V/0409/2019
Strategische Neuausrichtung der Depotflächen des Stadtmuseums Münster
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Beschlussvorlage
23312 Zeichen
V/0409/2019
V/0409/2019
Öffentliche Beschlussvorlage
Betrifft
Strategische Neuausrichtung der Depotflächen des Stadtmuseums Münster
Beratungsfolge
18.06.2019 Kulturausschuss Vorberatung
26.06.2019 Ausschuss für Liegenschaften, Wirtschaft und strategisches Fl ä-
chenmanagement
Vorberatung
03.07.2019 Haupt- und Finanzausschuss Vorberatung
03.07.2019 Rat Entscheidung
Beschlussvorschlag:
I. Sachentscheidung:
1. Der Rat nimmt die strategische Neuausrichtung der Depotflächen des Stadtmuseums zur
Kenntnis.
2. Die Verwaltung wird beauftragt, zwei geeignete, fachgerechte Depotflächen für das Stadtm u-
seum zum 1.1.2020 anzumieten.
3. Die strategische Neuausrichtung hat eine Umstrukturierung sämtlicher Depotflächen sowie die
Teilaufgabe von Flächen im städtischen Speicher ab 2021 zur Folge.
II. Finanzielle Auswirkungen:
1. Für die Umstrukturierung fallen einmalig Kosten für den fachgerechten Umzug des Kunst- und Kul-
turguts an.
2. Zur Finanzierung des Kunst -und Kulturguts sind folgende Finanzmittel in den Haushaltsplan -
Entwurf 2020 aufzunehmen:
Stadtmuseum
18.04.2019
Ihr/e Ansprechpartner/in:
Frau Dr. Rommé
Telefon: 492-4500
RommeB@stadt-
muenster.de
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Teilergebnisplan
Nr. Bezeichnung Haush.-
jahr
Betrag
€
Bemerkungen
Produktgruppe 0405 Stadtmuseum
Zeile 16 Sonstige ordentliche Aufwen-
dungen
2020 145.500 Veranschla-
gung im Rah-
men der
Haushaltspla-
nung 2020
Teilfinanzplan
Nr. Bezeichnung Haush.-
jahr
Betrag
€
Bemerkungen
Produktgruppe 0405 Stadtmuseum
Investitionsmaßnah-
me
Auszahlungen 0010 Beschaffungen 2020 3.500 Veranschla-
gung im Rah-
men der Haus-
haltsplanung
2020
Es entstehen weitere Kosten bei der Anmietung einer geeigneten Immobilie. Die Verwaltung wird d a-
zu eine gesonderte Beschlussvorlage vorlegen.
Begründung:
1. Aufgaben eines Museums und die Bedeutung von Depoträumlichkeiten
Das Stadtmuseum Münster ist ein Museum nach dem Code of Ethics des Internationalen Museum s-
rates (ICOM). Nach den Standards des Deutschen Museumsbundes bewahrt und vermittelt auch das
Stadtmuseum Münster das Kulturerbe der Menschheit mit der Spezialisierung auf die Stadt Münster.
Das Museum informiert und bildet, bietet Erlebnisse und fördert Aufgeschlossenheit, Toleranz und
den gesellschaftlichen Austausch. Insbesondere das Recht auf Bildung und Erziehung und die daraus
abzuleitenden gesellschaftlichen Werte sind Verpflichtung für das Stadtmuseum Münster. Dabei b e-
schränkt es sich nicht nur auf die historische Rückschau, sondern begreift die Auseinandersetzung
mit Geschichte als Herausforderung für die Gegenwart und die Zukunft. Die spezifischen Kernaufg a-
ben der Museen – und damit auch des Stadtmuseums Münster – sind: Sammeln, Bewahren, Fo r-
schen, Vermitteln und Ausstellen.
Das Stadtmuseum dokumentiert die kulturellen und materiellen Zeugnisse der Menschen in Münster
für die folgenden Generationen. Die Museumsarbeit fördert die Fähigkeit, die Sammlung zu interpr e-
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tieren und zum Lernen zu nutzen. Das Stadtmuseum ist eine öffentliche Institution, die ein nachhalt i-
ges Angebot für die Bürger bietet. Die Mehrzahl der Objekte, die das Stadtmuseum Münster sammelt,
ist nur durch diese Tätigkeit erhalten geblieben. Bei den meisten Objektgruppen gibt es kaum eine
Konkurrenz mit privaten Sammlern oder öffentlichen Einrichtungen. Nur durch die Sammeltätigkeit
des Museums kann so das kulturelle Erbe an Sachgütern der Stadt zusammengetragen und in Au s-
stellungen einer breiten Öffentlichkeit vermittelt werden.
