A-R/0034/2016
Münsters Kriegerdenkmäler kritisch aufarbeiten!
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a-r-0034-Kriegerdenkmale
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Antrag an den Rat Nr. A-R/0034/2016 21.06.2016 Ratsantrag Münsters Kriegerdenkmäler kritisch aufarbeiten! Der Rat der Stadt Münster möge beschließen: 1. Die Stadt gibt ein Gutachten in Auftrag, dass die Kriegerdenkmäler in Münster systematisch im Hinblick auf Kriegsverherrlichung, Heldenverehrung, Militarismus, Nationalismus, Revanchismus und Kolonialismus identifiziert und aufzeigt, wie sich jeweils diese Aspekte auch geschichtlich darstellen. 2. Die Verwaltung prüft auf Basis des Ergebnisses des Gutachtens systematisch die nachfolgenden Möglichkeiten eines zukünftigen Umgangs mit den identifizierten, belasteten Kriegerdenkmälern hinsichtlich seiner rechtlichen, finanziellen und stadtplanerischen Bedingungen und legt dazu einen ausführlichen Bericht vor. Insbesondere soll in dem Bericht angegeben werden, a. welche rechtlichen Möglichkeiten einer Versetzung, einer substanziellen (künstlerischen) Veränderung oder einer (an oder in der Nähe) angebrachten Informationsquelle der genannten Denkmäler bestehen. b. wie hoch der finanzielle Aufwand jeweils einer Versetzung der betreffenden Denkmäler wäre. Auch die Kosten einer angemessenen, wetterfesten und regelmäßig zu säubernden Beschilderung sollen beziffert werden. Ferner soll angegeben werden, wie hoch aktuell der jährliche finanzielle Aufwand zur Pflege und zum Erhalt des jeweiligen Denkmals ist. c. wie die stadtplanerischen Bedingungen zu den betreffenden Kriegerdenkmälern beschaffen sind. Dazu soll angegeben werden, DIE LINKE. Ratsfraktion Münster Achtermannstraße 19 48143 Münster Telefon 02 51 / 9 81 60 51 An den Oberbürgermeister 2/3 − bei welchen Denkmälern geeignete Flächen für ein „ Gegendenkmal“ in etwa der gleichen Größe im Umfeld des jeweiligen Kriegerdenkmals vorhanden sind. − ob es eine städtische Fläche gibt, die als „Freili chtmuseum“ für „ausgemusterte“ Kriegerdenkmäler dienen könnte. Begründung: Die aktuellen Diskussionen um den zukünftigen Standort des Paul-Wulf-Skulptur von Silke Wagner zeigen bereits an, was mit der kommenden Skulptur Projekte Münster 2017 - Ausstellung und auch in Zukunft Thema sein wird: Welche Denkmäler sollen in unserer Stadt welche Botschaften an welchem Standort aussenden? Welche Botschaften sind der Stadt wichtig und welche lehnt sie ab? Die Kriegerdenkmäler stellen eine besondere Gruppe von seit langem bestehenden und „aus der Zeit gefallenen“ Denkmälern in Münster dar. Die Ikonographien und Inschriften der Kriegerdenkmäler heroisieren die Täter eines unmenschlichen Kriegshandelns. Oft sind ihre Botschaften zudem nationalistisch, militaristisch, revanchistisch und mindestens einmal (Traindenkmal) sogar kolonialistisch eingefärbt. Beispielhaft für die Problematik der Botschaften sei hier ein Text am Denkmal des Stehenden Soldaten zitiert: „Ob auch alles um uns sank/ Lasst uns nicht entarten!/ Haltet Schwert und Ehre blank/ Unsere Toten – Warten!“ Die Friedensstadt Münster verhält sich zu den Kriegerdenkmälern seit Jahrzehnten überwiegend passiv (Ausnahme hier: Die Steinbänke von Jenny Holzer als „Gegendenkmal“). Ungeachtet mancher positiver Botschaften, wie etwa „Toleranz durch Dialog“ mit der Skulptur des Eduardo Cillida, bleiben die Kriegerdenkmäler mit ihren problematischen Botschaften bisher unangetastet im öffentlichen Raum stehen. Die jahrelange Debatte um die zentrale Gedenkfeier anlässlich des Volkstrauertags am Dreizehnerdenkmal wurde kürzlich aufgrund der belasteten Inschrift „Treue um Treue“ (von der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg verwendet) entschieden. Sogar die Bundeswehr selbst hatte auf Anfrage von DIE LINKE festgestellt, dass vorgenannter Wahlspruch nicht geeignet sei, Traditionen der Bundeswehr zu pflegen. Dennoch prangt dieser Wahlspruch in seiner alten „Pracht“ weiterhin unkommentiert auf die Promenade hinunter. Stille und manchmal laute Proteste aus der Bevölkerung finden und fanden seit Jahrzehnten immer wieder gegen Münsters Kriegerdenkmäler statt: Proteste gegen die (nunmehr verlegten) zentralen Gedenkfeiern am Volkstrauertag am Dreizehner-Denkmal, die Verhüllung des Traindenkmals als „Schandmal“ und 1984 eine Gedenksteinschenkung des Arbeitskreises AKAFRIK für die von Deutschen getöteten Herero an die Stadt (von ihr 3/3 nicht angenommen), ein Graffiti „DENK-MAL“ auf dem Kürassierdenkmal u.a.m. Die „Friedensstadt“ Münster hat, will sie ihrem eigenen Anspruch gerecht werden, die Pflicht, sich endlich auch als Stadt kritisch mit den im öffentlichen Raum ausgestellten Kriegerdenkmälern zu befassen. Dazu hat sie viele verschiedene Möglichkeiten und nicht jedes Kriegerdenkmal ist ein Tempel von Palmyra! Zu 1: Das geforderte Gutachten kann auf Dokumentationen wie z.B. das verdienstvolle „Erinnern im öffentlichen Raum. Krieger-Denkmäler – Ehrenmale – Mahnmale und Kriegsgräberstätten in Münster“ von Anja Gussek und Fritz von Poblotzki, herausgegeben vom Stadtarchiv, aufbauen. Auch existieren zu einzelnen Denkmälern bereits hervorragende historische Aufbereitungen, so dass es hier v.a. um die Identifizierung der im Hinblick auf die o.g. Kriterien belasteten Denk- bzw. Ehrenmäler geht. Zu 2: Der vorliegende Beschluss dient dazu, die rechtlichen, finanziellen und stadtplanerischen Aspekte möglicher Optionen zu prüfen und sie ggf. zur Grundlage weiterer Schritte einer politischen Umsetzung zu machen. Eine Möglichkeit zum Umgang mit den belasteten Kriegerdenkmälern wäre etwa ein „Freiluftmuseum“ ähnlich wie die Dauerausstellung „Enthüllt. Berlin und seine Denkmäler“ auf der Geschichtsinsel Zitadelle, eingebunden in einen Kontext, der auch die Wirkungsgeschichte und Debatten um die Denkmäler in den jeweiligen Epochen nachzeichnet. Rüdiger Sagel, Fatma Kirgil, Ortrud Philipp, Heiko Wischnewski DIE LINKE . Ratsfraktion Münster
Beratungsverlauf (1)
Orte (2)
- Achtermannstraße 19
- Promenade
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Details
- Aktenzeichen
- A-R/0034/2016
- Typ
- Antrag an den Rat
- Datum
- 21.06.2016
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37