V/0791/2009/1
Klimaschutzkonzept 2020 für Münster
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Anlage 2 V_0791_2009_1
5531 Zeichen
SPD-Fraktion
im Rat der Stadt Münster
Münzstraße 15
48143 Münster
Telefon 02 51-4 53 14
Telefax 02 51-51 17 50
E-Mail spdfrak@muenster.de
den 20. April 2010
Änderungsantrag zur Vorlage V/0791/2009 "Klimaschutzkonzept 2020 für Münster"
Der Ratsausschuss für Umweltschutz und Bauwesen möge beschließen:
Der Beschlussvorschlag V/0791/2009 wird um folgende Punkte ergänzt:
Klimaschutz im Verwaltungshandeln
Der Klimaschutz ist eine der zentralen, lokalen Aufgaben für Gegenwart und Zukunft.
Als eines der Ziele muss die Verwaltung das durch eine Bündelung von Fachwissen,
Zuständigkeiten und Ressourcen unterstützen.
Klimabeirat
Die Stadt Münster richtet einen Kommunalen Beirat für Klimaschutz ein. Der Beirat
arbeitet auf ehrenamtlicher Basis und wird den weiteren Weg des
„Klimaschutzkonzept 2020 für Münster“ begleiten. Einen Konzeptvorschlag mit
Besetzung, Aufgaben, Kostenschätzung und deren Finanzierung wird die Verwaltung
dem Rat Mitte des Jahres 2010 zur Beschlussfassung vorlegen.
Klimaschutzfonds
Die Verwaltung erarbeitet Vorschläge wie dem im „Klimaschutzkonzept 2020 für
Münster“ vorgeschlagenem Klimaschutzfonds (Stadt + Stadtwerke) erheblich mehr
Mittel zugeführt werden können.
Solaroption für Münster stärker verfolgen
Es wird eine Machbarkeitsstudie erstellt, die mit Blick auf die Deponie Coerde und
angrenzender Flächen einen deutlich stärkeren Einsatz der Solarenergie in Münster
prüft.
Windoption stärker verfolgen
Das Repowering vorhandener kleiner und älterer Windenergieanlagen reicht bei
weitem nicht aus. Münster muss daher sowohl innerhalb des Stadtgebietes
(Errichtung eines Windparks), als auch außerhalb, den Ausbau der Windkraft
vorantreiben. Hierzu wird eine Machbarkeitsstudie erstellt.
SPD
Anlage 2: V/0791/2009/ E1
Wärmeversorgungsplan
Es wird geprüft, ob ein umfassender, stadtweiter Wärmeversorgungsplan aufgestellt
wird, ggf. auch Teilpläne, in dem Gebiete festgesetzt werden, in denen die
Wärmeversorgung von Gebäuden ganz oder teilweise aus einem bestimmten
Leitungsnetz erfolgen soll.
Klimaschutzcontrolling
Es wird ein wirksames Klimaschutzcontrolling des gesamten städtischen
Handelns durch externe, wechselnde Prüfer (ähnlich der Wirtschaftsprüfung
von Betrieben) aufgebaut.
Begründung:
Der Endbericht für das Klimaschutzkonzept 2020 für Münster zeigt viele richtige
Maßnahmen und Wege auf, sollte aber ergänzt, einige Punkte auch stärker
gewichtet werden.
Auch innerhalb der Verwaltung muss auf die zentrale Aufgabe Klimaschutz reagiert
werden. Hier sind Weichenstellungen notwendig, hier muss die Umsetzung und
Einhaltung des „Klimaschutzkonzept 2020 für Münster“ durchgeführt werden, das
erfordert eine Bündelung von Fachwissen, Zuständigkeiten und Ressourcen. Die
Verwaltung wird daher aufgefordert das Thema aufzugreifen und geeignete
Vorschläge vorzulegen.
Ein Klimabeirat kann eine sinnvolle Ergänzung zu den bestehenden Institutionen
sein. Es soll sich um ein auf ehrenamtlicher Basis arbeitendes Gremium handeln. Die
genaue Ausgestaltung im Hinblick auf Besetzung, Aufgaben, Kostenschätzung und
deren Finanzierung soll die Verwaltung in einem Vorschlag ausarbeiten, es gibt
Beispiele einer erfolgreichen Arbeit, an denen Münster sich auch orientieren kann.
Beschlussfassung vorlegen.
Der Klimaschutzfonds ist eine sehr sinnvolle Maßnahme, muss aber, um wirksam
arbeiten zu können, mit erheblich mehr Mitteln als die vorgeschlagenen 500.000 €
ausgestattet werden. Wir in der Vorlage angesprochen kann der Hannoveraner
Fonds „proKlima Hannover“ hier durchaus Vorbild sein, ggf. ist der Münsteraner
Klimaschutzfonds durch die Hereinnahme weiterer Akteure auszuweiten.
Solar- und Windenergie sind zwei wesentliche Bausteine in einer
umweltverträglichen Energieversorgung. Hier hat Münster Handlungsmöglichkeiten.
Mit der Deponie in Coerde und angrenzenden Flächen verfügt Münster hier über ggf.
nutzbare Potenziale, die es zu heben gilt. Ziel könnte die Entwicklung einer
„Solarkeimzelle Coerde“ für Münster sein.
Der Einsatz von Windenergie ist in der Vergangenheit mit äußerst behutsam genutzt
worden. Ohne den massiven Einsatz der Windenergie wird es für Münster um so
schwerer, seine Klimaschutzziele zu erreichen, das Repowering der vorhandenen
kleineren und älteren Anlagen reicht dazu nicht aus. Münster muss daher über den
Bau weiterer Anlagen im Stadtgebiet nachdenken, es sind aber ggf. auch Optionen
wie sie die Stadt München genutzt hat (Einkauf in vorhandene bzw. geplanten
Anlagen) zu prüfen.
Münster benötigt eine gesamtstädtische Perspektive für die Wärmeversorgung. Dazu
kann ein Wärmeversorgungsplan aufgestellt werden. Dieser Wärmeversorgungsplan
soll im Interesse einer sicheren und umweltfreundlichen Wärmeversorgung
langfristige und belastbare Erzeugungs- und Nutzungsstrukturen schaffen.
Ein effizientes, wirksames Controlling muss den Umsetzungsprozess des
Klimaschutzkonzeptes begleiten, Erfolge und Fehlsteuerungen messbar und deutlich
gemacht werden. Hierzu sollen, ähnlich der Wirtschaftsprüfung von Betrieben,
externe, wechselnde Prüfer ihre aufgaben wahrnehmen. Das Klimaschutzcontrolling
dient der permanenten Überwachung der gesteckten Ziele, es informiert bei
Abweichungen kurzfristig die Verantwortlichen und fasst seine Arbeit in einem
jährlichen Prüfbericht zusammen.
SPD-Fraktion im Rat der Stadt Münster
Holger Wigger
und Fraktion
Anlage 1 V_0791_2009_1
4574 Zeichen
1 Der AUB möge beschliessen: Beschlussvorschlag: I. Sachentscheidung 1. Wie Vorlage 2. Die Verwaltung wird beauftragt, die Vorschläge d es Maßnahmenkatalog „Stadt als Motor“ um- zusetzen , die bestehende Projekte oder Maßnahmen fortführen oder intensivieren und im Rahmen bestehender Budgets finanziert werden können. 3. Wie Vorlage, ergänzt um Satz 3: Für Maßnahmen und Personalressourcen, die aus fachli- chen Gründen bereits im Jahr 2010 benötigt werden, macht die Ver waltung Finanzie- rungs- und Deckungsvorschläge zulasten des Haushaltes 2010. 4. Wie Vorlage 5. Wie Vorlage 6. Neu eingefügt: Die Stadt richtet einen unabhängigen Klimabeirat ein, der aus Per sönlich- keiten des Umwelt- und des Klimaschutzes besteht. Der Bei rat berät die Stadt bei der Umsetzung des Klimaschutzkonzeptes. Seine Vorsitzende/sein Vor sitzender erhält Re- de- und Antragsrecht im Fachausschuss AUB. Für die Besetzung des Beirates, für seine Aufgaben und seine Organisation legt die Verwaltung dem Rat im Juni 201 0 Vorschläge vor, bei denen die Anregung Nr. 18/2010 der Lokalen Agenda 21 vom 16.2.2010 berück- sichtigt wird. Der Beirat wird durch den Rat gewählt. 7. Bisher 6.: Die Anträge ... Dächern und Grundstücken “ werden bei der Umsetzung des Kli- maschutzkonzeptes soweit fachlich und finanziell möglich berück sichtigt und nach Maßgabe der mit den Anträgen korrespondierenden Projekte des Konzept es abgearbei- tet. II. Kosten/Folgekosten Die erforderlichen Mittel für die Umsetzung der unt er Beschlusspunkt 2. und 3. erfassten Klima- schutzmaßnahmen… zur Verfügung. Neu ergänzt: Die erforderlichen Mittel für die Umsetzung werden ab dem Ha ushaltsjahr 2011 im Teilplan 1401 unter dem (neuen) Produktnamen „Kommunaler Klimasc hutz“ gesammelt aus- gewiesen. Begründung: Die Änderung im Beschlusspunkt 2 . ist redaktionell und dient der Klarheit der Aussage. Änderungsantrag zur Vorlage 0791/2009: Klimaschutzkonzept 2020 für Münster GAL WINDTHORSTSTR. 7 48143 MÜNSTER Ratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen /GAL MÜNSTER Windthorststraße 7 48143 Münster Tel: 0251 8 99 58-10 Fax: 0251 8 99 58-15 E-Mail: ratsfraktion@gruene- muenster.de www.gruene-muenster.de Münster, 20. April 2010 Anlage 1: V/0791/2009/ E1 2 Die Änderung im Beschlusspunkt 3. soll sicherstellen, dass neue Maßnahmen des Progra mms, die bereits im laufenden Jahr begonnen werden sollen, auch durch „unterjährigen“ Finanzbeschluss des Rates finanziell abgesichert werden können. Gleiche s gilt für die Bereitstellung von zusätzlichen Per- sonalressourcen, soweit sie bereits im Jahr 2010 be nötigt werden, um das Konzept umzusetzen. Die Verwaltung soll hierfür und für die Deckung der Mehrkosten Vorschläge unterbreiten. Der neue Beschlusspunkt 6 . soll sicherstellen, dass die Klimaschutzpolitik der Stadt durch unabhän- gige Fachleute nachdrücklich unterstützt wird. Der Beirat für das Klimaschutzkonzept 2020 soll Ver- waltung und Fachausschuss bei allen wichtigen Entsch eidungen über die Umsetzung des Konzeptes beraten. Durch das Recht auf Entsendung eines Mitgl iedes in den Fachausschuss AUB, mit beraten- der Stimme, soll sichergestellt werden, dass die Em pfehlungen des Beirates unmittelbar in den politi- schen Beratungsprozess einfließen. Einen Aufgabenkat alog und ein Organisationskonzept für den Beirat soll die Verwaltung zusammen mit Vorschlägen für die (geschlechtergerechte) Besetzung bis Juni 2010 vorlegen. Entscheidungen über die Besetzu ng des Beirates und seine Obliegenheiten trifft der Rat. Die entsprechende Anregung Nr. 18/2010 der Arbeitsgemeinschaft Lokale Agenda 21 Müns- ter vom 16.02. 2010 wird damit aufgegriffen. Der neue Beschlusspunkt 7 . (bislang Beschlusspunkt 6. der Vorlage) soll verd eutlichen, dass die von den Fraktionen SPD und GAL sowie der Fraktionsge meinschaft ödp/UWG gestellten weitreichen- den Anträge zum kommunalen Klimaschutz auch bei der Realisierung des Klimaschutzkonzeptes berücksichtigt und soweit möglich umgesetzt werden sollen. Die Verwaltung irrt, wenn sie annimmt, dass diese Anträge bereits durch die Vorlage Nr. V/0791/2009 erledigt seien. Die Änderung unter II. Kosten Folgekosten soll erreichen, dass die politische Prioritätensetz ung der Stadt Münster für kommunalen Klimaschutz auch im Ha ushalt deutlich ablesbar wird. Das eigenstän- dige Produkt „Kommunaler Klimaschutz“ soll alle Positionen des Klimaschutzkonzeptes 2020 umfas- sen und katalogartig aufführen. Hery Klas und Fraktion
Ergänzungsvorlage Beschluss
6745 Zeichen
V/0791/2009/1 DER OBERBÜRGERMEISTER Amt für Grünflächen und Umweltschutz Betrifft Klimaschutzkonzept 2020 für Münster Beratungsfolge 22.04.2010 Ausschuss für Stadtplanung, Stadtentwicklung, Verkehr und Wirtschaft Vorberatung 27.04.2010 Ausschuss für Finanzen, Beteiligungen und Liegenschaften Vorberatung 28.04.2010 Hauptausschuss Vorberatung 28.04.2010 Rat Entscheidung Beschlussvorschlag: I. Sachentscheidung: 1. Der Rat nimmt den Endbericht für das Klimaschutzkonzept 2020 für die Stadt Münster vom 30.11.2009 zur Kenntnis und stimmt dem Maßnahmenkatalog „Stadt als Motor“ als per- spektivische Grundlage für die kommunale Klimaschutzpolitik zu. 2. Die Verwaltung wird beauftragt, die Vorschläge des Maßnahmenkatalogs „Stadt als Motor“ umzusetzen, die bestehende Projekte oder Maßnahmen fortführen oder intensivieren und im Rahmen der bestehenden Budgets umzusetzen finanziert werden können. 3. Die Verwaltung wird ferner beauftragt, die Vorschläge des Maßnahmenkatalogs „Stadt als Motor“, die über die von Ziffer 2 des Beschlussvorschlags erfassten Maßnahmen hinaus- gehen, im Hinblick auf ihre Umsetzbarkeit zu prüfen und als Handlungskonzept dem Rat im Oktober 2010 zur Beschlussfassung vorzulegen. Die Finanzierung der darin vorgeschla- genen Maßnahmen und Personalressourcen ist Bestandteil dieses Handlungskonzepts, über das der Rat im Rahmen des Haushaltsplans 2011 sowie der mittelfristigen Finanzpla- nung zu entscheiden hat. Für Maßnahmen und Personalressourcen, die aus fachlichen Gründen bereits im Jahr 2010 benötigt werden, macht die Verwaltung Finanzierungs- und Deckungsvorschläge zulasten des Haushaltes 2010, soweit dies im Rahmen der Beschlüsse des Rates vom 9. Dezember 2009 zur künftigen Haushaltsstrategie (Haus- haltssicherung vermeiden, Haushaltsdefizit abbauen) und im Rahmen der weiteren Haus- haltsentwicklung 2010 möglich ist. 4. Dem Aufbau eines Klimaschutz-Netzwerkes „M ünsters Allianz für Klimaschutz“ wird unter dem Vorbehalt der Bewilligung der Bundesfördermittel im Rahmen der K limaschutzinitiative des Bundesumweltministeriums (BMU) zugestimmt. Die dafür erforderlichen finanziellen und personellen kommunalen Ressourcen sind bereits im Haushaltsplanentwurf 2010 ff. veranschlagt. Vorlagen-Nr.: V/0791/2009/1. Erg. Auskunft erteilt: Frau Wildt Ruf: 492 67 03 E-Mail: WildtB@stadt-muenster.de Datum: 21.04.2010 Öffentliche Beschlussvorlage - 2 - V/0791/2009/1 5. Die Verwaltung wird beauftragt, in 2012 erstmalig einen Sachstandsbericht zur Umsetzung des Klimaschutzkonzeptes 2020 vorzulegen. Der Sachstandbericht soll dann alle zwei Jah- re erfolgen. 6. Neu: Die Stadt richtet einen unabhängigen Klimabeirat ein, der aus Persönlichkeiten des Umwelt- und des Klimaschutzes besteht. Der Beirat berät die Stadt ehrenamtlich bei der Umsetzung des Klimaschutzkonzeptes. Für die Besetzung des Beirates, für seine Aufgaben und seine Organisation legt die Verwaltung dem Rat im Juli 2010 Vorschläge vor, bei denen die Anregung Nr. 18/2010 der Lokalen Agenda 21 vom 16.02.2010 berücksichtigt wird. Der Beirat wird durch den Rat gewählt. 7. Bisher 6: Die Anträge A-R/0019/2007 der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen/GAL „Münster 2020 – Aktionsprogramm für kommunalen Klimaschutz“, A-R/0028/2008 der Fraktionsge- meinschaft UWG/ödp „Biogas-Anlagen“, A-R/0002/2009 der SPD-Fraktion „Vernetztes und integriertes Beratungs- und Informationskonzept für Energieeinsparung und regenerative Energien in Münster aufbauen“ sowie A-R/0017/2009 der Fraktionsgemeinschaft UWG/ödp „Solartechnik auf allen städtischen Dächern und Grundstücken“ sind in Rahmen des Klim a- schutzkonzeptes aufgegriffen worden und soweit möglich in das Konzept aufgenommen worden. Die Anträge sind damit erledigt und der Antrag der SPD-Fraktion vom 20.04.2010 werden bei der Umsetzung des Klimaschutzkonzeptes soweit fachlich und finanziell möglich berücksichtigt und nach Maßgabe der mit den Anträgen kor- respondierenden Projekte des Konzeptes abgearbeitet. II. Kosten/Folgekosten Die erforderlichen Mittel für die Umsetzung der unter Beschlusspunkt 2 und 3 erfassten Klima- schutzmaßnahmen sind in verschiedenen Teilergebni splänen des Haushaltsplanentwurfs teilweise enthalten. Die für die Umsetzung des noch zu entwickelnden Handlungskonzeptes erforderlichen Finanzmittel sind bislang nicht beziffert und daher auch nicht im Haushaltsplan berücksichtigt. Die Eigenmittel für den Aufbau des Klimaschutz-Netzwerkes „Münsters Allianz für Klimaschutz“ in Höhe von 77.046,00 Euro stehen im Rahmen der Haushaltsplanung 2010 bis 2012 im Teilplan 1401 zur Verfügung. Die erforderlichen Mittel für die Umsetzung werden ab dem Haushaltsjahr 2011 im Teilplan 1401 unter dem (neuen) Produktnamen „Kommunaler Klimaschutz“ gesammelt ausgewie- sen. Begründung: Der Ausschuss für Umweltschutz und Bauwesen hat in seiner Sitzung am 20.04.2010 beschlos- sen, dem Rat den Beschlussvorschlag der Vorlage V/0791/2009 in der oben geänderten Form zu empfehlen. Der neue Beschlusstext zu Ziffer 2, 3, 6 und 7 ist fett markiert und Änderungen durch Streichung kenntlich gemacht worden. a.) Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen/GAL hat in der Sitzung des Ausschusses für Umweltschutz und Bauwesen am 02.03.2010 einen Änderungsantrag zur Vorlage (mit Datum vom 02.03.2010) eingereicht, der im Rahmen der Vertagung der Vorlage ebenfalls vertagt wurde. Mit Datum vom 20.04.2010 ist eine überarbeitete Fassung des Änderungsantrages (Anlage 1) eingereicht worden, die Grundlage für die geänderte Beschlussfassung ist. Die SPD – Fraktion hat ebenfalls einen Än- derungsantrag mit Datum vom 20.04.2010 (Anlage 2) eingebracht, der ergänzend in den Be- schlusstext aufgenommen worden ist. - 3 - V/0791/2009/1 b.) Die Verwaltung hat zu Ziffer 3 darauf hingewiesen, dass der Terminplan für die Erarbeitung des Handlungskonzeptes auf Grund der Vertagung der Vorlage nicht einzuhalten ist. Die Vorlage zum Handlungskonzept soll nunmehr im Oktober im Rahmen der Haushaltsberatungen behandelt wer- den. Die Verwaltung versucht nach Kräften das Handlungskonzept Mitte Juli dem Ausschuss für Umweltschutz und Bauwesen vorzulegen. Die Verwaltung hat den Beschlusspunkt 3 (kursiv) dahingehend ergänzt, dass ein Bezug zur Haushaltsstrategievorlage (Vorlage V/0743/2009) und zur Entwicklung der Haushaltssituation 2010 hergestellt wird. i.V. gez. Thomas Paal Stadtrat Anlage 1: Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen/GAL zur Vorlage V/0791/2009 “Klima- schutzkonzept 2020 für Münster“ vom 20.04.2010 Anlage 2: Antrag der SPD – Fraktion zur Vorlage V/0791/2009 “Klimaschutzkonzept 2020 für Münster“ vom 20.04.2010
Hauptvorlage V/0791/2009 inkl. Anlage
310773 Zeichen
DER OBERBÜRGERMEISTER
Amt für Grünflächen und Umweltschutz
Vorlagen-Nr.:
V/0791/2009
Öffentliche Beschlussvorlage Auskunft erteilt:
Frau Wildt
Ruf:
Betrifft
Klimaschutzkonzept 2020 für Münster
Beratungsfolge
02.03.2010 Ausschuss für Umweltschutz und Bauwesen Vorberatung
04.03.2010 Ausschuss für Stadtplanung, Stadtentwicklung, Verkehr und Wirtschaft Vorberatung
10.03.2010 Ausschuss für Finanzen, Beteiligungen und Liegenschaften Vorberatung
17.03.2010 Hauptausschuss Vorberatung
17.03.2010 Rat Entscheidung
Beschlussvorschlag:
I. Sachentscheidung:
1. Der Rat nimmt den Endbericht für das Klimaschutzkonzept 2020 für die Stadt Münster vom
30.11.2009 zur Kenntnis und stimmt dem Maßnahmenkatalog „Stadt als Motor“ als per-
spektivische Grundlage für die kommunale Klimaschutzpolitik zu.
2. Die Verwaltung wird beauftragt, die Vorschläge des Maßnahmenkatalogs „Stadt als Motor“,
die bestehende Projekte oder Maßnahmen fortf ühren oder intensivieren und im Rahmen
der bestehenden Budgets umzusetzen.
3. Die Verwaltung wird ferner beauftragt, die Vorschläge des Maßnahmenkatalogs „Stadt als
Motor“, die über die von Ziffer 2 des Beschlussvorschlags erfassten Maßnahmen hinaus-
gehen, im Hinblick auf ihre Umsetzbarkeit zu prüfen und als Handlungskonzept dem Rat im
Juni 2010 zur Beschlussfassung vorzulegen. Die Finanzierung der darin vorgeschlagenen
Maßnahmen und Personalressourcen ist Bestandteil dieses Handlungskonzepts, über das
der Rat im Rahmen des Haushaltsplans 2011 sowie der mittelfristigen Finanzplanung zu
entscheiden hat. .
4. Dem Aufbau eines Klimaschutz-Netzwerkes „M ünsters Allianz für Klimaschutz“ wird unter
dem Vorbehalt der Bewilligung der Bundesfördermittel im Rahmen der K limaschutzinitiative
des Bundesumweltministeriums (BMU) zugestimmt. Die dafür erforderlichen finanziellen
und personellen kommunalen Ressourcen sind bereits im Haushaltsplanentwurf 2010 ff.
veranschlagt.
5. Die Verwaltung wird beauftragt, in 2012 erstmalig einen Sachstandsbericht zur Umsetzung
des Klimaschutzkonzeptes 2020 vorzulegen. Der Sachstandbericht soll dann alle zwei Jah-
re erfolgen.
492 67 03
E-Mail:
WildtB@stadt-muenster.de
Datum:
25.02.2010
V/0791/2009
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6. Die Anträge A-R/0019/2007 der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen/GAL „Münster 2020 – Ak-
tionsprogramm für kommunalen Klimaschutz“, A-R/0028/2008 der Fraktionsgemeinschaft
UWG/ödp „Biogas-Anlagen“, A-R/0002/2009 der SPD-Fraktion „Vernetztes und integriertes
Beratungs- und Informationskonzept für Energieeinsparung und regenerative Energien in
Münster aufbauen“ sowie A-R/0017/2009 der Fraktionsgemeinschaft UWG/ödp „Solartech-
nik auf allen städtischen Dächern und Grunds tücken“ sind in Rahmen des Klimaschutzkon-
zeptes aufgegriffen worden und soweit möglich in das Konzept aufgenommen worden. Die
Anträge sind damit erledigt.
II. Kosten/Folgekosten
Die erforderlichen Mittel für die Umsetzung der unter Beschlusspunkt 2 erfassten Klimaschutz-
maßnahmen sind in verschiedenen Teilergebnisplänen des Haushaltsplanentwurfs teilweise ent-
halten. Die für die Umsetzung des noch zu entwickelnden Handlungskonzeptes erforderlichen Fi-
nanzmittel sind bislang nicht beziffert und daher auch nicht im Haushaltsplan berücksichtigt.
Die Eigenmittel für den Aufbau des Klimaschutz-Netzwerkes „Münsters Allianz für Klimaschutz“ in
Höhe von 77.046,00 Euro stehen im Rahmen der Haushaltsplanung 2010 bis 2012 im Teilplan
1401 zur Verfügung.
Begründung:
Vorbemerkungen
Der Rat der Stadt Münster hat am 12.03.2008 in Fortsetzung der erfolgreichen langjährigen Klima-
schutzpolitik der Stadt Münster das neue Klima schutzziel der Stadt Münster beschlossen und da-
mit die Verpflichtung ausgesprochen, eine CO
2-Reduzierung von mindestens 40% bis zum Jahre
2020 ausgehend vom Basisjahr 1990 zu erreichen sowie einen Anteil von 20% erneuerbarer Ener-
gie an der Energieversorgung der Stadt Münster bis 2020 anzustreben. Zur Umsetzung und Errei-
chung dieses ehrgeizigen Klimaschutzzieles wur de die Vergabe eines Klimaschutzkonzeptes mit
der Erarbeitung eines konkreten Handlungs- bzw. Maßnahmenkataloges beschlossen.
Im Sommer 2008 wurde der Förderantrag im Rahm en der Klimaschutzinitiative des Bundesum-
weltministeriums (BMU) zur Unterstützung der Erstellung des Klimaschutzkonzeptes 2020 für die
Stadt Münster eingereicht und im Oktober lag der Bewilligungsbescheid vor, so dass im November
2008 der Auftrag für die Erarbeitung des Klimaschutzkonzeptes an die Firma Ifeu-Heidelberg
GmbH (mit Unterauftrag an Gertec GmbH, Essen) vergeben werden konnte. Erste Ansätze und
Ergebnisse des Klimaschutzkonzeptes wurden dem Ausschuss für Umweltschutz und Bauwesen
im März und September 2009 vorgestellt. Der Endbericht zum Klimaschutzkonzept 2020 für Müns-
ter wurde Anfang Dezember 2010 vorgelegt.
Am 29.01.2010 hatte die Stadt Münster Expert en und Fachleute aus Politik, Wirtschaft, Wissen-
schaft, Verwaltung, Verbänden, etc. zur Klimakonferenz 2010 für Münster eingeladen, um die Er-
gebnisse des Klimaschutzkonzeptes 2020 unter dem Mo tto „Wie können wir unser Klimaschutzziel
umsetzen!“ zu reflektieren. Mit insgesamt mehr als 130 Teilnehmern war die Klimakonferenz sehr
gut besucht und stieß auf ein breites Interesse bei allen Akteuren in Münster. Auf der Konferenz
wurden zunächst die Ergebnisse des Klimaschutzkonzeptes 2020 für die Stadt Münster vorgestellt
(IFEU GmbH, Heidelberg/ Gertec GmbH, Essen) und die Fragen der Teilnehmer zum Klima-
schutzkonzept beantwortet. Darauf aufbauend wurde eine angeregte, offene Podiumsdiskussion
mit prominenten Münsteraner Akteuren zum Thema „Klimaschutz in Münster – eine Herausforde-
rung für alle Akteure in der Stadt - wer macht mit!“ geführt. Auf dem Podium fand ein reger Aus-
tausch der Einschätzungen, Chancen und Möglichkei ten des Klimaschutzes in Münster statt. Bei
durchaus unterschiedlicher Bewertung von Bedeutung und Priorisierung der Maßnahmevorschläge
bestand Einigkeit, dass die Umsetzung des Klimaschutzkonzeptes für Münster eine große Heraus-
forderung darstellt, die nur gemeinsam zu bewältigen ist. Alle Teilnehmer waren bereit ihre Ver-
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- 3 -
antwortung zu übernehmen und betonten die wirtschaftlichen Chancen, die im Klima- oder Res-
sourcenschutz liegen. Hervorgehoben wurde zudem, dass einerseits Klimaschutz Ehrensache sei
und jeder mitmachen müsse und könne, andererseits aber der Freiwilligkeit eine hohe Bedeutung
zu komme. Die Chance, für den Klimaschutz positive Effekte zu erzielen, steige mit der Freiwillig-
keit, der Bereitschaft der Akteure mitzumachen. Die Akteure wollen die Menschen für den Klima-
schutz in Münster noch mehr begeistern, so lautete das gemeinsame Schlusswort der 130 Teil-
nehmer.
Zu 1.)
Der Endbericht wurde im Rahmen der Einladung zur Klimaschutzkonferenz 2010 mit Schreiben
vom 06.01.2010 an alle Ratsmitglieder sowie an die Mitglieder des Ausschusses für Umweltschutz
und Bauwesen und des Ausschusses für Stadtplanung, Stadtentwicklung, Verkehr und Wirtschaft
versandt. Auf eine erneute Versendung wird daher verzichtet. Bei Bedarf kann der Endbericht zum
Klimaschutzkonzept 2020 für die Stadt Münster beim Amt für Grünflächen und Umweltschutz an-
gefordert werden. Im Internet ist der Bericht unter www.muenster.de/stadt
im Ratsinformationssys-
tem unter der Vorlagennummer zur entsprechenden Sitzung eingestellt worden sowie unter
www.muenster.de/umwelt/klimaschutzkonzept2020.html.
Der Endbericht für das Klimaschutzkonzept 2020 für die Stadt Münster umfasst:
- eine Überprüfung der bisher in Münster eingesetzten Kohlendioxid-(CO
2-) Bilanzierungs-
systematik sowie die (teilweise) Neuberechnung der Bilanz für die Jahre 1990 sowie
2005/2006,
- die Ermittlung von Energiespar- und CO 2-Minderungspotenzialen,
- die Übersicht bisheriger Klimaschutz-Maßnahmen in der Stadt sowie
- die Empfehlungen für die zukünftige Klimaschutzpolitik der Stadt in Form eines Maßnah-
menkataloges.
Die Herausforderungen der Stadt Münster durch das ambitionierte Klimaschutzziel sind immens,
wie die Gutachter im Klimaschutzkonzept 2020 für die Stadt Münster beeindruckend darstellen.
Münster hat sich mit seinem Klimaschutzziel an die Zielsetzung der Bundesregierung von 2007,
die CO
2-Emissionen um 40% bis 2020 zu reduzieren, orientiert. Die Bundesregierung konnte bis-
lang ca. 21% CO2-Reduzierung erreichen, wobei die bisherigen Erfolge auf Bundesebene wesent-
lich auf dem Abschalten ostdeutscher großindustrieller Anlagen basieren und seit 2000 relativ
langsam sinken. In Münster waren nach der Bilanzierungsmethode des Beirates für Klima und
Energie (1995) die Ergebnisse für das Jahr 2005 mit fast 21% CO
2-Reduzierung seit 1990 sehr
gut. Doch hat die damalige Bilanzierungsmethode über die zu hohe Bewertung der Kraftwärme-
kopplung in Münster zu einer eher optimistischen Bewertung der tatsächlichen Reduktionsergeb-
nisse geführt. Die neue Bilanzierungsmethode im aktuellen Klimaschutzkonzept 2020 (Endbericht
– Kapitel 4) gibt eine CO
2-Reduzierung von 9% von 1990 bis 2006 für Münster an. Der Weg für
das Klimaschutzziel Münsters 40% CO 2-Reduzierung bis 2020 ist somit also noch einmal deutlich
schwerer geworden.
Die Gutachter haben den Maßnahmenkatalog für die Erreichung des Klimaschutzzieles auf Grund
der hohen Anforderungen in einen Maßnahmenkatalog „Stadt als Motor“, bei dem die Stadt selbst
und die wichtigsten kommunalen Akteure einen wichtigen Beitrag zur Aktivierung der Einsparpo-
tenziale geben kann, und „AkteurePlus“, der auf die intensive Unterstützung auf EU-, Bundes- und
Landesebene setzt sowie die Aktivitäten aller Münsteraner erfordert, unterteilt.
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0
200.000
400.000
600.000
800.000
1.000.000
1.200.000
CO2-Emissionsziel 2006-
2020 (bezogen auf -40%
gegenüber 1990)
Potenziale CO2-Mind. durch
Maßnahmen
Minderung
1990 bis 2006
(-9%)
Zusätzlich
nötige CO2-
Minderung
2006 bis
2020 zur
Erreichung
40%-Ziel
Veränderungen
gegenüber 1990:
Bürgerfonds
Technisch-
wirtschaftliche
Potenziale
2006 bis 2020
"Stadt als
Motor"
22 %
"Akteure
Plus"
IFEU/GERTEC 2009
Tonnen CO2/Jahr
40 % 30 %
Klimaschutzkonzept 2020 für Münster – Potenziale und Anforderungen an das Klimaschutzziel
Der Maßnahmenkatalog „Stadt als Motor“ (inkl. des Aufbaues eines Bürgerfonds) sollte das Kern-
stück der zukünftigen Klimaschutzpolitik und damit der Klimaschutzarbeit der Stadt Münster bilden,
wodurch ca. 20% CO
2-Reduzierung bis 2020 durch kommunale Aktivitäten erreicht werden könn-
ten. Im Fokus stehen in diesem Maßnahmenkatalog die Themenfelder „übergreifende Aufgaben“,
„Bauen und Wohnen“, „Gewerbe/Handel/Dienstleistung“, „Energieversorgung und Erneuerbare
Energien“ sowie schließlich „Verkehr“.
Übersicht der Maßnahmen „Stadt als Motor“
(Auszug aus dem Klimaschutzkonzept 2020 für die Stadt Münster, Priorität 5 = hoch. Die Reihenfolge der
Maßnahmen folgt der Darstellung im Klimaschutzkonzept)
Nr. Titel der Maßnahme Priorität
Übergreifende Maßnahmen
5 Ü 1 Klimaschutzkoordination (Klenko) personell ausbauen
Ü 2 Klimaschutzfonds 5
4 Ü 3 Klima-Check von Ratsbeschlüssen
5 Ü 4 Münsters Allianz für Klimaschutz
5 Ü 5 Fortsetzung und Weiterentwicklung Öffentlichkeitsarbeit
Ü 6 Energieberatung ausbauen und differenzieren 4
Ü 7 Klimaschutz und Veränderung der Altersstruktur der Bevölkerung 3
Ü 8 Klimaschutz in der Stadtplanung - Weiterentwicklung des Leitfadens 3
Ü 9 Bürger-/Firmen-Klimafonds 4
Bauen und Wohnen
B 1 Gütesiegel Gebäudesanierung 5
B 2 Weiterentwicklung Förderprogramm „Energieeinsparung und Altbausanierung“ 4
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Nr. Titel der Maßnahme Priorität
B 3 Konjunkturprogramm Klimaschutz – 100 Gebäude-Sanierungsprogramm 4
B 4 Arbeitskreis Mieter/Vermieter 5
B 5 Technikimpulse „Bauen“ 4
B 6 Öffentlichkeitsarbeit Bauen: Neue Bausteine 3
B 7 Energie und Denkmalschutz 3
B 8 Festsetzung Passivhausstandard bei Verkauf städtischer Grundstücke und bei städt.
Wohnungsunternehmen
5
B 9 Zielrichtung Passivhausstandard bei Neubau städtischer Gebäude 5
B 10 Energetische Zielwertfestlegung bei Sanierung städt. Gebäude 5
B 11 Wieder-Einführung des Energiespar-Intractings 4
B 12 Erhöhung der (personellen) Ressourcen für das städtische Energiemanagement 4
B 13 Erarbeitung eines Konzepts „Stromverbrauchsminderung in städtischen Gebäuden“ 3
B 14 Stromsparprämien 4
B 15 Informativere Stromrechnung 3
Gewerbe, Handel, Dienstleistung
4 G 1 Energie-Coaching für KMU und deren Fachplaner
5 G 2/Ü4 Netzwerke für Erfahrungsaustausch im Sektor GHD
4 G 3 Energiecontrolling für KMU
3 G 4 Unterstützung bei der energetischen Optimierung schwer vermietbarer Büro- und
Hallenimmobilien
5 G 5 Themenspezifische Kampagnen
4 G 6 Servicestelle „Energieeffizienz durch Nutzermotivation“
Förderprogramm „Energieeffizienzmaßnahmen im Sektor GHD“ 5 G 7
Energieumwandlung / Erneuerbare Energien
5 E 1 Ausbau der Fernwärme in der Fläche
5 E 2 Ausbau KWK im Heizkraftwerk Uni
4 E 3 Ausbau dezentrale Kraft-Wärme-Kopplung
5 E 4 Ausbau landwirtschaftliche Biogasnutzung
5 E 5 Biogaserzeugung aus Grünschnitt
3 E 6 Gestaltungs- und Integrationsförderung für Solarthermie und Fotovoltaik
4 E 7 Umfeld Solarenergie unterstützen
4 E 8 Ausbau Windenergie
Beteiligung an Solaranlagen unterstützen 3 E 9
Maßnahmen Verkehr
4 V 1 Klimaschutz als zentrale Zielstellung im Verkehrsentwicklungsplan
4 V 2 Aufbau und Fortführung einer kontinuierlichen, regionalen Verkehrsplanung
V 3 Betriebliches Mobilitätsmanagement 3
V/0791/2009
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Nr. Titel der Maßnahme Priorität
V 4 Öffentlichkeitsarbeit umweltfreundliche Mobilität 3
4 V 5 Ausbau Schienenpersonennahverkehr
3 V 6 Sicherung und Optimierung des Regionalbus-Angebots
4 V 7 Sicherung und Optimierung des Stadtbus-Angebots
3 V 8 Erschließung neuer Finanzierungswege für den ÖPNV
3 V 9 Verbesserung des Abstellangebots für Fahrräder
3 V 10 Förderung des Fußverkehrs in Münster
4 V 11 Gesamtstädtisches Parkraummanagement
3 V 12 Mobilpunkte zur Optimierung Verkehrsmittelverknüpfung im Umweltverbund
Als Fazit halten die Gutachter fest, dass ein großer Beitrag zur Zielerreichung aus kommunaler
Kraft kommen kann, das 40%-Ziel allein mit „kommunalem Motor“ aber nicht zu erreichen ist. Ein
Maßnahmenbündel „AkteurePlus“ ist zusätzlich nötig bei dem einerseits deutlich stärkere Klima-
schutzmaßnahmen auf EU-, Bundes- oder Landesebene erforderlich sind (z.B. höhere gesetzliche
Anforderungen an Geräte und Bauten, verstärkte Anreize für Klimaschutzmaßnahmen, etc.). Ande-
rerseits müssen die Aktivitäten aller Münsterschen Einwohner und Firmen deutlich erhöht werden,
damit die Umsetzungsintensität von Klimaschut zmaßnahmen wesentlich stärker greifen kann: z.B.
Einsatz von Energiesparlampen oder hocheffizient er Elektrogeräte flächendeckend in der ganzen
Stadt, Sanierungszyklus für Altbauten deutlich verkürzt, Solaranlagen auf fast allen Dächern in
Münster.
Angesichts der Tatsache, dass für eine wirksame Klimaschutzpolitik die Anforderungen für die Zu-
kunft noch deutlich höher sein müssen, sind die angesetzten Maßnahmen „Stadt als Motor“ eine
notwendige Grundlage. Die Anforderungen an die Verhandlungen der Staatengemeinschaft über
ein Kyoto-Folgeabkommen sind gravierend. Wissenschaftler sind sich einig, dass es notwendig ist,
die globale Temperaturerhöhung auf maximal 2°C gegenüber vorindustriellen Werten zu begren-
zen. Dieses Ziel ist aber nur erreichbar, wenn die Treibhausgasemissionen global bis 2050 um ca.
80% gegenüber dem Jahr 1990 reduziert werden. Die Industrieländer müssen ihre Treibhausgase
bis 2050 damit sogar um 95 Prozent reduzieren (Quelle: „Modell Deutschland – Klimaschutz bis
2050. Vom Ziel her denken“, WWF Deutschland 2009, www.wwf.de/klima2050). Nicht nur auf EU-
und Bundesebene, sondern global bedeutet dies, eine gewaltige Herausforderung, die einhergeht
mit einer vollständigen Umstrukturierung bzw. Überprüfung unserer bisherigen Lebensweise in
Richtung auf eine energieeffiziente und energiesparende Welt. Das bedeutet einen grundlegenden
Wandel, umfassende Konzepte und langfristige Projekte zur Emissionsreduktion auf allen Ebenen.
Dies Klimaschutzkonzept 2020 für Münster ist ein weiterer Schritt im Rahmen der fortlaufenden
Klimaschutzbemühungen der Stadt Münster. Eine Folgebetrachtung mit der Perspektive bis 2050
ist in den kommenden Jahren erforderlich.
Zu 2.)
Klimaschutz hat in Münster eine lange, bald 20-jährige Tradition. Mit dem ersten Handlungskon-
zept für den Klimaschutz aus dem Jahr 1996 wurde eine wichtige Basis für die Klimaschutzarbeit
in Münster gelegt. Die meisten der darin angesprochenen Maßnahmen sind in den Folgejahren
umgesetzt worden. Das neue Klimaschutzkonzept baut auf die Fortführung dieser erfolgreichen
Klimaschutzarbeit auf und stellt weiterführ ende Handlungsmöglichkeiten dar. In einem gerafften
Maßnahmerückblick wird ein Teil der zahlreich en Maßnahmen im Klimaschutzkonzept aufgeführt
(Endbericht – Kapitel 6). Hierzu gehören etwa das Gesamtkonzept zur Altbausanierung, die ener-
gieeffiziente Siedlungsentwicklung und -planung, das Radverkehrskonzept und eine Öffentlich-
keitsarbeit, die das Thema kommunaler Klimaschutz in der Bevölkerung wach hält. Besonders
hervorzuheben ist die Rolle der Stadtwerke Münster GmbH, die nicht nur mit der Errichtung der
V/0791/2009
- 7 -
hocheffizienten GuD-Anlage im Jahr 2005, sondern auch mit der Qualitäts- und Angebotsverbes-
serung im städtischen ÖPNV-Angebot in Zusammenarbeit mit der Stadt Münster sowie zahlreichen
weiteren Maßnahmen bedeutender kommunaler Akteur im Klimaschutz waren und sein werden.
Die Maßnahmen des Maßnahmenkataloges „Stadt als Motor“ sind im Endbericht des Klimaschutz-
konzeptes im Detail beschrieben worden und entsprechend ihrer Klimaschutzwirkung, Kosten und
Priorität, etc. bewertet worden. Einige Maßnahmen bedeuten, wie bereits beschrieben auf Grund
der langjährigen, erfolgreichen Klimaschutzarbeit der Stadt Münster eine Fortführung der bisheri-
gen Aktivitäten bzw. eine geringe Intensivierung von laufenden Projekten:
Nr. Titel der Maßnahme Kosten
Ü 5 Fortsetzung und Weiterentwicklung Öffentlichkeitsarbeit Keine
Ü 8 Klimaschutz in der Stadtplanung - Weiterentwicklung des Leitfadens Gering
B 4 Arbeitskreis Mieter/Vermieter Gering
B 6 Öffentlichkeitsarbeit Bauen: Neue Bausteine (nur teilweise) Mittel
B 7 Energie und Denkmalschutz Gering
B 8 Festsetzung Passivhausstandard bei Verkauf städtischer Grundstücke und
bei städt. Wohnungsunternehmen
Keine
B 9 Zielrichtung Passivhausstandard bei Neubau städtischer Gebäude Keine
B 10 Energetische Zielwertfestlegung bei Sanierung städt. Gebäude Keine
B 15 Informativere Stromrechnung Keine
E 1 Ausbau der Fernwärme in der Fläche - Öffentlichkeitsarbeit Gering
E 7 Umfeld Solarenergie unterstützen Gering
E 9 Beteiligung an Solaranlagen unterstützen (nur teilweise) Mittel
V 1 Gering Klimaschutz als zentrale Zielstellung im Verkehrsentwicklungsplan
Diese Maßnahmen können umgehend umgesetzt werden, um die kommunale Klimaschutzarbeit
fortzuführen und zu verbessern. Sie verursachen teilweise keine oder nur geringfügige Kosten, die
im Rahmen des vorhandenen Klimaschutzbudgets weitgehend umgesetzt werden können. Bei den
anderen Maßnahmen entstehen zusätzliche Kosten, die dann in den kommenden Jahren einge-
plant werden müssen. Dies wird im Rahmen der Beratung und Entscheidung über das zu erarbei-
tende Handlungskonzept zu entscheiden sein. Die konkrete fachliche Umsetzung der Maßnahmen
wird in den zuständigen Fachgremien entschieden.
Zu 3.)
Neben den Maßnahmen des Maßnahmenkataloges „Stadt als Motor“, die eine Fortführung der
bisherigen Aktivitäten bedeuten, müssen andere Maßnahmen deutlich intensiviert, neu aufgebaut
oder entwickelt werden (wie z.B. das Netzwerk für Klimaschutz). Die Gutachter haben die Maß-
nahmen im Maßnahmenkatalog mit möglichen Aufwendungen versehen, die insgesamt bis 2020
ein Volumen von rund 15 Millionen Euro (Maßnahm e- und Personalkosten) für die Stadt Münster
bedeuten. Jährlich sind das Aufwendungen von durchschni ttlich 1,4 Millionen Euro bzw. 5,08 Euro
pro Einwohner im Jahr. Zum Vergleich: Städte wie beispielsweise Frankfurt oder Freiburg planen
in den kommenden Jahren im Rahmen ihrer Klimaschutzaktivitäten jährliche Budgets in Höhe 3,5
Millionen Euro bzw. 1,2 Millionen Euro (5,30 Euro bzw. 5,60 Euro pro Einwohner im Jahr) umzu-
setzen. Andere nordrheinwestfälische Städte wie z.B. Bielefeld oder Aachen haben ebenfalls um-
fangreiche Finanzmittel in den letzten Jahren eingesetzt, um ihre Klimaschutzziele zu erreichen.
Bielefeld hatte alleine für den Bereich Klimaschutz im städtischen Umweltamt 350.000 Euro in
2009 in den Haushalt eingestellt. Aachen stellt j ährlich für die Umsetzung des kommunalen Klima-
schutzkonzeptes mehr als 1 Mio. Euro
pro Jahr für den Energiebereich (ohne Verkehr) zur Verfü-
gung (3,89 Euro pro Einwohner im Jahr). Der Energiebereich teilt sich dort auf in das städtische
Projekt "AltbauPlus", die kommunalen Klimaschutzbeauftragen mit einem städtischen Budget und
die STAWAG (Stadtwerke Aachen AG) mit der Umsetzung der Energieeffizienzkonzeptes Aachen.
V/0791/2009
- 8 -
Der vorgeschlagene Maßnahmenkatalog muss für die Umsetzung noch in ein Handlungskonzept
eingebettet werden. Hierbei sind die vorge schlagenen Maßnahmen daraufhin zu überprüfen, in-
wieweit die vom Gutachter angesetzten Kosten realistisch sind und die Maßnahmen umgesetzt
werden können. Diese Überprüfung ist insbesondere in Hinblick auf die dramatische Haushaltslage
der Stadt Münster erforderlich. Für die im vorzulegenden Handlungskonzept zu benennenden
Maßnahmen und die über den unter Beschlusspunkt 2 aufgezeigten Rahmen hinausgehen-
den Aktivitäten sind im vorliegenden Haushaltsplanentwurf keine Mittel veranschlagt. Dies
betrifft auch die Bereitstellung zusätzlicher Personalressourcen.
