2246/2021
Verbraucherberatung im Quartier: Jahresbericht 2020
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Mitteilung Ausschuss
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Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle V/503/1 Vorlagen-Nummer 06.08.2021 2246/2021 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Ausschuss für Soziales, Seniorinnen und Senioren 26.08.2021 Ausschuss Klima, Umwelt und Grün 02.09.2021 Bezirksvertretung 8 (Kalk) 02.09.2021 Bezirksvertretung 6 (Chorweiler) 23.09.2021 Verbraucherberatung im Quartier: Jahresbericht 2020 Die Verwaltung gibt in der Anlage den Jahresbericht 2020 über das Beratungsangebot „Verbraucher- beratung im Quartier“ zur Kenntnis. Unter https://www.verbraucherzentrale.nrw/verbraucherberatung-im-quartier-ueber-unseren-ansatz- 46694 informiert die Verbraucherzentrale in der Rubrik „Unser Ansatz“ auf ihrer Homepage über die Quartiersberatung und stellt den Jahresbericht 2020 Verfügung. In der Rubrik Downloads gibt es ver- schiedene hilfreiche Informationstexte für Verbraucherinnen und Verbraucher. Die Gremien werden über die weitere Entwicklung der Verbraucherberatung im Quartier informiert. Gez. Dr. Rau
Anlage 1 Jahresbericht 2020
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Jahresbericht 2020 Im Quartier. Für Sie. Da. Verbraucherberatung im Quartier Köln Inhaltsverzeichnis 1 Übergeordnete Ziele der Verbraucherberatung im Quartier............................................. ...1 2 Überblick Input/Ressourcen.......................................................................... ........................2 3 Überblick: Outputs/Leistungen nach Ziel............................................................. ................5 Übergeordnetes Ziel 1: Niederschwelliger und frühzeitiger Zugang zu rechtlicher Beratung und Vertretung für Bürger:innen, die den Weg nicht oder nur schwer in eine Beratungsstelle der Verbraucherzentrale finden........................................................ .........5 Übergeordnetes Ziel 2: Kooperative Vernetzung und Synergienutzung zu vorhandenen Strukturen, um die bestehenden Hilfen und Angebote bestmöglich miteinander zu vernetzen und die Maßnahmen bedarfsgerechter, passgenauer und wirkungsvoller auszurichten....................................... ................................................... ...........................15 Übergeordnetes Ziel 3: Präventiv tätig werden und durch Bildung und Information dazu beitragen, dass bestimmte Probleme im Verbraucheralltag gar nicht erst auftreten und das Selbsthilfepotential gestärkt wird.................................................................... ..................23 Übergeordnetes Ziel 4: Sensor- und Frühwarnfunktion mit Blick auf verbraucherrechtliche Fallstricke, um diese bereits in der Entstehung zu unterbinden.....25 Übergeordnetes Ziel 5: Entwicklung von Strategie und Ansatzpunkten zur Erhöhung der Reichweite mit dem Ziel, eine präventive Wirkung des aufsuchenden Arbeitsansatzes in allen 15 Kölner Sozialräumen zu entfalten............................................................. ...........28 Übergeordnetes Ziel 6: Identifizierung von strukturellen Problemlagen, Lücken im Hilfesystem, Handlungsempfehlungen an die Stadt Köln.................................................. 30 4 Frage-Antwort: Quartiersarbeit in der Corona-Krise.................................................. ........32 1 I Seite 1 Übergeordnete Ziele der Verbraucherberatung im Qua rtier 2 I Seite 2 Überblick Input/Ressourcen Ansatz der Verbraucherberatung im Quartier Mit Mitteln des Landesministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (seit 2015) und der Stadt Köln (seit 2017) hat die Verbraucherzentrale die Möglichkeit in struktur schwachen Stadtquartieren Verbraucher:innen direkt in ihrem Lebensumfeld zu unterstützen. Zentrale Zielgruppen sind Verbraucher:innen, die de n Weg in die Beratungsstelle der Verbraucherzentrale in der Kölner Innenstadt nur schwer oder gar nicht finden und vielfach multiple Problemlagen haben. Hierzu zählen insbesondere Armu tsbetroffene, Erwerbslose, Menschen mit geringen Deutschkenntnissen, Ältere, Jugendliche od er junge Erwachsene und Menschen mit Beeinträchtigungen. Seit September 2015 bietet die Verbraucherzentrale NRW in Köln neben der Beratungsstelle in der Innenstadt ein Angebot in den Sozialräumen Chorweiler, Blumenberg und Seeberg-Nord, Höhenberg und Vingst, Kalk sowie Humboldt-Gremberg an. Im direkten Wohnumfeld ist die Verbraucherberatung im Quartier niederschwellig ans prechbar. Beraterinnen mit Rechtsberatungsbefugnis stellen verbraucherrechtliche Beratung in wöchentlichen Sprechstunden sowie rechtliche Vertretung zur Verfügung. Präventi ons- und Bildungsarbeit vor Ort wird geleistet und an Aktionen und Festen teilgenommen. Die Verbraucherberatung im Quartier ist in den jeweiligen Sozialräumen gut vernetzt und ein fester Bestandteil der Unterstützungslandschaft. Seit 2020 werden geeignete Strategien und Ansatzpun kte zur Erhöhung der Reichweite mit dem Ziel entwickelt, eine präventive Wirkung in allen 15 Sozialräumen zu entfalten. Ressourcen und Team der Verbraucherberatung im Quartier: • eine Teamleitungsstelle (seit 2020) • zwei Beratungskraftstellen • eine 0,5 Assistenzstelle • zweistündige Rechtsanwaltstätigkeit pro Woche • nach Bedarf Aushilfen Mit Jahresbeginn 2020 verstärkt eine Teamleitung di e personellen Ressourcen der Verbraucherberatung im Quartier für die strategisch e Weiterentwicklung, systematische Auswertung identifizierter Problemlagen und deren A ufbereitung für Handlungsempfehlungen an Verwaltung und Politik. 3 I Seite Die zwei Beratungskraftstellen werden durch zwei Teilzeitmitarbeiterinnen und eine Mitarbeiterin in Vollzeit besetzt. Diese beiden Planstellen werden i n Chorweiler, Blumenberg und Seeberg-Nord, Höhenberg und Vingst, Kalk und Humboldt-Gremberg so eingesetzt, dass jeweils eine Verbraucherberaterin "das Gesicht der Verbraucherze ntrale" in einem Sozialraum darstellt. Eine präsente Vertrauensperson ist für die Arbeit im Qua rtier wichtig, da sie die Hemmschwelle der Bewohner:innen zur Angebotsnutzung senkt. Chorweile r, Blumenberg und Seeberg-Nord sowie Höhenberg und Vingst werden von je einer Kollegin mit einem 0,5 Stellenanteil betreut. Die Kollegin mit Vollzeitstelle kümmert sich vorrangig um die Sozialräume Kalk und Humboldt- Gremberg. Zwischen Höhenberg-Vingst, Humboldt-Gremberg und Kalk gibt es im Stadtbezirk Köln-Kalk übergreifende Strukturen innerhalb des Akteursnetzwerkes und hinsichtlich diverser Arbeitskreise und -konferenzen. Dahingehende Aktivitäten werden ebenso mit dem vollen Stellenanteil abgedeckt. Die Verbraucherberaterinnen vertreten sich gegensei tig bei Urlaub, Krankheit oder Fortbildungen und unterstützen sich bei besonderer Arbeitsbelastu ng, um ein kontinuierliches Sprechstundenangebot vorzuhalten, Nachfragen zu bed ienen oder Aktionen durchzuführen. Um eine ausreichende Infostandbesetzung von mindestens zwei Personen bei Festen sicherzustellen, kommt in der Regel zusätzlich eine teamexterne Aushilfe hinzu. Ein Honoraranwalt der Verbraucherzentrale NRW unterstützt die Beraterinnen im Rahmen von bis zu zwei Wochenstunden. Dies geschieht unter anderem bei besonders komplexen Rechtsfällen oder wenn das Thema außerhalb der aktuellen Rechtsb eratungsbefugnis der Mitarbeiterinnen liegt. Der Honoraranwalt übernimmt dabei nur die Kommunikation mit der Anbieterseite. Die Verbraucherberaterinnen führen die niederschwellige Kommunikation mit den Ratsuchenden, die für den zielführenden Beratungsverlauf notwendig ist. 4 I Seite Statistische Erfassung Im Vertrag zwischen der Stadt Köln und der Verbrauc herzentrale NRW zur Verbraucherberatung im Quartier vom 17.07.2019 wurde in § 5 festgehalte n, dass „ein übersichtliches Erhebungsraster zu noch zu vereinbarenden Kennziffern der Verbrauch erberatung im Quartier zu entwickeln ist, welches Aussagen zur Erfolgsbilanz der Arbeit und zu deren Wirkungen in den jeweiligen Sozialräumen ermöglicht“. Und dass dieses in den Jahresbericht integriert wird. Die Orientierung an den übergeordneten Zielen 1 bis 6 soll eine Aussage ermöglichen, wie sich die Erfolge der Verbraucherarbeit in den Sozialräumen abbildet und welche strukturellen Problemlagen in den Blick genommen werden sollten. Grundlage für die Ableitung aus der Praxissicht sind sowohl qualitative als auch quantitative Indikatoren. Die Arbeit der Verbraucherberatung im Quartier wird wie folgt statistisch erfasst: Verbraucherrechtliche Anliegen werden in einem elek tronischen Statistiksystem der Verbraucherzentrale NRW erfasst. Die Daten wurden 2020 unter "Verbraucherberatung im Quartier Gesamt" eingegeben, eine Aufteilung nach Sozialraum erfolgte nicht. Die Daten werden durch das Controlling der Verbraucherzentrale NRW aufbereitet und auf Variabilität geprüft. Mit Abschluss eines Verbraucherfalles wird manuell in einer Übersichtstabelle nach "erfolgreich" oder "nicht erfolgreich/ohne Ergebnis" kategorisiert. Zu den Zielen der Verbraucherberatung im Quartier g ehören unter anderem der Aufbau und die Pflege einer bedarfsgerechten Verweisstruktur sowie die Bildungs- und Präventionsarbeit für Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf. Die F ührung und Auswertung einer Aktionstabelle soll dazu beitragen, Aussagen über d as Erreichen der Zielsetzung zu treffen. In dieser Aktionstabelle werden Veranstaltungen und Aktionen in den Quartieren und die Beteiligung von Seiten der Verbraucher:innen und Kooperationspartner:innen manuell festgehalten. 