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Einkommensverteilung in Köln - Ergebnisse der Strukturdatenerhebung 2023

Mitteilung Ausschuss 0446/2024 vom 20.02.2024

Stand: Am 14.03.2024 im Stadtentwicklungsausschuss beraten. Ergebnis: Kenntnis genommen.

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    Dezernat, Dienststelle IX/153/1 Vorlagen-Nummer 20.02.2024 0446/2024 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Wirtschaftsausschuss 29.02.2024 Ausschuss für Soziales, Seniorinnen und Senioren 29.02.2024 Stadtentwicklungsausschuss 14.03.2024 Einkommensverteilung in Köln - Ergebnisse der Strukturdatenerhebung 2023 Die Auswertung der im Sommer 2023 durchgeführten repräsentativen Strukturdatenerhebung liefert Informationen über die Einkommensverhältnisse der Kölner Haushalte: Neun Prozent der Haushalte gehören zu den Vermögendsten, während 24 % der Haushalte in Köln armuts- gefährdet sind. Als armutsgefährdet gilt ein Kölner Haushalt dann, wenn er mit einem Netto- Äquivalenzeinkommen von weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens aller Haushalte in Köln auskommen muss: Das mittlere Einkommen liegt in Köln bei 2 119 Euro (Median- Wert). Das Nettoäquivalenzeinkommen ist abhängig von der Zusammensetzung des Haushal- tes und wird herangezogen, um den Einfluss variierender Haushaltsgrößen und Einkommens- beiträge zum Haushaltseinkommen zu korrigieren und Vergleichbarkeit herzustellen. 1 Einkommensschichten Kölner Haushalte (in%) Quelle: Stadt Köln – Amt für Stadtentwicklung und Statistik; „Strukturdatenerhebung 2023“ 1 Details zum Konzept der Messung relativer Armut werden auf der Homepage des Bundesamtes für Statistik er- läutert: https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft -Umwelt/Einkommen-Konsum-Lebensbedingungen/Le- bensbedingungen -Armutsgefaehrdung/_inhalt.html 24 13 26 28 9 armutsgefährdete Haushalte = weniger als 60 % des Einkommensmedians reiche Haushalte = 200 % des Einkommensmedians und mehr Haushalte der unteren Mittelschicht (60 bis unter 80 % des Einkommensmedians) Haushalte der oberen Mittelschicht (120 bis unter 200 % des Einkommensmedians) Haushalte der mittleren Mittelschicht (80 bis unter 120 % des Einkommensmedians) 2 Während Kölner Haushalte insgesamt im Durchschnitt ein monatliches Nettoeinkommen von 3 208 Euro zum Leben zur Verfügung haben, müssen Haushalte in den Stadtteilen Finkenberg und Chorweiler mit nur etwas mehr als der Hälfte davon auskommen. In Chorweiler und Finkenberg, aber auch in Seeberg, Lindweiler, Godorf und Ostheim ist jeweils über die Hälfte der Haushalte gemäß der oben genannten Definition von Armut bedroht. Paarhaushalte im Erwerbsalter bis 65 Jahre sind finanziell besonders gut aufgestellt und deutlich weniger als andere Haushaltstypen armutsgefährdet. Paare darunter ohne Kinder haben ein durchschnittliches Einkommen von 4 908 Euro – acht Prozent von ihnen sind armutsgefährdet. Sind minderjährige Kinder im Haushalt, steht den Paaren mit einem Einkommen von 5 379 Euro zwar etwas mehr Geld zur Verfügung – ihre Armutsgefährdung ist jedoch mit 13 Prozent spürbar höher als die der Paare ohne Kinder. Anteil armutsgefährdeter Kölner Haushalte nach Haushaltstyp (=Armutsgefährdungsquote) Quelle: Stadt Köln – Amt für Stadtentwicklung und Statistik; „Strukturdatenerhebung 2023“ Alleinerziehende sind besonders stark betroffen: Vier von zehn Alleinerziehendenhaushalten sind armutsgefährdet. Sie haben nicht nur halb so viel Geld zur Verfügung wie Haushalte mit beiden Elternteilen – ihr Risiko zu verarmen ist zudem zehnmal höher als das von Paarhaushalten mit Kindern. Alleinerziehende Mütter müssen im Schnitt mit 60 Prozent dessen auskommen, was ein alleinerziehender Vater hat: Daher sind alleinerziehende Mütter mit einer Quote von 42 Prozent deutlich häufiger armutsgefährdet als alleinerziehende Väter (19 %). Auch zeigt sich: Je mehr Kinder im Haushalt leben, desto höher ist das Armutsrisiko: Zwei Drittel der kinderreichen Alleinerziehendenhaushalte und ein Drittel der kinderreichen Paarhaushalte sind armutsgefährdet. Durchschnittliches monatliches Haushaltsnettoeinkommen (in Euro) und Armutsgef ährdungsquote (in %) der Kölner Familienhaushalte Quelle: Stadt Köln – Amt für Stadtentwicklung und Statistik; „Strukturdatenerhebung 2023“ 40 26 26 13 8 24 Alleinerziehendenhaushalte Seniorenhaushalte (alleinlebend oder Paare) Alleinlebende Paare mit Kind(ern) Paare ohne Kinder Armutsgefährdungsquote insgesamt 2 708 2 558 2 906 2 883 5 379 5 276 5 626 5 949 40 35 40 61 13 8 13 36 insgesamt mit 1 Kind mit 2 Kindern mit 3 oder mehr Kindern insgesamt mit 1 Kind mit 2 Kindern mit 3 oder mehr Kindern monatliches Haushaltsnettoeinkommen Armutsgefährdungsquote Alleinerziehendenhaushalte Paarhaushalte mit Kindern 3 Alleinlebende sind aufgrund fehlender haushaltsbezogener Einsparmöglichkeiten ebenfalls stärker als der Durchschnitt armutsgefährdet: Die Armutsgefährdung Alleinlebender im Erwerbsalter (18 bis 65 Jahre) beträgt 26 Prozent. Mit einer Quote von 64 Prozent sind junge Alleinlebende im Alter zwischen 18 und 24 Jahren weitaus gefährdeter, zu verarmen. Am stärksten betroffen sind alleinlebende Studierende: Mit einem durchschnittlichen monatlichen Haushaltsnettoeinkommen von 864 Euro sind 88 Prozent unter ihnen von Armut bedroht. Auch alleinlebende Menschen zwischen 65 und 80 Jahren haben ein erhöhtes Armutsrisiko: Mit einem durchschnittlichen Haushaltseinkommen von 1 975 Euro verfügen alleinlebende Senior*innen über ein geringeres Haushaltseinkommen als Paarhaushalte dieses Alters (3 465 Euro). Damit sind 30 Prozent