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V/0045/2022

Benennung eines Teilstücks der Aa-Promenade als Schwester-Laudeberta-Weg

Vorlagen 20.01.2022

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Nächste Beratung: Bezirksvertretung Münster-Mitte, Sitzung am 22.03.2022, TOP 5.2

Anlage_2_Übersichtsplan

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Ansehen

Beschlussvorlage

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Ansehen

Anlage A

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Ansehen

Anlage_1_Anregung_2021-00273

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Ansehen

Anlage_2_Übersichtsplan

36 Zeichen

Schwester
-W
eg
-Laudeberta
Anlage 2

Beschlussvorlage

3192 Zeichen

V/0045/2022
V/0045/2022
Öffentliche Beschlussvorlage
Betrifft
Benennung eines T eilstücksder Aa-Promenade als Schwester-Laudeberta-Weg
Beratungsfolge
22.03.2022 Bezirksvertretung Münster-Mitte Entscheidung
Beschlussvorschlag:
I. Sachentscheidung:
1. Der Fußweg an der Aa von der Straße Spiegelturm bis zur Petrikirche erhält den
Straßennamen Schwester -Laudeberta -Weg wie in Anlage 2 dargestellt.
2. Die Anregung gemäß § 24 Gemeindeordnung Nr. 2021-00273 ist damit erledigt.
II. Finanzielle Auswirkungen:
Es entstehen keine Kosten und keine Folgekosten.
Begründung:
Der Vorschlag eine Straße oder einen Weg nach Johanna van Hal – der Clemensschwester
Laudeberta – zu benennen wurde bereits zwei Mal gemacht. Zuerst schlug mit Schreiben vom
24. April 2017 der Stadtheimatbund Münster den Namen vor und verwies auf die Recherchen
einer Schülerin vom Geschwister-Scholl-Gymnasium in Kinderhaus. Im August 2021 reichte
ein Bürger mit der Anregung nach § 24 GO Nr. 2021-00196 den Vorschlag ein, eine Straße
nach Schwester Laudeberta zu benennen. Im Gegensatz zu den beiden ersten Vorschlägen
nennt dieser dritte Vorschlag eine konkrete Wegefläche, die für die Benennung besonders
geeignet sein soll. Mit dieser Vorlage werden die o. g. Anregungen und ein Vorschlag aus der
Vorlage V/0281/2021 „Öffentliches Andenken an bedeutende Frauenpersönlichkeiten im
Stadtbild fördern, Antrag A-R/0019/2019 der SPD-Fraktion“ aufgegriffen.
Vermessungs- und
Katasteramt
11.02.2022
Ihr/e Ansprechpartner/in:
Herr Zimmermann
T elefon:492-6242
ZimmermannBernhard@stadt
-muenster.de

- 2 -
V/0045/2022
Schwester Laudeberta *18. Mai 1887 in Groenlo (NL) als Johanna van Hal, †6. September 1971 in
Münster, war eine Ordensschwester der Barmherzigen Schwestern (Clemensschwestern) in Münster.
Zu ihrer Kindheit und Jugend ist kaum etwas bekannt. Vor 1910 war sie in Bocholt in einem
Krankenhaus tätig und trat im Alter von 22 Jahren am 4. Mai 1910 in den Orden der
Clemensschwestern in Münster ein. Viele Jahre war sie in der westfälischen Provinzialheilanstalt
Marienthal tätig, deren Vorsteherin sie sieben Jahre lang war.
Während der NS-Zeit hat sie mutig Widerstand gegen die „Euthanasie“-Verbrechen des
Nationalsozialismus geleistet und sich für die Rettung psychisch kranker und behinderter Menschen
eingesetzt. Insbesondere hat sie auch Bischof Clemens August von Galen über die bevorstehenden
Deportationen in Vernichtungslager informiert. Für den Bischof war dies ein entscheidender Anstoß für
seine berühmt gewordenen Predigten, in denen er das „Euthanasieprogramm“ öffentlich als
Massenmord bezeichnete.
Weitergehende Informationen siehe Anlage 1, Seite 3.
In der Anregung wird der Seitenweg an der Aa als besonders geeignet bezeichnet; denn „über
diesen Weg muss Schwester Laudeberta durch den Hintereingang des Bischofpalais zu
Bischof von Galen gelangt sein, um diesen über die bevorstehenden Deportationen von
Patienten der Klinik Marienthal … zu informieren.“
Der Weg steht im Eigentum der Stadt Münster. Es sind keine Hausnummern zugeordnet.
Umbenennungen von Adressen finden also nicht statt.
In Vertretung
Robin Denstorff
Stadtbaurat
Anlagen
Anlage 1 Anregung Nr.2021-00273
Anlage 2 Übersichtsplan

