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A-R/0051/2017

Ein öffentliches Leihrad-System für Münster

Antrag an den Rat 04.07.2017

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a-r-0051-2017-Leihrad-System

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a-r-0051-2017-Leihrad-System

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Antrag an den Rat Nr. A-R/0051/2017 
 
 
 
 
Bündnis 90/Die Grünen/GAL CDU 
Ratsfraktion Münster Ratsfraktion Münster 
 
Ratsantrag 
Ein öffentliches Leihrad-System für Münster 
  
 
Der Rat der Stadt Münster möge beschließen: 
 
  
I.  Der Rat nimmt zur Kenntnis, dass angesichts einer wachsenden Stadt samt mitwachsendem 
Mobilitätsbedürfnis und von über 100.000 Pendlern je Tag nach Münster der urbane Radverkehr ein 
wesentlicher Baustein für die Abwicklung von Verkehren ist, dessen Rahmenbedingungen 
umfassend weiter zu verbessern sind.   
II.  Die Verwaltung wird beauftragt, im Stadtgebiet der Stadt Münster als einen weiteren 
Baustein eines intermodularen Systems (s. eigener Antrag) für die Stärkung einer umweltgerechten 
Mobilität ein Leihrad-System nach dem Vorbild und Auswertung der Systeme Velib(Paris), Citybike 
(Wien) und MeinRad (Mainz) sowie der in der Begründung aufgeführten Projektskizze zu prüfen und 
zu entwickeln. 
  
Begründung und Projektskizze:  
  
1.  Allgemeines 
 Münster ist die Fahrradhauptstadt Deutschlands. Es  ist das Bestreben dieses Antrags, mit dem 
neuen Leihrad-System diesen Anspruch zu untermauern und Münsters Mobilität fit für die 
Zukunft zu machen.  
 Die Einrichtung eines frei verfügbaren öffentliche n Leihrad-Systems stellt dabei heute einen 
unabdingbaren Bestandteil moderner, dezentraler Verkehrsplanungen für Großstädte dar.  
 Im Jahr 2017 kommen gem. Pendlerstatistik NRW vora ussichtlich erstmals 100.000 Pendler / Tag 
nach Münster. Gleichzeitig hat Münster die geringste Auspendlerquote unter den Städten in 
NRW.  
 Ebenso entwickelt sich Münster als wachsende Unive rsitäts-, Kongress- und Messe-Stadt und 
erlebt eine steigende Attraktivität bei Touristen. Die Zahl der Übernachtungen stieg zuletzt auf 
über 600.000 pro Jahr.  
 Zusammen mit dem Wachstum auf über 300.000 Einwohn er führt dies zu einer erheblichen 
Verkehrsbelastung in unserer Stadt.  
 Eine signifikante Entlastung ist kurzfristig nur d urch Einführung alternativer Verkehrssysteme zu 
erreichen.

Bündnis 90/Die Grünen/GAL CDU 
Ratsfraktion Münster Ratsfraktion Münster 
 
 Ziel des neuen Leihrad-Systems ist es daher, den P endlern und Besuchern Münsters sowie auch 
den Bürgerinnen und Bürgern Münsters zu ermöglichen, Kurzstrecken oder die "letzte Meile" 
von Bahnhaltepunkten, Bushaltestellen oder Parkplätzen an Einfahrtstraßen mithilfe eines frei 
verfügbaren Leihrads zurück zu legen. 
 
 Den Antragstellern ist dabei bewusst, dass die Ein führung dieses Systems in Münster eine 
erhebliche Anstrengung bedeutet, die sowohl das Stadtbild prägen als auch das 
Verkehrsverhalten der Münsteraner beeinflussen wird.  
 Die Einführung des frei verfügbaren Leihrad-System s wird als daher auch als städtischer Beitrag 
auf dem Weg zum umweltverträglichen Individual-Verkehr in Münster gesehen.  
 Unter diesen Umständen ist davon auszugehen, dass eine erfolgsversprechende Einführung 
dieses Systems zumindest vorerst nicht haushaltsneutral erfolgen wird und entsprechende noch 
zu beziffernde Haushaltsmittel im Haushalt 2018 bereitgestellt werden müssen.  
 Im Gegenzug bedeutet die Einführung dieses Systems  einen erheblichen Image-Gewinn für 
Münster.  
  
