V/0578/2014
Dringlichkeitsentscheidung gem. § 60 GO NW, hier: Zuschuss der Stiftung Siverdes zur Einrichtung eines "Psychosozialen Zentrums für Flüchtlinge"
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Beschlussvorlage
1554 Zeichen
V/0578/2014 DER OBERBÜRGERMEISTER Geschäftsstelle der Kommunalen Stiftungen Betrifft Dringlichkeitsentscheidung gem. § 60 GO NW; hier: Zuschuss der Stiftung Siverdes zur Einrichtung eines "Psychosozialen Zentrums für Flüchtlinge" Beratungsfolge 03.09.2014 Ausschuss für Soziales, Stiftungen, Gesundheit, Verbraucherschutz und Arbeitsförderung Vorberatung 10.09.2014 Haupt- und Finanzausschuss Vorberatung 10.09.2014 Rat Entscheidung Beschlussvorschlag: I. Sachentscheidung: Der dringlichen Entscheidung gem. § 60 Gemeindeordnung NW über die Gewährung eines ein- maligen Zuschusses im Wirtschaftsjahr 2014 in Höhe von 25.000 € aus Mitteln der kommunal verwalteten Stiftung Siverdes (Anlage 1) an die künftigen Träger des „Psychosozialen Zentrums für Flüchtlinge“ (Gemeinnützige Gesellschaft zur Unterstützung Asylsuchender e. V. und Arbei- terwohlfahrt Unterbezirk Münster-Recklinghausen / Antrag siehe Anlage 2) wird zugestimmt. II. Finanzielle Auswirkungen: Keine Auswirkungen auf den städtischen Haushalt. III. Finanzierung/Mittelbereitstellung Mittel der kommunal verwalteten Stiftung Siverdes. Begründung: Hinsichtlich der Begründung der Dringlichkeitsentscheidung wird auf die Anlage verwiesen. I. V. gez. Thomas Paal Stadtrat Anlagen: Dringlichkeitsentscheidung (Anlage 1) Projektantrag (Anlage 2) Vorlagen-Nr.: V/0578/2014 Auskunft erteilt: Herr Claaßen Ruf: 492 59 03 E-Mail: Claahsen@stadt-muenster.de Datum: 11.08.2014 Öffentliche Beschlussvorlage
Anlage 1
7668 Zeichen
detage 4
Sy/\eJ4 ||| MÜNSTER
DER OBERBÜRGERMEISTER
GESCHÄFTSSTELLE DER
KOMMUNALEN STIFTUNGEN
Dringlichkeitsentscheidung D/0040/2014
Betreff:
Errichtung eines "Psychosozialen Zentrums für Flüchtlinge" in Münster;
komplementäre Finanzierung aus Mitteln der Stiftung Siverdes
Beschlussvorschlag:
Sachentscheidung:
Die’kommunal verwaltete Stiftung Siverdes gewährt zur Anschub- und Kofinanzierung eines
„Psychosozialen Zentrums für Flüchtlinge“ (PSZ) in Münster im Wirtschaftsjahr 2014 einen
einmaligen Zuschuss in Höhe von 25.000 Euro an die zukünftigen Träger des Zentrums, die '
Gemeinnützige Gesellschaft zur Unterstützung Asylsuchender e. V. (GGUA) und den AWO
Unterbezirk Münster-Recklinghausen.
Koster/Folgekosten
Mögliche weitere finanzielle Anforderungen werden im Rahmen: der’ Beratungen zum
Haushalt separat aufbereitet. Eine Voll- und Überfinanzierung über Landesmittel für das
psychotherapeütische und sozialpädagogische Personal ist aus haushaltsrechtlichen
Gründen nicht möglich. Die Projektträger werden weitere Finanzierungsoptionen, wie z. B.
Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds - Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (ESF-
Fond-AMIF) prüfen und .ggf. beantragen. In diesem Zusammenhang werden weitere _
mögliche Kriterien für die Rahmenbedingungen zur dauerhaften Förderung eines
„Psychosozialen Zentrums für Flüchtlinge“ in Münster aufbereitet und dargestellt.
Mit, dem Beschluss sind keine weiteren Folgekosten. aus Mitteln der Stiftung Siverdes
verbunden. j :
, Finanzierung/Mittelbereitstellung
Aufgrund der Aktualität des Antrags ist der Aufwand in Höhe ‘von 25.000 Euro im
Wirtschaftsplan 2014 der Stiftung Siverdes nicht enthalten. Die Stiftung gewährt ‘den
Zuschuss außerplanmäßig im Rahmen ihrer Stiftungszweckverwirklichung. Der städtische
“; Haushalt ist nicht betroffen. oo -
Anlass für die Dringlichkeit:
Auf der Grundlage der „Richtlinien zur Gewährung von Zuwendungen zur sozialen Beratung
von Flüchtlingen in Nordrhein-Westfalen“ stellt das Ministerium für Inneres und Kommunales
“Mittel für die Einrichtung eines „Psychosozialen Zentrums für Flüchtlinge“ in Münster zur
Verfügung. Der Fachausschuss für Flüchtlinge der Landesarbeitsgemeinschaft freie.