5 I Seite 3 Überblick: Outputs/Leistungen nach Ziel Übergeordnetes Ziel 1: Niederschwelliger und frühzeitiger Zugang zu rechtlicher Beratung und Vertretung für Bürger:innen, die den Weg nicht oder nur schwer in eine Beratungsstelle der Verbraucherzentrale finden Tabelle 1: Anzahl (n) der jeweiligen Anliegen für die Verbraucherberatung im Quartier Anliegen (n) Verweis 315 intern 127 extern 188 Auskunft 253 Rechtsberatung * 389 Rechtsvertretung* 278 Anliegen Gesamt 1235 *Folgerechtsberatungen und -vertretungen inkludiert, da statistisch derzeit nicht separat im Statistiksystem auswertbar. Diagramm 1: Rechtsberatungen und -vertretungen (n) nach Thema für Verbraucherberatung im Quartier Allgemeine Dienstleistungen Energie und Wasser Finanzdienstleistungen Freizeit Gesundheit Konsumgüter Postdienstleistung/elek. Kommunikation Sonstiges Verkehrsdienstleistungen 87 62 72 53 3 96 247 29 18 Rechtsberatung und -vertretungen en 6 I Seite Diagramm 2: Verweis und Auskunft (n) nach Thema für Verbraucherberatung im Quartier Verbraucherberatung im Quartier bleibt eine vielgefragte Anlaufstelle in den Sozialräumen Mit insgesamt 1235 Verbraucheranliegen wurde die Verbraucherberatung im Quartier auch im Jahr 2020 von Ratsuchenden stark nachgefragt.1 Es wurden 389 Rechtsberatungen sowie 278 Rechtsvertretungen durchgeführt. Besonders häufig w andten sich Verbraucher:innen mit Fragen zu Postdienstleistungs- und Telekommunikationsverträgen (Rechnung und Kündigung von Telefonie und Internet, Drittanbieter, Anbieterwech sel, ungewollte Vertragsabschlüsse...) an die Verbraucherberatung im Quartier. Weitere Anliegen drehten sich vermehrt um Kauf- und Dienstleistungsverträge (Rechnungen und Kündigungen , unlautere Werbung, ungewollte Vertragsabschlüsse...) sowie um Finanzdienstleistungen (Kreditvermittlungen, Kontoprobleme, Inkasso- und Rechtsanwaltsforderungen...). Viele Ra tsuchende meldeten sich zu energierechtlichen Fragen (zum Stromanbieterwechsel oder wegen Zahlungsproblemen von Energierechnungen bzw. angedrohten oder vollzogenen Stromsperren...). Bei rund 40 Prozent der Rechtsvertretungsfälle musste der Honoraranwalt in die Falllösung miteinbezogen werden. Zudem erfolgten 253 Auskünfte2. Vorwiegend drehten diese sich thematisch um Allgemeine Dienstleistungs-, Postdienstleistungs- und Telekommunikationsverträge. Ferner erfolgte insgesamt 1 Aufgrund der geänderten Erfassungssystematik ist keine Anschlussfähigkeit der Statistikdaten des Jahres 2020 an die Vorjahresstatistiken gegeben. 2 Auskunft: Information, bei der keine fachliche und rechtliche Prüfung eines individuellen Sachverhaltes erfolgt. Gemeint sind allgemeine Auskünfte und weiterführende Informationen, Abgabe von informations- und/oder lösungsorientierten Materialien (Musterbriefe, Infobroschüren...). Es gilt zu beachten, dass eine Auskunft einen anschließenden qualifizierten Verweis beinhalten kann. Dieser Verweis wird nicht separat in der Statistik erfasst. 7 I Seite 315 Mal direkt ein qualifizierter Verweis 3. Neben internen Verweisen zur allgemeinen Verbraucherberatung oder einer Spezialberatung der Verbraucherzentrale NRW, wurde in 60 Prozent der Fälle an eine/n Kooperationspartner:in innerhalb der Sozialräume oder zu stadtweiten Anlaufstellen verwiesen. In 135 Fällen (Diagramm 2 unter der Kategorie "Sonstiges") erfolgte unter anderem bei sozial-, arbeits-, oder strafrechtlichen Fragestellungen zu passenden Anlaufstellen ein qualifizierter Verweis. Trotz Pandemie durchgehend für Ratsuchende da In der Regel werden kostenlose Sprechstunden ohne Termin in jedem Sozialraum im Umfang von jeweils zwei Wochenstunden angeboten. „Lockdown“ hieß es jedoch ab Mitte März für knapp a cht Wochen und erneut seit Mitte Dezember über den Jahr eswechsel hinaus für die persönliche Beratung. Den Sozialraumbewohner:innen wurde durchgängig Zugang zu Rat und Recht innerhalb eines circa 15-wöchigen Lockdownbetriebes durch telefonische und digitale Beratung und Vertretung ermöglicht. Die angepassten Zugangswege wurden über unsere Home page, Pressemitteilungen und über die multimedialen Kanäle der Kooperationspartner:innen/ Multiplikator:innen kommuniziert. Des weiteren wurde durch Aushänge (an den Sprechstunden orten, in Mietshauseingängen, in lokalen Schaukästen...) und Flyerausgaben an verbliebenen O rten mit Publikumsverkehr (durch ortsansässige Apotheken, Nachbarschaftshilfen, Lebe nsmittelausgaben...) auf das ununterbrochene Unterstützungsangebot aufmerksam ge macht. Die durchgängige Erreichbarkeit und flexible Zusammenarbeit in der Krise wurde von den Sozialraumpartner:innen sehr begrüßt und gelobt. Zügige Wiedereröffnung der persönlichen Sprechstunde unter Hygieneauflagen Die persönlichen Sprechstunden der Verbraucherberatung im Quartier wurden ab Mitte Mai wieder aufgenommen. Dazu wurden drei individuelle Schutz- und Hygienekonzepte zwischen der Verbraucherzentrale und dem Nachbarschaftstreff Kalk, dem Bürgerzentrum Vingst und dem Bürgerzentrum Chorweiler erarbeitet. Außerdem wurde eine Vergabe persönlicher Sprechstundentermine notwendig, um die Beratungsnachfrage zu lenken und Kontakte im Wartebereich zu vermeiden. Priorität hatten Ratsuchende, die mit der weiterhin bestehenden Telefon- oder Onlineberatung nicht zurecht kamen un d/oder deren Anliegen besonders komplex waren. Niemand wurde abgewiesen. Stattdessen wurden zusätzliche Termine vergeben, indem die 3 Verweis: Lotsen eines/einer Ratsuchenden an passendes Beratungsangebot der externen Unterstützungsstruktur im Sozialraum oder innerhalb des Angebotes der Verbraucherzentrale. Es erfolgt keine Auskunft oder Beratung. 8 I Seite reguläre Beratungszeit (in Spitzenzeiten um bis zu drei Stunden) ausgedehnt und Mehrarbeit geleistet wurde. Persönlicher Kontakt erweist sich für Zielgruppe als unabdingbar Im ersten Lockdown brachen die Verbraucheranfragen ein (Februar:März = 126:56 Anliegen), gefolgt von einem Wiederanstieg der Anfragen auf das vorherige Niveau bei Wiedereröffnung der persönlichen Sprechstunden. Der Wegfall gewohnter S trukturen, unter anderem des persönlichen Kontaktweges, stellt eine schwer überwindbare Hürde für viele Menschen dar. Dies wur de uns sowohl seitens der Ratsuchenden als auch von Kooperationspartner:innen berichtet. Gepaart mit Unsicherheit und Skepsis bez üglich der bedrohlichen Pandemiesituation ist zu vermuten, dass zahlreiche Verbraucher:innen trotz weiterhin bestehender Unterstützungsbedarfe weitgehend außer Stande waren, ihre verbraucherrechtlichen Probleme anzupacken. Folglich ist zur Erreichung dieser Menschen unsere vertrauensvolle, niederschwellige Präsenz im Quartier wertvoll und unabdingbar. Bedarfsgerechte Unterstützung unter pandemischen Bedingungen - Herausforderungen und Maßnahmen Die Schließung der persönlichen Sprechstunden, die rasante Umstellung auf digitale Zugangswege und die Strukturänderungen innerhalb ei ner sich dynamisch wandelnden Hilfs- und Unterstützungslandschaft brachten neue, große Herau sforderungen für die Verbraucherarbeit mit sich: • Verbraucher:innen ohne digitale Zugänge oder mit geringen Deutschkenntnissen treffen die Kontaktbeschränkungen hart. Häufig können sich Rats uchende am Telefon nicht ausreichend artikulieren und scheitern teilweise be reits an der Namens- und Adressnennung. Vielen fehlt das Know-how und die Te chnik für digitale Kommunikationsformen (mangelhafte Ausstattung, kein eigener Mail-Account oder Telefonanschluss, keine Scan-Möglichkeit, geschlossene Copy-Shops, Überforderung beim Ausfüllen von Formularen...). Um hier trotzdem eine erforderliche rechtliche Unterstützung anbieten zu können, wurden vereinfachende Maßnahmen für die Verbraucher:innen eingerichtet (Abfotografieren der Dokumente; Beileg ung eines adressierten Rückumschlags, um sicherzustellen, dass Original-Vo llmachten und Einverständniserklärungen zurückkommen, die unabdingbare Voraussetzung für die rechtliche Vertretung sind). "Wann öffnen Sie wieder? Ich warte lieber bis Sie wieder hier sind." Verbraucheranfrage während Lockdown 9 I Seite • Die für die Beratung notwendigen Schritte (Heraussuchen der erforderlichen Fallunterlagen und deren Zusendung, Überprüfung geleisteter Zahlun gen anhand von Bankauszügen, korrektes Ausfüllen eines Überweisungsträgers...) konnten häufig nicht adäquat von Ratsuchenden selbstständig umgesetzt werden. Währen d beispielsweise bei geöffneten Vor-Ort-Sprechstunden Ratsuchende oftmals mit einer Tüte ungeöffneter Briefe und unsortierter Unterlagen vorsprachen, erreichten die Beraterinnen nun bis zu dreißig einzelne E-Mails mit Anhängen ungeordneter, teils s chlecht lesbarer Falldokumente. Für einen gelingenden Beratungsablauf musste oftmals kl einteilige Verbraucherunterstützung (mehrfache Telefonate und/oder schriftliche Leitfäd en in einfacher Sprache für Step-by- Step-Problemlösung) geleistet werden. Eindrücke aus der Verbraucherberatung "auf Distanz": Verbraucheranfrage per Mail; Fallunterlagen per Post (eigenes Foto), O-Ton eines Multiplikators • Wo es möglich war, lief die Kommunikation vorwiegend über Schlüsselpersonen im