Insgesamt ist bei den hohen Aufwendungen für den Klim aschutz in Münster zu bedenken, dass
viele Ausgaben eine aktive Wirtschaftsförderung der lokalen und regionalen Wirtschaft bedeuten,
wie in den letzten Jahren z.B. durch das Förderprogramm Altbausanierung und Energieeinsparung
oder die Aktivitäten im Rahmen der Solarenergienutzung in Münster eindrucksvoll dargelegt wer-
den konnte. Ferner beinhalten alle Maßnahmen im Rahmen der städtischen Liegenschaften wie
z.B. Ausbau des Energiemanagements, die Wiederaufnahme des Intractings oder die Umsetzung
eines kommunalen Stromsparkonzeptes eine direkte Kostenreduzierung für den städtischen
Haushalt in den Folgejahren.
Das Handlungskonzept soll dem Rat im Juni 2010 vorgelegt werden, damit der Rat im Rahmen
des Haushaltsplans 2011 sowie der mittelfristigen Finanzplanung darüber entscheiden kann.
Zu 4.)
Die Verwaltung hat parallel zur Erarbeitung des Klimaschutzkonzeptes 2020 einen weiteren För-
derantrag beim Bundesumweltministerium im Rahmen der Klimaschutzinitiative zur Begleitung der
Umsetzung von Klimaschutzkonzepten vorbereitet und im September 2009 eingereicht. Mit diesem
Förderantrag in Höhe von 385.230 Euro soll der Aufbau und die Einführung des Netzwerkes
„Münsters Allianz für Klimaschutz“ zu 80% mit Bundesmitteln (308.184 Euro) unterstützt werden
(Personalkosten für ein halbe Personalstelle, Beratungs- und Moderationsleistungen sowie Sach-
kosten für Materialien, etc.). Für die Bewilligung der Fördermittel des Bundesumweltministeriums
ist ein Ratsbeschluss zur geplanten Umsetzung des Projektes erforderlich.
Bereits bei der Erarbeitung des Klimaschutzkonzeptes ist der Ansatz der Entwicklung eines Netz-
werkes für Klimaschutz in Münster aus dem Partizipationsansatz der Maßnahmenentwicklung als
Meilenstein eingebracht worden. Der Aufbau eines solchen stadtweiten Netzwerkes mit allen im
Klimaschutz aktiven und relevanten Akteuren aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung,
Verbänden, städtischen Unternehmen, etc. ist sowohl personell als auch finanziell eine große Her-
ausforderung für Münster, die ohne externe Unterstützung nicht umgesetzt werden könnte.
In „Münsters Allianz für Klimaschutz“ sollen alle relevanten Akteure zusammengeführt und ihnen
die Möglichkeit gegeben werden, neue Ideen und Projekte für den Klimaschutz in Münster im
Rahmen eines Netzwerks zu entwickeln. Die Allianz soll durch zwei weitere Bausteine abgerundet
werden: Die mitwirkenden Institutionen verpflichten sich selbst zu relevanten CO
2-Minderungen.
Zudem übernehmen (prominente) Paten außerhalb der Stadtverwaltung für ausgewählte Themen-
bereiche die Verantwortung dafür, die Netzwerk- und Projektarbeit voranzubringen. Denn trotz
vielfältiger städtischer Aktivitäten ist es bisher nicht ausreichend gelungen, Klimaschutzmaßnah-
men im Alltag aller Firmen und Akteure in Münster zu verankern. Eine Selbstverpflichtungsinitiative
auf Ebene der Institutionen und Firmen soll hier zu mehr Eigenengagement führen und die bisher
vorhandenen Vernetzungsansätze in Münster gebündelt zur Unterstützung genutzt werden. Damit
kann auch der Ansatz der städtischen Kampagne „Klima sucht Schutz in Münster… auch bei Dir!“
mit dem Bürgerpakt für Klimaschutz weiter ausgebaut werden.
V/0791/2009
- 9 -
Im Rahmen des Klimaschutzkonzeptes 2020 stellt das Netzwerk eine sehr zentrale Maßnahme
dar, die eine Schlüsselmaßnahme für die Zielerreichung ist, denn nur wenn alle Akteure sich des
Themas Klimaschutz annehmen, kann der Maßnahmenkatalog „Stadt als Motor“ erfolgreich umge-
setzt werden.
Münsters Allianz für Klimaschutz (Vorschlag zur Arbeitsstruktur)
Die erforderlichen Eigenmittel in Höhe von 77.046 Euro für den Aufbau des Netzwerkes entspre-
chend dem Förderantrag an das Bundesumweltmini sterium (BMU) stehen im Teilplan 1401 als
Restmittel aus dem Finanzierungsansatz für das Klimaschutzkonzept aus dem Haushaltsplan 2008
zur Verfügung. Bereits in der Berichtsvorlage V/0616/2008 an den Ausschuss für Umweltschutz
und Bauwesen ist die Sachlage dargestellt worden: Für die Erarbeitung des Klimaschutzkonzeptes
sind im Haushaltsplan 2008 Haushaltsmittel in Höhe von 80.000 Euro angesetzt worden. Das
Bundesumweltministerium hat jedoch im Jahr 2008 ein Förderprogramm zur Unterstützung der
Erarbeitung von Klimaschutzkonzepten aufgebaut und die Stadt Münster hat eine Förderung von
80% erhalten, so dass nur ein Eigenanteil von 17.548 Euro erforderlich war. Im Rahmen der An-
tragstellung beim BMU ist dem Amt für Grünflächen und Umweltschutz die Verfügbarkeit der
Haushaltsmittel in Münster in Höhe von 80.000 Euro für die Erstellung des Klimaschutzkonzeptes
als Ausschlusskriterium für die Förderung Ende September 2008 mitgeteilt worden. Auf Grundlage
der Berichtsvorlage V/0616/2008, die am 01.10.2008 an das BMU gesandt worden ist, konnte die-
ser Eindruck der Verfügbarkeit der beantragten Haushaltsmittel revidiert werden. Im Zuwendungs-
bescheid vom 29.10.2008 ist dieser Punkt formal aufgenommen worden, indem dem Antragstel-
lungsdatum dem 21.07.2008 die Ergänzung vom 02.10.2008 festgehalten worden ist.
Die Verwendung der durch den Förderantrag frei gewordenen Haushaltsmittel im Rahmen weiterer
Klimaschutzaktivitäten ist somit zwingende Fördervoraussetzung für das Bundesumweltministeri-
um, d.h. bei Nichteinhaltung müssen die Fördermittel zurückgezahlt werden. Durch den weiteren
Förderantrag bei BMU können die Haushaltsmittel wirkungsvoll eingesetzt werden und eine Ge-
samtinvestition von ca. 385.000 Euro ermöglichen.
Zu 5.)
Das vorgelegte Klimaschutzkonzept 2020 ist als Maßnahmenkatalog mittelfristig bis 2020 angelegt
und sollte kontinuierlich im R ahmen der Maßnahmen unter dem Titel „Stadt als Motor“ umgesetzt
V/0791/2009
- 10 -
werden. Das Konzept und seine Handlungsbedarfe sind dabei nicht statisch festgeschrieben, son-
dern als eine Grundlage für einen Prozess zu verstehen, in dem das Konzept fortlaufend entwickelt
und fortgeschrieben wird, um auch über die Empfehlungen der Gutachter hinaus aktuelle Entwick-
lungen und Erkenntnisse zuzulassen und aufzunehmen.
Nach knapp zwei Jahren Umsetzungsarbeit wird die Verwaltung 2012 erstmalig einen Sachstand-
bericht zur Erfolgskontrolle der Wirksamkeit der bisher durchgeführten Maßnahmen der Jahre
2010 – 2011 vorlegen. Der Sachstandbericht soll dann fortlaufend alle zwei Jahre erfolgen, um die
kontinuierliche Klimaschutzarbeit zu dokumentie ren und bewerten zu können, damit frühzeitig Än-
derungen der kommunalen Klimaschutzpolitik eingeleitet werden können.
Zu 6.)
Die im Folgenden aufgeführten Anträge sind in Rahmen des Klimaschutzkonzeptes von den Gut-
achtern geprüft worden und soweit möglich in das Klimaschutzkonzept aufgenommen worden. Sie
werden bei der Umsetzung des Klimaschutzkonzeptes berücksichtigt und sind damit erledigt.
- Antrag A-R/0019/2007 der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen/GAL „Münster 2020 – Aktions-
programm für kommunalen Klimaschutz“: Es ist ein umfassenden und zielorientiertes Kli-
maschutzkonzept 2020 ausgearbeitet worden und Maßnahmen für die Zielerreichung sind
beschrieben worden.
- Antrag A-R/0028/2008 der Fraktionsgemeinschaft UWG/ödp „Biogas-Anlagen“: Der Einsatz
von Biogas-Anlagen wird in Münster mit einem technisch-wirtschaftlichen Potenzial von 4
MW laut Klimaschutzkonzept angesetzt, wofür bereits 15% der vorhandenen Acker- und
Grünlandflächen genutzt werden müssen. Hier begrenzt die Flächenkonkurrenz zwischen
Energiepflanzen und Nahrungspflanzen das Potenzial.
- Antrag A-R/0002/2009 der SPD-Fraktion „Vernetztes und integriertes Beratungs- und In-
formationskonzept für Energieeinsparung und regenerative Energien in Münster aufbauen“:
Das vorhandene Informations- und Beratungsangebot sowie die Öffentlichkeitsarbeit sollte
nach Maßgabe des Klimaschutzkonzeptes weiter ausgebaut werden.
- Antrag A-R/0017/2009 der Fraktionsgemeinschaft UWG/ödp „Solartechnik auf allen städti-
schen Dächern und Grundstücken“: Die Anwendung der Solartechnik sollte im gesamten
Stadtgebiet ausgeweitet werden, wobei für die städtischen Liegenschaften bereits ein um-
fassendes Vermarktungssystem der Flächen vorhanden ist.
Schlussbetrachtung:
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das Klimaschutzkonzept 2020 für die Stadt Münster eine
große Herausforderung darstellt, die die Stadt nur gemeinsam mit allen Akteuren aus Wirtschaft,
Politik, Institutionen, Verbänden und natürlich den Bürgerinnen und Bürgern bewältigen kann. Dar-
über waren sich auch die mehr als 130 Teilnehmer der Klimakonferenz am 29.01.2010 einig. Zu-
dem wurde die große Chance für die lokale Wirtschaft und das Image der Stadt in den Vorder-
grund gestellt, wobei wichtige Kriterien der Zusammenarbeit einerseits das Bewusstsein für Ver-
antwortung, aber auch die Freiwilligkeit darstellen.
Nur mit vereinten Kräften kann der Maßnahmenkatalog „Stadt als Motor“ angegangen werden und
damit die langjährige, erfolgreiche Klimaschutzarbeit der Stadt fortgeführt werden. Dies geschieht
vor dem Hintergrund der dramatischen Haushaltslage und des vom Rat beschlossenen Konsolidie-
rungsziels, das Haushaltsdefizit bis zum Jahr 2014 auf maximal 20 Mio. Euro zu reduzieren. Eine
Maßnahme wie z.B. das Netzwerk „Münsters Allianz für Klimaschutz“ kann dabei ein erster Schritt
in die richtige Richtung sein, indem sich alle wichtigen und prominenten Akteure der Stadt zusam-
menschließen und sich das Thema Klimaschutz in Münster auf die Fahne schreiben.
V/0791/2009
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V/0791/2009
Der Anspruch der Bürgerinnen und Bürger an ihre Stadt ist hoch und der Wille - aktiv einen Beitrag
zu leisten - ist bei vielen vorhanden, wie die mehr als 3.000 Teilnehmer an „Münster packt´s! Der
Bürgerpakt für Klimaschutz“ zeigen. Klimaschutz ist eine der bedeutendsten Herausforderungen
unserer Gegenwart – bewältigen können wir sie durch entschlossenes Handeln.
In Vertretung
gez.
Thomas Paal
(Stadtrat)
Klimaschutzkonzept 2020
für die Stadt Münster
Endbericht
Markus Duscha, Frank Dünnebeil, Benjamin Gugel, Frank Kutzner
ifeu - Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg
Wilckensstraße 3, 69120 Heidelberg
Tel: 06221 / 4767-0, E-Mail: markus.duscha@ifeu.de
Andreas Hübner, Werner Murken
GERTEC GmbH
Martin-Kremmer-Str. 12, 45327 Essen
Tel: 0201 / 245640, E-Mail: andreas.huebner@gertec.de
Heidelberg, Essen, 30. November 2009
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen Klimaschutzkonzept Münster
INHALTSVERZEICHNIS
1 Einleitung ........................................................................................................ 3
2 Zusammenfassung ......................................................................................... 5
3 Vorgehen / Ablauf ......................................................................................... 11
4 Energie- und CO2-Bilanz .............................................................................. 13
4.1 Systematik der Endenergie- und Emissionsbilanzierung................................ 13
4.1.1 Anpassungen im Energiebereich.................................................................... 13
4.1.2 Anpassungen im Verkehrsbereich.................................................................. 16
4.2 Entwicklung Endenergie und CO2-Emissionen 1990 bis 2005/2006 .............. 20
4.2.1 Endenergie ..................................................................................................... 21
4.2.2 CO2-Emissionen ............................................................................................. 21
4.2.3 Bewertung der Emissionsentwicklung ............................................................ 23
4.3 Endenergie- und CO2-Bilanz 2006 im Detail................................................... 26
4.4 Fortschreibungsfähiges Berichtssystem ......................................................... 29
5 Energiespar- und CO2-Minderungspotenziale ........................................... 30
5.1 Zusammenfassung: Minderungspotenziale für Münster................................. 32
5.2 Minderungspotenziale durch eine Verringerung des Endenergieverbrauchs in
den verschiedenen Verbrauchssektoren.................................................... 34
5.3 Minderungspotenziale in der Energieversorgung ........................................... 36
5.4 Energie-/CO2-Minderungspotenziale im Verkehr............................................ 40
6 Klimaschutzpolitik in Münster: Maßnahmenrückblick.............................. 43
6.1 Übergreifende Aktivitäten ............................................................................... 43
6.2 Bauen und Wohnen ........................................................................................ 44
6.3 Gewerbe, Handel, Dienstleistungen ............................................................... 45
6.4 Energieumwandlung ....................................................................................... 45
6.5 Verkehr ........................................................................................................... 46
7 Maßnahmen „Stadt als Motor“ .................................................................... 48
7.1 Beschreibungs- und Bewertungsmethode für die Maßnahmen...................... 51
7.2 Maßnahmenkatalog ........................................................................................ 54
7.2.1 Übergreifende Maßnahmen............................................................................ 54
7.2.2 Bauen und Wohnen ........................................................................................ 59
7.2.3 Gewerbe, Handel, Dienstleistung ................................................................... 60
7.2.4 Energieumwandlung / Erneuerbare Energien................................................. 71
7.2.5 Verkehr ........................................................................................................... 76
7.3 Umsetzungs- / Zeit- / Finanzierungsplan ........................................................ 82
7.4 Ziele, Potenziale und Beitrag Maßnahmen „Stadt als Motor“ ......................... 84
7.5 Wertschöpfungs- und Wirtschaftlichkeitsaspekte von Klimaschutz ................ 86
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen Klimaschutzkonzept Münster
7.6 Exemplarische Maßnahmenvertiefungen ....................................................... 88
7.6.1 Klimaschutzallianz für Münster ....................................................................... 89
7.6.2 Bürgerfonds für lokale und internationale Klimaschutzprojekte...................... 90
7.6.3 Gütesiegel Gebäudesanierung ....................................................................... 92
7.6.4 Energie-Coaching für Betriebe und deren Fachplaner ................................... 93
7.6.5 Branchenspezifische Initiative zur Energieeinsparung durch
Mitarbeitermotivation ............................................................................. 94
7.6.6 Themenspezifische Kampagnen zur gezielten Branchenansprache.............. 96
7.6.7 Ausbau Fernwärme in der Fläche................................................................... 97
7.6.8 Ausbau landwirtschaftliche Biogasnutzung .................................................... 98
7.6.9 Betriebliches Mobilitätsmanagement .............................................................. 99
7.6.10 Gesamtstädtisches Parkraummanagement ............................................. 101
7.7 Weitere Maßnahmen geringerer Priorität ..................................................... 103
7.8 Nächste Schritte zur Umsetzung sowie Ausblick.......................................... 105
8 Maßnahmen „AkteurePlus“ ....................................................................... 107
8.1 Maßnahmen auf politisch höheren Ebenen .................................................. 107
8.2 BürgerInnen und Institutionen in Münster..................................................... 111
8.3 Fazit .............................................................................................................. 115
9 Zielsetzung 20% Erneuerbare Energien ................................................... 117
9.1 Zielerreichung durch Anlagen in Münster („Potenzial EE Münster Plus“)..... 117
9.2 Zielerreichung durch Anlagen außerhalb Münsters („Potenzial EE Münster
Extern“) .................................................................................................... 121
10 Literatur- und Quellenangaben ................................................................. 122
11 Anhang ........................................................................................................ 126
1. Anpassung bei der CO2-Bilanzierung (Energie) ..................................................... 126
2. Anpassung der CO2-Bilanzierung (Verkehr)........................................................... 128
3. Methodik der CO2-Bilanzierung .............................................................................. 131
4. Daten- und Tabellen zur CO2-Bilanz ...................................................................... 134
5. CO2-Bilanz mit Bundesmix ..................................................................................... 135
6. Einsparpotenziale (Effizienz) für verschiedene Anwendungen und Sektoren ........ 136
7. Interviewpartner und Teilnehmer an den Workshops............................................. 137
8. Beschreibung der Maßnahmenmatrix..................................................................... 140
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 3 Klimaschutzkonzept Münster
1 Einleitung
Münster ist eine der aktivsten Klimaschutzstädte Deutschlands. Auszeichnungen wie
der „European Energy Award ® Gold 2005“ und die Rezertifizierung 2009 sowie als
„Bundeshauptstadt im Klimaschutz“ 1997 und 2006 belegen dies deutlich.
Mit der Entscheidung des Rats der Stadt Münster vom März 2008, eine CO 2-
Reduzierung von 40% gegenüber 1990 und einem Anteil von 20% an erneuerbaren
Energien bis 2020 anzustreben, zeigt sich, das s Münster diese Vorreiterstellung in Zu-
kunft beibehalten möchte.
Im November 2008 wurden das IFEU-Institut aus Heidelberg und die Gertec Ingenieur-
gesellschaft aus Essen damit beauftragt, ein Klimaschutzkonzept zu entwickeln, das
aufzeigen soll, wie diese Ziele erreicht werden können.
Klimaschutz in Münster: Viel Erfahrung
Klimaschutz in Münster hat eine lange Tradition. Bereits 1992 richtete die Stadt einen
mit Experten besetzten Beirat für Klima und Energie ein. Im Jahr 1995 legte dieser ein
erstes Handlungskonzept vor, wie bis zum Jahr 2005 25% Einsparungen bei den CO
2-
Emissionen erreicht werden können. Gleichzeitig wurde die Koordinierungsstelle für
Klima und Energie eingerichtet („Klenko“). Diese hat die Aufgabe, alle energierelevan-
ten Aktivitäten in Münster zentral zu koordinieren.
Inhaltliche Schwerpunkte der Aktivitäten waren u.a. ein Gesamtkonzept zur Altbausa-
nierung, das auch ein städtisches Förderprogramm beinhaltet, die Einführung einer
energiegerechten Bauleitplanung mit frühzeitiger Festsetzung des Niedrigenergiehaus-
standards, Energie- und Abfallsparprojekte an Schulen und Kindertagesstätten, Infor-
mation und Beratung von Bürgern und Unternehmen zur Strom- und Heizenergieein-
sparung und dem Einsatz Erneuerbarer Energi en, Erstellung eines Nahverkehrsplans
und der Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung.
Seit 2007 wird mit der Kampagne „Klima sucht Schutz“ versucht, das Thema Klima-
schutz durch verschiedene öffentlichkeitswirksame Maßnahmen verstärkt in die Breite
zu tragen. Ein wichtiger Meilenstein der jüngeren Klimaschutzvergangenheit ist
daneben auch die Errichtung eines modernen Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerks am
alten Hafen im Jahr 2005. International engagiert sich Münster in internationalen Netz-
werken wie ICLEI und dem Klimabündnis mit seinen über 1400 Kommunen. Mit den
„Klimaschutzpartnerschaften in Münster“ werden seit 1998 in Entwicklungsländern Kli-
maschutzprojekte unterstützt.
Ziele des Klimaschutzkonzepts
Klimaschutz beginnt in Münster also nicht bei Null. Nun gilt es, die sich in letzter Zeit
verbessernden klimapolitischen Rahmenbedingungen auf EU- und Bundesebene in
den kommunalen Klimaschutz zu integrieren. Dadurch können auch die Chancen en-
gagierter Kommunen steigen, anspruchsvollere Ziele zu erreichen, als es bisher mög-
lich schien.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 4 Klimaschutzkonzept Münster
Das Klimaschutzkonzept liefert dazu Beiträge und konkrete Maßnahmen. Dazu wurden
die positiven Vorraussetzung, die in Münster vorherrschen, aufgegriffen. So wurden
zahlreiche kommunale Akteure bereits im Erstellungsprozess integriert, um daraus von
Anfang an ein „Konzept der Münsteraner“ zu machen. Damit waren primär neben den
aktiven Stadtwerken auch alle anderen Multiplikatoren angesprochen, die dazu beitra-
gen können, die nötigen Informationen und Anreize in die Breite der Bevölkerung zu
tragen.
Im Rahmen der Konzeptarbeit wurden Vorschläge für Kommunikations- und Netzwerk-
strukturen entwickelt, die wichtige Bausteine für die folgende Umsetzung des Konzepts
darstellen. Ziel ist es, eine Struktur aufzubauen, so dass die Stadtverwaltung und ins-
besondere Klenko noch mehr als bisher eine koordinierende und weniger eine impuls-
gebende Rolle erhält. Dadurch sollen noch mehr Aktivitäten als bisher zum Klima-
schutz möglich sein und die Zielerreichung wahrscheinlicher werden.
In diesem Endbericht stellen wir die Ergebnisse dar. Dazu zählen:
• eine Überprüfung der bisher in Münster eingesetzten Kohlendioxid-(CO
2-)–
Bilanzierungssystematik sowie die (teilweise) Neuberechnung der Bilanz für die
Jahre 1990 sowie 2005/2006
• Ermittlung von Energiespar- und CO2-Minderungspotenzialen
• Übersicht bisheriger Klimaschutz-Maßnahmen in der Stadt
• sowie schließlich Empfehlungen für die zukünftige Klimaschutzpolitik der Stadt
in Form eines Maßnahmenkatalogs
Eingerahmt werden die Kapitel zu diesen Punkten durch eine Zusammenfassung, die
Beschreibung des Vorgehens im Konzept sowie durch einen Anhang mit weiteren In-
formationen und Daten.
Zur standardisierten und vereinfachten Fortschreibung der CO
2-Bilanz wurde ein
EXCEL-Tool entwickelt. Dazu liegt eine gesonderte Anleitung vor.
Der Dank des IFEU-Instituts sowie von Gert ec gilt allen am Konzept mitwirkenden Ak-
teuren: den Interviewpartnern, den Workshopt eilnehmern sowie allen, die mit Informa-
tionen und Anregungen das vorliegende Münsteraner Klimaschutzkonzept unterstütz-
ten und damit erst ermöglichten.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 5 Klimaschutzkonzept Münster
2 Zusammenfassung
Im Zeitraum Oktober 2008 bis November 2009 erarbeiteten das ifeu – Institut für Ener-
gie- und Umweltforschung Heidelberg sowie Gertec/Essen ein Klimaschutzkonzept
2020 für Münster im Auftrag der Stadt. Dabei wirkten neben der Stadtverwaltung viele
weitere Akteure wie Firmen, Institutionen und Verbände bei der Erarbeitung des Maß-
nahmenkataloges mit, denen Dank dafür gebührt.
Zunächst wurde die Treibhausgasbilanz der Stadt Münster methodisch an neuere
kommunale Bilanzstandards angepasst
1. Die Berechnungen ergaben, dass die CO 2-
Emissionen2 der Stadt Münster im Jahr 1990 2,5 Mio. Tonnen betrugen. Trotz eines
Zuwachses bei der Zahl der Bevölkerung um 2% und des Anstieges des Endenergie-
verbrauchs um 9% konnten die CO 2-Emissionen bis zum Jahr 2006 um etwa 220.000
Tonnen jährlich auf 2,3 Mio. Tonnen (-9%) reduziert werden.
CO2-Emissionen in Münster 1990-2006 (neue Systematik)
0%
20%
40%
60%
80%
100%
120%
Basisjahr 1990 2006
IFEU 2009
CO2-Emissionen: -9%
Wohnfläche +21%
Bevölkerung +2%
Endenergieverbrauch +9%
Senkung der CO2-Emissionen pro Einwohner um 10%
Durch die neue Bilanzsystematik wurde es au ch möglich zu zeigen, wie die verschie-
denen Sektoren zu den Emissionen im Jahr 2006 beitragen. Danach tragen Gewerbe,
Handel und Dienstleistungen sowie die privaten Haushalte mit 34 bzw. 33% die größ-
ten Anteile, wie die folgende Abbildung veranschaulicht.
1 Z.B. kommt nun durchgängig das Territorialprinzip zum Tragen, Straßengüterverkehr wurde
mit aufgenommen sowie Strom und Fernwärme aus dem GuD-Kraftwerk neu bewertet.
2 CO2-äquivalente inkl. Vorketten
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 6 Klimaschutzkonzept Münster
CO2-Emissionen nach Verbrauchssektoren in
Münster 2006
0
100.000
200.000
300.000
400.000
500.000
600.000
700.000
800.000
900.000
Private Haushalte Gewerbe+Sonstiges Industrie Verkehr
Strom
Kraftstoffmix
Verkehr
Sonstiges
Kohle
Heizöl
Fernwärme
Erdgas
IFEU 2009
Tonnen CO2
witterungskorrigiert, mit Äquvivalenten
Gesamt: 2,3 Mio. Tonnen33%
10%
34%
24%
In einem weiteren Schritt wurde analysiert, welche technisch-wirtschaftlichen CO 2-
Minderungspotenziale in Münster bis zum Jahr 2020 im Rahmen üblicher Sanierungs-
und Ersatzzyklen vorhanden sind. Danach ergibt sich etwa ein Potenzial von 540.000
Tonnen (etwa 21% des Jahres 1990). Die größten Minderungspotenziale liegen dabei
in der energetisch optimalen Sanierung von Gebäuden sowie im Einsatz von effizien-
testen Geräten und Anlagen zur Stromeinsparung: Allein in diesen Bereichen ließen
sich über 400.000 Tonnen jährlich einsparen. Zudem birgt der weitere Ausbau der
Fernwärme in Münster mit bis zu 30.000 Tonnen ein hohes Potenzial. Erneuerbare
Energien, wie die dezentrale Nutzung von Biogas und der Einsatz von Solarenergie
sowie ein Repowering bestehender Windkraftanlagen können deutlich über 60.000
Tonnen CO
2-Einsparung bis zum Jahr 2020 beitragen, um nur die bedeutendsten Be-
reiche zu nennen.
Obwohl diese Potenziale fast alle wirtschaftlich durch die Münsteraner Akteure er-
schlossen werden könnten und schon viele Klimaschutzaktivitäten in der Stadt beste-
hen, bedarf es zur Aktivierung dieser Potenziale noch weiterer Unterstützung und An-
stöße. Deshalb erarbeiteten die Gutachter gemeinsam mit Münsteraner Akteuren einen
umfangreichen Katalog mit über 50 Maßnahmen für Münster: Wie können zentrale Ak-
teure als städtischer Motor für den Klimaschutz wirken? Im Fokus für den Maßnah-
menkatalog „Stadt als Motor“ standen die Themenfelder „übergreifende Aufgaben“,
„Bauen und Wohnen“, „Gewerbe/Handel/Dienstleistung“, „Energieversorgung und Er-
neuerbare Energien“ sowie schließlich „Verkehr“. Mit Anschubkosten
3 von etwa 1,5 Mil-
3 Kosten für Koordination, Förderprogramme, Öffent lichkeitsarbeit etc. der Stadtverwaltung (oh-
ne Investitionskosten der Haushalte, Firmen und sonstigen Institutionen ..)
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 7 Klimaschutzkonzept Münster
lionen Euro jährlich ließen sich vielfach höhere Investitionen in der Stadt anstoßen und
sich die CO2-Emissionen um etwa 300.000 Tonnen jährlich senken.
Die 5 wichtigsten Maßnahmen
Münsters Allianz für Klimaschutz
„Münsters Allianz für Klimaschutz“ soll alle wesentlichen gesellschaftlichen Akteure aus Politik,
Verwaltung, Verbänden, Wirtschaft und Wissenschaft zusammenführen und ihnen die Möglich-
keit geben, neue Ideen und Projekte für den Klimaschutz in Münster im Rahmen eines Netz-
werks zu entwickeln. Die mitwirkenden Instituti onen verpflichten sich selbst zu relevanten CO 2-
Minderungen. Zudem übernehmen (prominente) Paten außerhalb der Stadtverwaltung für aus-
gewählte Themenbereiche die Verantwortung dafür, die Netzwerkarbeit voranzubringen. Unter-
stützung erhält die Allianz durch externe Klimaschutz- und Moderationsexperten.
Klimaschutzkoordination (Klenko) personell ausbauen
Die personelle Kapazität zur Koordination soll um mindestens 1 bis 2 Stellen ausgebaut wer-
den, um die zusätzlichen Anforderungen erfüllen zu können, die sich aus dem Klimaschutzkon-
zept ergeben. Nur mit hinreichender personeller Kapazität wird die Koordinationsaufgabe leist-
bar sein.
Gütesiegel Gebäudesanierung und Weiterentwicklung Altbausanierung
Die bestehenden Aktivitäten zur (energietechni schen) Qualitätssicherung bei Gebäudesanie-
rungen sollten mit einer neuen Strategie Verstärk ung finden. Verknüpft werden soll der Ansatz
der „Gläsernen Hausnummer“ mit dem städtischen Förderprogramm unter Aufgreifen von be-
stehenden Qualitätssicherungskriterien in anderen Förderprogrammen (z.B. KfW). Dabei sollten
Kriterien für den Bauprozess sowie Empfehlungen für energietechnische Standards einfließen.
Themenspezifische Kampagnen für kleine und mittlere Unternehmen
Es werden Kampagnen entwickelt und durchgeführt, welche gezielt einzelne Branchen zur E-
nergieeffizienz ansprechen. Dabei kommen Mittel wie Infoveranstaltungen, Positivbeispiele,
Workshops, ggf. Coaching in der Umsetzung zum Tragen. Die Kampagnen werden zentral un-
ter einem Dach vorbereitet und unter einem Slogan kommuniziert (z.B. „Klimaschutz in Münster
– Standortvorteil für Münsteraner Betriebe“). Fi nanziert werden sollten die Aktivitäten gemein-
sam von Stadt, Stadtwerke Münster GmbH, Indu strie- und Handelkammer (IHK). Mögliche
Themen sind: Optimierung der Beleuchtung, Optimierung der Kühlung (Gebäudekühlung und
Warenkühlung im Einzelhandel), „Green IT“, Kraftwärmekopplung (KWK): Entscheidungshilfen
wie KWK-Check Frankfurt, IRC-Halogenlampen, Heizungspumpe und hydraulischer Abgleich.
Ausbau der Fernwärme in der Fläche
Das bestehende Fernwärmenetz kann um bis zu 100 MW ausgebaut werden. Dieser Ausbau
soll sich konzentrieren auf das Umfeld bestehender Fernwärmetrassen. Mögliche nächste
Handlungsschritte sind die Entwicklung einer gemeinsamen Strategie sowie gemeinsamer Akti-
vitäten von Stadt und Stadtwerken bei Beratu ng, Stadtentwicklung, Gebäudesanierung. Zudem
sollten Wohnungsgesellschaften in diese Strategie eingebunden werden.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 8 Klimaschutzkonzept Münster
Vergleicht man nun das Ziel der Stadt, bis zum Jahr 2020 gegenüber 1990 eine
40%ige Minderung der CO 2-Emissionen zu erreichen, mit den ermittelten technisch-
wirtschaftlichen Potenzialen und den möglichen Effekten des Maßnahmenkatalogs
„Stadt als Motor“ ergibt sich das folgende Bild.
Abb. 1: Vergleich: Zu erreichende CO 2-Minderungen für das 40%-Ziel, technisch-
wirtschaftliche Potenziale im Rahmen normaler Sanierungs-/Ersatzzyklen und
mögliche Beiträge von Maßnahmen
0
200.000
400.000
600.000
800.000
1.000.000
1.200.000
CO2-Emissionsziel 2006-
2020 (bezogen auf -40%
gegenüber 1990)
Potenziale CO2-Mind. durch
Maßnahmen
Minderung
1990 bis 2006
(-9%)
Zusätzlich
nötige CO2-
Minderung
2006 bis
2020 zur
Erreichung
40%-Ziel
Veränderungen
gegenüber 1990:
Bürgerfonds
Technisch-
wirtschaftliche
Potenziale
2006 bis 2020
"Stadt als
Motor"
22 %
"Akteure
Plus"
IFEU/GERTEC 2009
Tonnen CO2/Jahr
40 % 30 %
Es zeigt sich, dass die Umsetzung der in diesem Bericht ausgewiesenen technisch-
wirtschaftlichen Potenziale zusammen mit den bisher erreichten CO 2-Minderungen zu
einer 30%-igen CO 2-Reduzierung im Jahr 2020 beitragen kann (mittlere Säule in der
Grafik). Hierbei wurde angenommen, dass im Rahmen von normalen Sanierungszyk-
len von Gebäuden und Austauschzyklen von Geräten immer die heute effizientesten
Technologien sowie viele Erneuerbare Energien zum Einsatz gelangen. Zur Erreichung
der 40% müssten also zum Beispiel zusätzlich Sanierungen vorgezogen, noch effizien-
tere Technologien oder noch mehr regenerative Energie eingesetzt werden.
Die Umsetzung der in diesem Bericht vorgeschlagenen Maßnahmen „Stadt als Motor“
(inkl. Bürgerfonds) könnte bis zum Jahr 2020 bewirken, dass die CO
2-Emissionen um
bis zu 22% gegenüber 1990 reduziert würden (rechte Säule in der Grafik). Damit ließe
sich etwa die Hälfte des technisch-wirtsc haftlichen Potenzials (2006 bis 2020) realisie-
ren. Jedoch verbleibt eine Lücke bis zur Ausschöpfung des ganzen Potenzials, und ei-
ne noch größere Distanz zur Erreichung der 40%.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 9 Klimaschutzkonzept Münster
Als Fazit lässt sich festhalten, dass ein großer Beitrag zur Zielerreichung aus kommu-
naler Kraft kommen kann, das 40%-Ziel jedoch allein mit „kommunalem Motor“ nicht zu
erreichen ist. Ein Maßnahmenbündel „AkteurePlus“ ist zusätzlich nötig. Hierzu zählen
Maßnahmen auf höheren politischen Ebenen sowie die Aktivität aller Münsteraner.
Es ist notwendig, dass sich alle politischen Ebenen des Themas Klimaschutz noch in-
tensiver annehmen, wenn das 40%-CO
2-Ziel erreichbar sein soll. Das gilt für Münsters
Ziel, aber ebenso für die Zielsetzung auf Bundesebene, die ja auf gleicher Höhe liegt 4.
EU-, Bundes- und Landesebene müssen also mehr Klimaschutz-Anreize schaffen, a-
ber auch höhere gesetzliche Anforderungen an Geräte und Bauten stellen. Beispielhaft
seien hier mögliche gesetzliche Vorgaben zum Einbau sehr effizienter Bauteile, wie
Passivhausfernstern bei der Gebäudesanierung, genannt.
Zudem gilt: Die Stadt Münster kann mit den unter „Stadt als Motor“ benannten Maß-
nahmen viele zusätzliche Impulse für den Klimaschutz geben und damit viele einzelne
Bürgerinnen und Bürger sowie Firmen erreichen. Aber sie kann nicht alle zugleich und
immer im richtigen Moment erreichen. Ein deutlich stärkeres Eigenengagement muss
von der anderen Seite dabei sein, z.B. um die vielfach angebotenen Informationen, Be-
ratungen und Förderungen selbst auch gezielt zu nutzen und einzusetzen. Alle Müns-
teraner müssen mitmachen.
Gerade aus letzterem Grund spielt „Münsters Allianz für Klimaschutz“ in den Maßnah-
menempfehlungen dieses Konzepts eine solch zentrale Rolle: Netzwerke, Selbstver-
pflichtungen und Patenschaften sollen als Schlüssel wirken, um eine noch breitere
Mitwirkung der Bevölkerung zu erreichen.
Eine zweite wichtige Zielsetzung der Stadt betrifft die regenerativen Energien: Im Jahr
2020 sollen 20% der Energie aus erneuerbaren Quellen stammen. Im Jahr 2006 betrug
der Anteil
5 in Münster etwa 1,5%. Das technisch-wirtschaftliche Potenzial, das hier im
Bericht als sinnvoll und realistisch (und schon ambitioniert) aufgeführt wird, beträgt
226 GWh. Damit können, eine 25%-ige Verminderung des Endenergieverbrauchs vor-
ausgesetzt, im Jahr 2020 in etwa 6% der Endenergie abgedeckt werden. Zwar ließe
sich u.a. durch den Einsatz von noch mehr Holzheizungs- und Fotovoltaikanlagen der
Anteil auf bis zu 20% steigern, damit wären aber andere Probleme verbunden, evtl. bei
der Luftqualität oder der Überlastung der Stromnetze.
Längerfristig, also über 2020 hinaus, können auch die Erneuerbaren Energien in Müns-
ter einen höheren Anteil als die ausgewiesenen 6% beitragen: Denn der Energie-
verbrauch lässt sich nach 2020 noch deutlich weiter reduzieren, wenn zum Beispiel
noch mehr Gebäude im Rahmen von Sanierungen energetisch optimiert sein werden
als bis 2020. Auch andere begleitende Maßnahmen können dazu beitragen, wie die
Einführung intelligenter Stromnetze, die gerade am Anfang ihrer Entwicklung stehen.
4 Die Bundesregierung hat sich das Ziel einer 40%igen CO 2-Minderung unter der Prämisse ge-
setzt, dass auf EU-Ebene die Klimaschut z-Zielsetzung (und entsprechende Maßnah-
men) ebenfalls sehr anspruchsvoll ausfällt.
5 Ohne Anteil Erneuerbare Energien im Bundesstrommix und ohne Biospritanteil im Verkehr
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 10 Klimaschutzkonzept Münster
Hierdurch kann mehr dezentral regenerativer Strom eingespeist werden, ohne die
Stromnetze zu überlasten, wie das heute noch der Fall wäre.
Um das Erneuerbare Energie-Ziel jedoch zumindest rechnerisch schon im Jahr 2020
zu erreichen, empfehlen wir statt eines extremen Ausbaus der Erneuerbaren Energien
im Stadtgebiet investive Beteiligungen an Erneuerbare-Energie-Anlagen außerhalb der
Stadt, z.B. im Off-Shore-Bereich an der Küste.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 11 Klimaschutzkonzept Münster
3 Vorgehen / Ablauf
Das Klimaschutzkonzept für die Stadt Münster besitzt drei Grundbausteine. Zunächst
wurde mit der Überprüfung und Anpassung der CO 2-Bilanz u.a. eine verbesserte
Grundlage für die Ermittlung von CO 2-Einsparpotenzialen geschaffen. In der Potenzial-
ermittlung wurden technisch-wirtschaftliche CO 2-Einsparpotenziale in der Energiever-
sorgung, Energieeffizienz und im Verkehr identifiziert. Diese Ergebnisse wiederum
flossen in die Maßnahmenerstellung bzw. -auswahl ein, die den Schwerpunkt des Kon-
zepts bilden.
In Abb. 2 findet sich grob skizziert die Projektstruktur.
Abb. 2: Grundstruktur der Arbeiten zum Klimaschutzkonzept Münster
Ausgehend von den Zielsetzungen der Stadt und den Schwerpunkthandlungsfeldern
wurden Akteurs- und Potenzialanalysen durchgeführt, um einen „festen Boden“ für die
entwickelten Maßnahmen zu bieten.
Die Stadt Münster erarbeitet seit dem Jahr 1990 alle fünf Jahre eine Energie- und CO
2-
Bilanz. Im Zuge des Projekts wurde zunächst anhand der letztmals erstellten Bilanz
aus dem Jahr 2005 die bisherige Methodik für den stationären Energiebereich als auch
für den Verkehr überprüft. Dazu wurden Empfehlungen ausgesprochen, um die Metho-
dik an Standards, die z.B. innerhalb des Klimabündnisses der Städte existieren, anzu-
passen. Erklärtes Ziel ist es, die bis herigen Bemühungen der Stadt im Bereich Klima-
Akteursbasierende
Handlungs‐
empfehlungen
Akteursanalyse
Wer? Wo?
Mit welchem
Einfluss?
Klimaschutz‐
programm Münster
2009 – 2020:
Prioritäten
•Wirkungen
•Akteure
•Funktion und
Aufgaben Klenko
weitere Handlungs‐
empfehlungen
Potenzialanalyse
Wieviel Energie?
Wo?
Für welchen
Zweck?
Einbindung lokaler
Akteure
•Workshops
•Telefoninterviews
•Einzelgespräche
40% CO2 –
Reduzierung
bis 2020
Energie‐
umwand‐
lung
Bauen
und
Wohnen
Strom‐
sparen Verkehr
übergrei‐
fende
Maßnahmen
20%
erneuerbare
Energien bis
2020
Konzept für Netzwerkarbeit und
Ansätze für Netzwerkstruktur
Akteursbasierende
Handlungs‐
empfehlungen
Akteursanalyse
Wer? Wo?
Mit welchem
Einfluss?
Klimaschutz‐
programm Münster
2009 – 2020:
Prioritäten
•Wirkungen
•Akteure
•Funktion und
Aufgaben Klenko
weitere Handlungs‐
empfehlungen
Potenzialanalyse
Wieviel Energie?
Wo?
Für welchen
Zweck?
Einbindung lokaler
Akteure
•Workshops
•Telefoninterviews
•Einzelgespräche
Einbindung lokaler
Akteure
•Workshops
•Telefoninterviews
•Einzelgespräche
40% CO2 –
Reduzierung
bis 2020
Energie‐
umwand‐
lung
Bauen
und
Wohnen
Strom‐
sparen Verkehr
übergrei‐
fende
Maßnahmen
20%
erneuerbare
Energien bis
2020
Konzept für Netzwerkarbeit und
Ansätze für Netzwerkstruktur
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 12 Klimaschutzkonzept Münster
schutz weiterhin zu dokumentieren und soweit möglich die Erfolge mit anderen Städten
vergleichen zu können.
Aufbauend auf der Bilanz, einer Analyse der bestehenden Aktivitäten der Stadt sowie
berechneten Einspar- und Energieversorgungspotenzialen in den verschiedenen Be-
reichen wurden Maßnahmenvorschläge herausgearbeitet, in denen die Stadt und wich-
tige lokale Akteure noch verstärkt aktiv werden können.
Ein Schwerpunkt im Erstellungsprozess lag in der Arbeit mit den kommunikativen Bau-
steinen der Konzeptentwicklung: Gespräche mit der Stadtverwaltung, Akteursanalysen
und Interviews mit wichtigen Münsteraner Akteuren im Klimaschutz:
hierzu zählen u.a. Stadtwerke Münster, Handwerkskammer, Innungen, Umwelt-
/Verkehrsverbände, Vertretung des Einzelhandels sowie der Architekten, Gewerbebe-
triebe, Wohnungsbau, Kirchen etc. Eine Liste der geführten Interviews sowie der Teil-
nehmer in den Workshops findet sich im Anhang 7.
Auf dieser Basis wurden eine Vielzahl von vorläufigen Projekt- und Maßnahmenideen
zusammengetragen, die anschließend bewertet, gefiltert, vertieft und ergänzt wurden.
Maßnahmenideen mit hoher Priorität wurden in den Workshops mit relevanten Akteu-
ren vertieft und in dem hier vorliegenden Endbericht dokumentiert.
Die Workshops, Fachgespräche und Interviews sollten dazu dienen, die Eigenkräfte
der Akteure zu stärken und Ansatzpunkte für weitere eigenständige Aktivitäten insbe-
sondere der wichtigsten Multiplikatoren (Energiedienstleister, Handwerk, Planer, Bera-
ter etc.) herauszuarbeiten.
Zudem wurde in den Interviews angefragt, engagierte und kompetente Münsteraner
(oder Münsteraner Institutionen) als „Themenpaten“ zu gewinnen. Diese könnten für
einzelne Themenbereiche weiter als „Motoren“ tätig werden und evtl. wichtige Eckpfei-
ler für das geplante Klimaschutznetzwerk darst ellen. Generell wurde in den Interviews
Interesse und die Bereitschaft geäußert, diese Idee der Themenpaten weiter zu verfol-
gen.
Somit entstand im Kern ein Maßnahmenkatalog, der weitestgehend von den Akteuren
akzeptiert und von ihnen auch mit getragen wird.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 13 Klimaschutzkonzept Münster
4 Energie- und CO 2-Bilanz
4.1 Systematik der Endenergie- und Emissionsbilanzierung
Die Stadt Münster hat nach 1990, 1995 und 2000 zuletzt für das Jahr 2005 eine CO 2-
Bilanz vorgelegt. Im November des gleichen Jahres wurde das neue GuD-Kraftwerk
der Stadtwerke an das Netz angeschlossen, welches einen großen Einfluss auf die
kommunale CO
2-Bilanz hat. Für die Berücksichtigung des GuD-Kraftwerks wurden da-
mals drei verschiedene Varianten bilanziert und präsentiert. Je nach Methodik und An-
rechnungsweise ergaben sich CO 2-Minderungen zwischen 6,4% und 21% gegenüber
dem Ausgangsjahr 1990. Im Zuge des Auftrags an IFEU und Gertec für die Fortschrei-
bung der Bilanz ab 2005 sollte deshalb nun auch überprüft werden, inwieweit die vor-
liegenden Bilanzen mit der Bilanzierungssystematik des Klima Bündnisses und anderer
Städte vereinbar sind. Darauf aufbauend sollte ein Vorschlag für eine zukünftige Sys-
tematik unterbreitet werden. Die Überprüfung erfolgte sowohl für den Energie- als auch
den Verkehrsbereich.
4.1.1 Anpassungen im Energiebereich
Anpassungsvorschläge im Energiebereich erfolgten im Wesentlichen für zwei Berei-
che:
- Vor dem Hintergrund der Inbetriebnahme des neuen GuD-Kraftwerks am alten
Hafen im Jahr 2005 und der damit verbundenen CO
2-Berechnung für die Fern-
wärme wurden Empfehlungen für die zukünftige Erstellung der CO 2-Bilanz ge-
geben.
- Zudem sollten alternative Datenquellen geprüft werden, da die Stadtwerke den
Wärmeatlas als bisherige Grundlage der Bilanz in Zukunft nicht fortführen wird.
In der vorliegenden Bilanz wurde deswegen im Energiebereich auf Originalda-
ten der Energieversorger, Schornsteinfeger und des Landesamtes für Daten-
verarbeitung und Statistik zurückgegriffen.