der alleinlebenden Senior*innen armutsgefährdet, im Vergleich zu 17 Prozent der Paarhaushalte dieses Alters. Während somit die Haushalte von Alleinlebenden insgesamt, Alleinerziehenden, Paaren mit höherer Kinderzahl und alleinlebenden Senior*innen überdurchschnittlich armutsgefährdet sind und diese die Gruppe der armutsgefährdeten Haushalte deutlich prägen, sind in der Gruppe der einkommensreichen Haushalte vor allem Paarhaushalte ohne Kinder überdurchschnittlich vertreten – 30 Prozent im Vergleich zu sechs Prozent bei den armutsgefährdeten Haushalten. Aber auch Paarhaushalte mit Kindern sind unter den reichen Haushalten stärker vertreten. Die Ergebnisse werden ausführlich in der vorgelegten KSN 1/2024: Einkommensverteilung in Köln – Ergebnisse der Strukturdatenerhebung 2023 beschrieben und erläutert. Die Ergeb- nisse basieren auf der im Sommer 2023 durchgeführten Strukturdatenerhebung. Die reprä- sentative Befragung ermittelt planungs- und steuerungsrelevante Strukturinformationen, die aus im Verwaltungsvollzug und amtlich vorliegenden Daten nicht entnommen werden können, sondern aufwendig erhoben werden müssen. Dafür wurden im Mai und Juni 2023 in zwei Wel- len insgesamt 127 000 repräsentativ ausgewählte Kölnerinnen und Kölner angeschrieben und um Teilnahme an der Umfrage gebeten. Anlage Stadt Köln – Amt für Stadtentwicklung und Statistik (2024): Einkommensverteilung in Köln – Ergebnisse der Strukturdatenerhebung 2023. Kölner Statistische Nachrichten 1/2024. Gez. Haack
  • Strukturdatenerhebung Köln 2023 - Einkommensverteilung

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    Einkommensverteilung in Köln Ergebnisse der Strukturdatenerhebung 2023 Kölner Statistische Nachrichten 1/2024 2 Kölner Statistische Nachrichten 1/2024 – Einkommensverteilung in Köln Zusammenfassung Soziale Ungleichheit in Köln zeigt sich beim Blick auf die E inkommensunterschiede der Kölner Haushalte. Neun Prozent der Haushalte zählen zu den reichsten – 24 Prozent sind armutsgefährdet. Die Schere zwischen arm und reich wird umso deutlicher, sobald sich der Fokus auf die Einkommensverteilung innerhalb der Stadt r ichtet oder verschiedene Haushalte betrachtet werden. Während Kölner Haushalte insgesamt im Durchschnitt ein monatliches Nettoeinkommen von 3 208 Euro zum Leben zur Verfügung haben, müssen Haushalte in den Stadtteilen Fink enberg und Chorweiler mit nur etwas mehr als der Hälfte davon aus kommen. In Chorweiler und Finkenberg, aber auch in Seeberg, Lindweiler, Godorf und Ostheim ist jeweils über die Hälfte der Haushalte von Armut bedroht. Paarhaushalte im Erwerbsalter bis 65 Jahre sind finanziell besonders gut aufges tellt und deutlich weniger als andere Haushaltstypen armutsgefährdet. Paare darunter ohne K inder haben ein durchschnittliches Einkommen von 4 908 Euro – acht Prozent von ihnen sind armutsgefährdet. Sind minderjährige Kinder im Haushalt, steht den Paaren mit einem Einkommen von 5 379 Euro zwar etwas mehr Geld zur Verfügung – ihre Armutsgefährdung ist jedoch mit 13 Prozent spürbar höher als die der Paare ohne Kinder. Alleinerziehende sind besonders stark betroffen: Vier von zehn Alleinerziehendenhaushalten sind armutsgefährdet. Sie haben nicht nur halb so viel Geld zur Verfügung wie Haushalte mit beiden Elternteilen – ihr Risiko zu verarmen ist zudem zehnmal höher als das von Paarhaushalten mit Kindern. Alleinerziehende Mütter müssen im Schnitt mit 60 Prozent des sen auskommen, was ein alleinerziehender Vater hat: Daher sind alleiner ziehende Mütter mit einer Quote von 42 Prozent deutlich häufiger armutsgefährdet als alleinerziehende Väter (19 %). Auch zeigt sich: Je mehr Kinder im Haushalt leben, desto höher das Armutsrisiko: Zwei Drittel der kinderreichen Alleinerziehendenhaushalte und ein Drittel der kinderreichen Paarhaushalte sind armutsgefährdet. Alleinlebende sind aufgrund fehlender haushalts bezogener Einsparmöglichkeiten ebenfalls stärker als der Durchschnitt armutsgefährdet: Die Armutsgefährdung Alleinlebender im Erwerbsalter (18 bis 65 Jahre) beträgt 26 Prozent. Mit einer Quote von 64 Prozent sind junge Alleinlebenden im Alter zwischen 18 und 24 Jahren weitaus gefährdeter zu verarmen. Am stärksten betr offen sind alleinlebende Studierende: Mit einem durchschnittlichen monatlichen Haushaltsnettoeinkommen von 864 Euro sind 88 Prozent unter ihnen von Armut bedroht. Auch alleinlebende Menschen zwischen 65 und 80 Jahren haben ein erhöht es Armutsrisiko: Mit einem durchschnittlichen Haushaltseinkommen von 1 975 Euro verfügen alleinlebende Senior*innen über ein geringeres Haushaltseinkommen als Paarhaushalte dieses Alters (3 465 Euro). Damit sind 30 Prozent der alleinlebenden Senior*innen armutsgefährdet, im Vergleich zu 17 Prozent der Paarhaushalte dieses Alters. Kölner Statistische Nachrichten1/2024 – Einkommensverteilung in Köln 3 Kölner Haushalte haben im Durchschnitt ein monatliches Nettoeinkommen von 3 208 Euro Jeder zehnte Kölner Haushalt (11%) muss nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben mit weniger als 1 000 Euro zum Leben auskommen. Einem Viertel der Kölner Haushalte (26%) stehen dagegen 4 000 Euro netto und mehr zur Verfügung.1 Grafik 1: Monatliches Nettoeinkommen der Kölner Haushalte (in %) n = 21 598; haushaltsgewichtete Daten 5,3 % der Befragten (n = 1 211) haben die Frage nach dem Haushaltseinkommen nicht beantwortet. Quelle: Strukturdatenerhebung 2023 Amt für Stadtentwicklung und Statistik – Statistisches Informationssystem In Finkenberg und Chorweiler müssen Haushalte mit nur etwas mehr als der Hälfte des stadtweit üblichen Haushaltseinkommens