V/0384/2009
Konzertierte Aktion Wissenschaftsstadt Münster - 2. Sachstandsbericht: Projekte in den drei thematischen Schwerpunkten
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Berichtsvorlage
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V/0384/2009 DER OBERBÜRGERMEISTER Münster Marketing Betrifft Konzertierte Aktion Wissenschaftsstadt Münster - 2. Sachstandsbericht: Projekte in den drei thematischen Schwerpunkten Beratungsfolge 10.06.2009 Werksausschuss Münster Marketing Bericht 24.06.2009 Hauptausschuss Bericht 24.06.2009 Rat Bericht Bericht: Vorbemerkung Mit der Vorlage V/0118/2004 hat der Rat der Stadt Münster am 26. Mai 2004 einstimmig beschlossen, die Profilierung Münsters als Stadt mit „Wissenschaft und Lebensart“ in Stadtentwicklung und Stadtmarketing konsequent und langfrist ig voran zu treiben. Dabei sind die Begriffe „Wissenschaft“ und „Lebensart“ Arbeitsbegriffe, die die Richtung einer Imageverschiebung von der e hemaligen Verwaltungsstadt zum Wissensstandort, zur Wissensstadt vorgeben. Was ist eine Wissensstadt? Welche Ansprüche muss eine Wissensstadt erfüllen kön- nen? Inzwischen gehört es zum Standardwissen v on Stadtentwicklern, dass funktionierende und erfolgreiche für Bürger, Gäste und Unter nehmen attraktive Städte in Zukunft eher weniger industriell geprägte Städte sein werden, sondern vielmehr solche, in denen Wis- sen eine zentrale Rolle spielt. Alte Univ ersitätsstädte wie Münster haben dabei einen deutlichen Vorsprung bzw. Wettbewerbsvorteil. Eine „Wissensstadt“ aber ist nun keineswegs ei ne abstrakte, virtue lle Angelegenheit - eher im Gegenteil. Für sogena nnte „Wissensarbeiter“ sind die weichen Standortfaktoren oft wichtiger als der eigentliche Arbeitsplatz. Vorlagen-Nr.: V/0384/2009 Auskunft erteilt: Frau Spinnen Herr Dr. Schmidt Ruf: 492 27 00 492 27 55 E-Mail: spinnen@stadt-muenster.de schmidtmatthias@stadt-muenster.de Datum: 19.05.2009 Öffentliche Berichtsvorlage 2 V/0384/2009 Folgende Kriterien sind heute für attraktive Wissensstädte von Bedeutung (vgl. Stefanie Hohn, Clas Meyer, Matthias Schmidt ( 2009): Standortentwicklung durch Wissensnetze in: Neues Verwaltungsmanagement, NVM 01070902, F 2.6, Seiten 12 – 13): o Ein breites Kulturspektrum (Kunstszene, Nachtleben, etc.) o Viele hochwertige Freizeitangebote o gute Angebote im Bereich des Ausgleichssports o Urbane Qualitäten o Attraktive landschaftliche Umgebung mit einem Angebot im Bereich Natur und Er- holung; hohe Umweltqualität o Eine große Bandbreite von wissenschaftlichen Einrichtungen und Netzwerken / Clustern o Berufliche Perspektiven, wirtsc haftliche Qualität des Standorts o Preis-/Leistungsverhältn is am Standort für Wohnen, Kinder- und Familienfreund- lichkeit o Hohes Maß an Toleranz und We ltoffenheit, Internationalität o Hoher Bevölkerungsanteil an Kreativen aus unterschiedlichen Bereichen. Die Konzertierte Aktion Wissenschaftsstadt In einem öffentlichen Zukunftsgespräch mit Akteuren aus Wissenschaft, Wirtschaft und Stadtgesellschaft am 08. Sept ember 2006 ist der Vorschlag entwickelt worden, die wis- senschaftliche Kompetenz am St andort Münster sichtbarer zu machen und vor allem ihre Bedeutung für die Wirtschaft und das Image der Stadt voran zu treiben. Der Rat der Stadt Münster hat mit Vorlage V/0113/2007 am 13. Juni 2007 einstimmig beschlossen, für dieses Vorhaben eine Konzer tierte Aktion Wissenschaftsstadt zu initiie- ren sowie zunächst drei Themenbereiche auszuwählen, in denen Münsters Hochschulen wissenschaftliche Exzellenz besitzen. Z udem muss nachgewiesene rmaßen wirtschaftli- ches Potenzial am Standort vorhanden sein und die Themen sollen zu m Leitbild/Profil von Stadt, Universität und Fachhochschule pa ssen. Eine parallel dur chgeführte Potenzi- alanalyse der Wirtschaftsför derung (durch die Prognos AG) hat die Auswahl der beiden für den Wirtschaftsstandort relevanten Felder bestätigt. Es sind dies: o Nanobioanalytik in Medizintec hnik und Pharma (Nanomedizin) und o Medizinische Prävention zunächst mit dem Schwerpunkt „Kardiovaskulären Er- krankungen“ (Herz-Kreislauf-Erkrankungen). Das dritte Themenfeld stützt die Bedeutung der geisteswi ssenschaftlichen Stärken von Westfälischer Wilhelms-Universität und Fa chhochschule Münster und bezieht sich auf Münsters Alleinstellungsmerkmal: o Der Westfälische Friede Die Konzertierte Aktion Wissenschaftsstadt ist ein langfristig arbeitender Zusammen- schluss von Westfälischer Wilhelms-Universität, Fachhochschule Münster, der Wirtschaft 3 V/0384/2009 sowie der Stadt Münster, die in Zukunft gemeinsam und abgestimmt den Wissenschafts- standort weiterentwickeln und ihn nach innen und außen sichtbar machen wollen. Die Geschäftsführung liegt bei der Wirtschaftsförderung Münster und bei Münster Marketing - je nach inhaltlichem Schwerpunkt. Das Ziel der Konzertierten Aktion ist es, in ausgewählten und als Stärken identifizierten Feldern die Wissenschaftsstadt Münster na ch innen und außen noch sichtbarer zu ma- chen. Diese Sichtbarkeit soll das Zukunfts potenzial der Stadt insgesamt unter Beweis stellen; es sollen zudem durch sogenannte Clusterbildung en Investitionen und Förder- gelder für den Standort akqui riert werden und so langfris tig Studierende, Wissenschaft- ler und Unternehmen an den Standort gebunden bzw. neu für Münster gewonnen wer- den. Der Weg der Konzertierten Aktion In enger Abstimmung mit Universität und Fachhochschule wurden 2007 zu jedem der drei thematischen Schwerpunkte Nanobioanalytik, Medizinische Prävention und Westfä- lischer Frieden Facharbeitskr eise gebildet, denen Vertreterinnen und Vertreter aus Wis- senschaft, Wirtschaft und Stadt angehören. In jedem der Arbeitskreise wird dieselbe Strategie verfolgt: Die Basis der Kommunikati on bildet mindestens ein zu entwickelndes und realisierendes Projekt des Netzwerkes, das eine gewisse Alleinstellung für den Standort verspricht und in der Lage sein kann, weitere Investitionen und Fördermittel auf sich zu konzentrieren. Darauf bauen ggf. besondere Angebote zum Beispiel der Weiter- bildung für Unternehmen und spezialisierte Studiengänge oder Gradui ertenkollegs auf. Begleitet werden diese Projekte durch eine gemeinsame Kommunikation aller Akteure des Wissenschaftsstandortes. Die Projekte Nachdem 2007 die Strukturen de r strategischen Allian z aufgebaut und 2008 in allen drei thematischen Schwerpunkten geeignete Projekte mit Str ahlkraft entwickelt worden sind, steht das Jahr 2009 ganz im Zeichen der we iteren Konkretisierung aber teilweise auch der Realisierung von Maßnahmen. Bei einem Spitzengespräch am 1. April 2009 haben die Spitzen von Westfälischer Wilhelms-Uni versität Münster, Fachhochschule Münster und Stadt hierfür ihre Zust immung gegeben. Im Folgenden ei ne Übersicht über die Pro- jekte: Nanobioanalytik in Medizintechnik und Pharma In diesem Schwerpunkt steht die Realisie rung eines Nanobioanalytik-Zentrums (NBZ) in Münsters Technologiepark im Mittelpunkt. Diese m Projekt hat der Rat der Stadt Münster bereits am 11. Februar 2009 (Vorlage V/ 0066/2009) zugestimmt. Beim neuen Zentrum handelt es sich um eine Innovationsinfrastruk tur, ausgerichtet auf die Ansiedlung, das Wachstum sowie die Förderung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), die neue Geräte, Produkte oder Methoden für die Analyse biologischer und medizinischer Materia- lien entwickeln. Für die Firmen wird eine n anoanalytik- und biomedizinkompatible Infra- struktur mit Spezialgeräten für innovative Produktentwicklungen zur Verfügung gestellt. Zudem wird das Universitätsklinikum Münster hier