Entwicklungen und Unterschiede bei der Endenergiebilanzierung
Alle Daten für die Energie- und CO
2-Bilanz werden auf Endenergiebasis erhoben. Ein
Großteil der Daten stammt, wie beim Wärmeatlas, aus Angaben der Stadtwerke Müns-
ter, denen an dieser Stelle noch einmal für die Kooperation gedankt werden soll. Vier
größere Unterschiede haben sich nun zwischen 2005 und 2006 ergeben, die beim
Vergleich zwischen den Einzeljahren berücksichtigt werden sollten
6:
- Teilweise neue Datenbasen aufgrund des Unbundlings der Energieversorger.
Dort liegen nun unterschiedliche Datenbanken innerhalb der Stadtwerke vor.
6 Details finden sich im Anhang 1
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 14 Klimaschutzkonzept Münster
- Beim Wärmeverbrauch wurde sektorspez ifisch der Anteil Raumwärme witte-
rungsbereinigt. Prozesswärme- und Warmwasseranteile wurden nicht witte-
rungskorrigiert.
- Neue Datenquellen für einzelne Energieträger (z.B. Schornsteinfeger bei Heiz-
öl).
- Originaldaten zur Eigenerzeugung und zum Eigenverbrauch der Universität
konnten berücksichtigt werden.
Entwicklungen und Unterschiede bei der CO2-Bilanzierung
Ein erster Unterschied zwischen der alten und der neuen Bilanzmethodik ist die Auftei-
lung innerhalb der Bilanz nach Verbrauchssektoren anstatt wie bisher nach Anwen-
dungsbereichen (Raumwärme, Prozesswärme etc.). Mit der neuen Aufteilung war es
nun möglich, die Einsparpotenziale für die einzelnen Verbrauchssektoren zu berech-
nen. Darauf aufbauend konnten für die jeweiligen Sektoren Maßnahmenprioritäten zu-
geteilt werden.
Zudem wurden für die Bilanzen die Emissionsfaktoren und deren Berechnung ange-
passt. Eine Übersicht aller bisher genutzten Emissionsfaktoren und der Emissionsfak-
toren, die für die Berechnung der neuen Bilanz Grundlage waren, finden sich in Tab. 2.
Die vier wesentlichen Änderungen und ihre Auswirkungen auf die CO
2-Gesamtbilanz
finden sich in Tab. 1.
Fazit: Entwicklung der Emissionsfaktoren in der neuen Systematik
Für eine Betrachtung der CO 2-Emissionsentwicklung seit dem Basisjahr 1990 mit der
neuen Systematik wurden anhand vorliegender Kraftwerksdaten die Emissionsfaktoren
auch rückblickend für 1990 ermittelt. In Tab. 2 sind die Ergebnisse dieser Berechnun-
gen dargestellt. Es ist zu erkennen, dass die Emissionsfaktoren für Strom und Fern-
wärme auch nach der neuen Systematik seit 1990 deutlich gesenkt werden konnten.
Dies ist in hohem Maße auf den Neubau des effizienteren und klimafreundlicheren
GuD-Kraftwerks zurückzuführen. Der Anteil der lokalen Stromerzeugung in Münster
betrug im Jahre 2006 etwa 35% am lokalen Stromverbrauch. Die Senkung des Wertes
für den lokalen CO
2-Emissionsfaktor für Strom ist somit sowohl auf einen niedrigeren
Emissionsfaktor für den Bundesstrommix als auch auf die klimafreundlichere Erzeu-
gung von Strom in Münster zurückzuführen. Dadurch konnten trotz deutlicher Wachs-
tumsentwicklungen in Münster (vgl. Abschnitt „Bewertung der Emissionsentwicklung“,
s. S. 23) die Gesamtemissionen gegenüber 1990 gesenkt werden (vgl. Kap. 4.2. End-
energie- und CO
2-Bilanz).
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 15 Klimaschutzkonzept Münster
Tab. 1: Veränderung der CO 2-Emissionsfaktoren für die neu e Systematik und die Auswir-
kungen auf die Gesamtemissionen
1. Berücksichtigung von CO 2-Äquivalenten (Methan, etc.) und Vorketten. Die CO 2-
Gesamtemissionen steigern sich durch die neuen Emissionsfaktoren gegenüber
der alten Systematik. Dafür werden j edoch alle klimarelevanten Treibhausgase
und bei deren Abbau erzeugte Emissionen berücksichtigt7.
2. Berücksichtigung eines lokalen Strommixes nach dem Territorialprinzip. Auf-
grund der klimafreundlichen Stromerzeugung im neuen GuD-Kraftwerk liegt der
lokale Stromemissionsfaktor unter dem Wert des Bundesstrommixes (vgl. Tab.
2)
8. Die Stromerzeugung des GuD-Kraftwerks in Münster kann nun durch das
Territorialprinzip voll abgebildet werden.
3. Berechnung der Strom- und Fernwärmefaktoren in Kraft-Wärme-
Kopplungsprozessen nach der Exergiemethode. Die bisher genutzte Gutschrif-
tenmethode wird nicht weiter angewendet. Diese Veränderung führt zu den
größten Unterschieden zwischen der alten und neuen CO
2-Bilanz. Der Emissi-
onsfaktor für Fernwärme liegt nun über den bisher ermittelten Werten. Die bisher
in Münster vom Beirat seit 1995 eingesetzte Gutschriftenmethode ist für Tech-
niksystemvergleiche entwickelt worden und ist bei diesen auch gut einsetzbar.
Bei (kommunalen) CO
2-Bilanzierungen ist sie jedoch nur sehr begrenzt zielfüh-
rend einsetzbar9.
4. Nutzung des durchschnittlichen lokalen Strommixes auch bei Nachtspeicher-
öfen. Bisher wurde für Nachtspeicherheizungen der CO2-Emissionsfaktor für Mit-
tellastkraftwerke angenommen. Die Emissionsfaktoren für Nachtspeicherheizun-
gen liegen nun für das Jahr 2006 bei Anwendung des Münsteraner Strommixes
unter den Werten, die bisher in den Bilanzen genutzt wurden.
7 Aus Gründen einer besseren Lesbarkeit wird in diesem Bericht vereinfachend weiterhin von
CO2-Emissionen gesprochen, auch wenn nach der neuen Systematik (und dort durch-
gängig) CO2-äquivalente Gesamtemissionen gemeint sind.
8 Dies wird trotz des geringeren Anteils an Erneuerbaren Energien in Münster gegenüber dem
Bund erreicht. Die Problematik, vor der Städte beim Ziel eines verstärkten Einsatz von
erneuerbaren Energien stehen, wird in Kap. 9 erläutert
9 Negative Emissionsfaktoren für Fernwärme, wie sie in der GuD Bilanz für das Jahr 2005 ermit-
telt wurden, sind bei der Maßnahmenentwickl ung und -evaluation nicht hilfreich, da in
diesem Fall ein erhöhter Verbrauch von Fernwärme zu ausgewiesenen Emissionsmin-
derungen führen würde. Mit dieser Rechenweis e ist es schwierig darzustellen, dass die
erste Priorität beim Klimaschutz die Eins parung von Energie sein sollte. Für den
verbleibenden Energieverbrauch ist natürlich ein hoher Anteil von Fernwärme für den
Klimaschutz zu begrüßen.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 16 Klimaschutzkonzept Münster
Tab. 2: Vergleich der Emissionsfaktoren in g CO 2 / kWh (Neuberechnung für 1990 über-
schlägig)
Alte Systematik Neue Systematik
1990 2005 2005 GuD 1990 neu 2006
Erdgas 200 200 200 252 252
Erdöl 270 266 266 321 321
Fernwärme 350 104 -415 266 144
Strommix Münster* 636 554 554 854 600
Strommix Deutsch-
land 636 554 554 739 626 10
Nachtspeicherheizung 925 925 925 854 600
* neue Systematik 1990 und 2006: Differenz zwischen Stromerzeugung und Stromverbrauch im
Stadtgebiet Münster wird mit Strommix Deutschland ergänzt
4.1.2 Anpassungen im Verkehrsbereich
Für die Stadt Münster liegen bisher Bilanzen der CO 2-Emissionen im Verkehr für die
Jahre 1995, 2000 und 2005 vor. Die Methodik dieser Bilanzierungen erfasst Emissio-
nen des Personen-Binnenverkehrs im Stadtgebiet sowie des Personen-
Regionalverkehrs (Quell-/Ziel-Verkehr) inkl. Weganteilen in Nachbarkommunen.
Durchgangsverkehre durch das Stadtgebiet werden nach der Systematik nicht erfasst,
ebenso sind Flug- und Güterverkehr nicht enthalten. Dieses bisherige Bilanzierungs-
prinzip der Stadt Münster für den Verkehr wurde im Rahmen der Fortschreibung des
Klimaschutzkonzeptes überprüft und angepasst.
Bei Emissionsbilanzen kommunaler Verkehre für Klimaschutzkonzepte, aber auch in
der Luftreinhaltung hat sich im Verkehrssektor eine Bilanzierung nach dem Territorial-
prinzip etabliert. Beim Territorialprinzip werden die Emissionen des Verkehrs auf dem
Stadtgebiet erfasst, unabhängig davon, ob der Verkehr durch Einwohner oder Auswärti-
ge erfolgt. So wird neben dem anteiligen Regionalverkehr auch der Durchgangsverkehr
innerhalb des Stadtgebiets berücksichtigt. Bei der Territorialbilanz wird auch der gesamte
Straßengüterverkehr im Stadtgebiet erfasst. Die nachfol gende Tabelle gibt eine Über-
sicht der in beiden Bilanzmethoden erfassten Verkehre.
10 Die Diskussion, welche Berechnungsgrundla ge für den Emissionsfaktor Strommix Deutsch-
land gewählt wird, ist derzeit beim Klima Bündnis noch nicht abschließend geklärt. Es
wurde deswegen in der vorliegenden Bilanz im Gegensatz zu bisher präsentierten Bi-
lanzen (ECO2-Strommix) auf den Strommix des IFEU-Strommasters zurückgegriffen
(IPPC 2007-Methodik), der dem Klima Bündnis auch als zukünftige Datengrundlage an-
geboten wird.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 17 Klimaschutzkonzept Münster
Tab. 3: Berücksichtigte Verkehre in städtischen CO 2-Bilanzen
Bisherige Methode Münster Territorialprinzip
Motorisierter Individu-
alverkehr (Pkw, Mo-
tor-, Zweiräder)
Binnenverkehr in Münster
Regionalverkehr Münster inkl.
Fahrleistungsanteile außerhalb der
Stadt.
Binnenverkehr in Münster
Regionalverkehr Münster: Nur Fahr-
leistungsanteile auf Stadtgebiet
Durchgangsverkehr durch Münster
Öffentlicher Perso-
nennahverkehr ÖPNV
(Linienbus)
Linien-Stadtbusse in Münster
Linien-Regionalbusse Münster
inkl. Fahrleistungsanteile im Um-
land
Linien-Stadtbusse in Münster
Linien-Regionalbusse Münster: Nur
Fahrleistungsanteile auf Stadtgebiet
Schienenpersonen-
Nahverkehr
Schienenpersonennahverkehr
(SPNV) Münster inkl. Verkehrsleis-
tungsanteile außerhalb der Stadt
Schienenpersonennahverkehr
(SPNV) Münster: Nur Verkehrsleis-
tungsanteile auf Stadtgebiet
Schienenpersonen-
Fernverkehr - -
Reisebusse - -
Straßengüterverkehr -
Straßengüterverkehr: Fahrleistungs-
anteile auf Stadtgebiet, inkl. Ermittlung
des Anteils von Durchgangsverkehr
durch das Stadtgebiet
Güterverkehr mit
Bahn und Schiff - -
Flugverkehr - -
IFEU 2009
Im Rahmen der Bilanzüberprüfung wurde die bisher in Münster verwendete Bilanzie-
rungsmethode einer von IFEU ergänzend für das Jahr 2005 erstellten Territorialbilanz
gegenübergestellt. Der Fokus lag dabei auf folgenden Fragestellungen:
• Wie wirken sich die unterschiedlichen räumlichen und methodischen Abgrenzungen
auf die Höhe der erfassten Verkehrsleistungen und Emissionen aus?
• Wie stark unterscheiden sich die Anteile der berücksichtigten Verkehrsmittel an den
Treibhausgasemissionen zwischen den beiden Methoden?
• Welchen Einfluss haben die verwendeten Emissionsfaktoren auf die berechnete Höhe
der Treibhausgasemissionen im Verkehr?
Ausgehend von der Bilanzüberprüfung im Verkehr wurde anschließend eine Anpas-
sung der Bilanzmethodik für den Verkehrsbereich in Münster vorgenommen.
Ergebnisse der Bilanzüberprüfung
Die Stadt Münster gibt in ihrer Klimabilanz die Treibhausgasemissionen des Verkehrs im
Jahr 2005 mit 556 Kilotonnen an. Die Berechnungen nach dem Territorialbilanzprinzip
ergeben 543 Kilotonnen CO2 (inkl. Äquivalente), sind also um 2,5% niedriger. Die Abwei-
chung zwischen beiden Bilanzen für 2005 folgt aus den genannten methodischen Unter-
schieden bei den erfassten Verkehren sowie einer unterschiedlichen Emissionsfaktoren-
basis. Nachfolgend werden die Ergebnisse der Bilanzen gegenübergestellt, um die Un-
terschiede und ihre Ursachen zu veranschaulichen.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 18 Klimaschutzkonzept Münster
Verkehrsleistungen im Personenverkehr
Die Verkehrsleistung im Personenverkehr beträgt nach der bisherigen Bilanzierungsme-
thode 3.583 Mio. Pkm. Nach dem Territorialprinzip beträgt die Verkehrsleistung nur
2.634 Mio. Pkm und ist damit um 26% niedriger (Abb. 3). MIV und ÖPNV werden um
24% bzw. 23% niedriger angesetzt, der Schienenpersonennahverkehr (SPNV) um 55%.
Ursachen für die Unterschiede sind die einbezogenen Verkehrsarten und berücksichtig-
ten Weglängen. Bisher sind in der Bilanz der Binnenverkehr in Münster sowie der Regio-
nalverkehr mit seiner kompletten Weglänge (inkl. Hauptanteil der Fahrten im Umland)
enthalten. Wegen der deutlich größeren Fahrtweiten ist die Verkehrsleistung im Regio-
nalverkehr etwa dreimal so hoch wie im Binnenverkehr. Nach der Territorialbilanz wer-
den Binnen-, Regional- und auch Durchgangsverkeh r berücksichtigt. Allerdings werden
nur die Fahrtabschnitte innerhalb des Stadtgebiets der Stadt Münster zugerechnet.
Abb. 3: Verkehrsleistungen im Personenverkehr Münster 2005 nach bisheriger Bilanzie-
rungsmethode und nach Territorialprinzip
Verkehrsleistungen des Personenverkehrs in Münster
im Vergleich verschiedener Bilanzierungsmethoden
3.583
0
500
1.000
1.500
2.000
2.500
3.000
3.500
4.000
Bilanz Münster 2005 Original
Mio. Pkm / Jahr
SPNV
ÖPNV Regio
ÖPNV Binnen
MIV Regio
MIV Binnen
2.634
Territorialbilanz 2005
(Verkehrsleistung im Stadtgebiet)
SPNV
ÖPNV
MIV
MIV: -24%
ÖPNV: -23%
SPNV: -55%
Höhe und Aufteilung der Emissionen des Verkehrs
Die Emissionsfaktoren zu Treibhausgasem issionen im Straßenverkehr und Schienen-
verkehr in der bisherigen Bilanz für Münster basieren ursprünglich auf der Datenbank
GEMIS. Für spätere Bezugsjahre wurden die Faktoren im Straßenverkehr anhand der
relativen Entwicklung in anderen Datenquellen (v.a. UBA-Datenbasis „Handbuch Emis-
sionsfaktoren des Straßenverkehr“) fortgeschrieben, im SPNV blieben die Faktoren in
allen Jahren unverändert. Für die Territorialbilanz wurden Emissionsfaktoren aus dem
Modell TREMOD verwendet, die fortlaufend aktualisiert und an aktuelle Entwicklungen
angepasst werden. TREMOD ist Grundlage für alle diesbezüglichen Berechnungen der
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 19 Klimaschutzkonzept Münster
Bundesregierung und Basis der offiziellen Berichterstattung (Kyoto-Protokoll, NEC-
Protokoll).
Der Vergleich der in Münster verwendeten Emissionsfaktoren mit den auf Bundesebene
verwendeten Faktoren ergab Abweichungen bei allen Verkehrsmitteln, am stärksten wa-
ren die Unterschiede im Schienenpersonennahverkehr (s. Tab. 4). Für das Jahr 2005
ergaben sich unter Beibehaltung der bisherigen Münsteraner Bilanzierungsmethodik ins-
gesamt um 5% niedrigere Treibhausgasemissionen (Abb. 4, Mitte).
Tab. 4: Vergleich der Emissionsfaktoren im Verkehr für das Jahr 2005
Motorisierter
Individual-
verkehr
Bus
Schienen-
Personen-
Nahverkehr
Bilanzierung Münster g/Pkm 170 59 120
Bundesdurchschnitt1 g/Pkm 165 56 86,5
1Mittlere Emissionsfaktoren in CO2-äquivalenten unter Berücksichtigung der lokalen Fahrleis-
tungsanteile in Münster auf verschiedenen Straßentypen (innerstädtisch, außerhalb, Auto-
bahn)
Wird nach dem Territorialprinzip bilanziert, dann liegen die berechneten Emissionen mit
den neuen Emissionsfaktoren etwa 2,5% niedriger (Abb. 4, rechts). Die Emissionen des
Personenverkehrs liegen deutlich niedriger als nach bisheriger Methodik (-160 Kiloton-
nen CO
2-äquivalente), da Fahrleistungen außerhalb des Stadtgebiets nicht mehr berück-
sichtigt werden. Durch die Erfassung der Emissionen des Straßengüterverkehrs in Höhe
von 148 Kilotonnen CO 2-äquivalenten liegen die Gesamtemissionen des Verkehrs den-
noch wieder im Bereich des Gesamtemissionsniveaus der bisherigen Systematik.
Anpassung der Bilanzierungsmethodik
Auf Basis der Bilanzüberprüfung wurden folgende Anpassungen der Bilanzierungsme-
thodik im Verkehrssektor vorgenommen:
• Räumliche Abgrenzung und Differenzierung : Abgrenzung des Bilanzraums nach
dem Territorialprinzip zur Erfassung des kompletten Verkehrs im Stadtgebiet. Um die
unterschiedlichen Handlungsfelder und Einflussmöglichkeiten der Stadt zu dokumen-
tieren sowie daraus resultierende Minderungspotenziale ermitteln zu können, erfolgt
weiterhin eine Differenzierung nach Binnen-, Regional- und Durchgangsverkehr.
• Einbeziehung des Straßengüterverkehrs in die Bilanz : Neben dem Personenver-
kehr wird auch der Straßengüterverkehr in der Bilanzierung der Treibhausgasemissio-
nen berücksichtigt, da er einen relevanten Anteil an den verkehrlichen Emissionen im
Stadtgebiet hat und auch anteilig im Bereich der kommunalen Handlungsmöglichkei-
ten ist.
• Verwendung aktueller Emissionsfaktoren: Verwendung von aktuellen Emissions-
faktoren inkl. energetischer Vorkette und unter Einbeziehung der Treibhausgase CO
2,
CH4 und N 2O nach dem Emissionsmodell TREMOD, welches u.a. Grundlage für die
Klimaberichterstattung der Bundesregierung ist.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 20 Klimaschutzkonzept Münster
Abb. 4: Treibhausgasemissionen des Verkehrs in Münster 2005 nach bisheriger Bilanzie-
rungsmethode und nach Territorialbilanz
Treibhausgasemissionen des Verkehrs in Münster
im Vergleich verschiedener Bilanzierungsmethoden
530556
0
100
200
300
400
500
600
Bilanz Münster 2005
Original
Bilanz Münster 2005
Angepasste EFA
kt CO2 / Jahr
SPNV
ÖPNV Regio
ÖPNV Binnen
MIV Regio
MIV Binnen
543
Territorialbilanz 2005
(Emissionen im Stadtgebiet)
Straßengüterverkehr
SPNV
ÖPNV
MIV
IFEU 2009
4.2 Entwicklung Endenergie und CO 2-Emissionen 1990 bis
2005/2006
In Abb. 5 und Abb. 6 wurden auf der linken Seite die Berechnungen der Stadt für die
Jahre 1990, 1995, 2000 und 2005 übernommen 11. Auf der rechten Seite sind jeweils
die Ergebnisse nach neuer Berechnung dargestellt. Das Jahr 2006 wurde vom IFEU-
Institut mit neuer Systematik für Endenergie und Emissionen bilanziert. Diese neue
Systematik soll in den Folgejahren fortgeschrieben werden, so dass die Ergebnisse ab
2006 weiterhin verglichen werden können. Für das Startjahr 1990 wurde zudem noch
einmal überschlägig eine CO
2-Bilanz anhand der vorliegenden Endenergieverbräuche
mit der neuen Bilanzierungsmethodik berechnet.
11 Die Berechnung der Jahre 1990 bis 2005 erfolgte in Anlehnung an die Empfehlungen des
Beirats. Ab 2006 wird mit der vom IFEU vorgeschlagenen Methodik gerechnet.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 21 Klimaschutzkonzept Münster
4.2.1 Endenergie
Die Ergebnisse für den Energiebereich nach Endenergieträgern sind in Abb. 5 zu se-
hen. Im Vergleich zum Basisjahr 1990 steigerte sich der Endenergieverbrauch bis zum
Jahr 2005 von 4.649 GWh auf 5.131 GWh um 10%. Aus den genannten Gründen sind
die Ergebnisse zwischen 2005 und 2006 nur noch bedingt vergleichbar. Trotz verein-
zelter Differenzen bei den Energieträgern bleibt der ermittelte Endenergieverbrauch für
2006 gegenüber 2005 nahezu konstant bei 5.087 GWh (-1%).
Abb. 5: Entwicklung Endenergieverbrauch in Münster (Tabellen dazu im Anhang)
Endenergiebilanzen nach Verbrauchssektoren in Münster
1990-2006 (ohne Verkehr)
0
1.000.000
2.000.000
3.000.000
4.000.000
5.000.000
6.000.000
1 9 9 01 9 9 52 0 0 02 0 0 52 0 0 6
Strom
Sonstiges
Öl
Heizstrom
Fernwärme
Gas
neue Erhebungsmethodik
100%
109%110%104%
99%
IFEU/GERTEC 2009
MWh
4.2.2 CO 2-Emissionen
Entwicklungen 1990-2005 nach alter Systematik
Betrachtet man die Entwicklung der CO2-Emissionen (vgl. Tab. 4 und Abb. 6) von 1990
bis 2005, die mit der alten Bilanzierungssystematik berechnet wurden, so zeigt sich für
die GuD-Variante eine deutliche Verringerung von 21% bzw. von 2,229 Mio. Tonnen im
Jahr 1990 auf 1,763 Mio. Tonnen im Jahr 2005. Während die Emissionen im Sektor
Verkehr nahezu gleich geblieben sind, ist dieser Rückgang zu großen Teilen auf Re-
duktionen bei den energiebedingten Emissionen im Bereich Wärme zurückzuführen
(-26%). Bezogen auf die Einwohner entspricht das einer Verringerung von 8,1 Tonnen
auf 6,3 Tonnen pro Einwohner (-22%).
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 22 Klimaschutzkonzept Münster
Vergleich alte und neue Systematik bei der CO2-Bilanzierung
Zwischen den Bilanzen der Jahre 2005 und 2006 sind die Unterschiede mit einer Zu-
nahme von 532.000 Tonnen CO 2 aufgrund der neuen Methodik erheblich (vgl. Tab. 4).
Während der Verkehrsbereich durch die neue Systematik kaum Veränderungen auf-
weist (ca. -2,5%), finden sich bei den energiebedingten Emissionen Unterschiede von
zusätzlich 545.000 Tonnen CO
2. Dies ist vor allem auf die unterschiedliche Bewertung
der Koppelprodukte Fernwärme und Strom 12 sowie der Berücksichtigung der Vorketten
bei den Emissionsfaktoren zurückzuführen (vgl. Tab. 2). Auch die Unterschiede beim
Endenergieverbrauch von Strom im Jahr 2006 gegenüber 2005 schlagen sich aufgrund
des höher berechneten Emissionsfaktors für Strom in der CO
2-Bilanz nieder.
Abb. 6: Entwicklung der CO 2-Emissionen nach Anwendungen und Sektor
CO2-Bilanzen nach Anwendungen und Verkehr
in Münster 1990-2006
0
500
1.000
1.500
2.000
2.500
3.000
1990 1995 2000 2005 2005
GuD
1990
neu
2006
Verkehr
Strom
Wärme
neue Systematik
100%
100%
79%
97%97%
IFEU/GERTEC 2009
1.000 Tonnen CO2
94%
91%
alte Systematik
12 Die Neubewertung der Fernwärmeemissionen dur ch die Exergie- statt der Gutschriftenme-
thode ist für über zwei Drittel der Differenz zwischen den Bilanzen verantwortlich, Strom
noch etwa zu einem Fünftel.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 23 Klimaschutzkonzept Münster
Tab. 4: Entwicklung der CO 2-Emissionen (1.000 Tonnen) nach Energieträgern (Sektor
Verkehr ohne Aufteilung)
Jahr Erdgas Fernwärme Heizstrom Ö l Sonstiges Strom Verkehr Gesamt
1990 374 206 160 278 8 610 592 2.229
1995 403 166 141 211 3 642 591 2.158
2000 425 166 107 224 2 649 581 2.155
2005 495 65 104 182 0 684 556 2.087
2005 GuD 495 -259 104 182 0 684 556 1.763
1990 neu 472 157 148 331 11 819 578 2.516
2006 526 110 37 229 28 821 543 2.295
Neue Systematik
Entwicklungen 1990-2006 nach neuer Systematik
Für 1990 wurde mit den noch vorliegenden Daten eine überschlägige Bilanz nach neu-
er Emissionssystematik gerechnet 13. Demnach beliefen sich die CO 2-Emissionen in
Münster im Jahr 1990 auf 2,516 Mio. Tonnen CO 2. Bis 2006 konnten 221.000 Tonnen
CO2 oder 9% eingespart werden. Bezogen auf die Einwohner entspricht dies einer Ver-
ringerung von 9,1 Tonnen auf 8,2 Tonnen pro Einwohner (minus 10%).
4.2.3 Bewertung der Emissionsentwicklung
Wie ist das Erreichte zu bewerten? Mit den folgenden Hinweisen werden Bewertungs-
ansätze aufgezeigt, welche eine Einordnung des Ergebnisses vor dem Hintergrund des
Wachstums der Stadt sowie den Klimaschutzerfolgen anderer Städte ermöglicht.
Relation der CO2-Entwicklung zu anderen wichtigen Kenndaten der Stadt
Die wohnberechtigte Bevölkerung in Münster ist von 275.150 Einwohnern im Jahr 1990
auf 280.023 Einwohner im Jahr 2006 gestiegen (plus ca. 2%). Die spezifische Wohn-
fläche hat sich dabei im Schnitt von 34 auf 40 Quadratmeter pro Person erhöht. Da-
durch ist die Wohnfläche in diesem Zeitraum um 21 % von 9 Mio. auf 11 Mio. Quad-
ratmeter angestiegen (vgl. Abb. 7). Die Anzahl der Haushalte stieg um 15% von
127.465 im Jahr 1990 auf 146.802 im Jahr 2006. Die Anzahl der Bewohner pro Haus-
halt verringerte sich dadurch von einem Wert von 2,2 auf einen Wert von 1,9 im Jahr
2006.
Trotz dieses Wachstums der Stadt konnten die CO
2-Emissionen in den 16 Jahren von
1990-2006 nach neuer Systematik verringert werden. Zum Beispiel sanken die Pro-
Kopf-Emissionen der Münsteraner um 10%. Diese Minderungen sind im hohen Maße
auf den Neubau des GuD-Kraftwerks zurückzuführen. Aber auch die anderen Klima-
schutzaktivitäten der Stadt und Einwohner spielen dabei eine wichtige Rolle.
13 Der Verkehrsbereich wurde überschlägig für 1990 betrachtet. Dabei wurde die prozentuale
Differenz, die aufgrund der unterschiedlichen Bilanzierungsmethoden im Jahr 2005 ent-
standen ist, für das Jahr 1990 übernommen.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 24 Klimaschutzkonzept Münster
Vergleich der Emissionsentwicklungen in anderen Klimaschutzstädten
Um vor Augen zu führen, welche Auswirkungen diese und andere Rahmenbedingun-
gen auf die CO 2-Bilanz in anderen Städten hatten, zeigt Abb. 8 die Entwicklung ver-
schiedener Faktoren im Vergleich. Dabei werden neben Einwohnerzahl und Wohnflä-
che auch die Entwicklung der Endenergieverbräuche und der CO 2-Emissionen für die
Städte Mannheim, Mainz, Heidelberg und Münster über verschiedene Zeiträume auf-
gezeigt.
Abb. 7: Entwicklung der Wohnflächen, des Endenergieverbrauchs, der Bevölkerung sowie
der CO2-Emissionen in Münster von 1990 bis 2006 (Quellen: Landesamt für Da-
tenverarbeitung und Statistik, eigene Berechnungen).
CO2-Emissionen in Münster 1990-2006 (neue Systematik)
0%
20%
40%
60%
80%
100%
120%
Basisjahr 1990 2006
IFEU 2009
CO2-Emissionen: -9%
Wohnfläche +21%
Bevölkerung +2%
Endenergieverbrauch +9%
Senkung der CO2-Emissionen pro Einwohner um 10%
Während Heidelberg und Münster in den betrachteten Zeiträumen einen Bevölke-
rungszuwachs zu verzeichnen hatten (+4% bzw. +2%), sank die Bevölkerungszahl in
Mannheim bzw. blieb in Mainz konstant. Parallel nahmen die Wohnflächen in allen
Städten zu.
Bei der Entwicklung der Endenergie finden sich in Mannheim und Mainz Senkungen
von -2% bzw. -31%. Während dies in Mannheim auf einen geringeren Endenergie-
verbrauch im Sektor Gewerbe zurückzuführen ist, findet sich die Ursache für die deutli-
chen Energieverbrauchssenkung in Mainz aufgrund des Wegfalls eines (!) großen In-
dustriebetriebes. Diese Entwicklungen sind auch, neben dem Neubau eines GuD-
Kraftwerkes in Mainz, die Ursache für den Rückgang der CO
2-Emissionen im betrach-
teten Zeitraum (-10% bzw. -48%).
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 25 Klimaschutzkonzept Münster
Abb. 8: Vergleich der Entwicklung in anderen Städten
Entwicklungen der Rahmendaten und der CO2-Emissionen
in verschiedenen Städten
-1%
10%
-2%
-10%
0%
17%
-31%
-48%
4%
18%
15%
4%2%
22%
9%
-9%
-50%
-40%
-30%
-20%
-10%
0%
10%
20%
30%
Mannheim (1995-2005)
Mainz (1990-2005)
Heidelberg (1987-2007, ohne
Verkehr)
Münster (1990-2006)
IFEU 2009
Einwohner EndenergieWohnflächen CO 2-Emissionen
Heidelberg und Münster verzeichnen dagegen im betrachteten Zeitraum eine Steige-
rung des Endenergiebedarfs (+15% bzw. +9%), was vor allem auf einen verstärkten
Stromverbrauch zurückzuführen ist. Während es in Heidelberg aufgrund dessen auch
zu einer Steigerung der CO
2-Emissionen kam (+4%), konnten diese in Münster trotz
des erhöhten Energieverbrauchs um 9% gesenkt werden.
Fazit: Münster steht beim Vergleich der spezifischen CO 2-Entwicklung dieser Städte
mit am besten da, weil man singuläre Ereignisse wie den Wegfall sehr großer Indust-
riebetriebe als solche gesondert bewerten muss.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 26 Klimaschutzkonzept Münster
4.3 Endenergie- und CO 2-Bilanz 2006 im Detail
Im Folgenden werden die Ergebnisse zur Energie- und CO 2-Bilanz 2006 nach der neu-
en Systematik von Münster (vgl. Abb. 9 und Abb. 10) aufgeführt und erläutert.
- Im Jahr 2006 beträgt der witterungskorrigierte Endenergieverbrauch aller Sek-
toren 6.843 GWh (vgl. Abb. 9). Pro Einwohner sind das etwa 24.500 kWh jähr-
lich.
- Sowohl im Sektor Gewerbe und Sonstiges als auch im Sektor Private Haushal-
te werden 33% der Endenergie verbraucht. Weitere 26% am Gesamtenergie-
bedarf werden im Bereich Verkehr verbraucht. Im Sektor Industrie beträgt der
Anteil am Energieverbrauch noch 8%.
- Die CO
2-Emissionen liegen 2006 bei 2,295 Mio. Tonnen (einschließlich Pro-
zesskette und äquivalenten Emissionen). Pro Einwohner sind das 8,2 Tonnen
jährlich.
- 34% davon fallen auf Gewerbe und Sonstiges, 33% auf die Privaten Haushalte,
24% auf den Bereich Verkehr und 10% auf die Industrie.
Abb. 9: Aufteilung des Endenergieeinsatzes in Münster im Jahr 2006 nach Sektoren und
Energieträgern
Endenergieverbrauch nach Verbrauchssektoren
in Münster 2006
0
500
1.000
1.500
2.000
2.500
Private Haushalte Gewerbe+Sonstiges Industrie Verkehr
Strom
Kraftstoffmix
Verkehr
Sonstiges
Kohle
Heizöl
Fernwärme
Erdgas
IFEU 2009
witterungskorrigiert
Gesamt: 6843 GWh33%
8%
33%
26%
GWh
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 27 Klimaschutzkonzept Münster
Abb. 10: Aufteilung der CO 2-Emissionen in Münster im Jahr 2006 nach Sektoren und
Energieträgern
CO2-Emissionen nach Verbrauchssektoren in
Münster 2006
0
100.000
200.000
300.000
400.000
500.000
600.000
700.000
800.000
900.000
Private Haushalte Gewerbe+Sonstiges Industrie Verkehr
Strom
Kraftstoffmix
Verkehr
Sonstiges
Kohle
Heizöl
Fernwärme
Erdgas
IFEU 2009
Tonnen CO2
witterungskorrigiert, mit Äquvivalenten
Gesamt: 2,3 Mio. Tonnen33%
10%
34%
24%
Der Endenergieverbrauch des Sektors Private Haushalte betrug im Jahre 2006 2.280
GWh, was CO 2-Emissionen von 760.000 Tonnen entsprach. Pro Einwohner bedeutet
dies 2,7 Tonnen CO2.
Erdgas hatte sowohl endenergetisch als auch bei den CO 2-Emissionen den größten
Anteil (55% bzw. 41%). Strom (inkl. Stromheizung) hat noch einen Anteil von 20%
endenergetisch bzw. 37% bei den CO
2-Emissionen. Heizöl hatte 2006 in Münster einen
Anteil von 21% sowohl bei der Endenergie als auch bei den CO 2-Emissionen. Fern-
wärme und Sonstige Energieträger spielen mit 4% und 0,2% sowohl bei der Endener-
gie als auch bei den CO
2 -Emissionen (2% bzw. 0,02%) im Haushaltssektor bisher eine
untergeordnete Rolle.
Der Sektor Gewerbe und Sonstiges hat einen Endenergieverbrauch von 2.266 GWh
und Emissionen von 774.000 Tonnen CO2. Dies entspricht Emissionen von 2,8 Tonnen
CO2 pro Münsteraner Einwohner und 6,6 Tonnen CO 2 pro sozialversicherungspflichti-
gen Beschäftigten in diesem Sektor. Strom hat sowohl endenergetisch als auch auf
CO2 Seite als Energieträger die größten Anteile (33% bzw. 58%) im Sektor Gewerbe
und Sonstiges. Endenergetisch hat Erdgas mit 27% und Fernwärme (inkl. Ferndampf)
mit 30% in etwa die gleichen Anteile. Bei den CO
2-Emissionen liegt der Anteil von Erd-
gas nur noch bei 20%, bei Fernwärme (inkl. Ferndampf) nur noch bei 13%. Heizöl hat
einen endenergetischen Anteil von 9% und bei den CO 2-Emissionen von ebenfalls
noch 9%. Sonstige Energieträger spielen hier kaum eine Rolle.
Der Sektor Industrie hat Emissionen von 218.000 Tonnen CO 2. Dies entspricht Emis-
sionen von 0,8 Tonnen CO 2 pro Einwohner bzw. 14,4 Tonnen CO 2 pro sozialversiche-
witterungskorrigiert, mit Äquivalenten
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 28 Klimaschutzkonzept Münster
rungspflichtigen Beschäftigten in diesem Sektor. Auch in diesem Sektor haben Erdgas
und Strom sowohl bei der Endenergie (42% bzw. 39%) als auch bei den CO 2-
Emissionen (26% bzw. 58%) die größten Anteile. Sonstige Energien haben einen An-
teil von 16% am Endenergieverbrauch und 13% an den CO
2-Gesamtemissionen. Heiz-
öl und Fernwärme haben in diesem Sektor nur sehr geringe Anteile von unter 3% bzw.
1% endenergetisch als auch bei den CO2-Emissionen.
Die Treibhausgasemissionen des Verkehrs in Münster beliefen sich nach der ange-
passten Bilanzierungsmethodik im Jahr 2005 insgesamt auf 543.000 Tonnen CO 2. Die
Beiträge der verschiedenen Verkehrsarten zu den Emissionen wurden entsprechend
der Bilanzierungsmethodik aufgeteilt. Den größten Anteil an den Emissionen hatte mit
67% der motorisierte Individualverkehr MIV durch Pkw und motorisierte Zweiräder
(Abb. 11). Dabei trugen Binnen- und Regionalverkehr zusammen etwas weniger als die
Hälfte der Treibhausgasemissionen im Stadtgebiet bei, 19% kamen aus dem MIV-
Durchgangsverkehr. Der ÖPNV durch Stadt- und Regionalbusse sowie Schienennah-
verkehr trug etwa 5% zu den Emissionen bei. Insgesamt kamen damit 72% der Treib-
hausgasemissionen aus dem Personenverkehr. Der Straßengüterverkehr durch Lkw
und leichte Nutzfahrzeuge hatte einen Anteil an den Emissionen von etwa 28%, dabei
sind 9% dem Binnen- und Regionalverkehr zugerechnet, 19% entfielen auf den Durch-
gangsverkehr. Insgesamt sind dem Durchgangsverkehr (Personen + Güter) ca. 38%
der verkehrsbedingten Treibhausgasemissionen im Stadtgebiet Münster zuzurechnen.
Abb. 11: Aufteilung der Treibhausgasemissionen des Verkehrs im Stadtgebiet Münster 2005
Aufteilung der Treibhausgasemissionen des Verkehrs
im Stadtgebiet Münster im Jahr 2005
ÖPNV
Binnen+Regio
3%
Schienen-
personen-
nahverkehr
2%
MIV
Durchgang
19%
MIV
Regional
28%
MIV
Binnen
20%
Straßen-
güterverkehr
Durchgang
19%
Straßen-
güterverkehr
Binnen+Regio
9%
Summe Stadtgebiet:
543 Kilotonnen
CO2-Äquivalente
IFEU 2009
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 29 Klimaschutzkonzept Münster
4.4 Fortschreibungsfähiges Berichtssystem
Für die Endenergie- und CO 2-Bilanz wurde für den Energie- und Verkehrsbereich ein
EXCEL-Blatt speziell für Münster entwickelt. Zur Berechnung wurden die aktuelle und
die künftig zu erwartende Datenlage berücksichtigt und dafür einfache Eingabemasken
entwickelt. Dies soll der Stadt Münster ermöglichen, künftig die Bilanzierung mit weni-
ger Aufwand als bisher fortzuschreiben.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 30 Klimaschutzkonzept Münster
5 Energiespar- und CO 2-Minderungspotenziale
In diesem Abschnitt wird zusammenfassend dargestellt, wie groß die wirtschaftlich-
technischen Einsparpotenziale in Münster zu veranschlagen sind, um die richtigen
Schwerpunkte für die Maßnahmen zu setzen.
Die Potenziale wurden mit den ambitionierten Münsteraner CO 2-Minderungszielen ver-
glichen. Die Stadt Münster möchte bis zum Jahr 2020 40% seiner CO 2-Emissionen ge-
genüber 1990 einsparen. Dies entspricht, auf die neu berechneten Emissionen von
1990 bezogen, einem absoluten Wert von knapp 1 Mio. Tonnen CO 2. Bisher konnten
bereits etwas über 220.000 Tonnen eingespart werden, so dass für die verbleibenden
14 Jahre noch 785.000 Tonnen CO2 einzusparen wären (vgl. Tab. 5). Tab. 5: Kli-
maschutzziele in Münster (in 1000 Tonnen CO 2) (nach neuer Systematik)
Emissionen Differenz zu 40% Ziel Erreichte
Einsparungen in %
1990 2.516 1006 0%
2006 2.295 785 9%
2020 (mit 40% Ziel) 1.510 0 40%
Mit der Potenzialbetrachtung sollen Hinweise gegeben werden, inwiefern die ambitio-
nierten Ziele einer 40%igen CO2-Reduktion bis 2020 erreichbar sind14. Es ist wichtig zu
berücksichtigen, dass bei der Betrachtung der Potenziale in diesem Bericht zunächst
von einer Konstanz wichtiger Rahmenbedingungen ausgegangen wird. Es wird also
z.B. kein weiterer Zubau bei den Gebäuden und keine Veränderung bei der Einwoh-
nerzahl berücksichtigt. Die Potenziale beziehen sich ausschließlich auf den Bestand an
Gebäuden und Anlagen im Jahr 2006. Der Berechnung der verschiedenen Potenziale
liegen unterschiedliche Annahmen zu Grunde, die im folgenden Abschnitt erläutert
werden. Zudem werden gegenseitige Beeinflussungen zwischen Maßnahmen auf der
Versorgungs- und Endenergieeffizienzseite nicht separat auswiesen
15.
14 Dazu wurden in einem ersten Schritt die Einsparpotenziale in Münster je Anwendung und
Sektor unter Berücksichtigung technischer und wirtschaftlicher Kriterien berechnet.
Nicht alle Potenziale lassen sich zugleich umsetzen. Die meisten Minderungschancen
bieten sich z.B. beim Ersatz alter ineffizi enter Anlagen und Gebäudeteile durch hochef-
fiziente im Rahmen von Sanierungen oder Um bauten. Deshalb wurden die insgesamt
vorhandenen Potenziale schließlich auf bestimmte Zeiträume (zumeist Lebensdauern
oder Sanierungszyklen) verteilt und durchs chnittliche jährliche Minderungspotenziale
daraus ermittelt und auf das Zieljahr hochgerechnet.
15 Szenarienrechnungen, die Veränderungen der Rahmenbedingungen sowie die Interaktionen
zwischen Endenergieeinsparungen und Versorgungsmaßnahmen berücksichtigen
könnten, sind nicht Bestandteil dieser Studie.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 31 Klimaschutzkonzept Münster
Erläuterungen zu den Einsparpotenzialen
Um zu prüfen, ob für dieses Ziel auch die Einsparpotenziale in Münster vorhanden
sind, wurden die CO 2-Minderungspotenziale auf Basis der Endenergie in den Berei-
chen Energieeffizienz, Energieversorgung und Verkehr berechnet. Der Berechnung der
verschiedenen Potenziale liegen unterschiedliche Annahmen bei der Berechnung zu
Grunde. Folgendes ist bei der Betrachtung der Einsparpotenziale zu beachten.
- Die Effizienzpotenziale orientieren sich an Maßnahmen, die von den Verbrau-
chern durchgeführt werden. Die bei der Potenzialberechnung berücksichtigen
Potenziale sind für die Verbraucher bereits heute einerseits technisch durch-
führbar, andererseits sind sie unter Beachtung der energetischen Mehrkosten,
einer Umsetzung innerhalb der regulären Sanierungs- und Erneuerungszyklen
und im Rahmen eines moderaten Energiepreisanstiegs
16 wirtschaftlich loh-
nenswert. Bei der Potenzialberechnung wurde nur berücksichtigt, was inner-
halb der nächsten 14 Jahre auch wirtschaftlich zu erneuern oder zu sanieren
ist. Geht man beispielsweise bei der Außenwanddämmung von einem Sanie-
rungszyklus von 40 Jahren aus, dann werden im betrachteten Zeitraum nicht
einmal die Hälfte der bestehenden Gesamtpotenziale ausgeschöpft werden.
Bei Heizungstechnik wiederum, bei der ein Sanierungszyklus von 15 Jahren
angenommen wird, könnten im gleichen Zeitraum nahezu 100% der Potenziale
ausgeschöpft werden.
Die dargestellten Potenziale gehen davon aus, dass im Sanierungsfall oder bei
einem Geräteneukauf die technisch-wirtschaftlich beste Lösung genommen
wird. Trotz der Vorteile für den Verbraucher ist jedoch nicht garantiert, diese
Vorteile auch mit einer rationalen Entscheidungen genutzt werden. U.a. Infor-
mationsdefizite und Umsetzungsprobleme erfordern es, dass auf den verschie-
densten Ebenen Rahmenbedingungen für die Akteure geschaffen werden, dass
die Potenziale genutzt und die Hemmnisse abgebaut werden.
- Die betrachteten Potenziale auf Versorgungsseite können, im Gegensatz zu
den Effizienzpotenzialen, mit konkreten Maßnahmen für verschiedene Techno-
logien und Energieträgerwechseln verbunden werden. Unter Berücksichtigung
der Gegebenheiten in Münster, der technischen Machbarkeit und Wirtschaft-
lichkeitsaspekten wurden dazu konkrete Möglichkeiten in diesem Bereich für
die nächsten 14 Jahre und ihr dazugehöriges CO
2-Einsparpotenzial berechnet.
- Beim Sektor Verkehr werden, Einsparpotenziale anhand der Wirkung von Pa-
keten mehrerer Maßnahmen mit gemeinsamem Wirkungsansatz (z.B. Ver-
kehrsverlagerung) berechnet. Die Maßnahmen sind auf den ersten Blick, gera-
de für die Stadt, wirtschaftlich nicht unbedingt lohnenswert. Bei einer Kosten-
Nutzen Betrachtung ist es jedoch wichtig, nicht allein die Klimaschutzaspekte
16 Im Strombereich je nach Sektor z.B. zwischen 15 und 25 Cent / kWh, im Wärmebereich etwa
8 bis 12 Cent /kWh.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 32 Klimaschutzkonzept Münster
einzubeziehen, sondern weitere, positive Nebeneffekte zu berücksichtigen 17.
Maßnahmen im Bereich Verkehr sind deswegen oft Ergebnis einer Diskussion
verschiedenster Akteure vor Ort und können nicht anhand verschiedener
Techniken pauschal berechnet werden. Zudem finden sich bei den CO
2-
Einsparungen noch Effekte aufgrund von Maßnahmen auf Bundes-, Landes-
und EU-Ebene, die gesondert dargestellt werden sollten.
- Die dargestellten Potenziale im Energiebereich für Energieeffizienz und Ener-
gieversorgung sind nicht 1:1 aufaddierbar. Sowohl Potenziale im Bereich
Strom- und Wärmeeffizienz als auch bei der Energieversorgung wurden für die
Zusammenfassung auf Grundlage der Endenergiepotenziale gegen den spezi-
fischen Strom- und Wärmemix für Münster im Jahr 2006 gerechnet. Mit einer
Änderung der Energieversorgungsstruktur werden sich diese Faktoren jedoch
ändern. Es ist also davon auszugehen, dass die absoluten Gesamtpotenziale
unter den Werten einer Aufaddierung der beiden Potenziale liegen werden
18.
