V/0882/2005
Weiterentwicklung der Berufskollegs: Errichtungsvorhaben der Berufskollegs in städtischer Trägerscha
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Beschlussvorlage
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DER OBERBÜRGERMEISTER Amt für Schule und Weiterbildung Betrifft Weiterentwicklung der Berufskollegs: Errichtungsvorhaben der Berufskollegs in städtischer Trägerschaft zum Schuljahr 2006/2007 Beratungsfolge 22.11.2005 Ausschuss für Schule und Weiterbildung Vorberatung 07.12.2005 Hauptausschuss Vorberatung 07.12.2005 Rat Entscheidung Beschlussvorschlag: Sachentscheidung: 1. Errichtung eines Bildungsganges Gem. § 81 Abs. 2 Schulgesetz – SchulG wird zum 01.08.2006 (Beginn des Schuljahres 2006/2007) folgender Bildungsgang errichtet: Ludwig-Erhard-Schule, Berufskolleg der Stadt Münster Fachschule, Fachbereich Wirtschaft, Fachric htung Betriebswirtschaft, Schwerpunkt Wirt- schaftsinformatik in Teilzeit (Anlage E 3 der APO-BK) Kosten/Folgekosten 2. Es wird zur Kenntnis genommen, dass - durch die Errichtung des Bildungsganges keine Investitionskosten entstehen, - durch die Erweiterung des Bildungsangebotes in nicht genau bestimmbarer Hö- he Kosten für Lernmittel anfallen. Die erforderlichen Haushaltsmittel für Lernmittel werden aus den zur Verfügung stehenden laufenden Etatmitteln finanziert. Vorlagen-Nr.: V/0882/2005 Auskunft erteilt: Herr Woltering Ruf: 492 40 16 E-Mail: WolteriT@stadt-muenster.de Datum: 25.10.2005 Öffentliche Beschlussvorlage - 2 - Befristung Der Bildungsgang wird unbefristet eingerichtet. Sachverhalt: 1. Einführung 1.1 Rechtsgrundlagen Über die Errichtung, die Änderung und die Auflösung einer Schule (...), für die das Land nicht Schulträger ist, beschließt der Schulträger (vgl. § 81 Abs. 2 Schulgesetz – SchulG). Als Änderung einer Schule ist u.a. auch der Ausbau einer bestehenden Schule zu verste- hen. Es handelt sich somit um einen Ausbau der Ludwig-Erhard-Schule, wenn der unter 1 dar- gestellte Bildungsgang zum 01.08.2006 errichtet wird. 1.2 Zuständigkeiten Der Rat kann u.a. die Entscheidung über die Errichtung, Übernahme, Erweiterung, Ein- schränkung und Auflösung von öffentlichen Einrichtungen gem. § 41 Abs. 1 Buchstabe l der Gemeindeordnung für das Land Nordrhein-Westfalen – GO NW – nicht übertragen. Da es sich bei einem Berufskolleg um eine öffentliche Einrichtung handelt, ist der Rat der Stadt Münster für die Beschlussfassung zuständig. Der Beschluss des Rates bedarf der Genehmigung der Schulaufsichtsbehörde (vgl. § 81 Abs. 3 SchulG). Nach § 1 der Verordnung über schulrechtliche Zuständigkeiten (ZustVO- SchulR) ist die Genehmigung über die Errichtung, Änderung und Auflösung öffentlicher Schulen der Bezirksregierung Münster übertragen. Die Schulkonferenz der Schule ist zu beteiligen (vgl. § 65 SchulG). 2. Anlass Die Ludwig-Erhard-Schule hat einen Vorschlag zur Errichtung eines neuen Bildungsganges unterbreitet. Weitere Anträge der städtischen Berufskollegs zum Schuljahr 2006/2007 lie- gen nicht vor. 3. Zu Beschlussvorschlag 1 3.1 Darstellung des zur Errichtung vorgeschlagenen Bildungsganges Antrag der Ludwig-Erhard-Schule Fachschule, Fachbereich Wirtschaft, Fachric htung Betriebswirtschaft, Schwerpunkt Wirt- schaftsinformatik in Teilzeit (Anlage E 3 der APO-BK) Fachschulen bauen auf der beruflichen Erstausbildung und Berufserfahrungen auf und bie- ten eine berufliche Weiterbildung mit einem staatlich zertifizierten Berufsabschluss. Zugangsvoraussetzung ist - 3 - - die Fachoberschulreife und abgeschlossene Berufsausbildung im Berufsfeld Wirtschaft und Verwaltung und der Berufsschulabschluss (sofern Berufsschulpflicht bestand) oder - Abschluss einer dreijährigen Berufsfachschule, die einen einschlägigen Berufsab- schluss nach Landesrecht vermittelt und