A-R/0049/2012
"Öffentliche geförderte Beschäftigung¿ für Langzeitleistungsbeziehende in Münster
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Originalantrag
6943 Zeichen
Antrag an den Rat Nr. A-R/0049/2012
Bündnis 90/Die Grünen/GAL
Ratsfraktion Münster
Windthorststr. 7
48143 Münster
Fon: 0251 / 8 99 58 10
Fax: 0251 / 8 99 58 15
ratsfraktion@ gruene-muenster.de
www.gruene-muenster.de
Antrag
„Öffentliche geförderte Beschäftigung“
für Langzeitleistungsbeziehende in Münster
16.11.2012
Der Rat möge beschließen:
1. Der Rat stellt fest, dass eine hohe Anzahl von L angzeitleistungsbeziehenden mit
den üblichen Instrumentarien, die dem Jobcenter zur Verfügung stehen, wie die
berufliche Weiterbildung oder mit kurzfristigen Arbeitsgelegenheiten (6 Monaten), nicht
in Arbeit integriert werden kann.
2. Die Verwaltung wird deshalb beauftragt zu prüfen, wie das Jobcenter der Stadt
Münster sich an der Förderung des Modellprojekts „Ö ffentlich geförderte
Beschäftigung NRW“ beteiligen kann.
3. Zielgruppe des Modellprojektes „öffentlich geför derten Beschäftigung“ sind
besonders benachteiligte Personengruppen wie erwerb sfähige Leistungsberechtigte
mit Langzeitbezug (SGB II-Leistungen). Die Teilnahm e an diesem Programm ist
freiwillig.
4. Zur Finanzierung betrieblicher Nachteilsausgleic he, ungedeckter Sach- und
Betriebskosten sowie von Investitionskosten sollen nach Möglichkeit
arbeitsmarktpolitische Eingliederungsleistungen mit den eingesparten passiven
Leistungen der Kommune (KdU) verknüpft werden.
5. Die sonstigen Bemühungen des Jobcenters (vgl. Ar beitsmarktprogramm 2013 –
Prozesse und Empfehlungen V/0877/2012) zur Integrat ion der Langzeitleistungs-
bezieherinnen und -bezieher in den ersten Arbeitsma rkt oder dem Angebot an
Förderinstrumenten, soll durch die Teilnahme am Mod ellprojekt nicht zurückgestellt
werden.
Begründung :
Eine hohe Anzahl von Langzeitleistungsbeziehenden k ann mit den üblichen Instrumentarien
des Jobcenters wie Förderung der beruflichen Weiter bildung oder mit kurzfristigen
Arbeitsgelegenheiten (6 Monaten) nicht in Arbeit integriert werden.
Im Rahmen von Modellprojekten will das Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des
Landes NRW neue Ansätze zur langfristigen bzw. daue rhaften Integration besonders
benachteiligten Zielgruppen erproben. Zur Verbesser ung der Beschäftigungsfähigkeit,
2
sozialen Stabilsierung und nachhaltigen Integration der benachteiligten Zielgruppen in den
Arbeitsmarkt soll im Rahmen der Modellprojekte eine systematische Verzahnung
arbeitsmarktpolitischen Eingliederungsleistungen de s Bundes gem § 16 SGB II mit den
kommunalen Eingliederungsleistungen gem. § 16a SGB II (Kinderbetreuung,
Schuldnerberatung, Suchtberatung, psychosoziale Ber atung sowie auch andere Angebote)
erprobt werden 1. Seit dem 01.01.2012 agiert das Jobcenter als sogenannte Optionskommune,
mit dem Ziel die „Leistungen aus einer Hand“ anzubieten, womit die gewünschte Verzahnung
bereits weitestgehend besteht.
Zielgruppe der öffentlich geförderten Beschäftigung sind besonders benachteiligte
Langzeitleistungsbezieher. Hierbei handelt es sich um Münsteraner Bürgerinnen und Bürger
die erwerbsfähig sind und die in den letzten Monate n 24 Monaten mindestens 21 Monate
SGB-Leistungen bezogen haben.
„Die Jobcenter orientieren sich dabei schwerpunktmä ßig auf die folgenden Punkte
(vergleichbar mit § 16 e SGB II):
• Langzeitarbeitslosigkeit im Sinne von § 18 SGB III , die
• aufgrund von persönlichen Vermittlungshemmnissen a uch bei guter Wirtschaftslage
und unter Einsatz bisheriger Förderleistungen nicht unmittelbar in ein reguläres
sozialversicherungs-pflichtiges Arbeitsverhältnis integriert werden können,
• bei denen jedoch mittelfristig Entwicklungspotenzi ale gesehen werden.
