A-R/0013/2019
Gute Perspektiven für Münster-Coerde schaffen
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a-r-0013-2019-Gute Perspektiven für MS-Coerde schaffen
8069 Zeichen
Antrag an den Rat Nr.: A-R/0013/2019
SPD -Fraktion
im Rat der Stadt Münster
Bahnhofstraße 9
48143 Münster
Tel. (0251) 45 314
Fax (0251) 511 750
www.spd-muenster.de
Gute Perspektiven für Münster-Coerde schaffen
Ratsantrag
Der Rat der Stadt Münster möge beschließen:
1) Die Verwaltung stellt sicher, dass nach fünf Jahren Vorlauf spätestens im August 2019 die
Förderanträge für das Programm Soziale Stadt Coerde (siehe SPD-Anträge aus 2014 und
2016) nun auf den Weg gebracht werden, um im Jahr 2020 mit der Durchführung des
Programms beginnen zu können und die notwendigen Ressourcen für die
Handlungsfelder verfügbar zu haben. Das integrierte Handlungskonzept ist hierbei
ebenso einzubeziehen wie aktuelle Hinweise von Initiativen, Trägern und
Bewohner*innen, z. B. zum Themenfeld Kinderarmut.
Im Blickpunkt stehen müssen zudem stadtplanerische Weiterentwicklungen im Stadtteil.
Die vorhandenen Siedlungsstrukturen genügen lange nicht mehr den heutigen
Anforderungen und erfordern deutliche planerische Maßnahmen. Ziel muss hier sein, der
Segregation in Coerde entgegen zu wirken und einen attraktiven Stadtteil für alle
Bevölkerungsgruppen zu entwickeln.
2) Folgende vorbereitende Maßnahmen für Coerde sind zeitnah umzusetzen, um aktuelle
Problemlagen zu mindern:
• die Implementierung eines Quartiersmanagements durch die Stadt Münster mit
interkultureller Kompetenz und der Einbindung von Brückenpersonen (‚nation workers‘)
aus den unterschiedlichen Herkunftsländern sowie einem weiteren Aufbau von Paten-,
Lotsenprojekten.
• die Schaffung und personelle wie sachliche Ausstattung von interkulturellen und
intergenerativen Begegnungsräumen in Coerdes Mitte, die niedrigschwellige und
barrierefreie Zugänge ermöglichen. Ankerpunkt kann die Stadtbücherei Coerde sein.
• die Schaffung eines Sozialen Arbeitsmarkts für Coerde durch öffentlich geförderte
Beschäftigung
• damit einhergehend die Einrichtung einer Dependance des Jobcenters Münster in
zentraler Lage im Stadtteil Coerde. Das Jobcenter soll hier zusätzlich Angebote vorhalten,
die die gesamte Bedarfsgemeinschaft und nicht nur Einzelpersonen in den Fokus
nehmen.
20 .03 .2019
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• die Evaluation der Bildungschancen: In den Fokus genommen werden dabei für Kinder
und Jugendliche aus Coerde u. a. das Kita-Eintrittsalter, das Schulwahlverhalten, die
Verweildauer in den Grundschulen, die Übergangsempfehlungen, die Schullaufbahnen
und die erzielten Schulabschlüsse (jeweils diff. mit / ohne Migrationsvorgeschichte).
• die Planung und Errichtung eines Kinder- und Jugendgesundheitszentrums
(vgl. Ideenskizze Dr. Axel Iseke)
• eine Schwerpunktsetzung von Maßnahmen zur Kinder- und Jugendarmutsprävention
gezielt in Münster-Coerde.
Dazu gehört unabdingbar auch:
- die Realisierung einer kostenfreien Mittagsverpflegung für alle Kinder in Kita und
Schule, um Diskriminierungen nicht entstehen zu lassen und
- die Ermittlung und Beseitigung von Hemmnissen für einen (frühen) Kita-Besuch der
Coerder Kinder, um einen frühen Zugang zu frühkindlicher Bildung und Erziehung für
alle zu ermöglichen
• die Einrichtung eines Abenteuer-/Bauspielplatzes als freizeitpädagogisches Angebot für
Kinder und Jugendliche mit Kreativ-Werkstätten, Bewegungs-und Gesellschaftsspielen,
Fahrradwerkstatt, Garten AG, Koch- und Backangeboten, Holzelementen, Wasserpumpe
und Feuerstelle u.v.m..
• die Schaffung von Flächen für gemeinschaftliches, interkulturelles Gärtnern als Orte der
Begegnung von Generationen und Kulturen, der Kommunikation und der aktiven
Freizeitgestaltung
• die infrastrukturelle Aufwertung der Sportanlage. Dazu gehört insbesondere eine
zeitnahe Umwandlung des Tennenplatzes in einen Kunstrasenplatz. Es sollen hierdurch
weitere Sportangebote, wie z. B. Mädchenfußball und das Angebot von Trendsportarten,
sowie eine verstärkte Einbindung der Menschen mit Migrationsvorgeschichte über das
Projekt "Sport, Sprache und Integration" ermöglicht werden.
