V/0616/2022
Nutzungsperspektiven der Tiefengeothermie für eine klimaneutrale Wärmeversorgung in Münster
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Beschlussvorlage
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V/0616/2022 V/0616/2022 Öffentliche Beschlussvorlage Betrifft Nutzungsperspektiven der Tiefengeothermie für eine klimaneutrale Wärmeversorgung in Münster Beratungsfolge 18.10.2022 Ausschuss für Umweltschutz, Klimaschutz und Bauwesen Vorberatung 20.10.2022 Ausschuss für Stadtplanung und Stadtentwicklung Vorberatung 26.10.2022 Hauptausschuss Vorberatung 26.10.2022 Rat Entscheidung Beschlussvorschlag: I. Sachentscheidung: 1. Der Rat nimmt die ersten Ergebnisse der durchgeführten Untersuchung des Geologischen Dienstes NRW und das daraus abzuleitende geothermische Potenzial für die Stadt Münster zur Kenntnis. 2. Der Stadtkonzern wird beauftragt, die weiteren Schritte zur Konkretisierung dieses Potenzials und dessen möglicher Aktivierung einzuleiten. Hierzu zählen unter anderem: - Vorbereitung zur Finanzierung und Durchführung einer 3D-Seismik sowie - Klärung und Beantragung entsprechender Fördermöglichkeiten. 3. Der Rat unterstützt eine aktive fachliche, lokale und regionale Vernetzung, um das Nutzungs- potenzial zu quantifizieren und die aktive Nutzung voranzutreiben. Dezernat OB/Stabsstelle Klima 06.10.2022 Ihr/e Ansprechpartner/in: Dezernat OB/Stabsstelle Klima Herr Möller Telefon: 492-7062 MoellerT@stadt- muenster.de Stadtplanungsamt Herr Festersen Telefon: 492-6100 Festersen@stadt- muenster.de - 2 - V/0616/2022 Begründung: Um das Ziel der Klimaneutralität erreichen zu können ist die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung von zentraler Bedeutung. Zu diesem Ergebnis kommen u.a. die entsprechenden stadtkonzernweiten Untersuchungen wie der Masterplan 100 % Klimaschutz, die Konzeptstudie Münster Klimaneutralität 2030 und die Wärmestrateg ie der Stadtwerke Münster. Zu dieser erforderlich en Dekarbonisierung kann die Nutzung von (Tiefen-)Geothermie einen entscheidenden Beitrag leisten, weil sie: - rund um die Uhr, bei jeder Witterung und Jahreszeit, - preisstabil, - regional verfügbar, - und bei geringem Flächenbedarf Erneuerbare Energie bereitstellen kann. Diese Einschätzung wird u.a. von einer in 2017 erstellten Lebenszyklusanalyse verschiedener Strom- erzeugungsarten des Umweltbundesamtes gestützt, bei der die Tiefengeothermie hervorragend ab- schnitt. Nach sieben bis zehn Monaten hat sich der energetische Aufwand für die Erstellung der An- lage bereits amortisiert. Die Bilanz rechnete sämtlichen Input während Konstruktion, Betrieb und De- konstruktion mit ein. Dabei schlugen sowohl die Materialien für d ie Erstellung der Anlagen als auch die benötigte Energie für Bau, Transport und Betrieb zu Buche. Bei Geothermieanlagen sind vor al- lem die Bohrungen energieintensiv. Der Bau von Heizzentrale und Kraftwerk ist materialaufwändig. Ebenso kalkulierten die Wiss enschaftlerinnen und Wissenschaftler den Brennstoffbedarf – bei der Geothermie ist dieser gleich Null. Es wird lediglich Strom für den Pumpenbetrieb benötigt. Um die Wärme aus der Tiefe nutzen zu können, werden Bohrungen bis in wasserführende Schichten niedergebracht. Über eine (oder mehrere) Produktionsbohrungen wird das heiße Tiefenwasser an die