A-R/0023/2011
Münster bleibt Mobil - auch bei Schnee
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Originalantrag
9751 Zeichen
Antrag an den Rat Nr. A-R/0023/2011 Der heftige Schneefall im November und Dezember 201 0 hat zu einem öffentlich als unzumutbar wahrgenommenen Verkehrschaos und zu einer radikalen Einschränkung von Mobilität und Versorgung für Münsters Bürger/innen geführt. Die lebhafte, teilweise emotional geprägte öffentliche Debatte, die vom Werksausschuss der Abfallwirtschaftsbetriebe un d vom Rat aufgegriffen wurde, beschäftigte sich vornehmlich m it Fragen des Individualverkehres (also PKW und teilweise ÖPNV) u nter folgenden Aspekten: • Wie kann zukünftig die Verkehrssicherheit auf den Hauptstraßen der Stadt gewährleistet werden? • Wie können gravierende ökonomische Schäden für das Wirtschaftsleben der Stadt vermieden werden? (Thema Berufsverkehr, Einkaufsverkehr vor Allem Innenstadt, Tourismus) • Wie ist eine ausreichende Vorsorge mit Salz und Gr anulat sicher zu stellen? • Welche ökologischen Standards sind zur Vermeidung von Schäden an Mensch und Natur unbedingt einzuhalten? Aus dem Blick geriet - nach Eindruck der GRÜNEN - ein sozialpolitischer Aspekt, den wir mit dem folgenden Antrag nachdrücklich in die Diskussion einführen wollen. Besonders Menschen mit Behinderungen, ältere Menschen und solche, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs sind, wurden wochenlang in ihren Bewegungsmöglichkeiten geradezu „gefangen gehalten“. Ihre Bedürfnisse drohen bei einer auf „freie und geräumte Straßen für PKWs und Busse“ abstellende Problemdebatte wieder unter die Räder zu kommen. Der Rat der Stadt Münster möge beschließen: 1. Mobilität für ALLE Die Stadt Münster verfolgt mit allem Nachdruck das Ziel, allen Einwohnerinnen und Einwohnern in Münster eine Mobilität und Versorgung auch bei Beeinträchtigungen durch Eis und Schnee zu sichern. Die Verwaltung wird beauftragt, 1.1. zu prüfen mit welchen Konzepten andernorts ber eits erfolgreich dafür Sorge getragen wird, dass alle Bürgerinnen und Bürger einer Kommune – auch Menschen mit Behinderungen und Unterstützungsbedarf – bei heftigem Schneefall und Glätte mobil bleiben; 1.2. hierzu ein fach- und ressortübergreifendes Kon zept zu erarbeiten mit dem Ziel, eine höchst mögliche Mobilität für ALLE zu gewährleisten. Es soll beginnend mit der kommenden Winterzeit und dann in den kommenden Jahren der Winterdienst Schritt für Schritt darauf ausgerichtet werden. Bündnis 90/Die Grünen/GAL Ratsfraktion Münster Windthorststr. 7 48147 Münster Fon: 0251 / 8 99 58 10 Fax: 0251 / 8 99 58 15 ratsfraktion@ gruene-muenster.de www.gruene-muenster.de Antrag „Münster bleibt Mobil – auch bei Schnee“ 24.03.2011 2 2. Fahrradwege in die Prioritätenliste aufnehmen Der Winterdienst muss darauf ausgerichtet sein, neben dem motorisierten Verkehr - und hierbei insbesondere den ÖPNV - vor allem den Menschen eine Mobilität zu ermöglichen, die ihre Wegstrecken in Münster mit dem Fahrrad und zu Fuß zurücklegen wollen. Die Stadt Münster informiert sich deshalb insbesondere über das Kopenhagener Modell, bei dem das dichte Netz mit 520 Kilometer Fahrradwegen neben einigen Haupteinfallsstraßen in die oberste Kategorie beim Räumen eingestuft wird. Die Verwaltung wird beauftragt, 2.1. aufzuzeigen inwieweit ein Handlungskonzept in Anlehnung an das Kopenhagener Modell ähnlich erfolgreich auch in Münster durchgeführt werden kann; 2.2. einen entsprechenden Umsetzungsplan vorzulegen bei dem mit einbezogen wird, dass ein Netz an zentralen Radwegen prioritär geräumt und auf diese auf Karten entsprechend ausgewiesen werden, um auch bei extremen Witterungsbedingungen möglichst viel Mobilität zu ermöglichen. 