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A-R/0051/2011

Vegetarischer Donnerstag in Münster - für Klima, Mensch, Umwelt und Tier

Antrag an den Rat 06.07.2011

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Nächste Beratung: Rat, Sitzung am 13.07.2011, TOP 44.5

Originalantrag

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Originalantrag

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Antrag an den Rat Nr. A-R/0051/2011 
 
Ratsfraktion Bündnis 90/ Die Grünen/ GAL 
Die Linke Ratsfraktion 
 
Antrag zur sofortigen Beschlussfassung 
 
Vegetarischer Donnerstag in Münster – für Klima, Me nsch, Umwelt 
und Tier 
 
Akteure aus der Bürgerschaft planen am 16. Juli 201 1 einen Aktions- und 
Informationstag für einen „Vegetarischen Tag“ in Münster. Der Rat der Stadt Münster 
hat am 8. Dezember 2010 das Klimaschutzkonzept besc hlossen. In seinem 
Beschluss hat der Rat unterstrichen: „Das Klimaschu tzkonzept 2020 soll um einen 
weiteren Sektor „Landwirtschaft und Ernährung“ ergä nzt werden. Instrumente wie 
etwa die Propagierung eines freiwillig fleischlosen  Wochentags sind dabei zu 
berücksichtigen.“ 
 
Vor diesem Hintergrund möge der Rat beschließen: 
 
 
Die Verwaltung wird beauftragt, das bürgerschaftlic he Engagement für einen 
freiwilligen vegetarischen Donnerstag aus Gründen d es Klimaschutzes, der 
Gesundheitsprävention sowie des Umwelt- und Tierschutzes zu unterstützen.  
 
Dies umfasst u.a. folgende Punkte: 
1. Die Stadt Münster führt offiziell den Vegetarisc hen Donnerstag in Münster ein. Sie 
ruft alle Bürgerinnen und Bürger zur Teilnahme auf,  wirbt bei öffentlichen 
Einrichtungen, beim Gastgewerbe und den ansässigen Unternehmen um 
Beteiligung. Der Vegetarische Donnerstag sieht vor,  dass sich jeden Donnerstag 
möglichst viele Bürgerinnen und Bürger freiwillig f leisch- und fischlos ernähren. 
Hierzu muss es ein entsprechend vielseitiges vegeta risches Angebot sowie 
informierende und motivierende Aktionen und Hinweise geben. 
2. Die Verwaltung wird beauftragt einen Anlaufpunkt  zur Information und 
Koordinierung beteiligter Akteure und Interessierter einzurichten. 
3. Um auf den Vegetarischen Donnerstag hinzuweisen,  über ihn zu informieren und 
zur Teilnahme zu motivieren, sind mit Unterstützung  der Verwaltung in 
Zusammenarbeit mit den beteiligten Akteuren entspre chende 
Informationsmaterialien zu erstellen.  
 
Die notwendigen Mittel sind aus der Produktgruppe 1 401 „Übergreifender 
Umweltschutz, Klima, Immissionsschutz, Boden, Abfall“ (Zeile 13 - Aufwendungen für 
Sach- und Dienstleistungen) in einer Höhe bis max. 5000 € zu finanzieren. 
 
 
Begründung:  
Die Stadt Münster ist eine lebenswerte Stadt und fü r ihren ehrgeizigen Umweltschutz 
bekannt. Der Vegetarische Donnerstag passt mit sein er positiven Intention, der 
Verbindung von Schönem mit Notwendigem und dem Schu tz von Klima, Umwelt, 
Gesundheit und Tieren gut zu unserer Stadt. Bei ein er Unterschriftensammlung 
durch private Initiativen haben sich über 1600 Müns teranerinnen und Münsteraner 
für die Einführung des Vegetarischen Donnerstags du rch Ihre Unterschrift 
ausgesprochen. 
 
I. Klimaschutz beginnt auf dem Teller 
Bei Erzeugung, Verarbeitung und Handel von tierisch en Lebensmitteln entstehen 
große Mengen von klimaschädlichen Treibhausgasen. D ie Produktion tierischer

Lebensmittel verbraucht dabei wesentlich mehr Energ ie und Ressourcen als die 
Produktion pflanzlicher Lebensmittel. Die Viehhaltu ng ist für 18% der globalen 
Treibhausgase verantwortlich (FAO - Food and Agricu lture Organization: Livestock’s 
Long Shadow. FAO, Rom, 2006, S. 112), daher ist der  ökologische Rucksack bei der 
Produktion tierischer Lebensmittel wesentlich größe r als in der Pflanzenproduktion. 
Schon 18% bedeuten, dass die Fleischproduktion für mehr Treibhausgase 
verantwortlich ist als der gesamte Straßenverkehr d er Welt mit etwa 14% (4. UN-
Klimareport 2007: Summary for Policymakers of the S ynthesis Report of the IPCC 
Fourth Assessment Report). 
 