Anlage A

1077 Zeichen

Anlage A zur V/0045/2022
Kurzüberblick
Der Fußweg an der Aa von der Straße Spiegelturm bis zur Petrikirche erhält den
Straßennamen Schwester -Laudeberta -Weg
Ziele/Teilziele/Zielerreichung
Die Straßenbenennung nach der Clemensschwester Laudeberta dient dem Ziel »Münster auf
der Basis unserer Geschichte zu einer weltoffenen Stadt weiterzuentwickeln.«
Finanzierung
Produktgruppe: 09 02 Vermessung, Kataster, Geoinformation
Auswirkungen auf den Ergebnisplan Ja X Nein
Auswirkungen auf den Finanzplan Ja X Nein
Im beschlossenen (Nachtrags-)Haushaltsplan JJJJ enthalten? Ja X Nein
Im Entwurf des (Nachtrags-)Haushaltsplan JJJJ enthalten? Ja X Nein
Belastungen in zukünftigen HH-Jahren? Ja X Nein
Bereits veranschlagt? Ja X Nein
Durch den Beschluss entstehen der Stadt Münster keine Kosten und keine Folgekosten.
Pflichtigkeitsgrad
Die Maßnahme/Leistung ist vollständig
pflichtig
überwiegend
pflichtig
X überwiegend
freiwillig
vollständig
freiwillig
Unmittelbare, grundsätzliche Relevanz für Querschnittsthemen
(Demographie, Gleichstellung, Inklusion, Klimaschutz, Migration)
Keine

Anlage_1_Anregung_2021-00273

18608 Zeichen

Von: Markus Köster
An: Ratsservice
Betreff: Buergeranregung
Datum: Dienstag, 7. Dezember 2021 17:34:18
Anlagen: Schwester_Laudeberta_AufroterErde_8-21-klein.pdf
Nachname: Köster
Vorname: Markus
Straße, Haus-Nr.: Am Max-Clemens-Kanal 138
PLZ: 48159
Ort: Münster
Telefon: 0172-2081900
E-Mail: markus.koester@uni-muenster.de
Adressat:
Rat der Stadt Münster
weitere Adressaten (optional):
Bezirksvertretung Münster-Mitte
Thema: Benennung eines Wegstücks an der Aa als „Schwester-Laudeberta-Weg“
Anregung / Antrag:
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, 
hiermit beantragen wir, den Fußweg zwischen Aa und Bischöflichem Palais vom
Spiegelturm bis zur Petrikirche als „Schwester-Laudeberta-Weg“ zu benennen. 
Mit freundlichen Grüßen
Ingrid Feldkamp; Ehem. Leiterin der LWL-Fortbildungsakademie
Peter Frommhold, Rechtsanwalt und Notar a.D.
Hermann Geusendam-Wode, Leiter der LWL-Akademie für Gesundheits- und
Pflegeberufe
Dr. Ralf Hammecke, Kanzler und Verwaltungsdirektor des Bischöflichen Generalvikariats
Heinz Heidbrink, Stadtheimatpfleger a.D.
Prof. Dr. Markus Köster, Historiker und Leiter des LWL-Medienzentrums für Westfalen
Ingrid Lueb, Historikerin
Ulrich Messing, Pfarrer von St. Josef und Marien sowie St. Franziskus
Stefan Querl, Stellv. Leiter der Villa ten Hompel
Thomas Voß, Kaufmännischer Direktor der LWL-Kliniken Münster und Lengerich
Gerhard Theben, Pfarrer, Spiritual der Clemensschwestern
Begründung:
Begründung:
Die Clemensschwester Laudeberta, geb. Johanna van Hal (1871 Groenlo – 1971 Münster),
die seit 1910 als Krankenschwester in der Provinzialheilanstalt Marienthal (heute LWL-
Klinik) in Münster tätig war, hat während der NS-Zeit in außerordentlicher Weise
Widerstand gegen die „Euthanasie“-Verbrechen des Nationalsozialismus geleistet und sich
für die Rettung psychisch kranker und behinderter Menschen vor dem Mordprogramm des
NS-Regimes eingesetzt (vgl. den Artikel in der Anlage). Sie hat sowohl Angehörige der
Klinikpatienten als auch Bischof Clemens August Graf von Galen über die bevorstehenden
Deportationen in Vernichtungsanstalten informiert. Für den Bischof war dies ein
Anregung Nr. 2021-00273

