A-M/0002/2023
Umbenennung weiterer Straßennamen
KI-Zusammenfassung
Klicken Sie, um eine KI-Zusammenfassung dieses Vorgangs zu erstellen.
KI-Analyse läuft...
vergangen
Was passiert gerade?
- 📄 Dokumente werden analysiert...
- 🤔 KI denkt nach (Reasoning-Modell)...
- ✍️ Zusammenfassung wird geschrieben...
- ⏳ Das dauert etwas länger bei komplexen Dokumenten...
Dieser Vorgang kann 1-3 Minuten dauern. Bitte lassen Sie die Seite geöffnet.
A-M-0002-2023
7906 Zeichen
Antrag A-M/0002/2023
14.01.2023
Umbenennung weiterer Straßennamen
Die Bezirksvertretung Münster-Mitte möge beschließen:
1. Die Bezirksvertretung Mitte beabsichtigt,
· auf Basis eines Gutachtens von Herrn Dr. Alexander J. Schwitanski und eines
Vortrags von Herrn Dr. Rainer Pöppinghege,
· nach intensiven internen Vorberatungen und
· nach einer Information der Anwohner:innen und Eigentümer:innen der
entsprechenden Straßen über die anstehende Entscheidung und die
Auswirkungen sowie einer Befragung dieser nach Vorschlägen für neue
Straßennamen
die Admiral-Spee-Straße, Otto-Weddigen-Straße, Prinz-Eugen-Straße,
Skaggerakstraße, Tannenbergstraße und Langemarckstraße umzubenennen.
2. Die Bezirksvertretung Mitte regt gegenüber dem Rat an, die Straßen Manfred-von-
Richthofen-Straße und die Andreas-Hofer-Straße umzubenennen.
3. Der Umbenennungsbeschluss der Bezirksvertretung Mitte wird gefasst, sobald
·
die Informationsveranstaltung stattgefunden hat und
· die neuen Straßennamen ausgewählt sind.
4. Die Bezirksvertretung Mitte regt gegenüber dem Rat an, bezüglich des
Umbenennungsbeschlusses wie in Punkt 3 zu verfahren.
5. Die Verwaltung wird beauftragt, die Anwohner:innen und Eigentümer:innen zeitnah
zu einer Informationsveranstaltung in der näheren räumlichen Umgebung
einzuladen. Um die anstehende Entscheidung über die Umbenennung und die
Ergebnisse der intensiven internen Beratung transparent zu machen, sollen
Vertreter:innen sämtlicher Fraktionen sowie die Einzelvertreter der Bezirksvertretung
Mitte eingeladen werden. Die Verwaltung wird beauftragt, auf der
Informationsveranstaltung das weitere Vorgehen zu beschreiben und die
Auswirkungen auf die Anwohner:innen und Eigentümer:innen der Straßen zu
erläutern.
6. Um Vorschläge der Anwohner:innen und Eigentümer:innen für neue
Straßennamen sammeln zu können, wird die Verwaltung beauftragt, zeitnah
geeignete Möglichkeiten dafür zu schaffen.
Antrag A-M/0002/2023
Begründung
Die Bezirksvertretung Mitte hat mit Beschluss vom 08.12.2020 sämtliche 66
Straßennamen, die in der Zeit des Nationalsozialismus von 1933 bis 1945 in Münster
vergeben wurden, durch Herrn Dr. Alexander J. Schwitanski untersuchen lassen. Ziel
war es, festzustellen, ob und inwieweit diese Namen die Funktion hatten, die NS-
Ideologie, nationalsozialistische Erinnerungsabsichten oder die Ziele der NS-Politik
zu veröffentlichen.
Das Gutachten von Herrn Dr. Schwitanski wurde in der Sitzung der Bezirksvertretung
am 18.01.2022 vorgestellt (vgl. auch
https://www.stadt-
muenster.de/archiv/stadtgeschichte-online mit einem Link zu dem
Untersuchungsbericht).
Die Bezirksvertretung Münster-Mitte hat sich im Anschluss intern an acht Terminen
intensiv mit dem Gutachten und den geschichtlichen sowie politischen Hintergründen
der Personen und Orte auf den Straßenschildern auseinandergesetzt.
Die Bezirksvertretung hat während ihrer internen Auseinandersetzung stets
berücksichtigt, dass die bestehenden Straßennamen keinen Spiegel der (damaligen)
Gesellschaft darstellen, dass es nie einen gesellschaftlichen Konsens über diese
Namen gegeben hat und dass die Namensauswahl sehr selektiv und berechnend
stattgefunden hat. Die zur Umbenennung ausgewählten Straßennamen sagen
ausschließlich etwas über die Zeit von 1933 bis 1945 aus. Insbesondere sieht die
Bezirksvertretung, dass durch das nationalsozialistische Regime viele Menschen aus
dem Stadtbild verdrängt wurden.
Straßennamen werden der Stadtgesellschaft tagtäglich aufgedrängt und kontextlos
verbreitet. Sie sind daher auf eine angemessene Außenwirkung hin zu prüfen. Dies
gilt umso mehr, da mit Straßennamen die abgebildeten Personen und Ereignisse
geehrt werden.
Eine Ehrung der Männer Admiral Spee, Manfred von Richthofen, Otto Weddigen,
Prinz Eugen und Andreas Hofer ist nicht zeitgemäß.
