1416/2023
Sachstandsbericht zum Prozess "Postkoloniales Erbe der Stadt Köln"
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Anlage_Sachstandbericht Postkoloniales Köln
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1 Anlage: Prozess der Aufarbeitung des Kolonialen Erbes der Stadt Köln (Sachstandsbericht August 2023) Inhalt: Projekt „(Post)koloniales Erbe der Stadt Köln“ Seite 2 Teilprojekt „Prüfung kritischer/undemokratischer Straßennamen“ Seite 3 Öffentlichkeitsbeteiligung im Prozess Seite 3 Förderung und Finanzierung von Projekten und Veranstaltungen Seite 4 Aktivitäten der Museen der Stadt Köln Seite 7 Fazit Seite 8 2 1. Projekt „(Post)koloniales Erbe der Stadt Köln“ Die Verwaltung hat entschieden, das Koloniale Erbe der Stadt Köln umfassend und konsequent in den kommenden Jahren aufzuarbeiten. Hierzu hat das Amt für Integration und Vielfalt ein Konzept erarbeitet, das den breiten gesellschaftlichen Kontext des Themas berücksichtigt und die Bedeutung der Kolonialgeschichte als Kern der Ideologie der Ungleichwertigkeit, der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit, von Rassismus und Diskriminierung sowie die Auswirkungen und den Einfluss des Kolonialismus auf das heutige gesellschaftliche Zusammenleben in den Vordergrund stellt. Dieses Projekt wird federführend durch das Amt für Integration und Vielfalt koordiniert und gesteuert und bindet die Diaspora Communities sowie das zivilgesellschaftliche Engagement ein, das in diesem Bereich schon seit vielen Jahren durch Initiativen, Vereine und Projekte geleistet wird, mit dem Ziel einer Empfehlung für eine gesamtstädtische Positionierung zum Thema. Im Februar 2022 hat sich das Expert*innengremium Postkolonial konstituiert. Es besteht aus durch die Zivilgesellschaft benannten Expert*innen auf dem Gebiet Postkolonialismus. Die Mitglieder sind aufgrund von Vorschlägen und Empfehlungen von Vertreter*innen der Communities und Initiativen des (post)kolonialen Diskurses vorgeschlagen worden und von der Oberbürgermeisterin in das Gremium berufen worden. Das Gremium besteht aus 12 Vertreter*innen der diasporisch-migrantischen Communities (https://www.stadt- koeln.de/leben-in-koeln/soziales/diversityvielfalt/expertinnengremium-postkoloniales-erbe- koelns) sowie der Geschäftsführung des Amts für Integration und Vielfalt, für einen Zeitraum von zwei Jahren. Das Gremium ist interdisziplinär und mehrheitlich mit zwölf diasporisch-migrantischen Expert*innen aus der Zivilgesellschaft besetzt, die sich in ihrer Arbeit aktiv mit der Dekolonisation der Gesellschaft auseinandersetzen. Jeweils einen Platz umfasst eine asiatische Perspektive, eine indigene / lateinamerikanische Perspektive sowie eine Roma/Sinti-Perspektive. Darüber hinaus werden die afro-diasporische Perspektive sowie queere Perspektiven repräsentiert. Das Gremium erarbeitet Handlungsempfehlungen zur Aufarbeitung des Kolonialen Erbes in mehreren Arbeitsgruppen, die nicht Teil dieses Zwischenberichts sind. Die Empfehlungen des Gremiums sollen zusammen mit Anregungen aus der Stadtgesellschaft den politischen Gremien Umsetzungsvorschläge zur Beratung und Beschlussfassung vorlegt werden. Dies ist für Ende 2023 geplant. Um eine gute verwaltungsinterne Abstimmung zu gewährleisten, wurde ein Abstimmungskreis aus verschiedenen Ämtern etabliert, der in regelmäßigen Abständen tagt. Dem internen Kreis gehören Vertreter*innen des Amts für Soziales, Arbeit und Senioren, Rautenstrauch-Joest-Museums, Amt für Liegenschaften, Vermessung und Kataster, Amt der Oberbürgermeisterin – Europa und Internationales, Museumsdienst, Bürgeramt Nippes, Bürgeramt Innenstadt, NS-Dokumentationszentrum, Historisches Archiv mit Rheinischem Bildarchiv, Kulturamt, Amt