V/0512/2008
4. Entwicklungspolitischer Nord-Süd-Preis der Stadt Münster / bürger:sinn:stiftung 2008
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Berichtsvorlage
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V/0512/2008 DER OBERBÜRGERMEISTER Amt des Rates und des Oberbürgermeisters Betrifft 4. Entwicklungspolitischer Nord-Süd-Preis der Stadt Münster / bürger:sinn:stiftung 2008 Beratungsfolge 18.06.2008 Hauptausschuss Bericht 18.06.2008 Rat Bericht Bericht: Der Hauptausschuss hat in seiner Sitzung am 20.06.2001 beschlossen, dass die Stadt Münster jedes zweite Jahr einen “Entwicklungspolitischen Nord-Süd-Preis” verleiht. Die Preissumme be- trägt jeweils insgesamt 5000 Euro und kann auf mehrere Preisträger aufgeteilt werden. Der Preis wurde erstmalig im Jahr 2002 vergeben. Ab dem Jahr 2008 wird das Preisgeld i.H.v. 5000 €uro von der bürger:sinn:stiftung zur Verfügung gestellt. Die Stadt Münster ist entsprechend Beschluss des Hauptausschusses vom 27.09.2006 (Vorlage V/0677/2006) weiterhin Ausloberin des Preises und leistet bei der organisatorischen Abwicklung der Ausschreibung, der Preisrichterauswahl und der Preisverleihung die erforderliche personelle Unterstützung. Ein aus sechs unabhängigen Personen des öffentlichen Lebens, darunter eine Vertreterin der bürger:sinn:stiftung, bestehendes Preisgericht hat aus den eingegangenen 18 Bewerbungen die diesjährigen Preisträger ausgewählt. Gemäß Ziffer 7 der “Bestimmungen über die Auslobung des Entwicklungspolitischen Nord-Süd- Preises der Stadt Münster/ bürger:sinn:stiftung vom 20.06.2001, zuletzt geändert durch Be- schluss des Hauptausschusses vom 13.06.2007, sind die preisgekrönten Arbeiten und die Na- men der Preisträger dem Rat bekannt zu geben. Die Preisträger sowie deren ausgezeichneten Arbeiten sind als Anlage beigefügt. gez. Dr. Tillmann Anlagen: Vorlagen-Nr.: V/0512/2008 Auskunft erteilt: Frau Rietkötter Ruf: 492 60 43 E-Mail: Rietkoetter@stadt-muenster.de Datum: 06.06.2008 Öffentliche Berichtsvorlage
Anlage zur Vorlage V-0512-2008
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Anlage zur Vorlage V/0512/2008 Preisträger/innen des 4. Entwicklungspolitischen No rd-Süd-Preises der Stadt Müns- ter/ bürger:sinn:stiftung 2008 Das Preisgericht hat aus den 18 Bewerber/innen zwei gleichrangige Preisträger/innen ermittelt und mit einem Preisgeld i.H.v jeweils 2000 €uro ausgeze ichnet. Zwei Bewerber/innen erhielten einen mit jeweils 500 Euro dotierten Ehrenpreis. Im Einzelnen wurden folgende Preisträger ermittelt: Preisträger: La tienda e.V. la tienda e.V. wurde mit dem Entwicklungspolitische n Nord-Süd-Preis der Stadt Münster/ bür- ger:sinn:stiftung 2008 für das Projekt „Blick über den Tellerrand - Eine gerechtere Welt durch fairen Handel“ ausgezeichnet. Begründung: Der gemeinnützige entwicklungspolitische Verein engagiert sich seit 1993 für fairen internationalen Handel, der auf Partnerschaft, Dialog, Transparenz und Gerechtigkeit beruht. Mit dem eigenen Ladenlokal in Münster zeigt der Verein beispielhaft , dass internationaler Handel nach diesen Prin- zipien funktionieren kann und wie durch kommunales Engagement zur Sicherung der sozialen Rechte benachteiligter Produzenten und Arbeiter bei getragen wird. Durch ihr Engagement leisten die 69 Vereinsmitglieder insbesondere in den Länder n des Südens einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung. Auch mit den erwirtschaft eten Gewinnen werden entwicklungspolitische Projekte und Kooperationspartner unterstützt. Als Konsument internationaler Produkte ist es jedem Bürger grundsätzlich möglich, fairen Handel zu unte rstützen – oftmals fehlt es dafür jedoch am Bewusstsein für die Problematik der Welthandelsstru kturen. Durch vielfältiges bildungspolitisches Engagement und Öffentlichkeitsarbeit setzt sich la tienda e.V. für diese Bewusstseinbildung ein und schafft Verständnis für die Vielschichtigkeit d er Problembereiche und Verantwortlichkeiten globalen