2026/0170
Evaluation und Fortführung Modernisierungskonvoi
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- 2 -
Magistratsvorlage
Eingang Magistrats -
geschäftsstelle:
10.06.2026
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat III an die Stadtverordnetenversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss -
fassung Fachausschuss
Dezernat IV
Amt: Amt für
Klimaschutz und
Klimaanpassung
OBW bei abschl.
Beschlussfassung Magistrat
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
Verteiler:
III 69
IV
Stvv
Ja
Nein
Vorlage-Nr. 2026/0170
Magistratsbeschluss -Nr.
212
Internetfähig
Produkt-Nr.: 561010
Kostenstelle: 069-000-1000 Investitionsnummer:
Kostenträger: 5610-42 Sachkonto: 6179205
Betreff: Evaluation und Fortführung Modernisierungskonvoi
Vorlage vom: 13.05.2026
Beschlussvorschlag :
1. Die Evaluation des Modernisierungskonvois im Rahmen einer Masterarbeit wird zur
Kenntnis genommen.
2. Die Fortführung und Erweiterung des Modernisierungskonvois der Wissenschaftsstadt
Darmstadt wird beschlossen.
Anlagen: Anlage 1 Kostenschätzung Neuvergabe Modernisierungskonvoi
Anlage 2 Masterthesis Modernisierungskonvoi (Kurzfassung)
Datenschutzrelevante Anlage:
- 3 -
Folgekosten: Ja Nein
Zusätzlich für alle Vorlagen aus dem Bereich des Hochbaus anzugeben:
Klimarelevanz des Vorhabens:
Auswirkungen auf Stadtklima: ja nein
Auswirkungen auf THG -Emissionen: gering1) mittel/groß 2)
Beteiligung Amt f. Klimaschutz & Klimaanpassung: ja nein
Zusätzlich bei Beschlüssen zur Baufreigabe:
Wurden Optimierungspotentiale ausgeschöpft? ja nein
Falls nein, Kompensationsmaßnahmen festgelegt? ja nein
1) bis 10 Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente (CO2e) pro Jahr, 2) über 10 Tonnen CO2e pro Jahr.
Beschluss des Magistrats vom 17.06.2026
Der Vorlage wird zugestimmt.
- 4 -
Begründung zur Magistratsvorlage vom 13.05.2026
1. Hintergrund
Seit 2016 bietet die Stadt im Rahmen des Modernisierungskonvois kostenfreie Beratungen
für private Eigentümerinnen und Eigentümer von Wohngebäuden an. Das niederschwellige,
umfangreiche und individuelle Angebot hat zum Ziel, Eigentümer*innen zur Entscheidung und
Umsetzung weiterführender Sanierungsschritte zu befähigen, die energetische
Modernisierung des Gebäudebestands in Darmstadt voranzubringen und so die kommunalen
Klimaschutzziele und kommunale Wärmeplanung im Gebäudebereich zu erreichen. Zur
Ansprache der Zielgruppe werden in jährlich wechselnden Schwerpunktquartieren
Auftaktveranstaltungen durchgeführt, zu denen die Gebäudeeigentümer*innen per
Anschreiben eingeladen werden. Seit 2021 sind Anmeldungen zu den Beratungen stadtweit –
also über die explizit angesprochenen Quartiere hinaus – möglich. Bis heute wurden bisher
im Rahmen des Modernisierungskonvois über 2.500 Beratungen durchgeführt.
Die kostenlose Initialberatung basiert auf einer Gebäudebegehung durch zertifizierte
Energieeffizienz-Expertinnen und -Experten, die den energetischen Zustand, die Heiztechnik
und Sanierungsbedarf erfassen. Anschließend erarbeiten sie Modernisierungsempfehlungen
für Gebäudehülle und -technik und weisen auf Fördermöglichkeiten hin. In einem schriftlichen
Bericht werden Eigentümer*innen umfassend informiert. Inhaltlich wurde das
Beratungsrepertoire 2022 um die Themen nachhaltige Baustoffe, Solarenergie und
Gebäudebegrünung ergänzt und die Beratenden demensprechend geschult.
2. Evaluierung des Modernisierungskonvois
Im Sommer 2025 fand eine Online -Evaluierung des Modernisierungskonvois in
Zusammenarbeit mit der Hochschule Darmstadt statt (Magistratsvorlage 2025/0194). Die
Onlineumfrage wurde von insgesamt 299 Personen ausgefüllt, von welchen 213 in der
Vergangenheit bereits eine Beratung im Rahmen des Modernisierungskonvois in Anspruch
genommen hatten. Die Einschätzung des Beratungsangebot s war überwiegend positiv und
wurde für die einzelnen Bestandteile von 89 % und mehr als neutral bis sehr positiv
bewertet. 77 % bewerteten das Angebot positiv und sogar 83 % der Befragten gaben an, das
städtische Angebot weiterzuempfehlen.
Die positive W irkung der Beratung zeigt sich unter anderem an dem Abbau von
Befürchtungen und Hürden im Zusammenhang mit der Umsetzung von Sanierungs -
maßnahmen. Im Anschluss an 52 % der Beratungen wurde mindestens eine
Sanierungsmaßnahme bzw. Austausch des Wärmeerzeuger s umgesetzt bzw. befindet sich in
Umsetzung. Hochgerechnet auf alle Beratungen seit der Einführung 2016 ergab sich eine
Einsparung von über 10.000 t CO 2-Emissionen.
Die Evaluation hat gezeigt, dass d er Modernisierungskonvoi ein attraktives und
niedrigschwelliges Beratungsangebot ist, welches Darmstädter Bürgerinnen und Bürger bei
der zielgerichteten Umsetzung von Sanierungsmaßnahmen unterstützt . Dadurch werden
nicht zuletzt auch Impulse für das lokale Handwerk gesetzt und die lokale Wertschöpfung
erhöht, wie die Umfrage bestätigen konnte. Die weiter starke Nachfrage und hohe
Zufriedenheit auch in 2025 und 2026 unterstreicht den Erfolg der quartiersorientierten
Öffentlichkeitsarbeit und des bedarfsorientierten Beratungsansatzes (s. MagV 2026/0143
„Bericht zum Modernisierungskonvoi 2025“).
3. Fortsetzung und Erweiterung des Modernisierungskonvois
Im Kontext der kommunalen Wärmeplanung und der zur Zielerreichung notwendigen
energetischen Sanierung des Gebäudebestandes sowie zur Erreichung der Klimaschutzziele
in Darmstadt stellt der Modernisierungskonvoi ein wichtiges unterstützendes Angebot für die
Darmstädter Bürgerschaft dar.