Quartier. Multiplikator:innen, Ehrenamtliche und Na chbar:innen wurden teilweise in den kompletten Beratungsprozess miteinbezogen (zum Beispiel Austausch über offene Fenster, Unterlagensortierung und Versand wichtiger Dokumente, Ausfüllhilfe bei Musterbriefen, Übersetzungsleistungen). Um Fehlerquellen in einer "Beratung via Flüsterpost" zu vermeiden, war auch hier eine aufwändige und enge Fallbegleitung sowie intensive Kommunikation zwischen allen Beteiligten notwendig. "...vielen Dank für Ihre Bemühungen und für die ausführlichen Informationen, Sie haben wirklich professionelle Arbeit hier geleistet. Ich werde alles so übersetzen und an die Dame weiterleiten…“ Lotse aus dem Integrationshaus nach umfassender rechtlicher Beratung während Lockdowns 10 I Seite • Dynamische Veränderungen in der Hilfs- und Unterstützungslandschaft innerhalb der Sozialräume und über deren Grenzen hinaus erfordert en eine Vertiefung der Lotsenarbeit. Die Verbraucherberatung im Quartier wurde ihrem Anspruch gerecht, Ratsuchende weiterhin an die richtige Stelle qualifiziert zu ve rweisen. Dazu waren ein regelmäßiger Austausch innerhalb des Akteursnetzwerkes und die t eils tagesaktuelle Recherche (von eingeschränkten Öffnungszeiten, neuen Kontaktwegen wie Not-Hotlines...) erforderlich. Auch wurden direkte Terminvereinbarungen bei Netzwe rkpartner:innen vorgenommen und Fallübergaben sichergestellt, damit die Ratsuchenden bei der richtigen Anlaufstelle ankamen. • Aufgrund der pandemiebedingten Einschränkungen barr ierearmer Zugänge (vor allem bei Behörden und Ämtern), wurden die zumeist geringen S elbsthilferessourcen der Quartiersbewohner:innen weiter limitiert. Damit die Wirkung der geleisteten verbraucherrechtlichen Arbeit nicht verpufft, unterstützte auch hier die Verbraucherberatung im Quartier diejenigen Verbraucher:innen in der Kri se, die den weiteren Lösungsschritten (zum Beispiel Kommunikation mit dem Jobcenter, Hilf e bei Anträgen auf Beratungshilfe) ansonsten hilflos gegenüber gestanden hätten. Erfolgskennzahlen der rechtlichen Vertretung Durchsetzung von Verbraucheransprüchen gegenüber dem Anbieter In 90 Prozent der Fälle konnten im Jahr 2020 die Verbraucheransprüche im Rahmen der Rechtsbesorgung erfolgreich durchgesetzt werden. Di e Verbraucher:innen zogen direkten wirtschaftlichen Nutzen aus Erstattungen, Einsparun gen, abgewehrten Forderungen oder stornierten Verträgen. In weiteren Fällen profitierten Ratsuchende von der Klärung der Rechtslage, auch wenn die Forderung der Gegenseite berechtigt w ar. Kostenintensive Mahn- und Inkassoverfahren konnten gestoppt und potentielle Schuldenfallen abgewehrt werden, indem Verbraucher:innen zu einem weiteren nachhaltigen Umgang mit ihrer individuellen, wirtschaftlichen Situation beraten wurden (Prüfung leistbarer Ratenz ahlungsvereinbarungen, keine Zahlungen aus dem Unpfändbaren...). Existenzbedrohende Notlagen w ie Stromsperren, Kontopfändungen sowie Vollstreckungsmaßnahmen wurden verhindert. Dadurch konnte vielfach der Teufelskreis aus immer weiteren Gebührenforderungen und noch mehr Ve rtragsfallen unterbrochen und betroffene Haushalte stabilisiert werden. Mit Blick auf das so ziale Sicherungssystem führt dies mittelfristig zu einer Entlastung der öffentlichen Kassen. 11 I Seite Dankesnachrichten von Verbraucher:innen nach erfolgter Verbraucherberatung und -vertretung Bei vier Prozent der Fälle zogen sich die Verhandlu ngen mit Anbietern über den Jahreswechsel hinaus, sodass das Ergebnis Ende Dezember 2020 noch ausstand. Die übrigen Fälle (sechs Prozent) wurden ohne Ergebnis abgeschlossen, da ent weder der/die Verbraucher:in im Fallverlauf nicht mehr erreichbar war oder eine Reaktion der An bieterseite trotz mehrfacher Kontaktversuche in Namen der Verbraucherzentrale ausblieb. Hier musste im Einzelfall auch für weitere Erfolgsaussichten auf den gerichtlichen Klageweg verwiesen werden. Nicht zuletzt wurden in den Beratungssituationen Präventionsarbeit und Hilfe zur Selbsthilfe geleistet, um bestärkte Verbraucher:innen in die La ge zu versetzen, verbraucherrechtlichen Fallen auszuweichen oder frühzeitig rechtlichen Rat einzuholen. Intensität und Komplexität rechtlicher Beratung/Ver tretung einer Zielgruppe mit geringem Selbsthilfepotential und multiplen Problemlagen (sprachliche, finanzielle, soziale Gründe) Die Problemsituation der Ratsuchenden wird innerhal b der Beratung ganzheitlich in den Blick genommen. Vielfach werden mehrere Probleme identifiziert, die mit dem vordergründigen Anliegen des Ratsuchenden verwoben sind. Hieraus ergeben sich dann weitere Verweise, Auskünfte und/oder Rechtsbesorgungen. Beispielsweise ist das Angebot bei Geld- und Kredit problemen in der Regel ein Querschnittsthema. So entwickelt sich eine vordergründige Anfrage, wie etwa zu einer Telekommunikationsforderung, zusätzlich zu einer Unterstützungsleistung bei Zahlungs- und Existenzsicherungsproblemen (rund um Pfändung, P-Ko nto, (drohende) Energiesperre, Mietrückstände...). "Sehr geehrte Damen und Herren, ich bin so glücklich, dass du mein Problem gelöst hast. Vielen Dank an Sie. Ich hoffe, dass ich in Zukunft Hilfe von Ihnen bekommen werde." "Ja, also ich kann schon mal sagen wo jetzt alles geklärt ist, dass ich eine gute Erfahrung gemacht habe, ab jetzt weiß ich bei solchen Momenten wie ma n reagieren soll." "...vielen Danke für Ihre Bemühungen im Voraus. ich danke mit großem Respekt und Anerkennung für Ihre berufliche und rechtliche Sorgfalt...“ „Wenn ich etwas von Gericht bekomme oder von Cashback oder irgendwas, werde ich Ihnen natürlich direkt mitteilen.“ "...vielen lieben Dank fur Ihre helfe, es war sehr nett von Ihnen, was Sie für mich gemacht haben. Wenn ich irgendwelche Problem oder ein Freund von mir im Zukunft haben, meldee ich mich natürlich wieder bei Ihnen." 12 I Seite Innerhalb eines Falles sind viele einzelne Bearbeit ungsschritte (mehrere Kommunikationswege, Recherchearbeit...) notwendig, die sich teilweise ü ber Wochen und Monate hinziehen. Bei einer Zielgruppe mit geringem Selbsthilfepotential und mu ltiplen Problemlagen bedarf es zudem in der Regel einer langen, zeitaufwändigen Betreuung währe nd des Beratungs- und Vertretungsvorgangs, unter anderem weil die Verbraucher:innen die Korrespondenz mit der Anbieterseite nicht verstehen und der Inhalt des Br iefes sowie Handlungsaufforderungen nochmal erklärt werden müssen. Querschnittsthemen sowie der Zeitaufwand für einzel ne Bearbeitungsschritte und Betreuungsleistungen werden quantitativ statistisch nicht erfasst. Nachfolgende Verbraucherfälle aus der Praxis sollen die Intensität und Komplexitä t der rechtlichen Beratung und Vertretung der Verbraucherberatung im Quartier veranschaulichen: Komplexe Verbraucherberatung zum Thema Existenzsicherung bei einer drohenden Stromsperre • (16.09.2020) Familie mit geringen Deutschkenntnissen wurde eine Stromsperre für vorherigen Tag angekündigt. Eine Ratenzahlung wurde vom Stromlieferanten abgelehnt. Kooperationspartner unterstützte Familie bereits beim Darlehensantrag beim Jobcenter und verwies auf die Verbraucherberatung im Quartier (Vi Q). Familie scheiterte aus zu diesem Zeitpunkt noch unbekannten Gründen an Stromanbieterwechsel. ViQ: Anruf bei ehemaligem Stromanbieter: Klärung des offenen Betrags inklusive Sperrkosten (rund 2500 Euro). Verschiebung der Sperre sei nicht möglich. ViQ: Mehrere Telefonate mit altem und neuem Stromanbieter: Ursachensuche für gescheiterten Stromanbieterwechsel. Grund findet si ch im unterschiedlich buchstabierten Familiennamen innerhalb der beidseitig vorliegenden Kundendaten. Wird korrigiert. Verworrene Situation wird Familie von ViQ in einfacher Sprache erklärt. • (17.09.2020) ViQ: Beratung mit Energieexperten der Verbraucherzentrale NRW zum weiteren Vorgehen. ViQ: Folgeberatungstermin mit Familie , die ungelesene schriftliche Aufforderung zur Mitwirkung des Jobcenters vorlegt. Beraterin erklärt Brief in einfacher Sprache. ViQ: Anruf bei Jobcenter Service-Hotline zum Status quo des Darlehensantrages. Es stellt sich heraus, dass Familie schriftlich für ei ne einstweilige Verfügung an Amtsgericht verwiesen wurde. Familie gibt an, Brief nicht zu kennen. • (18.09.2020) ViQ: Anruf bei Jobcenter Kundenreaktionsmanagement: Verweis an Amtsgericht nach Ablehnung des Darlehensantrags. ViQ: Anruf bei Amtsgericht: Klärung der Bedingungen für einstweilige Verfügung. 