2019/0014
Ausweisung städtischer Ehrengräber
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12426 Zeichen
- 2 -
Magistratsvorlage
Eingang Magistrats-
geschäftsstelle:
02.04.2019
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat I an die Stadtverordnetenversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss-
fassung Fachausschuss
Grünflächenamt
Dezernat III
Amt: Kulturamt
OBW bei abschl.
Beschlussfassung Magistrat
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
Verteiler:
I 41
III V 67
IV 20
Stvv
Ja
Nein
Vorlage-Nr. 2019/0014
Magistratsbeschluss-Nr.
155
Internetfähig
Produkt-Nr.: 533010
Kostenstelle: 067-112-1610 Investitionsnummer:
Kostenträger: 5330-11 Sachkonto: 6161820
Betreff: Ausweisung städtischer Ehrengräber
Vorlage vom: 27.03.2019
Beschlussvorschlag:
1. Der Magistrat nimmt von dem Bericht Kenntnis
2. Als städtische Ehrengräber werden ausgewiesen die Grabstätten
Alter Friedhof 02/1 Mauer 23
Prof. Dr. Otto Bartning
Alter Friedhof 02/4 Mauer 104
Otto Berndt
Alter Friedhof 02/1 Mauer 77
Heinrich Friedrich Reinhard Kekulé von Stradonitz
- 3 -
Waldfriedhof 01/R 8 d 37
Dorothea Hollatz
Waldfriedhof 01/Rechte Gruft 13
Wilhelm Loth
3. Der Ehrengrabstatus wird mit Datum des Magistratsbeschlusses wirksam.
4. Die Kosten für die Pflege und Unterhaltung von rund 250 Euro je Grab und Jahr werden
aus dem Budget des Grünflächenamtes getragen.
Anlagen:
Datenschutzrelevante Anlage:
Folgekosten: Ja Nein
Beschluss des Magistrats vom 10.04.2019
Der Vorlage wird zugestimmt.
- 4 -
Begründung zur Magistratsvorlage vom 27.03.2019:
Der Magistrat der Wissenschaftsstadt Darmstadt kann nach den Maßgaben der städtischen
Friedhofssatzung Grabstätten von Verstorbenen, die zu Lebzeiten besondere Leistungen
erbracht oder sich um die Stadt besonders verdient gemacht haben, den Status eines
Ehrengrabs verleihen. Die Unterhaltung von Ehrengrabstätten obliegt der Friedhofsverwaltung.
Im Zeitraum 2012 bis 2015 war ein Fachbeirat zur Neubewertung der bestehenden städtischen
Ehrengräber eingesetzt. Die Ergebnisse und die Empfehlungen des Fachbeirats, die vom
Magistrat am 8.4.2015 (MV 2015/0109) beschlossen und der Stadtverordnetenversammlung
am 7.5.2015 zur Kenntnis gegeben wurden, sind bei künftigen Entscheidungen über die
Verleihung des Ehrengrabstatus zu berücksichtigen. So kann eine Grabstätte erst dann zum
Ehrengrab erhoben werden, werden, wenn das Nutzungsrecht erloschen und an die Stadt
zurückgefallen ist.
Für die Grabstätten Darmstädter Persönlichkeiten, die im Zeitraum 2016 bis 2018 an die
Stadt Darmstadt zurückgefallen sind, wurde seitens der Verwaltung geprüft, ob die
Voraussetzungen für eine Übernahme als Ehrengrab vorliegen. Beteiligt waren Kulturamt,
Stadtarchiv und Grünflächenamt.
Die Übernahme als städtisches Ehrengrab wird empfohlen für folgende Grabstätten:
Alter Friedhof 02/4 Mauer 104
Otto Bartning (geb. 12.04.1883 Karlsruhe, gest. 20.02.1959 Darmstadt)
Otto Bartning war eine der bedeutenden Persönlichkeiten der Architekturgeschichte des
20. Jahrhunderts. Als führendes Mitglied des Deutschen Werkbunds und als Direktor der
Bauhochschule Weimar hatte er großen Einfluss auf die Architekturentwicklung vor 1933.