Der aktuelle Auftrag zur Durchführung des Modernisierungskonvois läuft Mitte 2026 aus. Das
bestehende erfolgreiche Angebot soll fortgeführt und zusätzlich ausgeweitet werden, um
Beratungslücken zu schließen. Insbesondere soll ein vertiefendes Angebot für
Wohneigentümergemeinschaften (WEGs) geschaffen werden , welches den besonders großen
Hürden zur energetischen Sanieru ng aufgrund von komplexen Entscheidungsprozessen und
Eigentümerstrukturen sowie anderer Anlagentechnik Rechnung trägt. Es ist angedacht für
WEGs zusätzlich zur Initialberatung weitere Bausteine wie Vorabgespräche mit Beiräten und
Verwaltern, Variantengegen überstellungen und Ergebnisvorstellungen in
Wohnungseigentümerversammlungen vorzusehen. Diese sollen dann nach Absprache genutzt
werden.
4. Zeitplan
Die Durchführung des Modernisierungskonvois soll für einen Zeitraum von zwei Jahren
ausgeschrieben werden. Die hierfür ermittelten Kosten sind der datenschutzrelevanten
Anlage 1 zu entnehmen. Die Ausschreibung soll zeitnah nach Beschlussfassung erfolgen. Durch
die gesetzlichen Fristen ist eine Fortführung des Beratungsanagebots nicht vor September
2026 möglich.
5. Finanzen
Die notwendigen Mittel stehen ohne Aufplanung bei Fortschreibung des Haushaltsansatzes
unter der Kostenstelle 069-000-1000, Kostenträger 5610 -42 auf dem Sachkonto 6179205
zur Verfügung.
Dezernat III Dezernat IV
Michael Kolmer André Schellenberg
Stadtrat Stadtkämmerer
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1 Evaluation der aufsuchenden Sanierungsberatung „Modernisierungskonvoi“ der Wissenschaftsstadt Darmstadt Kurzfassung der Masterthesis „Der Darmstädter Modernisierungskonvoi: Evaluation der aufsuchenden Sanierungsberatung für Wohngebäude und Ableitung einer Sanierungsmatrix zur Optimierung des Beratungsprozesses“ von Simon Eigenmüller in Kooperation der Hochschule Darmstadt mit der Effizienz:Klasse GmbH und dem Amt für Klimaschutz und Klimaanpassung der Wissenschaftsstadt Darmstadt. Die ungekürzte Fassung der Thesis sowie das Quellenverzeichnis erhalten Sie auf Nachfrage beim Amt für Klimaanpassung und Klimaschutz in Darmstadt unter klimaschutz@darmstadt.de. Ein großer Dank für die Unterstützung geht an dieser Stelle an die städtische Abteilung Statistik und Stadtforschung. Einführung Der Wohngebäudesektor der Wissenschaftsstadt Darmstadt hat mit rund 25 % der Darmstädter Treibhausgas- Emissionen einen relevanten Anteil an den lokalen Emissionen. Eine signifikante Reduktion der CO2-Emission im Wohnungssektor ist ein notwendiger Schritt auf dem Weg zur Treibhausgasneutralität. Dies kann durch Verbrauchsreduktion in Form einer Steigerung der Modernisierungsrate sowie der Erhöhung der Sanierungstiefe oder durch die Umstellung auf erneuerbare Wärmequellen erfolgen. Eine in Darmstadt bereits seit 2016 begonnene und kontinuierlich fortgesetzte Maßnahme zur Stärkung der Sanierung von Wohngebäuden ist der Modernisierungskonvoi. Der Konvoi Charakter rührt aus Fokussierung auf jährlich wechselnden Quartieren her, für welche jeweils als Auftakt eine zentrale Informationsveranstaltung durchgeführt wird. Der Modernisierungskonvoi bietet Darmstädter Gebäudeeigentümer*innen eine kostenl ose, fundierte V or-Ort-Sanierungsberatung durch Energieberater*innen. Bereits während des Beratungstermins werden erste Hinweise und Empfehlungen gegeben, die im Anschluss in Form eines Gebäudeberichts festgehalten werden. Der Fokus liegt insbesondere auf dem Wärmeschutz, dem energetischen Zustand der Gebäudehülle sowie der verbauten Wärmeerzeuger. Dabei sollen vorhandene Hürden für die Umsetzung von Sanierungsmaßnahmen und die Installation von moderner, erneuerbarer und effizienter Anlagentechnik abgebaut und ein Anstoß zur Umsetzung gegeben werden. Daneben sind weitere wichtige Themen, die Erzeugung von erneuerbaren Energien über PV-Anlagen, Fassaden- und Dachbegrünung und die Verwendung von nachhaltigen Rohstoffen Bestandteil der Beratungen. Bis zum Ende des Jahres 2025 wurden in Summe 2.493 Wohngebäude von Eigentümer*innen in ganz Darmstadt beraten. Seit 2021 steht das Angebot der Initialberatung den Eigentümer*innen im gesamten Stadtgebiet offen. Zur gezielten Ansprache und für die begleitenden Auf taktveranstaltungen werden allerdings weiter Schwerpunktquartiere definiert – auch um lokale Nachahmungseffekte und den Austauschen unter Nachbar*innen verstärkt nutzen zu können. Die Anmeldungen stammen zu ca. 80 % von privaten Einzel -Eigentümer*innen und zu ca. 20 % von Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG). Die Durchführung des Modernisierungsko nvois erfolgt seit der ersten Ausschreibung im Jahr 2016 durch das Darmstädter Energieberatungsunternehmen Effizienz:Klasse GmbH. Das Ziel der Masterarbeit war es, den Darmstädter Modernisierungskonvoi in Bezug auf die Zufriedenheit der beratenen Haushalte, mögliche Verbesserungspotentiale und d ie Wirksamkeit in Bezug auf umgesetzte Sanierungsmaßnahmen zu evaluieren. Aufbau der Umfrage und Aufruf zur Teilnahme Die Datenerhebung in Form einer öffentlichen Online-Umfrage, welche von der Wissenschaftsstadt durchgeführt wurde, richtete sich insbesondere an bereits durch den Modernisierungskonvoi beratene Gebäudeeigentümer*innen. Der Aufruf zur Teilnahme erfolgte über verschiedene Kommunikationswege: Die größte Resonanz konnte durch Anschreiben an alle Gebäudeeigentümer*innen in Eberstadt generiert werden, das 2020/2021 Schwerpunktquartier war. Daneben wurden per E-Mail diejenigen direkt kontaktiert, welche bei ihrer Anmeldung einer Evaluation explizit zu gestimmt hatten. Darüber hinaus gab es eine Pressemitteilung der Stadt sowie Aufrufe in Medien für die breite Öffentlichkeit. Abgefragt wurden r elevante statistische Daten, konkrete Rückmeldungen zum Angebot des Modernisierungskonvois und für die Bewertung der Sanierungsmaßnahmen notwendige Informationen zur 2 Gebäudestruktur (z.B. Anzahl Wohneinheiten, Geschosse und Wohnfläche und Baujahr), um im späteren Verlauf diese für die Modellberechnungen als Basis heranzuziehen. Auswertung der Umfrageergebnisse zur Sanierungsberatung des Modernisierungskonvois Die Umfrage wurde insgesamt 299-mal vollständig ausgefüllt. Davon gaben wiederum 213 Teilnehmende an, dass sie im Rahmen des Modernisierungskonvois beraten wurden. Dank der ausreichend hohen Rücklaufquote kann die Umfrage als repräsentativ für den gesamten Modernisierungskonvoi gewertet werden. Aufgrund der gewählten Kommunikationswege mit Fokus auf dem Schwerpunkt quartier Eberstadt , entfielen ca. die Hälfte der Rückmeldungen a uf dieses Gebiet. 