für Kinder, Jugend und Familie, Referat für Museumsangelegenheiten, Amt für Stadtentwicklung und Statistik, Kölnisches Stadtmuseum, Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Amt für Denkmalschutz und Denkmalpflege, Amt für Weiterbildung, Amt für Schulentwicklung, Amt für öffentliche Ordnung, Amt für Landschaftspflege und Grünflächen, Bühnen sowie dem Amt für Integration und Vielfalt an. 3 2. Teilprojekt „Prüfung kritischer/undemokratischer Straßennamen“ 2021 hat der Verwaltungsvorstand das Projekt „Umgang mit dem (post)-kolonialen Erbe Kölns“ im Amt für Integration und Vielfalt initiiert. In einem Teilprojekt „Straßennamen“ im Amt für Liegenschaften, Vermessung und Kataster wurde ein Konzept zur Untersuchung aller Kölner Straßennamen mit postkolonialem und nationalsozialistischem Hintergrund erarbeitet. Ziel ist es, kritische und undemokratische Straßennamen zu identifizieren und den zuständigen Bezirksvertretungen Handlungsempfehlungen zum Umgang mit diesen problematischen Straßennamen zu übermitteln. Der Umgang mit Straßennamen bietet immer wieder Diskussionsstoff. Konstant stellt sich die Frage des grundsätzlichen Umgangs mit früheren Ehrungen und Straßenbenennungen: Werden Straßennamen, deren Namensgebung heutigen Ansprüchen nicht gerecht werden, im Stadtbild untragbar und müssen deshalb entfernt werden oder sind sie Teil unserer Vergangenheit und sollten deshalb zur Sensibilisierung für die Erinnerungskultur erhalten bleiben? Zur wissenschaftlichen und objektiven Prüfung der Straßennamen wurde im Mai 2022 ein „Historischer Beirat“ einberufen. Dieser besteht aus vier Expert*innen mit nachgewiesener Fachkompetenz sowie hohem Renommee im In- und Ausland. Die Aufgabe des Beirates ist es, Prüfungen von möglicherweise belasteten Straßennamen vorzunehmen und entsprechende Gutachten zu erstellen. Diese werden mit einer Stellungnahme der Verwaltung versehen und abschließend der jeweiligen Bezirksvertretung zur abschließenden Entscheidung vorgelegt, die nach der Kölner Zuständigkeitsordnung über Benennung und Umbenennung von Straßen, die keine überbezirkliche Bedeutung haben, entscheiden. Aus einer fast 6000 Straßennamen umfassenden Liste, die seitens des Historischen Archivs auf Hintergründe zur Straßenbenennung (u.a. Kolonialismus) geprüft wurde und problematische Straßennamen vermerkt wurden, werden im Historischen Beirat einzelne Straßen ausgewählt und deren Benennung durch die Expert*innen überprüft. Das Historische Archiv stellt für diese Gutachten bei Bedarf relevante Quellen aus dem Archivgut zusammen. Inzwischen liegen bereits erste Gutachten vor, die sich auf den Bezirk Ehrenfeld beziehen. Diese betreffen die Wißmannstraße, die Gravenreuthstraße, die Straßen Takufeld, -straße, - platz, die Lansstraße sowie die Iltisstraße. 3. Öffentlichkeitsbeteiligung im Prozess Neben der Identifizierung von Themen für mögliche Betätigungsfelder für die Verwaltung ist eine breite und partizipative Öffentlichkeitsbeteiligung von besonderer Bedeutung. Bereits im Oktober 2022 fand eine erste öffentliche Veranstaltung zum Thema Koloniale Kontinuitäten im Kontext Flucht und Migration statt. Diese Veranstaltung wurde zusammen mit dem Expert*innengremium umgesetzt. Eingeladen waren die beiden Expert*innen Dr. Boniface Mabanza und Lucía Muriel, die über die kolonialen Bezüge im Alltag sprachen, die sich in Stereotypen, Bildern oder der Sprache wiederfinden und die sowohl unser Handeln als auch unsere Einstellungen bis heute prägen. Um die Vielzahl der Akteur*innen einzubeziehen, die sich in Zivilgesellschaft, Institutionen und Politik mit der Thematik in Köln beschäftigen, werden in diesem Jahr weitere Veranstaltungen der Stadt Köln und des