auskommen Deutlich unter 2 000 Euro liegt das durchschnittliche Haushaltseinkommen in den Stadtteilen Finkenberg (1 722 Euro) und Chorweiler (1 842 Euro). Damit steht den Haushalten in diesen Stadtteilen jeweils nur etwas mehr als die Hälfte des gesamtstädtisch üblichen Durchschnitts- einkommens von 3 208 Euro zur Verfügung. Auch in den Stadtteilen Humboldt/Gremberg, Buchforst, Ostheim, Kalk, Vingst, Höhenberg, Buchheim, Seeberg, Neubrück und Lindweiler sind die Haushaltsnettoeinkommen mit maximal 2 500 Euro ebenfalls deutlich unterdurchschnittlich. Die höchsten Haushaltseinkommen erzielen – mit jeweils über 4 500 Euro – die Haushalte in Hahnwald, Widdersdorf, Bayenthal, Fühlingen, Weiß und Junkersdorf.2 1 Das Haushaltseinkommen setzt sich aus den persönlichen Einkünften aller Haushaltsmitglieder sowie den gemeinsamen weiteren Einkünften des Haushalts zusammen – nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben. Es wurde über 16 vorgegebene Einkommensklassen erfragt. Wurde beispielsweise die Einkommensklasse „2 500 bis unter 3 000 Euro“ angekreuzt, wurde der befragten Person der mittlere Wert – 2 750 Euro – als Haushaltseinkommen zugewiesen. 2 Die Stadtteilwerte im Detail können der Tabelle 1 im Anhang entnommen werden. 5 6 7 6 11 14 11 8 6 5 4 4 3 2 2 6 unter 750 Euro 750 bis unter 1 000 Euro 1 000 bis unter 1 250 Euro 1 250 bis unter 1 500 Euro 1 500 bis unter 2 000 Euro 2 000 bis unter 2 500 Euro 2 500 bis unter 3 000 Euro 3 000 bis unter 3 500 Euro 3 500 bis unter 4 000 Euro 4 000 bis unter 4 500 Euro 4 500 bis unter 5 000 Euro 5 000 bis unter 5 500 Euro 5 500 bis unter 6 000 Euro 6 000 bis unter 6 500 Euro 6 500 bis unter 7 000 Euro 7 000 Euro und höher Kölner Statistische Nachrichten1/2024 – Einkommensverteilung in Köln 4 Karte 1: Durchschnittliches monatliches Haushaltsnettoeinkommen in den 86 Kölner Stadtteilen (in Euro) n = 21 586, haushaltsgewichtete Daten – Stadtteilergebnisse mit einer Fallzahl unter 30 werden nicht ausgewiesen (grau). Quelle: Strukturdatenerhebung 2023 Amt für Stadtentwicklung und Statistik – Statistisches Informationssystem Ein Viertel der Kölner Haushalte ist armutsgefährdet Wenn man von Armut in Deutschland spricht, geht es weniger um Hunger oder direkte Not. Armut wird in Abhängigkeit von der Einkommenssituation der Bevölkerung insgesamt definiert – die Armutsgefährdungsquote stellt somit die „relative“ Einkommensarmut dar.3 Nach dem von der Europäischen Union gesetzten Standard4 gelten ein Haushalt und die darin lebenden Personen 3 Armut wird in Deutschland über das Haushaltseinkommen und die daraus folgenden Möglichkeiten der gesellschaftlichen Teilhabe definiert: In diesem Sinne gelten Haushalte als arm, deren Mitglieder zusammengenommen über so geringe finanzielle Ressourcen verfügen, dass sie einen als annehmbar geltenden Lebensstandard nicht erreichen (= monetäre Armut). Im Gegensatz dazu spricht man von „absoluter“ Armut (auch existenzielle Armut), wenn die Grundversorgung nicht gegeben ist, bei der also das zum Überleben Notwendige (wie Nahrung, Wasser, Kleidung, Obdach und Gesundheitsversorgung) fehlt. 4 Siehe auch https://ec.europa.eu/eurostat/web/products-datasets/-/tipslc20 (abgerufen am 29.11.2023) Kölner Statistische Nachrichten1/2024 – Einkommensverteilung in Köln 5 rechnerisch dann als armutsgefährdet, wenn das Haushaltseinkommen unterhalb der Armuts- gefährdungsschwelle liegt - diese ist bei 60 Prozent des mittleren Äquivalenzeinkommens (= Einkommensmedian) der Bevölkerung insgesamt festgelegt.5 In Köln beträgt dieser Einkommensmedian 2 119 Euro. Daran gemessen sind 24 Prozent der Kölner Haushalte arm oder zumindest armutsgefährdet.6 Das Statistische Bundesamt (Destatis) weist Erstergebnisse des Mikrozensus 2022 zu den Armutsgefährdungsquoten deutscher Großstädte aus – allerdings auf Personenebene: Danach beläuft sich der Anteil armutsgefährdeter Personen in Köln auf 20,4 Prozent.7 Gemessen an den Armutsgefährdungsquoten der Bevölkerung anderer deutscher Großstädte8 liegt Köln somit im Mittelfeld. Einkommensreich ist fast jeder zehnte Haushalt in Köln Einkommensreichtum ist definiert als das Vorhandensein eines Einkommens, das das Zweifache des Einkommensmedians übersteigt.9 Wenn das Einkommen eines Haushaltes diese Grenze erreicht oder übersteigt, zeigt dies in der Regel eine finanzielle Leistungsfähigkeit an, die einen komfortableren Lebensstil, Zugang zu luxuriöseren Gütern und Dienstleistungen erlaubt sowie die Möglichkeit bietet, in die Bildung, Gesundheit und das Wohlergehen zu investieren. In Köln können neun Prozent der Haushalte aufgrund ihres Haushaltseinkommens und ihrer Haushaltsstruktur als einkommensreich bezeichnet werden. 5 Das Äquivalenzeinkommen ist ein bedarfsgewichtetes Pro-Kopf-Einkommen je Haushaltsmitglied, das ermittelt wird, indem das Haushaltsnettoeinkommen durch die Summe der Bedarfsgewichte der im Haushalt lebenden Personen (= Bedarfsgewicht des Haushalts) geteilt wird. Siehe dazu: https://www.statistikportal.de/sites/default/files/2020- 01/Definition%20Median%20und%20Einkommensreichtumsschwelle_0.pdf (abgerufen am 19.12.2023) Der Medianwert teilt die Haushalte in zwei gleich große Gruppen: Bei 50 Prozent liegt das Einkommen unterhalb dieses Wertes, bei der anderen Hälfte darüber. Näheres zum Konzept der Äquivalenzgewichtung und Berechnung der Armutsgefährdung siehe die Anmerkungen im Anhang. 