86 % der vollständig ausgefüllten Fragenkataloge wurden von alleinigen Gebäudeeigentümer*innen beantwortet. Lediglich 13 % entf ielen auf Vertreter von Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG) und 1 % auf Hausverwaltungen. Dies entspricht näherungsweise der Verteilung aller bisherigen Beratungen und spricht für eine gute statistische Stichprobe. Zunächst erfolgt e die Auswertung hinsichtlich der Erfahrungen mit dem Beratungsangebot des Modernisierungskonvois bei den Teilnehmenden. Dafür konnte auf einer fünfstufigen Skala von sehr zufrieden bis sehr unzufrieden die persönliche Bewertung für die einzelnen Bestandteile des Modernisierungskonvois abgegeben werden. Darunter fallen die Auftaktveranstaltung, bei welcher der Konvoi im Schwerpunktquartier präsentiert wird, die Anmeldung, die Beratung selbst, als auch der individuelle Gebäudebericht, welcher im Nachgang zum Ortstermin von den Energieberater*innen erstellt und ausgehändigt wird. Das Meinungsbild ist insgesamt positiv zu werten (vgl. Abb. 1). Abstufungen in den einzelnen Prozess schritten lassen sich jedoch beobachten. D ie Auftaktveranstaltung ist mit 73 % positiv (zufrieden bzw. sehr zufrieden) bewertet. Verbesserungspotential wurde in Bezug auf Dauer und Inhalte der V orträge genannt . Der Anmeldeprozess ist mit 86 % positiven Rückmeldungen der am besten bewertete Bereich . Hier hat sich über die Jahre ein abgestimmtes System bei der Effizienz:Klasse GmbH etabliert. Das V or-Ort-Beratungsgespräch, der Kerninhalt des Modernisierungskonvois , wurde von 76 % der Befragten als positiv bewertet . Hierbei wurde einerseits die fachliche Qualität sowie der Umfang der Beratung gelobt . Andererseits wurde genau dies jedoch von einzelnen Personen kritisiert. Es zeichnet sich somit ab, dass diese Kritik vermutlich von der individuellen Erwartungshaltung abhängt. Grundsätzlich lässt sich schlussfolgern, dass die Erwartungshaltung der Teilnehmenden bereits vor der Beratung eingeordnet werden muss und klargestellt sein muss, was der Modernisierungskonvoi leisten kann und wo die Grenzen liegen, die allein auf Grund der begrenzten Zeitbudgets bestehen. Dasselbe gilt für den Gebäudebericht, dieser wurde von nur 68 % der Teilnehmenden als positiv bewertet. Die häufigsten Anmerkungen zielten hierbei auf den fehlenden Detailgrad und die fehlende Individualität ab . Eine höhere Sichtbarkeit der individuellen Empfehlungen im Bericht und Verbesserungen der Struktur des Berichts wurden bereits als Resultat der Evaluation für zukünftige Bericht umgesetzt . Dabei ist es wichtig, dass die Energieberater*innen möglichst individuell auf die Teilnehmenden eingehen, auf der anderen Seite aber auch die breite der vorgegebenen Themen abdecken. Abbildung 1: Übersicht des Meinungsbilds der Teilnehmenden zu den Prozessen des Modernisierungskonvois 3 Ein Großteil der Befragten gibt an, für den Modernisierungskonvoi eine Weiterempfehlung auszusprechen. Diese Quote steigt auf 98 % unter Be rücksichtigung jener Personengruppe, welche eine positive Meinung zum Modernisierungskonvoi vertritt. Dies bestätigt en die durchweg positiven Einzelbewertungen zum städtischen Beratungsangebot. Eine Verbesserung der Berichtstruktur und bessere Kommunikation zum erwartbaren Umfang lassen eine weitere Verbesserung der Bewertung in Zukunft erwarten. Neben Fragen zum Beratungsangebot, wurde abgefragt, welche Hürden für die Umsetzung von Sanierungsmaßnahmen gesehen werden und wie sich das Bild nach der Umsetzung verändert (vgl. Abb. 2). Die Diskrepanz zwischen den Befürchtungen vor der Umsetzung und der im Nachgang bestätigten Hürden ist an einzelnen Stellen sehr deutlich. Faktoren, welche vorab abschrecken könnten, wie der finanzielle Aufwand, die Unsicherheiten in Bezug auf Fördermittel, Handwer ker- und Wissensmangel stellten sich nach Umsetzung von Sanierungsmaßnahmen als deutlich weniger relevant heraus. Circa 30 % der Teilnehmenden gaben sogar an, keine Hürden bei der Umsetzung erlebt zu haben. Hier zeigt sich eine wichtige Funktion des Modernisierungskonvois, das Aufnehmen von bestehenden Befürchtungen und den Abbau dieser durch die Beratung. Hemmnisse, welche im Einzelfall Sanierungsmaßnahmen ve rhinderten, waren insbesondere Auflagen durch den Denkmalschutz oder die komplizierte Entscheidungsfindung bei WEGs . Für solche Fälle wäre ein verstärkter Fokus im Rahmen des Modernisierungskonvois hilfreich. Auf die Frage nach den größten Motivationsfaktoren für die Umsetzung von Sanierungsmaßnahmen wurden die Einsparung von Energiekosten, Erhöhung der geopolitischen Unabhängigkeit, Klimaschutz sowie die Verbesserung des Wohnkomforts angegeben. Eine verstärkte Adressierung dieser Faktoren bei der Beratung könnte die Realisierung von Sanierungsmaßnahmen weiter befördern. Förderlandschaft und rechtliche Rahmenbedingungen Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) , welche