2. Zuwächse an Objekten in den letzten Jahren und weitere Entwicklung
Für die Objekte, die zum Aufbau der Sammlung des Stadtmuseums Münster gesucht und bewahrt
werden, gilt als erstes und oberstes Auswahlkriterium der Münster Bezug bzw. die Relevanz für die
Stadtgeschichte. Objekte mit Münster -Bezug lassen sich folgendermaßen chara kterisieren: Sie wu r-
den in Münster hergestellt, in Münster benutzt, sie haben eine enge Beziehung zu Ereignissen der
Stadtgeschichte oder zu Persönlichkeiten der Stadt, sie spielten oder spielen eine bedeutsame Rolle
in der Arbeits und Lebenswelt der Müns teranerinnen und Münsteraner aller sozialen Schichten, sie
geben aufgrund ihrer hohen typologischen Aussagekraft Auskunft über Vergangenheit, Gegenwart
und Zukunft von Münster. Diese Charakteristika fließen in die Entscheidung darüber ein, ob ein O b-
jekt in die Sammlung aufgenommen wird oder nicht. Ergänzend kommt die Überprüfung hinzu, ob ein
gleiches Objekt oder ein vergleichbares Objekt bereits in der Sammlung vorhanden ist, was, sofern es
sich nicht um eine notwendige Ergänzung handelt, einer Übernahme wiederum entgegenspräche.
Neben den inhaltlichen Kriterien sind es auch formale Kriterien, die die Entscheidung z.B. aufgrund
der Depotsituation über eine Annahme beeinflussen. Kann dem Objekt im Museum oder im Mus e-
umsdepot, ein konservatorisch angemessene r Aufbewahrungsort zugewiesen werden? Sind Größe
und Gewicht des Objekts mit den räumlichen Gegebenheiten (Tragkraft von Depotdecken, Aufzug
oder Tür und Raumgrößen etc.) vereinbar?
Der städtische Kunstbesitz umfasst heute mehrere zehntausend Objekte aus der Zeit des 11. Jah r-
hunderts bis heute. Diese Zahl umfasst auch Konvolute, so dass die tatsächliche Anzahl an einzelnen
Objekten, die zu verwahren sind, deutlich höher ist. Hinzu kommt der Bestand von hunderttausenden
historischer Negative lokaler Fotografen. Die Objekte sind in folgenden Bestandsgruppen erfasst:
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Der Zuwachs an Objekten erfolgt in einzelnen Kategorien mal stärker, mal weniger stark, was die
Tabelle veranschaulicht. Diese verdeutlicht außerdem, dass seit 2010/2011 die Anzahl der überno m-
menen Objekte gravierend zugenommen hat. Durchschnittlich sind in den letzten Jahren pro Jahr
rund 1.000 Schenkungen zu verzeichnen. Diese Entwic klung ist durch den derzeitigen Generati o-
nenwechsel zu erklären: Da die ältere Sammlergenerationen versterben, werden Nachlässe von den
Erben aufgelöst, da diese kein Interesse am Erhalt der historischen Sammlerobjekte haben – werden
dem Stadtmuseum Münste r verstärkt Objekte und teilweise ganze Konvolute angeboten. Der Markt
für solches Sammelgut mit lokalhistorischem Bezug geht in seiner Bedeutung zurück, so dass das
Interesse der Bürgerinnen und Bürger an der Übernahme durch das Stadtmuseum größer wird.