Er beeinflusste nicht nur maßgeblich die Entwicklung des protestantischen Kirchenbaus,
sondern war auch als Protagonist der Moderne führend im Wohnungs- und Siedlungsbau sowie
im Sozialbau. Aus der Biografie ergaben sich nach Prüfung durch das Stadtarchiv keine
Hinweise darauf, dass Bartning dem NS-Regime nahe gestanden hat. Er erhielt nach 1933
keine staatlichen Aufträge mehr und betätigte sich vor allem als Kirchenbaumeister. 1951 ließ
er sich mit seinem Kirchenbauinstitut in Darmstadt nieder. Als Vorsitzender des BDA und
Vorstandsmitglied des Deutschen Werkbundes trug er dazu bei, dass mehrere Organisationen
in Darmstadt neu gegründet wurden bzw. sich hier niederließen, u.a. der Rat für Formgebung,
das Institut für Neue Technische Form und die Otto-Bartning-Stiftung für Baukunst und
Bildende Künste. Die Übernahme der Grabstätte Bartning als städtisches Ehrengrab wird
befürwortet.
Alter Friedhof 02/4 Mauer 104
Otto Berndt (geb. 29.01.1857 Neuruppin, gest. 09.02.1940 Darmstadt)
1892 wurde Otto Berndt auf den Lehrstuhl für Maschinenkunde und Technologie der
Technischen Hochschule Darmstadt berufen. Weit über die wissenschaftliche Qualifikation
hinaus engagierte sich Berndt für Aufbau und Förderung der Hochschule. Zu seinen
Verdiensten zählte u.a. die Erweiterung des Lehrangebotes, was zur Einrichtung der vier
Lehrstühle für Wärmekraftmaschinen, Mechanische Technologie, Eisenbahnwesen und
Werkstoffkunde führte, die allerdings erst nach seiner Emeritierung 1927 umgesetzt wurde.
Des Weiteren initiierte er die Gründung der mechanisch–technischen Materialprüfungsanstalt
1907 und die Erweiterung des Maschinenbaulaboratoriums 1908. Berndt gelang es immer
- 5 -
wieder, trotz der Wirtschaftskrisen nach dem Ersten Weltkrieg die Industrie für die Belange der
TH zu interessieren und Fördermittel zu akquirieren. Durch dieses Engagement konnte 1926
der Umbau der alten Exerzierhalle zur Turn- und Festhalle und 1929 die Errichtung des Ski-
und Freizeitheims im Kleinwalsertal realisiert werden. Die Übernahme der Grabstätte Berndt
als städtisches Ehrengrab wird befürwortet.
Waldfriedhof 01/R 8 d 37
Dorothea Hollatz (geb. 20.01.1900 Stralsund, gest. 19.12.1987 Darmstadt)
Die Schriftstellerin kam 1920 nach Darmstadt. Sie schrieb u.a. Kurzgeschichten, Novellen,
Erzählungen, Romane sowie Kinder- und Jugendbücher. Hollatz war zu Lebzeiten eine populäre
und beliebte Autorin. Ihre Bibliografie umfasst rund 50 eigenständige Buchtitel, hinzu kommen
Beiträge in Anthologien, Almanachen und Kalendern. Zwar lassen zwei Beiträge zum Gedok-
Almanach 1940 eine Distanz zum Nationalsozialismus vermissen (Quelle: Stadtlexikon
Darmstadt), jedoch hat sich Hollatz in ihrem Werk ansonsten nicht politisch positioniert. Im
Verfahren der Entnazifizierung ist Dorothea Hollatz in der Stufe V der nicht Belasteten
eingereiht worden. Nach dem Zweiten Weltkrieg bis zu ihrem Tod war Dorothea Hollatz in
Darmstadt sehr präsent mit zahlreichen Publikationen und Lesungen sowie ihrem sozialen
Engagement u.a. der langjährigen Tätigkeit für die Telefonseelsorge, den Vorlesewettbewerb an
Schulen und für das Deutsche Sozialwerk, dessen Ehrenmitglied sie war. Die Übernahme der
Grabstätte Hollatz als städtisches Ehrengrab wird befürwortet.