über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) abgewickelt wird, fördert Sanierungsmaßnahmen an der Gebäudehülle sowie an der Anlagentechnik (Heizung, Kühlung, Lüftung, Beleuchtung oder „Smart Home“) mit monetären Zuschüssen bzw. Krediten. Dadurch wird die Übererfüllung der gesetzlichen Mindestanforderungen angereizt Für Sanierungsmaßnahmen an Wohngebäuden ist insbesondere das Förderprogramm Einzelmaßnahme (EM) relevant. Für die Einzelmaßnahme ist der finale U-Wert des Bauteils Grundlage für eine Förderung und stellt eine leichte Verbesserung im Vergleich zu den Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) dar: Abbildung 2: Hürden, die vor der Umsetzung von Sanierungsmaßnahmen befürchtet wurden und Hürden, die sich bei der Umsetzung bewahrheitet haben 4 Bauteil Anforderung BEG Umax in W/(m²K) Anforderung GEG Umax in W/(m²K) Unterer Gebäudeabschluss 0,25 0,30 Außenwand 0,20 0,24 Oberste Geschossdecke 0,14 0,24 Dach 0,14 0,24 Fenster 0,95 1,30 ich Für förderfähige Maßnahmen an der Gebäudehülle beläuft sich die Förderhöchstgrenze je Kalenderjahr pro Wohneinheit auf 30.000 € bei einer Förderquote von 15 % bzw. 60.000 € und 20 % bei vorliegendem Sanierungsfahrplan. Dadurch ergeben sich maximale Fördersummen von 4.500 € ohne Sanierungsfahrplan bzw. 12.000 € mit vorliegendem Sanierungsfahrplan je Wohneinheit. Darüber hinaus werden Maßnahmen zu Optimierung der Heizung, Lüftungs - und Beleuchtungstechnik, aber z.B. auch die Energieberatung selbst gefördert. Die Heizungsförderung fällt ebenfalls unter dieses Programm, wird jedoch von der KfW Bank abgewickelt. Zu den förderfähigen Heizungstechniken gehören u.a. e lektrische Wärmepumpen, Biomasseanlagen, Solarthermieanlagen und Fernwärme- bzw. Gebäudenetze Die Förderung für Heizungsanlagen orientiert sich nicht am Sanierungsfahrplan und setzt als Förderhöchstgrenze 30.000 € für die erste Wohneinheit an, 15.000 € je weitere Wohneinheit bis zur 6. und 8.000 € pro Wohneinheit ab der 7. Die Förderquote liegt bei mindestens 30 % und wird für Wärmepumpen mit natürlichen Kältemitteln um weitere 5 % erhöht. Falls die verbaute Heizungsanlage älter als 20 Jahre ist, greift der sog. Kl ima- Geschwindigkeitsbonus und die Förderquote erhöht sich um weitere 20 %. Bei einem zu versteuerndem Gesamthaushalts-Einkommen von unter 40.000 € bezuschusst der Fördergeber weitere 30 %. Insgesamt ist eine Kombination der einzelnen Boni auf maximal 70 % der anfallenden Kosten beschränkt. Abgefragte Sanierungsmaßnahmen Für die Evaluierung der Wirksamkeit des Modernisierungskonvois wurden Fragen zum Gebäudezustand im Hinblick auf umgesetzte Sanierungsmaßnahmen gestellt. Dazu wurde der Gebäudezustand vor der Beratung erhoben und abgefragt, was sich im Vergleich zum Zustand vor dem Modernisierungskonvoi verbessert hat. Daraus lässt sich der Umfang und die Qualität der einzelnen Sanierungsmaßnahmen direkt ableiten. Die abgefragten Sanierungsmaßnahmen, welche im Rahmen der Befragung hinsichtlich Materialien, Dämmqualität und/oder Baualter abgefragt wurden, gliedern sich wie folgt: - Unterer Gebäudeabschluss (Kellerboden, Kellerdecke oder Fußboden) - Außenwand - Oberster Gebäudeabschluss (Oberste Geschossdecke (OGD) oder Dach) - Fenster - Anlagentechnik (Heizung, Warmwasser, PV und Lüftung) Auswirkung umgesetzter Sanierungsmaßnahmen Um die im Anschluss an die Sanierungsberatung umgesetzten Maßnahmen einordnen zu können, wurde die Dämmqualität und die Anlagentechnik ( mit Fokus auf den Heizungsanlagen) im Zustand vor der Beratung mit dem Zustand nach der Beratung verglichen. So soll die energetische Verbesserung der Gebäude im Kontext des Modernisierungskonvois auf der Ebene einzelner Bauteile, z.B. die Anbringung einer Auß enwanddämmung bewertet werden. Die Vergleichsbasis dafür waren sogenannte Durchschnittsgebäude, welche nach den jeweiligen Baualtersklassen und Angaben zur Geometrie der Gebäude kategorisiert und in Anlehnung an die DIN -Norm 18599 erstellt und berechnet wurden. An 76 der 213 Gebäude, für die eine Beratung durchgeführt wurde und die an der Umfrage teilgenommen haben, wurde m indestens e ine Sanierungsmaßnahme an der Gebäudehülle durchgeführt (bzw. befindet sich noch in konkreter Planung oder aktiver Umsetzung) . Dies entspricht innerhalb weniger Jahre nach der Beratung bereits einer Quote von 36 %. Unter Berücksichtigung des Tausches der Heizungsanlage (unabhängig des Energieträgers) 5 wurde an 110 Wohngebäuden mindestens eine Maßna hme getätigt, was bereits über die Hälfte der Beratungen betrifft (52 %). 56 der 213 Eigentümer*innen gaben an, dass zum Befragungszeitpunkt eine Aufdach -PV-Anlage an ihrem Gebäude mit einer durchschnittlichen Leistung von 9,6 kWp installiert ist. An 43 Gebäuden befindet sich ein eine Balkon-PV-Anlage. Anhand der abgefragten Installationsjahre ist in den vergangenen Jahren ein deutlicher Zuwachs der Installation von PV -Anlagen und Batteriespeichern nachzuweisen. Dies ist vermutlich in direktem Zusammenhang mit den ehrenamtlichen Darmstädter Beratungsinitiativen „heiner*solarberatung“ und „heiner*energie“, der städtischen Förderung von PV-Anlagen und den sinkenden Preisen zu sehen. Maßnahmen zur Verbesserung des Wärmeschutzes wurden erwartungsgemäß insbesondere an älteren Bestandgebäuden durchgeführt. Am häufigsten wurde die Sanierungsmaßnahme Fenstertausch (44), gefolgt von Dämmmaßnahmen am oberen Gebäudeabschluss (OGD (19) oder Dac h (33)) umgesetzt. Seltener wurde ein e Außenwanddämmung (23) oder eine nachträgliche Dämmung des unteren Gebäudeabschlusses (24) installiert. Bei einer aggregierten Betrachtung der Wirkung aller genannten Dämm- und Fenstertauschmaßnahmen über den gesamten Modernisierungskonvoi ergibt sich eine Einsparung