A-R/0051/2011
Vegetarischer Donnerstag in Münster - für Klima, Mensch, Umwelt und Tier
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Originalantrag
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Antrag an den Rat Nr. A-R/0051/2011 Ratsfraktion Bündnis 90/ Die Grünen/ GAL Die Linke Ratsfraktion Antrag zur sofortigen Beschlussfassung Vegetarischer Donnerstag in Münster – für Klima, Me nsch, Umwelt und Tier Akteure aus der Bürgerschaft planen am 16. Juli 201 1 einen Aktions- und Informationstag für einen „Vegetarischen Tag“ in Münster. Der Rat der Stadt Münster hat am 8. Dezember 2010 das Klimaschutzkonzept besc hlossen. In seinem Beschluss hat der Rat unterstrichen: „Das Klimaschu tzkonzept 2020 soll um einen weiteren Sektor „Landwirtschaft und Ernährung“ ergä nzt werden. Instrumente wie etwa die Propagierung eines freiwillig fleischlosen Wochentags sind dabei zu berücksichtigen.“ Vor diesem Hintergrund möge der Rat beschließen: Die Verwaltung wird beauftragt, das bürgerschaftlic he Engagement für einen freiwilligen vegetarischen Donnerstag aus Gründen d es Klimaschutzes, der Gesundheitsprävention sowie des Umwelt- und Tierschutzes zu unterstützen. Dies umfasst u.a. folgende Punkte: 1. Die Stadt Münster führt offiziell den Vegetarisc hen Donnerstag in Münster ein. Sie ruft alle Bürgerinnen und Bürger zur Teilnahme auf, wirbt bei öffentlichen Einrichtungen, beim Gastgewerbe und den ansässigen Unternehmen um Beteiligung. Der Vegetarische Donnerstag sieht vor, dass sich jeden Donnerstag möglichst viele Bürgerinnen und Bürger freiwillig f leisch- und fischlos ernähren. Hierzu muss es ein entsprechend vielseitiges vegeta risches Angebot sowie informierende und motivierende Aktionen und Hinweise geben. 2. Die Verwaltung wird beauftragt einen Anlaufpunkt zur Information und Koordinierung beteiligter Akteure und Interessierter einzurichten. 3. Um auf den Vegetarischen Donnerstag hinzuweisen, über ihn zu informieren und zur Teilnahme zu motivieren, sind mit Unterstützung der Verwaltung in Zusammenarbeit mit den beteiligten Akteuren entspre chende Informationsmaterialien zu erstellen. Die notwendigen Mittel sind aus der Produktgruppe 1 401 „Übergreifender Umweltschutz, Klima, Immissionsschutz, Boden, Abfall“ (Zeile 13 - Aufwendungen für Sach- und Dienstleistungen) in einer Höhe bis max. 5000 € zu finanzieren. Begründung: Die Stadt Münster ist eine lebenswerte Stadt und fü r ihren ehrgeizigen Umweltschutz bekannt. Der Vegetarische Donnerstag passt mit sein er positiven Intention, der Verbindung von Schönem mit Notwendigem und dem Schu tz von Klima, Umwelt, Gesundheit und Tieren gut zu unserer Stadt. Bei ein er Unterschriftensammlung durch private Initiativen haben sich über 1600 Müns teranerinnen und Münsteraner für die Einführung des Vegetarischen Donnerstags du rch Ihre Unterschrift ausgesprochen. I. Klimaschutz beginnt auf dem Teller Bei Erzeugung, Verarbeitung und Handel von tierisch en Lebensmitteln entstehen große Mengen von klimaschädlichen Treibhausgasen. D ie Produktion tierischer Lebensmittel verbraucht dabei wesentlich mehr Energ ie und Ressourcen als die Produktion pflanzlicher Lebensmittel. Die Viehhaltu ng ist für 18% der globalen Treibhausgase verantwortlich (FAO - Food and Agricu lture Organization: Livestock’s Long Shadow. FAO, Rom, 2006, S. 112), daher ist der ökologische Rucksack bei der Produktion tierischer Lebensmittel wesentlich größe r als in der