5.1 Zusammenfassung: Minderungspotenziale für Münster
Der blaue Balken auf der linken Seite in Abb. 12 zeigt noch einmal grafisch das ange-
sprochene Einsparziel von Münster von 2006 bis zum Jahr 2020 von 785.000 Tonnen.
Rechts davon sind die CO
2-Einsparpotenziale bis zum Jahr 2020 für Energieeffizienz,
Energieversorgung und den Sektor Verkehr aufgezeigt. Auf welche Technologien, E-
nergieträgerumstellungen, konkrete Maßnahmen und welche Sektoren sich diese Ein-
sparungen genau verteilen, wird im jeweiligen dazugehörigen folgenden Kapitel erläu-
tert.
Stromeffizienzmaßnahmen haben mit knapp 255.000 Tonnen gegenüber 185.000
Tonnen im Bereich Wärme ein wenig höhere Anteile an diesen Einsparungen. Im
Wärmebereich gibt es jedoch wesentlich längere Sanierungs- und Austauschzyklen als
im Strombereich. Im betrachteten Zeitraum wird angesetzt, dass nicht einmal 50% der
Gesamtpotenziale im Wärmebereich ausgeschöpft werden. Die Potenziale im Effi-
zienzbereich zeigen, dass die Verbesserung der Rahmenbedingungen und der Abbau
von Hemmnissen für die Verbraucher bei der Umsetzung von Effizienzmaßnahmen
aus Klimaschutzsicht durchaus lohnenswert ist.
Bei der Energieversorgung muss neben dem Ausbau von Fern- und Nahwärme (knapp
45.000 Tonnen CO
2 Ersparnis), auch Wert auf den weiteren Ausbau Erneuerbarer E-
nergien gelegt werden. Mit den Annahmen für verschiedene Technologien und Ener-
gieträger könnten dadurch knapp 80.000 Tonnen CO
2 gegenüber 2006 eingespart
werden.
17 Z.B. Verkehrssicherheit, Aufenthaltsqualität, Lärmschutz oder Luftqualität.
18 Eine Verknüpfung der Effizienz- und Versorgungspotenziale wäre in CO 2-
Entwicklungsszenarien möglich, die in diesem Konzept nicht berechnet wurden.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 33 Klimaschutzkonzept Münster
Abb. 12: CO 2-Ziele und Minderungspotenziale für verschiedene Handlungsbereiche für
Münster bis 2020
CO2-Einsparziel und Einsparpotenziale in verschiedenen
Bereichen in Münster bis 2020
0
100.000
200.000
300.000
400.000
500.000
600.000
700.000
800.000
900.000
1.000.000
CO2-Emissionsziel 2006-
2020 (bezogen auf -40%
gegenüber 1990)
Einsparpotenziale
Effizienz
Einsparpotenziale
Energieversorgung
Klimaschutzmöglichkeiten
Verkehr
Von
Maßnahmenintensität
Verkehr abhängig
Technische Potenziale
(Bundesweit)
Erneuerbare Energien
Ausbau KWK
Stromeinsparpotenzial
Wärmeeinsparpotenzial
Einsparziel
Tonnen CO2
440.000
785.000
Ca.
95.000125.000
IFEU/GERTEC 2009
Der Bereich Verkehr besitzt ein ähnlich hohes CO 2-Minderungspotenzial wie die Ände-
rungen in der Energieversorgung. Mit ca. 60% bzw. 54.000 Tonnen CO 2 ist jedoch ein
Großteil davon auf absehbare bundesweite Effizienzentwicklungen zurückzuführen.
Dazu zählen u.a. effizientere Fahrzeugmodelle. Anhand einer Abschätzung könnten
durch mögliche Münsteraner Maßnahmen im Bereich Verkehr grundsätzlich noch ein-
mal 40.000 Tonnen CO
2 eingespart werden. Dies hängt jedoch in hohem Maße von der
Umsetzungsintensität der Maßnahmen ab.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass in Münster hohe CO 2-Minderungspotenziale
zu finden sind. Um das Münsteraner Ziel von 40% weniger CO 2-Emissonen gegenüber
1990 zu erreichen, müssen jedoch Anstrengungen unternommen werden, die über die
hier dargestellten technisch-wirtschaftlichen Potenziale hinaus gehen (vgl. hierzu Kapi-
tel 8 („AkteurePlus“). Zudem wird angenommen, dass Potenziale im Wärmebereich
aufgrund der langen Sanierungszyklen im betrachteten Zeitraum nur zum Teil ausge-
schöpft werden. Aufgrund der bestehenden Hemmnisse in allen Sektoren bedarf es
jedoch erheblich verbesserter Rahmenbedingungen auf allen Ebenen als sie heute vor-
liegen, um diese Potenziale auch tatsächlich auszuschöpfen.
In den folgenden Abschnitten werden weitere Details zu den Minderungspotenzialen in
den verschiedenen Sektoren vorgestellt.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 34 Klimaschutzkonzept Münster
5.2 Minderungspotenziale dur ch eine Verringerung des
Endenergieverbrauchs in den verschiedenen
Verbrauchssektoren
Im Folgenden werden die ermittelten Effizienzpotenziale nach Sektoren und für ver-
schiedene Anwendungsarten dargestellt. Alle Ergebnisse beruhen auf der Annahme,
dass innerhalb der Sanierungs- und Erneuerungszyklen die effizienteste Technik ge-
nutzt wird.
Die Effizienzpotenziale belaufen sich dadurch bis zum Jahr 2020 auf etwa 440.000
Tonnen CO
2 pro Jahr. Die größten Potenziale finden sich im Sektor Haushalte für
Wärme, wie die Abb. 13 zeigt. Ebenfalls hohes Potenzial haben sowohl Stromanwen-
dungen im Sektor Private Haushalte als auch im Sektor Gewerbe und Sonstiges
(GHD). Bei Wärmeanwendungen im Gewerbe u. Sonstige sowie bei Strom und Wär-
meanwendungen im Sektor Industrie konnten dagegen vergleichsweise kleinere Ein-
sparpotenziale identifiziert werden.
Abb. 13: CO 2-Emissionsminderungspotenziale für verschiedene Sektoren und Anwen-
dungsarten (die Prozentwerte rechts entsprechen den Reduktionsanteilen inner-
halb der betrachteten Bereiche und Sektoren)
Emissionsminderungspotenziale in Münster für verschiedene
Sektoren und Anwendungen (2020)
0 20.000 40.000 60.000 80.000 100.000 120.000 140.000
Industrie Wärme
Industrie Strom
GHD Wärme
GHD Strom
Haushalte Wärme
Haushalte Strom
Tonnen CO2/Jahr IFEU/Gertec 2009
-42%
-14%
-27%
-26%
-16%
-19%
Private Haushalte
Der Stromverbrauch bzw. die CO2-Emissionen der Privaten Haushalte (inkl. Heizstrom)
im Jahr 2006 von 465 GWh oder ca. 280.000 Tonnen CO 2 könnten in den nächsten 14
Jahren um 42%, das sind 3,0% pro Jahr, verringert werden. Im Anhang (vgl. Abb. 25)
sind die Strom-Effizienzpotenziale der Privaten Haushalte nach Anwendungsarten auf
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 35 Klimaschutzkonzept Münster
Endenergiebasis dargestellt, die im Laufe der nächsten 14 Jahre wirtschaftlich umge-
setzt werden könnten. Von den 42% Einsparungsmöglichkeiten finden sich die größten
Potenziale dabei im Bereich Kälte (11%), Raumwärme und Warmwasser sowie von In-
formations- und Kommunikationstechnik (6 bis 8%). Beleuchtung, Kraftanwendungen
sowie Prozesswärme weisen im Vergleich dazu nur geringe Einsparpotenziale auf.
Alle übrigen Energieträger außer Strom werden hier als Wärmeanwendung bezeichnet.
Der Endenergieverbrauch beträgt hier bei den Privaten Haushalten im Jahr 2006 etwa
1.809 GWh, der CO 2-Ausstoß beträgt ca. 480.000 Tonnen. Ohne Zubau bzw. zusätzli-
che Anwendungen könnte beides in 14 Jahren um 26% verringert werden Im Anhang
sind die Effizienzpotenziale im Wärmebereich der Privaten Haushalte dargestellt (vgl.
Abb. 25), die im Laufe der nächsten 14 Jahre wirtschaftlich umgesetzt werden könnten.
Demnach lassen sich Einsparungen vor allem durch eine verbesserte Dämmung der
Gebäudehülle
19 (15%) und eine Sanierung der Warmwasserbereitungssysteme (8%)
erreichen. Effiziente Heizsysteme mittels Brennwerttechnik besitzen Einsparpotenziale
von 3% (vgl. Abb. 25).
Weitere CO
2-Minderungspotenziale im Sektor Private Haushalte können noch durch
Substitution von Energieträgern erreicht werden (vgl. Kap. 5.3).
Gewerbe und Sonstiges
Der Stromverbrauch bzw. die durch ihn verursachten CO 2-Emissionen des Gewerbes
liegen im Jahr 2006 bei 753 GWh oder ca. 452.000 Tonnen CO 2. In den nächsten 14
Jahren könnten beide um 27%, das sind 1,9%-Punkte pro Jahr, verringert werden. Im
Anhang (vgl. Abb. 26) sind die Strom-Effizienzpotenziale des Gewerbes dargestellt, die
im Laufe der nächsten 14 Jahre wirtschaftlich umgesetzt werden könnten. Von den
27% Gesamtpotenzial liegen hier die größten Potenziale bei der Beleuchtung (12%)
und der Informations- und Kommunikationstechnik (8%). Kraft und Kälteanwendungen
(4% bzw. 3%) haben ebenfalls noch größere Einsparpotenziale, während Raum- und
Prozesswärme nur geringe Potenziale aufweisen.
Der Endenergieverbrauch für alle übrigen Energieträger außer Strom (Wärmeanwen-
dung) beträgt im Gewerbe 1.513 GWh im Jahr 2006, der CO
2-Ausstoß ca. 322.000
Tonnen. Ohne Zubau bzw. zusätzliche Anwendungen könnte beides in 14 Jahren um
14%, das sind 1% pro Jahr, verringert werden. Ein Großteil dieser Einsparungen findet
sich dabei im Bereich Raumwärme- und Warmwasser (12%). Die Potenziale bei Kraft-
anwendungen und thermischen Prozessen haben im GHD-Sektor nur geringe Anteile
(2%).
Weitere CO
2-Minderungspotenziale im Sektor Gewerbe können noch durch Substituti-
on von Energieträgern erreicht werden.
19 Das Gesamtpotenzial für die Gebäudehülle ist über einen gesamten Sanierungszyklus, bei-
spielsweise von 40 Jahre bei der Außenwa nddämmung, betrachtet absolut am höchs-
ten. In 14 Jahren kann jedoch nicht einmal di e Hälfte dieses Potentials wirtschaftlich
umgesetzt werden.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 36 Klimaschutzkonzept Münster
Industrie
Die Ermittlung der Einsparpotenziale im Strom- und Wärmebereich erfolgt an Hand
bundesweiter Potenzialstudien und eigener Abschätzungen auf Basis der Kennung
nach Wirtschaftzweigen der Stadt Münster.
Grundsätzlich ist die Potenzialabschätzung im Sektor Industrie mit großen Unsicherhei-
ten behaftet. Eine genaue Analyse kann nur durch ausführliche Begehung der größten
Betriebe und umfangreiche Erhebungen erfolgen. Zudem beeinflussen die konjunktur-
und strukturbedingten Entwicklungen den Energieverbrauch erheblich.
Der Stromverbrauch bzw. die dadurch verursachten CO
2-Emissionen der Industrie lie-
gen im Jahr 2006 bei 213 GWh oder 128.000 Tonnen CO 2. In den nächsten 14 Jahren
könnten beide um 19%, das sind 1,4%-Punkte pro Jahr, verringert werden. Der
Schwerpunkt der Potenziale findet sich hier in strombasierten Kraftanwendungen
(13%). Stromeinsparungen bei Prozesswärme, Kälte, Wärme, Beleuchtung und Infor-
mations- und Kommunikationstechnologie haben in Münster nur eine geringes Ein-
sparpotenzial.
Der Wärmeabsatz (alle Energieträger außer Strom) liegt im Jahr 2006 bei 329 GWh,
die dadurch verursachten CO
2-Emissionen bei 91.000 Tonnen. Ohne Produktionszu-
wachs könnte beides in 14 Jahren um 16%, das sind 1,1%-Punkte pro Jahr, verringert
werden. Die größten Potenziale liegen hier im Bereich der Prozesswärme mit etwa
10%. Wärme zur Raumwärmebenutzung und Prozesssubstitutionen haben nur geringe
Potenziale.
Weitere CO
2-Minderungspotenziale im Sektor Industrie können noch durch Substitution
von Energieträgern erreicht werden.
5.3 Minderungspotenziale in der Energieversorgung
In Abb. 14 werden die Ergebnisse der Potenzialberechnungen für den Bereich Versor-
gung bis zum Jahr 2020 dargestellt. Insgesamt könnten in etwa 120.000 Tonnen pro
Jahr durch die identifizierten Potenziale eingespart werden. Die größten Potenziale lie-
gen im Ausbau der Fernwärme. Daneben haben der verstärkte Ausbau an Fotovoltaik-
flächen und Biogasanlagen in den nächsten Jahren hohe Potenziale. Eine Steigerung
der Flächen zur thermischen Sonnennutzung und der KWK-Ausbau des Heizkraftwerks
der Universität bieten ebenfalls noch größeres CO
2-Einsparpotenzial. Maßnahmen zur
Grünschnittvergärung, Repowering von Windenergieanlagen und die Nutzung von
Klein BHKW haben dahingegen vergleichsweise geringe Auswirkungen auf die CO
2-
Emissionsreduktion in Münster.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 37 Klimaschutzkonzept Münster
Abb. 14: Emissionsminderungspotenzial e für den Bereich Energieversorgung
Emissionsminderungspotenziale in Münster für den Bereich
Versorgung (2020)
0 5.000 10.000 15.000 20.000 25.000 30.000 35.000
Ausbau Fernwärme
KWK Ausbau Heizkraftwerk Uni
Ausbau Biogas
Grünschnittvergärung
Klein BHKW
Solarthermie
Fotovoltaik
Wind-Repowering
Tonnen CO2/Jahr IFEU/Gertec 2009
Ausbau Fernwärme
Im Zeitraum 1990 bis 2005 hatte Erdgas die höchsten Zuwachsraten im Wärmemarkt
aufzuweisen. Der Fernwärmeabsatz stagnierte in dieser Zeit eher und konnte keine
vergleichbaren Steigerungsraten erzielen.
Für den Zeitraum bis 2020 wird angenommen, auch bei forciertem Fernwärmeausbau
unter Berücksichtigung der Sanierungszyklen von Heizungsanlagen, dass ähnliche
Umstellraten wie bei Gas erzielt werden könnten. Dies entspräche einem jährlichen
Zuwachs in Höhe von ca. 2% oder einer Absatzsteigerung von 160.000 MWh/a bis
2020. Damit verbunden wäre ein Einsparpotenzial von ca. 30.000 Tonnen CO
2 pro
Jahr.
KWK-Ausbau Heizkraftwerk Uni
Das HKW der Uni ist in der Stromerzeugung bisher begrenzt auf eine elektrische Leis-
tung von 2 MW. Die Dampferzeugung hat nur noch geringe zusätzliche Potenziale, hier
ist davon auszugehen, dass die beiden Dampfturbinen bereits gut an die Bedarfsver-
hältnisse angepasst sind.
Die Verbrennung von Erdgas und Heizöl zur Dampferzeugung beinhaltet dagegen ein
hohes zusätzliches Potenzial zur Stromerzeugung.
Es wird zur Bestimmung des Einsparpotenzials unterstellt, dass etwas mehr als die
Hälfte der Hochdruck-Dampferzeugung von derzeit 130 bis 140 GWh/a mit vorgeschal-
teter Gasturbine erfolgen kann. Zu diesem Zweck wird eine Gasturbine von 10 MW
el
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 38 Klimaschutzkonzept Münster
vorgesehen. Die jährlichen CO 2-Emissionen könnten sich durch diese Maßnahme um
13.000 Tonnen pro Jahr reduzieren lassen.
Ausbau landwirtschaftlicher Biogasnutzung
Seit 2006, dem aktuellen Bilanzjahr, sind zum Anlagenbestand noch einige Hofanlagen
hinzugekommen. Seit Änderung des Erneuerbaren Energien Gesetzes (EEG) mit Ein-
führung des Güllebonus sind die Hofanlagen gegenüber früher begünstigt. Trotz Gülle-
verwendung stammt der überwiegende Teil des Biogases aber aus Pflanzen, die zum
Zweck der Biogaserzeugung angebaut werden. Die Flächenkonkurrenz zwischen E-
nergiepflanzen und Nahrungsmitteln begrenzt den weiteren Ausbau von Biogasanla-
gen.
Es wird angenommen, dass die Potenzial-Obergrenze für Münster bei ca. 4 MW
el an-
gesetzt werden kann. Dafür bräuchte man bei üblichen Erträgen schon ca. 15% der
Acker- und Grünlandflächen in Münster. Im Bezugsjahr 2006 waren 3 Anlagen mit zu-
sammen 780 kW installiert
20. Bis Mitte 2009 war die Zahl der Anlagen auf 5 und ihre
elektrische Leistung auf 1.475 kW angestiegen. Bei Realisierung der 4 MW und einer
Steigerung der Wärmenutzung durch Satelliten-BHKW am Verbrauchsort ergäbe sich
eine CO
2-Einsparung von 24.000 Tonnen.
Grünschnittvergärung
Während Bioabfall aus der Biotonne schon in Coerde im Entsorgungszentrum Müns-
ter21 nassvergoren wird, gibt es für den Grünschnitt der Abfallwirtschaft noch keine e-
nergetische Verwertung. Die Größenordnung von 22.400 t/a ermöglicht unter Umstän-
den den wirtschaftlichen Betrieb einer Vergärungsstufe vor der Kompostierung der Ab-
fälle. Die volle Verwendung der 22.400 t/a für energetische Verwertung ist voraussicht-
lich nicht möglich, es wird angenommen, dass nur 75% genutzt werden können. Zur
Erzielung einer ausreichenden Gasmenge für die wirtschaftliche Aufbereitung und Ein-
speisung in Erdgasnetz ist die Ergänzung um weitere unbelastete Substrate nötig. Die
CO
2-Minderung wird deswegen mit etwa 6.000 Tonnen CO2/Jahr abgeschätzt.
Ausbau dezentrale Klein-BHKW
Der Ausbau dezentraler Klein-BHKW-Anlagen ist prinzipiell in allen gasversorgten Ge-
bäuden möglich, die aufgrund ihrer Größe und Nutzungscharakteristik einen ausrei-
chenden Grundlastbedarf für Wärme aufweisen. Bei entsprechender Größe ist auch
ein fehlender Warmwasserbedarf kein Hinderungsgrund, da auch bei fehlenden vier
Sommermonaten deutlich über 5.000 Stunden Laufzeit erzielt werden könnten.
Nach der Novellierung des Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetztes (KWKG) ist jetzt auch
der Stromeigenverbrauch und nicht nur die Einspeisung zuschlagsberechtigt, so dass
die Wirtschaftlichkeit besser geworden ist.
20 Intern geführte Anlagenliste der Stadt Münster, Umweltamt, Bearbeitung Frau Karner
21 getrennt vom Klärschlamm, keine Beeinträchtigung der Kompostqualität durch Klärschlamm
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 39 Klimaschutzkonzept Münster
Im Jahr 2006 gab es in Betreiberschaft der Stadtwerke Münster 11 kleine BHKW-
Anlagen mit einer Stromerzeugung von 770 MWh/a.
Es wird angenommen, dass über einen Zeitraum von 10 Jahren jährlich 3 Anlagen neu
errichtet werden könnten. Als Größenordnung wird 50 kW el angesetzt, was mit einem
CO2-Einsparpotenzial von 2.000 Tonnen pro Jahr verbunden wäre.
Solarthermie
Das solarthermische Potenzial könnte theoretisch abgeleitet werden aus den in Müns-
ter verfügbaren Dachflächen mit geeigneter Ausrichtung und weiteren Annahmen zur
Eignung.
Eine Orientierung über das wirtschaftliche Potenzial ist eher abzuleiten aus dem Ver-
gleich mit anderen Großstädten, die bereits überdurchschnittlich hohe Kollektorflächen
realisiert haben. Als Vergleichsmaßstab stehen die Zahlen der „Solarbundesliga“ zur
Verfügung.
Münster liegt bei den Großstädten in der Bewertung von Solarthermie und PV auf Platz
8 in Deutschland. Der spezifische Wert für die Kollektorfläche liegt für Münster bei
0,061 m²/Einwohner. Der 2009 realisierte Mittelwert der besten 5 bezogen auf So-
larthermie liegt bei 0,084 m²/EW.
Dieser Wert wird als technisch-wirtschaftliches Potenzial für 2009 zugrunde gelegt.
Münster hat 73% dieses Wertes schon erreicht. Zur Fortschreibung dieses Wertes bis
2020 liegt keine Prognose des BMU vor. Der Zielwert für 2020 wird über eine Trendext-
rapolation errechnet. Die bundesweite jährliche Steigerungsrate des Zeitraums 2000
bis 2008
22 lag bei 18,5%/a. Bei Übertragung dieser Rate auf den 2009er Zielwert von
0,084 würde sich in der Fortschreibung auf 2020 ein Wert von 0,543 m²/EW bzw. ein
CO2 Einsparpotenzial von 17.000 Tonnen pro Jahr ergeben.
Fotovoltaik
Im Bereich der Fotovoltaik wird eine ähnliche Methodik zur Potenzialermittlung ange-
wandt, indem auch hier die Bestwerte der Solarbundesliga herangezogen werden.
Der spezifische Wert für die installiert PV-Anlagenleistung liegt für Münster bei
28,1 Watt/Einwohner. Der 2009 realisierte Mittelwert der besten 5 bezogen auf PV liegt
bei 60,4 Watt/Einwohner.
Dieser Wert wird als technisch-wirtschaftliches Potenzial für 2009 zugrunde gelegt.
Münster hat 47% dieses Wertes schon erreicht. Die Fortschreibung des Zielwertes von
60,4 W/EW bis 2020 erfolgt unter Bezugnahme auf die Prognose des BMU
23. Der Ziel-
22 Bundesverband Solarwirtschaft e.V. (Mai 20 09): Statistische Zahlen der deutschen Solar-
wärmebranche (Solarthermie), Faktenblatt_ST_Mai09.pdf (Zugriff 10.08.2009)
23 BMU: Leitstudie 2008
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 40 Klimaschutzkonzept Münster
wert für 2020 könnte demnach in der Fortschreibung bei 188,2 m²/EW liegen, was ei-
ner CO2-Einsparung von 24.000 Tonnen pro Jahr entspricht.
Windenergieausbau
Die Windenergieanlagen in Münster sind unter dem Aspekt von Baualter und Leis-
tungsklasse zumindest teilweise für ein Repowering geeignet. Mehrere kleine Anlagen
würden durch weniger Anlagen mit größerer Leistung und höherem Ertrag ersetzt wer-
den. Dies betrifft insbesondere die Anlagen der 600 kW-Klasse. Der Ertrag dieses An-
lagensegmentes könnte nach Repowering so von 3,1 GWh/a auf 9,6 GWh/a erhöht
werden. Verbunden wäre damit eine zusätzliche CO
2-Einsparung von ca. 5.000 t/a.
Die Abgrenzung der Konzentrationszonen für Windenergieanlagen im Flächennut-
zungsplan (FNP) basiert auf einer Untersuchung aus dem Jahr 1997. Seitdem haben
sich relevante Veränderungen bei den bevorzugten Anlagentypen sowie bei den wirt-
schaftlichen und auch rechtlichen Rahmenbedingungen ergeben. Vor diesem Hinter-
grund ist eine Aktualisierung der alten Untersuchung sinnvoll. Die Abschätzung der
Einsparpotentiale kann die Ergebnisse dieser Untersuchung nicht vorwegnehmen –
falls neue Vorrangflächen in den FNP aufgenommen werden sollten, könnten nach ers-
ter Einschätzung zusätzlich bis zu 15 GWh/a Windstrom erzeugt werden. Das entspre-
chende CO
2-Einsparpotenzial könnte dann bis zu 12.000 t/a betragen. Dieses Potenzi-
al wird von uns aufgrund der bestehenden Unsicherheiten aber noch nicht weiter in die
aufsummierten Potenziale aufgenommen.
5.4 Energie-/CO 2-Minderungspotenziale im Verkehr
Im Bereich Verkehr sind die auf kommunaler Ebene erreichbaren Emissionseinsparun-
gen nicht mit der Umsetzung von technisch-wirtschaftlichen Potenzialen verknüpft, da
die Rahmenbedingungen der technischen Entwicklung im Verkehr v.a. durch die EU so-
wie auf Bundes- und Landesebene vorgegeben wird. Einsparpotenziale auf kommunaler
Ebene ergeben sich in erster Linie durch eine Beeinflussung des Verhaltens der Ver-
kehrsteilnehmer. Die erreichbaren Verhaltensänderungen hängen stark davon ab, wie
hoch die generelle Wirksamkeit der Maßnahmen ist (alleinige Information wirkt schwä-
cher als Angebotsverbesserungen) und v.a. wie intensiv die Umsetzung von Maßnah-
men vorangetrieben wird. Zur Veranschaulichung von grundsätzlich vorhandenen Poten-
zialen im Verkehr wird in Münster dargestellt, wie hoch die Emissionsminderungen ge-
genüber dem normalen Trend durch verschiedene Maßnahmenwirkungen sind, wenn ei-
ne bestimmte Maßnahmenwirkung (5% und 10% der jeweiligen Zielgruppe ändern ihr
Verhalten) erzielt wird.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 41 Klimaschutzkonzept Münster
Einfluss der übergeordneten technischen Entwicklung auf den Emissionstrend
Die Rahmenbedingungen der technischen Entwicklung sind im Verkehr v.a. durch die
EU (z.B. CO2-Grenzwerte Kfz, Erneuerbare-Energien-Richtlinie) sowie auf Bundes- und
Landesebene (z.B. CO2-abhängige Kfz-Steuer) gelegt. In den kommenden Jahren wer-
den die spezifischen Energieverbräuche de r Verkehrsmittel und damit die spezifischen
CO2-Emissionen weiter abnehmen. Unter der Annahme, dass Verkehrsmenge und Mo-
dal-Split im Binnen- und im Regionalverkehr in Münster sich bis zum Jahr 2020 nicht än-
dern, sondern auf gleichem Niveau wie 2005 sind, werden die verkehrlichen CO 2-
Emissionen in Münster infolge der übergeordneten technischen Entwicklung im Trend
2020 um 54.000 Tonnen (10%) niedriger sein als 2005. Wenn der Verkehr in Münster
zukünftig weiter ansteigt, werden zukünftige Emissionsrückgänge im Trend jedoch deut-
lich geringer ausfallen.
Vermeidung und Verlagerung von MIV
Den größten Anteil an den Treibhausgasemissionen hat der motorisierte Individualver-
kehr (MIV). Deshalb haben Maßnahmen zur MIV-Vermeidung bzw. zur Verlagerung
auf emissionsärmere und emissionsfreie Verkehrsmittel des Umweltverbunds ein gro-
ßes Minderungspotenzial. Durch Verlagerung vom Pkw auf öffentliche Verkehrsmittel
(Bus, Bahn) werden die Treibhausgasemissionen pro Fahrt um 40-70% reduziert. Beim
Rad- und Fußverkehr werden die Emissionen komplett vermieden.
Mit einer Verlagerung von 10% der MIV-Verkehrsleistung im Binnenverkehr auf den
Umweltverbund (Bus, Bahn, Rad-, Fußwege) könnten in Münster 5.600 Tonnen (Ver-
lagerung auf ÖPNV) bis 8.300 Tonnen CO
2 (Verlagerung auf nichtmotorisierten Ver-
kehr) vermieden werden. Im Regionalverkehr würde die Verlagerung von 10% des MIV
auf die öffentlichen Verkehrsmittel ca. 5.100 Tonnen CO
2 einsparen (allerdings müsste
dafür der öffentliche Regionalverkehr um 50% ansteigen).
MIV-Fahrten können auch durch eine Erhöhung der Fahrzeugauslastung vermieden
werden, z.B. durch Bildung von Fahrgemeinschaften. Eine Erhöhung des mittleren Be-
setzungsgrades von 1,31 auf 1,44 Personen würde die Fahrleistung im Binnen- und
Regionalverkehr um jeweils 10% senken. Dieser Fahrleistungswegfall würde insge-
samt über 20.000 Tonnen CO
2 (ca. 8.300 Tonnen im Binnenverkehr, 12.200 Tonnen im
Regionalverkehr) einsparen. Die gleichen Minderungen werden bei einem gänzlichen
Verzicht auf bestimmte Wege mit dem Pkw erreicht (z.B. Einkauf im Stadtviertel statt
auf der grünen Wiese).
Steigerung der Energieeffizienz im Straßenverkehr
Der motorisierte Straßenverkehr wird auch bei einer erfolgreichen Verlagerung von
Fahrten auf Rad und öffentlichen Verkehr weiterhin einen hohen Anteil an dem Verkehr
im Stadtgebiet haben. Deshalb ist es notwendig, den verbleibenden MIV möglichst e-
nergieeffizient zu gestalten. Die Stadt kann in begrenztem Umfang eine zusätzliche
Steigerung der Energieeffizienz im Verkehr erreichen, indem ein möglichst energieeffi-
zientes Verhalten der Verkehrsteilnehmer gefördert wird.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 42 Klimaschutzkonzept Münster
Im Pkw-Verkehr sind Verbrauchseinsparungen möglich durch eine verkehrsangepass-
te, kraftstoffsparende Fahrweise sowie durch eine optimierte Fahrzeugausrüstung
(Leichtlaufreifen, -öle) und -wartung (z.B. Reifendruckkontrolle). Durch eine zusätzliche
Optimierung von 10% aller Pkw-Fahrten im Binnen- und Regionalverkehr würden die
Emissionen des Verkehrs um 2.800 Tonnen verringert. Maßnahmen zur Verbrauchsop-
timierung sind v.a. für Vielfahrer interessant, die überproportional zu den Fahrleistun-
gen beitragen. Entsprechend muss zur Optimierung von 10% der Fahrleistung ein ge-
ringerer Anteil der Pkw-Fahrer durch entsprechende Maßnahmen erreicht werden.
Auch beim Neuwagenkauf können durch Wahl eines sparsameren Pkw-Modells größe-
re Verbrauchseinsparungen erreicht werden. Innerhalb der gleichen Fahrzeugklasse
sind im Mittel über 15% Verbrauchseinsparung möglich. Weitere 10% Verbrauchs-
einsparung sind prinzipiell durch Kauf eines kleineren Pkw erreichbar. Mit einer Opti-
mierung von 10% der bis zum Jahr 2020 von Münsteranern neu gekauften Pkw und ei-
ner spezifischen Verbrauchseinsparung von 15% gegenüber dem Trend würden die
Treibhausgasemissionen im Verkehr um 1.000 Tonnen reduziert. Weitere 1.400 Ton-
nen Einsparung sind möglich, wenn auch Pendler aus dem Umland erreicht werden
(z.B. über Informationsmaßnahmen mit und in den Unternehmen).
Der Straßengüterverkehr wird aus Wirtschaftlichkeitsgründen häufig ohnehin schon
durch die Unternehmen möglichst effizient gestaltet. Mit Verbrauchsoptimierungen über
verbrauchsoptimierte Kfz-Ausrüstung sowie über eine Ausweitung der Fahrerschulun-
gen wäre bei Erfassung von 10% der Zielgruppe dennoch eine Emissionsreduktion im
Straßengüterverkehr in Münster um ca. 1.000 Tonnen CO
2 möglich.
Abb. 15: Grundsätzliche Emissionsminderungsp otenziale in Münster im Bereich Verkehr bis
2020 in Abhängigkeit von der Wirksamkeit kommunaler Maßnahmen
0 2.000 4.000 6.000 8.000 10.000 12.000 14.000
Fahrleistungswegfall
Verlagerung auf Rad/Fuß
Verlagerung auf Bus
Effizientere Pkw-Nutzung
Kauf sparsamerer Pkw
Fahrleistungswegfall
Verlagerung auf Bus & Bahn
Effizientere Pkw-Nutzung
Kauf sparsamerer Pkw
Verbrauchsoptimierung
Bin
nen
verk
ehr
Reg
iona
lver
kehr
Güt
erve
rkeh
r
Tonnen / Jahr
10% optimiert
5% optimiert
IFEU 2009
Emissionsminderungspotenziale in Münster im Bereich Verkehr bis 2020
in Abhängigkeit von der Wirksamkeit kommunaler Maßnahmen
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 43 Klimaschutzkonzept Münster
6 Klimaschutzpolitik in Mü nster: Maßnahmenrückblick
Um einen Überblick über die wesentlichen Klimaschutzaktivitäten in Münster zu be-
kommen, analysierten die Gutachter Berichte und Unterlagen der letzten Jahre. Zudem
wurden die Interviews und Workshops zur Analyse genutzt. Ein vollständiger Überblick
über die Klimaschutzaktivitäten in Münste r ist aufgrund der großen Vielfalt kaum mög-
lich. Die folgenden Seiten sollen einen knappen Eindruck verschaffen, was aus Per-
spektive des Klimaschutzes als Wesentlich gelten kann, und welche Ansatzpunkte sich
für die Weiterentwicklung der kommunalen Klimaschutzpolitik daraus ergeben. Diese
werden dann im sich anschließenden Kapitel „Maßnahmenempfehlungen“ ausgeführt.
6.1 Übergreifende Aktivitäten
Münster ließ eines der ersten kommunalen Klimaschutzkonzepte einer Großstadt in
Deutschland durch den „Beirat für Klima und Energie“ erarbeiten (1995) und legte da-
mit die Grundlage für die Klimaschutzpolitik der Stadt der ersten Jahre. Ein deutliches
Signal wurde mit der Schaffung der Koordinierungsstelle für Klima und Energie („Klen-
ko“) in der Verwaltung im Jahr 1995 gesetzt, durch die viele der im folgenden aufge-
zählten Aktivitäten erst möglich wurden.
Neben dem Aufbau themen- und sektorspezifischer Netzwerke mit vielen Beteiligten,
der Entwicklung und Umsetzung von Projekten und Maßnahmen stellen Öffentlich-
keitsarbeit und Beratung wichtige zentrale Aufgaben dar. Die Stadt kooperiert dazu
z.B. mit der Verbraucherzentrale zur Finanzierung des Energieberatungsangebots.
Auch die Stadtwerke bieten Energieberatungen für verschiedene Zielgruppen an. Zu-
dem gab es zahlreiche Kampagnen mit ver schiedenen Schwerpunkten, seit dem Jahr
2007 unter dem Titel „Klima sucht Schutz in Münster auch bei Dir!"
Neue Dienstleistungen für Energieverbraucher sind entstanden. Zum Beispiel bieten
die Stadtwerke Münster Energiecontrolling für Gewerbekunden oder ein Wärme-
contracting namens „Thermokonzept“ an.
Zudem arbeiten städtische Akteure in vielen Zusammenhängen mit kompetenten Part-
nern außerhalb Münsters zusammen, vom Klimabündnis der Städte über die Energie-
agentur NRW, AG Fahrradfreundliche Städte NRW bis hin zum Deutschen Städtetag,
um nur einige zu nennen.
Eine Klimaschutzberichterstattung mit Energie- und CO
2-Bilanzen sowie die Mitwirkung
beim European-Energy-Award („EEA“) seit 2004 zeigen, dass auch das Controlling des
Erreichten ernst genommen und für die weitere (politische) Steuerung eingesetzt wird.
Klimaschutz hat damit einen festen Platz in der Kommunalpolitik, aber auch bei vielen
anderen Münsteraner Akteuren erhalten. Die übergreifenden und koordinierenden Akti-
viäten als Basis beizubehalten und sogar noch auszubauen, ist deshalb eine der wich-
tigsten Empfehlungen. Dabei sollten noch mehr Münsteraner angesprochen eingebun-
den werden, als das bisher möglich war. Ähnlich wie beim Bürgerpakt lassen sich viel-
leicht auch verstärkt Münsteraner Institutionen zu Selbstverpflichtungen gewinnen, um
Klimaschutz noch mehr in die Breite zu bringen. Zudem zeigen die Analysen, wie das
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 44 Klimaschutzkonzept Münster
Wachstum und die konkrete Weiterentwicklung der Stadt wichtige Einflussfaktoren
auch für das Erreichen der ambitionierten Klim aschutzziele darstellen. Deshalb sollten
alle Politikfelder hier noch systematischer einer „Klimaschutzprüfung“ unterzogen wer-
den als bisher.
6.2 Bauen und Wohnen
Das Themenfeld „Bauen und Wohnen“ wurde auf Empfehlung des Klimaschutzbeirats
in Münster schnell als ein Schlüsselthema des Klimaschutzes aufgegriffen. Schon seit
1996 gibt es das Förderprogramm Energieeinsparung und Altbausanierung, das seit-
dem die energetisch optimierte Sanierung von Gebäuden mit bislang 5,7 Millionen Eu-
ro unterstützt hat. Allein im Jahr 2009 stehen dafür 500.000 Euro zur Verfügung, als
ein Baustein zur Unterstützung der Konjunktur. Den Energieausweis für Gebäude gibt
es in Münster seit 1996. Zahlreiche Demonstrationsprojekte veranschaulichen den Ak-
teuren die Ziele und eine Qualitätssicherung im Neubaubereich wird unterstützt.
Zudem hat die Stadt früh anspruchsvolle energetische Standards gesetzt bei der
Bau(leit)planung: Niedrigenergiehausstandards, die besser und wirtschaftlicher sind als
die gesetzlichen Mindestvorgaben, werden beim Bau eigener Gebäude sowie beim
Verkauf städtischer Grundstücke seit 1997 berücksichtigt.
Da zur Erreichung dieser Standards bei den Marktakteuren noch Informationen fehlten,
ist u.a. das Kundenzentrum Planen-Bauen-Umwelt der Stadtverwaltung eingerichtet
und das Netzwerk „AltbauPartner Handwerk“ mit der Kreishandwerkerschaft und der
Stadt aufgebaut worden. Dabei geht es auch immer um eine (noch nötige) Qualitätssi-
cherung und Marketing für energetisch anspruchsvolle Sanierungen. In eine ähnliche
Richtung zielt die Initiative "Besser Wohnen im Münsterland" der Handwerkskammer,
die Aktivitäten für Handwerker und ihre Kunden rund ums die Gebäudesanierung an-
bietet, u.a. auch zur Energieeinsparung.
Bei den Akteuren außerhalb der Stadtverwaltung sind weitere wichtige Maßnahmen zu
nennen, wie z.B. das Demonstrationszentrum Bau und Energie der Handwerkskam-
mer: Es bündelt Fach- und öffentliche Führungen, Info-Veranstaltungen, Fachtagun-
gen sowie Aus-/Fortbildungsangebote. Als Beispiel für Kooperationen des Handwerks
sei hier beispielhaft die „Initiative Wartungsqualität“ gemeinsam mit den Stadtwerken
erwähnt. Es gibt einige Architektur- und Planungsbüros, die vielfältige Erfahrungen mit
energieeffizientem Bauen gesammelt haben.
Öffentlichkeits- und Informationsarbeit zum Themenfeld energetisch optimiertes Bauen
und Sanieren wird von fast allen relevanten Münsteraner Akteursgruppen durchgeführt.
Die Energieberatungen der Stadt, der Verbraucherzentrale sowie der Stadtwerke zäh-
len hierzu. Aber auch Internetseiten, Kampagnen und Materialien.
Auch bei eigenen städtischen Gebäuden betreibt die Stadt ein funktionierendes Ener-
giemanagement mit eigens dafür zuständigem Personal. Der spezifische Verbrauch
der Liegenschaften verringerte sich ständig, wie ein Blick auf die Energiekennzahlen
zeigt.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 45 Klimaschutzkonzept Münster
Optimierungsmöglichkeiten gibt es in diesem Themenfeld trotz der vielfältigen, fortzu-
setzenden Aktivitäten weiterhin: Die bestehenden Instrumente könnten spezifischer auf
bestimmte Fragestellungen zugeschnitten werden. Bei der Altbausanierung sollte eine
noch stärkere Durchdringung hoher Standards und Qualitäten in der Breite erfolgen,
die energetischen Standards weiter in Richtung Passivhaus entwickelt werden. Zudem
sollten die beispielhaften Erfolge des städtischen Energiemanagements noch besser
als Beispiel und Vorbild kommuniziert werden.
6.3 Gewerbe, Handel, Dienstleistungen
Der in Münster zu beobachtende Anstieg des Stromverbrauchs in den letzten Jahren
wird auch zu einem wesentlichen Teil durch den Sektor Gewerbe, Handel, Dienstleis-
tung (GHD) verursacht. Mit der Analyse der wirtschaftlichen Einsparpotenziale in die-
sem Sektor konnte aufgezeigt werden, dass erhebliche Effizienzpotenziale im Bereich
der Beleuchtung, der Bürogeräte und der Kälteerzeugung für die Raumtemperierung
noch erschlossen werden können. Gleichzeitig handelt es sich hier um einen sehr he-
terogenen Sektor, der überwiegend durch kleine und mittlere Unternehmen geprägt ist,
die i.d.R. über nur wenig Informationen zu den in ihrem Unternehmen vorhandenen
Energieeffizienzpotenzialen verfügen, aber ei ne zunehmende Sensibilität für dieses
Thema aufweisen. In der Vergangenheit wurden einige, aber noch wenige Akivitäten
seitens der Stadt und der Stadtwerke in diesem Bereich umgesetzt, z.B. Informations-
kampagne zum Stromsparen am Arbeitsplatz, Aufbau eines lokalen Netzwerkes zu e-
nergieeffizienter Gebäudekühlung im Rahmen des von der EU und dem Land NRW ge-
förderten Projektes COOLREGION, spezielle Beratungs- und Dienstleistungsangebote
seitens der Stadtwerke Münster für ihre Gewerbekunden. Dennoch haben einige Emp-
fehlungen insbesondere des Beirats für Klima und Energie nach wie vor Gültigkeit.
6.4 Energieumwandlung
Fernwärme
Wichtigste umgesetzte Maßnahme der Vergangenheit war in Münster die Umstellung
des Kohle-Heizkraftwerks Hafen auf eine hocheffiziente GuD-Anlage im Jahr 2005.
Das Fernwärmenetz der Universität wu rde bis 1999/2000 aus einem eigenen Kohle-
heizkraftwerk gespeist. Die Modernisierung dieser Anlage hat hier zu einem Wechsel
des Energieträgers, d.h. von Kohle auf Gas und Öl, und nicht zu einem bedeutendem
Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung geführt. Die Stromerzeugung wurde bei der Mo-
dernisierung in der Leistung von 5 MW auf 2 MW reduziert. Diese unbefriedigende Si-
tuation wird gemildert durch die enge Anbindung des Uni-Netzes an das Stadtwerke-
Netz. Die Dampfversorgung für Klinik und Kälteerzeugung kann nur in Eigenerzeugung
erfolgen. Für die Wärmeversorgung bezieht die Uni jedoch große Mengen aus dem
GuD-HKW der Stadtwerke und stellt dort eine gute Auslastung mit hoher Stromproduk-
tion sicher.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 46 Klimaschutzkonzept Münster
Erneuerbare Energien
Die Errichtung von Fotovoltaik-Anlagen wurde in Münster schon seit 1995 über das In-
strument der kostendeckenden Vergütung gefördert – Ziel war eine Leistung von 1
MW
p . Vor dem Inkrafttreten des EEG im Jahr 2000 waren schon über 400 kW p instal-
liert, das 1 MW-Ziel wurde 2002 erreicht.
Parallel dazu lief 1995 bis 1999 das Programm „200 Solardächer für Münster“ so er-
folgreich, dass insgesamt 468 Solaranlagen bezuschusst wurden. Seit Einführung von
ähnlich ausgerichteten Solar-Förderprogrammen oder Gesetzen auf Bundes- und Lan-
desebene liegt der Schwerpunkt der Stadt Münster auf dem Gebiet der Öffentlichkeits-
arbeit. In der „Solarbundesliga“ liegt Münster in der Kategorie der Großstädte bundes-
weit auf Platz 8, in NRW auf Platz 1.
Im Entsorgungszentrum Coerde findet eine umfassende energetische Nutzung von Ab-
fallenergien statt. Deponiegas, Klärgas und Biogas aus den Abfällen der Biotonne wer-
den in einer großen BHKW-Anlage verstromt.
Das Stadtwerke-Konzept zum Bau einer großen Biogas-Anlage mit ca. 2 MW elektri-
scher Leistung konnte nicht realisiert werden. Unabhängig davon erfolgte der weitere
Ausbau der landwirtschaftlichen Biogaserzeugung durch Landwirte – allerdings häufig
ohne vollständige Wärmenutzung.
Die Ausweisung von Windenergievorranggebiet en im Flächennutzungsplan hat die Er-
richtung von Anlagen ermöglicht, die insgesamt jährlich 20 GWh Strom erzeugen.
Wichtigster Ansatzpunkt zur Optimierung der Energieversorgung bleibt der Ausbau der
Fernwärme, der dezentralen Kraft-Wärme-Kopplung sowie die Nutzung der Biomasse-
potenziale.
6.5 Verkehr
In der Vergangenheit wurden in Münster bereits zahlreiche Maßnahmen umgesetzt, die
direkt oder indirekt zum Klimaschutz im Verkehr beitragen. Unter anderem aufgrund
solcher Maßnahmen ist Münster mit den Titeln „Fahrradfreundlichste Stadt Deutsch-
lands“ und „Bundeshauptstadt im Klimaschutz“ ausgezeichnet worden.
In Münster genießt der Radverkehr einen hohen Stellenwert in der kommunalen Ver-
kehrsplanung, vor allem wegen seinem hohen Modal-Split-Anteil am Binnenverkehr.
Das aktuelle Radverkehrskonzept 2010 enthält viele Maßnahmen zu Infrastrukturaus-
bau, Information, Kommunikation und Service. Zudem ist die Radverkehrssicherheit in
Münster ein wichtiger Bestandteil der kommunalen Aktivitäten, wie bspw. der „Leitfa-
den Radverkehrssignalisierung“, oder das Verkehrssicherheitstraining für Kinder.
Die Stadt Münster ist als Gesellschafter der Stadtwerke Münster und als Mitglied des
Zweckverbandes SPNV Münsterland in die A ngebotsoptimierung im ÖPNV involviert.
Die Stadtwerke haben in der Vergangenheit umfassende Maßnahmen zur Qualitäts-
und Angebotssteigerung im Stadtbusverkehr durchgeführt (z.B. Busbeschleunigung,
Einbindung der Regionalbusse ins städtische ÖPNV-Angebot). Allerdings konnten
auch teilweise negative Entwicklungen nicht verhindert werden, wie z.B. Tariferhöhun-
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 47 Klimaschutzkonzept Münster
gen für Firmenabos im Regionalverkehr, die deutliche Fahrgastrückgänge zur Folge
hatten. Im Schienenpersonennahverkehr (SPNV) sind in den letzten Jahren ebenfalls
Verbesserungen erreicht worden. Schwerpunkte sind hier die Einführung eines integra-
len Taktfahrplanes, die Erhöhung der Taktfrequenzen sowie eine bessere Verzahnung
mit Bus und Rad.
