3297/2023
Beantwortung einer Anfrage der SPD betreffend "Ausstiegswohnung für Menschen in der Prostitution in Köln" AN/1636/2023
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Beantwortung einer Anfrage (Ausschuss)
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Dezernat, Dienststelle V/53 Vorlagen-Nummer 24.10.2023 3297/2023 Beantwortung einer Anfrage nach § 4 der Geschäftsordnung öffentlicher Teil Gremium Datum Ausschuss für Soziales, Seniorinnen und Senioren 16.11.2023 Gesundheitsausschuss 21.11.2023 Ausschuss für die Gleichstellung von Frauen und Männern 04.12.2023 Beantwortung einer Anfrage der SPD betreffend "Ausstiegswohnung für Menschen in der Prostitution in Köln" AN/1636/2023 Mit der Anfrage AN/1636/2023 stellt die SPD-Fraktion folgende Fragen: 1. Welche Hilfen für den Ausstieg von Frauen in der Prostitution werden zurzeit in Köln schon vorgehalten oder sind geplant? 2. Gibt es Zahlen dazu, wie viele Frauen in den letzten Jahren beim Ausstieg unterstützt wur- den und denen der Ausstieg dann auch langfristig gelungen ist? 3. Gibt es Ausstiegswohnungen in Köln, und wenn nicht, warum? 4. Hat die Stadtverwaltung Kenntnis von Beantragungen auf Zuwendungen aus dem „Sonder- vermögen Krisenbewältigung: Mittelabruf zur Unterstützung von Beratungsstellen für Pros- tituierte, Fachberatungsstellen zur Gewaltprävention und Männerschutzwohnungen“ aus Köln? Die Verwaltung teilt dazu folgendes mit: Zu 1 Welche Hilfen für den Ausstieg von Frauen in der Prostitution werden zurzeit in Köln schon vorgehalten oder sind geplant? Die Stadt Köln hält seit Jahren ein breit aufgestelltes Hilfsangebot für Sexarbeiter*innen vor, in dem auch Ausstiegsanliegen begleitet und unterstützt werden. Dieses setzt sich aus spezifi- schen Anlaufstellen für Sexarbeiter*innen und einem breiten nicht spezifischen Hilfesystem zu- sammen. Viele Risiken und Problemlagen bei den Menschen, die mit Sexarbeit ihren Lebens- unterhalt verdienen und Unterstützung suchen, ergeben sich aus dem komplexen Lebenskon- text und nicht unbedingt aus dem Umstand der Sexarbeit. Spezifische Angebote und Ausstiegshilfen für Sexarbeiter*innen in Köln werden angeboten vom: • Gesundheitsamt der Stadt Köln Bietet gesundheitliche Versorgung in anonymen und kostenlosen medizinischen Sprechstun- den sowie anonyme Psychosoziale Beratung im Gesundheitsamt am Neumarkt an. Neben re- gelmäßiger aufsuchender Arbeit der verschiedenen Sexarbeitssettings in Köln gibt es seit 2017 2 die Gesundheitliche Beratungsstelle nach §10 Prostituiertenschutzgesetz im Stadthaus Köln Deutz. Hier erhalten alle Menschen, die sich in Köln nach Prostituiertenschutzgesetz anmelden und zur Gesundheitlichen Pflicht-Beratung vorstellen, individuelle passende Information über das vielfältige Kölner Hilfsangebot. • Sozialdienst katholischer Frauen e.V. Köln (SkF) Die Beratungsstelle „Rahab“ ist Teil der Prostituiertenhilfe des SkF e.V. Köln. Neben der aufsu- chenden Arbeit hält „Rahab“ eine offene Sprechstunde in der Geschäftsstelle am Mauritius- steinweg in Köln vor. „Rahab“ berät Frauen und vermittelt sie bei Bedarf in weiterführende Hil- fen, um ausstiegsmotivierte Frauen zu begleiten und Frauen, die nicht aussteigen können oder wollen, gesundheitlich und sozial zu stabilisieren. Der SkF e.V. ergänzte sein Angebot zu Beginn des Jahres 2020 um „Rahab+“, ein Modellpro- jekt, um Frauen in der Sexarbeit bei Ausstiegsprozessen intensiver zu unterstützen. Mit den Bausteinen Prüfung und Sicherung von Leistungsansprüchen, Klärung schulischer und berufli- cher Qualifikationen und Wünsche, Coaching und Vermittlung in Qualifizierungen, Ausbildung, Praktika oder Arbeit, werden ausstiegsmotivierte Sexarbeiter*innen längerfristig bei der berufli- chen Neuorientierung unterstützt. Dieses Angebot wurde bis zum 31.08.2023 vom Jobcenter Köln und dem Amt für Soziales und Senioren mit seinem Programm KomProArBeit gefördert. Für die Zeit vom 31.08.2023 bis zum 31.12.2023 ist die Finanzierung durch Mittel aus dem Stärkungspakt NRW gesichert. Der SKF überprüft zurzeit die Möglichkeiten einer Anschlussfi- nanzierung z.B. durch EU-Mittel und oder Spenden. • Looks e.V. Köln Die Anlauf-und Beratungsstelle für Menschen der männlichen und transidenten Prostitutions- szene bietet ein breites Spektrum an Beratung und psychosozialer Unterstützung an. Dieses umfasst neben Basismedizinischen Angeboten weiterführende Hilfsangebote. Hierzu gehören Unterstützung bei der