen,
mit einbezogen, wodurch eine stärkere Vernetzung de r ansässigen Bevölkerung erreicht
wird. Eingebunden werden auch Studierende der Unive rsität, die durch begleitende Semina-
re in die Arbeit mit den Jugendlichen (schulisch und sportlich) integriert werden.
Das Projekt hat nationales Aufsehen erregt und wurd e bereits mehrfach ausgezeichnet. Die
Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Projekt zeigen de utlich mess- und spürbar gewordene
Leistungsorientierungen, die sich nicht nur in der Schule, sondern auch beispielsweise an
errungene Welt- und Europameistertiteln deutlich machen.
Kooperationspartner in dem Boxprojekt sind u. a. di e Hauptschule Coerde, das Polizeipräsi-
dium Münster, das Sportinternat Münster, das Amt fü r Kinder, Jugendliche und Familien der
Stadt Münster, der Verbund sozialtherapeutischer Ei nrichtung (VSE) Coerde sowie die
Fachhochschule Münster und die Universität Münster.
• „Social Media“: Medienkompetenzförderung (Nr.24)
Social Media Dienste wie z. B. Facebook, Twitter, Y ouTube und Co sind aus der heutigen
Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen nicht mehr wegzudenken, im Gegenteil, sie sind
allgegenwärtig. Web 2.0, das "Mitmachnetz", digitale Kommunikationskanäle mit Echtzeitfak-
tor sind angesagt. Social Media oder auch die sozia len Medien bezeichnen digitale Medien
und Technologien, die es Nutzern ermöglichen, sich untereinander auszutauschen und me-
diale Inhalte einzeln oder in Gemeinschaft zu erste llen. Dies beinhaltet nicht nur - gerade
durch einen häufiger eher unkontrollierten Umgang i n der Gruppe der Jugendlichen und jun-
gen Heranwachsender gewisse Risiken (z. B. Cybermob bing), sondern auch ein großes Po-
tential im Hinblick auf Zugang zu Information, Bild ung und Partizipation. Der Begriff "Social
Media" wird aber auch für die Beschreibung einer ne uen Erwartungshaltung an die Kommu-
nikation genutzt, die durch diese Entwicklung sehr viel schnelllebiger geworden ist. Mit stei-
gender Mediatisierung des Alltags werden der Umgang mit Social Media Diensten und eine
entsprechende Medienkompetenz zu einer wichtigen Re ssource und Schlüsselkompetenz
- 10 -
und Bestandteil der modernen Alltagsbildung. Dies v erlangt den Erwerb von Medienkompe-
tenz auf allen Ebenen des sozialen Beziehungsgeflec htes: bei Kindern, Jugendlichen, Eltern
und auch weiteren Bezugspersonen wie z. B. pädagogi schen Fachkräften in Schule und Ju-
gendhilfe.
Vor dem Hintergrund, dass auch der Erwerb von Medie nkompetenz durch ökonomische,
kulturelle und soziale Herkunftsressourcen beeinflusst wird, sind Ungleichheiten in Bezug auf
die Teilhabe am sozialen, kulturellen Leben und ein em selbstbestimmten Umgang mit den
Medien auszugleichen.
Hier setzt das „Social Media Projekt“ des Jugendinf ormations- und -bildungszentrums (Jib)
an: Um möglichst viele Kinder und Jugendliche zu erreichen und sie im Umgang mit sozialen
Medien zu qualifizieren, sollen zunächst Mitarbeite nde aus der offenen Kinder- und Jugend-
arbeit zu bestimmten Themen aus dem Social Media-Be reich von bundesweiten Experten
weiter gebildet werden und die Medienkompetenzen er werben, die sie dann als Multiplikato-
ren an die Kinder und Jugendlichen in ihren Einrich tungen im jeweiligen Sozialraum mit kos-
tenlosen Angeboten weitergeben können. Dies gelingt nicht mit großen Informationsveran-
staltungen, sondern in kleinen, überschaubaren mehrtägigen Workshops mit jeweils 5 bis 10
Teilnehmenden, in denen sich die Mitarbeitenden sel ber ausprobieren können und die so
Nachhaltigkeit garantieren. Diese Workshops dürfen kein einmaliges Angebot sein, sondern
müssen inhaltlich fortgeschrieben und immer wieder angepasst bzw. vertieft werden, um der
auf dem „digitalen Markt der Möglichkeiten“ immer s chneller stattfindenden Veränderung
gerecht zu werden und die Kompetenzen an die Jugendlichen weitergeben zu können.
Eine erste spezialisierte Fortbildungsreihe zu Soci al Media Themen für die Jugendhilfe in
Münster“ konnte über Spendengelder in 2015 erfolgreich durchgeführt werden.