Expert*innengremium, in Kooperation mit dem Amt für Weiterbildung/Volkshochschule veranstaltet, um Raum für Information und Diskussion auch in die Stadtgesellschaft hinein zu ermöglichen und zu befördern. Die Veranstaltungsreihe umfasst: Straßen umbenennen? Denkmäler stürzen? Was tun mit den kolonialen Erinnerungsorten in Köln? am 24.02.2023 Restitution, Museen, Zukunft? Neue Perspektiven auf Museen am 15.03.2023 4 Gedenken zum Kriegsende und der Blick auf Afrika im Zweiten Weltkrieg am 12.05.2023 Kolonialismus in Ost- und Südostasien - Geschichte und Auswirkungen auf die Gegenwart am 05.09.2023 Auf der städtischen Website „Postkoloniales Erbe", wird regelmäßig über den Projektverlauf informiert und die Projekte werden dokumentiert. Für eine bessere Sichtbarkeit der Projekte innerhalb des Prozesses und der Aktivitäten des Expert*innengremiums wurde ein eigenes Logo entwickelt. 4. Förderung und Finanzierung von Projekten und Veranstaltungen Neuauflage der Ausstellung „Köln Postkolonial – ein lokalhistorisches Projekt der Erinnerungsarbeit“ als Roll-up Ausstellung. Die Ausstellung beleuchtet die Rolle Kölns im "kolonialen Projekt" des Deutschen Reiches. Als "Kolonialmetropole des Westens" stand das koloniale und kolonialrevisionistische Engagement Kölns den kolonialen Metropolen Hamburg oder Berlin in Nichts nach. Die Ausstellung zeigt auf 35 Tafeln die unterschiedlichen Verstrickungen in der Zeit des realen Kolonialismus und danach. Sie beleuchtet unter anderem zahlreiche Kölner Familien und Unternehmen, die direkt und indirekt Nutzen aus den deutschen Kolonien und den kolonialen Bestrebungen des Deutschen Reiches gezogen haben. Die Ausstellung wurde vom 21. November 2022 bis 30. Januar 2023 im VHS-Studienhaus öffentlich gezeigt. Dort konnte sie nicht nur von Gruppen und der interessierten Öffentlichkeit besucht werden, sondern wurde auch von der Breite der die Volkshochschule täglich besuchenden Teilnehmendenschaft wahrgenommen und teils aktiv diskutiert. Seitdem kann die Ausstellung von Schulen und Bildungseinrichtungen ausgeliehen werden. Ein Angebot für begleitenden Maßnahmen ist derzeit in Kooperation mit dem Expert*innengremium in der Erarbeitung. Ebenfalls im thematischen Kontext und im Rahmen der UN-Dekade Menschen Afrikanischer Herkunft, wurde der „Black History Month 2022“ unterstützt. Mit unterschiedlichen Veranstaltungen wurde ein besonderer Fokus auf Empowerment gelegt. Darüber hinaus soll ein Blick auf Schwarze Geschichte weltweit und in Deutschland im Speziellen geworfen werden und wie Schwarze Menschen gesellschaftlich, politisch und wirtschaftlich in Deutschland angekommen sind und wo sie derzeit stehen. Der Black History Month wurde in Kooperation mit Initiative Schwarze Menschen in Deutschland, Lokalgruppe ISD Köln und der Schwarzen Kölner Selbstorganisation Sonnenblumen Community Development Group e. V. umgesetzt. Unterstützung des „Black History Month 2023“ in Kooperation mit der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland, Lokalgruppe ISD Köln, und der Schwarzen Kölner Selbstorganisation Sonnenblumen Community Development Group e. V sowie den weiteren Kooperationspartner*innen FilmInitiativ Köln e.V, stimmen afrikas, PROUD e.V., Friendship e.V., Afrokultur und die TWM Bibliothek. Die Volkshochschule Köln veranstaltet seit 2017 jährlich eigene Abendveranstaltungen zum Black History Month. Gemeinsam mit dem Amerikahaus NRW bietet sie der breiten Stadtgesellschaft einen regen Austausch mit deutsch- amerikanischen Akteur*innen und Aktivist*innen an und zieht Parallelen vom Globalen bis zur individuellen Ebene. Unter anderem waren im FORUM Volkshochschule zu Gast die bekannte Antirassimus-Trainerin Tupoka Ogette zu Gast, Martin