entscheidender Anstoß für seine aufsehenerregende Predigt vom 3. August 1941, in der er
das „Euthanasieprogramm“ öffentlich als Massenmord brandmarkte. 
Mit ihrer mutigen Tat hat Schwester Laudeberta sich unter eigener Lebensgefahr für das
Lebensrecht von Menschen eingesetzt, die nicht den rassistischen Normen des NS-
Regimes entsprachen, und so in herausragender Weise Standhaftigkeit und Zivilcourage
gegenüber einem menschenverachtenden System gezeigt. 
Aus diesem Grund befindet sich Schwester Laudebertas Name schon seit 2019 auf
Anregung des Stadtheimatpflegers und Empfehlung des Stadtarchivs auf der offiziellen
Vorschlagsliste der Stadtverwaltung, die den Gremien bei zukünftigen
Straßenbenennungen zur Verfügung gestellt wird.
Für die in Vorschlag gebrachte Namensgebung spricht überdies, dass sie dem Anliegen der
Stadt Rechnung trägt, verstärkt Frauen bei der Benennung von Straßennamen zu
berücksichtigen. Zudem steht Johanna van Hal als gebürtige Niederländerin auch für die
engen deutsch-niederländischen Beziehungen in der Region – die Namensgebung dürfte
deshalb bei Münsters Partnerstadt Enschede und den vielen niederländischen
Besucherinnen und Besuchern unserer Stadt großes Interesse finden.
Das konkret in Vorschlag gebrachte Wegstück an der Aa eignet sich in mehrfacher
Hinsicht in besonderer Weise für die beantragte Benennung: Erstens hat der Weg bislang
noch keine Namen und keine Hauseingänge, es sind also keine Adressänderungen etc.
nötig. Zweitens ist das Bistum als unmittelbarer Anlieger mit dem Vorschlag nicht nur
einverstanden, sondern Bischof Felix Genn unterstützt den Antrag ausdrücklich. Drittens
hat das Wegstück einen ganz besonderen Bezug zur Namensgeberin und deren mutiger Tat
im Juli 1941: Über diesen Weg muss Schwester Laudeberta durch den Hintereingang des
Bischofspalais zu Bischof von Galen gelangt sein, um diesen über die bevorstehenden
Deportationen von Patienten der Klinik Marienthal in die Vernichtungsanstalten der NS-
Euthanasie zu informieren.
Das alles macht das Wegstück zu einer idealen Wahl für die von einem breiten
gesellschaftlichen Bündnis unterstützte Ehrung von Schwester Laudeberta durch eine
Straßenbenennung.
Ausdrücklich Ihre Unterstützung für den Vorschlag haben bereits erklärt:
Herr LWL-Direktor Matthias Löb für den Landschaftsverband Westfalen-Lippe als Träger
der LWL-Klinik
Herr Bischof Dr. Felix Genn für das Bistum Münster 
Herr Dr. Eduard Hüffer, Honorarkonsul der Niederlande 
Frau Ursula Warnke, Vorsitzende des Stadtheimatbunds Münster
Eventuelle Dateien befinden sich im Anhang dieser E-Mail.