Pflanzenproduktion. Schon 18% bedeuten, dass die Fleischproduktion für mehr Treibhausgase verantwortlich ist als der gesamte Straßenverkehr d er Welt mit etwa 14% (4. UN- Klimareport 2007: Summary for Policymakers of the S ynthesis Report of the IPCC Fourth Assessment Report). Zu den Ursachen der hohen Treibhausgasemissionen ge hören der Methanausstoß von Rinderherden, Aquakulturen, die Atmung der Tier e, Emissionen von tierischen Abfällen (Knochen, Gülle usw.), Nebenprodukte (Lede r, Federn usw.), Bau und Unterhaltung der Gebäude für die Aufzucht, Verpacku ng, Transport, Lagerung, Kühlung und Erhitzung, Abholzung und Brandrodung fü r Weideland und Futterproduktion sowie die industrielle Produktion von wachstumsfördernden und krankheitshemmenden Medikamenten für die Massentier haltung. Unter Berücksichtigung all dieser Faktoren und neuerer Da ten kommt das Worldwatch Institute (WWI) aus Washington zu dem Ergebnis, das s auf die Produktion von Fleisch, Fisch und Milch 51% der globalen Treibhaus gase zurückzuführen sind. Fleisch- und Fischkonsum hat also einen erheblichen Anteil am Klimawandel. Ernährung steht daher im direkten Zusammenhang mit Klimaschutz. Jede und Jeder kann seinen Beitrag dazu leisten. Ein Ernährungssti l, der mehr pflanzliche und weniger tierische Lebensmittel einbezieht, ist folg lich einer der wirkungsvollsten Beiträge zum Klimaschutz. Wenn alle 275.000 Bürgeri nnen und Bürger Münsters wöchentlich teilnähmen, hätte das den gleichen Effe kt auf die Treibhausgasemissionen, wie 20.000 Autos, die ein J ahr lang in der Garage bleiben (Berechnung EVA Belgien). Um ihre selbstgesteckten Klimaschutzziele (CO2- Reduktion von 40% bis 2020 im Vergleich zu 1990) zu erreichen, muss die Stadt auch die Potenziale einer stärker pflanzlich orientierten Ernährung nutzen. II. Viele gute Gründe sprechen für den Vegetarischen Donnerstag Nicht nur der bedeutende Klimaschutzaspekt spricht für die Einführung eines wöchentlichen Vegetarischen Donnerstags in Münster. Auch die Gesundheitsprävention, der Tier- und Umweltschutz s owie die Frage der Ernährungssicherheit sind gute Gründe für eine Redu zierung des Fleisch- und Fischkonsums. Gesundheitsprävention: In Deutschland werden zu wenig Obst und Gemüse, stattdessen aber zu viele tierische Produkte konsum iert. Die hohe Zufuhr an tierischen Fetten trägt zu vielen chronischen Krank heiten wie Übergewicht, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabete s mellitus und Krebs bei. Eine weniger fleischlastige Kost trägt daher zu einer ge sünderen Ernährung bei. Dadurch wird langfristig auch ein Beitrag zur Kostenreduzie rung im Gesundheitswesen geleistet. Außerdem wird mit dem Vegetarischen Donn erstag auch die Frage von „bewusst Genießen können und lernen“ aufgeworfen, w elche vor allem in Bildungseinrichtungen, die sich am Vegetarischen Do nnerstag beteiligen, an Kinder und Jugendliche herangetragen wird. Kochen lernen g ehört dabei ebenfalls zu den positiven Nebeneffekten. Umweltschutz: Nicht nur das Klima wird erheblich belastet, sonder n auch die natürliche Umwelt. Durch Brandrodungen für Viehweid en und Futtermittelanbau gehen große Teile des Regenwaldes verloren, mit der Konsequenz einer Verringerung der Artenvielfalt. Durch die einseitig e Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Flächen leidet die Bodenqualit ät und es kommt zwangsläufig zu vermehrter Bodenerosion. Des Weiteren werden durch die