V/0136/2013/1
Integrationsmonitoring 2012
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Anlage
153224 Zeichen
Erster Bericht
zum Integrationsmonitoring der Stadt Münster
Stand Dezember 2012
3
Integrationsmonitoring 2012
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 4
2. Rahmenbedingungen 5
2.1 Definitionen 6
2.2 Datenerhebung 6
2.3 Demografische Daten 8
3. Handlungsfelder 14
3.1 Politische Partizipation 14
3.1.1 Migrationsanalyse politischer Organe 15
3.1.2 Integrationsrat der Stadt Münster 15
3.1.3 Menschen mit Migrationsvorgeschichte und deren Organisationen 17
3.2 Rechtliche Integrationsbegleitung 17
3.2.1 Aufenthaltsstatus 18
3.2.2 Einbürgerungen 19
3.2.3 Integrationskurse 19
3.3 Sprache und Bildung 20
3.3.1 Frühkindliche Bildung 21
3.3.1.1 Sprachstandsfeststellungen / Sprachstandserhebungen 2010 und 2011 21
3.3.1.2 Schwerpunkt-KiTas Sprache und Integration 22
3.3.2 Übergang aus der Kindertageseinrichtung in die Grundschule 23
3.3.2.1 Sprachförderbedarf bei Schulanfänger/innen 23
3.3.2.2 Arbeitskreis „Kooperation – Kindertageseinrichtung - Grundschule“ 24
3.3.2.3 „Mulingula“ 25
3.3.3 Übergang aus der Grundschule in die weiterführenden Schulen 25
3.3.3.1 Schulabgänger/innen ohne Hauptschulabschluss in Münster 26
3.3.3.2 Chancen der Vielfalt nutzen lernen- Modellprojekt (EIF)“ 27
3.3.3.3 „Club D – Mitreden auch auf Deutsch“ 28
3.3.3.4 Internationale Ausrichtung der Schulen 28
3.3.3.5 Herkunftssprachlicher (muttersprachlicher) Unterricht 28
3.3.3.6 Ehrenamtliches Engagement 29
3.3.4 Förderung des Lesens und der Informationskompetenz 29
3.4 Arbeit und Wirtschaft 31
3.4.1 Arbeit 31
3.4.2 Wirtschaft 37
3.5 Wohnen und Stadtentwicklung 39
3.6 Kinder- und Jugendhilfe, soziale Leistungen und Dienste 41
3.6.1 Soziale Leistungen 42
3.6.2 Menschen mit Behinderungen 43
3.6.3 Flüchtlinge 44
3.7 Gesundheit 48
3.7.1 Ärztlichen Vorschuluntersuchungen 48
3.7.2 Sozialpsychiatrischer Dienst 53
3.8 Personalentwicklung und Fortbildung 53
3.9 Kultur und Sport 55
3.9.1 Kultur 55
3.9.2 Sport 56
3.10 Handlungsfeld Presse und Öffentlichkeitsarbeit 57
4. Fazit und Ausblick 59
4
1. Einleitung
Immer mehr Kommunen haben erkannt, dass die Integration von Menschen mit Migrationsvorge-
schichte1 eine bedeutende Zukunftsaufgabe ist. Ob das Zusammenleben von Menschen mit und
ohne Migrationsvorgeschichte funktioniert, ob genügend Fachkräfte vor Ort sind, ob auch die Poten-
ziale der migrantischen Ökonomie genutzt werden, ob ein kundenorientiertes Bildungsangebot vor-
handen ist, ob das Angebot an Kinderbetreuung von allen Bürger und Bürgerinnen genutzt wird, alle
diese Fragen sind inzwischen zu wichtigen kommunalen Standortfaktoren geworden.
Zur Beantwortung dieser Fragen sind indes verlässliche und differenzierte Daten notwendig, die
Auskunft darüber geben, ob und in welcher Weise sich die Integration der Menschen mit Zuwande-
rungsgeschichte vollzieht und in welchen Bereichen es Defizite und Handlungsbedarf gibt.
Das benötigte Datenmaterial steht jedoch nicht abrufbereit zur Verfügung. Vielmehr ist die Verstän-
digung über die gewünschten statistischen Kenngrößen und insgesamt über die konkrete Ausgestal-
tung des eigenen Monitorings selbst Teil des Integrationsprozesses.
Die von anderen Kommunen, den Ländern aber auch verschiedenen Institutionen in der letzten De-
kade vorgelegten Konzepte und Berichte weisen deswegen Unterschiede in ihrer Zielsetzung und
dem verwendeten Instrumentarium auf. Sie dienen als Orientierung und auch als Vergleichsgröße,
sind indes nicht einfach übertragbar.
Zielsetzung in Münster ist es, mit Hilfe dieses wiederkehrenden Berichtswesens die Zuwanderungs-
und Integrationsprozesse in unserer Stadt sichtbar zu machen. Durch die regelmäßige Beobachtung
der Realität anhand von Indikatoren und deren Zeitreihen können zudem Erfolge und – ebenso be-
deutsam – Misserfolge wertvolle Hinweise zu den Wirkungen von Integrationsmaßnahmen und den
weiteren politischen Handlungsbedarf liefern. Kurzum: Das Integrationsmonitoring kann insgesamt
auch in Münster als Instrument einer wirkungsorientierten Steuerung für politische Entscheidungs-
träger zur Schaffung von Chancengleichheit in diesem Politikfeld dienen.
Im Jahre 2008 verabschiedete der Rat der Stadt Münster das Leitbild „Migration und Integration
Münster“ und setzte damit das Startsignal einer fortan konzertierten und kontinuierlichen Auseinan-
dersetzung mit diesem Politikfeld.
Der erste münstersche „Bericht zur Umsetzung des Migrationsleitbildes“ vom August 2010
(V/0543/2010) erfasste die Ausgangslage, ordnete die qualitative Vielfalt der Integrations- und Migra-
tionsthematik und veranschaulichte die Komplexität verwaltungsinterner Initiativen und Programme
im Hinblick auf einzelne Aspekte der Integrationsarbeit.
Der hier vorliegende Bericht informiert zunächst über Hintergründe, Nutzen sowie über das Instru-
mentarium des Integrationsmonitorings. Es ist dabei wichtig, die verwendeten Begriffe zu definieren,
die zur Verfügung stehenden Datensätze zu erläutern und die konkreten eigenen kommunalen
Rahmenbedingungen zu klären.
Daran anschließend werden in den einzelnen Handlungsfeldern der Verwaltung die Ziele des Migra-
tionsleitbildes anhand von bereits gesetzten Indikatoren oder der bislang bestehenden Maßnahmen
reflektiert.
Das Integrationsmonitoring ist die notwendige Voraussetzung zur strategischen Steuerung und Ver-
besserung der verwaltungsinternen, politischen und gesamtgesellschaftlichen Integrationsarbeit und
damit ein wesentlicher Bestandteil der Umsetzung des im Jahre 2008 einstimmig verabschiedeten
Leitbildes „Migration und Integration Münster“.
2
Das abschließende Fazit bemüht sich um eine anschauliche Zus ammenfassung der gewonnenen
Erkenntnisse, um neben Anregungen und Handlungsempfehlungen auch Vorschläge zur Weiterent-
wicklung des Integrationsmonitorings liefern zu können.
1 In der Stadt Münster wurden durch den Integrationsrat der Stadt die Termini Menschen mit Migrationsvorgeschichte
(MMV) und Menschen ohne Migrationsvorgeschichte (MoV) im Zuge der Erarbeitung des Migrationsleitbildes eingeführt.
2 Vgl. dazu „Leitbild Migration und Integration Münster“, 5.3 Bestandsaufnahme und Monitoring, S. 6 f.
(http://www.muenster.de/stadt/zuwanderung/pdf/Migrationsleitbild_Muenster_DE_barrierefrei.pdf)
5
2. Rahmenbedingungen
Das Integrationsmonitoring kann als Steuerungsinstrument nur dann seine Wirksamkeit entfalten,
wenn die lokalen Gegebenheiten und die Arbeitsgrundlagen für alle am Prozess beteiligten Akteure
geklärt werden.
In Münster ist gemeinsame Grundlage der Integrationsarbeit das im Jahre 2008 beschlossene
Migrationsleitbild. Über diesen Konsens hinaus hat bislang keine ähnlich konzertierte einheitliche
Festsetzung des „Arbeitsarsenals“ – wie zum Beispiel die Erhebung von Daten bzw. deren Anglei-
chung - stattgefunden. In Folge dessen überwiegen in jedem Handlungsfeld die dort üblichen Begriff-
lichkeiten, Datenerfassungsmechanismen kurzum unterschiedlichen Arbeitswerkzeuge. Ein Anliegen
und Ergebnis dieses Berichtes ist es aufzuzeigen, welche Gemeinsamkeiten sich bereits herausge-
bildet haben sowie ob und in welchem Umfang künftig ein „kleinster gemeinsamen Nenner“ unab-
dingbar für den Fortgang des Integrationsprozesses festgelegt werden soll. Dort wo in den letzten
Jahren ämterübergreifende Kooperationen, möglicherweise Arbeitsprozesse unter Einbindung von
stadtweiten Institutionen und bürgerschaftlichen Organisationen sowie Maßnahmen in integrations-
politischen Schwerpunktbereichen stattgefunden haben, mögen sich auch entsprechende, das
Migrationsleitbild mit Leben füllende Rahmenbedingungen vorfinden. Wo hingegen keine „originäre“
Befassung mit Anliegen der Menschen mit Migrationsvorgeschichte stattfindet, bestand bisher keine
von Außen gegebene Notwendigkeit zusätzliche „migrationserhebliche“ Rahmenbedingungen zu
schaffen.
Ein Überblick und eine Klärung über die vor Ort in diesem Bereich verwendeten Begrifflichkeiten und
die gegebene Datenlage hilft nicht nur den komm unalen Entscheidungsträgern, sondern auch den
mit diesem Themenbereich über die kommunalen Grenzen hinaus befassten politischen wie wissen-
schaftlichen Fachleuten. Denn ob und mit welchem qualitativen Erfolg der vorliegende Bericht integ-
rationspolitisch Fortschritte mit gestalten helfen kann, wird nicht nur „kommunal“ bewertet werden.
Alle Träger, die ein durch entsprechende Prozesse erklärtes Interesse an tatsächlichen Fortschritten
in diesem Politikfeld haben, schauen wohlwollend und synergetisch auf die jeweils anderen Bemü-
hungen. Die Erzielung einer übergreifenden Verständigung und Vergleichbarkeit kommt letztlich den
eigenen Bemühungen wieder zu Gute.
6
2.1 Definitionen
In der folgenden Tabelle sind alle Definitionen der Klassifizierungen [Ausländer/innen, Heimatver-
triebene, (Spät-) Aussiedler, Eingebürgerte] aufgelistet, die in die Kategorie „Menschen mit Migra-
tionsvorgeschichte“ fallen. Die Stadt Münster hat sich auf Initiative des Integrationsrates dafür ent-
schieden, entgegen dem weit verbreiteten Begriff „Migrationshintergrund“ von einer „Migrations-
vorgeschichte“ zu sprechen.
Migrationsvorgeschichte
Definitionen
„Als Ausländer gelten die Personen, die eine fremde Staatsbürgerschaft besitzen, staatenlos
sind oder deren Staatsangehörigkeit nicht geklärt ist. Personen, die neben der deutschen noch
eine ausländische Staatsangehörigkeit haben, zählen als Deutsche. Neugeborene zählten bis
1999 dann als Ausländer, wenn beide Elternteile nicht die deutsche Staatsangehörigkeit besa-
ßen. Mit dem In-Kraft-Treten der Reform des Staatsbürgerrechts am 01.01.2000 hat sich die
Zuordnung der Lebendgeborenen geändert. Falls sich am Tage der Geburt des Kindes ein El-
ternteil länger als 8 Jahre ununterbrochen rechtmäßig in Deutschland aufhält und ein unbefriste-
tes Aufenthaltsrecht besitzt oder als Staatsangehöriger der Schweiz oder dessen Familienange-
höriger eine Aufenthaltserlaubnis auf Grund des Abkommens von 21.06.1999 zwischen der Eu-
ropäischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedsstaaten einerseits und der Schweizerischen Eidge-
nossenschaft andererseits über die Freizügigkeit besitzt, erwirbt das Kind die deutsche Staats-
bürgerschaft.“
„Aussiedler/Spätaussiedler sind Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit und einem Ge-
burtsort in einem der Herkunftsländer von Aussiedlern entsprechend der nachfolgenden Tabelle,
die nicht unter die Definition der Heimatvertriebenen fallen.“
„Als (zwangsmigrierte) Heimatvertriebene werden Personen bezeichnet, die in ehemaligen deut-
schen Gebieten vor dem 1.1.1950 geboren wurden und heute eine deutsche Staatsangehörig-
keit haben.“
Vererbte Migrationsvorgeschichte: „Kinder, die mit Eltern aus dem definierten Personenkreis
(Ausländer, Aussiedler/Spätaussiedler, Heimatvertriebene und weitere Eingebürgerte) im selben
Haushalt leben, haben ebenfalls eine Migrationsvorgeschichte. Hierbei reicht es, wenn ein El-
ternteil eine Migrationsvorgeschichte hat.“
„Als weitere Eingebürgerte werden Zugewanderte bezeichnet, die eine deutsche Staatsangehö-
rigkeit erworben haben, einen nicht-deutschen Geburtsort haben und nicht zu einer der oben
definierten Gruppen gehören.“
Quelle: SMS – Migration 2011
2.2 Datenerhebung
Die Auswahl der Indikatoren basiert auf dem von vielen Kommunen übernommenen Indikatorenset
der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement (vgl. KGSt 2008).
Es wurden für diesen ersten Bericht dabei diejenigen Indikatoren herangezogen, die von den je-
weiligen beteiligten Ämtern mit aktuellem und aussagefähigen Datenmaterial belebt werden konn-
ten.
Die dem Integrationsmonitoring zugrunde liegenden Daten stammen größtenteils aus der städti-
schen Statistik, d.h. insbesondere von der Fachs telle für Informationsmanagement und Statistik-
dienststelle und den Erhebungen der einzelnen Ämter. Weitere Datenquellen der amtlichen Statis-
tik liefern das Statistische Bundesamt, die Statistikdienststelle West, das Bundesamt für Migration
und Flüchtlinge, das Ausländerzentralregister, die Arbeitsagentur und die sozialstatistische Stich-
probe des Mikrozensus.
Im Hinblick auf die Datenqualität lässt sich sagen, dass es sich insgesamt um sehr verlässliche
Daten handelt. Für Daten der amtlichen Statistik ist charakteristisch, dass diese eher abstrakt und
vergleichend aufbereitet sind, sodass sich spezifische Aussagen über Münster häufig nur im Ver-
gleich zu anderen Städten treffen lassen. Hinzu kommt, dass die Bundesagentur für Arbeit nur
zwischen „Deutschen“ und „Ausländern“ unterscheidet und Menschen mit Migrationsvorgeschichte
statistisch nicht erfasst. Deshalb können häufig keine Aussagen über die Situation von Menschen
mit Migrationsvorgeschichte auf dem Arbeitsmarkt getroffen werden. Demgegenüber sind die Da-
7
ten der kommunalen Statistik nicht nur mit Bezug auf die Unterscheidung „deutsch / Migrationsvor-
geschichte“ einheitlich, sondern auch speziell auf Münster bezogen.
Des Weiteren haben die Ämter teilweise bereits eigene Indikatoren im Hinblick auf Migration und
Integration entwickelt, die für den vorliegenden Bericht gut genutzt werden können.
Indikatorenset nach Handlungsfeldern
Handlungsfeld Indikator
Politische Partizipation - Anteil der Menschen mit Migrationsvorgeschichte an allen Mit-
gliedern der politischen Organe
- Wahlbeteiligung bei den Integrationsratswahlen in NRW und
Münster im Vergleich
Rechtliche Integration - Einbürgerungsquote
- Zahl der Ausländer/innen differenziert nach Geschlecht, EU-
Bürger/innen und Aufenthaltsstatus
Bildung - Anteil der Kinder mit Migrationsvorgeschichte, die einen Sprach-
förderbedarf aufweisen
- Anteil der einzuschulenden Kinder mit Migrationsvorgeschichte,
die bei der Schuleingangsuntersuchung die deutsche Sprache
beherrschen
- Anteil der Kinder mit Migrationsvorgeschichte in Kindertages-
einrichtungen nach Familiensprache
- Anteil der Schulabgänger/innen ohne Schulabschluss
- Anteil der Kund/inn/en der Stadtbücherei mit Migrationsvorge-
schichte
Arbeit und Wirtschaft - Arbeitslosenquote
- Arbeitslosigkeit nach Bildungsabschluss
- Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte
- Kunden und Kundinnen des Jobcenters
- geringfügige Beschäftigung
Wohnen und Stadtent-
wicklung
- Anteil der ausländischen Antragsteller/innen nach Haushaltsgrö-
ße
- Wohnberechtigungsscheine
- Versorgungsquote
Kinder- und Jugendhil-
fe, soziale Leistungen
und Dienste
- Bezieher/innen von Sozialhilfeleistungen nach SGB XII
- Anteil von schwerbehinderten Menschen ohne deutsche Staats-
angehörigkeit
- Auslastung der Flüchtlingseinrichtungen im Verhältnis zur realen
Platzkapazität
Gesundheit - Inanspruchnahme der Vorsorgeuntersuchungen
- Inanspruchnahme der Schuleingangsuntersuchung
- Deutschkenntnisse des Kindes im Vorschulalter in Abhängigkeit
von der Sprachfähigkeit der Mutter
- Impfbereitschaft der Kinder mit Migrationsvorgeschichte
- Anteil der den Sozialpsychiatrische Dienst im Gesundheitsamt
aufsuchenden Menschen mit Migrationsvorgeschichte
Personal und Fortbil-
dung
- Anteil der Beschäftigten mit Migrationsvorgeschichte in der Stadt
Münster wird erhoben
Kultur und Sport - Anteil der ausländischen Sportvereine
- Schwimmfähigkeit von Schüler/innen mit Migrationsvorgeschichte
8
2.3 Demografische Daten
Zum 31.12.2011 lebten in Münster 61.539 Menschen mit Migrationsvorgeschichte. Damit weist rund
ein Fünftel der Münsteraner und Münsteranerinnen eine Migrationsvorgeschichte auf, was einem
Anteil von 20,76% an der Gesamtbevölkerung entspricht. In benachbarten (Groß-)Städten wie Os-
nabrück, Bielefeld, Paderborn und Hamm ist der Anteil an Menschen mit Migrationsvorgeschichte ein
wenig höher, in Recklinghausen und Rheine dagegen ein wenig niedriger.
Mit Bezug auf die Anzahl der in Münster lebenden Ausländer und Ausländerinnen ergibt sich ein
vergleichbares Bild: Zum Stichtag 31.12.2011 lebten in Münster 22.343 Ausländer und Ausländerin-
nen, was einem Anteil von 7,54% an der Gesamtbevölkerung entspricht. Die Ausländer/innen/quoten
für die vorgenannten (Groß-)Städte sind mit Ausnahme von Rheine allesamt höher.
Die Bevölkerungspyramide der Stadt Münster, in der auch die Anteile der Personen mit Migrations-
vorgeschichte in den jeweiligen Altersgruppen abgebildet sind, liefert wertvolle Erkenntnisse über die
demografische Grundstruktur der Stadt Münster. Die Bevölkerungspyramide der Stadt Münster ent-
spricht der sogenannten „Tannenbaumform“. Charakteristisch ist ein schmaler Stamm in den unteren
Altersgruppen, der ab den 20-Jährigen erheblich breiter und ab der Altersgruppe der 25-35-Jährigen
kontinuierlich schmaler wird. Die Bevölkerungsprognose für das Jahr 2020 sagt voraus, dass der
Altenquotient, der das Verhältnis von der Anzahl älterer Menschen zur Anzahl jüngerer Menschen
beziffert, steigt.
Der Anteil der Frauen an der wohnberechtigten Bevölkerung beträgt 52,4%, der Anteil der Männer
dementsprechend 47,6%. Der Anteil der Frauen mit Migrationsvorgeschichte an allen in Münster
wohnenden Menschen mit Migrationsvorgeschichte beträgt 51,74%, der Anteil der Männer mit
Migrationsvorgeschichte an allen in Münster wohnenden Menschen mit Migrationsvorgeschichte
liegt dementsprechend bei 48,26%. In der Altersgruppe der 20- bis 29-Jährigen der wohnberech-
tigten Bevölkerung beträgt der Frauenanteil 54,08% und der Männeranteil 45,92%. In der Alters-
gruppe der 30- bis 59-Jährigen der wohnberechtigten Bevölkerung beträgt der Frauenanteil
50,06% und der Männeranteil 49,94%. In der Altersgruppe der 60- bis über 90-Jährigen der wohn-
berechtigten Bevölkerung liegt der Frauenanteil bei 70,3% und der Männeranteil bei 29,7%.
9
10
Bevölkerung mit Migrationsvorgeschichte nach Altersgruppen
0 2000 4000 6000 8000 10000 12000
0-9
10-19
20-29
30-39
40-49
50-59
60-69
70-79
80-89
≥90
Altersgruppen
Anzahl der Personen
Datenquelle: „SMS – Statistik für Münsters Stadtteile, Migration 2011“ (31.12.2011)
Datenquelle: „SMS – Statistik für Münsters Stadtteile, Migration 2011 und Bevölkerung 2011“ (31.12.2011)
Mit Blick auf die Kinder (Alter unter 18 Jahren) ohne eigene, aber mit vererbter Migrationsvorge-
schichte lässt sich folgendes sagen: Die Anzahl an Kindern, die keine eigene, aber eine vererbte
Migrationsvorgeschichte haben, ist im Zeitraum von 2006 bis 2011 um 22,93% gestiegen. Der An-
teil der Kinder mit vererbter, aber ohne eigene Migrationsvorgeschichte an allen Kindern beträgt
23,72%.
11
Wohnberechtigte Bevölkerung unter 18 Jahre ohne ei-
gene, aber mit vererbter Migrationsvorgeschichte in
Münster am 31.12.
2006 2007 2008 2009 2010 2011
Statistischer
Teilbereich
Stadtbezirk
Anzahl
Altstadt 93 90 100 101 111 111
Innenstadtring 667 658 683 692 756 763
Mitte-Süd 566 598 622 643 694 730
Mitte-Nordost 742 754 789 809 819 845
Stadtbezirk Mitte 2 068 2 100 2 194 2 245 2 380 2 449
Stadtbezirk West 1 971 2 107 2 187 2 256 2 369 2 493
Stadtbezirk Nord 1 648 1 728 1 774 1 862 1 964 1 996
Stadtbezirk Ost 377 412 466 501 517 541
Stadtbezirk Südost 991 1 003 1 021 1 029 1 082 1 125
Stadtbezirk Hiltrup 1 484 1 568 1 667 1 750 1 840 1 893
Stadt Münster 8 539 8 918 9 309 9 643 10 152 10 497
Quelle: Stadt Münster - Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung, Verkehrsplanung
Anteil der Personen mit Migrationsvorgeschichte am 31.12.2010, Anteil der Kinder (unter 18 Jahren) mit
Migrationsvorgeschichte an allen Kindern
In den Altersgruppen der 20- bis 59-Jährigen ist der Anteil der Ausländer/innen und Aus-
/Spätaussiedler/innen an der Bevölkerung mit Migrationsvorgeschichte dominant. In den Altersgrup-
pen der 60- bis über 90-Jährigen ist der Anteil der Heimatvertriebenen an der Bevölkerung mit Migra-
tionsvorgeschichte überproportional groß, nimmt aber insgesamt aufgrund der Altersstruktur stetig
ab.