Luther King Jr.s Wahlnichte Juandalynn Abernathy, Publizistin Ciani- Sophia Hoeder und Historikerin Dr. Marion Kracht oder Blacktivistin Dr. Michaela Dudley, die postkoloniale, rassistische und weitere diskriminierende Strukturen, die 5 historisch skizziert und bis ins Heute erklärt und sichtbar gemacht werden. Unterstützung der Veranstaltung „Postcolonial Complexities" am 29.08.2022 im Stadtarchiv Köln zum Thema "Black Germans" in Jamaica, Vortrag von Dr. Laura Obermuller, Dozentin an der The University of the West Indies, Mona in Jamaika. Der Vortrag hatte den Einsatz deutscher Einwanderer zwischen 1834 und 1838 auf Zuckerplantagen in Jamaika zum Thema. Diese koloniale Initiative war die erste ihrer Art von Arbeitsmigration aus dem globalen Norden in den globalen Süden in Jamaika. Abgesehen von seiner beabsichtigten Rolle als Maßnahme gegen den Arbeitskräftemangel kann die deutsche Einwanderung heute als ein groß angelegtes soziales Experiment betrachtet werden, das eine grundlegende, aber ansonsten verborgene Dimension der strukturellen Ungleichheit offenbart. Diese strukturelle Ungleichheit kann wiederum als Ursache für die Entstehung von "zwei Jamaikas" mit sehr unterschiedlichen Lebens- und Gesundheitsverläufen betrachtet werden. Der Vortrag und die anschließende Diskussion haben ein Schlaglicht auf einige dieser rassischen und kulturellen Komplexitäten der "Schwarzen Deutschen" in Jamaika geworfen. Im Oktober 2022 fand in Kooperation mit dem Amt für Weiterbildung/Volkshochschule das jährlich stattfindende zentrale Event des stimmen afrikas e.V. im FORUM Volkshochschule statt, gemeinsam mit weiteren Workshops im VHS-Studienhaus, welche afrikanischen Sprachen und den Stimmen Schwarzer Künstler*innen vor Ort und in der Diaspora mehr Aufmerksamkeit und Sichtbarkeit verleihen und sich für den Erhalt der Vielfalt und Herkunft / Identität afrikanischer Sprachen einsetzt. In 2022 widmete sich das zentrale Event dem „New Daughters of Africa“. Unterstützung des „Proud Event Pop-Up Market“, einer Messe für afrodiasporische Unternehmer*innen, Kunst und Kultur. Das PROUD-Event ist ein Black-Owned Business Pop-Up Markt. Ziel der Veranstaltung war es, die Sichtbarkeit Schwarzer und afro-diasporischer Menschen in Deutschland darzustellen. Die Veranstaltung stand allen Menschen in Köln offen und es gab ein umfangreiches Rahmenprogramm. Darunter nicht nur zahlreiche Ausstellungen von Black-Owned Businesses und Dienstleistungen, sondern auch Workshops zu Themen wie Selbstverwirklichung, Schaffung eines guten Arbeitsumfeldes, wirtschaftliche Unabhängigkeit und Social Media Marketing. Den Fokus der jährlich stattfindenden Veranstaltung zum Internationalen Tag gegen Rassismus 2023 setzte die Volkshochschule Köln auf Geschichte und Gegenwart des Rassismus in Deutschland. Hier fanden Ganztags-Workshops in Kooperation mit der AWO Integrationsagentur, dem Kommunalen Integrationszentrum im Amt für Integration und Vielfalt und BANDAS e.V. statt, die zu Postkolonialismus in Köln, den rassistischen Anschlägen und Übergriffen in Hanau, Dortmund oder Köln-Porz, Safe Spaces, Rassismus gegen Rom*nja und Sinti*ze oder das Aktivwerden gegen Rassismus und Rechtsextremismus informierten und den aktiven Austausch von knapp 200 Kölner Jugendlichen beförderten. Mitte Februar 2022 hat die Theodor Wonja Michael Bibliothek ihre Pforten geöffnet. Mit der Bibliothek schafft der afro-diasporische Verein Sonnenblumen Community Development Group e. V. einen Ort für Austausch, Bildung und Empowerment. Der Fokus liegt hierbei auf der Vermittlung eines vorurteilsfreien und dekolonialen Bildes von Afrika und Menschen afrikanischer Herkunft. Die Eröffnung umfasste u.a. Online- Lesungen mit