6 Armuts“gefährdung“ insofern, als dass die Armutsgefährdungsquote sowohl den Anteil der Haushalte, die mit Sicherheit als arm bezeichnet werden können, umfasst, als auch diejenigen Haushalte, die nahe an der Armutsgrenze liegen und deren Wahrscheinlichkeit, zu den armen Haushalten zu zählen, als hoch bezeichnet werden kann (= armutsgefährdet). Details hierzu sind dem Anhang zu entnehmen. https://webshop.it.nrw.de/gratis/Z089%20200451.pdf (abgerufen am 29.11.2023) 7 https://www.statistikportal.de/de/sbe/ergebnisse/einkommen-armutsgefaehrdung-und-soziale- lebensbedingungen/armutsgefaehrdung-und-8 (abgerufen am 17.01.2024). Armutsgefährdungsquoten auf Personenebene sind aufgrund der unterschiedlichen Mengengerüste nicht 1:1 mit den im vorliegenden Bericht dargestellten Armutsgefährdungsquoten auf Haushaltsebene vergleichbar. 8 Duisburg 30,3%, Bremen 27,6%, Dortmund 23,8%, Essen 22,4%, Hannover 22,3%, Leipzig 21,2%, Düsseldorf 20,8%, Frankfurt am Main 20,7%, Nürnberg 20,7%, Köln 20,4%, Hamburg 19,3%, Berlin 17,3%, Dresden 17,3%, Stuttgart 15,6% und München 10,5%. 9 Siehe https://www.statistikportal.de/sites/default/files/2020- 01/Definition%20Median%20und%20Einkommensreichtumsschwelle_0.pdf (abgerufen am 19.12.2023) Kölner Statistische Nachrichten1/2024 – Einkommensverteilung in Köln 6 Zur Mittelschicht zählen knapp zwei Drittel der Kölner Haushalte Die folgende Grafik 2 zeigt die Einkommensschichten10 der Kölner Haushalte. Zwei Drittel der Kölner Haushalte (67 %) gehören aufgrund ihres Haushaltseinkommens zur Mittelschicht. Ihr Äquivalenzeinkommen liegt zwischen 60 und 200 Prozent des Kölner Einkommensmedians von 2 119 Euro. 13 Prozent der Haushalte stellen die untere Mittelschicht dar: Ihr Äquivalenzeinkommen liegt zwischen 60 und 80 Prozent des Einkommensmedians und damit nur knapp oberhalb der Armutsgefährdungsgrenze. Grafik 2: Einkommensschichten Kölner Haushalte (in %) n = 21 586; haushaltsgewichtete Daten Einkommensmedian in Köln: 2 119 Euro Quelle: Strukturdatenerhebung 2023 Amt für Stadtentwicklung und Statistik – Statistisches Informationssystem Armutsgefährdetes Viertel der Haushalte verfügt über neun Prozent des Einkommens aller Haushalte Die 24 Prozent armutsgefährdeten Haushalte verfügen über rund neun Prozent des zusammen- gerechneten Einkommens aller Kölner Privathaushalte, die neun Prozent einkommensreichen Kölner Haushalte über rund 20 Prozent. Die verbleibenden 71 Prozent des aufsummierten Einkommens aller Kölner Haushalte verteilen sich auf die 67 Prozent Mittelschichtshaushalte.11 10 Zur Abgrenzungsmethodik der Einkommensschichten siehe Bosch, G. und T. Kalina (2015): Die Mittelschicht in Deutschland unter Druck, in: IAQ-Report / 2015-04. https://duepublico2.uni- due.de/receive/duepublico_mods_00045724 (abgerufen am 29.11.2023) 11 Bei einer Gleichverteilung des Einkommens würden beispielsweise 10 Prozent der Haushalte über 10 Prozent des aufsummierten Einkommens verfügen, 80 Prozent der Haushalte über 80 Prozent. 24 13 26 28 9 armutsgefährdete Haushalte = weniger als 60 % des Einkommensmedians reiche Haushalte = 200 % des Einkommensmedians und mehr Haushalte der unteren Mittelschicht (60 bis unter 80 % des Einkommensmedians) Haushalte der oberen Mittelschicht (120 bis unter 200 % des Einkommensmedians) Haushalte der mittleren Mittelschicht (80 bis unter 120 % des Einkommensmedians) Kölner Statistische Nachrichten1/2024 – Einkommensverteilung in Köln 7 Über die Hälfte der Haushalte in Chorweiler, Seeberg, Finkenberg, Lindweiler, Godorf und Ostheim ist arm oder von Armut bedroht Die Armutsgefährdung ist in Köln räumlich nicht gleich verteilt: So liegt in den Stadtteilen Chorweiler, Seeberg, Finkenberg, Lindweiler, Godorf und Ostheim die Hälfte der Haushalte mit ihrem Einkommen unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle. In Chorweiler (64 %), Seeberg (60 %) und Finkenberg (58 %) trifft dies sogar auf etwa sechs von zehn Haushalten zu.12 Karte 2: Armutsgefährdungsquote in den 86 Kölner Stadtteilen (in Euro) n = 20 514, haushaltsgewichtete Daten – Stadtteilergebnisse mit einer Fallzahl unter 30 werden nicht ausgewiesen (grau). Quelle: Strukturdatenerhebung 2023 Amt für Stadtentwicklung und Statistik – Statistisches Informationssystem 12 Die Stadtteilwerte im Detail finden sich in der Tabelle 1 im Anhang. Kölner Statistische Nachrichten1/2024 – Einkommensverteilung in Köln 8 Betrachtete Haushaltstypen • Alleinlebende Einpersonenhaushalte, deren Mitglied jünger als 65 Jahre ist • Paare ohne Kinder Haushalte mit zwei Erwachsenen, die jünger als 65 Jahre sind • Paare mit Kind(ern) Haushalte mit zwei Erwachsenen, die jünger als 65 Jahre sind und mindestens einem Kind unter 18 Jahren • Alleinerziehende Haushalte mit einer erwachsenen Person unter 65 Jahren und mindestens einem Kind unter 18 Jahren • Seniorenhaushalte Haushalte, in denen mindestens ein Mitglied 65 Jahre oder älter ist. Die Abgrenzung der Haushaltstypen erfolgte in Anlehnung an den „Sozialbericht NRW 2020 – Armuts- und Reichtumsbericht“ im Auftrag des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, siehe auch: https://www.sozialberichte.nrw.de/sozialberichterstattung_nrw/aktuelle_berichte/index.php Paarhaushalte im Erwerbsalter – egal ob mit oder ohne Kinder im Haushalt – sind finanziell am besten gestellt Zu den finanziell besser gestellten Haushalten zählen vor allem Paarhaushalte im erwerbsfähigen Alter unter 65 Jahren, bei denen zumeist mindestens ein, oftmals jedoch zwei Erwerbseinkommen zum Haushaltseinkommen beitragen. Sind Kinder (unter 18 Jahren) im Haushalt, haben die Paare 5 379 Euro netto zur Verfügung und – unter anderem aufgrund von Sozialleistungen wie Kindergeld – im Schnitt 471 Euro mehr als Paarhaushalte, in denen keine Kinder leben (4 908 Euro). Grafik 3: Durchschnittliches