Alter Friedhof 02/1 Mauer 77
Heinrich Friedrich Reinhard Kekulé von Stradonitz
(geb. 06.03.1839 Darmstadt, gest. 23.03.1911 Berlin)
Kekulé von Stradonitz war ein Sohn des Darmstädter Hofgerichtsadvokaten Karl Ludwig Kekulé
(1802 – 1843). Nach dem Studium der klassischen Philologie und Archäologie in Erlangen,
Göttingen und Berlin und der Promotion im Jahre 1861 arbeitete er am Deutschen
Archäologischen Institut in Rom und habilitierte 1868 in Bonn. In Wiesbaden wurde er
Konservator des Museums für Nassauische Altertümer. Die Universität Bonn berief ihn 1870
auf den Lehrstuhl für Archäologie. Kekulé von Stradonitz wurde 1889 zum Direktor der
Antikensammlung bei den Berliner Königlichen Museen berufen. Im selben Jahr erhielt er auch
den Ruf der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin auf den Lehrstuhl für klassische
Archäologie. Rektor der Berliner Universität war er im Studienjahr 1901/02. Kekulés Leistung
liegt vor allem in der Erforschung der griechischen Plastik. Nach Konsultation mehrerer
archäologischer Werke kann festgehalten werden, dass Kekulé eine bedeutende Persönlichkeit
in der Entwicklung des Faches Archäologie war und die archäologischen Forschungen durch
seine umfangreichen Ausgrabungen bedeutend bereichert hat. Die Übernahme der Grabstätte
Kekulé von Stradonitz als städtisches Ehrengrab wird befürwortet.
Waldfriedhof 01/Rechte Gruft 13
Wilhelm Loth (geb. 24.09.1920 Darmstadt, gest. 17.02.1993 Darmstadt)
Bildhauer und Hochschullehrer. Nach Kriegsdienst und Kriegsgefangenschaft 1947 Studium in
Darmstadt bei Fritz Schwarzbeck. Assistent von Hermann Geibel und Lehre an der TH
Darmstadt. 1958 Berufung an die Akademie der bildenden Künste Karlsruhe. Wilhelm Loth
hatte in der Nachkriegszeit maßgeblichen Anteil am geistigen Wiederaufbau seiner
Heimatstadt. Er gehörte u. a. zu den Initiatoren bei der Neugründung der Darmstädter
Sezession, des ersten Darmstädter Gesprächs und des Darmstädter Kunstpreises, der später
- 6 -
in „Wilhelm-Loth-Preis – Kunstpreis der Stadt Darmstadt“ umbenannt wurde. In der
Entnazifizierung ist Wilhelm Loth in der Stufe V der nicht Belasteten eingereiht worden. Die
Übernahme der Grabstätte Loth als städtisches Ehrengrab wird empfohlen.
Für die nachstehend genannten Grabstätten wird die Ausweisung eines Ehrengrabes nicht
empfohlen:
Waldfriedhof 01/R8a 11a
Edith Mikeleitis (geb. 27.02.1905 Posen, gest. 08.07.1964 Stuttgart)
Lebte seit 1952 in Darmstadt. Mikeleitis verfasste Romane, Märchen, Lyrik, Essays und
arbeitete für Bühne und Film. Im Rahmen der biografischen Recherche ergaben sich keine
Hinweise, wo Mikeleitis während der NS-Zeit und in den ersten Nachkriegsjahren lebte und was
sie vor ihrer Darmstädter Zeit gemacht hat. Sie gehörte bereits zu Lebzeiten zu den
unbekannteren Schriftstellerinnen. Werke, die ihr zu literarischem Ruhm oder Nachruhm
gereichten, sind nicht nachgewiesen.