Serge Palasie, Emilene Wopana Mudimu, Dr. Keith Hamaimbo und dem TWM-Bibliotheksteam. Aktion zum Internationalen Tag zur Erinnerung an den Sklavenhandel und dessen Abschaffung. Anlässlich dieses Gedenktages sind Kurzinterviews produziert 6 worden, die an diesen Tag erinnern und die Geschichte sowie die Bedeutung des Sklavenhandels für Köln beleuchtet. Die Interviews wurden geführt mit: Bebero Lehmann, Decolonize Cologne; Serge Palasie, Fachpromotor für Entwicklungspolitische Bildungsarbeit mit Fokus Afrika beim Eine Welt- Landesnetzwerk NRW; Joanna Peprah, ISD Köln e. V. und Glenda Obermuller, Theodor-Wonja-Michael Bibliothek. 2022 und 2023 organisierte und führte die Volkshochschule Köln gemeinsam mit anderen landesweiten Bildungsträgern das „NRW-Barcamp zu Intersektionalität“ durch, in dem unterschiedliche strukturelle Formen von Machtausübung und Gewalt bei Schutzraumkonzepten Beachtung fanden sowie auch der Komplex des Postkolonialismus eine Rolle spielte. Das Kommunale Integrationszentrum Köln im Amt für Integration und Vielfalt finanzierte durch das Landesprogramm KOMM-AN NRW Sachmittel für „December Come Together“ im Kulturbunker Mülheim für die Afro Diaspora in Köln. Diese vorweihnachtliche Veranstaltung hatte das Ziel, die Afro Community zu empowern und eine Verbindung zwischen den bereits hier lebenden und zum Teil geborenen Kölner*innen und Menschen mit aktueller Fluchtgeschichte aus Afrika aufzubauen. Hauptveranstalter waren Ehrenamtliche des auch in Köln aktiven eingetragenen Vereins „Palast der Löwin“ - ein Creative Space für Künstlerinnen, Kreative und Unternehmerinnen aus der Afrikanischen, Afro-Deutschen, Black, Indigenous und People of Colour (BIPoC) Community. Unterstützung des Projektes und der Veranstaltung „Schwarz bewegt(e) Literatur – Meinungsfreiheit ohne Rassismus“. Hierbei handelte es sich um eine Veranstaltung als Plattform für BIPOC Autor*innen mit Lesungen und Bücherständen. Mit Mitteln des Programms NRWeltoffen konnten durch das Amt für Integration und Vielfalt Postkoloniale-Projekte des AfriCologne Festivals, des Antikolonialer Raum Köln sowie das Bildungsprojekt „Kolonialismus in unserer Stadt - Multiplikator:innen- Ausbildung für Postkolonial-Workshops im Kölner Stadtgebiet" des Integrationshauses Kalk unterstützt und gefördert werden. Vom 30. Mai bis 11. Juni 2023 fand das Programm im Rahmen von African Futures in Köln statt. Das Festival steht im Kontext der an der Universität zu Köln gastierenden größten europäischen Afrikatagung „European Conference on African Studies“ (ECAS). Wie die Konferenz will das Festival die Komplexität, Vielschichtigkeit und Kreativität des modernen Afrika und seiner Diaspora - zwischen Wissenschaft und Politik, Kunst und Kultur, Gesellschaft und Wirtschaft beleuchten sowie die globalen Verflechtungen der Zukunftsgestaltung auf dem afrikanischen Kontinent in Vergangenheit und Gegenwart debattieren. Auch abseits des wissenschaftlichen Kontextes haben Aspekte der Afrikaforschung wie Migration, Nachhaltigkeit, Digitalisierung, Wirtschaftsförderung, Infrastrukturen und Zukunftsgestaltung eine zentrale Bedeutung über die Grenzen des afrikanischen Kontinents hinaus. Zusammen mit vielen Kooperationspartner*innen lud die Stadt Köln unter dem Titel African Futures zu einem vielfältigen Festival-Programm mit Wissenschaft, Politik, Kultur, Kunst, Gesellschaft und Wirtschaft, ein. African Futures möchte dazu beitragen, das oft noch von Stereotypen geprägte Afrikabild zu verändern und die Diversität, Potentiale und vielfältigen Perspektiven des Kontinents in den Fokus zu stellen. Es wurden auch die kolonialen Spuren und die Folgen des Kolonialismus für das Zusammenleben in Köln thematisiert, ebenso