Erdoberfläche gefördert. Dort wird dem Tiefenwasser seine Energie über einen Wärmetauscher ent- nommen und an ein Fernwärmenetz oder auch an eine Stromerzeugungs anlage abgegeben. Eine Rückführungsbohrung (oder Injektionsbohrung) bringt das abgekühlte Wasser wieder in die Tiefe zu- rück. Die Temperaturen, die im Münsterland erwartet werden, liegen für die flacheren Kalksteine ab ca. 1.000 bis 1.200 Meter Tiefe bei mi ndestens 40 °C. Für die tiefer liegenden Kalksteinschichten sind Temperaturen bis über 150 °C möglich. Insbesondere der obere Horizont bietet die Chance, in relativ kurzer Zeitspanne warmes Wasser zu erschließen, welches dann mit einer Wärmepumpe auf ein hö- heres Temperaturniveau angehoben werden kann. Die tieferen Horizonte stellen eine größere Herausforderung dar, da hier Bohrungen von mehreren Kilometern Tiefe realisiert werden müssen. Jedoch zeigen die Geothermieanlagen südlich von Mün- chen, dass auch di es möglich ist. Zuvor sind jedoch weitere Explorationsmaßnahmen, vor allem 3D- seismische Messungen, mit denen die Schichten räumlich dargestellt werden können, notwendig (siehe zu 2: weiteres Vorgehen). Die größeren Tiefen bieten auch höhere Chancen in Form von Tem- peraturen, die neben einer großräumigen Wärmeversorgung auch eine Stromerzeugung ermöglichen. Zu 1: Im November und Dezember des vergangenen Jahres hat der Geologische Dienst NRW im Auftrag des Ministeriums für Wirtschaft, Industrie-Klimaschutz und Energie seismische Messungen im zentra- len Münsterland durchgeführt. Das Untersuchungsgebiet umfasste die Stadt Münster sowie die Ge- meinden Billerbeck, Dülmen, Havixbeck, Nottuln, Rosendahl, Senden und Sendenhorst. - 3 - V/0616/2022 Fünf schwere Messfahrzeuge, sogenan nte Vibro-Trucks, haben entlang zweier sich in der Stadt Münster kreuzender Messlinien mit insgesamt 73,5 Kilometer Länge an 1.832 Messpunkten Vibratio- nen in die Tiefe geschickt. 3.651 Geophone haben die Reflexionen der so erzeugten Schallwellen empfangen. Wie bei einer Ultraschalluntersuchung lässt sich aus den zurückgeworfenen Schallsigna- len ein Bild erstellen, in diesem Fall ein Bild des Untergrundes bis in 6.000 Meter Tiefe. Bilder: Enerchange (links), Mark Lubrichs (rechts) Geophysikerinnen und Geophysiker des Geologischen Dienstes NRW haben die Daten dann in den letzten Monaten (aufwendig) aufbereitet und analysiert. Die ersten Ergebnisse der seismischen Mes- sungen wurden dem Regionalrat Münsterland am 26. September vorgestellt (vgl. Anlage 1 – Präsen- tation des Geologischen Dienstes NRW im Regionalrat am 26.09.2022). Sie zeigen ein sehr gutes 2- dimensionales Bild des Untergrundes nicht nur im Münsterland, sondern auch im Stadtgebiet von Münster: Gleich drei Kalksteinhorizonte konnten in der Regio n Münsterland identifiziert werden. Das ist ein vielversprechendes Ergebnis, denn bei Kalksteinen geht man aufgrund ihrer Porenräume von einer hohen Wasserdurchlässigkeit aus. Diese ermöglichen, ggf. ausreichend heißes Tiefenwasser an die Oberfläche zu för dern – eine wichtige Voraussetzung für die Nutzung der hydrothermalen Geother- mie. Zuvor schon vorliegende geologische Daten hatten vermuten lassen, dass in der Tiefe Kalkstei- ne zu finden sind, doch nach den umfangreichen Messungen sind nun Tiefe, Lage und Mächtigkeiten genauer bekannt. Zu 