Eine Übernahme als städtisches Ehrengrab kann bei Anlegung enger Kriterien nicht befürwortet
werden. Der von ihrem Sohn, dem Bildhauer Jürn Ehlers, gestaltete Grabstein sollte jedoch
erhalten werden.
Alter Friedhof 02 / 2 J 14
Walther von der Leyen (geb. 1887 Bonn, gest. 1967 Trautheim)
Ehem. Leiter des Staatsbauamts. Nach Prüfung der Biografie ist zu konstatieren, dass von der
Leyens Verdienste im Wesentlichen darin liegen, dass er sein Amt als Leiter des Staatsbauamts
erfolgreich bekleidet hat und damit eine gewisse Rolle für den Wiederaufbau Darmstadts in den
Jahren bis 1952 spielte. Daneben wirkte er intensiv an der Bebauung Trautheims mit. Über
seine Berufstätigkeit hinausgehende Verdienste oder außergewöhnliche Tätigkeiten sind nicht
festzustellen.
Eine Übernahme als städtisches Ehrengrab kann bei Anlegung enger Kriterien nicht befürwortet
werden.
Waldfriedhof 01/L1c28b
Ernst Adolf Louis Schroeder (geb. 08.09.1889 Bartenstein/Ostpreußen, gest. 14.10.1971
Darmstadt)
Von 1948 bis zur Ruhestandsversetzung 1961 Bürgermeister der Stadt Darmstadt und u.a.
Kulturdezernent. Die Ämter wurden pflichtgemäß ausgefüllt, über diese Tätigkeiten
hinausgehende besonders herausragende Leistungen sind nicht festzustellen.
Vor und im Zweiten Weltkrieg hatte Schroeder Karriere als hoher Regierungsbeamter gemacht.
Von 1930 bis 1933 war er Oberbürgermeister von Schneidemühl, 1933 bis 1940
Stadtkämmerer von Breslau und 1940 bis 1945 OB von Königstein. Der lückenlose Werdegang
wirft einige Fragen auf insbesondere hinsichtlich der Distanz zur Partei. Aus den im
Stadtarchiv vorliegenden Unterlagen ergeben sich hierzu allerdings keine weiteren
Erkenntnisse. Im Entnazifizierungsverfahren wurde Schröder als Mitläufer in Stufe IV
eingestuft.
Eine Übernahme als städtisches Ehrengrab kann bei Anlegung enger Kriterien nicht befürwortet
werden.
Waldfriedhof 01/L6a25c
Arnold Krieger (01.12.1904 Dirschau, 09.08.1965 Frankfurt/M.)
Schriftsteller, Dramatiker und Lyriker. Krieger lebte nach 1945 zeitweilig in der Schweiz, ab
1953 in Darmstadt. Die Rezeption des schriftstellerischen Werkes war geteilt. Größter Erfolg
war sein Abenteuer-Roman “Geliebt, gejagt und unvergessen“ von 1955. Die Aussagen, dass
Krieger Gegner des NS-Regimes war, werden im Wesentlichen ihm selbst bzw. seinem Umfeld
zugeschrieben und konnten im Rahmen der Recherchen des Stadtarchivs nicht durch andere
Quellen bestätigt werden. Da er nach 1945 in der Schweiz lebte ist vermutlich kein
Entnazifizierungsverfahren durchgeführt worden.
Eine Übernahme als städtisches Ehrengrab kann bei Anlegung enger Kriterien nicht befürwortet
werden.
Darmstadt, den 27.03.2019
41 220100
Dezernat I Dezernat III
i.V.