Ihre eigene Mobilität organisiert die Stadtverwaltung im Rahmen eines dienstlichen Mobi-
litätsmanagements. Bei Dienstfahrten hab en Rad und ÖPNV Vo rrang. Es gibt 250
Dienstfahrräder, auch dienstliche Radfahrten mit Privatrad werden unterstützt (Fahrrad-
nutzungspauschale). Für Pkw-Fahrten haben Mitarbeiter mit weniger als 4.000 km Fahr-
leistung pro Jahr keinen Anspruch auf einen Dienst-Pkw oder die Nutzung des Privat-
Pkw, sie sind zur Nutzung von Carsharing-Fahrzeugen verpflichtet. Dazu kooperiert die
Stadt mit dem lokalen Carsharing-Anbieter Stadtteilauto. Damit haben diese Mitarbeiter
auch keinen Anspruch auf kostenlose Parkmöglichkeiten, sondern können nur im Falle
überzähliger Parkplätze diese gegen eine monatliche Gebühr anmieten. So wurde seit
dem Jahr 2000 eine Reduzierung der dienstlichen Parkplätze von 650 auf 235 erreicht
(Kostenreduktion pro eingespartem Parkplatz ca. 800 Euro/Jahr).
Die Stadt versucht auch, die betriebliche Mobilität der Münsteraner Unternehmen zu
optimieren. So wird zum Beispiel im Rahmen von Ökoprofit ein Workshop Verkehr an-
geboten, in dem Unternehmen über Möglichkeiten zur umweltfreundlicheren Gestal-
tung des Wirtschaftsverkehrs informiert werden. Standortspezifische Analysen oder gar
spezielle Mobilitätspläne je nach Unternehmen werden jedoch nicht erstellt. Weitere
Maßnahmen der Stadt in diesem Themenfeld sind die Kampagne „Saubere Luft für
Münster“ oder die Firmenabo-Initiative zusammen mit den Stadtwerken.
Im Bereich des motorisierten Individualverkehrs ist die Stadt bisher vor allem durch
Maßnahmen zur Verkehrsverflüssigung aktiv (z.B. Optimierung von Lichtsignalanla-
gen). Restriktive Maßnahmen mit dem Ziel einer Fahrleistungsreduktion wurden hinge-
gen kaum umgesetzt. So ist das städtische Parkraummanagement eher an der Park-
raumnachfrage ausgerichtet als an Angebotsvorgaben bzw. -zielen.
Außerhalb der Stadtverwaltung werden bzw. wurden Aktionen und Projekte zum The-
ma Verkehr vor allem durch Verbraucherverbände initiiert. Bei der Radverkehrsförde-
rung leistet beispielsweise der ADFC Münster einen wichtigen Beitrag, z.B. durch Öf-
fentlichkeitsarbeit (Zeitungsartikel, eigene Zei tschrift), öffentlichkeitswirksame Aktionen
(Mit dem Rad zur Arbeit, Radtouren, Flohmärkte) oder das Betreuen von Radparkhäu-
sern (Münster-Arkaden). Der VCD Münster war in der Vergangenheit regelmäßig zu
den Themen ÖPNV, Mobilitätserziehung und energieeffizientes Fahren tätig. Die IHK
Münsterland thematisiert im Rahmen der IHK-Umweltberatung u.a. auch den Bereich
Verkehr.
Die Ausführungen verdeutlichen: Für einen klimafreundlicheren Verkehr wird in Müns-
ter bereits viel getan. Allerdings reicht dieses Engagement nicht aus, um anspruchsvol-
le Reduktionsziele bei den Treibhausgasen bis 2020 zu erreichen. So werden einige
Handlungsfelder (Bsp.: Betriebliches Mobilitätsmanagement, Stadt-Umland-Verkehr)
mit noch zu geringer Intensität angegangen, während andere Bereiche bisher kaum er-
fasst werden (Bsp.: Fußverkehr) oder die Ausrichtung der Aktivitäten den Klimaschutz-
zielen eher entgegensteht (Bsp.: Parkraummanagement).
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 48 Klimaschutzkonzept Münster
7 Maßnahmen „Stadt als Motor“
Zusammen mit den Akteuren in Münster wurde ein umfangreicher kommunaler Maß-
nahmenkatalog im Energie- und Verkehrsbereich erarbeitet (s. Tab. 6). In diesem Kapi-
tel wird erläutert, wie diese kommunalen Maßnahmen einen bedeutenden Beitrag zum
Erreichen der Klimaschutzziele in Münste r leisten können. Dazu sind Maßnahmen in
allen wesentlichen Handlungsfeldern dieses Konzepts nötig: Übergreifende Maßnah-
men, die (nahezu) alle Themenfelder betre ffen, sowie themenspezifische Maßnahmen
für die Bereiche Bauen/Wohnen, Gewerbe und Sonstige, Energieversorgung und Er-
neuerbare Energien sowie für den Verkehr.
Wie im Abschnitt 7.4 dieses Kapitels gezeigt wird, lassen sich ausschließlich mit dem
hier aufgeführten Katalog die gesetzten Klimaschutzziele Münsters nicht erreichen.
Deshalb wird in Kapitel 8 (Maßnahmen AkteurePlus) gesondert aufgezeigt, dass dar-
über hinaus Zusätzliches geschehen muss. Dies gilt insbesondere für höhere politische
Ebenen wie der EU, der Bundesregierung etc.. Aber auch alle Münsteranerinnen und
Münsteraner sind angesprochen beizutragen.
Zunächst wird in diesem Kapitel jedoch ausführlich auf die möglichen Maßnahmen der
Stadt und der wichtigsten kommunalen Akteure eingegangen. Zu Beginn wird kurz auf
den folgenden Seiten die Beschreibungs- und Bewertungsmethodik für die Münstera-
ner Maßnahmen erläutert. Danach folgt die Darstellung der einzelnen Maßnahmen in
Form der standardisierten Maßnahmenblätter. Anschließend ist eine Übersicht über
den Zeit- und Finanzierungsplan sowie die Zusammenfassung der Minderungspotenzi-
ale der vorgeschlagenen Maßnahmen zu finden. Zudem wird erläutert, wie die Maß-
nahmen „Stadt als Motor“ zur wirtschaftlichen Wertschöpfung in Münster beitragen.
Besonders komplexe und wichtige Maßnahmen werden in exemplarischen Beschrei-
bungen noch vertieft dargestellt. Schließlich werden noch weitere Maßnahmenideen
tabellarisch aufgelistet, die von Gutachterseite mit niedrigerer Priorität versehen wur-
den, jedoch für die weitere Diskussion hier zur Verfügung gestellt werden.
Abschließend werden die nächste Schritte beschrieben, die nach Ansicht der Gutach-
ter gut zur weiteren Umsetzung des Klimaschutzkonzepts beitragen können (Abschnitt
7.8, Nächste Schritte).
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 49 Klimaschutzkonzept Münster
Tab. 6: Übersicht Maßnahmenempfehlungen „Stadt als Motor“ 24
Nr. Titel der Maßnahme Priorität
Übergreifende Maßnahmen
Ü 1 Klimaschutzkoordination (Klenko) personell ausbauen 5
Ü 2 Klimaschutzfonds 5
Ü 3 Klima-Check von Ratsbeschlüssen 4
Ü 4 Münsters Allianz für Klimaschutz 5
Ü 5 Fortsetzung und Weiterentwicklung Öffentlichkeitsarbeit 5
Ü 6 Energieberatung ausbauen und differenzieren 4
Ü 7 Klimaschutz und Veränderung der Altersstruktur der Bevölkerung 3
Ü 8 Klimaschutz in der Stadtplanung - Weiterentwicklung des Leitfadens 3
Ü 9 Bürger-/Firmen-Klimafonds 4
Bauen und Wohnen
B 1 Gütesiegel Gebäudesanierung 5
B 2 Weiterentwicklung Förderprogramm „Energieeinsparung und
Altbausanierung“
4
B 3 Konjunkturprogramm Klimaschutz – 100 Gebäude-Sanierungsprogramm 4
B 4 Arbeitskreis Mieter/Vermieter 5
B 5 Technikimpulse „Bauen“ 4
B 6 Öffentlichkeitsarbeit Bauen: Neue Bausteine 3
B 7 Energie und Denkmalschutz 3
B 8 Festsetzung Passivhausstandard bei Verkauf städtischer Grundstücke und
bei städt. Wohnungsunternehmen
5
B 9 Zielrichtung Passivhausstandard bei Neubau städtischer Gebäude 5
B 10 Energetische Zielwertfestlegung bei Sanierung städt. Gebäude 5
B 11 Wieder-Einführung des Energiespar-Intractings 4
B 12 Erhöhung der (personellen) Ressourcen für das städtische
Energiemanagement
4
B 13 Erarbeitung eines Konzepts „Stromverbrauchsminderung in städtischen
Gebäuden“
3
B 14 Stromsparprämien 4
B 15 Informativere Stromrechnung 3
24 Hier nur für Maßnahmen höherer Priorität, sonstige s. Abschnitt 7.6
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 50 Klimaschutzkonzept Münster
Nr. Titel der Maßnahme Priorität
Gewerbe, Handel, Dienstleistung
G 1 Energie-Coaching für KMU und deren Fachplaner 4
G 2/Ü4 Netzwerke für Erfahrungsaustausch im Sektor GHD 5
G 3 Energiecontrolling für KMU 4
G 4 Unterstützung bei der energetischen Optimierung schwer vermietbarer Büro-
und Hallenimmobilien
3
G 5 Themenspezifische Kampagnen 5
G 6 Servicestelle „Energieeffi zienz durch Nutzermotivation“ 4
G 7 Förderprogramm „Energieeffizienzmaßnahmen im Sektor GHD“ 5
Energieumwandlung / Erneuerbare Energien
E 1 Ausbau der Fernwärme in der Fläche 5
E 2 Ausbau KWK im Heizkraftwerk Uni 5
E 3 Ausbau dezentrale Kraft-Wärme-Kopplung 4
E 4 Ausbau landwirtschaftliche Biogasnutzung 5
E 5 Biogaserzeugung aus Grünschnitt 5
E 6 Gestaltungs- und Integrationsförderung für Solarthermie und Fotovoltaik 3
E 7 Umfeld Solarenergie unterstützen 4
E 8 Ausbau Windenergie 4
E 9 Beteiligung an Solaranlagen unterstützen 3
Maßnahmen Verkehr
V 1 Klimaschutz als zentrale Ziel stellung im Verkehrsentwicklungsplan 4
V 2 Aufbau und Fortführung einer kontinuierlichen regionalen Verkehrsplanung 4
V 3 Betriebliches Mobilitätsmanagement 3
V 4 Öffentlichkeitsarbeit umweltfreundliche Mobilität 3
V 5 Ausbau Schienenpersonennahverkehr 4
V 6 Sicherung und Optimierung des Regionalbus-Angebots 3
V 7 Sicherung und Optimierung des Stadtbus-Angebots 4
V 8 Erschließung neuer Finanzierungswege für den ÖPNV 3
V 9 Verbesserung des Abstellangebots für Fahrräder 3
V 10 Förderung des Fußverkehrs in Münster 3
V 11 Gesamtstädtisches Parkraummanagement 4
V 12 Mobilpunkte zur Optimierung Verk ehrsmittelverknüpfung im Umweltverbund 3
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 51 Klimaschutzkonzept Münster
7.1 Beschreibungs- und Bewertungsmethode für die
Maßnahmen
Die Auswahl der Maßnahmen erfolgte nach folgenden Kriterien:
1. Betriebswirtschaftlichkeit der Maßnahme aus Sicht des Investors
2. Effizienz der Maßnahmen bzgl. der spezifischen Anschubkosten aus
Sicht der Stadt
3. Beitrag zur CO 2-Minderung
4. Maßnahmenschärfe
5. Priorität aus Sicht des Gutachters
6. Umsetzungszeitraum
7. Akzeptanz bei den Marktteilnehmern
Während die Kriterien 1 bis 5 direkt in dem Maßnahmeraster (siehe unten) aufgeführt
sind, geht das Kriterium 6 (Umsetzungszeitraum) in den Zeit- und Prioritätenplan ein.
Die (nicht explizite) Bewertung der Akzeptanz der Maßnahmen (7. Kriterium) erfolgte
auf Basis der Interviews und Arbeitsgespräche. In der Regel werden in dem Maßnah-
menkatalog nur Maßnahmen vorgeschlagen, die aus Sicht der Akteure hohe Akzep-
tanz bei der Umsetzung finden. Im Rahmen der Konzepterarbeitung konnte das hier
jedoch noch nicht hinreichend für alle vorgeschlagenen Maßnahmen geprüft werden
(siehe dazu die Vorschläge für die nächsten Schritte im Abschnitt 7.8).
Außerdem werden in den „Empfehlungen Stadt als Motor“ für Münster nur Maßnahmen
vorgeschlagen, die lokal verfügbar sind. Daher werden ordnungspolitische und fiskali-
sche Maßnahmen (Gesetze, Verordnungen; Steuerrecht) nicht berücksichtigt (s. dazu
Abschnitt 7.8, Maßnahmen AkteurePlus).
Maßnahmenraster
Die ausgewählten Maßnahmen werden in einem standardisierten Maßnahmenraster
dargestellt, um Übersichtlichkeit zu gewährleisten 25. Die nächste Abbildung zeigt bei-
spielhaft die Maßnahme Ü 1 für Münster. Nach Nennung der Nummer und Überschrift
wird der „Status“ gezeigt, ob es sich also um eine gänzlich neue oder anzupassende
Maßnahme handelt.
Die Maßnahme wird kurz beschrieben, eventuelle Zielgruppen benannt und der Um-
setzungszeitraum mit den jährlichen Anschubkosten genannt. Bei der Nennung der
jährlichen Anschubkosten der Stadt stellen wir die voraussichtlich nötigen Kosten dar,
die die Stadt für die Dauer der Maßnahme initial aufbringen sollte, damit die Maßnah-
me zielführend umgesetzt werden kann. Aufwendungen anderer Akteure (Stadtwerke,
25 Die Struktur der Maßnahmenblätter hat sich en twickelt aus dem Klimaschutzkonzept Heidel-
berg (1992). Allerdings wurden die Blätter immer weiterentwickelt und methodisch ü-
berarbeitet.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 52 Klimaschutzkonzept Münster
andere Firmen, private Haushalte etc.) werden nicht aufgeführt. Die Aufteilung der Kos-
ten auf die verschiedenen Jahre finden sich im Zeit- und Finanzplan im Abschnitt 7.3.
Der mögliche Initiator und weitere Akteure sowie Maßnahmen, die zur Ergänzung
sinnvoll sind, werden aufgeführt. Schlussendlich folgen noch Hinweise auf ähnliche
Projekte, Beispiele, Effekte der Maßnahme oder ergänzende Empfehlungen zur Maß-
nahmenumsetzung.
Auf der rechten Seite wird jede Maßnahmenbeschreibung durch eine Bewertungs-
matrix ergänzt, die eine leichtere Einordnung nach verschiedenen Gesichtspunkten er-
laubt.
Die Bewertung erfolgt plakativ anhand eines Punkterasters. Je mehr Punkte (
Q) ein
Kriterium erhält, desto besser ist es bewertet.
Können Punkte nicht exakt berechnet werden (z.B. bei weichen Maßnahmen), so wird
eine überschlägige Bewertung auf Grund der Einschätzung des Gutachters vorge-
nommen. Die Punkte sind dann als Kreis ( O) dargestellt (außer bei Priorität). Ist keine
Aussage möglich, bleiben die Felder leer.
Die Bewertungskriterien werden hier kurz und im Anhang 8 detaillierter beschrieben.
Abb. 16: Beispiel eines Maßnahmenblattes (Energie) mit Bewertungsmatrix
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 53 Klimaschutzkonzept Münster
Priorität: Priorität einer Maßnahmen aus Sicht des Gutachters. Maßnahmenvorschlä-
ge mit sehr niedriger Priorität werden nicht in den Maßnahmenkatalog aufgenommen,
sondern sind in Abschnitt 7.7 (weitere Maßnahmenempfehlungen geringerer Priorität)
aufgelistet.
Maßnahmenschärfe: Differenzierung zwischen s.g. „harten“ Maßnahmen (z.B. einem
Förderprogramm für eine bestimmte Technik; = Maßnahme mit hoher Maßnahmen-
schärfe) und s.g. „weichen“ Maßnahmen (z.B . allgemeiner Öffentlichkeitsarbeit; =
Maßnahme mit niedriger Maßnahmenschärfe).
CO
2-Minderungspotenzial der Maßnahme: Hier wird angegeben, in welcher Größen-
klasse die mögliche Verringerung der Kohlendioxidemissionen (CO 2) durch die Maß-
nahmen liegt.
Effizienz bzgl. Anschubkosten bei Maßnahmen im Energiebereich : Hier werden
die Anschubkosten der Stadt Münster für die Maßnahme ins Verhältnis gesetzt zum
möglichen CO2-Minderungspotenzial. Die Anschubkosten werden auf die über die Nut-
zungszeit der initiierten Maßnahme eingesparte Menge der CO2-Emissionen bezogen.
Betriebswirtschaftlichkeit der Maßnahme im Energiebereich : Hier wird die Be-
triebswirtschaftlichkeit aus der Sicht des Investors betrachtet. Prinzipiell werden im
Klimaschutzkonzept im Energiebereich M aßnahmen betrachtet, die sich zumindest im
Laufe der Lebensdauer einer Klimaschutzinves tition durch die Energiekosteneinspa-
rungen amortisieren. Die meisten Maßnahmen amortisieren sich jedoch deutlich
schneller und erhalten hier dann mehr Punkte zugewiesen. Wenn durch eine Maß-
nahme sehr viele verschiedene Aktivitäten mit unterschiedlicher Betriebswirtschaftlich-
keit angestoßen werden, erfolgt hier keine Bewertung.
Kosten der Maßnahme im Verkehrsbereich : Die aufgeführten Kosten beziehen sich,
soweit sie die Stadtverwaltung Münster betreffen, auf die Gesamtkosten der Maßnah-
men. Sie können in den meisten Fällen nicht allein dem Ziel des Klimaschutzes zuge-
rechnet werden, sondern entsprechen den Kosten für alle positiven Wirkungen der
Maßnahme.
Akzeptanz der Maßnahme im Verkehrsbereich : Je höher hier die Punktzahl ausge-
wiesen ist, desto höher schätzen die Gutachter die Akzeptanz der Maßnahme in der
Bevölkerung und den entscheidenden Akteuren ein.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 54 Klimaschutzkonzept Münster
7.2 Maßnahmenkatalog
7.2.1 Übergreifende Maßnahmen
Übergreifende Maßnahmen sprechen keine besonderen Sektor wie z.B. private Haus-
halte oder Gewerbebetriebe an, sondern sollen einen übergreifenden Rahmen für die
Klimaschutzaktivitäten in der Stadt schaffen bzw. ausbauen. Hierzu zählen einerseits
strukturelle Bausteine, wie die Klimaschutz- und Energiekoordinationsstelle (Klenko),
die für die anstehenden Aufgaben nicht nur unverzichtbar ist, sondern ausgebaut wer-
den sollte. Andererseits sollen Kooperations-, Finanzierungs- und Öffentlichkeitsar-
beits-Bausteine dabei helfen, den Klimaschutz noch stärker im Alltag der Münsteraner
Bevölkerung zu verankern.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 55 Klimaschutzkonzept Münster
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 56 Klimaschutzkonzept Münster
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 57 Klimaschutzkonzept Münster
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 58 Klimaschutzkonzept Münster
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 59 Klimaschutzkonzept Münster
7.2.2 Bauen und Wohnen
Im Bereich bestehender Gebäude liegt eines der größten Klimaschutzpotenziale in
Münster. In diesem Themenfeld gibt es deshalb seit Beginn der Münsteraner Klima-
schutzbemühungen vielfache Aktivitäten. Doch noch immer gibt es Optimierungs- und
Vertiefungsmöglichkeiten, die auch genutzt werden sollten, wenn hohe energetische
Ziele standardmäßig und nicht nur in Ausnahmefällen erfüllt werden sollen. Von daher
spielen im Themenfeld „Bauen und Wohnen“ Maßnahmen eine Rolle, die auf Quali-
tätssicherung, Finanzierung, Kooperation und Information abzielen. Da auch die Po-
tenziale bei den städtischen Gebäuden trotz des schon guten und langjährigen Ener-
giemanagements noch nicht ausgeschöpft sind, werden auch hierzu Empfehlungen un-
terbreitet.
Zunehmend wichtig sind auch Einsparungen im Strombereich, da hier u.a. aufgrund
steigender Ausstattungen mit elektrischen Geräten tendenziell häufig steigende
Verbrauchswerte zu verzeichnen sind. Deshalb werden auch für dieses Themenfeld
Maßnahmen vorgeschlagen.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 60 Klimaschutzkonzept Münster
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 61 Klimaschutzkonzept Münster
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 62 Klimaschutzkonzept Münster
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 63 Klimaschutzkonzept Münster
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 64 Klimaschutzkonzept Münster
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IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 66 Klimaschutzkonzept Münster
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 67 Klimaschutzkonzept Münster
7.2.3 Gewerbe, Handel, Dienstleistung
Der in Münster zu beobachtende Anstieg des Stromverbrauchs in den letzten Jahren
wird auch zu einem wesentlichen Teil durch den Sektor Gewerbe, Handel, Dienstleis-
tung (GHD) verursacht. Mit der Analyse der wirtschaftlichen Einsparpotenziale in die-
sem Sektor konnte aufgezeigt werden, dass erhebliche Effizienzpotenziale u.a. noch
im Bereich der Beleuchtung, der Bürogeräte und der Kälteerzeugung für die Raum-
temperierung erschlossen werden können. Gleichzeitig handelt es sich hier um einen
sehr heterogenen Sektor, der überwiegend durch kleine und mittlere Unternehmen ge-
prägt ist, die i.d.R. über nur wenig Informationen zu den in ihrem Unternehmen vor-
handenen Energieeffizienzpotenzialen verfügen, aber eine zunehmende Sensibilität für
dieses Thema aufweisen.
Die im Folgenden vorgeschlagenen Maßnahmen dienen daher sowohl zur verstärkten
Sensibilisierung und Wissensvermittlung als auch zur Umsetzung konkreter auf den
Bedarf von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) zugeschnittener Projekte.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 68 Klimaschutzkonzept Münster
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 69 Klimaschutzkonzept Münster
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 70 Klimaschutzkonzept Münster
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 71 Klimaschutzkonzept Münster
7.2.4 Energieumwandlung / Erneuerbare Energien
Wesentliche Ansatzpunkte zur Optimierung im Bereich der Energieumwandlung erge-
ben sich in Münster durch den weiteren Ausbau bzw. verstärkten Nutzung der vorhan-
denen Fernwärmeversorgung sowie den weiteren erheblichen Ausbau der dezentralen
Kraft-Wärme-Kopplung. Während die Fernwärme dabei auf einen räumlich begrenzten
Bereich beschränkt bleiben wird, sind mit dem Einsatz dezentraler Kraft-Wärme-
Kopplungs-Anlagen in der Fläche erhebliche Potenziale zu erschließen.
Im Bereich der erneuerbaren Energien sind die z.B. aufgrund der topographischen
Rahmenbedingungen (z.B. bei der Wasserkraft) oder struktureller Rahmenbedingun-
gen (z.B. Nutzungsstruktur in der Landwirtschaft) zu erschließenden Potenziale teilwei-
se eingeschränkt. Gleichzeitig sind die auf der Ebene der Stadt Münster direkt durch
die Akteure Stadt, Stadtwerke oder Landwirte umsetzbaren Maßnahmen ebenfalls ein-
geschränkt, auch wenn aus technischer wie auch wirtschaftlicher Sicht (z.B. im Bereich
Photovoltaik) zum Teil erhebliche Potenziale bestehen. Hier sind aber zusätzliche un-
terstützende Maßnahmen auf Landes- und Bundesebene erforderlich. Im Bereich der
erneuerbaren Energien werden daher an dieser Stelle direkt auf städtischer Ebene
umsetzbare Maßnahmen für die Initiierung konkreter Projekte aufgezeigt. Maßnahmen
zur finanziellen Breitenunterstützung der erneuerbaren Energien werden für Münster
nicht vorgeschlagen, da hierzu die auf Bundesebene existierenden Förderprogramme
genutzt werden sollen. Beteiligungen der Stadtwerke an Kraftwerken oder Windener-
gieanlagen außerhalb des Stadtgebietes werden in diesem Katalog nicht als Maßnah-
me aufgeführt (s. dazu das Kapitel 9).
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 72 Klimaschutzkonzept Münster
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 73 Klimaschutzkonzept Münster
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 74 Klimaschutzkonzept Münster
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 75 Klimaschutzkonzept Münster
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 76 Klimaschutzkonzept Münster
7.2.5 Verkehr
Schwerpunkt der Klimaschutzmaßnahmen im Verkehr ist die Verhinderung einer zu-
künftigen weiteren Zunahme des Motorisierten Individualverkehrs (MIV) in Münster und
langfristig eine Reduktion des MIV und Verlagerung auf den Umweltverbund (Fuß,
Rad, ÖPNV). Vor allem muss eine Reduktion der Treibhausgasemissionen aus dem
Stadt-Umland-Verkehr erreicht werden, da dieser einen großen, in den letzten Jahren
stark gestiegenen Anteil an den verkehrsbedingten Emissionen im Stadtgebiet hat.
Maßnahmen sollten im Verkehr generell in Paketen umgesetzt werden, da verschiede-
ne Maßnahmen häufig eine gemeinsame Zielrichtung haben und sich gegenseitig er-
gänzen. Erst im Zusammenspiel der Maßnahmen wird eine bestimmte Gesamtwirkung
erreicht. Für eine relevante Verlagerung vom MIV auf den Umweltverbund muss ein
Maßnahmenpaket neben Umweltverbund fördernden (Pull) auch MIV lenkende (Push)
Maßnahmen enthalten (s. Exkurs zum Zusa mmenspiel von Push und Pull). Dabei
hängt die Wirkung des Maßnahmenpaketes in hohem Maße davon ab, ob die fördern-
den bzw. lenkenden Potenziale der Maßnahmen ausgeschöpft werden. Demnach
steigt und fällt die Wirkung des Maßnahmenpaketes mit seiner Umsetzungsintensität.
Zusammenwirken von Push-, Pull- und Effizienzmaßnahmen im Verkehr
In der Wissenschaft besteht weitgehende Übereinsti mmung, dass allein eine Verbesserung (Pull) der
Angebote im öffentlichen und nicht -motorisierten Verkehr nicht ausreicht, um in relevantem Umfang
Verkehrsverlagerungen vom Pkw auf diese Verkehrsmittel zu erreichen und damit die Pkw-Fahrleistung
zu verringern. Vielmehr können durch reine Förder maßnahmen letztlich sogar zusätzliche Verkehre in-
duziert werden (vgl. z.B. (Cerwenka 1996), (FG SV 2003)). Um die Entstehung zusätzlichen Verkehrs
weitestgehend zu vermeiden und eine Verlagerung in relevantem Umfang zu erzielen, müssen deshalb
Angebotserweiterungen bzw. Fördermaßnahmen im Umweltverbund mit ordnungsrechtlichen oder fis-
kalischen Maßnahmen zu einer Reduktion des MIV kombiniert werden.
Ergänzend zu den Push- und Pull-Maßnahmen sind auch Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffi-
zienz möglich. Die Reduktionspotenziale sind allerd ings deutlich geringer als bei Maßnahmen zur Ver-
kehrsvermeidung bzw. -verlagerung, da die Kommunen lediglich auf ein kraftstoffsparendes Verhalten
der Verkehrsteilnehmer hinwirken können, jedoch ke inen relevanten Einfluss auf die technische Fahr-
zeugentwicklung haben. Mögliche Effizienzmaßnahmen sind in Abschnitt 7.7 (Maßn. geringerer Priori-
tät) aufgeführt.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 77 Klimaschutzkonzept Münster
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 78 Klimaschutzkonzept Münster
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 79 Klimaschutzkonzept Münster
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 80 Klimaschutzkonzept Münster
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 81 Klimaschutzkonzept Münster
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 82 Klimaschutzkonzept Münster
7.3 Umsetzungs- / Zeit- / Finanzierungsplan
Für eine Umsetzung der Maßnahmen in den nächsten 11 Jahren müssten nach dem
Zeit- und Finanzierungsplan knapp 15,3 Mio. Euro seitens der Stadt bereit gestellt wer-
den26. Dies macht im Durchschnitt jährlich ca. 1,4 Mio. Euro für den Klimaschutz in
Münster, was etwa 5 Euro pro Jahr und Münsteraner entspricht27. Die Maßnahmen und
Kosten verteilen sich dabei relativ regelmäßig über die einzelnen Jahre, mit einem
Höchstwert im Jahr 2012 mit etwas über 1,7 Mio. Euro. Wie sich die Kosten auf die
einzelnen Jahre und Maßnahmen aufteilen, ist in Abb. 17 zu sehen.
Abb. 17: Zeit- und Finanzierungsplan (s. nächste Seite)
* Anmerkungen zu Abb. 17:
n.q.: im Rahmen dieses Konzepts nicht quantifizierbar
Ü1: Mindestbetrag 50.000, bis zu 100.000 Euro
Ü2: Die hier aufgeführten Mittel für den Klimasc hutzfonds sollen zum Finanzieren vieler der an-
deren hier benannten Maßnahmen eingesetzt werden. Von daher werden sie in der Summation
nicht berücksichtigt.
Ü4: Für das Startphase der Allianz sind im Münsteraner Haushalt in den Jahren 2010 bis 2012
schon Mittel eingestellt. Sie werden deshalb hier nicht als Zusatzkosten des Konzepts aufge-
führt.
B2: Für das Jahr 2010 stehen schon 500.000 Euro im Haushalt der Stadt. Sie werden deshalb
hier nicht als Zusatzkosten des Konzepts aufgeführt.
B9 – B13: Die Kosten refinanzieren sich über die anschließende Laufzeit durch die Energieein-
sparungen in den eigenen Liegenschaften. Deshalb werden sie in Summation nicht berücksich-
tigt.
V4: Mindestbetrag!
26 Hier stellen wir die voraussichtlich nötigen Kosten dar, die die Stadt Münster aufbringen soll-
te, damit die Maßnahmen zielführend umgesetzt werden können. Aufwendungen ande-
rer Akteure (SWM, andere Firmen, Haushalte etc.) werden nicht aufgeführt.
27 Der Stadt Frankfurt empfahl das IFEU-Institut, jä hrlich etwa 3,5 Mio. Euro in den Klimaschutz
zu stecken, was auch etwa 5 Euro pro Einwohner entspricht.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 83 Klimaschutzkonzept Münster
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 84 Klimaschutzkonzept Münster
7.4 Ziele, Potenziale und Beitra g Maßnahmen „Stadt als Motor“
Die Berechnungen ergeben, dass sich mit den hier aufgeführten Maßnahmen „Stadt
als Motor“, je nach Intensität, Beteiligung, Erfolg und ohne weiteres Wachstum der
Stadt jährlich etwa 120.000 bis 325.000 Tonnen CO 2 im Jahr 2020 gegenüber dem
Jahr 2006 vermeiden lassen würden (vgl. die Tab. 7).
Die größten Beiträge zu den maximalen Potenzialen haben die übergreifenden Maß-
nahmen sowie die Energieversorgung. Bei den übergreifenden Maßnahmen trägt der
Bürgerfonds davon als singuläre Maßnahme mehr als 80% bei. Bei der Energieversor-
gung ist als einzelne Maßnahme mit dem größt en Potenzial der Ausbau der Fernwär-
me in der Fläche zu nennen28.
Tab. 7: CO 2-Minderungspotenziale durch Umsetzung der Maßnahmenempfehlungen
„Stadt als Motor“
CO2-Minderung in t jährlich
im Jahr 2020 gegenüber 2006
Potenzial min Potenzial max
A) Übergreifend (inkl. Bürgerfonds bei max. Potenzial) 39.000 190.000
B) Bauen/Wohnen 39.000 58.600
C) GHD 26.000 41.000
D) Energieversorgung 48.300 89.500
E) Verkehr 0 23.600
Summe inkl. Korrekturfaktor Endenergie/Versorgung
(=0,8*(A+B+C+D)+E) 121.840 326.880
Zielerreichung CO2:
Minderung gegenüber 1990 (Ziel: 40% bis 2020) 14% 22%
Eine grafische Übersicht über das CO 2-Minderungsziel, die im Kapitel 5 aufgeführten
technisch-wirtschaftlichen Minderungspotenz ialen sowie die durch die Maßnahmen
„Stadt als Motor“ erreichbaren CO2-Minderungen zeigen die drei Säulen in der Abb. 18.
Von 1990 bis zum Jahr 2006 verminderten sich die jährlichen CO 2-Emissionen absolut
um etwa 220.000 Tonnen, bei gleichzeitigem Wachstum der Stadt. Durch die Umset-
28 Bei einem Ausbau um bis zu 100 MW ließen sich 30.000 t CO2 jährlich reduzieren.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 85 Klimaschutzkonzept Münster
zung aller technisch-wirtschaftlichen Potenziale im Rahmen von Sanierungen und Er-
satzinvestitionen, wie sie im Kap. 5 aufgezeigt wurden, ließen sich etwa weitere
540.000 Tonnen CO 2 bis 2020 vermeiden. Das entspräche bis dahin etwa einer Ge-
samt-Minderung von bis zu 30% der Emissionen von 1990.
Mit den Maßnahmen „Stadt als Motor“ ließen sich gegenüber den CO2-Emissionen des
Jahres 1990 maximal etwa 325.000 Tonnen vermeiden. Das entspricht inkl. der bisher
erreichten Einsparung maximal 22% der Emissionen von 1990. Um das 40%-CO 2-
Minderungsziel zu erreichen, müssten jedoch 785.000 Tonnen CO 2 reduziert werden.
Es ist von daher absehbar, dass die Stadt Münster das Ziel allein aufgrund eigener Ak-
tivitäten nicht erreichen können wird. Dazu sind auch weitergehende Unterstützungen
auf Ebene von Landes-, Bundesregierung sowie der EU nötig. Weitere Beiträge zur
CO2-Minderung u.a. durch Verbesserungen dieser Rahmenbedingungen sind im Kapi-
tel 8 „Maßnahmen AkteurePlus“ aufgeführt.
Abb. 18: Vergleich: Zu erreichende CO 2-Minderungen für das 40%-Ziel, technisch-
wirtschaftliche Potenziale im Rahmen normaler Sanierungs-/Ersatzzyklen und
mögliche Beiträge von Maßnahmen
0
200.000
400.000
600.000
800.000
1.000.000
1.200.000
CO2-Emissionsziel 2006-
2020 (bezogen auf -40%
gegenüber 1990)
Potenziale CO2-Mind. durch
Maßnahmen
Minderung
1990 bis 2006
(-9%)
Zusätzlich
nötige CO2-
Minderung
2006 bis
2020 zur
Erreichung
40%-Ziel
Veränderungen
gegenüber 1990:
Bürgerfonds
Technisch-
wirtschaftliche
Potenziale
2006 bis 2020
"Stadt als
Motor"
22 %
"Akteure
Plus"
IFEU/GERTEC 2009
Tonnen CO2/Jahr
40 % 30 %
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 86 Klimaschutzkonzept Münster
7.5 Wertschöpfungs- und Wirtschaftlichkeitsaspekte von
Klimaschutz
Die Umsetzung der vorliegenden Maßnahmenempfehlungen trägt dazu bei, die ermit-
telten Potenziale im Bereich der Effizi enz, Energieversorgung, Erneuerbaren Energien
sowie Verkehr voranzutreiben.
Im kommunalen Klimaschutz werden viel fach die damit verbundenen finanziellen und
personellen Aufwendungen als zusätzliche Kosten betont, um ein ökologisches Ziel
(CO2-Minderung) zu erreichen. Bei dieser Betrachtungsweise wird jedoch übersehen,
dass mit diesen Aufwendungen Investitionsentscheidungen vor Ort initiiert werden, die
direkte Auswirkungen auf die kommunalen und regionalen Akteure haben. Kommuna-
ler Klimaschutz ist deswegen auch kommunale und regionale Wirtschaftsförderungs-,
Struktur- und Energiepolitik. Diese wiederum kann erhebliche Auswirkungen auf die
regionale Wertschöpfung und Produktivität haben.
Dies hat auch die Bundesregierung so gesehen, als sie das Konjunkturpaket II aufleg-
te: es enthält einen erheblichen Anteil an Geldern für die Investition in die (energeti-
sche) Sanierung von kommunaler Infras truktur. Klimaschutzmaßnahmen und Wirt-
schaftsförderung gehen häufig Hand in Hand. Zi el von kommunaler Klimaschutzpolitik
sollte es deswegen sein, mittels Informationen und Anreizen den Akteuren ihr Potenzial
vor Augen zu führen. Die in diesem Konzept vorgeschlagenen Maßnahmen sind also
ein Beitrag, diese Potenziale im Klimaschutz und in der regionalen Wertschöpfung um-
zusetzen.
Im Folgenden wird kurz anhand einiger Beispiele erläutert, welche Effekte sich durch
Klimaschutzmaßnahmen ergeben. Dabei wird unterschieden nach
Energiebereich: Nachfrageseite (Effizienz)
Die im Abschnitt „Minderungspotenziale Endenergie“ (s. Seite 34) beschriebenen Ein-
sparmöglichkeiten, auf die ein großer Teil der vorgeschlagenen oberen Maßnahmen
abzielt, sind bereits heute für die verschiedenen Akteure technisch und vor allem wirt-
schaftlich umsetzbar. Abschreckend wirken derzeit vor allem die Investitionskosten bei
einigen Maßnahmen. Bisher kaum berücksichtigt werden bei anstehenden Investiti-
onsentscheidungen die Kosten über den gesamten Lebenszyklus eines Geräts oder
Bauteils. Was dies für die regionale Wertschöpfung bedeuten könnte, soll anhand ei-
nes überschlägigen Beispiels für den Sektor Private Haushalte erläutert werden. Wer-
den beispielsweise alle ermittelten energetischen Potenziale im Sektor Haushalte für
Strom und Wärme bis 2020 genutzt, können hier über 86 Mio. Euro pro Jahr an Ener-
giekosten eingespart werden
29. Die dafür nötigen Investitionen in Effizienztechnologien
sowie dazugehörige Dienstleistungen würden wiederum in großen Teilen in Münster
und dem nahen Umland ausgegeben werden und tragen damit zur regionalen Wert-
schöpfung bei.
29 Bei einem mittleren angenommen Energiepreis von 10 Cent/kWh im Bereich Wärme und 20
Cent/kWh im Bereich Strom
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 87 Klimaschutzkonzept Münster
Eine Studie des Öko-Instituts zusammen mit ICLEI aus dem Jahr 2007 zeigt für öffent-
liche Liegenschaften, dass bei einer Gesamtbetrachtung der Kosten von Kauf und Nut-
zung von Geräten bis zu 95% auf die Betriebskosten 30 zurückführen sind. Neben den
energetischen Sanierungen (vgl. Duscha, Hertle 1997) bieten also auch Elektrogeräte
energetische und wirtschaftliche Einsparpotenziale, die mit direkten kommunalen In-
vestitionen für das lokale Handwerk, Handel, Dienstleistungen und Produzenten ver-
bunden sind. Der Vorteil besteht hier darin, dass die Kommune mit ihren Investitionen
die Einsparmaßnahmen und Investitionen direkt anstoßen kann.
Energiebereich: Angebotsseite (Effizienz)
Die oben genannten Investitionen in Effizienztechnologien kommen zu großen Teilen
Unternehmen und Betrieben in der Region zu Gute. Eine aktuelle Studie (IFEU, Fraun-
hofer ISI, gws, Prognos) zeigt, welche Effekte dies für die Wirtschaft haben kann. So
wurde ermittelt, dass Investitionen in Effizienzmaßnahmen bis zum Jahr 2020 deutsch-
landweit mindestens 257.000 Arbeitsplätze schaffen könnten. Dabei wurden im Grunde
die gleichen Effizienzmaßnahmen und Technologien zu Grunde gelegt, wie sie im Ab-
schnitt zu Effizienz (s. Seite 34) in diesem Konzept berechnet wurden. An dieser Ent-
wicklung könnten alle Wirtschaftszweige profitieren. Branchen mit besonders hohem
Potenzial sind hier das Baugewerbe, der Handel, Instandhaltung und Reparatur sowie
Dienstleistungsunternehmen, die überwiegend für Unternehmen beratend tätig sind.
Sie profitieren von diesen Investitionen in besonderem Maße.
Ein Sektor, der diese Arbeitsmarkteffekte durch Einsatz von Effizienzmaßnahmen bun-
desweit besonders fördert, ist der Bereich der privaten Haushalte. Effizienzmaßnah-
men im Sektor Verkehr haben einen Anteil von 24% an den Arbeitsmarkteffekten. Die
Umsetzung von Effizienzmaßnahem im Sektor Industrie und Gewerbe (14% und 6%)
sind dagegen mit geringeren Arbeitsplatzeffekten verbunden.
Energiebereich: Erneuerbare Energien
Auch auf Energieversorgungsseite ist der Einsatz effizienter Technik und der Einsatz
erneuerbarer Energien mit erheblichen wirtschaftlichen Effekten verbunden. Eine Bei-
spielrechnung der Firma Solarcomplex zeigt, dass mit der Nutzung Erneuerbarer Ener-
gien
31 vor Ort bis zu 60% der Energieausgaben der Akteure in der Region verbleiben.
Beim Einsatz von Öl bzw. Gas verbleiben lediglich 15% der Energiekosten in der Regi-
on, während 60% bzw. 75% in öl- bzw. gasfördernde Länder fließen.
Zahlreiche Studien belegen, dass ein Ausbau von Erneuerbaren Energien auch mit
dem Ausbau von Arbeitsplätzen verbunden ist. Das Öko-Institut rechnete in seiner
Studie Bioenergie vor, dass durch den verstärkten Einsatz von Biomasse bis zum Jahr
2030 etwa 200.000 Arbeitsplätze entstehen können. Das Bundesumweltministerium
30 z.B. bei hocheffizienten Heizungspumpen
31 In diesem Fall wurde mit Biomasse gerechnet
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 88 Klimaschutzkonzept Münster
berechnete in einer Studie, dass sich die Zahl der Beschäftigten im Bereich Erneuerba-
re Energien von 150.000 Beschäftigten im Jahr 2004 bis zum Jahr 2020 auf 300.000
Beschäftigte verdoppeln könnte. Optimistische Schätzungen des Bundesverbandes
Erneuerbare Energien gehen sogar von bis zu 500.000 Beschäftigten bis zum Jahr
2020 aus.
Verkehrsbereich
Im Vergleich zum Motorisierten Individualverkehr erarbeitet der ÖPNV - trotz geringe-
rem Umsatz – einen höheren Anteil seiner Wertschöpfung im Inland, was unter ande-
rem in der höheren Beschäftigungsintensität und einem geringeren Anteil an Vorleis-
tungen (u. a. Importe) begründet ist (ARE-ASTRA 2006). Weiterhin wird die Elektrizität
für den Bahnbetrieb fasst ausschließlich im Inland produziert, während der Mineralöl-
treibstoff importiert werden muss.
In der Diskussion um die Kosten und Nutzen des Verkehrs spielen die externen Kosten
eine wichtige Rolle. Externe Verkehrskosten sind Kosten, die durch Verkehrsteilneh-
mer bzw. Verkehrsmittel verursacht, jedoch nicht von ihnen selbst getragen werden.
Dazu gehören unter anderem Kosten in Verbindung mit Lärmbelästigung, Unfällen o-
der Luftverschmutzung. Von diesen Kosten sind auch die Kommunen (z. B. Ausgaben
für Unfallprävention, Lärmschutz und Luftreinhaltung) und die regionale Wirtschaft (z.
B. wohnungswirtschaftliche Aspekte wie Mietpreise, Zusatzkosten für Schallschutz) be-
troffen. In der Studie „Externe Kosten des Verkehrs in Deutschland“ (Infras 2007) wird
nachgewiesen, dass der Umweltverbund je Personenkilometer deutlich geringere ex-
terne Kosten verursacht als der Motorisierte Individualverkehr. Wird der Motorisierte
Individualverkehr reduziert oder auf den Umweltverbund verlagert, entlastet das dem-
nach den Haushaltsetat der Kommunen und die regionale Wirtschaft von externen
Kosten.
7.6 Exemplarische Maßnahmenvertiefungen
In diesem Kapitel beschreiben wir einige zentrale Maßnahmen aus jedem der 5 The-
menbereiche noch etwas ausführlicher.
• Klimaschutzallianz für Münster
• Bürgerfonds für lokale und internationale Klimaschutzprojekte
• Gütesiegel Gebäudesanierung
• Energie-Coaching für Betriebe und deren Fachplaner
• Branchenspezifische Initiative zur Energieeinsparung durch Mitarbeitermotivation
• Themenspezifische Kampagnen zur gezielten Branchenansprache
• Ausbau Fernwärme in der Fläche
• Ausbau landwirtschaftliche Biogasnutzung
• Betriebliches Mobilitätsmanagement
• Gesamtstädtisches Parkraummanagement
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 89 Klimaschutzkonzept Münster
7.6.1 Klimaschutzallianz für Münster
Grundidee
Trotz vielfältiger Aktivitäten ist es bisher nicht gelungen, Klimaschutzmaßnahmen im
Alltag großer Teile Bevölkerung und der Firmen zu verankern. Eine Selbstverpflich-
tungsinitiative auf Ebene der Institutionen und Firmen soll hier zu mehr Eigenengage-
ment führen und die bisher vorhandenen Vernetzungsansätze in Münster gebündelt
und zur Unterstützung genutzt werden. Damit wird der Ansatz der Kampagne „Klima
sucht Schutz auch bei Dir“ mit seinem bisherigen BürgerPakt weiter ausgebaut.
Kurzbeschreibung
„Münsters Allianz für Klimaschutz“ soll relevante Akteure zusammenführen und ihnen
die Möglichkeit geben, neue Ideen und Projekte für den Klimaschutz in Münster im
Rahmen eines Netzwerks zu entwickeln. Die A llianz wird durch zwei weitere Bausteine
abgerundet: Die mitwirkenden Institutionen verpflichten sich selbst zu relevanten CO 2-
Minderungen. Zudem übernehmen (prominente) Paten außerhalb der Stadtverwaltung
für ausgewählte Themenbereiche die Verantwortung dafür, die Netzwerkarbeit voran-
zubringen. Ziel dabei ist, dass nicht mehr alle koordinieren Arbeiten allein durch die
Verwaltung (Klenko) erfolgen müssen, und damit insgesamt mehr bewegt werden
kann. Unterstützung erhält die Allianz durch externe Klimaschutz- und Moderationsex-
perten.
Abb. 19: Münsters Allianz für Klim aschutz (Vorschlag zur Arbeitsstruktur)
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 90 Klimaschutzkonzept Münster
Akteure
Alle wesentlichen gesellschaftlichen Akteure aus Institutionen, Politik, Verwaltung, Ver-
bänden, Wirtschaft und Wissenschaft sollten in die Allianz einbezogen werden. Die
Stadtspitze sollte die Schirmherrschaft übernehmen. Die Verwaltung koordiniert die Ak-
tivitäten der Allianz zentral, benötigt dazu aber mindestens die Kapazität einer zusätzli-
chen halben Person. Die Koordination für Teilthemen kann und soll aber bei den o.g.
Paten aus anderen Institutionen liegen.