3. Auch ohne Auto mobil bleiben Die Stadt Münster wird Sorge dafür tragen, dass bei Schneefall die Menschen ohne Auto nicht benachteiligt sind, sich in Münster fortzubewegen. Die Verwaltung wird deshalb beauftragt, 3.1. Maßnahmen zu ergreifen mit denen sie sicher st ellen werden kann, dass Münsters Einwohnerinnen und Einwohner mit dem Fahrrad, zu Fuß und mit dem öffentlichen Nahverkehr so mobil sein können, wie sie das beruflich und zur Bewältigung ihres Alltags brauchen und 3.2. hierzu einen Bericht vorzulegen. 4. Vernetzung und Information Der Winterdienst der Stadt betreibt aktive Netzwerkarbeit in der Stadt und im Umland und beteiligt sich an kommunalen Think Tanks, um neue Wege zu entwickeln, damit der Streu- und Räumdienst effektiver wird. Die Verwaltung wird beauftragt, 4.1. in diesem Sinne aktiv zu werden; 4.2. ein Informationskonzept zu entwickeln mit dem Ziel, Bürgerinnen und Bürger zeitnah über Prioritäten beim Winterdienst zu informieren und bei Bedarfsfall eine „Hotline“ einzurichten. 5. Versorgung von Menschen mit Unterstützungsbedarf mit sozialen Dienstleistungen und Dingen des alltäglichen Bedarfs Die Stadt Münster setzt sich mit Nachdruck dafür ein, dass die Versorgung alter und kranker Menschen sowie Menschen mit Unterstützungsbedarf bei Schnee und Eis sichergestellt wird. Das betrifft z. B. die Versorgung durch Pflegedienste, die mit ihren Fahrzeugen einzelne Adressaten und Adressatinnen nicht erreichen können, aber auch das Vorhalten von Hol- und Bringdiensten, Fahrdiensten zu Arztbesuchen. Die Verwaltung wird beauftragt, 3 5.1. gemeinsam mit der Seniorenvertretung, Trägern der Altenhilfe und ggfs. örtlichen sozialen Netzen, Nachbarschaftsinitiativen und Vereinen ein Konzept aufzustellen, mit dem eine entsprechende Versorgung gesichert werden kann. 5.2. gemeinsam mit der Kommission zur Förderung der Inklusion von Menschen mit Behinderungen ein Konzept zu entwickeln, mit dem auch für gehbehinderte Menschen, Menschen im Rollstuhl und blinde Menschen die Mobilität bei Schnee und Eis verbessert werden kann. Begründung: Der heftige Schneefall im November und Dezember 2010 hat für viele Bürgerinnen und Bürger dazu geführt, dass ihre Mobilität und Versorgung radikal beschnitten war. In der in den letzten Monaten öffentlich und politisch geführten Debatte um den Winterdienst wurde überwiegend auf die Einschränkungen beim motorisierten Verkehr abgehoben. Auch wenn die gesamte Bevölkerung über zum Teil erhebliche Behinderungen zu klagen hatte, so waren die witterungsbedingten Einschränkungen bei der Mobilität jedoch sehr ungleich verteilt. Insbesondere ältere und kranke Menschen, Mütter und Väter und ihre kleinen Kinder, Menschen mit Rollstühlen und Rollatoren und auch FahrradfahrerInnen waren in ihrer Möglichkeit, sich wie gewohnt selbstständig und ohne PKW fortzubewegen, erheblich eingeschränkt. Damit waren gerade diejenigen, die in ihrem