Jochen Partsch Jochen Partsch
Oberbürgermeister Oberbürgermeister
2019/0014
12368 Zeichen
Magistratsvorlage
Eingang Magistrats -
geschäftsstelle:
02.04.2019
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat I an die Stadtverordnetenversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss -
fassung Fachausschuss
Grünflächenamt
Dezernat III
Amt: Kulturamt
OBW bei abschl.
Beschlussfassung Magistrat
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
Verteiler:
Ja
Nein
Vorlage-Nr. 2019/0014
Magistratsbeschluss -Nr.
Internetfähig
Produkt-Nr.: 533010
Kostenstelle: 067-112-1610 Investitionsnummer:
Kostenträger: 5330-11 Sachkonto: 6161820
Betreff: Ausweisung städtischer Ehrengräber
Vorlage vom: 27.03.2019
Beschlussvorschlag :
1. Der Magistrat nimmt von dem Bericht Kenntnis
2. Als städtische Ehrengräber werden ausgewiesen die Grabstätten
Alter Friedhof 02/1 Mauer 23
Prof. Dr. Otto Bartning
Alter Friedhof 02/4 Mauer 104
Otto Berndt
Alter Friedhof 02/1 Mauer 77
Heinrich Friedrich Reinhard Kekulé von Stradonitz
- 2 -
Waldfriedhof 01/R 8 d 37
Dorothea Hollatz
Waldfriedhof 01/Rechte Gruft 13
Wilhelm Loth
3. Der Ehrengrabstatus wird mit Datum des Magistratsbeschlusses wirksam.
4. Die Kosten für die Pflege und Unterhaltung von rund 2 50 Euro je Grab und Jahr werden
aus dem Budget des Grünflächenamtes g etragen.
Anlagen:
Datenschutzrelevante Anlage:
Folgekosten: Ja Nein
Beschluss des Magistrats vom
- 3 -
Begründung zur Magistratsvorlage vom 27.03.2019:
Der Magistrat der Wissenschaftsstadt Darmstadt kann nach den Maßgaben der städtischen
Friedhofssatzung Grabstätten von Verstorbenen, die zu Lebzeiten besondere Leistungen
erbracht oder sich um die Stadt besonders verdient gemacht haben, den Status eines
Ehrengrabs verleihen. Die Unterhaltung von Ehrengrabstätten obliegt der Friedhofsverwaltung.
Im Zeitraum 2012 bis 2015 war ein Fachbeirat zur Neubewertung der bestehenden städtischen
Ehrengräber eingesetzt. Die Ergebnisse und die Empfehlungen des Fachbeirats, die vom
Magistrat am 8.4.2015 (MV 2015/0109) beschlossen und der Stadtverordnetenversammlung
am 7.5.2015 zur Kenntnis gegeben wurden, sind bei künftigen Entscheidungen über die
Verleihung des Ehrengrabstatus zu berücksichtigen. So kann eine Grabstätte erst dann zum
Ehrengrab erhoben werden, werden, wenn das Nutzungsrecht erloschen und an die Stadt
zurückgefallen ist.
Für die Grabstätten Darmstädter Persönlichkeiten, die im Zeitraum 2016 bis 2018 an die
Stadt Darmstadt zurückgefallen sind, wurde seitens der Verwaltung geprüft, ob die
Voraussetzungen für eine Übernahme als Ehrengrab vorliegen. Beteiligt waren Kulturamt,
Stadtarchiv und Grünflächenamt.
Die Übernahme als städtisches Ehrengrab wird empfohlen für folgende Grabstätten:
Alter Friedhof 02/4 Mauer 104
Otto Bartning (geb. 12.04.1883 Karlsruhe, gest. 20.02.1959 Darmstadt)
Otto Bartning war eine der bedeutenden Persönlichkeiten der Architekturgeschichte des
20. Jahrhunderts. Als führendes Mitglied des Deutschen Werkbunds und als Direktor der
Bauhochschule Weimar hatte er großen Einfluss auf die Architekturentwicklung vor 1933.