eine anschließende mindestens einjährige Tä- tigkeit, die der Berufsrichtung Betriebswirtschaft entspricht oder - eine einschlägige Berufstätigkeit von mindestens fünf Jahren. Die Fachschule dauert insgesamt acht Semester. Der Unterricht wird berufs- und ausbil- dungsbegleitend in Teilzeitform erteilt. Absolventinnen und Absolventen erhalten den Ab- schluss „Staatlich geprüfte Betriebswirtin/staatlich geprüfter Betriebswirt“. Mit Beginn des Schuljahres 2004/2005 hat die Ludwig-Erhard-Schule ihr Bildungsangebot mit der Fachschule für Wirtschaft, Fachrichtung Informatik, Schwerpunkt Wirtschaftsinfor- matik erweitert. Dieser Bildungsgang ist ausschließlich spezialisiert auf Absolventen, die die Bildungsgänge im IT-Bereich abschließen bzw. abgeschlossen haben (Fachinformatiker/in Fachrichtung Anwendungsentwicklung; Informatikkaufmann/frau; IT-System- Kaufmann/frau). Der geplante Bildungsgang in der Fachrichtung Betriebswirtschaft mit dem Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik ist dagegen geöffnet für alle dualen Ausbildungsgänge im Bereich Wirtschaft und Verwaltung. Die Ludwig-Erhard-Schule hat häufig Anfragen von Interessenten, die sich für diese Varian- te interessieren. Die neue Fachrichtung ergänzt das Angebot der Ludwig-Erhard-Schule im IT-Bereich für Interessenten, deren Wirtschaftsinformatikkenntnisse unterhalb des Niveaus der Ausbildung im IT-Bereich anzusiedeln sind. Die Schulkonferenz hat dem Errichtungsvorhaben in ihrer Sitzung am 29.09.2005 zuge- stimmt. 3.2 Stellungnahmen Im Rahmen des üblichen Beteiligungsverfahrens hat das Amt für Schule und Weiterbildung Stellungnahmen der Institutionen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt sowie der Nach- barkreise und der Stadt Rheine erbeten. 3.2.1 Stellungnahmen der Institutionen Am 13.09.2005 hat das Amt für Schule und Weiterbildung der Agentur für Arbeit und der Industrie- und Handelskammer Nord Westfalen die Errichtungsvorhaben der städtischen Berufskollegs mitgeteilt und um Stellungnahme gebeten. 3.2.1.1 Stellungnahme der Agentur für Arbeit in Münster Die Agentur für Arbeit formuliert im Schreiben vom 26.09.2005 folgendes: „(...) Aus arbeitsmarktlicher Sicht bestehen gegen diese Errichtung keine Einwände. Die voraussichtliche Aufnahmemöglichkeit auf dem Arbeitsmarkt ist positiv zu bewerten. (...)“ 3.2.1.2 Stellungnahme der Industrie- und Handelskammer Nord Westfalen Im Schreiben vom 27.09.2005 übermittelt die Industrie- und Handelskammer Nord Westfa- len ihre Stellungnahme und stimmt der Errichtung nicht zu. „(...) Die Position der Wirtschaft und der Industrie- und Handelskammern zu Fachschulen sind Ihnen aus früheren Stellungnahmen bekannt. Fachschulen können zwar einen Bil- - 4 - dungsbeitrag leisten, solange sie aber staatlich voll subventioniert zum Nulltarif angeboten werden, verzerren sie den Weiterbildungsmarkt, gefährden die Pluralität der Weiterbil- dungsanbieter, unterlaufen praxis- und wirtschaftsnahe Angebote anderer Träger und be- hindern damit auch die notwendige hohe Anpassungsgeschwindigkeit an neue technische und organisatorische Entwicklungen. Gerade in Zeiten besonders knapper öffentlicher Mit- tel kann dies nicht sachgerecht sein. (...)“ „(...) Seit langem drängen wir darauf, in dieser Frage landesweite Lösungen zu schaffen, die faire Wettbewerbsbedingungen sicherstellen. (...)“ 3.2.2 Stellungnahmen der Nachbarkreise und der Stadt Rheine Am 13.09.2005 hat das Amt für Schule und Weiterbildung den Kreisen Borken, Coesfeld, Steinfurt und Warendorf sowie der Stadt Rheine das Errichtungsvorhaben mitgeteilt und um Stellungnahme gebeten. Seitens der Kreise Borken, Coesfeld und Warendorf sowie der Stadt Rheine bestehen keine Bedenken, den geplanten Bildungsgang einzurichten. Der Kreis Steinfurt hat Bedenken geltend gemacht. „(...) Die Zahl der Studierenden mit dem Schwerpunkt ‚Wirtschaftsinformatik‘, der besonde- re Lehrerkompetenzen bindet und hohe Anforderungen an die technische Ausstattung stellt, stagniert seit einiger Zeit. Die Errichtung eines neuen Bildungsganges gefährdet be- stehende Einrichtungen in der Region und lässt die Ressourcenknappheit unbeachtet. (...)