Mobilitätsverhalten umweltbewusster ausgerichtet sind, am stärksten von den Mobilitätseinschränkungen betroffen. Um für den nächsten Winter besser gerüstet zu sein, sind ein Überdenken des bisherigen Winterdienstes und die Entwicklung kreativer Lösungen gefragt. Auch ADFC (Allgemeiner Fahrradclub Deutschland) und VCD (Verkehrsclub Deutschland) fordern die Kommunen auf, neue Wege zu gehen und verweisen auf ein positives Beispiel: In Kopenhagen werden die Fahrradwege vor den KFZ-Spuren geräumt. Kopenhagen ist wie Münster eine europäische Fahrradstadt mit einem dichten Netz an Fahrradwegen und überdurchschnittlich vielen Fahrradnutzern: 40 Prozent der KopenhagenerInnen wie der MünsteranerInnen radeln bei normalen Wetterverhältnissen zur Arbeit. Mobilität für ALLE : Die Teilhabe am öffentlichen Leben war für viele Menschen mit Behinderungen im Winter 10/11 durch Schneemassen stark eingeschränkt. Der Winterdienst konnte nicht gewährleisten, dass auch Ältere oder Menschen mit Behinderungen selbstständig ihre Privatwohnung verlassen und ihrem Alltag nachgehen. Die Stadt gehörte vorrangig den „Starken“, „Sportlichen“ und „Jungen“. Dienstleister konnten nicht ungehindert arbeiten und notwendige Versorgungen aufrechterhalten. Fahrradwege prioritär räumen : Münster ist Fahrradstadt. Das Fahrrad ist ein umweltfreundliches Verkehrsmittel. Fahrradfahren ist gesund und spart Kosten. Ökologisch und zunehmend auch volkswirtschaftlich ist es rational zu verhindern, dass Fahrradfahrer auf das Auto umsteigen und so den CO 2-Ausstoß erhöhen. Daneben entstehen direkt messbare Kosten durch unfallbedingte Verletzungen. Bei Schnee sind insbes. Fahrradfahrer und Fußgänger gefährdet, Personenschäden bei Autofahrern sind hingegen bei Schnee und Eis in allen Städten rückläufig. Die „sozialen Kosten“ durch Exklusion von weniger mobilen Menschen bei Schnee können erst gar nicht beziffert werden. 4 Auch ohne Auto mobil bleiben : Fußgänger, Radfahrer und Busnutzer sind eine sehr heterogene Gruppe – darunter sind etliche, die sich ein Auto aus finanziellen Gründen nicht leisten können, die aus gesundheitlichen Gründen nicht selbst am Steuer sitzen, aber auch viele, die bewusst auf ein Auto verzichten und alternative Arten der Fortbewegung wählen. Ein effektiver Winterdienst sollte auch diesen Mitbürgern die Teilnahme am öffentlichen Leben ermöglichen. Vernetzung : Sicher muss ein anderer Winterdienst praktikabel und bezahlbar sein. Doch neue Wege müssen beschritten werden. Die AWM kann diese Herausforderung nicht allein stemmen – ein effektiver, sozial gerechter Winterdienst ist eine zivilgesellschaftliche Aufgabe für viele Köpfe. Versorgungssicherheit : Gerade ältere Menschen, die sich bei normalem Wetter noch ohne fremde Hilfe selber versorgen, sind bei Schnee und Eis nicht mehr dazu in der Lage. Manche Straßen konnten auch von Taxen nicht angefahren werden. Für diese Menschen muss es eine Anlaufstelle geben, die sie bei Arztbesuchen, beim Einkaufen etc. unterstützt. Die Information dazu muss leicht zu finden sein. gez. Hery Klas und Fraktion
Beratungsverlauf (1)
Orte (1)
- Windthorststraße 7
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Details
- Vorlagen-Nr.
- A-R/0023/2011
- Typ
- Antrag an den Rat
- Datum
- 28.03.2011
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37