Wohlfahrtspflege hat die Träger GGUA und AWO Unterbezirk Münsterland in Kooperation unter
Federführung der GGUA mit der Einrichtung eines auf Dauer angelegten Psychosozialen
Zentrums betraut. Die Einrichtung sollte möglichst schnell erfolgen, avisiert ist der Starttermin
01.08.2014. Insofern wäre eine Beschlussfassung in der ersten Beratungskette nach den
Sommerferien zu spät. .
Die nachträgliche Genehmigung dieser Dringlichkeitsentscheidung wird in der nächsten Sitzung
des Haupt- und Finanzausschusses eingeholt.
Begründung:
Förderwürdigkeit: j
Bis zu 40 Prozent (Deutsches Ärzteblatt 2009; 106(49): A-2463 / B-2115 / C-2055) der nach
Deutschland kommenden Flüchtlinge sind traumatisiert durch körperlichen und/oder
seelischen Missbrauch im Rahmen von Folter, Verfolgung, Vergewaltigung, Krieg oder
Bürgerkrieg im Heimatland. Die Flüchtlinge leiden unter vielfältigen, oft erheblichen
Beschwerden, häufig in Form einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Diese
kann sich in chronischen Schmerzzuständen, anhaltenden schweren Depressionen,
Panikanfällen, Zwangsverhalten, Essstörungen und nicht zuletzt in einem hohen Suizidrisiko
äußern,
Aktuell befinden sich 1.471 Flüchtlinge als Leistungsberechtige nach dem
Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) in Münster. Es ist davon auszugehen, dass die Zahl
der Flüchtlinge weiter steigen wird. Im Jahr 2013 kamen insgesamt 703 Flüchtlinge nach
Münster, nach 426 im Jahr 2012 und 212 im Jahr 2011. Bis zum 31.05.2014 hat die Stadt
Münster weitere 309 Flüchtlinge aufgenommen. Der in der Anlage dargestellte konzeptionelle
Ansatz hat die genannten Flüchtlinge als Adressaten. Diese haben keinen Anspruch nach dem
SGB V, also analogen Krankenkassenleistungen, benötigen aber aufgrund akuter Belastung
einen niedrigschwelligen.und zeitnahen Zugang zu einer Psychotherapie. .
Das Land Nordrhein-Westfalen sieht vor, neben den bisher: sechs ‘geförderten PSZ für
Flüchtlinge in Aachen, Bielefeld, Bochum, Düsseldorf, Hagen und Köln, weitere Zentren zu
fördern. Für Münster ist die Förderung einer 0,5 Stelle psychotherapeutische Fachkraft und
einer. 1,0 Stelle sozialpädagogische Fachkraft vorgesehen.
An dem Bedarf, aufgrund traumatischer . Erfahrungen psychisch erkrankten Flüchtlingen
Unterstützungsmöglichkeiten zu geben, bestehen keine Zweifel. Die Errichtung einer Anlauf-,
Vermittiungs- und Koordinationsstelle ist geeignet, diesem Bedarf zu begegnen, indem sie
neben eigenen Basisangeboten psychotherapeutische und psychosoziale Hilfen für Flüchtlinge
zielgerichtet für den Einzelfall verfügbar macht; über Einzelheiten informiert ‘das Kurzkonzept,
das darüber hinaus verdeutlicht, dass es sich nicht um eine lediglich quantitative Erweiterung
“des. bestehenden Angebotes handelt, sondern insbesondere auch.um den Auf- und Ausbau
eines Netzwerkes zur psychotherapeutischen Behandlung von FI lüchtlingen.
Münster ist ein geeigneter Standort. mit einer gut ausgebauten Angebotslandschaft sowohl
bezogen auf psychotherapeutische Betreuung als auch auf Angebote der sozialen Arbeit in der
Flüchtlingsbetreuung. Auf.der Grundlage der im Kurzkonzept dargestellten Eckpunkte bietet das
PSZ eine reelle Perspektive, den tatsächlichen psychotherapeutischen und psychosozialen
Unterstützungsbedarfen traumatisierter ‚Flüchtlinge nicht nur punktuell und zufällig, sondern
innerhalb geregelter Verfahren systematisch zu begegnen und sich zugleich auf geeignete.