monatliches Einkommen Kölner Haushalte nach Haushaltstyp (in Euro) n = 21 586, haushaltsgewichtete Daten Quelle: Strukturdatenerhebung 2023 Amt für Stadtentwicklung und Statistik – Statistisches Informationssystem 2 708 2 486 2 265 5 379 4 908 3 208 Alleinerziehendenhaushalte Seniorenhaushalte (alleinlebend oder Paare) Alleinlebende Paare mit Kind(ern) Paare ohne Kinder durchschnittliches Haushaltsnettoeinkommen insgesamt Kölner Statistische Nachrichten1/2024 – Einkommensverteilung in Köln 9 Grafik 4: Anteil armutsgefährdeter Kölner Haushalte nach Haushaltstyp (=Armutsgefährdungsquote in %) n = 21 586, haushaltsgewichtete Daten Quelle: Strukturdatenerhebung 2023 Amt für Stadtentwicklung und Statistik – Statistisches Informationssystem Alleinerziehende haben nur halb so viel Geld wie Haushalte mit beiden Elternteilen Alleinerziehendenhaushalte haben im Durchschnitt monatlich 2 708 Euro netto zur Verfügung. Das ist deutlich weniger als bei Paarhaushalten mit Kindern, die mit 5 379 Euro annähernd doppelt so viel Geld zur Verfügung haben wie ein Alleinerziehendenhaushalt (siehe Grafik 2). Neben der Tatsache, dass Alleinerziehende – eher als Haushalte mit zwei Elternteilen – auf nur ein Erwerbseinkommen zurückgreifen müssen, sind sie häufiger atypisch beschäftigt oder arbeitslos: 15 Prozent der Alleinerziehenden sind arbeitslos (Befragte insgesamt: 5 %) und mit einem Anteil von 37 Prozent sind sie überdurchschnittlich häufig atypisch13 beschäftigt (Befragte insgesamt: 30 %). Alleinerziehende haben damit ein überdurchschnittlich hohes Risiko, allein aufgrund ihrer Erwerbsituation in Armut zu geraten. 13 In der Strukturdatenerhebung sind die als „atypisch“ benannten Beschäftigungsverhältnisse in weitestgehender Anlehnung an die Definition des Statistischen Bundesamtes durch Teilzeitarbeit mit weniger als 20 Wochenstunden, befristete Beschäftigung und geringfügige Beschäftigung abgegrenzt. 40 26 26 13 8 24 Alleinerziehendenhaushalte Seniorenhaushalte (alleinlebend oder Paare) Alleinlebende Paare mit Kind(ern) Paare ohne Kinder Armutsgefährdungsquote insgesamt Kölner Statistische Nachrichten1/2024 – Einkommensverteilung in Köln 10 Vier von zehn Alleinerziehenden sind armutsgefährdet – ihr Risiko, zu verarmen, ist zehnmal höher als das von Paarhaushalten mit Kindern Die Folge ist, dass 40 Prozent der Alleinerziehendenhaushalte armutsgefährdet sind im Vergleich zu 13 Prozent der Paarhaushalte mit Kindern. Die Wahrscheinlichkeit eines Alleinerziehenden- haushalts, in Armut zu geraten, ist rechnerisch zehnmal so hoch wie die eines Haushaltes mit zwei Elternteilen.14 Die Armutsgefährdung von Paarhaushalten mit einem oder zwei Kindern liegt sogar unterhalb des städtischen Durchschnitts von 24 Prozent (Haushalte mit einem Kind: 8 %; mit zwei Kindern: 13 %). Alleinerziehende Mütter müssen im Schnitt mit 60 Prozent dessen auskommen, was ein alleinerziehender Vater hat Innerhalb der Gruppe der Alleinerziehenden unterscheidet sich die Armutsgefährdung nicht nur nach der Kinderzahl, sondern auch nach dem Geschlecht der Erziehungsberechtigten. Alleinerziehende Mütter haben mit einem durchschnittlichen Haushaltseinkommen von 2 515 Euro nur etwa 60 Prozent dessen zur Verfügung, was ein alleinerziehender Vater mit 4 177 Euro aufbringt. Daher sind alleinerziehende Mütter mit einer Quote von 42 Prozent deutlich häufiger armutsgefährdet als alleinerziehende Väter, von denen knapp ein Fünftel armutsgefährdet ist (19 %). Je mehr Kinder, desto höher das Armutsrisiko: Zwei Drittel der kinderreichen Alleinerziehendenhaushalte und ein Drittel der kinderreichen Paarhaushalte sind armutsgefährdet Eine höhere Kinderzahl führt zu einem gesteigerten finanziellen Bedarf, da weitere Ausgaben für Kinderbetreuung, Bildung und Gesundheitsversorgung hinzukommen. Die Zahlen zeigen: Mit mehr als zwei Kindern im Haushalt steigt das Armutsrisiko deutlich an. Das gilt vor allem für Alleinerziehende: Haushalte von Alleinerziehenden mit einem oder zwei Kindern sind zu jeweils etwas mehr als einem Drittel armutsgefährdet. Bei den kinderreichen Alleinerziehenden (drei oder mehr Kinder) steigt die Armutsgefährdungsquote auf 62 Prozent. Aber auch bei den kinderreichen Paarhaushalten verdoppelt sich die Armutsgefährdung: Ein Drittel der Paarhaushalte mit drei oder mehr Kindern ist von Armut bedroht (36 %). 14 Odds-Ratio: 10,06 (Signifikanzniveau: <.0000). Der Odds-Ratio (kurz OR: auch Chancenverhältnis oder Kreuzproduktverhältnis genannt) ist eine statistische Maßzahl, die etwas über die Stärke des Zusammenhangs zweier Merkmale aussagt. Er ist ein Assoziationsmaß, das die Wahrscheinlichkeit des Eintretens eines Ereignisses in zwei verschiedenen Gruppen (Fokusgruppe versus Referenzgruppe) vergleicht: Ein Odds-Ratio von 1 bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit des Ereignisses in beiden Gruppen gleich ist. Ein Odds -Ratio größer als 1 bedeutet, dass das Ereignis in der Fokus-Gruppe wahrscheinlicher ist, ein Odds-Ratio kleiner als 1 bedeutet, dass das Auftreten des Ereignisses in der Referenzgruppe wahrscheinlicher ist. Siehe auch Chancenverhältnis – Wikipedia (abgerufen am 20.12.2023) Kölner Statistische Nachrichten1/2024 – Einkommensverteilung in Köln 11 Grafik 5: Durchschnittliches monatliches Haushaltsnettoeinkommen (in Euro) und Armutsgefährdungsquote (in %) der Kölner Familienhaushalte n = 374 (Alleinerziehende), 3 407 (Paarhaushalte); haushaltsgewichtete Daten Quelle: Strukturdatenerhebung 2023 Amt für Stadtentwicklung und Statistik – Statistisches Informationssystem Alleinlebende Alleinlebende haben oft nur ein Einkommen