“ 3.2.3 Stellungnahme der Bezirksregierung Das Errichtungsvorhaben der Ludwig-Erhard-Schule wurde in mehreren Gesprächen mit der Bezirksregierung Münster, Schulaufsicht für Berufskollegs, abgestimmt. Im Schreiben vom 29.09.2005 ist folgende Stellungnahme enthalten: „(...) Die bereits bestehende Fachschule für Wirtschaft, Fachrichtung Informatik, Schwer- punkt Wirtschaftsinformatik, mit Abschluss ‚Staatlich geprüfte/r Informatiker/in’ wendet sich ausschließlich an Studierende, die ihre Ausbildung in einem der IT-Berufe abschließen bzw. abgeschlossen haben. Dies bedeutet, dass die Nachfrage der Studierenden stark schwankt. Dies führte u.a. dazu, dass zum Schuljahresbeginn 2005/06 kein erstes Semes- ter aufgenommen wurde. Die Aufnahme wird auf Februar 2006 verschoben. Die beantragte Fachrichtung Betriebswirtschaft, Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik, mit Ab- schluss ‚Staatlich geprüfter Betriebswirt’ wendet sich hingegen an Studierende mit kauf- männischer Ausbildung jedweder Art, die sich im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit u.a. mit Datenbanken und Projektmanagement beschäftigen bzw. sich für diesen Bereich inte- ressieren. Eine Substitutionskonkurrenz in der eigenen Schule ist wegen der Unterschied- lichkeit der Anlage der beiden Bildungsgänge, wie den Stundentafeln, aber auch den lern- feldorientierten Lehrplänen der Fachrichtung Wirtschaftsinformatik bzw. der Fachrichtung Betriebswirtschaft, Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik zu entnehmen ist, eher nicht zu er- warten. Da die Schule die Vorgaben zur Klassenbildung beachtet, wird auch die Ökonomie des Personaleinsatzes nicht gefährdet. Insofern ist die Errichtung der beantragten Fachrichtung Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik eine konsequente Weiterführung der Profilbildung der Ludwig-Erhard- Schule (...).“ Die Schulaufsicht für Berufskollegs der Bezirksregierung weist weiter darauf hin, dass - 5 - - der beantragte Bildungsgang wegen des unterschiedlichen Profils der Schwer- punkte nicht in Konkurrenz zur Fachschule für Wirtschaft, Fachrichtung Be- triebswirtschaft, Schwerpunkt Personalwirtschaft bzw. Absatzwirtschaft an der Hansaschule tritt - Fachschulen für Wirtschaft, Fachrichtung Betriebswirtschaft, Schwerpunkt Wirt- schaftsinformatik auch in Ahaus, Datteln, Gelsenkirchen und Steinfurt existieren, jedoch die Entfernung zwischen Münster und diesen Standorten jeweils mehr als 25 Kilometer beträgt, und von wenigen Einzelfällen möglicherweise abgese- hen, eine Konkurrenzsituation nicht gegeben ist 3.2.4 Stellungnahme des Arbeitskreises „Weiterentwicklung der Berufskollegs“ Der Arbeitskreis „Weiterentwicklung der Berufskollegs“, der sich zusammensetzt aus Spre- chern der im Rat vertretenen Fraktionen und Vertretern des Amtes für Schule und Weiter- bildung ist zu dem Ergebnis gekommen, dass keine grundsätzlichen Bedenken gegen die Errichtung des Bildungsganges bestehen. 