• Zur Verbesserung der Integrationschancen am ersten Arbeitsmarkt benötigt die
Zielgruppe die zusätzlichen Unterstützungsangebote im Rahmen der
Modellprojektförderung.“²
Der Einsatz der kommunalen Eingliederungsleistungen gem. § 16a SGB II sollen im Rahmen
der Modellprojekte hinsichtlich Bedarfsanalyse, Org anisation der Leistungen, Verzahnung mit
anderen Eingliederungsleistungen, Integration in da s Fallmanagement bzw. begleitendes
Coaching etc. für eine Teilnahme am Modellprojekt k onkret erläutert werden. Die
systematische Verknüpfung mit den kommunalen Eingliederungsleistungen dient dem Ziel, die
Integrationschancen des Einzelnen zu verbessern.
II.
Im Jahresdurchschnitt beträgt die Anzahl an Langzei tleistungsbeziehenden in Münster rund
9087 Personen. Die Anzahl der Langzeitleistungsbezieher ist seit Jahren konstant.
Insgesamt handelt es sich um eine heterogene Person engruppe wie Singles,
Alleinerziehende, Leistungsbeziehende die in einer Bedarfsgemeinschaft mit Kindern leben
etc. mit den unterschiedlichsten Schul- und/oder Berufsabschlüssen.
Die „Integrationsquote der Langzeitleistungsbezieher (K 3E1)“ lag im Juni 2012
bundesweit bei 18,2 %, in NRW bei 16 % und in Münster bei 17,2 %.
Im Vergleich hierzu lag im Juni 2012 die „Integrationsquote (K2)“ aller
Leistungsbeziehenden bundesweit bei 26,5 %, in NRW bei 22,4 % und in Münster bei 25,9 %.
D.h. Es besteht eine Differenz von fast 9 % bei der Integration der Zielgruppe.
Die erhebliche Einschränkung von Arbeitsgelegenheit en durch die am 01.04.2012 in Kraft
getretene Instrumentenreform führt für die Zielgrup pe gegenwärtig zu einem deutlich
reduzierten Angebot.
III.
Mit den Modellprojekten will die Landesregierung NR W praktisch nachweisen, „dass Arbeit
statt Arbeitslosigkeit sowohl erfolgreich machbar a ls auch finanzierbar ist, wenn passive
1 Vgl. Aufruf zur Einreichung von Projektanträgen d es MAIS
3
Transferleistungen in aktive und individuell angepasste Förderwege umgewandelt werden 2.
Auch der deutsche Landkreistag betont, dass ein soz ialer Arbeitsmarkt mit öffentlich
geförderter Beschäftigung in Anbetracht des hohen Anteils von Leistungsberechtigten im SGB
II, die keine unmittelbare Aussicht auf reguläre un geförderte Beschäftigung haben und häufig
lange Zeit im Leistungsbezug sind, als unerlässlich erscheint 3.
Wie passive Transferleistungen (z.B. Kosten für Unt erkunft) in aktive individuelle Förderwege
und mit den arbeitsmarktpolitischen Eingliederungsl eistungen des Bundes verknüpft werden
können, ist von der Verwaltung differenziert darzulegen.
gez. Otto Reiners
gez. Dr. Petra Dieckmann
gez. Dr. Brigitte Hasenjürgen
gez. Helga Bennink
gez. Gerhard Joksch
gez. Christoph Kattentidt
gez. Hery Klas
gez. Manfred Kehr
gez. Annette Kemper
gez. Jutta Möllers
gez. Jörn Möltgen
gez. Anne Naegels
gez. Carsten Peters
gez. Tim Rohleder
gez. Dr. Ludwig Schipmann
gez. Dr. Rita Stein-Redent
2 Vgl. Schreiben des Ministerium für Arbeit, Integr ation und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen.
3 V gl. Positionspapier zum Sozialen Arbeitsmarkt vom Deutschen Landkreistag, vom 20./21.06.2012
Beratungsverlauf (1)
Orte (1)
- Windthorststraße 7
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Details
- Vorlagen-Nr.
- A-R/0049/2012
- Typ
- Antrag an den Rat
- Datum
- 21.11.2012
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37