Unterstützungsleistungen zu konzentrieren. j
{
=
Mit Blick auf eine Verstetigung eines PSZ für Flüchtlinge in Münster ist über den
konzeptionellen Ansatz und die beantragte einmalige Anschubfinanzierung hinaus ein Antrag
zur anteiligen Regelfinanzierung im Rahmen der Haushaltsplanberatung für 2015 avisiert, über
den gesondert im Rahmen der Haushaltsplanberatungen zu entscheiden sein wird.
Förderfähigkeit:
Die Stiftung Siverdes verwirklicht ihren Stiftungszweck gemäß Satzung „insbesondere durch
die Schaffung und Förderung von Hilfsangeboten und Diensten für Personen, die aufgrund
ihres körperlichen, geistigen oder seelischen Zustandes oder ihrer wirtschaftlichen
Verhältnisse auf die Hilfe anderer angewiesen sind (...)." . -
Vor diesem Hintergrund ist eine Förderung des neu zü gründenden „Psychosozialen
Zentrums für Flüchtlinge“ in Münster mit dem Stiftungszweck der Stiftung Siverdes vereinbar.
Die Stiftung Siverdes erfüllt ihre originären Stiftungszwecke bereits durch langjährige
Projekte und Programme: in Höhe von rd. 270.000 Euro pro Jahr (Förderung der
bürgerschaftlichen Selbst- und Mithilfe, Finanzierung. der FreiwilligenAgentur, Hilfen zur
Familienplanung). Die Stiftung ist als Mehrheitseigentümerin von: 288 Wohnungen im
Stadtteil Coerde, die in den letzten sechs Jahren aufwendig saniert wurden, noch bis zum
Jahr 2019 besonders belastet. Eine weitere Ausweitung ihrer Stiftungsaktivitäten über diese
Anschubfinanzierung hinaus ist daher nicht möglich.
Die Ergebnisse des Jahresabschlusses 2013 erlauben der Stiftung Siverdes allerdings eine
. einmalige Anschubfinanzierung in Höhe von 25.000 Euro für das geplante „Psychosoziale
Zentrum für Flüchtlinge“ im. Rahmen ihrer Stiftungszweckerfüllung. .
N. 04.073.204 RI eh as 33.2094
Markus Lewe Datum + Dr. Michael Jung Datum
Oberbürgermeister Vorsitzender SPD-Fraktion
Anlage: \
Gemeinsamer Antrag der GGUA und des AWO Unterbezirkes Münsterland-Recklinghausen
. vom 25.06.2014 mit Kurzkonzept und Darlegung der benötigten Finanzierung
Münster, den 04.07.2014
Anlage 2
19526 Zeichen
Iulage 2
, G G U A Gemeinnützige Gesellschaft AWO Unterbezirk ZWo
zur Unterstützung Asylsuchender e.V. _ Münsterland-Recklinghausen
Flüchtlingshilfe
25.06.2014
Antrag
auf einen Zuschuss durch die Stiftung Magdalenenhospital, Münster, in Höhe von
25.000 € zur Anschub- und Kofinanzierung für den Zeitraum 01.08.2014 bis
31.12.2014 für die Einrichtung eines Psychosozialen Zentrums für Flüchtlinge in
Münster.
Anlage
e Kurzkonzept
« _Darlegung der benötigten Finanzierung
1von9
. G G U A Gemeinnützige Gesellschaft AWO Unterbezirk Awo
n m zur Unterstützung Asylsuchender e.V. Münsterland-Recklinghausen
u Flüchtlingshilfe
l. Kurzkonzept: Einrichtung eines psychosozialen Zentrums für
Flüchtlinge in Münster durch die GGUA und den AWO Unterbezirk
Münsterland-Recklinghausen
Auf der Grundlage der „Richtlinien zur Gewährung von Zuwendungen zur sozialen
Beratung von Flüchtlingen in Nordrhein-Westfalen‘ stellt das Ministerium für
Inneres und Kommunales Mittel für die Einrichtung eines Psychosozialen Zentrums
für Flüchtlinge (PSZ) in Münster zur Verfügung. Der Fachausschuss Flüchtlinge der
LAG Freie Wohlfahrtspflege hat die GGUA und den AWO Unterbezirk Münsterland
in Kooperation unter Federführung der GGUA mit der Einrichtung eines auf Dauer
angelegten PSZ betraut. Die Einrichtung soll schnellst möglich erfolgen. Avisiert ist
. der Starttermin 01.08.2014. j
1. Die Träger:
a) GGUA .