<= 17%
bis 26%
bis 36%
bis 47%
bis 77%
In diesen Stadtteilen wurde kein Wert ermittelt, da die
Anzahl der Kinder zu gering war. Die Angabe des Anteils
würde zu keinen belastbaren Aussagen führen.
12
Heimatvertriebene innerhalb der
Wohnberechtigten Bevölkerung in Münster am 31.12.
2006 2007 2008 2009 2010 2011
Statistischer
Teilbereich
Stadtbezirk
Anzahl
Altstadt 144 140 143 137 133 129
Innenstadtring 812 777 729 703 681 653
Mitte-Süd 770 742 706 689 655 635
Mitte-Nordost 757 709 678 637 627 588
Stadtbezirk Mitte 2 483 2 368 2 256 2 166 2 096 2 005
Stadtbezirk West 1 133 1 114 1 075 1 052 1 030 993
Stadtbezirk Nord 914 873 853 822 802 773
Stadtbezirk Ost 542 525 496 483 465 440
Stadtbezirk Südost 653 632 601 582 566 539
Stadtbezirk Hiltrup 1 045 998 957 932 915 892
Stadt Münster 6 770 6 510 6 238 6 037 5 874 5 642
Quelle: Stadt Münster - Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung, Verkehrsplanung
Mit Blick auf die Gruppe der Aus-/Spätaussiedler/innen sind folgende Sachverhalte erwähnens-
wert: 41,08% der Aus-/Spätaussiedler/innen wohnen in den Stadtbezirken Nord und Hiltrup, in de-
nen 22,35% der Münsteraner Stadtbevölkerung insgesamt und 32,97% der Münsteraner mit Migra-
tionsvorgeschichte wohnen. Im Stadtbezirk Nord zählen 9,7% und damit knapp ein Zehntel der
wohnberechtigten Bevölkerung zur Gruppe der Aus-/Spätaussiedler/innen und im Stadtbezirk Hilt-
rup 6,13%.
Aussiedler/Spätaussiedler innerhalb der
Wohnberechtigte Bevölkerung in Münster am 31.12.
2006 2007 2008 2009 2010 2011
Statistischer
Teilbereich
Stadtbezirk
Anzahl
Altstadt 121 125 145 158 165 186
Innenstadtring 728 802 878 897 922 1 000
Mitte-Süd 701 724 708 723 728 784
Mitte-Nordost 783 776 817 817 828 883
Stadtbezirk Mitte 2 333 2 427 2 548 2 595 2 643 2 853
Stadtbezirk West 2 577 2 592 2 596 2 654 2 638 2 809
Stadtbezirk Nord 2 766 2 735 2 695 2 721 2 714 2 798
Stadtbezirk Ost 370 373 413 410 397 453
Stadtbezirk Südost 1 111 1 117 1 100 1 127 1 140 1 188
Stadtbezirk Hiltrup 2 139 2 163 2 169 2 163 2 193 2 294
Stadt Münster 11 296 11 407 11 521 11 670 11 725 12 395
Quelle: Stadt Münster - Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung, Verkehrsplanung
In der folgenden Tabelle ist die Anzahl der Eingebürgerten innerhalb der wohnberechtigten Bevölke-
rung in Münster nach Stadtbezirken ausgewiesen. Die Anzahl der Eingebürgerten hat sich in den
letzten fünf Jahren nur marginal verändert. Nichtsdestotrotz kann festgehalten werden, dass die Zahl
der Eingebürgerten in diesem Zeitraum im gesamten Stadtgebiet um 3,2% gestiegen ist. Der konkre-
te Zahlenwert liefert indes keine weiteren Informationen, da der leichte Anstieg durch eine Vielzahl
von Gründen erklärbar ist. Dennoch verweist dieser Wert auf die Tatsache, dass auch das Migrati-
onsmerkmal „Einbürgerung“ an Bedeutung gewinnt.
13
Sonstige Eingebürgerte innerhalb der
Wohnberechtigten Bevölkerung in Münster am 31.12.
2006 2007 2008 2009 2010 2011
Statistischer
Teilbereich
Stadtbezirk
Anzahl
Altstadt 265 282 280 269 271 288
Innenstadtring 1 287 1 335 1 368 1 386 1 395 1 391
Mitte-Süd 985 1 012 1 031 1 024 1 057 1 052
Mitte-Nordost 1 034 1 057 1 061 1 042 1 031 1 026
Stadtbezirk Mitte 3 571 3 686 3 740 3 721 3 754 3 757
Stadtbezirk West 2 043 2 133 2 198 2 251 2 281 2 356
Stadtbezirk Nord 1 676 1 689 1 677 1 674 1 687 1 553
Stadtbezirk Ost 579 574 590 587 585 592
Stadtbezirk Südost 1 002 990 983 977 1 000 955
Stadtbezirk Hiltrup 1 460 1 515 1 546 1 533 1 524 1 449
Stadt Münster 10 331 10 587 10 734 10 743 10 831 10 662
Quelle: Stadt Münster - Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung, Verkehrsplanung
Der Ausländer/innen-Anteil ist über die vergangenen Jahre hinweg mehr oder wenige konstant
geblieben. Im Jahr 2006 lag der Anteil der ausländischen Bevölkerung an der wohnberechtigten
Bevölkerung bei 7,62% und im Jahr 2011 bei 7,54%.
Ausländische Wohnberechtigte Bevölkerung in Münster
am 31.12.
2006 2007 2008 2009 2010 2011
Statistischer
Teilbereich
Stadtbezirk
Anzahl
Altstadt 621 666 653 608 621 646
Innenstadtring 3 156 3 068 3 062 2 832 2 980 3 102
Mitte-Süd 2 097 2 128 2 119 2 080 2 100 2 194
Mitte-Nordost 2 028 1 988 1 946 1 910 1 975 1 941
Stadtbezirk Mitte 7 902 7 850 7 780 7 430 7 676 7 883
Stadtbezirk West 4 760 4 792 4 659 4 725 4 728 5 058
Stadtbezirk Nord 3 350 3 245 3 189 3 189 3 368 3 714
Stadtbezirk Ost 945 937 920 910 878 936
Stadtbezirk Südost 1 524 1 565 1 575 1 582 1 659 1 827
Stadtbezirk Hiltrup 2 862 2 806 2 777 2 813 2 822 2 925
Stadt Münster 21 343 21 195 20 900 20 649 21 131 22 343
Quelle: Stadt Münster - Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung
14
3. Handlungsfelder
Um einen nachhaltigen Fortschritt zu erreichen, darf Integration auch im kommunalen Handeln nicht
länger als einzelne Fachaufgabe verstanden werden. Integration ist vielmehr als übergreifendes und
handlungsanleitendes Ziel umfassend im Verwaltungsalltag zu verankern. Deswegen bildet das
2008 verabschiedete Leitbild mit den für die einzelnen Handlungsfelder formulierten Leitzielen die
Basis der Integrationsarbeit in der Stadt Münster.
Eine besondere Herausforderung für die Praxis und damit auch für den vorliegenden Bericht stellen
bereits bestehende anderweitige anerkannte Querschnittaufgaben dar. Auf diese „doppelten Quer-
schnittsfelder“ wurde an den thematisch relevanten Stellen in hervorgehobener Weise hingewiesen.
Eine solche herausragende, fast alle Handlungsfelder tangierende Querschnittsaufgabe für die des-
wegen die gesamte Stadtverwaltung Verantwortung trägt, stellt das Ziel dar, in Münster Chancen-
gleichheit von Männern und Frauen zu erreichen. Hier übernimmt das Frauenbüro impulsgebende
Aufgaben, gibt Hinweise zur Beachtung der dafür notwendigen Unterziele und hat im Rahmen der
gesetzlichen Vorschriften (Landesgleichstellungsgesetz und Gemeindeordnung) auch kontrollieren-
de Aufgaben. Das Thema Gender und Migration gewinnt insoweit eine doppelte Querschnittsfunkti-
on, die es verstärkt wahrzunehmen gilt.
Als Unterzeichnerin der Europäischen Charta für die Gleichstellung von Männern und Frauen
hat die Stadt Münster in ihrem lokalen Aktionsplan auch eine Reihe von Maßnahmen zu Gender
und Migration aufgenommen. Neben gezielten finanziellen Förderungen von Projekten mit Migrati-
onsbezug (ca. 15% bis 20% der Gesamtsumme p.a.) werden auch institutionsübergreifende bedarf-
deckende Maßnahmen bereitgestellt (z. B. Projekt „Mehr Frauen für Münster“, Sprach- und Orientie-
rungskurse).
Bei den „klassischen“ Handlungsfeldern wird zunächst auf die in Münster vereinbarten übergeordne-
ten und für sämtliche Handlungsfelder maßgeblichen Integrationsleitziele hingewiesen. Soweit diese
bereits anhand konkreter Indikatoren und / oder Maßnahmen aufgegriffen und umgesetzt wurden,
werden diese aufgezeigt. Der Bericht fasst für jedes Handlungsfeld den gegenwärtigen, in Münster
bestehenden Status Quo im Bereich Integration / Migration zusammen und ermöglicht auf dieser
aktuellen Grundlage die jeweils weitere Steuerung und Gestaltung.
3.1 Politische Partizipation
Politische Partizipation als ein Erfolgsfaktor von Integrationsmanagement
3
Um ein starkes politisches und gesellschaftliches Engagement aller Bevölkerungsgruppen zu ge-
währleisten bedarf es einer angemessenen Weiterentwicklung der vorhanden politischen Interes-
sensvertretungen (Ausländerbeirat
4 und weitere).
In Deutschland erfreut sich das Thema der politischen Partizipation und des bürgerschaftlichen En-
gagements in der Politik der Aufmerksamkeit aller politischen Parteien. Der Schwerpunkt der Dis-
kussion über die Partizipation von Menschen mit Migrationsvorgeschichte liegt dabei eher auf deren
Engagement und Beteiligung in den verschiedenen eigenen Migrationsvertretungen.
Im Folgenden wird zunächst der Blick auf die Beteiligungsquote der Menschen mit Migrationsvorge-
schichte in den politischen Organen der Stadt Münster gerichtet. Im Anschluss werden der Integrati-
onsrat der Stadt Münster sowie die Migrantenselbstorganisationen näher beleuchtet.
3 Vgl. Leitbild „Migration und Integration Münster“, S. 8 Punkt 5.7.
4 Der Ausländerbeirat wurde 2010 nach Änderung der Gemeindeordnung NW vom Integrationsrat abgelöst.
15
3.1.1 Migrationsanalyse politischer Organe
Dieser Abschnitt fasst die Anteile der Mitglieder mit Migrationsvorgeschichte in den politischen Orga-
nen der Stadt (Rat der Stadt Münster, Bezirksvertretung, sachkundige Bürger/innen, Jugendrat) zu-
sammen. Unberücksichtigt bleiben hier Mitglieder des Integrationsrates, da dies gesondert präsen-
tiert wird. Insgesamt lagen 764 Datensätze zu den Mitgliedern aller politischen Organe vor. Von die-
sen sind 110 Personen in mehr als einem politischen Organ Mitglied. Demnach verteilen sich 654
Personen in mindestens einem der politischen Organe.
Die nachfolgende Tabelle veranschaulicht die absoluten und prozentualen Anteile der Mitglieder mit
Migrationsvorgeschichte für alle politischen Organe (Rat der Stadt Münster + Bezirksvertretung +
Sachkundige Bürger/innen + Jugendrat).
Grundgesamtheit aller Gruppen nach Migrationsvorgeschichte:
Migrationsvorgeschichte (nach Typisierung) absolut in % an Gesamt
01 Ausländer 13 2,0%
02 Heimatvertriebene 11 1,7%
03 Aus-/Spätaussiedler 4 0,6%
04 sonstige Eingebürgerte 26 4,0%
05 Kinder ohne persönliche, aber mit
vererbter Migrationsvorgeschichte
3 0,5%
(01 bis 05) Personen mit
Migrationsvorgeschichte
57
Frauenanteil: 28%
8,7%
06 Personen ohne erkennbare
Migrationsvorgeschichte
597
Frauenanteil: 33%
91,3%
Gesamt: 654 100,0%
Für die einzelnen politischen Organe sind folgende Kennzahlen relevant:
Von 81 Ratsmitgliedern weisen drei Personen eine Migrationsvorgeschichte auf (3,7%).
Bei den Bezirksvertretu ngen haben von 107 Personen sechs eine Migrationsvorgeschichte. Das
entspricht einem Anteil von 5,6%. Aus Datenschutzgründen ist eine weitere Differenzierung hier nicht
zulässig.
Für die sachkundigen Bürger/innen wiesen von 458 Bürger/innen 8,5% eine Migrationsvorgeschichte
auf. Die aus einer weiteren Aufschlüsselung des Merkmals „Migrationsvorgeschichte“ resultierenden
Zahlen stimmen mit den Angaben von 01 bis 04 und den Frauenanteilen in der obigen Tabelle wei-
testgehend überein.
Von den 30 Jugendlichen des Jugendrates haben neun eine Migrationsvorgeschichte (30%), von
denen wiederum fünf Jugendliche Frauen sind. Das entspricht einem Frauenanteil von 55,6%.
3.1.2 Integrationsrat der Stadt Münster
Der Integrationsrat hat ein breites Betätigungsfeld. Er kann sich mit allen Angelegenheiten der Ge-
meinde befassen. Er kann beantragen, dass seine Anregung oder Stellungnahme den Gemeindeor-
ganen vorgelegt wird und nimmt Stellung zu an ihn gerichteten Fragen. Bei Angelegenheiten, deren
Entscheidung von besonderer Bedeutung für die ausländischen Bürger/innen sein kann, ist er vor
der Beratung in den Fachausschüssen und den Bezirksvertretungen anzuhören
Der „Integrationsrat“ hat sich im Februar 2010 konstituiert. Bis zu diesem Zeitpunkt war jahrelang der
sogenannte „Ausländerbeirat“ das zuständige Gremium. Dem Integrationsrat gehören insgesamt 27
stimmberechtigte Mitglieder an, von denen 9 stimmberechtigte Mitglieder aus der Mitte des Rates
16
entsandt werden und 18 stimmberechtigte Mitglieder in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher
und geheimer Wahl nach § 27 Abs. 2 GO NRW gewählt werden.
In 104 Städten und Gemeinden wurden am 7. Februar 2010 88 Integrationsräte und 16 Integrations-
ausschüsse gewählt. Insgesamt waren 1.156.101 ausländische Einwohnerinnen und Einwohner auf-
gerufen, ihre Stimme abzugeben. Landesweit haben sich 128.945 Wählerinnen und Wähler an der
Wahl beteiligt, das entspricht einer Wahlbeteiligung von 11,16 %. Im Vergleich zu den Wahlen 2004
ging die Beteiligung um 0,66 Prozentpunkte zurück und blieb damit fast konstant.
Wahlbeteiligung bei den Integrationsratswahlen in NRW und Münster
Jahr Nordrhein-Westfalen Münster
2004 12,27% 8,14%
2010 11,16% 9,35%
In der unten stehenden Tabelle werden alle (1) Anregungen des Integrationsrates an den Rat der
Stadt, (2) sämtliche Anträge, die an den Integrationsrat gestellt worden sind und (3) alle Aufträge
vom Integrationsrat an unterschiedliche Verwaltungseinheiten und besondere Thematiken aufgelis-
tet. Der Zeitraum beschränkt sich auf die Jahre von 2010 bis 2012 (aktuelle Legislaturperiode) nach
Konstituierung des Integrationsrates.
(1) Anregungen des Integrationsrates an den Rat der Stadt
Jahr Anzahl der Anregungen des Integrationsra-
tes
2010 5
2011 2
2012 0
(2) Anträge und Anregungen an den Integrationsrat und Zuschüsse für Projektförderungen
Jahr Gesamte Anzahl der
Anträge/Anregungen
an den Integrationsrat
Davon Förderan-
träge
Mittel für Projektförde-
rungen
2010 60 55 23.230 Euro?
(Ø=413 Euro)
2011 82 73 20.200 Euro
(Ø=277 Euro)
2012 79 76 18.322 Euro
(Ø= 241 Euro)
Der Integrationsrat beschließt Projektförderungen in Form von Zuschüssen an Träger, Institutionen
und Vereine, um deren Integrationsarbeit zu unterstützen. Die Auszahlung dieser Zuschüsse wird in
der Geschäftsstelle des Integrationsrates abgewickelt.
(3) Aufträge des Integrationsrates an die Verwaltung, den Rat und/oder den Oberbürgermeister
Jahr Anzahl der Aufträge vom Integrationsrat
2011 3
2012 2
17
3.1.3 Menschen mit Migrationsvorgeschichte und deren Organisationen (MSO)
Die Migranten/-innenselbstorganisationen in Münster zeichnen sich durch große Heterogenität aus.
Dies spiegelt sich in der Zusammensetzung der Herkunft ihrer Mitglieder, ihrer Ausrichtung und in
den von ihnen gestalteten Angeboten wider. In der Praxis bewegt sich eine Vielzahl ihrer Aktivitäten
in der entwicklungspolitischen Informationsarbeit sowie im Grenzbereich von Kultur und Bildung mit
Nähe zur politischen Bildung. Darüber hinaus bieten viele MSO ihren Mitgliedern umfangreiche Bera-
tungsleistungen bezüglich Integrationsfragestellungen.
Aktuell sind in unserer Stadt ca. 90 Migranten/-innenselbstorganisationen, Glaubensgemeinschaften
und international ausgerichtete Vereine aktiv.
Zur Stärkung der Migranten/-innenselbstorganisationen in unserer Stadt werden seit 2009 unter-
schiedliche Maßnahmen durchgeführt.
2011 wurde mit dem Aufbau einer Datenbank der MSO begonnen.
In diesem Kontext existiert seit 2012 eine In ternet-Suchmaske, mit deren Hilfe Interessierte –
Migrant/inn/en wie Multiplikator/inn/en – die gewünschte Organisation abrufen können.
Jedes Jahr im Herbst findet der Tag der Migrant/inn/enselbstorganisationen statt, der ihnen ne-
ben der gewünschten Öffentlichkeit ein Forum bietet, sich zu einem ausgewählten Thema zu po-
sitionieren, auszutauschen, und sie in dem Ziel unterstützt, eine verbindliche Kooperation zwi-
schen sich und der Kommune zu schaffen. Bei der MSO Tagung 2012 stand die Bildungsfrage
im Mittelpunkt. Der Fokus wurde auf den Bereich der Elementarbildung und auf den Bereich der
Grundschule gelegt.
2011 wurde die schon bestehende Datenbank mit Migrant/inn/enorganisationen, Glaubensgemein-
schaften und international ausgerichteten Vereinen um einige wichtige Informationen ergänzt: Her-
kunft, Sprache und Arbeitsschwerpunkte kamen dazu. Hintergrund war der Aufbau einer öffentlich
zugänglichen Datenbank mit Suchfunktion auf der Homepage der Koordinierungsstelle für Migration
und Interkulturelle Angelegenheiten
5.
Die Datenbank mit ihrer Suchfunktion dient mehreren Zwecken gleichzeitig: Sie fördert die Vernet-
zung der Organisationen untereinander und erleichtert durch die Möglichkeit der gezielten Suche
erheblich Kooperationen zwischen unterschiedlichen Einrichtungen und Organisationen. Des Weite-
ren ist die Datenbank in ihrer aktuellen Form eine gute Präsentationsplattform für die Organisationen
– u. a. durch die Einbindung in Münsters Stadtplan und den sich daraus ergebenden Funktionen –
und sie widerspiegelt auch die kulturelle Heterogenität Münsters. Zurzeit werden 90 Organisationen
in der Datenbank geführt.
3.2 Rechtliche Integrationsbegleitung
Leitziel
6:
„Wir setzen uns zum Ziel, die Möglichkeiten der rechtlichen Integrationsbegleitung bestmöglich aus-
zuloten und die Menschen mit Migrationsvorgeschichte, unabhängig von ihrem rechtlichen Aufent-
haltsstatus, so früh, langfristig und umfassend wie möglich zu beraten“.
Rechtliche Integration ist eine wesentliche Voraussetzung für jede weitere Form gesellschaftlicher
Teilhabe (z.B. Zugang zum Arbeitsmarkt, politische Rechte etc.). In diesem Bericht werden die As-
pekte „Aufenthaltsstatus“, „Einbürgerung“ und „Integrationskurse“ beleuchtet.
5 http://www.muenster.de/stadt/zuwanderung/migrantenorganisationen.html
6 Vgl. Leitbild „Migration und Integration Münster“, S. 9.
18
3.2.1 Aufenthaltsstatus
Der wesentliche Indikator ist die Zahl der Ausländerinnen und Ausländer, differenziert nach Ge-
schlecht, EU-Bürgerinnen und EU-Bürgern, unbefristetem Aufenthaltsrecht und Duldung. Je höher
die Zahl der Personen mit unbefristetem Aufenthaltsrecht ist, desto höher ist auch das Potenzial für
Einbürgerungen und für die Ausübung einer Erwerbstätigkeit. Die Zahl der ausländischen Staatsan-
gehörigen ist im Zeitraum von 2008 bis 2011 um 10,59% gestiegen. Rund ein Drittel der ausländi-
schen Staatsangehörigen stammt aus EU-Staaten, deren Anzahl in demselben Zeitraum um 15,25%
gestiegen ist. Von den ausländischen Staatsangehörigen, die keine EU-Bürger sind, haben etwas
weniger als die Hälfte ein unbefristetes Aufenthaltsrecht. Die Anzahl der geduldeten ausländischen
Staatsangehörigen beläuft sich im Jahr 2011 auf 608 Personen, was gegenüber dem Jahr 2008 (866
Personen) einem Rückgang von knapp 30% entspricht. Das Amt für Ausländerangelegenheiten führt
diesen Rückgang auf „Altfallregelungen“ und die konsequente Nutzung von Ermessensspielräumen
zugunsten ausreisepflichtiger Personen zurück.
Übersicht über die ausländischen Staatsangehörigen in Münster 2008 – 2011
Jahr Ausländische Staatsangehörige Geduldete
(Ausreise-
pflichtige)
W M Gesamt Davon
EU
Übrige unbefristetes
Aufenthalts-
recht
Befristetes
Aufenthalts-
recht
2011 11627 11112 22739 8839 13900 6009 7283 608
2010 10876 10479 21355 8114 13241 5895 6715 631
2009 10561 10244 20805 7879 12926 5899 6232 795
2008 10439 10123 20562 7669 12893 5880 6147 866
Quelle: Amt für Ausländerangelegenheiten
Im Hinblick auf den Aufenthaltsstatus von Ausländerinnen und Ausländern hat sich das Amt für Aus-
länderangelegenheiten zum Ziel gesetzt, den Anteil der sich rechtmäßig in Münster aufhaltenden
ausländischen Staatsangehörigen nicht unter 93% sinken zu lassen. Diese Zielmarke wurde sowohl
mit 95,8% im Jahr 2008 als auch mit 97,3% im Jahr 2011 deutlich erreicht.