Zu den Ursachen der hohen Treibhausgasemissionen ge hören der Methanausstoß 
von Rinderherden, Aquakulturen, die Atmung der Tier e, Emissionen von tierischen 
Abfällen (Knochen, Gülle usw.), Nebenprodukte (Lede r, Federn usw.), Bau und 
Unterhaltung der Gebäude für die Aufzucht, Verpacku ng, Transport, Lagerung, 
Kühlung und Erhitzung, Abholzung und Brandrodung fü r Weideland und 
Futterproduktion sowie die industrielle Produktion von wachstumsfördernden und 
krankheitshemmenden Medikamenten für die Massentier haltung. Unter 
Berücksichtigung all dieser Faktoren und neuerer Da ten kommt das Worldwatch 
Institute (WWI) aus Washington zu dem Ergebnis, das s auf die Produktion von 
Fleisch, Fisch und Milch 51% der globalen Treibhaus gase zurückzuführen sind. 
Fleisch- und Fischkonsum hat also einen erheblichen Anteil am Klimawandel. 
Ernährung steht daher im direkten Zusammenhang mit Klimaschutz. Jede und Jeder 
kann seinen Beitrag dazu leisten. Ein Ernährungssti l, der mehr pflanzliche und 
weniger tierische Lebensmittel einbezieht, ist folg lich einer der wirkungsvollsten 
Beiträge zum Klimaschutz. Wenn alle 275.000 Bürgeri nnen und Bürger Münsters 
wöchentlich teilnähmen, hätte das den gleichen Effe kt auf die 
Treibhausgasemissionen, wie 20.000 Autos, die ein J ahr lang in der Garage bleiben 
(Berechnung EVA Belgien). Um ihre selbstgesteckten Klimaschutzziele (CO2-
Reduktion von 40% bis 2020 im Vergleich zu 1990) zu  erreichen, muss die Stadt 
auch die Potenziale einer stärker pflanzlich orientierten Ernährung nutzen. 
 
II. Viele gute Gründe sprechen für den Vegetarischen Donnerstag 
Nicht nur der bedeutende Klimaschutzaspekt spricht für die Einführung eines 
wöchentlichen Vegetarischen Donnerstags in Münster.  Auch die 
Gesundheitsprävention, der Tier- und Umweltschutz s owie die Frage der 
Ernährungssicherheit sind gute Gründe für eine Redu zierung des Fleisch- und 
Fischkonsums. 
 
Gesundheitsprävention:  In Deutschland werden zu wenig Obst und Gemüse, 
stattdessen aber zu viele tierische Produkte konsum iert. Die hohe Zufuhr an 
tierischen Fetten trägt zu vielen chronischen Krank heiten wie Übergewicht, 
Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabete s mellitus und Krebs bei. Eine 
weniger fleischlastige Kost trägt daher zu einer ge sünderen Ernährung bei. Dadurch 
wird langfristig auch ein Beitrag zur Kostenreduzie rung im Gesundheitswesen 
geleistet. Außerdem wird mit dem Vegetarischen Donn erstag auch die Frage von 
„bewusst Genießen können und lernen“ aufgeworfen, w elche vor allem in 
Bildungseinrichtungen, die sich am Vegetarischen Do nnerstag beteiligen, an Kinder 
und Jugendliche herangetragen wird. Kochen lernen g ehört dabei ebenfalls zu den 
positiven Nebeneffekten. 
 
