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V/0990/2008

Straßenbenennung Beginengasse

Vorlagen 12.11.2008

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Nächste Beratung: Bezirksvertretung Münster-Mitte, Sitzung am 09.12.2008, TOP 4.2

Stellungnahme-des-Stadtarchivs

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Stellungnahme-des-Stadtarchivs

3452 Zeichen

47.00.0001 14. 10. 2008

Amt 62 Eing- 16, OT. 2008

Herrn Bernhard Zimmermann

Straßennamen
hier: Beginengasse

Stellungnahme:

1. Gegen die Absicht, die städtebaulich sich neu ergebene bzw. geöffnete Verbindung von
Ludgeristraße und Stubengasse zwischen Klarissengasse (nördlich) und Harsewinkelgasse
(südlich) mit „Beginengasse“ zu benennen, bestehen keine Bedenken. Historisch-
topographisch, stadt- und kirchengeschichtlich ist zweifelsfrei nachgewiesen, dass an
diesem Weg im Mittelalter über mehrere Jahrhunderte ein Beginenhaus existiert und
gestanden hat. Die Bodendenkmalpflege hat die nahezu identische Lage bestätigt.

2. Das „Lebens-, Wohn- und Wirtschaftsprojekt für Frauen — Beginenhof Münster“, ebenso
wie die im „Dachverband der Beginen e. V“ zusammengefassten Initiativen haben mit dem
kirchen- und stadtgeschichtlichen Beginenwesen nichts gemeinsam, auch wenn sie sich auf
den historischen Begriff berufen. Diese Initiativen entbehren vor allen Dingen der dem
Beginenwesen zwingend immanenten christlich-religiösen und karitativen Komponente.

Erläuterung:

zu 1.

Zwischen 1248 und 1302 erfolgte die Gründung des Beginenhauses „Ringe“ in dem Areal
östlich von Ludgeristraße und nördlich von Harsewinkelgasse. 1329 privilegierte der Bischof
von Münster die „in Keuschheit lebenden und durch gute Werke Gott dienenden Jungfern“.
Im Spätmittelalter bestand die Gemeinschaft aus zwölf Schwestern, die einen gemeinsamen
Haushalt führten. 1491 unterstellte sich die Frauengemeinschaft der Leitung der
Franziskaner-Observanten und unterwarf sich der dritten Regel des Franziskanerordens,
wurde mithin reguliertes Kloster. „Kloster Ringe“ ist über all die Jahrhunderte gut bezeugt.
1803 hob die preußische Regierung das Kloster auf. (Westfälisches Klosterbuch, 1994.) Die
Radierung von Everhard Alerding von 1636 lokalisiert das Kloster Ringe klar und deutlich.
Noch 1934 war das mehrflügelige Haus vorhanden, unter der Adresse Ludgeristraße 25/26
befand sich das Magdalenen- oder Bürgerspital darin (Max Geisberg, Die Stadt Münster,
Dritter Teil, 1934).

Erwähnt werden muss, dass das Beginenhaus Ringe nicht das einzige Beginenhaus in
Münster gewesen ist. Drei weitere größere Beginenhäuser befanden sich im Norden und
Nordwesten der historischen Altstadt. Wie das Beginenhaus Ringe wandelten sich die
Beginenhäuser Rosental und Reine im späten 15./frühen 16. Jahrhundert in Klöster um,
lediglich das Beginenhaus Hofringe hat sich offenbar keiner Ordensregel unterworfen. Die
kleineren Beginengemeinschaften haben sich gegen Ende des Mittelalters aufgelöst.

zu 2.

„Beginen“ ist die seit dem Beginn des 13. Jahrhunderts geläufige Bezeichnung für fromme
Frauen (meist Jungfrauen und Witwen), die ohne eigenes oder dauerndes (Kloster-)Gelübde
und ohne approbierte Regel ein klosterartiges, mehr oder weniger gemeinschaftliches Leben
unter der Leitung einer „Magistra“ (manchmal auch „Mutter“) führen. Seit frühem Anfang bis
ins heutige Kirchenrecht ist diese Art von geistlichem Leben zwischen dem Status der
Ordensleute und dem der Laien einzuordnen. Ihre seelsorgerische Betreuung
überantworteten die Beginenhäuser im Mittelalter je nach örtlichen Gegebenheiten dem
Welt- oder Ordensklerus. Die Beginen verbinden Selbstheiligung in Gebet, Kontemplation
und Askese mit (oft außerhalb ihrer Häuser ausgeübter) karitativer Tätigkeit. (Lexikon für
Theologie und Kirche, 1958; Lexikon des Mittelalters, 1980.)