Wohnungssuche genauso wie viele weitere Angebote, die der sozialen und psychischen Stabilisierung dienen. Ausstiegsprozesse werden z.B. durch die Suche nach alternativen Arbeitsmöglichkeiten und konkreter Hilfe bei der Erstellung von Bewerbungsunter- lagen begleitet. Die Träger spezifischer Hilfsangebote für Sexarbeiter*innen kooperieren untereinander und mit dem breiten Netz weitergehender Hilfestrukturen in Köln. Bei Bedarf können Sexarbeiter*innen in das weitere Hilfesystem vermittelt werden. Zum nicht Sexarbeit-Spezifischen Hilfesystem in Köln gehören unter anderem: agisra e.V., dieser Träger unterstützt insbesondere Migrant*innen, die sich in Gewaltverhält- nissen befinden und von Sexismus, Rassismus und anderen Unterdrückungsformen betroffen sind. agisra e.V. ist mit aufsuchender Arbeit an verschiedenen Sexarbeitsorten in Köln unter- wegs. Clearingstelle für Migration, die bei Bedarf etwaige Leistungsansprüche prüfen kann, sowie viele weitere Angebote, die nicht Sexarbeitsspezifisch jedoch relevant sind, um mögliche Alter- nativen und einen perspektivischen Ausstieg aus der Sexarbeit, wenn dies gewünscht wird, zu realisieren. Zu 2 Gibt es Zahlen dazu, wie viele Frauen in den letzten Jahren beim Ausstieg unter- stützt wurden und denen der Ausstieg dann auch langfristig gelungen ist? Zahlen dazu, wie viele Sexarbeiter*innen insgesamt in Köln beim Ausstieg begleitet wurden und bei denen der Ausstieg langfristig gelungen ist, gibt es nicht. Sexarbeiter*innen werden im Aus- stiegsprozess begleitet, bis sie in weiterführenden Hilfen wie der Schuldnerberatung oder der Wohnungslosenhilfe angekommen sind. Ob ein Ausstieg aus der Sexarbeit langfristig gelungen ist, lässt sich in den allerwenigsten Fäl- len nachvollziehen. 3 Seit einigen Jahren kommt es zu einem Ausweichen von Sexarbeiter*innen in für Behörden und Träger nichtsichtbare Settings, so dass es aktuell kaum valide Daten zum Prostitutionsgesche- hen, zur Zahl der in Köln (und Deutschland) arbeitenden Prostituierten oder zu gelungenen Ausstiegen gibt. Zudem ist Prostitution unbeständig, es gibt Menschen, die nur gelegentlich in der Prostitution arbeiten oder/und solche, die ihren Lebensunterhalt vollständig mit Sexarbeit verdienen. Der Verwaltung liegen jedoch konkrete Zahlen zur Nutzung des Rahab+ Angebotes des SkF e.V. Köln vor: Im Jahr 2020/2021 haben 16, 2021/2022 23 und im Jahr 2022/2023 ebenfalls 23 Sexarbei- ter*innen an dem Ausstiegsprogramm teilgenommen. Voraussetzung für die Aufnahme zu Rahab+ ist eine schriftliche Ausstiegserklärung. Insgesamt haben sich 40 Sexarbeiter*innen bis zum Sommer 2023 auf den längerfristigen Hilfeprozess durch Rahab+ eingelassen. Da nur ein kleiner Teil der Sexarbeiter*innen bei Eintritt in die Begleitung durch Rahab+ einen Leistungsanspruch hatte, mussten in den meisten Fällen zuerst eine geringfügige Beschäfti- gung vermittelt werden, da nur unter dieser Voraussetzung and ere ausschlaggebende Um- stände wie z.B. fehlende Kranken- und Sozialversicherung, aufenthaltsrechtliche Fragen, Woh- nen, Spracherwerb, gesundheitliche Versorgung und weitere Qualifizierungsmaßnahmen bear- beitet werden können. Zu 3 Gibt es Ausstiegswohnungen in Köln, und wenn nicht, warum? Aus den verschiedenen Beratungsangeboten für Sexarbeiter*innen ist bekannt, dass Woh- nungslosigkeit bzw. „verdeckte Wohnungslosigkeit“ ein häufiges Problem ist, dessen Ursache jedoch nicht in der Sexarbeit begründet liegt. In Köln gibt es deshalb keine spezifischen „Aus- stiegswohnungen“. Bei Bedarf, z.B. bei einer bekannt gewordenen Gefährdungslage, kann aber aus allen Anlaufstellen, die spezifische Unterstützung für Sexarbeiter*innen anbieten, über die Vermittlung in z.B. Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe ReSo-Dienste der Stadt Köln und Wohnungsamt Betreute Wohnangebote Gewaltschutzzentren eine sichere Unterbringung gewährleisten werden. Zu 4 Hat die Stadtverwaltung Kenntnis von Beantragungen auf Zuwendungen aus dem „Sondervermögen Krisenbewältigung: Mittelabruf zur Unterstützung von Beratungsstel- len für Prostituierte, Fachberatungsstellen zur Gewaltprävention und Männerschutzwoh- nungen“ aus Köln? Dem Gesundheitsamt liegen keine Anträge oder Anfragen zu Zuwendungen aus dem o. g. „Sondervermögen“ vor. Gez. Dr. Rau
Beratungsverlauf (3)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 3297/2023
- Typ
- Beantwortung einer Anfrage (Ausschuss)
- Datum
- 24.10.2023
- Erstellt
- 16.10.2023 11:01