Er beeinflusste nicht nur maßgeblich die Entwicklung des protestantischen Kirchenbaus,
sondern war auch als Protagonist der Moderne führend im Wohnungs- und Siedlungsbau sowie
im Sozialbau. Aus der Biografie ergaben sich nach Prüfung durch das Stadtarchiv keine
Hinweise darauf, dass Bartning dem NS-Regime nahe gestanden hat. Er erhielt nach 1933
keine staatlichen Aufträge mehr und betätigte sich vor allem als Kirchenbaumeister. 1951 ließ
er sich mit seinem Kirchenbauinstitut in Darmstadt nieder. Als Vorsitzender des BDA und
Vorstandsmitglied des Deutschen Werkbundes trug er dazu bei, dass mehrere Organisationen
in Darmstadt neu gegründet wurden bzw. sich hier niederließen, u.a. der Rat für Formgebung,
das Institut für Neue Technische Form und die Otto-Bartning-Stiftung für Baukunst und
Bildende Künste. Die Übernahme der Grabstätte Bartning als städtisches Ehrengrab wird
befürwortet.
Alter Friedhof 02/4 Mauer 104
Otto Berndt (geb. 29.01.1857 Neuruppin, gest. 09.02.1940 Darmstadt)
1892 wurde Otto Berndt auf den Lehrstuhl für Maschinenkunde und Technologie der
Technischen Hochschule Darmstadt berufen. Weit über die wissenschaftliche Qualifikation
hinaus engagierte sich Berndt für Aufbau und Förderung der Hochschule. Zu seinen
Verdiensten zählte u.a. die Erweiterung des Lehrangebotes, was zur Einrichtung der vier
Lehrstühle für Wärmekraftmaschinen, Mechanische Technologie, Eisenbahnwesen und
Werkstoffkunde führte, die allerdings erst nach seiner Emeritierung 1927 umgesetzt wurde.
Des Weiteren initiierte er die Gründung der mechanisch–technischen Materialprüfungsanstalt
1907 und die Erweiterung des Maschinenbaulaboratoriums 1908. Berndt gelang es immer
wieder, trotz der Wirtschaftskrisen nach dem Ersten Weltkrieg die Industrie für die Belange der
- 4 -
TH zu interessieren und Fördermittel zu akquirieren. Durch dieses Engagement konnte 1926
der Umbau der alten Exerzierhalle zur Turn- und Festhalle und 1929 die Errichtung des Ski-
und Freizeitheims im Kleinwalsertal realisiert werden. Die Übernahme der Grabstätte Berndt
als städtisches Ehrengrab wird befürwortet.
Waldfriedhof 01/R 8 d 37
Dorothea Hollatz (geb. 20.01.1900 Stralsund, gest. 19.12.1987 Darmstadt)
Die Schriftstellerin kam 1920 nach Darmstadt. Sie schrieb u.a. Kurzgeschichten, Novellen,
Erzählungen, Romane sowie Kinder- und Jugendbücher. Hollatz war zu Lebzeiten eine populäre
und beliebte Autorin. Ihre Bibliografie umfasst rund 50 eigenständige Buchtitel, hinzu kommen
Beiträge in Anthologien, Almanachen und Kalendern. Zwar lassen zwei Beiträge zum Gedok-
Almanach 1940 eine Distanz zum Nationalsozialismus vermissen (Quelle: Stadtlexikon
Darmstadt), jedoch hat sich Hollatz in ihrem Werk ansonsten nicht politisch positioniert. Im
Verfahren der Entnazifizierung ist Dorothea Hollatz in der Stufe V der nicht Belasteten
eingereiht worden. Nach dem Zweiten Weltkrieg bis zu ihrem Tod war Dorothea Hollatz in
Darmstadt sehr präsent mit zahlreichen Publikationen und Lesungen sowie ihrem sozialen
Engagement u.a. der langjährigen Tätigkeit für die Telefonseelsorge, den Vorlesewettbewerb an
Schulen und für das Deutsche Sozialwerk, dessen Ehrenmitglied sie war. Die Übernahme der
Grabstätte Hollatz als städtisches Ehrengrab wird befürwortet.