Aus der Studierendenstatistik der WWU Münster geht hervor, dass sich unter den 22739 ausländi-
schen Staatsangehörigen 3135 ausländische Studierende befinden, von denen 1960 keine EU-
Bürger sind. Das entspricht einem Anteil von 62,52%.
19
Datenquelle: Interne Studierendenstatistik der WWU Münster für das WS 2011/12
Das Amt für Ausländerangelegenheiten nimmt regelmäßig an der speziell für Studierende eingerich-
teten Messe „CONNECTA International“ teil, bietet dort Beratung an und schafft u. a. auf diese Wei-
se den Brückenschlag zwischen der Stadt und den Hochschulen.
3.2.2 Einbürgerungen
Alle in Münster lebenden Ausländerinnen und Ausländer, die einen rechtmäßigen Aufenthaltsstatus
haben und bereits acht Jahre in Deutschland leben, können einen Antrag auf Einbürgerung stellen.
Der Zweite Integrationsindikatorenbericht (2011) erstellt für die Beauftragte der Bundesregierung für
Migration, Flüchtlinge und Integration verweist darauf, dass in bestimmten Fällen bereits eine Ein-
bürgerung nach drei Jahren möglich ist. Da dies bei der Datenerfassung allerdings nur schwer zu
berücksichtigen ist, fassen die folgenden Zahlen alle Einbürgerungen pro Jahr zusammen. Die Ein-
bürgerungsquote ist definiert als Zahl der Einbürgerungen je 100 Ausländerinnen und Ausländern.
Im Jahr 2010 lag die Einbürgerungsquote für Frauen bei 0,99% und für Männer bei 1,01%. Im Jahr
2011 lag die Einbürgerungsquote für Frauen bei 0,95% und für Männer bei 1,03%. Damit liegt die
Einbürgerungsquote für das Jahr 2010 etwas unter dem nordrhein-westfälischen Landesdurch-
schnitt, der bei 1,57% liegt.
3.2.3 Integrationskurse
Das Amt für Ausländerangelegenheiten stellte jedem gesetzlich Berechtigten einen Teilnahmeschein
für die gesetzlich vorgeschriebenen Integrationskurse aus.
Bis zum 30.06.2012 haben im Jahr 2012 14 Integrationskurse stattgefunden, davon 10 allgemeine
Kurse, 2 Alphabetisierungskurse und 2 Jugendintegrationskurse.
Die folgende Tabelle liefert eine Übersicht über die Integrationskurse in Münster von 2005 bis 2011.
Die Anzahl der allgemeinen Integrationskurse liegt konstant bei etwa 20 Kursen. Integrationskurse
mit Alphabetisierung waren vor allem in den Jahren 2008 bis 2010 gefragt. Eltern- und Jugendinteg-
rationskurse sowie spezielle Förderkurse werden nach Bedarf angeboten.
20
Übersicht über die Integrationskurse in Münster von 2005 bis 2011
Anzahl der begonnenen
Kurse
2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 Gesamtsumme
Allgemeiner Integrations-
kurs
18 20 17 20 20 18 20 133
Elternintegrationskurs 0 0 0 0 0 1 3 4
Förderkurs 0 0 0 2 0 1 1 4
Integrationskurs mit Al-
phabetisierung
0 0 6 14 17 11 5 53
Jugendintegrationskurs 1 0 0 1 3 6 5 16
Gesamtsumme 19 20 23 37 40 37 34 210
Quelle: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Bericht 2012
Übersicht über die Teilnehmer/innen an Integrationskursen in Münster von 2005 bis 2011
Anzahl neuer Teilneh-
mer/innen 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 Gesamtsumme
Allgemeiner Integrati-
onskurs
260
52,3%
299
62,9%
281
58,4%
356
62,1%
268
64,1%
260
60,8%
282
61,3%
2006
60,4%
Elternintegrationskurs * * * * * 18
88,9%
60
60%
79
65,8%
Förderkurs * * * 42
54,8% * 17
64,7%
13
69,2%
75
61,3%
Integrationskurs mit
Alphabetisierung * * 53
62,3%
140
72,1%
134
59,7%
88
58%
62
59,7%
478
63,4%
Jugendintegrationskurs 19
47,4% * * 12
91,7%
36
58,3%
61
44,3%
60
48,3%
190
51,6%
Sonstige Kurse * * * * 9
55,6%
24
62,5% * 39
64,1%
Gesamtsumme 281
52,3%
301
62,8%
337
59,1%
553
64,6%
450
62,4%
468
59,4%
481
59,9%
2871
60,6%
Zuzüglich Kurswie-
derholer/innen 0 0 0 25
60%
96
65,6%
131
57,3%
95
66,3%
347
62,2%
Legende: Prozentzahl = Frauenanteil * = Zahl < fünf
Quelle: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Bericht 2012
3.3. Sprache und Bildung
Leitziel7:
„Wir fördern die Potenziale von Menschen mit Migrationsvorgeschichte. Dafür werden gezielt Bil-
dungsmöglichkeiten im Bereich Sprache, Bildung, Arbeit und Beruf bereitgehalten und schon be-
ginnend im Vorschulalter bis hin ins Erwachsenenalter entsprechende Förderprogramme konzipiert
und umgesetzt“.
Bildung und insbesondere sprach liche Fertigkeiten sind wichtige Elemente der persönlichen und
sozialen Identität von Menschen. Sie sind Voraussetzung für ihre schulische und berufliche Entwick-
lung und ihre Teilhabe in der Gemeinschaft. In dem Maße wie diese Fertigkeiten gestärkt werden
können, steigen auch die Chancen der aktiven Integration. Nachstehend wird ein Überblick über den
aktuellen Stand der Bildungsarbeit im Bereich der Integration von der frühkindlichen Bildung bis zum
Übergang in die weiterführenden Schulen geboten. Der Schwerpunkt liegt in diesem Bericht auf dem
Bereich der Sprachförderung und der Darstellung der vielfältigen Projekte.
7 Vgl. Leitbild „Migration und Integration Münster“, S. 10.
21
3.3.1 Frühkindliche Bildung
Für die Entwicklung der emotionalen, kognitiven und sozialen Fähigkeiten von Kindern ist es wich-
tig, dass sie frühzeitig anregende Lernangebote erhalten und am sozialen Leben teilhaben kön-
nen. Ein qualitativ gutes Betreuungs- und Bildungssy stem geht auf die individuelle Situation aller
Kinder ein, berücksichtigt aber insbesondere auch die Situation benachteiligter Kinder, indem es
ihnen entsprechende individuelle Fördermaßnahmen anbietet. Dazu gehören auch Maßnahmen
zur Unterstützung der Sprachentwicklung, die das familiäre Umfeld der Kinder zielführend einbe-
ziehen sollten. In Kindertageseinrichtungen reifen diese Integrationsprozesse neben der alltägli-
chen Kommunikation der Kinder untereinander insbesondere auch durch permanente Begleitung
und Unterstützung durch die Fachkräfte. Ergänzt mit Konzepten einer alltagsintegrierten Sprach-
förderung beginnt die Unterstützung der frühkindlichen Sprachentwicklung somit bereits mit dem
Besuch einer Kindertageseinrichtung. Eine gezielte Förderung setzt bei der Ermittlung des jeweili-
gen Sprachstandes eines jeden einzelnen Kindes an.
3.3.1.1 Sprachstandsfeststellung /Sprachstandserhebungen 2010 und 2011
Die frühe Sprachförderung ist ein Schwerpunkt der Bildungsarbeit in der frühkindlichen Bildung.. Seit
2007 wird die Sprachkompetenz aller Kinder bereits zwei Jahre vor der Einschulung durch das
Sprachstandsfeststellungsverfahren „Delfin 4“ untersucht. Kinder, die demnach eine zusätzliche pä-
dagogische Sprachförderung benötigen, erhalten diese in den Kindertageseinrichtungen. Das Amt
für Schule und Weiterbildung führt die Sprachstandsfeststellung im Auftrag des Landes NRW durch.
Im Schuljahr 2009/10 wurden 2.568 vierjährige Kinder auf ihren Sprachstand hin überprüft. Bei 2.035
Kindern (79,2%) wurden keine Auffälligkeiten in der Sprachentwicklung festgestellt. Bei 533 Kindern
(20,8%) wurde hingegen Förderbedarf in der Sprachentwicklung diagnostiziert.
Im Schuljahr 2010/11 wurden 2.073 Kinder auf ihren Sprachstand hin überprüft. Bei 1.638 Kindern
(79%) wurde die Sprachfähigkeit als altersgemäß eingestuft. Bei 435 Kindern (21%) wurde ein För-
derbedarf diagnostiziert.
Demnach hatte in den letzten beiden Jahren jedes fünfte Kind einen Sprachförderbedarf.
Die folgende Tabelle schlüsselt die Anzahl der Kinder mit Sprachförderbedarf weiter nach Familien-
sprache und Kindertagesstättenbesuch auf. Da sich die Werte zwischen 2010 und 2011 nur marginal
verändert haben, werden im Folgenden lediglich die Werte aus dem Jahr 2011 präsentiert.
413 der 435 Kinder mit Sprachförderbedarf (95%) besuchten zum Testzeitpunkt bereits eine Kinder-
tagesstätte. Bei einem Fünftel der 435 Kinder mit Sprachförderbedarf ist die Familiensprache nicht
bekannt. Bei einem weiteren Fünftel ist die Familiensprache deutsch, weitere 28% wachsen zwei-
sprachig mit deutsch auf und knapp 30% der Kinder wachsen in Familien auf, in denen nicht deutsch
gesprochen wird.
Familiensprache der Kinder mit Sprachförderbedarf
22
Die Diagnose des Sprachförderbedarfs bei einem Fünftel der Kinder weist insgesamt einen Hand-
lungsbedarf aus. Gezielte Maßnahmen, die den er höhten Bedarf der Kinder mit Migrationsvorge-
schichte berücksichtigen, sollten dabei die Sprachfö rderung aller Kinder ei nes Umfeldes im Blick
haben. Da Kinder Sprache besser in einer kommunikativ-sozialen Gesamtumgebung als in einem
schul-pädagogischen Ansatz lernen, können auf diese Weise mehr Kinder erreicht und größere Er-
folge erzielt werden.
3.3.1.2 „Schwerpunkt-Kitas Sprache und Integration“
Neben den bereits implementierten Maßnahmen für Kinder im Elementarbereich (Sprachförderung
Delfin 4, Sprachtests des Kindergärten und Einschulungstests des Gesundheitsamtes) werden des-
wegen bereits alle Kindertageseinrichtungen gefördert, deren Anteil an Kindern mit Sprachförderbe-
darf über dem Landesdurchschnitt liegt. Die Initiative „Offensive Frühe Chancen“ des Bundesministe-
riums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend verfolgt dabei das Ziel, die sprachliche Bildung der
Kinder in pädagogischer Arbeit zu intensivieren und insbesondere Kinder mit hohem Sprachförder-
bedarf infolge eines Migrationshintergrundes oder einer bildungsfernen Familienherkunft durch eine
alltagsintegrierende, frühe Sprachförderung zu unterstützen. Die finanzielle Unterstützung durch das
Bundesministerium dient der Finanzierung von Sachkosten und zur Sprachförderung qualifizierter
Fachkräfte.
In Münster werden insgesamt 21 Kitas aus Angelmode, Berg Fidel, Coerde, Gievenbeck, Hiltrup,
Kinderhaus, Sprackel und Wolbeck als „Schwerpunkt- Kitas Sprache und geführt.
In der folgenden Graphik ist der Anteil von Kindern je Kindergarten ablesbar, die eine Sprachauffäl-
ligkeit aufweisen und aus schulärztlicher Sicht einer sprachlichen Förderung bedürfen. Es wird dabei
in dieser Erhebung nicht zwischen Migrant/inn/en und Nicht-Migrant/inn/en unterschieden.
8
Kitas nach Anteil der Kinder mit Sprachförderbedarf
Quelle: Gesundheitsamt der Stadt Münster
8 Zu berücksichtigen ist, dass die Feststellung des Spra chbefundes im Rahmen der pr imären Aufgabenstellung, der
"Feststellung des gesundheitlich bedingten Entwicklungsstandes einschließlich der Sinnesorgane", nur ein Unterpunkt
ist. In der zur Verfügung stehenden Zeit kann pro Kind keine ähnlich differenzierte Testung erfolgen, wie beispielsweise
bei den Delfin-Testen. Das Gesundheit samt bedient sich deswegen bei der Bewertung der Sprache einer epidemiologi-
schen Herangehensweise, die sich auf Screening-Testung und subjektive Einschätzung bezieht. Die so gewonnenen
Daten weichen ggfs. zahlen-, anteils- und verortungsmäßig von Erkenntnissen aus anderen Sprachüberprüfungen ab.
23
Ergebnisse aus unterschiedlichen Bildungsstudien belegen ferner, dass Sprachfähigkeiten und sozi-
ale Herkunft in hohem Maße von der im Elternhaus gesprochenen Sprache beeinflusst werden (vgl.
STANAT 2006: S. 192 f.).
Da die Deutschkenntnisse der Eltern einen entscheidenden Einfluss auf die Sprachentwicklung der
Kinder haben, gilt es die Eltern durch gezielte Maßnahmen zu erreichen und zu stärken. Im Kinder-
gartenjahr 2011/12 wurden 22 Angebote zur individuellen Sprachförderung und Integration für Eltern
mit Migrationsvorgeschichte von Kita-Kindern in den Kitas in Kooperation mit den Familienbildungs-
stätten bereitgestellt. Davon waren 21 Maßnahmen für Mütter und eine für Väter konzipiert. Insge-
samt profitieren von diesen Maßnahmen ungefähr 150 Eltern. Drei der Maßnahmen für Mütter erfolg-
ten modellhaft in den Familiensprachen albanisch, arabisch und tamilisch.
Die o. g. Maßnahmen sind integrierter Bestandteil des „Maßnahmenprogramms einer kindbezoge-
nen Armutsprävention in Münster“ (Vorlage V/0239/2011) und wichtige Bausteine in der gesamtstäd-
tischen Präventionskette.
3.3.2 Übergang aus der Kindertageseinrichtung in die Grundschule
Im Schuljahr 2011/2012 besuchten 2.278 Mädchen und Jungen die erste Klasse einer städti-
schen Grundschule in Münster. Davon waren 193 (8,47 %) Ausländerinnen und Ausländer.
37,31 % der ausländischen Schüler waren weiblich und 62,69 % männlich.
Die Verteilung der Erstklässler auf die Stadtbezirke ist in der Tabelle 3 der Amtlichen Schuldaten
dargestellt.
Schüler/innen im 1. Jahrgang im Schuljahr 2011/12
Stadtbezirk
Herkunft Gruppe Mitte-
Altstadt
Mitte-
Innen-
Stadt
Mitte-
Süd
Mitte-
Nordost West Nord Ost Südost Hiltrup
Gesamt
Schüler/innen 73 205 176 194 556 288 177 255 328 2.252 6. Lebensjahr voll-
endet
(stichtagunabhängig) Davon Auslän-
der/innen 1 9 11 6 34 39 11 17 58 186
Schüler/innen 3 2 18 2 1 26 Verbleib in der
Schuleingangsphase
oder im Vorjahr
zurückgestellt
davon Auslän-
der/innen 1 5 1 7
Summe Schüler/innen 73 205 179 194 558 306 177 257 329 2.278
davon Ausländer/innen 1
1,4%
9
4,4%
12
6,7%
6
3,1%
34
6,1%
44
14,4%
11
6,2%
17
6,6%
59
17,9%
193
8,5%
Quelle: Amt für Schule und Weiterbildung
3.3.2.1 Sprachförderbedarf bei Schulanfänger/innen
Ausgehend von den bisher durchgeführten Erhebungen der Ämter im Rahmen von Delfin 4 und
der Schuleingangsuntersuchung des münsterschen Ge sundheitsamtes ist ein erheblicher Sprach-
förderbedarf bei den Schulanfänger/innen zu konstatieren.
Die Ergebnissen der Einschulungsuntersuchung bilden den Sprachstand von Kindern zwischen 5
und 6,5 Jahren vor dem Besuch der Grundschule ab. Die besondere Bedeutung der Schulein-
gangsuntersuchungen ist im Bereich Gesundheit zu verorten. Aufgrund des Pflichtcharakters der
Untersuchung werden annähernd alle Kinder eines Einschulungsjahrganges Jahren erfasst. Diese
Untersuchungen haben daher als sogenannte Voller hebung von Daten insgesamt eine große Aus-
sagekraft und für den vorliegenden Bericht deswegen im Besonderen, weil das Gesundheitsamt
bei seinen Untersuchungen seit 2002 auch das Merkmal der Migrationsvorgeschichte abgefragt
sowie die Sprachkompetenz der begleitenden Eltern mit einbezogen hat.
24
Diese über den Zeitraum 2002 bis 2009 geführte Statistik des Gesundheitsamtes bietet derzeit den
einzigen Überblick über die möglichen Zusammenhänge zwischen Sprachfertigkeiten und Migrati-
onsvorgeschichte. Obgleich sie nur mit den bereits erwähnten Einschränkungen heranzuziehen ist,
erlaubt sie doch eine Annäherung an die Thematik.
Dieses Schaubild veranschaulicht, dass die Sprachförderung für eine Vielzahl von Schulanfänge-
rinnen und Schulanfängern mit Migrationsvorgeschichte in dem genannten Zeitraum erforderlich
war, da sie nicht mit der deutschen Sprache aufgewachsen, d. h. sozialisiert waren und die deut-
sche Sprache als Fremdsprache erlernen mussten. Es geht hervor, dass der Anteil der "migranti-
schen" Kinder bei den förderbedürftigen Kindern immer überwiegt.
Aufgrund der landesweiten Veränderungen im Bildungswesen und des Vorziehens des Schulein-
gangsalters musste das Gesundheitsamt der Stadt Münster das bestehende Einschulscreening mit
der Einschulung 2010 anpassen. Der bis dahin bewährte Sprachindikator für Münster konnte seit-
her nicht weitergeführt werden. Die epidemiologische Beschreibung des Sprachbefundes als Zeit-
reihe aber auch für die kleinräumige Beschreibung konnte mithin nicht über das Jahr 2009 hinaus
fortgeschrieben werden.
9 Mittlerweile wurden drei Jahrgänge von Schulanfänger/inne/n mit dem
neuen landesweiten Einschulscreening (SOPESS) getestet, so dass aus diesen neuen Erkennt-
nissen ein neuer Sprachindikator gebildet werden kann.
Die Auswertung der Erhebungen zu den Schulanfänger/inne/n der Jahre 2010 und 2011 liegt für
insgesamt 4175 Kinder vor. Davon besitzen 29,08% der Schulanfänger/innen eine Zuwanderungs-
geschichte (mindestens ein Elternteil stammt nicht aus Deutschland). Von diesen Kindern be-
herrschten weniger als die Hälfte (= 45,63%) die deutsche Sprache so gut, dass sie ohne zusätzli-
che Deutschförderung problemlos in der Schule zurechtkommen dürften.
Neben dem unabdingbaren Förderansatz im frühkindlichen Alter besteht demnach ein erhöhter
Handlungsbedarf beim Übergang aus der Kindertageseinrichtung in die Grundschule. Dabei gilt es
unter Berücksichtigung des konkreten Förderbedarfs und ohne Diskriminierung der einzelnen Erst-
klässlerin bzw. des einzelnen Erstklässlers insgesamt die sprachlichen Kompetenzen anzuheben.
3.3.2.2 Arbeitskreis „Kooperation – Kindertageseinrichtung - Grundschule“
9 Die Einschränkung der Fortschreibbarkeit der Daten betrifft die subjektive sc hulärztliche Einschätzung der Deutsch-
kenntnisse der Kinder mit Zuwanderungsgeschichte aufgrund der Subjektivität nicht in dem Maße. Die Frage, ob Kindern
die deutsche Sprache nicht oder nicht gut beherrschen, kann ohnehin nur sehr begrenzt auf standardisierter (Scree-
ning)Testung beruhen.
25
Der Arbeitskreis „Kooperation – Kindertageseinrichtung - Grundschule“, bestehend aus Fachleuten
aus den Fachämtern sowie Praktiker/innen aus Kindertageseinrichtungen und Grundschulen, hat
dazu konkrete Schritte im Übergangsmanagement entwickelt. Im Rahmen des Landesprojektes
zur Erprobung der „Grundsätze zur Bildungsförderung für Kinder von 0 bis 10 Jahren“ fand in
Münster - Gievenbeck in der Michaelschule und den Kindertageseinrichtungen Michael II und Leg-
denweg ein Projekt mit Modellcharakter statt. An diesem Leseprojekt beteiligten sich 12 Kinder aus
den Kindertageseinrichtungen und 21 Kinder der ersten Klasse mit beachtlichem Erfolg. Das Pro-
jekt hatte Modellcharakter und wird auf andere Schulen und Kitas (so in Wolbeck) übertragen.
3.3.2.3 „Mulingula“
Das Projekt „Mulingula“ (Multilinguale Leseaktivitäten) umfasst die Einrichtung einer schulbezo-
genen mehrsprachigen Kinderbibliothek, die Durchführung von Vorlesestunden in den Herkunfts-
sprachen durch Muttersprachler/innen und die Realisierung von zweisprachigen Leseworkshops.
Dadurch werden Kinder mit Migrationsvorgeschichte in ihrer Sprach- und Leseentwicklung gezielt
gefördert. Das Konzept wird in Münster bereits an mehreren Schulen umgesetzt. Mulingula (Multi-
linguale Leseaktivitäten) wurde mit dem Europäischen Sprachensiegel 2011 ausgezeichnet.
3.3.3 Übergang aus der Grundschule in die weiterführenden Schulen
Die Ergebnisse aus unterschiedlichen Bildungsstudien belegen deutlich, dass Sprachfähigkeiten
und sozial Herkunft ausschlaggebend sind für den Erfolg von Schülerinnen und Schülern im deut-
schen Bildungssystem. So lässt sich anhand von Daten aus den Schulleistungsstudien PISA, LAU
und IGLU zeigen, dass beim Übergang in die Sekundarstufe I eine zentrale Hürde für Schülerinnen
und Schüler mit Migrationsvorgeschichte im Niveau ihrer Deutschsprachkenntnisse liegt, das in
hohem Maße von der im Elternhaus gesprochenen Sp rache beeinflusst wird (vgl. STANAT 2006:
S. 192 f.).
Die folgende Statistik beruht auf langjährigen Untersuchungen des münsterschen Gesundheitsam-
tes. Dabei wird deutlich, welche Bildungskarriere Kinder mit auffälligem Sprachbefund in Münster
bis zum Beginn der schulischen Mittelstufe durchlaufen haben. Diese Daten sind allerdings nur
eine – nicht mehr aktuelle – Momentaufnahme. Sie berücksichtigen nicht, welche Maßnahmen
anschließend ergriffen wurden, um die Chancen dies er Kinder zu verbessern. Es sind indes die
einzigen Daten aus Münster, die einen Zusamm enhang zwischen individuellem Bildungsverlauf in
Abhängigkeit von den Chancen bei Schulstart er möglichen und Überlegungen zur Aufnahme ge-
eigneter Indikatoren für diesen Bereich stützen.