Massentierhaltung Umweltgifte in großen Mengen produziert, wie z.B. G ülle. Auch wird für die Fleischproduktion eine ungeheure Menge an Ressource n verbraucht. Für ein Kilogramm Rindfleisch werden beispielsweise durchsc hnittlich 16kg Getreide und Soja verfüttert, 50 Quadratmeter Regenwald vernicht et und 20.000 Liter Trinkwasser verbraucht. Auch die Industriefischerei führt zu Üb erfischung der Meere und bedroht viele Arten von Meerestieren. Beitrag zur Ernährungssicherheit / Bekämpfung des W elthungers: Die Fleischproduktion ist erwiesenermaßen ineffizient. Ein großer Teil der weltweiten Getreideproduktion wird als Tierfutter verwendet, w ährend zur gleichen Zeit etwa eine Milliarde Menschen an Hunger leiden. Insgesamt werden 70% der weltweiten Agrarflächen für die Fleischproduktion verwendet (H. Steinfeld et al, Livestock’s Long Shadow, FAO, 2006). Die pflanzlichen Futtermittel w erden durch Veredelungsverluste bei der Umwandlung in tierische Produkte nur ineffizient genutzt, so dass bis zu 90% der im Futter gespeiche rten Energie dabei verloren geht. Somit sind z.B. aus 10kg Getreide nur 1kg Rin dfleisch zu gewinnen. Ein großer Teil der Futtermittel für europäische Rinder wird a ls Monokultur-Soja in die EU importiert. Tierschutz: Auch der Tierschutz (im Grundgesetz als Staatsziel verankert) sollte nicht vergessen werden. Die Massentierhaltung strebt dana ch, eine maximale Menge an Fleisch, Milch und Eiern so schnell und billig wie möglich zu produzieren, und das bei minimaler Platzanforderung. Kühe, Kälber, Schweine, Hühner, Truthähne, Enten, Gänse, Kaninchen und andere Tiere werden in kleinen Käfigen oder Ställen gehalten, oft so beengt, dass sie sich nicht einmal umdrehen können. Mehrere Millionen Tiere werden jedes Jahr in Deutschland fü r die Produktion von Lebensmitteln getötet und erleben nur einen Bruchte il ihrer normalen Lebenserwartung unter zumeist extremen und unwürdigen Bedingungen. III. Ein Tag zum bewussten Genießen und zur Freude an sinnvollem Handeln Beim Vegetarischen Donnerstag ist die Teilnahme vol lkommen freiwillig und liegt in der persönlichen Entscheidung jeder und jedes Einzelnen. Es geht nicht um Verbote, sondern um mehr fleischfreie Angebote sowie um Freude am sinnvollen Handeln und Genuss. Durch positive Beispiele, öffentliche Aktio nen und gemeinsame Teilnahme wird der Vegetarische Donnerstag zu einem positiven Ereignis in der ganzen Stadt Münster, an dem die Bürgerinnen und Bürger sich gerne aktiv beteiligen. Hierdurch sollen die Münsteraner Bürgerinnen und Bü rger auf die oben genannten Hintergründe und Zusammenhänge zwischen vegetarisch er Ernährung und Klima-, Umwelt-, Gesundheits- und Tierschutz aufmerksam gem acht werden. Dabei werden die Möglichkeiten der Umsetzung in das alltägliche Leben dargestellt, so dass sich möglichst viele Bürgerinnen und Bürger donnerstags freiwillig fleisch- und fischlos ernähren. Der Vegetarische Donnerstag zielt darauf ab, vegeta rische Ernährung dauerhaft in die Essgewohnheiten der Bürgerinnen und Bürger zu i ntegrieren. In der Konzeption ist daher vorgesehen, dass das Projekt wöchentlich verwirklicht wird. Die Verbände, Vereine und Initiativen, die sich ehrenamtlich für den Vegetarischen Donnerstag stark machen, sollen von der Stadt Münster unterstützt werden. Um das Ziel einer Reduzierung des Fisch- und Fleisc hkonsums tatsächlich zu erreichen, ist die Gewährleistung eines umfangreich en und attraktiven