V/0904/2006
Preis der Stadt Münster für Europäische Poesie 2007
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Beschlussvorlage
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V/0904/2006 DER OBERBÜRGERMEISTER Kulturamt Betrifft Preis der Stadt Münster für Europäische Poesie 2007 hier: Nominierung der Preisträger Beratungsfolge 28.11.2006 Kulturausschuss Vorberatung 13.12.2006 Hauptausschuss Vorberatung 13.12.2006 Rat Entscheidung Beschlussvorschlag: Sachentscheidung: Der Vorschlag der Jury vom 20. Oktober 2006 wird vom Rat der Stadt Münster bestätigt: „Der Preis der Stadt Münster für Europäische Poesie 2007 wird dem slowenischen Dichter Tomaž Šalamun und seinem Übersetzer Fabjan Hafner für die Bände Ballade für Metka Krašovec und Lesen : Lieben zuerkannt. Der Autor und sein Übersetzer erhalten je 50 % der Preissumme. Kosten/Folgekosten Es wird zur Kenntnis genommen, dass die Kosten in Höhe von 15.500,00 €, aber keine Folgekos- ten entstehen. Finanzierung/Mittelbereitstellung Die oben genannte Sachentscheidung ist wie folgt aus dem doppischen Haushaltsplan zu finanzie- ren: Aufwendungen Produktgruppe Teilplan (Zeile) Bezeichnung Haush.- jahr Betrag € Bemerkung Produktgruppe 0401 Teilergebnisplan, Zeile 16 Kulturmanagement/ Kulturförderung Sonstige ordentliche Aufwen- dungen 2007 15.500 ,00 € Insgesamt: 15.500,00 € Vorlagen-Nr.: V/0904/2006 Auskunft erteilt: Herr Wistokat Ruf: 492 41 04 E-Mail: Wistokat@stadt-muenster.de Datum: 02.11.2006 Öffentliche Beschlussvorlage - 2 - V/0904/2006 Der Betrag ist bereits im Entwurf des doppischen Haushaltsplan 2007 enthalten. Begründung: Anlässlich des Stadtjubiläums 1993 hat der Rat der Stadt Münster den Preis für Europäische Poe- sie gestiftet (s. Vorlage 82/92) und dafür folgenden Stiftungszweck festgelegt: “Mit dem Preis für Europäische Poesie der Stadt Münster sollen ein international rezipierter Lyrik- band und seine eigenständige Übersetzung prämiert werden. Dabei sollen entweder der Gedicht- band oder die Übersetzung deutschsprachig sein.“ Die Auslobung des Preises sollte nach dem Willen des Rates durch eine fünfköpfige unabhängige Fachjury erfolgen, die aus folgenden, ad personam vom Rat berufenen Mitgliedern besteht: Frau Cornelia Jentzsch, Herr Michael Braun, Herr Urs Allemann, Herr Dr. Joachim Sartorius, Herr Norbert Wehr. Die Berufung der Jurymitglieder gilt unbefristet – die Rotation einzelner ist aber möglich. Die Jury hat in ihrer ersten Sitzung am 03.06.1992 ihrem Auftrag gemäß die Modalitäten für das Auswahlverfahren festgelegt. In seiner Sitzung am 11.12.1996 hat der Rat der Stadt Münster beschlossen, die Preissumme von DM 25.000 für die Preisverleihung 1997 um DM 5.000 auf insgesamt DM 30.000 zu erhöhen. Mit dem Beschluss vom 11.11.1998 wurde die Erhöhung in Ergänzung des ursprünglichen Ratsbe- schlusses von 1993 auf die Preisverleihungen 1999 ff. ausgeweitet. Am 20. Oktober 2006 hat die Jury die Preisträger für den Preis der Stadt Münster für Europäische Poesie 2007 ermittelt. Die Sitzungsleitung lag bei der Vorsitzenden des Kulturausschusses, Frau Beate Vilhjalmsson, die mit beratender Stimme an der Jurysitzung teilgenommen hat. Der Preis wird im Rahmen des Lyrikertreffens am 6. Mai 2007 im Rathausfestsaal verliehen. Die Jury hat ihre Entscheidung wie folgt begründet: „Tomaž Šalamun und sein Übersetzer Fabjan Hafner erhalten für die Bände Ballade für Metka Krašovec und Lesen: Lieben den mit 15.500 Euro dotierten Preis der Stadt Münster für Europäi- sche Poesie 2007. Beide – der 1941 in Zagreb geborene, in Koper / Slowenien aufgewachsene und heute in Ljub- ljana lebende Tomaž Šalamun ebenso wie der 1966 in Klagenfurt geborene Fabjan Hafner – sind Dichter und Übersetzer; für einen Preis, der gleichermaßen einen Dichter und seinen Übersetzer auszeichnet, eine glückhafte Konstellation. Für die Jury besteht kein Zweifel: Tomaž Šalamun ist der bedeutendste slowenische Lyriker seiner Generation! Er begann in den sechziger Jahren als Konzeptkünstler und war Mitglied der multime- dialen Gruppe „OHO-Kollektiv“. Als Redakteur der Literaturzeitschrift „Perspektive“ wurde er 1964 zu 12 Jahren Gefängnis verurteilt, kam nach fünf Tagen wieder frei – und wurde zum Helden. „In der Folge“, schrieb er, „mußte ich meinen Gedichten alles geben, um diesem unverdienten Ruhm gerecht zu werden.“ Poker, sein 1966 im Samisdat erschienener Erstling, war folglich eine bewußte ästhetische Provo- kation. In der Tradition der poètes maudits, vor allem Charles Baudelaires, aber auch des russi- schen Futuristen Velimir Chlebnikov, sprengte er alle Regeln seiner Sprache, überschritt poetische Geschmacks- und Tabu-Grenzen, suchte die Verbindung von Schönheit und Schock. Bis zum heutigen Tag ist das Rebellische dieses Debüts die künstlerische Haltung Šalamuns geblieben – die Gedichte aus vierzig Jahren in Lesen: Lieben stellen dies unter Beweis. Auch in seinen neuesten Gedichten ist Šalamun auf der (offenen) Suche nach poetischen Möglichkeiten des Aufbegehrens. Erstaunlich ist dabei der nicht nachlassende stilistische Erfindungsreichtum. Šalamun beherrscht mit größter Souveränität die unterschiedlichsten Register, Tonlagen und Sprechweisen – sei es - 3 - V/0904/2006 das offene, weitausschwingende, rhapsodische oder das kurze, strenge Gedicht, sei es der hohe oder der sarkastische, auch schrille Ton, sei es der existentielle Ernst oder das spöttische, flapsige Sprechen ... Eine große Herausforderung für einen Übersetzer! Doch Fabjan Hafner hat bei seinem jahrelangen Zwiegespräch mit den Gedichten Šalamuns einen untrüglichen Sinn für ihren Sprachgestus, Rhythmus und Klangfarbe und nicht zuletzt für ihre unorthodoxen Bildfindungen entwickelt. Es ist ihm dank seiner genauen und einfühlsamen Lektüre gelungen, überzeugende deutsche Äquivalen- te für die poetische Kraft der Originale zu finden.“ gez. Dr. Hanke Stadträtin
Beratungsverlauf (3)
Beschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungDetails
- Vorlagen-Nr.
- V/0904/2006
- Typ
- Vorlage
- Datum
- 02.11.2006
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37