26
Quelle: Gesundheitsamt der Stadt Münster10
3.3.3.1 Schulabgänger/innen ohne Hauptschulabschluss in Münster
Auch die folgende Tabelle unterstreicht die Notwendigkeit der Auswahl geeigneter Indikatoren in
diesem Bereich. Sie zeigt die Anzahl der Schulabgänger/innen ohne Hauptschulabschluss für die
Jahre 2004 bis 2011 am Ende des jeweiligen Schuljahres, aufgeschlüsselt nach Nationalität (Deut-
sche/Ausländer/innen). Es wurden die Abgänger/innen sämtlicher allgemeinbildender Schulformen
einbezogen.
11
Quelle: Kommunales Bildungsmonitoring: Tab. T15.1 IT.NRW
10 In der Tabelle wird die Abkürzung „Sprfoe“ für „Sprachförderung“ verwendet.
11 Hauptschule, Förderschule, Realschule, Gymnasium, integrierte Gesamtschule, Freie Waldorfschule.
27
Aufgeschlüsselt in Prozentzahlen ergibt sich folgendes Bild:
ohne Hauptschulabschluss
Gesamtzahl der Schüler/innen ohne Hauptschulabschluss in Münster
Schuljahr absolut
Deutsche
in %
Ausländer/innen
in %
2010/11 148 67,57% 32,43%
2009/10 140 71,43% 28,57%
2008/09 230 65,22% 34,78%
2007/08 152 76,97% 23,03%
2006/07 228 77,20% 22,80%
2005/06 191 72,25% 27,75%
2004/05 171 76,02% 23,98%
Quelle: Kommunales Bildungsmonitoring: Tab. T15.1 IT.NRW
Während der Anteil der deutschen Schulentlassenen ohne Hauptschulabschluss prozentual zu-
rückgegangen ist, ist derjenige der ausländischen Abgänger/inne/n im Vergleich der letzen sieben
Schuljahre von 23,98 % im Jahr 2004/2005 auf 32,43% im Jahr 2010/2011 (siehe Tabelle) deutlich
angestiegen.
Von Interesse ist, dass die Schüler/innen überwiegend aus den Förder- und Hauptschulen stam-
men. Von weiterer Bedeutung wäre auch die Betrachtung der Migrationsvorgeschichte als Her-
kunftsmerkmal. Dass eine differenzierte Datenerhebung nach Migrationsvorgeschichte unumgäng-
lich ist, verdeutlichen folgende Zahlen: Im Jahr 2011 besuchten 32.978 Schüler/innen in Münster
eine Grundschule, Hauptschule, Realschule, Gesamtschule, ein Gymnasium oder eine Förder-
schule
. Davon besaßen 2.528 Schüler/innen eine ausländische Staatsangehörigkeit und 6.353
Schüler/innen hatten eine „Zuwanderungsgeschichte“ (vgl. Statistik Schulministerium 2011/12,
8..9.1). Damit haben mindestens 19,3 % aller Schüler/innen der Grund-, Förder-, Haupt-, Real-,
Gesamtschulen und der Gymnasium in Münster eine Migrationsvorgeschichte Die Heranziehung
des Merkmals Migrationsvorgeschichte kann künftig helfen, eine gezielte und differenziertere För-
derung zu ermöglichen.
3.3.3.2 „Chancen der Vielfalt nutzen lernen- Modellprojekt (EIF)“
Das konkrete Modellprojekt zielt darauf ab, Grund schulkinder mit Migrationshintergrund zu fördern,
damit der Übergang zur weiterführenden Schule reibungsloser vor sich geht. In Kooperation mit der
Fachhochschule Münster und der Universität Münster unterstützen Studierende der sozialen Arbeit
sowie Lehramtsstudierende Schülerinnen und Schüler in 5 Grundschulen in Münster. Im Verlauf des
Projektes wurden seit Beginn im Februar 2010 insgesamt 699 Schülerinnen und Schüler gefördert.
Die Förderung der Kinder, die überwiegend die 3. und 4. Klasse besuchen, fand sowohl im Rahmen
des Vormittags- als auch im Nachmittagsunterricht statt. Als Ergänzung dazu fanden in den Osterfe-
rien einwöchige Sprachencamps für die Kinder des Projektes statt.
Praxisphase / Zeitraum Anzahl der teilnehmenden Kinder
1. Praxisphase: 01.02.2010-31.07.2010 158 Schülerinnen und Schüler
2. Praxisphase: 01.08.2010-31.07.2011 128 Schülerinnen und Schüler
3. Praxisphase: 01.02.2011-31.07.2011 148 Schülerinnen und Schüler
4. Praxisphase: 01.08.2011-31.07.2012 122 Schülerinnen und Schüler
5. Praxisphase: 01.02.2011-31.07.2012 144 Schülerinnen und Schüler
28
3.3.3.3 „Club D – Mitreden auch auf Deutsch“
Das Amt für Schule und Weiterbildung richtete bereits 2004 mit dem „Club D – Mitreden auch auf
Deutsch“ in der Volkshochschule Münster ergänzend zu den bestehenden Angeboten ein Unter-
stützungsangebot für Schülerinnen und Schüler ein, die als Seiteneinsteiger/innen in die münster-
schen Schulen aufgenommen werden. Mit dem Club D wird allen Schülerinnen und Schülern mit
Migrationsvorgeschichte der Sekundarstufen I und II zur Verbesserung ihres Schulerfolgs eine kos-
tenlose zusätzliche Förderung in Deutsch angeboten.
Es lassen sich Fortschritte nicht nur sprachlicher Art bei den Schülerinnen und Schülern feststellen,
auch Persönlichkeitsentwicklung und Selbstbewusstsein profitieren von den verbesserten Deutsch-
kenntnissen.
Schülerinnen und Schüler im Club D
Schuljahr Anzahl der Kurse Anzahl der Schüler/innen
2011/12 6 107
Quelle: VHS
3.3.3.4 Internationale Ausrichtung der Schulen
In Münster haben bereits mehrere Schulen ihren Unterricht und die außerunterrichtlichen Angebote
international ausgerichtet und zertifizieren lassen. Zurzeit haben eine Grundschule und 7 weiterfüh-
rende Schulen in Münster das Zertifikat „Europaschule“ erhalten.
3.3.3.5 Herkunftssprachlicher (muttersprachlicher) Unterricht
Schülerinnen und Schüler, die aus dem Ausland zuwandern, können in Münsters Schulen ihre Hei-
matsprache pflegen und fortführen.
Aufgabe des herkunftssprachlichen Unterrichtes (HSU) ist es, den Schülerinnen und Schülern die
Heimatsprache und -schrift zu erhalten und zu erweitern, sowie ihnen die für die Landeskunde wich-
tigen Inhalte zu vermitteln.
Der Unterricht wird von ausgebildeten ausländischen Lehrkräften erteilt. Der herkunftssprachliche
Unterricht wird in der Stadt Münster zurzeit in den Sprachen Arabisch, Italienisch, Kroatisch/ Ser-
bisch/ Bosnisch, Neugriechisch, Polnisch, Portugiesisch, Russisch, Spanisch und Türkisch angebo-
ten.
Die Leistungen im herkunftssprachlichen Unterricht werden bewertet und im Zeugnis unter „Bemer-
kungen“ eingetragen, wenn der Schüler/die Schülerin am Englischunterricht teilnimmt. Tritt die Her-
kunftssprache an die Stelle der Pflichtfremdsprache, so wird die hierfür erteilte Note dementspre-
chend in das Zeugnis aufgenommen (BASS 13 – 63 Nr. 3, 6.5).
Schüler/innen, die den HSU besuchen, legen am Ende ihres Bildungsgangs in der Sekundarstufe I
eine Sprachprüfung auf der Anspruchsebene des angestrebten Abschlusses ab. Die Teilnahme an
dieser Sprachprüfung ist verbindlich.
Der Unterricht findet in der Primar- und in der Sekundarstufe I statt. Die eingesetzten Lehrkräfte sind
Stammschulen zugeordnet. Die Schülerinnen und Schüler nehmen unabhängig von der besuchten
Schulform am Unterricht teil.
Im Schuljahr 2011/2012 besuchten 982 Schülerinnen und Schüler den herkunftssprachlichen Unter-
richt in Münster.
29
Pro Sprache12 verteilten sich die Mädchen und Jungen wie folgt:
Stammschule Sprache Teilnehmer/innenanzahl
Hauptschule Wolbeck Arabisch 134
Martinischule Italienisch 43
Martinischule Kroatisch/Bosnisch/Serbisch 80
Gymnasium Paulinum Griechisch 32
Hauptschule Coerde Polnisch 126
Hauptschule Coerde Portugiesisch 193
Waldschule Kinderhaus Russisch 166
Overbergschule Spanisch 110
Geistschule Türkisch 98
Quelle: Amt für Schule und Weiterbildung
3.3.3.6 Ehrenamtliches Engagement
Schulische Beratung und sprachliche Unterstützung erhalten Schülerinnen und Schüler mit Zuwan-
derungsgeschichte und ihre Eltern in der Bildungsberatung International. Im Schuljahr 2011/2012
entstanden 12 Patenschaften für Einzelnachhilfe in der deutschen Sprache und anderen Fächern. 16
Schülerinnen und Schüler haben davon profitiert. Daneben gibt es ehrenamtliches Engagement der
Bürgerschaft in Münster zum Beispiel als Angebote der Migrantenselbstorganisationen und der eh-
renamtlichen Kräfte in den verschiedenen Organisationen in den Stadtteilen. Erwähnenswert ist fer-
ner das Schlauberger-Projekt der GGUA Flüchtlingshilfe e. V. Münster.
3.3.4 Förderung des Lesens und der Informationskompetenz
Für die Migrationsanalyse stellte die Stadtbücherei 34.497 Datensätze von Kund/inn/en zur Verfü-
gung. Es handelte sich um diejenigen, die in dem Zeitraum vom 15. Juli 2011 bis 15. Juli 2012 als
aktive (Ausleihe, Internetnutzung) Nutzer/innen registriert wurden. Davon hatten 29.452 Personen
(85,4%) eine Adresse in Münster. Von 25.638 Personen (74,3%) lagen Migrationsinformationen vor
und konnten für die Migrationsanalyse der Stadtbücherei ausgewertet werden. Aufgrund dieser gro-
ßen Grundgesamtheit können die Ergebnisse der Analyse als repräsentativ für die Kund/inn/en der
Stadtbücherei bezeichnet werden.
18,2 % der Büchereikund/inn/en haben eine erkennbare Migrationsvorgeschichte. Dieser Wert ist
nahezu deckungsgleich mit dem Anteil der Personen mit Migrationsvorgeschichte an der wohn-
berechtigten Bevölkerung (20,8 %).
12 Tatsächliche Zahl der Teilnehmer/innen am herkunftssprachlichen Unterricht – Stand Herbstferien 2011
30
Den größten Anteil an den Büchereikund/inn/en mit Migrationsvorgeschichte haben die Kinder
ohne persönliche aber mit vererbter Migrationsvor geschichte. Sie stellen 8,7 % der Bücherei-
kundschaft, während ihr Anteil an der wohnberechtigten Bevölkerung nur 3,5% beträgt.
Die Kund/inn/en mit einem Geburtsland außerhalb Deutschlands kommen aus allen Teilen der
Welt, insbesondere aus Polen und den ehemaligen GUS-Staaten.
Die Auswertung nach Altersgruppen ergab, dass 31,2 % aller in der Stadtbücherei registrierten
Kinder bis 12 Jahren eine Migrationsvorgeschichte haben, bei den Jugendlichen von 13 bis 17
Jahren sind es 26,5 %.
Nach Stadtteilen stellt sich die Situation wie folgt dar:
o Von den 1.394 Kund/inn/en, die im Einzugsbereich der Zweigstelle Coerde wohnen, ha-
ben 40,5 % eine Migrationsvorgeschichte
o Von den 3.380 Kund/inn/en, die im Einzugsbereich der Zweigstelle Gievenbeck wohnen,
haben 24,9 % eine Migrationsvorgeschichte
o Von den 1.525 Kund/inn/en, die im Einzugsbereich der Zweigstelle Kinderhaus wohnen,
haben 25,2 % eine Migrationsvorgeschichte
31
38,7 % der Kund/inn/en mit Migrationsvorgeschichte sind Männer und 61,3 % Frauen. Damit ist
hier der Anteil der Männer höher als bei den männlichen Kunden ohne Migrationsvorgeschichte,
wo er bei 34,5 % liegt.
Im Rahmen ihrer Möglichkeiten versucht die Stadtbibliothek, möglichst alle Kinder zu erreichen, ins-
besondere auch die aus bildungsfernen Elternhäusern. Hier zeigt offensichtlich die intensive Zu-
sammenarbeit gerade mit Kindertageseinrichtungen und Schulen – insbesondere in den Stadtteilen
Berg Fidel (Bücherbus), Coerde, Gievenbeck und Kinderhaus (Zweigstellen) ihre Erfolge.
3.4 Arbeit und Wirtschaft
Leitziel13:
„Wir wollen die Potenziale von Menschen mit Migrationsvorgeschichte besser erfassen, individuell
fördern und stärker in den Arbeitsmarkt einbeziehen.“
Arbeit, Wirtschaft und die Teilhabe aller Menschen daran sind nicht nur aus integrationspolitischer
Sicht von eminenter Bedeutung. Der demographische und gesellschaftliche Wandel sollte in vor-
ausschauender und transparenter Weise in diesem Handlungsfeld einbezogen werden. Unsere
Gesellschaft kann es sich nicht leisten, auf vorhandene Potenziale zu verzichten. Bei der Integrati-
on von Menschen mit Migrationsvorgeschichte wird der Erwerbsarbeit eine zentrale Rolle zuge-
schrieben. Sie ermöglicht eine selbstbestimmte Gestaltung des eigenen Lebens und erleichtert die
gesellschaftliche Teilhabe (OECD 2007; Santel 2004) . In diesem Handlungsfeld kooperieren städ-
tische Ämter und Tochtergesellschaften mit vielen anderen Akteuren in Münster. Dabei spielt bei
allen Beteiligten das Thema Arbeitsmarktzugang von Menschen mit Migrationshintergrund eine
zentrale Rolle. Die für passgenaue Maßnahmen notwendige differenzierte und einheitliche Daten-
lage ist derzeit ungenügend und soll im künftigen Monitoringprozess aufgebaut werden. Derzeit
kann in Münster auf nachstehende Informationen zugegriffen werden
.
3.4.1 Arbeit
Die folgende Analyse der Arbeitsmarktdaten für die Stadt Münster fokussiert auf die strukturellen
Probleme bei der Erwerbstätigkeit von Ausländer/innen. Diesbezüglich erfassen die zur Verfügung
stehenden Daten der Bundesagentur für Arbeit nicht das Merkmal „Migrationsvorgeschichte“, son-
dern nur das Merkmal „Ausländer“. Das hiesige Jobcenter ermöglicht seit kurzem die Datenaufberei-
tung anhand des Merkmals „Migrationsvorgeschichte“. Da dies allerdings nicht rückwirkend gesche-
hen kann, liegt dem Großteil der Daten das Merkmal „Ausländer“ zugrunde.
13 Vgl. Leitbild „Migration und Integration Münster“, S. 10.
32
Die Anzahl der ausländischen Arbeitslosen ist in den vergangenen zehn Jahren um mehr als 13%
zurückgegangen. Lediglich im Stadtbezirk Nord liegt sie über der Marke aus dem Jahr 2001, aller-
dings deutlich unter der des Jahres 2006. Insbesondere in den Stadtbezirken West und dem gesam-
ten Innenstadtbereich hat der Anteil ausländischer Arbeitslosen abgenommen.
Daten: Stadt Münster, SMS - Statistik für Münsters Stadtteile (31.12.2011)
Im Vergleich mit den deutschen Arbeitslosen für die Gesamtstadt ergibt sich folgendes Bild:
Arbeitslose 14 in Münster
Quelle: SMS – Arbeitslose in Münster, April 2012
Im Vergleich zur Entwicklung der Zahl der deutschen Arbeitslosen ist ablesbar, dass die Zahl der
ausländischen Arbeitslosen auch bei wirtschaftlichen oder politischen Veränderungen nahezu kon-
14 Arbeitslose sind nach § 16 SGB III Personen, die wie beim Anspruch auf Arbeitslosengeld (vgl. §§ 117 – 122 SGB III)
vorübergehend nicht in einem Beschäftigungsverhältnis st ehen, eine versicherungspflichtige Beschäftigung suchen und
dabei den Vermittlungsbemühungen der Bundesagentur für Arbeit zur Verfügung stehen und sich bei der Bundesagentur
für Arbeit arbeitslos gemeldet haben (vgl. §§ 2,16,327 SGB III). Teilnehmer an Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpoli-
tik gelten nicht als arbeitslos. Für Hilfebedürftige nach dem SGB II findet nach § 53 a Abs.1 SGB II die Arbeitslosendefi-
nition des § 16 SGB III sinngemäß Anwendung.
33
stant bleibt. Dies kann durchaus als ein Hinweis auf strukturelle Probleme hinsichtlich der Integration
von Ausländern in den Arbeitsmarkt gesehen werden. Ein Indikator dafür ist die Aufschlüsselung der
deutschen bzw. ausländischen Arbeitslosen nach Bildungsabschluss. In den beiden Diagrammen
wird deutlich, dass der Anteil von Ausländer/inne/n ohne Bildungsabschluss an den Arbeitslosen fast
doppelt so hoch ist wie bei deutschen Arbeitslosen.
Quelle: Bundesagentur für Arbeit
15
Quelle: Jobcenter Münster, Bestand an Arbeitslosen (Datenstand: Oktober 2011)
Mit Blick auf die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist festzustellen, dass die An-
zahl der ausländischen sozialversicherungspfli chtigen Beschäftigten im Zeitraum von 2005 bis
2011 um 36% gestiegen ist. Die Anzahl der deutschen sozialversicherungspflichtigen Beschäftig-
ten ist in demselben Zeitraum um 16% gestiegen.
15 Bei diesen Daten erfolgte eine Stichtagsänderung: Bis 2004 war der Stichtag der 31.12., ab 2005 war Stichtag der
15.12.e. j. Jahres.
34
Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte16 am Wohnort Münster mit und ohne deutsche/r
Staatsangehörigkeit
2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 Prozentuale
Veränderung
Ausländer 4957 5216 5404 5718 5777 6251 6754 36,25%
Deutsche 80129 81095 83596 85518 86546 89023 93144 16,24%
Daten: Stadt Münster, SMS - Statistik für Münsters Stadtteile (31.12.2011)
Daten: Stadt Münster, SMS - Statistik für Münsters Stadtteile (31.12.2011)
Quelle: Stadt Münster, SMS - Statistik für Münsters Stadtteile (31.12.2011)
Ein weiterer aussagekräftiger Indikator ist die geringfügige Beschäftigung. Ein Beschäftigungsver-
hältnis gilt als geringfügig, wenn das monatliche Einkommen 400 Euro nicht übersteigt bzw. die
16 Zum Personenkreis der sozialversicherungspflichtig Beschä ftigten zählen alle Arbeitnehmer/innen einschließlich der
zu ihrer Berufsausbildung Beschäftigten, die kranken-, renten- , pflegeversicherungspflichti g und/oder beitragspflichtig
sind oder für die von den Arbeitgebern Beitragsanteile zu entr ichten sind. Aus dieser Abgrenzung ergibt sich, dass in der
Regel alle Arbeiter/innen und Angestell ten einschl. Personen in beruflicher Ausbildung von der Sozialversicherungs-
pflicht im Meldeverfahren erfasst werd en. Daneben besteht in wenigen Fällen auch für Selbstständige Versicherungs-
pflicht in der Sozialversicherung. Wehr- und Zivildienstleistende gelten nur dann als sozialversicherungspflichtig Beschäf-
tigte, wenn sie ihren Dienst aus einem weiterhin besteh enden Beschäftigungsverhältnis heraus angetreten haben und
nur wegen der Ableistung dieser Dienstzeiten kein Entgelt erhalten. Quelle: SMS – Sozialversicherungspflichtig Beschäf-
tigte am Wohnort Münster.
35
Beschäftigungsdauer zwei Monate (das entspricht 50 Arbeitstagen) nicht überschreitet. Laut Bun-
desagentur für Arbeit galten im September 2011 insgesamt 37.776 Personen als geringfügig Be-
schäftigte. Davon besaßen knapp 91% die deutsche Staatsbürgerschaft, knapp 9% waren auslän-
dische Staatsangehörige. Da der Ausländeranteil in Münster bei 7,5% liegt, sind Ausländer/innen
in fast derselben Weise wie Deutsche betroffen.
Im Juli 2012 hat die Statistikdienststelle der Stadt Münster einen Abzug der Kundendaten zur Auf-
bereitung anhand des Merkmals Migrationsvorgeschichte erhalten. 96,2% der verarbeiteten Kun-
dendaten konnten positiv identifiziert und somit im Kontext abgeglichen werden. Im Folgenden wird
die erste Auswertung dargestellt.
Die in der Migrationsbetrachtung verwendeten Kundendaten beinhalten alle Leistungsbezie-
her/innen, die ab dem 01.01.2012 bis zum statistisc hen Berichtsmonat Juli 2012 (Stichtag der Da-
tenerhebung 13.07.2012) als Kunde/Kundin im Jobcenter gemeldet waren. Insgesamt wurden in
der Auswertung 25.342 Datensätze verwendet. Da hier auch Zugänge und Abgänge mit in die
Auswertung eingeflossen sind, wird in der Darstellung auf absolute Werte verzichtet.
Die folgende Abbildung zeigt die Aufteilung der Kund/inn/en des Jobcenter Münster nach Migrati-
onsvorgeschichte. Über die Hälfte alle Leistungsbezieher/innen haben nach den Auswertungen
eine Migrationsvorgeschichte. Den größten Anteil in dieser Gruppe bilden die Ausländer/innen mit
19,3%, gefolgt von den Kindern ohne persönliche aber mit vererbter Migrationsvorgeschichte
(11,9%). Im Vergleich zum Anteil der Menschen mit Migrationsvorgeschichte an der gesamten
wohnberechtigten Bevölkerung in Münster ist der Anteil der Leistungsberechtigten mit Migrations-
vorgeschichte deutlich höher.
Quelle: Jobcenter Münster (Datenstand: 2012)
Die folgende Darstellung zeigt die Kund/inn/en des Jobcenter Münsters nach Migrationsvorgeschich-
te und Alter. Auffällig ist, dass insbesondere in der Gruppe der jungen Bevölkerung Menschen mit
Migrationsvorgeschichte überwiegen. Das ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass das Job-
center die Kinder als Teil der Bedarfsgemeinschaft und somit als seine Kundschaft miterfasst.
36
Quelle: Jobcenter Münster (Datenstand: 2012)
Im Hinblick auf die Förderung der Integration von Menschen mit Migrationsvorgeschichte sind zwei
wesentliche Informationen zu nennen:
1. Zur Stärkung des Bewerbungs- und Stellengesuchverhaltens ist im April 2012 das Anerken-
nungsgesetz des Bundes ("Gesetz zur Verbesserung der Feststellung und Anerkennung im Aus-
land erworbener Berufsqualifikationen") in Kraft getreten. Es verbessert die Chancen für Men-
schen, die ihre beruflichen Qualifikationen im Ausland erworben haben, in Deutschland in ihrem
erlernten Beruf zu arbeiten. Die Möglichkeit des Anerkennungsverfahrens wird vom Jobcenter
Münster fokussiert.