Aus Platzmangel musste jedoch in den letzten Jahren im Stadtmuseum Münster auch bei Erfüllung
der oben genannten Kriterien hinsichtlich der münsterischen Provenienz oftmals auf eine Übernahme
verzichtet werden. Besonders gilt dies im Bereich historischer M öbel/Geschäftseinrichtungen etc., die
Zuwachs nach
Gattungen
2005
2010
2011
2012
2013
2014
2015
2016
2017
2018
Archivalien 43 48 105 113 307 290 157 125 152 8
Digitalisate 5 34
Drucke 72 43 89 151 323 71 160 215 286 373
Gemälde 8 15 9 4 4 49 19 14 10 9
Graphiken 14 70 178 11 37 208 24 39 55 24
Historische
Fotos/Postkarten 29 132 170 323 397 262 171 350 556 365
Handelsware 22 1 40 15 11 1 89 33 48 42
Kunstgewerbe 30 23 21 31 43 76 18 46 35 73
Möbel 5 0 1 2 0 8 0 4 1 3
Musikinstrumente 0 0 0 0 0 0 0 0 0 1
Modelle 0 0 0 0 0 1 1 0 0 0
Münzen 100 91 93 69 249 71 71 34 171 35
Postkarte 108 101 165 61 3.545 3.414 70 56 172 288
Skulpturen 4 0 30 0 0 8 1 8 2 2
Techn. Gerät 27 11 17 26 17 28 19 81 42 39
Textilien 9 15 8 22 6 46 16 20 29 34
Waffen 1 0 0 2 0 0 0 0 0
Zeichnungen 34 43 41 1 3 30 26 22 3 41
Gesamtzuwachs 506 593 967 829 4.944 4.563 842 1.047 1.567 1.371
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nicht selten sehr groß sind, und Gemälde, die freie Wandfläche an Gitterwänden zur fachgerechten
Aufbewahrung benötigen. Dass damit u. U. wichtige stadthistorische Zeugnisse unwiederbringlich
verloren gehen, musste lei der in Kauf genommen werden. Ein anderes Beispiel ist die verstärkt zu
registrierende Auflösung diverser Vereine aufgrund ausbleibenden Mitgliedernachwuchses. Als wic h-
tige Zeugnisse münsterischer Stadtgeschichte werden Ketten, Schärpen, Fahnen, Erinnerungsbänder
und Wimpel an das Stadtmuseum übergeben. Die konservatorisch -fachgerechte Lagerung von Texti-
lien ist extrem anspruchsvoll. So müssen die meisten Textilien entfaltet und liegend und viele Fahnen
beispielsweise aufgerollt verwahrt werden. Das erforder t entsprechend viel Platz für die Vorrichtu n-
gen. Die derzeitigen Kapazitäten zur fachgerechten Einlagerung von Objekten sind erschöpft. Um
dem Auftrag, Kulturgut zu sammeln und zu bewahren, das die Stadtgeschichte dokumentiert und ve r-
anschaulicht, auch wei terhin verantwortungsvoll nachkommen zu können, ist eine Erweiterung der
Lagerflächen dringend erforderlich.
3. Anforderungen an Depoträumlichkeiten und Einschätzung der Bedingungen in den
aktuellen Depots des Stadtmuseums
Besonders eng mit dem Thema „Sammel n“ ist die Aufgabe „Bewahren“ verbunden. Dieser Auftrag
erfordert besondere Vorkehrungen und spezifische Kenntnisse über Sicherheit, Klima, Materialeige n-
schaften, Schadensbefund und Schadensprozesse, Handhabung der Objekte sowie Konservierungs -
und Restaurierungsverfahren. Diese grundlegenden und dauerhaften Aufgaben dürfen ausschließlich
von fachkundigem Personal übernommen werden, um das einzigartige Erbe möglichst schadensfrei
zu bewahren.
Das Stadtmuseum Münster besitzt drei Depots an der Salzstraße: ei n kleines und ein größeres G e-
mäldedepot sowie ein Depot für Möbel, Textilien und Skulpturen. Im städtischen Speicher (An den
Speichern 14 in Coerde) verfügt das Museum im Souterrain über zwei Flächen – die eine wird für
Möbel und Präsentationsmittel genutz t, die andere deutlich kleinere Fläche wurde vom Museum so
ertüchtigt, dass mit Hilfe eines Luftentfeuchters Möbel einigermaßen fachgerecht gelagert werden
können. In einem Teil des Dachgeschosses werden vom Stadtmuseum Präsentationsmittel, techn i-
sche Geräte, Werke aus Stein und Kunstgewerbe eingelagert. In allen Depotflächen herrscht dran g-
volle Enge; die Lagerflächen im städtischen Speicher sind darüber hinaus aus vielerlei Gründen für
eine fachgerechte Lagerung von Kunst - und Kulturgut ungeeignet: Sie bie ten keine hinreichenden
Sicherheitsstandards, stabiles und geeignetes Klima und kein gefahrloser Transport von größerem
Kulturgut ist möglich. Den wichtigsten und grundlegendsten Aufgaben eines Museums, das Sammeln
und Bewahren, kann nicht mehr fachgerecht nachgegangen werden.