2: Weiteres Vorgehen durch den Stadtkonzern Münster Die Durchführung einer 3D-Seismik zur genaueren Beurteilung der geologischen Verhältnisse befin- det sich bei den Stadtwerken Münster in Vorbereitung. Dazu sind u.a. die detaillierten Ergebnisse der 2D-Seismik des Geologischen Dienstes nach besonders günstigen Ansatzpunkten / Bereichen aus- zuwerten. Eine thermische Ergiebigkeit/Nutzbarkeit dieser Gesteinsschichten muss dann jedoch noch mit anderen Verfahren konkret untersu cht werden. Die Stadtwerke Münster haben sich bereits vor- sorglich die sogenannte „bergrechtliche Aufsuchungserlaubnis“ (exklusiven Bodenrechte) für eine Aufsuchung, Erschließung und spätere Nutzung der Tiefengeothermie im Stadtgebiet gesichert. Grundsätzlich ist eine Förderung durch Bund und Land für ein so kostenintensives und technisch her- ausforderndes Vorhaben essentiell. So fehlt beispielsweise eine Risikoabdeckung für nicht erfolgrei- che Bohrungen. Seitens des Stadtkonzerns sind verschiedene Förderprogr amme ins Auge gefasst, aber die konkreten Konstellationen müssen noch genau geprüft werden. - 4 - V/0616/2022 Zu 3: Eine potentielle Nutzung von Tiefengeothermie hat einen sehr hohen Stellenwert in einer klimafreund- lichen Energieversorgung in Münster und auch im Münster land. Die zukünftige Organisation einer CO2-freien Energieversorgung sollte dabei die Potentiale und Vorteile des städtischen und des ländli- chen Raums in den Blick nehmen und effizient nutzen. Gleichzeitig handelt es sich hierbei um große und sehr komplexe Vorhaben, zu denen es in der Region bislang noch wenig konkrete Erfahrungs- werte gibt, sowohl bei der Erschließung als auch der Nutzung dieser Energiequelle. Daher wird sei- tens der Stadt Münster eine enge Vernetzung mit dem Bund, dem Land NRW, den Genehmig ungs- behörden, den regionalen Partnerschaften, Kommunen bzw. kommunalen Unternehmen angestrebt und eine entsprechende fachliche Beratung und Begleitung, z.B. durch den Geologische n Dienst NRW erforderlich werden. In Vertretung gez. gez. Markus Lewe Robin Denstorff Anlage 1 – Präsentation des Geologischen Dienstes NRW im Regionalrat am 26.09.2022
Anlage 1 - Praesentation_Regionalrat_Muensterland
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26. September 2022, Regionalratssitzung Münsterland 2D-seismische Messungen im Münsterland Vorstellung der ersten Ergebnisse Ingo Schäfer Geologischer Dienst NRW 26. September 2022, Regionalratssitzung Münsterland Geothermie für NRW Der Geologische Dienst NRW ist vom MWIKE NRW beauftragt, das geothermische Potenzial in NRW zu untersuchen. •Durchführung von 2D-seismischen Untersuchungen im zentralen Münsterland als Pilotregion. •Hiermit geht das Land NRW in Vorleistung und schafft Basisdaten für die Planung geothermischer Anlagen. Anlass der Messungen im Münsterland 26. September 2022, Regionalratssitzung Münsterland Potenzielle hydrothermale Reservoire im mitteltiefen und tiefen Untergrund des Münsterlandes 1 2 3 o Erkundung von Struktur, Lage und Mächtigkeit potenzieller geothermischer Reservoire o Lage von Störungszonen o geothermale Charakterisierung des zentralen Münsterlandes o Risiokominderung von Projekten durch bessere Datenlage Ziele der seismischen Untersuchungen 26. September 2022, Regionalratssitzung Münsterland o Erkundung