- 11 -
Strukturelle Maßnahmen:
Neben dem Ausbau von Infrastrukturangeboten, zielgr uppenspezifischen und sozial-
raumbezogenen Maßnahmen sind insbesondere die umfas sende Qualifizierung und
Sensibilisierung von Fachkräften zu kindspezifischen Risiken und Folgen von Kinder-
armut und Konzepten zur Resilienzförderung, das Bür gerschaftliche Engagement so-
wie die Vernetzungsstrukturen zwischen Schule, Juge nd- und Gesundheitshilfe sys-
tematisch zu fördern und strukturell zu verankern.
• Stadtteilkoordination Frühe Hilfen (Nr.12)
Im Rahmen des Maßnahmenprogramms einer kindbezogene n Armutsprävention in Münster
wurden ab 2011 mit jeweils einer halben Stelle Stad tteilkoordinatoren in drei ausgewählten
Quartieren (Angelmodde, Berg Fidel und Gievenbeck) eingesetzt. Zuvor wurde dieser Ansatz
modellhaft im Bezirk Nord, Stadtteil Coerde erfolgr eich erprobt und als Regelangebot imple-
mentiert. Mit der Vorlage V/0144/2014 hat der Aussc huss für Kinder, Jugendliche und Fami-
lien eine Mittelerhöhung in Höhe von 50.000 Euro fü r das Maßnahmenprogramm einer kind-
bezogenen Armutsprävention in Münster beschlossen, so dass der Einsatz der Stadtteilko-
ordinatoren im Frühjahr 2014 zusätzlich auf den Stadtteil Kinderhaus im Bezirk Nord und den
Bezirk Mitte erweitert werden konnte. Derzeit sind die Stadtteilkoordinatoren Frühe Hilfen in
fünf Bezirken und sechs Stadtteilen mit jeweils ein er halben pädagogischen Koordinations-
stelle tätig. Ein erster Erfahrungsbericht der Stad tteilkoordination Frühe Hilfen wurde dem
Ausschuss für Kinder, Jugendliche und Familien im O ktober 2014 vorgelegt (V/0703/2014).
Aufgrund der in allen Stadtteilen deutlich erkennbaren positiven Effekte aus der Tätigkeit der
Stadtteilkoordinatoren, ist es sinnvoll, das Angebo t in der Stadt Münster sukzessive auszu-
bauen. So soll auf der Grundlage von Sozialstruktur daten und der fachlichen Einschätzung
der pädagogischen Fachkräfte der Einsatz der Stadtt eilkoordination auf den Bezirk Hiltrup
mit dem Schwerpunkt auf Hiltrup-Mitte und Hiltrup-W est erweitert werden. Die Stadtteilkoor-
dination im Bezirk Hiltrup soll ebenfalls an eine E rziehungsberatungsstelle angebunden wer-
den, um von der multiprofessionellen Ausrichtung un d der langjährigen Beratungserfahrung
zu profitieren. Im Bezirk Hiltrup ist dies das Diak onische Werk Münster, Beratungs- und Bil-
dungszentrum GmbH.
Die Stadtteilkoordination ist Ansprechperson für Familien mit Kindern von null bis sechs Jah-
ren sowie für alle Institutionen, die mit dieser Zi elgruppe arbeiten, so dass Eltern und deren
Kinder von einem frühzeitigen und systematischen Zu gang zu präventiven Eltern-Kind-
Angeboten profitieren und verbindliche Kooperations beziehungen zwischen Jugend-, Ge-
sundheitshilfe und Soziales aufgebaut werden können . Der Fokus liegt zudem darauf, ver-
bindliche Präventionsstrukturen zu erarbeiten und A ngebotslücken von frühen, nied-
rigschwelligen Hilfen zu identifizieren bzw. zu schließen. Die Aufgabe der Stadtteilkoordinati-
on beinhaltet damit zwei wichtige Faktoren innerhal b der gesamten Präventionsarbeit. Zum
einen gewährleistet sie die Zugänge der Familien zu den unterschiedlichen Unterstützungs-
angeboten verschiedener Systeme, zum anderen leiste t sie wesentliche Netzwerkarbeit im
Stadtteil und der Kommune. Die Stadtteilkoordinatio n Frühe Hilfen erbringt damit insgesamt
einen wesentlichen Beitrag zu einer lückenlosen Prä ventionskette und ist ein bedeutender
Baustein in einem gesamtstädtischen Präventionskonzept.