2.  Beschreibung 
 Das neue System stellt eine Dienstleistung für die  Bürgerinnen und Bürger sowie Besucher der 
Stadt Münster dar.  
 Zugang zum System erhält der Nutzer durch eine kos tenpflichtige einmalige Anmeldung als 
Tages- o. Wochennutzer (z.B. für Touristen) oder durch den Kauf einer Abonnement-Karte 
(Monatskarte / Jahreskarte).  
 Es muss möglich sein, sowohl über die App als auch  an jedem einzelnen Terminal diesen Zugang 
zum System zu erhalten. Die entsprechende Stromversorgung für Kreditkartennutzung an jeder 
Station ist daher einzurichten.  
 Die Nutzung der ersten 30 Minuten ist dann kostenl os! Mieten fallen erst ab einer darüber hinaus 
gehenden Nutzung zeitabhängig an.  
 Nutzer werden so angehalten, das Leihrad am Ziel u mgehend wieder in einer Station zu parken 
und somit den Leihvorgang zu beenden. So wird ein hoher Umschlag je Rad und Tag erreicht, 
der die Gesamtkosten des Systems minimiert und im Gegenzug die ständige Verfügbarkeit von 
Rädern an den Stationen gewährleistet.  
 Damit an jeder Station ständig ausreichend Räder z ur Verfügung stehen, erfolgt ggfs. ein 
ständiger Mengenausgleich durch die Betriebsgesellschaft. Die Steuerung dieser Logistik erfolgt 
über die entsprechende Betriebs-Software.  
 Die Betriebsgesellschaft betreibt weiterhin eine W artungswerkstatt für die ständige Kontrolle 
und Reparatur der Räder.  
 Für die Startphase wird ein System von ca. 150 Sta tionen mit ca. 1500 Rädern innerhalb des 
ersten Tangentenrings, an Bahnhaltepunkten und Pendlerparkplätzen (Park&Ride) an den 
zentralen Einfallstraßen der Stadt sowie in jedem Stadtteil eingerichtet.

Bündnis 90/Die Grünen/GAL CDU 
Ratsfraktion Münster Ratsfraktion Münster 
 
  
 
3.  Grundsätze und Gestaltungsmerkmale 
 Maßgeblich für den Erfolg des Systems sind folgend e Eckpunkte:  
1.  Ausbildung als Fix-System:  Bei diesem System werden die Leihräder fest in einzelne, 
einfundamentierte Haltekonsolen an Stationen eingehakt und verankert. Die höheren 
Anfangsinvestitionen führen später zu geringeren Folgekosten. Weiterhin bestehen hier 
erhebliche Vorteile bzgl. Service, Wartung, Vandalismus u. Diebstahl, den Ausleih- u. 
Rückgabevorgang sowie bei der gestalterischen Eingliederung in das Stadtbild. Nur durch ein 
Fix-System ist darüber hinaus eine Erweiterung auf E-Bikes möglich. Möglichkeiten eines Flexi-
Systems sind zudem darzustellen inklusiv Vor- und Nachteile beider Systeme. 
  
2.  Einfache Ausleihe:  An jeder Station ist zwingend ein mehrsprachiges Terminal vorzusehen, an 
dem auch Erstkunden z.B. per Kreditkartenkauf Tickets erhalten können. Ziel ist eine einfache, 
unkomplizierte Nutzung des Systems. Die entsprechende Stromversorgung für die Terminals ist 
vorzusehen. Dauer-Abo-Karten werden am Terminal, per Internet oder an eigenen 
Verkaufsstellen (z.B. Bahnhof / Busbahnhof / Fahrrad-Station) verkauft.  
 