2. Mit Blick auf die Stärkung der Qualifikation gibt es ein breitgefächertes Angebot an ESF-
geförderten Sprachkursen, z.B. in den Bereichen allgemeine Berufsorientierung, Pflege, Verkauf
oder Handwerk. Es ist geplant diese Kurse in Zusammenarbeit mit dem Träger weiterzuentwi-
ckeln. Schwerpunkt soll sein, auch berufsbezogene Sprachkurse mit mehr praktischen Anteilen
anzubieten, um das Erlernen der berufsspezifischen Sprache für die Teilnehmer und Teilnehme-
rinnen zu erleichtern.
Ein weiterer Bestandteil des Integrationsmonitorings für das Handlungsfeld Arbeit und Wirtschaft ist
die Mitarbeiterbefragung der städtischen Tochtergesellschaften und diverser Kammern. Diesbezüg-
lich wurde nach dem Anteil der Mitarbeiter/innen und Auszubildenden mit bzw. ohne Migrationsvor-
geschichte gefragt. Die Rückmeldungen zeigen, dass es bisher keine systematische Erfassung des
Merkmals Migrationsvorgeschichte bei den Mitarbeitern/innen und Auszubildenden der Kammern
und Tochtergesellschaften gibt. Dennoch hat die Anfrage zum Anteil der Mitarbeiter/innen mit Migra-
tionsvorgeschichte bei den Tochtergesellschaften und den Kammern zwei nennenswerte Antworten
eingebracht:
1. Die Grundlage der Datenermittlung der Stadtwer ke ist das Geburtsland bzw. der Geburtsort der
Mitarbeiter/innen. Die Quote der Mitarbeiter/innen mit Migrationshintergrund beträgt 4,69%
(Stand 09.08.2012). Die weitere Aufschlüsselung nach Funktionsbereich und Herkunftsgebieten
ist den Tabellen zu entnehmen.
Aufteilung der Mitarbeiter/innen mit Migrationshintergrund nach Funk-
tionsbereich
Leitungskräfte 3,92 %
Angestellte 29,41 %
Arbeiter 64,71 %
Azubis 1,96 %
37
Mitarbeiter/innen mit Migrationshintergrund nach Herkunftsgebieten
Ehem. UdSSR 54,90 %
Asien 15,69 %
Westeuropa 11,76 %
Südamerika 5,88 %
Afrika 3,92 %
Südeuropa 3,92 %
Arab. Länder 1,96 %
Nordamerika 1,96 %
Quelle: Stadtwerke Münster, 2012
2. Die Grundlage der Datenermittlung der Mitarbeiter/innen bei der „Messe und Congress Centrum
Halle Münsterland GmbH“ war die Definition des Migrationshintergrundes des Statistischen
Bundesamtes. Von insgesamt 60 Mitarbeitern/innen und Auszubildenden haben sechs Mitarbei-
ter (10%) einen Migrationshintergrund bzw. eine ausländische Staatsbürgerschaft (vier mit Mig-
rationsvorgeschichte und zwei mit ausländischer Staatsbürgerschaft).
3.4.2 Wirtschaft
Eine strategisch ausgerichtete und intensivierte Förderung und Vernetzung der migrantischen Unter-
nehmer/innen entfaltet eine Dynamik, die positiv auf alle im münsterschen Migrationsleitbild formu-
lierten Ziele wirkt. Diese nachhaltige Unterstützung bezieht dabei nicht nur die eigenen migranti-
schen Potentiale dieses Sektors, sondern auch „klassische“ Unternehmen mit internationaler Aus-
richtung, aus Münster und Umgebung, in die Planungen ein. Auf diese Weise können die vorhande-
nen Synergien bestmöglich erkannt und entwickelt werden. Die Fokussierung liegt dabei auf drei
Zielgruppen:
bestehende Unternehmen mit Sitz in Münster,
Neuansiedlungen und
Existenzgründer und –gründerinnen.
Mit zwei aufeinanderfolgenden Projektförderungen aus dem KOMM IN Programm NRW
„Migrantische Ökonomie – Vom Nischenthema zum Standortfaktor“ (Juli 2010 – Feb. 2011)
und
„Vernetzung migrantischer Unternehmen – Erfahrungen und Erfolg für den Standort sichern“
(Nov. 2011 – Mai 2012)
konnten die Weichen für ein neues Netzwerk in Münster gestellt werden. Zur Projektsteuerungs-
gruppe gehörten neben der Koordinierungsstelle für Migration und Interkulturelle Angelegenheiten
der Stadt Münster auch der Integrationsrat, die Wirtschaftsförderung Münster GmbH, die Hand-
werkskammer Münster, der Deutsche Gewerkschaftsbund/GEW und Frauen & Beruf im FrauenFo-
rum e.V. Zum Abschluss des 2. Projektes im April 2012 konnte der „Verband Internationaler Unter-
nehmen in Münster und Umgebung e. V.“ gegründet werden. Er zeichnet sich durch eine bundesweit
einmalige Diversität in der Mitgliederstruktur wie im Vorstand aus. Mit diesem neuen Akteur besteht
nun ein Ansprechpartner und Mittler, um gezielt migrantische Unternehmen zu fördern.
Der Wirtschaftsförderung Münster GmbH kommt in diesem Handlungsbereich per se eine zentrale
Rolle zu. Ihre Bemühungen, Migrant/inn/enökonomien an den Standort Münster zu binden, wurden
intensiviert. So wurde bereits 2010 in ihrem Customer-Relationship-Management-System (CRM-
System) - auch als Kundenbeziehungsmanagementsystem bezeichnet, in dem alle nach außen ge-
richteten Aktionen dokumentiert werden - als zusätzliches Kennzeichen das Merkmal „Migrations-
vorgeschichte“ aufgenommen, um so sicher zu stellen, dass diese besondere Zielgruppe über spe-
zielle Veranstaltungen oder auch die Arbeit im Netzwerk für migrantische Unternehmen informiert
wird. In diesem System haben insgesamt 430 Unternehmer/innen das Merkmal „Migrationsvorge-
schichte“, wobei davon auszugehen ist, dass noch mehr Unternehmen mit MVG zu den Kund/inn/en
zählen, jedoch bisher nicht als solche kenntlich gemacht wurden. Von der erfassten Zielgruppe wer-
den 130 Unternehmen zu „Scout“-Veranstaltungen eingeladen und 60 Unternehmen zu Fast-
Forward-Veranstaltungen. Die Vielfalt der migrantischen Unternehmen in Münster ist dabei ein Ab-
bild der münsterschen Wirtschaftsstruktur: Es sind sowohl Dienstleistungsunternehmen wie z. B.
38
Taxiunternehmen, als auch Handwerksbetriebe wie Fliesenleger/innen oder Elektroinstallationsun-
ternehmen, ebenso Handels- und Gastronomiebetriebe und Freiberufler/innen wie Mediziner/innen,
Rechtsanwälte und -anwältinnen, Graphik-Designer/innen und Steuerberater/innen im System ent-
halten.
Die Hochschullandschaft stellt einen besonderen Wirtschaftsfaktor für Münster dar, der in der strate-
gischen Ausrichtung einen hohen Stellenwert einnimmt. Die Internationalisierung muss als Standort-
faktor bestmöglich ausgeschöpft werden. Dazu hat die Koordinierungsstelle in 2011 mehrere Fach-
gespräche unter Beteiligung der Wirtschaftsförderung Münster GmbH, Münster Marketing, der Fach-
hochschule und der Universität, dem Amt für Ausländerangelegenheiten und Münsterland e. V. ge-
führt, um die in diesem Politikfeld bestehenden Hemmnisse zu lokalisieren, und deren Überwindung
sowie auch die Zukunftspotentiale konzertiert mit zu gestalten.
Ein Betätigungsfeld stellt das Potential der internationalen Absolvent/innen dar.
Im Wintersemester 2010/11 waren ca. 4000 ausländische Studierende immatrikuliert. Statistisch
nicht erfasst ist dabei die Gruppe der jungen Menschen mit Migrationsvorgeschichte der 2. und 3.
Generation. Auch steht die Zahl derjenigen, die eine Arbeitsgenehmigung benötigen, nicht zur Ver-
fügung. Derzeit kann man dennoch davon ausgehen, dass die Zielgruppe der Studierenden mit
Migrationsvorgeschichte
minimal 4000 Studierende umfasst.
Vor diesem Hintergrund ist die Zahl der internationalen Absolvent/innen, die jährlich in Münster
eine Arbeits- und damit verbunden auch eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten, mit 50 Personen 17
als sehr gering anzusehen.
Auf dem Arbeitsmarkt bilden sich die Probleme der Menschen mit Migrationvorgeschichte wie folgt
ab:
der Anteil der ausländischen Arbeitslosen liegt bei fast 18 %,
derjenige der ausländischen Akademiker/innen bei 10,4 %, wobei die Gruppe der unter 35-
jährigen mit 38,2 % die größte Gruppe ausmacht und der Anteil der Frauen bei 61 % liegt.18
Angesichts des demographischen Wandels erscheint es notwendig, mit Maßnahmen zu reagieren
und bereits heute die Weichen zu stellen für eine gute Anbindung der „eigenen“ internationalen Ab-
solvent/innen aber auch die Sicherung von weiteren internationalen Fachkräften.
Internationale Absolvent/innen und Fachkräfte bringen zudem zusätzliche Potenziale durch ihre in-
terkulturelle Kompetenzen mit – wie die Kenntnis über andere kulturelle Werte und Sitten, die Mehr-
sprachigkeit und die grenzübergreifenden Kontakte und Strukturen. Angesichts der sich verändern-
den multi-ethnischen Gesellschaft, und damit auch aus marktwirtschaftlich-strategischem Blickwinkel
der sich verändernden Zielgruppe, sind internationale Fachkräfte eine Bereicherung für jedes Unter-
nehmen (win-win-Situation). Bereits jetzt öffnen sich in Münster und dem Münsterland zunehmend
mehr klein- und mittelständische Unternehmen dem internationalen Markt.
17 Quelle: Amt für Ausländerangelegenheiten der Stadt Münster
18 Quelle: BA Statistik Service West, 15. 11.2011, Arbeitslose mit abgeschlossener Berufsausbildung/darunter akademi-
sche Berufe, mit Merkmal Ausländer.
39
3.5 Handlungsfeld Wohnen und Stadtentwicklung
Leitziele19:
„Unser Ziel ist es, eine ausgeglichene und selbstbestimmte (Durch-) Mischung in den Stadtteilen zu
fördern, um aktiv gegen Ausgrenzungsprozesse zu arbeiten.“
„Wir wollen Chancengleichheit auf dem Wohnungsmarkt schaffen und Diskriminierung vermeiden“.
In Münster weisen 20,76% der wohnberechtigten Bevölkerung eine Migrationsvorgeschichte auf. In
der folgenden Tabelle sind die Anteile der wohnberechtigten Bevölkerung mit Migrationsvorge-
schichte an der wohnberechtigten Bevölkerung in den jeweiligen Stadtbezirken und Teilbereichen
aufgelistet. Aus dieser Tabelle ist ablesbar, dass der Anteil der wohnberechtigten Bevölkerung mit
Migrationsvorgeschichte an der wohnberechtigten Bevölkerung in den Stadtbezirken Mitte inklusi-
ve der dazugehörigen Teilbereiche, im Stadtbezirk Ost und im Stadtbezirk Südost unter dem
Stadtdurchschnitt liegt. In den Stadtbezirken West, Hiltrup und Nord liegt der Anteil hingegen über
dem Stadtdurchschnitt.
In den Stadtbezirken Mitte, Ost und Südost, in denen das Merkmal „Migrationsvorgeschichte“ im
Vergleich zum Stadtdurchschnitt unterrepräsentiert ist, wohnen 44,76% der in Münster wohnbe-
rechtigten Bevölkerung mit Migrationsvorgeschichte und 57,81% der wohnberechtigten Bevölke-
rung des gesamten Stadtgebiets. In den Stadtbezirken West, Hiltrup und Nord wohnen dement-
sprechend 55,24% der in Münster wohnberechtigten Bevölkerung mit Migrationsvorgeschichte und
42,19% der wohnberechtigten Stadtbevölkerung des gesamten Stadtgebiets.
Stadtbezirk
Teilbereich
Anteil der wohnberechtigten Bevölke-
rung mit Migrationsvorgeschichte an
der wohnberechtigten Bevölkerung in
Prozent
Altstadt 15,25%
Innenstadtring 13,39%
Mitte-Süd 18,61%
Mitte-Nordost 16,05%
Stadtbezirk Mitte 15,48%
Stadtbezirk West 23,31%
Stadtbezirk Nord 37,55%
Stadtbezirk Ost 13,82%
Stadtbezirk Südost 20,48%
Stadtbezirk Hiltrup 25,28%
Stadt Münster 20,76%
Quelle: „SMS – Migration 2011 (Stand: 31.12.2011)
Im Jahr 2010 stellte das Amt für Wohnungswesen 2.633 Wohnberechtigungsscheine (WBS), in 2011
nur unwesentlich mehr mit 2.668 WBS, an ausländische Wohnungssuchende aus.
Der Anteil der ausländischen Antragstellerinnen und Antragsteller, aufgegliedert nach Haushaltsgrö-
ßen - nicht nach ihren Haushaltsangehörigen - und ausgehend von der Staatsangehörigkeit betrug
im Jahr 2010 und 2011 an allen Haushalten mit WBS 18 %.
Je kleiner der Haushalt ist, desto geringer ist der Anteil der ausländischen Wohnungssuchenden. Bei
den Haushalten, die aus mindestens 5 Familienmitgliedern bestehen, lag der Anteil der ausländi-
schen Wohnungssuchenden in 2010 bei 41 % und in 2011 bei 39 %.
Laut Auskunft der Statistikdienststelle lag der Anteil der nicht deutschen wohnberechtigten Bevölke-
rung in 2010 bei 7,35 %. Das bedeutet, dass sich im Verhältnis zur durchschnittlichen Bevölkerung
viel mehr ausländische als deutsche Wohnungssuchende beim Amt für Wohnungswesen als woh-
nungssuchend registrierten ließen.
19 Vgl. Leitbild „Migration und Integration Münster“, S. 11.
40
Tab. : Anteil der ausländischen Antragsteller/innen je Haushaltsgröße 2010, 2011
Haushaltsgröße Anteil Antragsteller Ausländer
in % (2010)
Anteil Antragssteller Auslän-
der in % (2011)
1 Personen Haushalt 12% 12%
2 Personen Haushalt 17% 19%
3 Personen Haushalt 25% 27%
4 Personen Haushalt 25% 25%
5 Personen und mehr Haushalt 41% 39%
Gesamt 18% 18%
Quelle: Auszüge aus den Geschäftsberichten 2010/2011
Tab.: Ausgestellte WBS und versorgte Haushalte nach Haushaltsgrößen in 2010/2011
2010 2011
Haushaltsgröße
(Personen)
ausgestellte
WBS
(in Münster)
versorgte Haus-
halte (abgelaufene
WBS durch Bezug
einer Wohnung in
Münster)
ausgestellte
WBS
(in Münster)
versorgte Haushal-
te (abgelaufene
WBS durch Bezug
einer Wohnung in
Münster)
1 1.253 422 1.398 494
2 636 287 579 259
3 336 163 317 156
4 234 100 204 88
5- und mehr 174 54 170 58
gesamt 2.633 1026 2.668 1055
Quelle: Auszüge aus den Geschäftsberichten 2010/2011
Auffällig hoch ist die Versorgungsquote bei den 4- Personen-Haushalten, auffällig niedrig bei den
Haushalten mit 5 und mehr Personen. Die hohe Versorgungsquote ist dadurch begründet, dass auch
der Anteil der ausländischen Haushalte mit Wohnbe rechtigungsschein sehr hoch ist. Die extrem
niedrige Versorgungsquote bei großen Hauhalten lässt sich damit erklären, dass hier auch die 6-, 7-
oder 8-Personen-Haushalte erfasst sind. Gerade Familien mit 4 Kindern und mehr sind häufig aus-
ländische Haushalte.
Dagegen gibt es im öffentlich geförderten Wohnungsbestand zurzeit nur 43 Wohnungen mit 6 Wohn-
räumen und 1 Wohnung mit 7 Wohnräumen.
41
Tab.: Versorgungsquote nach Haushaltsgrößen in 2011 mit Vergleich zu 2010
2010 2011 2010 2011
Haushaltsgröße
(Personen)
Versorgungs-
quote
Versorgungs-
quote
Versorgungsquote
ausländischer Woh-
nungssuchender
Versorgungsquote aus-
ländischer Wohnungs-
suchender
1 33,7% 35,3% 31,5% 30,1%
2 45,1% 44,7% 40,7% 43,8%
3 48,5% 49,2% 46,4% 45,4%
4 42,7% 43,1% 53,4% 36,0%
5- und mehr 31,0% 34,1% 23,9% 29,9%
gesamt 39,0% 39,5% 37,9% 36,6%
Quelle: Auszüge aus den Geschäftsberichten 2010/2011
Die Versorgungsquote der ausländischen Wohnungssuchenden hat sich im vergangenen Jahr leicht
nach unten verändert. Sie liegt allerdings nur mit 2,9 % unter der Versorgungsquote aller Woh-
nungssuchenden, denn zu berücksichtigen ist, dass 39 % der wo hnungssuchenden ausländischen
Haushalte 5 Haushaltsmitglieder und mehr haben und gerade für diese Haushaltsgrößen, z. T. mit 6-
, 7-, oder 8 Familienmitgliedern kaum Wohnungen bzw. keine Wohnungen dem Wohnungsmarkt zur
Verfügung stehen. Umso erfreulicher ist es, dass die Versorgungsquote im Vergleich zum Vorjahr
von 23,9 % auf 29,9 % in 2011 gesteigert werden konnte (Quelle: Auszüge aus den Geschäftsbe-
richten 2010/2011).
3.6 Kinder- und Jugendhilfe, soziale Leistungen und Dienste
Übergeordnetes Leitziel20:
„Die Münsteraner Stadtgesellschaft macht sich gegen jedwede Stigmatisierung und Diskriminierung
von Menschen mit Migrationsvorgeschichte in allen Bereichen und auf allen Ebenen stark.“
Leitziel:
„Wir wollen bedarfs- und kulturgerechte, geschlechts- und altersspezifische Unterstützungs- und
Fördermöglichkeiten professioneller und ehrenamtlicher Art ausbauen. Damit wollen wir die gleichbe-
rechtigte Teilhabe ALLER in allen gesellschaftlichen Bereichen fördern und Konfliktsituationen ent-
gegenwirken.“
Für die Beurteilung der sozialen Lage von Menschen mit Migrationsvorgeschichte sind umfassende
Datenerhebungen über die öffentlichen Transferleistungen notwendig. Die Datenlage ist derzeit noch
begrenzt. Im Jahr 2012 wurde erstmals erhoben wie viele Menschen mit Migrationsvorgeschichte
eine der unter 3.6.1 aufgeführten Leistungen nach dem SGB XII beziehen. Fortan soll die Erhebung
zum 31.12. eines jeden Jahres erfolgen.
Einen Anfang markiert der vorliegende Bericht in dem Schnittmengenfeld „Menschen mit Behinde-
rungen und Migrationsvorgeschichte“. Hier wurde durch den Monitoringprozess der gegebene Hand-
lungsbedarf erkannt.
Aus der Sicht der Flüchtlinge wird vorliegend der Schwerpunkt auf die Frage der Unterbringung und
der Sprachförderung gelegt.
Aspekte der Kinder- und Jugendhilfe sind in dem Handlungsfeld „Bildung“ eingeflossen.
20 Vgl. Leitbild „Migration und Integration Münster“, S. 9 und 12.
42
3.6.1 Soziale Leistungen
Zu den Produkten des Sozialamtes nach dem SGB XII gehören insbesondere
Grundsicherung im Alter und bei dauerhafter Erwerbsminderung
Hilfe zum Lebensunterhalt
Hilfe zur Pflege außerhalb und innerhalb von Einrichtungen.
Eingliederungshilfe für behinderte Menschen.
Anteil der Menschen mit Migrationsvorgeschichte an den aufgeführten Leistungsarten21:
Grundsicherung im Alter und bei dauerhaft voller Erwerbsminderung nach dem Vierten Kapitel SGB
XII erhalten ältere Menschen nach § 41 Abs. 2 SGB XII und dauerhaft voll erwerbsgeminderte Per-
sonen, die ihren notwendigen Lebensunterhalt nicht aus eigenem Einkommen und Vermögen si-
chern können.
Hilfe zum Lebensunterhalt nach dem Dritten Kapitel des SGB XII bekommen ausschließlich Men-
schen, die vorübergehend erwerbsgemindert sind, ihren Lebensunterhalt nicht aus eigenem Ein-
kommen und Vermögen sicherstellen können und keinen Anspruch auf Sozialgeld nach SGB II ha-
ben.
Hilfe zur Pflege außerhalb oder innerhalb von Einrichtungen erhalten Menschen, die in ihrer Häus-
lichkeit auf hauswirtschaftliche oder pflegerische Unterstützung angewiesen sind oder die in einer
Pflegeeinrichtung wohnen und die Pflegekosten nicht aus eigenem Einkommen oder Vermögen be-
ziehungsweise durch Leistungen der Pflegeversicherung aufbringen können.
Menschen, die Hilfe zur Pflege bekommen, können auch Hilfe zum Lebensunterhalt oder Grundsi-
cherung im Alter oder bei dauerhafter Erwerbsminderung erhalten.
21 Die Identifikation der Migrationsvorgeschichte von SGB XII-Empfängern/-Empfängerinnen erfolgt durch die Verschnei-
dung mit dem Statistikdatensatz der Einwohnermeldedatei, die vom Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung und Ver-
kehrsplanung vorgenommen wurde.
* Der Anteil der SGB XII-Empfänger/-Empfängerinnen, die im Melderegister nicht identifiziert werden konnten, lag bei
einem Durchschnittswert von 5,7 %. Im Bereich Hilfe zur Pflege innerhalb von Einrichtungen lag der Wert mit 32 % deut-
lich höher. Ein Grund ist, dass Münster für Leistungsberechtigte in Einrichtungen außerhalb von Münster grundsätzlich
weiterhin zuständig ist, wenn die Personen vor Aufnahme in der Einrichtung ihren gewöhnlichen Aufenthalt in Münster
hatten. Darüber hinaus gibt es Einzelfälle, deren Ummeldung (Adressänderung) nicht zeitgleich mit dem Beginn des
stationären Aufenthalts erfolgt ist.