13 I Seite ViQ: Telefonat mit Familie: Keine Voraussetzungen für einstweilige Verfügung. ViQ: Anruf bei neuem Stromanbieter: Stromanbieterwechsel wird für 1. September 2020 vollzogen. Stromsperre ist damit abgewendet. ViQ: Telefonische und schriftliche Informationen an Familie über weitere wichtige Handlungsschritte zur Existenzsicherung. Verweis an Schuldnerberatung wegen offener Forderung aus altem Stromvertrag, an Stromsparcheck der Caritas wegen hohem Stromverbrauch, an Erwerbslosenberatung des Vingste r Treffs zur Prüfung der Jobcenterleistungen. Verbraucherberaterin stellt jeweils Fallübergabe und das "Ankommen" der Familie bei entsprechender Anlaufstelle sicher. • ViQ: Mehrere Folgeberatungen zur einfachen Erklärung der Stromrechnung und des Abschlagsprinzips, zur Abschlagsanpassung gemäß vor aussichtlichen Verbrauchs und zur Sicherstellung des Abschlages durch Unterstützung bei der Auswahl der monatlichen Zahlungsart. Im weiteren Beratungsverlauf wird festgestellt, dass Familie zusätzlich finanzielle Schwierigkeiten mit Gasrechnung hat, Fall zieht sich über Jahresende hinaus. Abwendung hoher finanzieller Einbußen zugunsten der Ratsuchenden und Abwehr einer manifesten Überschuldung • (03.09.2020) Junge Auszubildende mit geringem Einkommen nimmt Ko ntakt mit Unterstützung eines Multiplikators zur Verbraucherb eratung im Quartier (ViQ) auf. In neun Fällen kann sie Forderungen (aus sieben Telekommuni kationsverträgen und zwei Zeitschriftenabonnements) von insgesamt rund 2000 E uro nicht nachkommen. Aufgrund eigener Aussagen habe sie während der pandemiebedin gten Kontaktbeschränkungen aus Langeweile mehr Geld ausgeben als vorhanden. Mahnsc hreiben sowie Inkassoforderungen sind teilweise bereits erfolgt oder deren Eintreffen ist in Kürze zu erwarten. • ViQ: (Fallbearbeitung von September bis über Jahres ende hinaus) Multiplikator wird zur Unterstützung der Verbraucherin in kompletten Beratungsverlauf miteinbezogen. Anforderung aller Unterlagen von Verbraucherin und der fehlenden Dokumente von Gläubigern. Forderungsprüfung in einzelnen Fällen. Diese stellen sich nach rechtlicher Prüfung als berechtigt heraus. ViQ: Beratung zur Stundung und Ratenzahlung, Konsequenzen von Zah lungsverzug und Vertragskündigungen sowie Informationen zum Pfändun gsschutz, mit dem Ziel Ängste zu nehmen. Prüfung der wirtschaftlichen Situation der Verbraucherin mit Aufstellung der Einnahmen und Ausgaben; Hilfe zur Selbsthilfe hinsichtlich des Auskommens mit dem Einkommen, unter anderem durch Anleitung zur Führung eines Haushaltsbuches. 14 I Seite ViQ: Rechtsbesorgung in sieben der neun Fälle mit Einbezug des Honorara nwalts. Je nach Fall werden unter anderem Ratenzahlungsvereinbarungen, Einmalzahlungen und vorzeitige Kündigungen mit den Gläubigern verhandel t. Im Verlauf sind vier Folgeberatungstermine sowie mehrfache telefonische und schriftliche Kommunikation mit Mandantin und Multiplikator notwendig, um weitere Lösungsschritte abzustimmen. • Stand zum Jahresende: Unter anderem konnten kostenintensive Inkassoverfahren gestoppt und verhindert werden. In einem Fall konnte eine um 80 Prozent von der Ausgangsforderung geringere Einmalzahlung ausgehandelt werden, in einem weiteren Fall wurde mit dem Gläubiger eine leistbare Ratenzahlung vereinbart. Es wurden zwei Vertragsauflösungen ohne Restforderungen erzielt, in einem weiteren Fall wurde eine Rückerstattung eines schon überwiesenen Betrages er reicht. Nicht zu vernachlässigen ist, dass der Verbraucherin innerhalb der Beratungsgespr äche Verbraucherwissen und das notwendige "Rüstzeug" vermittelt wurden, um Vertrag s- und Kostenfallen in Zukunft zu umgehen. 15 I Seite Übergeordnetes Ziel 2: Kooperative Vernetzung und Synergienutzung zu vorhandenen Strukturen, um die bestehenden Hilfen und Angebote bestmöglich miteinander zu vernetzen und die Maßnahmen bedarfsgerechter, passgenauer und wirkungsvoller auszurichten Tabelle 2: Kooperationen und Maßnahmen Kooperationen Angebote und Maßnahmen Alle Sozialraumbewohner:innen Kalk und Humboldt-Gremberg Nachbarschaftstreff Kalk 34 x wöchentliche offene Sprechstunde; 15 Wochen durchgehende telefonische und elektronische Erreichbarkeit während zweier Lockdowns Integration in den Runden Tisch Lotsenfunktion, thematischer Austausch und funktionierende Verweisstruktur zu Beratungs- und Bildungsangeboten vor Ort, unter anderem zu IKD oder neuem "Digitalprojekt"; Bekanntmachung von Veranstaltungen, Sprechstunden und aktuellen Themen durch Plakataushang und Flyerauslage 1 x Infovortrag für Multiplikator:innen über die Preiserhöhung der Energieanbieter mit Tipps zum Umgang mit Ratsuchenden geplante Infoaktion beim Sommerfest (abgesagt wegen Corona) geplante Infoaktion bei Nikolausfeier (abgesagt wegen Corona) regelmäßiges Gesicht zeigen beim Türkischen Frauenfrühstück; Bekanntmachung von Veranstaltungen, Sprechstunden und aktuellen Themen Vernetzung und thematischer Austausch im Zuge des Leitungswechsels des Nachbarschaftstreffs Sozialraumkoordination Kalk und Humboldt- Gremberg Vernetzung mit neuer Sozialraumkoordinatorin Humboldt-Gremberg; thematischer Austausch und Lotsenfunktion 3 x gemeinsamer Aktionsstand mit Lastenfahrrad vor dem Kalker Laden Bekanntmachung von Informationen und Frühwarnmaterialien durch Plakataushang und Flyerauslage; mediale Streuung durch Homepage- Einträge, E-Mail-Verteiler und Newsletter der Sozialraumkoordinationen 16 I Seite Stadtteilkonferenz Kalk (ab Juni 2020) Integration in den Runden Tisch Lotsenfunktion, funktionierende Verweisstruktur und thematischer Austausch zwischen teilnehmenden Akteur:innen; Bekanntmachung von Veranstaltungen, Sprechstunden und aktuellen Themen geplanter Aktionsstand am Kalk-Fest (abgesagt wegen Corona) Runder Tisch Humboldt- Gremberg Integration in Runden Tisch Lotsenfunktion, funktionierende Verweisstruktur und thematischer Austausch zwischen teilnehmenden Akteur:innen; Bekanntmachung von Veranstaltungen, Sprechstunden und aktuellen Themen 1 x Infovortrag für Multiplikator:innen zu unseriösen Kreditvermittlungen; Vergabe von Infomaterial und Tipps zum Umgang mit Ratsuchenden geplante Infoaktion am Fest "Humboldt-Gremberg bunt & schön" (abgesagt wegen Corona) geplante gemeinsame Infoaktion auf Markt (abgesagt wegen Corona) Gemeinwesenarbeit Veedel e. V. Warnung von Straßenzügen vor Drückerkolonnen mit Flyer "Abzocke an der Haustür", Posteinwurf und Schaukästenaushänge Interessengemeinschaft Humboldt-Gremberg Angebotsvorstellung und Vernetzung Bekanntmachung von Informationen und Frühwarnmaterialien durch Schaukästenaushänge und Homepageeinträge GAG Mieterrat Posteinwurf und Aushänge in Eingangsbereichen der Verbraucherinformation "Zahlungsprobleme wegen Corona" in Wohnkomplexen Runder Tisch Quartiersentwicklung Kalk-Nord Vernetzung und thematischer Austausch; Beitrag zu "Wohnraumproblematik" und Lücken im Hilfesystem im Zuge der Konzeptentwicklung einer Mietrechtsberatung in Kalk-Nord Höhenberg und Vingst Bürgerzentrum Vingst/ Vingster Treff 36 x wöchentliche offene Sprechstunde; 15 Wochen durchgehende telefonische und elektronische Erreichbarkeit während zweier Lockdowns Lotsenfunktion, thematischer Austausch und funktionierende Verweisstruktur zu Beratungs- und Bildungsangeboten vor Ort Bekanntmachung des Angebots auf der Homepage, durch Plakataushang und Flyerauslage Veranstaltungs- und Aktionsdurchführungen in den Räumlichkeiten für verschiedene Zielgruppen 17 I Seite Stadtteiltreffen Höhenberg und Vingst Integration in den Runden Tisch Vernetzung, funktionierende Verweisstruktur, thematischer Austausch zwischen teilnehmenden Akteur:innen; Bekanntmachung von Veranstaltungen, Sprechstunden und aktuellen Themen Sozialraumkoordination Höhenberg-Vingst 2 x Aktion "Infobox" auf dem Vingster Markt rund um Energie, unseriöse Kreditvermittlung und Erreichbarkeit in Pandemiezeiten Bekanntmachung von Informationen und Frühwarnmaterialien durch Plakataushang und Flyerauslage; mediale Streuung du rch Homepage- Einträge, E-Mail-Verteiler; Wöchentliche Veröffentl ichungen von Verbrauchertipps auf der Homepage der Sozialraumkoordination Sozialraumübergreifend Kalk, Humboldt-Gremberg, Höhenberg, Vingst (Bezirk 8) AK Kalk (bis zur Umstrukturierung in Stadtteilkonfenerenz Kalk im Juni 2020) Integration in den Runden Tisch Lotsenfunktion, funktionierende Verweisstruktur und thematischer Austausch zwischen teilnehmenden Akteur:innen; Bekanntmachung von Veranstaltungen, Sprechstunden und aktuellen Themen Chorweiler, Blumenberg und Seeberg-Nord Kulturbrücke 36 x wöchentliche, offene Sprechstunden; 15 Wochen durchgehende telefonische und elektronische Erreichbarkeit während zweier Lockdowns Lotsenfunktion und funktionierende Verweisstruktur zu Beratungsangeboten vor Ort; Bekanntmachung von Veranstaltungen, Sprechstunden und aktuellen Themen durch Plakataushang und Flyerauslage Stadtteilkonferenz Chorweiler, Blumenberg und Seeberg-Nord Integration in den Runden Tisch Vernetzung, funktionierende Verweisstruktur und thematischer Austausch zwischen teilnehmenden Akteur:innen; Bekanntmachung von Veranstaltungen, Sprechstunden und aktuellen Themen geplante Infoaktion auf dem Nachbarschaftsfest Blumenberg (abgesagt wegen Corona) AK Beratung Mitinitiierung und Integration in den Runden Tisch Vernetzung und Aufrechterhaltung eines funktionierenden Verweissystems in der sich dynamisch ändernden Beratungslandschaft in Pandemiezeiten Quartiersmanagement Chorweiler Planungsgespräche zu "Essbares Chorweiler" engagierte Anwohner:innen Seeberg-Nord geplante Infoaktion auf dem Ludwig-Gieß-Straßenfest (abgesagt wegen Corona) 18 I Seite Aachener Siedlungs- und Wohnungsgesellschaft Posteinwürfe und Aushänge der Frühwarninformation "Achtung vor Abzocke an der Haustür" und Flyer zur Erreichbarkeit in Pandemiezeiten in einer Siedlung in Seeberg-Nord GAG Immobilien AG Aushänge in Eingangsbereichen zur Erreichbarkeit in Pandemiezeiten Bereitstellung von Informationsmaterialien zu "Kosten im Blick bei Durchlauferhitzern" Begegnungszentrum der jüdischen Gemeinde kontaktlose Verteilung von "Weihnachtstaschen" mit Informationsmaterialien an Ehrenamtliche dieKümmerei 2 x Teilnahme an Planungstreffen; Vernetzung und Aufbau eines funktionierendes Verweissystems und Angebotsetablierung Stadt Köln 3 