eine biomedizin ische Serviceeinheit einrichten und betreiben. Die Tatsache, dass Münster zu den wichtigsten Nanotechnolo- 4 V/0384/2009 gie-Standorten in Europa gehört, soll auch im Bildungsbereich verstärkt deutlich werden. Hierzu sollen möglichst die drei Bausteine Weiterbildung, Aufbaustudium sowie Graduier- tenkolleg /europäischer Verbund (alternativ) unter Federf ührung der Universität realisiert werden. Medizinische Prävention (mit dem Schwerpunkt der Kardiovaskulären Prävention) Kardiovaskuläre Erkrankungen gehören zu den sogenannten „Volkskrankheiten“. An Bluthochdruck („Hypertonie“) leiden in Deutschland mehr als 50 Prozent aller 35 bis 64 Jährigen – temporär oder chronisch. Fatale Folgeerkrankungen sind u. a. Schlaganfall und Herzinfarkt. Angesichts dieser Fakt en verwundert es, dass die Hypertonie- Behandlung in Deutschland bislang insgesamt def izitär ist: Weniger als 25 Prozent der Frauen und sogar weniger als zehn Prozent der Männer sind derzeit therapeutisch gut eingestellt. Hier setzt das „Interdisziplinäre Präventionszentrum mit kardiovaskulärem Schwerpunkt“ an: Es soll ein ganzheitliche s Versorgungskonzept zur Verbesserung des Präventions- und Therapiemanagements von Pa tientinnen und Patienten entwickelt und auch umgesetzt werden. Hierzu werden Hypertensiologen, Internisten, psychosoziale Mediziner, Ernährungsberater, Kardiologen, Sportmediziner und Epidemiologen eng mit- einander vernetzt. Zudem werden bei den Untersuchungen modernste Bildgebungsver- fahren und DNA-Chips zur Bestimmung des erb lichen Herz-Kreislauf-Risikos eingesetzt. Dieses auf Übertragbarkeit angelegte Konzept wird in einer Kooperation von Universi- tätsklinikum Münster (Federführung), Fachhochschule Münster und dem münsterschen Unternehmen Carpegen entwickel t und soll die Behandlung von Bluthochdruck deutlich verbessern. In das Projekt eingebunden wer den sollen Krankenhäus er und niedergelas- sene Ärzte. Die Finanzierung soll durch die Pr ojektpartner sowie durch Fördermittel des Landes (Ziel 2-Förderung) erfolgen. Flankiert wird dieses Pr ojekt von der Fortschreibung des städtischen Gesundheitsrahmenberichtes: Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf den Bereich „Kardiovaskuläre Erkrankungen“ gelegt, wobei auch Handlungsempfeh- lungen formuliert werden sollen. Dieser Bericht wird bereits im Herbst 2009 vorliegen. Westfälischer Friede In Kooperation mit dem Exzellenzcluster „Politik und Religion“ an der WWU und dem Netzwerk Humanitäre Hilfe an der FH ist ein Veranstaltungsformat entwickelt worden, das neben der Verleihung des Friedenspreise s der Wirtschaftlichen Gesellschaft für Westfalen und Lippe eine überr egionale Wahrnehmung Münsters als Stadt des Westfäli- schen Friedens verstärken soll. Auch wurde bereits eine Wort-Bild-Marke für die Aktivitä- ten verschiedenster Partner im Fokus Westfä lischer Frieden entwicke lt. Die Profilierung Münsters als Stadt des Westfälischen Friedens soll in der Spitze über eine jährliche Ver- anstaltung mit dem Titel "Dialoge zum Frieden" erreicht werden, die mit der Verleihung des Friedenspreises alterniert. Dabei sollen Personen des öffent lichen und politischen Lebens im Vordergrund stehen, die sich durch ihr Engagement als „Verhandler“ und Moderatoren in unlösbar erscheinenden politischen Konflikten profili eren. Es sollen Dia- logkompetenz und Verhandlungsphantasie ausgez eichnet und vorgestellt werden in ei- ner Stadt, die sich als Verhandlungsort des ersten nicht mit Waffeng ewalt erreichten Friedensschlusses 1648 dem Prin zip des Dialogs als Konfliktlösungsstrategie verpflich- tet fühlt. Es ist vorgesehen, in den Zwisch enjahren der Preisverleihung jeweils ein inter- nationales wissenschaftliches Symposium zu veranstalten und dieses thematisch eng 5 V/0384/2009 