Anforderung Sicherheit: Die Sicherheit eines Museums und damit auch seiner Depots ist Vorau s-
setzung für das Bewahren einer Sammlung. Der Vorbeugung kommt eine Schlüsselrolle zu, da sie
dazu beiträgt, Schäden an den Objekten zu vermeiden. Kostenintensive Konservierungs- und Restau-
rierungsmaßnahmen werden somit auf ein unvermeidbares Minimum reduziert. Die Vorbeugung b e-
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ginnt bereits mit der Auswahl und der Ausstattung eines geeigneten Museumsgebäudes oder eines
Depotraumes, um den größtm öglichen Schutz vor schädlichen Umwelteinflüssen, Vandalismus,
Diebstahl und Naturkatastrophen zu gewährleisten. Für nichtauszuschließende Katastrophen, wie
zum Beispiel Feuer, Hochwasser und ähnliches, liegen festgelegte und eingeübte Notfallpläne vor.
Ein solcher Notfallplan ist im Stadtmuseum an der Salzstraße vorhanden, muss dann aber auch für
die neuen Räumlichkeiten im Gemeinschaftsdepot erarbeitet werden.
→ Im städtischen Speicher sind die technischen und baulichen Voraussetzungen für die Einlage rung
von Museumsgut nicht gegeben. Aufgrund des dortigen Evakuierungskonzeptes sind fast alle Räu m-
lichkeiten für mehrere Nutzer des Gebäudes frei zugänglich, was die Sicherheit reduziert und die G e-
fahr von Unfällen erhöht.
Anforderung Raumklima: Depoträume benötigen ein stabiles und für das einzulagernde Material
geeignetes Raumklima.
→ Die klimatischen Schwankungen im Speicher 14 sind für die sichere Verwahrung von Kulturgütern
aus hygroskopischen Materialien zu stark. Dadurch wird der alterungsbedingte Zerfall von Materialien
wie zum Beispiel Holz, Papier und Textilien katalysiert, und eine Bewahrung im aktuellen Erhaltung s-
zustand kann nicht sichergestellt werden. Kunststoffe verschiedener Art benötigen dagegen eine eher
kühle Raumluft, um die Zersetzungs prozesse zu verlangsamen. Besonders im Obergeschoss im
Speicher 14 wird es in den Sommermonaten zu heiß, deshalb muss dieser Teil des Lagers des
Stadtmuseums von Speicher 14 aufgegeben werden. Die Depots im Stadtmuseum entsprechen den
klimatischen Anforderungen.
Anforderung Transport und Zugänglichkeit der Objekte: Neben den genannten Faktoren und der
Notwendigkeit eines Lastenaufzuges mit großer Grundfläche (ist im Speicher nicht vorhanden) zum
gefahrlosen Transport von größerem und schwererem Kunst - und Kulturgut sind auch die Verwe n-
dung geeigneter Lagermöglichkei ten zur Aufbewahrung sowie die richtige Platzierung im zur Verf ü-
gung stehenden Raum von Bedeutung. Dabei ist es wichtig, dass die Zugänglichkeit aller Objekte
gewährleistet ist. Jede Handhabung eines Objektes bedeutet eine mechanische Belastung. Für eine
schadenssichere Verwahrung ist die Erreichbarkeit jedes einzelnen Objektes von großer Bedeutung
und dient nicht zuletzt auch der Vorbeugung von Unfällen. Nur wenn alle Objekte erreichbar sind, ist
auch im Notfall ein schneller Zugriff sichergestellt.
→ Aktuell ist die Zugänglichkeit in den Depots in der Salzstraße und im Speicher 14 nicht mehr g e-
währleistet, da der zur Verfügung stehende Raum in den vorhandenen Depotflächen mehr als ausg e-
schöpft ist.
Anforderung Schädlings- und Schadstofffreiheit: Neben den genannten Faktoren gefährden vor
allem auch Schädlinge und Schadstoffe die Überlieferung/den Erhalt des kulturellen Erbes und de s-
sen Sicherheit. Museale Objekte können Mikroorganismen, Pilzen, Insekten und Wirbeltieren als H a-
bitat oder Nahrungsquelle dien en. Die Schäden sind entsprechend vielschichtig und sind ebenfalls
der Grund für gesundheitsschädliche Biozide, mit denen besonders im 20. Jahrhundert Holzobjekte
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behandelt wurden. Gängige Handelsnamen lauten DDT, Basileum, Xylamon, Lindan oder Hylotox.