x Teilnahme an Planungstreffen "Bezirksfest Chorweiler" geplante Infoaktion rund ums Trinkwasser (abgesagt wegen Corona) Menschen mit geringem Einkommen Kalk und Humboldt-Gremberg Lebensmittelausgabe des Gremberger Treffs kontaktlose Verteilung von "Weihnachtstaschen" mit Informationsmaterialien Höhenberg und Vingst Lebensmittelausgabe Kirchengemeinden St. Theodor und St. Elisabeth Ausgabe und Aushang der Verbraucherinformation "Zahlungsprobleme wegen Corona" während Lebensmittelausgabe Chorweiler, Blumenberg und Seeberg-Nord Jobcenter Chorweiler Informationsstand auf "Mutmacher"-Veranstaltung für erwerbslose Frauen rund um das Angebot der Verbraucherberatung im Quartier Lebensmittelausgabe Kath. Kirche HL Papst Johannes XXIII Ausgabe und Aushang von Verbraucherinformation "Zahlungsprobleme wegen Corona" Verteilaktion von Brotdosen und Infoflyern zur Erreichbarkeit in Pandemiezeiten während Lebensmittelausgabe Sozialraumübergreifend AK Schuldenprävention Integration in den Runden Tisch Vernetzung und thematischer Austausch zwischen teilnehmenden Akteur:innen 1 x Infovortrag für Multiplikator:innen zu "Zahlungsproblemen wegen Corona" und "unseriöse Kreditangebote" 19 I Seite Runder Tisch 2020_Energiearmut Integration in Runden Tisch geplante Vernetzung und thematischer Austausch zwischen teilnehmenden Akteur:innen (abgesagt wegen Corona) Menschen mit Migrationshintergrund Kalk und Humboldt-Gremberg Interkultureller Dienst Lotsenfunktion und gegenseitige Verweisstruktur auch während des Lockdowns Vernetzung und Pflege eines funktionierenden Verweissystems im Zuge des Leitungswechsels im Nachbarschaftstreff AK Geflüchtete Integration in den Runden Tisch Vernetzung, funktionierende Verweisstruktur und thematischer Austausch zwischen teilnehmenden Akteur:innen; Bekanntmachung von Veranstaltungen und der Sprechstunde 3 x Infoveranstaltungen für Multiplikator:innen zur Preiserhöhung der Energieanbieter sowie zu unseriösen Geschäftspraktiken, Vergabe von Infomaterial und Tipps zum Umgang mit Ratsuchenden Kuba Moschee Ausgabe von Verbraucherinformationen zu "Zahlungsproblemen wegen Corona" über die Nachbarschafts- und Einkaufshilfe insbesondere für türkischsprachige Senior:innen sowie digitale Streuung in der Community Taqiyyu d-din al-Hilali Moschee Angebotsvorstellung und Vernetzung im Rahmen eines Moscheebesuchs der Stadtteilkonferenz Humboldt-Gremberg; Bewerbung der Sprechstunden und Bildungseinheiten Dialog der Kulturen Integration in den Runden Tisch Vernetzung, funktionierende Verweisstruktur und thematischer Austausch zwischen teilnehmenden Akteur:innen; Bekanntmachung von Veranstaltungen und der Sprechstunde 1 x Infovortrag für Multiplikator:innen zur Preiserhöhung der Energieanbieter, Vergabe von Infomaterial und Tipps zum Umgang mit Ratsuchenden Integrationshaus e. V. Lotsenfunktion und funktionierende Verweisstruktur; Bekanntmachung von Veranstaltungen, Sprechstunden und aktuellen Themen Multiplikatorenschulung zum Thema "Sicher im Netz dabei - erste digitale Schritte" für ehrenamtliche Integrationslots:innen 20 I Seite Höhenberg und Vingst Katholische Pfarrgemeide St. Theodor und St. Elisabeth geplante Vorstellung der Verbraucherberatung im Quartier für einen Frauen-Gesprächskreis (abgesagt wegen Corona) Sozialraumübergreifend Karl-Arnold-Stiftung 1 x Multiplikatorenschulung zum Angebot der Verbraucherzentrale und allgemeinem Verbraucherrecht Familien und Kinder Kalk und Humboldt-Gremberg Familienhebamme des Kinderschutzbundes Angebotsvorstellung und Vernetzung Gemeinschaftsgrund- schule Lohmarer Straße 2 x geplante Informationsveranstaltung im Eltern-Café (abgesagt wegen Corona) Streuung digitaler Verbraucherinformationen durch Schulsozialarbeiterin für das Eltern-Café Höhenberg und Vingst Katharina-Henoth- Schule 1 x Bildungseinheit rund um Haushaltsbudgetführung im Eltern-Café geplante Bildungseinheit rund um Versicherungen (abgesagt wegen Corona) Streuung von Präventivinformationen durch Schulsozialarbeiterin in Social-Media-Kanäle Vingster Treff im Rahmen "Erziehende im Aufbruch" 2 x Bildungseinheit rund um Haushaltsbudget, Energiepreiserhöhung und Anbieterwechsel 1 x geplante Bildungseinheit rund um Taschengeld (abgesagt wegen Corona) Familienwerkstatt 1 x Bildungseinheit zum Thema "Erste eigene Bude" geplante Bildungseinheit durch externen Referenten zu "Digitaler Nachlass" (abgesagt wegen Corona) 21 I Seite Jugendliche und junge Erwachsene Kalk und Humboldt-Gremberg Martin-Köllen-Schule (Förderschule) geplante Bildungseinheit zum allgemeinem Verbraucherrecht (abgesagt wegen Corona) geplante Sprechstunde für Schülerschaft in der Martin-Köllen-Schule (abgesagt wegen Corona) Adolph-Kolping- Schule (Hauptschule) Bereitstellung von digitalen Learning-Snacks zu verbraucherrechtlichen Themen für den Distanzunterricht Vernetzung, Lotsenfunktion und thematischer Austausch mit Schulsozialarbeit, unter anderem zum Thema "Überforderung der Jugendlichen aufgrund der Übernahme von Verantwortung und Übersetzungsleistungen für ihre Eltern" Sommercamp Humboldt-Gremberg Teilnahme an Planungsgesprächen Vorbereitung einer geplanten Infoaktion zum Thema Energiesparen und Umwelt (abgesagt wegen Corona) Jugendwerkstatt Bereitstellung von digitalen Learning-Snacks zu verbraucherrechtlichen Themen Ausbildungsmesse "Abenteuer Beruf" geplanter Aktionsstand zum Thema "Auskommen mit dem Einkommen" (abgesagt wegen Corona) Senior:innen Kalk und Humboldt-Gremberg Gremberger Treff Vernetzung und Angebotsvorstellung, Lotsenfunktion Bekanntmachung von Informationen und Frühwarnmaterialien durch Plakataushang und Flyerauslage, mediale Streuung über Social-Media- Plattform Seniorennetzwerk Humboldt-Gremberg Verbraucherinformation in "Senioren-Tütchen", die an Orten wie der Kirche während Lockdown ausgelegt oder bei Spaziergängen verteilt wurden Höhenberg und Vingst Seniorennetzwerk Höhenberg Angebotsvorstellung und Informationen in der monatlichen Seniorenzeitung "Wat läuf?" Paul-Schwellenbach- Haus (PSH) Stadtteilkonferenz des Seniorennetzwerks (abgesagt wegen Corona) Gesicht zeigen, Vernetzungsarbeit und Angebotsvorstellung auf Seniorensommerfest (abgesagt wegen Corona) 22 I Seite Chorweiler, Blumenberg und Seeberg-Nord Seniorennetzwerk kontaktlose Verteilung von "Weihnachtstaschen" mit Informationsmaterialien für Senior:innen Seniorenkoordination Chorweiler Bekanntmachung von Informationen, Veranstaltungen und der Sprechstunde, Streuung von Multiplikatoreninformationen über Email- Verteiler Sozialraumübergreifend Kalk, Humboldt-Gremberg, Höhenberg, Vingst (Bezirk 8) Seniorenkoordination Kalk Integration in den Runden Tisch Seniorenarbeit Kalk Vernetzung, funktionierende Verweisstruktur und thematischer Austausch zwischen teilnehmenden Akteur:innen Vernetzung und Angebotsvorstellung im Zuge des Personalwechsels der Seniorenkoordination Bekanntmachung von Informationen, Veranstaltungen und der Sprechstunden geplante Beteiligung am Seniorensommerfest (abgesagt wegen Corona) Verbraucherberatung m Quartier ist fester Bestandteil in der Unterstützungslandschaft Die Verbraucherberatung im Quartier wird in den Arb eitsgruppen für ihre Expertise und Impulse geschätzt und bei Aktionen, Festen und Veranstaltun gen mittlerweile aktiv angefragt oder fest eingeplant. Die rund 50 kooperativen Organisationen, Institutionen, örtliche Akteur:innen und Vereine in Tabelle 2 zeigen, dass die Zielgruppen der Verbrauc herberatung im Quartier mehrfach erreicht werden. Weiterhin wird ein aktives Lotsen- und Verweissystem mit über 50 Akteur:innen innerhalb der Sozialräume und darüber hinaus gelebt. Ein stabiles Netzwerk mit verlässlichen Partner:innen zahlte sich im Krisenjahr aus Im Jahr 2020 fanden 71 Planungs- und Vernetzungsges präche (mit einem/einer Akteur:in) sowie 34 Arbeitskreis- bzw. Konferenztreffen (mit mehrere n Akteur:innen) statt, größtenteils über Audio- oder Videokonferenzen. Somit konnte der Kontakt zu den Sozialraumakteur:innen und ein funktionierendes Losten- und Verweissystem in einer sich dynamisch wandelnden Quartierslandschaft aufrechterhalten werden. Bedarf sgerechte Angebotsformate wurden gemeinsam weiterentwickelt, auch "für die Verbrauch erarbeit auf Abstand". Durch neue Kooperationspartner:innen wird das Netzwerk laufend erweitert. 23 I Seite Übergeordnetes Ziel 3: Präventiv tätig werden und durch Bildung und Information dazu beitragen, dass bestimmte Probleme im Verbraucheralltag gar nicht erst auftreten und das Selbsthilfepotential gestärkt wird Tabelle 3: Präventions- und Bildungsarbeit vor Ort für Quartier Gesamt und je Sozialraum Art des Angebots Sozialraum Aktionen (n) Teilnehmende (n) Vorträge, Bildungseinheiten Gesamt 4 37 Höhenberg-Vingst 4 37 Info- und Aktionsstand Gesamt 6 187 Chorweiler 1 70 Höhenberg-Vingst 2 90 Kalk, Hum.-Grem. 3 27 Infovortrag,Schulung für Multiplikator:innen Gesamt 9 61 Kalk, Hum.-Grem, 7 54 sozialraumübergreifend 2 7 Sonstige Aktionsformate 4 Gesamt 11 395 Chorweiler 4 140 Höhenberg-Vingst 4 85 Kalk, Hum.