vegetarischen Angebots notwendig. Hierzu bedarf es der Mitwirkung von Restaurants, Cafés, Mensen etc., wo donnerstags fortan vermehrt vegetar ische Speisen angeboten werden sollen (etwa in Form eines/mehrerer Tagesger ichts/e) bzw. auf schon vorhandene Angebote verstärkt hingewiesen werden so ll. Um einen Anreiz zur Teilnahme zu geben, sollen die teilnehmenden Gastbe triebe in den zu entwerfenden Stadtplan aufgenommen werden und Printmedien, wie etwa eine einheitliche Vorlage zur Gestaltung der Tageskarte und Informationsflyer , bereitgestellt werden. So erfahren die Bürgerinnen und Bürger an welchen Orte n sie am Vegetarischen Donnerstag teilnehmen können und haben die Möglichk eit, die vegetarische Ernährungsweise mit Genuss näher kennen zu lernen. Eine gelungene Umsetzung des Konzepts des Vegetaris chen Donnerstags ist in der belgischen Stadt Gent zu finden. Dort wurde 2009 de r Vegetarische Donnerstag eingeführt und von der Bevölkerung sehr gut angenom men. Bewährt hat sich dabei vor allem der vegetarische Stadtplan, der es Intere ssierten leicht macht am Donnerstag einen geeigneten Ort für vegetarisches E ssen zu finden. Der Erfolg des Projekts ist an zahlreichen Fernsehbeiträgen auch i m Deutschen Fernsehen, u.a. in den Sendungen Quarks & Co sowie Planet Wissen, abzu lesen. Das Projekt wird darüber hinaus auf der touristischen Homepage der S tadt Gent an herausragender Stelle beworben. Auch für Münster ist der Vegetaris che Donnerstag folglich als positiver Beitrag zum Stadtmarketing anzusehen. In Deutschland ist die Stadt Bremen in diesem Jahr dem Genter Beispiel gefolgt und hat ebenfalls einen Vegetarischen Donnerstag unter der Schirmherrschaft des Bürgermeisters und mit Unterstützung verschiedener Akteure (AOK, VHS, Vernetzungsstelle Schulverpflegung, Bremer Presse C lub und weiteren) eingeführt. Inzwischen beteiligen sich dort eine Vielzahl von E inrichtungen direkt am Vegetarischen Donnerstag (z.B. Jugendherberge, Seni oreneinrichtungen, Kindertagesstätten, Restaurants, Hotels, Schulen, K rankenhäuser und Kliniken, Kantinen von Unternehmen). IV. Bürgerschaftliches Engagement und Unterstützung der Stadt Als ein Projekt aus der Bürgerschaft der Stadt Müns ter wird der Vegetarische Donnerstag von breiten Bevölkerungskreisen getragen , bedarf dabei jedoch der koordinierenden Unterstützung der Stadtverwaltung. Die Verwaltung der Stadt Münster, die die Schirmherrschaft über das Projekt übernimmt, sollte eine koordinierende Position einnehmen, so dass die Mita rbeit der beteiligten Akteure optimal aufeinander abgestimmt werden kann und ein einheitliches Auftreten in der Öffentlichkeit gewährleistet ist. Hierzu gehört ins besondere die Öffentlichkeitsarbeit gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern im Rahmen der Einrichtung einer städtischen Anlaufstelle, aber auch gegenüber dem G astgewerbe sowie die Bewerbung des Projekts durch die Layout(weiter)entw icklung und Erstellung der Werbematerialien. Weiterhin soll von Seiten der Stadt versucht werden , Sponsoren wie z. B. Krankenkassen, Versicherungen, Geldinstitute etc. f ür den Vegetarischen Donnerstag zu gewinnen. Das Beispiel der Stadt Brem en zeigt, dass dies erfolgversprechend ist. gez. Fraktion Bündnis 90/Die Grünen/ GAL Die Linke Rats fraktion
Beratungsverlauf (1)
Details
- Vorlagen-Nr.
- A-R/0051/2011
- Typ
- Antrag an den Rat
- Datum
- 06.07.2011
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37