der Primärenergie in Höhe von 13.000.000 kWh. In Bezug auf alle in der Umfrage beschriebenen Gebäude, welche im Rahmen des Modernisierungskonvois beraten wurden, entspricht dies einem Rückgang von ca. 8 % des Heizenergiebedarfs. Umgerechnet in jährliche CO2-Einsparungen ergeben sich circa 1,2 Tonnen pro Gebäude, bzw. 2.730 t in Bezug auf alle beratenen Gebäude des Modernisierungskonvois. Hochgerechnet auf die in den letzten 10 Jahren durchgeführten Beratungen sowie unter der Berücksichtigung eines benötigten Zeitfensters zwischen Beratung bis zur Umsetzung konnten im Kontext des Modernisierungskonvois bis zum aktuellen Zeitpunkt (Mai 2026) bereits mehr als 10.000 Tonnen CO2 eingespart werden. Der zweite relevante Einflussfaktor auf die Reduktion von Primärenergie und CO 2-Emissionen ist der Austausch von bestehenden, auf fossilen Energieque llen basierenden Heizungsanlagen durch Heizungsanlagen, welche regenerative Energien nutzen. V or der Beratung waren 153 der 213 bei der Umfrage abgefragten Wohngebäude mit einem zentralen Erdgas-Kessel beheizt, weitere 24 wurden durch Heizöl versorgt. Die restlichen 36 Gebäude sind mit abnehmendem Anteil von Fernwärme (13), dezentralen (z.B. wohnungsweisen) Erdgas -Thermen (10), Strom-Direkt-Heizungen (7), Blockheizkraftwerken (3), Biomasse (2) und Wärmepumpen (1) versorgt. Durch die Beratung soll der erste, niedrigschwellige Schritt auch in Richtung eines Heizungstausches ermögli cht werden. Bei einem Fünftel (43 der 213) der beratenen Gebäude wurde bereits ein Heizungswechsel umgesetzt und soll im Folgenden genauer diskutiert werden (vgl. Abb. 3). Abbildung 3: Änderung in der Anzahl der Heizungsanlagen nach Energieträger (bereits eingebaute und in Einbau befindliche Anlagen) 6 V on 43 neu installierten Anlagen basierten vor der Beratung 31 zumindest in Teilen auf dem Energieträger Erdgas. Davon wurden 16, also über die Hälfte durch Wärmepumpen ersetzt. Trotz der Beratungen wurden 15 durch einen neuen Erdgas -Kessel ersetzt, obwohl dies , wie es auch im Rahmen der Beratungen kommuniziert wird, weder wirtschaftlich anzuraten noch langfristig betreibbar ist . V on den neun zuvor mit Heizöl betriebenen Anlagen wurden sechs Gebäude durch Wärmepumpen und zwei durch Biomasse -Anlagen ersetzt. Lediglich ein Wohngebäude erhielt eine neue Heizöl -Heizung. In dem Zeitraum zwischen Beratung und Umfrage wurden ebenfalls drei Fernwärmeanschlüsse bzw. deren Übergabestation erneuert, neue Anschlüsse konnten im Rahmen der Umfrage nicht ermittelt werden. Durch den Wechsel einer Erdgasheizung zu einer Wärmepumpe lässt sich im Schnitt pro Einfamilienhaus circa 20.100 kWh Primärenergie pro Jahr einsparen, im Mehrfamilienhaus ca. 62.600 kWh (abhängig von der tatsächlichen Größe können diese Werte stark variieren) . Skaliert auf den gesamten Modernisierungskonvoi ergeben sich so bereits ca. 227 eingebaute Wärmepumpen, mit einer Einsparung von etwa 8.000.000 kWh pro Jahr. Durch den hohen Emissionsfaktor von Strom, welcher im GEG angesetzt ist, fallen die errechneten CO 2- Einsparungen geringer aus als in der Realität zu beobachten sind. Bei einer Studie von Großklos et al. aus dem Jahr 2023 werden sogar 49 % CO 2-Einsparungen bei dem Betrieb von Wärmepumpen im Vergleich zu Heizsystemen mit Erdgas als Energieträger angenommen und bis zu 62 % im Vergleich zu Heizöl -Systemen. Darüber hinaus steigen d ie Einsparungen mit der zunehmenden Dekarbonisierung des Stromsystem ohne Zutun der Eigentümer weiter. Eine weitere relevante Maßnahme bei einem Heizungstausch, welche die Effizienz des Systems erhöhen ist der hydraulische Abgleich (Einsparungen von 5 bis 10 % des Energieverbrauchs). Dieser wurde bei 33 der 43 verbauten Heizungsanlagen nach Angaben der Befragten durchgeführt. Nach der Förderrichtlinie BEG ist dieser Schritt, bei Gebäuden mit mindestens sechs Wohneinheiten unter bestimmten V oraussetzungen im Rahmen des Gebäudeenergiegesetzes verpflichtend. Eine zusätzliche Maßnahme kann der Einbau einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung sein, um Lüftungsverluste über die freie Fensterlüftung zu minimieren. Die Anzahl verbauter Lüftungsanlagen stieg von 11 auf 18. Wirtschaftliche Auswirkung der Sanierungsmaßnahmen Der Sanierungen befördernde Modernisierungskonvoi hat neben der ökologischen Wirkung auch wirtschaftliche Auswirkungen durch Steigerung der regionalen Wertschöpfung. So w urden 18 der 76 Sanierungsmaßnahmen durch Handwerksunternehmen aus dem Darmstädter Stadtgebiet durchgeführt , was in etwa einem Viertel der Sanierungen entspricht. Für weitere 48 Maßnahmen (65 %) wurden Handwerksunternehmen aus einem Umkreis von 30 km (exklusiv dem Darmstädter Stadtgebiet) beauftragt. Bei lediglich acht Umsetzungen (10 %) kamen die Handwerksunternehmen aus größeren Entfernungen. Bei insgesamt 46 der 76 Sanierungen an der Gebäudehülle wurden Fördermittel in Anspruch genommen (vgl. Abb. 4). Dies unterstreicht die Bedeutung als auch die Rezeption der Fördermittellandschaft. Insbesondere in Bezug auf die Investitionskosten wird die häufige Inanspruchnahme eines finanziellen Zuschusses verdeutlicht. Während bei Sanierungsmaßnahmen mit Invest itionskosten unter 10.000 € nur in 11 % der Fälle auf Bezuschussungen zurückgegriffen wurde, steigt diese Zahl mit zunehmenden Investitionen stetig an. So nehmen bereits 53 % der Eigentümer*innen mit Investitionskosten im Bereich zwischen 10.000 und 50.000 € Fördermittel in Anspruch, bei Sanierungsmaßnahmen mit einem Investitionsvolumen zwischen 50.000 und 200.000 € steigt dieser Prozentsatz auf über 80 % an. Bei den Maßnahmen mit Gesamtkosten über 200.000 € haben alle Teilnehmenden Fördermittel beansprucht. 