3.2.5 Bewertung durch die Verwaltung Die Bewertung durch die Verwaltung umfasst folgende Fragestellungen: a) Wie fügt sich das Errichtungsvorhaben in das Profil der Ludwig-Erhard-Schule und in die Grundstruktur der Schulentwicklungsplanung ein und wie wird der Bedarf prognosti- ziert ? b) Wie ist die Stellungnahme der IHK und der Nachbarkreise zu bewerten ? Zu a): Fachschule für Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen Eine Analyse der Studierendenzahlen der Fachschule für Wirtschaft gem. APO-BK in ganz Nordrhein-Westfalen hat folgendes Ergebnis (Quelle: Amtliche Statistik des Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik NRW): Bildungsgang 2003/ 2004 2003/ 2004 2004/ 2005 2004/ 2005 FS für Wirtschaft, Fachrichtung Betriebswirtschaft, Schwerpunkt Absatzwirtschaft 948 25% 844 23% FS für Wirtschaft, Fachrichtung Betriebswirtschaft, Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik 732 19% 708 19% FS für Wirtschaft, Fachrichtung Betriebswirtschaft, Schwerpunkt Rechnungswesen 466 12% 511 14% .... ... ... ... ... FS für Wirtschaft, Fachrichtung Informatik, Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik 149 4% 85 2% .... ... ... ... ... gesamt 3.859 100% 3.645 100% Im Ergebnis ist festzuhalten, dass sich in den Schuljahr 2003/2004 und 2004/2005 jeweils 56 % aller Studierenden der Fachschulen für Wirtschaft für die Schwerpunkte Absatzwirt- schaft, Wirtschaftsinformatik und Rechnungswesen entschieden haben. Die Nachfrage für die Fachrichtung Informatik, Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik ist rückläufig. - 6 - Fachschule für Wirtschaft in Münster Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über das Bildungsangebot der Fachschule für Wirtschaft in Münster. Die Fachrichtung Betriebwirtschaft mit den Schwerpunkten Personal- und Absatzwirtschaft ist ein seit Jahren bewährtes Angebot der Hansaschule. Diese Schwerpunkte beschreiben und bilden unumstritten das Profil der Hansaschule. Die Ludwig-Erhard-Schule beschult Fachklassen der Berufsschule für die Informations- und Kommunikationsberufe und führt bereits die Fachschule der Fachrichtung Informatik mit dem Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik. Insofern ist es konsequent, dass die Angebotser- weiterung um die Fachrichtung Betriebswirtschaft mit dem Schwerpunkt Wirtschaftsinfor- matik auch an der Ludwig-Erhard-Schule erfolgt. Dieses Profil der Ludwig-Erhard-Schule ist durch die Schulentwicklungsplanung für Berufskollegs gebildet und gestärkt worden und wird somit weiter geschärft. Sta- tus Bildungsgang Schule Studierenden- zahlen SJ 04/05 Studierenden- zahlen SJ 05/06 Fachschule für Wirtschaft, Fachrichtung Betriebswirt- schaft, Schwerpunkt Absatz- wirtschaft Hansaschule 120 126 Fachschule für Wirtschaft, Fachrichtung Betriebswirt- schaft, Schwerpunkt Personal- wirtschaft Hansaschule 32 37 einge rich- tet Fachschule für Wirtschaft, Fachrichtung Informatik, Schwerpunkt Wirtschaftsinfor- matik Ludwig- Erhard-Schule 26 22 ge- plant Fachschule für Wirtschaft, Fachrichtung Betriebswirt- schaft, Schwerpunkt Wirt- schaftsinformatik Ludwig- Erhard-Schule / / Eine Bedarfs- bzw. Nachfrageprognose ist durch das individuelle Schüler- bzw. Studieren- denwahlverhalten beeinflusst. Im Schuljahr 2005/2006 befinden sich 114 Fachinformati- ker/innen –Fachrichtung Anwendungsentwicklung, 48 Informatikkaufleute und 70 System- kaufleute in Fachklassen der Ludwig-Erhard-Schule. Grundsätzlich kann jedoch ausgesagt werden, dass es aus diesen Fachklassen und aus verkehrstechnisch gut an Münster ange- bundenen Orten der Umlandkreise tendenziell ausreichend Interessenten für die Fachrich- tung Informatik, Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik gibt, um zumindest in einem über einen Schuljahresbeginn hinausgehenden Turnus neu zu beginnen. Aufgrund der Zugangsvor- aussetzung für die Fachrichtung Betriebswirtschaft, Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik ist davon auszugehen, dass sich ausreichend Studierende – ehemalige BerufsschülerInnen aus dem Berufsfeld Wirtschaft und Verwaltung - für dieses Angebot interessieren (vgl. Be- darfseinschätzung der Ludwig-Erhard-Schule unter 3.1). Diese Einschätzung wird