Umweltschutz: Nicht nur das Klima wird erheblich belastet, sonder n auch die 
natürliche Umwelt. Durch Brandrodungen für Viehweid en und Futtermittelanbau 
gehen große Teile des Regenwaldes verloren, mit der  Konsequenz einer 
Verringerung der Artenvielfalt. Durch die einseitig e Bewirtschaftung der

landwirtschaftlichen Flächen leidet die Bodenqualit ät und es kommt zwangsläufig zu 
vermehrter Bodenerosion. Des Weiteren werden durch die Massentierhaltung 
Umweltgifte in großen Mengen produziert, wie z.B. G ülle. Auch wird für die 
Fleischproduktion eine ungeheure Menge an Ressource n verbraucht. Für ein 
Kilogramm Rindfleisch werden beispielsweise durchsc hnittlich 16kg Getreide und 
Soja verfüttert, 50 Quadratmeter Regenwald vernicht et und 20.000 Liter Trinkwasser 
verbraucht. Auch die Industriefischerei führt zu Üb erfischung der Meere und bedroht 
viele Arten von Meerestieren. 
 
Beitrag zur Ernährungssicherheit / Bekämpfung des W elthungers:  Die 
Fleischproduktion ist erwiesenermaßen ineffizient. Ein großer Teil der weltweiten 
Getreideproduktion wird als Tierfutter verwendet, w ährend zur gleichen Zeit etwa 
eine Milliarde Menschen an Hunger leiden. Insgesamt  werden 70% der weltweiten 
Agrarflächen für die Fleischproduktion verwendet (H. Steinfeld et al, Livestock’s Long 
Shadow, FAO, 2006). Die pflanzlichen Futtermittel w erden durch 
Veredelungsverluste bei der Umwandlung in tierische  Produkte nur ineffizient 
genutzt, so dass bis zu 90% der im Futter gespeiche rten Energie dabei verloren 
geht. Somit sind z.B. aus 10kg Getreide nur 1kg Rin dfleisch zu gewinnen. Ein großer 
Teil der Futtermittel für europäische Rinder wird a ls Monokultur-Soja in die EU 
importiert. 
Tierschutz: Auch der Tierschutz (im Grundgesetz als Staatsziel verankert) sollte nicht 
vergessen werden. Die Massentierhaltung strebt dana ch, eine maximale Menge an 
Fleisch, Milch und Eiern so schnell und billig wie möglich zu produzieren, und das bei 
minimaler Platzanforderung. Kühe, Kälber, Schweine,  Hühner, Truthähne, Enten, 
Gänse, Kaninchen und andere Tiere werden in kleinen  Käfigen oder Ställen 
gehalten, oft so beengt, dass sie sich nicht einmal  umdrehen können. Mehrere 
Millionen Tiere werden jedes Jahr in Deutschland fü r die Produktion von 
Lebensmitteln getötet und erleben nur einen Bruchte il ihrer normalen 
Lebenserwartung unter zumeist extremen und unwürdigen Bedingungen. 
 
III. Ein Tag zum bewussten Genießen und zur Freude an sinnvollem Handeln 
Beim Vegetarischen Donnerstag ist die Teilnahme vol lkommen freiwillig und liegt in 
der persönlichen Entscheidung jeder und jedes Einzelnen. Es geht nicht um Verbote, 
sondern um mehr fleischfreie Angebote sowie um Freude am sinnvollen Handeln und 
Genuss. Durch positive Beispiele, öffentliche Aktio nen und gemeinsame Teilnahme 
wird der Vegetarische Donnerstag zu einem positiven  Ereignis in der ganzen Stadt 
Münster, an dem die Bürgerinnen und Bürger sich gerne aktiv beteiligen. 
Hierdurch sollen die Münsteraner Bürgerinnen und Bü rger auf die oben genannten 
Hintergründe und Zusammenhänge zwischen vegetarisch er Ernährung und Klima-, 
Umwelt-, Gesundheits- und Tierschutz aufmerksam gem acht werden. Dabei werden 
die Möglichkeiten der Umsetzung in das alltägliche Leben dargestellt, so dass sich 
möglichst viele Bürgerinnen und Bürger donnerstags freiwillig fleisch- und fischlos 
ernähren. 
 
Der Vegetarische Donnerstag zielt darauf ab, vegeta rische Ernährung dauerhaft in 
die Essgewohnheiten der Bürgerinnen und Bürger zu i ntegrieren. In der Konzeption 
ist daher vorgesehen, dass das Projekt wöchentlich verwirklicht wird. Die Verbände, 
Vereine und Initiativen, die sich ehrenamtlich für den Vegetarischen Donnerstag 
stark machen, sollen von der Stadt Münster unterstützt werden. 
 