• Wohnumfeld-Verbesserungen in Kooperation mit den ansässigen Wohnungs-
unternehmen, den städtischen Fachämtern und den AWM
• die vorbereitende Einrichtung eines Beirats ‘Soziale Stadt’
Begründung:
Münster ist eine reiche Stadt. Die Bevölkerungszahl steigt beständig, viele Menschen zieht es ins
schöne Münster mit seinen Giebelhäusern und dem Wochenmarkt. Unvorstellbar für viele, dass
es in Münster Stadtteile gibt, in denen Kinder morgens hungrig zur Schule gehen und sich das
dort angebotene Mittagessen auch für 1 € Eigenanteil nicht leisten können. Das aber ist die
traurige Wirklichkeit in Coerde.
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Viele Familien in Coerde befinden sich in einem "Armutskreislauf", jedes zweite Kind lebt in Ar-
mut. Das sind völlig andere Rahmenbedingungen als in gutsituierten Innenstadt-Stadtteilen.
Sehr viele Eltern in Coerde sind arm, leben in prekären Verhältnissen und können ihren Kindern
nicht das mit auf den Weg geben, was am besten gegen Armut hilft: Bildung.
Das Münsteraner Sozialmonitoring 2017 sowie weitere vorliegende Indikatoren zeigen in Coerde
dringende Handlungsbedarfe auf, zumal sich die Ausgangssituation vor Ort
in den letzten Jahren gerade auch durch den Zuzug von ärmeren Bevölkerungsgruppen
(Es ziehen z. B. 30% der Geflüchteten nach Coerde, jeweils 10% nach Kinderhaus und Berg Fidel.)
nicht stabilisieren konnte und eine weitere Abwärtsspirale für den Stadtteil dringend verhindert
werden muss (siehe auch Kontextdatenmonitor Coerde vom 31.12.2017 veröffentlicht in
2/2019).
Die prägenden Indikatoren für sozial benachteiligte Stadtteile wie Armutsquotient (Arbeitslosig-
keit 10,4%, davon 50% Langzeitarbeitslose), der Jugendquotient (39,2%) und der Migrationsquo-
tient (52,2%) liegen sehr weit über dem städtischen Durchschnitt und wären im NRW-Vergleich
aller Soziale-Stadt-Quartiere in den Top 10 zu finden.
Im Zukunftsprozess Münster 20.30.50 soll ausdrücklich auf die Entwicklung benachteiligter
Stadtteile Wert gelegt werden. Die Mittel der Bund-Länder-Städtebauförderung wurden zuletzt
in Münster nur für innerstädtische Projekte wie B-Side oder Dominikanerkirche beantragt und
abgerufen. Diese Förderungen stehen nicht in Frage, aber es ist mindestens ebenso wichtig, nun
(endlich) auch Städtebauförderung für benachteiligte Quartiere in Münster zu beantragen und
passgenau abzurufen, um die Wohn- und Lebenssituation der Menschen vor Ort zu verbessern.
Handlungsfelder wie Frühe Hilfen, Kinder und Jugend, Integration, (Sozialer) Arbeitsmarkt, Woh-
nen, Infrastruktur und öffentlicher Raum, lokale Ökonomie, Sicherheit, Schule/Bildung, Soziale
Sicherung, Sport und Bewegung, Begegnung und Heimat bieten hierbei hohe Potentiale für die
Partizipation aller Alters- und Herkunftsgruppen im Stadtteil Münster-Coerde. Schließlich sind
die Bewohner*innen des Stadtteils die eigentlichen Expert*innen vor Ort, deren Anregungen und
Ideen hierbei von besonderer Wichtigkeit sind.
Die bisher geleistete Arbeit der Jugendhilfe- und sozialen Träger sowie der Schulen, Initiativen,
Vereine, Kirchen und Religionsgemeinschaften vor Ort ist vor dem Hintergrund der schwierigen
Rahmenbedingungen im Stadtteil Coerde ausdrücklich wertzuschätzen.
Die Erfahrungen und Ergebnisse der Arbeit vor Ort sind in die aktuellen und weiteren Prozesse
aktiv mit einzubinden.
Nach fünf Jahren Vorlauf darf in Coerde keine Zeit mehr verloren werden.
Mit höheren Ressourcen aus der Bund-Länder-Förderung und mit kommunalen Mitteln müssen
endlich grundlegende Verbesserungen in dem benachteiligten Stadtteil erreicht werden.
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Sozialdemokratische Partei Deutschlands
Fraktion im Rat der Stadt Münster
Dr. Michael Jung Stephan Brinktrine Doris Feldmann
Philipp Hagemann Marius Herwig Dr. Cornelia Jäger
Mathias Kersting Michael Kleyboldt Marianne Koch
Katharina Köhnke Thomas Kollmann Gaby Kubig-Stel tig
Hedwig Liekefedt Mustafa Schat Anne Schulze Wi ntzler
Petra Seyfferth Ludger Steinmann Beate Vilhjalmsso n
Maria Winkel
Beratungsverlauf (1)
Orte (2)
- Bahnhofstraße 9
- Kinderhaus
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Aktenzeichen
- A-R/0013/2019
- Typ
- Antrag an den Rat
- Datum
- 21.03.2019
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37