Handels. Mit dem diesjährigen entwicklungs politischen Nord-Süd-Preis der Stadt Müns- ter/ bürger:sinn:stiftung wird speziell das Bildung sprojekt „Eine gerechtere Welt durch fairen Han- del“, Multiplikatorenschulungen in der entwicklungs politischen Bildungsarbeit des la tienda e.V., ausgezeichnet. Das Projekt wurde bereits 2005 initi iert und bis zu seinem Abschluss im Herbst 2007 mit beachtlichem Erfolg durchgeführt. Unter fa chlicher Anleitung wurden Multiplikatorenschu- lungen angeboten, in denen die Teilnehmer fachüberg reifende Unterrichtseinheiten für verschie- dene Schulformen und Altersgruppen erarbeiteten. An hand anschaulicher und alltagsnaher Pro- dukte wie etwa „Turnschuhe“ oder „Schokolade“ wird das komplexe Thema „Fairer Handel“ ge- meinsam mit den Schülern und Schülerinnen erarbeite t und diskutiert. Über 107 Lehreinheiten wurden in Form von Unterrichtsbesuchen, Projekttage n und Projektwochen durchgeführt – mehr als in der Projektzielsetzung zunächst formuliert w urde. Aktuell werden weitere Multiplikatoren ge- schult und das Bildungsangebot durch weitere außerschulische Bildungsangebote und kommunale Vernetzung mit lokalen Organisationen ergänzt und g estärkt. Mit dem diesjährigen Nord-Süd-Preis wurde dieses bildungspolitische Engagement des la t ienda e.V. ausgezeichnet. Besonders hervor- zuheben ist der Leitgedanke des „Globalen Lernens“, in dem Elemente der Umwelt-, Entwicklungs- , Friedens- und interkulturellen Pädagogik zusammen geführt werden. Die Unterrichtseinheiten zei- gen beispielhaft, wie Schülern und Schülerinnen ver schiedener Altersgruppen das komplexe The- ma spannend vermittelt und die Brücke zum eigenen L ebensalltag geschlagen werden kann. Das umfassende entwicklungspolitische Engagement der Ve reinsmitglieder, die sowohl fairen Handel betreiben als auch Aufklärungs- und Bildungsarbeit leisten, zeichnet den Verein als entwicklungs- politischen Akteur in Münster ganz besonders aus. Preisträger fair.Pla.net eG, internationale Genossenschaft für Klima, Energie und Entwicklung fair.Pla.net eG wurde mit dem Entwicklungspolitisch en Nord-Süd-Preis der Stadt Münster/ bür- ger:sinn:stiftung 2008 für die innovative Vermittlu ng der Einsicht, dass Umweltschutz und Entwick- lungsförderung lokal und global Zukunfts-Investitionen sind, ausgezeichnet. Begründung: Die fairPla.net eG ist eine eingetragene Genossensc haft mit Sitz in Münster. Sie versteht sich als internationale Genossenschaft für Klima, Energie un d Entwicklung. Die fairPla.net eG setzt unter der Zielsetzung internationalen Umweltschutzes und gerechter Globalisierung erneuerbare Ener- gieprojekte sowohl in Deutschland wie auch in Partn erländern des Südens und Ostens der Erde um. Das Preisgericht hat bei fairPla.net insbesonde re den neuen und zukunftsweisenden ent- wicklungs- und bildungspolitischen Ansatz hervorgeh oben. fairPla.net versucht, in einer sehr inno- vativen und attraktiven Form globalen Wirtschaftens drei Ziele gleichzeitig zu erreichen: • Die Armutsbekämpfung und Entwicklungsförderung im „Süden“ und „Osten“, • Die Verbesserung des globalen Klima- und Umweltsch utzes, • die Schaffung von Arbeitsplätzen (vor allem im Sek tor der erneuerbaren Energien) im „Nor- den“. Konkret geschieht dies durch die Finanzierung sowie den Aufbau und Betrieb erneuerbarer Ener- gieprojekte weltweit. Diese Projekte werden durch d ie Genossenschaft fairPla.net finanziert, wobei die Genossenschaft die notwendigen Finanzmittel aus Genossenschaftsanteilen aufbringt, die von Menschen und Initiativen aus unterschiedlichen Regi onen der Erde gezeichnet werden können. Die Mitglieder der Genossenschaft investieren somit mit ihren Anteilen in umweltfreundliche Ener- gieprojekte – und zwar parallel im reichen Norden w ie im benachteiligten Süden und Osten der Erde. Dabei geben sie ihr Geld nicht als Spende, wi e es der sonst übliche Weg wäre, sondern aus dem Betrieb der Anlagen sollen jährlich 2 – 