Die Gemeinnützige Gesellschaft zur Unterstützung Asylsuchender e.V. (GGUA) ist
Mitglied im Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband und arbeitet seit ihrer
Gründung 1979 als politisch. und. konfessionell unabhängiger Verein in der
Beratung; Betreuung und. Unterstützung von Flüchtlingen und MigrantInnen. Alle
Angebote der GGUA sind kostenfrei.
‚ Die Aktivitäten des Vereins verfolgen das Ziel, Migrantinnen, mit und ohne
Fluchthintergrund, bei. der gesellschaftlichen Eingliederung und Integration: in
Münster zu unterstützen und Verständnis, Akzeptanz und Toleranz: in der
Gesellschaft zu fördern. Weitere Ziele sind außerdem die Unterstützung von
Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund sowie deren Familien durch .
Jugendhilfe, Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit. Zu den satzungsgemäßen
Aufgaben gehört auch die Beratung und Betreuung unbegleiteter minderjähriger.
Flüchtlinge.
Die GGUA beschäftigt derzeit 28 hauptamtliche MitarbeiterInnen und erhält
finanzielle Zuwendungen von der Kommune, dem Land NRW, dem Bund, aus dem
Europäischen Flüchtlings-, Integrations- und Sozialfonds sowie aus Stiftungsmitteln
und sichert. so neben Spenden und Mitgliedsbeiträgen ihre wirtschaftliche Existenz.
Die Arbeitsbereiche der GGUA umfassen die soziale Beratung und Betreuung in
Asyl-, Aufenthalts- und sozialrechtlichen Fragen, vielfältige Angebote und Hilfen zur
Integration, Bildungs-, Begegnungs- und Freizeitangebote, Öffentlichkeitsarbeit und
. klientelorientierte Interessenvertretung, Fortbildungs- und Qualifizierungsangebote.
Auch ‚in der Arbeit mit Freiwilligen und Ehrenamtlichen kann die GGUA auf
langjährige Aktivitäten und Erfahrungen zurückblicken. Im Verein engagieren sich _
derzeit etwa 170 Personen freiwillig in verschiedenen Bereichen.
Bei der Gründung des Vereins vor 35 Jahren lag der Arbeitsschwerpunkt auf der
Beratung und Unterstützung von Flüchtlingen (daher die Namensgebung). Die
Flüchtlingsberatung bildet auch heute noch das Zentrum der Arbeit, inzwischen
2von9
IG G U A Gemeinnützige Gesellschaft AWO Unterbezirk AWO
zur Unterstützung Asylsuchender e.V, Münsterland-Recklinghausen
Flüchtlingshilfe
flankiert von zahlreichen Projekten und Einrichtungen in den Bereichen
Qualifikation und Integration.- In der Flüchtlingsberatung sind derzeit 8
hauptamtliche MitarbeiterInnen mit insgesamt 215 Wochenstunden (soziale
Beratung für Flüchtlinge, Rückkehrberatung, Verfahrensberatung in der. ZUE
Schöppingen) beschäftigt. Im April 2014 sind 15 Beratungsstunden für unbegleitete -
minderjährige Flüchtlinge hinzugekommen, finanziert aus Mitteln der Franz-
Bröcker-Stiftung und befristet für ‘ein Jahr. Die MitarbeiterInnen verfügen über
Studienabschlüsse in den. Fächern Sozialarbeit. / Sozialpädagogik, Diplom-
Pädagogik, Erziehungswissenschafen bzw. Kulturwissenschaften. Die
Beraterlnnen sprechen die Fremdsprachen Englisch, Französisch, Russisch und
Weißrussisch. Begleitend zur Beratung wird eine Mitarbeiterin (12 WoStd.) als
Sprach- und Kulturmittlerin für Roma eingesetzt, sie spricht fließend serbisch und
romänes.
Die Flüchtlingsberatung der GGUA erstreckt sich auf alle Bereiche der sozialen
Beratung und Begleitung von Flüchtlingen: Asyl- und Aufenthaltsrecht, Sozialrecht,
Schule, Bildung und Ausbildung,‘ Arbeits- und Wohnungssuche, gesundheitliche
Versorgung, Rückkehr, Begleitung zu Behörden, Vermittlung von und Begleitung zu
Rechtsanwältlnnen, Ärztinnen u. a. Beraten werden alle Flüchtlinge, mit oder ohne
rechtmäßigen oder geduldeten Aufenthaltsstatus.