zur Verfügung, was deren Armutsgefährdung erhöht, da sie zumeist keine Unterstützung durch eine*n Partner*in oder andere Haushaltsmitglieder haben. Alleinlebende müssen die anfallenden Kosten ihres Haushaltes wie Miete, Strom und Lebensmittel zumeist allein tragen. Sie haben – anders als Mehrpersonenhaushalte – kein Einsparpotential durch gemeinschaftliches Wirtschaften mit anderen Haushaltsmitgliedern. Alleinlebende Personen bis 64 Jahre sind dementsprechend mit einem Anteil von 26 Prozent leicht überdurchschnittlich armutsgefährdet. Fast die Hälfte der alleinlebenden Bevölkerung zwischen 18 und 24 Jahren ist armutsgefährdet In der Gruppe der Alleinlebenden sind häufig junge Erwachsene zu finden, die das Elternhaus verlassen haben, um eigenständig zu leben oder eine Ausbildung zu absolvieren. Junge Menschen zwischen 18 und 24 Jahren befinden sich zudem in der Ausbildung, im Studium oder stehen am Anfang ihres Erwerbslebens und haben möglicherweise noch keinen stabilen Einstieg ins Berufsleben gefunden. Junge Menschen, die noch bei Ihren Eltern oder mit anderen Personen – beispielsweise in einer Wohngemeinschaft – leben, profitieren zudem von den wirtschaftlichen Vorteilen gemeinschaftlichen Wohnens und sind dementsprechend zumeist finanziell bessergestellt. Von den 18- bis 24-jährigen Befragten, die angaben, in einem Mehrpersonenhaushalt zu wohnen, 2 708 2 558 2 906 2 883 5 379 5 276 5 626 5 949 40 35 40 61 13 8 13 36 insgesamt mit 1 Kind mit 2 Kindern mit 3 oder mehr Kindern insgesamt mit 1 Kind mit 2 Kindern mit 3 oder mehr Kindern monatliches Haushaltsnettoeinkommen Armutsgefährdungsquote Alleinerziehendenhaushalte Paarhaushalte mit Kindern Kölner Statistische Nachrichten1/2024 – Einkommensverteilung in Köln 12 sind 41 Prozent armutsgefährdet. Von denjenigen, die alleine leben, ist ein deutlich überdurchschnittlicher Anteil von 64 Prozent armutsgefährdet. Armutsgefährdung trifft vor allem alleinlebende Studierende Alleinlebende Studierende haben mit einem durchschnittlichen Haushaltseinkommen von 864 Euro netto besonders geringe finanzielle Mittel zur Verfügung. Diese Studierenden, die zudem ihre Miete nicht mit anderen teilen können, sind am stärksten von Armut betroffen: 88 Prozent von ihnen sind armutsgefährdet. Knapp ein Drittel der alleinlebenden Senior*innen zwischen 65 und 80 Jahren ist armutsgefährdet – kein Unterschied zwischen Männern und Frauen Mit den vorliegenden Daten kann die Einkommenssituation der Teilgruppe der „jüngeren Senior*innen zwischen 65 und 80 Jahren“ dargestellt werden.15 Diese Senior*innenhaushalte sind in Köln mit einer Armutsgefährdungsquote von rund 26 Prozent nur geringfügig stärker armutsgefährdet als der Durchschnitt der Kölner Haushalte insgesamt (24 Prozent). Senior*innenhaushalte haben ein durchschnittliches Haushaltsnettoeinkommen von 2 486 Euro (siehe vorangegangene Grafik 3). Alleinlebende Senior*innen zwischen 65 und 80 Jahren verfügen mit einem durchschnittlichen Haushaltseinkommen von 1 975 Euro über entsprechend geringeres Haushaltseinkommen – mit diesem Haushaltseinkommen sind drei von zehn alleinlebenden Senior*innen armutsgefährdet (30 %). Der Unterschied zwischen alleinlebende Senioren (armutsgefährdet: 31 %) und Seniorinnen (30 %) ist gering. Da Paarhaushalte dieser Altersgruppe oftmals zwei Renten aufweisen können, verfügen sie über ein Haushaltsnettoeinkommen von durchschnittlich 3 465 Euro. 17 Prozent der Senior*innen- Paarhaushalte sind armutsgefährdet – ihre Quote ist damit deutlich unterdurchschnittlich. 15 Bevölkerung in Privathaushalten. Die Festlegung der unteren Altersgrenze „65 Jahre“ erfolgte in Anlehnung an die Altersgrenzendefinition der Agentur für Arbeit, die den Eintritt in die Rente/Pension für die Zwecke der Statistik immer noch bei 65 Jahren festlegt. Bei der Interpretation der vorliegenden Daten ist zu beachten, dass in der Realität aufgrund der stufenweise Anhebung der Regelaltersgrenze ein Teil der 65- und 66-Jährigen immer noch erwerbstätig ist. Die absolute Zahl noch erwerbstätiger 65- und 66-jähriger Befragter in der Strukturdatenerhebung beträgt 399 Personen. Kölner Statistische Nachrichten1/2024 – Einkommensverteilung in Köln 13 Datengrundlage: Strukturdatenerhebung des Amtes für Stadtentwicklung und Statistik der Stadt Köln Das Amt für Stadtentwicklung und Statistik der Stadt Köln hat im Frühjahr und Frühsommer 2023 die Strukturdatenerhebung 2023 durchgeführt. Diese Umfrage erhebt Informationen von Kölner Bürgerinnen und Bürgern, die für die Arbeit der Stadtverwaltung wichtig sind, jedoch nicht aus anderen Quellen wie den der Verwaltung vorliegenden Daten entnommen werden können. Es wurden rund 127 000 nach dem Zufallsprinzip aus dem Einwohnermelderegister der Stadt Köln ausgewählte Kölnerinnen und Kölner angeschrieben und um Teilnahme an der freiwilligen Umfrage gebeten. Befragungsthema Strukturdatenerhebung 2023 Befragungsmethode Papier-Umfrage mit Online-Option Befragungszeitraum 17. Mai bis 03. Juli 2023 Grundgesamtheit Kölner*innen im Alter von 18 bis 80 Jahren (Deutsche und Ausländer*innen mit Haupt- oder Nebenwohnsitz, ohne Heimbewohner*innen): 843 232 Personen (Einwohnermelderegister, Stand: 31. März 2023) Wellenzahl zwei Befragungswellen Stichprobe einfache Zufallsstichprobe Bruttostichprobe (= angeschriebene Personen) 1. Welle: 70 000 2. Welle: 57 000 in der Summe 127 000 davon neutrale Ausfälle (= verzogen, verstorben) 2 075 Nettostichprobe (bereinigt) 124 925 auswertbare Fragebögen insgesamt 22 809; davon 10 871 Online-Teilnahmen (47,7 %), 11 938 Papier-Teilnahmen (52,3 %) Beteiligung insgesamt 