insbesondere dadurch bestärkt, dass in ganz Nordrhein-Westfalen die Fachrichtung Betriebswirtschaft mit dem Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik im Betrach- tungszeitraum jeweils 19 % der Gesamtstudierenden der Fachschule für Wirtschaft aus- macht. Mit dem beantragten Bildungsgang wird dann der landesweit sehr nachgefragte Bil- dungsgang auch in Münster angeboten. - 7 - Zu b) Ein grundsätzlicher Vergleich zwischen Fachschulangebot und Weiterbildungsangebot –der IHK ist allein schon dadurch erschwert, dass die Fachschule für Studierende immer kosten- frei ist, Weiterbildungsangebote der IHK jedoch kostenpflichtig sind. Trotzdem soll der Ver- such eines Vergleiches erfolgen. Die Stellungnahme der Industrie- und Handelskammer Nord-Westfalen ist seit Jahren be- kannt und auch wiederkehrend identisch. Leider liegen keine Aussagen bzw. Untersuchun- gen zu Lernfeldern und Stundentafeln vor, die das Leistungsangebot der IHK- Weiterbildungen mit dem Leistungsspektrum der Fachschule in der Fachrichtung Betriebs- wirtschaft mit dem Schwerpunkt Wirtschaftsinformat ik vergleichen. Es ist unstrittig, dass si- cherlich teilweise eine Übereinstimmung zwischen einzelnen Lernfeldern des geplanten Bildungsganges und IHK-Weiterbildungsangeboten besteht. Beispielhaft könnten folgende Vergleiche angestellt werden: Lernfelder der Fachrichtung Betriebs- wirtschaft mit dem Schwerpunkt Wirt- schaftsinformatik Weiterbildungsangebot der IHK Die Kosten- und Leistungsrechnung erstellen und als Informationsinstrument nutzen (120 – 280 Stunden) Den Jahresabschluss erstellen und als Informationsinstrument nutzen (120 – 180 Stunden) Gepr. Bilanzbuchhalter/in IHK (760 Stunden) Betriebswirt/in IHK (720 Stunden) Managementsysteme und strategische Planungsprozesse mitgestalten (160 – 240 Stunden) Controlling für die betriebliche Steue- rung nutzen (160 – 240 Stunden) Gepr. Controller/in IHK (690 Stunden) Informationssysteme aufbauen und an- passen (120 – 280 Stunden) Gepr. IT Projektleiter/in, Gepr. IT Entwickler/in Gepr. IT Berater (je 800 Stunden) Diese Leistungen unterscheiden sich jedoch jeweils in der Breite und in der Tiefe. Im Er- gebnis kann jedoch festgestellt werden, dass die im geplanten Bildungsgang vorgesehenen Lernfelder als konzeptionelle Gesamtheit nur in dieser Fachschulform angeboten werden. Das Ziel, die Lernfelder und Inhalte des geplanten Bildungsganges durch die IHK vermittelt zu bekommen, bedeutete, dass mehrere IHK-Weiterbildungen parallel bzw. zeitlich hinter- einander zu besuchen wären. Dieser organisatorische und strukturelle Aufwand wird ver- mutlich nur für einen sehr geringen Anteil der Interessenten möglich bzw. akzeptabel sein. Der beantragte Bildungsgang ist somit mit den Weiterbildungsangeboten der IHK nur be- dingt vergleichbar und somit auch nur bedingt substituierbar. In der bildungspolitischen Diskussion um das lebensbegleitende bzw. lebenslange Lernen in der Wissens- und Informationsgesellschaft besteht die übereinstimmende Tendenz, dass die berufliche Bildung gleichermaßen die Erstausbildung und die berufliche Weiterbildung umfasst. So ist es geradezu logisch und konsequent, dass die Berufskollegs die Erstausbil- dung bereits curricular auf Weiterbildung ausrichten und die Weiterbildung auf den curricu- laren Grundlagen der Erstausbildung aufbauen kann. Besondere Vorteile für die qualitäts- orientierte Schulentwicklung ergeben sich, wenn sich Berufsschule und Fachschule am - 8 - gleichen Lernort befinden. Die Berufswelt fordert mehr denn je, sich neues Wissen und neue Fähigkeiten anzueignen, um sich entw eder den erhöhten Anforderungen am Arbeits- platz zu stellen, sich im Sinne der eigenen bzw. unternehmerischen Personalentwicklung zu positionieren oder aber für den Einstieg