Räumlich erstreckt sich die Flüchtlingsberatung der GGUA ‚auf die Stadt Münster
und. ist mit unterschiedliichen Arbeitsschwerpunkten auch in den
Münsterlandkreisen aktiv. Ergänzend besteht aufgrund der Arbeit in der ZUE und
im Projekt Q ein guter Überblick über die Flüchtlings- und Beratungsstruktur im
gesamten Münsterland. In der Stadt Münster selber ist die GGUA die einzige
umfassende hauptamtliche Beratungsstelle für Flüchtlinge und wird als solche von
Politik und Verwaltung der Stadt anerkannt und finanziell unterstützt. Daneben gibt
es in Münster noch die (hauptamtliche) Beratungsstelle des JAZ ‚(Jugend-
ausbildungszentrum gGmbH im Caritasverband Münster), mit der die GGUA - u. a.
im Netzwerk „MAMBA Il“ - kooperiert, sowie die (ehrenamtliche). Flüchtlings-
beratung von Amnesty International, zu der ebenfalls gute Kontakte bestehen.
b) AWO
Der AWO Unterbezirk Münsterland-Recklinghausen bietet ‘vielfältige und
umfassende soziale Dienstleistungen für alle auf . soziale Unterstützung
‚. angewiesenen Zielgruppen. Im Unterbezirk sind über 2000 MitarbeiterInnen
beschäftigt. Über 8000 Mitglieder setzen sich ehrenamtlich für die Ziele der AWO
ein.
In den Migrationsangeboten sind. aktuell 15 MitarbeiterInnen beschäftigt, die an
diversen Standorten im Unterbezirk Angebote. vor allem aus den Bundes- und
Landesprogrammen (JMD, MBE, IA) betreuen. In Münster ist die AWO mit den
Integrationshilfen für arbeitssuchende Menschen mit Migrationsvorgeschichte und
mit einer spezifischen Maßnahme zur ‚Aktivierung von Eltern im Stadtteilbüro
Coerde aktiv. Die Flüchtlingsberatungsstelle der AWO ist in Bocholt angesiedelt.
Sie wird seit 2007 in der Kombination der Flüchtlings- und Rückkehrberatung
betrieben und durch landes- und kommunale Mittel finanziert.
3von9
G G U N Gemeinnützige Gesellschaft AWO Unterbezirk Awo
zur Unterstützung Asylsuchender e. V Münsterland-Recklinghausen
Flüchtlingshilfe
Nicht nur in den originär auf Menschen mit Migrationshintergrund ausgerichteten
Angeboten beweist die AWO ihre interkulturelle Kompetenz. Sie engagiert sich
gerade in sozial schwachen Sozialräumen, die häufig durch einen hohen Anteil von
Menschen mit Migrationshintergrund geprägt sind.
So unterhält der AWO Unterbezirk in Münster: acht Kindertageseinrichtungen bzw. -
Familienzentren. Weitere soziale. Dienstleistungen sind die Ambulanten erzieheri-
schen Hilfen (StartPunkt), der Betreuungsverein, die Schuldner- und Insolvenz-
beratung, der Sozialdienst Wohnungsnoffälle, die Aidsprävention und die
Ambulante Pflege. Die sozialpädagogischen Angebote am Nienkamp, Trauttmans-
dorffstraße und am Rottkamp sind ebenso sozialräumlich ausgerichtet wie das
StadtteilbüroCoerde und die dort angesiedelte Psychologische Beratungsstelle.
Deren MitarbeiterInnen bieten Unterstützung und Beratung bei Fragen der
Kindererziehung, bei Schwierigkeiten mit der Schule, bei Problemen in der Familie .
und generell in persönlichen Krisensituationen. Die Beratung findet im Stadtteilbüro
statt oder auch Zuhause bei den Ratsuchenden und richtet sich. an alle
Einzelpersonen oder Familien aus dem Stadtteil Münster-Coerde. Dadurch dass die
Psychologen in den sozialen Lebensbereichen der Menschen verortet sind, können
Menschen erreicht werden, die bei Problemen von sich aus den Weg zu
Beratungsstellen und anderen fachlichen Institutionen nicht finden würden: Auf
diese Weise kann oftmals für die Menschen im Stadtteil‘ eine Eskalation der
prekären Situation verhindert werden.
c) Kooperation von GGUA und AWO Unterbezirk
Neben den eigenen therapeutischen Angeboten wird ein gewichtiger Schwerpunkt
für das. PSZ die enge Vernetzung aller an der therapeutischen Hilfe für Flüchtlinge -
Beteiligten sein. Durch die Kooperation von GGUA und AWO entsteht eine
außerordentlich gute Möglichkeit der: Vernetzung des PSZ in den städtischen und
fachlichen Zusammenhängen. GGUA und AWO .können dabei auf sehr
unterschiedliche .bereits vorhandene Netzwerkpartner zurückgreifen: soziale
Angebote im jeweils eigenen Verband, 'beteiligte Fach- und Regeldienste, soziale
Arbeitsgemeinschaften, politische Gremien etc.