7 Erkennbare Muster bei Sanierungsmaßnahmen In Abbildung 5 wird die Gesamtheit aller Sanierungsmaßnahmen dargestellt und die Korrelation der einzelnen Maßnahmen zueinander untersucht. Dadurch lassen sich Rückschlüsse auf häufig vorkommende Kombinationen ziehen. Dies ist insofern spannend, als das s sehr häufige Ko mbinationen auch für die Beratung als besonders empfehlenswert aufgenommen werden kön nen, um evtl. die Umsetzungswahrscheinlichkeit zu steigern. In diese Auswertung flossen nicht nur Aussagen zu den bereits durchgeführten Sanierungsmaßnahmen ein, sondern darüber hinaus auch geplante Maßnahmen in den folgenden zwei Jahren. Es ist deutlich zu erkennen, dass mit insgesamt 43 Umsetzungen an erster Stelle der direkte Heizungstausch ohne weitere Sanierungsmaßnahmen an der Gebäudehülle steht. Dies ist primär der F all, wenn es sich um eine Erneuerung de r fossilen Kessel handelt, wohingegen bei einer Umrüstung auf eine Versorgung mit einer Wärmepumpe oftmals weitere Maßnahmen an der Gebäudehülle für einen wirtschaftlichen Betrieb nötig bzw. sinnvoll sind. Hier ist die Kombination in Verbindung mit einem Fenstertausch an sieben Wohngebäuden am häufigsten zu beobachten, aber auch ohne einen Heizungswechsel haben sich fünf Eigentümer*innen dazu entschieden, ausschließlich die Fenster zu tauschen. Eine Dämmmaßnahme am oberen Gebäudeabschluss (Dach oder oberste Geschossdecke) ohne weitere Maßnahmen ist an sechs Wohngebäuden zu beobachten . Ähnliches gilt für drei Eigentümer*innen, welche lediglich den unteren Gebäudeabschluss (Kellerdecke, -boden und/oder Fußboden) dämmten. Darüber hinaus ist anzumerken, dass es insgesamt fünf Gebäude gibt, welche an allen fünf Gewerken eine Sanierungsmaßnahme erfuhren . Diese bilden unter der V oraussetzung, dass die ne ue Heizungsanlage auf regenerativen Energieträgern basiert, den Ideal-Zustand eines sanierten Bestandsgebäudes ab. Der Standardfall ist allerdings, dass bereits einzelne Komponenten erneuert wurden bzw. die verschiedenen Bauteile nicht gleichzeitig das Ende ihrer Lebensdauer erreichen und ausgetauscht werden müssen. Abgesehen von diesen hervorstechenden Kombinationen ist kein eindeutiger Trend zu erkennen. Eine Vereinheitlichung und Pauschalisierung von Handlungsempfehlungen auszusprechen, ist daher in diesem Rahmen nicht möglich. Dies ist unter anderem durch die individuelle Ausgangslage des Wohngebäudes als auch der Eigentümer*innen bedingt. Je mehr Sanierungsmaßnahmen getätigt werden, desto mehr Investitionskosten fallen an, daher müssen in den meisten Fällen abwägende Entscheidungen getroffen werden. Abbildung 4: Anteil der Haushalte, die Fördermittel in Anspruch nehmen im Verhältnis zum Investitionsvolumen der Maßnahmen 8 Diskussion in Bezug auf die Sanierungsquote Mit dem Modernisierungskonvoi möchte die Wissenschaftsstadt Darmstadt zur Erreichung der Zielsetzungen aus dem Klimaschutzplan 2035 durch verstärkte Sanierungstätigkeiten im privaten Wohngebäudebereich beitragen. Die CO2-Einsparungen im Kontext von Gebäuden, deren Eigentümerinnen und Eigentümer beraten wurden, wurde seit Einführung des Modernisierungskonvois auf über 10.000 t CO2 ausgewiesen. Spannend ist die Frage, ob durch den Modernisierungskonvoi wirklich mehr und tiefgreifendere Sanierungen umgesetzt wurden und werden. Eine Möglichkeit hierzu ist die Einordnung hinsichtlich der Sanierungsquote der Wohngebäude der Teilnehmenden im Vergleich zu Kennzahlen bezogen auf den allgemeinen Wohngebäudebestand auf Bundesebene. Eine Definition der Sanierungsrate oder -quote ist jedoch sehr uneinheitlich, da es keine offizielle Definition und daneben auch keine durchgehende Erfassung von erfolgten Sanierungsmaßnahmen gibt. Der Bundesverband energetische Gebäudehülle betrachtet die Sanierungsrate in de n durch das B+L Marktdaten beauftragten Studien als die sanierten Flächenanteile der Hüllbauteile und ermittelt hieraus eine Sanierungsquote von 0,67 % für das Jahr 2025. In der kommunalen Wärmeplanung der Wissenschaftsstadt Darmstadt wurde für das Zielszenario 2045 von einer Sanierungsrate von 2 % auf das Nivea Effizienzhaus 70 (EH70) ausgegangen. Im Folgenden werden verschiedene Ansätze zur Ableitung einer Sanierungsrate aus den Umfragedaten abgeleitet: Der Anteil an beratenen Haushalten, in denen mindestens eine Maßnahme umgesetzt wurde liegt bei 36 %. Diese Zahl ist aus mehreren Gründen deutlich über der real vorliegenden Sanierungsrate: Es ist zu erwarten, dass die Darmstädter Eigentümer*innen, die am Modernisierungskonvoi teilnehmen sich bereits mit ihren Gebäuden und möglichen Sanierungsmaßnahmen beschäftigt haben. Weiter beziehen sich die Sanierungen auf den gesamten Zeitraum seit Beginn des Modernisierungskonvois und nicht nur auf ein Jahr. Außerdem trägt j ede einzelne Maßnahme nur anteilig zur Sanierung bei, es handelt sich also nicht um V ollsanierungen. Werden nur vollständige Sanierungen in einem Schritt berücksichtigt, in der Umfrage waren dies 5 , so liegt die Quote bei 2,3 % liegen. Eine realistischere Zahl erhält man durch die Betrachtung und Einbeziehung aller Sanierungsmaßnahmen an der Gebäudehülle. Ein Ansatz hier ist, die verschiedenen Bauteile nach ihren typischen Anteilen der Energieverluste zu gewichten und entsprechend zu summieren . So werden beispielsweise die Außenwände mit 30 % Anteil der Verluste über die Außenfläche mit 0,3 gewichtet. Die Summe aller erfolgten Sanierungsmaßnahmen ergibt so ein äquivalent von 29,3 Gesamtsanierungen. Bezogen auf alle beratenen Haushalte ergibt sich so eine Quote für äquivalente V ollsanierungen von 13,8 % bezogenen auf die beratenen Haushalte seit Beginn des Modernisierungskonvois aus der Umfrage. Eine andere Frage ist die nach der jährlichen Reduktion von CO2-Emissionen. Aus Energiebilanzberechnungen