18,3 % der (bereinigten) Nettostichprobe Quote / Anzahl 1. Welle* 18,4 % / 12 650 Quote / Anzahl 2. Welle* 18,1 % / 10 139 für 20 Befragte ist keine Zuordnung möglich Die ausführliche Beschreibung der Methodik und eine Grundauszählung der Befragungsdaten finden Sie im Bericht: „Strukturdatenerhebung in Köln 2023 – Methodendokumentation“ Kölner Statistische Nachrichten1/2024 – Einkommensverteilung in Köln 14 Anhang Berechnung der Armutsgefährdungsquote Schritt 1: Äquivalenzgewichtung des Haushaltseinkommens Für die Berechnung der Armutsgefährdung werden in einem ersten Schritt die Angaben der Befragten zu ihrem Haushaltseinkommen äquivalenzgewichtet und das sogenannte bedarfs- gewichtete Pro-Kopf-Einkommen berechnet. Dieses Äquivalenzeinkommen berücksichtigt, dass ein und dasselbe Haushaltseinkommen in Haushalten unterschiedlicher Größe und Zusammensetzung zu unterschiedlichen Lebensstandards führen kann. Um die Einkommen unterschiedlicher Haushalte vergleichbarer zu machen, wird das Haushaltseinkommen durch die Anzahl der Personen im Haushalt geteilt, unter Anwendung einer Äquivalenzskala. Diese Äquivalenzskala beruht auf Annahmen darüber, wie sich die Bedürfnisse von Haushalten mit verschiedenen Größen und Zusammensetzungen unterscheiden. Beispielsweise wird angenommen, dass größere Haushalte effizienter Ressourcen wie Wohnraum nutzen können als kleinere Haushalte und gewichtet die Haushaltsmitglieder gemäß ihrer Zahl und ihres Alters. Für die Gewichtung wird (in der Regel) die neue Skala der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) herangezogen 16: Hiernach erhält - das erste erwachsene Haushaltsmitglied das Gewicht 1,0, - das zweite erwachsene und jedes weitere Haushaltsmitglied im Alter von 14 Jahren und darüber das Gewicht 0,5 und - jedes Kind unter 14 Jahren das Gewicht 0,3. Auf diese Weise wird das Einkommen eines 1-Personenhaushaltes anders bewertet als das gleichlautende Einkommen eines Haushaltes mit Kindern und dementsprechend anderen Bedürfnissen. Beispielsweise erhält der Singlehaushalt ein Gewicht von 1, für ein Paar mit zwei Kindern unter 14 Jahren ergäbe sich hingegen ein Gewicht von 2,1 (= 1 + 0,5 + 0,3 + 0,3). In einem weiteren Schritt wird das tatsächlich verfügbare Haushaltsnettoeinkommen durch die errechnete Summe der Gewichte des Haushalts geteilt. Hätte das Paar mit zwei Kindern ein verfügbares Haushaltseinkommen von 4 500 Euro angegeben, so betrüge deren berechnetes Pro-Kopf-Äquivalenzeinkommen (in der Folge kurz „Äquivalenzeinkommen“ genannt) nach der Gewichtung 2 142,86 Euro (= 4 500 Euro/2,1). Damit würde dieser 4-Personenhaushalt der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit einer alleinlebenden Person mit einem verfügbaren Einkommen von 2 143 Euro und entsprechendem Äquivalenzeinkommen (= 2 142,86 Euro/1)) gleichwertig gestellt. 16 Siehe Glossar:Verfügbares Äquivalenzeinkommen - Statistics Explained (europa.eu) (abgerufen am 20.12.2023) Kölner Statistische Nachrichten1/2024 – Einkommensverteilung in Köln 15 Schritt 2: Berechnung der Armutsgefährdungsquote Das Äquivalenzeinkommen ist eine theoretische Größe, die auf Annahmen über Haushalts- bedürfnisse basiert: In dieser Form ist es grundlegend für die Berechnung der Armutsgefährdungs- quote. Die Armutsgefährdungsquote bezeichnet den rechnerischen Anteil derjenigen Haushalte, deren Mitglieder ein Äquivalenzeinkommen von weniger als 60 Prozent des Median-Äquivalenz- einkommens der betrachteten Bevölkerung insgesamt haben (= Armutsgefährdungsschwelle). Welche Armutsgefährdungsschwellen und -quoten für die spezifischen Haushaltstypen gelten, hängt von der Anzahl und dem Alter der Haushaltsmitglieder ab. In diesem Bericht wird ein eng regionalisiert gefasstes Konzept der Armutsberechnung verwendet: Durch die Verwendung des Köln-spezifischen Median-Einkommens von 2 119 Euro als Bezugs- größe für die Armutsberechnung werden die hohen Lebenshaltungskosten und das großstadt- spezifische Einkommensniveau für die Armutsdefinition bei der Berechnung der Armuts- gefährdungsquote berücksichtigt. Für die rechnerische Ermittlung der Armutsgefährdungsquote wurde auf das von Stauder und Hüning 2004 entwickelte Berechnungsverfahren zurückgegriffen. Das auch in der amtlichen Statistik angewandte Verfahren berechnet haushaltsspezifische Armutswahrscheinlichkeiten.17 Mit dem Verfahren begegnen Stauder und Hüning dem Informationsverlust, der durch die klassierte Einkommensabfrage entsteht. Hierzu werden die Haushalte danach klassifiziert, ob sie auf Basis ihrer angegebenen Einkommenskategorie sicher (oder sicher nicht) Einkommensarm sind. Für Haushalte, bei denen dies nicht möglich ist, da sich die angegebene Einkommenskategorie nicht sicher über oder unter der errechneten Armutsschwelle verorten lässt, wird die Wahr- scheinlichkeit berechnet, dass das Einkommen unter der Armutsschwelle liegt. Für Details zur Berechnung dieser Wahrscheinlichkeit siehe Stauder und Hüning (2004). 18 17 Zur Ermittlung des Äquivalenzeinkommens sowie der nachgelagerten Berechnung der Armutsgefährdungsquoten wurde auf die SPSS-Syntax von M. Boehle (2015) zurückgegriffen: Boehle, M. (2015). Armutsmessung mit dem Mikrozensus: methodische Aspekte und Umsetzung für Querschnittsund Trendanalysen. (GESIS Papers, 2015/16). Köln: GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften. S. 23-42. https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:0168-ssoar- 45724-v2-6 (abgerufen am 29.11.2023) 18 Stauder, J. und W. Hüning. 