bzw. Wiedereinstieg ins Berufsleben zu qualifi- zieren. Die Fachschule für Wirtschaft findet in der Wirtschaft eine hohe Akzeptanz. Insbesondere ist festzustellen, dass ca. ab dem 3. Fachschuljahr Rückkopplungsprozesse bzw. Transfer- leistungen des in der Fachschule erworbenen Wissens in die beruflich Praxis erfolgen. Dies bedeutet, dass Arbeitgeber unmittelbar von der Weiterbildung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer profitieren. Die Studierenden der Fachschule sind in der Regel zwischen An- fang zwanzig und Mitte dreißig Jahre alt. Diese Lebensphase ist insbesondere durch eine Neuordnung bzw. –orientierung des eigenen Lebens gekennzeichnet. Private Ausgaben für Konsum sowie materielle und immaterielle Investitionen werden geplant und getätigt. Das kostenfreie Angebot zum Besuch der Fachschule fördert darum insbesondere die Motivati- on für eine Weiterbildung. Im Ergebnis sprechen folgende Argumente für die Errichtung des Bildungsganges: - Das Profil der Ludwig-Erhard-Schule wird durch die Verzahnung von beruflicher Erst- ausbildung und schulischer Weiterbildung an ei nem Lernort geschärft und wirkt sich po- sitiv auf die Schulentwicklung der Ludwig-Erhard-Schule und die Weiterbildungsland- schaft im Berufsfeld Wirtschaft und Verwaltung in Münster aus. - Der Bildungsgang eröffnet zusätzliche Möglichkeiten der beruflichen Weiterbildung und wird somit den veränderten Anforderungen und Bedarfen der Gesellschaft gerecht. - Die schulfachliche Stellungnahme der Bezirksregierung Münster befürwortet im Hinblick auf die Schulentwicklung der Ludwig-Erhard-Schule ausdrücklich die Errichtung des geplanten Bildungsganges - Die Kosten für den Schulträger beschränken sich auf den Anteil der Lernmittel, variable Verbrauchskosten und auf kalkulatorischen Kosten aufgrund der Nutzung der Infrastruk- tur der Ludwig-Erhard-Schule. Vorschlag: Die Verwaltung schlägt dem Ausschuss für Schule und Weiterbildung sowie dem Rat trotz der an dem Errichtungsvorhaben geäußerten Kritik nach Würdigung und Bewertung der Stellungnahmen vor, den unter 1 dargestellten Bildungsgang zum Beschluss vor. Um den Bedenken des Kreises Steinfurt gerecht zu werden, wird die Ludwig-Erhard-Schule Studierende aus dem Kreis Steinfurt nur nach Absprache mit den Wirtschaftsschulen des Kreises Steinfurt in den beantragten Bildungsgang aufnehmen. 3.3 Zu Beschlussvorschlag 2: Kosten und Folgekosten/Mittelbereitstellung und Finanzie- rung 3.3.1 Räumliche Ausstattung und Sachausstattung Die vorhandenen Raumkapazitäten in der Ludwig-Erhard-Schule sind ausreichend, um die Bildungsgänge einzurichten. Die Organisationsform in Teilzeit bedingt, dass keine zusätzli- chen Raum- bzw. Ausstattungsbedarfe entstehen, sondern die vorhandene Infrastruktur genutzt wird. - 9 - 3.3.2 Schülerfahrkosten Gem. Verwaltungsvorschriften zur Ausführung der Schülerfahrkostenverordnung (VvzSchfkVO) werden Fahrkosten nicht übernommen für den Besuch der Bildungsgänge der Fachschule (§ 22 Abs. 8 SchulG). 3.3.3 Lernmittel Für Studierende des Bildungsgange Fachschule sind nach § 3 der Verordnung über die Durchschnittsbeträge und den Eigenanteil nach § 96 Abs. 5 Schulgesetz Lernmittel in Höhe von 224 € vorgesehen. Die Finanzierung erfolgt im Rahmen der zur Verfügung stehenden laufenden Haushaltsmit- tel. 4. Weiteres Verfahren Sofern der Rat der Stadt Münster dem Errichtungsvorschlag zustimmt, wird die Verwaltung den Beschlusspunkt 1 der Bezirksregierung zur Genehmigung vorlegen. I. V. gez. Dr. Hanke Stadträtin
Beratungsverlauf (3)
Beschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungBeschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungDetails
- Vorlagen-Nr.
- V/0882/2005
- Typ
- Vorlage
- Datum
- 25.10.2005
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37