** Deutsche mit Migrationsvorgeschichte = Heimatvertriebene, Aus-/Spätaussiedler/innen, sonstige Eingebürgerte und
Kinder ohne eigene, aber mit vererbter Migrationsvorgeschichte.
männlich weiblich
Grundsicherung im Alter
und bei Erwerbsminderung 1077 44,9 % 55,1 %
Hilfe zum Lebensunterhalt 139 48,8 % 51,2 %
Hilfe zur Pflege außerhalb
von Einrichtungen 266 36,5 % 63,5 %
Hilfe zur Pflege innerhalb
von Einrichtungen 112 18,8 % 81,2 %
Eingliederungshilfe für
behinderte Menschen 58 58,6 % 41,4 %
davon
Stand: 01.01.2012
SGB XII
Im Melderegister
identifizierte
Personen mit
Migrationsvor-
geschichte
im SGB XII Bezug3
43
Aufgabe der Eingliederungshilfe ist es, eine drohende Behinderung zu verhüten, eine vorhandene
Behinderung und deren Folgen zu beseitigen oder zu mildern und die behinderten Menschen in die
Gesellschaft einzugliedern.
Der Anteil der Frauen und Männer mit Migrationsvorgeschichte an den fünf genannten Leistungs-
arten nach dem SGB XII stellt sich wie folgt dar:
3.6.2 Menschen mit Behinderungen
In diesem Handlungsfeld soll des Weiteren der Schnittmenge der Menschen mit Behinderungen
und einer Migrationsvorgeschichte fortan eine besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden. Zum
31.12.2011 lebten in Münster 26.864 schwerbehinderte Menschen (männlich 12.387, weiblich
14.477); 794 (469 Männer, 325 Frauen) haben keine deutsche Staatsangehörigkeit. Von diesen
wiederum stammen 547 Menschen (314 Männer und 233 Frauen) aus Europa. Die größte Gruppe
bilden Menschen mit türkischer Staatsangehörigkeit (164 Menschen – 102 Männer und 62 Frau-
en). Daten über die Zahl von Menschen mit Behinderung und Migrationsvorgeschichte enthält die
Schwerbehindertenstatistik
22 bislang nicht.
22 Schwerbehindertenstatistik der Stadt Münster (SMS)
männlich weiblich
Grundsicherung im Alter
und bei Erwerbsminderung 1077 44,9 % 55,1 %
Hilfe zum Lebensunterhalt 139 48,8 % 51,2 %
Hilfe zur Pflege außerhalb
von Einrichtungen 266 36,5 % 63,5 %
Hilfe zur Pflege innerhalb
von Einrichtungen 112 18,8 % 81,2 %
Eingliederungshilfe für
behinderte Menschen 58 58,6 % 41,4 %
davon
Stand: 01.01.2012
SGB XII
Im Melderegister
identifizierte
Personen mit
Migrationsvor-
geschichte
im SGB XII Bezug3
44
Schwerbehinderte Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit in Münster
zum 31.12.2011:
Insgesamt Weiblich Männlich
Insgesamt in Münster 794 325 (41%) 469 (59%)
Davon aus:
- Europa 547 (69%) 233 (42,6%) 314 (57,4%)
- Türkei 164 (21%) 62 (37,8%) 102 (62,2%)
- Afrika 41 (5%) 13 (31,7%) 28 (68,3%)
- Amerika 11 (1,4%) 6 5
- Asien 139 (17,5%) 51 (36,7%) 88 (63,3%)
- Australien 0 0 0
Staatenlos 4 0 4
Ungeklärt 7 3 4
Ohne Angabe 45 (5,7%) 19 (42,2%) 26 (57,8%)
Quelle: Information und Technik Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf 2011
Der Aktionsplan der Landesregierung NRW „Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention
„Eine Gesellschaft für alle – NRW inklusiv“ sieht insoweit eine Erhebung über die Lebenssituation
von Menschen mit Behinderungen und Zuwanderungsgeschichte in Nordrhein- Westfalen vor. Ein
Ziel dieser Erhebung ist es, die Angaben über die Zahl der Menschen mit Behinderungen und
Migrationsvorgeschichte zu verbessern. Die Koordinierungsstelle für Migration und interkulturelle
Angelegenheiten und das Sozialamt werden die Untersuchungsergebnisse mit Blick auf ihre Be-
deutung für die weitere Arbeit in Münster auswerten.
In Münster wurden die Belange von Menschen mit Behinderung und Migrationsvorgeschichte in
den Handlungsempfehlungen zur Förderung einer gleichberechtigten Teilhabe von Menschen mit
geistiger Behinderung (Beschlussvorlage V/0908/2008) berücksichtigt.
In der Sitzung des stadtweiten Netzwerkes Integration für Menschen mit Migrationsvorgeschichte
hat die Behindertenbeauftragte im Mai 2012 das Thema Inklusion vorgestellt und die Anwesenden
diskutierten konkrete Maßnahmeempfehlungen für den Aktionsplan zur Umsetzung der UN-
Behindertenrechtskonvention in der Stadt Münster:
Im Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention wird ein Kapitel „Menschen
mit Behinderung und Migrationsvorgeschichte“ aufgenommen.
Die Koordinierungsstelle für Migration und interkulturelle Angelegenheiten und die Behinderten-
beauftragte führen 2013 eine gemeinsame Auftaktveranstaltung zum Thema „Migration und Be-
hinderung“ mit den Organisationen von und für Menschen mit Migrationsvorgeschichte und den
Vereinen von Menschen mit Behinderungen durch.
3.6.3 Flüchtlinge
Ein weiteres politisches Schnittmengenfeld stellt die Situation der Flüchtlinge dar, welche in Münster
seit langem besondere Aufmerksamkeit genießt und durch kooperatives Handeln geprägt ist. Dies
spiegelte sich auch in den Diskussionen und der Verankerung der Thematik im Rahmen des kom-
munalen Migrationsleitbildes wider.
Die derzeit steigenden Flüchtlingszahlen in Deutschland führen zu einer höheren Aufnahmequote in
NRW und in den Städten. Von 1995 bis 2008 war die Anzahl der Asylanträge bundesweit rückläufig.
Sie ist von 166.951 auf 28.018 Anträge im Jahre 2008 gefallen. Ab 2009 gab es zunächst einen
leichten Anstieg der Asylantragszahlen (33.033 Asylanträge) und seit 2010 sind die Asylantragszah-
len (Erst- und Folgeanträge) mit insgesamt 48.589 (2010) und 49.045 (2011) deutlich angestiegen.
Im Januar bis September 2012 hielt diese Tendenz mit 49.045 Asylanträgen an.
45
Zeitraum Asylanträge ins-
gesamt davon Erstanträge davon Folgeanträge
2008
28.018
22.085 5.933
2009 33.033
27.649 5.384
2010 48.589
41.332 7.257
2011 53.347
45.741 7.606
2012
(I – IX)
49.045
40.201
Vergleich zum Vorjahr 2011:
32.432 (Zuwachs von 24%)
8.844
Vergleich zum Vorjahr 2011:
4.675 (Zuwachs von 89,2%)
Quelle: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge – Aktuelle Zahlen zu Asyl, Ausgabe Sep. 2012
Die am stärksten vertretenen Herkunftsländer sind aktuell neben Serbien, Afghanistan, Syrien, Irak,
Mazedonien, Iran, Pakistan, Russische Föderation und solche aus den Gebieten des ehemaligen
Jugoslawiens (Quelle: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Ausgabe November 2012).
Die verstärkte Aufnahme im Bund wirkt sich auf die Aufnahmeeinrichtungen des Landes aus. Zu-
nächst sind die Aufnahmeeinrichtungen des Landes für die Aufnahme und erste Integrationsmaß-
nahmen zuständig. Diese Einrichtungen sind aktuell überfüllt. Üblicherweise werden die Menschen
aus den Landeseinrichtungen mit zeitlichem Verzug nach einem festen Schlüssel auf die Kommunen
in NRW verteilt. Daher ist davon auszugehen, dass zunächst steigende Zahlen im Flüchtlingsbereich
zu erwarten sind.
Die folgende Grafik veranschaulicht die Auslastung der Flüchtlingseinrichtungen im Verhältnis zur
Platzkapazität. Es ist davon auszugehen, dass eine Flüchtlingseinrichtung bei 85%-iger Auslastung
voll belegt ist, da eine höhere Auslastung aufgrund von Familienstrukturen, unterschiedlichen
Ethnien aber auch wegen Behinderungen und anderer individueller Gründe zu Konflikten in den
Flüchtlingseinrichtungen führen kann. Auf dieser Grundlage und der Tatsache, dass die Flüchtlings-
einrichtungen in Münster zu fast 100 % belegt sind, ist nunmehr dringender Handlungsbedarf ent-
standen. Zwar ist etwa ein Drittel der Flüchtlingsfamilien auszugsberechtigt, doch haben die betrof-
fenen Personen nur schlechte bis gar keine Aussichten auf preiswerten Wohnraum auf dem freien
Wohnungsmarkt, sodass sie in den Flüchtlingseinrichtungen wohnen bleiben.
46
Auslastung bei realen Belegungsmöglichkeiten
(Annahme: bei 85 % ist eine Einrichtung voll belegt)
0
200
400
600
800
1.000
1.200
1991199219931994199519961997199819992000 2001 2002 2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
Jahr
Personen/Plätze
Auslastung
Platzkapazität 85 %
In den letzten 10 Jahren hat die Stadt Münster erfolgreich ein Unterbringungs- und Betreuungskon-
zept umgesetzt, welches vor Ort und darüber hinaus eine hohe Anerkennung genießt. Das Konzept
wurde von vielen Städten in NRW angefragt und die Flüchtlingseinrichtungen wurden besichtigt. Die-
ses Konzept basiert auf einstimmigen Beschlü ssen des Rates und der Bezirksvertretungen in den
Jahren 2000 und 2001.
Das Flüchtlingskonzept enthält zusammengefasst nachfolgende Entscheidungen:
12 neue Standorte für Flüchtlingseinrichtungen
50 Personen an einem Standort
sozialverträgliche Verteilung über das Stadtgebiet und Anpassung an die örtliche Wohnbebau-
ung im Umfeld
intensive Einbindung von Ehrenamtlichen im Wohnumfeld
Gemeinschafts- und Kinderbetreuungsraum für 50 Personen
Standorte für Flüchtlingseinrichtungen sind der Öffentlichkeit bekannt
kleine Wohneinheiten für 8 Personen .
In den letzten Jahren konnte die Sozialverwaltung gemeinsam mit dem Christlichen Verein Junger
Menschen (CVJM) die unmittelbare Umsetzung der Ratsbeschlüsse absichern und die Einrichtungen
bis zu einem maximalen Auslastungsgrad von rund 85 % der Plätze belegen. Seit Umsetzung des
Konzeptes wurden vier der durch den Rat der Stadt Münster verabschiedeten Standorte (Albachten,
Hiltrup/Meesenstiege, Kappenberger Damm sowie Von-Esmarch-Straße für Jüdische Emigranten
und medizinisch begründete Einzelfälle) umgesetzt.
Das nachfolgende Schaubild zeigt die Realisierung von 4 der vorgehaltenen 12 Standorte für Flücht-
lingseinrichtungen:
47
Bedingt durch den anhaltend großen Druck der Unterbringung im Flüchtlingsbereich, fand am
27.11.2012 ein Mediationsprozess statt, mit dem Ziel, die weitere Bebauung voranzutreiben. Das
Ergebnis dieses Prozesses wird in einer gesonderten Vorlage dem Rat der Stadt Münster vorgelegt.
Neben der Unterbringungsfrage ist die Förderung der Sprache eine wichtige Voraussetzung für eine
gelingende Umsetzung des Leitzieles, Stigmatisierungen und Diskriminierungen entgegenzuwirken
In diesem Bereich finden deswegen besondere Sprachkurse für Flüchtlinge statt. Flüchtlinge ohne
gesicherten Aufenthaltsstatus dagegen können nicht an den Integrationskursen des Bundes teil-
nehmen, da der Gesetzgeber diese Personengruppe nicht in die Fördermaßnahmen einbezogen hat,
bzw. sie müssen die Kosten für die Kurse selber tragen. Die Kosten selber zu tragen ist ihnen je-
doch, insbesondere beim Hilfebezug von Asylbewerberleistungen, nicht möglich. Auf kommunaler
Ebene wurde seitens der Ortspolitik geforder t, dass alle Personengruppen die Möglichkeit haben
sollen, basale Sprachkompetenz zu erwerben. Ziel des kommunalen Angebotes, welches 2005 initi-
iert wurde, war die Vermittlung von Grundkenntnissen in der deutschen Sprache, die eine Verständi-
gung ermöglicht.
Die Anzahl der seit dieser Zeit angebotenen Leistungen der Stadt Münster:
Jahr Anzahl Kurse Stunden
Gesamtzahl
Teilnehmer/innen
männlich Weiblich
2005 4 720 (180 je Kurs) 71 22 49
2007 1 180 19 0 19
2007/2008 2 180 16 12 4
2009 1 180 21 14 7
2010 2 360 (180 je Kurs) 32 18 14
2011 4 zwei bis dreimal wöchentlich 40 5 17
2012 3 zwei bis dreimal wöchentlich 26 bis 28 5 11 bis 13
Die darüber hinaus gehenden kostenlosen Deutschkurse des Projektes „Münsters Aktionsprogramm
für MigrantInnen und Bleibeberechtigte zur Arbeitsmarktintegration für Münster & im Münsterland“
48
(MAMBA) der Gemeinnützigen Gesellschaft zur Unterstützung Asylsuchender e. V. (GGUA), die seit
Mitte/Ende 2011 initiiert wurden, sind nicht ausreichend, um den Bedarf aller Sprachkursinteres-
sent/inn/en zu decken. Es wird jedoch in Kooperation mit der GGUA möglichst passgenau, sowohl in
die städtischen als auch in die Angebote der Gesellschaft für Berufsförderung und Ausbildung
(GEBA) - beauftragt durch die GGUA -, vermittelt. Erwähnenswert ist, dass ein großer Teil der
Flüchtlingsarbeit in der Praxis auf den Einsatz der zahlreichen Ehrenamtlichen und die damit ver-
bundene Vernetzung zwischen den verschiedenen Organisationen basiert.
3.7 Gesundheit
Leitziel23:
„Wir wollen für alle einen gleichberechtigten Zugang zu Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen errei-
chen und entsprechende Vorsorge-, Beratungs - und Betreuungsangebote im Gesundheitsbereich
garantieren.“
Für das Monitoring bleiben die zahlreichen Projekte und Maßnahmen des Gesundheitsamtes im
Bereich Migration/Integration - wie z. B. der Einsatz von Familienhebammen, Einsatz von Migrantin-
nen und Migranten als Kulturvermittler/innen im Handlungsfeld Gesundheit (MIMI’s), aufsuchende
Gesundheitshilfen in den Stadtteilen etc. - außen vor.
3.7.1 Ärztlichen Vorschuluntersuchungen
In diesem Bericht wird der Schwerpunkt auf die ärztlichen Schuleingangsuntersuchungen des Ge-
sundheitsamtes gelegt. Sie dienen der Beurteilung des Gesundheits- und Entwicklungsstandes des
Kindes sowie der Beratung der Eltern und der Beratung der Schule insbesondere bei gesundheitli-
chen Störungen und Entwicklungsverzögerungen.
Im Grundschulbereich ist der Übergang zu schulärztlichen Sprechstunden fließend. Hier finden im
Rahmen der Schuleingangsuntersuchungen im Einzelfall und soweit erforderlich intensivere Abspra-
chen, teilweise auch im Schulverlauf statt.
Um die Daten aus diesen Untersuchungen von verschiedener fachlicher Seite aus sachgerecht in-
terpretieren zu können, sind nachstehende Anmerkungen von Bedeutung:
Die ärztlichen Schuleingangsuntersuchungen erfüllen neben der individualmedizinischen Beratung in
einer wichtigen Übergangssituation der Familie vo m Kindergartenkind zum Schulkind eine eigene
Aufgabe als Grundlage für die Gesundheitsberichterstattung. Dafür erheben und bewerten die unter-
suchenden Teams neben den Gesundheitsdaten und dem standardisierten Einschulscreening einige
vordefinierte Kontextfaktoren, denen aus fachlicher Sicht eine besondere Relevanz für die Gesund-
heits- und Entwicklungsbedingungen des einzelnen Kindes aber auch der Stadtgesellschaft erwach-
sen kann. Diese Kontextfaktoren berühren Verknüpfungspunkte zwischen der individuellen eng ge-
fassten Gesundheit und dem weit gefassten Gesundheitsbegriff, auch der sozialen Gesundheit.
Die erhobenen Daten stehen hier nach der Anonymisierung des Datensatzes für eine indikatorenge-
stützte Berichterstattung zur Verfügung. Für die Interpretation der Daten ist zu bedenken, dass es
sich dabei nicht um "beweisende" Statistiken handelt. Vielmehr handelt es sich "lediglich" um ein
epidemiologisch, also "beschrei bend" gewonnenes Abbi ld innerhalb eines fachlich vorgegebenen
Untersuchungs- und Erhebungsschemas. Die Daten bedürfen daher immer der Diskussion in einem
multifachlichen Kontext um als Ausgangspunkt für Erkenntnisse und Empfehlungen genutzt werden
zu können.
Untersucht wurden zum Einschuljahrgang für das Schuljahr 2010/2011 2.391 und für das Schuljahr
2011/2012 2.405 Kinder (Jungen 51,9%, Mädchen 48,1%).
4.588 (96,8%) der Lernanfänger/innen waren in Deutschland geboren.
23 Vgl. Leitbild „Migration und Integration Münster“, S. 12.
49
Dennoch stammen bei Zugrundelegung des Geburtslandes der Mutter 28,9 % der Kinder aus zuge-
wanderten Familien.
Berücksichtigt man zusätzlich auch die Herkunft des Vaters, so sind sogar knapp 37 % der Münste-
raner Schulanfänger/innen Kinder kürzlich zugewanderter Familien.
Quelle: Gesundheitsbericht des Gesundheitsamtes 2011
Durch die allgemein guten Lebens- und Hygienebedingungen sowie das gut ausgebaute medizini-
sche Versorgungssystem sind die Kinder zu Schulanfang überwiegend "gesund". Auffallend ist je-
doch, dass nicht von allen Familien die Angebote des Vorsorgesystems umfänglich genutzt werden.
Dabei machen eingehende Analysen deutlich, dass es den Familien offenbar ausgehend von ihren
allgemeinen sozialen Lebensbedingungen unterschiedlich gut gelingt, die gesundheitlichen Angebo-
te aber auch Angebote zur allgemeinen sozialen Integration für sich und ihre Kinder zu nutzen. Dies
betrifft jedoch nicht nur und nicht in erster Linie zugewanderte Familien. Auch in Familien ohne Zu-
wanderungsgeschichte zeigen sich bisweilen deutliche Hinweise auf Einschränkungen in gesund-
heitlicher Vorsorge und sozialer Vernetzung / Integration. Diese Bedingungen führen auch zu unter-
schiedlichen Gesundheitsbedingungen bei den einzelnen Kindern.
"Vorsorge"-Untersuchungen ermöglichen bei jedem Kind die Früherkennung von relevanten Er-
krankungen und Entwicklungsauffälligkeiten. Diese Untersuchungen sind grundsätzlich freiwillig;
lediglich bei der Aufnahme in eine Tageseinrichtung ist ein entsprechender Nachweis zu erbringen.
Wenn auch Entwicklungsdiagnostik, Prävention und Gesundheitsberatung nicht zum klassischen
Auftrag dieser Untersuchungen gehören, ermöglicht die Regelmäßigkeit der mittlerweile 10 etablier-
ten „U's“ eine Betreuung und Begleitung der Familien auch über die reine Krankheitsfrüherkennung
und Versorgung mit Impfungen hinaus.
Die ersten beiden Untersuchungen erfolgen unmittelbar nach der Geburt bzw. in den ersten Lebens-
tagen. Sie erfolgen zumeist in der Geburtsklinik und werden daher in annähernd 100% durch die
Eltern wahrgenommen. Die Teilnahme an den Untersuchungen ist in den ersten Lebensjahren sehr
hoch. Im gleichen Maße, wie die betreuerische Sicherheit der Eltern steigt, kommt es aber etwa ab
dem 3. Lebensjahr zu einem zwar geringen aber doch merklichen Rückgang der Teilnahmequoten
an den altersgemäßen Untersuchungen. Lücken im Katalog der Früherkennungsteilnahme weisen
also nicht automatisch auf familiäre Defizite oder Versorgungslücken beim Kind hin. In Einzelfällen
kann eine Nicht-Teilnahme aber auf belastete familiäre Lebensbedingungen, eine mangelnde elterli-
che Fürsorge oder gar eine Kindeswohlgefährdung hinweisen. Dies gilt umso mehr, wenn mehrere
50
Vorsorgeangebote versäumt werden. Dabei darf aber nicht übersehen werden, dass auch ein voll-
ständiger gesundheitlicher Vorsorgestatus kein Garant für gesunde, das Kindeswohl fördernde Le-
bensbedingungen ist.
Höchstmögliche Früherkennungsquoten sowie eine Sensibilisierung und Vernetzung der Akteure in
der Gesundheits-, Familien- und Jugendhilfe sind ein erklärtes Ziel der Gesundheitspolitik in Bund
und NRW. Seit 2009 werden daher die Eltern zentral an ausstehende Untersuchungen erinnert, so-
fern einer der Termine im üblichen Zeitfenster versäumt wurde. Hier handelt das Amt für Kinder, Ju-
gendliche und Familien in Münster mit einem Erinnerungsschreiben. Durch diese „Meldepflicht“ wer-
den die Vorsorgelücken sowohl bei Kinder mit als auch bei Kindern ohne Migrationsvorgeschichte
immer geringer, wie auch aus dem nachfolgenden Schaubild exemplarisch erkennbar ist:
Exemplarisch sei dies an bedingenden Faktoren für die
Teilnahme an der U8 (4 Jahre) aufgeführt. Inanspruch-
nahme der U8 in Münster:
(43. bis 48. Lebensmonat)
Gesamt: 92,0 %
Jungen: 92,1 %
Mädchen: 91,7 %
Kinder mit MV: 86,3 %
Kinder ohne MV: 94,0 %
Quelle: vgl. Gesundheitsbericht des Gesundheitsamtes 2011
Ein weiteres Beispiel sinnvoller Vernetzung der Gesundheits-, Familien- und Jugendhilfe ist die Tes-
tung und Bewertung der Sprach- und Sprechfähigkeit der Kinder im Rahmen der ärztlichen Schul-
eingangsuntersuchung. Bei Kindern aus Familien mit Zuwanderungsgeschichte findet in Münster
auch die Einschätzung der Kommunikationsfähigkeit der Eltern in der deutschen Sprache statt.
Die gewonnenen Erkenntnisse dienen dabei nicht nur der sog. sozialen Gesundheitsvorsorge, son-
dern liefern auch wichtige Informationen für den bildungspolitischen Bereich und konnten insoweit
dort auch herangezogen werden.
Eine umfassende oder gar abschließende Bewertung und Einschätzung von Sprachlichkeit in Zu-
wanderungsfamilien ist im Rahmen der ärztlichen Schuleingangsuntersuchung indes nicht möglich.
Um dennoch die Erfahrungen der Untersuchungen abbilden zu können sind fachlich vertretbare Ver-
einfachungen notwendig. Diese Vereinfachungen bedürfen der zwar geschulten aber dennoch letzt-
endlich subjektiven Einschätzung durch das untersuchende schulärztliche Team. Während dieser
Einschätzung beim Kind die Teste der Screenings zu Grunde gelegt werden können, werden die
"Deutschkenntnisse der Eltern" letztendlich über deren "Kommunikationsfähigkeit im Rahmen der
Schuleingangsuntersuchung" durch die Untersucher eingeschätzt. Die grammatikalische und seman-
tische Fehlerfreiheit bleibt dabei weitgehend unberücksichtigt.