3.  Ständige Verfügbarkeit:  Diese ist durch den Betreiber durch eine entsprechende Organisation 
zu garantieren. Hierzu gehört ein Mengenausgleich auf Grundlage der durch eine entsprechende 
Software übermittelten Ausleihdaten sowie eine ständige Wartung und Reparatur der Räder.  
 
4.  Hohe Qualität der Leihräder: Es werden Räder von sehr hoher Qualität nach der Vorlage des 
Systems MeinRad in Mainz angeschafft (Unisex-Rad, z.B. Radhersteller Simpel / Schaltung 
Novinci o. glw. Kosten in Mainz = ca. 800 Euro netto / Rad). Dies ist aufgrund des hohen 
Umschlags je Rad erforderlich, der bei bis zu 800 Fahrten im Jahr auch eine entsprechende 
Anzahl an Entleih- und Rückgabe-Vorgängen mit sich bringt.  
 
5.  Schnelle Erreichbarkeit der nächsten Station:  Ein Höchstabstand von  
300 m zwischen zwei Stationen zumindest im Kernbereich ist Vorgabe für die Planung, unter 
Berücksichtigung von besonders häufig frequentierten Orten im Stadtgebiet. Insbesondere 
Parkhäuser, Parkplätze an Eingangsstraßen, Bahnhöfe, Bushaltestellen sowie größere 
Arbeitgeber sind zu erschließen. 
 
6.  App-gesteuertes Auffinden der Stationen:  Notwendiger Erfolgsfaktor des zu erstellenden 
Leihrad-Systems ist eine perfekt funktionierende und die Nutzer ansprechende, mehrsprachige 
App! Diese ist als eigenständige App unter dem Markennamen des Leihrad-Systems für alle 
gängigen Smart-Phone-Betriebssysteme verfügbar. Sie leitet Nutzer zur nächsten Station und 
gibt jederzeit die verfügbaren Räder je Station an. Darüber hinaus ist eine Integration der App in 
die Fahrplan-App der Stadtwerke notwendig, zur optimalen Ergänzung der Nutzung öffentlicher 
Verkehrsmittel. 
 
7.  Einheitliches Design mit eigenständiger Marke:  Insbesondere das Design der Terminals und 
der Konsolen und Räder sowie die Pflasterungen der Stationen muss aufeinander abgestimmt 
werden und fügt sich hochwertig in das Stadtbild ein. Durch den Aufbau einer eigenständigen

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Marke für das Leihrad-System mit einem identitätsstiftenden, internationalen Namen wird eine 
schnelle Verbreitung garantiert.  
 
4.  Organisation / Betreiber / Förderverein 
     Die Entwicklung des Leihrad-Systems, die Festl egung der Standorte und Planung der späteren 
Stationen sowie die Oberleitung des späteren Betriebs im gesamten Stadtgebiet unterliegt dem 
Dezernat für Planung, Bau, Wirtschaft und Marketing. 
 
     
    Für das Projekt Leihrad ist ein verantwortliche r Projektleiter zu benennen.  
  
    In einem ersten Schritt ist zu prüfen, ob eine Eigenentwicklung im Konzern der Stadt Münster 
(System Mainz) oder eine Fremdvergabe per Ausschreibung (System Wien / Paris) erfolgen soll.  
  
     Für den Fall des Eigenbetriebs ist eine entspr echende städtische Betriebsgesellschaft für 
Entwicklung und den späteren Betrieb zu gründen.  
  
     In diesem Fall ist auch zu prüfen, ob eine kom plette Übernahme des städtischen Systems in 
Mainz für Münster in Frage kommt und möglich ist (inkl. Fahrrad, App, Logistik, 
Steuerungssoftware etc.).  
  