August 2021 
eine zweite große Verle- 
gungswelle, in der allein aus 
Münster-Marienthal 465 Pa- 
tienten in mehrere süddeut- 
sche Anstalten verlegt wur- 
den, mehr als fünfmal so vie- 
le wie 1941. Nur 23 von ih- 
nen waren bei Kriegsende 
noch am Leben.
D
ie Clemensschwestern 
scheinen der zweiten 
Deportationsaktion hilflos 
gegenübergestanden zu ha-
ben. Sie litten unter ihrem 
Wissen über den Zweck der 
Verlegungen, sahen aber of- 
fenbar keine Möglichkeit zu 
intervenieren. Nach Erinne- 
rungen ihrer Mitschwestern 
hielt Schwester Laudeberta 
Bischof Clemens August 
weiterhin über die Gescheh- 
nisse in Marienthal und be-
sonders die Verlegung von 
Patienten in Vernichtungs- 
anstalten auf dem Laufen- 
den. Doch auch der erhob in 
der zweiten Phase nicht 
mehr öffentlich seine Stim- 
me.
S
chwester Laudeberta 
selbst hat nach dem Ende 
des Zweiten Weltkriegs we- 
der über die Geschehnisse 
gesprochen noch schriftliche 
Aufzeichnungen hinterlas- 
sen. Sie blieb Schwester in 
Marienthal, war von 1945 bis 
1952 Oberin der rund 100 
Clemensschwestern in der 
Anstalt und danach stellver- 
tretende Oberin und Leiterin 
der Wäscherei. Mit 84 Jahren 
starb sie am 6. September 
1971 und fand ihre letzte Ru- 
he wie alle münsterischen 
Clemensschwestern auf dem 
Zentralfriedhof zu Münster. 
Während über dem Grab 
ihrer Mitschwester Euthy-
mia 2006 eine eigene Kapelle 
errichtet wurde, schmückt 
das von Laudeberta nur eine 
schlichte kleine Platte. 
U
mso mehr läge es nahe, 
der couragierten Or- 
densfrau eine Straße in 
Münster zu widmen. Doch 
trotz eines Ratsbeschlusses, 
wonach neue Straßen bevor- 
zugt nach Frauen zu benen- 
nen sind, hat sich bis heute 
keine der zuständigen Stel- 
len für den eingebrachten 
Vorschlag erwärmen kön- 
nen. Vielleicht ändert sich 
das ja 50 Jahre nach ihrem 
Tod und 80 Jahre nach ihrer 
mutigsten Tat. Sie hätte es 
verdient.    
           	
 
 