von Struktur, Lage und Mächtigkeit potenzieller geothermischer Reservoire o Lage von Störungszonen o geothermale Charakterisierung des zentralen Münsterlandes o Risiokominderung von Projekten durch bessere Datenlage Streckenverlauf 26. September 2022, Regionalratssitzung Münsterland o Vom 11. November bis 6. Dezember (21 Messnächte) o 6 Tage die Woche, 20 Uhr bis 6 Uhr o 73 Kilometer Gesamtstrecke o 1.838 Anregungspunkte (alle 40 m) o 3.677 Geophon-Kanäle (alle 20 m) o 5 Vibratoren (26 t) Die Messung 26. September 2022, Regionalratssitzung Münsterland 6 Hand in Hand Die Messungen haben in enger Abstimmung mit den Kommunen und Versorgern stattgefunden. Eine intensive Kommunikation und vertrauensvolle Zusammenarbeit aller Beteiligten hat zum Erfolg des Projektes geführt. 26. September 2022, Regionalratssitzung Münsterland 7 Seismische Profile 26. September 2022, Regionalratssitzung Münsterland 8 Profil 2102 10 30 40 470km m SENW SendenhorstHavixbeck Münster 26. September 2022, Regionalratssitzung Münsterland 9 Zielhorizont 1: Cenoman-Turon 10 20 30 40 470km m SENW Tiefenlage: 900 – 1700 m Temperaturen: ca. 30 – 55 °C Stand: September 2022 26. September 2022, Regionalratssitzung Münsterland 10 Zielhorizont 1: Cenoman-Turon 10 20 30 40 470km m SENW Tiefenlage: 900 – 1700 m Temperaturen: 30 – 55 °C Stand: September 2022 26. September 2022, Regionalratssitzung Münsterland 11 Zielhorizont 2: Kohlenkalk 10 20 30 40 470km m SENW Tiefenlage: 4700 – 6300 m Temperaturen: ca. 150 – 200 °C Stand: September 2022 26. September 2022, Regionalratssitzung Münsterland 12 Zielhorizont 3: Massenkalk 10 20 30 40 470km m SENW Tiefenlage: 5000 – 6700 m (Oberkante) Temperaturen: > 160 °C Stand: September 2022 26. September 2022, Regionalratssitzung Münsterland 26. September 2022, Regionalratssitzung Münsterland 14 Kenntnisse aus der Bohrung „Münsterland-1“ Top Turonium Basis Kreide Top Dinant Basis Dinant Top Massenkalk Stand: September 2022 Basis Massenkalk 26. September 2022, Regionalratssitzung Münsterland 15 Anbindung an die DEKORP-Seismik Stand: August 2022 26. September 2022, Regionalratssitzung Münsterland o Erfolgreiche Messung: gute Abbildungsqualität o 3 Horizonte erkannt o Erkenntnisse zur Tiefe, Mächtigkeit und Lage o zielgerichtete Exploration empfehlenswert (3D-Seismik, Explorationsbohrung, Fördertest) o Thema „geothermische Wärmeversorgung“ in die Region gebracht und positiv besetzt Fazit 26. September 2022, Regionalratssitzung Münsterland Wie geht es weiter? o Bereitstellung der Daten und Ergebnisse o Konkretisierung der Ergebnisse durch Einbeziehung von Bohrungen und Altseismiken o 3D-Modellierung des Untergrundes o Beratung und Information 26. September 2022, Regionalratssitzung Münsterland Ansprechpartner: •Dr. Martin Salamon •Ingo Schäfer Kontakt: info@seismik-muensterland.nrw Bleiben wir in Kontakt! 26. September 2022, Regionalratssitzung Münsterland Seismik RheinlandSeismik Rheinland Oktober 2022
Beratungsverlauf (4)
Beschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungBeschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungBeschluss: ohne Beschlussfassung geschoben
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- V/0616/2022
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 04.10.2022
- Erstellt
- 04.10.2022 11:54