Um das Ziel einer Reduzierung des Fisch- und Fleisc hkonsums tatsächlich zu 
erreichen, ist die Gewährleistung eines umfangreich en und attraktiven vegetarischen 
Angebots notwendig. Hierzu bedarf es der Mitwirkung  von Restaurants, Cafés, 
Mensen etc., wo donnerstags fortan vermehrt vegetar ische Speisen angeboten 
werden sollen (etwa in Form eines/mehrerer Tagesger ichts/e) bzw. auf schon

vorhandene Angebote verstärkt hingewiesen werden so ll. Um einen Anreiz zur 
Teilnahme zu geben, sollen die teilnehmenden Gastbe triebe in den zu entwerfenden 
Stadtplan aufgenommen werden und Printmedien, wie etwa eine einheitliche Vorlage 
zur Gestaltung der Tageskarte und Informationsflyer , bereitgestellt werden. So 
erfahren die Bürgerinnen und Bürger an welchen Orte n sie am Vegetarischen 
Donnerstag teilnehmen können und haben die Möglichk eit, die vegetarische 
Ernährungsweise mit Genuss näher kennen zu lernen. 
 
Eine gelungene Umsetzung des Konzepts des Vegetaris chen Donnerstags ist in der 
belgischen Stadt Gent zu finden. Dort wurde 2009 de r Vegetarische Donnerstag 
eingeführt und von der Bevölkerung sehr gut angenom men. Bewährt hat sich dabei 
vor allem der vegetarische Stadtplan, der es Intere ssierten leicht macht am 
Donnerstag einen geeigneten Ort für vegetarisches E ssen zu finden. Der Erfolg des 
Projekts ist an zahlreichen Fernsehbeiträgen auch i m Deutschen Fernsehen, u.a. in 
den Sendungen Quarks & Co sowie Planet Wissen, abzu lesen. Das Projekt wird 
darüber hinaus auf der touristischen Homepage der S tadt Gent an herausragender 
Stelle beworben. Auch für Münster ist der Vegetaris che Donnerstag folglich als 
positiver Beitrag zum Stadtmarketing anzusehen. 
 
In Deutschland ist die Stadt Bremen in diesem Jahr dem Genter Beispiel gefolgt und 
hat ebenfalls einen Vegetarischen Donnerstag unter der Schirmherrschaft des 
Bürgermeisters und mit Unterstützung verschiedener Akteure (AOK, VHS, 
Vernetzungsstelle Schulverpflegung, Bremer Presse C lub und weiteren) eingeführt. 
Inzwischen beteiligen sich dort eine Vielzahl von E inrichtungen direkt am 
Vegetarischen Donnerstag (z.B. Jugendherberge, Seni oreneinrichtungen, 
Kindertagesstätten, Restaurants, Hotels, Schulen, K rankenhäuser und Kliniken, 
Kantinen von Unternehmen).  
 
IV. Bürgerschaftliches Engagement und Unterstützung der Stadt 
Als ein Projekt aus der Bürgerschaft der Stadt Müns ter wird der Vegetarische 
Donnerstag von breiten Bevölkerungskreisen getragen , bedarf dabei jedoch der 
koordinierenden Unterstützung der Stadtverwaltung. Die Verwaltung der Stadt 
Münster, die die Schirmherrschaft über das Projekt übernimmt, sollte eine 
koordinierende Position einnehmen, so dass die Mita rbeit der beteiligten Akteure 
optimal aufeinander abgestimmt werden kann und ein einheitliches Auftreten in der 
Öffentlichkeit gewährleistet ist. Hierzu gehört ins besondere die Öffentlichkeitsarbeit 
gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern im Rahmen der  Einrichtung einer 
städtischen Anlaufstelle, aber auch gegenüber dem G astgewerbe sowie die 
Bewerbung des Projekts durch die Layout(weiter)entw icklung und Erstellung der 
Werbematerialien. 
Weiterhin soll von Seiten der Stadt versucht werden , Sponsoren wie z. B. 
Krankenkassen, Versicherungen, Geldinstitute etc. f ür den Vegetarischen 
Donnerstag zu gewinnen. Das Beispiel der Stadt Brem en zeigt, dass dies 
erfolgversprechend ist. 
 
 
gez.  
Fraktion Bündnis 90/Die Grünen/ GAL  Die Linke Rats fraktion

Beratungsverlauf (1)

13.07.2011 Rat
TOP 44.5 Antrag Entscheidung

Beschluss: mehrheitlich beschlossen

Zur Sitzung

Details

Vorlagen-Nr.
A-R/0051/2011
Typ
Antrag an den Rat
Datum
06.07.2011
Erstellt
06.10.2020 14:37