II Qubatır

Dr. Hannes Lambacher

Beschlussvorlage

2129 Zeichen

V/0990/2008 
DER OBERBÜRGERMEISTER 
Vermessungs- und Katasteramt 
 
 
 
 
 
 
 
 
Betrifft 
 
Straßenbenennung Beginengasse 
 
 
 
Beratungsfolge 
 
 
09.12.2008 Bezirksvertretung Münster-Mitte Entscheidung
 
 
Beschlussvorschlag: 
I. Sachentscheidung: 
Die neue Gasse im Hanse-Carré zwischen Ludgeristraße und Stubengasse erhält den 
Straßennamen Beginengasse. 
II. Kosten/Folgekosten 
 
Es entstehen keine Kosten. 
 
 
Begründung: 
Die im beiliegenden Übersichtsplan gelb dargestellte Gasse zwischen der Ludgeristraße und 
der Stubengasse hat bislang keinen eigenen  Namen. Die Bebauung des Hanse-Carrés 
verlängert diesen Durchgang bis zur Stubengasse. Die neue Wegeverbindung erhält so 
zusammen mit dem südlich angrenzenden Platz eine städtebaulich höhere Bedeutung.  
Es liegen zwei Benennungsvorschläge vor. Im  Schreiben vom 15.10.2008 wird der Name 
„Giebelgasse“ vorgeschlagen. Dieser Vorschlag ist nicht weiter begründet. Aus dem Umfeld 
der Raphaelsklinik wurde der Vorschlag gemacht, den Durchgang Joep-Henneboehl-Gasse 
oder Josef-Henneböhl-Gasse zu nennen. Henneböhl war während des NS-Regimes als 
„Grüner Polizist“ in Amsterdam und hat viele Menschen vor der Deportation in deutsche 
Konzentrationslager gerettet. Er wurde von der Stadt Amsterdam mit der Ehrenbürgerschaft 
ausgezeichnet. Weitergehendes Informationsmaterial befindet sich in der Villa ten Hompel. 
Dagegen empfiehlt die Verwaltung, den Durchgang Beginengasse zu nennen. Der Weg 
verläuft parallel zur Klarissengasse und hat stadtgeschichtlich einen ähnlichen Hintergrund. 
Eine Begründung vom Leiter des Stadtarchivs, Herrn Dr. H. Lambacher, ist in der Anlage 
beigefügt. 
Vorlagen-Nr.: 
V/0990/2008 
Auskunft erteilt: 
Herr Zimmermann 
Ruf: 
492 62 42 
E-Mail: 
ZimmermannBernhard@stadt-muenster.de  
Datum: 
24.11.2008 
Öffentliche Beschlussvorlage

- 2 - 
V/0990/2008 
Der östliche, neue Bereich der Gasse steht im Eigentum der Hanse-Carré Münster GmbH & 
Co. KG.  Der Grundstückseigentümer hat der Benennung bereits zugestimmt.  
 
I. V.: 
 
gez. 
 
Schultheiß 
Stadtdirektor 
 
 
 
 
Anlagen: 
Stellungnahme des Stadtarchivs 
Übersichtsplan

Beratungsverlauf (1)

09.12.2008 Bezirksvertretung Münster-Mitte
TOP 4.2 Entscheidung Entscheidung

Beschluss: einstimmig beschlossen

Zur Sitzung

Orte (5)

  • Beginengasse 47
  • Klarissengasse
  • Harsewinkelgasse
  • Ludgeristraße 25
  • Stubengasse

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Details

Vorlagen-Nr.
V/0990/2008
Typ
Vorlagen
Datum
12.11.2008
Erstellt
06.10.2020 14:37