für die sanierten Gebäude wurde mit baualterstypischen Annahmen im Vergleich zum Zustand vor de n Sanierungen jährlichen Emission sreduktionen um ca. 8 % abgeschätzt. Die kumulierte jährliche Einsparung durch einen Heizungstausch liegt insgesamt bei mindestens 4 %. Abbildung 5: Korrelation der einzelnen Sanierungsmaßnahmen untereinander 9 Zusammenfassend ist zu vermerken, dass der Modernisierungskonvoi eine positive Auswirkung auf die Rate der durchgeführten Sanierungsmaßnahmen an Wohngebäuden aufweist . Wie groß diese jedoch genau ausfällt, ist aufgrund der nicht gegebenen Vergleichbarkeit nicht zu ermitteln, wurde auch nicht erwartet. Grundsätzlich ist anzumerken, dass die Teilnehmer der Umfrage vermutlich nicht vollumfänglich repräsentativ für die Gesamtheit der Wohngebäudeeigentümer*innen stehen: Zum einen ist davon auszugehen, dass die Personen, welche sich zum Modernisierungskonvoi anmelden ein erhöhtes Interesse am Sanierungsthema aufzeigen oder bereits konkrete V orstellungen haben und dazu lediglich eine unabhängige Meinung einholen wollen. Ähnliches gilt für die Teilnahme an der Umfrage selbst, hier tendieren eventuell aktiv gewordene Eigentümer*innen eher dazu, dies kundzutun, als diejenigen, die keine Maßnahmen umgesetzt haben. Ausblick V om Wohngebäudebestand mit 23.015 Wohngebäuden (Stand 2023) in der Wissenschaftsstadt Darmstadt wurden bereits 2. 493 (10,8 %) im Rahmen des Modernisi erungskonvoi beraten . Trotz der sehr beachtlichen Zahl durchgeführter Beratungen besteht damit weiterhin ein hohes Potenzial hinsichtlich der Initialberatung als Grundlage und Anreiz für Sanierungsmaßnahmen am Wohngebäudebestand . Diese Aussage wird durch den Umstand unterstrichen, dass die Anmeldungen für den Modernisierungskonvoi 2025 durch das postalisch versendete Anschreiben an alle Eigentümer*innen von Wohngebäuden im Stadtgebiet Eberstadt einen enormen Anstieg verzeichnen konnten. Darüber hinaus ist die Auffassung der Beratungsdienstleistung durch das maßgeblich positive Meinungsbild der Teilnehmenden als sehr gut zu bewerten. Die vier Säulen des Prozesses (Auftaktveranstaltung, Anmeldeprozess, V or-Ort-Beratungsgespräch und Gebäudebericht) wurden von mindestens 89 % der Teilnehmenden als neutral bis positiv bewertet. Gerade im Hinblick auf die oftmals sehr unterschiedlichen Anforderungen und Erwartungshaltungen der Bürger*innen an den Modernisierungskonvoi im Kontext des teils stark belasteten Themas der Gebäudesanierung ist dies umso positiver zu bewerten. Überraschend hoch ist die dem Modernisierungskonvoi zurechenbare Zahl an installierten Wärmepumpen. Die Quote der Gebäude, welche zum aktuellen Zeitpunkt eine Wärmepumpe in Betrieb haben beträgt im Datensatz der Befragung 10,3 %. Im Vergleich dazu geht die KfW in einer Studie nur von circa 5 % im gesamten bundesweiten Gebäudebestand, inkl. des Neubaus aus. Ein Plus für d ie Teilnehmenden des Modernisierungskonvois von über fünf Prozentpunkten, unter anderem bedingt durch die Beratung, welche hier ihre deutliche Wirkung zeigt. Die Erkenntnis, dass keine eindeutigen Muster für die verschiedenen Kombinationen der d urchgeführten Sanierungsmaßnahmen zu erkennen sind, bestätigt die Bedeutung des individuellen Beratungsansatzes des Modernisierungskonvois umso mehr. Eigentümer*innen von Wohngebäuden können nicht anhand einzelner Kennzahlen der Gebäudehülle und der Anlagentechnik fund ierte Entscheidungsgrundlagen für kostenintensive und aufwendige Sanierungsmaßnahmen treffen. Dank der hohen Anzahl an Rückmeldungen der Teilnehmenden konnte aufgezeigt werden, welche enorm wichtige Rolle der Modernisierungskonvoi durch die Beratung und Aufklärung im städtischen Ziel des Klimaschutzes und -neutralität einnimmt. Diese Arbeit leistet einen empirisch fundierten Beitrag zum Verständnis der Wirksamkeit dieses kommunalen Energieberatungsprogramms und zeigt auf, dass durch gezielte Informations - und Beratungsangebote das Sanierungsverhalten positiv und nachhaltig beeinflusst wird und damit ein relevanter Beitrag zur Erreichung der städtischen Klimaschutzziele geleistet wird.
2026/0170
7065 Zeichen
Magistratsvorlage
Eingang Magistrats -
geschäftsstelle:
10.06.2026
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat III an die Stadtverordnetenversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss -
fassung Fachausschuss
Dezernat IV
Amt: Amt für
Klimaschutz und
Klimaanpassung
OBW bei abschl.
Beschlussfassung Magistrat
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
Verteiler:
Ja
Nein
Vorlage-Nr. 2026/0170
Magistratsbeschluss -Nr.
Internetfähig
Produkt-Nr.: 561010
Kostenstelle: 069-000-1000 Investitionsnummer:
Kostenträger: 5610-42 Sachkonto: 6179205
Betreff: Evaluation und Fortführung Modernisierungskonvoi
Vorlage vom: 13.05.2026
Beschlussvorschlag :
1. Die Evaluation des Modernisierungskonvois im Rahmen einer Masterarbeit wird
zur Kenntnis genommen.
2. Die Fortführung und Erweiterung des Modernisierungskonvois der
Wissenschaftsstadt Darmstadt wird beschlossen.
Anlagen: Anlage 1 Kostenschätzung Neuvergabe Modernisierungskonvoi
Anlage 2 Masterthesis Modernisierungskonvoi (Kurzfassung)
Datenschutzrelevante Anlage:
Folgekosten: Ja Nein
- 2 -
Zusätzlich für alle Vorlagen aus dem Bereich des Hochbaus anzugeben:
Klimarelevanz des Vorhabens:
Auswirkungen auf Stadtklima: ja nein
Auswirkungen auf THG -Emissionen: gering1) mittel/groß 2)
Beteiligung Amt f. Klimaschutz & Klimaanpassung: ja nein
Zusätzlich bei Beschlüssen zur Baufreigabe:
Wurden Optimierungspotentiale ausgeschöpft? ja nein
Falls nein, Kompensationsmaßnahmen festgelegt? ja nein
1) bis 10 Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente (CO2e) pro Jahr, 2) über 10 Tonnen CO2e pro Jahr.