Alter Friedhof 02/1 Mauer 77
Heinrich Friedrich Reinhard Kekulé von Stradonitz
(geb. 06.03.1839 Darmstadt, gest. 23.03.1911 Berlin)
Kekulé von Stradonitz war ein Sohn des Darmstädter Hofgerichtsadvokaten Karl Ludwig Kekulé
(1802 – 1843). Nach dem Studium der klassischen Philologie und Archäologie in Erlangen,
Göttingen und Berlin und der Promotion im Jahre 1861 arbeitete er am Deutschen
Archäologischen Institut in Rom und habilitierte 1868 in Bonn. In Wiesbaden wurde er
Konservator des Museums für Nassauische Altertümer. Die Universität Bonn berief ihn 1870
auf den Lehrstuhl für Archäologie. Kekulé von Stradonitz wurde 1889 zum Direktor der
Antikensammlung bei den Berliner Königlichen Museen berufen. Im selben Jahr erhielt er auch
den Ruf der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin auf den Lehrstuhl für klassische
Archäologie. Rektor der Berliner Universität war er im Studienjahr 1901/02. Kekulés Leistung
liegt vor allem in der Erforschung der griechischen Plastik. Nach Konsultation mehrerer
archäologischer Werke kann festgehalten werden, dass Kekulé eine bedeutende Persönlichkeit
in der Entwicklung des Faches Archäologie war und die archäologischen Forschungen durch
seine umfangreichen Ausgrabungen bedeutend bereichert hat. Die Übernahme der Grabstätte
Kekulé von Stradonitz als städtisches Ehrengrab wird befürwortet.
Waldfriedhof 01/Rechte Gruft 13
Wilhelm Loth (geb. 24.09.1920 Darmstadt, gest. 17.02.1993 Darmstadt)
Bildhauer und Hochschullehrer. Nach Kriegsdienst und Kriegsgefangenschaft 1947 Studium in
Darmstadt bei Fritz Schwarzbeck. Assistent von Hermann Geibel und Lehre an der TH
Darmstadt. 1958 Berufung an die Akademie der bildenden Künste Karlsruhe. Wilhelm Loth
hatte in der Nachkriegszeit maßgeblichen Anteil am geistigen Wiederaufbau seiner
Heimatstadt. Er gehörte u. a. zu den Initiatoren bei der Neugründung der Darmstädter
Sezession, des ersten Darmstädter Gesprächs und des Darmstädter Kunstpreises, der später
in „Wilhelm-Loth-Preis – Kunstpreis der Stadt Darmstadt“ umbenannt wurde. In der
- 5 -
Entnazifizierung ist Wilhelm Loth in der Stufe V der nicht Belasteten eingereiht worden. Die
Übernahme der Grabstätte Loth als städtisches Ehrengrab wird empfohlen.
Für die nachstehend genannten Grabstätten wird die Ausweisung eines Ehrengrabes nicht
empfohlen:
Waldfriedhof 01/R8a 11a
Edith Mikeleitis (geb. 27.02.1905 Posen, gest. 08.07.1964 Stuttgart)
Lebte seit 1952 in Darmstadt. Mikeleitis verfasste Romane, Märchen, Lyrik, Essays und
arbeitete für Bühne und Film. Im Rahmen der biografischen Recherche ergaben sich keine
Hinweise, wo Mikeleitis während der NS-Zeit und in den ersten Nachkriegsjahren lebte und was
sie vor ihrer Darmstädter Zeit gemacht hat. Sie gehörte bereits zu Lebzeiten zu den
unbekannteren Schriftstellerinnen. Werke, die ihr zu literarischem Ruhm oder Nachruhm
gereichten, sind nicht nachgewiesen.