Weitere Schritte zur Ausarbeitung
Eine grundsätzliche Bereitschaft zur Mitwirkung an Arbeitsgruppen zu den relevanten
Themenfeldern liegt vor, wie die positiven Erfahrungen mit den Workshops im Rahmen
dieses Konzepts zeigen. Daran und den anderen schon bestehenden Kooperationen in
Münster kann sehr gut angeknüpft werden. Zum Beispiel könnte eine erneute Klima-
konferenz dazu genutzt werden, den Startschuss für die Klimaschutzallianz zu geben
und Arbeitsthemen festzulegen.
Im Vorfeld sollten natürlich die politischen Gremien einen solchen Prozess beschließen
und unterstützen. Der Rat der Stadt bleibt auch bei Verwirklichung einer solchen Alli-
anz politisch das weiter entscheidende Gremien.
Die Finanzierung könnte zum großen Teil über das kommunale Förderprogramm des
Bundesumweltministeriums erfolgen. Ein entsprechender Antrag wurde von der Stadt-
verwaltung schon gestellt.
7.6.2 Bürgerfonds für lokale und internationale
Klimaschutzprojekte
Grundidee
Zahlreiche Projekte im Bereich von Investitionen in Klimaschutzmaßnahmen zeigen,
dass in erheblichen Umfang privates Kapital für Investitionen mobilisiert werden kann,
wenn es sich um Projekte handelt, zu denen der jeweilige Investor einen „persönlichen
Bezug“ (z.B. Projekte in seiner Stadt oder seiner Schule) entwickeln kann und dies als
rentierliche Geldanlage mit einer angemessenen Verzinsung realisiert wird, wenn auch
auf niedrigem Niveau.
Gleichzeitig bedeutet Klimaschutz in seiner globalen Dimension, dass
• Klimaschutz rund ein Prozent der Wirtschaftsleistung kostet,
• die Industriestaaten ihre Emissionen um rund 80% reduzieren müssen,
• zugleich die Entwicklungsländer für eine klimaschonende nachhaltige Entwicklung
eine Unterstützung durch Finanz- und Technologietransfers benötigen,
• Investitionen in Klimaschutz Arbeitsplätze schaffen und die weltweite Armut redu-
zieren können.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 91 Klimaschutzkonzept Münster
Kurzbeschreibung
Mit der Entwicklung eines Bürgerfonds für lokale und internationale Klimaschutzprojek-
te soll Bürgern wie auch Unternehmen in der Stadt Münster eine Geldanlagemöglich-
keit geboten werden, aus der heraus sowohl konkrete Klimaschutzprojekte in Münster
(z.B. energetische Sanierung einer Schule, Effizienzmaßnahmen in einem Altenheim
oder Krankenhaus, energetische Optimierung in einem Produktionsprozesses eines
mittelständischen Unternehmens, Solaranlagen in öffentlich frequentierten Gebäuden
wie Allwetterzoo etc.) wie auch in sog. Entwicklungs- oder Schwellenländern (z.B.
Biomassekraftwerke in Indien). Basierend auf einem Konzept der fairpla.net eG Müns-
ter würden so 80% der Einnahmen in Klimaschutzmaßnahmen in Münster, 20% in Pro-
jekte in Partnerregionen in Entwicklungs-/Schwellenländern gehen.
Die mögliche Dimension eines solchen Fonds verdeutlicht die folgende Berechnung:
Würden z.B. 12.500 Menschen jährlich durchschnittlich 500 Euro in einen solchen
„Bürgerfonds“ einzahlen, dann würden 6,25 Mio. Euro mobilisiert.
80% gleich 5 Mio. Euro wären das Grundkapital für Investitionen in der Stadt Münster
in lokale wirtschaftliche Klimaschutzprojekte. Dieses Grundkapital könnte durch Darle-
hen aufgestockt werden, so dass Investitionen von rund 15 Mio. Euro pro Jahr in
erneuerbare Energien und Energieeffizienz möglich wären.
20% gleich 1,25 Mio. Euro würden in wirtschaftliche Klimaschutzprojekte in Partnerre-
gionen in Entwicklungs- oder Schwellenländern investiert. Auch hier könnten die 1,25
Mio. Euro den Grundstock bilden und um Zuschüsse sowie Darlehen aufgestockt wer-
den.
Da nur wirtschaftliche Investitionen in Energieeffizienz und in erneuerbare Energiequel-
len vorgenommen würden, würden die Investoren für ihr eingesetztes Kapital eine
Rendite erzielen, die je nach Projekttyp und in der Mischung aus Projekten in Münster
und in Partnerregionen zwischen 2 und 4 % liegen sollte.
Zentrale Erfolgsfaktoren sind dabei:
• Die aus dem Fonds zu finanzierenden Projekte müssen vor Beginn der Öffentlich-
keitsarbeit und Einwerbung von Kapitalbeteiligungen feststehen (wirtschaftliche Si-
cherheit, Akzeptanz und Motivation bei potenziellen Anlegern). Sie können z.B. im
Rahmen eines Vorschlagswettbewerbs ermittelt werden.
• Für die Gewinnung der potenziellen Geldanleger bedarf es einer breiten Ansprache
über mehrere Multiplikatoren (z.B. Kreditinstitute, Stadtwerke, Kirche).
Akteure
Stadtverwaltung: Amt für Grünflächen und Umweltschutz (Koordinierungsstelle Klima
und Energie)
Kreditinstitute in der finanztechnischen Abwicklung
Know-how-Träger in der Durchführung von kombinierten lokalen und internationalen
Klimaschutzprojekten mit privaten Geldanlagen (z.B. fairpla.net eG Münster)
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 92 Klimaschutzkonzept Münster
Multiplikatoren: Kreditinstitute, Stadtwerke Münster, Kirchen, Vereine etc.
Weitere Schritte zur Ausarbeitung
• Konzeptionelle Entwicklung (Träger, Öffentlichkeitsarbeit, Einbindung Multipli-
katoren, Projektdefinition und Auswahl, finanztechnische und organisatorische
Abwicklung etc.)
• Auswahl der lokalen (z.B. durch Vorschlagswettbewerb) und internationalen
Projekte (z.B. nur in einer Partnerregion)
• Durchführung einer Beteiligungskampagne gerichtet an Bürger und Unterneh-
men in Münster
• Umsetzung der für das erste Jahr vorgesehenen lokalen und internationalen
Projekte
7.6.3 Gütesiegel Gebäudesanierung
Grundidee
Die baulichen Herausforderungen werden bei zunehmenden energetischen Anforde-
rungen größer. Fehler bei Sanierungsarbeiten führen dann nicht nur zu geringeren e-
nergetischen Einsparungen als erhofft, sondern können auch bauphysikalisch Proble-
me mit (Spät-)Folgen haben. Andererseits herrscht eine große Konkurrenz im Bausek-
tor, in dessen Folge die Preise so weit sinken, dass zu wenig Raum für gute (energeti-
sche) Qualität bleibt. Bauherren und Gebäudesanierer fehlt hier häufig die Kompetenz
und Erfahrung, um hier steuernd und qualitätssichernd einzugreifen. Die aktuellen
Bundesvorgaben für Energieausweise reichen zur Unterstützung hier noch nicht aus.
Die bestehenden Aktivitäten in der Kommune zur (energietechnischen) Qualitätssiche-
rung bei Gebäudesanierungen sollten daher mit einer neuen Strategie gebündelt und
verstärkt werden, die hier unter dem Arbeitstitel „Gütesiegel Gebäudesanierung“ vor-
geschlagen wird.
Kurzbeschreibung
Verknüpft werden soll der Ansatz der „Gläsernen Hausnummer“ mit dem För-
derprogramm „Energieeinsparung und Altbausanierung“ unter Aufgreifen von schon
bestehenden Qualitätssicherungskriterien in anderen Förderprogrammen (z.B. der
KfW). Diese Ansätze wurden auch auf dem Workshop im Themenfeld „Bauen und
Wohnen“ im Rahmen als mögliche gute Ansatzpunkte benannt.
Dabei sollten Kriterien für den Bauprozess einerseits sowie Empfehlungen für energie-
technische Standards andererseits einfließen. Bausteine des Gütesiegels könnten z.B.
sein:
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 93 Klimaschutzkonzept Münster
• Stärkere Bekanntmachung des derzeitigen Angebotes der städtischen Förde-
rung durch Maßnahmen zur Öffentlichkeitsarbeit
• Sensibilisierung und Weiterbildung für das Baugewerbe, z.B. in Zusammenar-
beit mit Bildungseinrichtungen der Berufsverbände/-kammern
• Erarbeitung von Qualitätsrichtlinien, deren Einhaltung durch Stichproben ge-
währleistet wird
• Ein für Öffentlichkeitsarbeit gut nutzbares äußeres Symbol/Zeichen an den Ge-
bäuden, die nach diesen Qualitätskriterien saniert wurden („Gütesiegel“)
• Ein Finanzierungsmodell für die dazugehörigen Bausteine
Akteure
Bei der Entwicklung des Gütesiegels sollten Handwerk, Architekten, Stadtverwaltung,
aber auch Hauseigentümer sowie Wohnungsunternehmen mitwirken. Die Umsetzung
im Alltag soll den Berufsgruppen im Baugewerbe überlassen bleiben.
Weitere Schritte zur Ausarbeitung
Das Aktivitätsbündel für ein Gütesiegel soll gemeinsam mit relevanten Akteuren entwi-
ckelt werden. Dabei sollen bestehende Aktivitäten aufgegriffen werden, wie z.B. die Ini-
tiativen „AltbauPartner Handwerk“ und „Wartungsqualität“. In Stuttgart existiert seit län-
gerem ein kommunaler Qualitätsstandard für energetische Gebäudesanierung. Auch
solche Erfahrungen sollen in Münster einfließen.
7.6.4 Energie-Coaching für Bet riebe und deren Fachplaner
Grundidee
Trotz immer weiter steigender Energiekosten besteht gerade in kleinen und mittleren
Betrieben das Problem, dass das entsprechende Wissen über die Möglichkeiten zur
Senkung des Energieverbrauchs nicht vorhanden ist und die Frage der Energieversor-
gung in den Betrieben nicht „personifiziert“ ist und daher nicht ausreichend behandelt
werden kann.
Durch die Bereitstellung externen Fachwissens als standardisiertes Beratungspaket
soll hier ein an die Betriebsstruktur von KMU angepasster Wissenstransfer stattfinden
und Energiesparmaßnahmen initiiert werden.
Kurzbeschreibung
Hier bieten sich zwei Lösungsstrategien an:
Zum einen wird direkt für den einzelnen Betrieb ein niederschwelliges Energiebera-
tungsangebot im Sinne einer Initialberatung mit begleitendem Coaching während der
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 94 Klimaschutzkonzept Münster
Maßnahmenumsetzung geschaffen, bei dem ein entsprechender Fachberater eine Ini-
tialberatung mit vor-Ort-Besuch durchführt (z.B. im Rahmen des KfW-
Förderprogramms "Energieeffizienzberatung" ) und später die Maßnahmenumsetzung
qualitätssichernd begleitet. Dabei werden qualifizierte Berater aus der Region voraus-
gewählt, mit denen eine Rahmenvereinbarung zu Leistungsumfang und Kosten für ein
begleitendes Coaching (z.B. in Abhängigkeit von Maßnahmenumfang oder Betriebs-
größe) getroffen wurde. Ggf erfolgt eine Schulung der Berater auf spezielle Themen.
Zum anderen wird ein Energie-Coaching-Angebot für die Ingenieur-/Planungsbüros
entwickelt, welche ohnehin als Planer für den jeweiligen Betrieb tätig sind. Die Ingeni-
eurbüros können sich dieses Spezialwissen mit an Boot holen und erhalten damit
zugleich eine Weiterbildung, so dass sie das Wissen später selbst einsetzen können.
Sie müssen gegenüber ihren Kunden, den Betrieben, gar nicht angeben, dass sie im
Hintergrund dieses Coachung nutzen, sondern das Know-How zu ihrem Marktvorteil
einsetzen.
Akteure
Stadtverwaltung: Amt für Grünflächen und Umweltschutz (Koordinierungsstelle Klima
und Energie)
Multiplikatoren/Experten: Wirtschaftsförderung Münster, Stadtwerke Münster, Energie-
berater
Weitere Schritte zur Ausarbeitung
• Konzeptionelle Entwicklung des „Direkt-Energieberatungsangebotes“ für ein-
zelne Betriebe (Abgrenzung/Nutzung der aktuellen KfW-Förderung, Akzeptanz
bei den Betrieben, Leistungsumfang, Beraterauswahl, Finanzierung)
• Konzeptionelle Entwicklung des „Energie-Coachingangebotes“ für Fachplaner (
Akzeptanz bei den Büros, Leistungsumfang, Beraterauswahl, Finanzierung,
Möglichkeiten der Anreizerhöhung aus Sicht der Büros)
• Klärung in welchem Umfang auch Mittel für die Förderung eingeplant werden
sollten (z.B. aus dem Maßnahmenvorschlag G7 „Förderprogramm Energieeffi-
zienzmaßnahmen im Sektor GHD“)
7.6.5 Branchenspezifische Init iative zur Energieeinsparung
durch Mitarbeitermotivation
Grundidee
In den letzten Jahren haben zahlreiche Projekte z.B. in Verwaltungsgebäuden, Alten-
pflegeeinrichtungen, Krankenhäusern, Universität, Schulen und Kindergärten, soziale
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 95 Klimaschutzkonzept Münster
Einrichtungen etc. immer wieder gezeigt, dass sich durch zielgruppenadäquate Sensi-
bilisierung und Motivation der Gebäudenutzer Energie- und Wasser-Einsparpotenziale
von 5-15% durch nicht- und gering-investive Maßnahmen erzielen lassen.
Das entsprechende Know-how für die konzeptionelle Planung derartiger Projekte und
mögliche Instrumente zur Umsetzung sind in verschiedenen Projekten in Deutschland
wie auch in Münster erarbeitet und erprobt worden. Ziel dieses Maßnahmenvorschlags
ist es, in einzelnen Branchen (z.B. Banken und Versicherungen, Altenpflegeeinrichtun-
gen, Krankenhäuser) entsprechende Mitarbeiterprojekte zu initiieren und deren Umset-
zung unterstützend zu begleiten.
Kurzbeschreibung
Bausteine einer solchen Initiative wären u.a.:
• Auswahl möglicher Branchen (z.B. Banken und Versicherungen, Altenpflege-
einrichtungen, Krankenhäuser, ggf. produzierendes Gewerbe) und Ansprache
einzelner Unternehmen innerhalb der Branche
• Nutzung bestehender und erprobter Konzepte (vgl. Bremen für Altenheime etc.)
bzw., wo nötig, Entwicklung neuer fertiger Handlungspakete für die Durchfüh-
rung von Mitarbeiterprojekten, angepasst an die einzelne Branche und unter
Nutzung bundesweit zur Verfügung stehender Materialien, inkl. entsprechend
qualifizierter Berater
• Projektübergreifende unterstützende Begleitung der Projektumsetzung durch
die Stadt Münster z.B. durch externe Evaluierung im laufenden Prozess, Orga-
nisation von Erfahrungsaustauschen, gesamtstädtische Öffentlichkeitsarbeit
etc.
Akteure
Stadtverwaltung: Amt für Grünflächen und Umweltschutz (Koordinierungsstelle Klima
und Energie)
Multiplikatoren/Experten: Wirtschaftsförderung Münster, Energieberater
Weitere Schritte zur Ausarbeitung
• Auswahl interessierter Branchen mit hohem internen Multiplikationspotenzial
• Erarbeitung eines Konzeptes zu Aufbau und Umsetzung sowie Finanzierung
der Initiative
• Ansprache einzelner Unternehmen
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 96 Klimaschutzkonzept Münster
7.6.6 Themenspezifische Kampagnen zur gezielten
Branchenansprache
Grundidee
Gerade im Bereich der kleinen und mittleren Unternehmen fehlt das Wissen über die
unterschiedlichen wirtschaftlichen Möglichkeite n zur Energiekosteneinsparung, sowohl
in finanzieller wie auch technischer Hinsicht. Aber auch in größeren Unternehmen ist
nicht immer zu allen technischen „Spezialthemen“ im Bereich Energieeffizienz das ent-
sprechende Wissen vorhanden.
Vorgeschlagen wird daher, zu einzelnen te chnischen Energieeffizienzthemen, die eine
gute Wirtschaftlichkeit aufweisen und in mehreren Branchen anwendbar sind, entspre-
chende Informationskampagnen zu entwickeln und zielgerichtet einzelne Branchen an-
zusprechen.
Gewählt wird dabei der Ansatz, jährliche eine Kampagne zu einem Thema zu entwi-
ckeln und durchzuführen, um somit durch die zeitliche wie thematische Fokussierung
eine entsprechende Aufmerksamkeit und Akzeptanz zu erzielen, einzelne Branchen
ansprechen zu können und nicht die gesamte Facette der betrieblichen Energiekos-
teneinsparung auf einmal und unspezifisch zu behandeln.
Die Kampagnen sind dabei in Verknüpfung oder auch als Ergebnis der weiteren ge-
planten Netzwerkaktivitäten („Allianz für das Klima“) und der Maßnahmen zum Erfah-
rungsaustausch im Sektor GHD zu sehen und mit den Inhalten des Förderprogramms
Gewerbe zu koordinieren.
Kurzbeschreibung
Bausteine eines solchen Kampagnenprogramms wären u.a.:
• Entwicklung und Durchführung von Kampagnen (Infoveranstaltungen, Positiv-
beispiele, Workshops, ggf. Coaching in der Umsetzung) mit gezielter Anspra-
che einzelner Branchen zur Energieeffizienz. Mögliche Themen könnten dabei
sein:
o Optimierung der Beleuchtung
o Optimierung der Kühlung sowohl als Gebäudekühlung wie auch im Be-
reich Einzelhandel zur Warenkühlung
o Green IT
o Kraftwärmekopplung (KWK-) Offensive: Entscheidungshilfen wie KWK-
Check Frankfurt, Einsatzmöglichkeiten bekannt machen
o IRC-Halogenlampen
o Heizungspumpe und hydraulischer Abgleich
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 97 Klimaschutzkonzept Münster
• Zentrale organisatorische und inhaltliche Durchführung aller Kampagnen unter
einem Dach („Klimaschutz in Münster – Standortvorteil für Münsteraner Betrie-
be“)
• Durchführung der einzelnen Kampagne durch externe Dienstleister in der Stadt
• gemeinsame Finanzierung durch Stadt, Stadtwerke Münster GmbH und Indust-
rie- und Handelskammer
Akteure
Stadtverwaltung: Amt für Grünflächen und Umweltschutz (Koordinierungsstelle Klima
und Energie) für Gesamtkoordination
Experten: Wirtschaftsförderung Münster, Stadtwerke Münster GmbH, Industrie- und
Handelskammer für Themenauswahl und inhaltliche Begleitung
Dienstleister aus dem Bereich Ingenieure und Marketing für Kampagnenentwicklung
und Umsetzung
Weitere Schritte zur Ausarbeitung
• Auswahl von Branchen und Kampagnenthemen
• Konzeption für einen 5jährigen Kampagnenzeitraum
• Integration in Netzwerkaktivitäten und Förderprogramm Gewerbe
7.6.7 Ausbau Fernwärme in der Fläche
Grundidee
Die bisherigen Maßnahmen auf dem Gebiet der Fernwärmeversorgung konzentrierten
sich auf die Verbesserung der Effizienz in der Erzeugung. Der Ausbau von Netzen fand
in Neubaugebieten mit geringer Wärmedichte statt und war aufgrund langsamer An-
schlussentwicklung auch wirtschaftlich oft problematisch. Es wird jetzt stärker damit ge-
rechnet, dass Neubau und Sanierung im bereits dicht bebauten Stadteilen stattfinden,
in denen Fernwärmeleitungen in wirtschaftlich akzeptabler Nähe liegen. Ziel ist es in
diesen Gebieten den Fernwärmeausbau zu forcieren und bei Bedarf auch neue Tras-
sen zu Erschließung zu verlegen.
Kurzbeschreibung
Es wird der Ausbau des bestehenden Netzes um 20 MW und mehr für möglich gehal-
ten. Zur Erreichung dieser Größenordnung ist eine gemeinsame Strategie von Stadt
und Stadtwerken zum Ausbau der Fernwärme zu verfolgen.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 98 Klimaschutzkonzept Münster
Bei Beratung, Stadtentwicklung, Gebäudesanierung muss der Fernwärmeanschluss
bzw. -ausbau vorrangig mit berücksichtigt werden. Auch die Gebäudebestände der
Wohnungsgesellschaften müssen in diese Strategie eingebunden werden.
Ein wichtiger Ansatzpunkt ist die anstehende Umstellung der Nachtspeicherheizungen,
die als ideale Neukunden für die Fernwärme anzusehen sind.
Die Festlegung eines Fernwärmegebietes im Umfeld bestehender Fernwärmetrassen
und Veröffentlichung als Karte der Fernwärmegebiete ermöglicht es jedem Interessen-
ten festzustellen, ob sein Haus angeschlossen werden kann.
Als flankierende Maßnahme sollte das Image der Fernwärmeversorgung im Sinne ei-
nes ökologisch wertvollen Produktes wie der Ökostrom verbessert und aufgewertet
werden, um die Akzeptanz und Wechselbereitschaft zu erhöhen.
Akteure
Wichtigster Akteur sind hier die Stadtwerke als Betreiber der Fernwärmeversorgungs-
netzes. Frühzeitige umfassende Informationen über Bau- und Sanierungsprojekte sol-
len von der Stadt und den Wohnungsgesellschaften geliefert werden. Regelmäßige
Abstimmungstreffen der Akteure sind sinnvoll.
7.6.8 Ausbau landwirtschaftliche Biogasnutzung
Grundidee
Angesichts des schon weiter fortgeschrittenen Ausbaus der Hofanlagen – seit 2009
begünstigt durch den Güllebonus – und der schon gegebenen und im Trend noch stei-
genden Flächenbeanspruchung, sehen die SWM keine guten Chancen mehr, die kon-
zipierte 2 MW-Anlage in Nienberge mit Substratanlieferung durch Münsteraner Land-
wirte zu realisieren. Es soll nunmehr der Ausbau landwirtschaftliche Biogasnutzung
angestrebt werden.
Kurzbeschreibung
Es wird eine Erhöhung der gesamten elektrischen Leistung auf 2,5 bis 3 MW für mög-
lich gehalten, ohne die Konkurrenz zwischen Energiepflanzen- und Nahrungsmittelan-
bau drastisch zu verschärfen. Konzeptionelle Ausrichtung der Biogaserzeugung auf
den Typ Hofanlage beinhaltet als eine wes entliche Komponente auch, dass der Um-
fang der Wärmenutzung erhöht werden muss.
Das Biogas einer Hofanlage soll mittels ei ner Biogasleitung zu einem Wärmeverbrau-
cher transportiert werden. Bei einfachen Verlegebedingungen im Außenbereich können
auch größere Entfernungen wirtschaftlich sein. In Verbrauchernähe wird ein „Satelliten-
BHKW“ errichtet, um so den KWK-Anteil der Biogasverstromung erheblich zu erhöhen.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 99 Klimaschutzkonzept Münster
Ein bekanntes Beispiel für eine derartige Anlagenkonzeption findet sich seit 2006 in
Steinfurt. Dort werden zwei Biogas-BHKW betrieben. Neben einem BHKW unmittelbar
neben der Biogasanlage wird über eine 3,6 Kilometer lange Leitung am Kreishaus ein
weiteres BHKW mit Biogas versorgt.
Akteure
Stadt und Stadtwerke ermitteln geeignete Wärmesenken im weiteren Umfeld vorhan-
dener oder auch neu geplanter Biogasanlagen.
Weitere Schritte zur Ausarbeitung
Stadt und Stadtwerke prüfen, welche eigenen Gebäude oder auch die von Kunden
günstig gelegen sind im Bezug auf bestehende oder neu zu errichtende Hofanlagen.
Der Informationsaustausch zwischen den Landwirten als Energielieferanten und den
potentiellen Abnehmern ist über eine zentrale Stelle, naheliegend KLENKO, zu koordi-
nieren.
7.6.9 Betriebliches Mobilitätsmanagement
Grundidee
Etwa ein Viertel aller Pkw-Fahrten in Münster sind nach einfachen Schätzungen dem Be-
rufsverkehr zuzurechnen. Maßnahmen zur Beeinflussung des Berufsverkehrs sind vor
allem dann wirksam, wenn sie am Punkt der Nachfrage-Generierung, dem Unterneh-
men ansetzen. Dies kann am besten durch eine Mobilitätsberatung für und in den Un-
ternehmen geschehen, im Rahmen von Betrieblichem Mobilitätsmanagement.
Kurzbeschreibung
Betriebliches Mobilitätsmanagement (BMM) ist ein nachfrage-orientierter Ansatz, um
den von einem Unternehmen erzeugten Verkehr effizienter, sicherer und umwelt-
freundlicher zu gestalten. Der Hauptfokus liegt im Allgemeinen auf einer Optimierung
von Arbeits- und Dienstwegen, kann aber auch auf Besucher-/Kundenverkehre sowie
den betrieblichen Güterverkehr ausgeweitet werden.
Die Maßnahmen im BMM konzentrieren sich hauptsächlich auf die Organisation und
Koordination des Verkehrs, die Information der Zielgruppen und die Bewerbung der
Maßnahmen. Dazu zählen z.B.:
• Maßnahmen im Berufs- und Dienstreiseverkehr wie Förderung von Fahrgemein-
schaften und von Jobtickets für den öffentlichen Verkehr, Parkraumbewirtschaftung,
• Bereitstellung von Informationen und Motivation der Arbeitnehmer für eine nachhal-
tige Mobilität (z.B. zusätzliche Anreize, Vorbildwirkung),
• Arbeits- und Wegeorganisation für Arbeitnehmer (z.B. Möglichkeit von Telearbeit).
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 100 Klimaschutzkonzept Münster
Eine wichtige Erfolgsvoraussetzung ist die Zielgruppen- bzw. Nachfrageorientierung
der Maßnahmen und eine standortbezogene organisatorische Umsetzung (keine Stan-
dardlösung). Ergebnis der Beratung sollte deshalb ein unternehmensspezifisches Mo-
bilitätskonzept und die Verankerung des betrieblichen Mobilitätsmanagements an zent-
raler Stelle im Unternehmen sein.
Schwerpunkt des BMM ist im Personenverkehr eine Verringerung von Fahrten des mo-
torisierten Individualverkehrs (MIV) durch Verlagerung auf öffentlichen oder Radver-
kehr und Erhöhung der Besetzungsgrade im Pkw. Mit einer Abnahme des MIV verrin-
gern sich in gleichem Maße auch die Umweltwirkungen (Klima, Luftschadstoffe). In
Modellvorhaben konnten durch betriebliches Mobilitätsmanagement 5-21% CO
2-
Emissionen eingespart werden. Über die Umweltwirkungen hinaus sind weitere Vortei-
le für die Beteiligten möglich u.a.:
Vorteile für Unternehmen Vorteile für Kunden/Nutzer
- Bessere Standortanbindung (z.B. Optimie-
rung ÖV-Anbindung in Kooperation mit
ÖPNV-Anbieter)
- Zeitvorteile (z.B. bei verbesserter ÖPNV-
Anbindung des Betriebs, Vermeidung von
Staus im Berufsverkehr)
- Einnahmen aus Parkraumbewirtschaftung
(z.B. Mitfinanzierung Jobticket möglich)
- Kostenvorteile (insb. bei Förderung Job-
Ticket für Mitarbeiter)
- Reduktion der Parkflächen und damit ver-
bundener Kosten (Herstellung & Unterhalt)
- Optimierung Dienstreisemanagement - Erhöhung der Fitness (Fuß, Rad)
- Weniger Krankheitstage (weniger Wegeun-
fälle, höhere Fitness der Mitarbeiter) - Geringere Unfallgefahr (Wegeunfälle)
- Verbesserung Umweltimage - „Gutes-Gewissen-Vorteile“
- Optimierung Fuhrpark (z.B. geringere An-
schaffungs- und Betriebskosten)
Akteure
Stadtverwaltung: Amt für Grünflächen und Umweltschutz, z.B. Einbindung in das Bera-
tungsangebot Ökoprofit. Fachliche Unterstützung durch Abteilung Verkehrsplanung.
Multiplikatoren/Experten: IHK, Handwerkskammer, Wirtschaftsförderung Münster,
Stadtwerke Münster.
Weitere Schritte zur Ausarbeitung
• Bestehende Ansätze („Saubere Luft für Münster“, Firmenabo-Initiative) ausbau-
en und institutionalisieren (z. B. durch Integration in Ökoprofit)
• Vermittlung der Vorteile von Betrieblichem Mobilitätsmanagement für Unterneh-
men, u. a. durch Kommunikation eigener Erfahrungen und Erfolge des dienstli-
chen Mobilitätsmanagements in der Stadtverwaltung Münster
• Umsetzung einer individuellen Mobilitätsberatung in ersten Unternehmen (Er-
gebnis: standortspezifischer Mobilitätsplan)
• Kommunikation der Erfolge in anderen Unternehmen
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 101 Klimaschutzkonzept Münster
7.6.10 Gesamtstädtisches Parkraummanagement
Grundidee
Umweltverbund fördernde Maßnahmen allein können keine signifikante Reduktion der
Treibhausgasemissionen des Verkehrs bewirken. Daher ist es unumgänglich auch re-
striktive Elemente in die kommunale Verkehrsplanungspraxis zu implementieren um
den Motorisierten Individualverkehr in seinem absoluten Aufkommen zu reduzieren.
Auch für andere Aspekte (Luftreinhaltung, Lärmschutz, Verkehrssicherheit, innerstädti-
sche Aufenthaltsqualität etc.) ist eine Reduktion des Motorisierten Individualverkehrs
im Stadtgebiet anzustreben. Ein Parkraummanagement kann diese Funktion überneh-
men, wenn es dem Ziel entsprechend (Reduktion MIV im gesamten Stadtgebiet) aus-
gestaltet ist und mit der nötigen Umsetzungsintensität betrieben wird.
In Münster sollte zentrale Zielstellung des Parkraummanagements vor allem eine Re-
duktion des regionalen Pendlerverkehrs sein. Dieser ist in der Vergangenheit in Müns-
ter stark angestiegen, wie unter anderem eine aktuelle Erhebung der IHK Nord Westfa-
len unterstreicht (IHK 2009). Die Münsteraner Verkehrsplanungsabteilung sieht in die-
sem Bereich das Hauptproblem für die Verkehrsprobleme der Stadt (WN 2009).
Kurzbeschreibung
Parkraummanagement beinhaltet die Organisation der öffentlichen Parkstände und der
privaten Stellplätze. Es sollte immer auf gesamtstädtischer Ebene betrieben werden und
in ein integriertes Gesamtkonzept eingeordnet sein. Ziele können u.a. sein (DIVU 2009):
• Senkung verkehrsbedingter Lärm- und Umweltbelastungen
• Erhöhung der Aufenthaltsqualität und Sicherheit (Kinderfreundlichkeit)
• Attraktivitätssteigerung des ÖPNV im Verhältnis zum MIV
• Vermeidung von Investitionen für neue Parkflächen
• Ertragsmaximierung durch Generierung von Einnahmen
• Bereitstellung von Parkraum für bestimmte Personengruppen
Um die genannten Ziele zu erreichen, werden unter Berücksichtigung lokaler Gege-
benheiten und Einbeziehung der Interessenlagen folgende Instrumente angewandt:
1. Angebotssteuerung
Um eine Reduktion des MIV und ggf. eine Verlagerung auf den Umweltverbund errei-
chen zu können, muss die fußläufige Erreichbarkeit (Entfernung, Zeit) der Zu- und Ab-
gangspunkte des MIV (z. B. Parkhaus, Parkstand etc.) an die Erreichbarkeit des Um-
weltverbundes (z. B. Fahrradständer, Haltestelle) angepasst werden. Die wichtigsten
Stellgrößen sind dabei Lage und Anzahl der Stellplätze (TU Wien 2006), (Topp o.J.).
Im öffentlichen Raum ist die Anpassung der genannten Stellgrößen uneingeschränkt
möglich. Auch den Bau und Betrieb von Parkhäusern kann die Stadt beeinflussen.
Hingegen kann auf das Angebot an privaten Stellplätzen nur mittel- bis langfristig ein-
gewirkt werden, zum Beispiel durch die Schaffung und Ausweitung autofreier Quartiere
(z. B. Gartensiedlung Weißenburg in Münster). Dort ist weniger Parkraum oft gleichbe-
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 102 Klimaschutzkonzept Münster
deutend mit weniger Pkw-Bestand und -Verkehr. Weiterhin können Anzahl und Lage
privater Stellplätze durch die Änderung der Zahl an Pflicht-Stellplätzen im Bauord-
nungsrecht und durch Betriebliches Mobilitätsmanagement reduziert werden.
2. Parkraumbewirtschaftung
Parkraumbewirtschaftung hat das Ziel den (allgemein öffentlich zugänglichen) Park-
raum einem möglichst großen Nutzerkreis zur Verfügung zu stellen und dabei einige
Nutzergruppen (z.B. Anwohner) gezielt zu bevorteilen. Mögliche Maßnahmen zur
Steuerung der Parkraumnutzung sind die Erhebung von Parkgebühren, die Gestaltung
von Ausnahmeregelungen, Parkdauerbeschränkungen und Regelungen zum Anwoh-
nerparken, als auch die Überwachung regelwidrigen Parkens. In einem ersten Schritt
wird unbewirtschafteter oder nicht ausreichend bewirtschafteter Parkraum (z.B. Gebüh-
ren zu niedrig; unzureichende Kontrollen, keine Ahndung des Gehwegparkens) in der
Innenstadt abgeschafft und im übrigen Stadtgebiet minimiert. Im zweiten Schritt wer-
den in der gesamten Stadt so viele Langzeitparkstände (Beschäftigte, Anwohner) wie
möglich in Kurzzeitparkstände umgewidmet.
Zu beachten ist, dass der Umschlag beim Kurzparken um ein Vielfaches höher ist, als
beim Dauerparken. Um eine Vergrößerung des Pkw-Verkehrs zu verhindern, muss in
dem Maße, wie der Umschlag ansteigt, Parkraum abgebaut werden. Angebotssteue-
rung und Parkraumbewirtschaftung müssen hierfür miteinander abgestimmt werden.
3. Informieren und Leiten
Informations- und Leitsysteme werden eingesetzt um den Parksuchverkehr zu reduzie-
ren.. Damit ist es möglich, den MIV über vorhandene oder nicht vorhandene Parkmög-
lichkeiten möglichst frühzeitig (idealerweise vor Fahrtantritt) zu informieren und diesen
gegebenenfalls umzuleiten. So könnte in Münster die Zufahrt zur Innenstadt innerhalb
des Promenadenrings für weitere Kfz gesperrt werden, wenn die Parkhäuser belegt
sind (dynamische Zufahrtsbeschränkung). Dadurch werden neben unnötigen Park-
suchverkehr auch Rückstaus verhindert, was u.a. auch ÖPNV beschleunigend wirkt.
Akteure
Stadt Münster
Weitere Schritte zur Ausarbeitung
Das Parkraummanagement in Münster folgt bisher keinen übergeordneten Zielen, son-
dern ist weitestgehend auf die Befriedigung der aktuellen und zukünftig zu erwartenden
Parkraumnachfrage ausgerichtet. Deshalb so ll das Parkraummanagement in Münster
an den oben beschriebenen Inhalten neu ausgerichtet werden.
• Erarbeitung eines übergeordneten Zielsystems mit konkreten Zielen zu Anzahl
(u. a. auch Reduktionsquote) und Lage des Parkraumes in der gesamten Stadt
• Erarbeitung eines gesamtstädtischen Parkraumkonzepts und Anpassung vor-
handener Teilkonzepte (Parkkonzept Altstadt) unter Einbezug betroffener Ak-
teure (partizipative Elemente)
• Öffentlichkeitsarbeit mit stichhaltiger Argumentation
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 103 Klimaschutzkonzept Münster
• zunächst dezentrale Umsetzung der entwickelten Maßnahmen
• Kommunikation der ersten positiven Effekte (in Bezug auf die gesetzten Ziele)
um Widerstand gegenüber gesamtstädtischer Implementierung zu reduzieren
7.7 Weitere Maßnahmen geringerer Priorität
Während der Konzepterarbeitung wurden von den beteiligten Münsteranern sowie von
IFEU und Gertec eine Reihe weiterer Maßnahmenideen zusammengestellt. In der Zu-
sammenschau erhielten Sie jedoch aus Gutachterperspektive eine geringere Priorität
zugeordnet. Sie wurden deshalb nicht weiter ausgearbeitet und kein Minderungspoten-
zial dafür abgeschätzt. Tendenziell haben sie aber ein geringeres Potenzial als die zu-
vor ausführlicher dargestellten Maßnahmen höherer Priorität. In der folgenden Tabelle
sind sie jedoch aufgeführt, damit sie für weitere Diskussionen und zur eventuellen Wei-
terverfolgung zur Verfügung stehen.
Tab. 8: Weitere Maßnahmen geringerer Priorität
Maßnahme
Übergreifend
Modellprojekt privater CO2-Handel
CO2-Budgets für Bürger wie für Firmen ausprobieren (vgl. Überlegungen in England). Innovativer, aber zunächst auf-
wändiger Ansatz.
Integration Klimaschutz in Stadtentwicklungskonzept
Bei künftig anstehenden Neuformulierungen des Stadtentwicklungskonzepts sollte Umwelt-/Klimaschutz mindestens
wieder mit dem gleichen Stellenwert einfließen wie im bestehenden Leitbild „ISM“. Allgemeine Rahmensetzung wich-
tig, aber weniger Wirkung im Detail zu erwarten.
Handlungsprogramm Wohnen ergänzen
Im aktuellen Handlungsprogramm Wohnen (2005) sind Aspekte der Energieeinsparung, -kosten sowie des Klima-
schutzes nicht integriert. Dies sollte bei einer anstehenden Überarbeitung nachgeholt werden. Allgemeine Rahmen-
setzung wichtig, aber weniger Wirkung im Detail zu erwarten
„Energiedetektive schwärmen aus“
Die bestehenden Bildungsaktivitäten zu Energie- und Klimaschutzfragen können genutzt werden, um über die Bil-
dungseinrichtungen hinaus in die anderen Sektoren auszustrahlen. Zum Beispiel könnten Schüler, die an Energie-
sparprojekten in ihren Schulen beteiligt sind, auch systematisch motiviert werden, in ihren eigenen Wohnungen nach
Einsparmöglichkeiten zu „fahnden“. Analoges ist denkbar für Studenten an der FH oder der Universität. Fachlich nicht
ganz so hochwertige Lösung. Aber als einfacher Multiplikatorenansatz interessant.
Bauen und Wohnen
Öffentlicher Selbstverpflichtung („Gebäude-Pakt“) zwischen Stadt und privaten Gebäudeeigentümern, eine be-
stimmte Anzahl Gebäude im Zeitfenster von 3 Jahren nach sehr hohem Standard zu sanieren. Wichtiger wäre Einbet-
tung der Selbstverpflichtungen in die Allianz (vgl. Maßnahme Ü4)
Modellprojekt(e) EnergiePlusHaus eines städt. Gebäudes
Über Passivhaus hinausgehen: Gebäude als Energielieferanten aufgrund der besonderen Integration erneuerbarer
Energien sowie von KWK-Anlagen. Als Modellprojekt gedacht, um Machbares zu zeigen.
Lehrgang fürs Handwerk: „Einsatz von Passivhauselementen bei Gebäudesanierung“
Demozentrum Bau- und Energie noch intensiver nutzen für Vermittlung von weiterer Beratung, Dienstleistungs-
anbietern etc, damit Besucher (Endkunden) weitergeholfen wird (Listen etc.). Wird im Grunde schon so gemacht, im
Detail evtl. optimierbar.
Stadt könnte im Rahmen von Energieberatung auf Thermografie und Blower-Door-Tests der Handwerker hin-
weisen, damit Handwerker schließlich stärker beim Handwerkskammer Bildungszentrum (HBZ) diese Dienstleistun-
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 104 Klimaschutzkonzept Münster
gen des HBZ (Verleih von Thermografie-Ausrüstung, Durchführung Blower-Door-Test) nachfragen. Wird im Grunde
schon so gemacht, im Detail evtl. intensivierbar.
Gewerbe, Handel, Dienstleistungen
Fortsetzung ÖKOPROFIT
Gute Kosten-Nutzen-Effizienz auch aus Sicht der teilnehmenden Betriebe, erzeugt dauerhafte Wirkung. Jedoch nur
kleiner Kreis teilnehmender Betriebe möglich.
Stärkerer Erfahrungsaustausch zwischen städtischem Gebäudemanagement und Universität
Energieeffizienz-Know-How in einem Betrieb gegen Honorar anderen Betrieben zur Verfügung stellen. Kann
Ergebnis eines Netzwerkes im Rahmen „Münsters Allianz für Klimaschutz“ sein.
Klimaschutzsiegel Gewerbe
Klimaschutzsiegel für Münsteraner Gewerbe und Handel („Klima sucht Schutz beim Gewerbe“ oder „Einzelhandel für
den Klimaschutz“). Für verschiedene Branchen wird ein Siegel entwickelt, dass nach Erfüllung bestimmter energeti-
scher Auflagen öffentlich präsentiert wird
Systematik Stromverbrauchskosten
Entwicklung einer einheitlichen Systematik zur Berechung Stromverbrauchskosten über die gesamte Lebensdauer
eines Produktes für die Kundeninformation. Anschließend in Kooperation mit Einzelhändlern einführen.
Auszeichnung energieeffizienter Gewerbegebäude
Durchführung eines Wettbewerbs energieeffiziente Gewerbe- und Industriegebäude mit Prämierung
Verkehr
Ausbau der vorhandenen Park+Ride-Möglichkeiten an Bahn- und Bushaltestellen im Umland
Park+Ride-Möglichkeiten wurden bereits in der Vergangenheit an zentralen Haltepunkten im Umland geschaffen. Ein
weiterer Ausbau des Angebots sowie die bereits im Luftreinhalteplan vorgesehene stärkere Vermarktung des P+R-
Angebots unterstützen weitere Verlagerungen von regionalem Pkw-Verkehr auf den klimafreundlicheren öffentlichen
Verkehr. Das Park+Ride-Angebot muss auf die Beförderungskapazitäten im regionalen Bus- und Bahnverkehr abge-
stimmt sein. Der Umfang einer Ausweitung der Parkkapazitäten sollte deshalb nicht losgelöst von den Maßnahmen
zu Ausbau und Optimierung des öffentlichen Verkehrs erfolgen.
Fortführung der Maßnahmen zur ÖPNV-Beschleunigung im Stadtgebiet
Die ÖPNV-Beschleunigung, z.B. durch eigene Busspuren und Ampel-Vorrangschaltungen, war bereits in den ver-
gangenen Jahren Teil der ÖPNV-fördernden Maßnahmen in Münster. Die Maßnahmen sollten weiter fortgeführt wer-
den, um die Reisegeschwindigkeiten im innerstädtischen Busverkehr zu steigern. Denn die Reisezeit ist ein entschei-
dendes Kriterium bei der Verkehrsmittelwahl.
Weitere Optimierung des Tarifangebots im öffentlichen Verkehr
Durch attraktive, übersichtliche Tarife können neue Kunden für den öffentlichen Verkehr gewonnen werden. Wichtig ist
eine Orientierung neuer Tarifangebote auf bisher Pkw-fahrende Nutzergruppen unter gleichzeitiger Beibehaltung der
Vorteile für die bestehenden Kunden.
Erhalt und Optimierung des umfangreichen Radwegenetzes im Stadtgebiet Münster
Der Radverkehr hat einen hohen Anteil an der Mobilität in Münster. Um diesen Anteil zu halten und weitere Zunahmen
zu ermöglichen, ist die Erhaltung und Optimierung des Radwegenetzes notwendig.
Einführung einer City-Maut zur Steuerung der Verkehrsmengen und der Verkehrsmittelwahl bei Fahrten in die
Innenstadt
Eine City-Maut gibt es bereits seit mehreren Jahren in verschiedenen europäischen Städten (z.B. Stockholm, Oslo, Bo-
logna, Mailand, London). Die Höhe der Mautgebühren kann nach Umweltkriterien gestaffelt und auf bestimmte Tages-
zeiten begrenzt werden (z.B. 8-18 Uhr). Für Einwohner und Anlieger sind gesonderte Regelungen üblich. Die Wirksam-
keit einer City-Maut wird allerdings stark verringert, je mehr Ausnahmen von der Mautpflicht gewährt werden. Einnah-
men aus der City-Maut können z.B. eine Ausweitung des ÖPNV-Angebots mit unterstützten (wie zeitweise in Stockholm
praktiziert).
Mitfahrerparkplätze zur Förderung von Fahrgemeinschaften
Durch Bereitstellung von Mitfahrerparkplätzen im Umland wird die Bildung von Fahrgemeinschaften gefördert und die
Zahl der MIV-Fahrten aus dem Umland nach Münster reduziert. Mitfahrerparkplätze im Umland könnten z.B. mit
Park+Ride-Möglichkeiten kombiniert sein.
Der Regionalverkehr ist zu einem großen Anteil durch Münsteraner mitverursacht. Mitfahrerparkplätze in Münster er-
leichtern die Bildung von Fahrgemeinschaften für Fahrten ins Umland. Mitfahrerparkplätze im Stadtgebiet Münster müs-
sen aber in das gesamtstädtische Parkraummanagement integriert sein, um einer Missnutzung durch andere Pkw-
Fahrer vorzubeugen.
Umweltorientierte Beschaffungskriterien für umweltfreundliche Pkw-Flotten in der Stadtverwaltung und in
Unternehmen. Z.B.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 105 Klimaschutzkonzept Münster
- Zentrale Fahrzeugbeschaffung in de r Stadtverwaltung mit einheitlichen anspruchsvollen Kriterien für den Pkw-
Kraftstoffverbrauch.
- Festlegung eines Leitbilds für die durchschnittlichen Flottenemissionen der gesamten Pkw-Flotte (z.B. 100 g
CO2/km bis 2020).
- Nach Vorbild der Stadtverwaltung stellen Unternehmen in Münster ähnliche Ziele für ihre Pkw-Flotten auf.
Umweltorientiertes Flottenmanagement in Unternehmen zur Steigerung der Energieeffizienz im Güterverkehr
durch verkehrsangepasstes Fahrverhalten sowie optimierte Kfz-Ausstattung und -wartung. Themen u.a.
- Fahrerschulungen für Berufskraftfahrer
- Fahrzeugausstattung (Leichtlauföle, -reifen)
- Regelmäßige Reifendruckkontrolle oder Einsatz automatischer Reifendruckkontrollsysteme
Einsatz von seriellen Hybridbussen im Stadtverkehr zur Verbesserung der Kraftstoffeffizienz sowie weiterer Fak-
toren wie Lärmbelastung, Luftreinhaltung und Fahrkomfort.
Durchführung von Spritsparkursen, in denen Pkw-Nutzer eine verkehrsangepasste, sparsame Fahrweise erlernen
und zusätzliche Hinweise zur Verringerung des Kraftstoffverbrauchs (durch Fahrzeugausstattung und -wartung (z.B.
Reifen, Reifendruck) erhalten.