     Darüber hinaus könnte ein noch zu gründender F örderverein die externe Qualitätskontrolle 
betreiben und Sponsoren-Gelder einwerben. Mitglieder des Vereins erhalten dann für ihren 
Mitgliedsbeitrag ein Jahres-Abonnement.  
     Als städtische Träger des Systems kommen folge nde städtischen Gesellschaften in Betracht: 
 
• Stadtwerke  
• Westfälische Bauindustrie  
  
5.  Finanzierung 
  
1.  Die Finanzierung des Systems könnte über die o.a. Gebühren (Tages- o. Wochenticket sowie 
Monats- oder Jahres-Abo) sowie über die Mietkosten der Räder erfolgen. 
 
2.  Es wird zur Kenntnis genommen, dass zurzeit jede einzelne Fahrt mit den ÖPNV einer 
Bezuschussung unterliegt. Eine vergleichbare Bezuschussung je Fahrt mit dem Leihrad wird 
daher grundsätzlich zur Finanzierung des Systems akzeptiert. 
 
3.  Darüber hinaus soll eine Mitfinanzierung durch Werbung und Sponsoring angestrebt werden.  
 Hierbei kommen sowohl die Vergabe von Werbelizenze n an den Betreiber (wie z.B. beim 
System Velib der Fa. Decaux in Paris) als auch Werbung direkt auf den Rädern oder auf den 
Stationen in Betracht. 
 
 Eine Teilfinanzierung des Systems kann über Sponso ren erfolgen, die den Kaufpreis einzelner 
oder mehrerer Räder spenden oder die Kosten für deren Wartung für eine bestimmte Zeit 
übernehmen. Im Gegenzug erhalten diese auf Wunsch kleine Werbeflächen an den 
Radverkleidungen der Hinterräder. Grundlegend hierfür ist, dass die Werbung nicht die Optik 
des Fahrrads bestimmt.

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Ratsfraktion Münster Ratsfraktion Münster 
 
 
4.  Teil-Finanzierung über Semesterticket und Plus-Card-Inhaber: Seit über 20 Jahren besteht in 
Münster für alle Studenten die Pflicht zum Kauf eines Semestertickets zur Nutzung der 
öffentlichen Verkehrsmittel. Ziel ist es nicht, den Betrag des Semestertickets signifikant zu 
erhöhen. 
 
 Im Rahmen der Planungen sind Verhandlungen mit den  studentischen Vertretungen der 
münsterschen Hochschulen aufzunehmen mit dem Ziel, einen Teilbeitrag von den ca. 60.000 
Studenten in Höhe eines Jahres-Abonnements für die Finanzierung des Systems zu 
übernehmen. 
 
 Darüber hinaus ist das Leihrad-System in das Angeb ot der Stadtwerke Plus-Card zu integrieren. 
 
5.  Teil-Finanzierung über öffentliche Mittel: Ein Teil der Anfangs-Investition wird über öffentliche 
Fördermittel finanziert, die hierfür bei Land und Bund oder EU-Ebene zur Verfügung stehen.  
 Es sei in diesem Zusammenhang auf ca. 1,8 Mio. € F örderung hingewiesen, die der Bund bspw. 
zum System MeinRad in Mainz beigesteuert hat. 
 
6.  Die Finanzierung der Erstellung der Stationen der Räder erfolgt über die Stellplatz-Abgaben-
Rücklage der Stadt Münster. Die Flächen werden der Betriebsgesellschaft von der Stadt 
Münster kostenlos für die Dauer des Betriebs zur Verfügung gestellt . 
  
 
 
Münster, 04.07.2017  
 
 
 
gez. Stefan Weber gez. Otto Reiners  
und Fraktion und Fraktion

Beratungsverlauf (1)

12.07.2017 Rat
TOP 45.17 Antrag Entscheidung

Beschluss: verwiesen

Zur Sitzung

Details

Aktenzeichen
A-R/0051/2017
Typ
Antrag an den Rat
Datum
04.07.2017
Erstellt
06.10.2020 14:37