Admiral Spee plante als Vizeadmiral eines Kreuzgeschwaders der Kaiserlichen
Marine Ende 1914 einen Angriff auf einen britischen Stützpunkt auf den
Falklandinseln. Bei diesem verlustreichen Angriff auf deutscher Seite gab es nur 212
Überlebende. Der Angriff erfolgte entgegen der Einschätzung anderer Stabsoffiziere
und wird als Fehlentscheidung gewertet. Das Bild des heroischen Opfertods wurde
für propagandistische Zwecke des nationalsozialistischen Regimes eingesetzt und
insbesondere in Zeitschriften der Berufsschulausbildung verwendet, um das Sterben
der Matrosen des Geschwaders als Beispiel einer Pflichterfüllung bis in den Tod zu
inszenieren.
Manfred von Richthofen und Otto Weddigen sind durch ihre Verdienste im 1.
Weltkrieg bekannt geworden. Ihre militärischen Talente wurden von der
Heeresleitung im 1. Weltkrieg zur Beeinflussung der Bevölkerung benutzt. Richthofen
wurde wiederum von den Nationalsozialisten als Gallionsfigur der NS-Luftwaffe
inszeniert, um eine Traditionslinie zu den “Helden” des 1. Weltkriegs zu ziehen und
die Aufrüstung zu legitimieren. Auch Weddigen wurde vom nationalsozialistischen
Regime als Vorbild gefeiert, um die Jugend zu mobilisieren.
Antrag A-M/0002/2023
Prinz Eugen erhielt 1697 den Oberbefehl über die österreichischen Truppen im
Kampf gegen das Osmanische Reich. Diese Kriege wurden später als sog.
“Türkenkriege” und Prinz Eugen als “Türkenkrieger/-sieger” bezeichnet. Damit sollte
an den Kriegsgegner nur als „den Anderen“ gedacht werden, der aus dem Kreis der
zivilisierten Völker ausgegrenzt ist. Das NS-Regime nutzte diese Vereinnahmung
Eugens, um Hitler mit Prinz Eugen gleichzusetzen und die Verbindung von
Rassenideologie und Geopolitik zu verbinden. Hitlers Anschlussrede Österreichs
fand auf der Wiener Hofburg direkt über dem Reiterstandbild Eugens statt.
Andreas Hofer war der Anführer des traditionalistischen Tiroler Aufstands 1809.
Während der von ihm organisierten Aufstände wurden Bekleidungsvorschriften für
Frauen erlassen sowie Mitglieder der jüdischen Gemeinde drangsaliert. Hofer hat
überdies keinerlei Bezug zu Münster.
Eine Ehrung der Ereignisse, die mit Skaggerak, Tannenberg und Langemarck
verbunden werden, steht in Widerspruch zu der deutschen Verfassung. Die
Schlachten an allen drei Orten wurden vom nationalsozialistischen Regime für
propagandistische Zwecke und als Stütze der Dolchstoßlegende, die sich gegen die
republikanische Verfassung richtete, benutzt.
Am Skagerrak verloren 10.000 Menschen ihr Leben. Der Zweck der Schlacht
bestand lediglich darin, einen Achtungserfolg der deutschen Marine zu erreichen, da
der Flottenchef Admiral Scheer einen Bedeutungsverlust seiner Flotte befürchtete.
Die Schlacht bei Tannenberg, polnisch Stębark, wurde gerade in Bezug auf die
Person Hindenburg relevant, da sich Hindenburgs spätere politische Rolle als
Reichspräsident der Weimarer Republik aus seinem Status als unbesiegbarer
Feldherr von Tannenberg speiste.
Die Schlacht in Langemark (damals Langemarck) im Herbst 1914 demonstriert einen
verlustreichen Angriff deutscher Reservetruppen und wurde als Sinnbild selbstloser
Opferbereitschaft der Jugend propagandistisch genutzt. Durch die Heroisierung der
sinnlos Gefallenen wurde absichtlich verschleiert, dass der Krieg, so wie er
ursprünglich geplant war, kurz nach seinem Ausbruch bereits gescheitert war.
Die hier in Rede stehenden Straßennamen stehen im Widerspruch zu den Werten
unserer freiheitlichen Demokratie, die sich gegen nationalsozialistische,
antisemitische, militaristische, misogyne, rassistische und imperialistische Ansichten
zur Wehr setzt sowie den Schutz ihrer Minderheiten anstrebt. Ein Erklärungsschild
unter den Straßennamen ist daher keine ausreichende Maßnahme.
Kai Meyer vor dem Esche Martin Honderboom
Gina Auer Laura Maxellon
Anne Herbermann Marita Otte
Ulrike Kötter
Stephan Nonhoff
Claudia Scholz
Achim Specht
Martin Grewer Gerwin Karafiol
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: mehrheitlich beschlossen
Zur SitzungOrte (7)
- Admiral-Spee-Straße
- Otto-Weddigen-Straße
- Prinz-Eugen-Straße
- Andreas-Hofer-Straße
- Tannenbergstraße
- Langemarckstraße
- Manfred-von-Richthofen-Straße
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Aktenzeichen
- A-M/0002/2023
- Typ
- Antrag an die BV Mitte
- Datum
- 17.01.2023
- Erstellt
- 17.01.2023 12:40