2. Zielsetzung und Zielgruppe für das Psychosoziale Zentrum für Flüchtlinge
Das Ziel des Psychosozialen Zentrums ist es, Flüchtlingen, die aufgrund
traumatisierender. Erfahrungen in ihrem Herkunftsland, auf dem Fluchtweg oder in
ihrer Exilsituation psychisch erkrankt sind, dahingehend zu unterstützen, wieder
eine individuell tragfähige Perspektive und Handlungsfähigkeit entwickeln zu
können. .
Durch die Einrichtung des PSZ,wird auch eine Entlastung der anderen Beratungs-
und Unterstützungsangebote für Flüchtlinge erwartet. Bisher werden Prozesse in
den . Flüchtlingsberatungsstellen, aber auch in den beteiligten Ämtern wie
Ausländer- oder Sozialamt häufig dadurch erschwert, dass psychisch belastete
Flüchtlinge den situativen Anforderungen nicht gewachsen sind. Es fehlt eine
Stelle, die in diesen Fällen die Ursachen abklärt und entsprechende Hilfsangebote
einleitet.
Avon
IGGUA| Gemeinnützige Gesellschaft AWO Unterbezirk 17)
zur Unterstützung Asylsuchender e.V. Münsterland-Recklinghausen
Flüchtlingshilfe
Das PSZ ist in’diesem Sinne auch eine unverzichtbare Schnittstelle im Netzwerk
aller an der Betreuung von Flüchtlingen beteiligten Stellen.
Die neue EU-Aufnahmerichtlinie (RL 2013/33/EU) wird ab Juli 2015 unmittelbar
anwendbar. Dann ist in der Flüchtlingsaufnahme ein Verfahren zur Identifizierung
schutzbedürftiger Flüchtlinge und ihrer besonderen Bedürfnisse verpflichtend
‘vorgeschrieben. Den besonderen Bedürfnissen dieser Flüchtlinge muss
entsprechend Rechnung getragen werden, was sich nach der Zuweisung auch auf
die Unterstützung in den Kommunen erstreckt. In Bezug auf psychisch belastete‘
Flüchtlinge kann hier das PSZ eine erste Anlauf- und Vermittlungsstelle sein.
Zur Zielgruppe gehören traumatisierte und psychisch kranke Flüchtlinge, die im
Besitz einer Aufenthaltsgestattung oder Duldung und damit leistungsberechtigt
.nach dem Asylbewerberleistungsgesetz sind. Es ist davor auszugehen, dass bis zu
40%. der Asylsuchenden traumatisiert und auf therapeutische Hilfe angewiesen
sind. Mit der stetig steigenden Zahl der Flüchtlinge wird auch die Zahl. dieser
Hilfebedürftigen wachsen. Darüber hinaus stellen die - sich zum Teil über Jahre
hinziehenden - Asylverfahren und die Situation der Kettenduldungen selbst ein
psychisches Belastungspotenzial für Flüchtlinge dar.
3. Konzeptioneller Ansatz des Angebotes eines Psychosozialen Zentrums
GGUA - AWO }
Der erwartete hohe Bedarf an therapeutischer Hilfe'macht es erforderlich, dass das
Psychosoziale Zentrum neben dem eigenen Angebot der psychotherapeutischen
Grundversorgung auch einen. Schwerpunkt auf Vernetzung der Akteure in diesem
Themenfeld und Vermittlung der Therapiebedürftigen in. die psychosoziale
Regelversorgung setzt.
Das Behandlungsangebot richtet: sich anFlüchtlinge, die keinen Anspruch auf .
Krankenkassenleistungen haben und die aufgrund akuter Belastung 'auf einen
niedrig schwelligen Zugang zu einer Psychotherapie angewiesen sind. |
Begleitet wird (die therapeutische Behandlung durch eine soziale Beratung, in der
es zum einen darum geht, Anzeichen von psychischen Erkrankungen zu erkennen
. und die KlientInnen an die Psychologinnen zu vermitteln. Darüber hinaus ist die
Aufgabe der sozialen Beratung vor allem konkrete Lösungsschritte z. B. im
Rahmen des Asylverfahrens, der aufenthalts- und sozialrechtlichen Situation oder
bei der Aufnahme einer ggf. erlaubten Ausbildung oder Beschäftigung zu
erarbeiten. Insbesondere für Jugendliche und junge Erwachsene können die
Erarbeitung von beruflichen Perspektiven den ‚Gesundungsprozess positiv
beeinflussen.