Die Entwicklung der Sprachfähigkeit der Kinder ist sicher in besonderer Weise abhängig vom
Gebrauch und Erleben der deutschen Sprache in den verschiedenen Lebenswelten (Settings) im
Umfeld des Kindes. Insofern ist mit zunehmender Dauer des Besuchs von Kita und/oder Schule mit
einem Wachsen der Sprachkompetenzen für die deutsche Sprache zu rechnen. Ergebnisse der
Schuleingangsuntersuchungen zeigen jedoch, dass dieser positive Zusammenhang in besonderer
Weise nur dann anzunehmen ist, wenn gleichzeitig auch bei den Eltern eine ausreichende Kommu-
nikationsfähigkeit in der deutschen Sprache besteht: Zeigt die Mutter auch nach längerer Aufent-
haltsdauer in Deutschland nur sehr eingeschränkte Kommunikationsmöglichkeiten in der deutschen
Sprache, so bleibt die Sprachfähigkeit des Kindes offenbar deutlich hinter den Möglichkeiten zurück,
selbst wenn das Kind lange eine Kita besucht hat (siehe Abbildungen).
51
Das Gesundheitsamt verwendet als Indikator für die Kommunikationsfähigkeit der Familie die
Deutschkenntnisse der Mutter, da in der Regel die Mütter die Kinder zur ärztlichen Schuleingangsun-
tersuchung begleiten. Die Schaubilder machen deutlich, dass der Anteil gut deutsch sprechender
Kinder mit der Dauer des Kindergartenbesuchs deutlich steigt. Jedoch erlangen auch nach über drei
52
Jahren Kitabesuch rund 30% der Kinder aus Zuwanderungsfamilien kaum Sprachkompetenzen in
Deutsch, wenn auch die Kommunikationsfähigkeit der Eltern in der deutschen Sprache deutlich
begrenzt bleibt. Weitere Untersuchungen des Gesundheitsamtes legen nahe, dass diese Kinder
auch bezüglich des Gesundheits- und Entwicklungsstandes, bei der Gesundheitsvorsorge und beim
zukünftigen Schulerfolg schlechter gestellt sind als von Eltern mit besser gelingender Alltagsintegra-
tion.
Für die Bevölkerungsgesundheit wichtige Daten liefert die jährliche Schuleingangsuntersuchung
auch für den
Infektionsschutz. Die vorgelegten Impfbücher stellen die einzig verfügbare Quelle als
Beleg für die Qualität des Impfschutzes der Bevölkerung dar. Erfreulicherweise liegen in den letzten
Jahren stets bei rund
97% der Schulanfängeruntersuchungen die Impfdokumente vor, so dass hier
eine nahezu vollständige Informationslage vorliegt. Alle im Impfkalender empfohlenen Impfungen
führen zur Verhinderung der entsprechenden Krankheiten beim geimpften Kind. Ausreichend hohe
Impfquoten führen zudem zu einem Bevölkerungsschutz, da sich ansteckende Krankheiten nicht
mehr bzw. nicht mehr ungehindert ausbreiten können. Damit entsteht auch ein umfassender Schutz
für besonders infektionsgefährdete Personen sowie Kinder / Erwachsene, die aus bestimmten Grün-
den nicht geimpft werden können oder sollen.
Auch nach Zurückdrängung schwerer Infektionskrankheiten (z. B. Kinderlähmung, Diphtherie, Ma-
sern) muss die hohe Impfquote jedoch gehalten werden, da ein Rückgang der Impfbereitschaft rasch
zu einer Wiederkehr verdrängter "Kinderkrankheiten " führen kann. Erfreulicherweise zeigt die Be-
trachtung des 9fach-Impfkalenders mit Schutz gegen Tetanus, Diphtherie, Pertussis, HiB, Polio, Hep.
B, Masern, Mumps, Röteln, dass mittlerweile
88 % aller Kinder zu Schulanfang über einen komplet-
ten, umfangreichen Schutz verfügen. Erfreulich ist, dass dieser Schutz auch weitgehend unabhängig
von den sozialen Lebensbedingungen für alle Kinder gilt. Insbesondere konnten in den letzten Jah-
ren auch bei zugewanderten Kindern Impflücken geschlossen werden. Eine erhebliche Rolle spielten
hierbei aufsuchende Impfangebote durch das Gesundheitsamt. Auch die Erstellung mehrsprachiger
Impfaufklärungsunterlagen hat zu einer Zunahme des Impfgeschehens in den Impfpraxen geführt. In
der Folge sind Kinder mit Zuwanderungsgeschichte heute sogar tendenziell besser geimpft als Kin-
der deutscher Herkunft.
ABB. IMPFSCHUTZ DER KINDER ZU SCHULANFANG NACH ART DER IMPFLÜCKEN
(vgl. Gesundheitsbericht des Gesundheitsamtes 2011)
53
3.7.2 Sozialpsychiatrischer Dienst
In diesem Handlungsfeld sind ein weiterer Sc hwerpunkt der Arbeit des Sozialpsychiatrischen
Dienstes des Gesundheitsamtes die sozialkompensatorischen Maßnahmen für gesundheitlich un-
zureichend versorgte Bevölkerungsgruppen. Bedarfsgerechte medizinische und soziale Hilfen
werden vermittelt. Für Menschen mit psychischen Störungen und Behinderungen, Abhängigkeits-
kranke und ihre Angehörigen bietet der Sozialpsychiatrische Dienst darüber hinaus vor- und nach-
sorgende Hilfen sowie Unterstützung in Krisensituationen.
Das Gesundheitsamt hat begonnen in diesem Fachbereich Statistiken zu führen. Der Sozialpsy-
chiatrische Dienst im Gesundheitsamt hatte in 2011 insgesamt 2031 Klienten/innen. 1/6 davon
(248) sind Menschen mit Migrationsvorgeschichte. Das macht deutlich, dass migrationsspezifische
Aspekte in der alltäglichen Arbeit der Beratungsst elle von Bedeutung sind. So ist die Teilnahme an
entsprechenden Fortbildungen, Workshops etc. ein wichtiger Baustein für die effektive und kultur-
sensible Hilfeplanung / -vermittlung, um infolge Integrationshemmnisse und Zugangsbarrieren
besser zu erkennen.
3.8 Personalentwicklung und Fortbildung
Leitziel24:
„Wir setzen uns zum Ziel, eine gleichberechtigte Teilhabe und Integration aller Menschen in Arbeits-
und Bildungsprozessen voranzutreiben. Dazu wollen wir unter anderem auch Maßnahmen zur För-
derung der interkulturellen Kompetenz finanzieren und durchführen.“
Diskussion und Beschlussfassung der für Münster gesetzten Leitziele haben ohne Zweifel den ge-
wünschten positiven Integrationsprozess befördert. Den Worten müssen nun in allen Bereichen Ta-
ten folgen. Erfolgreiche Bemühungen der Stadtverwaltung, sich stärker als bisher als Arbeitsplatz für
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Migrationsvorgeschichte zu öffnen, sind solche „Taten“ der Ziel-
erfüllung im eigenen Bereich und mit erheblicher Signalwirkung für die anderen Handlungsfelder und
den gesamten Prozess. Eine zusätzliche Herausforderung stellt die ebenfalls wichtige Berücksichti-
gung des Frauenanteils unter den Beschäftigten dar.
Derzeit ist noch nicht klar, wie und in welchem Verhältnis sich der Anteil der
Beschäftigten mit
Migrationsvorgeschichte bei der Stadtverwaltung Münster darstellt. Zur Verfügung stehen bei 50%
der Beschäftigten Daten zum Geburtsort. Um sich dennoch einen ersten Überblick zu verschaffen,
wurden diese mit der Geburtsortekodierung verglichen und festgestellt, dass 5,37 % von diesen Be-
schäftigten eine Migrationsvorgeschichte haben.
Bei den
Auszubildenden stellt sich die Situation derzeit wie folgt dar: Zum Stichtag 01.01.2012 hat-
ten von insgesamt 78 Nachwuchskräften (Auszubildende nach TVAöD, Beamtenanwärter/-innen
bzw. Studierende an der FHöV) zehn (fast 13 %)
25 eine Migrationsvorgeschichte. Aufgrund des Da-
tenschutzes ist es nicht möglich, diese Zahl weiter zu differenzieren, da die Zahlen in den einzelnen
Gruppen zu klein werden. Unter denselben Gesichtspunkten wurde auch die Gruppe der Erzieher/-
innen im Anerkennungsjahr betrachtet. Zum Stichtag 01.01.12 hatten wahrscheinlich von insgesamt
18 Erzieher/-innen sechs (1/3) eine Migrationsvorgeschichte.
Für die systematische und zielgerichtete interkulturelle Öffnung der Verwaltung werden künftig spezi-
fische Daten benötigt. Dabei reicht eine einmalige Erhebung von Daten nicht aus. Vielmehr muss ein
System entwickelt werden, in dem sich der Verlauf der Daten bzw. Veränderungen am Datenbe-
stand abbilden lässt. Das Personal- und Organisationsamt wird in nächster Zeit prüfen, ob eine Da-
tenerhebung bei den städtischen Beschäftigten zur Migrationsvorgeschichte durchgeführt werden
kann und ggf. darauf ein Monitoring aufbauen. Ob daraus dann Rückschlüsse auf die interkulturelle
Öffnung der Verwaltung gezogen werden können, hängt von der Genauigkeit der Datenerhebung ab
24 Vgl. Leitbild „Migration und Integration Münster“, S. 13.
25 Die Zahl 10 ergibt sich nicht aufgrund einer systemati schen Auswertung, sondern durch Betrachtung entweder offen-
sichtlicher Merkmale, z.B. Geburtsort, oder durch Berichte der Nachwuchskräfte. Es ist daher davon auszugehen, dass
die tatsächliche Zahl höher liegt, da vererbte Migrationsvorgeschichten nicht berücksichtigt werden konnten.
54
Das Ziel der interkulturellen Öffnung und Kompetenz wird zusätzlich durch permanente und obligato-
rische Fortbildungen für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung gefördert.
Fortbildungen können fachbezogene und fachübergreifende Inhalte haben. Fachliche Fortbildungs-
arbeit ist Aufgabe der Ämter und eigenbetriebsähnlichen Einrichtungen der Stadt Münster; hierfür
stehen dort eigene Mittel zur Verfügung. Fachübergreifende Themen liegen in der Verantwortung
des Personal- und Organisationsamtes. Diese Aufgabe wird in Zusammenarbeit mit dem Amt für
Schule und Weiterbildung/Volkshochschule wahrgenommen. Seit 2002 werden auf dieser Grundlage
Fortbildungen zur Förderung der interkulturellen Offenheit und Kompetenz durchgeführt. Im Rahmen
der zur Verfügung stehenden Ressourcen werden jährlich jeweils eine Fortbildung zu den Grundla-
gen und eine weiterführende Fortbildung zur interkulturellen Kompetenz angeboten. Soweit es finan-
ziell möglich ist, werden bei starker Nachfrage zusätzliche Schulungen organisiert. Insgesamt haben
14 Fortbildungen „Interkulturelle Kompetenz - Grundlagen“ mit insgesamt 158 Teilnehmer/innen
stattgefunden. Weitere 11 aufbauende Schulungen mit 120 Teilnehmer/innen haben sich mit speziel-
len Themen, wie Ehe und Partnerschaft oder interkulturellem Konfliktmanagement auseinanderge-
setzt. Bei der Auswahl der Dozentinnen und Dozenten für interkulturelle Fortbildungen werden Men-
schen mit Migrationsvorgeschichte bevorzugt eingesetzt.
Die nachfolgende Übersicht stellt die Fortbildungsteilnahmen im Bereich Interkulturelle Kompetenz
für den Zeitraum 2007 – 2011 dar.
Jahr
Fortbildungen
Interkulturelle Kompetenz
Teilnehmer/innen
2007 4 31
2008 5 58
2009 2 23
2010 3 52
2011 2 21
Über die Fortbildungen zur interkulturellen Kompetenz hinaus ist der Umgang mit Menschen mit un-
terschiedlicher Herkunft, Weltanschauung und Religion ein selbstverständlicher Bestandteil der Fort-
bildungen im Bereich Bürgerorientierung und Kommunikation. Weitere Fortbildungsangebote zur
interkulturellen Kompetenz organisieren die Fachämter in Eigenregie.
Innerhalb der Stadtverwaltung sollen mehr Möglichkeiten geschaffen werden, um Wissen über inter-
kulturelle Kompetenz, Migration und Integration auszutauschen und in diesen Bereichen voneinan-
der zu lernen. Ein besonderes Augenmerk ist künftig auf Fortbildungen zu richten, in denen die
Querschnittthemen Gender- und interkulturelle Kompetenz beleuchtet werden.
Seit 2008 ist der interne AK Migration eingerichtet. Dieser ist besetzt mit Expert/inn/en aus den ein-
zelnen Fachämtern für den Bereich der Migration/Integration. Die Sitzungen finden 3 – 4 x jährlich
statt und die Tagesordnung richtet sich nach den im Vorfeld festgelegten Themen und nach aktuel-
len Problemlagen. Beispielsweise beschäftigte sich der Arbeitskreis mit der Vernetzung von Flücht-
lingseinrichtungen und Angeboten der Jugendhilfe, damit diese von der Zielgruppe Flüchtlinge inten-
siver genutzt werden können.
55
3.9 Handlungsfeld Kultur und Sport
Leitziel26:
„Unser Ziel ist es, die interkulturelle Begegnung in Münster durch spezielle Angebote aus den Berei-
chen Kultur, Kunst, Musik, Sport zu fördern. Sie sollen eine gleichberechtigte Teilhabe ALLER an
diesen Bereichen ermöglichen und den konkreten Austausch und Dialog fördern.“
In Münster existiert eine sehr heterogene und junge Vielfalt der Kultur der Menschen mit Migrations-
vorgeschichte und deren Organisationen. Das Zusammenleben von Menschen erfordert einen wert-
schätzenden Umgang mit kultureller Vielfalt. Eine Kultur der Anerkennung ist eine Grundvorausset-
zung zur Herstellung von Chancengleichheit. Kultur und in besonderer Weise der Sport sind dabei
hervorragende Mittler für Begegnung. Akteure aus dem Handlungsfeld Kultur und Sport sehen die
Chance, diese beiden Bereiche noch mehr als bisher als Faktor der Zusammenführung der ver-
schiedenen Kulturen der Gesellschaft zu nutzen. Insbesondere birgt der Bereich des Sports noch
auszuschöpfendes präventives und integratives Potenzial. In der Kultur geht es darum, Menschen
mit Migrationsvorgeschichte vermehrt aktiv als Kulturschaffende und auch als Zielgruppe einzube-
ziehen. Es gilt hier aber auch ein allgemeines Bewusstsein dafür zu schaffen, die Kultur der Men-
schen mit Migrationsvorgeschichte nicht auf den Aspekt der Folklore zu reduzieren, sondern qualita-
tive interkulturelle Arbeit einzufordern.
3.9.1 Kultur
Neben Projektförderungen, die gezielt die Maßnah men und Projekte Dritter bzw. aus der Freien
Szene fördern, die transkulturelle Ziele verfolgen (z. B. Afrika Festival), und in besonderer Weise die
Partizipation und Teilhabe ermöglichen (z. B. Cactus Junges Theater), beteiligt sich und/oder koordi-
niert das Kulturamt insbesondere Maßnahmen, die unabhängig von der (ethnischen) Herkunft einen
möglichst frühen kulturellen Zugang ermöglichen (z. B. „Kultur und Schule“, „Theater für die Aller-
kleinsten“ ) und/oder die insbesondere in den Stadtteilbegegnungszentren sowie in den soziokultu-
rellen Zentren Räume der Begegnung, des Austausches, der Teilhabe und der eigenen Produktion
sowie der internationalen (Austausch-)Programme und spezieller interkultureller Veranstaltungsrei-
hen bieten.
Unter anderem auch gestützt durch relevante Forschungsstudien, nach denen kulturelle Nutzung,
Partizipation und Teilhabe nicht
vorwiegend von der ethnischen Herkunft abhängt, sondern von Bil-
dung, sozialer Lage, Einstellung und Herkunftsraum, verfolgt das Kulturamt damit einen differenzier-
ten Ziel- und Handlungsansatz.
Im Rahmen des Integrationsmonitoring strebt das Kulturamt an, die Möglichkeit einer weiteren Op-
timierung der Angebote mittels bzw. auf der Basis relevanter Datengrundlagen zu prüfen. Vorge-
sehen ist ein „Abgleich“ zwischen sozial(-räumlich)en und demografischen Daten der Bevölke-
rungsstruktur in dem/den Stadtgebiet/en und der derzeitigen Angebotsstruktur des Kulturamtes
bzw. der geförderten Dritten und/oder Netzwerke.
Ziel der sich an Hand der Daten abbildenden sozial(-räumlichen)en „Milieus“ ist die Entwicklung
einer Grundlage zur Identifikation von möglichen neuen bzw. bisher nicht angelegten Handlungs-
ansätzen, ggf. Korrekturen oder Ergänzungen.
Vorraussetzung dafür ist die vom Kulturamt berei ts begonnene Analyse relevanter statistischer
Indikatoren auf der Basis kulturfachlicher Forschungsstudien (z. B. zum kulturellen Nutzungsver-
halten verschiedener „Milieus“) sowie die daran orientierte Bestandsaufnahme bereits vorhandener
statistischer Daten bzw. Erhebungsverfahren in der Stadtverwaltung. Dabei wie auch insbesondere
bei einer ggf. notwendigen Erhebung weiterer Daten ist das Kulturamt auf die Mitwirkung und Un-
terstützung anderer Ämter angewiesen.
Im Sinne des Ziels “Austausch, Vernetzung, Information“ strebt das Kulturamt eine Verbesserung
des Informationstransfers zu den Migrantenorganisationen an.
26 Vgl. Leitbild „Migration und Integration Münster“, S. 13.
56
Migrantenorganisationen werden auf der Basis der bestehenden Verteilerstrukturen von V/MIA auf
die Möglichkeit der Information über den regelmäßig erscheinenden Newsletter mit Hinweisen zu
Förderprogrammen, Veranstaltungen etc. sowie über die Website mit aktuellen Informationen über
die vom Kulturamt geförderten Aktionen etc. hingewiesen. Dabei bieten sich Newsletter und Web-
site auch als Plattform zur Öffentlichkeitsar beit bzw. zur Ankündigung von Kulturveranstaltungen
an.
3.9.2 Sport
In Münster haben Menschen mit Migrationsvorgeschichte im Bereich des Sports eine besonders
große Präsenz. Der Anteil der aktiven Sportler/innen mit Migrationsvorgeschichte jeden Alters ist –
ohne sich hier bislang auf Daten stützen zu können – ersichtlich. Zudem bestehen, teilweise seit
Jahrzehnten Migrantenorganisationen, die ihre Vereinsaktivitäten auf sportliche Zwecke ausgerich-
tet haben. In dem vorliegenden Bericht bleibt dieser interessante aber sehr umfassende Bereich
einer genaueren Analyse vorbehalten. Stattdessen wird das Augenmerk lediglich auf den kleinen,
wichtigen Aspekt der Schwimmfähigkeit von Kindern mit Migrationsvorgeschichte gerichtet.
In diesem Handlungsfeld konnten Datenerhebungen des Gesundheitsamtes bezüglich der
Schwimmfähigkeit von Grundschülerinnen und –schüler herangezogen werden.
Die Schwimmfähigkeit ist sowohl unter gesundheitlichen als auch kulturellen Aspekten relevant.
Durch das Schwimmen werden grundlegende motorische Fähigkeiten erworben, die die Vorausset-
zung für ein bewegungsaktives, gesundes Leben (z.B. in Sportvereinen) sind. Damit leisten
Schwimmkurse bzw. der Schwimmunterricht auch einen indirekten Beitrag zur Integration. Die Erhe-
bungen des Gesundheitsamtes zeigen, dass Kinder mit Migrationsvorgeschichte zu Schulbeginn
deutlich seltener schwimmen können als Kinder ohne Migrationsvorgeschichte. Während im Grund-
schulalter
Alter noch kein deutlicher Geschlechterunterschied zu sehen ist (vgl. folgende Tabelle),
zeigen Erhebungen im pubertären Alter, dass gerade Mädchen mit Migrationsvorgeschichte auch
während des Sportunterrichts die Schwimmfähigkeit nicht erwerben konnten. Aus kulturrelativen
Gründen könnte daher insbesondere die vorschuli sche und frühe schulische Förderung mit Sport
und Schwimmen gerade Mädchen mit Zuwanderungsgeschichte in besonderer Weise erreichen und
stärken.
Dr. Axel Iseke Kinder- und Jugendgesundheitsdienst
Iseke@stadt-muenster.de
Quelle: Gesundheitsamt der Stadt Münster - 2012
57
Die Datenerhebungen aus dem Gesundheitsamt zeigen zudem, wie der Entwicklungsstand der Kin-
der den weiteren Lebensweg der Kinder beeinflusst:
Eine damit in Verbindung stehende zielunabhängige Aktivität ist das Schwimmprojekt für Schülerin-
nen und Schüler der 4. Klassen der münsterschen Grundschulen, das seit zwei Jahren jeweils in
Oster- bzw. Herbstferien durchgeführt wird. An dem Angebot des Sportamtes nehmen mit ca. 70 %
überdurchschnittlich viele Kinder mit Migrationsvorgeschichte teil.
Insgesamt wird die Frage nach genauen Daten in den Sportvereinen und ansonsten beteiligten Or-
ganisationen eher kritisch aufgenommen. Der insgesamt durchweg hohe Integrationseffekt im Sport
ist stadtteil- und quartiersbezogen unterschiedlich. Das ständige Bemühen, Daten in diesen Berei-
chen zu erheben, führt zu einem in den Vereinen nicht leistbaren Aufwand. Es besteht häufig das
Gefühl, bei den bereits im Verein integrierten Menschen, trotz allem persönlichen Integrationswillen
weiterhin einen Sonderstatus einzunehmen.
Die folgende Tabelle veranschaulicht die Zahl der Vereine, die Mitglied bzw. kein Mitglied im Stadt-
sportbund sind. Vereine, die nicht über eigenen Sportstätten verfügen, werden daher dazu aufgefor-
dert, dem Stadtsportbund beizutreten.