 
für den er in vielem als Vor- 
bild diente.“ (Franz-Werner 
Kersting) 
D
ie administrative Koor- 
dinierung der Mordak-
tionen lag für die westfäli- 
schen Anstalten beim Pro- 
vinzialverband Westfalen. 
Wie in ganz Deutschland las-
sen sich Westfalen verschie- 
dene Phasen und Formen 
der Euthanasie-Verbrechen 
unterscheiden: Den Anfang 
bildete die Verschleppung 
von 59 jüdischen Patienten 
aus den westfälischen Pro- 
vinzialheilanstalten im Sep-
tember 1940, unter ihnen 
vier aus Münster-Marien- 
thal. Alle vier wurden weni- 
ge Tage später in der Tö- 
tungsanstalt Brandenburg 
vergast. 
W
enige Monate später, 
im Winter 1940/41 be-
gann die „Kindereuthanasie“, 
die Ermordung behinderter 
Säuglinge und Kinder. Im 
Rahmen dieser ebenfalls von 
Hitler persönlich initiierten 
Aktion wurden reichsweit 
mehr als dreißig als „Kinder- 
fachabteilungen“ getarnte 
Tötungsanstalten errichtet. 
In ihnen wurden behinderte 
Kinder durch Tabletten, In- 
jektionen oder Verhungern- 
lassen ermordet. Der Provin- 
zialverband Westfalen rich- 
tete zunächst im sauerländi- 
schen Marsberg, dann in 
Dortmund-Aplerbeck eine 
solche „Kinderfachabtei-
lung“ ein; mindestens 200 
Kinder, die meisten unter 
sieben Jahren, wurden dort 
umgebracht.
P
arallel zu den Kinder- 
morden lief die Erwach-
senen-„Euthanasie-Aktion 
T4“ an – benannt nach der 
Adresse, in der sie geplant 
wurde: einer Villa in der 
Tiergartenstraße 4 in Berlin. 
Im Rahmen dieser systema- 
tisch und zentral organisier- 
ten Melde-, Transport- und 
Gasmord-Aktion wurden al- 
lein aus den westfälischen 
Anstalten zwischen Juni und 
August 1941 insgesamt 2800 
Patientinnen und Patienten 
in Vernichtungsanstalten, 
vor allem ins hessische Ha- 
damar, verlegt. Reichsweit 
wurden bis Ende August 
1941 ungefähr 70 000 Men-
schen ermordet, ein Viertel 
aller in psychiatrischen An-
stalten untergebrachten Pa- 
tienten. 
recht die Durchführung des 
Vorbereiteten [ist] Teilnah- 
me am organisierten Mord ... 
und ein Verbrechen, das zum 
Himmel schreit und das zum 
Unheil und Verderben für 
das deutsche Volk führen 
wird.“
Z
wei Tage später erstattete 
von Galen auch Anzeige 
beim Polizeipräsidenten in 
Münster. Doch weder Lan- 
deshauptmann Kolbow noch 
der Polizeipräsident sahen 
sich zu einer Reaktion genö-
tigt. Im Gegenteil hielt Kol- 
bow am 31. Juli in einem 
Vermerk fest, er habe nicht 
die Absicht, sich durch den 
Brief des Bischofs „irgendwie 
beirren zu lassen; die Aktion 
sei in Westfalen in flottem 
Fortschreiten und in etwa 2- 
3 Wochen beendet.“ Noch 
am gleichen Tag wurden 79 
Männer aus Münster-Ma- 
rienthal abtransportiert. Für 
von Galen waren dieser 
Transport, über den ihn 
Schwester Laudeberta bei 
einem zweiten Besuch 
unterrichtet hatte, sowie die 
Wirkungslosigkeit seiner 
schriftlichen Proteste wohl 
das auslösende Moment für 
seine aufsehenerregende 
Predigt am folgenden Sonn- 
tag, dem 3. August 1941, in 
der Lambertikirche. 
W
oher der Bischof sein 
Wissen hatte, dürften 
die Verantwortlichen des Eu- 
thanasieprogramms in West- 
falen zumindest geahnt ha-
ben, zumal der Bischof offen 
aussprach, dass er über zu- 
verlässige Insiderinformatio- 
nen aus der Anstalt Marien- 
thal verfügte. Seine Predigt 
fand bekanntlich in und 
außerhalb Deutschlands 
enorme öffentliche Reso-
nanz und war vermutlich 
der entscheidende Anstoß 
dafür, dass die braunen 
Machthaber die „Aktion T 4“ 
wenige Wochen später for- 
mal stoppten. Insofern rette- 
te nicht zuletzt Laudebertas 
Einsatz Tausenden von Pa- 
tienten in Deutschland das 
Leben. Allerdings brachte 
von Galens öffentlicher Pro- 
test keineswegs das dauer- 
hafte Ende des Mordens an 
Psychiatriepatienten. Dieses 
lief vielmehr, in dezentraler 
Form, bis zum Kriegsende 
weiter. So folgte den T4- 
Transporten des Sommers 
1941 auch in Westfalen 1943 
schrieb sie die Liste ab und 
übergab sie Schwester Lau- 
deberta. Diese handelte so- 
fort. Sie sprach gezielt Ange- 