das Verhältnis zwischen Europa und Afrika, das ebenfalls noch von den Folgen des Kolonialismus geprägt ist. Es fanden in dem Zeitraum über 100 Veranstaltungen mit etwa 50 unterschiedlichen Kooperationspartner*innen aus den Communities, Wissenschaft 7 und Kunst und Kultur statt. Das Event wird mit ca. 200.000 Euro aus städtischen Mitteln finanziert. Die Stadt strebt zu dem Thema zusätzlich eine enge internationale Vernetzung an. Hierbei steht nicht nur die engere Kooperation mit den Partnerstädten Kölns im Vordergrund, sondern auch der internationale Austausch im Rahmen der Europäischen Städtekoalition gegen Rassismus (ECCAR). Hierdurch steht sie im Austausch u.a. mit Wien, Helsinki, Nantes, Bordeaux, Toulouse, Nizza, Berlin, Heidelberg, Nürnberg, Bologna, Rotterdam, Barcelona, Malmö, Bern, Lausanne, Zürich. Innerhalb des Prozesses werden sich auch Schnittstellen zu den Themen Nachhaltigkeit und Faire Beschaffung ergeben. Der skizzierte Prozess wird langfristig sein und verschiedene offene Veranstaltungs- und Beteiligungsformate beinhalten. Dabei ist geplant, dass die Formate einen niedrigschwelligen Zugang zum Thema bieten, um eine kontinuierliche und zugängliche Mitarbeit der Stadtgesellschaft zu gewährleisten. Auf Initiative des Vertreters des UN-Hochkommissars für Menschenrechte, Moctar Ndoye, der anlässlich der European Conference on African Studies Köln besuchte und sich mit Oberbürgermeisterin Reker austauschen konnte, hatte die Stadt Köln die Möglichkeit der Zulieferung eines schriftlichen Beitrags über ihre Aktivitäten in den Themenfelder Aufarbeitung des kolonialen Erbes und Antirassismusarbeit für den Abschlussbericht des UN-Hochkommissars für Menschenrechte zum Ende der Dekade Menschen afrikanischer Herkunft. Dies stellt eine besondere Würdigung der Kölner Aktivitäten da, die innerhalb der UN weltweit Beachtung finden werden. 5. Aktivitäten der Museen der Stadt Köln Der Museumsdienst arbeitet eng mit den Museen zusammen und entwickelt Programme, die inhaltlich auf die Häuser abgestimmt sind. Von den neun Museen der Stadt Köln beschäftigt sich das Rautenstrauch-Joest-Museum (RJM) am stärksten mit seinen eigenen Dekolonisierungsprozessen sowie mit Themen wie Diversität und Teilhabe. Im Einklang mit dieser Strategie hat der Museumsdienst zwei neue Bildungs- bzw. Vermittlungsprogramme entwickelt: eine Fortbildung für Lehrer*innen und eine Führung zum Thema Queerness. Außerdem werden Führungen zu den Themen Provenienz und Restitution angeboten. Im Rautenstrauch-Joest-Museum werden folgende Veranstaltungsformate zum Thema Kolonialismus und Dekolonisation angeboten: 5.1 Fortbildung für Lehrkräfte zum Thema Antirassismus / Kolonialkritische Einblicke in die Dauerausstellung des RJM Ricardo Marquez, ehemaliger Junior Curator des RJM, hat im Rahmen einer Kooperation mit dem Integrationshaus e.V. die Führung „Der Mensch in seinen ANTIKOLONIALEN Welten.“, konzipiert. Die Leitfrage der Bildungsveranstaltung lautet: Wie kann ein Museum ein demokratischer Ort werden? In diesem Rundgang dient die Dauerausstellung als Grundlage für eine kritische Auseinandersetzung mit Themen wie Kolonisierung, Eurozentrismus und Rassismus. Gemeinsam mit Lehrer*innen wird diskutiert, welche Rolle die Folgen des Kolonialismus im schulischen Alltag spielt. 5.2 Bildungsveranstaltung zum Thema Queerness (ab. Sommer 2023 mit Workshop) Mit dem Kolonialismus ging nicht nur die territoriale Enteignung kolonisierter Gebiete, sondern auch das Aufzwingen von Wert- und Normvorstellungen einher, die meistens in Einklang mit christlichen Geboten standen. In dieser dialogischen Führung werden vorherrschende (hetero/patriarchalische) Normen anhand von Objekten aus der Sammlung 8 kritisch hinterfragt und Leerstellen identifiziert. Der Fokus dieses experimentellen Formats liegt auf geschlechtlicher und sexueller Vielfalt sowie Geschlechterrollen in (post)kolonialen Kontexten – aus ethnologischer, historischer und zeitgenössischer Perspektive. 