• Familienpaten (Nr. 20)
Die „Familienpaten“ des Caritasverbandes ist ein niedrigschwelliges Unterstützungsangebot
mit geschulten Ehrenamtlichen für Familien mit geri ngen materiellen und sozialen Ressour-
cen. Ehrenamtliche leisten dabei konkrete alltagspr aktische Unterstützung in den Familien
indem sie beispielsweise Alleinerziehende entlasten , bei Behördengängen behilflich sind
oder die Kinder bei den Hausaufgaben betreuen. Die lebenspraktische Begleitung vor Ort
und die Unterstützung bei der Bewältigung alltäglic her Belastungen führt insgesamt zu einer
Stärkung der Familien. Bis zum Sommer 2014 wurden a n die 60 Familien durch die Famili-
enpaten begleitet. Eine externe Evaluation in dem Z eitraum von 2010 bis 2013 hat aufge-
zeigt, dass die Familien die Familienpatenschaften als sehr hilfreich bewerten. Bei den Eltern
zeigten sich zudem deutlich positive Veränderungen bezogen auf ihr Sicherheitsempfinden
mit den Kindern und bezogen auf Gefühle der Überforderung bei der Alltagbewältigung.
- 12 -
• Qualifizierung von Fachkräften zu Armutsfragen und Resilienzförderung (Nr. 13)
Ein wesentlicher Ansatzpunkt um Bedarfslagen von Fa milien zu erkennen und mit ihnen ins
Gespräch zu kommen sind die im Sozialraum tätigen F achkräfte. Für spezifische Problemla-
gen und Fragestellungen wie z.B. innerhalb der Elternberatung sind gezielte Qualifizierungen
angezeigt und entsprechende Konzepte zu entwickeln. Entsprechend der Lebenslagen der
Familien vor Ort und der von den Fachkräften formul ierten Bedürfnisse sollen deshalb Quali-
fizierungsangebote im Umgang mit Eltern und Kindern , die in Armutssituationen leben, er-
möglicht werden. Zielgruppen sind dabei insbesonder e die pädagogischen Fachkräfte in
Kindertageseinrichtungen bzw. Familienzentren, im o ffenen Ganztag und der Kinder- und
Jugendarbeit. Ein weiterer Schwerpunkt innerhalb de r Qualifizierungsbestrebungen liegt auf
dem Themengebiet der Resilienzforschung und der Res ilienzförderung. Die Inhalte dieser
Fortbildungen und Fachvorträge schärfen vor allem d en Blick auf die Potentiale der Kinder
die in belasteten Lebenszusammenhängen aufwachsen.
• Präventionskonferenz (Nr. 17)
Die Präventionskonferenz unter Federführung des Amt es für Kinder, Jugendliche und Fami-
lien der Stadt Münster dient dem partnerschaftlichen Dialog zwischen kommunalen Fachkräf-
ten und freien Trägern im Bereich der Frühen Hilfen und Prävention aus den Ressorts Ju-
gend, Gesundheit, Schule, Soziales und Politik und bildet eine Basis für ein gemeinschaftlich
vernetztes Handeln. Die erste kommunale Präventions konferenz wurde im März 2012 unter
dem Titel „Starke Kinder – begleiten – fördern – schützen“ durchgeführt; die zweite münster-
aner Präventionskonferenz fand im April 2014 unter der Prämisse „Auf den Anfang kommt es
an! präventiv -qualifiziert – vernetzt“ statt. Auf dieser Präventionskonferenz wurde die Prä-
ventionsmaxime der Stadt Münster als ein gemeinsame s Ergebnis aller Akteure verabschie-
det. Diese bildet seither die gemeinsame Grundlage für die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen
und Familien unter der Prämisse „vom Kind her denken!“. Angeregt von den Teilnehmenden
der ersten Präventionskonferenz, konnte auf der zwe iten Präventionskonferenz zudem die
Datenbank „Präventive Angebote in der Stadt Münster“ vorgestellt werden. Dieser neue onli-
ne-Service ermöglicht eine sozialräumliche, nach Altersgruppen (aktuell von der Schwanger-
schaft bis zum 8. Lebensjahr) aufbereitete und themenorientierte Suche präventiver Angebo-
te in Münster. Die Ergebnisse und Themenschwerpunkt e der zweiten Präventionskonferenz
werden im übergeordneten Netzwerk Frühe Hilfen weiter bearbeitet mit dem Ziel, die Zugän-
ge für Kinder, Jugendliche und Familien zu den Unte rstützungsangeboten weiter zu verbes-
sern, Präventionslücken systematisch zu identifizieren und in ein gesamtstädtisches Präven-
tionskonzept zu integrieren.
Beratungsverlauf (4)
Beschluss: ohne Beschlussfassung geschoben
Zur SitzungBeschluss: ohne Beschlussfassung geschoben
Zur SitzungOrte (2)
- Killingstraße
- Kinderhaus 70
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Aktenzeichen
- V/0621/2015
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 07.08.2015
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37