Diese Produkte töten nicht nur Tiere, sondern haben auch für den Menschen mannigfaltige gesun d-
heitsschädigende bis hin zu lebensgefährlichen Wirkungen. Neuzugänge werden daher in der Regel
vor Einbringung in ein bestehendes Lager geprüft.
→ Besonders in den Räumlichkeiten im aktuellen Außenlager an den Speichern 14 besteht eine hohe
Gefahr, dass vor allem Schadinsekten von außen ins Gebäude eindringen oder durch die verschi e-
denen Nutzer des Gebäudes selbst eingebracht werden. Da es sich bei den Zugängen zu den Depots
um Fluchttüren handelt, können diese nicht verschlossen werden. Auch gibt es zwischen Tür und
Boden einen Spalt, durch den Schädlinge in die Räumlichkeiten gelangen. Die Fenster des Gebäude-
komplexes sind ein weiterer Zugang für Insekten. Diese si nd in den Räumlichkeiten des Stadtmus e-
ums zwar immer geschlossen. Dies gilt jedoch nicht für das gesamte Gebäude, in dem sich neben
Archiv- und Depoträumen auch Arbeitsplätze befinden.
4. Fachgerechte Bedingungen im WLV Gemeinschaftsdepot
Das von der WLV erbaute Gemeinschaftsdepot auf dem Gelände der Speicherstadt, das im Auftrag
des LWL für kommunales Kunst - und Kulturgut errichtet worden ist, entspricht vollumfänglich den
fachlichen Anforderungen: Es sollen zwei Depotflächen mit Innenausstattung zur Einric htung eines
musealen Gemäldedepots (221,87 qm) sowie einer Kombifläche für Möbel, Kunsthandwerk, techn i-
sches Gerät, Steinsammlung, sowie andere Kultur - und Kunstobjekte (615,20 qm) angemietet we r-
den. Das Stadtmuseum wird einen eigenständigen und gesicherte n Bereich nutzen können. Das G e-
bäude entspricht bauphysikalisch und haustechnisch den konservatorischen Anforderungen für eine
Deponierung von Museumssammlungen. Die sorgfältige Auswahl unschädlicher Materialien, A n-
strichstoffe und Beleuchtungsmittel sind ebenso wie die regelmäßige Kontrolle aller bestandsrelevan-
ten Klimafaktoren gewährleistet. Es ist möglich, die Klimadaten in den einzelnen Lagerbereichen im
Stadtmuseum Münster über eine Gebäudeleittechnik einzusehen, da kein städtischer Museumsarbe i-
ter tagtäglich vor Ort in Coerde sein kann. So ist eine Kontrolle und schnelle Reaktion bei Störungen
möglich. Eine Lagerung im neuen WLV -Depot ermöglicht dem Stadtmuseum, seinen fachlichen Au f-
gaben angemessen nachzukommen, da die wesentlichen Anforderungen eine r optimierten Lagerung
gegeben sind:
- fachgerechte Sicherheitsstandards
- stabiles Raumklima
- rationelle Nutzung der Flächen- und Raumkapazitäten
- optimierte Reinhaltung und ausreichende Bewegungsfreiheit
- Reserveflächen zur Aufnahme der Sammlungszuwächse ohne B eeinträchtigung der ko n-
servatorischen Anforderungen
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5. Fazit: Strategische Neuausrichtung – verändertes Raumkonzept und Sicherstellung
von Depotkapazitäten für Zuwächse
Stadtmuseum:
- Aufgabe des kleinen Gemäldedepots (alle Gemälde kommen in das Gemeinschafts depot
der WLV) sowie Umwandlung zum Vorbereitungsraum für Ausstellungen und für neu
übernommenes Kunst- und Kulturgut nach seiner Quarantänezeit, bevor es ins Außenl a-
ger in Coerde transportiert werden kann.
- Teile des übervollen großen Gemäldedepots 1 im S tadtmuseum werden nach Coerde ins
Gemeinschaftslager der WLV gebracht.