5.3 Bildungsveranstaltung zum Thema Provenienz Die Frage nach der Herkunft ethnologischer Sammlungen steht mehr denn je im Fokus einer öffentlichen und internationalen Debatte. In diesem Rundgang erfahren die Besucher*innen mehr darüber, wie die Kölner Sammlung überhaupt zustande kam: Unter welchen Umständen, wann, wo und von wem wurden die Objekte gesammelt? Und welche Rolle spielen sie heute in ihren Herkunftsregionen? Diese Führung geht auf Fragen von Provenienz und Restitution ein und fragt, wie diese Debatten zur Überwindung kolonialen Unrechts beitragen können. 5.4 Bildungsveranstaltung zum Thema Restitution (Reihe: „I MISS YOU. Über das Vermissen, Zurückgeben und Erinnern“) Was bedeuten die brisanten Restitutionsdebatten konkret für die Menschen, die davon betroffen sind? "I MISS YOU!" ist eine Reihe über Trauer, gebrochene Erinnerungen und Leere. In "I MISS YOU!" werden Fragestellungen anhand von umstrittenen Museumsobjekten, die von Restitutionsforderungen betroffen sind, auf poetische und empathische Weise im Raum sichtbar gemacht und den Museumsbesucher*innen nahegebracht. Auch das Vermittlungsprogramm zu den kommenden Sonderausstellungen („Artist meets Archive“ mit der südafrikanischen Künstlerin Lebohang Kganye, „Borderstories“ zum Thema Grenzgebiete und „Revisions“ zur Perspektive der indigenen Nationen Australiens auf ihre Geschichte) wird antikoloniale Blickwinkel eröffnen. Im Museum für Ostasiatische Kunst wurden und werden Themen der Kolonialgeschichte in den Ausstellungen „Brennpunkt Asien“ (2021-22) sowie in der kommenden Ausstellung „Silber für Tsingtau“ (Mai-Oktober 2023) sowie im jeweils dazugehörigen Vermittlungsprogramm behandelt. Das Museum Ludwig widmet sich ebenfalls in den letzten Jahren verstärkt antikolonialen Themen. Besonders zu nennen sind hier die Ausstellung „Mapping the Collection“ sowie „HIER und JETZT: Antikoloniale Eingriffe“. Außerdem wurden Objektschilder überarbeitet, um rassismus- und kolonialkritische Perspektiven besser abbilden zu können. Vergleichbare Bemühungen um eine Dekolonialisierung des Sprachgebrauchs wurden auch an anderen Museen unternommen, sowohl in der Verwendung von Sprache in Publikationen der Museen als auch durch die Schulung und Sensibilisierung der freien Mitarbeiter, die in der Vermittlung tätig sind. Entsprechende Veranstaltungen haben beispielsweise am NSDOK und am RJM stattgefunden, bei denen es nicht nur um den Sprachgebrauch, sondern auch um das Selbstverständnis und die Positionierung in einem postkolonialen Kontext ging (Stichwort Critical Whiteness). Eine weitere Fortbildung gab es am RJM zum Thema Queerness und Rassismus. 6. Fazit Mit dem Projekt zur Aufarbeitung und Beschäftigung mit dem kolonialen Erbe der Stadt Köln hat die Stadt Köln einen Prozess gestartet, der die laufenden Aktivitäten verschiedener Fachämter und Institutionen der Stadt bündelt. Dabei konnten seit Beginn schon einige öffentlichkeitswirksame Projekte umgesetzt werden, die das Thema multiperspektiv betrachten. Insbesondere die unterschiedlichen Kultureinrichtungen der Stadt, wie das Rautenstrauch-Joest-Museum haben nicht unwesentlich zur Sichtbarkeit der Thematik 9 beigetragen. Es ist deutlich geworden, dass das Projekt „(Post)koloniales Erbe der Stadt Köln“ und insbesondere die Einrichtung des Expert*innengremium zu einer starken öffentlichen Wahrnehmung des Themas und zu einem gesellschaftlichen Diskurs geführt hat, der fortzuführen ist.