mit einer großen öffentlichen Veranstaltung und einem feie rlichen Abendessen im Rat- haus zu verbinden. Das Kommunikationskonzept Die gesamte Idee der Konzertierten Aktion ist im Prinzip eine inhalts- bzw. projektbasier- te Marketinginitiative: Wir bündeln die Kräfte und Ideen am Standort, machen damit un- sere Potenziale deutlich und erreichen durch die verbesserte Sichtbarkeit bei Entschei- dern von den Studierenden zu Wissenschaftl ern, Unternehmen und Fachkräften sowie Förderinstitutionen von Land über Bund bis zu EU ei ne wesentlich größere Aufmerksam- keit. Es gelten dabei folgende Prinzipien: 1. Basis der Kommunikation sind die Inhalte, sind Projekte mit Substanz und Strahl- kraft. Das Marketing folgt somit den Inhalten. 2. Die gemeinsame Kommunikation bezieht sich auf den Wissenschaftsstandort, auf die Wissenschaftsstadt, nicht auf di e Wissenschaft. D.h., die sogenannten wei- chen Standortfaktoren von der urbanen Qualität der St adt über die nachhaltige Umweltfreundlichkeit, die Angebote für Fa milien, Toleranz und Weltoffenheit wer- den als wichtige Basisqualifikation des Wissenschaftsstandortes mit kommuniziert. 3. Jeder Partner der Konzertierten Ak tion wird auch weiterhin seine eigene Kommu- nikation verantworten; die Kommunikation der Konzertierten Aktion ist darauf an- gelegt, die Inhalte einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln. Die Marketingbausteine 1. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Alle Partner der Konzertierten Aktion erhalten abgestimmte Textbausteine, ein so- genanntes „Wording“, damit sie alle ähnlich kommunizi eren und ihre Nachrichten in das Netzwerk der Konzertierten Akti on einbinden. Bei Münster Marketing und dem Wirtschaftsinformationsdienst werden zudem Nachrichten über Projekte, Auszeichnungen, besondere Fördermittel und Zuweisungen, besonders interes- sante Professuren und über wichtige Tagungen und Kongresse gesammelt, aus- gewertet und wenn möglich zu Pressemitteilungen für die überregionale und regi- onale Berichterstattung verarbeitet. 2. Imagemarketing Die Konzertierte Aktion entwickelt einen Imagefilm zur Wissenschaftsstadt Müns- ter für alle Wissenschaftler, aber auch für Unternehmen und andere Botschafter 6 V/0384/2009 der Stadt; dazu ein Internet portal und Podcasts sowie schriftliche Kurzinformatio- nen zur Wissenschaftsstadt Münster. 3. Tagungen und Kongresse Die Konzertierte Aktion unterstützt Tagungen und Kongresse aus den vorgenann- ten Themenfeldern sowie Auftritte von Münsteraner Firmen und Wissenschaftlern auf Ausstellungen und bei Kongressen in anderen Städten und Ländern. Diese Plattform dient ausdrücklich dazu künftig mehr Tagungen und Kongresse in die Stadt zu holen. 4. Wissenschaftskommunikation Die Konzertierte Aktion unter stützt Projekte zur Wissenschaftskommunikation, die Kindern und Jugendlichen, aber auch der Münsteraner Bevölkerung verdeutlichen sollen, welches Potenzial der Wissensch aftsstandort Münster hat und inwiefern jeder von uns von den Fragestellungen der Wissenschaft betroffen ist. Finanzierung Das gemeinsame Marketing wird auch gemein sam von allen Partnern finanziert: von Münster Marketing, der Wirtschaftsförderung Münster, der Westf. Wilhelms-Universität und der Fachhochschule sowie zu einem gr oßen Teil von der Stiftung der Sparkasse Münsterland Ost. Die Finanzierung ist auf drei Jahre abgesichert. Perspektivisch sollen Wirtsc haftsunternehmen und die bisherigen Partner den Beitrag von jährlich rd. 60.000 Euro gemeinsam aufbringen. I.V. gez. Schultheiß Stadtdirektor
Beratungsverlauf (3)
Beschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Vorlagen-Nr.
- V/0384/2009
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 19.05.2009
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37