-Grem. 3 170 Gesamt 30 680 Im Jahr 2020 wurden trotz der Pandemie insgesamt 30 Angebote vor Ort verzeichnet, von denen insgesamt 680 Personen direkt profitierten. Im Jahr 2019 wurden 85 Maßnahmen und 2387 Teilnehmende angeführt. Die Differenz ist dadurch z u erklären, dass die über das Jahr 2020 geplanten Gastveranstaltungen der Verbraucherberatung im Quartier (in Integrationskursen, Seniorenbegegnungs-Cafés, Schulen...) pandemiebedin gt größtenteils ausgesetzt werden mussten. Auch wurden Anmeldungen zu Veranstaltungen , die unter Einhaltung von Hygieneauflagen stattfinden konnten, aufgrund der sich stets wandelnden Corona-Lage von Teilnahmeinteressierten kurzfristig zurückgezogen. Quartiersfeste fielen vollständig aus. 4 Zu sonstigen Aktionsformaten zählen Aktionen, die sich sonst keiner der übrigen Kategorien zuordnen lassen, zum Beispiel gezielte Postwurfaktionen, Infomaterialstreuung über Beutelzäune oder Verteilung von Infotaschen. 24 I Seite Trotz Abstandsgeboten und pandemiebedingten Einschr änkungen blieb die Verbraucherberatung im Quartier nah an den Bedürfnissen der Bürger:innen: • Mit viel Kreativität, Flexibilität und unter Durchf ührung eines Schutz- und Hygienekonzeptes kamen Infostände und Infofahrräder an wechselnden Orten zum Einsatz. Vor allem nach dem ersten Lockdown war zu beobachten, dass viele Bürger:innen nur mittels proaktiver und dennoch behutsamer Ansprache über die Infostände zu erreichen waren. Die Corona-Situation mag die Zurückgezogenheit und Vorsicht der Anwohner:innen verstärkt haben, sodass viele von selbst nicht an den Stand kamen. Zusätzlich eingesetzte Beutelzäune und Infos chnüre erzeugten erfolgreich Aufmerksamkeit, sodass Passanten Infomaterialien au ch ohne direkten Kontakt mitnehmen konnten. Vor-Ort Aktionen in den Sozialräumen, eigene Fotos • Informationen wurden über Stellen wie lokale Lebensmittelausgaben, Nachbarschaftshilfen und Apotheken gestreut, die trotz pandemischer Beschränkungen Kontakt zu den Sozialraumbewohner:innen halten konnten. Zusammen m it unseren Netzwerkpartner:innen wurden kreative Wege gefunden, um weiterhin die jeweilige Klientel trotz ausgefallener Veranstaltungen zu erreichen. B eispielsweise wurden "Seniorentaschen" mit unseren Informationen bestückt, die dann zur Selbstmitnahme ausgelegt oder als "Weihnachtsgeschenk" verteilt wurden. • Für ausgesetzte Besuche in Klassen, Kursen oder Beg egnungs-Cafés konnte ein digitales Informationsangebot von der Verbraucherzentrale NRW vorgehalten werden. Digitale "Learning-Snacks" rund ums Taschengeld und Rechte beim Einkauf oder Download- Angebote für Lehrkräfte, um Unterrichtseinheiten zu Geldgeschäften vorzubereiten, 25 I Seite wurden zur Verfügung gestellt. Verbraucherrechtliche Hinweise wurden zur Streuung über Social-Media-Kanäle und Gruppen-Chats angeboten.5 Weiterentwicklung des Ehrenamtsprojektes für die Verbraucherberatung im Quartier Im Jahr 2019 wurde das Engagementprojekt "Verbraucherbegleitung der Verbraucherzentrale NRW" ins Leben gerufen. Ehrenamtler:innen sollen di e hauptamtlichen Beratungskräfte unterstützen und Verbraucher:innen praktische Hilfe stellungen bei den vielfältigen Anforderungen des Konsumalltags geben. Dies kann das Sortieren vo n Vertragsunterlagen oder das Abschreiben von Musterbriefen sein, um etwa Verträge zu widerrufen. Zum Jahresbeginn 2020 akquirierte die Gruppe "Ehren amt" der Verbraucherzentrale NRW für die Verbraucherberatung im Quartier Ehrenamtliche. Im persönlichen Gespräch wurden Interessierten zunächst die Aufgaben und Modalitäten erläutert, es folgten Hospitationen im Sozialraum. Aufgrund der pandemischen Entwicklung mussten jedoch weitere Planungsaktivitäten und fachliche Schulungen zur Verbraucherbegleitung vers choben werden. Diese sollen mit Normalisierung der Gesundheitslage wieder aufgenommen werden. Übergeordnetes Ziel 4: Sensor- und Frühwarnfunktion mit Blick auf verbraucherrechtliche Fallstricke, um diese bereits in der Entstehung zu unterbinden Eine Aufgabe der Verbraucherberatung im Quartier ist es, aufkommende Probleme wie zum Beispiel unseriöse Geschäftspraktiken und Abzockmethoden frühzeitig zu erkennen und die Sozialraumbewohner:innen möglichst schnell darüber zu informieren. Die Problematiken schlagen entweder vermehrt in den Sprechstunden auf oder werden durch Multiplikator:innen an die Verbraucherberatung im Quartier herangetragen. Im Z uge dessen wurden zielgruppenspezifische Präventionsmaterialien erstellt. Dazu wurden komple xe Themen in einfacher Sprache aufbereitet. Der lesefreundliche deutsche Text soll die enthaltenen Informationen einer möglichst breiten Bevölkerungsgruppe zugänglich machen.6 Bestandteile sind eingängige Warnhinweise wie "Ignorieren Sie die Werbung im Internet" oder praktische Tipps wie "Bezahlen Sie niemals Geld im Voraus". Kontaktdaten der Verbraucherzentrale für w eiterführende Unterstützung sind ebenfalls 5 Da die tatsächliche Reichweite digitaler Informationsstreuung nicht valide nachgehalten werden kann, sind diese nicht statistisch in Tabelle 3 erfasst. 6 Aufgrund der breiten Varianz der Zuwanderungshinte rgründe der in den Kölner Sozialräumen lebenden Menschen soll die Möglichkeit mehrsprachiger Übersetzungen der Frühwarnmaterialien hinsichtlich Mehrwert und Realisierbarkeit im weiteren Verlauf des Förderzeitraums geprüft werden. 26 I Seite vermerkt. Die Materialien werden an Infoständen und anderen Aktionsformaten vor Ort verteilt (siehe Tabelle 2 und 3) und breit über die Kanäle d er Kooperationspartner:innen und Multiplikator:innen gestreut. Zur netzwerkabdeckend en Verbreitung spielen verschiedene Dreh- und Angelpunkte in den Sozialräumen eine wichtige R olle, etwa die Sozialraumkoordination, das Seniorennetzwerk, der Kalker Nachbarschaftstreff od er der Vingster Treff. Über viele unterschiedliche, nicht einzeln nachzuhaltende Wege werden die Klient:innen durch die Sozialraumakteur:innen analog erreicht (über Aushänge an örtlichen Schaukästen und Schwarzen Brettern in Hauseingängen, über Briefkästeneinwürfe , Flyerabgaben, Abdrucke in Newslettern...). Multiplikator:innen drucken sich erfahrungsgemäß Infoblätter teilweise selbst aus, bei Bedarf werden sie aber auch mit Druckexemplaren beliefert. Insgesamt wurden 1300 Exemplare in 2020 zu diesem Zweck in Druckauftrag gegeben. Digitale Wege zur Verbreitung werden von den Sozialraumakteur:innen ebenso genutzt (Homepageeint räge, elektronische Newsletter, Postings über beispielsweise Whatsapp oder Facebook...). Beispiele zur Streuung der Frühwarnmaterialien über Kooperationspartner:innen und Multiplikator:innen, von links nach rechts im Monatsblatt "Wat läuf?" des Se niorennetzwerkes Höhenberg, auf Chorweiler Panorama , auf der Facebook Seite des Gremberger Treffs, auf der Homepage der Sozialraumkoordination Über das Jahr 2020 hinweg wurden fünf Präventionsma terialien zu aktuellen verbraucherrechtlichen Themen erstellt: • Februar 2020: Aufgrund der Erhöhung der Strom- und Gaspreise zah lreicher Anbieter zu Jahresbeginn kamen verunsicherte Verbraucher:innen in die Sprechstunden der Verbraucherberatung im Quartier. Viele hatten Beden ken, ob sie sich den Energievertrag 27 I Seite noch leisten können. Andere hatten bereits durch das Sonderkündigungsrecht den Anbieter gewechselt. Allerdings steckten sie nun oftmals in einem Tarif, der keineswegs günstiger war. Die Verbraucherberatung im Quartier reagierte mit dem Hinweis in einfacher Sprache "Achtung bei neuen Verträgen für Strom und Gas." Ke inesfalls sollten Verbraucher:innen sich zu einem schnellen Vertragsabschluss an der Ha ustür oder am Telefon hinreißen lassen. Zusätzlich wurden Multiplikator.innen mit w eiterführenden Informationen zum aktuellen Thema und Hilfestellungen für den Umgang mit Ratsuchenden versorgt. • März 2020: Im Austausch mit Multiplikator:innen und Kooperatio nspartner:innen vor Ort stellte sich heraus, dass durch den Lockdown ein großer Vertrauensverlust bei den Klient:innen vorherrschte. Merklich war, dass sich nun viele vorrangig in der eigenen Community und über ihre sozialen Netzwerke informie rten (darunter bekannterweise auch viele Fake-News und Halbwahrheiten). Mit der Versch ärfung der finanziellen Lage vieler Sozialraumbewohner:innen (durch Kurzarbeit, Schließ ung der Tafeln...), wurden verbraucherrechtliche Konsequenzen zu getroffenen F ehlentscheidungen befürchtet (vorschnelle Kündigungen notwendiger Versicherungen und unbedachte Zahlungsaussetzungen...). Die Verbraucherberatung i m Quartier reagierte mit einem Flyer zu "Probleme mit Verträgen wegen Corona". Der Flyer enthielt Warnhinweise wie "Stoppen Sie nicht einfach Ihre Zahlungen!" und machte auf d as durchgängige Beratungsangebot aufmerksam. Zudem war ein Foto der Beraterinnen abg ebildet, die als vertrauenswürdige Gesichter der Verbraucherzentrale in den Sozialräumen gelten. • April 2020: Verbraucherprobleme erwuchsen daraus, dass die Kom munikation der Regierungen und Behörden zum Corona-Hilfspaket von der Zielgruppe mit erhöhtem Unterstützungsbedarf nicht oder teilweise falsch verstanden wurde. Uns wurde von Zahlungsaussetzungen existenzieller Kosten und übereilten Vertragskündigungen berichtet. Auch die Sozialraumakteur:innen kannten stellenweis e Voraussetzungen und Ablauf des Hilfspaketes nicht und wünschten sich eine übersich tliche Information zur Unterstützung Ratsuchender. Die Verbraucherberatung im Quartier deckte diesen akuten Bedarf mit einer niederschwelligen "Übersetzung" der neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen. Eine Checkliste sowie hilfreiche Musterbriefe erreichten neben etablierten Trägerorganisationen auch Ehrenamtliche