Ergänzt wird die Arbeit durch die Einbindung Ehrenamtlicher insbesondere aus
Kulturkreisen, aus denen auch die Flüchtlinge stammen.
5von9
G G U A Gemeinnützige Gesellschaft - AWO Unterbezirk Awo
zur Unterstützung Asylsuchender e.V. . Münsterland-| "Recklinghausen
Flüchtlingshilfe
Das Angebot des Psychosozialen Zentrums umfasst von daher:
« Erstberatung, Krisenintervention und. psychosoziale Stabilisierung
« Anamnese und Diagnostik, Erstellung von Gutachten
« Bereitstellung von TherapieplätzenVermittlung in traumafokussierte
Psychotherapie und andere psychosoziale Unterstützungsangebote,
+ flankierende soziale Beratung in Bezug auf Aufenthalt, Asyl, Wohnen,
Beschäftigung,
Netzwerk-, Multiplikatoren und Öffentlichkeitsarbeit, insbesondere:
« Auf- und Ausbau eines Netzwerkes zur psychotherapeutischen Behandlung
von Flüchtlingen, von Dolmetscherdiensten etc.
« Kooperation mit Gesundheitsbehörden, Kliniken, Ärzten, Therapeuten und
sozialpsychiatrischen Diensten in Münster und Umgebung und den anderen
Psychosozialen Zentren in Nordrhein-Westfalen, Ausbildung von
Praktikantinnen (Sozialarbeit und Psychologie) \
4. Personal und Standort
Das Innenministerium NRW bezuschusst das Psychosoziale Zentrum mit einem
Anteil an den Personalkosten für einen/eine Psychotherapeut/en/in (1 Vollzeitstelle)
und eine/einen Sozialpädagog/en/in (1/2 VZ-Stelle). Mit dieser Stellenzusammen-
setzung soll das PSZ auch starten. Die GGUA wird eine % Stelle Psycho-
therapeutin und die % Stelle des/der Sozialarbeiterln und die AWO ebenfalls eine
% Stelle Psychotherapeutln für das PSZ beschäftigen.
Die GGUA kann die 1/2 Stelle Psychotherapeut bereits für den. 01.08.2014
besetzen. Die/der Sozialarbeiterln wird ihre Arbeit voraussichtlich auch zum
01.08.2014 aufnehmen. Es wird angestrebt, dass die/der Sozialarbeiterlin eine
Weiterbildung zur „FachberaterIn Psychotraumatologie“ absolviert.
Bei der AWO: ist die Stelle des/der Psychotherapeuten/in in einem qualifizierten
Personalauswahlverfahren noch neu zu besetzen. Als Beschäftigungsbeginn ist der
01.10.2014 geplant.
Das PSZ wird an zwei Standorten verortet und an bestehende Strukturen
angegliedert werden. Der Psychotherapeut und die/der SozialarbeiterIn der GGUA
werden in den Räumen der GGUA in der Innenstadt tätig werden, Bei der AWO
wird der/. die Psychotherapeutin an die psychologische Beratungsstelle im
Stadtteilbüro Münster-Coerde angegliedert. Die Team-Vernetzung findet in der
GGUA statt.
6von9
GGUA| Gemeinnützige Gesellschaft AWO Unterbezirk AWO
zur Unterstützung Asylsuchender e.V. Münsterland-Recklinghausen N
ichtingshie . '
5. Mehrwert für die Stadt Münster .
Der Nutzen eines PSZ für Flüchtlinge ist für die Stadt Münster vielfältig, u. a.:
Einsparung kommunaler Krankenkosten, die nicht vom Land erstattet werden,
durch. Therapien; Reduzierung der. Reisekosten zu auswärtigen
Therapeutinnen ö . .
Entlastung für die Beschäftigten in. der Ausländerbehörde, im Sozial- und
Jugendamt durch niedrigschwellige Krisenintervention und Weiterbehandlung
Stabilisierende Gespräche / Kurzbehandlungen in Verbindung mit Vermittlung‘
in Arbeit reichen oft aus, um das Leben. traumatisierter Menschen wieder ins
Gleichgewicht zu bringen und ihre Selbstheilungskräfte zu aktivieren.
Einbindung des PSZ in die - mit Inkrafttreten der EU-Aufnahmerichtlinie im Juli
2015 - gesetzlich vorgeschriebene Versorgung von Flüchtlingen mit
besonderem Schutzbedarf, zu denen überwiegend Traumatisierte und
psychisch Kranke gehören
Versorgung von. Kindern und Jugendlichen (auch unbegleiteten
minderjährigen Flüchtlingen); Beratung u. a. von Kitas und Schulen
Das PSZ fügt sich in das kommunale Konzept eines humanitären Umgangs
mit Flüchtlingen und stärkt die Bedeutung Münsters als Gesundheits-: und
Medizinstandort ("Gesunde Stadt Münster").