- Transport von einem großen Teil der Möbel in das neue Gemeinschaftsdepot der WLV,
neu gewonnene Flächen in diesem Lager werden umgewandelt zur Erweiterung des Te x-
tildepots.
Coerde, städtischer Speicher (An den Speichern 14):
- Die Räumlichkeiten unter dem Dach werden 2021 aufgegeben.
- Die Flächen im Souterrain werden neu genutzt: Der vom Stadtmuseum abgetrennte B e-
reich wird ausschließlich zum Präsentationsmittellager (da diese Gegenstände nicht im
klimatisierten Bereich des WLV Gemeinschaftsdepots aufbewahrt werden müssen).
- Der mit einem Entfeuchter versehene Bereich im Souterrain wird zum Quarantäneraum für
Objekte, die vor ihrer Einlagerung oder Präsentation noch behandelt werden müssen. In
die neue Lagerfläche dürfen nur Exponate ohne Schädlingsbefall eingelagert werden. Alle
bisher dort eingelagerten Möbel werden in das neue WLV-Lager umgezogen.
Coerde, WLV-Gemeinschaftsdepot:
- In den neuen Räumlichkeiten wird sämtliches Kunst - und Kulturgut aus dem städtischen
Speicher sowie die Gemälde aus dem kleinen Gemäldedepot 2 und Teile des größeren
Gemäldedepots 1 des Stadtmuseums sowie ein Großteil der Möbel aus dem Möbeldepot
(insbesondere alle großen Möbel) des Stadtmuseums sowie die übergroß en Papierarbei-
ten aus dem Grafikdepot des Museums umgezogen.
Insgesamt werden ca. 5.000 Objekte aus dem bisher genutzten Speicher 14 sowie Objekte aus den
Depots an der Salzstraße umgezogen. Vom Umzug betroffen sind alle oben genannten Objektkatego-
rien – darunter Großobjekte wie Möbel, Musikinstrumente und Gemälde –, außer den historischen
Fotobestände, Archivalien, Drucke, Graphik- und Papierarbeiten sowie Münzen, die im Museum ve r-
wahrt werden. Die neuen Depotflächen im WLV -Museumsdepot sind der erste und wichtigste Schritt,
um eine fachgerechte Deponierung des Kunst- und Kulturgutes des Stadtmuseums zu gewährleisten.
Weitere werden in den nächsten Jahren folgen müssen.
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Aktuelle D e-
potfläche
Lagertechnik Aktuelle Ausla s-
tung
Zuwachsmöglichkei-
ten nach verä nder-
tem Raumkonzept
Stadtmuse-
um und
Speicher 14
Palettenregale >100 % (keine r e-
gelgerechte Einl a-
gerung)
20 %
Speicher 14 Kompaktusanlage ca. 75 % 50 %
Stadtmuse-
um
Freifläche / Pale t-
ten
> 100 % (keine
regelgerechte Ei n-
lagerung)
10 %
Stadtmuse-
um
Gemäldedepot /
Gitterzuganlagen
> 100 % (es fehlen
ca. 240 m²)
30 %
Raum für Z u-
wachs nach E r-
weiterung im
Stadtmuseum
Stadtmuse-
um
Textildepot/
Schwerlastregale
93 % 40 %
Stadtmuse-
um
Fahnenlager / Ro l-
lenregal
80 %
40 %
Stadtmuse-
um
Möbeldepot /
Schwerlastregale
>100 % (keine r e-
gelgerechte Einl a-
gerung)
35 %
6. Umzug von Kunst- und Kulturgut
Die bereits erläuterten Anforderungen an den Umgang mit dem städtischen Kunst und Kulturgut ste l-
len eine besondere Herausforderung für den Umzug der im neuen Gemeinschaftsdepot einzul a-
gernden Objekte aus dem Stadtmuseum Münster und dem bisherigen Außenlager im städtischen
Speicher dar. Um sicherzustellen, dass alle Objekte schadensfrei an ihren neuen Standort transpo r-
tiert werden können, müssen im Vorfeld bereits vorliegende Beschädigungen bzw. der Erhaltungsz u-
stand der einzelnen Kulturgüter ermittelt werden. Nur dann können fragile Objekte entweder bereits
im Vorfeld bis zu ihrer Restaurierung gesondert verwahrt oder die vorhandenen Beschädigungen vor
dem Transport entsprechend gesichert werden. Daher müssen vor einem Umzug in das Zentraldepot
die Objekte von Fachkräften untersucht und im Anschluss luftdicht verpackt werden. Aus diesem
Grund sind Restauratoren unterschiedlicher Spezialisierung notw endig, die die Objekte aus den u n-
terschiedlichsten Materialien begutachten. Da verschiedene Museen im neuen Gemeinschaftsdepot
ihr Kunst - und Kulturgut unterbringen, ist es selbstverständliche Voraussetzung, dass nur Objekte
ohne Schädlings-, Schimmelbefall im neuen Depot eingelagert werden dürfen. Es muss ausgeschlos-
sen werden, dass die Objekte der anderen Museen durch das Einbringen von Objekten befallen we r-
den können. Dies liegt auch im Interesse des Stadtmuseums. Außerdem sind die Möbel darauf zu
untersuchen, ob es gesundheitsschädliche Ausdünstungen von früheren Schädlingsbekämpfungen
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gibt, da ansonsten ein weiterer Quarantäneraum notwendig sein würde. Es handelt sich um einen
Spezialumzug, an den viele fachliche Anforderungen gestellt werden.