Mitteilung Ausschuss
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Dezernat, Dienststelle OB/16/161/2 Vorlagen-Nummer 13.09.2023 1416/2023 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Ausschuss für Soziales, Seniorinnen und Senioren 14.09.2023 Ausschuss Schule und Weiterbildung 18.09.2023 Bezirksvertretung 9 (Mülheim) 18.09.2023 Bezirksvertretung 8 (Kalk) 21.09.2023 Ausschuss Allgemeine Verwaltung und Rechtsfragen / Vergabe / In- ternationales 25.09.2023 Bezirksvertretung 2 (Rodenkirchen) 25.09.2023 Bezirksvertretung 4 (Ehrenfeld) 25.09.2023 Ausschuss Kunst und Kultur 26.09.2023 Bezirksvertretung 6 (Chorweiler) 27.09.2023 Bezirksvertretung 1 (Innenstadt) 19.10.2023 Bezirksvertretung 5 (Nippes) 19.10.2023 Bezirksvertretung 7 (Porz) 19.10.2023 Bezirksvertretung 3 (Lindenthal) 23.10.2023 Integrationsrat 14.11.2023 Stadtarbeitsgemeinschaft Behindertenpolitik 21.11.2023 Stadtarbeitsgemeinschaft Queerpolitik 23.11.2023 Sachstandsbericht zum Prozess "Postkoloniales Erbe der Stadt Köln" Zusammenfassung in einfacher Sprache: Die Stadt Köln hat sich entschieden den Umgang mit dem Erbe der Kolonialzeit aufzuarbeiten. Kolonialismus bedeutet: Ein Land erobert Gebiete in einem anderen Land. Meistens liegt das eroberte Land in einem anderen Teil der Welt, auf einem anderen Kontinent. Lange wurde in 2 Deutschland nicht über die Zeit der Kolonien gesprochen. Die Deutschen haben den Men- schen in den Kolonien viel Leid zugefügt. Die Stadt möchte aufarbeiten wie sie mit dieser Erin- nerung umgeht. Dazu hat sie verschiedene Projekte gestartet. Und sie hat ein Gremium von Expert*innen gegründet. Dieses Gremium unterstützt die Stadt bei der Beantwortung der Frage der Erinnerung. Die Stadt Köln nimmt sich der vielen Fragen an und hat dafür einen Prozess gestartet. An diesem Prozess sind viele Ämter der Stadt Köln beteiligt. Die Mitteilung zeigt was die Stadt Köln bereits alles gemacht hat. Mitteilungstext: Im Juni 2021 hat die Verwaltung die Politik über das Konzept der Beschäftigung mit dem kolo- nialen Erbe der Stadt Köln unterrichtet (1723/2021). Ein erster Zwischenbericht wurde für 2022 angekündigt, dieser hat sich jedoch aufgrund der Corona-bedingten Situation verscho- ben. Einen Zwischenbericht über die bereits erfolgten Maßnahmen in Bezug auf die Konstitu- ierung des Expert*innengremiums, der Öffentlichkeitsbeteiligung und der weiteren Aktivitäten der Stadtverwaltung mit der Thematik wird hiermit gegeben. Anlage: Prozess der Aufarbeitung des Kolonialen Erbes der Stadt Köln (Sachstandsbericht August 2023) Gez. Reker
Beratungsverlauf (16)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
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Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 1416/2023
- Typ
- Mitteilung Ausschuss
- Datum
- 13.09.2023
- Erstellt
- 27.04.2023 13:22