Beschluss des Magistrats vom
- 3 -
Begründung zur Magistratsvorlage vom 13.05.2026
1. Hintergrund
Seit 2016 bietet die Stadt im Rahmen des Modernisierungskonvois kostenfreie Beratungen
für private Eigentümerinnen und Eigentümer von Wohngebäuden an. Das niederschwellige,
umfangreiche und individuelle Angebot hat zum Ziel, Eigentümer*innen zur Entscheidung und
Umsetzung weiterführender Sanierungsschritte zu befähigen, die energetische
Modernisierung des Gebäudebestands in Darmstadt voranzubringen und so die kommunalen
Klimaschutzziele und kommunale Wärmeplanung im Gebäudebereich zu erreichen. Zur
Ansprache der Zielgruppe werden in jährlich wechselnden Schwerpunktquartieren
Auftaktveranstaltungen durchgeführt, zu denen die Gebäudeeigentümer*innen per
Anschreiben eingeladen werden. Seit 2021 sind Anmeldungen zu den Beratungen stadtweit –
also über die explizit angesprochenen Quartiere hinaus – möglich. Bis heute wurden bisher
im Rahmen des Modernisierungskonvois über 2.500 Beratungen durchgeführt.
Die kostenlose Initialberatung basiert auf einer Gebäudebegehung durch zertifizierte
Energieeffizienz-Expertinnen und -Experten, die den energetischen Zustand, die Heiztechnik
und Sanierungsbedarf erfassen. Anschließend erarbeiten sie Modernisierungsempfehlungen
für Gebäudehülle und -technik und weisen auf Fördermöglichkeiten hin. In einem schriftlichen
Bericht werden Eigentümer*innen umfassend informiert. Inhaltlich wurde das
Beratungsrepertoire 2022 um die Themen nachhaltige Baustoffe, Solarenergie und
Gebäudebegrünung ergänzt und die Beratenden demensprechend geschult.
2. Evaluierung des Modernisierungskonvois
Im Sommer 2025 fand eine Online -Evaluierung des Modernisierungskonvois in
Zusammenarbeit mit der Hochschule Darmstadt statt (Magistratsvorlage 2025/0194). Die
Onlineumfrage wurde von insgesamt 299 Personen ausgefüllt, von welchen 213 in der
Vergangenheit bereits eine Beratung im Rahmen des Modernisierungskonvois in Anspruch
genommen hatten . Die Einschätzung des Beratungsangebots war überwiegend positiv und
wurde für die einzelnen Bestandteile von 89 % und mehr als neutral bis sehr positiv
bewertet. 77 % bewerteten das Angebot positiv und sogar 83 % der Befragten gaben an, das
städtische Ang ebot weiterzuempfehlen.
Die positive Wirkung der Beratung zeigt sich unter anderem an dem Abbau von
Befürchtungen und Hürden im Zusammenhang mit der Umsetzung von Sanierungs -
maßnahmen. Im Anschluss an 52 % der Beratungen wurde mindestens eine
Sanierungsmaßnahme bzw. Austausch des Wärmeerzeugers umgesetzt bzw. befindet sich in
Umsetzung. Hochgerechnet auf alle Beratungen seit der Einführung 2016 ergab sich eine
Einsparung von über 10.000 t CO 2-Emissionen.
Die Evaluation hat gezeigt, dass d er Modernisierun gskonvoi ein attraktives und
niedrigschwelliges Beratungsangebot ist, welches Darmstädter Bürgerinnen und Bürger bei
der zielgerichteten Umsetzung von Sanierungsmaßnahmen unterstützt . Dadurch werden
nicht zuletzt auch Impulse für das lokale Handwerk gesetz t und die lokale Wertschöpfung
erhöht, wie die Umfrage bestätigen konnte. Die weiter starke Nachfrage und hohe
Zufriedenheit auch in 2025 und 2026 unterstreicht den Erfolg der quartiersorientierten
Öffentlichkeitsarbeit und des bedarfsorientierten Beratung sansatzes (s. MagV 2026/0143
„Bericht zum Modernisierungskonvoi 2025“).
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3. Fortsetzung und Erweiterung des Modernisierungskonvois
Im Kontext der kommunalen Wärmeplanung und der zur Zielerreichung notwendigen
energetischen Sanierung des Gebäudebestandes sowie zur Erreichung der Klimaschutzziele
in Darmstadt stellt der Modernisierungskonvoi ein wichtiges unterstützendes Angebot für die
Darmstädter Bürgerschaft dar.
Der aktuelle Auftrag zur Durchführung des Modernisierungskonvois läuft Mitte 2026 aus. Das
bestehende erfolgreiche Angebot soll fortgeführt und zusätzlich ausgeweitet werden, um
Beratungslücken zu schließen. Insbesondere soll ein vertiefendes Angebot für
Wohneigentümergemeinschaften (WEGs) geschaffen werden , welches den be sonders großen
Hürden zur energetischen Sanierung aufgrund von komplexen Entscheidungsprozessen und
Eigentümerstrukturen sowie anderer Anlagentechnik Rechnung trägt. Es ist angedacht für
WEGs zusätzlich zur Initialberatung weitere Bausteine wie Vorabgesprä che mit Beiräten und
Verwaltern, Variantengegenüberstellungen und Ergebnisvorstellungen in
Wohnungseigentümerversammlungen vorzusehen. Diese sollen dann nach Absprache genutzt
werden.
4. Zeitplan
Die Durchführung des Modernisierungskonvois soll für einen Zeitraum von zwei Jahren
ausgeschrieben werden. Die hierfür ermittelten Kosten sind der datenschutzrelevanten
Anlage 1 zu entnehmen. Die Ausschreibung soll zeitnah nach Beschlussfassung erfolgen.
Durch die gesetzlichen Fristen ist eine Fortführung des Beratungsanagebots nicht vor
September 2026 möglich.
5. Finanzen
Die notwendigen Mittel stehen ohne Aufplanung bei Fortschreibung des Haushaltsansatzes
unter der Kostenstelle 069-000-1000, Kostenträger 5610-42 auf dem Sachkonto 6179205
zur Verfügung.
Dezernat III Dezernat IV
Michael Kolmer André Schellenberg
Stadtrat Stadtkämmerer
Beratungsverlauf (2)
Details
- Vorlagen-Nr.
- 2026/0170
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 13.05.2026
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00