und Schlüsselfiguren in Communit ies (zum Beispiel Engagierte im Moscheeverein und Nachbarschaftshilfen), die in ihr em Umkreis somit thematisch unterstützen konnten. • Juni 2020: Seit Beginn der Sommerferien erhielt die Verbrauch erberatung im Quartier vermehrt Anfragen von Ratsuchenden, die wissen woll ten, was die Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes für ihre Urlaubspläne bedeuteten. Viele Quartiersbewohner:innen 28 I Seite planten jetzt ihre Familienbesuche in den Heimatlän dern (zum Beispiel Türkei, Ägypten...). Ein Flyer in einfacher Sprache mit wichtigen Hinweisen zu Reisen in Länder mit Reisewarnung schaffte hier einen ersten Überblick ( unter anderem zu Stornierungsmöglichkeiten). Multiplikator:innen wur den mit weiterführenden Informationen zum aktuellen Thema und Hilfestellungen für den Umgang mit Ratsuchenden versorgt. • Oktober 2020: Vermehrt wurden Beschwerden von Verbraucher:innen über unseriöse Kreditvermittlungsangebote ermittelt. Fragwürdige Anbieter versprechen hier "Kredite ohne Schufa", "Kostenlose Kreditkarten" oder "Unkomplizierte Kreditüberbrückungen". Die Verbraucherberatung im Quartier warnte vor diesen L ockangeboten, die mit den Geldsorgen der Menschen Geschäfte machen wollen, und unterstrich, dass dies mit echter Kreditvermittlung nichts zu tun habe. Die Abzockmas che fiel bereits in den Jahren zuvor auf, erhielt aber vermutlich in der Corona-Krise er neut Konjunktur aufgrund der finanziellen Nöte vieler Menschen. Der mehrsprachige Warnhinweis für Verbraucher:innen (deutsch, arabisch, englisch, türkisch) aus 2019 wurde aktualisiert, Multiplikator:innen wurden weitere Informationen zu Maschen unseriöser Kreditvermittlungen und Handhabemöglichkeiten zur Verfügung gestellt. Übergeordnetes Ziel 5: Entwicklung von Strategie und Ansatzpunkten zur Erhöhung der Reichweite mit dem Ziel, eine präventive Wirkung des aufsuchenden Arbeitsansatzes in allen 15 Kölner Sozialräumen zu entfalten Maßnahmen zur Reichweitenerhöhung • Vier der oben genannten Frühwarnmaterialien der Verbraucherberatung im Quartier wurden ab 2020 zum Einsatz in allen 15 Sozialräumen zur Nutzung durch Sozialraumakteur:innen aufbereitet und zur Verfügun g gestellt. Neben den Präventivinformationen wurde darin auch auf die Ber atungsmöglichkeiten der Beratungsstelle Köln sowie das generelle Unterstütz ungsangebot der Verbraucherzentrale NRW aufmerksam gemacht. Die Geschäftsstelle des Pro grammes "Lebenswerte Veedel" übernahm vorläufig dankenswerterweise die Streuung an alle Sozialraumkoordinator:innen, die somit ihrerseits die Verbreitung an Akteur:innen vor Ort vornehmen konnten (zum Beispiel über E-Mail-Verteiler, Einstellen auf die Homepage www.sozialraum- koordination.koeln). Inwieweit diese Reichweitenerhöhung quantitativ gelang, ist zum jetzigen Stand nicht zu evaluieren. Allerdings lass en Rückmeldungen von 29 I Seite Multiplikator:innen über die Sozialraumgrenzen hinaus eine positive Resonanz auf die bereitgestellten Materialien vermuten. • In der Wahrnehmung einer sozialraumübergreifenden Sensorfunktion wird der Aufbau eines gut funktionierenden Frühwarnnetzwerkes mit einer schnellen Informationskette zwischen den Sozialraumkoordinationen und der Verbr aucherberatung im Quartier angestrebt. Neben der Bereitstellung von bedarfsger echten Frühwarnmaterialien, Musterbriefen und Checklisten, werden die Umsetzbar keit eines Newsletter mit quartiersrelevanten Themen und die Bereitstellung s ozialraumübergreifender Multiplikatorenschulungen geprüft. Im Dezember 2020 (nach mehreren pandemiebedingten Terminverschiebungen) wurde das Angebot der Verbraucherberatung im Quartier über Videoschaltung innerhalb der Konferenz der Geschäftstelle des Programmes "Lebenswerte Veedel" mit den Sozialraumkoordinationen vorgestellt. Daraus ergaben sich erste bilaterale Vernetzungsgespräche mit Sozialraumkoordinator:inne n. Erste Teilnahmen in den jeweiligen Sozialraumkonferenzen wurden für Frühjah r 2021 vereinbart, um den Akteur:innen vor Ort den Präventivansatz vorzustell en und in einen Austausch für ein stimmiges Präventivangebot zu treten. • Im Zuge der Reichweitenerhöhung wurde die Homepage der Verbraucherberatung im Quartier Köln im März 2020 angepasst. Verbraucher:i nnen finden auf www.verbraucherzentrale.nrw/koelnquartier einfache, konzentrierte Informationen zum Unterstützungsangebot. Alle erstellten Präventionsm aterialien der Verbraucherberatung im Quartier stehen hier zum Download zur Verfügung. Fü r 2020 wurden rund 1400 Zugriffe verzeichnet. Multiplikator:innen und Stakeholder:innen erhalten auf der gesonderten Homepage www.verbraucherzentrale.nrw/quartiersarbeit Informationen über Förderung, den Quartiersansatz sowie über die Angebote für die Sozialräume. Hier sind rund 50 Zugriffe für 2020 zu verzeichnen. Sozialraumübergreifende Resonanz im Zuge der Reichweitenerhöhung „...wir möchten uns recht herzlich für die gute Zusammenarbeit bei Ihnen bedanken. Wenn wir einen Wunsch freihätten, dann würden wir uns noch mehr Standorte für die Verbraucherberatung im Quartier wünschen…" "...ganz herzlichen Dank für die Infos, die sind mit Sicherheit sehr hilfreich für viele Menschen." "Bitte schicken Sie uns gerne in Papierform oder digital Flyer der Verbraucherberatung. Wir haben einen Schaukasten, die viel Beachtung findet." 30 I Seite Übergeordnetes Ziel 6: Identifizierung von strukturellen Problemlagen, Lücken im Hilfesystem, Handlungsempfehlungen an die Stadt Köln Nachfolgende Problemlagen wurden von der Verbraucherberatung im Quartier anhand von Beschwerden von Verbraucher:innen und Multiplikator:innen identifiziert. Sie sind primär nicht verbraucherrechtlicher Natur, sodass aus unserer Si cht zur Verbesserung der Lebenssituation im Quartier übergeordnete Lösungsansätze gefragt sind. Unterstützung zu Fragen rund um den Rundfunkbeitrag: Sprechstundenbesucher:innen (durchschnittlich vier Anfragen pro Monat pro Quartier) wissen nicht, wie sie mit den Forderungen des Rundfunkbeit rages umgehen sollen. Viele einkommensarme Haushalte brauchen eine niederschwel lige Unterstützung, um eine Befreiung und Ermäßigung zu beantragen. Mahnverfahren und Vol lstreckungsbescheide drohen oder liegen bereits vor, was die finanzielle Situation der Verb raucher:innen weiter verschärft. Die Verbraucherzentrale NRW hält keine Beratung zum Run dfunkbeitrag vor. Innerhalb des Unterstützungssystems der Sozialräume wurde die Lüc ke im Hilfesystem problematisiert. Eine bedarfsgerechte Hilfe für eine Zielgruppe mit erhöh tem Unterstützungsbedarf ist unserer Kenntnis nach nicht vorhanden. Eine Möglichkeit zum qualifiz ierten Verweis fehlt somit, Hinweise auf die Service-Hotline des Beitragsservice selbst bieten ü berwiegend keine hinreichende Hilfe. Aus Sicht der Verbraucherzentrale besteht der Bedarf eines ba rrierearmen Unterstützungsangebotes für die Sozialräume. Unterstützung bei Energiearmut Verbraucher:innen wenden sich an die Verbraucherber atung im Quartier, weil sie die Energierechnungen nicht zahlen können, eine Gas- oder Stromsperre droht oder bereits eingetreten ist. Energiearmut führt zu existenziellen und weitreichenden Problemen, auch weil sich die finanzielle Belastung durch Mahn- und Inkassovo rgänge und gegebenenfalls später durch Zinszahlungen für Ratenzahlungen und Darlehen immer weiter verschärft. Zur Abwendung existenzbedrohender Notlagen durch Energiearmut lei sten die Beraterinnen neben der Sachverhaltsprüfung und einer rechtlichen Einschätzung auch eine kurzfristige Existenzsicherung. Diese akute Krisenintervention beinhaltet die Prüfu ng formaler Sperrvoraussetzungen und die Beratung zu Ratenzahlungsmöglichkeiten und der Bean tragung eines Darlehens beim Sozialleistungsträger. In der Regel sind Rechtsbesorgungen gegenüber dem Energieversorger und gegebenenfalls dem Sozialleistungsträger notwendig. Für eine langfristige Sicherstellung der Energieversorgung werden nach der bereits umfangrei chen "Feuerlöschaktion" weitere tiefgehende Hilfsmaßnahmen notwendig. Beispielsweis e wird oftmals eine ausführliche 31 I Seite Budgetberatung zur Sicherstellung der zukünftigen Abschlagszahlungen sowie weiterführende Hilfe bei den oft komplexen und zeitintensiven Verh andlungen mit den Sozialleistungsträgern und Energieanbietern benötigt. Darüber hinaus erfolgen, falls notwendig, qualifizierte Verweise in enger Zusammenarbeit mit beispielsweise Stromsparangebote n der Wohlfahrtsverbände, Sozialberatungsstellen oder Schuldnerberatungen. Die Verbraucherberatung im Quartier sieht sich nicht in der Lage den anfallenden Beratungsbedarf i n diesem Umfang in den Sozialräumen zu decken. Zum einen erschöpft der Arbeitsumfang für n otwendige Unterstützungsleistungen und die Einarbeitung in diffizile Fragestellungen die limit ierten Zeitressourcen der Verbraucherberatung im Quartier (vergleiche Seite 14 " Komplexe Verbraucherberatung zum Thema Existenzsich erung bei einer drohenden Stromsperre"). Zum anderen erfordert eine intensive Einzelfallbetrachtung rechtliches, fachübergreifendes Wissen (unter ander em zu Geld und Kredit sowie zu Sozial- und Energierecht), welches die Rechtsberatungsbefugnis der Verbraucherberaterinnen zum Teil überschreitet. Die Verbraucherzentrale in Köln hält seit Frühjahr 2020 keine Beratung zur Bekämpfung von Energiearmut vor, stadtweit