7. Kosten für den Umzug
Der Umzug des Kunst- und Kulturguts aus den Depots an der Salzstraße und dem städtischen Spe i-
cher enthält aufwändige Vorbereitungstätigkeiten wie Kontrolle des Bestands in Hinsicht auf den ko n-
servatorischen Zustand sowie den Befall von Schädli ngen oder die Schadstofffreiheit. Insbesondere
diese Arbeiten müssen mit Unterstützung von auswärtigen Fachkräften wie Restauratoren und ang e-
lernten Hilfskräften sowie für einzelne Gewerke mit Fachfirmen durchgeführt werden. Erst danach
kann das zum Teil s ensible Museumsgut mit großer Umsicht umgezogen und wieder eingelagert
werden. Dazu gehört auch die standortgenaue Verzeichnung im museumseigenen Inventarisierung s-
programm.
Maßnahme Sachkosten Investitionen
Schadstoffanalyse, Schäd-
lingsmonitoring
12.000,- Euro
Inventur, Untersuchung Er-
haltungszustandes und Si-
cherungsmaßnahmen an
Kunst- und Kulturgut
36.000,- Euro
Logistikunterstützung und
Projektmanagement
26.000,- Euro
Verpackungsmaterial 11.000,- Euro
Ver- und Entpackung des
Kunst- und Kulturgutes inkl.
Schnellinventarisierung
38.000,- Euro
Umzug im engeren Sinne
22.500,- Euro
Anschaffungen 3.500,- Euro
Insgesamt 145.500,- Euro 3.500,- Euro
I.V.
gez.
Wilkens
Stadträtin
Anlage A
Anlage A
1155 Zeichen
Anlage A zur V/0409/2019 Kurzüberblick Strategische Neuausrichtung der Depotflächen des Stadtmuseums Münster: Die Verwaltung wird beauftragt, zwei geeignete, fachgerechte Depotflächen für das Stadtmuseum zum 1.1.2020 an- zumieten. Die strategische Neuausrichtung hat eine Umstrukturierung sämtlicher Depotflächen sowie die Teilaufgabe von Flächen im städtischen Speicher ab 2021 zur Folge. Ziele/Teilziele/Zielerreichung Um das unverwechselbare Stadtbild Münsters zu bewahren, müssen auch Zeugnisse seiner Ge- schichte bewahrt werden, die Informationen zum Aussehen, seiner Nutzung und Einbindung in Geschichte geben. Finanzierung Produktgruppe: 0405 Stadtmuseum Auswirkungen auf den Ergebnisplan x Ja Nein Auswirkungen auf den Finanzplan x Ja Nein Für den Entwurf des Haushaltsplan 2020 anzumelden? x Ja Nein teilw. Belastungen in zukünftigen HH-Jahren? x Ja Nein Bereits veranschlagt? Ja x Nein Pflichtigkeitsgrad Die Maßnahme/Leistung ist vollständig pflichtig überwiegend pflichtig überwiegend freiwillig x vollständig frei- willig Ratsbeschluss zur Errichtung und zum Betrieb eines Stadtmuseums 1979
Beratungsverlauf (4)
Beschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungBeschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungBeschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungOrte (2)
- Salzstraße
- An den Speichern 14
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Details
- Aktenzeichen
- V/0409/2019
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 24.04.2019
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37