Il. Darlegung der benötigten Finanzierung
Das Psychosoziale Zentrum wird durch das Land mit festen Zuschüssen zu den
Personalkosten gefördert. Diese decken jedoch nicht die Gesamtkosten. für
Personal- und Sachaufwendungen. Für den laufenden Betrieb des PSZ werden die
Ausgaben für das Arbeitgeberbruttogehalt und einen 10%igen Sachkosten-
aufschlag veranschlagt. Die durch den Landeszuschuss bereitgestellte Summe
deckt etwa 55 % dieser Ausgaben.
Die beteiligten Träger sind von daher auf eine tragfähige Kofinanzierung
angewiesen. Für den Beginn des PSZ ist eine Anschübfinanzierung für das Jahr
2014 notwendig, um einen erfolgreichen Aufbau des PSZ zu ermöglichen.
7von9
GGUA
Flüchtiingshilfe
Gemeinnützige Gesellschaft
zur Unterstützung Asylsuchender e.V.
AWO Unterbezirk AWO
Münsterland-Recklinghausen
Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Kalkulation bezogen auf ein
Jahr:
Ausgaben j .
Arbeitgeberbrutto | 1/2 Stelle Sozialpädagogische Fachkraft, ca. |. 31.000,00 €
Vollzeitstelle Psychotherapeut, ca. I 75.000,00 €
. Gesamt Personalkosten 106.000,00 €
Sachkosten 10 % des Arbeitgeberbrutto 10.600,00 €
Ausgaben Gesamt 116.600,00 €
Einnahmen
Landeszuschuss soziale Beratung 19.890,00 € |
Landeszuschuss Psychotherapeut | 44.000,00 €
Einnahmen Gesamt 63.890,00 €
Benötigte Kofinanzierung 52.710,00 €
Für das Jahr 2014 ergibt sich daraus folgender benötigter Zuschuss:
Ausgaben .
Arbeitgeberbrutto | % Stelle Sozialpädagogische Fachkraft,
ab 01.08.2014, 12.915,00 €
'% Stelle Psychotherapeut, GGUA, :
ab 01.08.2014, 15.625,00 €
% Stelle Psychotherapeut, AWO,
ab 01.10.2014, 9.375,00 €
Personalkosten Gesamt 37.915,00 €
Sachkosten 10 % des Arbeitgeberbrutto 3.790,00 €
Erstausstattung | u.a. für die Einrichtung der Arbeitsplätze. 6.250,00 €
- Ausgaben Gesamt 47.955,00 €
Einnahmen
Landeszuschuss soziale Beratung 8.288,00 €
Landeszuschuss Psychotheräpeut 14.667,00 €
Einnahmen Gesamt 22.955,00 €
Benötigte Ko- und Anschubfinanzierung | 25.000,00 €
8von9
IGGUA
Gemeinnützige Gesellschaft . AWO Unterbezirk ( Awo
Flüchtlingshilfe
. zur Unterstützung Asylsuchender e.V, Münsterland-Recklinghausen
Das PSZ entspricht im bisher geplanten Umfang nicht dem vorhandenen und sich
abzeichnend wachsenden Bedarf an psychosozialer Hilfe für- Flüchtlinge. Die
Träger beabsichtigen, das PSZ in den kommenden Jahren über die Akquise
weiterer Projektmittel auszubauen und weiter zu profilieren. Projektanträge zum
neuen Asyl-, .Migrations- und Integrationsfonds (AMIF) der EU sind bereits in
Planung; weitere Möglichkeiten sind Mittel von "Aktion Mensch" mit Blick auf
traumatisierte Kinder und Jugendliche aus Flüchtlingsfamilien. .
Als federführender Träger ist die GGUA Empfänger des beantragten Zuschusses
und leitet den Anteil der AWO an diese weiter.
“"Ansprechpartnerin für den AWO Unterbezirk:
Mirja Düwel
Fachbereichsleitung .
FB Beratung und Betreuung
Clemensstr. 2-4
45699 Herten .
T.02366-109130
m.duewel@awo-msl-re.de
Ansprechpartner für die GGUA:
Dr. Brigitte Derendorf / Dominik Hüging
Vorstand
Südstraße 46
48153 Münster
Tel.: 0251 / 14486-0
vorstand@ggua.de
9von9
Beratungsverlauf (3)
Beschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungBeschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungOrte (3)
- Südstraße 46
- Nienkamp
- Rottkamp
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Details
- Aktenzeichen
- V/0578/2014
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 12.08.2014
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37