2004. Die Messung von Äquivalenzeinkommen und Armutsquoten auf der Basis des Mikrozensus. Statistische Analysen und Studien NRW 13. S. 9-31. https://www.researchgate.net/publication/235951201_Die_Messung_von_Aquivalenzeinkommen_und_Armutsquote n_auf_der_Basis_des_Mikrozensus (abgerufen am 29.11.2023) Kölner Statistische Nachrichten1/2024 – Einkommensverteilung in Köln 16 Tabelle 1: Monatliches Haushaltseinkommen, Pro-Kopf-Nettoäquivalenzeinkommen (in Euro) sowie Armutsgefährdungsquote (in %) in den neun Stadtbezirken und 86 Stadtteilen * Stadtteilergebnisse mit einer Fallzahl unter 30 werden nicht ausgewiesen. Nr. n = in Euro 1 Innenstadt 3 306 3 276 2 245 20 101 Altstadt-Süd 716 2 968 2 232 18 102 Neustadt-Süd 959 3 169 2 068 25 103 Altstadt-Nord 419 3 320 2 432 21 104 Neustadt-Nord 805 3 676 2 650 19 105 Deutz 407 3 433 2 439 17 2 Rodenkirchen 2 379 3 754 2 311 19 201 Bayenthal 224 4 816 2 994 13 202 Marienburg 155 4 298 2 469 17 203 Raderberg 132 2 824 1 917 22 204 Raderthal 107 3 236 2 405 12 205 Zollstock 556 2 941 2 020 21 206 Rondorf 197 3 997 2 334 23 207 Hahnw ald 36 8 281 6 084 6 208 Rodenkirchen 420 4 202 2 676 19 209 Weiß 140 4 542 2 630 8 210 Sürth 280 4 253 2 769 17 211 Godorf 31 3 107 1 102 52 212 Immendorf 34 4 155 1 607 5 213 Meschenich 67 3 208 1 906 30 3 Lindenthal 3 938 3 792 2 481 20 301 Klettenberg 320 4 075 2 819 8 302 Sülz 1 023 3 301 2 272 22 303 Lindenthal 847 3 727 2 399 23 304 Braunsfeld 319 4 288 2 963 13 305 Müngersdorf 156 4 443 2 721 21 306 Junkersdorf 347 4 530 2 846 12 307 Weiden 393 3 179 2 106 26 308 Lövenich 247 4 194 2 437 19 309 Widdersdorf 286 4 891 2 909 15 Stadtteil Stadtbezirk Stadt Köln durchschnittliches Haushaltsnettoeinkommen Pro-Kopf- Äquivalenzeinkommen (Median; in Euro) Armuts- gefährdungs- quote (in %) Kölner Statistische Nachrichten1/2024 – Einkommensverteilung in Köln 17 noch Tabelle 1: Monatliches Haushaltseinkommen und Pro-Kopf-Nettoäquivalenzeinkommen (in Euro) sowie Armutsgefährdungsquoten (in %) in den neun Stadtbezirken und 86 Stadtteilen * Stadtteilergebnisse mit einer Fallzahl unter 30 werden nicht ausgewiesen. Nr. n = in Euro 4 E hrenfeld 2 188 3 172 2 147 22 401 E hrenfeld 836 3 170 2 316 22 402 Neuehrenfeld 574 3 261 2 176 20 403 Bickendorf 274 3 020 1 842 24 404 Vogelsang 173 3 329 1 898 18 405 Bocklemünd/Mengenich 126 2 693 1 545 32 406 Ossendorf 205 3 397 2 090 23 5 Nippes 2 493 3 241 2 189 20 501 Nippes 990 3 537 2 219 19 502 Mauenheim 98 3 169 2 298 10 503 Riehl 290 3 384 2 400 20 504 Niehl 356 3 003 2 013 15 505 Weidenpesch 260 2 821 2 216 22 506 Longerich 283 2 706 1 857 33 507 Bilderstöckchen 216 3 745 2 020 14 6 Chorw eiler 1 151 3 015 1 928 33 601 Merkenich 83 4 220 2 808 5 602 Fühlingen 45 4 586 2 933 2 603 Seeberg 101 2 370 1 242 60 604 Heimersdorf 113 3 275 2 399 17 605 Lindw eiler 33 2 425 1 227 55 606 P esch 150 3 466 2 311 5 607 Esch/Auw eiler 147 3 540 1 894 31 608 Volkhoven/Weiler 81 2 967 1 870 36 609 Chorw eiler 102 1 842 1 054 64 610 Blumenberg 66 3 379 2 154 10 611 Roggendorf/Thenhoven 53 3 783 2 070 20 612 Worringen 177 3 095 1 969 29 Stadtteil Stadtbezirk S tadt Köln durchschnittliches Haushaltsnettoeinkommen Pro-Kopf- Äquivalenzeinkommen ( Median; in Euro) Armuts- gefährdungs- quot e (in %) Kölner Statistische Nachrichten1/2024 – Einkommensverteilung in Köln 18 noch Tabelle 1: Monatliches Haushaltseinkommen und Pro-Kopf-Nettoäquivalenzeinkommen (in Euro) sowie Armutsgefährdungsquoten (in %) in den neun Stadtbezirken und 86 Stadtteilen * Stadtteilergebnisse mit einer Fallzahl unter 30 werden nicht ausgewiesen. Nr. n = in Euro 7 Porz 1 966 2 933 1 990 25 701 Poll 263 2 713 1 894 37 702 Westhoven 129 3 666 2 478 13 703 Ensen 147 3 118 1 935 27 704 Gremberghoven 29 * * * 705 Eil 126 3 088 2 273 15 706 Por z 257 2 679 1 874 29 707 Urbach 177 2 804 1 796 31 708 Elsdorf 31 4 323 * * 709 Grengel 71 2 524 1 896 38 710 Wahnheide 118 2 998 2 291 7 711 Wahn 113 3 340 1 953 11 712 Lind 68 3 060 2 385 11 713 Libur 18 * * * 714 Zündorf 295 3 524 2 330 17 715 Langel 75 3 500 2 578 15 716 Finkenberg 49 1 722 963 58 8 Kalk 1 700 2 645 1 659 34 801 Humboldt/Gremberg 188 2 088 1 369 35 802 Kalk 308 2 164 1 307 48 803 Vingst 119 2 222 1 545 34 804 Höhenberg 157 2 252 1 625 27 805 Ostheim 144 2 159 1 152 52 806 Merheim 211 3 553 2 308 21 807 Brück 219 3 908 2 352 19 808 Rath/Heumar 254 4 384 2 558 11 809 Neubrück 100 2 425 1 903 27 9 Mülheim 2 465 2 810 1 846 30 901 Mülheim 613 2 504 1 532 33 902 Buchforst 104 2 158 1 893 41 903 Buchheim 179 2 352 1 687 37 904 Holw eide 339 3 121 2 101 30 905 Dellbrück 515 3 205 2 052 24 906 Höhenhaus 275 3 607 2 198 19 907 Dünnw ald 187 2 568 1 394 43 908 Stammheim 127 3 308 2 283 17 909 Flittard 126 3 013 2 313 23 Köln insgesamt 21 586 3 208 2 119 24 Stadtteil Stadtbezirk Stadt Köln durchschnittliches Haushaltsnettoeinkommen Pro-Kopf- Äquivalenzeinkommen (Median; in Euro) Armuts- gefährdungs- quote (in %) Amt für Stadtentwicklung und Statistik Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ISSN 2192-9726 © Nachdruck (auch auszugsweise) nur mit Quellenangabe 13/15/0/02.2024 Amt für Stadtentwicklung und Statistik Willy-Brandt-Platz 2 50679 Köln E-Mail: statistik@stadt-koeln.de www.stadt-koeln.de/politik-und-verwaltung/statistik/

Beratungsverlauf

  1. 29.02.2024

    Ausschuss für Soziales, Seniorinnen und Senioren

    TOP 12.6, Kenntnisnahme (Mitteilung). Ergebnis: Kenntnis genommen
  2. 29.02.2024

    Wirtschaftsausschuss

    TOP 4.3, Kenntnisnahme (Mitteilung). Ergebnis: Kenntnis genommen
  3. 14.03.2024 zuletzt

    Stadtentwicklungsausschuss

    TOP 18.10, Kenntnisnahme (Mitteilung). Ergebnis: Kenntnis genommen

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