Deutsche Sportvereine Ausländische Sportvereine
Mitglied im Stadtsportbund 200 2
Kein Mitglied im Stadtsport-
bund
30 7
3.10 Handlungsfeld Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Leitziel
27:
„Unser Ziel ist es, die Lebenswirklichkeiten von Menschen mit Migrationsvorgeschichte in öffentli-
chen Diskussionen und in den Medien im Rahmen unserer Möglichkeiten angemessener darzustel-
len. Dabei sollen insbesondere auch die Erfolg e von Integration kommuniziert werden und keine
Stigmatisierungen zugelassen werden.“
In diesem Handlungsfeld tragen die verschiedenen Fachämter seit langem (so auch in 2011/2012)
durch mehrsprachige Broschüren ihren Teil zu einem positiven Integrationsprozess bei. Es wird da-
bei differenziert zwischen mehrsprachigen Überschriften, einfacher deutscher Sprachverwendung,
die alle Menschen gut verstehen können und auch mehrsprachigen Internetseiten. Auch das Portal
muenster.de fördert den Integrationsprozess. Unter Federführung des Presseamtes wurden weitere
mehrsprachige Angebote integriert und das Portal spiegelt zum Beispiel durch die Fotoauswahl wi-
der, dass Menschen unterschiedlicher Herkunft das Leben in Münsters Stadtgesellschaft wesentlich
prägen.
Besondere Anstrengungen werden mit Hilfe des Frauenbüros unternommen, Migrantinnen jeden
Alters zu erreichen, durch Unterstützung der Öffentlichkeitsarbeit von Frauenmigrantinnenorganisati-
onen, gezielte Beratungsveranstaltungen und mehrsprachige Informationsangebote in Schriftform
und im Internet. Dazu gehören beispielsweise das Projekt „Girls Day“, die gesonderte Beratung bei
der Informationsveranstaltung für Schulen zur Förderung von Mädchen mit Zuwanderungsgeschich-
te, Versand mehrsprachiger Elternbriefe oder die Übersetzungen wichtiger Informationen in vier
27 Vgl. Leitbild „Migration und Integration Münster“, S. 14.
58
Sprachen (englisch, französisch, russisch und türkisch) bei der Homepage gewaltschutz-
muenster.de.
Nach Auskunft aller Fachämter, die fremdsprachige Broschüren herausgeben, sind die vom Presse-
amt und der Koordinierungsstelle für Migration und Interkulturelle Angelegenheiten mit Unterstützung
unterschiedlicher Fachämter entwickelten „Tipps zu fremdsprachigen Veröffentlichungen“ dabei nach
wie vor aktuell.
Wie schon in den vergangenen Jahren gelingt es darüber hinaus durch ausgesuchte Kooperationen
und interessante Ideen, positive Integrationszeichen zu setzen und alljährlich das Ziel des Migrati-
onsleitbildes mit Leben zu füllen.
Nachdem 2009 in einer Zeitungsserie der Westfälischen Nachrichten, engagierte Menschen mit un-
terschiedlicher Herkunft vorgestellt wurden und in 2010 das in Kooperation u. a. mit der Münster-
schen Zeitung entstandene Projekt „Münsters Frauen: Weltgewand(t) & Westfälisch“ großes Interes-
se und Erfolg erntete, konnte auch in 2011/2012 ein weiteres Projekt viele Menschen erreichen und
begeistern.
In Kooperation mit der Koordinierungsstelle für Migration und Interkulturelle Angelegenheiten, der
VHS und den Westfälischen Nachrichten brachte der Aschendorff Verlag im September 2012 im
Rahmen der Interkulturellen Wochen das Kochbuch „Kochen ohne Grenzen“ auf den Markt. Zuvor
hatte die Kochbuchautorin Hildegard Möller zugewanderten Menschen in ihre Kochtöpfe geschaut,
mit besonderem Interesse für den Einsatz regionaler Produkte in der internationalen Küche. In dem
Buch werden die Rezepte der Münsteranerinnen und Münsteranern mit Migrationsvorgeschichte und
- kurz - deren Biografien vorgestellt.
59
4. Fazit und Ausblick
Für den Integrationsprozess stellt dieser Bericht per se einen Gewinn dar, indem zu seiner Erstel-
lung jede Fachabteilung für sich und auch fachübergreifend den Sachstand ermitteln und kommu-
nizieren konnte.
Für komplexe, übergreifende und vorausplanende Zusammenhänge fehlt oft das notwendige Zeit-
kontingent. So ist die systematische Befassung der ganzen Verwaltung mit einem Schwerpunkt-
thema eine notwendige und vielleicht auch unabdingbare Voraussetzung für die gewollten ent-
scheidenden Fortschritte und die stärkere Gewichtung des Querschnittsthemas Migration.
Die Erfahrungen und Feststellungen aus dem ersten münsterschen Monitoringprozess bestätigen
die bisher vorliegenden Ergebnisse und Erkenntnisse anderer Städte, die zeigen, dass noch zahl-
reiche Probleme zu lösen sind. Diese reichen v on der teils unzureichenden Verfügbarkeit brauch-
barer Daten, der Klärung offener Fragen, wie beispielsweise
- Wie und wo können die erforderlichen Daten beschafft werden?
- In welchen Abständen sind sie zu aktualisieren?
über die Verständigung der Schnittstellen zu anderen Politikfeldern bis hin zur Interpretation der
Ergebnisse. Sie bestätigen aber auch, die Schwachstellen aufzeigende und beschleunigende Wir-
kung eines solchen Prozesses. Und das ist auch gewollt. Unabhängig davon, ob in einem Bereich
bereits integrationspolitisch verwertbare Ergebnisse vorzuweisen sind, ist in allen Bereichen durch
den begonnenen Prozess ein guter Anfang gemacht worden.
Die Notwendigkeit, möglicherweise fehlende Instrumentarien für die weitere Arbeit zu entwickeln
oder vorhandene Werkzeuge zu verbessern, wurde erkannt.
Der integrationspolitische „status quo“ ist nun ermittelt und im Folgenden für jeden Handlungsbe-
reich schlagwortartig zusammengefasst. Dies soll die Informationsvermittlung erleichtern und den
Handlungsakteuren die weitere Verknüpfung von Inhalten und künftigen fachübergreifenden Maß-
nahmen ermöglichen.
Der differenzierende Blick, der sich aus dem jeweiligen Themenfeld ergibt, verbleibt bei den ent-
sprechenden Fachausschüssen. Von dort sollen für die nachhaltige Integrationsarbeit die weiteren
Impulse wieder ausgehen.
In dem Handlungsfeld
„Politische Partizipation“ hat sich gezeigt, dass der Anteil der Menschen
mit Migrationsvorgeschichte an den politischen Organen der Stadt Münster unter ihrem Anteil an
der Wohnbevölkerung bleibt. Dies und der Umstand der unter dem NRW-Durchschnitt liegenden
Wahlbeteiligung für den Integrationsrat korrespondiert dabei nicht mit dem in Münster bestehenden
hohen Stellenwert integrationspolitischer Anliegen.
Im Teil der
„Rechtlichen Integration“ konnte gezeigt werden, dass über 40% der ausländischen
Staatsangehörigen, die nicht aus dem EU-Ausland kommen, über einen unbefristeten Aufenthalts-
status verfügen. Gerade für diese Menschen stellt die Erlangung der deutschen Staatsbürgerschaft
per Einbürgerung eine Chance dar, die ihre rechtliche Integration befördert und gleichzeitig Verein-
fachungen insbesondere im Hinblick auf Integration in den Arbeitsmarkt beinhaltet. Des Weiteren
ist die Zahl der Ausreisepflichtigen in den letzten Jahren erkenntlich gesunken. Gleichzeitig hat der
Bericht überzeugend darlegen können, dass auch Integrationsmaßnahmen für Menschen ohne
rechtlichen Aufenthaltstitel unentbehrlich sind. In diesem Sinne legt dieser Bericht ein fortlaufendes
Engagement in der Flüchtlingsarbeit nahe.
Im Handlungsfeld „
Sprache und Bildung“ zeigen die Berichte des Jugendamtes aus dem Bereich
der frühkindlichen Bildung, dass Maßnahmen und gezielte Unterstützung der Sprachentwicklung
für Kinder mit Migrationsvorgeschichte - v. a. in der Kindergartenbetreuung – von unverzichtbarer
Bedeutung für deren Integration sind.
Obgleich die zur Verfügung stehenden Daten zum
Sprachförderbedarf vornehmlich aus einem
gesundheitspolitischen Ansatz heraus erhoben und dam it nur begrenzt bildungspolitisch verwert-
bar sind, zeigen sie doch auf, dass es Zusammenhänge zwischen sozialer Herkunft, Sprachförde-
rung der Elternhäuser und eigener Sprachkompetenz und Bildungsverläufe von Kindern zu geben
scheint. Es bleibt die Frage nach dem Anteil an Schüler/inn/en mit Migrationsvorgeschichte, die
60
einen gymnasialen Abschluss erreichen. Problematisch ist der sinkende, aber immer noch hohe
Anteil an Schüler/inn/en mit ausländischer Staatsangehörigkeit ohne Hauptschulabschluss. Eine
um das Merkmal „Migrationsvorgeschichte“ erweitere Differenzierung, mag zu einer – bei anderen
Kommunen beobachteten – Verbesserung der Ergebnisse führen.
Mit einer umfassenderen Datengrundlage könnte man ein fundiertes Gesamtbild der bildungsbio-
grafischen Verläufe der Kinder erstellen und passgenauere Handlungserfordernisse formulieren.
Solch eine umfassende Datenquelle stellt die Erhebung der Stadtbücherei dar. Sie lässt den
Schluss zu, dass sie mit ihrem Angebot den Großteil der Menschen mit Migrationsvorgeschichte –
darunter insbesondere Familien mit ihren Kindern – erreicht. Der Anteil dieser Kund/inn/en der
Bücherei ist deckungsgleich mit ihrem Anteil an der Wohnbevölkerung.
Aus dem Handlungsfeld Bildung ergibt sich zudem , dass es in Münster unzählige Projekte und
Vorhaben gibt, die darum bemüht sind, Bildungszugänge für Kinder und Jugendlichen mit Migrati-
onsvorgeschichte zu schaffen und Bildungsprozesse zu optimieren. Zugleich wird dabei aber deut-
lich, dass zahlreiche dieser Maßnahmen nicht bzw. nicht hinreichend evaluiert werden, so dass
über ihre Wirkungen und deren Nachhaltigkeit wenig ausgesagt werden kann.
Im Handlungsfeld
„Arbeit und Wirtschaft“ konnte gezeigt werden, dass sich die Lage am Ar-
beitsmarkt sowohl für deutsche als auch für ausländische Staatsangehörige verbessert hat. Zu
einer positiveren Erwerbsstruktur haben konkret das leichte Absinken der Arbeitslosenquote und
damit der Anstieg der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse beigetragen. Die
Analyse des Sektors der geringfügig entlohnten Beschäftigung hat ergeben, dass ausländische
Staatsangehörige zumindest nicht stärker von prekären Beschäftigungsverhältnissen betroffen
sind als deutsche Staatsangehörige. Besorgniserregend ist allerdings der Anteil ausländischer
Arbeitsloser ohne abgeschlossene Berufsausbildung an allen ausländischen Arbeitslosen (77%).
Im Handlungsfeld „Arbeit“ erstaunt und besorgt darüber hinaus, wie viele ausländische Arbeitslose
es gibt, die keinen Bildungsabschluss haben. Ein Umstand, der sich wahrscheinlich nur schwer
ändern lässt. Ärgerlich ist es, wenn deren Kinder – wie die zitierten Daten der Bertelsmannstiftung
es nahe legen - dann in dieselbe Situation geraten. Das verweist implizit darauf, dass das soziale
Umfeld perpetuiert wird.
Beim
Handlungsfeld „Wohnen und Stadtentwicklung“ hat die Stadt Münster mit dem integrier-
ten Stadtentwicklungsprozess schon sehr gute Vorarbeit geleistet und sich zu einem Profil der
zentralen Leitorientierungen und stadtstrategischen Ziele bekannt. Wesentliches Ziel ist dabei, die
„Stadt im Gleichgewicht“ zu sichern. Aus dem Bericht geht eine hohe räumliche Verteilung hervor,
sodass eine räumliche Segregation zwischen Menschen mit und ohne Migrationsvorgeschichte
bzw. deutscher Staatsangehörigkeit kaum vorhanden ist. Allerdings sollte aufgrund des demografi-
schen Wandels und der wachsenden Bedeutung von Zuwanderung vorausplanend auf eine aus-
geglichene Durchmischung von Einheimischen und Zuwanderern in den Stadtteilen – insbesonde-
re auch im Stadtkern - geachtet werden.
Wichtige Informationen können künftig aus dem Handlungsfeld
„Kinder- und Jugendhilfe, sozia-
le Leistungen und Dienste“ geschöpft werden. Aus der Datenerhebung des Sozialamtes zu den
Leistungsempfänger/inne/n des SGB XII geht hervor, dass der Anteil der Menschen mit Migrati-
onsvorgeschichte höher ist als ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung. Erfolgreiche Arbeit im Hand-
lungsfeld „Arbeit und Wirtschaft“ kann hier perspektivisch Veränderungen ermöglichen. Für den
Bereich der Schnittmenge Behinderung und Migration wi rd künftig in Münster das Merkmal der
Migrationsvorgeschichte in die statistischen Erhebungen aufgenommen. Im weiteren Querschnitts-
thema „Flüchtlinge“ ging es v. a. um die Aspekte der Unterbringung und der Sprachförderung, die
sich in Münster im Optimierungsprozess befinden.
Ein Beispiel für das Bestehen und den Nutzen fachübergreifender Zusammenhänge und Koopera-
tion lieferte der Handlungsbereich
„Gesundheit“. Die hier über Jahre gewonnenen Informationen
geben eine umfassenden Überblick über die Sprachfähigkeit, die Teilnahme an den Vorsorgeun-
tersuchungen sowie die Impfbereitschaft der Kinder bzw. Familien mit Migrationsvorgeschichte.
Darüber hinaus wurde beim Sozialpsychiatrischen Dienst des Amtes damit begonnen, die Klientel
auch nach dem Merkmal „Migrationsvorgeschichte“ zu erfassen.
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In besonderer Weise steht das Handlungsfeld „Personalentwicklung und Fortbildung“ in der
Verantwortung, das beschlossene integrationspolitische Leitbild umzusetzen. Die geplante Daten-
erhebung und das anschließende Monitoring bei den städtischen Beschäftigten zum Merkmal der
Migrationsvorgeschichte soll hierzu weitere Erkenntnisse bringen. Die interkulturelle Öffnung und
Kompetenz der städtischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden durch regelmäßige Fortbil-
dungen gefördert.
„Kultur und Sport“ ist ein Handlungsfeld mit noch weiter auszuschöpfenden integrationspoliti-
schen Möglichkeiten. Im Bereich Kultur bestehen bereits differenzierte Angebote v. a. in der frü-
hen (inter-)kulturellen Bildung sowie der Teilhabeorientierten Ansätze der Sozio- und Stadtteilkul-
tur. Zudem besteht gerade durch die in der Kultur vielfach selbstverständlich praktizierten (und
geförderten) internationalen Projekte bzw. internationalen Besetzungen ein besonderes Potential
der positiven Konnotation der Migrationsthematik. In Münster existiert eine sehr heterogene und
junge Vielfalt der Kultur der Menschen mit Migrationsvorgeschichte und deren Organisationen.
Diese kann noch mehr als bisher als Faktor der Zusammenführung der verschiedenen Kulturen
der Gesellschaft genutzt bzw. ihre Bedeutung im Sinne des Reichtums für unsere Gesellschaft
verdeutlicht werden. Im Teilhandlungsfeld „Sport“ zeigen Analysen des Gesundheitsamtes und die
Erkenntnisse des Sportamtes zu der Schwimmf ähigkeit von Kindern, dass sich Nichtschwim-
mer/innen in den verschiedenen Teilgruppen der Schulanfänger/innen finden. Eine kleinräumige
bzw. stadtweite Auswertung der fachübergreifend vorhandenen Daten könnte Möglichkeiten eröff-
nen, die bereits flächendeckend bestehenden Schwimmprogramme der Grundschulen für gezielte-
re Angebote zu nutzen.
Die „
Presse und Öffentlichkeitsarbeit“ zeichnet sich insbesondere im integrationspolitischen
Bereich durch langjährige fachübergreifende und stadtweiten Kooperationen aus. Seit Jahren wer-
den durch gezielte, mehrsprachige Öffentlichkeitsarbeit auch besondere Bevölkerungsgruppen
(wie Frauen und junge Schülerinnen) innerhalb der Bürger mit Migrationsvorgeschichte angespro-
chen.
Aufgrund der vielen Besonderheiten in den einzelnen Handlungsfeldern und der unterschiedlichen
Beschaffenheit der Daten ist es sehr schwer, eine einheitliche Arbeitsgrundlage zu schaffen und
bereits aus dem vorliegenden Bericht Handlungsempfehlungen abzuleiten.
Der Bericht hat aber allen Beteiligten ein erstes eigenes „Controlling“ geboten. Durch die Ausei-
nandersetzung mit den Vorgaben dieses Berichts bot sich die Möglichkeit, konkret und zielführend
das eigene Handlungsfeld in Bezug auf das Anliegen und die Notwendigkeiten einer nachhaltigen
Integration zu überprüfen.
Die Daten(erhebungen) vergleichbarer zu machen, sollte nun vordringlichstes Ziel aller sein. Ein
erster Schritt dazu ist die einheitliche Einführung des Merkmals der Migrationsvorgeschichte in
allen Arbeitsbereichen. Ohne diese gemeinsame Arbeitsgrundlage können weder die gewollte in-
tegrationspolitische „Tiefenwirkung“ im je weiligen Handlungsbereich noch insbesondere Hand-
lungsempfehlungen erarbeitet und eine Handlungsbereiche übergreifende Synergie erreicht wer-
den.
Um auch der Berichtserstellung eine stetige Optimierung zu ermöglichen, können und sollen Anre-
gungen an die federführende Koordinierungsstelle für Migration und Interkulturelle Angelegenhei-
ten jederzeit übermittelt werden.
Ausgehend von dieser Erkenntnisgrundlage können nun „amtseigene“ wie ämterübergreifende
neue kurz-, mittel- und langfristige Arbeitsziele formuliert und umgesetzt werden. Dabei muss
durchaus auch das einmal beschlossene Leitbild auf seine Aktualität hin überprüft und weiterent-
wickelt werden.
Beschlussvorlage
4378 Zeichen
V/0136/2013/1
DER OBERBÜRGERMEISTER
Koordinierungsstelle für Migration und Interkulturelle
Angelegenheiten
Betrifft
Integrationsmonitoring 2012
Beratungsfolge
15.05.2013 Hauptausschuss Vorberatung
15.05.2013 Rat Entscheidung
Beschluss:
1. Der Bericht wird zur Kenntnis genommen.
2. Zukünftig wird in den Berichten zum Integrationsmonitoring der Stadt Münster das
Thema ‚Geschlechtergerechtigkeit’ besonders berücksichtigt.
Begründung:
Im Rahmen der bisherigen Beratungen des Integrationsmonitoring 2012 hat es mehrere Beschlü s-
se zur Vorlage gegeben. Der Aussc huss für Gleichstellung hat folgenden Änderungsantrag zur
Vorlage V/0136/2013 Integrationsmonitoring 2012 einstimmig beschlossen:
„Bereits im Jahr 2011 hat der Rat der Stadt Münster im Aktionsplan zur „Europä ischen
Charta für die Gleichstellung von Männe rn und Frauen auf lokaler Ebene“ b eschlossen,
dass sämtliche Daten, die von der Stadt Münster bearbeitet werden, geschlechterdiffere n-
ziert erfasst und weiterverarbeitet werden.
Im Bericht zum Integrationsmonitoring 2012 wird die Mehrzahl der aufgeführten Daten je-
doch nicht nach Geschlechtern differenziert aufgearbeitet. Insbesondere in den Handlung s-
feldern „Sprache und Bildung“, sowie „Arbeit und Wirtschaft“ beeinträchtigt die fe hlende
Differenzierung jedoch deutlich die Aussagekraft und die Bewertung smöglichkeiten der
vorgelegten Daten.
Vorlagen-Nr.:
V/0136/2013/1
Auskunft erteilt:
Frau Meza Correa-Flock
Ruf:
492-7061
E-Mail:
Meza-Correa-Flock@stadt-
muenster.de
Datum:
07.05.2013
Öffentliche Beschlussvorlage
- 2 -
V/0136/2013/1
Die Verwaltung wird gebeten, noch innerhalb der Sitzungskette die vorgelegten St atistiken
und Daten nach Geschlechtern differenziert vorzulegen.“
Diesem Anliegen ist die Verwaltung mit den spezifizierten Daten zum Thema Arbeit nachgekom-
men, die durch das Jobcenter Münster zur Verfügung gestellt wurden. Weitere Daten konnten i n-
nerhalb der Sitzungskette nicht vorgelegt werden.
Ferner hat der Ausschuss für Gleichstellung wie folgt beschlossen:
„Zukünftig wird in den Berichten zum Integrationsmonitoring der Stadt Münster das Hand-
lungsfeld `Geschlechtergerechtigkeit` mit aufgenommen.“
Dies inhaltlich aufgreifend haben der Ausschuss für Kinder, Jugendliche und Familien, der Integra-
tionsrat und der Ausschuss für Schule und Weiterbildung wie folgt beschlossen:
„Zukünftig wird in den Berichten zum Integrations monitoring der Stadt Münster das Thema
‚Geschlechtergerechtigkeit’ besonders berücksichtigt.“
Bei den Themen Gleichstellung und Migration handelt es sich jeweils um eigens tändige wichtige
Querschnittsaufgaben der Stadtpolitik sowie Stadtverwaltung in Münster. Im Integrationsmonitoring
wird der Fokus auf die Umsetzung des Migrationsleitbildes gelegt. Dabei ist aber künftig dem A s-
pekt der Geschlechtergerechtigkeit eine größer e Bedeutung beizumessen. Nach Auffassung der
Verwaltung ist dies integriert in den einzelnen Handlungsfeldern darzustellen. Dies kann am ehe s-
ten durch Aufgreifen der Beschlüsse des Ausschusses für Kinder, Jugendliche umd Familien, des
Integrationsrates und des Ausschusses für Schule und Weiterbildung durch die Verwaltung inhalt-
lich geschehen. Ein zusätzliches Handlungsfeld soll nicht eingerichtet werden.
Bezüglich der differenzierten Datenerhebung ist es Aufgabe des Integrationsmonitorings, die integ-
rationsrelevanten Daten aufzuarbeiten und gleichsam entsprechend der „Europäischen Charta für
die Gleichstellung von Männern und Frauen auf lokaler Ebene“ diese geschlechterdifferenziert
darzustellen soweit diese Daten zur Verfügung gestellt werden können.
Dabei ist die Koordinierungsstelle für Migration und Interkulturelle Angelegenheiten auf vorhand e-
ne Daten angewiesen. Sie wird migrationsspezifische und geschlechterspezifische Daten in den
zukünftigen Berichten aufnehmen. Entsprechend der Aufgabenzuordnung wird die Gleichste l-
lungsstelle die Erhebung monitoringrelevanter geschlechterspezifischer Daten in den verschied e-
nen Stellen der Verwaltung anregen und auf diese Weise den Aktionsplan zur „Europä ischen
Charta für die Gleichstellung von Männern und Frauen auf lokaler Ebene“ umsetzen helfen.
I. V.
Thomas Paal
Stadtrat
Anlage:
- 3 -
V/0136/2013/1
Beratungsverlauf (2)
Beschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungOrte (4)
- Von-Esmarch-Straße
- Kappenberger Damm
- Meesenstiege
- Kinderhaus
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Vorlagen-Nr.
- V/0136/2013/1
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 13.05.2013
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37