Beratung zum Kauf sparsamer Pkw-Modelle zur Erschließung von damit verbundenen Kraftstoff-
Einsparpotenzialen
7.8 Nächste Schritte zur Umsetzung sowie Ausblick
Wir schlagen nach Vorliegen dieses Berichts folgende weitere Schritte vor:
1. Diskussion des Konzepts mit Bürgerschaft, auch und gerade in Hinblick „Müns-
ters Allianz für den Klimaschutz“ sowie „Bürger-/Firmen-Klimafonds“
2. Zielsetzungen zum Klimaschutz differenzieren, anpassen und beschließen
3. Maßnahmenplan politisch verabschieden inkl. der nötigen Haushaltsmittel
4. Start von „Münsters Allianz für den Klimaschutz“
5. Parallel zu 4.: Umsetzung von einzelnen Maßnahmen hoher Priorität (z.B.
Münsters Allianz für Klimaschutz, Ausbau Klenko, etc.)
Ausblick
Die Arbeiten am Konzept haben gezeigt, dass das Zieljahr 2020 einerseits noch weit
entfernt ist. Nicht alle Maßnahmen können detailliert für einen langen Zeitraum von 10
Jahren voraus geplant werden. Andererseits sind über das Jahr 2020 hinaus deutlich
längerfristigere Rahmensetzungen erforderlich, um die noch weitergehenden Zielset-
zungen rechtzeitig anzupeilen. Bis zur Mitte des Jahrhunderts sollen die CO
2-
Emissionen um 80% reduziert werden, so verlangen die Klimawissenschaftler. Nur da-
durch könne gewährleistet werden, dass die Klimaveränderungen in einem erträglichen
Rahmen bleiben.
Von daher empfehlen wir der Stadt Münster innerhalb der nächsten 2 bis 3 Jahre einen
Blick über 2020 hinaus zu wagen, z.B. bis zum Jahr 2035 oder 2050. Langfristige stra-
tegische Weichenstellungen stehen an, zum Beispiel zur Energieversorgung: Mit wel-
chem Energieträgermix wird die Fernwärme im Jahr 2050 betrieben? Oder im Ver-
kehrsbereich: Wie sieht die Mobilität der Zukunft aus, auch unter Berücksichtigung ak-
tuell diskutierter Ansätze der Elektromobilität? Dabei sind insbesondere Infrastruktur-
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 106 Klimaschutzkonzept Münster
Fragen betroffen, die sich an noch längeren Perspektiven orientieren sollten, die nicht
mehr Gegenstand dieses Konzepts sein konnten.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 107 Klimaschutzkonzept Münster
8 Maßnahmen „AkteurePlus“
Die Stadt Münster hat sich mit dem 40%-CO 2-Reduktionsziel eine sehr ambitionierte
Marke gesetzt, die sich an dem global Notwendigen für den Klimaschutz orientiert.
Damit steht sie nicht allein, wie u.a. die Zielsetzung der Bundesregierung mit einer e-
benfalls 40%igen Reduktion gegenüber 1990 bis zum Jahr 2020 zeigt. Auf Bundes-
ebene trugen seit 1990 jedoch auch große strukturelle Änderungen (z.T. Einbruch der
Industrie in den neuen Bundesländern) dazu bei, bis heute schon Minderungen von
über 23% erreicht zu haben. Schon auf Bundesebene wird es von daher nicht leicht
sein, die 40 Prozent bis 2020 zu erreichen.
In Städten, die keine vergleichbaren strukturellen Änderungen seit 1990 erlebten, gilt
das deshalb noch verstärkt: Dass das für die meisten größeren, auch die ambitionier-
ten Städte schwierig ist, wurde schon in Abschnitt 4.2.3 gezeigt. Es müssen intensivere
Aktivitäten und Anstrengungen außerhalb und innerhalb einer Kommune auf den Weg
gebracht werden, um dieses Ziel erreichbar zu machen.
„Global notwendige Zielsetzung“ heißt in diesem Zusammenhang deshalb auch, dass
eine Kommune allein damit überfordert wäre, dieses Ziel zu erreichen, wenn nicht
a) auch durch die politischen Rahmenbedingungen auf höheren Ebenen die richti-
gen Weichenstellungen vorgenommen werden
b) und die Bürgerinnen und Bürger und Firmen der Stadt diese Aufgabe für sich
ernst nehmen und umsetzen.
Wie in den Abschnitten 5.1 sowie 7.4 aufgezeigt wurde, tragen zwar die aktuellen
technisch-wirtschaftlichen Potenziale, die im Rahmen normaler Ersatzzyklen bis 2020
realisiert werden können, und der umfangreiche Maßnahmenkatalog „Stadt als Motor“
zu wesentlichen Minderungen in Münster bei, aber es muss Darüberhinausgehendes
geschehen, um die verbleibende CO
2-Lücke von über 400.000 Tonnen jährlich zu
schließen.
Was dies sein kann, soll in diesem Abschnitt „Maßnahmen AkteurePlus“ aufgezeigt
werden. Vollständig kann die Auflistung aber nicht sein, da ein globales, europäisches,
bundespolitisches Klimaschutzkonzept dazu nötig wäre. Die Auflistung dient vielmehr
dazu, wesentliche Linien (auf höherer politischer Ebene) aufzuzeigen, für die die Stadt
sich politisch einsetzen sollte; und Handlungsmöglichkeiten etwas mehr zu konkretisie-
ren, die die Münsteraner Bürgerschaft und Firmen betreffen.
8.1 Maßnahmen auf politisch höheren Ebenen
Global
Auf globaler Ebene sind die Bemühungen um internationale, verbindlich getragene
Abkommen weiter voranzutreiben, auch über das Jahr 2012 hinaus . Unter ande-
rem wäre ein wichtiges Ziel, den Treibhausgasemissionshandel international zu
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 108 Klimaschutzkonzept Münster
verzahnen und solidarische Mechanismen mit Entwicklungs- und Schwellenländern
auszubauen.
Zudem finden viele Technikstandardisierungen mittlerweile auf internationaler Ebene
statt, da auch der Handel interkontinental abläuft. Hier müssen für Produktion und Be-
trieb von Produkten durchgängig Klimaschutz- und Energieeffizienzkriterien ein-
fließen, da auch in Münster Geräte aus der ganzen Welt zum Einsatz gelangen. Wich-
tiges Beispiel wäre ein Verbot von unnötigem Stand-By-Verbrauch in Normungs-
prozessen. Die Einführung von solchen Kriterien auf nationalen Märkten dürfen nicht
pauschal als Handelshemmnis verurteilt werden, sondern muss im Sinne eines Wett-
laufs um den besten Klimaschutz akzeptiert werden.
EU
Auf der Ebene EU werden mittlerweile viele entscheidende Rahmenbedingungen ge-
setzt, die damit nicht mehr allein national entscheidbar sind. Dies betrifft neben dem
Emissionshandel z.B. auch Festlegungen von ökologischen (Mindest-)Kriterien von
Produkten. Beim Emissionshandel ist es am wichtigsten, die zulässige Höchstgrenze
der zugelassenen CO
2-Emissionen über die Jahre deutlich und verlässlich abzusenken
sowie alle Emissionsrechte zu verkaufen (und nicht einen Teil zu verschenken wie bis-
her). Damit wären für die Wirtschaft und die Bürger klare Signale gesetzt: Fossiler E-
nergieverbrauch würde teurer und Einsparung damit wirtschaftlicher.
Als Beispiel für die Produktgestaltung sei hier die EU-Richtlinie „2005/32/EC - Direc-
tive for energy using products“ (Richtlinie für energieverbrauchende Produkte)
genannt, die seit 2005 in Kraft ist. In diesem Rahmen werden mittlerweile Vorgaben
gemacht für Fernseher, Bürobeleuchtung, Elektromotoren und, vielleicht am bekann-
testen, für Haushaltsbeleuchtungsmittel. Deshalb dürfen seit dem 1.9.2009 z.B. 100W-
Glühlampen nicht mehr verkauft werden, weil sie zu ineffizient sind. Vergleichbare
Verbote müssten auch für andere ineffiziente Geräte ausgesprochen werden , wie
z.B. ineffiziente, ungeregelte Pumpen.
Solche Entscheidungen sind viel durchgreifender und volkwirtschaftlich sinnvoller als
zum Beispiel aufwändige nationale oder kommunale Aufklärungskampagnen. Auf der
Ebene der EU sind weitere Initiativen absehbar, welche den Klimaschutz voranbringen.
Unter anderem ist die Fortschreibung der „Gebäuderichtlinie“ im Blick
32. Dabei gibt es
schon jetzt offizielle Vorschläge, den Passivhausstandard bis zum Jahr 2020 ver-
pflichtend zu machen. Dies sollte auch geschehen.
Auch im Verkehr werden entscheidende Weichenstellungen auf EU-Ebene vollzogen.
Hauptsächlich sind hier die aktuellen Festlegungen von CO 2-Grenzwerten für neue
32 EU-Richtlinie 2002/91/EG über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 109 Klimaschutzkonzept Münster
Pkw33 zu nennen sowie die Bestrebungen für vergleichbare CO2-Grenzwerte auch für
Leichte Nutzfahrzeuge (Lkw <3,5t).
Bund
Auf Bundesebene gibt es seit 2008 die nationale Klimaschutzinitiative („NKI“), die
ergänzend zu anderen schon bestehenden Instrumenten eine Stärkung des Klima-
schutzes bringt. In diesem Rahmen existi ert zum Beispiel auch das Förderprogramm
für Kommunen, mit der die Erstellung dieses Klimaschutzkonzeptes unterstützt wurde.
Die nationale Klimaschutzinitiative sollte auch unter der neuen Bundesregierung
fortgesetzt, weiterentwickelt und ausgebaut werden.
Wünschenswert sind zudem weitere Instrumente, insbesondere zur Förderung von
Energieeffizienz im Gerätesektor , um hocheffizienten Geräten schnell zur breiten
Marktdurchdringung zu verhelfen. Die Einführung eines Energieeffizienz- oder
Stromeffizienzfonds zur Verstetigung der NKI wäre ein wichtiger Baustein.
Auf Bundesebene liegt aber auch die Zuständigkeit für viele andere klimaschutzrele-
vante Gesetze, wie zum Beispiel die Energieeinsparverordnung, das Erneuerbare E-
nergiengesetz, das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz sowie das Marktanreizprogramm für
Erneuerbare Energien (im Wärmemarkt): Um bei der energetischen Sanierung von
Gebäuden schneller voranzukommen, wäre es möglich, Sanierungszyklen zu be-
schleunigen. Hierzu könnte z.B. der Ersatz alter Fenster durch hocheffiziente Pas-
sivhausfenster innerhalb von 15 Jahren in der kommenden Energieeinsparver-
ordnung vorgeschrieben werden („Verschrottungsprämie für Fenster“). Eine viel in-
tensivere Unterstützung der Kraft-Wärme-Kopplung , insbesondere dezentraler An-
lagen, ist dringend und wichtig. Eine höhere Einspeisevergütung sowie stärkere fi-
nanzielle Unterstützung beim Ausbau von Nahwärmenetzen wären hilfreich.
Im Verkehr gibt es zahlreiche Möglichkeiten für Aktivitäten auf Bundesebene, die An-
reize für ein klimafreundlicheres Verkehrsverhalten geben können. Beispiele wären
z.B. eine Anpassung der steuerlichen Behandlung von Dienstwagen : Bisherige
Bemessungsgrundlage ist dabei der Listenpreis. Zukünftig sollten Pkw mit hohen
Umweltstandards niedriger besteuert werden , um höhere Anschaffungskosten aus-
zugleichen und die Anschaffung umweltverträglicherer Pkw zu fördern.
Trotz aller einzelnen noch verbesserbarer Bausteine: Insgesamt fehlt ein am Klima-
schutz orientiertes Bundes-Energiekonzept . Dies müsste insbesondere den Weg
aufzeigen, wie Energieeffizienz beim Endenergieeinsatz sowie bei der Umwand-
lung in der Energieversorgung und auch Strategien der erneuerbaren Energien
mittelfristig optimal verzahnt werden können.
33 VERORDNUNG (EG) Nr. 443/2009 DES E UROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RA-
TES vom 23. April 2009 zur Festsetzung von Emissionsnormen für neue Personen-
kraftwagen im Rahmen des Gesamtkonzepts der Gemeinschaft zur Verringerung der
CO2-Emissionen von Personenkraftwagen und leichten Nutzfahrzeugen
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 110 Klimaschutzkonzept Münster
Bundesland NRW
Auf Landesebene zählen das Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Energie des
Landes Nordrhein-Westfalen (MWME NRW) sowie die Energie.Agentur.NRW 34 zu den
bedeutendsten politischen Institutionen im Bereich der Energiepolitik. Information, Bil-
dung, Forschung sowie Förderprogramme stehen auf Landesebene im Mittelpunkt.
Die Aufgabe des Landes liegt im Verkehr überwiegend darin, rechtliche Rahmenbedin-
gungen für Maßnahmen auf kommunaler Ebene zu schaffen (z. B. für die Einführung
einer Citymaut oder die Änderung der Stellplatzpflicht bei Neubauten) und Fördermittel
zu vergeben (z.B. für Schienenverkehrsinfrastruktur).
Aus kommunaler Sicht haben sich die Rahmenbedingungen für lokale Klimaschutzakti-
vitäten durch die Kommunen in den letzten Jahren verschlechtert. Zwar steht mit der
Einführung und finanziellen Förderung des European Energy Awards auf Landesebene
den Kommunen ein praktikables und von Münster schon genutztes Instrument für ein
Qualitätsmanagement lokaler Klimaschutzaktivitäten zur Verfügung, aber die konzep-
tionelle Entwicklung und Umsetzung von „weichen“ Projekten z.B. im Bereich
Beratung, Kampagnen oder Netzwerkbildungen ist mit der geltenden pro-
gres.nrw-Förderung nur unzureichend abgedeckt . Zudem ist die Teilnahme an
Wettbewerbsaufrufen (EFRE-Mittel) aus Sicht der Kommune sehr aufwändig und mit
geringen Erfolgschancen versehen und die praktische Abwicklung von Förderprojekten
immer aufwendiger geworden. Direkte finanzielle Zuschüsse für Investitionen sind
gleichzeitig zur Ausnahme geworden. Hier bedarf es in Zukunft dringend einer Ver-
einfachung und stärkeren inhaltlichen und finanziellen Ausrichtung von Förde-
rung an den Bedürfnissen und den abwicklungstechnischen Rahmenbedingun-
gen der Kommunen.
Zudem fällt die Umsetzung der Energieeinsparverordnung in die Zuständigkeit des
Bundeslandes. Eine striktere Kontrolle, ob die Vorgaben der Verordnung bei Sanie-
rungen und Neubauten in der Praxis auch eingehalten werden, wäre eine weitere wich-
tige Aufgabe, auch im Sinne eines verbesserten Verbraucherschutzes.
Fazit zu den politisch höheren Ebenen
Die Ausgangsbedingungen und Aktivitäten für den Klimaschutz sind auf den Ebenen
oberhalb der Kommunalpolitik deutlich besser als in den ersten 15 Jahren des Münste-
raner Klimaschutzes in den Jahren 1990 bis 2005. Der Schutz des Klimas wurde als
sehr wichtiges Thema weit oben in den politischen Agenden aufgenommen. Im Rah-
34 Die Energie.Agentur.NRW koordiniert und bet reut im Auftrag und in Kooperation mit dem
MWME NRW öfffentlichkeitswirksame Initiati ven, die zu verschiedenen Themenfeldern
Informationen anbieten und Marktimpulse setzen. Darüber hinaus zählt die Energiebe-
ratung, eine Vielzahl von Förderprogrammen und beruflichen Weiterbildungen, mit dem
Ziel Effizienz- und Einsparpotenziale bei der Energieanwendung aufzuzeigen, zum Auf-
gabenspektrum der Energie.Agentur.NRW. Das Informationsangebot richtet sich dabei
vor allem an Unternehmen und Verbraucher, Kommunen und Verwaltungen, sowie an
Forschung und Wissenschaft.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 111 Klimaschutzkonzept Münster
men dieses Klimaschutzkonzeptes für die Stadt Münster wurden keine Szenarien be-
rechnet, wie sich diese übergeordneten Einflüsse auf Energieverbrauch und Treib-
hausgasbilanz auswirken werden. Es dürfte sich jedoch im nächsten Jahrzehnt bis zum
Jahr 2020 deutlich mehr in Richtung Klimaschutz bewegen lassen, als das in den An-
fangsjahren des Münsteraner Klimaschutzes möglich war.
Trotzdem bleibt noch sehr viel vor anzubringen auf EU-, Bundes- und Landesebene,
wie oben aufgezeigt wurde.
Ob es ausreichen wird, diese gewaltige Aufgabe rechtzeitig zu stemmen, hängt auch
davon ab, welchen Stellenwert die Bürgerinnen und Bürger, zumindest in demokrati-
schen Ländern, diesem Thema im Alltag und bei Wahlen geben.
8.2 BürgerInnen und Inst itutionen in Münster
Außer der Politik, welche die richtigen Rahmenbedingungen auf allen Ebenen schaffen
sollte, sind natürlich schlussendlich auch die Einwohner und Firmen in Münster gefor-
dert, klimaschonend zu handeln. Nicht immer muss man auf entsprechende Vorgaben
von staatlicher Seite warten, sondern sollte seine eigene Verantwortlichkeit in jeweils
seinem eigenen Rahmen wahrnehmen. Zum Beis piel ließen sich Energiesparlampen
schon vor dem Glühlampen-Verbot der EU wirtschaftlich an vielen Stellen einsetzen.
Die Stadt Münster kann mit den unter „Stadt als Motor“ benannten Maßnahmen viele
zusätzliche Impulse für den Klimaschutz geben und damit viele einzelne Bürgerinnen
und Bürger sowie Firmen erreichen. Aber sie kann nicht alle zugleich und immer im
richtigen Moment erreichen. Ein Eigenengagement muss von der anderen Seite dabei
sein, z.B. um die vielfach angebotenen Informationen, Beratungen und Förderungen
selbst auch gezielt zu nutzen und einzusetzen. In den folgenden Absätzen wird bei-
spielhaft aufgezeigt, was damit in Handlungsfeldern mit hohem CO
2-Minderungs-
potenzial gemeint ist.
Private Haushalte
Große Einsparpotenziale auf Endenergieebene finden sich in der energetischen Sa-
nierung von Gebäudehülle und Fenstern . Auch in der Warmwasserbereitung sowie
dem Austausch von Heizungsanlagen können mittelfristig erhebliche Potenziale er-
schlossen werden. Erfolgen die Maßnahmen innerhalb der Sanierungs- und Erneue-
rungszyklen, sind die energetischen Mehrkosten über die Einsatzzeit für die meisten
Maßnahmen auch heute längst wirtschaftlich. Hier einige wichtige typische Beispiele:
- Generell: Zielstandard für die Sanierung, je nach Gebäudeteil, 20-30% unter
den heutigen EnEV-Neubau-Anforderungen
- Einsatz von Passivhausfenstern beim Ersatz alter Fenster
- Anschluss an die Münsteraner Fernwärme, wenn das Gebäude an oder in der
Nähe der Fernwärmetrasse liegt
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 112 Klimaschutzkonzept Münster
- Ansonsten: Einsatz von Gasbrennwert- oder Holzpelletheizung mit solarer Un-
terstützung
- Verzicht auf mobile (ineffizient!), ni cht raumintegrierte Klimatisierungsgeräte
- Dämmung aller Heizungs- und Warmwasserrohrleitungen in unbeheizten aber
auch beheizten Räumen
Wenn dies alle Münsteraner bei der Sanierung ihrer Gebäude berücksichtigen, lassen
sich die CO 2-Emissionen bis zum Jahr 2020 in etwa um 70.000 Tonnen jährlich redu-
zieren. Insgesamt könnten in Münster durch die Optimierung der Heizungstechnik zu-
sätzlich etwas über 55.000 Tonnen CO 2 eingespart werden, plus Minderungseffekte
durch den Einsatz der Fernwärme.
Neben Heizung und Warmwasser lassen sich beim Stromeinsatz in erheblichem Um-
fang CO2-Emissionen vermeiden:
- Kauf und Einsatz effizientester Kühl- und Gefriergeräte (die mit A++ ausge-
zeichneten Geräte stehen hier für die Spitzenklasse35)
- nur mit Energy-Star ausgezeichnete Bürogeräte kaufen
- auf Effizienz-Internetseiten empfohlene Geräte kaufen
36
- Verzicht auf elektronische Spielereien wie elektronische Bilderrahmen
- Konsequente Vermeidung von Standby-Verbrauch
Etwa 30.000 Tonnen CO 2 ließen sich durch den Einsatz effizientester Kühl- und Ge-
friergeräte, wie sie schon heute zu kaufen sind, in Münster einsparen. Wenn alle Müns-
teraner auch bei den anderen Geräten nur effizienteste Geräte einsetzen, lassen sich
auch hier bis zum Jahr 2020 über 20.000 Tonnen CO
2-Emissionen jährlich vermeiden!
Im Verkehr können die Bürger auch ohne gezielte Maßnahmen der Stadt Münster er-
heblich zu einer Verringerung der CO2-Emissionen beitragen:
- bewusste Mobilitätsentscheidungen für emissionsarme bzw. -freie Verkehrsmit-
tel des Umweltverbunds (zu Fuß, Fahrrad, Bus, Bahn)
- beim Neuwagenkauf durch Wahl eines sparsamen Pkw-Modells innerhalb der
gewählten Fahrzeugklasse sind Verbrauchseinsparungen von 15% und mehr
möglich. Beim Wechsel zu einer kleineren Fahrzeugklasse sind noch höhere
Einsparungen erreichbar.
- verkehrsangepasste Fahrweise (Verbrauchseinsparungen von ca. 10% im In-
nerortsbereich möglich)
35 Demnächst wird die Effizienz-Kennzeichnung um gestellt. Dann gibt es „A - xy %“-Zeichen,
wobei dann auf die höchsten Prozente zu achten ist.
36 siehe zum Beispiel unter www.ecotopten.de oder http://www.stromeffizienz.de/
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 113 Klimaschutzkonzept Münster
Gewerbe und Sonstige
Für Gebäude und deren Energieeffizienz sowie Energieversorgung gilt im Bereich
„Gewerbe und Sonstige“ das gleiche wie für die privaten Haushalte oben aufgeführt
wurde. Speziell im Gewerbebereich können zusätzlich weitere Potenziale erschlossen
werden. Hierzu ein paar wichtige Beispiele:
- Energiemanagement: Energieverbrauch skontrolle zumindest monatlich zum
frühzeitigen Aufdecken von (technischen) Fehlern und Einsparmöglichkeiten
- Stromeffizienzkonzepte erstellen und umsetzen, z.B. für die Beleuchtung, EDV
sowie für Pumpen, Lüftung, Kühlung
- Nutzermotivations- und Informationsprogramme für die Mitarbeiterschaft
Ein verbessertes Energiecontrolling ließe die CO
2-Emissionen in Münster um bis zu
11.000 Tonnen jährlich sinken. Allein durch eine Optimierung der Beleuchtungseffi-
zienz ließe sich in allen Münsteraner Betrieben über 50.000 Tonnen CO 2-Emissionen
jährlich vermeiden. Und wenn sich alle MitarbeiterInnen in Münsteraner Betrieben und
Einrichtungen energieoptimal verhalten würden, schätzen wir die möglichen Einspa-
rungen auf mindestens weitere 7.000 Tonnen jährlich.
Der in der Stadt verursachte Straßengüterverkehr trägt in Münster ca. 9% zu den CO
2-
Emissionen des Verkehrs bei. Er wird aus Wirtschaftlichkeitsgründen meist schon heute
möglichst effizient gestaltet. Zusätzliche Einsparpotenziale können sich auch hier erge-
ben, wenn die Unternehmen beispielsweise folgende Maßnahmen umsetzen:
- konsequent die Fahrzeugau sstattung und -wartung für die unternehmenseigenen
Fuhrparks weiter optimieren
- Einsatz rollwiderstandsoptimierter Reifen beim LKW (Reduzierung des Kraftstoff-
verbrauchs um bis zu 6%)
- Bei Leichten Nutzfahrzeugen (Lieferwagen): niedrige Motorisierung wählen (bis
zu 15% Einsparung)
Energieversorgung / Energiedienstleistung
Für diejenigen Akteure, die heute in der Versorgung mit Energie arbeiten, stellen sich
zukünftig zwei große Hauptaufgaben:
- Wie kann zukünftig beim Energieverkauf zugleich eine Dienstleistung integriert
sein, die auf eine Minimierung des Energieeinsatzes beim Kunden für seine
Zwecke abzielt?
- Wie kann eine mittel- und langfristige Strategie aussehen, die weg von der Ver-
sorgung mit fossilen Energieträgern zur Versorgung durch erneuerbare Ener-
gien führt?
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 114 Klimaschutzkonzept Münster
Um diese Ziele zu erreichen, sind viele Zwischenschritte nötig. Die Stadtwerke Münster
haben hierzu schon seit längerer Zeit Ansätze aufgegriffen37, die ausgebaut werden.
Wichtigere weitere Schritte Münsteraner Akteure im Bereich Energieversorgung sind:
- Schaffung eines intelligenten Stromnetzes zur optimalen Integration erneuerba-
rer Energien und möglicher Speicher
- Entwicklung weiterer Energiedienstleistungen für Endkunden
Effizienz und Erneuerbare Energien allein werden nicht ganz reichen:
Wirtschafts- und Lebensstilfragen
In diesem Klimaschutzkonzept wurde im Energiebereich fokussiert auf Maßnahmen zur
Effizienzsteigerung sowie den Einsatz erneuerbarer Energien. Global werden sich die
Klimaschutzziele voraussichtlich nicht erreichen lassen, wenn der westliche Lebens-
standard und seine Wirtschaftsstruktur, die zum großen Teil auf hohem Energie-
verbrauch beruht, zum Ziel für alle erhoben würde. Anhand der hier aufgezeigten, rea-
listischen Potenziale lässt sich vermuten, wie schwierig das Erreichen der Ziele bis
2020 sein wird. Und darüber hinaus sind bis 2050 sogar Reduktionen um 80% nötig!
Wir empfehlen von daher, im Zusammenhang mit Klimaschutz nicht nur über Energie-
effizienz und Erneuerbare Energien zu reden. Mittelfristig wird es unausweichlich sein,
auch Fragen nach einem anderen Lebens- und Wirtschaftsstil zu stellen. Dabei muss
es nicht (nur) um Verzicht gehen. Veränderungen sollen und können auch diskutiert
werden, um volkswirtschaftlich, gesundheitlich und sozial nachhaltiger zu leben, als
das zur Zeit der Fall ist. Zwei Beispiel e aus dem Bereich der Ökonomie und dem Ver-
kehr sollen dies verdeutlichen.
Wenn Investitionen ausschließlich nach der kurzfristigen Rendite getätigt werden, ist
das auf Dauer für alle nicht gut, wie die Finanzkrise zeigt, die seit 2008 offensichtlich
wurde. Investitionen in den Klimaschutz amortisieren sich manchmal nicht nach 2 Jah-
ren, bringen langfristig aber den größeren Nutzen, auch finanziell. Das zeigte nicht zu-
letzt der Stern-Report auf: Die Folgekosten, wenn wir das Klima nicht rechtzeitig stabi-
lisieren können, werden langfristig viel höher sein als die nötigen Investitionen in den
vorbeugenden Klimaschutz (Stern 2006).
Das Nutzen des Umweltverbundes (Fuß, Fahrrad, ÖPNV), um ein Beispiel aus dem
Verkehr zu bringen, führt zumeist zu mehr persönlicher Bewegung (und damit Chancen
auf mehr Gesundheit) als die Nutzung des eigenen PKW vor der Haustür. Gerade hier
zeigt sich Münster ja schon als vorbildlich.
37 Z.B. „Thermokonzept“-Wärmecontracting, En ergiecontrolling-Angebot für Gewerbebetriebe,
Gründung der „Neue Energie GmbH“ etc.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 115 Klimaschutzkonzept Münster
8.3 Fazit
Die Stadt kann sehr wichtige Beiträge leisten und damit zur Erreichung des 40%-CO 2-
Minderungsziel beitragen, wie bei den Maßnahmenempfehlungen „Stadt als Motor“
aufgezeigt wurde. Es wird jedoch nicht allein aus städtischer Kraft gehen, die gesetzten
Klimaschutzziele in Münster zu erreichen. Im Zusammenspiel mit den in den letzten
Jahren zunehmenden Klimaschutzbem ühungen auf höheren politischen Ebenen und
den Möglichkeiten aller Akteure in Münster ist jedoch davon auszugehen, dass insge-
samt deutlich mehr erreicht werden kann als die 22%ige CO
2-Minderung durch das
Paket „Stadt als Motor“.
Um jedoch die 40%ige CO 2-Reduktion gegenüber 1990 bis 2020 erreichbar werden zu
lassen, müssen die in diesem Abschnitt unter „AkteurePlus“ aufgeführten Akteure aber
tatsächlich noch aktiver werden als sie es bisher sind. Was genau sie dazu beitragen
können und müssen, wurde in diesem Abschni tt exemplarisch aufgeführt. Beispielhaft
seien zentrale Forderungen noch mal benannt.
Höhere politische Ebenen
- Internationale verbindliche und strikte Klimaschutzabkommen (global)
- Verbot ineffizienter Geräte (EU-Ebene)
- Deutlich strikteres CO 2-Emissionslimit im Rahmen des Emissionshandels auf
EU-Ebene ab 2012, damit auch höhere CO2-Kosten und dadurch steigende An-
reize zum Einsatz von Effizienztechnik und erneuerbaren Energien
- Striktere Vorgaben zum Einbau von effizientester Technik in Gebäuden, z.B.
Vorgaben zum Einbau von Passivhausfenstern innerhalb der nächsten 15 Jah-
re (Bundesebene)
- Einführung eines Energieeffizienzfonds zur Verstetigung der Nationalen Klima-
schutzinitiative (Bundesebene)
- Zügiger Ausbau dezentraler Kraft-Wärme-Kopplung sowie der erneuerbaren
Energien (insbes. auch Off-Shore-Wind) (Bundesebene)
- Veränderung der Dienstwagenbesteuerung: Umweltfreundliche PKW´s stärken
(Bundesebene)
- Schärfere Kontrolle der Umsetzung der Energieeinsparverordnung (Landes-
ebene)
Bürgerinnen/Bürger sowie Institutionen in Münster
- Einsatz der effizientesten, marktgängigen Technologien bei Sanierung und Er-
satz bestehender Geräte
- Optimierung des Energiemanagements in allen Betrieben und Institutionen
- Einsatz von Fernwärme wo möglich
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 116 Klimaschutzkonzept Münster
- Ansonsten Einsatz erneuerbarer Energien und effizientester Gas-Heizungs-
sowie Wärmepumpentechnik
- Ausbau und Ausweitung von Energie(effizienz)dienstleistungen
- Wahl möglichst umweltfreundlicher Verkehrsmittel und Transportarten aller
VerkehsteilnehmerInnen
Übergreifend muss darüber nachgedacht werden, welche Veränderungen in Lebens-
und Wirtschaftsstil unserer Gesellschaft nötig und möglich sind, um die noch weiterge-
henden Ziele bis zum Jahr 2050 erreichbar werden zu lassen.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 117 Klimaschutzkonzept Münster
9 Zielsetzung 20% Erneuerbare Energien
Neben der Verminderung der CO 2-Emissionen um 40% gegenüber 1990 bis zum Jahr
2020 hat sich die Stadt Münster zudem das Ziel gesetzt, im Jahr 2020 20% ihres Ener-
giebedarfs durch Erneuerbare Energien zu decken.
Bei einer angenommenen 25%-igen Verminderung des Endenergieverbrauchs gegen-
über 2006 bis zum Jahr 2020 würden die Erneuerbaren Energien mit den bisher im
Abschnitt 5.3 gezeigten Potenzialen bis zu 6% am Endenergieverbrauch beitragen
38.
Andersherum müsste der Endenergieverbrauc h um 77 % sinken, damit der 20%-
Erneuerbare-Energie-Anteil erreicht würde, was in diesem Zeitraum nicht realistisch
machbar ist. Zwischen der Umsetzung der im Abschnitt 5.3 aufgezeigten technisch-
wirtschaftlichen Potenziale der Erneuerbaren Energien und dem 20%-Ziel der Stadt
Münster klafft also noch eine erhebliche Lücke: Dieser Abschnitt zeigt mögliche Wege
zu deren Überwindung auf.
Die Zielsetzung bezieht sich sowohl auf Strom als auch auf Wärme, wobei die Erzeu-
gung mit Erneuerbaren Energien im Stadtgebiet von Münster erfolgen soll. Bei den fol-
genden Berechnungen wird von einer Endenergiereduktion im Jahr 2020 von 25% ge-
genüber dem Jahr 2006 im Bereich Strom und Wärme ausgegangen
39.
9.1 Zielerreichung durch Anlage n in Münster („Potenzial EE
Münster Plus“)
Strom
In der Stromerzeugung stellt sich die Situation entsprechend Abb. 20 dar. Bei einem für
2020 angenommenen Stromverbrauch von 1073 GWh/a sind zur Erreichung des 20%-
Ziels dann insgesamt 215 GWh/a aus erneuerbaren Energien zu erzeugen. Rechnet
man zum Bestand von 2006 (4%) das wirtschaftliche Potential von 7% hinzu, werden
insgesamt 11% erreicht. Weitere 9% müssen daher durch zusätzliche Maßnahmen er-
zielt werden. Dieser Ausbau soll nicht auf Kosten der KWK-Stromerzeugung in Münster
erfolgen.
38 Ohne Neuausweisung von Flächen für Wind. Ohne Anteil Bundesstrommix und ohne Bio-
kraftstoffanteil.
39 Der Verkehr wird hier nicht integriert betrach tet, weil der Beitrag Erneuerbarer Energien im
Verkehr nennenswert nur von außerhalb Münsters kommt, nämlich durch die Beimi-
schung von Biokraftstoffen. Das Ziel der Bundesregierung ist es, den Biokraftstoffanteil
bis zum Jahr 2020 auf 12% anzuheben (gemäß Anforderungen im "Gesetz zur Ände-
rung der Förderung von Biokraftstoffen (BioKraftFÄndG) vom 15.07.2009"). Würden alle
externen auf Bundesebene für 2020 angepeilten Erneuerbaren Energieanteile (also
auch Berücksichtigung von Erneuerbaren im Bundesstrommix = 30%, plus Biokraftstof-
fe = 12%) berücksichtigt, könnte der Anteil der Erneuerbaren in Münster bei bis zu 9,6%
im Jahr 2020 liegen.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 118 Klimaschutzkonzept Münster
Abb. 20: Struktur der Stromerzeugung 2020 in Bezug auf das 20% Erneuerbare Energien-Ziel
KWK in Münster
inkl. Uni KWK
48%
Bezug D-Strom-
Mix
32%
Differenz zum
20%-Ziel
9%
wirtsch. Pot. 2020
7%
EE 2006
4%
Summe MS 2020: 1.073 GWh/a
100 GWh/a
72 GWh/a
Als technische Maßnahmen zur Realisierung der zusätzlichen 9% bieten sich im we-
sentlichen drei Möglichkeiten an, wenn man davon ausgeht, dass auch der Landwirt-
schaft keine Flächen zum Anbau von Energiepflanzen entzogen werden sollen:
1. Ausweisung weiterer Windstandorte,
2. Kraft-Wärme-Kopplungs-(KWK) -Ausbau an der Universität nicht mit Erdgas und Öl
als Energieträger, sondern mit erneuerbaren Energieträgern, vorzugsweise Holz aus
Münster und dem angrenzenden Umland,
3. intensiver Ausbau der Fotovoltaik.
Zur Ausweitung weiterer Windstandorte ist im Kapitel 5.3 ausgeführt, dass hierzu erst
weitere Untersuchungen stattfinden müssen.
Die zweite Möglichkeit steht in Konkurrenz zum Ausbau der fossilen KWK, für den im
Heizkraftwerk der Universität gute Voraussetzungen vorliegen. Der Ausbau der fossilen
KWK an der Uni ist als vorgeschaltete Gasturbine vor der Dampferzeugung relativ ein-
fach möglich. Holz kann in einer derartigen Gasturbine nicht eingesetzt werden, dies
geht nur mit Gas oder Öl. Weiterhin ist es besser und hinsichtlich der CO
2-Minderung
effektiver, den Bezug des Strom-Mix zu reduzieren als die mögliche KWK-
Stromerzeugung zu verdrängen.
Da die zweite Möglichkeit ausscheidet und die erste noch unsicher ist, verbleibt unter
dieser Prämisse nur der Ausbau der Fotovoltaik in einer Größenordnung von etwa 100
GWh/a, die weit über das hinausgeht, was in anderen Städten realisiert worden ist.
Die zusätzliche Erzeugung von Fotovoltaik -Strom im Umfang von 100 GWh/a würde
bedeuten, dass im Jahr 2020 je Einwohner mehr als 750 Watt Fotovoltaik installiert wä-
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 119 Klimaschutzkonzept Münster
ren. Je Einwohner brauchte man knapp 8 m² Dachfläche. Spitzenwerte der Solarbun-
desliga für Kleinstädte erreichen heute schon derartige Werte.
Dachflächenermittlungen aus anderen Großstädten haben ergeben, dass je Einwohner
ca. 24 m² an nutzbarer geneigter Dachfläche verfügbar sind.
Die tatsächliche Last im Stromnetz der Stadtwerke Münster schwankt im Tagesverlauf
zwischen 100 und 200 MW. Man würde hier auch schon an technische Grenzen hin-
sichtlich der Aufnahmefähigkeit stoßen, da diese Anlagen dann bei voller Leistung
mehr als 200 MW ins örtliche Stromnetz einspeisen könnten.
Wärme
In der Wärmeerzeugung stellt sich die Situation wie folgt dar:
Abb. 21: Struktur der Wärmeerzeugung 2020 in Bezug auf das 20% Erneuerbare Energien-Ziel
Differenz zum
20%-Ziel
16%
wirtsch. Pot. 2020
3%
Erneuerbare und
Abfallenergie
1%
fossile Energien
in KWK
Fernwärme
20%
fossile Energien
inkl. Heizstrom
60%
Summe MS 2020: 2.742 GWh/a
431 GWh/a
84 GWh/a
Als technische Maßnahmen zur Realisierung de r zusätzlichen 16% bieten sich im we-
sentlichen drei Möglichkeiten an.
1. intensiver Ausbau der Solarthermie,
2. Ergänzung der Fernwärmeerzeugung bei SWM oder Uni um eine Holzfeuerungsan-
lage.
3. Umrüstung von bisher fossilen Heizungssystemen auf Holz und andere feste Bio-
masse
Der Solarthermie-Ausbau steht in Konkurrenz zur Nutzung der verfügbaren Dachflä-
chen mit PV-Anlagen. Für die solarthermischen Anlagen wird man schon auf weniger
gut geeignete Flächen mit Ausrichtung nach Osten oder Westen und mit teilweiser
Verschattung zurückgreifen müssen. Es macht bei solarthermischen Anlagen keinen
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 120 Klimaschutzkonzept Münster
Sinn, mehr als 1,5 m²/Person zu installieren, da die erzeugte Wärme im Gebäude zeit-
nah verbraucht werden muss und nicht in ein vorgelagertes Netz eingespeist werden
kann. Höhere Solarthermie-Anteile lassen sich darüber hinaus nur noch über saisonale
Speicherung erreichen. Dies setzt zentrale Nahwärmesysteme voraus, deren Realisie-
rung in Konkurrenz zum Anschluss geeigneter Gebiete die Biogas-BHKWs oder auch
zur Erweiterung des zentralen Fernwärmenetzes steht. Diese Option wird hier nicht
weiter betrachtet.
Es wird für die Quantifizierung di eser technischen Maßnahme angenommen, dass
1,5 m² Kollektorfläche je Einwohner im Jahr 2020 erreicht werden können. Gegenüber
dem wirtschaftlichen Potenzial von 0,5 m²/EW erfolgt somit eine Steigerung um weitere
1,0 m²/EW. Der Ertrag steigt unter diesen Voraussetzungen um 94 GWh/a.
In der Fernwärmeversorgung wäre für die Mittellast der Einsatz von Holz denkbar. In
der Grundlast würde die Gas und Dampf-Erzeugung reduziert werden müssen. Eine 20
MW-Kesselanlage mit einer Vollbenutzungsstundenzahl von 2000 h/a könnte
40 GWh/a erneuerbare Wärmeenergie einspeisen.
Der noch verbleibende Bedarf an erneuerbaren Energien im Wärmemarkt muss dann
durch Umrüstung von bisher fossilen Heizungs systemen auf Holz erfolgen. Die neuen
Anteile stammen vom Heizstrom, der ohnehin aufgrund des Verbots zur Umstellung
ansteht, sowie von den Ölheizungen. Vom Ölheizungsbestand müssten etwa ein Drittel
umgestellt werden. Die Umstellung von Erdgas und Fernwärme ist nicht berücksichtigt,
da diese Systeme umweltfreundlicher und CO
2-ärmer sind als Öl.
Die quantitative Struktur zeigt folgende Abbildung.
Abb. 22: technisch mögliche Struktur der zusätzlich erforderlichen 16% im Wärmebereich
Solarthermie 94
GWh/a
22%
Holz in der FW-
Erzeugung 40
GWh/a
9%
Holz statt
Heizstrom 55
GWh/a
13%
Holz statt Öl 237
GWh/a
56%
431 GWh/aweitere 16% =
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 121 Klimaschutzkonzept Münster
Fazit
Die Potenziale wären prinzipiell vorhanden, um das 20%-Erneuerbare Energien-Ziel im
Jahr 2020 innerhalb Münsters zu erreichen. Die Gutachter halten die Umsetzung die-
ser Potenziale jedoch für nicht sehr realistisch und extrem aufwändig. Im Unterschied
zu den im Abschnitt 5.3 zuvor beschriebenen eher realistischen Potenzialen, wären zur
Erreichung sehr hohe finanzielle Mittel nötig (insbesondere bei Fotovoltaik), die dann
wieder in Konkurrenz zu den Investitionen in die (zumeist betriebswirtschaftlicheren)
Effizienzmaßnahmen stünden. Auch das Stromverteilnetz in seiner heutigen Form kä-
me an seine Kapazitätsgrenzen
40. Zudem wäre der Holzheizungsanteil sehr hoch, was
wiederum mit Luftreinhalteplänen abzuwägen wäre.
Längerfristig, insbesondere durch weitergehende Endenergiereduzierungen, sind hö-
here Anteile erneuerbarer Energien auch in Münster leichter möglich. Dazu müssten
die Entwicklungen über das Jahr 2020 hinaus betrachtet werden, was nicht mehr Ge-
genstand dieser Studie ist.
Aufgrund dieser Ausgangssituation schlagen wir deshalb zunächst den folgenden al-
ternativen Weg bis zum Jahr 2020 vor.
9.2 Zielerreichung durch An lagen außerhalb Münsters
(„Potenzial EE Münster Extern“)
Ein anderer Weg wäre, dass sich Münster an Erneuerbaren Energieanlagen außerhalb
der Stadt beteiligt, um zumindest rechnerisch einen Anteil von 20% zu erreichen.
Denkbar wäre die Beteiligung an den geplanten großen Off-Shore-Windenergieparks
an der Deutschen Küste. Um die prognostizierten fehlenden etwa 530 GWh
41 im Jahr
2020 zu erzeugen, wären rechnerisch etwa 29 Fünf-Megawatt-Anlagen in küstenfer-
nen, windreichen Regionen nötig 42. Dazu müssten zunächst etwa 60 Mio. Euro inves-
tiert werden, was etwa 210 Euro je Einwohner entspricht. Das eingesetzte Kapital wür-
de sich jedoch über die zu erwartenden Einnahmen durch die Einspeisung des Stroms
ins Netz refinanzieren.
Auf die kommunale CO2-Bilanz in der in diesem Bericht angewendeten Systematik hät-
te diese Beteiligung jedoch keinen (direkten) Einfluss, da erneuerbare Energieanlagen
außerhalb der Stadt aufgrund des gewählten Territorial-Prinzips nicht direkt angerech-
net werden, sondern nur über den Bundesstrommix einfließen. Letzterer verändert sich
durch die hier angesprochene Windkraft-Anlagenzahl insgesamt aber nur marginal.
40 Die Entwicklung von intelligenten Stromnetzen, welche die Aufnahme einer großen Menge
dezentral erzeugten Stroms ohne massiven Netzausbau ermöglichen, steht weltweit ge-
rade erst am Anfang. Die Weiterentwicklung in diesem Themenfeld gehört mit ins Maß-
nahmenpaket „AkteurePlus“.
41 s. Abschnitt zuvor: 120 GWh Strom und 440 GWh Wärme
42 Annahmen: Eine 5 MW-Off-Shore-Anlage erzeugt 18 GWh Strom jährlich und kostet etwa 10
Mio. Euro.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 122 Klimaschutzkonzept Münster
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IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 126 Klimaschutzkonzept Münster
11 Anhang
1. Anpassung bei der CO2-Bilanzierung (Energie)
Entwicklungen und Unterschiede bei der Endenergiebilanzierung
1. Aufgrund des Unbundlings von Energieversorgungsunternehmen, das mit der
Liberalisierung des Strommarktes erforderlich wurde, können einzelne Gesell-
schaften des Unternehmens nicht mehr auf alle im Unternehmen vorliegenden
Daten zurückgreifen bzw. es werden in verschiedenen Abteilungen auf unter-
schiedliche Weise Daten erhoben
43. Selbst für leitungsgebundene Energieträ-
ger kommt es deswegen zwischen 2005 und 2006 zu größeren Sprüngen. Bei-
spielsweise ist der Heizstromverbrauch zwischen den beiden Jahren um knapp
50% gesunken. Vermutlich wird dieser Verbrauch nun dem allgemeinen Strom-
verbrauch zugerechnet oder die Zahlen wurden zuletzt einfach nicht mehr aktu-
alisiert. Es ist daher für die zukünftige Bilanzierung ratsam, konsistent von einer
Gesellschaft alle Daten zu erhalten.
2. Die Witterungskorrektur wurde mit den von den Stadtwerken genutzten Grad-
tagszahlen nach VDI 2067 genutzt. Bis 2005 wurden alle Niedertemperatur-
verbräuche (mit Warmwasser) witterungsbereinigt. Da diese Unterteilung nach
Anwendungsarten ab 2006 nicht mehr vorliegt, werden für die verschiedenen
Sektoren und Energieträger in Studien ermittelte Anteile der Raumwärme an-
genommen und diese witterungskorrigiert.
3. Die Datenquellen haben sich für einzelne Energieträger geändert. Beispielswei-
se wird für eine Abschätzung des Ölverbrauchs auf die Daten der Schornstein-
fegerstatistik zurückgegriffen. Im Wärmeatlas wurde diese Abschätzung noch
auf Grundlage der Kennwertmethode gemacht. Auch die vom Landesamt für
Statistik ermittelten Energieverbräuche des verarbeitenden Gewerbes beziehen
sich auf konkrete Angaben der Betriebe. In dieser Statistik werden auch „Sons-
tige Energieträger“ und Erneuerbare Energien erfasst. Damit kann die Bilanzie-
rung für diesen Sektor sehr genau erfolgen.
4. Die Universität mit ihrem Kraftwerk verbraucht einerseits Fernwärme aus dem
Netz der Stadtwerke, andererseits wird auch aus dem eigenen Kraftwerk Fern-
dampf und Fernwärme für das eigene Netz und Dritte erzeugt. Bei der Erhe-
bung für den Wärmeatlas 2005 wird davon ausgegangen, dass aufgrund von
fehlenden Informationen die im Universitätskraftwerk erzeugte Fernwärme bzw.
der erzeugte Ferndampf nicht vollständig berücksichtigt werden konnten und
stattdessen dem Erdgasverbrauch der Universität zugerechnet wurden. Dies
43 Die Gesellschaften Vertrieb und Durchleitung haben unterschiedliche Datenbanken. Für
den Wärmatlas wurde auf verschiedene Datenbanken verschiedener Gesellschaften zu-
rückgegriffen.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 127 Klimaschutzkonzept Münster
würde die Differenzen bei Fernwärme und Erdgas zwischen 2005 und 2006 er-
klären.