hörige von Patienten an und 
legte ihnen nahe, diese mit 
nach Hause zu nehmen, weil 
sich die ohnedies prekären 
Zustände in der Anstalt wei- 
ter verschlechtern würden. 
P
arallel dazu beschloss 
Schwester Laudeberta, 
den münsterschen Bischof 
Clemens August Graf von 
Galen persönlich über die 
drohenden Transporte zu in- 
formieren. Dies war nicht so 
einfach, denn die Schwes- 
tern standen unter Beobach- 
tung eines NSDAP-Ortsgrup-
penleiters aus Kinderhaus, 
der als Pförtner in Marien-
thal arbeitete. So begab sich 
die couragierte Ordensfrau  
im Schutz der Dunkelheit 
zum Bischofspalais.
E
s ist nicht bekannt, wie 
das Gespräch verlief, 
aber Bischof von Galen, der 
schon vorher beunruhigen- 
de Nachrichten über die Ver- 
legung und Ermordung von 
Patienten aus westfälischen 
Heil- und Pflegeanstalten ge- 
hört hatte, reagierte schnell. 
Er schickte am 26. Juli einen 
scharfen Protestbrief an Lan- 
deshauptmann Kolbow, in 
dem er unter anderem 
schrieb: „Wie ich zuverlässig 
erfahre, werden jetzt auch in 
den Heil- und Pflegeanstal- 
ten der Provinz Westfalen 
Listen aufgestellt von sol- 
chen, die als sog. ‚Unproduk- 
tive‘ abtransportiert und in 
kurzer Zeit ermordet werden 
sollen. ... Die jetzt von der 
Provinzialverwaltung zuge- 
lassene Vorbereitung der Tö- 
tung Unschuldiger und erst 
I
m öffentlichen Bewusst- 
sein des Münsterlandes 
verankert ist die T4-Aktion 
vor allem, weil sie den An- 
lass für den berühmten Pro- 
test des Bischofs von Müns- 
ter, Clemens August Graf 
von Galen, bildete. Und hier 
kommt Schwester Laudeber- 
ta van Hal ins Spiel, die 1941 
ja schon über drei Jahrzehn- 
te in der Krankenpflege der 
Provinzialheilanstalt Müns- 
ter wirkte. Als das Euthana- 
sieprogramm des NS-Re-
gimes Fahrt aufnahm, war 
sie gerade Stationsleiterin in 
der Anstalt geworden. Das 
war vermutlich ein Grund, 
warum die dort tätige weltli- 
che Krankenschwester Else 
Stumpe ihr im Juli 1941 
über eine ungeheuerliche 
Entdeckung berichtete. Der 
zweite dürfte in Johanna van 
Hals Persönlichkeit gelegen 
haben. Sie war nicht nur äu- 
ßerlich eine große, stattliche 
Frau, sondern galt unter 
ihren Mitschwestern als 
außerordentlich couragiert 
und respektgebietend und 
als jemand, der den „Mund 
nicht halten konnte“. Mögli- 
cherweise hatte das auch mit 
ihrer Herkunft zu tun: Als 
gebürtiger Niederländerin 
dürfte ihr der deutsche 
„Untertanengeist“ ebenso 
fremd gewesen sein wie jeg- 
liche Sympathien für das 
Hitler-Regime.
I
hre Mitschwester Else hat- 
te eines Abends, als sie 
nach Dienstschluss das Büro 
eines leitenden Arztes putz- 
te, eine Liste mit den Namen 
von Patienten entdeckt, die 
in der kommenden Woche 
aus Marienthal deportiert 
werden sollten. Kurzerhand 
Mutter Maria“, kurz Cle- 
mensschwestern, bei. Ken- 
nengelernt hatte sie die Or- 
densgemeinschaft, deren 
Mutterhaus sich bis heute in 
Münster befindet, im Agnes- 
Hospital in Bocholt, wo sie 
als Krankenschwester arbei- 
tete. Noch im gleichen Jahr 
nahm Schwester Laudeberta, 
wie sie nun hieß, ihren 
Dienst in der Krankenpflege 
der damaligen Provinzial- 
heilanstalt Marienthal auf, 
der heutigen LWL-Klinik 
Münster. Dort blieb sie mit 
kurzen Unterbrechungen ihr 
ganzes Leben lang tätig. 
M
arienthal war keine 
kirchliche Einrich-
tung, sondern befand sich in 
Trägerschaft des Provinzial- 
verbandes Westfalen, Vor- 
läufer des heutigen Land- 
schaftsverbandes Westfalen- 
Lippe. Allerdings waren seit 
ihrer Gründung im Jahr 
1878 Clemensschwestern in 
der Krankenpflege und den 
Wirtschaftsbetrieben der 
psychiatrischen Anstalt be-
schäftigt. 
N
ach dem Ersten Welt- 
krieg stieg die Zahl der 
Patienten in Marienthal ste- 
tig an; in den 1930er Jahren 
waren dort rund 1000 Men- 
schen mit psychischen 
Krankheiten und Behinde- 
rungen stationär unterge- 
bracht. Gleichzeitig gerieten 
alle psychiatrischen Anstal-
ten schon in der Weltwirt- 
schaftskrise unter erhebli- 
chen Spardruck. Öffentlich 