3 % Div idende erwirtschaftet werden (so das Eigenziel der Genossenschaft), die dann auch an die Mitgliede r der Genossenschaft als Rendite auf ihre Genossenschaftsanteile ausgeschüttet werden. Sowohl aus entwicklungs- als auch aus bildungs- politischer Perspektive ist nach Ansicht des Preisg erichts der Ansatz von fairPla.net besonders überzeugend. Über die besondere Organisationsstrukt ur (Genossenschaft) erreicht fairPla.net gleich mehrere überaus positive Effekte: • Im Nord-Süd-Verhältnis (bzw. Nord-Ost-Verhältnis) ist ein partnerschaftliches Modell vorgege- ben, da keine Gelder gespendet werden, sondern es s ich um die Unterstützung von Investiti- onsprojekten handelt. • So werden auch dauerhafte Abhängigkeiten aufgrund permanenter Geldflüsse von Nord nach Süd vermieden. • Es werden im Norden und im Süden keine (Ein-Mal-)S pender gesucht, sondern die Unterstüt- zer binden sich langfristig über die Zeichnung von Genossenschaftsanteilen an die Organisati- on. Aus diesem Grund werden sie sich auch intensiv mit den Zielen der Organisation (und da- mit mit entwicklungs- und umweltpolitischen Inhalten) auseinandersetzen. • Umweltschutz und (globale) Entwicklungsförderung w erden nicht als „Almosen“, Spende, verlo- rener Zuschuss etc., sondern als Zukunfts-Investition begreifbar. Ehrenpreise Cactus Junges Theater und GGUA-Flüchtlingshilfe - G emeinnützige Gesellschaft zur Unterstüt- zung Asylsuchender e.V. Cactus Junges Theater erhielt einen Ehrenpreis für den interkulturellen und internationalen Schwerpunkt seiner Arbeit, mit der junge Menschen a ngeregt werden, sich gesellschaftspolitisch und ehrenamtlich zu engagieren. Die GGUA-Flüchtling shilfe - Gemeinnützige Gesellschaft zur Un- terstützung Asylsuchender e.V. erhielt einen Ehrenpreis für das Projekt „Integration begleiten“. Begründung: Cactus Junges Theater als offenes Theaterensemble s ucht den multikulturellen Austausch und widmet sich gesellschaftlich relevanten Fragen nach der Stellung von Jugendlichen in der Gesell- schaft, nach Geschlechterrollen und dem interkultur ellen Dialog. Dass Cactus junge Menschen anregt, sich gesellschaftspolitisch und ehrenamtlic h zu engagieren und damit motivierend und be- wusstseinsbildend agiert, ist ein besonders hervorz uhebender Aspekt. Die Vielzahl der allein für dieses Jahr geplanten Cactus-Projekte ist beeindruckend, dem Theater ist eine große Professiona- lität zu bescheinigen. Die GGUA -Flüchtlingshilfe, mit Sitz in Münster, be steht seit mehr als 30 Jahren und realisiert im Rahmen ihrer Flüchtlingshilfe verschiedene Projekte . Das Projekt „Integration begleiten“ spricht in einer Vielzahl von Unterprojekten verschiedene Ziel gruppen an: Schüler und Schülerinnen, Famili- en, Frauen, Jugendliche. Im „Schlauberger-Schulproj ekt“ beispielsweise setzen sich Münsteraner Bürgerinnen und Bürger für individuelle Förderung v on Kindern mit Flüchtlings- und Migrationshin- tergrund ein, im „Quassel-Café“ kommen Frauen unter schiedlicher nationaler Herkunft zu einem Austausch zusammen, im Krumping-Projekt „Tanz deine Wut“ geht es um das Angebot alternativer Ausdrucksformen für Jugendliche mit und ohne Migrat ionshintergrund. In den Projekten kommen Münsteraner Bürgerinnen und Bürger mit und ohne Mig rationshintergrund zusammen; Integration und Förderung sind also wechselseitig angelegt. Beg leitet wird dieses ehrenamtliche Engagement Münsteraner Bürgerinnen und Bürger von einer seit m ehr als 30 Jahren professionell arbeitenden Nichtregierungs-Organisation, der GGUA - Flüchtling shilfe, die in all den Jahren Flüchtlingen in unserer Stadt mit Rat und Tat zur Seite stand. Mit dem Entwicklungspolitischen Nord-Süd-Preis für „Integration begleiten“ wollte das Preisgericht die wertvolle Arbeit der GGUA hervorheben.
Beratungsverlauf (2)
Details
- Vorlagen-Nr.
- V/0512/2008
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 06.06.2008
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37