AN/1514/2018
Psychosoziale Betreuung von Flüchtlingen in Köln
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Bunt Anfrage nach § 4
4542 Zeichen
An den Ausschussvorsitzenden
Michael Paetzold
An die Oberbürgermeisterin
Henriette Reker
Thomas Hegenbarth
Lisa Gerlach
Rathaus - Spanischer Bau
50667 Köln
Tel.: +49 (221) 221 - 25541
Mail: Thomas.Hegenbarth@stadt-koeln.de
Mail: Lisa.Gerlach@stadt-koeln.de
Eingang beim Büro der Oberbürgermeisterin:31.10.2018
AN/1514/2018
Anfrage gem. § 4 der Geschäftsordnung des Rates
Gremium Datum der Sitzung
Ausschuss Soziales und Senioren 06.11.2018
Psychosoziale Betreuung von Flüchtlingen in Köln
Sehr geehrter Herr Paetzold,
sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin,
die Antragstellerinnen bitten Sie, folgende Anfrage auf die Tagesordnung der kommenden
Sitzung des Ausschusses für Soziales und Senioren zu setzen:
Viele Flüchtlinge brauchen nach Ein schätzung von Expert*innen dringend psychologische Betre u-
ung. Traumatische Erfahrungen wie Krieg, Verlust und Lebensgefahr in Herkunftsländern oder auf
der Flucht können zu psychischen und körperlichen Krankheiten führen. Seit Jahren warnen u.a.
Ärzt*innen, dass viele Geflüchtete unter Angstzuständen und Depressionen litten, deren Nicht -
Behandlung zu gravierenden Langzeitschäden und -folgen führen könne. Die Universität Erlangen -
Nürnberg stellte am 18. Oktober 2018 ihre Studienergebnisse vor, dass fast jede r dritte syrische
Flüchtling, der an der Studie teilgenommen habe, psychisch erkrankt sei. Viele litten an einer Pos t-
traumatischen Belastungsstörung (PTBS), Depressionen oder einer generalisierten Angststörung. 1
In einer Pressemitteilung vom 30.10.2018 mac hte die „Bundesweite Arbeitsgemeinschaft der Ps y-
chosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer e. V. (BAfF)“ auf die repräsentative AOK -Studie
zur Gesundheit von Flüchtlingen aus den wichtigsten Herkunftsländern Syrien, Afghanistan und Irak
aufmerksam. Rund 75 Prozent von ihnen hätten unterschiedlichste Formen von Gewalt erlebt, so
ein Ergebnis der Studie. Rund 40 Prozent der für die Studie befragten Menschen hätten zudem A n-
zeichen einer depressiven Erkrankung gezeigt.2
Verschiedene Berufsverbände im Gesundheitswesen prangern seit Jahren an, dass die Möglichkeit
1 https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/98605/Fast-jeder-dritte-syrische-Fluechtling-psychisch-
krank?fbclid=IwAR2RJf5B_DJKf8olOZ5MBih1S0mprVbk6cqJJYSGSOnKVas9_MYZ0CLYBZY
2 http://www.baff-zentren.org/news/aok-studie-fordert-ausbau-des-psychotherapeutischen-angebots-fuer-
gefluechtete/
- 2 -
der Inanspruchnahme und Finanzierung von Psychotherapien für Menschen mit Fluchterfahrung
beschränkt sei und vom Aufenthaltsstatus der Betroffenen abhänge. Zudem würden die Kosten für
Dolmetscher*innen, deren Einsatz insbesondere für eine Psychotherapie unerlässlich sei, von den
Krankenkassen nicht erstattet. Die Bundesärztekammer (BÄK) forderte zuletzt am 06.04.2018, den
Zugang zu einer menschenwürdigen Gesundheitsversorgung für alle sicherzust ellen. Flüchtlinge
sollten unabhängig von ihrem aufenthaltsrechtlichen Status den Zugang zu einer bedarfsgerechten
Gesundheitsversorgung er-halten. Köln gehört zu den Kommunen in Deutschland, die für Geflücht e-
te eine Gesundheitskarte eingeführt haben. Laut AOK-Studie berichteten Studienteilnehmer mit G e-
sundheitskarte deutlich häufiger von einer Verbesserung ihres Gesundheitszustandes als Patienten
mit Behandlungsschein.
Es erscheint mehr als fraglich, ob die durch Spenden gestützten Psychosozialen Zentren , die die
Landesregierung in NRW finanziell unterstützt, diesen enormen Bedarf erfüllen können.
Vor diesem Hintergrund fragen wir die Stadtverwaltung:
1. Wie hoch schätzt die Stadtverwaltung den Bedarf an Hilfsangeboten für psychisch er -krankte
Menschen mit Fluchterfahrung in Köln ein?
2. Wie ist die psychologische Betreuungssituation für Geflüchtete in Köln, und reichen die A n-
gebote aus? Gibt es Wartelisten?
3. Welche Kenntnisse hat die Stadtverwaltung darüber, wie die Betreiber die psychosoziale
Betreuung in den Unterkünften sicherstellen und ob die Betreiber z. B. Integrations - und
Sprachmittler oder Dolmetscher einsetzen?
4. Wie schätzen die zuständigen Ämter und Träger die Langzeitfolgen ein, die aus der Nicht -
Behandlung von psychischen Erkrankungen von geflüchteten Menschen entstehen?
5. Wie wirkt sich der Einsatz der elektronischen Gesundheitskarte auf die psychologische G e-
sundheitsversorgung von geflüchteten Menschen in Köln aus?
gez. Thomas Hegenbarth gez. Lisa Hanna Gerlach
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: zurückgestellt
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- AN/1514/2018
- Typ
- Parteilos Anfrage nach § 4
- Datum
- 31.10.2018
- Erstellt
- 31.10.2018 09:23