V/0990/2008
Straßenbenennung Beginengasse
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Stellungnahme-des-Stadtarchivs
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47.00.0001 14. 10. 2008 Amt 62 Eing- 16, OT. 2008 Herrn Bernhard Zimmermann Straßennamen hier: Beginengasse Stellungnahme: 1. Gegen die Absicht, die städtebaulich sich neu ergebene bzw. geöffnete Verbindung von Ludgeristraße und Stubengasse zwischen Klarissengasse (nördlich) und Harsewinkelgasse (südlich) mit „Beginengasse“ zu benennen, bestehen keine Bedenken. Historisch- topographisch, stadt- und kirchengeschichtlich ist zweifelsfrei nachgewiesen, dass an diesem Weg im Mittelalter über mehrere Jahrhunderte ein Beginenhaus existiert und gestanden hat. Die Bodendenkmalpflege hat die nahezu identische Lage bestätigt. 2. Das „Lebens-, Wohn- und Wirtschaftsprojekt für Frauen — Beginenhof Münster“, ebenso wie die im „Dachverband der Beginen e. V“ zusammengefassten Initiativen haben mit dem kirchen- und stadtgeschichtlichen Beginenwesen nichts gemeinsam, auch wenn sie sich auf den historischen Begriff berufen. Diese Initiativen entbehren vor allen Dingen der dem Beginenwesen zwingend immanenten christlich-religiösen und karitativen Komponente. Erläuterung: zu 1. Zwischen 1248 und 1302 erfolgte die Gründung des Beginenhauses „Ringe“ in dem Areal östlich von Ludgeristraße und nördlich von Harsewinkelgasse. 1329 privilegierte der Bischof von Münster die „in Keuschheit lebenden und durch gute Werke Gott dienenden Jungfern“. Im Spätmittelalter bestand die Gemeinschaft aus zwölf Schwestern, die einen gemeinsamen Haushalt führten. 1491 unterstellte sich die Frauengemeinschaft der Leitung der Franziskaner-Observanten und unterwarf sich der dritten Regel des Franziskanerordens, wurde mithin reguliertes Kloster. „Kloster Ringe“ ist über all die Jahrhunderte gut bezeugt. 1803 hob die preußische Regierung das Kloster auf. (Westfälisches Klosterbuch, 1994.) Die Radierung von Everhard Alerding von 1636 lokalisiert das Kloster Ringe klar und deutlich. Noch 1934 war das mehrflügelige Haus vorhanden, unter der Adresse Ludgeristraße 25/26 befand sich das Magdalenen- oder Bürgerspital darin (Max Geisberg, Die Stadt Münster, Dritter Teil, 1934). Erwähnt werden muss, dass das Beginenhaus Ringe nicht das einzige Beginenhaus in Münster gewesen ist. Drei weitere größere Beginenhäuser befanden sich im Norden und Nordwesten der historischen Altstadt. Wie das Beginenhaus Ringe wandelten sich die Beginenhäuser Rosental und Reine im späten 15./frühen 16. Jahrhundert in Klöster um, lediglich das Beginenhaus Hofringe hat sich offenbar keiner Ordensregel unterworfen. Die kleineren Beginengemeinschaften haben sich gegen Ende des Mittelalters aufgelöst. zu 2. „Beginen“ ist die seit dem Beginn des 13. Jahrhunderts geläufige Bezeichnung für fromme Frauen (meist Jungfrauen und Witwen), die ohne eigenes oder dauerndes (Kloster-)Gelübde und ohne approbierte Regel ein klosterartiges, mehr oder weniger gemeinschaftliches Leben unter der Leitung einer „Magistra“ (manchmal auch „Mutter“) führen. Seit frühem Anfang bis ins heutige Kirchenrecht ist diese Art von geistlichem Leben zwischen dem Status der Ordensleute und dem der Laien einzuordnen. Ihre seelsorgerische Betreuung überantworteten die Beginenhäuser im Mittelalter je nach örtlichen Gegebenheiten dem Welt- oder Ordensklerus. Die Beginen verbinden Selbstheiligung in Gebet, Kontemplation und Askese mit (oft außerhalb ihrer Häuser ausgeübter) karitativer Tätigkeit. (Lexikon für Theologie und Kirche, 1958; Lexikon des Mittelalters, 1980.) II Qubatır Dr. Hannes Lambacher
Beschlussvorlage
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V/0990/2008 DER OBERBÜRGERMEISTER Vermessungs- und Katasteramt Betrifft Straßenbenennung Beginengasse Beratungsfolge 09.12.2008 Bezirksvertretung Münster-Mitte Entscheidung Beschlussvorschlag: I. Sachentscheidung: Die neue Gasse im Hanse-Carré zwischen Ludgeristraße und Stubengasse erhält den Straßennamen Beginengasse. II. Kosten/Folgekosten Es entstehen keine Kosten. Begründung: Die im beiliegenden Übersichtsplan gelb dargestellte Gasse zwischen der Ludgeristraße und der Stubengasse hat bislang keinen eigenen Namen. Die Bebauung des Hanse-Carrés verlängert diesen Durchgang bis zur Stubengasse. Die neue Wegeverbindung erhält so zusammen mit dem südlich angrenzenden Platz eine städtebaulich höhere Bedeutung. Es liegen zwei Benennungsvorschläge vor. Im Schreiben vom 15.10.2008 wird der Name „Giebelgasse“ vorgeschlagen. Dieser Vorschlag ist nicht weiter begründet. Aus dem Umfeld der Raphaelsklinik wurde der Vorschlag gemacht, den Durchgang Joep-Henneboehl-Gasse oder Josef-Henneböhl-Gasse zu nennen. Henneböhl war während des NS-Regimes als „Grüner Polizist“ in Amsterdam und hat viele Menschen vor der Deportation in deutsche Konzentrationslager gerettet. Er wurde von der Stadt Amsterdam mit der Ehrenbürgerschaft ausgezeichnet. Weitergehendes Informationsmaterial befindet sich in der Villa ten Hompel. Dagegen empfiehlt die Verwaltung, den Durchgang Beginengasse zu nennen. Der Weg verläuft parallel zur Klarissengasse und hat stadtgeschichtlich einen ähnlichen Hintergrund. Eine Begründung vom Leiter des Stadtarchivs, Herrn Dr. H. Lambacher, ist in der Anlage beigefügt. Vorlagen-Nr.: V/0990/2008 Auskunft erteilt: Herr Zimmermann Ruf: 492 62 42 E-Mail: ZimmermannBernhard@stadt-muenster.de Datum: 24.11.2008 Öffentliche Beschlussvorlage - 2 - V/0990/2008 Der östliche, neue Bereich der Gasse steht im Eigentum der Hanse-Carré Münster GmbH & Co. KG. Der Grundstückseigentümer hat der Benennung bereits zugestimmt. I. V.: gez. Schultheiß Stadtdirektor Anlagen: Stellungnahme des Stadtarchivs Übersichtsplan
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungOrte (5)
- Beginengasse 47
- Klarissengasse
- Harsewinkelgasse
- Ludgeristraße 25
- Stubengasse
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Details
- Vorlagen-Nr.
- V/0990/2008
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 12.11.2008
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37