gibt es unserer Kenntnis nach keine zentrale Anlaufstelle für Menschen, deren Existenz durch Ene rgiearmut bedroht ist. Die Verbraucherberatung im Quartier sieht daher den dringenden Bedarf eines niederschwelligen Unterstützungsangebots. Gerade vor dem Hintergrund der Pandemie und deren Nachwirkungen (Verschärfung der finanziellen Situation vieler Hau shalte, Mehrverbrauch zu Hause von Energie und Wasser...) und dem deutlichen Anstieg der Energ iepreise, ist eine Zunahme von Energiearmutsfällen in den Sozialräumen zu befürchten. Unterstützung zu mietrechtlichen Fragen An die Verbraucherberatung im Quartier werden Theme n zu Wohnraumproblematiken herangetragen (Mietmängel, Schimmel, Mietschulden, Nebenkostenabrechnung, Kontaktaufnahme zu Hausverwaltung oder Vermieter:in...), die nicht durch das Beratungsportfolio der Verbraucherzentrale abgedeckt werden können. Auffallend ist, dass sich insbesondere im Zusammenhang mit der Corona-Krise die Problematiken zugespitzt haben. Psychosoziale und finanzielle Sorgen, zum Beispiel durch Kurzarbeit u nd Arbeitsverlust befeuert, nehmen zu. Es steigt die Beratungsnachfrage rund um Mietrückstände und drohende Obdachlosigkeit. Die Beanspruchungen derzeitiger Hilfsmöglichkeiten sind nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Häufig fehlt es Ratsuchenden mit finanziellen oder sprachlichen Hürden an Informationen und individuellen Ressourcen, um einen konkreten Lö sungsweg einzuschlagen. Ein niederschwelliges und unbürokratisches Mietberatungsangebot vor Ort würde Abhilfe schaffen. Der runde Tisch "Quartiersentwicklung Kalk-Nord" befasst sich lokal mit dieser Problematik. Zur Bedarfslage konnte die Verbraucherberatung im Quartier Erkenntnisse aus der Beratungssituation beitragen. 32 I Seite Niederschwellige Erreichbarkeit muss trotz Krise erhalten bleiben Ein erleichterter Zugang zu Unterstützungsangeboten und zu behördlichen Anlaufstellen (vor allem Jobcenter und Ausländeramt) muss auch angesichts de r sich dynamisch entwickelnden Infektionslage erhalten bleiben, um die Nachfrage zielgruppengerecht bedienen zu können. Schriftliche und elektronische Kommunikationsformen sowie digitale Angebote sollten an den Bedarfen einer Gruppe mit erhöhtem Unterstützungsbedarf ausgerichtet sein. Der Gebrauch einfacher Sprache, App-Nutzung zur Versendung von U nterlagen sowie leichtere und schnellere telefonische Erreichbarkeit seien hier als Möglichk eiten genannt. Mittelfristig sollten innerhalb der Verweis- und Unterstützungsstruktur gemeinsam neue Wege für die Aufrechterhaltung eines Regelbetriebs geebnet werden. 4 Frage-Antwort: Quartiersarbeit in der Corona-Krise Welche Auswirkungen hat Corona auf die Arbeit der Verbraucherberatung im Quartier? Die Verbraucherberatung im Quartier bemerkt mit dem Fortschreiten der Corona-Krise einen wachsenden Unterstützungsbedarf in den Sozialräumen . Ratsuchende wenden sich mit existenziellen Problemen an die Verbraucherberatung im Quartier. Die Abwendung von drohenden Stromsperren und Kontopfändungen bildet eine hohe A nzahl komplexer Rechtsvertretungen. Wir vermuten vor dem Hintergrund der Pandemiesituation eine Problemverschärfung bei vielen Quartiersbewohner:innen, die sich wie folgt begründet: • Neben Betrügereien im Zusammenhang mit Corona stehen viele Bewohner:innen in den benachteiligten Quartieren auch vor existenziellen Problemen, die durch die Krise hervorgerufen und verstärkt werden. Zum einen hat sich die finanzielle Situation von Verbraucher:innen verschärft, die aufgrund von Kurz arbeit und Erwerbslosigkeit über weniger Geld verfügen. Zum anderen steigen die Ausgaben von Familien mit Transferleistungsbezug merklich an (zum Beispiel Erhöhung der Mietnebenkos ten, da zu Hause mehr Strom und Wasser verbraucht wird). • Die Krisenkommunikation von Regierungen und Behörden ist sprachlich für bestimmte Zielgruppen teilweise kaum transparent. Der mangeln de Zugang zu verständlichen, niederschwelligen Informationen führt dazu, dass be stimmte Verbraucher:innen im Verbraucheralltag stärker überfordert sind als vor der Krise. Während des ersten Lockdowns bestätigten Kooperationspartner:innen die Verunsich erung und den Rückzug vieler 33 I Seite Quartiersbewohner:innen, welche sich nun vorwiegend in ihrer Community und in den Sozialen Netzwerken informierten. Getroffene Fehlentscheidun gen (vorschnelle Kündigungen notwendiger Versicherungen, unbedachte Zahlungsaufs chübe beziehungsweise -aussetzungen als Missinterpretation des Corona-Hil fspakets...) bringen nun massive, finanzielle Konsequenzen für wirtschaftlich schwach e Haushalte mit sich. Zahlungsprobleme verstetigen sich und drohen in eine Überschuldung überzugehen. • Durch die pandemiebedingten Einschränkungen ergeben sich strukturelle Hürden in der Hilfs- und Unterstützungslandschaft. Viele Beratungs- und Bildungsangebote sowie behördliche Anlaufstellen sind nicht mehr oder nur noch eingesc hränkt erreichbar. Gruppen mit beeinträchtigter gesellschaftlicher Teilhabe sind aber besonders auf niederschwellige Zugänge angewiesen. Schleppende Terminvergaben und langwierige Bearbeitungen bei anfallenden Zahlungsfristen, auslaufenden Leistungen oder Aufen thaltserlaubnissen belasten Betroffene sehr. Mangelnde Sprachkenntnisse, fehlende technische Voraussetzungen oder geringe digitale Bildung zur Nutzung von Online-Angeboten limitieren die Selbsthilfemöglichkeiten darüber hinaus stark. Zudem sind viele Ratsuchende mit einer primär fernmündlichen oder schriftlichen Unterstützung überfordert. Somit ist zu vermuten, dass viele Menschen durch die Maschen eingeschränkter Hilfsangebote fallen und du rch die rasche Digitalisierung abgehängt werden. Die Verbraucherberatung im Quartier rechnet damit, dass durch die Corona-Krise verstärkt Ratsuchende die persönliche Unterstützung für die d ringliche Abwendung existenzieller Notlagen suchen. Die aufgrund multipler Problemlagen zumeist komplexen Existenzsicherungsfälle erfordern umfassende und aufwändige Verbraucherbera tungen und -vertretungen. Doch für eine nachhaltige Problemlösung sind die Menschen mit bee inträchtigter gesellschaftlicher Teilhabe auf eine ergänzende Unterstützung angewiesen, die weit über die rechtliche Verbraucherarbeit hinaus geht. Hier werden die strukturellen Probleme eines bereits vor der Pandemie am Anschlag arbeitenden Verweis- und Unterstützungssystems deutlich. Angesichts fehlender Kapazitäten innerhalb der Akteurslandschaft können die durch Co rona katalysierten Probleme der hilfsbedürftigen Haushalte nicht aufgefangen werden . Aufgrund der pandemiebedingten Einschränkungen barrierearmer Zugänge werden die zu meist geringen Selbsthilferessourcen der Quartiersbewohner:innen weiter limitiert. Damit die Wirkung der geleisteten verbraucherrechtlichen Arbeit nicht ins Leere läuft, überbrückt die Verbra ucherberatung im Quartier die durch die Krise verstärkte Zugangshürde für diejenigen Verbraucher:innen, die den weiteren Lösungsschritten (zum Beispiel Kommunikation mit dem Jobcenter, Hilfe bei Anträgen auf Beratungshilfe) ansonsten hilflos gegenüber stünden. 34 I Seite Welche neuen Ansätze werden 2021 verfolgt, um die V erbraucherarbeit in der anhaltenden Pandemiesituation weiterzuführen? Gerade in Pandemiezeiten bietet die Verbraucherarbeit im Quartier ein gewisses Maß an Flexibilität, um Zielgruppen weiterhin bedarfsgerec ht analog zu erreichen. Präsenz zeigen und kreative Informationsangebote fördern das Vertrauen und die Erreichbarkeit besonders schutzwürdiger Gruppen vor Ort. Eine Hürde ist die Kontaktherstellung zur Zielgruppe mittels digitaler Tools, da diese Menschen weniger an Onlin e-Seminaren teilnehmen. Ein großes Manko ist vor allem aber auch die fehlende Technik (zum B eispiel hinsichtlich datenschutzkonformer Video-Konferenztools) und Erfahrung bei zielgruppen spezifischen, digitalen Informationsformaten, sowohl bei der Verbraucherzentrale NRW als auch bei kooperierenden Akteur:innen. Alle Beteiligten müssen sich noch mit den neuen Methoden auseinandersetzen. Hierzu will die Verbraucherberatung um Quartier zukünftig Synergiee ffekte zu Multiplikator:innen nutzen, um die bedarfsgerechte Zielgruppenerreichung auf neuen, digitalen Wegen gemeinsam zu testen. Verbraucherzentrale NRW e. V. Verbraucherberatung im Quartier Köln Frankenwerft 35 (Eingang Mauthgasse) 50667 Köln Ansprechpartnerinnen: Beate Fackeldey, Tel.: 0211-3809 474 Isabelle Hirschmann, Tel.: 0221-846 188 45 E-Mail: koeln.quartier@verbraucherzentrale.nrw www.verbraucherzentrale.nrw/koelnquartier Impressum: Herausgeber: Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen e. V. Mintropstraße 27 - 40215 Düsseldorf Fax: 0211-380 92 16 - www.verbraucherzentrale.nrw Text und Layout: Isabelle Hirschmann © Fotos: Verbraucherzentrale NRW e. V. Integrationshaus e. V. (Foto Titelseite, rechts unten) © Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, 2021. Die auszugsweise Wiedergabe für wissenschaftliche und schulische Zwecke ist gestattet. Grafiken und Fotos unterliegen dem Urheberrecht. Eine Reproduktion – gleich welcher Art – ist nur nach ausdrücklicher Genehmigung durch die Copyright-Inhaber (s. o.) gestattet.
Beratungsverlauf (4)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 2246/2021
- Typ
- Mitteilung Ausschuss
- Datum
- 06.08.2021
- Erstellt
- 09.06.2021 12:21