mehrte sich die Kritik an den 
angeblich unnötig hohen 
Kosten der Unterbringung 
von „Geisteskranken“, wie sie 
damals genannt wurden. Zu- 
sätzlich brach 1933 die men- 
schenverachtende Ideologie 
des Nationalsozialismus 
über die Anstalten und de-
ren Patienten herein.  Hitler 
selbst kanzelte christlich 
oder humanitär motivierte 
Fürsorgemaßnahmen als 
„Wohlfahrtsduseleien“ ab. 
Psychisch Kranke und Be- 
hinderte galten in diesem 
Werteraster als „unprodukti- 
ve“, „minderwertige“ und 
letztlich „lebensunwerte Bal- 
lastexistenzen“. 
S
chon das „Gesetz zur Ver- 
hütung erbkranken 
Nachwuchses“ vom Juli 1933 
unterwarf die Insassen von 
psychiatrischen Anstalten 
einer Zwangssterilisierung 
bei vermuteter Erbkrank- 
heit. Mit Kriegsbeginn be- 
gann dann auf persönliche 
Anweisung Hitlers und unter 
strengster Geheimhaltung 
das, was beschönigend „Eu- 
thanasie“ (griechisch „der 
gute Tod“) genannt wird, 
aber „in Wirklichkeit der ers- 
te industriell betriebene 
Massenmord per Giftgas war 
–  noch vor dem Holocaust 
am europäischen Judentum, 
Von Markus Köster 
S
eit  einigen Monaten 
hören wir Berichte, 
dass aus Heil- und Pfle- 
geanstalten für Geisteskran-
ke auf Anordnung von Ber- 
lin Pfleglinge, die schon län- 
ger krank sind und vielleicht 
unheilbar erscheinen, 
zwangsweise abgeführt wer- 
den. Regelmäßig erhalten 
dann die Angehörigen nach 
kurzer Zeit die Mitteilung, 
der Kranke sei verstorben, 
die Leiche sei verbrannt, die 
Asche könne abgeliefert 
werden. Allgemein herrscht 
der an Sicherheit grenzende 
Verdacht, dass diese zahlrei- 
chen unerwarteten Todesfäl- 
le von Geisteskranken nicht 
von selbst eintreten, sondern 
absichtlich herbeigeführt 
werden, dass man dabei je- 
ner Lehre folgt, die behaup- 
tet, man dürfe sogenanntes 
lebensunwertes Leben ver- 
nichten, also unschuldige 
Menschen töten, wenn man 
meint, ihr Leben sei für Volk 
und Staat nichts mehr 
wert …“ 
V
iele kennen diese Sätze. 
Sie stammen aus der 
Predigt, die Münsters Bischof 
Clemens August Graf von 
Galen am 3. August 1941 in 
der Lambertikirche hielt. Da- 
rin prangerte er die soge- 
nannte „Euthanasie“-Aktion 
des NS-Regimes gegen Be-
hinderte und psychisch 
Kranke als das an, was sie 
war: Massenmord! 
W
ährend Galen und sei-
ne Predigt völlig zu 
Recht bis heute große Be- 
kanntheit haben, ist der Na- 
me Schwester Laudeberta, 
geborene Johanna van Hal, 
völlig vergessen. Dabei war 
es die Ordensfrau der Cle- 
mensschwestern, der der Bi- 
schof im Sommer 1941 ent-
scheidend sein Wissen über 
das Mordprogramm der Na- 
tionalsozialisten verdankte. 
Wer war diese Frau, deren 
Anonymität in merkwürdi- 
gem Kontrast zur Bedeutung 
ihrer mutigen Tat steht? 
J
ohanna van Hal stammte, 
wie ihr Nachname verrät, 
aus den Niederlanden. 1887 
wurde sie im Städtchen 
Groen lo im Achterhoek ge- 
boren, wenige Kilometer 
westlich der deutschen 
Grenze. Johanna war das 
jüngste von insgesamt fünf 
Kindern des Zimmermanns 
Hermanus Grades van Hal, 
der 1842 ebenfalls in Groen- 
lo geboren war und seiner 
sieben Jahre jüngeren Frau 
Berendina, geborene ter 
Maat. Über Johannas Leben 
ist erstaunlich wenig be- 
kannt. 1910 trat sie 22-jährig 
der „Genossenschaft der 
Barmherzigen Schwestern 
von der allerseligsten Jung- 
frau und schmerzhaften 
Die  Ordensschwester Laudeberta informierte Bischof von Galen im Sommer 1941 über die Patientendeportationen aus der Klinik Marienthal
Eine couragierte Frau und ihre mutigste Tat 
	
	

		

		
					
		
	
	            	

 


					 
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Beratungsverlauf (1)

22.03.2022 Bezirksvertretung Münster-Mitte
TOP 5.2 Entscheidung Entscheidung

Beschluss: einstimmig beschlossen

Zur Sitzung

Orte (6)

  • Schwester-Laudeberta-Weg
  • Spiegelturm
  • Promenade
  • Kinderhaus
  • Feldkamp
  • Asche

Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.

Details

Aktenzeichen
V/0045/2022
Typ
Vorlagen
Datum
20.01.2022
Erstellt
18.01.2022 12:41