Eine Übernahme als städtisches Ehrengrab kann bei Anlegung enger Kriterien nicht
befürwortet werden. Der von ihrem Sohn, dem Bildhauer Jürn Ehlers, gestaltete Grabstein
sollte jedoch erhalten werden.
Alter Friedhof 02 / 2 J 14
Walther von der Leyen (geb. 1887 Bonn, gest. 1967 Trautheim)
Ehem. Leiter des Staatsbauamts. Nach Prüfung der Biografie ist zu konstatieren, dass von der
Leyens Verdienste im Wesentlichen darin liegen, dass er sein Amt als Leiter des Staatsbauamts
erfolgreich bekleidet hat und damit eine gewisse Rolle für den Wiederaufbau Darmstadts in den
Jahren bis 1952 spielte. Daneben wirkte er intensiv an der Bebauung Trautheims mit. Über
seine Berufstätigkeit hinausgehende Verdienste oder außergewöhnliche Tätigkeiten sind nicht
festzustellen.
Eine Übernahme als städtisches Ehrengrab kann bei Anlegung enger Kriterien nicht
befürwortet werden.
Waldfriedhof 01/L1c28b
Ernst Adolf Louis Schroeder (geb. 08.09.1889 Bartenstein/Ostpreußen, gest. 14.10.1971
Darmstadt)
Von 1948 bis zur Ruhestandsversetzung 1961 Bürgermeister der Stadt Darmstadt und u.a.
Kulturdezernent. Die Ämter wurden pflichtgemäß ausgefüllt, über diese Tätigkeiten
hinausgehende besonders herausragende Leistungen sind nicht festzustellen.
Vor und im Zweiten Weltkrieg hatte Schroeder Karriere als hoher Regierungsbeamter gemacht.
Von 1930 bis 1933 war er Oberbürgermeister von Schneidemühl, 1933 bis 1940
Stadtkämmerer von Breslau und 1940 bis 1945 OB von Königstein. Der lückenlose Werdegang
wirft einige Fragen auf insbesondere hinsichtlich der Distanz zur Partei. Aus den im
Stadtarchiv vorliegenden Unterlagen ergeben sich hierzu allerdings keine weiteren
Erkenntnisse. Im Entnazifizierungsverfahren wurde Schröder als Mitläufer in Stufe IV
eingestuft.
Eine Übernahme als städtisches Ehrengrab kann bei Anlegung enger Kriterien nicht
befürwortet werden.
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Waldfriedhof 01/L6a25c
Arnold Krieger (01.12.1904 Dirschau, 09.08.1965 Frankfurt/M.)
Schriftsteller, Dramatiker und Lyriker. Krieger lebte nach 1945 zeitweilig in der Schweiz, ab
1953 in Darmstadt. Die Rezeption des schriftstellerischen Werkes war geteilt. Größter Erfolg
war sein Abenteuer-Roman “Geliebt, gejagt und unvergessen“ von 1955. Die Aussagen, dass
Krieger Gegner des NS-Regimes war, werden im Wesentlichen ihm selbst bzw. seinem Umfeld
zugeschrieben und konnten im Rahmen der Recherchen des Stadtarchivs nicht durch andere
Quellen bestätigt werden. Da er nach 1945 in der Schweiz lebte ist vermutlich kein
Entnazifizierungsverfahren durchgeführt worden.
Eine Übernahme als städtisches Ehrengrab kann bei Anlegung enger Kriterien nicht
befürwortet werden.
Darmstadt, den 27.03.2019
41 220100
Dezernat I Dezernat III
i.V.
Jochen Partsch Jochen Partsch
Oberbürgermeister Oberbürgermeister
Beratungsverlauf (1)
Details
- Vorlagen-Nr.
- 2019/0014
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 27.03.2019
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00