Unterschiede bei der CO2-Bilanzierung
Vier wesentliche Punkte haben sich bei den Emissionsfaktoren zwischen 2005 und
2006 geändert.
1. Bislang wurde mit Emissionsfaktoren ohne Vorkette inkl. CO 2-Äquivalenten ge-
rechnet, wie dies vom damaligen Klimaschutz-Beirat empfohlen wurde. Für die
Bilanz 2006 werden nun die CO 2-Emissionsfaktoren inkl. Äquivalente und Vor-
ketten genutzt. Dies wird empfohlen, um einerseits alle energierelevanten
Treibhausgase einzubeziehen und gleichzeitig auch die Emissionen, die bei
Transport und Abbau entstehen, zu berücksichtigen. Die Berücksichtigung der
Vorketten entspricht auch der Bilanzsystematik des Klima Bündnisses.
2. Eine weitere Änderung betrifft die Berechnung der CO
2-Emissionsfaktoren für
Strom. Ziel von CO 2-Bilanzen sollte es sein, lokale Klimaschutzbemühungen
auf Effizienz- und Versorgungsseite gleichzeitig abzubilden. Für die vorliegende
Bilanz wurde deswegen der Emissionsfaktor Strom nach dem Territorialprinzip
als Grundlage genommen (vgl. Anhang Met hodik). Im UBA Klimaschutzbench-
mark für Kommunen wird aktuell zusätzlich empfohlen, daneben noch eine
CO2-Bilanz mit einem bundesdeutschen Strommix darzustellen. Die Ergebnisse
der Berechnung mit diesem Mix finden sich im Anhang.
3. Eine weitere Änderung bei der vorliegenden Bilanz betrifft die Ermittlung des
Emissionsfaktors von Strom und Wärme aus Kraft-Wärme-Koppplung. Für die
Ermittlung der Emissionsfaktoren der Koppelprodukte Strom und Wärme gibt es
verschiedene, aber noch keine einheitliche Berechnungsmethode. Bisher wurde
in Münster die Gutschriftenmethode angewandt. Hier werden anhand von Ver-
gleichsanlagen, in denen die gleiche Menge eines Koppelprodukts erzeugt wird,
entweder Strom oder Wärme Emissionen gutgeschrieben. Je nach Vergleichs-
anlage kann dies dazu führen, dass manchmal negative Emissionsfaktoren
44
auftreten. Für die Berechnung in kommunalen Bilanzen eignet sie sich deswegen
nur bedingt. In der neuen Bilanz wird nun nach der Exergiemethode gerechnet.
Sie spiegelt neben der Wirkungsgradmethode am korrektesten die physikali-
sche Realität wider. Anhand des Exergiegehalts der Koppelprodukte werden
hier die Emissionsfaktoren zugeordnet (vgl. Anhang Methodik).
4. Zuletzt wurde der Emissionsfaktor für Nachtspeicheröfen angepasst. In der Bi-
lanz für 2006 wird für die Bilanzen nun ein einheitlicher Stromfaktor für alle
Stromanwendungen für die Berechnung genommen. Eine Unterscheidung zwi-
schen dem bisher angewandten Mittellaststrommix und kommunalen Strommix
ist im Rahmen einer Bilanzierung bisher in keiner anderen Kommune so be-
kannt und entspricht auch nicht der Vorgehensweise des Klima Bündnisses.
44 Vgl. die Berechnung für den Strommix 2007
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 128 Klimaschutzkonzept Münster
2. Anpassung der CO2-Bilanzierung (Verkehr)
Für das aktuelle Basisjahr 2005 ist eine Territorialbilanz des Verkehrs in Münster unter
Verwendung aktueller bundesdurchschnittlicher Emissionsfaktoren erstellt worden.
Notwendige Zusatzarbeiten zur Anpassung der Bilanzierungsmethodik betrafen haupt-
sächlich die zusätzliche Differenzierung des Personenverkehrs im Stadtgebiet nach
den Verkehrsarten Binnen-, Regional- und Durchgangsverkehr sowie die Einbeziehung
und Differenzierung des Straßengüterverkehrs.
Differenzierung nach Verkehrsarten im Personenverkehr
Wesentliche Grundlage für die Aufteilung der Fahrleistungen im Personenverkehr nach
den Verkehrsarten Binnen-, Regional- und Durchgangsverkehr waren die bei der Stadt
verfügbaren Verkehrsinformationen aus der bisherigen Bilanzierung. Diese wurden an-
hand zusätzlicher Informationen für den Motorisierten Individualverkehr MIV angepasst
und auf das Verkehrsgerüst der Territorialbilanz übertragen. Die Verkehrsdaten zum
öffentlichen Verkehr lagen bereits in der erforderlichen Differenzierung vor.
Fahrleistungen des MIV im Binnenverkehr wurden anhand der städtischen Angaben zur
jährlichen Anzahl der Fahrten (als Selbstfahrer) sowie der mittleren Weglänge berechnet.
Da der Binnenverkehr vollständig innerhalb des Stadtgebiets stattfindet, wurden seine
Fahrleistungen vollständig in die Territorialbilanz eingerechnet. MIV-Fahrleistungen im
Regionalverkehr wurden ebenfalls über die städtischen Angaben zur jährlichen Fahrten-
anzahl berechnet. Zur Ermittlung des in die Territorialbilanz einzurechnenden Fahrleis-
tungsanteils des Regionalverkehrs im Stadtgebiet wurde eine mittlere Weglänge inner-
halb der Stadtgrenzen von 10 km anhand des durchschnittlichen Stadtradius abge-
schätzt. Nach diesen Berechnungen hatten Binnen- und Regionalverkehr im Jahr 2005
zusammen eine Fahrleistung von 1.248 Mio. Fahrzeug-km. Das sind 73% der gesamten
Fahrleistungen des MIV im Stadtgebiet von 1.713 Mio. Fz-km. Die übrige MIV-
Fahrleistung von 465 Mio. Fz-km ist demnach als Durchgangsverkehr anzunehmen.
Zur Plausibilisierung der Gesamthöhe des Durchgangsverkehrs und zur Aufteilung nach
Straßenkategorien wurden ergänzend Verkehrszähldaten aus der bundesweiten Stra-
ßenverkehrszählung 2005 der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) für die Autobahn-
und Bundesstraßenabschnitte im Stadtgebiet Münster ausgewertet. Über die Höhe der
Verkehrsbelastung auf den einzelnen Straßenabschnitten vor und nach Ab- bzw. Zufahr-
ten erfolgte eine vereinfachte Abschätzung der Verkehrsanteile mit Start oder Ziel in
Münster (Regionalverkehr), der übrige Verkehr wurde als Durchgangsverkehr gerechnet.
Der MIV-Durchgangsverkehr findet überwiegend auf den Autobahnen statt, die durch
das Stadtgebiet verlaufen. Für die Autobahnabschnitte in Münster ergab sich eine Fahr-
leistung des MIV im Durchgangsverkehr von ca. 380 Mio. Fz-km, damit ca. 82% des ge-
samten Durchgangsverkehrs. Auf Nicht-Autobahnen würden demnach ca. 85 Mio. Fz-km
Durchgangsverkehr entfallen. Das entspricht auch der Größenordnung, die sich anhand
der Informationen im ersten Zwischenbericht zum Verkehrsentwicklungsplan Münster
2025 zum Durchgangsverkehr auf Nicht-Autobahnen ergibt.
An den gesamten Fahrleistungen des MIV im Stadtgebiet im Jahr 2005 hatte der Bin-
nenverkehr einen Anteil von 29%. Der Regionalverkehr war trotz alleiniger Berücksichti-
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 129 Klimaschutzkonzept Münster
gung der Strecken im Stadtgebiet für 43% der Fahrleistungen verantwortlich. Der vor-
wiegend auf den Autobahnen erfolgende Durchgangsverkehr hatte einen Anteil von
27% an den Fahrleistungen. Abb. 23 zeigt die Aufteilung der MIV-Fahrleistungen im
Stadtgebiet Münster im Jahr 2005 nach den Verkehrsarten.
Differenzierung nach Verkehrsarten im Straßengüterverkehr
Die Stadt Münster verfügt über keine eigenen Datenerhebungen im Straßengüterver-
kehr. Entsprechend war die Aufteilung der Fahrleistungen nach Binnen-, Regional- und
Durchgangsverkehr hier nicht in gleichem Maße möglich wie für den MIV. Der Anteil
von Durchgangsverkehr auf Autobahnen mit Leichten Nutzfahrzeugen und mit Lkw
wurde analog zum Vorgehen beim MIV über eine Auswertung der Verkehrszähldaten
der Straßenverkehrszählung 2005 abgeleitet. Danach ergab sich für Leichte Nutzfahr-
zeuge ein Anteil des Durchgangsverkehrs auf Autobahnen von 90%, für Lkw >3,5t von
95%. Die restliche Autobahn-Fahrleistung wurde dem Regionalverkehr zugerechnet.
Für Nicht-Autobahnen sind keine ausreichenden Informationen verfügbar, um eine Auf-
teilung des Straßengüterverkehrs nach Verkehrsarten zu ermöglichen
45. Vereinfachend
wurde deshalb für Nicht-Autobahnen kein Lkw-Durchgangsverkehr angenommen. Bin-
nen- und Regionalverkehr wurden gemeinsam dargestellt.
Insgesamt war der Straßengüterverkehr in Münster 2005 durch Lkw >3,5t mit einem
Fahrleistungsanteil von 71% dominiert, leichte Nutzfahrzeuge <3,5t trugen 29% zur Fahr-
leistung bei (vgl. Abb. 23, rechts). Der Anteil des Binnen- und Regionalverkehrs war bei
Lkw >3,5t mit 30% relativ niedrig, während bei leichten Nutzfahrzeugen mit 63% der
Großteil der Fahrleistungen auf Binnen- und Regionalverkehr entfiel. Insgesamt ergibt
sich für die Fahrleistungen im Straßengüterverkehr 2005 ein Anteil im Binnen- und Regi-
onalverkehr von 40%.
45 Angaben im 1. Zwischenbericht zum Verkehrsentwicklungsplan Münster 2025 belegen
für Lkw >12t eine geringe Bedeutung des Durchgangsverkehrs auf Nicht-Autobahnen
im Stadtgebiet. Für Lkw kleinerer Größenklassen liegen keine Informationen vor.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 130 Klimaschutzkonzept Münster
Abb. 23: Fahrleistungen des Straßenverkehrs im Stadtgebiet Münster im Jahr 2005 in der
Differenzierung nach Verkehrsarten
1.713
0
200
400
600
800
1.000
1.200
1.400
1.600
1.800
2.000Mio. Fz-km
Durchgangsverkehr
Regionalverkehr
Binnenverkehr
Fahrleistungsaufteilung 2005 im
Motorisierten Individualverkehr
29%
43%
28%
IFEU 2009
232
0
50
100
150
200
250
300
350
400Mio. Fz-km
Lkw >3,5t Durchgang
Lkw >3,5t Binnen+Regio
LNF Durchgang
LNF Binnen+Regio
Leichte Nutzfahrzeuge (LNF)
29%
Lkw >3,5t
71%
Fahrleistungsaufteilung 2005
im Straßengüterverkehr
IFEU 2009
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 131 Klimaschutzkonzept Münster
3. Methodik der CO2-Bilanzierung
Auf Bundesebene baut das Klima Bündnis mit dem Tool ECO2 gerade eine einheitliche
Bilanzierungssystematik für seine etwa 400 Mitgliedskommunen auf. Damit kann mittel-
fristig eine einheitliche CO 2-Bilanzierungssystematik flächendeckend etabliert werden.
Das IFEU lehnt sich weitestgehend an die Bilanzierungsgrundlagen des Klima Bünd-
nisses an. Sofern die konkreten Verhältnisse in Münster es erfordern, wie zum Beispiel
bei der Allokation von Fernwärme, wird die Systematik durch eigene Ansätze des IFEU
ergänzt. Im Rahmen von kommunalen Bilanzen werden vom IFEU folgende Bilanzie-
rungsmethoden verwendet:
Territorialprinzip
Die Energie- und CO
2- Bilanzierung des IFEU für Kommunen in der Größenklasse von
Münster basiert auf dem Territorialprinzip. Demnach werden beispielsweise alle im
Stadtgebiet Münster anfallenden Verbräuche auf Ebene der Endenergie (Energie, die
z.B. am Hauszähler gemessen und verrechnet wird) bilanziert und den verschiedenen
Verbrauchssektoren zugeordnet. Graue Energie (die z.B. in Produkten steckt) und E-
nergie die außerhalb der Stadtgrenzen konsumiert wird (z.B. Hotelaufenthalt) wird nicht
bilanziert
46.
Auf Energieversorgungsseite werden ebenfalls alle Energieumwandlungen im Stadtge-
biet berücksichtigt und fließen in die Bilanz ein, sofern Sie dem Endenergieverbrauch
in Münster zugeordnet werden können.
Vorkette
Zur Berechnung der CO2- Emissionen werden, neben den direkten Emissionen bei der
Umwandlung der Energie im Stadtgebiet Münster, auch die Emissionen der Vorkette
einberechnet. So sind auch die Emissionen für die Förderung, den Transport und die
Umwandlung außerhalb der Stadt Münster enthalten. Die einzelnen Faktoren stammen
aus dem GEMIS-Datensatz und Berechnungen des IFEU Heidelberg (UMBERTO- und
ECO-Invent-Daten).
Äquivalente Emissionen
Zusätzlich zur Prozesskette werden in der Regel vom IFEU auch die äquivalenten CO
2-
Emissionen von Lachgas (N 2O) und Methan (CH 4) einberechnet. Z.B. entstehen bei
der Förderung und dem Transport von Erdgas oder der Bioabfallvergärung und Kom-
postierung auch Methanverluste. Methan ist um ein Vielfaches klimaschädlicher als
CO2.
46 Eine verursacherbasierte Bilanz einzelner Personen in Münster kann aber z.B. über das
CO2- Bürgertool des IFEU Heidelberg (siehe http://ifeu.klima-aktiv.de/ ) erfolgen.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 132 Klimaschutzkonzept Münster
Allokation von Koppelprodukten (Strom / Wärme)
Die gemeinsame Erzeugung 47 von Strom und Wärme (Kraftwärmekopplung = KWK)
schont die Ressourcen, da vergleichsweise wenig Energie als Abwärme verloren geht.
Für die Aufteilung der Emissionsfrachten auf die Koppelprodukte Strom und Wärme
gibt es verschiedene Rechenansätze.
Die Gutschriftenmethode des GEMIS wird meist bei einem Systemvergleich herange-
zogen. Für die kommunale Bilanzierung ist diese nicht geeignet, da sie zwar den Ge-
samteffekt eines KWK-Prozesses gut beschreibt, dem Endprodukt Wärme aber keinen
„realen“ CO
2- Emissionsfaktor zuordnet48.
Für die Abbildung der tatsächlich auftretenden spezifischen CO 2- Emissionen rechnet
das IFEU entweder mit dem Prinzip des Brennstoffmehraufwandes, das auch von der
Kraftwerkswirtschaft verwendet wird, oder mit der Aufteilung der Emissionen entspre-
chend dem Exergie-Gehalt
49 der Koppelprodukte.
Beim Brennstoffmehraufwand wird berechnet, wie viel Brennstoff als Mehraufwand
eingesetzt werden müsste um die gleiche Stromproduktion zu erreichen, die ohne eine
Wärmeauskopplung möglich wäre. Diese Betrachtungsweise wird häufig bei großen
KWK-Prozessen (z.B. bei Kohleheizkraftwerken) angewandt.
Liegen keine detaillierten Daten von Kraftwerken vor oder kann die Zuordnung nicht
über den Brennstoffmehraufwand erfolgen (z.B. bei BHKWs), wird die Allokation der
Emissionen über den Exergiefaktor der Koppelprodukte berechnet. Werden z.B. in ei-
nem gasbetriebenen Block-Heiz-Kraftwerk mit 100 MWh (Wirkungsgrad 90%) 30 MWh
Strom und 60 MWh Wärme erzeugt, so werden dem Strom wesentlich mehr Emissio-
nen zugeteilt als der Wärme. Da Strom exergetisch hochwertiger ist als Wärme, wer-
den ihm von den Emissionen der 100 MWh Erdgas etwa 75% zugeordnet. Etwa 25 %
der Emissionen der 100 MWh Erdgas werden der erzeugten Wärme zugeordnet.
47 Physikalisch korrekt handelt es sich immer um eine Umwandlung der Energie.
48 Bei der Stromgutschrift werden zuerst die gesamten Emissionen des KWK-Prozesses
vor Ort an Hand des Brennstoffbedarfs der Anlage und den spezifischen CO 2-Faktoren
ermittelt. Dann werden die CO 2-Emissionen gut geschrieben, die durch die Stromer-
zeugung der KWK-Anlage auf Bundesebene verdrängt werden. Die resultierenden E-
missionen werden dann der ausgekoppelten Wärme zugeordnet. Je nach Brennstoff-
einsatz der KWK-Anlage kann der spezifisch e Fernwärmefaktor dadurch negativ wer-
den (z.B. bei Einsatz von Biomasse) oder extr em hoch ausfallen (z.B. bei Einsatz von
Kohle).
49 Als Exergie bezeichnet den Anteil der Ge samtenergie eines Systems, der Arbeit ver-
richten kann. Die hochwertige Energie Strom hat den Exergiefaktor 1, d.h. theoretisch
kann 100% der Energie in Arbeit umgewandelt werden. Wärme von z.B. 90 bis 140
Grad Celsius hat den Exergiefaktor von etwa 0,17 bis 0,3, d.h. theoretisch können 17%
bis 30% der Energie in Arbeit umgewandelt werden.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 133 Klimaschutzkonzept Münster
Die Berechnung der Emissionsfaktoren für Fernwärme und die lokale Stromerzeugng
spiegelt die Strukturen der emissionsrele vanten Energieumwandlung im Stadtgebiet
Münster wider.
Zu der Planung wird nach der EnEV für die Berechnung von Fernwärmeversorgung der
nach DIN 4701-10 berechnete Primärenergiefaktor der Fernwärme benötigt. Dieser be-
trägt in Münster 0,0 und schneidet damit sogar beispielsweise besser als Holz (0,2) ab.
Die Ursache liegt darin begründet, dass die Fernwärmeerzeugung gegen einen bun-
desweit einheitlichen Stromprimärenergiefaktor (3,0) gutgeschrieben wird. Unabhängig
von der lokalen Situation können deswegen neue hocheffiziente Kraftwerke, wie das
neue GuD-Kraftwerk sehr gute Werte bei der Fernwärmebereitstellung nach DIN 4701-
10 erreichen. Für eine physikalisch korrekte Aufteilung der Emissionen der Koppelpro-
dukte bei der Erzeugung vor Ort ist diese Methode jedoch nicht geeignet.
Lokaler Strommix oder Bundesmix
Das IFEU rechnet in seinen Bilanzen mit dem lokalen Strom- und Fernwärmemix.
Strom, der im Stadtgebiet durch erneuerbare Energien und konventionelle Kraftwerke
erzeugt wird, wurde auch bei der Berechnung eines lokalen spezifischen Emissionsfak-
tors berücksichtigt. Zwei mögliche Fälle könnten dabei eintreten.
Im ersten Fall ist die Stromerzeugung geringer als der Stromverbrauch im Stadtgebiet.
Für die Berechnung des Emissionsfaktors fließt nun die gesamte lokale Stromerzeu-
gung in die Berechnung ein. Für den fehlenden Anteil am Stromverbrauch wird der
Bundesmix für Strom herangezogen. Dieser Fall liegt für die CO
2-Bilanz 2006 in Müns-
ter vor. Durch die Kraftwerksstruktur vor Ort wurde knapp ein Drittel des in Münster er-
zeugten Stroms auch in Münster erzeugt. Für etwa zwei Drittel wurde bei der Emissi-
onsfaktorberechnung der Faktor für den Bundesmix herangezogen.
Im zweiten Fall liegt die Stromerzeugung im Stadtgebiet höher als der Stromverbrauch.
Strom würde mit dem Emissionsfaktor, der aus der gesamten Stromerzeugung resul-
tiert, nur anteilig am Verbrauch in Münster der Stadt angerechnet.
Mit diesem verbrauchsorientierten Territorialprinzip wird versucht, kommunale Klima-
schutzbemühungen und -entscheidungen sowohl auf Verbrauchs- als auch auf Erzeu-
gungsseite in einer CO
2-Bilanz abzubilden.
Eine weitere Möglichkeit, die derzeit im Klimaschutzbenchmark-Projekt des UBA disku-
tiert wird, ist die Verwendung eines einheitlichen Bundesstrommixes für kommunale Bi-
lanzen. Zum einen ist damit eine verbesserte Vergleichbarkeit zwischen den Kommu-
nen gegeben zum anderen können kommunale Erfolge auf der Effizienzseite über
mehrere Jahre in der Bilanz besser dargestellt werden. Im weiteren Anhang findet sich
deswegen auch eine Bilanz, die mit dem Bundesmix Strom berechnet wurde.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 134 Klimaschutzkonzept Münster
Witterungskorrektur
Der Energieverbrauch für die Raumheizung ist stark von der Witterung, insbesondere
von den Lufttemperaturen, abhängig. In einem kalten Winter kann der Heizenergie-
verbrauch deshalb im Vergleich zu einem milden Winter im Jahr zuvor deutlich anstei-
gen, ohne dass Nutzungsänderungen oder Anlagenfehler vorliegen. Um die Verläufe
und Entwicklungen des Energieverbrauchs einschätzen und aufschlussreich interpre-
tieren zu können, müssen die Heizenergiever bräuche daher stets witterungsbereinigt
werden. Das bedeutet, dass die Witterungsbedingungen eines betrachteten Jahres in
einen langjährigen, gemittelten Kontext gestellt werden.
Daher wurden auch in dieser Bilanzierung alle Energieverbräuche bzw. Energieträger,
die zum Zwecke der Raumwärmetemperierung eingesetzt werden, mit den Gradtags-
zahlen (15/20) und dem langjährigen Mittel witterungskorrigiert. Die Gradtagszahl für
das Jahr 2006 ist 3.190 Gradtage (Quelle Stadtwerke). Aufgrund des langjährigen Mit-
tels von 3.781 Gradtagen ergibt sich für Münster ein Korrekturfaktor von 1,19. Das Jahr
2006 war demnach ein wärmeres Jahr als die Jahre im langjährigen Mittel. Die absolu-
ten Heizenergieverbräuche in den einzelnen Sektoren wurden um den Faktor 1,19
nach oben korrigiert.
4. Daten- und Tabellen zur CO2-Bilanz
Jahr G as Fernwärme Heizstrom Heizöl S onstiges S trom Verkehr G esamt
1990 1.872 589 173 1.031 26 959 k.A. 4.649
1995 2.017 645 153 780 11 1.009 k.A. 4.615
2000 2.126 644 115 831 7 1.119 k.A. 4.843
2005 2.476 625 113 684 0 1.235 k.A. 5.132
2006 2.087 765 62 714 90 1.369 * 5.087
* Verkehr 2006 wird für eine bessere Vergleichbarkeit nicht in der Summe berücksichtigt
Enenergieverbrauch in Münster 2006 , witterungskorrigiert (GWh)
Erdgas Fernwärme Heizöl Kohle Sonstiges Kraftstoffmix Verkehr Strom Summe
Private Haush 1.243 80 486 0 5 465 2.280
Gewerbe+Son 617 683 211 0 2 753 2.266
Industrie 227 1 16 0 84 213 542
Verkehr 1.756 1756
Summe 2.087 765 714 0 91 1.756 1.431 6.843
CO2-Emissionen in Münster 2006, witterungskorrigiert mit Vorketten und Äquivalenten (t)
Erdgas Fernwärme Heizöl Kohle Sonstiges Kraftstoffmix Verkehr Strom Summe
Private Haush 313.283 11.540 156.017 0 160 0 279.222 760.222
Gewerbe+Son 155.420 98.300 67.874 0 53 0 451.942 773.589
Industrie 57.263 190 5.206 0 28.115 0 127.608 218.382
Verkehr 543.000 543.000
Summe 525.966 110.030 229.097 0 28.328 543.000 858.771 2.295.193
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 135 Klimaschutzkonzept Münster
5. CO2-Bilanz mit Bundesmix
Abb. 24: CO2-Bilanz Münster mit dem Bundesmix für Strom 2006
CO2-Emissionen nach Verbrauchssektoren in
Münster 2006 (Bundesmix)
0
100.000
200.000
300.000
400.000
500.000
600.000
700.000
800.000
900.000
Private Haushalte Gewerbe+Sonstiges Industrie Verkehr
Strom
Kraftstoffmix
Verkehr
Sonstiges
Kohle
Heizöl
Fernwärme
Erdgas
IFEU 2009
Tonnen CO2
witterungskorrigiert, mit Äquvivalenten
Gesamt: 2,33 Mio. Tonnen33%
10%
34%
23%
Erfolge von Endenergieeffizienzmaßnahmen im Klimaschutz können in CO 2-Bilanzen
häufig durch größere Veränderungen im Versorgungsbereich verfälscht bzw. gar nicht
dargestellt werden. Besonders in Kommunen mit von Bundeswerten besonders abwei-
chenden Bedingungen im Versorgungsbereich, beispielsweise mit einem Braunkohle-
kraftwerk oder einem großen Windpark vor Ort, kommt es auf des ersten Blick zu un-
üblichen Werten für kommunale CO
2-Bilanzen. Im UBA-Klimaschutzbenchmark wird
deswegen vorgeschlagen, neben dem Territorialmix auch eine Bilanz darzustellen, die
auf dem Strom Bundesmix basiert. De r Bundesmix lag nach IFEU-Berechnungen 50 im
Jahr 2006 mit Vorketten und Äquivalenten bei 626 g CO 2/kWh Strom. Gegenüber
Münster, für das ein Strommix von 600 g CO2/kWh ermittelt wurde, liegt der Bundesmix
für das Jahr 2006 also leicht höher. Dementsprechend liegen die Emissionen für Müns-
ter bei dieser Berechnungssystematik in Abb. 24 auch um 37.000 Tonnen höher. Sek-
toren, wie der GHD-Sektor haben durch hohen Strombedarf in dieser Darstellung auch
einen erhöhten Anteil an den Gesamtemissionen.
50 In bisher präsentierten Bilanzen wurde der LCA-Faktor (Life Cycle Assessment) von
ECO2 für den Bundesmmix Strom genutzt. Da die Berechnungssystematik dieses Fak-
tors nicht bekannt ist und der Wert anhand vorliegender Informationen des IFEUs zu
niedrig erscheint, wird der Strommix Deutschland angenommen, der mit UMBERTO
großteils anhand von Daten der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen errechnet wurde.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 136 Klimaschutzkonzept Münster
6. Einsparpotenziale (Effizienz) für verschiedene Anwendungen
und Sektoren
Abb. 25: Strom- und Wärmeeffizienzpotenzial e Private Haushalte in Münster bezogen auf
2006
Emissionsminderungspotenziale in Münster für den Sektor
private Haushalte für Strom- und Wärmeanwendungen (2020)
0 10.000 20.000 30.000 40.000 50.000 60.000 70.000 80.000
Warmwasser
Raumwärme
Heizung (Effizienz)
Warmwasser
Prozesswärme
Kraft
Kälte
Beleuchtung
IuK
Raumwärme
Tonnen CO2/Jahr IFEU/Gertec 2009
Strom
Wärme
Abb. 26: Effizienzpotenziale im Bereich Strom und Wärme des Sektors Gewerbe in Münster
bezogen auf 2006
Emissionsminderungspotenziale in Münster für den Sektor GHD
für Strom- und Wärmeanwendungen (2020)
0 10.000 20.000 30.000 40.000 50.000 60.000
Prozesswärme
Raumwärme und Warmwasser
Prozesswärme
Kraft
Kälte
Beleuchtung
IuK
Raumwärme und Warmwasser
Tonnen CO2/Jahr IFEU/Gertec 2009
Strom
Wärme
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 137 Klimaschutzkonzept Münster
7. Interviewpartner und Teilnehmer an den Workshops
Titel Name Institution Inter-
view
Workshop Thema
Herr Achilles KARSTADT Warenhaus AG GHD I, GHD II
Herr Bauersachs Westfä lische Fernwärmeversor-
gung FW + KWK
Herr
Dr.
Bischoff Stadtwerke Münster GmbH X Bioenergie, FW +
KWK
Herr Bock Studentenwerk Münster Bauen und Wohnen
Herr
Dr.
Bosch-Wicke Clemenshospital GmbH GHD I, GHD II
Herr Brendel IHK Münster X Verkehr
Herr Brüggemann Halle Münsterland GHD II, GHD II
Herr Brügging Fachhochschule Münster
Fachbereich Energie · Gebäude ·
Umwelt
Bioenergie
Herr Bruns Stadt Münster Verkehr, FW + KWK
Herr Buddenbäumer Landwirtschaftlicher Kreisverband X Bioenergie
Herr Bünker PlanET Biogastechnik GmbH Bioenergie
Herr Büscher Stadtwerke Münster Verkehr
Herr Buttmann Landwirtschaftskammer NRW
Kreisstelle Güters-
loh/Münster/Warendorf
Bioenergie
Herr Deppe Entech X Bauen und Wohnen
Herr Disselkötter Sparkasse Münsterland Ost GHD I
Herr Dr. Matthias Landwirtschaftskammer NRW Bioenergie
Frau Dramsky Frau Raphaelsklinik Münster GHD II
Herr
Dr.
Drepper Stadtwerke Münster X FW + KWK
Frau Eksen Einzelhandelsverband Münster-
land e.V. X GHD I, GHD II
Herr Exner BLB NRW Münster GHD I, GHD II
Herr Frie Bezirksregierung Münster GHD I
Herr Fugger Ebb e.V. Biogas Gbr Bioenergie
Herr Geuckler Zweckverband SPNV Münsterland Verkehr
Herr Gilles Messe+Kongress Halle Münster GHD II
Herr Hafelschulte M +
P
Hafelschulte Biogas Gbr Bioenergie
Herr Heine Handwerkskammer Bauen und Wohnen
Herr Heitkämper ADAC Verkehr
Herr Hoolt Universität Münster Technisches
Gebäudemanagement FW + KWK
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 138 Klimaschutzkonzept Münster
Titel Name Institution Inter-
view
Workshop Thema
Herr Hübner Universität Münster X GHD I, GHD II
Herr Hüntrupp Landwirt Bioenergie
Herr Jörgens Einzelhandelsverband Münster-
land e.V. GHD II
Frau Kampling Universität Münster, Institut für
Landschaftsökologie Verkehr
Herr Kersten Westdeutsche Lotterie GmbH &
Co. GHD I, GHD II
Herr Klein Innung Sanitär-Heizung-Klima X Bauen und Wohnen,
GHD I
Herr Klein Wirtschaftsförderung Münster
GmbH GHD I, GHD II
Herr Koch Ratio Handel GmbH & Co. KG GHD I, GHD II
Herr Kollman Universität Münster, Technisches
Gebäudemanagement FW + KWK
Herr König Amt für Stadtentwicklung, Stadt-
planungsamt, Verkehrsplanung X Verkehr
Herr Kovermann Stadtwerke Münster GmbH X FW + KWK
Frau Lambrecht Stadtteilauto Verkehr
Herr Lauxtermann Stadt Münster Verkehr
Herr Lütke WLV Ausschuss, Agrarenergie Gbr Bioenergie
Herr Markert Wirtschaftsförderung Münster
GmbH X FW + KWK
Herr
Dr.
Maue Handwerkskammer Bildungszent-
rum X GHD I
Herr Michelbrink EDEKA Handelsgesellschaft
Rhein-Ruhr mbH GHD I
Herr
Dr.
Müller Handwerkskammer Bildungszent-
rum Verkehr, Bauen und
Wohnen
Herr Nienaber Landschaftsverband Westf.-Lippe
LWL Bau- und Liegenschaftsbe-
trieb
GHD I
Herr Nienhaus WLV-Service GmbH Bioenergie
Herr Nölle Umweltforum Münster X Bauen und Wohnen
Dr. Oellers Amt für Stadtentwicklung, Stadt-
planungsamt, Verkehrsplanung;
Münster
Verkehr
Herr Püschel Evonik Wohnen GmbH Bauen und Wohnen
Frau Regenitter Amt für Wohnungswesen Bauen und Wohnen
Herr Reiter Wohnbau GmbH Verband FWK Bauen und Wohnen
Herr Sauthoff St. Franziskus Hospital GHD II
Herr Schade Kreishandwerkerschaft Münster Bauen und Wohnen
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 139 Klimaschutzkonzept Münster
Titel Name Institution Inter-
view
Workshop Thema
Herr Schmidt Wirtschaftsförderung Münster GHD I
Herr Schowe Amt für Stadtentwicklung, Stadt-
planungsamt, Verkehrsplanung X Verkehr
Herr Schulte Stadtwerke Münster GmbH X Verkehr
Herr Schülting-
Kemper
Deut. Rentenversicherung Westfa-
len GHD I
Herr Stude Provinzial – Versicherung GHD I, GHD II
Herr Sturm Wohnungsverein von Münster von
1893 Bauen und Wohnen
Herr Thiel MAIV X Bauen und Wohnen
Herr Toth Stadtwerke Münster GHD I
Herr Uplawski Amt für Stadtentwicklung, Stadt-
planung, Verkehrsplanung FW + KWK
Herr Vlasak Alexianer Krankenhaus Münster GHD I
Frau Weber JVA Münster GHD I
Herr Wedding Abfallwirtschaftsbetriebe Münster Bioenergie
Herr Weissler Verbraucherzentrale NRW X GHD I, GHD II
Herr Werner Stadt Münster X Bauen und Wohnen,
FW + KWK
Herr Werner Umweltfo rum Münster e.V.,VCD
Münster X Verkehr
Herr Westphal Architekturbüro
Ubbenhorst & Westphal Bauen und Wohnen
Herr
Prof.
Dr.
Wetter Fachhochschule Münster
Fachbereich Energie · Gebäude ·
Umwelt
Bioenergie
Herr Wiemers Umweltforum Münster e.V. , VCD
Münster Verkehr
Herr Wiese Studentenwerk Münster Bauen und Wohnen
Frau Wildt Stadt Münster Alle Workshops
Herr Wismann Wohn + Stadtbau GmbH Bauen und Wohnen
Herr Wolter ADFC – Münster e.V. X Verkehr
Herr Woltering Bauverein Ketteler eG Bauen und Wohnen
Herr Zacharias Wirtschaftsförderung Münster
GmbH GHD I, GHD II
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 140 Klimaschutzkonzept Münster
8. Beschreibung der Maßnahmenmatrix
Priorität der Maßnahmen (Matrix)
Als wichtiges Kriterium wird die Priorität einer Maßnahmen aus Sicht des Gutachters
aufgenommen. Hier spielt auch der zeitliche Aspekt eine wichtige Rolle. Oft gibt es für
die Umsetzung einer Maßnahme günstige Zeitpunkte, die eine Umsetzung erfolgver-
sprechend machen (Beginn/Ende eines Bundesförderprogramms).
Aber auch die aktuelle Motivation und Einstellung von lokalen Akteuren verändert sich
über die Zeit und muss bei der Betrachtung von Einzelmaßnahmen berücksichtigt wer-
den. Manche Maßnahmen besitzen Relevanz für viele andere Maßnahmen. Sie flan-
kieren diese oft nicht nur, sondern bilden die Grundlage zur Umsetzung der anderen
Maßnahmen. Sie finden sich dementsprechend häufiger auch in der Rubrik „ergänzen-
de Maßnahmen wieder, was sich wiederum auf ihre Prioritätsbewertung auswirkt.
Die endgültige Prioritätenfestlegung erfolgt in Abwägung der verschiedenen Faktoren
durch den Gutachter. Auf Maßnahmen mit hoher Priorität sollte von der Stadt Münster
besonderes Augenmerk gelegt werden. Maßnahmenvorschläge mit sehr niedriger Prio-
rität werden nicht in den Maßnahmenkatalog aufgenommen, sondern sind hier in Ab-
schnitt 7.7 (weitere Maßnahmenempfehlungen geringerer Priorität) aufgelistet.
Folgende Abstufungen finden sich im Maßnahmenkatalog:
Priorität der Maßnahme
qualitativ
Priorität der Maßnahme
Beispiele konkreter Maßnahmen
Q Sehr hoch Klimaschutzfonds
Q Hoch Energieberatung ausbauen und differenzieren
Q Mittel Informativere Stromrechnung
Q Niedrig Auszeichnung energieeffizienter Gewerbegebäude
Q Sehr niedrig Beratung zum Kauf sparsamer Pkw-Modelle
Maßnahmenschärfe (Matrix)
Während der CO 2-Effekt harter Maßnahmen (wie z.B. der Förderung von be-
stimmten Effizienztechniken) recht gut berechnet werden kann, ist das bei wei-
chen Maßnahmen (wie z.B. einer Werbekampagne) nicht so einfach, da dieser
wiederum von vielen anderen Maßnahmen abhängt und die Minderungspotenzia-
le meist nur im Verbund zum Tragen kommen. Aus diesen Gründen haben wir
das Kriterium der Maßnahmenschärfe
51 eingeführt.
51 In Anlehnung an die Wirkungsschärfe der Maßnahmen nach Prittwitz, siehe
/IFEU_1992/
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 141 Klimaschutzkonzept Münster
Harte Maßnahmen erhalten eine hohe Punktzahl, weiche eine niedrige. Bei nied-
rigen Punktzahlen muss bewusst sein, dass diese Maßnahme zumeist nur im
Verbund mit anderen wirkt und der CO 2- Minderungseffekt nicht genau quantifi-
zierbar ist.
Die Maßnahmenschärfe wird wie folgt dem Punktraster zugeordnet:
Maßnahmenschärfe der
Maßnahme qualitativ
Maßnahmenschärfe der Maßnahme
Beispiele konkreter Maßnahmen
Q Scharf Stromsparprämien
Q Relativ scharf Ausbau landwirtschaftliche Biogasnutzung
Q Mittel Gütesiegel Gebäudesanierung
Q Relativ unscharf Klima-Check von Gemeinderatsbeschlüssen
Q Unscharf Netzwerke für Erfahrungsaustausch im Sektor GHD
CO2- Minderungspotenzial der Maßnahme (Matrix)
Die Endenergie- und darauf aufbauend die CO 2-Minderungspotenziale wurden soweit
möglich für einzelne Maßnahmenvorschläge abgeschätzt.. So bringt eine Förderung
der Gebäudesanierung eine bestimmte jährliche Energieeinsparung. Läuft die Maß-
nahme mehrere Jahre, werden die jährlichen Minderungseffekte addiert und ergeben
somit das Einsparpotenzial der Einzelm aßnahme im letzten Jahr der Maßnahmenum-
setzung. Das berechnete absolute CO
2-Minderungspotenzial einer Maßnahmen wird
dann in der Punktebewertung auf die gesamten CO 2-Emissionen aller Sektoren in
Münster bezogen.
In einem 5-stufigen Punkteraster wurde für die Bewertung des CO 2-Minderungs-
potenzials folgende Aufteilung vorgenommen:
CO 2-Minderungspotenzial: Punkte
Q > 0,6% 5
Q > 0,4% 4
Q > 0,2% 3
Q > 0,1% 2
Q > 0,01% 1
Die Prozentangaben beziehen sich auf die CO 2-Emissionen der Stadt Münster im Jahr
2006 (Energie- und Verkehrsbereich). Die Potenziale sind allerdings nicht bei allen Maß-
nahmen addierbar, da Maßnahmen manchmal interagieren oder aufeinander aufbauen.
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 142 Klimaschutzkonzept Münster
Effizienz bzgl. Anschubkosten (Matrix) bei Maßnahmen im Energiebereich
Obwohl die vorgeschlagenen Maßnahmen sich in der Regel betriebswirtschaftlich
rechnen, werden sie häufig nicht umgesetzt. Um die Investoren in diesen Fällen zu ei-
ner Maßnahme zu bewegen, müssen daher zusätzliche Anreize geschaffen werden
(hier in Form kommunaler Mittel).
Die Effizienz bezüglich der Anschubkosten wird folgendermaßen dem Punkteraster zu-
geordnet:
Effizienz der Anschubkosten
qualitativ
Effizienz der Anschubkosten
absolut
Q Extrem hoch Kleiner oder gleich 0 Euro / Tonne CO2
Q Sehr hoch 0 Euro – 10 Euro / Tonne CO2
Q Hoch 10 Euro – 25 Euro / Tonne CO 2
Q Mittel 25 Euro - 40 Euro / Tonne CO 2
Q Niedrig über 40 Euro / Tonne CO 2
Den Aufwand für diese Anreize bezeichnen wir als „Anschubkosten“. Diese beinhalten
die gesamten Programmkosten einer Maßnahme und enthalten sowohl Geldleistungen
(z.B. für Förderung oder Studien) als auch Personalkosten (die über die reguläre Ver-
waltungstätigkeit hinausgeht). Diese Kosten werden auf die über die Nutzungszeit der
initiierten Maßnahme eingesparte Menge der CO
2-Emissionen bezogen.
Betriebswirtschaftlichkeit der Maßnahme (Matrix) im Energiebereich
Für die Umsetzung der Maßnahmen ist die Wirtschaftlichkeit der Einzelmaßnahmen
aus Sicht des Investors von entscheidender Bedeutung. Es handelt sich hier also
nicht um die Sicht der Stadt bzw. des Förderers oder Initiators.
In der Regel betrachten wir im Rahmen dieses Konzeptes nur Maßnahmen, die sich
betriebswirtschaftlich rechnen. D.h. dass über die rechnerische Nutzungsdauer der
umgesetzten Maßnahme mehr Energiekoste n eingespart werden als für die Klima-
schutzinvestition zusätzlich bezahlt wurde. Wirtschaftlich wären in den meisten Fällen
die Mehrkosten einer Außenwanddämmung (ein bi s zwei Punkte). Gut wirtschaftlich
sind zumeist Investitionen in die Anlagentechnik (drei bis vier Punkte). Sehr wirtschaft-
lich sind gering investive Maßnahmen mit hohen Einspareffekten wie z.B. Optimierung
der Regelung (fünf Punkte).
Zur Bewertung der Wirtschaftlichkeit der Maßnahme verwenden wir den bekannten
Begriff der Amortisationszeit, d.h. der Zeit nach der die (zusätzlichen) Aufwendungen
durch die Summe der Einsparungen ausgeglichen sind. Eine gerade noch wirtschaftli-
che Maßnahme entspricht dann einer Amortisati onszeit, die etwas kürzer als die Nut-
zungsdauer der Investition ist. Eine sehr wirtschaftliche Maßnahme entspricht einer
Amortisationszeit von ein bis zwei Jahren. Die Bewertung der Betriebswirtschaftlichkeit
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 143 Klimaschutzkonzept Münster
erfolgt auf Grund der Abschätzung des Gutachters. Die Darstellung der Betriebswirt-
schaftlichkeit in der Matrix der Maßnahme beruht auf folgender Einteilung:
Betriebswirtschaftlichkeit der
Maßnahme
qualitativ
Betriebswirtschaftlichkeit der Maßnahme
konkret
Q Extrem wirtschaftlich Amortisationszeit 0 bis <20% der Nutzungszeit
Q Sehr wirtschaftlich Amortisationszeit 20 bis <40% der Nutzungszeit
Q Gut wirtschaftlich Amortisationszeit 40 bis <60% der Nutzungszeit
Q Relativ wirtschaftlich Amortisationszeit 60 bis <80% der Nutzungszeit
Q Gerade wirtschaftlich Amortisationszeit 80 bis 100% der Nutzungszeit
Kosten der Maßnahme im Verkehrsbereich
Für die Umsetzung von Maßnahmen sind Investitionskosten sowie laufende Personal-
und organisatorische Kosten der Einzelmaßnahmen zumindest im Vergleich mit anderen
Maßnahmen von Bedeutung. Vor allem zusätzlicher personeller Aufwand stellt in vielen
Fällen auch eines der wichtigsten Hemmnisse für die Umsetzung von Maßnahmen dar.
Im Gegensatz zu den Maßnahmen im Bereich Energie, wo in der Regel nur wirtschaftli-
che Maßnahmen betrachtet werden, ist eine solche Bewertung und Auswahl für den Be-
reich Verkehr sehr viel schwieriger. Hier hängt es entscheidend davon ab, welche positi-
ven „Nebeneffekte“ die Maßnahmen zusätzlich bewirken (Gesundheitsförderung, Luft-
reinhaltung etc.) und wie diese finanziell zu bewerten sind.
Die aufgeführten Kosten beziehen sich, soweit sie die Stadtverwaltung Münster betref-
fen, auf die Gesamtkosten der Maßnahmen. Sie können in den meisten Fällen nicht al-
lein dem Ziel des Klimaschutzes zuger echnet werden, sondern entsprechen den Kos-
ten für alle positiven Wirkungen der Maßnahme.
Die Darstellung der jährlichen (zusätzlichen) Kosten bzw. des (zusätzlichen) Aufwan-
des erfolgt nicht auf Basis einzelner berechneter Kosten (diese sind stark von einer an-
schließenden Detailplanung und Umsetzungsintensität abhängig und liegen für die
Maßnahmen meist noch nicht vor) sondern auf Grund der Einschätzung der Gutachter.
Kosten:
Q Sehr gering bis 10.000 €
Q Gering bis 25.000 €
Q Mittel bis 50.000 €
Q Hoch bis 100.000 €
Q Sehr hoch > 100.000 €
Akzeptanz der Maßnahme im Verkehrsbereich
IFEU-Institut Heidelberg/Gertec Essen 144 Klimaschutzkonzept Münster
Im Bereich Verkehr spielt bei der Auswahl geeigneter Maßnahmen deren Akzeptanz
eine wichtige Rolle. So haben beispielsweise restriktive Maßnahmen wie Tempolimitie-
rungen und Verkehrsbeschränkungen unter Klimaschutzaspekten ein günstiges Kos-
ten-Nutzen-Verhältnis, scheitern in der Umsetzung jedoch häufig an der Akzeptanz der
Entscheidungsträger und der Zielgruppe der Kraftfahrzeugnutzer. Auch andere Hemm-
nisse können der Akzeptanz der Maßnahmenvorschläge entgegenstehen, insbesonde-
re erforderliche finanzielle oder personelle Kapazitäten sowie der organisatorische
Aufwand, z.B. durch die Notwendigkeit von (z.T. ressortübergreifenden) Abstimmungs-
prozessen und Kooperationen.
Jedes der Kriterien für die Maßnahmenakzeptanz wird in der Matrix mit einem Punkt
aufgeführt, dabei wird die Matrix von unten mit Punkten „aufgefüllt“.
Akzeptanz
Q Hohe Akzeptanz bei Zielgruppe
Q Hohe Priorität bei Akteuren
Q Klare Zuständigkeiten bei Akteuren
Q Geringer organisatorischer Aufwand
Q Geringer finanzieller Aufwand
Beratungsverlauf (4)
Beschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungBeschluss: mehrheitlich geändert beschlossen
Zur SitzungBeschluss: mehrheitlich geändert beschlossen
Zur SitzungOrte (2)
- Münzstraße 15
- Windthorststraße 7
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Vorlagen-Nr.
- V/0791/2009/1
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 21.04.2010
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37